{"id":1720,"date":"2020-09-27T07:52:33","date_gmt":"2020-09-27T07:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1720"},"modified":"2026-02-11T07:30:33","modified_gmt":"2026-02-11T07:30:33","slug":"goldenes-dachl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/goldenes-dachl\/","title":{"rendered":"Goldenes Dachl"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Goldenes Dachl<\/h2>\n<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Goldenes-Dachl.jpeg&#8220; title_text=&#8220;Goldenes Dachl&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;58546,57932,56178,62812,55765,58175,64456,67379&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Goldenes Dachl&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; auto=&#8220;on&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61878&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Goldenes Dachl&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58891&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Bevor das <em>Goldene Dachl<\/em> seinen langen und m\u00fchsamen Weg zum Wahrzeichen der Stadt antrat, musste es viele Rollen und Funktionen erf\u00fcllen. Als Innsbruck an Bedeutung f\u00fcr das Land Tirol zunahm, lie\u00df Friedrich IV.\u00a0um 1420 den <em>Neuhof<\/em> errichten. Die Andechser Burg entsprach nicht dem, was Friedrich sich unter einer Residenz vorstellte. 80 Jahre sp\u00e4ter war auch der <em>Neuhof<\/em> nicht mehr repr\u00e4sentativ, um den Vorstellungen des neuen Regenten zu entsprechen. Der Hofstaat Kaiser Maximilians war um einiges gr\u00f6\u00dfer als der der vorhergegangenen Landesf\u00fcrsten. Er siedelte in die ger\u00e4umigere Hofburg um, wo mit dem pr\u00e4chtigen <em>Wappenturm<\/em> als Teil der Verteidigungsanlage auch das zweite Prestigeprojekt seiner Epoche im Stadtbild entstand. Der zentral gelegene <em>Neuhof<\/em> sollte von nun nur noch an als kaiserliche Zierde dienen und mit der Jahrhundertwende ein <em>Goldenes Zeitalter<\/em> einleiten. Maximilian lie\u00df im Jahr 1500 von Hofbaumeister T\u00fcring den heutigen Prunkerker mit den 2657 vergoldeten Schindeln anbauen, um einen Platz zu haben, von dem aus er dem Geschehen am Stadtplatz folgen und sich gleichzeitig pr\u00e4sentieren konnte. Wo sich heute Touristen aus aller Welt ablichten lassen, fanden zu Zeiten Maximilians Retro-Ritterturniere, Gerichtsprozesse und Hinrichtungen statt. Die dem Mittelalter nachempfundenen Wettk\u00e4mpfe sollten Hofstaat und Besucher unterhalten. Besonders Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza, die viele Jahre am Hof in Innsbruck verbrachte, forcierte diese Shows, um sich der Langeweile der Kleinstadt zu erwehren. Der Prunkerker im Stadtzentrum diente auch als Herrschaftssymbol. Das einfache Volk sollte niemals vergessen, von wem es beherrscht wird. Die Spielregeln damals \u00e4hnelten denen von heute. Die Elite der Finanzwelt baute sich in der Boomzeit nach dem Ersten Weltkrieg zur Repr\u00e4sentation ihrer Macht eine Skyline in New York, in Dubai wuchs 100 Jahre sp\u00e4ter als Symbol f\u00fcr den \u00d6l-Reichtum mit dem Burj Khalifa das h\u00f6chste Geb\u00e4ude der Welt in den Himmel. Der Kaiser des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> hingegen lie\u00df sich das Dach seines Aussichtsturmes vergolden und stattete es mit den Insignien seiner Herrschaft aus. Die Reliefs unter dem Erker zeigen die Gebiete, \u00fcber die Maximilian herrschte. Es sind von links nach rechts die Wappen \u00d6sterreichs, Ungarns, des Heiligen R\u00f6mischen Reichs, Deutschlands, Burgunds, Mailands, der Steiermark und Tirols. Ritter und Tierfiguren bewachen den habsburgischen Besitz. Es ist gut m\u00f6glich, dass das eigentlich 1500 fertiggestellte Wappenfries ein paar Jahre sp\u00e4ter ausgetauscht wurde, nachdem Maximilian 1508 zum Kaiser erhoben wurde. Die Malereien auf der Vorderseite zeigen den\u00a0Kaiser\u00a0mit seinen beiden Ehefrauen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza als Minnes\u00e4nger. Interessant dabei ist das Erscheinungsbild der beiden Frauen. Die Hochzeit mit Maria von Burgund wurde von Maximilian stets als Liebeshochzeit dargestellt, seine zweite Ehefrau soll er eher gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig geheiratet haben. W\u00e4hrend die erste Ehefrau Maria von Burgund z\u00fcchtig und mit Haube ihr Haar verh\u00fcllend dargestellt wird, wallen die Locken der Mail\u00e4nderin Bianca Maria Sforza weit hinab. Maria von Burgund war als junge, sch\u00f6ne Frau bei einem Reitunfall gestorben. Sie schenkte den Habsburgern mit Karl und Ferdinand generations\u00fcbergreifend gleich zwei Kaiser. Die idealisierte und verkl\u00e4rte Darstellung der beiden Frauen ist das Symbol f\u00fcr ihre Bedeutung f\u00fcr Maximilian. Szenen aus dem mittelalterlichen, h\u00f6fischen Leben verzieren, ganz nach dem Geschmack Maximilians, die Fassade. Eine der Figuren stellt Kaiser Friedrich III. dar. Dem knorrig dreinblickenden Vater Maximilians wurde sp\u00f6ttisch eine M\u00fctze mit Eselsohren aufgesetzt. Die plastisch dargestellten Moriskent\u00e4nzer aus Sandstein verrenken sich ihre Glieder \u00fcber Affen, Ziegen und Hunden. Einige Symbole und Reliefs wie die zwei L\u00f6wen, die sich um ein Zepter zu streiten scheinen, geben Forschern bis heute R\u00e4tsel auf. Eines davon, die Geheimschrift, die am Band hinter den T\u00e4nzern und Personen auf den oberen Reliefplatten zu sehen ist, wurde erst 2020 entschl\u00fcsselt. Die Zeichen geben verschl\u00fcsselt wohl Folgendes zu verstehen:<\/p>\n<p>\u201c<em>Ego sum lux mundi qui sequitur me non ambulabit in tenebris sed habebit lucem vitae dicit dominus<\/em>\u201d, \u00fcbersetzt: \u201e<em>Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in Finsternis wandeln, sondern wird im Licht wohnen, so spricht der Herr.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Malereien war Hofmaler J\u00f6rg K\u00f6lderer verantwortlich, der viele Geb\u00e4ude und R\u00e4ume, die rund um 1500 entstanden, mit seiner Kunst schm\u00fcckte. Auch das <em>Jagdbuch<\/em>, das <em>Fischereibuch<\/em> und das <em>Zeugbuch<\/em>, die das Treiben rund um die Waffenproduktion im Zeughaus zeigt, stammen aus seiner Feder. An der Decke unter dem Erker befinden sich putzige Figuren, einige davon in f\u00fcr das 16. Jahrhundert wohl anz\u00fcglicher Pose. Unter dem Erker auch eine Gedenktafel f\u00fcr den verurteilten und hingerichteten Jakob Hutter zu sehen.<\/p>\n<p>Nach den Zeiten Innsbrucks als habsburgische Residenzstadt legte die Geschichte des Goldenen Dachls den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein. Die Vernunft der Zeit Kaiser Josefs kannte kein Erbarmen mit dem ehemals kaiserlichen Showroom der Eitelkeiten. Das Geb\u00e4ude wurde zuerst zum Sitz der Finanzverwaltung und ab 1780 zu einer Kaserne und damit vom Herrschaftssymbol wieder zum Nutzraum. Die kargen Zeiten nach den Napoleonischen Kriegen machten ebenfalls nicht vor der Altstadt und den historischen Geb\u00e4uden Halt. Die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die gotischen H\u00e4user, die heute wie selbstverst\u00e4ndlich denkmalgesch\u00fctzt sind, war im 19. Jahrhundert noch nicht gegeben. Dass dabei nicht mehr verloren ging, ist vor allem den fehlenden wirtschaftlichen Mitteln der Zeit zu verdanken. 1822 erhielt die Fassade w\u00e4hrend eines Umbaus zum privaten Mietshaus ihr heutiges Aussehen. 1853 wurden im Goldenen Dachl im ersten Jahr nach seiner Gr\u00fcndung die Sch\u00fcler des neuen Bundesrealgymnasiums unterrichtet. Die Nationalsozialisten nutzten das Wahrzeichen, um der zivilen b\u00fcrgerlichen Ehe gegen\u00fcber der traditionellen katholischen Hochzeit mehr Gewicht und Glanz zu geben. Im <em>Goldenen Dachl<\/em> befindet sich bis heute das Innsbrucker Standesamt, in dem sich Innsbrucker Paare das Ja-Wort geben. Seit 1996 kann man im <em>Goldenen Dachl<\/em> ein kleines Museum besuchen, das sich um die Stadtgeschichte Innsbrucks und Maximilian dreht.