{"id":1825,"date":"2020-09-29T08:45:23","date_gmt":"2020-09-29T08:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1825"},"modified":"2026-03-12T08:04:45","modified_gmt":"2026-03-12T08:04:45","slug":"ottoburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/ottoburg\/","title":{"rendered":"Ottoburg"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Ottoburg<\/h2>\n<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 1<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Ottoburg-Innsbruck.jpg&#8220; alt=&#8220;Ottoburg Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Ottoburg Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;56970,2138,69598,60450,60448,69454,69785&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Ottoburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61869&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ottoburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58881&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer von der Innbr\u00fccke in die Altstadt spaziert, passiert am Weg zum <em>Unteren Stadtplatz<\/em> linkerhand das Restaurant Ottoburg und das Anno Neun-Denkmal. Das heute beliebte Lokal war nicht immer eine Top-Adresse. Laut einer ersten, werbetauglichen These dazu war es Otto von Andechs, der dem Anwesen seinen Namen verpasste, wie \u00a0Beda Weber 1852 in seinem <em>Handbuch f\u00fcr Reisende in Tirol<\/em>: \u201c<em>Otto I., Graf von Andechs, umgab den offenen Ort mit Mauern und Th\u00fcrmen, und baute sich daselbst die Ottoburg im Jahre 1234.<\/em>\u201c Nicht weniger wahrscheinlich ist die zweite These zur Namensgebung. Bis 1840 befand sich direkt gegen\u00fcber am heutigen Herzog-Otto-Ufer eine der drei Fleischbanken der Stadt Innsbruck, bevor das Holzhaus abbrannte. Die <em>Metzgbank<\/em> war auf Pf\u00e4hlen \u00fcber dem Fluss errichtet worden. Auf alten Stadtveduten ist sie noch deutlich zu erkennen. F\u00fcr die Fleischhauer war der Platz praktisch, da Abf\u00e4lle direkt im Inn entsorgt werden konnten. Lange war es auch Sitte, sonstigen Hausrat und Abwasser direkt im Inn zu entsorgen, was f\u00fcr wenig erbauliche Ger\u00fcchte sorgte. Die Lage an der Stadtmauer mit Stadttor und M\u00fcllentsorgungsstelle schreckten potentielle Mieter und K\u00e4ufer ab. Die Innsbrucker Bev\u00f6lkerung taufte die heutige <em>Ottoburg<\/em> daher \u201e<em>\u00f6d burg<\/em>\u201c, nach dem nur noch selten gebr\u00e4uchlichen Wort f\u00fcr \u201eleer\u201c. Im Laufe der Zeit wurde aus der \u201e<em>\u00f6d Burg<\/em>\u201c die Otto Burg.\u00a0Sie erinnert demnach nicht an einen F\u00fcrsten, sondern an einen fr\u00fchen Leerstand am Innsbrucker Immobilienmarkt. Nach der Er\u00f6ffnung der Markthalle und des Fleischhofes im Saggen stieg der Wert der Ottoburg. 1911 kaufte mit Sebastian Kandler einer der Innsbrucker Tourismuspioniere die Ottoburg, lie\u00df sie renovieren und in ihr heutiges Aussehen bringen, um eine Gastwirtschaft zu er\u00f6ffnen. Der ehemalige Kaiserj\u00e4ger gab dem Aussehen des Hauses den bis heute bestehenden patriotischen Charakter, nicht nur wegen der rot-wei\u00df-roten Fensterl\u00e4den. Kandler stellte w\u00e4hrend dem Ersten Weltkrieg den Platz vor seinem Weinhaus der Kriegspropaganda zur Verf\u00fcgung. Das Denkmal \u201e<em>Vater und Sohn<\/em>\u201c des Tiroler K\u00fcnstlers Christian Plattner befindet sich bis heute an der Stelle. Es erinnert an die Tiroler Erhebung gegen die bayerisch-franz\u00f6sische Besatzung im Jahr 1809. 