{"id":2110,"date":"2020-10-02T05:02:16","date_gmt":"2020-10-02T05:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=2110"},"modified":"2026-04-08T07:15:17","modified_gmt":"2026-04-08T07:15:17","slug":"schloss-ambras","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/schloss-ambras\/","title":{"rendered":"Schloss Ambras"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Schloss Ambras<\/h2>\n<p>Schlo\u00dfstra\u00dfe 12-20<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/IMG_8176-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Schloss Ambras&#8220; title_text=&#8220;Schloss Ambras&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;65568,65569,58283,60483,59513,60371,59327,2114,60477,2372,65982,68162,70010&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Schloss Ambras&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62030&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Schloss Ambras&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59310&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Schloss Ambras ist das Highlight der Renaissancekultur in Innsbruck. Die Highlights eines Besuches sind neben der kostenfreien Besichtigung der gro\u00dfen Gartenanlagen bei einem Spaziergang die R\u00fcstkammer und die noch heute umfassende Gem\u00e4ldesammlung, der Innenhof mit seinen gotischen Wandmalereien, der prunkvolle <em>Spanische Saa<\/em>l, das Badezimmer Philippine Welsers und die reich ausgestattete St. Nikolauskapelle aus dem 19. Jahrhundert. Die Geschichte des Schlosses f\u00fchrt von den Anf\u00e4ngen Innsbrucks bis ins 20. Jahrhundert. Schon im fr\u00fchen Mittelalter stand eine Befestigungsanlage am Ort des heutigen Schloss Ambras. Die Grafen von Andechs hatten eine Burg errichtet, die 1133 bei einer Fehde zwischen Otto II. von Andechs und Herzog <em>Heinrich dem Stolzen<\/em> von Bayern im Rahmen des Investiturstreits zwischen Staufern und Welfen zerst\u00f6rt wurde. Dabei ging es um die Frage, ob Papst oder K\u00f6nig Bisch\u00f6fe ihres Vertrauens einsetzen d\u00fcrfen. F\u00fcr die Andechser war die Frage wichtig, waren sie als V\u00f6gte doch vom Wohlwollen der jeweiligen Kirchenpolitiker abh\u00e4ngig, um ihre \u00c4mter und Lehen zu behalten.<\/p>\n<p>Auf den Ruinen der Burg entstand im 13. Jahrhundert erneut eine Burg, die wenig mit dem heutigen Schloss gemeinsam hatte. Der Tiroler Landesf\u00fcrst Siegmund lie\u00df die Anlage f\u00fcr seine Frau Katharina von Sachsen etwas komfortabler umbauen. Die Transformation von der Wehranlage zum Wohnschloss begann. Sein Nachfolger Maximilian verpf\u00e4ndete die Burg an Wilhelm Schurff (1484 \u2013 1556), den Bruder seines Truchsesses. Unter Maximilians Urenkel Ferdinand II. wurde <em>Omeras<\/em> von Hofbaumeister Lucchese\u00a0zum Schloss Ambras in seinem heutigen Erscheinungsbild umgebaut. Innsbruck sollte den in der Renaissancezeit als Vorbild dienenden oberitalienischen F\u00fcrstenh\u00f6fen in nichts nachstehen. Dass sich der Landesf\u00fcrst im Klaren \u00fcber die \u00fcberbordenden Baukosten war, zeigt die Inschrift \u201e<em>Pretium laborum non vile\u201c (Der Preis der Arbeit ist nicht gering)<\/em> am Portal zum Hochschloss 1564 lie\u00df Ferdinand das Hochschloss, den <em>Spanischen Saal<\/em> und einen Schlossgarten anlegen. Gemeinsam mit seiner Gattin Philippine Welser nutzte Ferdinand die neue Anlage als Wohnschloss. Das Domizil wurde zu einem Teil aus den Gewinnen der kolonialen Handelsgesch\u00e4fte der Familie Welser finanziert, den Gro\u00dfteil trugen die Untertanen \u00fcber gro\u00dfz\u00fcgig erh\u00f6hte Steuern bei.<\/p>\n<p>Am neuen Hof wurden rauschende Feste gefeiert. Adelige G\u00e4ste, h\u00e4ufig auf der Durchreise von den deutschen L\u00e4ndern nach Italien, genossen seine Gastfreundschaft auf Schloss Ambras gerne und ausgiebig. Knapp 100 G\u00e4ste sollen im Schnitt bei Hof getafelt haben, umsorgt von 230 Bediensteten. Ein mit Wasserkraft angetriebener Drehtisch, um die Speisen f\u00fcr die G\u00e4ste bequem erreichbar zu machen, war das technische Highlight der Ausstattung. Unter gro\u00dfem Aufwand f\u00fcr sich und die G\u00e4ste veranstaltete er auf Schloss Ambras aufw\u00e4ndige <em>Mottoparties<\/em> mit Kost\u00fcmen und Gelagen ganz im Geist der Renaissance. Bei den <em>Bacchanalien<\/em> mussten die Mitglieder riesige Becher Wein unter einem Zug leeren, um den Teilnehmern der antiken Symposien nachzuahmen. Die <em>Bacchusgrotte<\/em> gegen\u00fcber dem Hochschloss erinnert noch daran. Der mechanische <em>Fangstuhl<\/em>, dessen Fu\u00dfangeln sich erst l\u00f6sten, nachdem die G\u00e4ste ihren Wein geleert hatten, und die dazugeh\u00f6rigen Trinkb\u00fccher mit den Namen der erfolgreichen Trinker, wurden nach Wien \u00fcbersiedelt. Neben