{"id":1577,"date":"2020-09-24T16:52:49","date_gmt":"2020-09-24T16:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1577"},"modified":"2025-12-15T13:53:28","modified_gmt":"2025-12-15T13:53:28","slug":"annasaeule-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/annasaeule-innsbruck\/","title":{"rendered":"Annas\u00e4ule"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Annas\u00e4ule<\/h2>\n<p>Maria-Theresienstra\u00dfe 31<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/85CF81FB-8FCB-4B3E-AE19-F227111D7743-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Annas\u00e4ule mit Nordkette&#8220; title_text=&#8220;Annas\u00e4ule mit Nordkette&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59271,64184,64906,62642,58138,59009,60695,55821,1264&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Annas\u00e4ule&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62660&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Annas\u00e4ule&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59061&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Die <em>Annas\u00e4ule<\/em> z\u00e4hlt zu den beliebtesten Fotomotiven Innsbrucks. Besonders wenn sich im Winter die schneebedeckte Nordkette hinter der Altstadt erhebt, ist die S\u00e4ule vor dem Bergpanorama ein echter Hotspot, nicht nur f\u00fcr professionelle Influencer. Errichtet wurde die <em>Annas\u00e4ule<\/em> anl\u00e4sslich der Beendigung eines Konflikts zwischen Tirol und Bayern, der als <em>Boarischer Rummel<\/em> in die Geschichtsb\u00fccher eingegangen ist. Im Juni 1703 marschierte der bayerische Kurf\u00fcrst Max Emanuel mit einem 12.000 Mann starken Heer \u00fcber die Grenze und eroberte die als uneinnehmbar geltende Festung Kufstein. Nach einer Reihe von Siegen gelangte er nach Innsbruck und besetzte die Stadt. Erst nach und nach konnten sich die Tiroler Truppen formieren und die ersten Siege feiern. Am 26. Juli, dem <em>Sankt Anna Tag<\/em>, konnten die Landesverteidiger Tirols die bayerischen Invasoren wieder aus Innsbruck vertreiben. Zur Erinnerung an diesen Sieg beschlossen die Tiroler Landst\u00e4nde ein Denkmal zu errichten und der Heiligen Anna zu weihen, um die Stadt in Zukunft vor Krieg zu bewahren. Das Denkmal zeigt mehrere f\u00fcr die Innsbrucker B\u00fcrgerschaft dieser Zeit symbolisch wichtige Figuren. Die Statue der namensgebenden Heiligen Anna richtet den Blick fromm nach Norden in Richtung Bayern. Sie wurde nicht nur ausgew\u00e4hlt, weil an ihrem Gedenktag der Sieg gelang. Anna war die Mutter Marias. Erst sehr sp\u00e4t wurde ihr von Gott ein Kinderwunsch erf\u00fcllt. Sie gilt als die Schutzheilige der werdenden M\u00fctter und der Kinderlosen. Vor allem ihre hausfrauliche T\u00fcchtigkeit und ihre m\u00fctterliche Stabilisierung des Haushalts galten vor der ersten, gerade im konservativen Tirol sehr zarten Welle weiblicher Emanzipation als weibliche Tugenden. Auch der Heilige Georg, der k\u00e4mpferische Drachent\u00f6ter, ist als Schutzpatron Tirols auf der <em>Annas\u00e4ule<\/em> vertreten. Statuen von Kassian als Patron der Di\u00f6zese Brixen (S\u00fcdtirol) und Vigilius als Patron der Di\u00f6zese Trient (Trentino) flankieren die Heiligen. Innsbruck war bis 1964 nicht der Bischofssitz des Landes. Tirol wurde kirchenrechtlich im Erbauungsjahr des Denkmals 1706 