{"id":1565,"date":"2020-09-24T15:53:11","date_gmt":"2020-09-24T15:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1565"},"modified":"2025-12-11T16:18:15","modified_gmt":"2025-12-11T16:18:15","slug":"quaternionenadler-innsbruck-altstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/quaternionenadler-innsbruck-altstadt\/","title":{"rendered":"Quaternionenadler"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Quaternionenadler<\/h2>\n<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 35<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/IMG_2791.jpg&#8220; alt=&#8220;Goldenes Dachl Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;IMG_2791&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Quaternionenadler&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58902&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Unter einem der Laubeng\u00e4nge in der N\u00e4he des Altstadteingangs befindet sich mit dem <em>Quaternionenadler<\/em> ein sehenswertes Symbol habsburgischer Macht Maximilianischer Zeit. Der <em>Quaternionenadler<\/em>, auch <em>Blutbannadler<\/em> genannt, stand f\u00fcr die politische Hierarchie des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit. Die wichtigsten Institutionen der feudalistischen Legislative sind in ihm vereint. Der Doppeladler symbolisierte die Monarchie. Die Wappen der einzelnen L\u00e4nder des Heiligen R\u00f6mischen Reiches, finden unter seinen Schwingen Schutz. In der obersten Reihe sieht man die Wappen der Kurf\u00fcrsten, die den Kaiser w\u00e4hlten. Die vier weltlichen Kurf\u00fcrsten B\u00f6hmen, Pfalz, Sachsen, Brandenburg und die drei geistlichen Kurf\u00fcrsten Trier, K\u00f6ln, Mainz wurden, vielleicht zur Wahrung der Symmetrie, um das Wappen der Podesta von Rom erg\u00e4nzt. Das alles vereinende Element stellt der gekreuzigte Christus dar, der L\u00e4nder und Kaisertum zu einer Einheit macht. Als Vertreter dieser <em>Maiestas domini <\/em>auf Erden galt im Feudalsystem die Kirche. Die vier Schilde oberhalb des Adlers symbolisieren die K\u00f6nigsh\u00e4user Frankreich, England, Sizilien und Schottland, die neben den Habsburgern als gesalbte und somit ebenb\u00fcrtige K\u00f6nige galten.<\/p>\n<p>1496 entstand das Gem\u00e4lde des <em>Quaternionenadlers<\/em> am Haus des damaligen Stadtrichters Walter Zeller, heute bekannt als <em>Kohlegger-Haus<\/em>. Maximilian gestand dem damaligen, als besonders f\u00e4hig und ehrenhaft geltenden Zeller die <em>Hohe Gerichtbarkeit<\/em>, also die Verh\u00e4ngung der Todesstrafe bei Blutverbrechen zu, ein Recht, das normalerweise dem Landesf\u00fcrsten vorenthalten war. Dieses <em>Blutrecht<\/em> an den Stadtrichter zu vergeben, blieb in der Geschichte Innsbrucks einmalig. Aus Stolz und Dankbarkeit dem Kaiser gegen\u00fcber und um seine treue Zugeh\u00f6rigkeit zum Herrscherhaus herauszustreichen lie\u00df Zeller auch die Feuereisen des Ordens vom Goldenen Vlies und die Wappen der habsburgischen Erbl\u00e4nder in den <em>Quaternionenadler<\/em> einf\u00fcgen. Mit der symbolkr\u00e4ftigen Manifestation des Heiligen R\u00f6mischen Reiches in Kunstform wollte Zeller die Rechtsg\u00fcltigkeit seiner Position herausstreichen. Nicht erhalten blieb der Erkerschmuck, den Zellers gleichnamiger Sohn Walter der J\u00fcngere als frommen Zusatz auf der