{"id":1696,"date":"2020-09-26T07:07:24","date_gmt":"2020-09-26T07:07:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1696"},"modified":"2026-04-13T13:57:30","modified_gmt":"2026-04-13T13:57:30","slug":"innbruecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/innbruecke\/","title":{"rendered":"Inn bridge"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Innbr\u00fccke<\/h2>\n<p>Gegen\u00fcber Innstra\u00dfe 5 \/ Innrain 1<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Innbruecke.jpg&#8220; alt=&#8220;Innbr\u00fccke&#8220; title_text=&#8220;Innbr\u00fccke&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59187,68859,2141,1699,68951&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Innbr\u00fccke&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61924&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innbr\u00fccke&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59041&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, die Innbr\u00fccke war die Geburtshelferin Innsbrucks. Bereits das erste noch erhaltene Stadtwappen aus dem Jahr 1267 zeigt sie auf den damals zur Sicherung verwendeten Steink\u00e4sten. Sie war Namensgeber f\u00fcr die Stadt und f\u00fcr Jahrhunderte die einzige Br\u00fccke, die die heutige Altstadt mit den \u00e4lteren Stadtteilen St. Nikolaus und Mariahilf verband. Vor allem aber war sie die Quelle des Aufschwunges und Wohlstandes der Stadt. Die\u00a0Grafen von Andechs\u00a0erkannten die Bedeutung des Knotenpunkts zwischen Nord und S\u00fcd im Warenverkehr. Bis dahin war die einzige Br\u00fccke \u00fcber den Inn in dieser Gegend ein \u00dcberbleibsel aus der Antike beim r\u00f6mischen Milit\u00e4rlager <em>Teriolis<\/em>, dem heutigen <em>Martinsb\u00fchel<\/em> bei Zirl. Im 12. Jahrhundert lie\u00dfen sie eine Br\u00fccke \u00fcber den Inn bauen und sie mit einer Befestigungsanlage sichern. Wie einige Jahrhunderte sp\u00e4ter Panama- und Suezkanal brachte die Verkehrserleichterung Vorteile f\u00fcr den Fernhandel und Gewinn f\u00fcr den Betreiber der Anlage. Wer \u00fcber den Seefelder Sattel oder durchs Inntal kam und nach S\u00fcden \u00fcber den Brenner weiterreiste, war dank der Innbr\u00fccke wesentlich schneller. Das hatte seinen Preis. Neben den Steuern war der Zoll die wichtigste Einnahmequelle Innsbrucks. In Zeiten, in denen es keine nationalen Landesgrenzen im heutigen sehr engen Sinn gab, waren Zollgrenzen auch hochpolitisch. Es gab keine Schlagb\u00e4ume oder Grenzbeamten an der Tiroler Landesgrenze, sp\u00fcrbar wurde der \u00dcbertritt von einem Herrschaftsbereich in den anderen durch die abzuliefernden Abgaben. Der Zoll war ein Steuerungswerkzeug der Landesf\u00fcrsten. W\u00e4hrend heutzutage Zentralbanken Leitzinsen ver\u00e4ndern, hatten Regenten nach Naturkatastrophen, Seuchen, Br\u00e4nden oder Kriegen Z\u00f6lle und Abgaben zur Verf\u00fcgung, um Handel, Konsum und Wirtschaft oder die Staatseinnahmen anzukurbeln. Der Zoll wurde am Stadttor an der Innbr\u00fccke erhoben. Es gab zwei Arten von Z\u00f6llen. Der kleine Zoll richtete sich nach den Zugtieren des Wagens, der gro\u00dfe nach Art und Menge der Waren. Die Zolleinnahmen wurden zwischen Innsbruck und Hall geteilt. Hall hatte daf\u00fcr die Aufgabe, die Innbr\u00fccke in Stand zu halten. Der Handel f\u00fcllte nicht nur die Stadtkassen, die B\u00fcrger genossen auch das Niederlagsrecht. Waren, die ansonsten im Alpenraum nur schwer verf\u00fcgbar waren, mussten zum Verkauf in der Stadt von den durchkommenden H\u00e4ndlern zum Verkauf angeboten werden und waren damit f\u00fcr alle verf\u00fcgbar, die \u00fcber gen\u00fcgend Geld verf\u00fcgten. Wein, Bier, Fleisch, Salz, Gew\u00fcrze, Textilien \u2013 Innsbruck hob sich dank des Warenverkehrs \u00fcber die Innbr\u00fccke in vielen Lebensaspekten wie Mode, Essen und Trinken vom Umland ab.