von den Bisch\u00f6fen von Brixen und Trient regiert. Deshalb sind die beiden Heiligen dieser S\u00fcdtiroler bzw. Trentiner Di\u00f6zesen in Innsbruck stationiert. Besonders interessant ist die in Tirol beliebte <em>Mondsichelmadonna<\/em>, die das Ensemble kr\u00f6nt. In der apokalyptischen Offenbarung des Johannes wird sie als Zeugin des letzten Gefechtes zwischen dem Erzengel Michael und dem Teufel genannt: \u201e<em>Eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren F\u00fc\u00dfen und ein Kranz von zw\u00f6lf Sternen auf ihrem Haupt.<\/em>\u201c Sie kann als Symbol f\u00fcr den Kampf zwischen Gut und B\u00f6se gelesen werden, der sich nach Tiroler Lesart in der Auseinandersetzung zwischen den Habsburgern und den Wittelsbachern zum wiederholten Male in der Innsbrucker Stadtgeschichte abgespielt hatte. Schnell wurde die Annas\u00e4ule zu einem Innsbrucker Erinnerungsort. Man traf sich hier, um zu feiern, zu diskutieren, zu bangen und zu protestieren. Von Krieg wurde Innsbruck seit 1945 verschont, der Platz rund um die Annas\u00e4ule ist aber auch heute noch oft genug ein <em>Schlachtfeld<\/em>, wenn auch auf anderer Ebene. Die Gastronomen der umliegenden Caf\u00e9s und Bars sehen es nicht gerne, dass sich junge Leute auf den Stufen vor dem Denkmal niederlassen, um das Innenstadtflair zu konsumieren, ohne daf\u00fcr Geld auszugeben. Beliebt ist der Platz vor der Annas\u00e4ule aber nicht nur bei Eisschleckern und Dosenbiertrinkern, sondern auch f\u00fcr Demonstrationen und Kundgebungen aller Art.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Boarische Rummel und der Spanische Erbfolgekrieg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Boarische Rummel und der Spanische Erbfolgekrieg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53601&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Als 1700 mit Karl II. von Spanien der letzte Habsburger der spanischen Linie den Thron ohne Erben hinterlie\u00df, entbrannte der <em>Spanische Erbfolgekrieg<\/em> zwischen den Weltm\u00e4chten. Habsburger, Franzosen und Bayern probierten jeweils ihren Kandidaten auf den Thron zu bringen. In wechselnden Allianzen rund um den Globus standen sich in den Koalitionskriegen gro\u00dfe Armeen gegen\u00fcber. \u00dcber h\u00e4ufig wechselnde B\u00fcndnisse mischten zwischen Europa, Asien und Amerika auch Niederl\u00e4nder, Gro\u00dfbritannien &#8211; ja sogar Schweden und Russen mit. Was aber hat das mit Innsbruck zu tun?<\/p>\n<p>1703 erhob das mit Frankreich verb\u00fcndete Kurf\u00fcrstentum Bayern Anspruch auf die Grafschaft Tirol. 1665 war mit Sigismund Franz der letzte Landesf\u00fcrst der Tiroler Linie verstorben. Seitdem wurde Tirol von Statthaltern regiert. Die niedrigen und einfach zu \u00fcberquerenden Alpen\u00fcberg\u00e4nge machten das Land strategisch wichtig in diesem globalen Konflikt zwischen den Gro\u00dfn\u00e4chten. Um ihren vermeintlichen Anspruch auf Tirol milit\u00e4risch zu untermauern, marschierten die Bayern mit 12.000 Mann \u00fcber Kufstein ins Inntal. Schnell konnten sie den Raum um Innsbruck erobern, um sich hier mit den Truppen des franz\u00f6sischen B\u00fcndnispartners, der aus Italien Richtung Tirol marschierte, zu vereinigen.