Au\u00dfenseite des Geb\u00e4udes anbringen lie\u00df: \u201e<em>Nisi dominus custodiet civitatem, frustra vigilat, cui custodit eam\u201c. (Anm.: Wo der Herr nicht die Stadt beh\u00fctet, wacht der W\u00e4chter umsonst<\/em>). Dass die gotische Malerei unter den Arkaden bis heute sichtbar ist, verdanken wir einem Zufall. Im 17. Jahrhundert wurde das Kunstwerk, wie viele andere auch, achtlos \u00fcberpinselt. Erst bei Renovierungsarbeiten in den 1930er Jahren tauchte das Gem\u00e4lde wieder auf.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Heilige R\u00f6mische Reich&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Heilige R\u00f6mische Reich&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53558&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Staat \u00d6sterreich ist eine recht junge Erfindung, ebenso die Staatsb\u00fcrgerschaft. \u00dcber mehr als 1000 Jahre war Innsbruck ein Land des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em>. Innsbrucker waren Untertanen des Kaisers. Und Untertanen des Tiroler Landesf\u00fcrsten. Und ihres Grundherrn. Falls sie das B\u00fcrgerrecht hatten, waren sie auch Innsbrucker. Und sehr wahrscheinlich auch Christen. Was sie nicht waren, zumindest nicht bis 1806, war \u00d6sterreicher. Was aber war dieses Heilige R\u00f6mische Reich. Und wer war der Kaiser? Und war er wirklich m\u00e4chtiger als der K\u00f6nig?<\/p>\n<p>Das Kaiserreich war ein Zusammenschluss einzelner L\u00e4nder, gepr\u00e4gt von Konflikten und Zankereien um Macht, sowohl zwischen den F\u00fcrsten des Reiches untereinander wie auch zwischen den F\u00fcrsten und dem Kaiser. Es hatte keine Hauptstadt. Das Zentrum des Reiches war dort, wo der Kaiser war, der seine Residenzen immer wieder \u00e4nderte. Kaiser Maximilian I. machte Innsbruck zu einer seiner Residenzst\u00e4dte, was einem Turbo f\u00fcr die Entwicklung der Stadt gleichkam. Nationalit\u00e4t und gef\u00fchlte Zugeh\u00f6rigkeit spielte f\u00fcr die Staatszugeh\u00f6rigkeit, bis ins 19. Jahrhundert weniger eine Rolle als heute.<\/p>\n<p>Das Christentum war das Band, das vieles zusammenhielt. Institutionen wie das Reichskammergericht oder der Reichstag wurden erst im sp\u00e4ten Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit eingef\u00fchrt, um die Verwaltung zu erleichtern und Streitigkeiten unter den einzelnen Landesf\u00fcrsten beizulegen. Die <em>Goldene Bulle<\/em>, die unter anderem die Wahl des Kaisers regelten, war eine sehr einfache Form einer fr\u00fchen Verfassung. Drei geistliche und 4 weltliche Kurf\u00fcrsten w\u00e4hlten ihr Oberhaupt. Im Reichstag hatten die F\u00fcrsten Sitz und Stimme, der Kaiser war von ihnen abh\u00e4ngig. Um sich durchzusetzen, bedurfte er einer starken Hausmacht. Die Habsburger konnten dabei unter anderem auf Tirol zur\u00fcckgreifen. Tirol war\u00a0 immer wieder Zankapfel zwischen den Habsburgern und den Herz\u00f6gen von Bayern, obwohl beide dem <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich<\/em> angeh\u00f6rten. Innsbruck stand mehrmals unter der Verwaltung bayerische F\u00fcrstengeschlechter.