{"id":1816,"date":"2020-09-29T08:21:58","date_gmt":"2020-09-29T08:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1816"},"modified":"2026-01-12T12:05:16","modified_gmt":"2026-01-12T12:05:16","slug":"triumphpforte-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/triumphpforte-innsbruck\/","title":{"rendered":"Triumphpforte"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Triumphpforte<\/h2>\n<p>Maria-Theresienstra\u00dfe 46<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Triumphpforte-Innsbruck-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Triumphpforte Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Triumphpforte Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59688,65319,60671,61829,64313,60132&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Triumphpforte &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61914&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Triumphpforte&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59026&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Eine kaiserliche Hochzeit und ein kaiserlicher Todesfall innerhalb weniger Tage im Sommer 1765 machten Innsbruck f\u00fcr kurze Zeit zum Nabel Europas. Die Triumphpforte erinnert an die Vorg\u00e4nge, die sich in Innsbruck ereigneten.\u00a0 Am 5. August heiratete Maria Theresias Sohn Leopold in Innsbruck die spanische Prinzessin Maria Ludovica. F\u00fcr die aus S\u00fcdwesten und dem Osten Europas kommende Hochzeitsgesellschaft war Innsbruck ein idealer Treffpunkt, um das Gesch\u00e4ft zu beschlie\u00dfen und die Verbindung offiziell zu machen, hatte die ehemalige Residenzstadt doch bereits Erfahrung mit k\u00f6niglichen und f\u00fcrstlichen Hochzeiten. Bei dieser aber sollte alles schiefgehen, was nur irgendwie schiefgehen konnte. Das kulturelle Programm im kleinen Innsbruck konnte trotz aller Bem\u00fchungen nicht an den Geschmack der noblen Gesellschaft angepasst werden. Innsbruck war trotz seiner ruhmreichen Vergangenheit als Residenzstadt seit knapp 100 Jahren nur mehr ein Provinznest. Wechselhaftes Wetter und eine Magen-Darm-Grippe des Br\u00e4utigams tr\u00fcbten die Stimmung. Die Nachricht vom Tod eines Onkels der Braut trug auch nicht dazu bei, die allgemeine Laune zu heben. Der H\u00f6hepunkt der Ungl\u00fccksf\u00e4lle kam aber kurz nach der Hochzeit. Am 18. August starb der Vater des Br\u00e4utigams,\u00a0Kaiser Franz Stephan I. von Habsburg-Lothringen, an einem Schlaganfall.<\/p>\n<p>Eigentlich war die vorab h\u00f6lzerne Pforte nur als tempor\u00e4r festlich geschm\u00fcckter Eingang zur Stadt w\u00e4hrend der Hochzeit geplant. Diesen r\u00f6mischen Brauch des Triumphbogens bei wichtigen Events der kaiserlichen Herrscherfamilie wiederauferstehen zu lassen war nicht ungew\u00f6hnlich. Beim Besuch Kaiser Karls VI. errichtete man f\u00fcr den feierlichen Einzug in die Stadt ebenfalls einen Triumphbogen. Seine Tochter Maria Theresia lie\u00df 1774 ihren Triumphboten aber dauerhaft in Stein nach Vorbild des antiken Kaisers Constantin bauen, um sowohl an den Tod ihres Gatten wie auch die Hochzeit des Sohnes f\u00fcr immer zu erinnern. Der s\u00fcdliche Teil der Triumphpforte hin zur Leopoldstra\u00dfe, dr\u00fcckt die Freude \u00fcber die Hochzeit des sp\u00e4teren Kaisers Leopold II. aus.\u00a0Das Portr\u00e4t des Herrscherpaares wird flankiert von den Figuren der <em>Providentia Divina<\/em>, der g\u00f6ttlichen Vorsehung, und der <em>Constantia<\/em>, der Best\u00e4ndigkeit. Diese beiden Eigenschaften sahen die Habsburger als ganz entscheidend f\u00fcr ihre Dynastie an. Sie legitimierten die Macht ihres Hauses \u00fcber ihre Untertanen durch das Gottesgnadentum, der <em>Vorsehung<\/em>, auf der die <em>Best\u00e4ndigkeit<\/em> der Geschicke des Landes zum Wohl aller aufbaute. Am n\u00f6rdlichen Teil hin zur Maria-Theresien-Stra\u00dfe thront in barockem Pathos der Todesengel, der die Trauer \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Tod des Kaisers zeigen soll. Als Baumaterial dienten die Reste der Stadtmauer und das Abbruchmaterial des Vorstadttors am heutigen