<\/p>\n<p>Die Innbr\u00fccke verlor mit der \u00d6ffnung der M\u00fchlauer Br\u00fccke im 17. Jahrhundert ihre exklusive Bedeutung als Handelsweg. Mit der Er\u00f6ffnung der Eisenbahn reduzierte sich der innerst\u00e4dtische Warenverkehr quer durchs Zentrum weiter. Daf\u00fcr nahm im 19. Jahrhundert der Individualverkehr zu. Die Innbr\u00fccke war mit Ausnahme der Fl\u00f6\u00dfe lange die einzige Verbindung stadtnahe zwischen den beiden Ufern des teilenden Flusses. War die Br\u00fccke gesperrt, weil ein Hochwasser sie in Mitleidenschaft gezogen hatte, waren die Stadtteile mehr oder minder getrennt. Im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung wurde die Tatsache, dass die Natur den Alltag des Menschen derart beeinflusst, unertr\u00e4glich. Im Rahmen der Verbauung des Inns am Stadtgebiet im 18. Jahrhundert wurde zwar auch die Innbr\u00fccke modernisiert, trotzdem wurde die Holzkonstruktion immer wieder Opfer von Hochwasser. Eine erste Steinkonstruktion, errichtet 1790 aus den \u00dcberresten des alten Stadttores, hielt der Belastung am weichen Untergrund des Flussbettes nicht Stand. K\u00fchne Pl\u00e4ne, eine H\u00e4ngebr\u00fccke zu bauen, scheiterten am Platzmangel am Altstadteingang. 1871 wurde die Holzbr\u00fccke, nachdem ein Hochwasser sie erneut zu Fall gebracht hatte, durch eine von nur zwei Betonpfeilern getragene, 83 m lange Eisenfachwerkbr\u00fccke ersetzt. 1983 wurde die Innbr\u00fccke aus Beton auf Pfeilern aus Stahlbeton in ihrer heutigen Form nach zwei Jahren Bauzeit neu errichtet. Die Ufermauern der Konstruktion wurden, ganz im Stile Innsbrucker Bautradition, aus der besonders widerstandsf\u00e4higen H\u00f6ttinger Breccie gebaut. Die letzte Renovierung samt Verbreiterung und Erneuerung des Br\u00fcckengel\u00e4nders fand 2023 statt. Ein besonderes Schmankerl Innsbrucker Kulturgeschichte befindet sich mittig auf der Innbr\u00fccke. Das Kruzifix des Thaurer K\u00fcnstlers Rudi Wach (1934 &#8211; *), das Christus in allzu menschlicher Art und Weise nackt und ohne Wunden zeigt, sollte 1986 aufgestellt werden. Unter dem Druck einer Unterschriftenkampagne besonders frommer Tiroler musste dieses \u201eSkandalwerk\u201c bis 2007 im Volkskunstmuseum ausharren, bis Innsbrucks erste B\u00fcrgermeisterin Hilde Zach es doch noch aufstellen lie\u00df, offiziell um dem Himmlischen f\u00fcr die Verschonung der Stadt vor dem Hochwasser von 2005 zu danken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53377&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das 12. Jahrhundert brachte in Europa wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung und gilt als eine Art vorgezogener mittelalterlicher Renaissance. \u00dcber den Umweg der Kreuzz\u00fcge kam es zum verst\u00e4rkten Austausch mit den in vielerlei Hinsicht weiter entwickelten Kulturen des Nahen Ostens. Arabische Gelehrte brachten \u00fcber S\u00fcdspanien und Italien \u00dcbersetzungen griechischer Denker wie Aristoteles nach Europa. Das R\u00f6mische Recht wurde an den ersten Universit\u00e4ten s\u00fcdlich der Alpen wiederentdeckt. Neue landwirtschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und ein g\u00fcnstiges Klima, das bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts anhalten sollte, erm\u00f6glichten die Entstehung von St\u00e4dten und gr\u00f6\u00dferen Siedlungen. Eine dieser Siedlungen befand sich zwischen am Fu\u00df der R\u00f6merstra\u00dfe \u00fcber den Brenner, dem Fluss Inn und der Nordkette. Politisch und wirtschaftlich beschr\u00e4nkte sich die Bedeutung des Inntals vor allem auf den Transit. Die beiden niedrigen und somit leicht zu \u00fcberschreitenden Alpen\u00fcberg\u00e4nge Reschenpass und Brennerpass zwischen den deutschen L\u00e4ndern und dem Besitz der deutschen K\u00f6nige in Italien m\u00fcndeten in den breiten Talkessel. Aus einem Streit \u00fcber die Kontrolle \u00fcber diesen Teil des Heiligen R\u00f6mischen Reiches entstand die politische Konstellation, die Tirol und Innsbruck bis in die Neuzeit hinein bestimmen sollte. 