{"id":1646,"date":"2020-09-25T12:44:09","date_gmt":"2020-09-25T12:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1646"},"modified":"2026-01-08T15:07:54","modified_gmt":"2026-01-08T15:07:54","slug":"leopoldsbrunnen-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/leopoldsbrunnen-innsbruck\/","title":{"rendered":"Leopoldsbrunnen Innsbruck"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Leopoldsbrunnen<\/h2>\n<p>Universit\u00e4tsstra\u00dfe 1<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Leopoldbrunnen-Innsbruck-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Hofburg Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Leopoldbrunnen Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.25.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;60479,57630,58467,56041,1734,61255,1650&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Leopoldsbrunnen Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61929&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Leopoldsbrunnen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59052&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Der barocke Leopoldsbrunnen vor dem Tiroler Landestheater und dem Haus der Musik erinnert an den Habsburger\u00a0Leopold V.. Griechische G\u00f6tter und Nymphen posieren am Rand des Beckens. Die <em>Artemis<\/em> ist ob ihrer Gestik als scheinbare Erfinderin des Selfies bei Touristen und Einheimischen als Foto-Buddy besonders beliebt. Der Innsbrucker Hof sollte durch diese Ann\u00e4herung an die Antike n\u00e4her an die trendgebenden italienischen F\u00fcrstenh\u00f6fe heranr\u00fccken. \u00dcber allem thront Leopold, der sich im Stile eines r\u00f6mischen Imperators als siegreicher Feldherr darstellen lie\u00df. Das Besondere an seinem Reiterstandbild ist, dass das Pferd aufrecht steht ohne sich am Schwanz \u201eabzust\u00fctzen\u201c. Ein Bleigewicht im Schwanz sorgt daf\u00fcr, dass Ross und Reiter nicht umkippen. Zur Zeit seiner Errichtung war diese Courbette eine Sensation, war sie doch die einzige Bronzeskulptur eines sich aufb\u00e4umenden Pferdes dieser Art n\u00f6rdlich der Alpen ohne St\u00fctzhilfe.<\/p>\n<p>Als der Tiroler Landesf\u00fcrst 1632 das Zeitliche segnete, war der Brunnen noch nicht fertiggestellt. Die Figuren wurden zu seinen Lebzeiten entlang des Rennwegs vor der Hofburg und im landesf\u00fcrstlichen Hofgarten aufgestellt. Bis zum finalen Werk sollte noch gut 250 Jahre vergehen. Anlass f\u00fcr die Fertigstellung des Brunnens war die <em>Tiroler Landesausstellung<\/em>, die im Juni 1893 in Innsbruck stattfand. Die Installation und Gestaltung des Brunnens wurde den geschulten H\u00e4nden der Begr\u00fcnder der <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em>, heute die HTL Anichstra\u00dfe, Johann Deiniger und Heinrich Fuss \u00fcbertragen. Gut zehn Jahre zuvor hatte ihre neue Bildungsinstitution die ersten Sch\u00fcler aufgenommen. Die St\u00e4rkung der heimischen Gewerbe und Industrie war das Gebot der Stunde, der neue Schultypus und die moderne Messeveranstaltung sollten dazu beitragen. Die Landesausstellung sollte nicht nur \u201e<em>Tirol mit einem Bilde seines gesamten landwirtschaftlichen, gewerblichen, technischen und k\u00fcnstlerischen K\u00f6nnens\u201c<\/em> zeigen, sondern auch die Verbundenheit des Kronlandes Tirol mit der Monarchie demonstrieren. Leopold V. war der ideale Habsburger f\u00fcr diesen Anlass und den Zeitgeist der Jahrhundertwende, der architektonisch vom Neoklassizismus gepr\u00e4gt war. Die antike griechische G\u00f6tterwelt verbunden mit dem m\u00e4chtigen Habsburgerf\u00fcrsten waren ein <em>Perfect Match<\/em>, um den Platz vor dem Theater zugleich nationalliberal wie auch kaisertreu aufzuputzen. Die Kunstwerke im Stil der Renaissance passten ins Jahr 1893 mindestens so gut wie in die Fr\u00fche Neuzeit, zumindest aus der Sicht des Innsbrucker Bildungsb\u00fcrgertums. Leopold galt als liberaler Lebemann, der sich f\u00fcr den Dienst am Vaterland von Klerus und Bischofsw\u00fcrde verabschiedet hatte. Die Innsbrucker Nachrichten beschrieben die Er\u00f6ffnung mit folgenden Worten:<\/p>\n<p><em>\u201eUm 11 Uhr begann in der Ausstellungshalle die eigentliche Zeremonie der Er\u00f6ffnung. Ein Wappenschild \u2013 der Tiroler Adler, darunter der kaiserliche Wahlspruch \u201eViribus unitis\u201c \u2013 zierte den Giebel des Eingangs. Palmen und m\u00e4chtige Bambusst\u00f6cke schm\u00fcckten das Portal. Die Festg\u00e4ste versammelten sich in der Mitte der Halle beim Leopoldsbrunnen vor dem pr\u00e4chtigen Kaiserzelt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wie es Denkm\u00e4lern im \u00f6ffentlichen Raum bis heute zu eigen ist, besonders wenn eine politische Botschaft mitschwingt, schieden sich aber auch am Leopoldsbrunnen die Geister. Im Jahr der Aufstellung war er ein hei\u00dfes Politikum. In der Presse war gar von einem \u201e<em>Brunnenkriege<\/em>\u201c die Rede, der sich um das Denkmal entwickelte. In