{"id":1893,"date":"2020-09-29T12:50:16","date_gmt":"2020-09-29T12:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=1893"},"modified":"2025-12-15T09:39:24","modified_gmt":"2025-12-15T09:39:24","slug":"trautsonhaus-katzunghaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/trautsonhaus-katzunghaus\/","title":{"rendered":"Katzung &amp; Trautsonhaus &amp; Weinhaus Happ"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Cafe Katzung \/ Trautsonhaus \/ Weinhaus Happ<\/h2>\n<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 14 \/ 16 \/ 22<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;68093,68092,55881,1560,68091,1557,56498,61828,63424,57628&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Trautsonhaus und Cafe Katzung und Weinhaus Happ&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68310&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Trautsonhaus &#038; Cafe Katzung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Trautsonhaus und Katzunghaus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58858&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe befinden sich einige der sch\u00f6nsten gotischen Geb\u00e4ude Innsbrucks. Steinh\u00e4user l\u00f6sten im 15. Jahrhundert nach und nach die alten Holzbauten ab. Mit der Erhebung Innsbrucks zur landesf\u00fcrstlichen Residenzstadt ver\u00e4nderte sich das Publikum und der Wohlstand nahm zu. Die Immobilien sollten diesen neuen Status widerspiegeln. Es lohnt sich, die Fassaden, Erker, Reliefs und Fresken genauer unter die Lupe zu nehmen. Drei besonders sch\u00f6ne Exemplare befinden sich in der fr\u00fchneuzeitlichen H\u00e4userzeile gegen\u00fcber dem Stadtturm.<\/p>\n<p>Das <em>Katzunghaus<\/em> wurde 1455 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt. Sehenswert sind die 1530 von den T\u00fcrings gestalteten Reliefs am Erker des Geb\u00e4udes am Eck zur Riesengasse, die ein sp\u00e4tmittelalterliches Turnier zeigen. Heute beherbergt es das \u00e4lteste, durchgehend bestehende Kaffeehaus der Stadt. Hofzuckerb\u00e4cker Anton Georg Katzung \u00f6ffnete diese Innsbrucker Institution im Jahr 1793. Interessanterweise w\u00e4hlte er f\u00fcr sein Etablissement nicht wie Gastwirtschaften vorheriger Jahrhunderte Tiernamen wie Adler, B\u00e4r und Hirsch, sondern zog selbstbewusst seinen eigenen Namen heran. Die Besitzer nachfolgender Innsbrucker Kaffeeh\u00e4user und Konditoreien wie dem <em>Munding<\/em> und dem <em>Cafe Grabhofer<\/em> sollten es ihm gleichtun. Neu war an den Caf\u00e9s, dass es \u00f6ffentliche Orte waren, die das einheimische st\u00e4dtische B\u00fcrgertum als Hauptzielgruppe hatten. Anders als in den Gasth\u00f6fen, in denen vor allem Durchreisende logierten, konnten sich hier B\u00fcrgertum und Kleinadel treffen, ohne den Anschein des Verruchten zu erwecken. Auszugehen und sich in einer Gastst\u00e4tte zu zeigen wurde schicklich. Im <em>Katzung<\/em> stand erstmals ein Billardtisch einer breiten \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung, ein Vergn\u00fcgen, das bis dato der Aristokratie in ihren Salons und den Studenten aus der Upper Class an der Universit\u00e4t vorbehalten war. Neueren Datums ist der ikonische Schriftzug im Stil der 1950er Jahre an der Fassade.<\/p>\n<p>Ebenfalls sehenswert ist das <em>Trautsonhaus<\/em>. Namensgeber des Geb\u00e4udes war Erbmarschall Hans Freiherr von Trautson, der das Haus 1541 erwarb. Auch dieses Geb\u00e4ude entstammt der Baumeisterkunst Gregor T\u00fcrings. Die gotischen Erker aus Sandstein sind mit streng symmetrischen, kleinteiligen Verzierungen reich geschm\u00fcckt und geben einen guten Eindruck von der typischen Architektur der Zeit. Auch die Gew\u00f6lbe unter den Lauben entstammen der \u00dcbergangszeit zwischen Renaissance und Gotik. Der barocke Brunnen, der auf einer kleinen Empore steht, wurde 1806 unter bayerischer Verwaltung installiert und ist der letzte bis heute in seiner urspr\u00fcnglichen Form erhaltene Brunnen der Altstadt. Wo sich heute Touristen laben und G\u00e4ste des Christkindlmarktes die H\u00e4nde vom <em>Kiachlfett<\/em> oder Gl\u00fchwein befreien, wurden fr\u00fcher Obst, Gem\u00fcse und W\u00e4sche gewaschen. 1889 und nach den Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs wurde das Geb\u00e4ude wie viele der alten Gem\u00e4uer generalsaniert. W\u00e4hrend diesen Renovierungsarbeiten kamen die kunstvollen Malereien, die die Fassade bis heute schm\u00fccken, zum Vorschein. Einen kurzen Besuch wert ist der gotische Innenhof. Er zeigt die klassische Struktur der steinernen Innsbrucker Wohnh\u00e4user dieser Zeit mit Schacht und Aufgang.