1905 lie\u00df der Gemeinderat das Denkmal aufstellen, um nach dem Kriegseintritt Italiens Stimmung gegen die <em>Wallschen<\/em> und Frankreich zu machen. In den Innsbrucker Nachrichten stand zu lesen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Anno Neun-Gruppe\u00a0von Christian Plattner, die bekanntlich von der Stadt angekauft wurde, geht nun endlich ihrer Aufstellung entgegen. Gegenw\u00e4rtig wird in der Nische hinter der Ottoburg der etwa drei Meter hohe, als Sockel gedachte Steinblock aufgestellt, der in den letzten Tagen vom H\u00f6ttinger Steinbruch heruntergeschafft worden ist. Die betonierte Unterlage f\u00fcr diesen Sockel war schon seit l\u00e4ngerer Zeit fertig. Da sich auch die in Erz gegossene Denkmalsgruppe bereits in Innsbruck befindet, wird wohl die Fertigstellung des Denkmals nicht mehr lange Zeit auf sich warten lassen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53390&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit der Napoleonischen Kriege bescherte dem Land Tirol ein nationales Epos und mit Andreas Hofer einen Helden, dessen Glanz bis in die heutige Zeit strahlt. Subtrahiert man allerdings die sorgsam konstruierte Legende vom Tiroler Aufstand gegen die Fremdherrschaft, war die Zeit vor und nach 1809 ein dunkles Kapitel in der Innsbrucker Stadtgeschichte, gepr\u00e4gt von wirtschaftlichen N\u00f6ten, Kriegsverheerung und mehreren Pl\u00fcnderungen. Das K\u00f6nigreich Bayern war w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege mit Frankreich verb\u00fcndet und konnte in mehreren Auseinandersetzungen zwischen 1796 und 1805 das Land Tirol von den Habsburgern \u00fcbernehmen. Innsbruck war nicht mehr Hauptstadt eines Kronlandes, sondern nur noch eine von vielen Kreishauptst\u00e4dten der Verwaltungseinheit <em>Innkreis<\/em>. Einnahmen aus Maut und Zoll sowie auf das Haller Salz verlie\u00dfen das Land Richtung Norden. Die britische Kolonialsperre gegen Napoleon hatte zur Folge, dass der stets florierende und Wohlstand bringende Innsbrucker Fernhandel und das Transportwesen als Wirtschaftszweige einbrachen. Innsbrucker B\u00fcrger mussten bayerische Soldaten in ihren H\u00e4usern einquartieren. Die Aufhebung der Tiroler Landesregierung, des Guberniums und des Tiroler Landtags bedeuteten aber nicht nur den Verlust von Status, sondern auch von Arbeitspl\u00e4tzen und finanziellen Mitteln. Ganz vom Geist der Aufkl\u00e4rung, der Vernunft und der Franz\u00f6sischen Revolution beseelt, machten sich die neuen Landesherren daran, die althergebrachte Ordnung umzukrempeln. W\u00e4hrend die Stadt, wie es zu jeder Zeit ist, unter dem Kriegstreiben finanziell litt, er\u00f6ffneten sich gesellschaftspolitisch durch den Umbruch neue M\u00f6glichkeiten. <em>Der Krieg ist der Vater aller Dinge<\/em>, vielen B\u00fcrgern kam der frische Wind nicht ungelegen. Moderne Gesetze wie die <em>Gassen-S\u00e4uberungs-Ordnung<\/em> oder eine verpflichtende Pockenimpfung sollten Sauberkeit und Gesundheit in der Stadt zutr\u00e4glich sein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts verstarb noch immer eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Menschen an Krankheiten, die auf