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Innsbrucker Hexenprozess von 1485&#8243; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Innsbrucker Hexenprozess von 1485&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53517&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Mittelalter wird in B\u00fcchern und Filmen oft als dunkles Zeitalter portr\u00e4tiert, in dem tyrannische Aristokraten und blutr\u00fcnstige Raubritter mausgrau gekleidete Bauern unterdr\u00fccken und Frauen ohne Prozess als Hexen am Scheiterhaufen verbrannt werden. Diese Darstellung entspricht in keinerlei Hinsicht den Tatsachen. Weder war das Mittelalter eine farblose Epoche, tats\u00e4chlich war die Zeit bis 1500 sogar ausgesprochen farbenfroh, noch war sie von Gesetzlosigkeit und Willk\u00fcr gepr\u00e4gt. Das Mittelalter war auch nicht die gro\u00dfe Zeit der Hexenverbrennungen im gro\u00dfen Stil. Diese dunkle Episode sollte erst im 16. Jahrhundert starten. Seinen Anfang nahm dieses finstere Kapitel der Geschichte im Jahr 1485 zum Teil in Innsbruck unter Mitwirkung Heinrich Kramers, dem Verfasser des <em>Hexenhammers<\/em>.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen und sozialen Umst\u00e4nde in St\u00e4dten wie dem vormodernen Innsbruck waren ein guter N\u00e4hrboden f\u00fcr Hexenprozesse. St\u00e4dte wuchsen \u00fcberdurchschnittlich schnell. Beamte, Hofdiener, Schausteller, Soldaten, H\u00e4ndler und anderes \u201efremdes Volk\u201c erregte Unsicherheit. Die Sterblichkeit bei Kindern unter 10 Jahren lag bei ann\u00e4hernd 50%. Wetterberichte, anhand derer Bauern ihre T\u00e4tigkeit h\u00e4tten ausrichten k\u00f6nnen, gab es ebenfalls nicht. Nahrungsmittel waren dauerhaft knapp, was zum vermehrten Auftreten von Krankheiten und Missbildungen aller Art f\u00fchrten. Medizin und Wissenschaft waren noch nicht so weit, um all das zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vieles wurde deshalb \u00fcberirdischen M\u00e4chten zugeschrieben. Es gab im Aberglauben der Menschen schwarze, also sch\u00e4dliche, und wei\u00dfe, helfende Magie. Heilige wurden um Beistand gebeten. Prozessionen und Gebete sollten helfen, dem Teufel und der Verdammung im Leben nach dem Tod zu entgehen. Sch\u00e4dliche Gegenst\u00e4nde wie Knochensplitter ungetauft verstorbener Kinder oder Holzst\u00fccke eines Galgens brachten Ungl\u00fcck, Reliquien hingegen waren hei\u00df begehrte Artefakte, um sich davor zu sch\u00fctzen. Schon in kleinsten Partikeln des K\u00f6rpers eines Heiligen wurden Kr\u00e4fte vermutet, die Wunder wirken konnten. Liebes- oder Krankheitszauber, Fl\u00fcche, Teufelsanbetung \u2013 die Gr\u00fcnde, warum man der Hexerei angeklagt werden konnte im Innsbruck des 15. Jahrhunderts waren mannigfaltig.<\/p>\n<p>Heinrich Kramer war ein frauenfeindlicher, abergl\u00e4ubischer, vom Glauben an den Teufel und die Apokalypse getriebener, ungl\u00fccklicherweise vom Papst mit einer Vollmacht zur Hexenjagd ausgestatteter religi\u00f6ser Eiferer, der sich genau diese Situation zu Nutze machte. \u00c4hnlich einem Schausteller zog er als Inquisitor durchs Land und kam 1485 nach Innsbruck. Seine Darlegungen und Predigten rund um Magie und Zauberei fielen in Innsbruck auf fruchtbaren Boden. Kramer ermunterte sein Publikum der Hexerei Verd\u00e4chtige zu melden, was dankend angenommen wurde. Neid und Missgunst waren innerhalb der Stadtgemeinde Teil des Alltags. Streitigkeiten \u00fcber Denunziation zu regeln, war ein von einigen Stadtb\u00fcrgern gerne in Anspruch genommenes Mittel. 50 Personen, der Gro\u00dfteil davon Frauen, standen nach Denunziation durch Mitb\u00fcrger wegen des Vorwurfs der H\u00e4resie im Verdacht der Hexerei. Nach Verhaftungen und Verh\u00f6ren wurden sieben Personen angeklagt, ihnen drohte die Todesstrafe. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Anklagen waren mannigfaltig. Helene Scheuberin wurde zum Beispiel vorgeworfen, den Ritter J\u00f6rg Spiess per Magie vergiftet zu haben.<\/p>\n<p>Es war der Brixner Bischof Golser, der an Kramers Darstellung zweifelte und einschritt. Sein Gesandter stellte schwere Verfahrensm\u00e4ngel fest. Ein Anwalt wurde dazu erkoren, alle sieben Angeklagten Frauen vor Gericht zu vertreten. Schlie\u00dflich wurden alle Verd\u00e4chtigen freigelassen. Der Bischof forderte Kramer auf, Tirol zu verlassen. \u201e<em>In der Praxis zeigte sich seine Dummheit, denn er unterstellt vieles, was gar nicht erwiesen war<\/em>,\u201c schrieb Golser in einem Brief. Dieser f\u00fcr ihn entt\u00e4uschende Prozess war der Startschuss einer zweifelhaften Karriere f\u00fcr den in seiner Ehre beleidigten Kramer. Im Anschluss an diese Episode verfasste er sein Werk <em>Der Hexenhammer<\/em>. Er leitete es sogar bezugnehmend auf Innsbruck ein mit \u201e<em>aber was, wenn ich alle (F\u00e4lle) berichten wollte, die allein in jener Stadt gefunden worden sind? Es hie\u00dfe, ein Buch zu verfassen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Kramers Schrift wurde zum Standardwerk der Inquisitoren Europas. Fast gleichzeitig feierte der Buchdruck um 1500 seinen gro\u00dfen Durchbruch und vereinfachte die Verbreitung dieser Anleitung zur Hexenjagd und den Prozessen. Es ist zu bemerken ist, dass die meisten Hexenprozesse nicht vor kirchlichen Gerichten verhandelt wurden. H\u00e4resie war ein weltliches Verbrechen, f\u00fcr deren Durchf\u00fchrung zumindest am Papier Richtlinien galten. Folter war geregelt, was sie nicht weniger f\u00fcrchterlich machte, zumindest aber ein wenig der Willk\u00fcr wegnahm.<\/p>\n<p>In Europa starben gesch\u00e4tzt zwischen 100.000 und 150.000 Menschen als Ketzer, Hexen und Zauberer. Dabei traf es Eliten, die Neid erregten ebenso wie Protestanten, Randgruppen und sozial Schwache, die als S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr Unwetter, Krankheit und sonstiges Ungl\u00fcck herhalten mussten. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau war dabei etwa 1:3. Innsbruck sollte nach 1485 von weiteren Hexenverfolgungswellen verschont bleiben. Das Einschreiten Golsers und eines Teils der Innsbrucker spielten dabei eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Reform und Rebellion: Jakob Hutter und Michael Gaismair&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Reform und Revolution: Jakob Hutter und Michael Gaismair&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53521&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die ersten Regierungsjahre Kaiser Ferdinands I. (1503 \u2013 1564) als Landesf\u00fcrst Tirols waren von theologischen und sozialen Unruhen gekennzeichnet. Theologische und soziale Spannungen nahmen in dieser krisenhaften Zeit zu. Die aufw\u00e4ndige Hoff\u00fchrung Siegmunds und die Kriege Maximilians samt der Verpf\u00e4ndung eines gro\u00dfen Teils des Landesverm\u00f6gens an ausl\u00e4ndische Unternehmer und Finanziers hatte die finanzielle Lage Tirols in arge Schieflage gebracht. Das neue Recht, das \u00fcber die von Maximilian eingef\u00fchrte Verwaltung eingef\u00fchrt worden war, stand dem alten Gewohnheitsrecht gegen\u00fcber. Die Jagd im Wald und das Suchen nach Feuerholz waren damit f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung illegal geworden. Der Verlust dieser <em>Allmendrechte<\/em> und die immer h\u00f6her werdende Abgabenlast hatten f\u00fcr Kleinbauern, Tagel\u00f6hner, Knechte und anderen <em>Pofel<\/em> massive Auswirkungen. In Tirol traten zu dieser Zeit mit Jakob Hutter (1500 \u2013 1536) und Michael Gaismair (1490 \u2013 1532) zwei M\u00e4nner auf den Plan, die mehr soziale Gerechtigkeit forderten, die bestehende Ordnung bedrohten und daf\u00fcr mit dem Leben bezahlten.