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Weinhaus Happ&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Weinhaus Happ&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58833&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Besonders gotisch, wenn auch nicht original aus dem 16. Jahrhundert ist das <em>Weinhaus Happ<\/em>. Ab dem 15. Jahrhundert florierte hier das Gesch\u00e4ft mit dem namensgebenden Rebensaft. 1427 erteilte der Tiroler Landesf\u00fcrst Friedrich IV. den Innsbrucker Wirten die Erlaubnis, Wein auszuschenken. Innsbruck war seit seinen fr\u00fchen Tagen ein wichtiger St\u00fctzpunkt f\u00fcr den Weinhandel Richtung Norden. Die Stadt befindet sich an der imagin\u00e4ren Grenze zwischen Bier- und Weingebiet. Im k\u00fchleren Nordeuropa trank man vor allem Bier, in den mediterranen L\u00e4ndern den dort gedeihenden Wein. Die Handelsstadt Innsbruck und die Trinkgewohnheiten seiner Einwohner wurden und werden von beiden Seiten entlang dieser <em>Wein-Bier-Linie<\/em> beeinflusst. 1783 schien das Geb\u00e4ude erstmals offiziell als Gastst\u00e4tte unter dem Bierwirt Martin Juffing auf. Nach zahlreichen Besitzerwechseln \u00fcbernahm der Namenspatron des Geb\u00e4udes Franz Happ 1874 das Lokal. Wie viele andere Geb\u00e4ude der Altstadt, war auch das <em>Weinhaus Happ<\/em> Ende des 19. Jahrhunderts nach langer Vernachl\u00e4ssigung der alten Gem\u00e4uer in elendem Zustand. Nach einem Totaleinsturz der Fassade musste es zum ersten Mal renoviert werden. Nach den schwierigen Kriegsjahren \u00fcbernahm Maria Schwarz 1921 das <em>Happ<\/em>. Nach und nach mauserte es sich zu einer Innsbrucker Institution. Wie in vielen Lokalen wurden auch im Gasthaus direkt neben dem <em>Goldenen Dachl<\/em> Theaterst\u00fccke aufgef\u00fchrt. In seine jetzige markante Erscheinungsform wurde das Weinhaus Happ sechs Jahre sp\u00e4ter gebracht. Der damals noch unbekannte Franz Baumann (1892 \u2013 1974) gestaltete das Haus innen und au\u00dfen komplett neu. Die Herausforderung lag in der Renovierung und Modernisierung des Geb\u00e4udes, ohne das Stadtbild zu st\u00f6ren. Seit kurzem hatte der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> gemeinsam der Bezirkshauptmannschaft das letzte Wort bei Bauprojekten an sensiblen Orten. Die Stadtplanung sollte nicht am Rei\u00dfbrett entstehen, sondern auf historische Ortskerne R\u00fccksicht nehmen. Baumann entwarf die Fassade im kubischen Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em>. Die kunstvoll geschnitzte, sehenswerte Eingangst\u00fcr, das weit ausladende Hausschild, das Stiegenhaus, die Gastr\u00e4ume und das Mobiliar plante er wie aus einem Guss. Anstatt einer vollvert\u00e4felten Stube setzte Baumann den Werkstoff Holz sparsamer ein. Es gelang ihm durch die Verwendung neuer Materialien den Tiroler Stil und die Gem\u00fctlichkeit der traditionellen Gaststube in die Moderne zu f\u00fchren. Der mittelachsige Erker war ein beliebtes Stilelement dieser Zeit, das von seinem Schwager Theodor Prachensky zum Beispiel auch beim Entwurf des Geb\u00e4udes \u00fcber dem Durchgang zur Sparkasse in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Die sich darin befindliche Stube wurde nach dem Aufstieg Baumanns zu einem der f\u00fchrenden Architekten seiner Zeit liebevoll in <em>Baumannstube<\/em> umbenannt. Auch die Fassadenmalereien des <em>Weinhaus Happ<\/em> stammen aus der Zwischenkriegszeit. 1937 wurden die s\u00fcdtirolerisch-b\u00e4uerlichen Motive, unter anderem ein Bild des Heiligen Urban, des Schutzheiligen der Winzer, von Erich Torggler angefertigt. Die verschiedenen klimatischen Bedingungen n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich des Alpenhauptkamms hatten unterschiedliche Arten des Anbaus zur Folge. W\u00e4hrend der Wein im S\u00fcden vor allem Exportgut war, musste Nordtirol Wein wie auch Weizen importieren. Die Interessen der Bauern der einzelnen Regionen waren als g\u00e4nzlich verschieden, was Z\u00f6lle anbelangte. Der Landesf\u00fcrst musste das Steuerwesen also immer wieder fein austarieren, um alle Interessen und Notwendigkeiten so gut als m\u00f6glich zu befriedigen. Das <em>Weinhaus Happ<\/em> kann als Symbol f\u00fcr die Unterschiede in der Landwirtschaft zwischen Tirol n\u00f6rdlich und Tirol s\u00fcdlich des Brenners gesehen werden bei gleichzeitiger, bis heute von vielen Menschen gef\u00fchlter Einheit des Landes.