{"id":1877,"date":"2020-09-29T11:19:42","date_gmt":"2020-09-29T11:19:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1877"},"modified":"2025-12-15T10:00:20","modified_gmt":"2025-12-15T10:00:20","slug":"vier-viecher-eck-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/vier-viecher-eck-innsbruck\/","title":{"rendered":"Vier-Viecher-Eck"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Vier-Viecher-Eck<\/h2>\n<p>Ecke Kiebachgasse \/ Seilergasse<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Kiebachgasse-Innsbruck-Vier-Viecher-Eck.jpg&#8220; alt=&#8220;Kiebachgasse Innsbruck Vier Viecher Eck&#8220; title_text=&#8220;Kiebachgasse Innsbruck Vier Viecher Eck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;61559,61558&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Vier-Viecher-Eck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61862&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Vier-Viecher-Eck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58864&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>In der heutigen Kiebachgasse befand sich an der Kreuzung mit der Seilergasse die Innsbrucker Ausgehmeile vergangener Tage. Es gab zwar Kleintierst\u00e4lle mit Vieh innerhalb der Stadtmauern, das <em>Vier-Viecher-Eck<\/em> bezog sich namentlich aber nicht auf die Tiere. Fr\u00fch in der Innsbrucker Stadtgeschichte siedelten sich hier Gastwirtschafen an. Wer sich heute gut positioniert, kann die vier sch\u00f6nen historischen Schilder auf einen Blick erkennen. Die Gasth\u00f6fe\u00a0<em>Goldener L\u00f6we, Goldener Hirsch, Roter Adler<\/em> und <em>Wei\u00dfes R\u00f6ssl<\/em>, die dem Ort den Namen gaben, waren f\u00fcr Durchreisende und H\u00e4ndler wichtige Rastst\u00e4tten nahe dem Warenverladungsplatz vor dem Ballhaus. Auch weniger beg\u00fcterte Einwohner verbrachten ihre Abende in den Gasth\u00e4usern. Wohnungen und H\u00e4user waren nicht als Treffpunkte geeignet, gab es doch kaum Platz, um G\u00e4ste zu empfangen. Gilt es heute als Privileg, ausw\u00e4rts zu essen, waren es im Mittelalter vor allem Menschen mit zweifelhaftem Ruf, die Kost und Logis in den Tavernen genossen. Wer es sich leisten konnte, hatte Personal, Vorratskammer, K\u00fcche und Kerzenlicht zu Hause, wer kein Geld hatte, ging in eine der Spelunken. Es gab weder Einzeltische noch Speisekarten, gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Brave B\u00fcrger oder gar Aristokraten konnten und wollten es sich nicht leisten, mit Ausl\u00e4ndern, fahrendem Volk und <em>Pofl<\/em> gesehen zu werden. Dementsprechend galt das <em>Vier-Viecher-Eck<\/em> als verruchte Gasse.<\/p>\n<p>Der schlechte Ruf ist dahin, die H\u00e4user des <em>Vier-Viecher-Ecks<\/em> haben in der einen oder anderen Form \u00fcberlebt. Das <em>Gasthaus zum Goldenen L\u00f6wen<\/em> wurde im 19. Jahrhundert saniert und tauschte sein gotisches Aussehen gegen eine dem damaligen Zeitgeist entsprechende Fassade im Stil des Historismus. Das <em>Wei\u00dfe R\u00f6ssl<\/em> ist bis heute eines der beliebtesten traditionellen Gasth\u00e4user der Stadt. Nicht nur Touristen, auch Einheimische lassen sich hier Schnitzel, Kasspatzln &amp; Co schmecken. Der <em>Goldene Hirsch<\/em> hingegen quittierte seinen Dienst als Gastst\u00e4tte nach beinahe 400 Jahren. Neben dem Schild erinnert noch eine Aufschrift an der Fassade des gotischen Geb\u00e4udes an die Zeit als Mitglied der Vier-Viecher-Bande. <em>Der Rote Adler<\/em> wurde 1920 in seine heutige, wenig zur restlichen Altstadt passende Form gebracht. Die darin untergebrachte Gastronomie fand drei Jahre sp\u00e4ter mit einer Betriebs\u00fcbergabe ihr Ende.