1024 wurde Konrad II. aus dem Geschlecht der Salier zum K\u00f6nig gew\u00e4hlt. Er stand in Konkurrenz zu den bayerischen Herz\u00f6gen aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, unter deren Kontrolle die begehrten Alpenp\u00e4sse zu dieser Zeit standen. Um das Gebiet weg von seinen bayrischen Konkurrenten und unter die Kontrolle der ihm treuen Reichskirche zu bringen, sprach Konrad II. das Territorium Tirols 1027 den Bisch\u00f6fen von Brixen und Trient als Lehen zu. Die Bisch\u00f6fe wiederum ben\u00f6tigten sogenannte V\u00f6gte f\u00fcr die Verwaltung dieser L\u00e4ndereien und die Rechtsprechung. Diese V\u00f6gte des Bischofs von Brixen waren die Grafen von Andechs. Die Andechser m\u00f6gen heute im Schatten der Welfen, Staufer, Wittelsbacher und Habsburger stehen, waren im Hochmittelalter aber ein einflussreiches Geschlecht. Sie stammten aus der Gegend des bayerischen Ammersees und besa\u00dfen G\u00fcter in Oberbayern zwischen Lech und Isar sowie \u00f6stlich von M\u00fcnchen. \u00dcber geschickte Heiratspolitik waren sie an die Titel der Herz\u00f6ge von Meranien, einer Gegend an der dalmatischen K\u00fcste, und Markgrafen von Istrien gekommen. Damit stiegen sie im Rang innerhalb des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> auf. Um Verwaltung und sp\u00e4teres Seelenheil in einem sicherzustellen, gr\u00fcndeten sie im 12. Jahrhundert das Kloster Die\u00dfen und das Kloster am Heiligen Berg Andechs oberhalb des Ammersees. 1165 kam Otto V. von Andechs auf den Bischofssitz in Brixen und vergab die Vogtei \u00fcber dieses Hochstift an seinen Bruder. Dadurch kamen sie an die Verwaltung des mittleren Teils des Inntals, des Wipptals, des Pustertals und des Eisacktals.<\/p>\n<p>Damit aber nicht genug der dynastischen Verwirrungen und politischen Komplikationen, die der Gr\u00fcndung Innsbrucks im Wege standen. Heute erstreckt sich die Stadt zu beiden Seiten des Inns. Im 12. Jahrhundert stand dieses Gebiet unter dem Einfluss zweier Grundherren. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Inntals war dicht bewaldet und an den Ufern des breiten Inns sumpfiges Gel\u00e4nde. S\u00fcdlich des Inns \u00fcbte das Stift Wilten die Grundherrschaft aus. Das Gebiet n\u00f6rdlich des Flusses stand unter der Verwaltung der Andechser. W\u00e4hrend das s\u00fcdliche Stadtgebiet rund um das Stift schon seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt wurde, war das Schwemmgebiet rund um den nicht regulierten Fluss vor dem Hochmittelalter kaum besiedelt. Die Region z\u00e4hlte nicht zu den Hotspots der europ\u00e4ischen Kulturlandschaft. Die Menschen arbeiteten zum allergr\u00f6\u00dften Teil in der Landwirtschaft, die von ihrem Grundherrn betrieben wurde. Sie lebten in armseligen H\u00fctten aus Lehm und Holz. Medizinische Versorgung gab es kaum, die Kindersterblichkeit war hoch und kaum jemand wurde \u00e4lter als 50 Jahre alt.<\/p>\n<p>Wie heute jeder gute Immobilienentwickler nicht m\u00fcde wird zu betonen, z\u00e4hlte aber auch damals schon vor allem die Lage, wenn es um das Potential eines neuen Bauprojekts geht. Etwa um das Jahr 1133 gr\u00fcndeten die Andechser ob der besonderen Verkehrsanbindung der \u00d6rtlichkeit im heutigen St. Nikolaus den Markt <em>Anbruggen<\/em> und verbanden das n\u00f6rdliche und das s\u00fcdliche Innufer \u00fcber eine Br\u00fccke. Aus dem landwirtschaftlich nicht nutzbaren St\u00fcck Land am Fu\u00df der Nordkette war durch diese Verkehrsverbindung ein Handelsplatz geworden. Die kleine Holzbr\u00fccke erleichterte den Warenverkehr in den Ostalpen zwischen den italienischen und deutschen Handelsst\u00e4dten. Die lange Zeit f\u00fcr gro\u00dfe Handelsz\u00fcge zu steile Brennerroute war durch eine der Neuerungen der mittelalterlichen Renaissance interessanter geworden: neue Zuggeschirre erm\u00f6glichten es die steilen Anstiege mit Fuhrwerken zu bew\u00e4ltigen. Die k\u00fcrzere <em>Via Raetia<\/em> hatte die <em>Via Claudia Augusta<\/em> \u00fcber den Reschenpass als Hauptverkehrsweg \u00fcber die Alpen abgel\u00f6st. Davon profitierte der Markt der weitsichtigen Andechser. Die Zolleinnahmen des Handels zwischen den deutschen und italienischen St\u00e4dten, die daraus erwirtschaftet wurden, lie\u00dfen die Siedlung prosperieren. Bald siedelten sich Schmiede, Wirte, Fuhrwerksbetreiber, Schneider, Zimmerleute, Seiler, Wagenmacher und Gerber an. Pferde, H\u00e4ndler und ihr Anhang mussten versorgt und logiert, Fuhrwerke repariert werden. Die gr\u00f6\u00dferen dieser Betriebe besch\u00e4ftigten Angestellte und Knechte. Aus der abgelegenen, sumpfigen Brachlandschaft wurde ein Service Center. Die Wandlung von der reinen Landwirtschaft hin zur Stadt konnte beginnen. <em>Anbruggen<\/em> wuchs schnell, der Platz zwischen Nordkette und Inn war aber knapp bemessen. 1180 erwarb Berchtold V. von Andechs f\u00fcr die Expansion seines Handelsst\u00fctzpunktes vom Kloster Wilten ein St\u00fcck Land auf der S\u00fcdseite des Inns. Ganz wollte der Abt den Fu\u00df nicht aus der T\u00fcr nehmen, entwickelte sich die neue Siedlung doch pr\u00e4chtig dank der Zolleinnahmen. In der Urkunde ist die Rede von drei H\u00e4usern, die dem Stift Wilten innerhalb der neuen Siedlung vorbehalten blieben. Die Grafen von Andechs lie\u00dfen im Zuge der Errichtung der Stadtmauer die <em>Andechser Burg<\/em> bauen und verlegten ihren Stammsitz von Meran nach Innsbruck. Irgendwann zwischen 1187 und 1204 konnten sich die B\u00fcrger Innsbrucks \u00fcber das Stadtrecht freuen. Als offizielles Gr\u00fcndungsdatum wird h\u00e4ufig 1239 herangezogen, als vom letzten Grafen aus der Andechser Dynastie Otto VIII. das Stadtrecht formal in einer Urkunde best\u00e4tigt wurde. Innsbruck war zu dieser Zeit bereits die M\u00fcnzpr\u00e4gest\u00e4tte der Andechser und w\u00e4re wohl zur Hauptstadt in deren F\u00fcrstentum geworden. Es kam aber anders. 1246 zerst\u00f6rten die bayerischen Wittelsbacher, die gr\u00f6\u00dften Konkurrenten der Andechser im s\u00fcddeutschen Raum, deren Stammburg am Ammersee. Otto, der letzte Graf aus dem Haus Andechs-Meranien starb im Jahr 1248 ohne Nachkommen. 12 Jahre zuvor hatte er Elisabeth, die Tochter Graf Alberts VIII. von Tirol geheiratet. Dieses Adelsgeschlecht mit ihrer Stammburg in Meran \u00fcbernahm damit die Lehen und Teile der Besitzt\u00fcmer inklusive der Stadt am Inn sowie die Erzfeindschaft mit den bayerischen Wittelsbachern.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#E09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#E09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#E09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; border_width_all=&#8220;0px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;57292&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Was den meisten Besuchern Innsbrucks zuallererst auff\u00e4llt, sind die Berge, die die Stadt einzukesseln scheinen. Die Bergwelt ist nicht nur wundersch\u00f6n anzusehen, sondern beeinflusste schon immer vieles in der Stadt. Das f\u00e4ngt bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem Wetter an, wie uns der Blick des Theologen, Schriftstellers und Politikers Beda Weber aus vergangenen Tagen beweist:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Eine eigene Erscheinung ist der warme Wind oder Scirocco. Er kommt aus dem S\u00fcden, prallt am Nordgebirge ab, und f\u00e4llt mit Gewalt ins Thal. Er macht gern Kopfweh, schmelzt aber die winterlichen Schneemassen schnell und bef\u00f6rdert die Fruchtbarkeit ungemein. Dadurch wird in Innsbruck die Pflanzung des Maises m\u00f6glich<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Dieses Wetterph\u00e4nomen mag seinen Namen von <em>Scirocco<\/em> auf F\u00f6hn ge\u00e4ndert haben und Verkehr war 1851 noch kein gro\u00dfes Problem. Genau wie der Innsbrucker Autofahrer heute jammerten aber mit Sicherheit der Hufschmied in der Altstadt im Jahr 1450 und der aus Mittelitalien in die Alpen abkommandierte Legion\u00e4r im Jahr 350 \u00fcber den warmen Fallwind, der mehrmals pro Monat alle verr\u00fcckt zu machen scheint. Waren fr\u00fcher die Menschen froh um die warme, den Schnee auf den Feldern schmelzende Luft, jammern Touristiker heute \u00fcber die aperen Skipisten auf der Seegrube.