mangelnde Hygiene und verseuchtem Trinkwasser zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Ein neues Steuersystem wurde eingef\u00fchrt und die Befugnisse des Adels weiter verringert. Die bayerische Verwaltung erlaubt das 1797 verbotene Vereinswesen wieder. Auch das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Kirche aus dem Bildungswesen gefiel liberalen Innsbruckern. So wurde der Benediktinerpater und sp\u00e4tere Mitbegr\u00fcnder des Musikvereins Innsbrucks Martin Goller wurde nach Innsbruck berufen, um die musikalische Ausbildung zu forcieren.<\/p>\n<p>Diese Reformen behagten einem gro\u00dfen Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung nicht. Katholische Prozessionen und religi\u00f6se Feste fielen dem aufkl\u00e4rerischen Programm der neuen Landesherren zum Opfer. 1808 wurde vom bayerischen K\u00f6nig f\u00fcr seinen gesamten Herrschaftsbereich das Gemeindeedikt eingef\u00fchrt. Die Untertanen wurden darin verpflichtet \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, Brunnen, Wege, Br\u00fccken und andere Infrastruktur in Stand zu halten. F\u00fcr die Tiroler Bauern, die seit Jahrhunderten von Fronarbeit gr\u00f6\u00dftenteils befreit waren, bedeutete das eine zus\u00e4tzliche Belastung und war ein Affront gegen ihren Standesstozl. Der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte, war die Aushebung junger M\u00e4nner zum Dienst in der bayrisch-napoleonischen Armee, obwohl Tiroler seit dem <em>Landlibell<\/em>, einem Gesetz Kaiser Maximilians, nur f\u00fcr die Verteidigung der eigenen Grenzen herangezogen werden durften. Am 10. April kam es bei einer Aushebung in Axams bei Innsbruck zu einem Tumult, der schlie\u00dflich zu einem Aufstand f\u00fchrte. <em>F\u00fcr Gott, Kaiser und Vaterland<\/em> kamen Abteilungen der Tiroler Landesverteidigung zusammen, um den kleinen Armeeteil und die Verwaltungsbeamten der Bayern aus Innsbruck zu vertreiben. Angef\u00fchrt wurden die Sch\u00fctzen von Andreas Hofer (1767 \u2013 1810), einen Wirt, Wein- und Pferdeh\u00e4ndler aus dem S\u00fcdtiroler Passeiertal bei Meran. Ihm zur Seite standen nicht nur weitere Tiroler wie Pater Haspinger, Peter Mayr und Josef Speckbacher, sondern im Hintergrund auch der Habsburger Erzherzog Johann.<\/p>\n<p>In Innsbruck angekommen pl\u00fcnderten die Sch\u00fctzen nicht nur offizielle Einrichtungen. Wie bereits beim Bauernaufstand unter Michael Gaismair war der Heldenmut nicht nur von Adrenalin, sondern auch von Alkohol befl\u00fcgelt. Der wilde Mob war f\u00fcr die Stadt wohl sch\u00e4dlicher als die bayrischen Verwalter seit 1805. Vor allem gegen b\u00fcrgerliche Damen und den kleinen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsanteil Innsbrucks kam es zu heftigen Ausschreitungen der \u201eBefreier\u201c.<\/p>\n<p>Im Juli 1809 hatten Bayern und Franzosen die Kontrolle \u00fcber Innsbruck nach dem mit den Habsburgern geschlossenen <em>Frieden von Znaim<\/em>, der vielen bis heute als Wiener Verrat am Land Tirol gilt, zur\u00fcckerlangt. Was nun folgte, war das, was als <em>Tiroler Erhebung<\/em> unter Andreas Hofer, der mittlerweile das Oberkommando \u00fcber die Tiroler Landesverteidigung \u00fcbernommen hatte, in die Geschichtsb\u00fccher eingehen sollte. Insgesamt drei Mal konnten die Tiroler Aufst\u00e4ndischen den Sieg vom Schlachtfeld