<\/p>\n<p>Die Hierarchie innerhalb des feudalen Lehensystems war streng geordnet vom Kaiser bis zum Bauern. Kaiser und K\u00f6nige erhielten Macht und Legitimation direkt von Gott. Das Feudalsystem war gottgewollt. Bauern, mehr als 90% der mittelalterlichen Bev\u00f6lkerung, arbeiteten am Feld, um den f\u00fcr das Seelenheil betenden Klerus und die f\u00fcr die Schutzlosen k\u00e4mpfenden und den Klerus besch\u00fctzende Aristokratie zu ern\u00e4hren. Es war eine Dreierbeziehung in der eine Seite Ordnung und Gebete f\u00fcr das Seelenheil der Menschheite, eine Seite Schutz, Leib und Leben und die dritte Seite Gehorsam, Treue und Arbeit einbrachten. Dieses Treueverst\u00e4ndnis mag uns Staatsb\u00fcrgern moderner Pr\u00e4gung fremd erscheinen, sind die Pflichten heutzutage \u00fcber Steuern, der Einhaltung von Gesetzen, Wahlen oder Pr\u00e4senzdienst abstrakter und wesentlich weniger pers\u00f6nlich. Bis ins 20. Jahrhundert hinein baute das Feudalsystem aber genau darauf auf. Treue basierte nicht wie die heutige Staatsb\u00fcrgerschaft auf einem Geburtsrecht. Der \u201e\u00f6sterreichische\u201c Milit\u00e4r Prinz Eugen mag franz\u00f6sischer Abstammung gewesen sein, trotzdem k\u00e4mpfte er in der Armee Leopolds I., des Kaisers des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> gegen Frankreich. Er war ein Untertan des Erzherzogs von \u00d6sterreich mit Wohnsitzen in Wien und Ungarn. W\u00e4hrend man geb\u00fcrtiger US-Amerikaner sein muss, um Pr\u00e4sident werden zu k\u00f6nnen, war aber auch umgekehrt der Herrscher nicht an eine angeborene Nationalit\u00e4t gebunden. Kaiser Karl V. wurde im heute belgischen Gent geboren, wuchs am burgundischen Hof auf, wurde spanischer K\u00f6nig, bevor er das Erzherzogtum \u00d6sterreich erbte und sp\u00e4ter zum Kaiser gew\u00e4hlt wurde. <em>Germanicus<\/em> zu sein bedeutete nicht, Deutscher zu sein, es bezog sich meist auf die Alltagssprache, die eine Person verwendete.<\/p>\n<p>Das R\u00f6mische im Deutschen war ein jahrhundertealtes Konzept. Als Karl der Gro\u00dfe im Jahr 800 in Rom zum R\u00f6misch-Deutschen Kaiser gekr\u00f6nt wurde, trat er das Erbe der r\u00f6mischen Kaiser mit g\u00f6ttlicher Legitimation durch die Salbung des Papstes an. und gleichzeitig als weltlicher Schutzherr des Papstes an. Der Kaiser war im Gegenzug die Schutzmacht des Heiligen Vaters auf Erden.\u00a0 Das <em>Heilige R\u00f6mische Reich<\/em> unter dem Mantel des Kaisers h\u00f6rte erst 1806 zu Zeiten der Napoleonischen Kriege auf zu existieren. Zentraleuropa begann sich ab dieser Zeit langsam in eine Ansammlung von Nationalstaaten nach dem Vorbild Frankreichs und Englands zu verwandeln. Die Idee des <em>R\u00f6mischen Reiches<\/em> ging auf die abenteuerliche, antike Vorstellung zur\u00fcck, dass das antike Rom weiter Bestand haben musste. F\u00fcr gl\u00e4ubige Christen war es laut der <em>Lehre der Vier Weltreiche<\/em> von enormer Wichtigkeit, dass das Kaisertum fortbestand. Grundlage der <em>Lehre der Vier Weltreiche<\/em> war das Buch Daniel des Alten Testaments. Laut dieser Geschichte tr\u00e4umte der babylonische K\u00f6nig Nebukadnezar von vier aufeinanderfolgenden Weltreichen. Mit dem Ende des vierten Weltreiches ginge dem Propheten nach auch die Welt unter. Der christliche Kirchenvater Hieronymus deutete diese vier Reiche um 400 nach Christus als die Abfolge Babylon, Persien, Griechenland und eben dem R\u00f6mischen Kaiserreich. Das Ende der r\u00f6mischen Herrschaft bedeutete im Glauben des Mittelalters gleichzeitig das