<\/p>\n<p>Die Lage zwischen dem Wipptal im S\u00fcden und der Nordkette beeinflusst nicht nur die Migr\u00e4neh\u00e4ufigkeit, sondern auch die Freizeitgestaltung der Innsbrucker, wie schon Weber ebenfalls erkannte. <em>&#8222;Die Einwohner zeichnen sich durch ihre Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit aus, sie lieben besonders Landausfl\u00fcge in der sch\u00f6nen Jahreszeit.\u201c<\/em> Man mag \u00fcber <em>Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit<\/em> der Innsbrucker streiten, Landausfl\u00fcge in Form von Wanderung, Skitour oder Radfahren erfreuen sich auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit. Kein Wunder, Innsbruck ist von Bergen umgeben. Innerhalb weniger Minuten kann man von jedem Ort in der Stadt aus mitten im Wald stehen. Junge Menschen aus ganz Europa verbringen ihre Studienzeit zumindest zu einem Teil an der Universit\u00e4t Innsbruck, nicht nur wegen der hervorragenden Professoren und Einrichtungen, sondern auch um ihre Freizeit auf den Pisten, Mountainbikerouten und Wanderwegen zu verbringen, ohne auf urbanes Flair vermissen zu m\u00fcssen.\u00a0Das ist Fluch und Segen zugleich. Die Universit\u00e4t als gro\u00dfer Arbeitgeber und Ausbildungsort kurbelt die Wirtschaft an, gleichzeitig steigen durch ausw\u00e4rtige Studenten die Lebenserhaltungskosten in der Stadt, die zwischen den Bergen eingeklemmt nicht weiterwachsen kann.<\/p>\n<p>Was heute als Einschr\u00e4nkung im r\u00e4umlichen Wachstum verstanden werden kann, war einst ein Grund f\u00fcr das Wachstum. Innsbruck hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck, durch die nahen Berge an frisches Trinkwasser zu kommen. Im 15. Jahrhundert zapfte man die Nordkette an, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. 1485 lie\u00df der Gemeinderat die Quelle in <em>Gramart<\/em> beim heutigen <em>Katzenbr\u00fcndlweg<\/em> \u00f6stlich der Hungerburg mit einer Leitung in die Stadt verlegen. Mit bis zu vier Meter langen R\u00f6hren aus L\u00e4rchenholz f\u00fchrte man das saubere Wasser in den Talboden. Bei der Innbr\u00fccke zweigte die Leitung links und rechts nach Mariahilf und St. Nikolaus sowie \u00fcber den Inn in die Stadt und die Neustadt. Bis zur Errichtung dieses kleinen technischen Meisterwerks war Innsbruck wie andere St\u00e4dte vom Grundwasser in den Brunnen abh\u00e4ngig. Das Wasser war h\u00e4ufig abgestanden und voll mit Krankheitserregern. Bier und Wein galten nicht umsonst als ungef\u00e4hrlicheres Alltagsgetr\u00e4nk als Wasser. Die Pest konnte man damit zwar nicht dauerhaft fernhalten, Typhus und Cholera waren aber weniger weit verbreitet als in anderen St\u00e4dten. Nicht nur des Trinkwassers wegen stieg Innsbruck im 15. Jahrhundert von einem kleinen Handelsst\u00fctzpunkt zur Residenzstadt der Tiroler Landesf\u00fcrsten auf. Der Brennerpass ist sehr niedrig und erlaubt es, den Alpeng\u00fcrtel, der sich rund um Italiens Nordgrenze schl\u00e4ngelt, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach zu \u00fcberqueren. In den Zeiten vor die Eisenbahn Waren und Menschen m\u00fchelos von A nach B brachte, war die Alpen\u00fcberquerung harte Arbeit, der Brenner eine willkommene Erleichterung. Zwischen 1239 und 1303 war Innsbruck die einzige Stadt zwischen \u201eMellach und Ziller\u201c im mittleren Inntal, die das landesf\u00fcrstliche