{"id":1833,"date":"2020-09-29T09:40:33","date_gmt":"2020-09-29T09:40:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1833"},"modified":"2025-12-10T09:43:41","modified_gmt":"2025-12-10T09:43:41","slug":"ballhaus-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/ballhaus-innsbruck\/","title":{"rendered":"Ballhaus"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Ballhaus Innsbruck<\/h2>\n<p>Ecke Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe \/ Kiebachgasse<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Ballhaus-Innsbruck.jpg&#8220; title_text=&#8220;Ballhaus Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ballhaus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58878&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Das schmale, gelbe Geb\u00e4ude an der heutigen Ecke Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe \/ Kiebachgasse war im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit als <em>Ballhaus<\/em> bekannt. Hier mussten durchziehende H\u00e4ndler ihre Warenballen w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes in Innsbruck einlagern und auf einen neuen Wagen laden. Anders als die restlichen Gassen der Altstadt wurde der Platz vor dem Ballhaus breit angelegt, um den Fuhrwerken Platz zum Halten und Umdrehen zu geben. Die Wagenz\u00fcge waren meist keine einzelnen kleinen Fahrzeuge, sondern bestanden aus bis zu 20-30 beladenen Fahrzeugen. F\u00fcr Innsbruck war das Ballhaus ein wichtiger Ort. Eine fr\u00fche, gesetzlich verankerte Form von Spedition und Fernhandel, das <em>Rodfuhrwesen<\/em>, regelte die Transitwirtschaft zwischen Venedig und Augsburg zu Gunsten von Stadt und Landesf\u00fcrst. Das <em>Rodfuhrwesen<\/em> war eine wichtige Einnahmequelle und Wirtschaftsfaktor. Die <em>Via Raetia<\/em> war einer der wenigen Alpen\u00fcberg\u00e4nge, die bereits im 14. Jahrhundert befestigt und mit W\u00e4gen befahrbar war. H\u00e4ndler, die nicht mit Saumtieren die Alpen \u00fcberquerten, passierten zu einem betr\u00e4chtlichen Teil Innsbruck. Die einzelnen Stationen des Transportwegs durch Tirol waren zwischen 20 und 40 km voneinander entfernt. Die n\u00e4chsten Stationen zu Innsbruck an den Handelsrouten nach S\u00fcden und Westen waren Matrei am Brenner und Telfs. Die Innsbrucker <em>Rodfuhrleute<\/em> hatten dieses Gebiet bis Mittenwald zu servicieren. H\u00e4ndler durften Waren nicht auf ihren eigenen Fuhrwerken transportieren, sondern mussten die \u00f6rtlichen Fuhrleute engagieren. Das erzeugte eine <em>Win-Win-Win-Situation<\/em> zwischen den Kaufleuten, der Stadt und den Innsbrucker B\u00fcrgern. Die H\u00e4ndler konnten sich auf die erfahrenen und ortskundigen Fuhrleute verlassen, die immer nur einen kleinen, ihnen bekannten Abschnitt zu bedienen hatte. Auch waren die verwendeten Zugtiere stets ausgeruht. Sie profitierten von h\u00f6herer Sicherheit unterwegs. Die bezahlten und bewaffneten Fuhrleute lotsten den Warenstrom bewaffnet vorbei an Gefahren und stellten sicher, dass niemand auf den gef\u00e4hrlichen Reiserouten \u00fcber die Alpen verloren ging. Die Fuhrleute stellten im Interesse der St\u00e4dte und Landesf\u00fcrsten auch sicher, dass die H\u00e4ndler keine Schleichwege benutzten, um so den Z\u00f6llen oder der Warenniederlage entlang der Route zu entgehen. Die \u00dcberwachung dieses <em>Niederlagsrechts<\/em>, das f\u00fcr erhebliche finanzielle Eink\u00fcnfte und viele Arbeitspl\u00e4tze sorgte, oblag der Stadtregierung. Es waren nicht nur die Fuhrleute, die am Rodfuhrwesen Arbeit hatten und verdienten. Auch Handwerker, Schmiede, Sattler und Gastwirte machten mit durchziehender Kundschaft gutes Geld. Fr\u00fch schon zog durch das Handelsaufkommen auch die Finanzwirtschaft in der Stadt ein. Italienische H\u00e4ndler hatten ihre Stationen und entwickelten mit ihren Wechseln erste Formen des Bankwesens. Innsbruck war nicht nur als Residenzstadt, sondern auch dank seiner Lage zwischen den deutschen und italienischen Gro\u00dfst\u00e4dten im fr\u00fchen Kapitalismus angekommen.