<\/p>\n<p>Jakob Hutter war die Galionsfigur der in Tirol vor allem im Unterinntal und im Pustertal aktiven Wiedert\u00e4ufer. Die ersten Anzeichen der Kleinen Eiszeit verursachten vermehrt Missernten. Viele Menschen sahen darin eine Strafe Gottes f\u00fcr das s\u00fcndige Leben der Menschen. Sekten wie die Wiedert\u00e4ufer predigten die reine Lehre der Religion, um sich von dieser Schuld zu befreien und die Ordnung so wiederherzustellen. Besonderen Unmut bei der R\u00f6mischen Kirche und Ferdinand I. erregte ihre Einstellung zu weltlichem Besitz, zur Kindstaufe und die offen zur Schau gestellte Abneigung gegen weltliche und kirchliche Obrigkeiten. Menschen sollten frei als erwachsene und m\u00fcndige B\u00fcrger ihren Willen, dem Christentum beizutreten, kundtun und nicht als Babys getauft werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den streng gl\u00e4ubigen und papsttreuen Landesf\u00fcrsten Ferdinand stellten die Wiedert\u00e4ufer eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Ordnung dar. Einem guten Teil der unter den finanziellen Schwierigkeiten nach der teuren Regentschaft Maximilians st\u00f6hnenden Bev\u00f6lkerung waren sie als S\u00fcndenb\u00f6cke willkommen, die mit ihrem gottlosen Gebaren Unheil \u00fcber das Land brachten. Den Katholizismus im 16. Jahrhundert als gesellschaftliche Leitidee abzulehnen w\u00e4re mit der Verneinung der Existenz der Republik \u00d6sterreich als staatliche Obrigkeit durch politische Extremisten zu vergleichen. Der Hexenwahn ging an Innsbruck vor\u00fcber, bereits 1524 wurden aber drei Wiedert\u00e4ufer in Innsbruck vor dem <em>Goldenen Dachl<\/em> wegen Ketzerei am Scheiterhaufen verbrannt. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wurden nach einem Schreiben Ferdinands Tausende Wiedert\u00e4ufer des Landes verwiesen und wanderten nach M\u00e4hren, die heutige Tschechei, aus, wo sie geduldet wurden.<\/p>\n<p>Einer von ihnen war Hutter. Aufgewachsen in S\u00fcdtirol f\u00fchrten ihn seine Lehr- und Gesellenjahre als Hutmacher nach Prag und K\u00e4rnten, wo er wahrscheinlich zum ersten Mal mit den Wiedert\u00e4ufern und ihren Lehren in Verbindung kam. Als die Religionsgemeinschaft 1535 auch aus M\u00e4hren vertrieben wurden, kam Jakob Hutter wieder zur\u00fcck nach Tirol. Er wurde gefangengenommen, nach Innsbruck gebracht und im <em>Kr\u00e4uterturm<\/em> gefoltert. Als Anf\u00fchrer der H\u00e4retiker f\u00fcr sein Wirken 1536 wurde er vor dem <em>Goldenen Dachl<\/em> am Scheiterhaufen verbrannt.<\/p>\n<p>Die Gemeinde der <em>Hutterischen Br\u00fcder<\/em> kam nach ihrer endg\u00fcltigen Vertreibung aus den deutschen L\u00e4ndern und langen Irrfahrten und Fluchten quer durch Europa im 19. Jahrhundert in Nordamerika an. Noch heute gibt es einige hundert Hutterer Kolonien in Kanada und den USA, die noch immer nach dem Gebot der Jerusalemer G\u00fctergemeinschaft in einer Art kommunistischem Urchristentum leben. Wie die Mennoniten und die Amisch leben die Hutterer meist isoliert von der Au\u00dfenwelt und haben sich eine eigene Form der an das Deutsche angelehnten Sprache erhalten. In Innsbruck erinnern eine kleine Tafel <em>am Goldenen Dachl<\/em> sowie eine Stra\u00dfe im Westen der Stadt an Jakob Hutter. 2008 hatten die Bisch\u00f6fe von Brixen und Innsbruck gemeinsam mit den Landeshauptleuten Nord- und S\u00fcdtirols in einem Brief an den \u00c4ltestenrat der <em>Hutterischen Br\u00fcder<\/em> das knapp 500 Jahre vergangene Unrecht an der T\u00e4ufergemeinschaft eingestanden. 2015 wurde im Saggen ein paar Schritte s\u00fcdwestlich des Panoramageb\u00e4udes der <em>Huttererpark<\/em> er\u00f6ffnet, in dem das Denkmal \u201e<em>\u00dcbrige Brocken<\/em>\u201c an das Schicksal und Leid der Verfolgten erinnert.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Aufruhr im Zuge der Reformation in Tirol war der Bauernaufstand von 1525, der eng mit dem Namen Michael Gaismairs verbunden ist. Anders als Hutter, der vor allem eine spirituelle Erneuerung forderte, wollte Gaismair auch soziale Ver\u00e4nderungen vorantreiben. Der Tiroler Aufstand war ein Teil dessen, was als <em>Deutscher Bauernkrieg<\/em> gro\u00dfe Teile des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> ersch\u00fctterte. Es war zum Teil reformatorischer, theologischer Eifer, zum Teil Unzufriedenheit mit der sozialen Lage und G\u00fcterverteilung, was die Aufst\u00e4ndischen antrieb. Gaismair war kein Theologe. Er war der Sohn eines Bergwerksunternehmers, man k\u00f6nnte sagen gebildete Mittelschicht. Wahrscheinlich studierte er Jus an einer italienischen Universit\u00e4t, bevor er Grubenschreiber im Bergwerk Schwaz wurde. 1518 begab er sich in den Dienst des Tiroler Landeshauptmanns Leonhard von V\u00f6ls, wo er milit\u00e4rische und administrative Erfahrungen sammelte. 1524 wechselte er, vermutlich nach einer Art Korruptionsskandal, in den Dienst des Bischofs von Brixen. Der Bischof war gleichzeitig kirchlicher und weltlicher F\u00fcrst seines Bistums. Bei seinen Untertanen war er sehr unbeliebt, galt er doch als strenger Landesherr und verlangte mehr Robot und Fronarbeit als der Tiroler Landesf\u00fcrst. Hier sah Gaismair aus erster Hand, wie die landesherrschaftliche Verwaltung des Klerus mit strenger Rechtsprechung die Untertanen knechtete.<\/p>\n<p>Im Mai 1525 beteiligte er sich an einer der Erhebungen, die auch von den Nachrichten \u00fcber die b\u00e4uerlichen Aufst\u00e4nde in S\u00fcddeutschland angestachelt wurden. Viele der Tiroler Untertanen hatten in den Italienkriegen Maximilians als Kriegsknechte gedient und besa\u00dfen durchaus milit\u00e4rische Erfahrung. Sie hatten zwar keine Kavallerie zur Verf\u00fcgung und es mangelte an strategischer \u00fcbergeordneter F\u00fchrung, zum Teil waren die Gruppen aber durchaus in einem milit\u00e4rischen Sinne organisiert. Dazu gesellten sich unzufriedene Stadtb\u00fcrger, Handerker und sonstiger <em>Pofel<\/em>. Einer dieser Bauernhaufen drang in das Kloster Neustift ein. Nicht nur bisch\u00f6fliches Eigentum und die Weinvorr\u00e4te wurden gepl\u00fcndert, auch die Urbare, die Aufzeichnungen rund um Gerichtsbarkeit, Besitz, Schulden und Verpflichtungen der Bauern gegen\u00fcber dem Grundherrn, wurden vernichtet. Am Tag nach der Einnahme des Klosters w\u00e4hlten die Aufst\u00e4ndischen Gaismair zu ihrem Hauptmann. Es waren wohl seine milit\u00e4rische Erfahrung, seine Bildung und auch sein Wissen um milit\u00e4rische St\u00e4rken und Schw\u00e4chen sowohl des Landeshauptmann von Tirol wie auch der Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient, die ihm das Vertrauen einbrachten.<\/p>\n<p>\u00a0Die Aufstandsbewegung nahm in den n\u00e4chsten Tagen unkoordiniert Fahrt auf und breitete sich \u00fcber gro\u00dfe Teile Tirols aus. Es kam zu \u00dcbergriffen auf Einrichtungen der Kirche und der verhassten fremden Handelsinstitute wie den Fuggern. W\u00e4hrend einige der Abteilungen und Gruppen ernsthafte Forderungen stellten und eine echte Gefahr f\u00fcr die Obrigkeit waren, waren andere auf den Spa\u00df an der Sache der Rebellion und Pl\u00fcnderungen aus. In Innsbruck wurde das Stift Wilten als grundherrschaftlicher Sitz belagert, die Bauern lie\u00dfen aber schnell von ihrem Vorhaben ab, nachdem sie Wein und Fleisch aus den Vorratskammern des Abtes erhalten hatten.<\/p>\n<p>Um Zeit zu gewinnen und sich zu sammeln, berief die Regierung unter Ferdinand einen Landtag in Innsbruck ein. Die Anliegen der Untertanen wurden in einem Beschwerdekatalog, den <em>62 Meraner Artikeln<\/em> gesammelt, die sp\u00e4ter auf <em>96 Innsbrucker Artikel<\/em> erweitert wurden. W\u00e4hrend der Verhandlungen zwischen Landesf\u00fcrsten, Adel, Klerus, B\u00fcrgern und Bauern residierte Gaismair weiterhin in Brixen und probierte im Gebiet an der Eisack sein Regiment zu etablieren.