einer Karnevalsrede wurde der Leopoldsbrunnen sp\u00f6ttisch als <em>Monumental-Ofen<\/em> bezeichnet. Die Aufregung war nicht neu. Bereits knapp 100 Jahre zuvor w\u00e4re es fast um die Figuren des Brunnens geschehen gewesen. Als\u00a0Andreas Hofer\u00a0als Landeskommandant Tirols 1809 in Innsbruck residierte, waren ihm die allzu freiz\u00fcgigen Figuren ein Dorn im Auge. Der fromme Katholik wollte die barbusigen Nymphen und die Vielg\u00f6tterei der Antike vor den Augen der erhofft frommen Bev\u00f6lkerung verbergen. Er plante die Bronzestatuen einzuschmelzen, um daraus Gesch\u00fctzmunition anfertigen zu lassen. Es ist einigen Innsbrucker B\u00fcrgern, die die Kunstwerke versteckten, zu verdanken, dass der Leopoldsbrunnen bis heute besteht. Der <em>Brunnenkrieg<\/em> setzt sich bis heute fort. Auffallend h\u00e4ufiger als andere Kunstwerke laden die Statuen Spa\u00dfv\u00f6gel ein, sie mit Kleidungsst\u00fccken und anderen Verzierungen zu schm\u00fccken. 2022 wurde eine der Nymphen gar abgeschraubt und vom Brunnen entwendet. Obwohl die Originale mittlerweile im Ferdinandeum standen und es sich nur um eine Kopie handelte, war das Verschwinden der Statue Stadtgespr\u00e4ch. Nach einigen Wochen des Br\u00fctens \u00fcber den Kriminalfall, in denen unz\u00e4hlige Ger\u00fcchte \u00fcber Motiv und T\u00e4ter herumgeisterten, tauchte die Figur im Olympischen Dorf am Radweg wieder auf. Ob es ein Nachahmer und Verehrer des Sittenw\u00e4chters Andreas Hofer war oder eine \u201e<em>bsoffene Gschicht<\/em>\u201c, wird wohl nicht zu kl\u00e4ren sein.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53486&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das f\u00fcr das barocke Gesicht Innsbrucks bedeutendste F\u00fcrstenpaar regierte Tirol w\u00e4hrend der Zeit, in der der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg Europa verheerte. Der Habsburger Leopold (1586 \u2013 1632) um die landesf\u00fcrstlichen Regierungsgesch\u00e4fte im ober\u00f6sterreichischen Regiment in Tirol und den Vorlanden zu f\u00fchren. Er hatte die klassische Erziehung unter den Fittichen der Jesuiten genossen. In Graz und Judenburg studierte er Philosophie und Theologie, um sich f\u00fcr den machtpolitischen Bereich des Klerus vorzubereiten, eine \u00fcbliche Karriere nachgeborener S\u00f6hne, die kaum Chancen auf weltliche Throne hatten. Leopolds fr\u00fche Karriere im Machtapparat der Kirche steht f\u00fcr all das, was Protestanten und Kirchenreformer an der katholischen Kirche ablehnten. Mit 12 Jahren wurde er zum Bischof von Passau gew\u00e4hlt, mit dreizehn wurde er zum Koadjutor des Bistums Stra\u00dfburg in Lothringen ernannt. Kirchliche Weihen hingegen erhielt er nie. F\u00fcr die geistlichen Pflichten war sein F\u00fcrstbischof zust\u00e4ndig. Er war leidenschaftlicher Politiker, reiste viel zwischen seinen Bist\u00fcmern und beteiligte sich auf kaiserlicher Seite am Konflikt zwischen Rudolf II. und Matthias, der Vorlage f\u00fcr Franz Grillparzers \u201e<em>Bruderzwist im Hause Habsburg<\/em>\u201c. Diese Agenden, die einem Kirchenmann nicht unbedingt zur Ehre gereichten, sollten Leopolds Chance auf weltliche F\u00fcrstenw\u00fcrden am Leben halten.<\/p>\n<p>Diese Chance kam, als der unverheiratete Maximilian III. 1618 kinderlos verstarb. Leopold fungierte auf Gehei\u00df seines Bruders als habsburgischer <em>Gubernator und Regierer dieser Ober- und Vorder\u00f6sterreichischen, auch Mitincorpierter Leuth und Lannde<\/em>. In seinen ersten Jahren als Regent musste er weiterhin zwischen seinen von den Wirren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges bedrohten Bist\u00fcmern in S\u00fcd- und Westdeutschland pendeln. Der ambitionierte Machtpolitiker war zwar wohl mit dem aufregenden Leben inmitten der hohen Politik zufrieden, nicht aber mit seinem Status als Gubernator. Er wollte den Titel des Landesf\u00fcrsten samt Huldigung und dynastischem Erbrecht. F\u00fcr den F\u00fcrstentitel und um einen Hofstaat einzurichten, fehlten eine passende Braut, Zeit und Geld. Die kostspieligen Auseinandersetzungen, an denen er beteiligt war, hatten Leopolds S\u00e4ckel geleert.<\/p>\n<p>Das Geld kam mit der Braut und mit ihr auch die Zeit. Claudia de Medici (1604 \u2013 1648) aus dem reichen toskanischen Kaufmanns- und F\u00fcrstengeschlecht wurde dazu auserkoren, den mittlerweile schon auf die 40 zugehenden Landesf\u00fcrsten in Spe mit dynastischen Freuden zu begl\u00fccken. Claudia war bereits im Kindesalter dem Herzog von Urbino versprochen worden, den sie mit 17 Jahren trotz eines Antrags Kaiser Ferdinands II. heiratete. Nach zwei Jahren Ehe verstarb ihr Gatte. Die Bande mit den Habsburgern waren noch vorhanden. Sp\u00e4testens seit der Hochzeit Francesco de Medici mit Johanna von Habsburg, einer Tochter Ferdinands I. waren die beiden Dynastien gut verzahnt. Auch Leopold und Claudia waren ein <em>Perfect Match<\/em> aus Titel, Macht, barocker Fr\u00f6mmigkeit und Geld. Leopolds Schwester