<\/p>\n<p>Als im 16. Jahrhundert Venedig im \u00f6stlichen Mittelmeer nach der Entdeckung Amerikas an Bedeutung verlor, b\u00fc\u00dfte auch das Rodfuhrwesen an Bedeutung ein. Die Wirtschaftszentren Europas lagen nun am Atlantik, nicht mehr am Mittelmeer. Mit der Neuanlage der Brennerroute zwischen Innsbruck und Matrei \u00fcber den weniger steilen Sch\u00f6nberg in den 1580er Jahren unter Ferdinand II. konnte sich Innsbruck noch eine Zeit lang als Zentrum des Handelstransits halten. Im 18. Jahrhundert verlagerte sich auch der interne Handel des Habsburgerreiches in den Osten und wurde zwischen Triest und Wien \u00fcber die Salzburger Alpenp\u00e4sse abgewickelt. Innsbruck war mehr und mehr an den westlichen Rand des Reiches gewandert. Der Nord-S\u00fcd-Handel verlagerte sich Richtung Schweiz, wo die Z\u00f6lle g\u00fcnstiger waren. Man k\u00f6nnte im Falle der Innsbrucker Fuhrleute von den ersten Globalisierungsverlierern sprechen. Das System hielt sich trotzdem in geringerem Ma\u00dfe bis 1867 und kollabierte erst mit der Er\u00f6ffnung der Bahnstrecke \u00fcber den Brenner komplett.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Mittelalterliches und Fr\u00fchneuzeitliches Stadtrecht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Mittelalterliches und Fr\u00fchneuzeitliches Stadtreicht&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53384&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck, heute selbsternannte Weltstadt, hatte sich von einem r\u00f6mischen Castell \u00fcber ein Kloster, zu dem mehrere Weiler geh\u00f6rten zu einer Marktsiedlung und erst nach Hunderten von Jahren zu einer rechtlich anerkannten Stadt entwickelt. Mit dieser rechtlichen Anerkennung gingen Rechte und Pflichten einher. Verbunden mit dem vom Landesf\u00fcrsten verliehenen Stadtrecht war das Marktrecht, das Zollrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit. B\u00fcrger mussten im Gegenzug den B\u00fcrgereid leisten, der zu Steuern und Wehrdienst verpflichtete und die Stadt mit Mauer und Wehranlage sichern. Ab 1511 war der Stadtrat auch verpflichtet, laut dem <em>Landlibell<\/em> Kaiser Maximilians (83) ein Kontingent an Wehrpflichtigen im Falle der Landesverteidigung zu stellen. Dar\u00fcber hinaus gab es Freiwillige, die sich im <em>Freif\u00e4hnlein<\/em> der Stadt zum Kriegsdienst melden konnten, so waren zum Beispiel bei der T\u00fcrkenbelagerung Wiens 1529 auch Innsbrucker unter den Stadtverteidigern. Der Sold war vor allem f\u00fcr die \u00e4rmeren B\u00fcrger reizvoll. Die Stadtb\u00fcrger unterlagen damit nicht mehr direkt dem Landesf\u00fcrsten, sondern der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit, zumindest innerhalb der Stadtmauern. Das gefl\u00fcgelte Wort &#8222;<em>Stadtluft macht frei<\/em>&#8220; r\u00fchrt daher, dass man nach einem Jahr in der Stadt von allen Verbindlichkeiten seines ehemaligen Herrn frei war. Faktisch war es der \u00dcbergang von einem Rechtsystem in ein anderes. Um 1500 \u00e4nderte sich die Situation im Zuzug. Der Platz war eng geworden im neuen, rasch wachsenden Innsbruck unter Maximilian I. Es war nur noch freien Untertanen aus ehelicher Geburt m\u00f6glich, das Stadtrecht zu erlangen. Nicht mehr jeder durfte in die Stadt ziehen. Kaufleute und Finanziers verzichteten auf dieses Recht meist, war es doch mit allerhand Pflichten verbunden, die bei den mobilen Schichten dieser Zeit die Anreize weit \u00fcberstiegen. Um Stadtb\u00fcrger zu werden, mussten entweder Hausbesitz oder F\u00e4higkeiten in einem Handwerk nachgewiesen werden, an der die Z\u00fcnfte der Stadt interessiert waren. Diese Handwerksz\u00fcnfte \u00fcbten teilweise eine eigene Gerichtsbarkeit neben der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit unter ihren Mitgliedern aus. L\u00f6hne, Preise und das soziale Leben wurden von den Z\u00fcnften unter Aufsicht des Landesf\u00fcrsten geregelt. Man k\u00f6nnte von einer fr\u00fchen Sozialpartnerschaft sprechen, sorgten die Z\u00fcnfte doch auch f\u00fcr die soziale Sicherheit ihrer Mitglieder bei Krankheit oder Berufsunf\u00e4higkeit. Die einzelnen Gewerbe wie Schlosser, Gerber, Plattner, Tischler, B\u00e4cker, Metzger