fleischlichen Vergn\u00fcgungen fr\u00f6nte man auch dem Sport der damaligen Zeit. Der Adel hatte das Jagdprivileg je nach Gutd\u00fcnken des Landesherrn. Nach der Gesetzes\u00e4nderung unter Maximilian I. um 1500 war die Jagd zu einer Art Sport geworden. Die Jagd nach Hirsch und G\u00e4mse war meist der Hocharistokratie vorbehalten. Der Kleinadel durfte Kaninchen, Rehe und andere kleinere Tiere jagen. Aus dieser Sitte stammen die Begriffe des Hochwilds und Niederwilds. Der Garten samt dem imposanten Wasserfall wurde als hofeigenes Jagdrevier ebenfalls unter Ferdinand angelegt. F\u00fcrst und G\u00e4ste konnten im Schloss Ambras direkt vor der Haust\u00fcr auf <em>Lustjagd<\/em> gehen, die dank der ungleichen Chancenverteilung zwischen J\u00e4ger und Beute meist von Erfolg gekr\u00f6nt war.<\/p>\n<p>Im Unterschloss quartierte Ferdinand seine umfassende Kunstsammlung ein. Die Portraits, Gem\u00e4lde, Waffen, R\u00fcstungen, Musikinstrumente, aber auch naturwissenschaftliche Forschungsobjekte, fr\u00fche mechanische Automaten und astronomische Ger\u00e4te, galten im 16. Jahrhundert als eine der gr\u00f6\u00dften Sammlungen Europas. Ganz im Geiste der ausgehenden Renaissance wollte Ferdinand dem universellen Wissensanspruch gerecht werden. Seine Sammlung zeugt auch vom Einfluss, den die Gelehrten der Jesuiten bei Hof und in der Bildung auf ihn hatten. Objekte aus der ganzen Welt fanden \u00fcber die kolonialen Besitzungen der Habsburger und die Handelsbeziehungen der Welser in S\u00fcdamerika und Asien den Weg nach Innsbruck. Gemeinsam mit der Kunstsammlung des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Franz I., aus denen das Louvre hervorgehen sollte, den p\u00e4pstlichen Sammlungen und den \u00f6ffentlich in Florenz auf der <em>Piazza della Signoria<\/em> ausgestellten Kunstwerken, die man heute teilweise in den Uffizien bewundern kann, z\u00e4hlte die Kunstsammlung Ferdinands zu den ersten Ausstellungen, die man als Museum bezeichnen kann. Schloss Ambras war, was Umfang und Diversit\u00e4t der Objekte anbelangt, wohl einzigartig.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert verwandelte sich die Anlage Schritt f\u00fcr Schritt vom geschlossenen, der Aristokratie vorenthaltenen Bereich zum \u00f6ffentlichen Gut. Der Schlosspark in seiner heutigen Form eines englischen Landschaftsgartens wurde in dieser Zeit angelegt. Ein Spaziergang durch die weitl\u00e4ufige und in verschiedenen H\u00f6henstufen angelegte Anlage mit Br\u00fccken, Wasserf\u00e4llen, Teich und Pfauen \u00fcbt in jeder Jahreszeit einen Reiz aus. 1859 erfolgte eine weitere Renovierung des Schlosses. Einige Mauern, R\u00e4ume und Fresken gingen durch unsachgem\u00e4\u00dfe Arbeit f\u00fcr immer verloren. 1876 wurde Johann Deininger, der sp\u00e4tere Mitbegr\u00fcnder und erste Direktor der k.k. Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL als Fachmann nach Innsbruck geholt, um die Arbeiten professionell zu leiten und die Restaurierung des Spanischen Saales im Schloss Ambras zu beaufsichtigen. Vier Jahre sp\u00e4ter wurde das Schloss Ambras unter seiner \u00c4gide als Museum \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht.\u00a0Heute obliegt die Verwaltung des Schlosses dem <em>Kunsthistorischen Museum Wien<\/em>.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Ferdinand II.: Principe und Renaissancef\u00fcrst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ferdinand II.: Renaissance, Glanz und Glamour&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53487&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erzherzog Ferdinand II. von \u00d6sterreich (1529 \u2013 1595) z\u00e4hlt zu den schillerndsten Figuren der Tiroler Landesgeschichte. Sein Vater Kaiser Ferdinand I. lie\u00df ihm eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen. Er wuchs am spanischen Hof seines Onkels Kaiser Karl V auf. Die Jahre, in denen Ferdinand seine Schulbildung erhielt, fallen in die Anfangszeit des jesuitischen Einflusses an den habsburgischen H\u00f6fen. Der junge Staatsmann wurde ganz im Sinne des frommen Humanismus erzogen. Dazu gesellten sich die Sitten des Hochadels der Renaissance. In jungen Jahren reiste er durch Italien und Burgund und hatte an den wohlhabenden H\u00f6fen dort einen Lebensstil kennengelernt, der sich unter der deutschen Aristokratie noch nicht durchgesetzt hatte. Ferdinand war das, was man heute als Globetrotter, Mitglied der Bildungselite oder Kosmopolit bezeichnen w\u00fcrde. Er galt als intelligent, charmant und kunstsinnig. Bei weniger exzentrischen Zeitgenossen genoss Ferdinand den Ruf eines unmoralischen und genusss\u00fcchtigen W\u00fcstlings. Es wurde ihm schon zu Lebzeiten nachgesagt, ausschweifende und unsittliche Orgien zu