<\/p>\n<p>S\u00fcdtiroler und Oberinntaler Truppen, zu gro\u00dfen Teil aus den Sch\u00fctzenvereinen rekrutiert, boten den Fremdm\u00e4chten erfolgreich Paroli. Aus Innsbruck zogen Truppen ins Unterland aus, um den feindlichen Truppen Widerstand zu leisten. 400 Studenten und Gymnasiasten meldeten sich freiwillig zu den Waffen und wurden vor der Mariahilfkirche unter Waffen und das Oberkommando des Barons von Cles gestellte. Die Tiroler leisteten als gute Katholiken dem Herzen Jesu einen Treueschwur und baten um himmlischen Beistand. Gemeinsam mit den Signalfeuern, die auf den Bergen angefacht wurden, um zwischen den Truppen zu kommunizieren, wird dieser Brauch bis heute allj\u00e4hrlich im Juni als <em>Bergfeuer<\/em> fortgef\u00fchrt. Bei einer Schlacht an der Pontlatzerbr\u00fccke bei Landeck konnten die Tiroler Truppen einen Erfolg feiern, der die Wende brachte. Die zahlenm\u00e4\u00dfig unterlegenen Tiroler Sch\u00fctzen waren im Guerillakrieg in unwegsamem Gel\u00e4nde den gro\u00dfen Armeen, die f\u00fcr Feldschlachten ausgebildet und ausgestattet waren, ebenb\u00fcrtig. Geschickt n\u00fctzten sie die bessere Ortskenntnis und ihre F\u00e4higkeiten als Scharfsch\u00fctzen aus. Erst sp\u00e4ter r\u00fcckten von S\u00fcdtirol her auch regul\u00e4re Truppen der Habsburger nach. So konnte die bayrische Fremdherrschaft am 26. Juli, dem Sankt-Anna-Tag, wieder aus Innsbruck vertrieben werden. Das Interessante dabei ist, dass Kurf\u00fcrst Max Emanuel von einem guten Teil der B\u00fcrger Innsbrucks nicht ablehnend, vielmehr mit Begeisterung empfangen wurde. Der Boarische Rummel zeigte auf, wie unterschiedlich die politischen Vorstellungen von Stadt- und Landbev\u00f6lkerung in Tirol war.<\/p>\n<p>Der <em>Boarische Rummel<\/em>, wie der kurze Kampf um Tirol genannt wurde, klingt nur oberfl\u00e4chlich nach einem Scharm\u00fctzel. 1704 kam es in der Schlacht von H\u00f6chst\u00e4dt zu einer bayrischen Niederlage gegen die Habsburger. In der Folge besetzten \u00f6sterreichische Truppen M\u00fcnchen besetzen. Nun war es andersherum, die Bayern erhoben sich gegen die Habsburger. Unter anderem kam es dabei zur bekannten <em>Sendlinger Mordweihnacht<\/em>, bei der habsburgische Truppen etwa 1000 Soldaten, die sich eigentlich schon ergeben hatten, niedermetzeln lie\u00dfen. Das komplizierte Verh\u00e4ltnis zwischen Habsburgern, Tirolern, Innsbruckern und Bayern war ein Ph\u00e4nomen, begleitete das Land weiterhin. Die Tiroler Bauern warfen dem offiziellen \u00d6sterreich nicht zu Unrecht die Vernachl\u00e4ssigung der Landesverteidigung vor. In einer Welle des Zorns und des Hasses auf alle, die sich nicht gegen Bayern und Franzosen gewehrt hatten, ergoss sich Gewalt auch gegen Institutionen wie das Stift Wilten, wo die Bayern Quartier bezogen hatten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maria hilf Innsbruck!&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maria Hilf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;64775&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Heiligenverehrung und Volksfr\u00f6mmigkeit wandelten stets auf einem schmalen Grat zwischen Glauben, Aberglauben und Magie. In den Alpen, wo die Menschen der kaum erkl\u00e4rbaren Umwelt mehr als in anderen Regionen ausgesetzt waren, nahm diese Form des Glaubens bemerkenswerte und oft skurrile Formen an. Heilige wurden bei verschiedenen Aufgaben im Alltag um Hilfe angefleht. Anna