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kolonialwaren, Kaffee und Aufkl\u00e4rung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Kolonialwaren, Kaffee und Aufkl\u00e4rung&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68105&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Legende besagt, dass die T\u00fcrken, als sie 1683 Wien belagerten, zwei Dinge nach \u00d6sterreich brachten, die das Fr\u00fchst\u00fcck bis heute nachhaltig beeinflussen: Das halbmondf\u00f6rmige Kipferl und den Kaffee. Wie es tats\u00e4chlich geschah, dass das exotische Getr\u00e4nk seinen Weg von den Anbaugebieten in \u00dcbersee in die deutschsprachige Welt kam, ist wohl nicht mehr einwandfrei nachzuvollziehen, auf dem Schlachtfeld vor Wien zur\u00fcckgelassene S\u00e4cke voll mit Kaffeebohnen waren es aber wohl nicht. Zur\u00fcckzuf\u00fchren ist diese Urban Legend wohl auf den Zeitpunkt im sp\u00e4ten 17. Jahrhundert, als sich die Kaffeebohne als Genussmittel der politischen und wirtschaftlichen Elite in Europa zu etablieren begann. Es war die Epoche der gro\u00dfen Handelskompanien, der ersten B\u00f6rsen und der Philosophen, Rechtsgelehrten und \u00d6konomen der fr\u00fchen Aufkl\u00e4rung, in der der lukrative \u00dcberseehandel die Kaffeebohne und die sich daraus entwickelnden Wirtschaftszweige in die St\u00e4dte Europas brachte. Innsbruck war als Teil des Habsburgerreichs und Handelsstadt seit dem 16. Jahrhundert Teil des imperialen Business. Der Fernhandel war ein integraler Teil der Wirtschaft. Dank der Innbr\u00fccke und seiner g\u00fcnstigen Position war die Stadt seit dem 12. Jahrhundert in die europ\u00e4ischen Netzwerke eingebunden. Die wohlhabende Elite der Stadt, die \u00fcber den Stadtrat auch politischen Einfluss hatte, entstammte zu einem guten Teil aus der Schicht der H\u00e4ndler.<\/p>\n<p>Anfang des 18. Jahrhunderts erschien Kaffee zum ersten Mal in der Innsbrucker Gesetzgebung, was ein starkes Indiz daf\u00fcr ist, dass er die Schwelle zur Bedeutung innerhalb des Stadtgeschehens \u00fcberschritt. 1713 beschloss der Stadtrat den Kauf von Kaffee ausschlie\u00dflich in Apotheken zuzulassen. \u00c4hnlich wie <em>Red Bull<\/em> in den 1990er Jahren stand das exotische Getr\u00e4nk unter dem Verdacht des Anr\u00fcchigen. Als die Nachfrage im Klima der Aufkl\u00e4rung in der Zeit Kaiser Josefs II. stieg und das Genussmittel mehr und mehr in der Gesellschaft ankam, lockerte man die Regelungen. Kaffee war aber noch immer kein Alltagsgetr\u00e4nk, sondern ein exklusives und teures Vergn\u00fcgen exzentrischer Eliten. Spezereien, Gesch\u00e4fte f\u00fcr Gew\u00fcrze und Lebensmittel, begannen Kaffee zu verkaufen. Die noch immer bestehende Innsbrucker Kaffeemarke <em>Nosko<\/em> beansprucht als Nachfolgeunternehmen der 1751 er\u00f6ffneten Spezerei Josef Ulrich M\u00fcllers in der Seilergasse 18 den Titel der \u00e4ltesten R\u00f6sterei der Stadt f\u00fcr sich. Auch <em>Unterberger&amp;Comp Kolonialwaren<\/em>, die zweite bis heute bestehende Kaffeer\u00f6sterei Innsbrucks, nahm in einer Spezerei ihren Anfang. Jakob Fischnaller \u00fcbernahm ein seit 1660 in der Altstadt ans\u00e4ssiges Gesch\u00e4ft, in dem er ab 1768 Kaffee verkaufte.<\/p>\n<p>Mit den ersten Kaffeeschenkern Ende der 1750er begann der Siegeszug der Bohne. Die ersten Etablissements hatten noch wenig mit der heute weltweit bekannten Wiener Kaffeehauskultur zu tun. 1793 \u00f6ffnete das Cafe Katzung seine Pforten f\u00fcr das zahlungskr\u00e4ftige B\u00fcrgertum, das den \u00f6ffentlichen Raum mit Billardtisch und Zeitungsst\u00e4nder f\u00fcr sich zu erobern begann. 50 Jahre sp\u00e4ter gab es bereits 8 Kaffeeh\u00e4user im kleinen Innsbruck. Anders als traditionelle Gasth\u00e4user waren sie Symbol f\u00fcr einen neuen, urbanen und aufgekl\u00e4rten Lifestyle, ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Stadt und Umland. Lange Zeit waren Wein und Bier die Alltagsgetr\u00e4nke der Massen gewesen. Auch wenn der Wein im Mittelalter nicht besonders stark war, tr\u00fcbte er doch die Sinne. In der Arbeiterklasse waren Spirituosen, am Land selbstgebrannter Schnaps beliebt und problematisch gleicherma\u00dfen. Wer auf sich hielt, hielt sich davon fern. Kaffee hingegen machte wach und leistungsf\u00e4hig und beg\u00fcnstigte die neuen Tugenden der Arbeitsamkeit und des Flei\u00dfes. Der willige Untertan wurde in St\u00e4dten wie Innsbruck mehr und mehr vom kritischen, Zeitung lesenden B\u00fcrger abgel\u00f6st. Durch den Genuss der teuren Kolonialware konnte man sich als Connaisseur, der den billigen, mit allerhand F\u00fcllmaterial versetzten Sud von echtem Bohnenkaffee zu unterscheiden wusste und ihn sich leisten konnte, vom niederen <em>Pofl<\/em> abheben. Als Napoleon 1810 in den von ihm kontrollierten Territorien den Import Kaffee verbot, um die englische Wirtschaft, die auf dem Fernhandel basierte, zu schw\u00e4chen, kam es in ganz Europa zu heftigen Protesten. Feigen- und Zichorienkaffee als Ersatzprodukt erfreute sich, wie es sp\u00e4ter auch w\u00e4hrend der Weltkriege der Fall sein sollte, keiner besonderen Beliebtheit in der B\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p>Einen H\u00f6hepunkt des Kolonialwarenhandels, der die ausbeuterischen Gesch\u00e4ftsmodelle afrikanischer Kaffeeplantagen, amerikanischer Tabakplantagen und s\u00fcdamerikanischer Obstplantagen mit den Alpen verband, erreichte Innsbruck wie der gesamte deutschsprachige Raum ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, als der Wettlauf um Afrika der europ\u00e4ischen M\u00e4chte auf die Zielgerade einbog. 