<\/p>\n<p>Erst im Laufe des Sommers begab er sich zu Verhandlungen mit Ferdinand nach Innsbruck. Obwohl ihm freies Geleit versprochen wurde, kerkerte man den Mann, der in den Augen der Obrigkeit die gr\u00f6\u00dfte Gefahr darstellte, ein. Dass er tats\u00e4chlich im Kr\u00e4uterturm eingesperrt war, scheint nach seiner recht unspektakul\u00e4ren Flucht im Oktober 1525 unwahrscheinlich. Nach einiger Zeit in seiner Heimat Sterzing, die landesf\u00fcrstlichen Truppen scheinen hier keinen Zugriff auf den <em>Most Wanted<\/em> gehabt zu haben, begab er sich in den eidgen\u00f6ssischen Westen. In Z\u00fcrich lernte er Huldyrich Zwingli kennen. Wohl von ihm inspiriert schrieb Gaismair einen Entwurf f\u00fcr eine Tiroler Landesverfassung. Der Klerus sollte sich um das Seelenheil der Untertanen statt um Politik k\u00fcmmern. Land und G\u00fcter wie Bergwerksertr\u00e4ge sollten sozial gerecht verteilt, Zinsen abgeschafft werden. Die Einschr\u00e4nkungen von Jagd und Fischerei, die Ferdinands Vorg\u00e4nger Maximilian I. den Tirolern auferlegte, sollten wieder aufgehoben werden. Einer der Artikel lautete:<\/p>\n<p>\u201e<em>Was den Zehent betriff, so soll ihn jeder geben nach dem Gebot Gottes, und er soll wie folgt verwendet werden: Jede Pfarre habe einen Priester nach der Lehre des Apostels Paulus, den den Menschen das Wort Gottes verk\u00fcndet\u2026 was \u00fcbrig bleibt, ist den Armen zu geben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Tiroler Landesf\u00fcrst hatte das Ruder in der Zwischenzeit aber wieder in der Hand. Die Rebellionen in der Grafschaft Tirol und den F\u00fcrstbist\u00fcmern Brixen und Trient waren nach Zugest\u00e4ndnissen Ferdinands zusammengebrochen. Einige der Punkte aus den Beschwerdekatalogen wurden vom F\u00fcrsten in die Landesordnung aufgenommen, um die unzufriedene Bev\u00f6lkerung zu befrieden. Die R\u00e4delsf\u00fchrer der Aufst\u00e4nde waren teils gefl\u00fcchtet, teils grausam und demonstrativ hingerichtet worden. Der mittlerweile radikalisierte Michael Gaismair zog mit einigen seiner M\u00e4nner von Graub\u00fcnden in den s\u00fcdlichen Teil Salzburgs und nahm am <em>Salzburger Bauernaufstand<\/em> 1526 teil.<\/p>\n<p>Der Ruf seiner milit\u00e4rischen Erfolge erreichte die Republik Venedig, die sich seit dem Krieg 1477 mit Siegmund dem M\u00fcnzreichen in st\u00e4ndigem Konflikt mit den Habsburgern befand. Gaismair wurde als <em>Condottiere<\/em>, als Heerf\u00fchrer, engagiert, wahrscheinlich auch, weil sich die Venezianer des Wissens des ehemaligen Beamten des Bischofs von Brixens und des Landeshauptmanns bem\u00e4chtigen \u00fcber die Zust\u00e4nde im Land des Feindes wollten. Bald fiel er aber auch hier in Ungnade. Nicht nur schloss der Doge von Venedig Frieden mit den Habsburgern, auch seine antikatholische Haltung und seine unangepasste Lebensweise erregten Missgunst und Neid. 1532 wurde auf seinem Landsitz bei Venedig mit mehr als 40 Messerstichen ermordet. Welche der vielen M\u00e4chte, die er gegen sich aufgebracht hatte, dahintersteckte, ist nicht gekl\u00e4rt, wahrscheinlich wurden die Auftragsm\u00f6rder aber vom landesf\u00fcrstlichen Hof in Innsbruck beauftragt.<\/p>\n<p>Nicht weniger interessant als sein Leben ist sein Werdegang post mortem. Gaismair schaffte es nie zum allgemeinen Ruhm Andreas Hofers in Tirol. Anders als Hofer, der sich als braver Katholik gegen eine fremde Macht erhob, war Gaismair ein Aufst\u00e4ndischer, ein Unangenehmer und Querdenker. 1899 war ein Theaterst\u00fcck \u00fcber den Bauernf\u00fchrer von Franz Kranewitter erschienen. Im 20. Jahrhundert wurde Gaismair je nach Bedarf als K\u00e4mpfer gegen Monarchie und Klerus, von den Nationalsozialisten als deutscher Held und Befreier der Bauern oder von der Linken als fr\u00fcher Kommunist gedeutet. Die 68er Generation feierte den eigentlich frommen und gottesf\u00fcrchtigen Revolution\u00e4r f\u00fcr seine Ideen zur Vergemeinschaftung von Eigentum. Der Tiroler Journalist und Historiker Claus Gatterer schrieb zur st\u00e4ndigen Umdeutung der Figur Gaismairs:<\/p>\n<p>\u00a0\u201e<em>Wieviel Wahrheit darf ein Volk \u00fcber seine Vergangenheit, \u00fcber Wachsen und Werden seiner Gegenwart erfahren?&#8230; Der jeweiligen Ideologie entsprechend, werden altverdiente Helden und Heilige von den Sockeln gest\u00fcrzt, und durch andere, bis dahin missachtet, ersetzt; oder es wird einem etablierten Heiligen kurzerhand eine neue Biographie verpasst, die namentlich in der Motivation des Handelns sich mit aktuellen Erfordernissen passt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Michael Gaismair und den Bauernaufstand von 1525 gibt es kaum Erinnerungsorte oder gar Denkm\u00e4ler in Innsbruck. In Wilten erinnern eine Stra\u00dfe und eine nach ihm benannte Hauptschule an ihn.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Siegmund der M\u00fcnzreiche&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Siegmund der M\u00fcnzreiche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53519&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Auf <em>Friedl mit der leeren Tasche<\/em> folgte <em>Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/em> als Tiroler Landesf\u00fcrst. Siegmund von Tirol (1427 \u2013 1496) startete denkbar schlecht in sein Amt als Landesf\u00fcrst. Als sein Vater Friedrich starb, war Siegmund erst 12 Jahre alt. Deshalb nahm ihn sein Onkel Friedrich III., der Kaiser <em>des Heiligen R\u00f6mischen Reichs<\/em> und Vater Maximilians I., in unfreiwillige Obhut und Vormundschaft. Man k\u00f6nnte sagen, Siegmund startete seine Karriere als Geisel des Kaisers, seines eigenen Vetters. Tirol war mittlerweile eine reiche Grafschaft, die direkte Kontrolle dar\u00fcber wollte der Kaiser nur ungern aufgeben. Erst als die Tiroler Landst\u00e4nde gegen diese Bevormundung protestierten, konnte Siegmund sein Amt antreten. Der Tiroler Landtag hatte die Regierungsgesch\u00e4fte in Ermangelung eines Landesf\u00fcrsten \u00fcbernommen und damit politisches Gewicht bewiesen. Mit 18 Jahren zog Siegmund in Innsbruck ein, um die Amtsgesch\u00e4fte zu \u00fcbernehmen. Vier Jahre sp\u00e4ter heiratete er Eleonore von Schottland (1433 \u2013 1480), die optisch wenig attraktive 16 Jahre alte Tochter K\u00f6nigs Jakob aus dem Hause Stewart. Die Ehe sollte ohne Kinder bleiben.<\/p>\n<p>Unter dem Landesf\u00fcrsten Siegmund kam es zu vielen Innovationen auf der einen Seite, zu einem aufgebl\u00e4hten und teuren Hofstaat auf der anderen. In Innsbruck und Umgebung zog das st\u00e4dtische Leben neues Handwerk an. 1453 er\u00f6ffnete in der heutigen Universit\u00e4tsstra\u00dfe die Landesf\u00fcrstliche Silberschmelze. 1484 lie\u00df Siegmund die M\u00fcnzpr\u00e4geanstalt von Meran in S\u00fcdtirol nach Hall verlegen, was ihm den Beinamen <em>Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/em> einbrachte. Zwei Jahre sp\u00e4ter entstand eine landesf\u00fcrstliche M\u00fchle am Sillkanal, die die Basis f\u00fcr die sich in den Folgejahren entwickelnde fr\u00fche Industrialisierung bilden sollte. Er erlie\u00df die <em>Schwazer Bergordnung<\/em>, die zum Vorbild f\u00fcr alle Bergwerke der Habsburger werden sollte. Den Bergbeamten wurden, \u00e4hnlich den Universit\u00e4ten, mehr Rechte innerhalb ihres Wirkungsbereiches gegeben. F\u00fcr die Bergarbeiter gab es Sonderregelungen innerhalb der Gesellschaft, waren sie doch hei\u00df begehrte Arbeitskr\u00e4fte. Man kann von einer fr\u00fchen sozial- und arbeitsrechtlichen Vereinbarung sprechen. Die Bergleute arbeiteten hart, verdienten aber verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut. Dasselbe galt f\u00fcr die Pr\u00e4geanstalt und die Haller Salinen. Eine wohlhabende Mittelschicht begann sich herauszubilden.