Maria Magdalena war als angeheiratete Gro\u00dfherzogin der Toskana in Florenz gelandet und schickte ihrem Bruder ein gemaltes Portrait der jungen Witwe Claudia mit den Begleitworten, dass sie \u201e<em>von gesicht, leib und tugendt sch\u00f6n<\/em>\u201c sei. Nach einem Tanz im Huhn-Ei-Prinzip \u2013 die Familie der Braut wollte eine Versicherung um die Titel des Schwiegersohnes w\u00e4hrend dessen Bruder der Kaiser f\u00fcr die Vergabe der Herzogsw\u00fcrde den Beweis einer Braut forderte \u2013 war es so weit. 1625 verzichtete der mittlerweile zum Herzog erhobene, wohlgen\u00e4hrte und vierzig Jahre alte Leopold auf seine kirchlichen Besitzt\u00fcmer und W\u00fcrden, um heiraten und mit seiner fast 20 Jahre j\u00fcngeren Braut eine neue Tiroler Linie des Hauses Habsburg gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verbindung des Landesf\u00fcrsten mit der Italienerin sollten Innsbruck pr\u00e4gen. Die Medici hatten mit Baumwoll- und Textilhandel, vor allem aber mit Finanzgesch\u00e4ften ein Verm\u00f6gen verdient und waren zu politischer Macht gekommen. Unter den Medici war Florenz das kulturelle und finanzwirtschaftliche Zentrum Europas geworden, vergleichbar mit dem New York des 20 oder den Arabischen Emiraten des 21. Jahrhunderts. Der Florentiner Dom, der im Auftrag der m\u00e4chtigen Wollh\u00e4ndlergilde errichtet wurde, war in Ausstattung und Gr\u00f6\u00dfe das spektakul\u00e4rste Geb\u00e4ude weltweit. Galileo Galilei war Erster Mathematiker Herzog Cosimos II. 1570 wurde Cosimo de Medici vom Papst zum ersten Gro\u00dfherzog der Toskana ernannt. Aus dem toskanischen Geldadel wurde dank gro\u00dfz\u00fcgiger Kredite und Spenden europ\u00e4ischer Hochadel. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt am Arno zwar an politischem Gewicht eingeb\u00fc\u00dft, in kultureller Hinsicht war Florenz aber noch immer die Benchmark. Leopold setzte alles daran, um seine Residenzstadt in diese Liga zu katapultieren.<\/p>\n<p>Im Februar 1622 hatten die Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Kaiser Ferdinand II. und Eleonore von Mantua in Innsbruck stattgefunden. F\u00fcr den norditalienischen Brautanhang war Innsbruck leichter zu erreichen als Wien. Tirol war auch konfessionell geeint und war von den ersten Jahren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verschont geblieben. W\u00e4hrend die kaiserliche Hochzeit in f\u00fcnf Tagen erledigt war, zog sich die Party von Leopold und Claudia \u00fcber 2 Wochen. Die offizielle Hochzeit hatte ohne Beisein des Br\u00e4utigams im Florentiner Dom stattgefunden. Das anschlie\u00dfende Fest zu Ehren der Verbindung von Habsburg und Medici ging als eines der pr\u00e4chtigsten in Geschichte Innsbrucks ein und hielt die Stadt zwei Wochen lang in Atem. Nach einem frostigen Einzug vom verschneiten Brenner herunter empfing Innsbruck seine neue F\u00fcrstin und ihre Familie. Ehemann und Untertanen hatten zur inneren Reinigung im Vorfeld gebetet, um g\u00f6ttlichen Segen zu erbitten. Das Brautpaar zog wie zuvor der Kaiser in einem langen Zug durch zwei eigens errichtete Pforten in der Stadt ein. 1500 Sch\u00fctzen feuerten Salven aus allen Rohren ab. Trommler, Pfeifer und die Glocken der Hofkirche untermalten den Zug, der aus 750 Personen am staunenden Volk vorbeizog. Ein breites Unterhaltungsprogramm mit Jagden, Theater, T\u00e4nzen, Musik sowie allerlei exotischem wie \u201e<em>B\u00e4ren, T\u00fcrggen und Mohren<\/em>\u201c versetzten G\u00e4ste und Stadtb\u00fcrger in Verz\u00fcckung und Erstaunen. Aus heutiger Sicht wenig glanzvolles Highlights war das <em>Katzenrennen<\/em>, bei dem mehrere Reiter danach trachteten, einer an den Beinen aufgeh\u00e4ngten Katze im Vorbeireiten den Kopf abzuhacken.<\/p>\n<p>Weniger glorreich waren Leopolds fr\u00fche Regierungsjahre f\u00fcr seine Untertanen. Seine Politik wurde von vielen Auseinandersetzungen mit den Landst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Er war als Hardliner der Gegenreformation ein Unterst\u00fctzer der kaiserlichen Truppen. Das Unterengadin, \u00fcber das Leopold die Gerichtsgewalt hatte, war ein steter Unruheherd. Unter dem Vorwand, die dort ans\u00e4ssigen katholischen Untertanen vor protestantischen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, lie\u00df Leopold das Gebiet besetzen. Er konnte Aufst\u00e4nde zwar immer wieder erfolgreich unterdr\u00fccken, die Ressourcen, die daf\u00fcr n\u00f6tig waren, brachten Bev\u00f6lkerung und Landst\u00e4nde aber in Rage. Auch an der Nordgrenze zu Bayern war die Lage unruhig und erforderte Leopold als Kriegsherrn. Herzog Bernhard von Weimar hatte F\u00fcssen eingenommen und stand bei der Ehrenberger Klause vor den Landesgrenzen. Innsbruck blieb zwar von direkten Kriegshandlungen verschont, war aber dank den nahen Fronten trotzdem Teil des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges.<\/p>\n<p>Die finanziellen Mittel daf\u00fcr stellte er \u00fcber eine umfassende Steuerreform zu Ungunsten der Mittelschicht zur Verf\u00fcgung. Die in Kriegen \u00fcbliche Inflation durch das Stocken des f\u00fcr Innsbruck wichtigen Handels verschlechterte das Leben der Untertanen. 1622 versch\u00e4rfte eine wetterbedingte Missernte die Lage, die durch die Zinsbelastung des Staatshaushaltes durch Altlasten ohnehin stets angespannt war. Auch sein Beharren auf fl\u00e4chendeckende Durchsetzung des modernen R\u00f6mischen Rechtes gegen\u00fcber dem traditionellen Gewohnheitsrecht brachte ihm bei vielen Untertanen keine Sympathiepunkte ein.<\/p>\n<p>Das alles hielt Leopold und Claudia nicht davon ab, in absolutistischer Manier pr\u00e4chtig Hof zu halten. Innsbruck wurde unter Leopolds Regentschaft gro\u00dffl\u00e4chig barock umgestaltet. Am Hof fanden Feste im Beisein des europ\u00e4ischen Hochadels statt. Showeinlagen wie L\u00f6wenk\u00e4mpfe mit den exotischen Tieren aus dem landesf\u00fcrstlichen Bestand, den Ferdinand II. am Hofgarten gr\u00fcnden lie\u00df, Theater und Konzerte dienten der Zerstreuung der h\u00f6fischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Moral und Sitten der rauen \u00c4lpler sollten sich bessern. Es war ein Balanceakt zwischen Festen bei Hof und Verbot von Karnevalsfeiern f\u00fcr normale B\u00fcrger. Der Zorn Gottes, der immerhin Pest und Krieg nach sich gezogen hatte, sollte so gut als m\u00f6glich durch tugendhaftes Verhalten ferngehalten werden. Fluchen, Herumschreien und der Gebrauch von Schusswaffen auf offener Stra\u00dfe wurden verboten. Gegen Zuh\u00e4lterei, Prostitution, Ehebruch und moralischen Verfall ging man am frommen Hof streng vor. Juden hatten unter Leopold und Claudia ebenfalls schwere Zeiten. Der Hass auf die immer schon ungeliebten <em>Hebreer<\/em> brachte eine der unappetitlichsten Traditionen Tiroler Fr\u00f6mmigkeit hervor. 1642 verfasste der italienischst\u00e4mmige Stiftsarzt zu Hall und Gr\u00fcnder der Karlskirche in Volders Dr. Hippolyt Guarinoni die Legende des <em>M\u00e4rtyrerkinds Anderle von Rinn<\/em>. Angeregt vom angeblich durch Juden 1475 in seiner Heimatstadt ermordeten Simon von Trient verfasste Guarinoni 1642 das <em>Anderl-Lied<\/em> in Versform. In Rinn bei Innsbruck entwickelte sich rund um die Gebeine des angeblich 1462 von Juden ermordeten Andreas Oxner, die Jahreszahl war dem Doktor im Traum erschienen, ein antisemitischer Anderl-Kult, der erst 1989 vom Innsbrucker Bischof verboten wurde.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde nicht nur moralisch, sondern auch tats\u00e4chlich ges\u00e4ubert. Abf\u00e4lle, die besonders bei ausbleibendem Regen, wenn kein Wasser durch das Kanalsystem floss, ein Problem waren, wurden per f\u00fcrstlicher Verordnung regelm\u00e4\u00dfig gereinigt. Nutztiere durften nicht mehr frei innerhalb der Stadtmauern herumlaufen. Die Pestwelle wenige Jahre vorher war noch frisch im Ged\u00e4chtnis. Schlechte Ger\u00fcche und Miasmen sollten um jeden Preis ferngehalten werden.<\/p>\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod Leopolds regierte Claudia an Stelle ihres minderj\u00e4hrigen Sohnes das Land mit Hilfe ihres Hofkanzlers Wilhelm Biener (1590 \u2013 1651) mit moderner, konfessionell motivierter, fr\u00fchabsolutistischer Politik und strenger Hand. Sie konnte sich dabei auf eine gut funktionierende Verwaltung st\u00fctzen. Die junge Witwe umgab sich mit Italienern und italienischsprachigen Tirolern, die frische Ideen ins Land brachten, gleichzeitig aber auch H\u00e4rte im Kampf gegen den <em>Lutheranismo<\/em> zeigten. Um Feuer zu vermeiden, 1636 waren direkt vor der Hofburg das <em>L\u00f6wenhaus<\/em> und der <em>Ansitz Ruhelust<\/em> Ferdinands II. abgebrannt, mussten St\u00e4lle und andere Geb\u00e4ude aus Holz innerhalb der Stadtmauern abgerissen werden. Die Seidenraupenzucht im Trentino und erste, zarte \u00dcberlegungen rund um eine Tiroler Universit\u00e4t gediehen unter Claudias Regentschaft. Kanzler Biener zentralisierte Teile der Verwaltung. Vor allem das fragmentierte Rechtsystem innerhalb der Tiroler Territorien sollte durch einen allgemeing\u00fcltigen Kodex ersetzt werden. Daf\u00fcr musste der oft willk\u00fcrlich agierende lokale Kleinadel zu Gunsten des Landesf\u00fcrsten weiter entmachtet werden.<\/p>\n<p>Dieses System sollte nicht nur den teuren Hofstaat, sondern auch die Landesverteidigung finanzieren. Nicht nur protestantische Truppen aus S\u00fcddeutschland bedrohten den habsburgischen Besitz. Auch Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, wollte sich an den L\u00e4ndern der Casa de Austria in Spanien, Italien und den Vorlanden, den heutigen Benelux-Staaten, schadlos halten. Innsbruck wurde zu einem der Zentren des habsburgischen Kriegsrates. Am Rande der Front in den deutschen L\u00e4ndern und mittig zwischen Wien und der Toskana war die Stadt perfekt f\u00fcr \u00d6sterreicher, Spanier und Italiener, um sich zu treffen. Die f\u00fcr ihre Brutalit\u00e4t ber\u00fcchtigten Schweden bedrohten Tirol direkt, konnten aber vom Einmarsch abgehalten werden. Die Burg- und Wallanlagen, die Tirol sch\u00fctzten, wurden von unerw\u00fcnschten Bewohnern des Landes, Bettlern, Zigeunern und desertierten Soldaten in Zwangsarbeit errichtet. Bei Scharnitz an der heutigen deutschen Grenze wurden Verteidigungsanlagen errichtet und nach der Landesf\u00fcrstin <em>Porta Claudia<\/em> genannt.