sollte Haus und Herdfeuer sch\u00fctzen, zur in Tirol besonders beliebten Heiligen Notburga von Rattenberg betete man f\u00fcr gute Ernte. Als daf\u00fcr verst\u00e4rkt D\u00fcnger und landwirtschaftliche Maschinen eingesetzt wurden, stieg sie zur Schutzheiligen der Trachtentr\u00e4gerinnen auf. Bergleute vertrauten ihr Schicksal in ihrem gef\u00e4hrlichen Job unter Tage der Heiligen Barbara und dem Heiligen Bernhard an. Die Kapelle bei den Herrenh\u00e4usern im Halltal nahe Innsbruck gibt einen faszinierenden Einblick in die Glaubenswelt zwischen <em>Bettelwurfgeist<\/em> und Anbetung diverser lokaler Schutzpatrone. Die Heilige, die alle anderen in der Verehrung bis heute \u00fcberstrahlt, ist Maria. Von der Kr\u00e4uterweihe zu Maria Himmelfahrt bis zum rechtsdrehenden Wasser in Maria Waldrast am Fu\u00df der Serles und Votivbildern in Kirchen und Kapellen ist sie beliebter Dauergast in der Volksfr\u00f6mmigkeit. Wer aufmerksam durch Innsbruck spaziert, findet ein spezielles Bild immer wieder auf Fassaden von Geb\u00e4uden: Das <em>Gnadenbild Mariahilf<\/em> von Lucas Cranach (ca. 1472 \u2013 1553).<\/p>\n<p>Cranachs Madonna ist eine der popul\u00e4rsten und am h\u00e4ufigsten kopierten Darstellungen Marias im Alpenraum. Das Bild ist eine Neuinterpretation der klassischen ikonographischen Mutter Gottes. \u00c4hnlich wie die <em>Mona Lisa<\/em> da Vincis, die zu einer \u00e4hnlichen Zeit entstand, l\u00e4chelt Maria dem Betrachter verschmitzt zu. Cranach verzichtete auf jede Form der Sakralisierung wie Mondsichel oder Heiligenschein und l\u00e4sst sie in zeitgen\u00f6ssischer Alltagskleidung auftreten. Die rotblonden Haare von Mutter und Kind transferieren sie von Pal\u00e4stina nach Europa. Aus der Heiligen und jungfr\u00e4ulichen Maria wurde eine gew\u00f6hnliche Frau mit Kind aus der gehobenen Mittelschicht des 16. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Entstehung, Reise und Verehrung des Gnadenbildes Mariahilf erz\u00e4hlen im Kleinen die Geschichte von Reformation, Gegenreformation und Volksfr\u00f6mmigkeit in den Deutschen L\u00e4ndern. Die Odyssee des lediglich 78 x 47 cm gro\u00dfen Bildes begann im heutigen Th\u00fcringen am landesf\u00fcrstlichen Hof, einem der kulturellen Zentren Europas der damaligen Zeit. Kurf\u00fcrst Friedrich III. von Sachsen (1463 \u2013 1525) war ein frommer Mensch. In seinem Besitz befand sich eine der umfangreichsten Reliquiensammlungen der Zeit hatte. Trotz seiner tiefen Verwurzelung im popul\u00e4ren Glauben an Reliquien und seinen ausgepr\u00e4gten Hang zur Marienverehrung unterst\u00fctze er 1518 nicht nur aus religi\u00f6sen, sondern auch aus machtpolitischen Gr\u00fcnden Martin Luther. Freies Geleit des m\u00e4chtigen Landesf\u00fcrsten und die Unterbringung auf der Wartburg erm\u00f6glichten Luther die Arbeit an der deutschen \u00dcbersetzung der Heiligen Schrift und seiner Vorstellung einer neuen, reformierten Kirche.