Ende der Welt und somit durfte Rom nicht untergehen. \u00dcber diese sogenannte <em>Translatio Imperii<\/em>, also die \u00dcbertragung des Rechtsanspruchs des Imperium Romanum der Antike auf die R\u00f6misch Deutschen Kaiser nach Karl dem Gro\u00dfen, wurde die Best\u00e4ndigkeit Roms formell gewahrt und die Erde konnte fortbestehen. Dem Kaiser sei Dank, dass es uns heute noch gibt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Big City Life im fr\u00fchen Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Mittelalterliches und Fr\u00fchneuzeitliches Stadtrecht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53562&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck hatte sich von einem r\u00f6mischen Castell w\u00e4hrend des Mittelalters zu einer Stadt entwickelt. Diese formale Anerkennung Innsbrucks als Stadt durch den Landesf\u00fcrsten brachte ein g\u00e4nzlich neues System f\u00fcr die B\u00fcrger mit sich. Marktrecht, Baurecht, Zollrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit gingen nach und nach auf die Stadt \u00fcber. Stadtb\u00fcrger unterlagen nicht mehr ihrem Grundherrn, sondern der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit, zumindest innerhalb der Stadtmauern. Das gefl\u00fcgelte Wort &#8222;<em>Stadtluft macht frei<\/em>&#8220; r\u00fchrt daher, dass man nach einem Jahr in der Stadt von allen Verbindlichkeiten seines ehemaligen Grundherrn frei war. B\u00fcrger konnten anders als unfreie Bauern und Dienstleute frei \u00fcber ihren Besitz und ihre Lebensf\u00fchrung verf\u00fcgen. Nat\u00fcrlich hatten sie Rechte und Pflichten zu erf\u00fcllen. B\u00fcrger lieferten zwar keinen Zehent ab, sondern bezahlten Steuern an die Stadt. Welche Gruppe innerhalb der Stadt welche Steuer zu bezahlen hatte, konnte die Stadtregierung selbst festlegen. Die Stadt wiederum musste diese Steuern nicht direkt abliefern, sondern konnte nach Abzug einer fixen Abgabe an den Landesf\u00fcrsten frei \u00fcber ihr Budget verf\u00fcgen. Zu den Ausgaben neben der Stadtverteidigung geh\u00f6rte die Kranken- und Armenf\u00fcrsorge. Notleidende B\u00fcrger konnten in der \u201e<em>Siedek\u00fcche<\/em>\u201c Speisen beziehen, so sie das B\u00fcrgerrecht hatten. Besondere Beachtung schenkte die Stadtregierung ansteckenden Krankheiten wie der Pest, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Einwohner marterte.<\/p>\n<p>Jeder B\u00fcrger musste im Gegenzug f\u00fcr seine Rechte den B\u00fcrgereid leisten. Dieser B\u00fcrgereid beinhaltete die Verpflichtung zur Abgabe von Steuern und Milit\u00e4rdienst. Neben der Stadtverteidigung wurden die B\u00fcrger auch au\u00dferhalb eingesetzt. 1406 stellte sich eine Abordnung gemeinsam mit S\u00f6ldnern einem Appenzeller Heer entgegen, um das Oberinntal zu verteidigen. Ab 1511 war der Stadtrat laut dem Landlibell Kaiser Maximilians auch verpflichtet ein Kontingent an Wehrpflichtigen f\u00fcr die Landesverteidigung zu stellen. Dar\u00fcber hinaus gab es Freiwillige, die sich im <em>Freif\u00e4hnlein<\/em> der Stadt zum Kriegsdienst melden konnten, so waren zum Beispiel bei der T\u00fcrkenbelagerung Wiens 1529 auch Innsbrucker unter den Stadtverteidigern.