veranstalten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ferdinands Vater teilte sein Reich unter seinen S\u00f6hnen auf. Maximilian II., der zu Recht unter dem elterlichen Verdacht der H\u00e4resie und dem Anh\u00e4ngen protestantischer Lehren stand, erbte Ober- und Nieder\u00f6sterreich sowie B\u00f6hmen und Ungarn. Ferdinands j\u00fcngerer Bruder Karl regierte in Inner\u00f6sterreich, also K\u00e4rnten, Steiermark und der Krain. Das Mittelkind erhielt Tirol, das damals bis ins Engadin reichte, und die zerst\u00fcckelten habsburgischen Vorlande im Westen der zentraleurop\u00e4ischen Besitzungen. Ferdinand \u00fcbernahm das Land Tirol als Landesf\u00fcrst in turbulenten Zeiten. Er hatte bereits in seiner Jugend einige Jahre in Innsbruck verbracht. Die Bergwerke in Schwaz begannen wegen des billigen Silbers aus Amerika unrentabel zu werden. Die Silberschwemme aus den habsburgischen Besitzungen in <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Neu-Spanien<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> jenseits des Atlantiks f\u00fchrte zu einer Inflation.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese finanziellen Probleme hielten Ferdinand aber nicht davon ab, pers\u00f6nliche und \u00f6ffentliche Infrastruktur in Auftrag zu geben. Innsbruck profitierte wirtschaftlich und kulturell enorm davon, dass es nach Jahren ohne dezidiert einen Landesf\u00fcrsten zu haben, nun wieder zum Zentrum eines Regenten wurde. Ferdinands erzherzogliche Pr\u00e4senz lockte Aristokratie und Beamtenschaft nach den Jahrzehnten der Vernachl\u00e4ssigung nach Maximilians Ableben wieder an. In den sp\u00e4ten 1560er Jahren war die Verwaltung wieder auf 1000 Personen angewachsen, die mit ihrem Geld die lokale Wirtschaft anfachten. B\u00e4cker, Metzger und Gasth\u00f6fe florierten nach einigen kargeren Jahren wieder. Innsbruck besa\u00df Ende des 16. Jahrhunderts im Vergleich mit anderen St\u00e4dten \u00fcberdurchschnittlich viele Gastwirte, die \u00fcberdurchschnittlich gut an den H\u00e4ndlern, G\u00e4sten und Durchreisenden verdienten. Weinh\u00e4user waren nicht nur Gastbetriebe, sondern auch Lager- und Handelsst\u00e4tten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die italienischen St\u00e4dte Florenz, Venedig und Mailand waren stilbildend in Kultur, Kunst und Architektur. Der Tiroler Hof Ferdinands sollte ihnen in nichts nachstehen. Vorbei sollten die Zeiten sein, in denen Deutsche in den sch\u00f6neren St\u00e4dten s\u00fcdlich der Alpen als unzivilisiert,<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\"> barbarisch<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> oder gar als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Schweine<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> bezeichnet wurden. Dazu lie\u00df er Innsbruck im Geist der Renaissance umgestalten. Ganz im Trend der Zeit ahmte er die italienischen Adelsh\u00f6fe nach. Hofarchitekt Giovanni Lucchese stand ihm dabei zur Seite. Einen ansehnlichen Teil seines Lebens verbrachte Ferdinand auf Schloss Ambras bei Innsbruck, wo er sich eine der kostbarsten Sammlungen von Kunstwerken und R\u00fcstungen anlegte, die noch heute zu den wertvollsten der Welt ihrer Art zu z\u00e4hlen ist. Ferdinand verwandelte die Burg oberhalb des Dorfes Amras in einen modernen Hof. Seine Feste, Maskenb\u00e4lle und Umz\u00fcge waren legend\u00e4r. W\u00e4hrend der Hochzeit eines Neffen lie\u00df er 1800 K\u00e4lber und 130 Ochsen braten. Aus den Brunnen soll 10 Tage lang Wein statt Wasser geflossen sein.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Schloss Ambras war es aber nicht getan, was die Ver\u00e4nderung Innsbrucks anbelangt. Westlich der Stadt erinnert ein Torbogen noch an den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Tiergarten<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, ein Jagdrevier Ferdinands samt Lusthaus entworfen ebenfalls von Lucchese. Damit der Landesf\u00fcrst sein Wochenenddomizil erreichen konnte, wurde eine Stra\u00dfe in die sumpfige H\u00f6ttinger Au gelegt, die die Basis f\u00fcr die heutige Kranebitter Allee bildete. Das Lusthaus wurde 1786 durch den heute als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Pulverturm<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> bekannten Bau ersetzt, der einen Teil der sportwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck beheimatet. Dem f\u00fcrstlichen Sport des Jagens folgte im ehemaligen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Lusthaus<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, das der Pulverturm war, die Sportuniversit\u00e4t nach. In der Innenstadt lie\u00df er das f\u00fcrstliche <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Comedihaus<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> am heutigen Rennweg errichten. Um Innsbrucks Trinkwasserversorgung zu verbessern, wurde unter Ferdinand die M\u00fchlauerbr\u00fccke errichtet, um eine Wasserleitung vom M\u00fchlaubach ins Stadtgebiet zu verlegen. Die Jesuiten, kurz vor Ferdinands Amtsantritt in Innsbruck eingetroffen, um l\u00e4stigen Reformatoren und Kirchenkritikern das Leben schwer zu machen und das Bildungswesen neu aufzustellen, erhielten in der Silbergasse eine neue Kirche. Zahlreiche Neubauten wie die Kl\u00f6ster der Jesuiten, der Franziskaner, Kapuziner und Servitinnen kurbelten das Handwerk und die Baubranche an.