s\u00fcdlichen Altstadteingang, die 1765 der Modernisierung der Stadt zum Opfer fielen. Mit der Nordkette von S\u00fcden, dem <em>Palais Sarnthein<\/em> von Westen oder mit dem Winklerhaus von Osten im Hintergrund ist die Triumphpforte heute kein Erinnerungsort an die schlimmste Hochzeit in der Stadtgeschichte, sondern ein wunderbares Fotomotiv. Fr\u00fch aufzustehen, lohnt sich, ist der Verkehr unter Tags doch recht st\u00f6rend, um einen sch\u00f6nen Schnappschuss ergattern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53545&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Maria Theresia z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Figuren der \u00f6sterreichischen Geschichte. Obwohl sie oft als Kaiserin tituliert wird, war sie offiziell &#8222;nur&#8220; unter anderem Erzherzogin von \u00d6sterreich, K\u00f6nigin von Ungarn und K\u00f6nigin von B\u00f6hmen. Bedeutend waren ihre innenpolitischen Reformen. Viele davon betrafen konkret auch den Alltag der Innsbrucker in merklichem Ausma\u00df. Gemeinsam mit ihren Beratern Friedrich Wilhelm von Haugwitz, Joseph von Sonnenfels und Wenzel Anton Kaunitz schaffte sie es aus den sogenannten <em>\u00d6sterreichischen Erblanden<\/em> einen modernen Staat zu basteln. Anstatt der Verwaltung ihrer Territorien durch den ans\u00e4ssigen Adel setzte sie auf eine moderne Verwaltung. Ihre Berater hatten ganz im Stil der Aufkl\u00e4rung erkannt, dass sich das Staatswohl aus der Gesundheit und Bildungsgrad seiner Einzelteile ergab. Eine fr\u00fche Krankenreform Maria Theresias aus dem Jahr 1742 verpflichtete die Professoren des Fachbereichs Medizin an der Universit\u00e4t Innsbruck auch den Betrieb des Stadtspitals in der Neustadt sicherzustellen. Eine Schulreform ver\u00e4nderte die Bildungslandschaft innerhalb der Stadtmauern nicht nur thematisch, sondern auch \u00f6rtlich. Untertanen sollten katholisch sein, ihre Treue aber sollte dem Staat gelten. Schulbildung wurde unter zentrale staatliche Verwaltung gestellt. Es sollten keine kritischen, humanistischen Geistesgr\u00f6\u00dfen, sondern Material f\u00fcr den staatlichen Verwaltungsapparat erzogen werden. \u00dcber Milit\u00e4r und Verwaltung konnten nun auch Nichtadlige in h\u00f6here staatliche Positionen aufsteigen. Gleichzeitig sollten Reformen im Staatsdienst und in der Wirtschaft nicht nur mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Untertanen schaffen, sondern auch die Staatseinnahmen erh\u00f6hen. Gewichte und Ma\u00dfeinheiten wurden nominiert, um das Steuersystem undurchl\u00e4ssiger zu machen. F\u00fcr B\u00fcrger und Bauern hatte die Vereinheitlichung der Gesetze den Vorteil, dass das Leben weniger von Grundherren und deren Launen abhing. Auch der <em>Robot<\/em>, den Bauern auf den G\u00fctern des Grundherrn kostenfrei zu leisten hatten, wurde unter Maria Theresia abgeschafft. In Strafverfolgung und Justiz fand ein Umdenken statt. 1747 wurde in Innsbruck eine <em>kleine Polizei<\/em> eingesetzt, die sich um Angelegenheiten der Marktaufsicht, Gewerbeordnung, Fremdenkontrolle und \u00f6ffentliche Sittsamkeit k\u00fcmmerte. Das Strafgesetzbuch <em>Constitutio Criminalis Theresiana<\/em> schaffte die Folter zwar nicht ab, reglementierte aber deren Anwendung.<\/p>\n<p>So sehr sich Maria Theresia auch als fromme Landesmutter inszenierte und heute als Aufkl\u00e4rerin bekannt ist, die streng katholische Regentin war nicht zimperlich in Fragen von Macht und Religion. Im Trend der Zeit der Aufkl\u00e4rung lie\u00df sie Aberglauben wie den Vampirismus, der in den \u00f6stlichen Teilen ihres Reiches weit verbreitet war, kritisch untersuchen und leitete das endg\u00fcltige Ende der Hexenprozesse ein. Gleichzeitig aber wurden Protestanten von ihr gnadenlos des Landes verwiesen. Viele Tiroler mussten ihr Heimatgebiet verlassen und sich in weiter vom Zentrum entfernten Teilen des Habsburgerreiches niederlassen.