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurde der Platz eng im rasch wachsenden Innsbruck. Das B\u00fcrgerrecht wurde zu einem exklusiven Gut. Nur noch freien Untertanen aus ehelicher Geburt war es m\u00f6glich, das Stadtrecht zu erlangen. Um B\u00fcrger zu werden, mussten entweder Hausbesitz oder F\u00e4higkeiten in einem Handwerk nachgewiesen werden, an der die Z\u00fcnfte der Stadt interessiert waren. Der Streit darum, wer ein \u201eechter\u201c Innsbrucker ist, und wer nicht, h\u00e4lt sich bis heute. Dass Migration und Austausch mit anderen immer schon die Garantie f\u00fcr Wohlstand waren und Innsbruck zu der lebenswerten Stadt gemacht haben, die sie heute ist, wird dabei oft vergessen.<\/p>\n<p>Innsbruck hatte wegen dieser Beschr\u00e4nkungen eine g\u00e4nzlich andere soziale Zusammensetzung als die umliegenden D\u00f6rfer. Handwerker, H\u00e4ndler, Beamte und Dienstboten des Hofstaats bestimmten das Stadtbild. H\u00e4ndler waren oft fahrendes Volk, Beamte und Hofstaat kamen ebenfalls im Gefolge eines F\u00fcrsten f\u00fcr kurze Zeit nach Innsbruck und besa\u00dfen kein B\u00fcrgerrecht. Es waren die Handwerker, die einen gro\u00dfen Teil der politischen Macht innerhalb der B\u00fcrgerschaft aus\u00fcbten. Sie z\u00e4hlten, anders als Bauern, zu den mobilen Schichten im Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit. Sie gingen nach der Lehrzeit auf die <em>Walz<\/em>, bevor sie sich der Meisterpr\u00fcfung unterzogen und entweder nach Hause zur\u00fcckkehrten oder sich in einer anderen Stadt niederlie\u00dfen. \u00dcber Handwerker erfolgte nicht nur Wissenstransfer, auch kulturelle, soziale und politische Ideen verbreiteten sich durch sie. Die Handwerksz\u00fcnfte \u00fcbten teilweise eine eigene Gerichtsbarkeit neben der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit unter ihren Mitgliedern aus. Es waren soziale Strukturen innerhalb der Stadtstruktur, die gro\u00dfen Einfluss auf die Politik hatten. L\u00f6hne, Preise und das soziale Leben wurden von den Z\u00fcnften unter Aufsicht des Landesf\u00fcrsten geregelt. Man k\u00f6nnte von einer fr\u00fchen Sozialpartnerschaft sprechen, sorgten die Z\u00fcnfte doch auch f\u00fcr die soziale Sicherheit ihrer Mitglieder bei Krankheit oder Berufsunf\u00e4higkeit. Die einzelnen Gewerbe wie Schlosser, Gerber, Plattner, Tischler, B\u00e4cker, Metzger oder Schmiede hatten jeweils ihre Zunft, der ein Meister vorstand.<\/p>\n<p>Ab dem 14. Jahrhundert besa\u00df Innsbruck nachweisbar einen Stadtrat, den sogenannten <em>Gemain<\/em>, und einen B\u00fcrgermeister, der von der B\u00fcrgerschaft j\u00e4hrlich gew\u00e4hlt wurde. Es waren keine geheimen, sondern \u00f6ffentliche Wahlen, die allj\u00e4hrlich rund um die Weihnachtszeit abgehalten wurden. Im <em>Innsbrucker Geschichtsalmanach<\/em> von 1948 findet man Aufzeichnungen \u00fcber die Wahl des Jahres 1598.<\/p>\n<p><em>Der Erhardstag, d.i. der 8. J\u00e4nner, spielte allj\u00e4hrlich im Leben der Innsbrucker B\u00fcrger eine gro\u00dfe Rolle. An diesem Tage versammelten sie sich zur Wahl der Stadtobrigkeit, n\u00e4mlich des B\u00fcrgermeisters, Stadtrichters, Gemeinredners und des zw\u00f6lfgliedrigen Rates\u2026. Ein genaues Bild \u00fcber den Ablauf dieser Wahlen in den Jahren 1598 bis 1607 vermittelt ein im Stadtarchiv verwahrtes Protocoll: \u201e\u2026 Das L\u00e4uten der gro\u00dfen Glocke rief Rat und B\u00fcrgerschaft auf das Rathaus und dann als ein