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die neuen Orden unterst\u00fctzten Ferdinands Augenmerk auf die konfessionelle Ausrichtung seiner Sch\u00e4fchen. In seiner 1573 erlassenen Tiroler Landesordnung schob er nicht nur Unzucht, Fluchen und Prostitution einen Riegel vor, sondern verpflichtete seine Untertanen zu einer gottesf\u00fcrchtigen, also katholischen Lebensf\u00fchrung. Das \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Verbott der Zauberey und Abgerglaubigen Warsagerey<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c untersagte jedwegliche Abweichung vom wahren Glauben bei Androhung von Kerker, k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung und Enteignung. Juden mussten einen jederzeit gut sichtbaren Ring aus gelbem Stoff auf der linken Brustseite ihres Gewandes tragen. Gleichzeitig brachte Ferdinand einen j\u00fcdischen Finanzier nach Innsbruck, um die Geldgesch\u00e4fte f\u00fcr die aufw\u00e4ndige Hoff\u00fchrung abzuwickeln. Samuel May und seine Familie lebten als F\u00fcrstliche Schutzjuden in der Stadt. Daniel Levi erfreute Ferdinand mit Tanz und Harfenspiel am Theater und Elieser Lazarus k\u00fcmmerte sich als Hofarzt um seine Gesundheit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Bev\u00f6lkerung zu schr\u00f6pfen, prunkvoll zu leben, Protestantismus unter seinen wichtigen Beratern zu tolerieren und gleichzeitig den Protestantismus im Volk zu bek\u00e4mpfen, war f\u00fcr den gelernten Renaissancef\u00fcrsten kein Widerspruch. Bereits mit 15 Jahren zog er unter seinem Onkel Karl V. im <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Schmalkaldischen Krieg<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in die Schlacht gegen die Feinde der R\u00f6mischen Kirche. Als Landesf\u00fcrst verstand er sich als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Advocatus Ecclesiae (Anm.: Vertreter der Kirche)<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in einem konfessionell absolutistischen Sinn, der f\u00fcr das Seelenheil seiner Untertanen verantwortlich war. Zwangsma\u00dfnahmen, Stiftung von Kirchen und Kl\u00f6stern wie den Franziskanern und den Kapuzinern in Innsbruck, verbesserte Seelsorge und die Inszenierung jesuitischer Theaterst\u00fccke wie \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Die Enthauptung des Johannes<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c waren die Waffen der Wahl gegen den Protestantismus. Ferdinands Fr\u00f6mmigkeit war zwar nicht aufgesetzt, er schaffte es aber wie die meisten seiner Zeitgenossen, sich situationselastisch anzupassen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Politik Ferdinands stand unter passendem italienischem Einfluss der zeitgen\u00f6ssischen Avantgarde. Machiavelli schrieb sein Werk \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Il Principe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c, in dem davon die Rede war, dass Regierenden alles erlaubt sei, was f\u00fcr den Erfolg n\u00f6tig ist, so sie denn unf\u00e4hig waren, sie auch abgesetzt werden k\u00f6nnten. Ferdinand II. probierte diesem fr\u00fchen absolutistischen F\u00fchrungsstil gerecht zu werden und erlie\u00df mit seiner <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Tiroler Landesordnung<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ein modernes juristisches Regelwerk. F\u00fcr seine Untertanten bedeutete das h\u00f6here Steuerabgaben auf ihre Ertr\u00e4ge sowie weitgehende Einschr\u00e4nkungen bei Almende, Fischerei- und Jagdrechten. Die Knappen, Bergbauunternehmer und die ausl\u00e4ndischen Handelsgesellschaften mit ihren Kontoreien in Innsbruck trieben die Lebensmittelpreise zus\u00e4tzlich in die H\u00f6he. Man k\u00f6nnte es zusammenfassen, dass Ferdinand auf seinen Anwesen vergn\u00fcglich dem exklusiven Jagdvergn\u00fcgen nachging, w\u00e4hrend seine Untertanten durch steigende Belastungen, Preise und Wildsch\u00e4den am Existenzminimum lebten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sein Beziehungsleben war f\u00fcr ein Mitglied der Hocharistokratie exzentrisch. In