<\/p>\n<p><em>\u201eWie die N. Ztg. (Anm: Neue Zeitung) erf\u00e4hrt, wurde der bekannte Gasthof \u201eRoter Adler\u201c, Kiebachgasse, vom bisherigen Besitzer Rindfleisch, der vor kurzem das nebenan liegende Hotel \u201eGoldener Adler\u201c erworben hat, an die Gro\u00dfhandelsfirma Schifferegger, Ischia u. Co, verkauft. Die neuen Besitzer planen die Auflassung des Gastwirtschaftsbetriebes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Familie Ischia ist bis heute Betreiber des Altstadthotels <em>Das Innsbruck<\/em> direkt gegen\u00fcber. Bei den letzten Umbauarbeiten verlor der <em>Rote Adler<\/em> leider sein Stra\u00dfenschild. Als Ersatz f\u00fcr ihn muss mittlerweile der <em>Goldene Adler<\/em>, den man am Ende der Kiebachgasse ersp\u00e4hen kann, als viertes Viech herhalten,<\/p>\n<p>Auch abseits der gastronomischen <em>Vier Viecher<\/em> war in dieser Ecke Innsbrucks einiges los. Die Stra\u00dfennamen deuten noch auf die handwerkliche und gewerbliche Vergangenheit hin, als Z\u00fcnfte noch das Sozialgef\u00fcge Innsbrucks pr\u00e4gten. In der Schlossergasse war neben der Metallverarbeitung am Rande der Altstadt auch das Bordell der Stadt zu finden, wohl positioniert am damaligen Stadtrand, um ausw\u00e4rtigen Besuchern, tugendhaften Ordensm\u00e4nnern, ehrbaren Soldaten, eifrigen Studenten und braven B\u00fcrgern m\u00f6glichst anonym Zugang zu gew\u00e4hren. Ein Handelsreisender lobte Innsbruck f\u00fcr die \u201e<em>\u2026hohe Qualit\u00e4t seiner Gastbetriebe, des Wein und der Dirnen<\/em>\u201c. Die heutige Seilergasse war als <em>Fleischergasse<\/em> bekannt, da sie zur Fleischbank bei der Innbr\u00fccke f\u00fchrte. An ihrem Ende stand <em>das Frauen- oder Pickentor<\/em>, an das nur noch eine kleine Tafel erinnert. Die Kiebachgasse war vor der Verlegung der F\u00fcrstenresidenz in den Neuhof unter Friedrich IV. die Hauptstra\u00dfe Innsbrucks. H\u00e4ndler, die von S\u00fcden her die Stadt betraten, erreichten durch die <em>Ballgasse<\/em> das Ballhaus, wo Waren verladen wurden. Die Kiebachgasse war unter mehreren Namen bekannt: <em>Ballhausgasse, Rindergasse<\/em> oder <em>Schulgasse <\/em>waren im Laufe der Zeit ebenfalls g\u00e4ngige Bezeichnungen. Der Namensgeber der Kiebachgasse war Josef Kiebach (1829 \u2013 1875). Er hatte ein kleines Verm\u00f6gen geerbt, das er nach seinem Tod dem Armenfonds der Stadt \u00fcberlie\u00df. Brennholz f\u00fcr die \u00c4rmsten und der Bau einer Volksk\u00fcche waren neben Spenden an die Feuerwehr und den <em>Vinzenzverein<\/em> die Verwendungszwecke der Kiebach\u00b4schen Schenkung. Bereits kurz nach seinem Tod wurde die kleine Gasse in der Altstadt nach Kiebach benannt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Big City Life im fr\u00fchen Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Mittelalterliches und Fr\u00fchneuzeitliches