ehrsamer Rat und ganze Gmein aufm Rathaus versammelt gwest, ist anfangs ein ehrsamer Rat in der Ratstuben zusammen gesessen und des n\u00e4chsten Jahr her gwesten B\u00fcrgermeisters, Augustin Tauschers, Urlaub angeh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister vertrat die Stadt gegen\u00fcber den anderen St\u00e4nden und dem Landesf\u00fcrsten, der die Oberherrschaft \u00fcber die Stadt je nach Epoche mal mehr, mal weniger intensiv aus\u00fcbte. Jeder Stadtrat hatte eigene, klar zugeteilte Aufgaben zu erf\u00fcllen wie die \u00dcberwachung des Marktrechts, die Betreuung des Spitals und der Armenf\u00fcrsorge oder die f\u00fcr Innsbruck besonders wichtige Zollordnung. Der Konsum von Alkohol und das Verweilen in den Gastst\u00e4tten war zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich geregelt. \u00c4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten war es nicht nur zu teuer, sie durften auch nur zu gewissen Zeiten in die Gasth\u00e4user. So sollte \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Trunkenheit und dem Anbetteln der Oberschicht vorgebeugt werden. Der Stadtrat kontrollierte die Qualit\u00e4t und G\u00fcte der Speisen \u00e4hnlich einem fr\u00fchen Marktamt, waren St\u00e4dte doch an der Qualit\u00e4t ihrer Betriebe interessiert, um als Wirtschaftsstandort und f\u00fcr G\u00e4ste interessant zu sein. Bei all diesen politischen Vorg\u00e4ngen sollte man sich stets in Erinnerung rufen, dass Innsbruck im 16. Jahrhundert etwa 5000 Einwohner hatte, von denen nur ein kleiner Teil das B\u00fcrgerrecht besa\u00df. Besitzlose, fahrendes Volk, Erwerbslose, Dienstboten, Diplomaten, Angestellte, Frauen und Studenten waren keine wahlberechtigten B\u00fcrger. Zu w\u00e4hlen war ein Privileg der m\u00e4nnlichen Oberschicht.<\/p>\n<p>Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung war das Mittelalter keine rechtfreie Zeit der Willk\u00fcr. Auf kommunaler wie auch auf Landesebene, gab es Codices, die sehr genau regelten was erlaubt und was verboten war. Je nach Herrscher und gerade g\u00e4ngigen Moral- und Sittenvorstellungen konnte sich das sehr unterscheiden. Waffentragen, Fluchen, Prostitution, L\u00e4rmen, Musizieren, Gottesl\u00e4sterung, spielende Kinder \u2013 alles und jeder konnte dabei ins Visier der Ordnungsh\u00fcter kommen. Bezieht man die Regeln f\u00fcr Handel, Z\u00f6lle, Aus\u00fcbung des Berufes durch Gilden und Preisfestsetzungen f\u00fcr allerlei Waren durch den Magistrat mit ein, war das vor- und fr\u00fchmoderne Zusammenleben nicht weniger reguliert als heute. Der Unterschied waren Kontrolle und Durchsetzungskraft, die der Obrigkeit h\u00e4ufig nicht gegeben war.<\/p>\n<p>Wurde jemand bei unrechter oder unsittlicher Tat erwischt, gab es Gerichtsinstanzen, die Urteile f\u00e4llten. Die mittelalterlichen Gerichtstage wurden an der \u201e<em>Dingst\u00e4tte<\/em>\u201c im Freien abgehalten. Die Tradition des <em>Ding<\/em> geht zur\u00fcck auf den altgermanischen <em>Thing<\/em>, bei dem sich alle freien M\u00e4nner versammelten, um Recht zu sprechen. Der Stadtrat bestellte einen Richter, der f\u00fcr alle Vergehen zust\u00e4ndig war, die nicht dem Blutgericht unterlagen. Ihm zur Seite stand ein Kollegium aus mehreren Geschworenen. Strafen reichten von Geldbu\u00dfen \u00fcber Pranger und Kerker. Auch die Einhaltung der religi\u00f6sen Ordnung wurde von der Stadt \u00fcberwacht. \u201eKetzer\u201c und Querdenker wurden nicht von der Kirche, sondern der Stadtregierung gema\u00dfregelt.