{"id":1402,"date":"2020-09-21T09:52:22","date_gmt":"2020-09-21T09:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1402"},"modified":"2026-01-09T09:30:10","modified_gmt":"2026-01-09T09:30:10","slug":"rudolfsbrunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/rudolfsbrunnen\/","title":{"rendered":"Rudolfsbrunnen &amp; Boznerplatz"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Rudolfsbrunnen &amp; Boznerplatz<\/h2>\n<p>Boznerplatz<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Rudolfsbrunnen-Innsbruck-Bozner-Platz.jpg&#8220; alt=&#8220;Rudolfsbrunnen Innsbruck Bozner Platz&#8220; title_text=&#8220;Rudolfsbrunnen Innsbruck Bozner Platz&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;60006,60008,1405,60007&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Rudolfsbrunnen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61943&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Rudolfsbrunnen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59069&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><em>\u201eMag auch die strenge Kritik einiges an dem Standbilde ausstellen, so mu\u00df doch das Ganze als h\u00f6chst gelungen bezeichnet werden und macht einen sch\u00f6nen, befriedigenden Eindruck.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In der Redaktion des <em>Innsbrucker Tagblatts<\/em> scheint man am 29. September 1877, dem Tag der Enth\u00fcllung des <em>Rudolfsbrunnens<\/em>, einigerma\u00dfen zufrieden mit dem Ergebnis der neuesten Attraktion der Stadt gewesen sein. Der kleine Park wurde von gr\u00fcnderzeitlichen H\u00e4usern wie eine kleine innerst\u00e4dtische Oase umringt und wirkte zeitgen\u00f6ssisch und modern. Die 12 Meter hohe Figur am Brunnen stellt\u00a0Herzog Rudolf IV.\u00a0dar. Das untere Bassin wird von Greifen flankiert, die Wappen mit dem Tiroler Adler und dem kaiserlichen Doppeladler tragen. F\u00fcr die Planung konnte Friedrich Schmidt gewonnen werden. Der sp\u00e4tere Wiener Dombaumeister sollte einer der wichtigsten Architekten des neogotischen Stils in der K.u.K. Monarchie werden. Zwischen Bozen, B\u00f6hmen und Ruthenien realisierte er viele markante Geb\u00e4ude, unter anderem den Neubau des S\u00fcdturms des Stephansdoms und die St. Nikolauskirche in Innsbruck. Er ist nicht nur Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck, sondern besitzt auch ein prunkvolles Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bei einem Luftangriff ramponierte Brunnen unter Franz Baumann renoviert.<\/p>\n<p>Der Gestaltung des Platzes waren allerdings heftige Diskussionen zwischen liberalen und konservativen Politikern und Zeitungen vorhergegangen. Der Brunnenbau begann 1863 anl\u00e4sslich 500 Jahre Zugeh\u00f6rigkeit Tirols zum Habsburgerreich. Die Frage war, wie sich Tirol innerhalb der Politik des Habsburgerreiches positionieren sollte? Der namensgebende erste Tiroler Landesf\u00fcrst aus der Herrscherdynastie war eine ambivalente Figur. Dank eines mutma\u00dflich gef\u00e4lschten Erbvertrags war die Grafschaft Tirol ein Teil des Habsburgerreichs geworden. Seinen Beinamen <em>Der Stifter<\/em> verpassten Historiker Rudolf IV. wegen seiner Verdienste um Wien, der heutigen Bundeshauptstadt \u00d6sterreichs. Zur Zeit seiner Regentschaft lag das Zentrum des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> in Prag. Mit der Gr\u00fcndung der Universit\u00e4t Wien und St. Stephan als Metropolitankapitel und Grablege der Habsburger unter Rudolf war der erste Schritt Wiens als neues Zentrum des Heiligen R\u00f6mischen Reiches getan. Seinen aufsehenerregendsten Coup konnte Rudolf im Jahr 1358 landen. Das <em>Privilegium maius<\/em>, eine Urkunde, die dem Haus Habsburg etliche Sonderrechte gegen\u00fcber allen anderen deutschen F\u00fcrsten zugestand, war ebenfalls eine F\u00e4lschung. Bereits Kaiser Karl IV., ein erbitterter Gegner der Habsburger, war \u00fcberzeugt, dass die Urkundensammlung eine F\u00e4lschung war. Der gro\u00dfe Gelehrte Francesco Petrarca kam ebenfalls zu dem Schluss, dass das <em>Privilegium maius<\/em> nicht echt sein konnte. Nichtsdestotrotz wurden die Sonderrechte der Erzherzogsw\u00fcrde, die Erbfolge und die eigenst\u00e4ndige Gerichtsbarkeit in ihren Territorien den \u00d6sterreichern zuerkannt. Wer heute vor dem <em>Rudolfsbrunnen<\/em> am Boznerplatz steht, sollte nicht vergessen, dass der Mann, dem zu Ehren ein Brunnen errichtet wurde, nicht nur ein frommer Stifter, sondern vor allem ein begnadeter Betr\u00fcger war.<\/p>\n<p>Schwindel oder nicht, die Einheit \u00d6sterreichs und Tirols war ein Grund zu feiern. Das 19. Jahrhundert war die gro\u00dfe Zeit des Nationalismus. Europaweit wurde nach Traditionen und Gemeinsamkeiten gesucht, um Menschen eine nationale Identifikation zu geben. Bauwerke, Literatur und Denkm\u00e4ler sollten die Zugeh\u00f6rigkeit zum Habsburgerreich und den Nationalstolz in der Bev\u00f6lkerung st\u00e4rken. Der Brunnen war eine Manifestation der Einheit und Zugeh\u00f6rigkeit des Kronlandes Tirol zur Habsburgermonarchie. Je nach politischer Einstellung und Perspektive ergaben sich aber verschiedene Ideen des nationalen Gedankens. Den deutschnational-liberalen Politikern der Stadt war es ein Anliegen die Einheit von Tirol und \u00d6sterreich darzustellen. Sie sahen Innsbruck als einen Teil eines starken Habsburgerreichs unter deutscher Vorherrschaft gegen\u00fcber den anderen V\u00f6lkern des Vielv\u00f6lkerstaats. Die konservative Version der Tiroler Identit\u00e4t orientierte sich an einer katholischen, tirolisch-nationalen Identit\u00e4t samt Herz-Jesu-Kult, die ihr Denkmal im Andreas-Hofer-Denkmal am Berg Isels erhielt. W\u00e4hrend bei der Enth\u00fcllung des <em>Rudolfsbrunnens<\/em> der liberale Kronprinz Rudolf anwesend war, war der konservative Franz Josef I. bei der Er\u00f6ffnung des Denkmals am Berg Isel zu Gast.