Stadtrecht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53562&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck hatte sich von einem r\u00f6mischen Castell w\u00e4hrend des Mittelalters zu einer Stadt entwickelt. Diese formale Anerkennung Innsbrucks als Stadt durch den Landesf\u00fcrsten brachte ein g\u00e4nzlich neues System f\u00fcr die B\u00fcrger mit sich. Marktrecht, Baurecht, Zollrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit gingen nach und nach auf die Stadt \u00fcber. Stadtb\u00fcrger unterlagen nicht mehr ihrem Grundherrn, sondern der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit, zumindest innerhalb der Stadtmauern. Das gefl\u00fcgelte Wort &#8222;<em>Stadtluft macht frei<\/em>&#8220; r\u00fchrt daher, dass man nach einem Jahr in der Stadt von allen Verbindlichkeiten seines ehemaligen Grundherrn frei war. B\u00fcrger konnten anders als unfreie Bauern und Dienstleute frei \u00fcber ihren Besitz und ihre Lebensf\u00fchrung verf\u00fcgen. Nat\u00fcrlich hatten sie Rechte und Pflichten zu erf\u00fcllen. B\u00fcrger lieferten zwar keinen Zehent ab, sondern bezahlten Steuern an die Stadt. Welche Gruppe innerhalb der Stadt welche Steuer zu bezahlen hatte, konnte die Stadtregierung selbst festlegen. Die Stadt wiederum musste diese Steuern nicht direkt abliefern, sondern konnte nach Abzug einer fixen Abgabe an den Landesf\u00fcrsten frei \u00fcber ihr Budget verf\u00fcgen. Zu den Ausgaben neben der Stadtverteidigung geh\u00f6rte die Kranken- und Armenf\u00fcrsorge. Notleidende B\u00fcrger konnten in der \u201e<em>Siedek\u00fcche<\/em>\u201c Speisen beziehen, so sie das B\u00fcrgerrecht hatten. Besondere Beachtung schenkte die Stadtregierung ansteckenden Krankheiten wie der Pest, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Einwohner marterte.<\/p>\n<p>Jeder B\u00fcrger musste im Gegenzug f\u00fcr seine Rechte den B\u00fcrgereid leisten. Dieser B\u00fcrgereid beinhaltete die Verpflichtung zur Abgabe von Steuern und Milit\u00e4rdienst. Neben der Stadtverteidigung wurden die B\u00fcrger auch au\u00dferhalb eingesetzt. 1406 stellte sich eine Abordnung gemeinsam mit S\u00f6ldnern einem Appenzeller Heer entgegen, um das Oberinntal zu verteidigen. Ab 1511 war der Stadtrat laut dem Landlibell Kaiser Maximilians auch verpflichtet ein Kontingent an Wehrpflichtigen f\u00fcr die Landesverteidigung zu stellen. Dar\u00fcber hinaus gab es Freiwillige, die sich im <em>Freif\u00e4hnlein<\/em> der Stadt zum Kriegsdienst melden konnten, so waren zum Beispiel bei der T\u00fcrkenbelagerung Wiens 1529 auch Innsbrucker unter den Stadtverteidigern.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurde der Platz eng im rasch wachsenden Innsbruck. Das B\u00fcrgerrecht wurde zu einem exklusiven Gut. Nur noch freien Untertanen aus ehelicher Geburt war es m\u00f6glich, das Stadtrecht zu erlangen. Um B\u00fcrger zu werden, mussten entweder Hausbesitz oder F\u00e4higkeiten in einem Handwerk nachgewiesen werden, an der die Z\u00fcnfte der Stadt interessiert waren. Der Streit darum, wer ein \u201eechter\u201c Innsbrucker ist, und wer nicht, h\u00e4lt sich bis heute. Dass Migration und Austausch mit anderen immer schon die Garantie f\u00fcr Wohlstand waren und Innsbruck zu der lebenswerten Stadt gemacht haben, die sie heute ist, wird dabei oft vergessen.