erster &#8222;halbwilder Ehe&#8220; war Ferdinand mit der B\u00fcrgerlichen Philippine Welser verheiratet. Nachdem Ehefrau #1 verstorben war, heiratete Ferdinand mit 53 Jahren die tiefgl\u00e4ubige Anna Caterina Gonzaga, eine erst 16j\u00e4hrige Prinzessin von Mantua. Gro\u00dfe Zuneigung haben die beiden allem Anschein nach aber nicht zueinander empfunden, zumal Anna Caterina eine Nichte Ferdinands war. Die Habsburger waren beim Thema Hochzeit unter Verwandten weniger zimperlich als bei der Ehe eines Adeligen mit einer B\u00fcrgerlichen. Auch mit ihr konnte er allerdings &#8222;nur&#8220; drei T\u00f6chter zeugen. Seine letzte Ruhest\u00e4tte fand Ferdinand in der Silbernen Kapelle bei seiner ersten Ehefrau Philippine Welser.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Philippine Welser: Klein Venedig, Kochb\u00fccher und Kr\u00e4uterkunde&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Philippine Welser: Klein Venedig, Kochb\u00fccher und Kr\u00e4uterkunde&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53628&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Philippine Welser (1527 \u2013 1580) war die Ehefrau Erzherzog Ferdinands II. und z\u00e4hlt zu den popul\u00e4rsten Herrscherfiguren Innsbrucks.\u00a0 Die Welsers z\u00e4hlten zu den wohlhabendsten Familien ihrer Epoche. Ihr Onkel Bartholom\u00e4us Welser war \u00e4hnlich reich wie Jakob Fugger und entstammte ebenfalls der Schicht der Kaufleute und Finanziers, die rund um 1500 zu enormem Reichtum gekommen waren. Die S\u00e4ulen dieses Reichtums waren der Gew\u00fcrzhandel mit Indien und die Verkn\u00fcpfung von Bergbau und Metallhandel mit den amerikanischen Kolonien. Auch Welser hatte Kredite an die Habsburger vergeben. Anstatt die Kredite abzuzahlen, verpf\u00e4ndete Kaiser Karl V. einen Teil der neu annektierten L\u00e4ndereien in Amerika an die Welser, die daf\u00fcr das Land als Kolonie <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Klein-Venedig<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, heute Venezuela, mit Festungen und Siedlungen sichern und erschlie\u00dfen mussten. Sie statteten Expeditionen aus, um das legend\u00e4re Goldland <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">El Dorado<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> zu entdecken. Um m\u00f6glichst viel aus ihrem Lehen herauszuholen, errichteten sie Handelsst\u00fctzpunkte, um am gewinntr\u00e4chtigen transatlantischen Sklavenhandel zwischen Europa, Westafrika und Amerika teilzunehmen. Nach 1530 untersagte Karl V. zwar den Handel mit Indigenen aus S\u00fcdafrika, der Einsatz afrikanischer Sklaven auf den Plantagen und in den Minen fiel nicht unter diese Regelung. Das brutale Vorgehen der Welser f\u00fchrte 1546 zu Beschwerden am kaiserlichen Hof, wo ihnen das Lehen f\u00fcr <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Klein-Venedig<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> daraufhin entzogen wurde. Ihre Handelsbeziehungen blieben allerdings aufrecht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ferdinand und Philippine lernten sich auf einem Faschingsball in Pilsen kennen. Der Habsburger verliebte sich Hals \u00fcber Kopf in die wohlhabende Augsburgerin und heiratete sie. Besonders erfreut war im Hause Habsburg niemand \u00fcber die in aller Heimlichkeit geschlossene Ehe der beiden, auch wenn die Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen den Aristokraten und den neureichen Augsburger Kaufleuten schon einige Jahrzehnte alt waren und man das Geld der Welser gut gebrauchen konnte. Hochzeiten zwischen B\u00fcrgerlichen und Adligen galten trotz Wohlstandes als skandal\u00f6s und nicht standesgem\u00e4\u00df. Der Tiroler Landesf\u00fcrst soll zeitlebens in seine sch\u00f6ne Ehefrau regelrecht vernarrt gewesen sein, weshalb er sich \u00fcber alle Konventionen der Zeit hinwegsetzte. Der Kaiser erkannte die Ehe erst an, nachdem die beiden f\u00fcr ihre Heirat um Vergebung gebeten hatten und sich zu ewiger Geheimhaltung verpflichteten. Die Kinder der morganatischen Ehe wurden deshalb von der Erbfolge ausgeschlossen. Philippine galt als \u00fcberaus sch\u00f6n. Ihre Haut sei laut Zeitzeugen so zart gewesen, \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">man h\u00e4tte einen Schluck Rotwein durch ihre Kehle flie\u00dfen sehen k\u00f6nnen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c. F\u00fcr seine Frau lie\u00df Ferdinand Schloss Ambras in die heutige Form bringen. Sein Bruder Maximilian meinte gar, dass &#8222;<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Ferdinand verzaubert sai<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">&#8220; von der sch\u00f6nen Philippine Welser, als Ferdinand w\u00e4hrend des T\u00fcrkenkriegs seine Truppen abzog, um nach Hause zu seiner Frau zu gehen. Weniger schmeichelhaft der Nachsatz <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e\u2026Ich wollt, da\u00df die Brekin in einen Sakh schteckt und was nit wo w\u00e4r. Gott verzeihs mier.