1900 gab es in Innsbruck um die 40 Kolonialwarenh\u00e4ndler. Dabei handelte es sich meistens um Spezereien und Gemischtwarenh\u00e4ndler, die unterschiedliche, in der Regel kostspielige G\u00fcter aus der ganzen Welt verkauften. Vor allem Genussmittel wie Rum, Tabak, Kakao, Tee und Kaffee oder exotische Fr\u00fcchte wie Bananen wurden als Kolonialwaren an das zahlungskr\u00e4ftige Innsbrucker B\u00fcrgertum verkauft. Ab dieser Zeit setzte sich auch die Wiener Kaffeehauskultur mit all ihren Eigenheiten endg\u00fcltig als Standard f\u00fcr die b\u00fcrgerliche Kultur der k.u.k. Monarchie durch. Egal wo man sich befand zwischen Innsbruck im Westen und Czernowitz im Osten des Riesenreiches, man konnte sich darauf verlassen, einen Bahnhof, ein angemessenes Hotel und ein Caf\u00e9haus mit deutschsprachigem Personal und \u00e4hnlicher Speisekarte und Einrichtung vorzufinden. Kaffeeh\u00e4user waren, anders als traditionelle Gastwirtschaften, Orte, an denen sich nicht nur Aristokratie und neue Eliten, sondern auch Mann und Frau, wenn auch h\u00e4ufig in getrennten Bereichen wie im Cafe Munding, aufhalten konnte.<\/p>\n<p>Weder Kaffeehauskultur noch die Kolonialwarengesch\u00e4fte verschwanden mit der Z\u00e4sur des Ersten Weltkrieges und dem Ende der Monarchie aus dem Alltag der Republik \u00d6sterreich. In den 1930er Jahren waren um die 60 dieser Gesch\u00e4fte in Innsbruck ans\u00e4ssig. Es gab noch keine Superm\u00e4rkte, die wie heute gro\u00dfe Gesamtsortimente hatten, Eink\u00e4ufe wurden noch immer an Markst\u00e4nden oder in kleinen L\u00e4den get\u00e4tigt. Die \u201e<em>Einkaufsvereinigung der Specerei- und Kolonialwaren-Gro\u00dfh\u00e4ndler Nordtirol Ges.m.b.H<\/em>\u201c. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der Ausdruck Kolonialwaren aus den Branchenb\u00fcchern der Stadt und wurden durch die Ausdr\u00fccke Kaffeer\u00f6sterei und Fruchtimport ersetzt. Gekommen, um zu bleiben ist nicht nur die Wiener Kaffeehauskultur. Mit dem Katzung, dem Munding und dem Central gibt es noch einige der \u00e4ltesten ihrer Art in Innsbruck. Die Firma Ischia vertreibt seit 1884 exotische Fr\u00fcchte in der Stadt und ist bis heute mit ihrem markanten Logo am Firmengeb\u00e4ude neben der neuen Stadtbibliothek prominent im Stadtbild vertreten. Ein Messingschild in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 26 und eine gro\u00dfe Version des Logos mit dem Handelsschiff an der Hauptverkehrsader Egger-Lienz-Stra\u00dfe beim Westbahnhof zeugen von der Pr\u00e4senz der Marke Unterberger. Wesentlich konfliktbeladener ist das Logo von Praxmarer Kaffee, das an einer Fassade in der Amraserstra\u00dfe einen knieenden Mohren mit dargebotener Tasse zeigt. Das Traditionsunternehmen selbst gibt es nicht mehr, mit dem Unternehmen Praxmarer Obst gibt es aber noch einen Handel f\u00fcr S\u00fcdfr\u00fcchte mit selbem Namen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Herrscherh\u00e4user und Imperien an ihr Ende, auch in Kunst, Musik, Literatur und Architektur ver\u00e4nderte sich in den 1920er Jahren vieles. W\u00e4hrend sich Jazz, atonale Musik und Expressionismus im kleinen Innsbruck nicht etablierten, ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild auf erstaunliche Art und Weise. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil, Wolkenkratzern aus den USA und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Allen gemeinsam war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten bis heute sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Der Theologe, Publizist und Kriegspropagandist Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent von Franz Baumann aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL. Hier lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen. Gemeinsam mit Baumanns Schwester Maria waren die beiden jungen M\u00e4nner auf Ausfl\u00fcgen in der Gegend rund um Innsbruck unterwegs, um Bilder der Bergwelt und Natur zu malen. W\u00e4hrend der Schulzeit sammelte er erste Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. 