oder Schmiede hatten jeweils ihre Zunft, der ein Meister vorstand. Es waren soziale Strukturen innerhalb der Stadtstruktur, die gro\u00dfen Einfluss auf die Politik hatten, konnten sie das Wahlverhalten ihrer Mitglieder stark mitbestimmen. Handwerker z\u00e4hlten, anders als Bauen, zu den mobilen Schichten im Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit. Sie gingen nach der Lehrzeit auf die <em>Walz<\/em>, bevor sie sich der Meisterpr\u00fcfung unterzogen und entweder nach Hause zur\u00fcckkehrten oder sich in einer anderen Stadt niederlie\u00dfen. \u00dcber Handwerker erfolgte nicht nur Wissenstransfer, auch kulturelle, soziale und politische Ideen verbreiteten sich in Europa durch sie. Ab dem 14. Jahrhundert besa\u00df Innsbruck nachweisbar einen Stadtrat und einen B\u00fcrgermeister, der von der B\u00fcrgerschaft j\u00e4hrlich gew\u00e4hlt wurde. Es waren anderes als heute keine geheimen, sondern \u00f6ffentliche Wahlen, die allj\u00e4hrlich rund um die Weihnachtszeit abgehalten wurden. Da nicht jeder Einwohner B\u00fcrger war, kann man auch nicht von einer Demokratie sprechen, eher war es eine Wahl der Oberschicht, die ihre Vertreter w\u00e4hlte. Im <em>Innsbrucker Geschichtsalmanach<\/em> von 1948 findet man Aufzeichnungen \u00fcber die Wahl des Jahres 1598.<\/p>\n<p><em>Der Erhardstag, d.i. der 8. J\u00e4nner, spielte allj\u00e4hrlich im Leben der Innsbrucker B\u00fcrger eine gro\u00dfe Rolle. An diesem Tage versammelten sie sich zur Wahl der Stadtobrigkeit, n\u00e4mlich des B\u00fcrgermeisters, Stadtrichters, Gemeinredners und des zw\u00f6lfgliedrigen Rates\u2026. Ein genaues Bild \u00fcber den Ablauf dieser Wahlen in den Jahren 1598 bis 1607 vermittelt ein im Stadtarchiv verwahrtes Protocoll: \u201e\u2026 Das L\u00e4uten der gro\u00dfen Glocke rief Rat und B\u00fcrgerschaft auf das Rathaus und dann als ein ehrsamer Rat und ganze Gmein aufm Rathaus versammelt gwest, ist anfangs ein ehrsamer Rat in der Ratstuben zusammen gesessen und des n\u00e4chsten Jahr her gwesten B\u00fcrgermeisters, Augustin Tauschers, Urlaub angeh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister vertrat die Stadt gegen\u00fcber den anderen St\u00e4nden und dem Landesf\u00fcrsten, der die Oberherrschaft \u00fcber die Stadt je nach Epoche mal mehr, mal weniger intensiv aus\u00fcbte. Jeder Stadtrat hatte eigene, klar zugeteilte Aufgaben zu erf\u00fcllen wie die \u00dcberwachung des Marktrechts, die Betreuung des Spitals und der Armenf\u00fcrsorge oder die f\u00fcr Innsbruck besonders wichtige Zollordnung. Bei all diesen politischen Vorg\u00e4ngen sollte man sich stets in Erinnerung rufen, dass Innsbruck im 16. Jahrhundert etwa 5000 Einwohner hatte, von denen nur ein kleiner Teil das B\u00fcrgerrecht besa\u00df. Besitzlose, fahrendes Volk, Erwerbslose, Dienstboten, Diplomaten, Angestellte, ab dem 17. Jahrhundert Studenten, leider auch Frauen waren keine wahlberechtigten B\u00fcrger. Die Wahlen basierten also auf pers\u00f6nlichen Verbindlichkeiten und Bekanntschaften in dieser kleinen Gemeinde. Ebenfalls ab dem 14. Jahrhundert mussten die Steuern, die von den B\u00fcrgern gezahlt wurden, nicht mehr an den Landesf\u00fcrsten weitergegeben werden. Es gab eine fixe Abgabe von der Stadt an den Landesf\u00fcrsten. Welche Gruppe innerhalb der Stadt welche Steuer zu bezahlen hatte, konnte die Stadtregierung selbst festlegen. Die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben durfte die Stadt nach ihrem Gutd\u00fcnken verwalten. Zu den Ausgaben neben der Verteidigung geh\u00f6rte die Armenf\u00fcrsorge. Notleidende B\u00fcrger konnten in der \u201e<em>Siedelk\u00fcche<\/em>\u201c Speisen beziehen, so sie denn das B\u00fcrgerrecht hatten. Auch das Baurecht oblag der Stadtverwaltung. Wie in den meisten mittelalterlichen St\u00e4dten wurden die Holzbauten innerhalb der Stadtmauern h\u00e4ufiger als den Bewohnern lieb war zum Opfer von Flammen. Ein weiterer Punkt, der im Stadtrecht geregelt war, war das Marktrecht. Die Stadt hatte die Aufsicht \u00fcber die angebotenen Waren und deren Menge und Qualit\u00e4t. Das Brot wurde zum Beispiel vom \u201eB<em>roth\u00fcter<\/em>\u201c in der Brotbank im Rathaus gewogen, um Wucher, der unter Strafe stand, vorzubeugen. Interessanterweise konnte der Stadtrat auch \u00fcber den Pfarrer bestimmen. Seelsorge war ein echtes Bed\u00fcrfnis, die Qualit\u00e4t der Predigt oder des Chorgesanges deshalb sehr wichtig. Die Einhaltung der religi\u00f6sen Ordnung wurde ebenfalls von der Stadt \u00fcberwacht. Ketzer und theologisch Aufs\u00e4ssige wurden nicht von der Kirche, sondern der Stadtregierung gema\u00dfregelt und im Fall der F\u00e4lle auch in den Kerker verfrachtet.