tragen. Besonders bekannt ist die 3. Schlacht im August 1809 am Berg Isel. \u201e<em>Innsbruck sieht und h\u00f6rt, was es noch nie geh\u00f6rt und gesehen: eine Schlacht von 40.000 Kombattanten\u2026<\/em>\u201c F\u00fcr kurze Zeit war Andreas Hofer in Ermangelung regul\u00e4rer Tatsachen Oberkommandant Tirols, auch f\u00fcr zivile Angelegenheiten. Finanziell \u00e4nderte sich die missliche Lage Innsbrucks nicht. Anstelle der bayerischen und franz\u00f6sischen Soldaten mussten die Stadtb\u00fcrger nun ihre Landsleute aus dem Bauernregiment beherbergen und verk\u00f6stigen und Abgaben f\u00fcr die neue Landesregierung entrichten. Besonders die liberalen und verm\u00f6genden Eliten der Stadt waren nicht gl\u00fccklich mit den neuen Stadtherren. Die von ihm als Landeskommandant erlassenen Verordnungen erinnern eher an einen Gottesstaat als ein Gesetzwerk des 19. Jahrhunderts. Frauen durften nur noch z\u00fcchtig verh\u00fcllt auf die Stra\u00dfe gehen, Tanzveranstaltungen wurden verboten und freiz\u00fcgige Denkm\u00e4ler wie die am <em>Leopoldsbrunnen<\/em> zu besichtigenden Nymphen wurden aus dem \u00f6ffentlichen Raum verbannt. Bildungsagenden sollten wieder an den Klerus gehen. Liberale und Intellektuelle wurden verhaftet, daf\u00fcr wurde das <em>Rosenkranzbeten<\/em> zum Gebot. Am Ende gab es im Herbst 1809 in der vierten und letzten Schlacht am Berg Isel eine empfindliche Niederlage gegen die franz\u00f6sische \u00dcbermacht. Die Regierung in Wien hatte die Tiroler Aufst\u00e4ndischen vor allem als taktischen Prellbock im Krieg gegen Napoleon benutzt. Bereits zuvor hatte der Kaiser das Land Tirol offiziell im Friedensvertrag von Sch\u00f6nbrunn wieder abtreten m\u00fcssen. Innsbruck war zwischen 1810 und 1814 wieder unter bayrischer Verwaltung. Auch die Bev\u00f6lkerung war nur noch m\u00e4\u00dfig motiviert, Krieg zu f\u00fchren. Wilten wurde von den Kampfhandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf schrumpfte von \u00fcber 1000 Einwohnern auf knapp 700. Hofer selbst war zu dieser Zeit bereits ein von der Belastung dem Alkohol gezeichneter Mann. Er wurde gefangengenommen und am 20. Januar 1810 in Mantua hingerichtet. Zu allem \u00dcberfluss wurde das Land geteilt. Das Etschtal und das Trentino wurden Teil des von Napoleon aus dem Boden gestampften K\u00f6nigreich Italien, das Pustertal wurde den franz\u00f6sisch kontrollierten <em>Illyrischen Provinzen<\/em> angeschlossen.<\/p>\n<p>Der \u201e<em>Freiheitskampf<\/em>\u201c symbolisiert bis heute f\u00fcr das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Lange Zeit galt Andreas Hofer als unumstrittener Held und als Prototyp des wehrhaften, vaterlandstreuen und standhaften Tirolers. Der Underdog, der sich gegen die fremde \u00dcbermacht und unheilige Sitten wehrte. Tats\u00e4chlich war Hofer wohl ein charismatischer Anf\u00fchrer, ein politisch aber unbegabter und konservativ-klerikaler, simpler Geist. Seine Taktik bei der 3. Schlacht am Berg Isel \u201e<em>Grad nit aufferlassen tiat sie<\/em>\u201c (Ann.: Ihr d\u00fcrft sie nur nicht heraufkommen lassen) fasst sein Wesen wohl ganz gut zusammen. In konservativen Kreisen Tirols wie den Sch\u00fctzen wird Hofer unkritisch und kultisch verehrt. Das Tiroler Sch\u00fctzenwesen ist gelebtes Brauchtum, das sich zwar modernisiert hat, in vielen dunklen Winkeln