<\/p>\n<p>Innsbruck hatte wegen dieser Beschr\u00e4nkungen eine g\u00e4nzlich andere soziale Zusammensetzung als die umliegenden D\u00f6rfer. Handwerker, H\u00e4ndler, Beamte und Dienstboten des Hofstaats bestimmten das Stadtbild. H\u00e4ndler waren oft fahrendes Volk, Beamte und Hofstaat kamen ebenfalls im Gefolge eines F\u00fcrsten f\u00fcr kurze Zeit nach Innsbruck und besa\u00dfen kein B\u00fcrgerrecht. Es waren die Handwerker, die einen gro\u00dfen Teil der politischen Macht innerhalb der B\u00fcrgerschaft aus\u00fcbten. Sie z\u00e4hlten, anders als Bauern, zu den mobilen Schichten im Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit. Sie gingen nach der Lehrzeit auf die <em>Walz<\/em>, bevor sie sich der Meisterpr\u00fcfung unterzogen und entweder nach Hause zur\u00fcckkehrten oder sich in einer anderen Stadt niederlie\u00dfen. \u00dcber Handwerker erfolgte nicht nur Wissenstransfer, auch kulturelle, soziale und politische Ideen verbreiteten sich durch sie. Die Handwerksz\u00fcnfte \u00fcbten teilweise eine eigene Gerichtsbarkeit neben der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit unter ihren Mitgliedern aus. Es waren soziale Strukturen innerhalb der Stadtstruktur, die gro\u00dfen Einfluss auf die Politik hatten. L\u00f6hne, Preise und das soziale Leben wurden von den Z\u00fcnften unter Aufsicht des Landesf\u00fcrsten geregelt. Man k\u00f6nnte von einer fr\u00fchen Sozialpartnerschaft sprechen, sorgten die Z\u00fcnfte doch auch f\u00fcr die soziale Sicherheit ihrer Mitglieder bei Krankheit oder Berufsunf\u00e4higkeit. Die einzelnen Gewerbe wie Schlosser, Gerber, Plattner, Tischler, B\u00e4cker, Metzger oder Schmiede hatten jeweils ihre Zunft, der ein Meister vorstand.<\/p>\n<p>Ab dem 14. Jahrhundert besa\u00df Innsbruck nachweisbar einen Stadtrat, den sogenannten <em>Gemain<\/em>, und einen B\u00fcrgermeister, der von der B\u00fcrgerschaft j\u00e4hrlich gew\u00e4hlt wurde. Es waren keine geheimen, sondern \u00f6ffentliche Wahlen, die allj\u00e4hrlich rund um die Weihnachtszeit abgehalten wurden. Im <em>Innsbrucker Geschichtsalmanach<\/em> von 1948 findet man Aufzeichnungen \u00fcber die Wahl des Jahres 1598.<\/p>\n<p><em>Der Erhardstag, d.i. der 8. J\u00e4nner, spielte allj\u00e4hrlich im Leben der Innsbrucker B\u00fcrger eine gro\u00dfe Rolle. An diesem Tage versammelten sie sich zur Wahl der Stadtobrigkeit, n\u00e4mlich des B\u00fcrgermeisters, Stadtrichters, Gemeinredners und des zw\u00f6lfgliedrigen Rates\u2026. Ein genaues Bild \u00fcber den Ablauf dieser Wahlen in den Jahren 1598 bis 1607 vermittelt ein im Stadtarchiv verwahrtes Protocoll: \u201e\u2026 Das L\u00e4uten der gro\u00dfen Glocke rief Rat und B\u00fcrgerschaft auf das Rathaus und dann als ein ehrsamer Rat und ganze Gmein aufm Rathaus versammelt gwest, ist anfangs ein ehrsamer Rat in der Ratstuben zusammen gesessen und des n\u00e4chsten Jahr her gwesten B\u00fcrgermeisters, Augustin Tauschers, Urlaub angeh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister vertrat die Stadt gegen\u00fcber den anderen St\u00e4nden und dem Landesf\u00fcrsten, der die Oberherrschaft \u00fcber die Stadt je nach Epoche mal mehr, mal weniger intensiv