<\/p>\n<p>Neben den Steuern, die die B\u00fcrger zu entrichten hatten, war der Zoll eine wichtige Einnahmequelle Innsbrucks. Der Zoll wurde am Stadttor an der Innbr\u00fccke erhoben. Es gab zwei Arten von Z\u00f6llen. Der kleine Zoll richtete sich nach den Zugtieren des Wagens, der gro\u00dfe nach Art und Menge der Waren. Die Zolleinnahmen wurden zwischen Innsbruck und Hall geteilt. Hall hatte daf\u00fcr die Aufgabe, die Innbr\u00fccke in Stand zu halten. Mit der zunehmenden Zentralisierung unter Maria Theresia und Josef II. wurden Steuern und Z\u00f6lle nach und nach zentralisiert und von der Reichshofkammer eingehoben. Innsbruck verlor dadurch, wie viele Kommunen in dieser Zeit, Einnahmen in gro\u00dfer H\u00f6he, die nur bedingt \u00fcber Ausgleiche aufgefangen wurden.<\/p>\n<p>Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung war das Mittelalter keine rechtfreie Zeit der Willk\u00fcr. In Innsbruck, wie auch im Land Tirol, gab es einen Kodex, der Recht und Unrecht sowie Rechte und Pflichten von B\u00fcrgern sehr genau regelte. Diese Bestimmungen \u00e4nderten sich nach den Sitten der Zeit. Der Strafvollzug beinhaltete auch weniger humane Methoden als heutzutage \u00fcblich, es wurde aber nicht wahllos und willk\u00fcrlich gefoltert. Folter als Teil des Verfahrens in besonders schweren F\u00e4llen war aber ebenfalls geregelt. Verd\u00e4chtige und Verbrecher wurden im Innsbruck bis zum 17. Jahrhundert im Kr\u00e4uterturm an der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke der Stadtmauer, am heutigen Herzog-Otto-Ufer, festgehalten und traktiert. Die mittelalterlichen Gerichtstage wurden an der \u201e<em>Dingst\u00e4tte<\/em>\u201c im Freien abgehalten. Die Tradition des <em>Ding<\/em> reicht zur\u00fcck auf den altgermanischen <em>Thing<\/em>, bei dem sich alle freien M\u00e4nner versammelten um Recht zu sprechen. Der Stadtrat bestellte einen Richter, der f\u00fcr alle Vergehen zust\u00e4ndig war, die nicht dem Blutgericht unterlagen. Strafen reichten von Geldbu\u00dfen \u00fcber Pranger und Kerker. Eine Polizei gab es nicht, der Stadtrichter besch\u00e4ftigte aber Knechte und an den Stadttoren waren Stadtw\u00e4chter aufgestellt, um f\u00fcr Ruhe zu sorgen. Es war B\u00fcrgerpflicht, bei der Erfassung von Verbrechern mitzuhelfen. Selbstjustiz war verboten. Dem Blutrecht unterlagen die schweren Verbrechen wie Diebstahl, Mord oder Brandstiftung. \u00dcber diese Vergehen hatte weiterhin das Landesgericht zu bestimmen. Das Landesgericht war im Falle Innsbrucks auf der <em>Sonnenburg<\/em>, die sich s\u00fcdlich oberhalb Innsbrucks befand. Von 1817 \u2013 1887 war das <em>Leuthaus <\/em>beim Stift Wilten (67) der Sitz des Hofrichters. Die Richtst\u00e4tten befanden sich durch die Jahre an mehreren Orten, im Normalfall au\u00dferhalb der Stadtmauern. Auf einem H\u00fcgel im heutigen Stadtteil Dreiheiligen war lange Zeit neben der Landesstra\u00dfe, die hier vorbeif\u00fchrte, ein Galgen aufgestellt. Die Leichen wurden oft lange zur Abschreckung h\u00e4ngengelassen. Der <em>K\u00f6pflplatz<\/em> befand sich an der heutigen Weiherburggasse in <em>Anpruggen<\/em>. Es war nicht un\u00fcblich, dass der Verurteilte seinem Henker eine Art Trinkgeld zusteckte, damit sich dieser bem\u00fchte, m\u00f6glichst genau zu zielen, um so die Hinrichtung so schmerzlos wie m\u00f6glich zu gestalten. Aufsehenerregende Delinquenten wie der \u201eKetzer\u201c Jakob Hutter (87) oder die gefassten Anf\u00fchrer der Bauernaufst\u00e4nde