<\/p>\n<p>Knapp 150 Jahre nach seiner Errichtung stand der Boznerplatz auch j\u00fcngst wieder im Zentrum reger Diskussionen im Gemeinderat. Betrachtet man ihn auf alten Bildern, sieht man einen attraktiven innerst\u00e4dtischen Platz. Die Realit\u00e4t war lange Zeit trist. Der Boznerplatz war vom Verkehr bedr\u00e4ngt und lud kaum zum Verweilen ein. Die Geister schieden sich daran, ob und wie der Platz um den Rudolfsbrunnen vom Verkehrsknotenpunkt wieder zu einer Begegnungszone umgestaltet werden soll. Die Diskussionen drehten sich nicht mehr um die Frage der Tiroler Identit\u00e4t, Klima und Mobilit\u00e4t r\u00fcckten den Boznerplatz in den Fokus eines modernen Kulturkampfes. Nach langem Kampf setzten sich die Bef\u00fcrworter der verkehrsberuhigten L\u00f6sung durch. 31 B\u00e4ume wurden gepflanzt und der Platz wurde optisch durch die Neugestaltung erweitert. Der Boznerplatz wurde aus dem autozentrierten Verkehrskonzept der 1970er Jahre wieder befreit und stellt nun eine gelungene, moderne Verbindung zwischen Innenstadt und Bahnhof her.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Von Maultasch, Habsburgern und dem Schwarzen Tod&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Von Maultasch, Habsburgern und dem Schwarzen Tod&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53693&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Zwischen dem letzten Grafen von Andechs und dem ersten Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg lagen 115 bewegte Jahre der Innsbrucker Stadtgeschichte. Nach dem letzten Andechser lenkten die Grafen von Tirol f\u00fcr etwa 100 Jahre die Geschicke des Landes und somit zu einem guten Teil auch der Stadt Innsbruck. Meinhard II. von Tirol (1239 \u2013 1295) konnte mit geschickter Politik und etwas Gl\u00fcck sein Territorium vergr\u00f6\u00dfern. Er schaffte es den Flickenteppich von seiner Stammburg in Meran aus zu einer Grafschaft zu verbinden. Neben den F\u00fcrstbisch\u00f6fen von Brixen und Trient, die politisch erst im 19. Jahrhundert entmachtet wurden, waren die Grafen von Tirol die m\u00e4chtigsten Landesherren am Gebiet dessen, was wir heute als Trentino, Nord- und S\u00fcdtirol kennen.<\/p>\n<p>Wirtschaftlich und politisch zeitgem\u00e4\u00dfer als die F\u00fcrstbist\u00fcmer war das Territorium Meinhards. Er st\u00fctzte sich auf eine moderne Verwaltung. Dabei zu Rate waren ihm florentinische Kaufleute und B\u00e4nker, damals die modernsten Business Consultants Europas. Um eine gewisse Rechtssicherheit f\u00fcr die St\u00e4nde, Unternehmer und Untertanen zu schaffen, lie\u00df er ein kodifiziertes Landrecht erarbeiten. Erstmals wurden auf Tiroler Raum einheitlich alle Besitzungen in einem Urbar gesammelt. Meinhard brach die bisch\u00f6fliche M\u00fcnzhoheit und lie\u00df M\u00fcnzen mit dem Tiroler Adler als Wappen nach italienischem Vorbild pr\u00e4gen. Das beschnitt die faktische Macht der Kirche. Die Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient waren zwar noch Landbesitzer und Grundherren, ihre reichsunmittelbaren Lehen waren aber nur noch formal vorhanden, zu eng waren Verbindung und Abh\u00e4ngigkeit zur Grafschaft Tirol. 1254 war erstmals nicht mehr vom <em>Land im Gebirge<\/em>, sondern von der offiziellen <em>Dominium Tirolis<\/em>, der Herrschaft Tirol, die Rede. Auch die Stadt Innsbruck wuchs unter Meinhard. Etwa 1500 Menschen hatten sich angesiedelt. Wo heute die Maria-Theresienstra\u00dfe zum Bummeln einl\u00e4dt, wuchs vor den Stadtmauern die <em>Neustadt<\/em> heran. Seine letzte Ruhest\u00e4tte fand Meinhard im Stift Stams, wo heute Tirols Wintersportelite ausgebildet wird.<\/p>\n<p>Sein Sohn und Nachfolger als Tiroler Landesf\u00fcrst Herzog Heinrich von K\u00e4rnten (1265 \u2013 1335) z\u00e4hlte als K\u00f6nig von B\u00f6hmen zu den wichtigsten Adeligen im Heiligen R\u00f6mischen Reich. Heinrich war dank seiner Besitzungen in S\u00fcdosteuropa einer der m\u00e4chtigsten F\u00fcrsten. Er war ein eifriger F\u00f6rderer der St\u00e4dte, deren Bedeutung er erkannte. In Innsbruck f\u00f6rderte er den Bau des B\u00fcrgerspitals in der Neustadt. Ein m\u00e4nnlicher Nachfolger allerdings war ihm nicht beschieden gewesen. Noch vor seinem Tod hatte Heinrich aber sichergestellt, dass seine Tochter Margarethe von Tirol-G\u00f6rz (1318 \u2013 1369) seine Nachfolge antreten konnte. Sie folgte ihm mit 17 Jahren als Landesf\u00fcrstin nach. Die junge Frau geriet so in den Strudel der m\u00e4chtigsten Geschlechter ihrer Zeit: Habsburg, Wittelsbach und Luxemburg. Mit zweien davon ging sie eine eheliche Verbindung ein, der dritten sollte sie am Ende ihrer Regentschaft das Land Tirol und damit auch die Stadt Innsbruck vererben. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie mit Johann Heinrich aus dem Hause Luxemburg, dem Sohn des neuen K\u00f6nigs von B\u00f6hmen verheiratet. Johann Heinrich war noch j\u00fcnger als seine Gattin und diente lediglich als Fu\u00df in der T\u00fcr seines Vaters am Tiroler F\u00fcrstenthron. Den Habsburgern und Wittelsbachern war er ein Dorn im Auge, ebenso dem lokalen Adel. Seine Regentschaft war ein Desaster. In den an florentinischen Finanziers verpachteten Haller Salinen, neben den Z\u00f6llen das Herzst\u00fcck der Tiroler Wirtschaft, kam es zu Streiks. Trotz der finanziellen Probleme soll die Hofhaltung des als infantil geltenden Johann Heinrichs verschwenderisch gewesen sein.