<\/p>\n<p>Als Claudia de Medici 1648 starb, kam es wie fast zur gleichen Zeit in England unter Cromwell zu einem Aufstand der St\u00e4nde gegen die Zentralregierung. Claudia, die nie die deutsche Landessprache gelernt hatte und auch sonst auch nach \u00fcber 20 Jahren noch mit lokalen Br\u00e4uchen fremdelte, war nie besonders beliebt in der Bev\u00f6lkerung gewesen. An eine Absetzung war aber nicht zu denken. Der Schierlingsbecher wurde an ihren Kanzler weitergereicht. Der unbequeme Biener wurde vom Nachfolger Claudias, Erzherzog Ferdinand Karl, und den Landst\u00e4nden als <em>Persona non grata<\/em> inhaftiert und 1651 wie Charles I. zwei Jahre nach einem Schauprozess gek\u00f6pft.<\/p>\n<p>Ein Hauch Florenz und Medici pr\u00e4gt Innsbruck bis heute: Sowohl in der Jesuitenkirche, wo Claudia und Leopold ihre letzte Ruhest\u00e4tte fanden, als auch in der Pfarrkirche Mariahilf prangt bis heute das Wappen ihrer Familie mit den roten Kugeln und den Lilien. Das Alte Rathaus in der Altstadt ist auch als <em>Claudiana<\/em> bekannt. \u00dcberreste der Porta Claudia bei Scharnitz stehen ebenfalls bis heute. Mit Leopolds Namen verbunden ist in Innsbruck besonders das Theater. Der Leopoldsbrunnen vor dem Haus der Musik erinnert an ihn. Wer sich an die Besteigung des markanten Berges Serles wagt, startet die Wanderung beim Kloster Maria Waldrast, das Leopold 1621 hingebungsvoll zum <em>wunderbarlichen Unser lieben Frawen bildnus auf der Waldrast<\/em> dem Servitenorden stiftete und Claudia ausbauen lie\u00df. Kanzler Wilhelm Biener wurde ein Stra\u00dfenname im Saggen gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53390&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit der Napoleonischen Kriege bescherte dem Land Tirol ein nationales Epos und mit Andreas Hofer einen Helden, dessen Glanz bis in die heutige Zeit strahlt. Subtrahiert man allerdings die sorgsam konstruierte Legende vom Tiroler Aufstand gegen die Fremdherrschaft, war die Zeit vor und nach 1809 ein dunkles Kapitel in der Innsbrucker Stadtgeschichte, gepr\u00e4gt von wirtschaftlichen N\u00f6ten, Kriegsverheerung und mehreren Pl\u00fcnderungen. Das K\u00f6nigreich Bayern war w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege mit Frankreich verb\u00fcndet und konnte in mehreren Auseinandersetzungen zwischen 1796 und 1805 das Land Tirol von den Habsburgern \u00fcbernehmen. Innsbruck war nicht mehr Hauptstadt eines Kronlandes, sondern nur noch eine von vielen Kreishauptst\u00e4dten der Verwaltungseinheit <em>Innkreis<\/em>. Einnahmen aus Maut und Zoll sowie auf das Haller Salz verlie\u00dfen das Land Richtung Norden. Die britische Kolonialsperre gegen Napoleon hatte zur Folge, dass der stets florierende und Wohlstand bringende Innsbrucker Fernhandel und das Transportwesen als Wirtschaftszweige einbrachen. Innsbrucker B\u00fcrger mussten bayerische Soldaten in ihren H\u00e4usern einquartieren. Die Aufhebung der Tiroler Landesregierung, des Guberniums und des Tiroler Landtags bedeuteten aber nicht nur den Verlust von Status, sondern auch von Arbeitspl\u00e4tzen und finanziellen Mitteln. Ganz vom Geist der Aufkl\u00e4rung, der Vernunft und der Franz\u00f6sischen Revolution beseelt, machten sich die neuen Landesherren daran, die althergebrachte Ordnung umzukrempeln. W\u00e4hrend die Stadt, wie es zu jeder Zeit ist, unter dem Kriegstreiben finanziell litt, er\u00f6ffneten sich gesellschaftspolitisch durch den Umbruch neue M\u00f6glichkeiten. <em>Der Krieg ist der Vater aller Dinge<\/em>, vielen B\u00fcrgern kam der frische Wind nicht ungelegen. Moderne Gesetze wie die <em>Gassen-S\u00e4uberungs-Ordnung<\/em> oder eine verpflichtende Pockenimpfung sollten Sauberkeit und Gesundheit in der Stadt zutr\u00e4glich sein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts verstarb noch immer eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Menschen an Krankheiten, die auf mangelnde Hygiene und verseuchtem Trinkwasser zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Ein neues Steuersystem wurde eingef\u00fchrt und die Befugnisse des Adels weiter verringert. Die bayerische Verwaltung erlaubt das 1797 verbotene Vereinswesen wieder. Auch das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Kirche aus dem Bildungswesen gefiel liberalen Innsbruckern. So wurde der Benediktinerpater und sp\u00e4tere Mitbegr\u00fcnder des Musikvereins Innsbrucks Martin Goller wurde nach Innsbruck berufen, um die musikalische Ausbildung zu forcieren.<\/p>\n<p>Diese Reformen behagten einem gro\u00dfen Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung nicht. Katholische Prozessionen und religi\u00f6se Feste fielen dem aufkl\u00e4rerischen Programm der neuen Landesherren zum Opfer. 