von 1525 und 1526 wurden vor dem <em>Goldenen Dachl <\/em>publikumstauglich hingerichtet. \u201ePeinliche\u201c Strafen wie Vierteilen oder R\u00e4dern, vom lateinischen Wort <em>poena<\/em> abgeleitet, waren nicht an der Tagesordnung, konnten in speziellen F\u00e4llen aber angeordnet werden. Der Scharfrichter Innsbrucks war ab dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert zentralisiert f\u00fcr mehrere Gerichte zust\u00e4ndig und in Hall ans\u00e4ssig. Hinrichtungen waren eine Machtdemonstration der Obrigkeit und \u00f6ffentlich. Sie galt als eine Art der Reinigung der Gesellschaft von Verbrechern. Die Hingerichteten wurden au\u00dferhalb des geweihten Bereichs der Friedh\u00f6fe begraben.<\/p>\n<p>Mit der Zentralisierung des Rechts unter Maria Theresia (97) und Josef II im 18. und dem Allgemeinen B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch im 19. Jahrhundert unter Franz I. ging das Recht von St\u00e4dten und Landesf\u00fcrsten an den Monarchen und deren Verwaltungsorgane auf verschiedenen Ebenen \u00fcber. Unter Josef II. wurde die Todesstrafe kurzfristig sogar ausgesetzt. Die Folter war schon vorher abgeschafft worden. Die Aufkl\u00e4rung hatte die Vorstellung von Recht, Strafe und Resozialisierung grundlegend ver\u00e4ndert. War es bislang unter Strafe gestanden und teils mit dem Pranger oder Schlimmerem bestraft worden, wenn eine Frau ein uneheliches Kind zur Welt brachte, so war dies kein Strafbestand mehr. Die Kinder wurden katholischen Pflegeeltern oder einem Waisenhaus \u00fcbergeben. Die christliche Moral des Volkes zog noch lange nicht mit dem Gesetz nach. Frauen blieben, obwohl ein erheblicher Teil der Kinder unehelich war, bis weit ins 20. Jahrhundert ausgegrenzt. Goethes Faust erz\u00e4hlt unter anderem das Schicksal einer solchen Frau, die sich auf Grund der Scham umbrachte. Auch die Einhebung von Steuern wurde zentralisiert, was einen gro\u00dfen Bedeutungsverlust des lokalen Adels und eine Aufwertung der Beamtenschaft zur Folge hatte. Mit den neuen Rechtsvorstellungen ver\u00e4nderte sich nach und nach auch die Stadtlandschaft. Der Kr\u00e4uterturm als Kerker wurde obsolet, daf\u00fcr bedurfte es eines Zuchthauses, das heutige <em>Turnusvereinshaus<\/em>, in St. Nikolaus.<\/p>\n<p>Die Entwicklung des Rechtsystems hin zu dem, das wir heute in der Republik \u00d6sterreich und ihren St\u00e4dten haben, war ein langer Prozess. W\u00e4hrend der B\u00fcrgermeister und der Stadtrat noch immer gew\u00e4hlt werden, wird der Richter am Bezirksgericht ernannt. Die Mitarbeiter des Stadtmagistrats sind kaum noch Beamten und die Jungb\u00fcrgerfeier, zu der die Stadt ihre j\u00fcngsten Mitglieder zu deren Vollj\u00e4hrigkeit einl\u00e4dt, ist wenig feierlich oder gar bedeutsam. Es gibt auch keine Z\u00fcnfte mehr. Der Streit darum, wer ein \u201eechter\u201c Innsbrucker ist, und wer nicht, ist aber eine Kontinuit\u00e4t, die sich bis heute hartn\u00e4ckig zu halten vermag. Dass Migration und Austausch mit anderen immer schon die Garantie f\u00fcr Wohlstand waren und Innsbruck zu der lebenswerten Stadt gemacht haben, die sie heute ist, wird dabei leider oft vergessen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#E09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#E09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#E09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; border_width_all=&#8220;0px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;57292&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Was den meisten Besuchern Innsbrucks zuallererst auff\u00e4llt, sind die Berge, die die Stadt einzukesseln scheinen. Die Bergwelt ist nicht nur wundersch\u00f6n anzusehen, sondern beeinflusste schon immer vieles in der Stadt. Das f\u00e4ngt bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem Wetter an, wie uns der Blick des Schriftstellers und Politikers Beda Webers aus vergangenen Tagen beweist:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Eine eigene Erscheinung ist der warme Wind oder Scirocco. Er kommt aus dem S\u00fcden, prallt am Nordgebirge ab, und