<\/p>\n<p>Kurzerhand wurde er von den Tiroler St\u00e4nden 1341 mit der Unterst\u00fctzung des Kaisers Ludwig, einem Wittelsbacher, in einem gemeinsam mit Margarethe geplanten Putsch aus dem Land vertrieben. Die als sch\u00f6n, aber aufbrausend, herrschs\u00fcchtig und sexuell uners\u00e4ttlich beschriebene Margarethe soll von der horizontalen Performance ihres kindlich-schw\u00e4chlichen Gatten wenig angetan gewesen sein. Er soll seiner Gattin w\u00e4hrend eines missgl\u00fcckten Beischlafes in die Brustwarzen gebissen haben. Ein dem Kaiser wohlgesonnener Chronist der Zeit sprach von Johann Heinrichs \u201e<em>inpotencia coeundi<\/em>\u201c, hervorgerufen wohl durch seine jugendliche Unreife. Geschickt wurden diese Ger\u00fcchte im Reich gestreut, um dem Kaiser die M\u00f6glichkeit zu geben seinen Sohn Ludwig von Brandenburg als Ehemann Margarethes und somit als F\u00fcrst des wichtigen Transitlandes Tirol einsetzen. Der als <em>Tiroler Eheskandal<\/em> in die Geschichte eingegangen Putsch zog weite Krise. Sogar der bis heute bekannte Philosoph und Papstkritiker William von Ockham nahm dazu Stellung. Das Problem war nicht nur die Scheidung an und f\u00fcr sich, sondern dass Margarethe zum Zeitpunkt ihrer zweiten Hochzeit von ihrem ersten Ehemann nicht geschieden war. Dem Kaiser und seiner Anh\u00e4ngerschaft galt die Ehe zwischen dem als impotent geltenden Johann Heinrich und Margarethe als nicht vollzogen und somit nichtig.<\/p>\n<p>Die vierte bedeutende politische Macht Mitteleuropas dieser Zeit, der Papst, sah das anders. Papst Benedikt XII. belegte den Kaiser und dessen Sohn wegen der \u201eunheiligen\u201c Ehe zwischen der Tiroler Landesf\u00fcrstin Margarethe und dem Wittelsbacher Ludwig mit einem Bannfluch. Neben den moralischen Bedenken hatte der Papst auch politische Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Sowohl er als auch die Habsburger standen in kriegerischem Konflikt mit dem Wittelsbacher Kaiser und wollten so den Einfluss dieser Dynastie schw\u00e4chen. Dieses <em>Interdiktum<\/em> war f\u00fcr die Menschen im Mittelalter eine der h\u00e4rtesten Strafen. Es verbot in den Kirchen des Landes das Abhalten von Messen und die Erteilung der Kommunion. Es war wohl in dieser Zeit, dass Margarethe vom Volk den Spitznamen <em>Maultasch<\/em> verpasst bekam und als besonders h\u00e4sslich beschrieben wurde. Zeitgen\u00f6ssische Portraits, die auf einen deformierten Mund hinweisen w\u00fcrden, sind nicht vorhanden. Die Bilder, die wir heute von Margarethe Maultasch haben, stammen fr\u00fchestens aus dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert, als der mittelalterliche Eheskandal erstmals historisch nachbearbeitet wurde.<\/p>\n<p>Die Regierungszeit Margarethes war von Krisen gekennzeichnet, f\u00fcr die sie zwar nichts konnte, die ihr aber trotzdem angelastet wurden. Das 14. Jahrhundert brachte eine Klimaerw\u00e4rmung, die auch in Innsbruck eine gro\u00dfe Heuschreckenplage zur Folge hatte. Missernten und Hunger waren die Folge. Damit nicht genug. Nach dem Feuer von 1333 in <em>Anbruggen<\/em> verw\u00fcstete ein weiterer gro\u00dfer Brand sieben Jahre sp\u00e4ter die Wilten und Innsbruck samt der Pfarrkirche St. Jakob. Von 1348 bis 1350 suchte die Pest Europa heim. Von Venedig aus \u00fcber Trient und das Etschtal kam die Krankheit nach Innsbruck. Der <em>Schwarze Tod<\/em> dezimierte die Bev\u00f6lkerung dramatisch. In manchen Teilen Tirols verringerte sich die Einwohnerzahl um mehr als die H\u00e4lfte. Nicht nur die Anzahl der Toten, auch die grauenhafte Art und Weise wie die Opfer unter gro\u00dfen Schmerzen und k\u00f6rperlicher Deformation starben, hinterlie\u00df einen Eindruck bei der frommen Bev\u00f6lkerung. Viele Informationen zum Ausbruch der Pest in Innsbruck sind in den Archiven dazu nicht zu finden, die Folgen der Seuche waren aber wie in ganz Europa verheerend. Eine an der Pest erkrankte Innsbruckerin sprach in ihrem Testament vom \u201e<em>gemeinen Sterben, das im Land umgeht<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Die Menschen konnten sich Ph\u00e4nomene wie Missernten und Pest nicht erkl\u00e4ren. Viele sahen die Ver\u00f6dung des von Kriegen, Seuche und Klima geplagten Landes als Folge des p\u00e4pstlichen Bannfluches und Strafe Gottes an und machten Margarethe und ihren Ehemann Ludwig daf\u00fcr verantwortlich. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Krankheit und Elend waren tats\u00e4chlich wohl au\u00dferhalb p\u00e4pstlicher Bannfl\u00fcche und Propaganda zu finden. Innsbruck besa\u00df wie viele St\u00e4dte weder gepflasterte Stra\u00dfen noch gab es ein Abwassersystem oder Trinkwasserversorgung. Tiere und Menschen teilten sich den engen Platz innerhalb der Stadtmauern. Die Lebensbedingungen waren unhygienisch. Diese Zust\u00e4nde waren in allen mittelalterlichen St\u00e4dten \u00e4hnlich. Verbesserungen kam aus dem damals fortschrittlichen Italien. In Salerno entstand im 11. Jahrhundert die erste medizinische Schule. Unter Federico II. wurden Arzt- und Apothekerberuf 1241 getrennt und reglementiert. Pharmazeuten mussten zwar eine Ausbildung und Berufserfahrung nachweisen, trotzdem waren sie eine Mischung aus Heiler, Mystiker, Kr\u00e4uterm\u00e4nnlein, Alchemisten und Schamanen. 1303 wurde auch in Innsbruck erstmals eine Apotheke erw\u00e4hnt. 1326 kam es zur offiziellen Gr\u00fcndung. Im <em>Sch\u00f6pferhaus<\/em>, der heutigen Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 19 war die <em>Hof- und Stadtapotheke<\/em> ans\u00e4ssig. Sie gilt heute als die \u00e4lteste noch bestehende Apotheke \u00d6sterreichs. 1350 wurde zum ersten Mal das <em>Untere Stadtbad<\/em> in der heutigen Badgasse, damals vom Volksmund <em>Ofenloch<\/em> genannt, erw\u00e4hnt. B\u00e4der dienten nicht nur zur Reinigung, hier erfolgte die medizinische Versorgung nach damaligen Standards beim Bader. Bader waren fahrende oder ortsans\u00e4ssige Heilkundige, die Kranke behandelten, Wunden n\u00e4hten oder Z\u00e4hne zogen. \u00dcbernat\u00fcrliches galt als real, auch in der medizinischen Versorgung. Der wissenschaftliche Ansatz der wenigen \u00c4rzte dieser Zeit war dem der praxisorientierten Bader nicht unbedingt \u00fcberlegen. Die g\u00e4ngige Lehrmeinung bis in die Neuzeit an Universit\u00e4ten war die <em>Vier-S\u00e4fte-Lehre<\/em>. Im K\u00f6rper gab es laut dieser These ein Gleichgewicht von Blut, Schleim, schwarzer Galle und gelber Galle. Ein Ungleichgewicht dieser S\u00e4fte f\u00fchrt zu Krankheit. Das Gleichgewicht wurde durch gottesl\u00e4sterliche Lebensf\u00fchrung, falsche Ern\u00e4hrung, \u00fcbertriebene sexuelle Aktivit\u00e4t oder Miasmen in der Luft gest\u00f6rt. Auch Wasser stand im Verruf, \u00fcber die Haut einzudringen und das <em>S\u00e4fteverh\u00e4ltnis<\/em> im menschlichen K\u00f6rper durcheinanderzubringen, weshalb man nach dem Baden zur Ader gelassen werden sollte.