1910 folgte Baumann seinem Freund Prachensky nach Meran, um bei der Firma <em>Musch &amp; Lun<\/em> zu arbeiten. Meran war damals Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter dem Architekten Adalbert Erlebach machte er erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch Baumann aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Bilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Baumanns Durchbruch kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre. Er konnte die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t und dem Verm\u00f6gen ganzheitlich zu denken, kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit der Gesetzeslage und den modernen Anforderungen der Ausschreibungen der 1920er Jahre entgegen. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In seiner Zeit in Meran war Baumann schon mit dem <em>Heimatschutzverband<\/em> in Ber\u00fchrung gekommen. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein noch in den letzten Jahren der Monarchie gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht, die neue Anforderungen an Geb\u00e4ude und somit an das Baugewerbe richtete. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Das bedurfte neuer L\u00f6sungen in neuen H\u00f6hen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern eine komplette Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Der Tiroler Heimatschutzverband wachte dar\u00fcber, dass Natur und Ortsbilder von allzu modischen Str\u00f6mungen, \u00fcberbordendem Tourismus und h\u00e4sslichen Industriebauten gesch\u00fctzt wurden. Bauprojekte sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Alle technischen Funktionen und Details, die Einbettung der Geb\u00e4ude in die Landschaft unter Ber\u00fccksichtigung der Topografie und des Sonnenlichtes spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos von 1913:<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein.<\/p>\n<p>Ab 1927 war Baumann selbstst\u00e4ndig in seinem Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten t\u00e4tig. Immer wieder kam er dabei in Ber\u00fchrung mit seinem Schwager und Mitarbeiter des Bauamtes Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten die beiden ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>.<\/p>\n<p>Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand er die Wirtschaftskrise gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1934 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro wie die gesamte Wirtschaft in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde Baumann zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem er mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestattet diesen Berufstitel endlich tragen durfte. Im gleichen Jahr plante er die <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> im Westen der Stadt.<\/p>\n<p>Nach dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals mutig gegen den zerst\u00f6rerischen Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Durchzugsgebiet, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte nach Wusch von Gauleiter Franz Hofer eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Hofer wollte auch die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Die Stellungnahme Baumanns zu diesen Pl\u00e4nen fiel negativ aus. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen.<\/p>\n<p>Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die neuen Stadts\u00e4le (<em>Anm.: heute Haus der Musik<\/em>) gestaltet.<\/p>\n<p>Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;M\u00e4rz 1848&#8230; und was er brachte&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53495&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><em>Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/em> war es, der im 15. Jahrhundert Niklas T\u00fcring (1427 \u2013 1496) nach Innsbruck holte. 1488 trat er erstmals nachweislich in Erscheinung. Die T\u00fcrings waren eine Steinmetz- und Baumeisterfamilie aus dem heutigen Schwaben, das damals als Teil Vorder\u00f6sterreich zur Habsburgermonarchie geh\u00f6rte. Innsbruck war seit einigen Jahrzehnten Residenzstadt der Tiroler Landesf\u00fcrsten, der architektonische Glanz war aber noch nicht n\u00f6rdlich der Alpen angekommen. Die Stadt war eine Ansammlung von Holzh\u00e4usern und wenig repr\u00e4sentativ. F\u00fcr Handwerker und Baumeister brachen goldene Zeiten an, die unter Maximilian nochmals mehr an Fahrt aufnehmen sollte. Es kam zu einem wahren Bauboom. Aristokraten wollten einen Wohnsitz in der Stadt haben, um m\u00f6glichst nahe am Zentrum der Macht zu sein. Die Politik spielte sich in der Zeit vor Presse, funktionierendem Postwesen, Fax und E-Mail vor allem im direkten Kontakt ab.