f\u00e4llt mit Gewalt ins Thal. Er macht gern Kopfweh, schmelzt aber die winterlichen Schneemasen schnell und bef\u00f6rdert die Fruchtbarkeit ungemein. Dadurch wird in Innsbruck die Pflanzung des Maises m\u00f6glich<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Dieses Wetterph\u00e4nomen mag seinen Namen von <em>Scirocco<\/em> auf F\u00f6hn ge\u00e4ndert haben und Verkehr war 1851 noch kein gro\u00dfes Problem. Genau wie der Innsbrucker Autofahrer heute jammerten aber mit Sicherheit der Hufschmied in der Altstadt im Jahr 1450 und der aus Mittelitalien in die Alpen abkommandierte Legion\u00e4r im Jahr 350 \u00fcber den warmen Fallwind, der mehrmals pro Monat alle verr\u00fcckt zu machen scheint. Waren fr\u00fcher die Menschen froh um die warme, den Schnee auf den Feldern schmelzende Luft, jammern Touristiker heute \u00fcber die aperen Skipisten auf der Seegrube.<\/p>\n<p>Die Lage zwischen dem Wipptal im S\u00fcden und der Nordkette beeinflusst nicht nur die Migr\u00e4neh\u00e4ufigkeit, sondern auch die Freizeitgestaltung der Innsbrucker, wie schon Weber ebenfalls erkannte. <em>&#8222;Die Einwohner zeichnen sich durch ihre Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit aus, sie lieben besonders Landausfl\u00fcge in der sch\u00f6nen Jahreszeit.\u201c<\/em> Man mag \u00fcber <em>Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit<\/em> der Innsbrucker streiten, Landausfl\u00fcge in Form von Wanderung, Skitour oder Radfahren erfreuen sich auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit. Kein Wunder, Innsbruck ist von Bergen umgeben. Innerhalb weniger Minuten kann man von jedem Ort in der Stadt aus mitten im Wald stehen. Junge Menschen aus ganz Europa verbringen ihre Studienzeit zumindest zu einem Teil an der Universit\u00e4t Innsbruck, nicht nur wegen der hervorragenden Professoren und Einrichtungen, sondern auch um ihre Freizeit auf den Pisten, Mountainbikerouten und Wanderwegen zu verbringen, ohne auf urbanes Flair vermissen zu m\u00fcssen.\u00a0Das ist Fluch und Segen zugleich. Die Universit\u00e4t als gro\u00dfer Arbeitgeber und Ausbildungsort kurbelt die Wirtschaft an, gleichzeitig steigen durch ausw\u00e4rtige Studenten die Lebenserhaltungskosten in der Stadt, die zwischen den Bergen eingeklemmt r\u00e4umlich nicht weiterwachsen kann.<\/p>\n<p>Der Aufstieg Innsbrucks zum Zentrum Tirols im 15. Jahrhundert ist ebenfalls zu einem gro\u00dfen Teil auf die Lage der Stadt zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Brennerpass ist sehr niedrig und erlaubt es, den Alpeng\u00fcrtel, der sich rund um Italiens Nordgrenze schl\u00e4ngelt, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach zu \u00fcberqueren. In den Zeiten vor die Eisenbahn Waren und Menschen m\u00fchelos von A nach B brachte, war die Alpen\u00fcberquerung harte Arbeit, der Brenner eine willkommene Erleichterung. Zwischen 1239 und 1303 war Innsbruck die einzige Stadt zwischen \u201e<em>Mellach und Ziller<\/em>\u201c im mittleren Inntal, die das landesf\u00fcrstliche Niederlagsrecht hatte. Hier mussten innerhalb des regulierten Rodfuhrwesens die Waren von einem Fuhrwerk auf das n\u00e4chste umgeladen werden, ein enormer Vorteil f\u00fcr die Innsbrucker Wirtschaft. Innsbruck war nicht ganz so reich wie Bozen und hatte bis ins fr\u00fche 15. Jahrhundert keine politische Bedeutung, wurde aber zu einem der wichtigsten Verkehrs- und Handelsknotenpunkte im Alpenraum Die ehemalige Landeshauptstadt Meran hatte langfristig in ihrer Abgelegenheit keine Chance gegen die Stadt am Inn zwischen Brenner, Scharnitz und Achenpass. Die Lage in den Alpen beg\u00fcnstigte auch den Tourismus, der sp\u00e4testens ab den 1860er Jahren Fu\u00df fassen konnte. Reisende sch\u00e4tzten die Kombination aus leichter Erreichbarkeit, st\u00e4dtischer Infrastruktur und alpinem Flair. Mit der Erschlie\u00dfung des Landes im Gebirge durch die Eisenbahn konnte man bequem anreisen, seine Freizeit in der Bergwelt oder einem der Kurb\u00e4der verbringen, ohne auf den Komfort des Stadtlebens verzichten zu m\u00fcssen. Sp\u00e4testens mit ihrer Z\u00e4hmung durch die Schienen waren die Alpen vom Problembereiter zum Wirtschaftsfaktor geworden. Vorbei waren die von der schwierigen Landwirtschaft gepr\u00e4gten Zeiten, der Feind von gestern wurde zum Heilsbringer.