aus\u00fcbte. Jeder Stadtrat hatte eigene, klar zugeteilte Aufgaben zu erf\u00fcllen wie die \u00dcberwachung des Marktrechts, die Betreuung des Spitals und der Armenf\u00fcrsorge oder die f\u00fcr Innsbruck besonders wichtige Zollordnung. Der Konsum von Alkohol und das Verweilen in den Gastst\u00e4tten war zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich geregelt. \u00c4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten war es nicht nur zu teuer, sie durften auch nur zu gewissen Zeiten in die Gasth\u00e4user. So sollte \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Trunkenheit und dem Anbetteln der Oberschicht vorgebeugt werden. Der Stadtrat kontrollierte die Qualit\u00e4t und G\u00fcte der Speisen \u00e4hnlich einem fr\u00fchen Marktamt, waren St\u00e4dte doch an der Qualit\u00e4t ihrer Betriebe interessiert, um als Wirtschaftsstandort und f\u00fcr G\u00e4ste interessant zu sein. Bei all diesen politischen Vorg\u00e4ngen sollte man sich stets in Erinnerung rufen, dass Innsbruck im 16. Jahrhundert etwa 5000 Einwohner hatte, von denen nur ein kleiner Teil das B\u00fcrgerrecht besa\u00df. Besitzlose, fahrendes Volk, Erwerbslose, Dienstboten, Diplomaten, Angestellte, Frauen und Studenten waren keine wahlberechtigten B\u00fcrger. Zu w\u00e4hlen war ein Privileg der m\u00e4nnlichen Oberschicht.<\/p>\n<p>Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung war das Mittelalter keine rechtfreie Zeit der Willk\u00fcr. Auf kommunaler wie auch auf Landesebene, gab es Codices, die sehr genau regelten was erlaubt und was verboten war. Je nach Herrscher und gerade g\u00e4ngigen Moral- und Sittenvorstellungen konnte sich das sehr unterscheiden. Waffentragen, Fluchen, Prostitution, L\u00e4rmen, Musizieren, Gottesl\u00e4sterung, spielende Kinder \u2013 alles und jeder konnte dabei ins Visier der Ordnungsh\u00fcter kommen. Bezieht man die Regeln f\u00fcr Handel, Z\u00f6lle, Aus\u00fcbung des Berufes durch Gilden und Preisfestsetzungen f\u00fcr allerlei Waren durch den Magistrat mit ein, war das vor- und fr\u00fchmoderne Zusammenleben nicht weniger reguliert als heute. Der Unterschied waren Kontrolle und Durchsetzungskraft, die der Obrigkeit h\u00e4ufig nicht gegeben war.<\/p>\n<p>Wurde jemand bei unrechter oder unsittlicher Tat erwischt, gab es Gerichtsinstanzen, die Urteile f\u00e4llten. Die mittelalterlichen Gerichtstage wurden an der \u201e<em>Dingst\u00e4tte<\/em>\u201c im Freien abgehalten. Die Tradition des <em>Ding<\/em> geht zur\u00fcck auf den altgermanischen <em>Thing<\/em>, bei dem sich alle freien M\u00e4nner versammelten, um Recht zu sprechen. Der Stadtrat bestellte einen Richter, der f\u00fcr alle Vergehen zust\u00e4ndig war, die nicht dem Blutgericht unterlagen. Ihm zur Seite stand ein Kollegium aus mehreren Geschworenen. Strafen reichten von Geldbu\u00dfen \u00fcber Pranger und Kerker. Auch die Einhaltung der religi\u00f6sen Ordnung wurde von der Stadt \u00fcberwacht. \u201eKetzer\u201c und Querdenker wurden nicht von der Kirche, sondern der Stadtregierung gema\u00dfregelt.