<\/p>\n<p>Nachdem Wittelsbacher, Luxemburger und Habsburger jahrzehntelang um Tirol gestritten hatten, kam es doch noch zum Happy End. Rudolf IV. aus dem Haus Habsburg intervenierte beim Papst und konnte 1359 die Aufhebung des Interdiktums gegen erhebliche finanzielle Gegenleistungen zu Lasten Margarethes und Ludwigs ausverhandeln. Im selben Zug soll auch eine Urkunde erstellt worden sein, die heute als F\u00e4lschung gilt: in diesem Schriftst\u00fcck vermachte Margarethe das Land Tirol an Rudolf IV. und die Familie Habsburg.<\/p>\n<p>Bald darauf trat dieser Erbfall ein. Ein Jahr nachdem Margarethes Gatte und Landesf\u00fcrst Tirols Ludwig 1361 gestorben war, verschied auch ihr Sohn Meinhard III. Glaubt man der Geschichte Filippo Villanis, die allerdings erst um 1400 herum geschrieben wurde, soll die schon zu Lebzeiten als <em>Kriemhild<\/em> verschriene Margarethe gemeinsam mit einem Liebhaber an beiden Todesf\u00e4llen nicht unschuldig gewesen sein. Margarethe \u00fcbergab als Mutter des letzten Landesf\u00fcrsten der Dynastie Tirol die Regierungsgesch\u00e4fte 1363 mit der Zustimmung des Tiroler Adels an Rudolf IV. (1339 \u2013 1365) von Habsburg. Tirol war ein Teil des Herrscherhauses, das auch \u00fcber das Erzherzogtum \u00d6sterreich verf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Die Herz\u00f6ge von Bayern aus dem Haus Wittelsbach wollten diesen Erbvertrag nicht anerkennen, der ihre Anspr\u00fcche auf Tirol f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rte. 1363 zogen sie Richtung Innsbruck, um das Recht mit Waffengewalt zu zurechtzubiegen. Rudolf IV. hatte allerdings wichtige lokale Adelige auf seine Seite gezogen. Die Urkunde, die das Tiroler Erbe best\u00e4tigten, waren vielleicht nicht echt, die realpolitischen Machtverh\u00e4ltnisse sprachen aber f\u00fcr die Habsburger. Die St\u00e4dte Innsbruck und Hall holte er mit Versprechungen ebenfalls auf seine Seite. Die zum Wehrdienst verpflichteten B\u00fcrger Innsbrucks konnten die durch die Andechsburg und die Stadtmauer befestigte Stadt erfolgreich verteidigen. Es mag eine Ironie des Schicksals sein, dass es der Wittelsbacher Ludwig war, der als Landesf\u00fcrst Tirols die Stadtmauern nur acht Jahre zuvor erh\u00f6hen und verst\u00e4rken lie\u00df. Nach der Macht\u00fcbernahme in Tirol best\u00e4tigte Rudolf in gro\u00dfer Dankbarkeit das Stadtspital und eine tempor\u00e4re Befreiung vom Zoll sowie das Recht den Gro\u00dfen Zoll einzuheben.<\/p>\n<p>Mit dem Erwerb Tirols konnte die Familie Habsburg eine wichtige geographische L\u00fccke innerhalb ihres Machtbereichs schlie\u00dfen. Zwar kam es immer wieder zu Einf\u00e4llen bayerischer Truppen, zum Beispiel wurde der Abt des Stiftes Wilten verschleppt und als Geisel genommen, das Inntal und Innsbruck waren aber gerne ein Teil der habsburgischen L\u00e4ndereien. Durch die Eingliederung der Stadt in das wesentlich gr\u00f6\u00dfere Territorium der Habsburger gewann Innsbruck zus\u00e4tzlich an Bedeutung, w\u00e4hrend die eigentliche Hauptstadt Meran weiter an den Rand gedr\u00e4ngt wurde. Neben dem Nord-S\u00fcd Transport von Waren, war die Stadt am Inn nun auch zu West-Ost Verkehrsknoten zwischen den \u00f6stlichen \u00d6sterreichischen L\u00e4ndern und den alten Besitzt\u00fcmern der Habsburger im Westen geworden. F\u00fcr die \u00dcberlebenden der gro\u00dfen Pestwelle von 1348 und der politischen Turbulenzen kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Arbeitskraft war durch die geschrumpfte Bev\u00f6lkerung rar geworden, daf\u00fcr waren pro Kopf gr\u00f6\u00dfere Ressourcen vorhanden. F\u00fcr diejenigen Innsbrucker, die die turbulente erste H\u00e4lfte des 14. Jahrhunderts \u00fcberlebt hatten, sollten bessere Zeiten anbrechen.<\/p>\n<p>Aus der Zeit Margarethe Maultaschs und ihrer Ehem\u00e4nner ist im Innsbrucker Stadtbild kaum etwas \u00fcbriggeblieben. Nicht nur war ihre Zeit von politischen und wirtschaftlichen N\u00f6ten gepr\u00e4gt, die kriegerischen Auseinandersetzungen und die Pest brachten die Zolleinlagen fast zum Erliegen. F\u00fcr gro\u00dfartige Bauwerke war kein Geld vorhanden. Innsbruck war auch noch nicht Residenzstadt. Mehrere Feuer und Erdbeben, vor allem aber die Bauwut nachfolgender Landes- und Stadtherren lie\u00df das mittelalterliche Innsbruck verschwinden. Lebendig ist sie aber in Erinnerungen und Legenden. Margarethe \u201e<em>Maultasch<\/em>\u201c z\u00e4hlt zu den bekanntesten weiblichen Figuren der Tiroler Geschichte. Widerspr\u00fcchliche, von verschiedenen Interessen motivierte Berichte, die \u00fcber sie bereits zu Lebzeiten verfasst wurden, geben Spielraum f\u00fcr Interpretation. Ihr Biographie taugt als Blaupause einer Figur der TV-Serie <em>Games of Thrones<\/em>. So soll sie bei der Verteidigung der Burg Tirol gegen ein heranr\u00fcckendes veneto-lombardisches Heer mit \u201e<em>ungebrochenem Mut und m\u00e4nnlicher Entschlossenheit<\/em>\u201c und \u201e<em>mit einem geringen H\u00e4uflein von Kriegsknechen<\/em>\u201c die Verteidigung geleitet und sogar einen Ausbruchsversuch aus der Stadt angef\u00fchrt haben. Ihren Gegnern hingegen galt sie als mannstoller, uners\u00e4ttlicher und unmoralischer Vamp. Ob sie skrupellose M\u00f6rderin oder