<\/p>\n<p>Neben den Bergen waren die Fl\u00fcsse ma\u00dfgeblich an der Entwicklung Innsbrucks beteiligt. Innsbrucks Trinkwasser kam seit den Zeiten Maximilians von der Nordkette \u00fcber eine Wasserleitung in die Stadt, f\u00fcr die sanit\u00e4re Versorgung waren Inn und Sill zust\u00e4ndig. Das Vieh wurde am Inn zur Tr\u00e4nke gef\u00fchrt, die W\u00e4sche gewaschen und Abf\u00e4lle aller Art, inklusive F\u00e4kalien von Mensch und Tier, entsorgt. Als die w\u00e4hrend der Industrialisierung zu wachsen begann, entstand am Sillspitz im Osten der Stadt eine erste M\u00fclldeponie, die sp\u00e4ter um eine weitere im Westen am heutigen Sieglanger erg\u00e4nzt wurde. Bis zur Verbesserung des Stra\u00dfennetzes im 16. Jahrhundert herrschte zwischen Telfs, Innsbruck und Hall reger Schiffsverkehr. Das Inntal war \u00fcber 1000 Jahre nach der r\u00f6mischen Besiedlung noch immer ein sumpfiger, von Auw\u00e4ldern durchzogener Landstrich. Siedlungen wie Wilten, Burgen wie die Festung \u00fcber Amras und Stra\u00dfen entstanden etwas vom Fluss entfernt auf Schwemmkegeln oder in Mittelgebirgsh\u00f6hen. Rund um Innsbruck wurden die Auen als Allmende der D\u00f6rfer genutzt. Je nach Wasserh\u00f6he standen Weideland und Brennholz zur Verf\u00fcgung und der Fluss konnte als Transportweg genutzt werden \u2013 oder eben nicht. Flurnamen wie <em>Am Gie\u00dfen<\/em> in der H\u00f6ttinger Au erinnern bis heute daran, dass der Inn am heutigen Stadtgebiet bis in die fr\u00fche Neuzeit ebenfalls nicht geb\u00e4ndigt, sondern mehr schlecht als recht kultvierte Wildnis war. \u00dcberschwemmungen waren immer wieder Folge des unregulierten Flusses. Zwischen 1749 und 1789 forderten mehrere Hochwasser in Innsbruck viele Tote.<\/p>\n<p>Auch der wirtschaftliche Schaden war immens. Die Innbr\u00fccke sp\u00fclte Zolleinnahmen in die Stadtkassa und war der Grund, warum die Siedlung zur Stadt werden konnte. Vom Tiroler Oberland wurde \u00fcber Jahrhundert hinweg Holz als Trift den Inn flussabw\u00e4rts geschickt. In Hall fischte ein Holzrechen an der Innbr\u00fccke das kostbare Treibgut aus dem Wasser. Innsbruck, vor allem aber die Salz- und Silberbergwerke in Hall und Schwaz ben\u00f6tigten den Werkstoff und Energietr\u00e4ger. Bei der Bergfahrt gegen den Strom ben\u00f6tigte man Pferdegespanne mit \u00fcber 20 Tieren, die auf den Treidelwegen genannten Trassen Waren flussaufw\u00e4rts zogen. Nahe Siedlungen und St\u00e4dten errichtete man befestigte Archen-Verbauungen, um den Fluss zumindest ein wenig zu z\u00e4hmen und die Beeintr\u00e4chtigung von Hochwasser und D\u00fcrre einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert f\u00f6rderten \u00d6konomisierung und Verwissenschaftlichung, die sich in allen Lebensbereichen bemerkbar machten, auch die Kultivierung der Landschaft. Von diesem Geist der Aufkl\u00e4rung erfasst, wurde auch die Optimierung des Inns als Transportweg und die Erh\u00f6hung der Wirtschaftlichkeit des verf\u00fcgbaren Bodens in Angriff genommen. Die Allmende entlang des Inn wurde mehr und mehr in die Obhut einzelner Grundherren gegeben, die die Urbarmachung dieses Schwemmlandes vorantrieben. Der Theresianische Staatsapparat wollte das Reich nicht nur am Landweg mit Stra\u00dfen, sondern auch \u00fcber die Hauptfl\u00fcsse verbinden. Die Verantwortung f\u00fcr Regulierung und Verbauung des Inns ging von den Gemeinden und der Saline Hall auf den Staat \u00fcber. Innsbrucks erster <em>Oberarcheninspektor<\/em> Franz Anton Rangger begann 1739 mit dem Kartografieren des Inns, um den Flusslauf durch Begradigungen und Verbauungen planbarer und schneller zu machen. Das Projekt der B\u00e4ndigung sollte mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen. Die Napoleonischen Kriege verz\u00f6gerten den Bau der Anlagen. Erst nach der wirtschaftlichen Not des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts war der Staat