1808 wurde vom bayerischen K\u00f6nig f\u00fcr seinen gesamten Herrschaftsbereich das Gemeindeedikt eingef\u00fchrt. Die Untertanen wurden darin verpflichtet \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, Brunnen, Wege, Br\u00fccken und andere Infrastruktur in Stand zu halten. F\u00fcr die Tiroler Bauern, die seit Jahrhunderten von Fronarbeit gr\u00f6\u00dftenteils befreit waren, bedeutete das eine zus\u00e4tzliche Belastung und war ein Affront gegen ihren Standesstozl. Der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte, war die Aushebung junger M\u00e4nner zum Dienst in der bayrisch-napoleonischen Armee, obwohl Tiroler seit dem <em>Landlibell<\/em>, einem Gesetz Kaiser Maximilians, nur f\u00fcr die Verteidigung der eigenen Grenzen herangezogen werden durften. Am 10. April kam es bei einer Aushebung in Axams bei Innsbruck zu einem Tumult, der schlie\u00dflich zu einem Aufstand f\u00fchrte. <em>F\u00fcr Gott, Kaiser und Vaterland<\/em> kamen Abteilungen der Tiroler Landesverteidigung zusammen, um den kleinen Armeeteil und die Verwaltungsbeamten der Bayern aus Innsbruck zu vertreiben. Angef\u00fchrt wurden die Sch\u00fctzen von Andreas Hofer (1767 \u2013 1810), einen Wirt, Wein- und Pferdeh\u00e4ndler aus dem S\u00fcdtiroler Passeiertal bei Meran. Ihm zur Seite standen nicht nur weitere Tiroler wie Pater Haspinger, Peter Mayr und Josef Speckbacher, sondern im Hintergrund auch der Habsburger Erzherzog Johann.<\/p>\n<p>In Innsbruck angekommen pl\u00fcnderten die Sch\u00fctzen nicht nur offizielle Einrichtungen. Wie bereits beim Bauernaufstand unter Michael Gaismair war der Heldenmut nicht nur von Adrenalin, sondern auch von Alkohol befl\u00fcgelt. Der wilde Mob war f\u00fcr die Stadt wohl sch\u00e4dlicher als die bayrischen Verwalter seit 1805. Vor allem gegen b\u00fcrgerliche Damen und den kleinen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsanteil Innsbrucks kam es zu heftigen Ausschreitungen der \u201eBefreier\u201c.<\/p>\n<p>Im Juli 1809 hatten Bayern und Franzosen die Kontrolle \u00fcber Innsbruck nach dem mit den Habsburgern geschlossenen <em>Frieden von Znaim<\/em>, der vielen bis heute als Wiener Verrat am Land Tirol gilt, zur\u00fcckerlangt. Was nun folgte, war das, was als <em>Tiroler Erhebung<\/em> unter Andreas Hofer, der mittlerweile das Oberkommando \u00fcber die Tiroler Landesverteidigung \u00fcbernommen hatte, in die Geschichtsb\u00fccher eingehen sollte. Insgesamt drei Mal konnten die Tiroler Aufst\u00e4ndischen den Sieg vom Schlachtfeld tragen. Besonders bekannt ist die 3. Schlacht im August 1809 am Berg Isel. \u201e<em>Innsbruck sieht und h\u00f6rt, was es noch nie geh\u00f6rt und gesehen: eine Schlacht von 40.000 Kombattanten\u2026<\/em>\u201c F\u00fcr kurze Zeit war Andreas Hofer in Ermangelung regul\u00e4rer Tatsachen Oberkommandant Tirols, auch f\u00fcr zivile Angelegenheiten. Finanziell \u00e4nderte sich die missliche Lage Innsbrucks nicht. Anstelle der bayerischen und franz\u00f6sischen Soldaten mussten die Stadtb\u00fcrger nun ihre Landsleute aus dem Bauernregiment beherbergen und verk\u00f6stigen und Abgaben f\u00fcr die neue Landesregierung entrichten. Besonders die liberalen und verm\u00f6genden Eliten der Stadt waren nicht gl\u00fccklich mit den neuen Stadtherren. Die von ihm als Landeskommandant erlassenen Verordnungen erinnern eher an einen Gottesstaat als ein Gesetzwerk des 19. Jahrhunderts. Frauen durften nur noch z\u00fcchtig verh\u00fcllt auf die Stra\u00dfe gehen, Tanzveranstaltungen wurden verboten und freiz\u00fcgige Denkm\u00e4ler wie die am <em>Leopoldsbrunnen<\/em> zu besichtigenden Nymphen wurden aus dem \u00f6ffentlichen Raum verbannt. Bildungsagenden sollten wieder an den Klerus gehen. Liberale und Intellektuelle wurden verhaftet, daf\u00fcr wurde das <em>Rosenkranzbeten<\/em> zum Gebot. Am Ende gab es im Herbst 1809 in der vierten und letzten Schlacht am Berg Isel eine empfindliche Niederlage gegen die franz\u00f6sische \u00dcbermacht. Die Regierung in Wien hatte die Tiroler Aufst\u00e4ndischen vor allem als taktischen Prellbock im Krieg gegen Napoleon benutzt. Bereits zuvor hatte der Kaiser das Land Tirol offiziell im Friedensvertrag von Sch\u00f6nbrunn wieder abtreten m\u00fcssen. Innsbruck war zwischen 1810 und 1814 wieder unter bayrischer Verwaltung. Auch die Bev\u00f6lkerung war nur noch m\u00e4\u00dfig motiviert, Krieg zu f\u00fchren. Wilten wurde von den Kampfhandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf schrumpfte von \u00fcber 1000 Einwohnern auf knapp 700. Hofer selbst war zu dieser Zeit bereits ein von der Belastung dem Alkohol gezeichneter Mann. Er wurde gefangengenommen und am 20. Januar 1810 in Mantua hingerichtet. Zu allem \u00dcberfluss wurde das Land geteilt. Das Etschtal und das Trentino wurden Teil des von Napoleon aus dem Boden gestampften K\u00f6nigreich Italien, das Pustertal wurde den franz\u00f6sisch kontrollierten <em>Illyrischen Provinzen<\/em> angeschlossen.