<\/p>\n<p>Der Strafvollzug beinhaltete auch weniger humane Methoden als heutzutage \u00fcblich, es wurde aber nicht wahllos und willk\u00fcrlich gefoltert. Folter als Teil des Verfahrens in besonders schweren F\u00e4llen war aber ebenfalls geregelt. Verd\u00e4chtige und Verbrecher wurden im Innsbruck bis zum 17. Jahrhundert im <em>Kr\u00e4uterturm <\/em>an der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke der Stadtmauer, am heutigen Herzog-Otto-Ufer, festgehalten und traktiert. Sowohl Verhandlung wie auch Strafverb\u00fc\u00dfung waren \u00f6ffentliche Prozesse. Dem Stadtturm stand das <em>Narrenh\u00e4usel<\/em>, ein K\u00e4fig, in den Menschen eingesperrt und zur Schau gestellt wurden. Auf dem h\u00f6lzernen <em>Schandesel<\/em> wurde man bei kleineren Vergehen durch die Stadt gezogen. Der Pranger stand in der Vorstadt, der heutigen Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Eine Polizei gab es nicht, der Stadtrichter besch\u00e4ftigte aber Knechte und an den Stadttoren waren Stadtw\u00e4chter aufgestellt, um f\u00fcr Ruhe zu sorgen. Es war B\u00fcrgerpflicht, bei der Erfassung von Verbrechern mitzuhelfen. Selbstjustiz war verboten.<\/p>\n<p>Die Zust\u00e4ndigkeiten zwischen st\u00e4dtischer und landherrschaftlicher Justiz war seit 1288 im Urbarbuch geregelt. \u00dcber schwere Vergehen hatte weiterhin das Landesgericht zu bestimmen. Diesem Blutrecht unterlagen Verbrechen wie Diebstahl, Mord oder Brandstiftung. Das Landesgericht f\u00fcr alle Gemeinden s\u00fcdlich des Inns zwischen Ampass und G\u00f6tzens war auf der <em>Sonnenburg<\/em>, die sich s\u00fcdlich oberhalb Innsbrucks befand. Im 14. Jahrhundert siedelte das Landgericht Sonnenburg an den Oberen Stadtplatz vor dem Innsbrucker Stadtturm, sp\u00e4ter ins Rathaus und in der fr\u00fchen Neuzeit nach G\u00f6tzens. Mit der Zentralisierung des Rechtes im 18. Jahrhundert kam das Gericht <em>Sonnenburg<\/em> zur\u00fcck nach Innsbruck und fand unter wechselnden Bezeichnungen sowie in wechselnden Geb\u00e4uden wie dem Leuthaus in Wilten, am Innrain oder am Ansitz Ettnau, bekannt als <em>Malfatti-Schl\u00f6ssl<\/em>, in der H\u00f6ttinger Gasse Unterschlupf.<\/p>\n<p>Der Scharfrichter Innsbrucks war ab dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert zentralisiert f\u00fcr mehrere Gerichte zust\u00e4ndig und in Hall ans\u00e4ssig. Die Richtst\u00e4tten befanden sich durch die Jahre an mehreren Orten. Auf einem H\u00fcgel im heutigen Stadtteil Dreiheiligen befand sich lange direkt an der Landesstra\u00dfe ein Galgen. Der <em>K\u00f6pflplatz<\/em> befand sich bis 1731 der heutigen Ecke Fallbachgasse \/ Weiherburggasse in <em>Anpruggen<\/em>. In H\u00f6tting stand der Galgen hinter der <em>Kapelle zum Gro\u00dfen Gott<\/em>. Die heutige Kapelle, die neben dem barocken Kruzifix Keramikfiguren des bekannten K\u00fcnstlers Max Spielmann (1906 \u2013 1984) tr\u00e4gt, wurde bei Stra\u00dfenarbeiten in den 1960er Jahren versetzt. W\u00e4hrend Spielmanns Denkmal <em>Totentanz<\/em> an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnert, konnten zum Tode Verurteilte am letzten Weg hier ein letztes Gebet zum Himmel schicken, bevor ihnen der Strick um den Hals gelegt oder der Kopf abgeschlagen wurde, je nach gesellschaftlichem Status und Art des Verbrechens. Es war nicht un\u00fcblich, dass der Verurteilte seinem Henker eine Art Trinkgeld zusteckte, damit sich dieser bem\u00fchte, m\u00f6glichst genau zu