wieder in der Lage, das Projekt fortzusetzen. Blocksteind\u00e4mme ersetzten nach und nach die Archen-Verbauungen. Als der Inn geb\u00e4ndigt war, hatte die Eisenbahn die Schifffahrt als Transportweg abgel\u00f6st. Die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Verbauungswelle des Inns kam in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Das Olympische Dorf, die Autobahn und Siedlungen wie der Sieglanger ben\u00f6tigten Raum, das vorher dem Fluss vorenthalten war, um das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Fast genauso wichtig wie der Inn war der kleinere Fluss, der Innsbruck durchquert. Wo heute die Sill die Sillschlucht verl\u00e4sst, entstand der Sillkanal, der die Stadt mit Wasser versorgte. Als die Grafen von Andechs 1180 den Markt an der Innbr\u00fccke gr\u00fcndeten, bestand der Kanal bereits, war doch die M\u00fchle des Stiftes Wilten in St. Bartlm\u00e4 bereits in Betrieb. Von hier f\u00fchrte der Kanal weiter entlang der Route Karmelitergasse, Adamgasse, Salurnerstra\u00dfe, Meinhardstra\u00dfe, Sillgasse, Ing.-Etzel-Stra\u00dfe bis zur Pradler Br\u00fccke, wo sie sich wieder mit der Sill verband, um dann in den Inn zu flie\u00dfen. Anfangs vor allem zum Brandschutz gedacht, machten sich viele Betriebe an diesem k\u00fcnstlich angelegten Kanal das durch die Stadt flie\u00dfende Wasser bald f\u00fcr den Betrieb von M\u00fchlen zur Energiegewinnung dienstbar. Erst in den 1970er Jahren verschwanden die letzten Teile davon, nachdem Bombentreffer ihn w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs besch\u00e4digt hatten.<\/p>\n<p>Die letzte geographische Zutat zur Erfolgsgeschichte der Stadt ist der breite Talkessel, der die Entwicklung Innsbrucks beg\u00fcnstigte. Durch das St\u00e4dtewachstum und den Bev\u00f6lkerungsaufstieg stieg auch der Bedarf nach Nahrungsmitteln. W\u00e4hrend die Bauern in den h\u00f6hergelegenen Seitent\u00e4lern harte Bedingungen vorfanden, bot das Inntal fruchtbaren Boden und Fl\u00e4che f\u00fcr Viehzucht und Ackerwirtschaft. Bis ins Hochmittelalter war das Inntal wesentlich st\u00e4rker bewaldet. Im 13. Jahrhundert war es rund um Innsbruck wie in vielen Teilen Europas zu fr\u00fchen gro\u00dfen und langfristigen Eingriffen des Menschen f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke in die Natur gekommen. Anders als oft dargestellt, war das Mittelalter keine primitive Zeit des Stillstands. Ab dem 12. Jahrhundert verlie\u00df man sich nicht mehr auf Gebete und Gottes Gnade, um den Auswirkungen regelm\u00e4\u00dfig auftretender Ernteausf\u00e4lle zu entkommen. Innovationen wie die Dreifelderwirtschaft erm\u00f6glichten die Ern\u00e4hrung der landwirtschaftlich gesehen unproduktiven Stadtbev\u00f6lkerung, die man im modernen Sprachgebrauch als <em>Overhead<\/em> bezeichnen w\u00fcrde. Die Urbarmachung des Landes erlaubte das Wachstum der Stadt. Die St\u00e4dte wie Schwaz, Hall und Innsbruck konnten sich zwar nicht selbst ern\u00e4hren, und es bedurfte vor allem in der Fr\u00fchen Neuzeit w\u00e4hrend des Booms im Bergwerksbau erheblicher Lebensmittelimporte. Neben Fleisch war es lange vor allem Wein, der aus dem Ausland in die Grafschaft Tirol kam. Ohne die Bauern der Umgebung w\u00e4re Innsbruck aber nicht lebensf\u00e4hig gewesen. Der Mais, den Beda Weber schon 1851 im Innsbrucker Stadtbild f\u00fcr erw\u00e4hnenswert hielt, w\u00e4chst noch immer munter vor sich hin und gibt auch heute noch gro\u00dfen Fl\u00e4chen am Stadtrand einen landwirtschaftlichen Anstrich.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 3<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2139,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,37,111],"tags":[],"class_list":["post-1833","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-mittelalterliches-und-fruehneuzeitliches-stadtrecht","category-die-macht-der-geographie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1833"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1833\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2139"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}