<\/p>\n<p>Der Strafvollzug beinhaltete auch weniger humane Methoden als heutzutage \u00fcblich, es wurde aber nicht wahllos und willk\u00fcrlich gefoltert. Folter als Teil des Verfahrens in besonders schweren F\u00e4llen war aber ebenfalls geregelt. Verd\u00e4chtige und Verbrecher wurden im Innsbruck bis zum 17. Jahrhundert im <em>Kr\u00e4uterturm <\/em>an der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke der Stadtmauer, am heutigen Herzog-Otto-Ufer, festgehalten und traktiert. Sowohl Verhandlung wie auch Strafverb\u00fc\u00dfung waren \u00f6ffentliche Prozesse. Dem Stadtturm stand das <em>Narrenh\u00e4usel<\/em>, ein K\u00e4fig, in den Menschen eingesperrt und zur Schau gestellt wurden. Auf dem h\u00f6lzernen <em>Schandesel<\/em> wurde man bei kleineren Vergehen durch die Stadt gezogen. Der Pranger stand in der Vorstadt, der heutigen Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Eine Polizei gab es nicht, der Stadtrichter besch\u00e4ftigte aber Knechte und an den Stadttoren waren Stadtw\u00e4chter aufgestellt, um f\u00fcr Ruhe zu sorgen. Es war B\u00fcrgerpflicht, bei der Erfassung von Verbrechern mitzuhelfen. Selbstjustiz war verboten.<\/p>\n<p>Die Zust\u00e4ndigkeiten zwischen st\u00e4dtischer und landherrschaftlicher Justiz war seit 1288 im Urbarbuch geregelt. \u00dcber schwere Vergehen hatte weiterhin das Landesgericht zu bestimmen. Diesem Blutrecht unterlagen Verbrechen wie Diebstahl, Mord oder Brandstiftung. Das Landesgericht f\u00fcr alle Gemeinden s\u00fcdlich des Inns zwischen Ampass und G\u00f6tzens war auf der <em>Sonnenburg<\/em>, die sich s\u00fcdlich oberhalb Innsbrucks befand. Im 14. Jahrhundert siedelte das Landgericht Sonnenburg an den Oberen Stadtplatz vor dem Innsbrucker Stadtturm, sp\u00e4ter ins Rathaus und in der fr\u00fchen Neuzeit nach G\u00f6tzens. Mit der Zentralisierung des Rechtes im 18. Jahrhundert kam das Gericht <em>Sonnenburg<\/em> zur\u00fcck nach Innsbruck und fand unter wechselnden Bezeichnungen sowie in wechselnden Geb\u00e4uden wie dem Leuthaus in Wilten, am Innrain oder am Ansitz Ettnau, bekannt als <em>Malfatti-Schl\u00f6ssl<\/em>, in der H\u00f6ttinger Gasse Unterschlupf.<\/p>\n<p>Der Scharfrichter Innsbrucks war ab dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert zentralisiert f\u00fcr mehrere Gerichte zust\u00e4ndig und in Hall ans\u00e4ssig. Die Richtst\u00e4tten befanden sich durch die Jahre an mehreren Orten. Auf einem H\u00fcgel im heutigen Stadtteil Dreiheiligen befand sich lange direkt an der Landesstra\u00dfe ein Galgen. Der <em>K\u00f6pflplatz<\/em> befand sich bis 1731 der heutigen Ecke Fallbachgasse \/ Weiherburggasse in <em>Anpruggen<\/em>. In H\u00f6tting stand der Galgen hinter der <em>Kapelle zum Gro\u00dfen Gott<\/em>. Die heutige Kapelle, die neben dem barocken Kruzifix Keramikfiguren des bekannten K\u00fcnstlers Max Spielmann (1906 \u2013 1984) tr\u00e4gt, wurde bei Stra\u00dfenarbeiten in den 1960er Jahren versetzt. W\u00e4hrend Spielmanns Denkmal <em>Totentanz<\/em> an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnert, konnten zum Tode Verurteilte am letzten Weg hier ein