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings machten Karriere im Gleichschritt mit der Stadt. Aus dem Jahr 1497 wird berichtet, dass Niklas T\u00fcring als \u201ebesoldeter Hofmaurer\u201c in den Diensten des Landesf\u00fcrsten stand. Als er 1517 oder 1518 verstarb, so genau wei\u00df man das nicht, wurde er auf seinem Grabstein als \u201e<em>r\u00f6misch kaiserlicher Majest\u00e4t oberster Werkmeister<\/em>\u201c tituliert. Gemeinsam mit seinem Sohn Gregor wurde er als Steinmetzmeister gef\u00fchrt. Das erm\u00f6glichte den T\u00fcrings das B\u00fcrgerrecht in Innsbruck zu erwerben. Sp\u00e4testens 1506 hatten sie ein Haus im Arbeiter- und Handwerkerviertel <em>Anbruggen<\/em>. 1509 konnten sie das Haus des heutigen Gasthofs zum Lamm in der Mariahilfstra\u00dfe erwerben. Weiterer Immobilienbesitz kam in der heutigen Schlossergasse 21 hinzo.<\/p>\n<p>Die fr\u00fche Gotik und sp\u00e4ter die Renaissance hatte im Lauf des Sp\u00e4tmittelalters Europa mit einem neuen Verst\u00e4ndnis von Architektur und \u00c4sthetik in ein neues architektonisches Gewand getaucht. Bauten wie <em>Notre Dame<\/em> oder der <em>Minster of York<\/em> setzten den Trend, der ganz Europa bis zum Einsetzen des Barocks pr\u00e4gen sollte. Spitze T\u00fcrme, Rippengew\u00f6lbe, Erker und verspielte Schnitzereien, die den h\u00f6fischen Alltag darstellen sind einige typische Merkmale, die den heterogenen Stil erkennbar machen. Vor allem in der Altstadt kann man das Wirken der T\u00fcrings gut nachverfolgen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user wie das <em>Trautsonhaus<\/em> weisen heute noch gotische Grundrisse, Innenh\u00f6fe und Schnitzereien auf.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings pr\u00e4gten das gotische Innsbruck in der \u00dcbergangszeit zwischen Mittelalter und Fr\u00fcher Neuzeit. Durch ihre Ausbildung kombinierten sie einen Blick f\u00fcr das Gro\u00dfe Ganze und Details in ihren Bauprojekten. Sie waren bekannt f\u00fcr ihre besonders feine Steinarbeit, die kunstvolle Portale, Lauben, Treppen und Gew\u00f6lbe erm\u00f6glichte. Sie fertigten Reliefschmuck mit Mustern in der typischen Art der Renaissancekunst an. Grotesken, Vasen und Tierdarstellungen geh\u00f6rten zur typischen Art, Erker und glatte W\u00e4nde zu verzieren. Die symmetrische Anordnung der einzelnen Elemente ist ebenfalls ein Merkmal der Zeit.<\/p>\n<p>Auf Niklas T\u00fcring geht das <em>Goldene Dachl<\/em> zu einem guten Teil zur\u00fcck. Er schuf auch die Statue des <em>Burgriesen Haidl<\/em>, eines besonders gro\u00dfen Mitglieds der Leibgarde Siegmunds, die heute im Stadtturm zu besichtigen ist. Kaiser Maximilian sch\u00e4tzte ihn derart hoch ein, dass er es ihm gestattete das Familienwappen der T\u00fcrings und seiner Frau, einen Brunnen und einen Fisch, im Gew\u00f6lbe des <em>Goldenen Dachls<\/em> zu verewigen. Sein Sohn Gregor verewigte sich unter anderem mit dem <em>Trautsonhaus<\/em> in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe und am <em>Burgriesenhaus<\/em> in der Domgasse. Der letzte der T\u00fcrings mit Einfluss auf die Innsbrucker Bauszene war Niklas T\u00fcring der J\u00fcngere, der mit Andrea Crivelli gemeinsam die Planungen an der Hofkirche begann. Im 16. und 17. Jahrhundert begann der Einfluss der Gotik vor allem im heutigen \u00d6sterreich nachzulassen. Vor allem Kirchen wurden im Rahmen der Gegenreformation zunehmend im Barockstil um- und neugebaut. In Innsbrucks Osten erinnert heute die T\u00fcringstra\u00dfe an die fr\u00fchneuzeitliche Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Tirolische Nation, %22Demokratie%22 und das Herz Jesu&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tiroler Demokratie und das Herz Jesu&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53480&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Viele Tiroler sehen sich bis heute oft und gerne als eigene Nation. Mit \u201e<em>Tirol isch lei oans<\/em>\u201c, \u201e<em>Zu Mantua in Banden<\/em>\u201c und \u201e<em>Dem Land Tirol die Treue<\/em>\u201c besitzt das Bundesland gleich drei mehr oder weniger offizielle Hymnen. Dieser ausgepr\u00e4gte Lokalpatriotismus hat wie auch in anderen Bundesl\u00e4ndern historische Gr\u00fcnde. Oft wird die Tiroler Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit wie ein lokales Heiligtum herangezogen, um das zu untermauern. Gerne wird von der ersten Demokratie Festlandeuropas gesprochen, was wohl eine ma\u00dflose \u00dcbertreibung ist, betrachtet man die feudale und von Hierarchien gepr\u00e4gte Geschichte des Landes bis ins 20. Jahrhundert an. Eine gewisse Eigenheit in der Entwicklung kann man dem Land allerdings nicht absprechen, auch wenn es sich dabei weniger um Partizipation breiter Teile der Bev\u00f6lkerung als vielmehr die Beschneidung der Macht des Landesf\u00fcrsten von Seiten der lokalen Eliten handelte.