<\/p>\n<p>In Kronl\u00e4ndern wie Tirol stie\u00dfen die Reformen Maria Theresias auf wenig Gegenliebe. Mit Ausnahme von ein paar Liberalen sah man sich mehr als eigenst\u00e4ndiges und autonomes Land und weniger als Teil eines modernen Territorialstaates. Auch dem Klerus gefiel die neue, untergeordnete Rolle, die sich unter Josef II. nochmals versch\u00e4rfte, nicht. F\u00fcr den lokalen Adel bedeuteten die Reformen nicht nur den Verlust von Bedeutung und Autonomie, sondern auch h\u00f6here Steuern und Abgaben. Steuern, Abgaben und Z\u00f6lle, die der Stadt Innsbruck stets verl\u00e4ssliche Einnahmen gebracht hatten, wurden nun zentral eingehoben und \u00fcber einen Finanzausgleich nur zum Teil r\u00fcckgef\u00fchrt. Um die Fallh\u00f6he f\u00fcr S\u00f6hne aus verarmten Adelsfamilien abzuschw\u00e4chen und sie f\u00fcr den Staatsdienst auszubilden, gr\u00fcndete Maria Theresie das <em>Theresianum<\/em>, das ab 1775 auch in Innsbruck eine Niederlassung hatte. Wie so oft b\u00fcgelte die Zeit manche Falte aus und Innsbrucker sind mittlerweile stolz darauf, eine der bedeutendsten Herrscherpers\u00f6nlichkeiten der \u00f6sterreichischen Geschichte beherbergt zu haben. Heute erinnern die Triumphpfote und die Hofburg in Innsbruck an die Theresianische Zeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Heilige R\u00f6mische Reich&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Heilige R\u00f6mische Reich&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53558&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Staat \u00d6sterreich ist eine recht junge Erfindung, ebenso die Staatsb\u00fcrgerschaft. \u00dcber mehr als 1000 Jahre war Innsbruck ein Land des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em>. Innsbrucker waren Untertanen des Kaisers. Und Untertanen des Tiroler Landesf\u00fcrsten. Und ihres Grundherrn. Falls sie das B\u00fcrgerrecht hatten, waren sie auch Innsbrucker. Und sehr wahrscheinlich auch Christen. Was sie nicht waren, zumindest nicht bis 1806, war \u00d6sterreicher. Was aber war dieses Heilige R\u00f6mische Reich. Und wer war der Kaiser? Und war er wirklich m\u00e4chtiger als der K\u00f6nig?<\/p>\n<p>Das Kaiserreich war ein Zusammenschluss einzelner L\u00e4nder, gepr\u00e4gt von Konflikten und Zankereien um Macht, sowohl zwischen den F\u00fcrsten des Reiches untereinander wie auch zwischen den F\u00fcrsten und dem Kaiser. Es hatte keine Hauptstadt. Das Zentrum des Reiches war dort, wo der Kaiser war, der seine Residenzen immer wieder \u00e4nderte. Kaiser Maximilian I. machte Innsbruck zu einer seiner Residenzst\u00e4dte, was einem Turbo f\u00fcr die Entwicklung der Stadt gleichkam. Nationalit\u00e4t und gef\u00fchlte Zugeh\u00f6rigkeit spielte f\u00fcr die Staatszugeh\u00f6rigkeit, bis ins 19. Jahrhundert weniger eine Rolle als heute.<\/p>\n<p>Das Christentum war das Band, das vieles zusammenhielt. Institutionen wie das Reichskammergericht oder der Reichstag wurden erst im sp\u00e4ten Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit eingef\u00fchrt, um die Verwaltung zu erleichtern und Streitigkeiten unter den einzelnen Landesf\u00fcrsten beizulegen. Die <em>Goldene Bulle<\/em>, die unter anderem die Wahl des Kaisers regelten, war eine sehr einfache Form einer fr\u00fchen Verfassung. Drei geistliche und 4 weltliche Kurf\u00fcrsten w\u00e4hlten ihr Oberhaupt. Im Reichstag hatten die F\u00fcrsten Sitz und Stimme, der Kaiser war von ihnen abh\u00e4ngig. Um sich durchzusetzen, bedurfte er einer starken Hausmacht. Die Habsburger konnten dabei unter anderem auf Tirol zur\u00fcckgreifen. Tirol war\u00a0 immer wieder Zankapfel zwischen den Habsburgern und den Herz\u00f6gen von Bayern, obwohl beide dem <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich<\/em> angeh\u00f6rten. Innsbruck stand mehrmals unter der Verwaltung bayerische F\u00fcrstengeschlechter.