Niederlagsrecht hatte. Hier mussten innerhalb des regulierten Rodfuhrwesens die Waren von einem Fuhrwerk auf das n\u00e4chste umgeladen werden, ein enormer Vorteil f\u00fcr die Innsbrucker Wirtschaft. Innsbruck war nicht ganz so reich wie Bozen und hatte bis ins fr\u00fche 15. Jahrhundert keine politische Bedeutung, wurde aber zu einem der wichtigsten Verkehrs- und Handelsknotenpunkte im Alpenraum Die ehemalige Landeshauptstadt Meran hatte langfristig in ihrer Abgelegenheit keine Chance gegen die Stadt am Inn zwischen Brenner, Scharnitz und Achenpass. Die Lage in den Alpen beg\u00fcnstigte auch den Tourismus, der sp\u00e4testens ab den 1860er Jahren Fu\u00df fassen konnte. Reisende sch\u00e4tzten die Kombination aus leichter Erreichbarkeit, st\u00e4dtischer Infrastruktur und alpinem Flair. Mit der Erschlie\u00dfung des Landes im Gebirge durch die Eisenbahn konnte man bequem anreisen, seine Freizeit in der Bergwelt oder einem der Kurb\u00e4der verbringen, ohne auf den Komfort des Stadtlebens verzichten zu m\u00fcssen. Sp\u00e4testens mit ihrer Z\u00e4hmung durch die Schienen waren die Alpen vom Problembereiter zum Wirtschaftsfaktor geworden. Vorbei waren die von der schwierigen Landwirtschaft gepr\u00e4gten Zeiten, der Feind von gestern wurde zum Heilsbringer.<\/p>\n<p>Neben den Bergen waren die Fl\u00fcsse und Wasserquellen ma\u00dfgeblich an der Entwicklung Innsbrucks beteiligt. Innsbrucks Trinkwasser kam zwar von der Nordkette \u00fcber eine Wasserleitung in die Stadt, f\u00fcr die sanit\u00e4re Versorgung aber waren Inn und Sill zust\u00e4ndig. Das Vieh wurde am Inn zur Tr\u00e4nke gef\u00fchrt, die W\u00e4sche gewaschen und Abf\u00e4lle aller Art, inklusive F\u00e4kalien von Menschen und Tieren, entsorgt. Als die w\u00e4hrend der Industrialisierung zu wachsen begann, entstand am Sillspitz im Osten der Stadt eine erste M\u00fclldeponie, die sp\u00e4ter um eine weitere im Westen am heutigen Sieglanger erg\u00e4nzt wurde. Das Inntal war \u00fcber 1000 Jahre nach der r\u00f6mischen Besiedlung noch immer ein sumpfiger, von Auw\u00e4ldern durchzogener Landstrich. Siedlungen wie Wilten, Burgen wie die Festung \u00fcber Amras und Stra\u00dfen entstanden etwas vom Fluss entfernt auf Schwemmkegeln oder in Mittelgebirgsh\u00f6hen. Rund um Innsbruck wurden die Auen als Allmende der D\u00f6rfer genutzt. Je nach Wasserh\u00f6he standen Weideland und Brennholz zur Verf\u00fcgung und der Fluss konnte als Transportweg genutzt werden \u2013 oder eben nicht. Flurnamen wie <em>Am Gie\u00dfen<\/em> in der H\u00f6ttinger Au erinnern bis heute daran, dass der Inn am heutigen Stadtgebiet bis in die fr\u00fche Neuzeit ebenfalls nicht geb\u00e4ndigt, sondern mehr schlecht als recht kultvierte Wildnis war. \u00dcberschwemmungen waren immer wieder Folge des unregulierten Flusses. Zwischen 1749 und 1789 forderten mehrere Hochwasser in Innsbruck viele Tote. Auch der wirtschaftliche Schaden war immens. Die Innbr\u00fccke sp\u00fclte Zolleinnahmen in die Stadtkassa und war der Grund, warum die Siedlung zur Stadt werden konnte.<\/p>\n<p>Bis zur Verbesserung des Stra\u00dfennetzes im 16. Jahrhundert herrschte zwischen Telfs, Innsbruck und Hall reger Schiffsverkehr. Die Fl\u00f6\u00dfe, auf denen die Waren transportiert wurden, waren flache Platten mit Dimensionen bis zu 35 x 10 Meter. Mehrere dieser Wasserfahrzeuge bildeten einen Zug, der am Inn bis zur M\u00fcndung in die Donau in Passau und weiter nach Osten Waren aller Art verschiffte. Silber, Baumaterialien, Holz, Salz, Weizen, Fleisch \u2013 die flussaufw\u00e4rts auf Treidelwegen genannten Bahnen neben dem Flussbett von Pferden gezogenen Schiffsz\u00fcge waren der schnellste Weg, um gro\u00dfe Mengen an Waren m\u00f6glichst schnell durchs Inntal transportiert zu bekommen. Auch das Milit\u00e4r nutzte den Inn als Logistikunterst\u00fctzung. Vom Tiroler Oberland wurde \u00fcber Jahrhundert