<\/p>\n<p>Innsbruck war w\u00e4hrend seiner opulenten Regentschaft zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr Handwerker, Goldschmiede und K\u00fcnstler geworden. Die Zuwanderer stammten oft aus der Aristokratie und wollten in Innsbruck nicht auf ihren Lifestyle verzichten. In M\u00fchlau etablierte sich eine besondere Form der Metallindustrie. <em>Plattner<\/em> schufen R\u00fcstungen und Harnische f\u00fcr Adelige, die sich sowohl auf Kriegsz\u00fcgen wie auch auf Turnieren standesgem\u00e4\u00df pr\u00e4sentieren wollten. Siegmund war ihr bester Kunde. Er kaufte etliche Turnierharnische f\u00fcr sich selbst und als anerkennende Geschenke f\u00fcr Aristokraten ausl\u00e4ndischer H\u00f6fe und Ehreng\u00e4ste. Die Werkst\u00e4tten am M\u00fchlaubach wurden zu den f\u00fchrenden Betrieben ihrer Art weltweit. Erst im 17. Jahrhundert kamen die reich verzierten R\u00fcstungen aus der Mode. Der Stadtturm beim Alten Rathaus als Ausdruck des st\u00e4dtischen Wohlstands und erste Teile der Hofburg wurden unter Siegmund erbaut. Ein Glasmaler siedete sich in Innsbruck an. Die Hofbibliothek wuchs im Gleichschritt mit Siegmunds und Eleonores humanistisch gelehrten G\u00e4sten. Beide galten als kunstsinnig und literarisch interessiert. B\u00fccher waren in der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks ein teures Hobby. Auch fahrendes Volk und Schausteller waren am Hof gerne gesehen, um die einheimischen und internationalen G\u00e4ste zu unterhalten.<\/p>\n<p>Siegmunds opulenter Lebenswandel kostete ihn nicht nur viel Geld, sondern auch politische Reputation und am Ende seiner Laufbahn wohl auch den F\u00fcrstenthron. In zweiter Ehe hatte er Katharina von Sachsen (1468 \u2013 1524), eine Dame aus kurf\u00fcrstlichem hocharistokratischem Haus, geheiratet. Es war wohl auch dem Einfluss und der Hofhaltung Siegmunds und seiner beiden Ehefrauen zu verdanken, dass die Ausgaben des <em>M\u00fcnzreichen<\/em> auf lange Sicht die Einnahmen aus Steuern, Salinen und den Bergwerken \u00fcberstiegen. Bei der landesf\u00fcrstlichen Hochzeit 1484 umfasste allein der Zug der Braut 54 Wagen. Die G\u00e4ste mussten in Innsbruck einquartiert und verk\u00f6stigt werden. Auch mit der 40 Jahre j\u00fcngeren Frau war dem mittlerweile senilen Siegmund m\u00e4nnlicher Erbe verg\u00f6nnt, was besonders bitter f\u00fcr ihn gewesen sein muss, betrachtet man die ihm nachgesagten 30 au\u00dferehelich gezeugten Kinder. Gleichzeitig wurden die Zeiten rauer f\u00fcr die, die mit dem neuen Lebensrhythmus der Stadt nicht mithalten konnten. Man kann von circa 2000 Stadtb\u00fcrgern zu dieser Zeit ausgehen. Der Hofstaat Sigmunds bestand aus 500 Personen, der Hofstaat seiner Frau war dabei nicht miteingerechnet. Diese \u201eFremden\u201c erregten in Innsbruck Aufsehen. Die Kluft zwischen den sozialen Schichten wuchs und auch die Landst\u00e4nde waren ob des angeschlagenen Staatshaushaltes besorgt. Sein Hof war am Ende seiner Regierungszeit \u00fcberm\u00e4\u00dfig aufgebl\u00e4ht und teuer. Ein verlorener Krieg mit den Schweizer Eidgenossen verpflichtete ihn zu Zahlungen, auch ein Krieg mit Venedig endete schlecht. Siegmund musste habsburgische Besitzungen im Elsass und dem heutigen Breisgau an Karl <em>den K\u00fchnen<\/em> von Burgund, den zuk\u00fcnftigen Schwiegervater Maximilians I. verpf\u00e4nden. Die \u00f6sterreichischen Vorlande verkaufte er zu einem Spottpreis an das Herzogtum Bayern, die Tiroler Silberbergwerke verpf\u00e4ndete er an Jakob Fugger. Die bayerischen Wittelsbacher wollten \u00fcber einen Erbvertrag mit dem altersbedingt geistig umnachteten Sigmund auch Tirol wieder unter ihre Kontrolle bringen. Erst kaiserlicher Druck und das eilige Einschreiten der Tiroler Landst\u00e4nde und Maximilians erm\u00f6glichten den Verbleib des Landes beim Haus Habsburg. 1490 \u00fcbernahm er das Amt des Landesf\u00fcrsten, obwohl Siegmund noch am Leben war. Damit waren die gesamten Erblande des Hauses Habsburg wieder in einer Hand. Siegmund war nicht der erfolgreichste Landesherr Tirols, genie\u00dft dank seiner im Stadtbild gut sichtbaren Verdienste rund um Innsbrucks kulturellen Aufstieg aber noch immer Ansehen in der Volksseele.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maximilian I. und seine Zeit&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maximilian I. und seine Zeit&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53520&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Maximilian z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Pers\u00f6nlichkeiten der europ\u00e4ischen und der Innsbrucker Stadtgeschichte. \u00dcber Tirol soll er gesagt haben: &#8222;<em>Tirol ist ein grober Bauernkittel, der aber gut w\u00e4rmt<\/em>.&#8220; Vielleicht war nicht nur die Lage Innsbrucks inmitten der Berge ein Grund f\u00fcr seine Zuneigung, Maximilian war begeisterter J\u00e4ger. Sein Vater Friedrich III. hatte 1415 in Innsbruck das Licht der Welt erblickt und die Bedeutung der Stadt hatte seither zugenommen. Maximilian \u00fcbernahm 1490 die Regierungsgesch\u00e4fte Tirols auf Bitten der Landst\u00e4nde von seinem Vorg\u00e4nger Siegmund. Der m\u00e4chtige Habsburger wollte die wichtigen Assets, die das Land zu bieten hatte, nicht aus dem habsburgischen Portfolio geben. Maximilian machte die ehemalige Handelssiedlung am Inn zu einem der wichtigsten Zentren des Heiligen R\u00f6mischen Reichs und ver\u00e4nderte damit ihre Geschicke nachhaltig. Auch die strategisch g\u00fcnstige Lage Innsbrucks nahe an den italienischen Kriegsschaupl\u00e4tzen machte die Stadt so interessant f\u00fcr den Kaiser. Viele Tiroler mussten auf den Schlachtfeldern den kaiserlichen Willen durchsetzen, anstatt die heimischen Felder zu bestellen. Das \u00e4nderte sich erst in den letzten Regierungsjahren. Maximilian gestand 1511 den Tirolern im <em>Tiroler Landlibell<\/em>, einer Art Verfassung zu, dass sie als Soldaten nur f\u00fcr den Krieg zur Verteidigung des eigenen Landes herangezogen werden d\u00fcrfen. Was von Maximilian-Nostalgikern, die das Dokument gerne als Freiheitsbrief ansehen, gerne vergessen wird, sind die Verpflichtungen wie die Einhebung von Sondersteuern im Kriegsfall, die damit geregelt werden. F\u00fcr Innsbruck zahlte es sich auf jeden Fall aus, wenn nicht finanziell, so zumindest kulturell. \u201e<em>Wer immer sich im Leben kein Ged\u00e4chtnis macht, der hat nach seinem Tod kein Ged\u00e4chtnis und derselbe Mensch wird mit dem Glockenton vergessen.\u201c<\/em> Dieser Angst wirkte Maximilian h\u00f6chst erfolgreich aktiv durch die Errichtung gut sichtbarer Symbole kaiserlicher Macht wie dem <em>Goldenen Dachl<\/em> entgegen. Propaganda, Bild und Medien spielten eine immer st\u00e4rkere Rolle, bedingt auch durch den aufkeimenden Buchdruck. Maximilian nutzte Kunst und Kultur, um sich pr\u00e4sent zu halten. Er hielt sich eine Reichskantorei, eine Musikkapelle, die vor allem bei \u00f6ffentlichen Auftritten und Empf\u00e4ngen internationaler Gesandter zum Einsatz kam. Er lie\u00df einen wahren Personenkult mit M\u00fcnzen, B\u00fcchern, Druckschriften und Gem\u00e4lden rund um sich selbst veranstalten.<\/p>\n<p>Bei aller Romantik, die der Liebhaber h\u00f6fischer Traditionen und des klassischen Rittertums pflegte, war er ein k\u00fchler Machtpolitiker. Seine Kulturpolitik und Propaganda lehnte sich vielleicht an das Mittelalter an, realpolitisch war er aber vorw\u00e4rtsgewandt. Unter ihm entstanden politische Institutionen wie der Reichstag, Reichshofrat und das Reichskammergericht, die das Verh\u00e4ltnis von Untertanen, Landesherr und Monarchie streng regelten. Um 1500 hatte Tirol circa 300.000 Einwohner. Mehr als 80% der Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft und lebten zum allergr\u00f6\u00dften Teil von den Ertr\u00e4gen der H\u00f6fe. Maximilian beschnitt in einem wahren Furor an neuen Gesetzen die b\u00e4uerlichen Rechte der Allmende. Holzschlag, Jagd und Fischerei wurden dem Landesherrn unterstellt und waren kein Allgemeingut mehr. Das hatte negative Auswirkungen auf die b\u00e4uerliche Selbstversorgung. Dank der neuen Gesetze wurden aus J\u00e4gern Wilderer. Fleisch und Fisch waren im Mittelalter f\u00fcr lange Zeit ein Teil des Speiseplans, nun wurde dieser Genuss zum Luxus, der oft nur illegal beschafft werden konnte. Bei einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung war Maximilian zu Lebzeiten deshalb unbeliebt.