unschuldiger Spielball fremder M\u00e4chte war \u2013 wissen werden wir das wohl nie. Margarethe und ihr Nachfolger auf dem Thron des Tiroler Landesf\u00fcrsten Rudolf IV. von Habsburg sind am Brunnen am <em>Rudolfsbrunnen<\/em> am Boznerplatz, dem ehemaligen Margarethenplatz, in Stein verewigt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kronprinz Rudolf &#038; die Sitten der Upper Class&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Rudolf, liberaler Liebling der V\u00f6lker&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53695&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der smarte und liberale Kronprinz Rudolf (1858 \u2013 1889) galt als der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Liebling der V\u00f6lker<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> des Habsburgerreichs. Sein Leben kann in vielerlei Hinsicht als exemplarisch f\u00fcr die Zeit zwischen 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gelesen werden, in der sich technische Ideen rasend schnell entwickelten, Zeitungen politische Ideen verschiedener Lager in noch nie zuvor dagewesener Auflage verbreiten und gleichzeitig Katholizismus, Aberglaube und Spiritismus gang und g\u00e4be waren. Das Interesse f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie Sitten und war auch in Innsbruck allgegenw\u00e4rtig. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker hatte nicht die materiellen M\u00f6glichkeiten oder den Status eines Habsburgers, die Moden und Str\u00f6mungen, unter denen sie lebten, waren aber dieselben. Das Gro\u00dfb\u00fcrgertum eiferte den gleichen Idealen wie der Kronprinz nach, so wie Rudolf sich stets als Teil dieses Gro\u00dfb\u00fcrgertums sah. Er galt als belesen und gebildet und interessierte sich ganz im Zeitgeist f\u00fcr ein breites Spektrum an Themen. Er sprach neben Griechisch und Latein auch Franz\u00f6sisch, Ungarisch, Tschechisch und Kroatisch. Als Privatier widmete er sich der Wissenschaft und dem Reisen durch die L\u00e4nder der Monarchie. Rudolf veranlasste die Herausgabe <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">des Kronprinzenwerks<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, einer naturwissenschaftlichen Enzyklop\u00e4die. 1893 erschien Band 13, der das Kronland Tirol behandelte. Er verfasste liberale Artikel im &#8222;<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Neuen Wiener Tagblatt<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">&#8220; unter einem Pseudonym. Er wollte unter anderem Grund- und Bodenreformen vorantreiben durch st\u00e4rkere Besteuerung der Gro\u00dfgrundbesitzer und den einzelnen Nationalit\u00e4ten des Habsburgerreichs mehr Rechte zugestehen. Besonders im konservativen, l\u00e4ndlichen Tirol und unter Milit\u00e4rs war \u00e4u\u00dferst unbeliebt. Bei den liberal gesinnten Innsbruckern hingegen galt er als Hoffnung f\u00fcr eine Erneuerung der Monarchie im Sinne eines modernen, f\u00f6deralen Staates. Der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfsbrunnen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in Innsbruck am Boznerplatz erinnert zwar nicht an den Kronprinzen, bei seiner Einweihung war er aber zugegen. Als Verfechter von Rationalismus und Aufkl\u00e4rung verachtete Rudolf den weit verbreiteten Glauben an \u00fcbernat\u00fcrliche Wesen und Geister w\u00e4hrend um ihn herum neue Kirchen wie Pilze aus dem Boden schossen und die Upper Class sich Seancen und spiritistischem Aberglauben hingab. Die Volksfr\u00f6mmigkeit der sp\u00e4ten Monarchie f\u00fchrte zu Gro\u00dfprojekten wie den Pfarrkirche St. Nikolaus und H\u00f6tting.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Privatleben war trotz, oder gerade wegen seines aristokratischen Hintergrundes, turbulent, allerdings nicht untypisch f\u00fcr diese Zeit, in der Eltern und Lehrer weniger nahbare Erziehungspersonen als vielmehr distanzierte Respektpersonen darstellten. Kinder wurden streng erzogen. Weder Lehrer noch Eltern schreckten vor k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung zur\u00fcck, auch wenn es Grenzen, Gesetze und Regeln f\u00fcr den Einsatz von h\u00e4uslicher Gewalt gab. Militarismus und Fokus auf die zuk\u00fcnftige Erwerbsarbeit verhinderten Kindheit und Jugend, wie wir sie heute kennen. Junge M\u00e4nner aus der Oberschicht lebten ihre soldatischen Tagtr\u00e4ume als bewaffnete und uniformierte Mitglieder von Studentenverbindungen aus. Es ist kein Wunder, dass die Begeisterung f\u00fcr den Krieg, Gott, Kaiser und Vaterland in den Geburtsjahrg\u00e4ngen der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gro\u00df war. Auch Rudolfs fr\u00fche Jahre, als er auf Wunsch Kaiser Franz Josef eine soldatische Erziehung unter General Gondrecourt durchlaufen musste, waren wenig luxuri\u00f6s. Erst nach Einschreiten seiner Mutter Elisabeth wurden Schikanen wie Wasserkuren, Exerzieren in Regen und Schnee und das Aufwecken mit Pistolensch\u00fcssen aus dem t\u00e4glichen Programm des sechsj\u00e4hrigen Kronprinzen genommen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie viele seiner Zeitgenossen fand sich auch Rudolf als Mitglied der Oberschicht in einer ungl\u00fccklichen, da arrangierten Ehe wieder. Das 19. Jahrhundert war nicht das Zeitalter der Liebesheiraten, auch wenn Romantik und Biedermeierzeit gerne dahingehend ger\u00fchmt werden. Ehen unter Bauersleuten wurden h\u00e4ufig nach finanziellen Gesichtspunkten geschlossen. Aristokraten und Mitglieder des hohen B\u00fcrgertums heirateten aus Standesd\u00fcnkel und mit dem Ziel, die Dynastie zu erhalten. In der Oberschicht waren Ehefrauen h\u00e4ufig Schmuck ihres Gatten und Oberhaupt des Haushaltes. Erst wenn der oft \u00e4ltere Ehemann verstorben war, konnten auch Witwen ihr Leben abseits dieser Rolle genie\u00dfen. Dienstboten, Hausm\u00e4dchen, Knechten