<\/p>\n<p>Den ersten Akt stellte das dar, was der Innsbrucker Historiker Otto Stolz (1881 \u2013 1957) in den 1950ern in Anlehnung an die englische Geschichte \u00fcberschw\u00e4nglich als <em>Magna Charta Libertatum<\/em> feierte. Nach der Hochzeit des Bayern Ludwigs von Wittelsbach mit der Tiroler Landesf\u00fcrstin Margarete von Tirol-G\u00f6rz waren die bayrischen Wittelsbacher f\u00fcr kurze Zeit Landesherren von Tirol. Um die Tiroler Bev\u00f6lkerung auf seine Seite zu ziehen, beschloss Ludwig den Landst\u00e4nden im 14. Jahrhundert ein Zuckerl anzubieten. Im <em>Gro\u00dfen Freiheitsbrief<\/em> von 1342\u00a0versprach Ludwig den Tirolern keine Gesetze oder Steuererh\u00f6hungen zu erlassen, ohne sich nicht vorher mit den Landst\u00e4nden zu besprechen. Von einer demokratischen Verfassung im Verst\u00e4ndnis des 21. Jahrhunderts kann allerdings keine Rede sein, waren diese Landst\u00e4nde doch vor allem die adeligen, landbesitzenden Klassen, die dementsprechend auch ihre Interessen vertraten. In einer Ausfertigung der Urkunde war zwar davon die Rede, Bauern als Stand in den Landtag miteinzubeziehen, offiziell wurde diese Version allerdings nie.<\/p>\n<p>Als im 15. Jahrhundert St\u00e4dte und B\u00fcrgertum durch ihre wirtschaftliche Bedeutung mehr politisches Gewicht erlangten, entwickelte sich ein Gegengewicht zum Adel innerhalb der Landst\u00e4nde. Beim Landtag von 1423 unter Friedrich IV. trafen erstmals 18 Mitglieder des Adels auf 18 Mitglieder der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Nach und nach entwickelte sich in den Landtagen des 15. und 16. Jahrhundert eine feste Zusammensetzung. Vertreten waren die Tiroler Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient, die \u00c4bte der Tiroler Kl\u00f6ster, der Adel, Vertreter der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Den Vorsitz hatte der Landeshauptmann.\u00a0Nat\u00fcrlich waren die Beschl\u00fcsse und W\u00fcnsche des Landtags f\u00fcr den F\u00fcrsten nicht bindend, allerdings war es f\u00fcr den Regenten wohl ein beruhigendes Gef\u00fchl, wenn er die Vertreter der Bev\u00f6lkerung auf seiner Seite wusste oder schwere Entscheidungen mitgetragen wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Urkunde f\u00fcr das Land war das <em>Tiroler Landlibell<\/em>.\u00a0Maximilian hielt darin im Jahr 1511 unter anderem fest, Tiroler Soldaten nur f\u00fcr den Kriegsdienst zur Verteidigung des eigenen Landes heranzuziehen. Der Grund f\u00fcr Maximilians Gro\u00dfz\u00fcgigkeit war weniger seine Liebe zu den Tirolern als die Notwendigkeit die Tiroler Bergwerke am Laufen zu halten, anstatt die kostbaren Arbeiter und die sie versorgende Bauernschaft auf den Schlachtfeldern Europas zu verheizen. Dass im <em>Landlibell<\/em> gleichzeitig massive Einschr\u00e4nkungen der Bev\u00f6lkerung und h\u00f6here Belastungen einhergingen, wird oft gerne vergessen. Das <em>Landlibell<\/em> regelte neben der St\u00e4rke der Truppenkontingente auch die Sondersteuern, die eingehoben wurden. Adel und Klerus mussten den Kapitalertrag aus ihren L\u00e4ndereien als Steuerbasis heranziehen, was oft einer groben Sch\u00e4tzung gleichkam. St\u00e4dte hingegen wurden nach der Anzahl der Feuerst\u00e4tten in den H\u00e4usern besteuert, was recht genau erhoben werden konnte. Die begehrten Bergwerksarbeiter waren von diesen Steuern ausgenommen und mussten auch nur im \u00e4u\u00dfersten Notfall zum Heeresdienst antreten.<\/p>\n<p>Diese im Landlibell festgehaltene Sonderregelung bei der Landesverteidigung war einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erhebung von 1809, als junge Tiroler bei der Mobilisierung der Streitkr\u00e4fte im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht ausgehoben wurden.\u00a0Bis heute pr\u00e4gen die Napoleonischen Kriege, als das katholische Kronland von den \u201egottlosen Franzosen\u201c und der revolution\u00e4ren Gesellschaftsordnung bedroht wurde, das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Bei diesem Abwehrkampf entstand ein Bund zwischen Katholizismus und Tirol. Die Tiroler Sch\u00fctzen vertrauten ihr Schicksal vor einer entscheidenden Schlacht im Kampf gegen Napoleons Armeen im Juni 1796 dem Herzen Jesu an und schlossen einen Bund mit Gott pers\u00f6nlich, der ihr <em>Heiliges Land Tirol<\/em> beh\u00fcten sollte. Eine weitere identit\u00e4tsstiftende Legende des Jahres 1796 rankt sich um eine junge Frau aus dem Dorf Spinges. Katharina