<\/p>\n<p>Zur Einschr\u00e4nkung in der Selbstversorgung gesellten sich neue Abgaben. Es war immer schon \u00fcblich gewesen, dass Landesf\u00fcrsten im Kriegsfall die Bev\u00f6lkerung mit zus\u00e4tzlichen Steuern belasteten. Maximilians Kriegsf\u00fchrung unterschied sich zu den mittelalterlichen Konflikten. Die Hilfstruppen und ihre adeligen, ritterlich k\u00e4mpfenden Grundherren wurden durch S\u00f6ldner, die mit den modernen Feuerwaffen umzugehen verstanden, erg\u00e4nzt oder ganz ersetzt.<\/p>\n<p>Diese neue Art ins Feld zu ziehen, verschlang Unsummen. Als die Ertr\u00e4ge aus den landesf\u00fcrstlichen Besitzungen wie M\u00fcnz-, Markt-, Bergwerks-, und Zollregal nicht mehr ausreichten, wurden die einzelnen Bev\u00f6lkerungsgruppen je nach Stand und Verm\u00f6gen besteuert, jedoch war die Steuer noch weit entfernt von unserem heutigen ausdifferenzierten System und brachten dementsprechend Ungerechtigkeit und Unmut mit sich. Ein Beispiel f\u00fcr eine Abgabe war Maximilians <em>Gemeiner Pfennig<\/em>. Die Verm\u00f6genssteuer betrug zwischen 0,1 und 0,5% des Verm\u00f6gens, war aber mit 1 Gulden gedeckelt. Juden mussten unabh\u00e4ngig von ihrem Verm\u00f6gen eine Kopfsteuer von 1 Gulden bezahlen. Erstmals wurden auch F\u00fcrsten zur Kasse gebeten, bezahlten aber durch die Deckelung maximal gleich viel wie ein mittelst\u00e4ndischer Jude. Verk\u00fcndung und Exekution der Steuer unterlagen Pr\u00e4laten, Pfarrern und weltlichen Herrn. Pfarrer mussten an drei Sonntagen die Steuer von der Kanzel herunter verk\u00fcnden, die Beitr\u00e4ge gemeinsam mit Vertretern der Gerichte einsammeln und im Reichssteuerregister anlegen. Schnell begriff man, dass diese Art der Steuereinhebung nicht funktionierte. Es bedurfte eines modernen Systems und Steuermodells. Eine kollegiale Kammer, das Regiment, wachte zentral \u00fcber die L\u00e4nder Tirol und Vorder\u00f6sterreich nach dem modernen Vorbild der Burgunder Finanzwirtschaft, die Maximilian in seiner Zeit in den Niederlanden kennengelernt hatte. Innsbruck wurde zum Finanz- und Buchhaltungszentrum f\u00fcr die \u00f6sterreichischen L\u00e4nder. Die <em>Raitkammer<\/em> und die <em>Hauskammer<\/em> befanden sich im Neuhof, wo heute das <em>Goldene Dachl<\/em> \u00fcber die Altstadt residiert. 1496 wurden die finanziellen Mittel der \u00f6sterreichischen Erbl\u00e4nder in der Schatzkammer in Innsbruck geb\u00fcndelt. Vorsitzender der Hofkammer war der Brixner Bischof Melchior von Meckau, der mehr und mehr die Fugger als Kreditgeber miteinbezog. Beamten wie Jakob Villinger (1480 &#8211; 1529) wickelten in der italienisch gepr\u00e4gten Form der doppelten Buchhaltung den Geldverkehr mit Bankh\u00e4usern aus ganz Europa ab und probierten den kaiserlichen Finanzhaushalt in Zaum zu halten. Talentierte Kleinadelige und B\u00fcrger, studierte Juristen und ausgebildete Beamten l\u00f6sten den Hochadel in bestimmender Funktion ab. Finanzexperten aus Burgund hatten die kaufm\u00e4nnische Leiter des Regiments \u00fcber. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Finanz- und anderen Feldern wie Kriegsplanung und Innenpolitik waren flie\u00dfend, was der neuen Beamtenschicht gro\u00dfe Macht verlieh. War es bisher \u00fcblich, dass das Gleichgewicht zwischen Landesf\u00fcrsten, Kirche, Grundherr und Untertan aus Beitrag und milit\u00e4rischem Schutz bestand, wurde dieses System nun durch Zwang von der Obrigkeit durchgesetzt. Maximilian argumentierte, dass es Pflicht jedes Christenmenschen, egal welchen Standes, sei, das <em>Heilige R\u00f6mische Reich<\/em> gegen \u00e4u\u00dfere Feinde zu verteidigen. Die Aufzeichnungen rund um die Streitereien zwischen K\u00f6nig, Adel, Klerus, Bauern und St\u00e4dten um die Abgabenleistung erinnerten schon vor Maximilian stark an heutige politische Diskussion um das Thema der Macht- und Verm\u00f6gensverteilung. Der gro\u00dfe Unterschied zwischen dem ausgehenden 15. Jahrhundert und den vorhergegangenen Jahrhunderten entstand dadurch, dass dank des modernen Beamtenapparats diese Steuern nun auch exekutiert und eingetrieben werden konnten. Der Vergleich mit der Registrierkassenpflicht, der Besteuerung von Trinkgeldern in der Gastronomie und der Diskussion um die Abschaffung des Bargeldes dr\u00e4ngt sich auf. Das Kapital folgte der politischen Bedeutung ebenfalls nach Innsbruck. W\u00e4hrend seiner Regentschaft besch\u00e4ftigte Maximilian 350 R\u00e4te, die ihm zur Seite standen. Knapp ein Viertel dieser hochbezahlten R\u00e4te stammte aus Tirol. Gesandte und Politiker aus ganz Europa bis zum osmanischen Reich sowie Adelige lie\u00dfen sich ihren Wohnsitz in Innsbruck bauen oder \u00fcbernachteten in den Wirtsh\u00e4usern der Stadt. \u00c4hnlich wie <em>Big Money<\/em> aus \u00d6lgesch\u00e4ften heute Fachkr\u00e4fte aller Art nach Dubai lockt, zogen das Schwazer Silber und die daran h\u00e4ngende Finanzwirtschaft damals Experten aller Art nach Innsbruck, einer kleinen Stadt inmitten der unwirtlichen Alpen.<\/p>\n<p>Innsbruck ver\u00e4nderte sich unter Maximilian Regentschaft baulich und infrastrukturell wie nie zuvor. Neben dem repr\u00e4sentativen <em>Goldenen Dachl<\/em> lie\u00df er die Hofburg umgestalten, begann mit dem Bau der Hofkirche und erschuf mit dem Innsbrucker Zeughaus Europas f\u00fchrende Waffenschmiede. Die Stra\u00dfen durch die Altstadt wurden f\u00fcr die feinen Leute des Hofstaats befestigt und gepflastert. Als frommer Christ im Sinne der Ritterlichkeit half der Kaiser auch den \u00c4rmsten. 1499 lie\u00df Maximilian die <em>Salvatorikapelle<\/em>, ein Spital f\u00fcr notleidende Innsbrucker, die keinen Anspruch auf einen Platz im Stadtspital hatten, renovieren und erweitern. 1509 wurde der innerst\u00e4dtische Friedhof vom heutigen Domplatz hinter das Stadtspital an den heutigen Adolf-Pichler-Platz umgesiedelt. Maximilian lie\u00df den Handelsweg im heutigen Mariahilf verlegen und verbesserte die Wasserversorgung der Stadt. Eine Feuerordnung f\u00fcr die Stadt Innsbruck folgte 1510. Maximilian begann auch an den Privilegien des Stiftes Wilten, dem gr\u00f6\u00dften Grundherrn im heutigen Stadtgebiet, zu s\u00e4gen. Infrastruktur im Besitz des Klosters wie M\u00fchle, S\u00e4ge und Sillkanal sollten st\u00e4rker unter landesf\u00fcrstliche Kontrolle kommen.<\/p>\n<p>Der kaiserliche Hof und die wohlhabende Beamtenschaft, die in Innsbruck ans\u00e4ssig waren, transformierte Aussehen und Attit\u00fcde Innsbrucks. Maximilian hatte die distinguierte h\u00f6fische Kultur Burgunds seiner ersten Ehefrau nach Mitteleuropa eingef\u00fchrt. Kulturell war es vor allem seine zweite Ehefrau Bianca Maria Sforza, die Innsbruck f\u00f6rderte. Nicht nur die k\u00f6nigliche Hochzeit fand hier statt, sie residierte auch lange Zeit hier, war die Stadt doch n\u00e4her an ihrer Heimat Mailand als die anderen Residenzen Maximilians. Sie brachte ihren gesamten Hofstaat aus der Renaissancemetropole mit in die deutschen L\u00e4nder n\u00f6rdlich der Alpen. Kunst Unterhaltung in allen Formen bl\u00fchten auf.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde unter Maximilian aber nicht nur kulturell zu einem Zentrum des Reiches, auch wirtschaftlich brummte die Stadt. Unter anderem war Innsbruck Zentrale des Postdienstes im Kaiserreich. In der Waffenherstellung konnte Maximilian auf das Fachwissen der B\u00fcchsenmeister aufbauen, die sich bereits unter seinem Vorg\u00e4nger Siegmund in den Gie\u00dfereien in H\u00f6tting etabliert hatten. Plattner, Gussh\u00fcttenbetreiber, Pulverstampfer und Messerschmiede siedelten sich in der Neustadt, in St. Nikolaus, M\u00fchlau, H\u00f6tting und entlang des Sillkanals an. Die Kaufmannsdynastie Fugger unterhielt eine Kontorei in Innsbruck. Neben seiner ihm gerne unterstellten Liebe f\u00fcr die Tiroler Natur waren ihm die Kostbarkeiten wie das Haller Salz und das Schwazer Silber mindestens ebenso teuer und n\u00fctzlich. Seinen aufw\u00e4ndigen Hofstaat, die Wahl zum K\u00f6nig durch die Kurf\u00fcrsten und den acht Jahre dauernden Krieg gegen die Republik Venedig finanzierte sich Maximilian unter anderem durch Verpf\u00e4ndung der Bodensch\u00e4tze des Landes.