{"id":2180,"date":"2020-10-02T11:56:25","date_gmt":"2020-10-02T11:56:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=2180"},"modified":"2026-04-27T12:57:00","modified_gmt":"2026-04-27T12:57:00","slug":"stift-wilten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/stift-wilten\/","title":{"rendered":"Wilten Abbey &amp; Basilica"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Stift &amp; Basilika Wilten<\/h2>\n<p>Klostergasse 7 \/ Pastorgasse 2<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Riese-Haymon-und-Tyrsus-1.jpg&#8220; alt=&#8220;Hofburg Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Riese Haymon und Tyrsus&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;60484,65780,65947,64284,60042,55861,60038,65948,65949,64578,65903,2196,60861,56035,56033,56034,68376,68372,68408,68398,68396,68391&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Stift Wilten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62063&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Basilika Wilten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Basilika Wilten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68386&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Platz des heutigen Stifts Wilten und der Basilika z\u00e4hlt zu den am fr\u00fchesten besiedelten Teilen des Innsbrucker Stadtgebietes. Sp\u00e4testens mit der Erhebung des Christentums zur institutionalisierten Staatsreligion, kam Wilten in den Genuss religi\u00f6ses und administratives Zentrum der Region zu sein. Wo heute die Wiltener Basilika steht, wurde wohl auch schon im 5. Jahrhundert eifrig gebetet. Unter dem barocken Gotteshaus samt Friedhof wurde ein etwa 25 m langer und 12 m breiter Bau aus dem 5. Jahrhundert nachgewiesen. Die Kirche z\u00e4hlte damit zu den gr\u00f6\u00dften der Region in ihrer Zeit. Eine dem Heiligen Laurentius geweihte Kirche wurde 565 zum ersten Mal erw\u00e4hnt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1140 \u00fcbernahm der Pr\u00e4monstratenserorden die Basilika als Pfarr- und Taufkirche der Gemeinde Wilten. Forschungen gehen davon aus, dass es sich bei dem Schriftst\u00fcck wohl um eine F\u00e4lschung aus dem 13. Jahrhundert handelt. Urkunden nachtr\u00e4glich unter zweifelhafter Faktenlage anzufertigen war im Mittelalter nicht ungew\u00f6hnlich. Nicht nur war es schwierig bis unm\u00f6glich die F\u00e4lschung nachzuweisen, wie auch in diesem Fall gab es oft auf weder Gr\u00fcnde noch Interesse an einer Aufdeckung der wahren Tatsachen. Wohl gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Basilika als gotischer Neubau errichtet, seit 1259 ist sie als Wallfahrtskirche zu <em>Unserer Hohen Frau<\/em> oder <em>Maria unter den vier S\u00e4ulen<\/em> verbrieft. Die Legende besagt, dass bereits r\u00f6mische Legion\u00e4re im zweiten Jahrhundert die Liebe Frau unter den vier S\u00e4ulen um Beistand in der Not gebeten haben sollen. Die X. Legion der r\u00f6mischen Armee soll unter Kaiser Mark Aurel nach der \u00dcberquerung der Alpen \u00fcber den Brenner im Jahr 137 in Innsbruck Station gemacht haben. Fr\u00fche Christen unter den Soldaten vergruben ein Bild der Mutter Gottes unter vier B\u00e4umen. Ein barockes Mosaik an der Au\u00dfenwand der Basilika, das Maria als Himmelsk\u00f6nigin mit dem kleinen Jesus am Scho\u00df zeigt, erinnert an die Sage. Bis 1643 war die Kirche in Wilten die Pfarrkirche der Stadt Innsbruck. Das bedeutete, dass hohe christliche Feiern wie Hochzeiten und Taufen nur in Wilten durchgef\u00fchrt werden konnten.<\/p>\n<p>Nachdem das Geb\u00e4ude mehrmals besch\u00e4digt und wiederaufgebaut wurde, entstand zwischen 1751 und 1755 nach den Pl\u00e4nen Joseph Stapfs (1711 \u2013 1785) der barocke Bau, der heute noch an der Stelle der fr\u00fchesten christlichen Kirche der Stadt steht und von einem kleinen Friedhof umrahmt wird. Joseph Stapf war als Bildhauer f\u00fcr den Haupteingang aus H\u00f6ttinger Breccie verantwortlich. Hier prangt aktuell der Wahlspruch des aktuellen Papstes Leo XIV. \u201eIn Illo Uno Unum\u201c (<em>In jenem Einen sind wir eins<\/em>). Die silberne Lilie des Wappens steht f\u00fcr die Jungfrau Maria, das von einem Pfeil durchbohrte brennende Herz Jesu f\u00fcr die liebende und flammende g\u00f6ttliche Durchdringung der Seele ist das Emblem des Augustinerordens. Das Buch symbolisiert die Bibel und das Wort Gottes. Hoch dar\u00fcber prangt eine Statue der <em>Maria Immaculata<\/em> mit