hinweg Holz als Trift den Inn flussabw\u00e4rts geschickt. In Hall fischte ein Holzrechen an der Innbr\u00fccke das kostbare Treibgut aus dem Wasser. Innsbruck, vor allem aber die Salz- und Silberbergwerke in Hall und Schwaz ben\u00f6tigten den Werkstoff und Energietr\u00e4ger. Nahe Siedlungen und St\u00e4dten errichtete man befestigte Archen-Verbauungen, um den Fluss zumindest ein wenig zu z\u00e4hmen und die Beeintr\u00e4chtigung von Hochwasser und D\u00fcrre einzud\u00e4mmen. Im 18. Jahrhundert f\u00f6rderten \u00d6konomisierung und Verwissenschaftlichung, die sich in allen Lebensbereichen bemerkbar machten, auch die Kultivierung der Landschaft. Von diesem Geist der Aufkl\u00e4rung erfasst, wurde auch die Optimierung des Inns als Transportweg und die Erh\u00f6hung der Wirtschaftlichkeit des verf\u00fcgbaren Bodens in Angriff genommen. Die Allmende entlang des Inn wurde mehr und mehr in die Obhut einzelner Grundherren gegeben, die die Urbarmachung dieses Schwemmlandes vorantrieben. Der Theresianische Staatsapparat wollte das habsburgische Riesenreich nicht nur am Landweg mit Stra\u00dfen, sondern auch \u00fcber die Hauptfl\u00fcsse verbinden. Die Verantwortung f\u00fcr Regulierung und Verbauung des Inns ging von den Gemeinden und der Saline Hall auf den Staat \u00fcber. Innsbrucks erster <em>Oberarcheninspektor<\/em> Franz Anton Rangger begann 1739 mit dem Kartografieren des Inns, um den Flusslauf durch Begradigungen und Verbauungen planbarer und schneller zu machen. Das Projekt der B\u00e4ndigung sollte mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen. Die Napoleonischen Kriege verz\u00f6gerten den Bau der Anlagen. Erst nach der wirtschaftlichen Not des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts war der Staat wieder in der Lage, das Projekt fortzusetzen. Blocksteind\u00e4mme ersetzten nach und nach die Archen-Verbauungen. Als der Inn geb\u00e4ndigt war, hatte die Eisenbahn die Schifffahrt als Transportweg abgel\u00f6st. Die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Verbauungswelle des Inns kam in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Das Olympische Dorf, die Autobahn und Siedlungen wie der Sieglanger ben\u00f6tigten Raum, das vorher dem Fluss vorenthalten war, um das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Fast genauso wichtig wie der Inn war der kleinere Fluss, der Innsbruck durchquert. Wo heute die Sill die Sillschlucht verl\u00e4sst, entstand der Sillkanal, der die Stadt mit Wasser versorgte. Als die Grafen von Andechs 1180 ihren Markt an der Innbr\u00fccke gr\u00fcndeten, bestand der Kanal bereits, war doch die M\u00fchle des Stiftes Wilten in St. Bartlm\u00e4 schon in Betrieb. Von hier f\u00fchrte er weiter entlang der Route Karmelitergasse, Adamgasse, Salurnerstra\u00dfe, Meinhardstra\u00dfe, Sillgasse, Ing.-Etzel-Stra\u00dfe bis zur Pradler Br\u00fccke, wo sie sich wieder mit der Sill verband, um dann in den Inn zu flie\u00dfen. Bei Bauarbeiten werden immer wieder Teile dieses ummauerten Grabens freigelegt. Anfangs vor allem zum Brandschutz gedacht, machten sich viele Betriebe an diesem k\u00fcnstlich angelegten Kanal das durch die Stadt flie\u00dfende Wasser bald zur Energiegewinnung dienstbar. Erst in den 1970er Jahren verschwanden die letzten Teile davon, nachdem Bombentreffer ihn w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs besch\u00e4digt hatten.