aber noch reaktion\u00e4r ausgerichtet ist. Wiltener, Amraser, Pradler und H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen marschieren immer noch eintr\u00e4chtig neben Klerus, Trachtenvereinen und Marschmusikkapellen bei kirchlichen Prozessionen und schie\u00dfen in die Luft, um alles \u00dcbel von Tirol und der katholischen Kirche fernzuhalten. \u00dcber die Stadt verteilt erinnern viele Denkm\u00e4ler an das Jahr 1809. Die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erfuhr eine Heroisierung der K\u00e4mpfer, die als deutsches Bollwerk gegen fremde V\u00f6lkerschaften charakterisiert wurden. Der Berg Isel wurde der Stadt f\u00fcr die Verehrung der Freiheitsk\u00e4mpfer vom Stift Wilten, der katholischen Instanz Innsbrucks, zur Verf\u00fcgung gestellt. Andreas Hofer und seinen Mitstreitern Josef Speckbacher, Peter Mayer, Pater Haspinger und Kajetan Sweth wurden im Stadtteil Wilten, das in der Zeit des gro\u00dfdeutsch-liberal dominierten Gemeinderats 1904 zu Innsbruck kam und lange unter der Verwaltung des Stiftes gestanden hatte, Stra\u00dfennamen gewidmet. Das kurze Rote Gassl im alten Kern von Wilten erinnert an die Tiroler Sch\u00fctzen, die, in ihnen wohl f\u00e4lschlich nachgesagten roten Uniformen, dem siegreichen Feldherrn Hofer nach dem Sieg in der zweiten Berg Isel Schlacht an dieser Stelle in Massen gehuldigt haben sollen. In Tirol wird Andreas Hofer bis heute gerne f\u00fcr alle m\u00f6glichen Initiativen und Pl\u00e4ne vor den Karren gespannt. Vor allem im Nationalismus des 19. Jahrhunderts berief man sich immer wieder auf den verkl\u00e4rten Helden Andreas Hofer. Hofer wurde \u00fcber Gem\u00e4lde, Flugbl\u00e4tter und Schauspiele zur Ikone stilisiert. Aber auch heute noch kann man das Konterfei des Obersch\u00fctzen sehen, wenn sich Tiroler gegen unliebsame Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung, den Transitbestimmungen der EU oder der FC Wacker gegen ausw\u00e4rtige Fu\u00dfballvereine zur Wehr setzen. Das Motto lautet dann \u201e<em>Mannder, s\u00b4isch Zeit<\/em>!\u201c. Die Legende vom wehrf\u00e4higen Tiroler Bauern, der unter Tags das Feld bestellt und sich abends am Schie\u00dfstand zum Scharfsch\u00fctzen und Verteidiger der Heimat ausbilden l\u00e4sst, wird immer wieder gerne aus der Schublade geholt zur St\u00e4rkung der \u201eechten\u201c Tiroler Identit\u00e4t. Die Feiern zum Todestag Andreas Hofers am 20. Februar locken bis heute regelm\u00e4\u00dfig Menschenmassen aus allen Landesteilen Tirols in die Stadt. Erst in den letzten Jahrzehnten setzte eine kritische Betrachtung des erzkonservativen und mit seiner Aufgabe als Tiroler Landeskommandanten wohl \u00fcberforderten Sch\u00fctzenhauptmanns ein, der angestachelt von Teilen der Habsburger und der katholischen Kirche nicht nur Franzosen und Bayern, sondern auch das liberale Gedankengut der Aufkl\u00e4rung vehement aus Tirol fernhalten wollte.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 1<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":69785,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,39],"tags":[],"class_list":["post-1825","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-andreas-hofer-und-die-tiroler-erhebung-von-1809"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69785"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}