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Philippine Welsers Leidenschaft war das Kochen. In der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ist noch heute eine Rezeptsammlung vorhanden. Die Kochkunst wurde im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit ausschlie\u00dflich von Wohlhabenden und Adeligen gepflegt, w\u00e4hrend der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Untertanen essen musste, was verf\u00fcgbar war. Mittelalter und Neuzeit, eigentlich alle Menschen bis in die 1950er Jahre, lebten unter dauerhaftem Kalorienmangel. W\u00e4hrend wir heute zu viel essen und deshalb krank werden, litten unsere Vorfahren unter Krankheiten, die auf Mangelern\u00e4hrung zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Fr\u00fcchte waren ebenso selten Teil des Speiseplans wie Fleisch. Die Kost war eint\u00f6nig und kaum gew\u00fcrzt. Gew\u00fcrze wie der exotische Pfeffer waren Luxusg\u00fcter, die sich das normale Volk nicht leisten konnten. W\u00e4hrend der Speiseplan des Normalb\u00fcrgers eine triste Angelegenheit war, bei der es vor allem darum ging, sich die Kalorien f\u00fcr die t\u00e4gliche Arbeit so effizient als m\u00f6glich zu holen, begann sich in Innsbruck unter Ferdinand II. und Philippine Welser die Einstellung zu Essen und Trinken zu ver\u00e4ndern. Der Hofstaat hatte seit Friedrich IV. zu einer gewissen Kultivierung der Manieren und Sitten in Innsbruck beigetragen, Philippine Welser und Ferdinand trieben diese Entwicklung auf Schloss Ambras und der Weiherburg auf die Spitze. Die Bankette, die sie gaben, waren legend\u00e4r und arteten nicht selten in Orgien aus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Kr\u00e4uterkunde war ihr zweites Steckenpferd. Philippine Welser beschrieb, wie man Pflanzen und Kr\u00e4uter zur Linderung k\u00f6rperlicher Leiden aller Art verwendet. \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Um die Z\u00e4hne wei\u00df und frisch zu machen und die W\u00fcrm darin zu t\u00f6ten: Nehmt Rosmarinholz und brennt es zu Kohle, sta\u00dft alles zu Pulver, bindet es in ein seiden T\u00fcchelein und reibt damit die Z\u00e4hne ein<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c war einer ihrer Tipps f\u00fcr ein gesundes und gepflegtes Dasein. Auf Schloss Ambras in Innsbruck lie\u00df sie f\u00fcr ihr Hobby und ihre Studien einen Kr\u00e4utergarten anlegen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In der Tiroler Bev\u00f6lkerung galt sie laut Berichten der Zeit als sehr beliebt, k\u00fcmmerte sie sich doch sehr um die Armen und Bed\u00fcrftigen. Die vom Stadtrat angeleitete F\u00fcrsorge der Bed\u00fcrftigen, gesponsert von wohlhabenden B\u00fcrgern und Adeligen, war damals allerdings keine Besonderheit, sondern g\u00e4ngige Praxis. N\u00e4her an das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben als durch christliche N\u00e4chstenliebe, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Caritas<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, konnte man nicht kommen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ihre letzte Ruhe fand Philippine Welser nach ihrem Tod 1580 in der Silbernen Kapelle in der Innsbrucker Hofkirche. Gemeinsam mit ihren als S\u00e4ugling verstorbenen Kindern und Ferdinand wurde sie dort begraben. Unterhalb des Schloss Ambras erinnert die Philippine-Welser-Stra\u00dfe an sie.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird bis heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Unz\u00e4hlige Touristen bewundern die stummen Hinterlassenschaften der Dynastie, die als mindestens ebenso ur-\u00f6sterreichisch gilt wie Schnitzel, Mozartkugeln und Mehlspeisen. Diese Darstellung ist allerdings nicht korrekt, auch wenn die Habsburger die Landesgeschichte \u00fcber Jahrhunderte mitpr\u00e4gten. Sie waren ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren ihre Mitglieder die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Ob der internationalen Ausrichtung des Hauses Habsburg verwundert es nicht, dass so mancher CEO der Grafschaft Tirol aus dieser Dynastie zumindest am Anfang etwas fremdelte mit der alpinen Provinz und ihren Einwohnern. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch. Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu. Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte.<\/p>\n<p>Trotz dieses Abstiegs in der Gunst und der zunehmenden Zentralisierung der Regierungsgesch\u00e4fte blieb Tirol als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts begann das marode Reich mehr und mehr zu br\u00f6ckeln. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet. Auch wenn man sich nur noch die wenigsten \u00d6sterreicher eine Monarchie als Regierungsform vorstellen k\u00f6nnen, bleibt der Blick auf die Herrscherfamilie vergBei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie nicht selten von wohlmeinenden Historikern als ein Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union dargestellt. Die Liste der Hinterlassenschaften in Innsbruck ist lang. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. Das <em>Goldene Dachl<\/em>, die Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53377&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das 12. Jahrhundert brachte in Europa wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung und gilt als eine Art vorgezogener mittelalterlicher Renaissance. \u00dcber den Umweg der Kreuzz\u00fcge kam es zum verst\u00e4rkten Austausch mit den in vielerlei Hinsicht weiter entwickelten Kulturen des Nahen Ostens. Arabische Gelehrte brachten \u00fcber S\u00fcdspanien und Italien \u00dcbersetzungen griechischer Denker wie Aristoteles nach Europa. Das R\u00f6mische Recht wurde an den ersten Universit\u00e4ten s\u00fcdlich der Alpen wiederentdeckt. Neue landwirtschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und ein g\u00fcnstiges Klima, das bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts anhalten sollte, erm\u00f6glichten die Entstehung von St\u00e4dten und gr\u00f6\u00dferen Siedlungen. Eine dieser Siedlungen befand sich zwischen am Fu\u00df der R\u00f6merstra\u00dfe \u00fcber den Brenner, dem Fluss Inn und der Nordkette. Politisch und wirtschaftlich beschr\u00e4nkte sich die Bedeutung des Inntals vor allem auf den Transit. Die beiden niedrigen und somit leicht zu \u00fcberschreitenden Alpen\u00fcberg\u00e4nge Reschenpass und Brennerpass zwischen den deutschen L\u00e4ndern und dem Besitz der deutschen K\u00f6nige in Italien m\u00fcndeten in den breiten Talkessel. Aus einem Streit \u00fcber die Kontrolle \u00fcber diesen Teil des Heiligen R\u00f6mischen Reiches entstand die politische Konstellation, die Tirol und Innsbruck bis in die Neuzeit hinein bestimmen sollte. 1024 wurde Konrad II. aus dem Geschlecht der Salier zum K\u00f6nig gew\u00e4hlt. Er stand in Konkurrenz zu den bayerischen Herz\u00f6gen aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, unter deren Kontrolle die begehrten Alpenp\u00e4sse zu dieser Zeit standen. Um das Gebiet weg von seinen bayrischen Konkurrenten und unter die Kontrolle der ihm treuen Reichskirche zu bringen, sprach Konrad II. das Territorium Tirols 1027 den Bisch\u00f6fen von Brixen und Trient als Lehen zu. Die Bisch\u00f6fe wiederum ben\u00f6tigten sogenannte V\u00f6gte f\u00fcr die Verwaltung dieser L\u00e4ndereien und die Rechtsprechung. Diese V\u00f6gte des Bischofs von Brixen waren die Grafen von Andechs. Die Andechser m\u00f6gen heute im Schatten der Welfen, Staufer, Wittelsbacher und Habsburger stehen, waren im Hochmittelalter aber ein einflussreiches Geschlecht. Sie stammten aus der Gegend des bayerischen Ammersees und besa\u00dfen G\u00fcter in Oberbayern zwischen Lech und Isar sowie \u00f6stlich von M\u00fcnchen. \u00dcber geschickte Heiratspolitik waren sie an die Titel der Herz\u00f6ge von Meranien, einer Gegend an der dalmatischen K\u00fcste, und Markgrafen von Istrien gekommen. Damit stiegen sie im Rang innerhalb des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> auf. Um Verwaltung und sp\u00e4teres Seelenheil in einem sicherzustellen, gr\u00fcndeten sie im 12. Jahrhundert das Kloster Die\u00dfen und das Kloster am Heiligen Berg Andechs oberhalb des Ammersees. 1165 kam Otto V. von Andechs auf den Bischofssitz in Brixen und vergab die Vogtei \u00fcber dieses Hochstift an seinen Bruder. Dadurch kamen sie an die Verwaltung des mittleren Teils des Inntals, des Wipptals, des Pustertals und des Eisacktals.<\/p>\n<p>Damit aber nicht genug der dynastischen Verwirrungen und politischen Komplikationen, die der Gr\u00fcndung Innsbrucks im Wege standen. Heute erstreckt sich die Stadt zu beiden Seiten des Inns. Im 12. Jahrhundert stand dieses Gebiet unter dem Einfluss zweier Grundherren. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Inntals war dicht bewaldet und an den Ufern des breiten Inns sumpfiges Gel\u00e4nde. S\u00fcdlich des Inns \u00fcbte das Stift Wilten die Grundherrschaft aus. Das Gebiet n\u00f6rdlich des Flusses stand unter der Verwaltung der Andechser. W\u00e4hrend das s\u00fcdliche Stadtgebiet rund um das Stift schon seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt wurde, war das Schwemmgebiet rund um den nicht regulierten Fluss vor dem Hochmittelalter kaum besiedelt. Die Region z\u00e4hlte nicht zu den Hotspots der europ\u00e4ischen Kulturlandschaft. Die Menschen arbeiteten zum allergr\u00f6\u00dften Teil in der Landwirtschaft, die von ihrem Grundherrn betrieben wurde. Sie lebten in armseligen H\u00fctten aus Lehm und Holz. Medizinische Versorgung gab es kaum, die Kindersterblichkeit war hoch und kaum jemand wurde \u00e4lter als 50 Jahre alt.