<\/p>\n<p>Der \u201e<em>Freiheitskampf<\/em>\u201c symbolisiert bis heute f\u00fcr das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Lange Zeit galt Andreas Hofer als unumstrittener Held und als Prototyp des wehrhaften, vaterlandstreuen und standhaften Tirolers. Der Underdog, der sich gegen die fremde \u00dcbermacht und unheilige Sitten wehrte. Tats\u00e4chlich war Hofer wohl ein charismatischer Anf\u00fchrer, ein politisch aber unbegabter und konservativ-klerikaler, simpler Geist. Seine Taktik bei der 3. Schlacht am Berg Isel \u201e<em>Grad nit aufferlassen tiat sie<\/em>\u201c (Ann.: Ihr d\u00fcrft sie nur nicht heraufkommen lassen) fasst sein Wesen wohl ganz gut zusammen. In konservativen Kreisen Tirols wie den Sch\u00fctzen wird Hofer unkritisch und kultisch verehrt. Das Tiroler Sch\u00fctzenwesen ist gelebtes Brauchtum, das sich zwar modernisiert hat, in vielen dunklen Winkeln aber noch reaktion\u00e4r ausgerichtet ist. Wiltener, Amraser, Pradler und H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen marschieren immer noch eintr\u00e4chtig neben Klerus, Trachtenvereinen und Marschmusikkapellen bei kirchlichen Prozessionen und schie\u00dfen in die Luft, um alles \u00dcbel von Tirol und der katholischen Kirche fernzuhalten. \u00dcber die Stadt verteilt erinnern viele Denkm\u00e4ler an das Jahr 1809. Die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erfuhr eine Heroisierung der K\u00e4mpfer, die als deutsches Bollwerk gegen fremde V\u00f6lkerschaften charakterisiert wurden. Der Berg Isel wurde der Stadt f\u00fcr die Verehrung der Freiheitsk\u00e4mpfer vom Stift Wilten, der katholischen Instanz Innsbrucks, zur Verf\u00fcgung gestellt. Andreas Hofer und seinen Mitstreitern Josef Speckbacher, Peter Mayer, Pater Haspinger und Kajetan Sweth wurden im Stadtteil Wilten, das in der Zeit des gro\u00dfdeutsch-liberal dominierten Gemeinderats 1904 zu Innsbruck kam und lange unter der Verwaltung des Stiftes gestanden hatte, Stra\u00dfennamen gewidmet. Das kurze Rote Gassl im alten Kern von Wilten erinnert an die Tiroler Sch\u00fctzen, die, in ihnen wohl f\u00e4lschlich nachgesagten roten Uniformen, dem siegreichen Feldherrn Hofer nach dem Sieg in der zweiten Berg Isel Schlacht an dieser Stelle in Massen gehuldigt haben sollen. In Tirol wird Andreas Hofer bis heute gerne f\u00fcr alle m\u00f6glichen Initiativen und Pl\u00e4ne vor den Karren gespannt. Vor allem im Nationalismus des 19. Jahrhunderts berief man sich immer wieder auf den verkl\u00e4rten Helden Andreas Hofer. Hofer wurde \u00fcber Gem\u00e4lde, Flugbl\u00e4tter und Schauspiele zur Ikone stilisiert. Aber auch heute noch kann man das Konterfei des Obersch\u00fctzen sehen, wenn sich Tiroler gegen unliebsame Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung, den Transitbestimmungen der EU oder der FC Wacker gegen ausw\u00e4rtige Fu\u00dfballvereine zur Wehr setzen. Das Motto lautet dann \u201e<em>Mannder, s\u00b4isch Zeit<\/em>!\u201c. Die Legende vom wehrf\u00e4higen Tiroler Bauern, der unter Tags das Feld bestellt und sich abends am Schie\u00dfstand zum Scharfsch\u00fctzen und Verteidiger der Heimat ausbilden l\u00e4sst, wird immer wieder gerne aus der Schublade geholt zur St\u00e4rkung der \u201eechten\u201c Tiroler Identit\u00e4t. Die Feiern zum Todestag Andreas Hofers am 20. Februar locken bis heute regelm\u00e4\u00dfig Menschenmassen aus allen Landesteilen Tirols in die Stadt. Erst in den letzten Jahrzehnten setzte eine kritische Betrachtung des erzkonservativen und mit seiner Aufgabe als Tiroler Landeskommandanten wohl \u00fcberforderten Sch\u00fctzenhauptmanns ein, der angestachelt von Teilen der Habsburger und der katholischen Kirche nicht nur Franzosen und Bayern, sondern auch das liberale Gedankengut der Aufkl\u00e4rung vehement aus Tirol fernhalten wollte.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53500&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer in \u00d6sterreich unterwegs ist, kennt die Kuppen und Zwiebelt\u00fcrme der Kirchen in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Diese Form der Kircht\u00fcrme entstand in der Zeit der Gegenreformation und ist ein typisches Kennzeichen des Architekturstils Barock. Auch in Innsbrucks Stadtbild sind sie vorherrschend. Die bekanntesten Gottesh\u00e4user Innsbrucks wie der Dom, die Johanneskirche oder die Jesuitenkirche, sind im Stile des Barocks gehalten. Prachtvoll und prunkvoll sollten Gottesh\u00e4user sein, ein Symbol des Sieges des rechten Glaubens. Die Religiosit\u00e4t spiegelte sich in Kunst und Kultur wider: Gro\u00dfes Drama, Pathos, Leiden, Glanz und Herrlichkeit vereinten sich zum Barock, der den gesamten katholisch orientierten Einflussbereich der Habsburger und ihrer Verb\u00fcndeten zwischen Spanien und Ungarn nachhaltig pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4nderte sich enorm. Die Gumpps und Johann Georg Fischer als Baumeister sowie die Bilder Franz Altmutters pr\u00e4gen Innsbruck bis heute nachhaltig. Das Alte Landhaus in der Altstadt, das Neue Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die unz\u00e4hligen Palazzi, Bilder, Figuren \u2013 der Barock war im 17. und 18. Jahrhundert das stilbildende Element des Hauses Habsburg und brannte sich in den Alltag ein. Das B\u00fcrgertum wollte den Adeligen und F\u00fcrsten nicht nachstehen und lie\u00dfen ihre Privath\u00e4user im Stile des Barocks errichten. Auf Bauernh\u00e4usern prangen Heiligenbilder, Darstellungen der Mutter Gottes und des Herzen Jesu.