<\/p>\n<p>Wie zu dieser Zeit \u00fcblich, hatte Friedrich auch einen <em>Art Director<\/em> in seinem Gefolge. Lucas Cranach war seit 1515 als Hofmaler in Wittenberg. Cranach war wie andere Maler seiner Zeit nicht nur \u00e4u\u00dferst produktiv, sondern auch \u00e4u\u00dferst gesch\u00e4ftst\u00fcchtig. Neben seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit f\u00fchrte er in Wittenberg eine Apotheke und eine Weinschenke. Dank seines finanziellen Wohlstandes und Ansehens stand er der Gemeinde ab 1528 als B\u00fcrgermeister vor. Cranach galt als schneller Maler mit gro\u00dfem Output. Er erkannte Kunst als Medium, um Zeit und Zeitgeist festzuhalten und zu verbreiten. \u00c4hnlich wie Albrecht D\u00fcrer schuf er popul\u00e4re Werke mit gro\u00dfer Reichweite. Seine Portr\u00e4ts der damaligen High Society pr\u00e4gen bis heute unser Bild damaliger Promis wie die seines Arbeitgebers Friedrich, Maximilian I., Martin Luther oder seinem Standeskollegen D\u00fcrer.<\/p>\n<p>Auf Schloss Wittenberg lernten sich Cranach und die Kirchenkritiker Philipp Melanchthon und Martin Luther kennen. Sp\u00e4testens durch diese Bekanntschaft wurde der K\u00fcnstler zum Anh\u00e4nger des neuen, reformierten Christentums, das noch keine offizielle Erscheinungsform hatte. Die Unsch\u00e4rfen in den religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen und Praktiken dieser Zeit vor der offiziellen Kirchenspaltung spiegeln sich in Cranachs Werken wider. Trotz der Ablehnung Luthers und Melanchthons von Heiligenverehrung, Marienkult und ikonographischer Darstellungen in Kirchen malte Cranach weiterhin f\u00fcr seine Auftraggeber nach deren Geschmack.<\/p>\n<p>Ebenso unscharf wie der \u00dcbergang von einer Konfession zur anderen im 16. Jahrhundert ist das Entstehungsdatum des <em>Gnadenbildes Mariahilf<\/em>. Cranach fertigte es irgendwann zwischen 1510 und 1537 entweder f\u00fcr den Hausalter von Friedrichs Schw\u00e4gerin, Herzogin Barbara von Sachsen oder f\u00fcr die Heiligkreuzkirche in Dresden an. Kunstexperten sind sich bis heute uneins. Die Freundschaft zwischen Cranach und Martin Luther legt nahe, Cranach h\u00e4tte es nach seiner Hinwendung zum Luthertum gemalt und diese verweltlichte Darstellung einer Mutter mit Kind sei ein Ausdruck eines neuen religi\u00f6sen Weltbildes. Es ist aber durchaus m\u00f6glich, dass der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige K\u00fcnstler das Bild nach der Vorstellung des Auftraggebers komplett ohne ideologischen Hintergrund, sondern als Ausdruck der Mode der Zeit bereits vor der Ankunft Luthers in Wittenberg malte.<\/p>\n<p>Nach dem Tod Friedrichs trat Cranach in den Dienst seines Nachfolgers Johann Friedrichs I. von Sachsen. Als sein Arbeitgeber 1547 nach der Schlacht von M\u00fchlberg in Gefangenschaft des Kaisers geriet, folgte ihm Hofmaler Cranach trotz seines hohen Alters bis nach Augsburg und Innsbruck. Nach f\u00fcnf Jahren im Schlepptau der wohl luxuri\u00f6s untergebrachten Geisel kehrte Cranach zur\u00fcck nach Wittenberg, wo er seinem f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse biblischen Alter erlag.<\/p>\n<p>Das <em>Gnadenbild Mariahilf<\/em> wurde, wahrscheinlich um es vor eifernden Bilderst\u00fcrmen vor der Zerst\u00f6rung zu retten, w\u00e4hrend der turbulenten Jahre der Konfessionskriege in die Kunstkammer des s\u00e4chsischen Landesf\u00fcrsten \u00fcberf\u00fchrt. Knapp 65 Jahre sp\u00e4ter sollte es wie zuvor sein Erschaffer auf verschlungenen Pfaden seinen Weg nach Innsbruck finden. Als der kunstsinnige Passauer Bischof aus dem Hause Habsburg 1611 zu Gast am Hof in Dresden war, erw\u00e4hlte er das Gnadenbild Cranachs als Gastgeschenk und nahm es mit in seine f\u00fcrstbisch\u00f6fliche Residenz an der Donau. Dort sah es sein Domdekan und war so angetan, dass er eine Kopie f\u00fcr seinen Hausaltar anfertigen lie\u00df. Rasch entstand rund um das Bild ein Wallfahrtskult.