<\/p>\n<p>Wie heute jeder gute Immobilienentwickler nicht m\u00fcde wird zu betonen, z\u00e4hlte aber auch damals schon vor allem die Lage, wenn es um das Potential eines neuen Bauprojekts geht. Etwa um das Jahr 1133 gr\u00fcndeten die Andechser ob der besonderen Verkehrsanbindung der \u00d6rtlichkeit im heutigen St. Nikolaus den Markt <em>Anbruggen<\/em> und verbanden das n\u00f6rdliche und das s\u00fcdliche Innufer \u00fcber eine Br\u00fccke. Aus dem landwirtschaftlich nicht nutzbaren St\u00fcck Land am Fu\u00df der Nordkette war durch diese Verkehrsverbindung ein Handelsplatz geworden. Die kleine Holzbr\u00fccke erleichterte den Warenverkehr in den Ostalpen zwischen den italienischen und deutschen Handelsst\u00e4dten. Die lange Zeit f\u00fcr gro\u00dfe Handelsz\u00fcge zu steile Brennerroute war durch eine der Neuerungen der mittelalterlichen Renaissance interessanter geworden: neue Zuggeschirre erm\u00f6glichten es die steilen Anstiege mit Fuhrwerken zu bew\u00e4ltigen. Die k\u00fcrzere <em>Via Raetia<\/em> hatte die <em>Via Claudia Augusta<\/em> \u00fcber den Reschenpass als Hauptverkehrsweg \u00fcber die Alpen abgel\u00f6st. Davon profitierte der Markt der weitsichtigen Andechser. Die Zolleinnahmen des Handels zwischen den deutschen und italienischen St\u00e4dten, die daraus erwirtschaftet wurden, lie\u00dfen die Siedlung prosperieren. Bald siedelten sich Schmiede, Wirte, Fuhrwerksbetreiber, Schneider, Zimmerleute, Seiler, Wagenmacher und Gerber an. Pferde, H\u00e4ndler und ihr Anhang mussten versorgt und logiert, Fuhrwerke repariert werden. Die gr\u00f6\u00dferen dieser Betriebe besch\u00e4ftigten Angestellte und Knechte. Aus der abgelegenen, sumpfigen Brachlandschaft wurde ein Service Center. Die Wandlung von der reinen Landwirtschaft hin zur Stadt konnte beginnen. <em>Anbruggen<\/em> wuchs schnell, der Platz zwischen Nordkette und Inn war aber knapp bemessen. 1180 erwarb Berchtold V. von Andechs f\u00fcr die Expansion seines Handelsst\u00fctzpunktes vom Kloster Wilten ein St\u00fcck Land auf der S\u00fcdseite des Inns. Ganz wollte der Abt den Fu\u00df nicht aus der T\u00fcr nehmen, entwickelte sich die neue Siedlung doch pr\u00e4chtig dank der Zolleinnahmen. In der Urkunde ist die Rede von drei H\u00e4usern, die dem Stift Wilten innerhalb der neuen Siedlung vorbehalten blieben. Die Grafen von Andechs lie\u00dfen im Zuge der Errichtung der Stadtmauer die <em>Andechser Burg<\/em> bauen und verlegten ihren Stammsitz von Meran nach Innsbruck. Irgendwann zwischen 1187 und 1204 konnten sich die B\u00fcrger Innsbrucks \u00fcber das Stadtrecht freuen. Als offizielles Gr\u00fcndungsdatum wird h\u00e4ufig 1239 herangezogen, als vom letzten Grafen aus der Andechser Dynastie Otto VIII. das Stadtrecht formal in einer Urkunde best\u00e4tigt wurde. Innsbruck war zu dieser Zeit bereits die M\u00fcnzpr\u00e4gest\u00e4tte der Andechser und w\u00e4re wohl zur Hauptstadt in deren F\u00fcrstentum geworden. Es kam aber anders. 1246 zerst\u00f6rten die bayerischen Wittelsbacher, die gr\u00f6\u00dften Konkurrenten der Andechser im s\u00fcddeutschen Raum, deren Stammburg am Ammersee. Otto, der letzte Graf aus dem Haus Andechs-Meranien starb im Jahr 1248 ohne Nachkommen. 12 Jahre zuvor hatte er Elisabeth, die Tochter Graf Alberts VIII. von Tirol geheiratet. Dieses Adelsgeschlecht mit ihrer Stammburg in Meran \u00fcbernahm damit die Lehen und Teile der Besitzt\u00fcmer inklusive der Stadt am Inn sowie die Erzfeindschaft mit den bayerischen Wittelsbachern.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlo\u00dfstra\u00dfe 12-20<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":58284,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[82,61,33,43,40,63,23],"tags":[],"class_list":["post-2110","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-amras-pradl","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-die-grafen-von-andechs-und-die-gruendung-innsbrucks","category-ferdinand-ii-renaissance","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-philippine-welser-klein-venedig","category-top-10"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2110","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2110"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2110\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/58284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}