<\/p>\n<p>Maximilians Wirken in Innsbruck zu fassen, ist schwierig. Liebesbekundungen eines Kaisers schmeicheln nat\u00fcrlich der Volksseele bis heute. Seine materielle Hinterlassenschaft mit den vielen Prunkbauten verst\u00e4rken dieses positive Image. Er machte Innsbruck zu einer kaiserlichen Residenzstadt und trieb die Modernisierung der Infrastruktur voran. Innsbruck wurde dank dem Zeughaus zum Zentrum der R\u00fcstungsindustrie, die Schatzkammer des Reiches und wuchs wirtschaftlich und r\u00e4umlich. Die Schulden, die er daf\u00fcr aufnahm und das Landesverm\u00f6gen, das er an die Fugger verpf\u00e4ndete, pr\u00e4gten Tirol nach seinem Tod mindestens ebenso wie die strengen Gesetze, die er der einfachen Bev\u00f6lkerung verordnete. 5 Millionen Gulden soll er an Schulden hinterlassen haben, einen Betrag, den seine \u00f6sterreichischen Besitzungen in 20 Jahren erwirtschaften konnten. Die ausst\u00e4ndigen Zahlungen ruinierten nach seinem Tod viele Betriebe und Dienstleute, die auf den kaiserlichen Versprechungen sitzen blieben. Fr\u00fchneuzeitliche Herrscher waren nicht an die Verbindlichkeiten ihrer Vorg\u00e4nger gebunden. Eine Ausnahme bildeten die Vereinbarungen mit den Fuggern, hingen daran doch Pfandrechte. In den Legenden \u00fcber den Kaiser sind die harten Zeiten nicht so pr\u00e4sent wie das <em>Goldene Dachl<\/em> und die in der Schule gelernten Soft Facts. 2019 \u00fcberschlug man sich mit den Feierlichkeiten zum 500. Todestag des f\u00fcr Innsbruck wohl wichtigsten Habsburgers unter dem Motto \u201e<em>Tiroler im Herzen, Europ\u00e4er im Geiste<\/em>\u201c. Der Wiener wurde wohlwollend eingeb\u00fcrgert. Salzburg hat Mozart, Innsbruck Maximilian, einen Kaiser, den Tiroler passend zur gew\u00fcnschten Identit\u00e4t Innsbrucks als rauen Gesellen, der am liebsten in den Bergen ist, angepasst haben. Sein markantes Gesicht prangt heute auf allerhand Konsumartikeln, vom K\u00e4se bis zum Skilift steht der Kaiser f\u00fcr allerhand Profanes Pate. Lediglich f\u00fcr politische Agenden l\u00e4sst er sich weniger gut vor den Karren spannen als Andreas Hofer. Wahrscheinlich ist es f\u00fcr den Durchschnittsb\u00fcrger einfacher, sich mit einem revolution\u00e4ren Wirt zu identifizieren als mit einem Kaiser.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Friedl mit der leeren Taschn&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Friedrich IV.: Innsbruck wird Residenzstaddt&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53518&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Tiroler Landesf\u00fcrst Friedrich IV. (1382 \u2013 1439) lebte in einer bewegten Zeit der habsburgischen und Innsbrucker Geschichte. Die Habsburger waren zwar seit geraumer Zeit im Hochadel angelangt, konsolidiert hatte man die Macht allerdings noch nicht. Ein langer Rauschebart umh\u00fcllte Friedrichs Gesicht. In vielen Chroniken und Berichten wurde er als willk\u00fcrlich, machtgierig, hinterlistig und verschlagen beschrieben. Zeitgenossen galt er als <em>Sexaholic<\/em>, der im Zweifelsfall auch nicht vor Gewalt zur\u00fcckschreckte, um seinen Willen durchzusetzen. Ungew\u00f6hnlich war das allerdings nicht, betrachtet man die Biographien anderer F\u00fcrsten des ausgehenden Mittelalters. Ob geiziger Sittenstrolch oder geschickter Politiker und Freund des einfachen Mannes &#8211; die Eckdaten seines Lebens w\u00e4ren taugliches Material f\u00fcr einen abenteuerlichen Mittelalterfilm.<\/p>\n<p>Friedrich \u00fcbernahm mit 24 Jahren neben der Regentschaft in Vorder\u00f6sterreich auch die Grafschaft Tirol. Vorder\u00f6sterreich? Also Vorarlberg? Nicht ganz. Unter Vorder\u00f6sterreich verstand sich der Besitz der Habsburger unter anderem in der Schweiz, in Vorarlberg, im Elsass und in Baden-W\u00fcrttemberg. Tirol und Vorder\u00f6sterreich wurden seit Friedrich gemeinsam verwaltet als <em>Ober\u00f6sterreich<\/em>. Damit war er einer der m\u00e4chtigsten F\u00fcrsten des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em>. Von Anfang seiner Regentschaft an war er in kostspielige Kriege gegen feindlich gesonnene M\u00e4chte an den Landesgrenzen sowie Konkurrenz innerhalb des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> verwickelt. Im Westen erhoben sich die Appenzeller gegen den Habsburger, im S\u00fcden kam es zu einem Aufstand in Trient und Heinrich von Rottenburg zettelte n\u00f6rdlich des Inn eine Fehde an. Dabei handelte es sich um die letzten Konflikte, die in der Manier der reinen Ritterheere gef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Wie seine Vorg\u00e4ngerin Margarethe auf dem landesf\u00fcrstlichen Stuhl kam auch Friedrich in Konflikt mit dem Papst. Zu seiner Zeit gab es neben einem Papst in Rom auch einen Papst im franz\u00f6sischen Avignon. Diese Papstfrage sollte auf dem Konzil von Konstanz, dem vielleicht wichtigsten politischen Ereignis des sp\u00e4ten europ\u00e4ischen Mittelalters, gel\u00f6st werden. Friedrich stellte sich auf die Seite von Johannes XXIII. Der K\u00f6nig des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Sigismund aus dem Geschlecht der Luxemburger, der auf den Gegenpapst in Avignon setzte, lie\u00df seinen reichsinternen Konkurrenten Friedrich daf\u00fcr mit der <em>Acht<\/em> belegen und einsperren. Das bedeutete nicht nur den Freiheitsentzug und Ausschluss aus der Kirche, sondern auch den Verlust seiner Territorien und seines Besitzes. Seine Gegner verpassten ihm den Spitznamen <em>Friedl mit der leeren Tasche<\/em>. Nach abenteuerlicher Flucht aus der Haft wieder in Innsbruck angelangt, musste Friedrich der Bev\u00f6lkerung, vor allem dem landbesitzenden Kleinadel und den St\u00e4dten als Anerkennung f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung in h\u00f6chster Not Reformen zugestehen. Neben Klerus, Adel und den St\u00e4dten durften auch die Gerichte, die f\u00fcr die Verwaltung der Landgemeinden zust\u00e4ndig waren, ihre Vertreter in den Landtag entsenden.<\/p>\n<p>Friedrichs Spitzname blieb im Volksmund erhalten, auch wenn er am Ende seiner Regentschaft durch den reichen Bergsegen in Schwaz und Gossensass sowie durch Z\u00f6lle und Maut auf den Handel zwischen Venedig und Augsburg einer der reichsten F\u00fcrsten Europas seiner Zeit war. Die gr\u00f6\u00dfte Silbermine Europas und die Bergwerkswirtschaft ver\u00e4nderten auch das Sozialgef\u00fcge in Innsbruck nachhaltig. Die Macht der Z\u00fcnfte nahm zu. Zwar war Innsbruck vom Umland abh\u00e4ngig, was die Versorgung mit Lebensmitteln betraf, durch den wachsenden Wohlstand der Stadt war es aber leichter sich durch diese Krisenzeit zu man\u00f6vrieren als in rein l\u00e4ndlichen Gebieten. Als Friedrich starb, war Tirol dank der Silberfunde in Schwaz zu einem wichtigen Land innerhalb des Habsburgerreiches aufgestiegen.<\/p>\n<p>Auch seine Residenz ver\u00e4nderte sich. Innsbruck war zwar zuvor schon gewachsen, noch immer aber eine kleine Stadt. Friedrich beschloss, die Stadt am Inn zu seiner Residenz zu machen. 1420 kaufte er zwei B\u00fcrgerh\u00e4user innerhalb der Stadtmauern. Meran war der Stammsitz der Grafen von Tirol gewesen und blieb noch bis 1849 die offizielle Tiroler Landeshauptstadt. Tats\u00e4chlich hatte sp\u00e4testens seit Friedrichs Umzug Innsbruck die Nase vorn. Unter seine Regentschaft wurden die Lauben in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe angelegt und der Stadtturm errichtet. Europaweit war das 15. Jahrhundert wegen des tendenziell schlechteren Klimas als in den Vorperioden eine wirtschaftlich schwierige Zeit, gepr\u00e4gt von Missernten. Durch Handel und den Impuls, den die \u00dcbersiedlung des Hofstaats brachte, bl\u00fchte Innsbruck aber gegen den europaweiten Trend auf. Schwaz, Meran und Innsbruck waren die Zentren Tirols. Schwaz war wie Detroit im 20. Jahrhundert dank der Silberminen eine boomende Arbeiterstadt, das alt-ehrw\u00fcrdige Meran als Hauptstadt \u00e4hnelte Washington und die Residenz- und Handelsstadt Innsbruck wurde zum New York Tirols, dem Zentrum der damaligen Macht.