zielen, um so die Hinrichtung so schmerzlos wie m\u00f6glich zu gestalten. Viel konnte schiefgehen. Traf das Schwert nicht genau, wurde die Schlinge nicht sorgf\u00e4ltig umgelegt oder riss gar das Seil, erh\u00f6hte sich das Leiden des Verurteilten. F\u00fcr die Obrigkeit und \u00f6ffentliche Ordnung besonders sch\u00e4dliche Delinquenten wie der \u201eKetzer\u201c Jakob Hutter oder die gefassten Anf\u00fchrer der Bauernaufst\u00e4nde von 1525 und 1526 wurden vor dem <em>Goldenen Dachl <\/em>publikumstauglich hingerichtet. \u201ePeinliche\u201c Strafen wie Vierteilen oder R\u00e4dern, vom lateinischen Wort <em>poena<\/em> abgeleitet, waren nicht an der Tagesordnung, konnten in speziellen F\u00e4llen aber angeordnet werden. Hinrichtungen waren eine Machtdemonstration der Obrigkeit und \u00f6ffentlich. Sie galt als eine Art der Reinigung der Gesellschaft von Verbrechern und sollte als Abschreckung dienen. Gro\u00dfe Menschenmengen versammelten sich, um den Galgenvogel auf seinem letzten Weg zu begleiten. An der Universit\u00e4t wurde an den Hinrichtungstagen der Unterricht ausgesetzt, um den Studenten die Anwesenheit zu erm\u00f6glichen und sie zu l\u00e4utern. Die Leichen der Hingerichteten wurden oft h\u00e4ngengelassen und au\u00dferhalb des geweihten Bereichs der Friedh\u00f6fe begraben oder der Universit\u00e4t f\u00fcr Studienzwecke \u00fcberlassen. Die letzte \u00f6ffentliche Hinrichtung der \u00f6sterreichischen Geschichte fand 1868 statt. Zimperlich war man zwar auch dann nicht, ein Spektakel vor Publikum waren die T\u00f6tungen am W\u00fcrgegalten, der bis in die 1950er das Mittel der Wahl bei Hinrichtungen war, aber zumindest nicht mehr.<\/p>\n<p>Mit der Zentralisierung des Rechts unter Maria Theresia und Josef II im 18. und dem Allgemeinen B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch im 19. Jahrhundert unter Franz I. ging das Recht von St\u00e4dten und Landesf\u00fcrsten an den Monarchen und deren Verwaltungsorgane auf verschiedenen Ebenen \u00fcber. Die Folter wurde abgeschafft. Die Aufkl\u00e4rung hatte die Vorstellung von Recht, Strafe und Resozialisierung grundlegend ver\u00e4ndert. Auch die Einhebung von Steuern wurde zentralisiert, was einen gro\u00dfen Bedeutungsverlust des lokalen Adels und eine Aufwertung der Beamtenschaft zur Folge hatte. Mit der zunehmenden Zentralisierung unter Maria Theresia und Josef II. wurden auch Steuern und Z\u00f6lle nach und nach zentralisiert und von der Reichshofkammer eingehoben. Innsbruck verlor dadurch, wie viele Kommunen in dieser Zeit, Einnahmen in gro\u00dfer H\u00f6he, die nur bedingt \u00fcber Ausgleiche aufgefangen wurden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ecke Kiebachgasse \/ Seilergasse<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":61559,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,37,113],"tags":[],"class_list":["post-1877","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-mittelalterliches-und-fruehneuzeitliches-stadtrecht","category-historische-gaststaetten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1877"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1877\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/61559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}