<\/p>\n<p>Die Innsbrucker waren aber nicht nur mit Trinkwasser, dem Inn als Transportweg und dem energiespendenden Sillkanal gesegnet, vielen Quellen wurde eine heilsame Wirkung nachgesagt. Schon im Mittelalter wurde das Wasser von der Nordkette zur Behandlung bei allerlei Leiden herangezogen. Die \u00e4lteste Badeanstalt war das <em>Ofenlochbad<\/em> oder <em>Weinstockbad<\/em> in der Altstadt, wo sich Innsbrucker unter den fachkundigen H\u00e4nden des Baders seit dem 13. Jahrhundert dank dem Wunderwasser aus der Weinstockquelle in H\u00f6tting von allerlei Beschwerden befreien lassen konnten. Das <em>Bad zur Kaiserkrone<\/em> in der Innsbrucker Badgasse fu\u00dfte auf dieser Institution und verwendete bis zum Ende seines Bestehens im 20. Jahrhundert das Wasser dieser Quelle. Bad Egerdach bei Innsbruck war als Heilquelle nachweislich seit 1620 erschlossen. Die Quelle sollte Gicht, Hautkrankheiten, An\u00e4mie, ja sogar die im 19. Jahrhundert als Vorg\u00e4ngerin des Burnouts als Neurasthenie bekannte Nervenkrankheit beheben. Die Kapelle der Badeanstalt besteht bis heute gegen\u00fcber dem SOS Kinderdorf. Im Lazarett neben der Mariahilfkirche gab es im 18. Jahrhundert eine Badeanstalt f\u00fcr verwundete Soldaten, die von Wasser aus dem H\u00f6ttinger Kirschental gespeist wurde. Das <em>Neckelbr\u00fcnnl<\/em> in M\u00fchlau war ebenfalls eine altbekannte Heilquelle. An der Brennerstra\u00dfe auf halbem Weg zwischen Innsbruck und der Stefansbr\u00fccke ging man am <em>Kratzerbr\u00fcnnl<\/em> der im 19. Jahrhundert beliebten Trinkkur nach, um den K\u00f6rper zu entschlacken. Der Aufstieg Innsbrucks zur Hochburg des fr\u00fchen alpinen Tourismus ist auch diesen Heilquellen zu verdanken, die eine fr\u00fche Form des Wellness erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p>Die letzte geographische Zutat zur Erfolgsgeschichte der Stadt ist der breite Talkessel, der die Entwicklung Innsbrucks beg\u00fcnstigte. Durch das St\u00e4dtewachstum und den Bev\u00f6lkerungsaufstieg stieg auch der Bedarf nach Nahrungsmitteln. W\u00e4hrend die Bauern in den h\u00f6hergelegenen Seitent\u00e4lern harte Bedingungen vorfanden, bot das Inntal fruchtbaren Boden und Fl\u00e4che f\u00fcr Viehzucht und Ackerwirtschaft. Bis ins Hochmittelalter war das Inntal wesentlich st\u00e4rker bewaldet. Im 13. Jahrhundert war es rund um Innsbruck wie in vielen Teilen Europas zu fr\u00fchen gro\u00dfen und langfristigen Eingriffen des Menschen f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke in die Natur gekommen. Anders als oft dargestellt, war das Mittelalter keine primitive Zeit des Stillstands. Ab dem 12. Jahrhundert verlie\u00df man sich nicht mehr auf Gebete und Gottes Gnade, um den Auswirkungen regelm\u00e4\u00dfig auftretender Ernteausf\u00e4lle zu entkommen. Innovationen wie die Dreifelderwirtschaft erm\u00f6glichten die Ern\u00e4hrung der landwirtschaftlich gesehen unproduktiven Stadtbev\u00f6lkerung, die man im modernen Sprachgebrauch als <em>Overhead<\/em> bezeichnen w\u00fcrde. Die Urbarmachung des Umlandes erlaubte das Wachstum der Stadt. An den H\u00e4ngen der Nordkette hatte Innsbruck bis ins fr\u00fche 16. Jahrhundert sogar eigene Weinberge, wenn auch nur mit geringem Ertrag. St\u00e4dte wie Schwaz, Hall und Innsbruck konnten sich nicht selbst ern\u00e4hren, und es bedurfte vor allem in der Fr\u00fchen Neuzeit w\u00e4hrend des Booms im Bergwerksbau erheblicher Lebensmittelimporte, vor allem Fleisch und Wein kamen aus dem benachbarten Ausland, ohne die Bauern der Umgebung w\u00e4re Innsbruck aber nicht lebensf\u00e4hig gewesen. Der Mais, den Beda Weber schon 1851 im Innsbrucker Stadtbild f\u00fcr erw\u00e4hnenswert hielt, w\u00e4chst noch immer munter vor sich hin und gibt auch heute noch gro\u00dfen Fl\u00e4chen am Stadtrand einen landwirtschaftlichen Anstrich.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innstra\u00dfe 5 \/ Innrain 1<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":68859,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[33,111,80],"tags":[],"class_list":["post-1696","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-grafen-von-andechs-und-die-gruendung-innsbrucks","category-die-macht-der-geographie","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1696"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1696\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}