und M\u00e4gden war die Hochzeit lange untersagt. Die Gefahr, dass sie als Verm\u00f6genslose ihre Kinder nicht ern\u00e4hren konnten und damit zur Last f\u00fcr die Allgemeinheit wurden, war den Gemeinden zu gro\u00df. Diese Doppelmoral von Aristokratie und Gro\u00dfb\u00fcrgertum gegen\u00fcber dem <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Pofl<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fchrte dazu, dass illegale Abtreibungen, volle Waisenh\u00e4user und Kinder, die bei Verwandten am Land anstatt bei ihren Eltern aufwuchsen, gelebter Alltag waren. Zeit seines Lebens war auch Rudolf dem sch\u00f6nen Geschlecht au\u00dferhalb der Ehe nicht abgeneigt. In seinen letzten Lebensmonaten unterhielt er eine Aff\u00e4re mit der als besonders sch\u00f6n geltenden Mary Vetsera, einem erst 17 Jahre alten M\u00e4dchen aus reichem ungarischem Adel. Wie Rudolf hielten es auch viele seiner Untertanen. Zwar konnte sich kaum jemand r\u00fchmen, eine ungarische Aristokratin als Gespielin f\u00fcr sich zu beanspruchen. Auch in der Innsbrucker High Society war es \u00fcblich, sonntags der Predigt des Pfarrers von der Kanzel zu lauschen und gleichzeitig eine au\u00dfereheliche Beziehung zu pflegen oder ein Bordell zu besuchen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Leben endete tragisch. Am 30. Januar 1889 traf sich der schwer depressive, von Alkohol, Morphium und Gonorrh\u00f6 gezeichnete Rudolf mit Vetsera, nachdem er die Nacht zuvor mit seiner Langzeitgeliebten, der Prostituierten Maria \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Mizzi<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c Kaspar, verbracht hatte. Unter nie vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden t\u00f6tete er zuerst die junge Frau und dann sich selbst mit einem Schuss in den Kopf. Von der Familie Habsburg wurde der Selbstmord nie anerkannt. Zita (1892 \u2013 1989), die Witwe des letzten Kaisers Karl, sprach noch in den 1980ern von einem Mordanschlag.\u00a0Die Diskussion um die Beisetzung des Thronfolgers und seiner Geliebten zeigte die Doppelmoral der Gesellschaft. Selbstmord galt als schwere S\u00fcnde und verhinderte eigentlich ein christliches Begr\u00e4bnis. Vetsera wurde am Friedhof in Heiligenkreuz bei Mayerling in einem kleinen Grab an der Friedhofsmauer unauff\u00e4llig beigesetzt, w\u00e4hrend Rudolf nach kaiserlicher Intervention beim Papst ein Staatsbegr\u00e4bnis erhielt und seine letzte Ruhe in der Kapuzinergruft in Wien erhielt. <\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Tirolische Nation, %22Demokratie%22 und das Herz Jesu&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tiroler Demokratie und das Herz Jesu&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53480&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Viele Tiroler sehen sich bis heute oft und gerne als eigene Nation. Mit \u201e<em>Tirol isch lei oans<\/em>\u201c, \u201e<em>Zu Mantua in Banden<\/em>\u201c und \u201e<em>Dem Land Tirol die Treue<\/em>\u201c besitzt das Bundesland gleich drei mehr oder weniger offizielle Hymnen. Dieser ausgepr\u00e4gte Lokalpatriotismus hat wie auch in anderen Bundesl\u00e4ndern historische Gr\u00fcnde. Oft wird die Tiroler Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit wie ein lokales Heiligtum herangezogen, um das zu untermauern. Gerne wird von der ersten Demokratie Festlandeuropas gesprochen, was wohl eine ma\u00dflose \u00dcbertreibung ist, betrachtet man die feudale und von Hierarchien gepr\u00e4gte Geschichte des Landes bis ins 20. Jahrhundert an. Eine gewisse Eigenheit in der Entwicklung kann man dem Land allerdings nicht absprechen, auch wenn es sich dabei weniger um Partizipation breiter Teile der Bev\u00f6lkerung als vielmehr die Beschneidung der Macht des Landesf\u00fcrsten von Seiten der lokalen Eliten handelte.<\/p>\n<p>Den ersten Akt stellte das dar, was der Innsbrucker Historiker Otto Stolz (1881 \u2013 1957) in den 1950ern in Anlehnung an die englische Geschichte \u00fcberschw\u00e4nglich als <em>Magna Charta Libertatum<\/em> feierte. Nach der Hochzeit des Bayern Ludwigs von Wittelsbach mit der Tiroler Landesf\u00fcrstin Margarete von Tirol-G\u00f6rz waren die bayrischen Wittelsbacher f\u00fcr kurze Zeit Landesherren von Tirol. Um die Tiroler Bev\u00f6lkerung auf seine Seite zu ziehen, beschloss Ludwig den Landst\u00e4nden im 14. Jahrhundert ein Zuckerl anzubieten. Im <em>Gro\u00dfen Freiheitsbrief<\/em> von 1342\u00a0versprach Ludwig den Tirolern keine Gesetze oder Steuererh\u00f6hungen zu erlassen, ohne sich nicht vorher mit den Landst\u00e4nden zu besprechen. Von einer demokratischen Verfassung im Verst\u00e4ndnis des 21. Jahrhunderts kann allerdings keine Rede sein, waren diese Landst\u00e4nde doch vor allem die adeligen, landbesitzenden Klassen, die dementsprechend auch ihre Interessen vertraten. In einer Ausfertigung der Urkunde war zwar davon die Rede, Bauern als Stand in den Landtag miteinzubeziehen, offiziell wurde diese Version allerdings nie.<\/p>\n<p>Als im 15. Jahrhundert St\u00e4dte und B\u00fcrgertum durch ihre wirtschaftliche Bedeutung mehr politisches Gewicht erlangten, entwickelte sich ein Gegengewicht zum Adel innerhalb der Landst\u00e4nde. Beim Landtag von 1423 unter Friedrich IV. trafen erstmals 18 Mitglieder des Adels auf 18 Mitglieder der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Nach und nach entwickelte sich in den Landtagen des 15. und 16. Jahrhundert eine feste Zusammensetzung. Vertreten waren die Tiroler Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient, die \u00c4bte der Tiroler Kl\u00f6ster, der Adel, Vertreter der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Den Vorsitz hatte der Landeshauptmann.