letztes Gebet zum Himmel schicken, bevor ihnen der Strick um den Hals gelegt oder der Kopf abgeschlagen wurde, je nach gesellschaftlichem Status und Art des Verbrechens. Es war nicht un\u00fcblich, dass der Verurteilte seinem Henker eine Art Trinkgeld zusteckte, damit sich dieser bem\u00fchte, m\u00f6glichst genau zu zielen, um so die Hinrichtung so schmerzlos wie m\u00f6glich zu gestalten. Viel konnte schiefgehen. Traf das Schwert nicht genau, wurde die Schlinge nicht sorgf\u00e4ltig umgelegt oder riss gar das Seil, erh\u00f6hte sich das Leiden des Verurteilten. F\u00fcr die Obrigkeit und \u00f6ffentliche Ordnung besonders sch\u00e4dliche Delinquenten wie der \u201eKetzer\u201c Jakob Hutter oder die gefassten Anf\u00fchrer der Bauernaufst\u00e4nde von 1525 und 1526 wurden vor dem <em>Goldenen Dachl <\/em>publikumstauglich hingerichtet. \u201ePeinliche\u201c Strafen wie Vierteilen oder R\u00e4dern, vom lateinischen Wort <em>poena<\/em> abgeleitet, waren nicht an der Tagesordnung, konnten in speziellen F\u00e4llen aber angeordnet werden. Hinrichtungen waren eine Machtdemonstration der Obrigkeit und \u00f6ffentlich. Sie galt als eine Art der Reinigung der Gesellschaft von Verbrechern und sollte als Abschreckung dienen. Gro\u00dfe Menschenmengen versammelten sich, um den Galgenvogel auf seinem letzten Weg zu begleiten. An der Universit\u00e4t wurde an den Hinrichtungstagen der Unterricht ausgesetzt, um den Studenten die Anwesenheit zu erm\u00f6glichen und sie zu l\u00e4utern. Die Leichen der Hingerichteten wurden oft h\u00e4ngengelassen und au\u00dferhalb des geweihten Bereichs der Friedh\u00f6fe begraben oder der Universit\u00e4t f\u00fcr Studienzwecke \u00fcberlassen. Die letzte \u00f6ffentliche Hinrichtung der \u00f6sterreichischen Geschichte fand 1868 statt. Zimperlich war man zwar auch dann nicht, ein Spektakel vor Publikum waren die T\u00f6tungen am W\u00fcrgegalten, der bis in die 1950er das Mittel der Wahl bei Hinrichtungen war, aber zumindest nicht mehr.<\/p>\n<p>Mit der Zentralisierung des Rechts unter Maria Theresia und Josef II im 18. und dem Allgemeinen B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch im 19. Jahrhundert unter Franz I. ging das Recht von St\u00e4dten und Landesf\u00fcrsten an den Monarchen und deren Verwaltungsorgane auf verschiedenen Ebenen \u00fcber. Die Folter wurde abgeschafft. Die Aufkl\u00e4rung hatte die Vorstellung von Recht, Strafe und Resozialisierung grundlegend ver\u00e4ndert. Auch die Einhebung von Steuern wurde zentralisiert, was einen gro\u00dfen Bedeutungsverlust des lokalen Adels und eine Aufwertung der Beamtenschaft zur Folge hatte. Mit der zunehmenden Zentralisierung unter Maria Theresia und Josef II. wurden auch Steuern und Z\u00f6lle nach und nach zentralisiert und von der Reichshofkammer eingehoben. Innsbruck verlor dadurch, wie viele Kommunen in dieser Zeit, Einnahmen in gro\u00dfer H\u00f6he, die nur bedingt \u00fcber Ausgleiche aufgefangen wurden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 35<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":278,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,58,40],"tags":[],"class_list":["post-1565","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-das-heilige-roemische-reich","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}