<\/p>\n<p>Barock war nicht nur eine architektonische Stilrichtung, es war ein Lebensgef\u00fchl, das seinen Ausgang nach dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges nahm. Die T\u00fcrkengefahr aus dem Osten, die in der zweimaligen Belagerung Wiens gipfelte, bestimmte die Au\u00dfenpolitik des Reiches, w\u00e4hrend die Reformation die Innenpolitik dominierte. Die Barockkultur war ein zentrales Element des Katholizismus und der politischen Darstellung derselben in der \u00d6ffentlichkeit, das Gegenmodell zum spr\u00f6den und strengen Lebensentwurf Calvins und Luthers. Feiertage mit christlichem Hintergrund wurden eingef\u00fchrt, um den Alltag der Menschen aufzuhellen. Architektur, Musik und Malerei waren reich, f\u00fcllig und \u00fcppig. In Theaterh\u00e4usern wie dem <em>Comedihaus<\/em> in Innsbruck wurden Dramen mit religi\u00f6sem Hintergrund aufgef\u00fchrt. Kreuzwege mit Kapellen und Darstellungen des gekreuzigten Jesus durchzogen die Landschaft. Die Volksfr\u00f6mmigkeit in Form der Wallfahrten, Marien- und Heiligenverehrung hielt Einzug in den Kirchenalltag. Multiple Krisen pr\u00e4gten den Alltag der Menschen. Neben Krieg und Hunger brach die Pest im 17. Jahrhundert besonders h\u00e4ufig aus. Die<em> Barockfr\u00f6mmigkeit<\/em> wurde auch zur Erziehung der Untertanen eingesetzt. Auch wenn der Ablasshandel in der Zeit nach dem 16. Jahrhundert keine g\u00e4ngige Praxis mehr in der katholischen Kirche war, so gab es doch noch eine rege Vorstellung von Himmel und H\u00f6lle. Durch ein tugendhaftes Leben, sprich ein Leben im Einklang mit katholischen Werten und gutem Verhalten als Untertan gegen\u00fcber der g\u00f6ttlichen Ordnung, konnte man dem Paradies einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommen. Die sogenannte <em>Christliche Erbauungsliteratur<\/em> war nach der Schulreformation des 18. Jahrhunderts in der Bev\u00f6lkerung beliebt und zeigte vor, wie das Leben zu f\u00fchren war. Das Leiden des Gekreuzigten f\u00fcr die Menschheit galt als Symbol f\u00fcr die M\u00fchsal der Untertanen auf Erden innerhalb des Feudalsystems. Mit Votivbildern baten Menschen um Beistand in schweren Zeiten oder bedankten sich vor allem bei der Mutter Gottes f\u00fcr \u00fcberstandene Gefahren und Krankheiten.<\/p>\n<p>Der Historiker Ernst Hanisch beschrieb den Barock und den Einfluss, den er auf die \u00f6sterreichische Lebensart hatte, so:<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich entstand in seiner modernen Form als Kreuzzugsimperialismus gegen die T\u00fcrken und im Inneren gegen die Reformatoren. Das brachte B\u00fcrokratie und Milit\u00e4r, im \u00c4u\u00dferen aber Multiethnien. Staat und Kirche probierten den intimen Lebensbereich der B\u00fcrger zu kontrollieren. Jeder musste sich durch den Beichtstuhl reformieren, die Sexualit\u00e4t wurde eingeschr\u00e4nkt, die normengerechte Sexualit\u00e4t wurden erzwungen. Menschen wurden systematisch zum Heucheln angeleitet.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Rituale und das untert\u00e4nige Verhalten gegen\u00fcber der Obrigkeit hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Alltagskultur, die katholische L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und Italien bis heute von protestantisch gepr\u00e4gten Regionen wie Deutschland, England oder Skandinavien unterscheiden. Die Leidenschaft f\u00fcr akademische Titel der \u00d6sterreicher hat ihren Ursprung in den barocken Hierarchien. Der Ausdruck <em>Barockf\u00fcrst<\/em> bezeichnet einen besonders patriarchal-g\u00f6nnerhaften Politiker, der mit gro\u00dfen Gesten sein Publikum zu becircen wei\u00df. W\u00e4hrend man in Deutschland politische Sachlichkeit sch\u00e4tzt, ist der Stil von \u00f6sterreichischen Politikern theatralisch, ganz nach dem \u00f6sterreichischen Bonmot des \u201e<em>Schaumamal<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>University Road 1<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":56041,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[39,16,15,40,42],"tags":[],"class_list":["post-1646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-andreas-hofer-und-die-tiroler-erhebung-von-1809","category-barock","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-leopold-v-claudia-de-medici-glanz-und-gloria-in-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}