\u00a0Nat\u00fcrlich waren die Beschl\u00fcsse und W\u00fcnsche des Landtags f\u00fcr den F\u00fcrsten nicht bindend, allerdings war es f\u00fcr den Regenten wohl ein beruhigendes Gef\u00fchl, wenn er die Vertreter der Bev\u00f6lkerung auf seiner Seite wusste oder schwere Entscheidungen mitgetragen wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Urkunde f\u00fcr das Land war das <em>Tiroler Landlibell<\/em>.\u00a0Maximilian hielt darin im Jahr 1511 unter anderem fest, Tiroler Soldaten nur f\u00fcr den Kriegsdienst zur Verteidigung des eigenen Landes heranzuziehen. Der Grund f\u00fcr Maximilians Gro\u00dfz\u00fcgigkeit war weniger seine Liebe zu den Tirolern als die Notwendigkeit die Tiroler Bergwerke am Laufen zu halten, anstatt die kostbaren Arbeiter und die sie versorgende Bauernschaft auf den Schlachtfeldern Europas zu verheizen. Dass im <em>Landlibell<\/em> gleichzeitig massive Einschr\u00e4nkungen der Bev\u00f6lkerung und h\u00f6here Belastungen einhergingen, wird oft gerne vergessen. Das <em>Landlibell<\/em> regelte neben der St\u00e4rke der Truppenkontingente auch die Sondersteuern, die eingehoben wurden. Adel und Klerus mussten den Kapitalertrag aus ihren L\u00e4ndereien als Steuerbasis heranziehen, was oft einer groben Sch\u00e4tzung gleichkam. St\u00e4dte hingegen wurden nach der Anzahl der Feuerst\u00e4tten in den H\u00e4usern besteuert, was recht genau erhoben werden konnte. Die begehrten Bergwerksarbeiter waren von diesen Steuern ausgenommen und mussten auch nur im \u00e4u\u00dfersten Notfall zum Heeresdienst antreten.<\/p>\n<p>Diese im Landlibell festgehaltene Sonderregelung bei der Landesverteidigung war einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erhebung von 1809, als junge Tiroler bei der Mobilisierung der Streitkr\u00e4fte im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht ausgehoben wurden.\u00a0Bis heute pr\u00e4gen die Napoleonischen Kriege, als das katholische Kronland von den \u201egottlosen Franzosen\u201c und der revolution\u00e4ren Gesellschaftsordnung bedroht wurde, das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Bei diesem Abwehrkampf entstand ein Bund zwischen Katholizismus und Tirol. Die Tiroler Sch\u00fctzen vertrauten ihr Schicksal vor einer entscheidenden Schlacht im Kampf gegen Napoleons Armeen im Juni 1796 dem Herzen Jesu an und schlossen einen Bund mit Gott pers\u00f6nlich, der ihr <em>Heiliges Land Tirol<\/em> beh\u00fcten sollte. Eine weitere identit\u00e4tsstiftende Legende des Jahres 1796 rankt sich um eine junge Frau aus dem Dorf Spinges. Katharina Lanz, die als die\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>\u00a0in die Landesgeschichte als identit\u00e4tsstiftende Nationalheldin einging, soll die beinahe geschlagenen Tiroler Truppen mit ihrem herrischen Auftreten im Kampf solcherart motiviert haben, dass sie schlussendlich den Sieg \u00fcber die franz\u00f6sische \u00dcbermacht davontragen konnten. Je nach Darstellung soll sie mit einer Mistgabel, einem Dreschflegel oder einer Sense \u00e4hnlich der franz\u00f6sischen Jungfrau Johanna von Orleans den Truppen Napoleons das F\u00fcrchten gelehrt haben. Legenden und Traditionen rund um die Sch\u00fctzen und das Gef\u00fchl, eine selbstst\u00e4ndige und von Gott auserw\u00e4hlte Nation zu sein, die zuf\u00e4llig der Republik \u00d6sterreich angeh\u00e4ngt wurde, gehen auf diese Legenden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die partikularen Identit\u00e4ten der einzelnen Kronl\u00e4nder entsprachen nicht dem, was sich aufgekl\u00e4rte Politik unter einem modernen Staatswesen vorstellten. Unter Maria Theresia erfuhr der Zentralstaat eine St\u00e4rkung gegen\u00fcber den Kronl\u00e4ndern und dem lokalen Adel. Das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Untertanen sollte nicht dem Land Tirol, sondern dem Haus Habsburg gelten. Im 19. Jahrhundert wollte man die Identifikation mit der Monarchie st\u00e4rken und ein Nationalbewusstsein entwickeln. Die Presse, Besuche der Herrscherfamilie, Denkm\u00e4ler wie der Rudolfsbrunnen oder die Er\u00f6ffnung des Berg Isels mit Hofer als kaisertreuem Tiroler sollten dabei helfen, die Bev\u00f6lkerung in kaisertreue Untertanen zu verwandeln.<\/p>\n<p>Als nach dem Ersten Weltkrieg das Habsburgerreich zusammenbrach, zerbrach auch das Kronland Tirol. Das, was man bis 1918 als S\u00fcdtirol bezeichnete, der italienischsprachige Landesteil zwischen Riva am Gardasee und Salurn im Etschtal, wurde zum Trentino mit der Hauptstadt Trient. Der deutschsprachige Landesteil zwischen Neumarkt und dem Brenner ist heute S\u00fcdtirol \/ Alto Adige, eine autonome Region der Republik Italien mit der Hauptstadt Bozen.<\/p>\n<p>Innsbrucker f\u00fchlten sich durch die Jahrhunderte hindurch als Tiroler, Deutsche, Katholiken und Untertanen des Kaisers. Als \u00d6sterreicher aber f\u00fchlte sich vor 1945 kaum jemand. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann sich auch in Tirol langsam ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu \u00d6sterreich zu entwickeln. Bis heute aber sind viele Tiroler vor allem stolz auf ihre lokale Identit\u00e4t und grenzen sich gerne von den Bewohnern anderer Bundesl\u00e4nder und Staaten ab. F\u00fcr viele Tiroler stellt der Brenner nach \u00fcber 100 Jahren noch immer eine <em>Unrechtsgrenze<\/em> dar, auch wenn man im <em>Europa der Regionen<\/em> auf EU-Ebene politisch grenz\u00fcberschreitend zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Die Legende vom <em>Heiligen Land<\/em>, der unabh\u00e4ngigen <em>Tirolischen Nation<\/em> und ersten Festlanddemokratie h\u00e4lt sich bis heute. Das Bonmot \u201e<em>bisch a Tiroler bisch a Mensch, bisch koana, bisch a Oasch<\/em>\u201c fasst den Tiroler Nationalismus knackig zusammen. Dass das historische Kronland Tirol mit Italienern, Ladinern, Zimbern und R\u00e4toromanen ein multiethnisches Konstrukt war, wird dabei in rechtsgerichteten Kreisen gerne \u00fcbersehen. Gesetze aus der Bundeshauptstadt Wien oder gar der EU in Br\u00fcssel werden bis heute skeptisch betrachtet. Nationalisten zu beiden Seiten des Brenners bedienen sich noch heute der\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>, dem Herzen Jesu und Andreas Hofers, um ihre Anliegen publikumstauglich anzubringen. Die <em>S\u00e4cularfeier des Bundes Tirols mit dem g\u00f6ttlichen Herzen Jesu<\/em> wurde noch im 20. Jahrhundert unter gro\u00dfer Anteilnahme der politischen Elite gefeiert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Herrscherh\u00e4user und Imperien an ihr Ende, auch in Kunst, Musik, Literatur und Architektur ver\u00e4nderte sich in den 1920er Jahren vieles. W\u00e4hrend sich Jazz, atonale Musik und Expressionismus im kleinen Innsbruck nicht etablierten, ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild auf erstaunliche Art und Weise. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil, Wolkenkratzern aus den USA und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Allen gemeinsam war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten bis heute sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Der Theologe, Publizist und Kriegspropagandist Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent von Franz Baumann aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL. Hier lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen. Gemeinsam mit Baumanns Schwester Maria waren die beiden jungen M\u00e4nner auf Ausfl\u00fcgen in der Gegend rund um Innsbruck unterwegs, um Bilder der Bergwelt und Natur zu malen. W\u00e4hrend der Schulzeit sammelte er erste Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. 1910 folgte Baumann seinem Freund Prachensky nach Meran, um bei der Firma <em>Musch &amp; Lun<\/em> zu arbeiten. Meran war damals Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter dem Architekten Adalbert Erlebach machte er erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch Baumann aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Bilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Baumanns Durchbruch kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre. Er konnte die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t und dem Verm\u00f6gen ganzheitlich zu denken, kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit der Gesetzeslage und den modernen Anforderungen der Ausschreibungen der 1920er Jahre entgegen. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In seiner Zeit in Meran war Baumann schon mit dem <em>Heimatschutzverband<\/em> in Ber\u00fchrung gekommen. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein noch in den letzten Jahren der Monarchie gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht, die neue Anforderungen an Geb\u00e4ude und somit an das Baugewerbe richtete. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Das bedurfte neuer L\u00f6sungen in neuen H\u00f6hen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern eine komplette Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Der Tiroler Heimatschutzverband wachte dar\u00fcber, dass Natur und Ortsbilder von allzu modischen Str\u00f6mungen, \u00fcberbordendem Tourismus und h\u00e4sslichen Industriebauten gesch\u00fctzt wurden. Bauprojekte sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Alle technischen Funktionen und Details, die Einbettung der Geb\u00e4ude in die Landschaft unter Ber\u00fccksichtigung der Topografie und des Sonnenlichtes spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos von 1913:<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein.<\/p>\n<p>Ab 1927 war Baumann selbstst\u00e4ndig in seinem Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten t\u00e4tig. Immer wieder kam er dabei in Ber\u00fchrung mit seinem Schwager und Mitarbeiter des Bauamtes Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten die beiden ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>.<\/p>\n<p>Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand er die Wirtschaftskrise gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1934 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro wie die gesamte Wirtschaft in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde Baumann zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem er mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestattet diesen Berufstitel endlich tragen durfte. Im gleichen Jahr plante er die <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> im Westen der Stadt.<\/p>\n<p>Nach dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals mutig gegen den zerst\u00f6rerischen Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Durchzugsgebiet, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte nach Wusch von Gauleiter Franz Hofer eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Hofer wollte auch die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Die Stellungnahme Baumanns zu diesen Pl\u00e4nen fiel negativ aus. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen.<\/p>\n<p>Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die neuen Stadts\u00e4le (<em>Anm.: heute Haus der Musik<\/em>) gestaltet.<\/p>\n<p>Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boznerplatz<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60005,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[41,152,15,40,77,74],"tags":[],"class_list":["post-1402","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tiroler-demokratie-und-das-herz-jesu","category-der-keiner-war","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-liberaler-liebling-der-voelker","category-von-maultasch-habsburgern-und-dem-schwarzen-tod"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1402\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60005"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}