<\/p>\n<p>Die Hierarchie innerhalb des feudalen Lehensystems war streng geordnet vom Kaiser bis zum Bauern. Kaiser und K\u00f6nige erhielten Macht und Legitimation direkt von Gott. Das Feudalsystem war gottgewollt. Bauern, mehr als 90% der mittelalterlichen Bev\u00f6lkerung, arbeiteten am Feld, um den f\u00fcr das Seelenheil betenden Klerus und die f\u00fcr die Schutzlosen k\u00e4mpfenden und den Klerus besch\u00fctzende Aristokratie zu ern\u00e4hren. Es war eine Dreierbeziehung in der eine Seite Ordnung und Gebete f\u00fcr das Seelenheil der Menschheite, eine Seite Schutz, Leib und Leben und die dritte Seite Gehorsam, Treue und Arbeit einbrachten. Dieses Treueverst\u00e4ndnis mag uns Staatsb\u00fcrgern moderner Pr\u00e4gung fremd erscheinen, sind die Pflichten heutzutage \u00fcber Steuern, der Einhaltung von Gesetzen, Wahlen oder Pr\u00e4senzdienst abstrakter und wesentlich weniger pers\u00f6nlich. Bis ins 20. Jahrhundert hinein baute das Feudalsystem aber genau darauf auf. Treue basierte nicht wie die heutige Staatsb\u00fcrgerschaft auf einem Geburtsrecht. Der \u201e\u00f6sterreichische\u201c Milit\u00e4r Prinz Eugen mag franz\u00f6sischer Abstammung gewesen sein, trotzdem k\u00e4mpfte er in der Armee Leopolds I., des Kaisers des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> gegen Frankreich. Er war ein Untertan des Erzherzogs von \u00d6sterreich mit Wohnsitzen in Wien und Ungarn. W\u00e4hrend man geb\u00fcrtiger US-Amerikaner sein muss, um Pr\u00e4sident werden zu k\u00f6nnen, war aber auch umgekehrt der Herrscher nicht an eine angeborene Nationalit\u00e4t gebunden. Kaiser Karl V. wurde im heute belgischen Gent geboren, wuchs am burgundischen Hof auf, wurde spanischer K\u00f6nig, bevor er das Erzherzogtum \u00d6sterreich erbte und sp\u00e4ter zum Kaiser gew\u00e4hlt wurde. <em>Germanicus<\/em> zu sein bedeutete nicht, Deutscher zu sein, es bezog sich meist auf die Alltagssprache, die eine Person verwendete.<\/p>\n<p>Das R\u00f6mische im Deutschen war ein jahrhundertealtes Konzept. Als Karl der Gro\u00dfe im Jahr 800 in Rom zum R\u00f6misch-Deutschen Kaiser gekr\u00f6nt wurde, trat er das Erbe der r\u00f6mischen Kaiser mit g\u00f6ttlicher Legitimation durch die Salbung des Papstes an. und gleichzeitig als weltlicher Schutzherr des Papstes an. Der Kaiser war im Gegenzug die Schutzmacht des Heiligen Vaters auf Erden.\u00a0 Das <em>Heilige R\u00f6mische Reich<\/em> unter dem Mantel des Kaisers h\u00f6rte erst 1806 zu Zeiten der Napoleonischen Kriege auf zu existieren. Zentraleuropa begann sich ab dieser Zeit langsam in eine Ansammlung von Nationalstaaten nach dem Vorbild Frankreichs und Englands zu verwandeln. Die Idee des <em>R\u00f6mischen Reiches<\/em> ging auf die abenteuerliche, antike Vorstellung zur\u00fcck, dass das antike Rom weiter Bestand haben musste. F\u00fcr gl\u00e4ubige Christen war es laut der <em>Lehre der Vier Weltreiche<\/em> von enormer Wichtigkeit, dass das Kaisertum fortbestand. Grundlage der <em>Lehre der Vier Weltreiche<\/em> war das Buch Daniel des Alten Testaments. Laut dieser Geschichte tr\u00e4umte der babylonische K\u00f6nig Nebukadnezar von vier aufeinanderfolgenden Weltreichen. Mit dem Ende des vierten Weltreiches ginge dem Propheten nach auch die Welt unter. Der christliche Kirchenvater Hieronymus deutete diese vier Reiche um 400 nach Christus als die Abfolge Babylon, Persien, Griechenland und eben dem R\u00f6mischen Kaiserreich. Das Ende der r\u00f6mischen Herrschaft bedeutete im Glauben des Mittelalters gleichzeitig das Ende der Welt und somit durfte Rom nicht untergehen. \u00dcber diese sogenannte <em>Translatio Imperii<\/em>, also die \u00dcbertragung des Rechtsanspruchs des Imperium Romanum der Antike auf die R\u00f6misch Deutschen Kaiser nach Karl dem Gro\u00dfen, wurde die Best\u00e4ndigkeit Roms formell gewahrt und die Erde konnte fortbestehen. Dem Kaiser sei Dank, dass es uns heute noch gibt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria-Theresienstrasse 46<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59685,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[58,15,40,35],"tags":[],"class_list":["post-1816","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-heilige-roemische-reich","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-maria-theresia-landesmutter-und-reformatorin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1816"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1816\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}