<\/p>\n<p>Als aus dem Passauer Bischof sieben Jahre sp\u00e4ter Erzherzog Leopold V. von \u00d6sterreich und Landesf\u00fcrst Tirols wurde, \u00fcbersiedelte das popul\u00e4re Gem\u00e4lde mit seinem Besitzer an den Hof in Innsbruck. Seine toskanische Gattin Claudia de Medici hielt den Marienkult in italienischer Tradition auch nach seinem Ableben eifrig am K\u00f6cheln. Sowohl die Servitenkirche als auch das Kapuzinerstift erhielten Altare und Bilder der Heiligen Muttergottes. Nichts war allerdings beliebter als Cranachs Gnadenbild. Um die Stadt w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges zu besch\u00fctzen, wurde das Bild h\u00e4ufig aus der Hofkapelle geholt und f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verehrung ausgestellt. Die verzweifelte Innsbrucker Bev\u00f6lkerung schrie dem kleinen Gem\u00e4lde bei diesen Massengebeten ein lautstarkes \u201eMaria Hilf\u201c entgegen, eine Praxis, die dank der Jesuiten im Volksglauben Einzug gehalten hatte. 1647, im Moment h\u00f6chster Not schworen die Tiroler Landst\u00e4nde, rund um das Bild eine Kirche zu bauen, sollte der Schutz Marias das Land vor der Verw\u00fcstung durch bayerische und schwedische Truppen bewahren. Dass die reformierte Darstellung der Heiligen Maria, gemalt von einem Freund Martin Luthers, zum Schutz der Stadt vor protestantischen Truppen angefleht wurde, entbehrt wohl nicht einer gewissen Ironie.<\/p>\n<p>Die Kirche Mariahilf wurde zwar gebaut, das Bild aber wurde 1650 in der Pfarrkirche St. Jakob innerhalb der sicheren Stadtmauern ausgestellt. Das neu erbaute Gotteshaus erhielt eine von Michael Waldmann angefertigte Kopie. Es sollte nicht die letzte ihrer Art werden. Das Motiv und die Darstellung Cranachs der Mutter Gottes erfreute sich allerh\u00f6chster Beliebtheit und findet sich bis heute nicht nur in Kirchen, sondern auf unz\u00e4hligen Privath\u00e4usern wieder. Kunst wurde durch diese Kopien zum Massenph\u00e4nomen. Vom Privatbesitz des s\u00e4chsischen Landesf\u00fcrsten war das Marienbild in den \u00f6ffentlichen Raum gewandert. Jahrhunderte vor Andy Warhol und Roy Lichtenstein waren Cranach und D\u00fcrer zu viel kopierten K\u00fcnstlern geworden und ihre Bilder zu einem Teil des \u00f6ffentlichen Raumes und Alltags. Das Original des <em>Gnadenbildes Mariahilf<\/em> mag im Dom St. Jakob h\u00e4ngen, die Kopie und die drumherum entstandene Pfarre aber gaben einem ganzen Stadtteil seinen Namen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria-Theresienstrasse 31<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":58138,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[60,32,15,157],"tags":[],"class_list":["post-1577","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-der-boarische-rummel-und-der-spanische-erbfolgekrieg","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-innenstadt-2","category-maria-hilf-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1577"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1577\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/58138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}