Sternenkrone. Ausf\u00fchrender Baumeister war Franz de Paula Penz (1707 \u2013 1772). Der Sohn eines Wipptaler Bauern konnte auf Grund seiner Begabung Theologie studieren. Schon als junger Mann begann er sich f\u00fcr Architektur zu interessieren und Pl\u00e4ne f\u00fcr Kirchen zu entwerfen. Als geistlicher Baudirektor leitete er im Zeitalter der umfassenden Barockisierung unz\u00e4hlige Neubauten von Gottesh\u00e4usern in Tirol. Linkerhand hinter dem Eingangstor liegt ein kleines Seitenschiff, in dem unz\u00e4hlige barocke Votivbilder besonders frommer Innsbrucker zu sehen sind, die der Heiligen Jungfrau f\u00fcr Geschehenes danken oder um die Erf\u00fcllung eines Wunsches bitten. Fotos erinnern an den Besuch Papst Johannes Paul II. in Innsbruck im Juni 1988. Vor dem Eingang in den Raum erinnern zwei Gedenksteine an den in Wilten geborenen Politikers Ferdinand Ernst Maria Anton Graf von Bissingen-Nippenburg (1749 \u2013 1831)\u00a0und seine Gattin. Graf Ferdinand war nicht nur Landesgouverneur von Tirol und Vorarlberg, sondern auch erster Verwalter des 1806 zu \u00d6sterreich gekommenen Landes Salzburg und nach der Herrschafts\u00fcbernahme 1815 Gouverneur von Venetien. Gegen\u00fcber erinnert ein Denkmal an den Historiker Ludwig Friedrich August von Pastor (1854 \u2013 1928). Bekannt als Geschichtsschreiber der P\u00e4pste beteiligte sich der konservative Diplomat eifrig am Kampf des Papstes Pius X. gegen den Modernismus. 1908 wurde er von Kaiser Franz Josef in den Freiherrenstand erhoben. Die Pastorstra\u00dfe, in der die Basilika beheimatet ist, wurde ihm gewidmet. Der Innenraum der Basilika ist einer der prunkvollsten seiner Zeit. In strahlendem Wei\u00df gehalten, verziert mit unz\u00e4hligen Gem\u00e4lden und S\u00e4ulen blendet einen die barocke Pracht. Der Augsburger Akademiedirekter Matth\u00e4us G\u00fcnther gestaltete das Deckenbild, das ganz in barocker Manier eine apokalyptische Madonna sowie Judith, die dem Betrachter stolz den abgeschlagenen Kopf des Holofernes pr\u00e4sentiert. Die gotische Madonna mit Strahlenkranz \u00fcber der Monstranz wurde aus dem Vorg\u00e4ngerbau, der um 1311 entstanden war, \u00fcbersiedelt. Der Hauptaltar mit seinen vier S\u00e4ulen symbolisiert die Gr\u00fcndungslegende.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Stift Wilten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Stift Wilten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59571&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Die Geschichte des gegen\u00fcberliegenden Stiftes Wilten geht ebenfalls auf eine Legende zur\u00fcck. Der Riese Haymon soll im sp\u00e4ten 9. Jahrhundert auf den Ruinen der r\u00f6mischen Befestigung Veldidena ein Kloster gegr\u00fcndet haben. Wahrscheinlicher als diese Version erscheint es, dass die Herz\u00f6ge von Bayern ein Kloster errichten lie\u00dfen, um ihre Territorien im Inntal administrativ in ihren Herrschaftsbereich einzubinden. Mit dem Segen Gottes und der flei\u00dfigen Arbeitskraft aus Frondiensten der Untertanen, \u00c4bte galten als strenge Grundherren, wuchs das Stift, auch wenn es wie beim Brand 1304 immer wieder auch zu R\u00fcckschl\u00e4gen kam. Ein romanisches Gotteshaus entstand 1311 ebenso wie der Grundstock des Klosters. Im bis heute bestehenden <em>Leuthaus<\/em> wurden nicht nur weltliche G\u00e4ste des Stiftes empfangen, die nicht im Inneren aufgenommen werden konnten. Das in seiner Grundstruktur auf die R\u00f6merzeit zur\u00fcckgehende Geb\u00e4ude diente dem Wiltener Hofrichter als Dienstsitz. 1818 \u00fcbersiedelte das Landgericht von Schloss Sonnenburg ins <em>Leuthaus<\/em>. Das m\u00e4chtige, sehenswerte Geb\u00e4ude geht neben dem Stift, der Stra\u00dfe und den umliegenden Wohnbl\u00f6cken optisch leider unter. Heute beherbergt es die <em>Wiltener S\u00e4ngerknaben<\/em>.