<\/p>\n<p>Mit dem Hofstaat, der um die 400 Personen umfasste, kamen Beamte, Dienstpersonal, H\u00e4ndler, Finanziers und Soldaten, die Geld in die Stadt brachten. Vor allem die Handwerksz\u00fcnfte sollten zum Wirtschaftsmotor und zur Basis f\u00fcr die sp\u00e4tere fr\u00fchindustrielle Fertigung werden. Es ist schwer zu sagen, wie sich die \u00dcbersiedlung der Residenz konkret auf Innsbrucks Bev\u00f6lkerungszahl auswirkte. Der Hofstaat Friedrichs brachte mit seiner neuen Art zu wirtschaften aber einen neuen Lifestyle mit sich. Gastwirtschaften er\u00f6ffneten und baten Abwechslung im Alltag. Fahrende Theater und Schauk\u00fcnstler kamen in die Stadt. Wie in vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten im deutschsprachigen Raum schwappte die Urbanisierung aus den italienischen L\u00e4ndern \u00fcber und brachte eine Spezialisierung der Berufswelt und noch st\u00e4rkerer Arbeitsteilung.<\/p>\n<p>Zuzug und die schnelle Ver\u00e4nderung des Sozialgef\u00fcges sorgten auch f\u00fcr Probleme. Die Xenophobie der abergl\u00e4ubischen, oft analphabetischen und wenig gebildeten Bev\u00f6lkerung nahm nicht im gleichen Tempo ab, wie sich die Zust\u00e4nde \u00e4nderten. Spannungen zwischen Alteingesessenen und neuen B\u00fcrgern, Handwerkern, H\u00e4ndlern, Bauern und Mitgliedern des Hofstaates waren Alltag im Innsbruck Friedrichs.<\/p>\n<p>Ob seiner vielen Auseinandersetzungen mit anderen F\u00fcrsten und dem Papst, seines Reichtums durch Z\u00f6lle und die Schwazer Minen und seines wohl exzentrischen Charakters galt Friedrich IV. seinen Zeitgenossen als eine Art Raubritter. Erst sp\u00e4ter erfuhr er durch die vielen Legenden, die sich seither um seine Person ranken, eine wohlwollendere Presse. So soll er als Bettler verkleidet durchs Land gezogen sein, um die wahre Meinung, die das Volk von ihm hatte, zu erfahren. Ab den von den Habsburgern seit dem 16. Jahrhundert in Auftrag gegebenen Berichten schneidet er wesentlich besser ab. Sein liebevoller Spitzname <em>Friedl mit der leeren Tasche<\/em> tr\u00e4gt dieses Image des gutm\u00fctigen, unbeholfenen Landesf\u00fcrsten Tirols bis ins Heute her\u00fcber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53495&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><em>Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/em> war es, der im 15. Jahrhundert Niklas T\u00fcring (1427 \u2013 1496) nach Innsbruck holte. 1488 trat er erstmals nachweislich in Erscheinung. Die T\u00fcrings waren eine Steinmetz- und Baumeisterfamilie aus dem heutigen Schwaben, das damals als Teil Vorder\u00f6sterreich zur Habsburgermonarchie geh\u00f6rte. Innsbruck war seit einigen Jahrzehnten Residenzstadt der Tiroler Landesf\u00fcrsten, der architektonische Glanz war aber noch nicht n\u00f6rdlich der Alpen angekommen. Die Stadt war eine Ansammlung von Holzh\u00e4usern und wenig repr\u00e4sentativ. F\u00fcr Handwerker und Baumeister brachen goldene Zeiten an, die unter Maximilian nochmals mehr an Fahrt aufnehmen sollte. Es kam zu einem wahren Bauboom. Aristokraten wollten einen Wohnsitz in der Stadt haben, um m\u00f6glichst nahe am Zentrum der Macht zu sein. Die Politik spielte sich in der Zeit vor Presse, funktionierendem Postwesen, Fax und E-Mail vor allem im direkten Kontakt ab.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings machten Karriere im Gleichschritt mit der Stadt. Aus dem Jahr 1497 wird berichtet, dass Niklas T\u00fcring als \u201ebesoldeter Hofmaurer\u201c in den Diensten des Landesf\u00fcrsten stand. Als er 1517 oder 1518 verstarb, so genau wei\u00df man das nicht, wurde er auf seinem Grabstein als \u201e<em>r\u00f6misch kaiserlicher Majest\u00e4t oberster Werkmeister<\/em>\u201c tituliert. Gemeinsam mit seinem Sohn Gregor wurde er als Steinmetzmeister gef\u00fchrt. Das erm\u00f6glichte den T\u00fcrings das B\u00fcrgerrecht in Innsbruck zu erwerben. Sp\u00e4testens 1506 hatten sie ein Haus im Arbeiter- und Handwerkerviertel <em>Anbruggen<\/em>. 1509 konnten sie das Haus des heutigen Gasthofs zum Lamm in der Mariahilfstra\u00dfe erwerben. Weiterer Immobilienbesitz kam in der heutigen Schlossergasse 21 hinzo.<\/p>\n<p>Die fr\u00fche Gotik und sp\u00e4ter die Renaissance hatte im Lauf des Sp\u00e4tmittelalters Europa mit einem neuen Verst\u00e4ndnis von Architektur und \u00c4sthetik in ein neues architektonisches Gewand getaucht. Bauten wie <em>Notre Dame<\/em> oder der <em>Minster of York<\/em> setzten den Trend, der ganz Europa bis zum Einsetzen des Barocks pr\u00e4gen sollte. Spitze T\u00fcrme, Rippengew\u00f6lbe, Erker und verspielte Schnitzereien, die den h\u00f6fischen Alltag darstellen sind einige typische Merkmale, die den heterogenen Stil erkennbar machen. Vor allem in der Altstadt kann man das Wirken der T\u00fcrings gut nachverfolgen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user wie das <em>Trautsonhaus<\/em> weisen heute noch gotische Grundrisse, Innenh\u00f6fe und Schnitzereien auf.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings pr\u00e4gten das gotische Innsbruck in der \u00dcbergangszeit zwischen Mittelalter und Fr\u00fcher Neuzeit. Durch ihre Ausbildung kombinierten sie einen Blick f\u00fcr das Gro\u00dfe Ganze und Details in ihren Bauprojekten. Sie waren bekannt f\u00fcr ihre besonders feine Steinarbeit, die kunstvolle Portale, Lauben, Treppen und Gew\u00f6lbe erm\u00f6glichte. Sie fertigten Reliefschmuck mit Mustern in der typischen Art der Renaissancekunst an. Grotesken, Vasen und Tierdarstellungen geh\u00f6rten zur typischen Art, Erker und glatte W\u00e4nde zu verzieren. Die symmetrische Anordnung der einzelnen Elemente ist ebenfalls ein Merkmal der Zeit.<\/p>\n<p>Auf Niklas T\u00fcring geht das <em>Goldene Dachl<\/em> zu einem guten Teil zur\u00fcck. Er schuf auch die Statue des <em>Burgriesen Haidl<\/em>, eines besonders gro\u00dfen Mitglieds der Leibgarde Siegmunds, die heute im Stadtturm zu besichtigen ist. Kaiser Maximilian sch\u00e4tzte ihn derart hoch ein, dass er es ihm gestattete das Familienwappen der T\u00fcrings und seiner Frau, einen Brunnen und einen Fisch, im Gew\u00f6lbe des <em>Goldenen Dachls<\/em> zu verewigen. Sein Sohn Gregor verewigte sich unter anderem mit dem <em>Trautsonhaus<\/em> in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe und am <em>Burgriesenhaus<\/em> in der Domgasse. Der letzte der T\u00fcrings mit Einfluss auf die Innsbrucker Bauszene war Niklas T\u00fcring der J\u00fcngere, der mit Andrea Crivelli gemeinsam die Planungen an der Hofkirche begann. Im 16. und 17. Jahrhundert begann der Einfluss der Gotik vor allem im heutigen \u00d6sterreich nachzulassen. Vor allem Kirchen wurden im Rahmen der Gegenreformation zunehmend im Barockstil um- und neugebaut. In Innsbrucks Osten erinnert heute die T\u00fcringstra\u00dfe an die fr\u00fchneuzeitliche Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog Friedrich Stra\u00dfe<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":1757,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,45,51,49,40,52,53,50],"tags":[],"class_list":["post-1720","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-baumeisterdynastie-tuering-innsbruck-wird-weltstadt","category-der-innsbrucker-hexenprozess-von-1485","category-friedrich-iv-innsbruck-wird-residenzstadt","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-maximilian-i-und-seine-zeit","category-reform-und-revolution-jakob-hutter-und-michael-gaismair","category-siegmund-der-muenzreiche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1720"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}