Lanz, die als die\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>\u00a0in die Landesgeschichte als identit\u00e4tsstiftende Nationalheldin einging, soll die beinahe geschlagenen Tiroler Truppen mit ihrem herrischen Auftreten im Kampf solcherart motiviert haben, dass sie schlussendlich den Sieg \u00fcber die franz\u00f6sische \u00dcbermacht davontragen konnten. Je nach Darstellung soll sie mit einer Mistgabel, einem Dreschflegel oder einer Sense \u00e4hnlich der franz\u00f6sischen Jungfrau Johanna von Orleans den Truppen Napoleons das F\u00fcrchten gelehrt haben. Legenden und Traditionen rund um die Sch\u00fctzen und das Gef\u00fchl, eine selbstst\u00e4ndige und von Gott auserw\u00e4hlte Nation zu sein, die zuf\u00e4llig der Republik \u00d6sterreich angeh\u00e4ngt wurde, gehen auf diese Legenden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die partikularen Identit\u00e4ten der einzelnen Kronl\u00e4nder entsprachen nicht dem, was sich aufgekl\u00e4rte Politik unter einem modernen Staatswesen vorstellten. Unter Maria Theresia erfuhr der Zentralstaat eine St\u00e4rkung gegen\u00fcber den Kronl\u00e4ndern und dem lokalen Adel. Das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Untertanen sollte nicht dem Land Tirol, sondern dem Haus Habsburg gelten. Im 19. Jahrhundert wollte man die Identifikation mit der Monarchie st\u00e4rken und ein Nationalbewusstsein entwickeln. Die Presse, Besuche der Herrscherfamilie, Denkm\u00e4ler wie der Rudolfsbrunnen oder die Er\u00f6ffnung des Berg Isels mit Hofer als kaisertreuem Tiroler sollten dabei helfen, die Bev\u00f6lkerung in kaisertreue Untertanen zu verwandeln.<\/p>\n<p>Als nach dem Ersten Weltkrieg das Habsburgerreich zusammenbrach, zerbrach auch das Kronland Tirol. Das, was man bis 1918 als S\u00fcdtirol bezeichnete, der italienischsprachige Landesteil zwischen Riva am Gardasee und Salurn im Etschtal, wurde zum Trentino mit der Hauptstadt Trient. Der deutschsprachige Landesteil zwischen Neumarkt und dem Brenner ist heute S\u00fcdtirol \/ Alto Adige, eine autonome Region der Republik Italien mit der Hauptstadt Bozen.<\/p>\n<p>Innsbrucker f\u00fchlten sich durch die Jahrhunderte hindurch als Tiroler, Deutsche, Katholiken und Untertanen des Kaisers. Als \u00d6sterreicher aber f\u00fchlte sich vor 1945 kaum jemand. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann sich auch in Tirol langsam ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu \u00d6sterreich zu entwickeln. Bis heute aber sind viele Tiroler vor allem stolz auf ihre lokale Identit\u00e4t und grenzen sich gerne von den Bewohnern anderer Bundesl\u00e4nder und Staaten ab. F\u00fcr viele Tiroler stellt der Brenner nach \u00fcber 100 Jahren noch immer eine <em>Unrechtsgrenze<\/em> dar, auch wenn man im <em>Europa der Regionen<\/em> auf EU-Ebene politisch grenz\u00fcberschreitend zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Die Legende vom <em>Heiligen Land<\/em>, der unabh\u00e4ngigen <em>Tirolischen Nation<\/em> und ersten Festlanddemokratie h\u00e4lt sich bis heute. Das Bonmot \u201e<em>bisch a Tiroler bisch a Mensch, bisch koana, bisch a Oasch<\/em>\u201c fasst den Tiroler Nationalismus knackig zusammen. Dass das historische Kronland Tirol mit Italienern, Ladinern, Zimbern und R\u00e4toromanen ein multiethnisches Konstrukt war, wird dabei in rechtsgerichteten Kreisen gerne \u00fcbersehen. Gesetze aus der Bundeshauptstadt Wien oder gar der EU in Br\u00fcssel werden bis heute skeptisch betrachtet. Nationalisten zu beiden Seiten des Brenners bedienen sich noch heute der\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>, dem Herzen Jesu und Andreas Hofers, um ihre Anliegen publikumstauglich anzubringen. Die <em>S\u00e4cularfeier des Bundes Tirols mit dem g\u00f6ttlichen Herzen Jesu<\/em> wurde noch im 20. Jahrhundert unter gro\u00dfer Anteilnahme der politischen Elite gefeiert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 14\/ 16 \/ 22<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":1560,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[36,20,45,61,41,152,113,169],"tags":[],"class_list":["post-1893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1796-1866-vom-herzen-jesu-bis-koeniggraetz","category-altstadt","category-baumeisterdynastie-tuering-innsbruck-wird-weltstadt","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-tiroler-demokratie-und-das-herz-jesu","category-der-keiner-war","category-historische-gaststaetten","category-kolonialwaren-kaffee-und-aufklarung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1893"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1893\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}