<\/p>\n<p>Die Umbauwut der Barockzeit machte auch vor dem Stift nicht halt. Die Mode der Zeit verlangte im 17. Jahrhundert ein architektonisches Statement, um die Seelsorgepflichten der Praemonstratenser standesgem\u00e4\u00df zu repr\u00e4sentieren. Der barocke Neubau des Stiftes 1665 war eine Angelegenheit von reichsweiter Bedeutung. Kaiser Leopold I. war bei der Er\u00f6ffnung pers\u00f6nlich anwesend. Die \u00fcppige Kirchenausstattung und viele der Gem\u00e4lde wurden in den folgenden Jahrhunderten erg\u00e4nzt. Die strahlend wei\u00dfen Steinfiguren auf dem Giebel zeigen die Stiftspatrone Laurentius und Stefanus sowie die Heilige Maria. Das Eingangstor wird von den Riesen Haymon und Thyrsus bewacht, den beiden legend\u00e4ren Akteuren der Sage rund um die Klostergr\u00fcndung. Im Inneren zeigen Fresken die \u00dcbergabe des Klosters an den Heiligen Norbert, die Steinigung des Heiligen Stefanus und die Heilige Anna, die Schutzheilige Wiltens, die das Stift vor herannahenden bayerischen Truppen besch\u00fctzt. Direkt hinter dem m\u00e4chtigen Eingangsportals steht eine mannshohe Figur Haymons in silberner R\u00fcstung mit Drachenzunge in der Hand. Besonders pr\u00e4chtig sind die schwarzen Seitenalt\u00e4re und der Hauptaltar im Kontrast zum restlichen Wei\u00df der Kirche. Der Fu\u00dfboden ist wie bei der Basilika in schwarz-wei\u00df gestaltet. Teile wie der Kapitelsaal oder das Kreuzgew\u00f6lbe wurden erhalten und stammen aus der Zeit des gotischen Vorg\u00e4ngerbaus.<\/p>\n<p>Bis 1914 waren die \u00c4bte Wiltens im Landtag vertreten. Auch in der Ersten Republik und in der Zeit Dollfu\u00df\u00b4 und Schuschniggs spielte das Stift als wichtigste katholische Institution Innsbrucks eine Rolle in der Politik. Die Christlichsoziale Partei st\u00fctzte sich auf den Einfluss der Kanzeln, Infrastruktur, Vorfeldorganisationen und Presseorgane der Kirche. 1939 wurde das Kloster Wilten von den Nationalsozialisten aufgel\u00f6st und alle damit verbundenen Vereine und Organisationen an die Parteistruktur angegliedert. Bei einem Luftangriff wurden 1944 gro\u00dfe Teile des Stifts durch Luftangriffe verheerend in Mitleidenschaft gezogen. Bereits zu Weihnachten 1952 konnte man die Wiederer\u00f6ffnung nach erfolgreicher Renovierung feiern. Eine besondere Geschichte verbindet das Stift mit den Olympischen Winterspielen 1964. Anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung baute der wegen seiner SS-Mitgliedschaft umstrittene Goldmedaillengewinner im Kajak-Einer von 19436 Gregor Hradetzky (1909 \u2013 1984), eine neue Orgel. F\u00fcr Hradetzky, der nach dem Krieg die Werkstatt seines Vaters \u00fcbernommen hatte, schloss sich damit sein pers\u00f6nlicher olympischer Kreis.<\/p>\n<p>Heute betreut das Stift Wilten 22 Pfarren in und rund um Innsbruck. Die Pr\u00e4monstratenser z\u00e4hlen zu den einflussreichsten Orden der Stadt. Nach dem Ersten Weltkrieg begann man in Pradl, H\u00f6tting und Wilten Jugendheime f\u00fcr die Seelsorge zu gr\u00fcnden, um alleinerziehende M\u00fctter und Arbeiterfamilien zu unterst\u00fctzen. Oberhalb von Schloss Mentlberg wurde auf dem Grund des Stiftes das <em>Waldh\u00fcttl<\/em> f\u00fcr die Vinzenzgemeinschaft zur Verf\u00fcgung gestellt, wo Migranten sich selbst versorgen und eine offene Kirche betreiben. Das Stift ist bis heute ein Hort von Kunst und Kultur. Besonderen Stolz hegt man ob der <em>Wiltener S\u00e4ngerknaben<\/em>, die bereits 1235 erstmals erw\u00e4hnt wurden. Im Rahmen einer F\u00fchrung k\u00f6nnen die Sammlungen, das Archiv und die Bibliothek des Stifts Wilten besichtigt werden. Regelm\u00e4\u00dfig finden Konzerte in den R\u00e4umlichkeiten des Klosters statt. Sehr eindrucksvoll ist auch die prunkvolle Ausstattung der Innenr\u00e4ume. In der Stiftskirche gibt es eine Ikonensammlung mit Werken, die bis ins 13. Jahrhundert zur\u00fcckreichen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen katholischem und orthodoxem Glauben aufzeigen. Im Bereich der Klosterpforte kann man im <em>Klosterladele<\/em> kleine lokale K\u00f6stlichkeiten und Geschenke erstehen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck als Teil des Imperium Romanum&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#E09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#E09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck als Teil des Imperium Romanum&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#E09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; border_width_all=&#8220;0px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;57899&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Im Jahr 15 vor der Zeitenwende erreichten die Feldherren Tiberius und Drusus, beide Stiefs\u00f6hnen des Kaisers Augustus, mit ihren Heeren den n\u00f6rdlichen Alpenraum. W\u00e4hrend der moderne Italiener von heute wegen den Christkindlm\u00e4rkten im Winter und den ertr\u00e4glicheren Temperaturen im Sommer nach Tirol kommt, war es damals das Machtstreben der aufstrebenden Supermacht, der die Legion\u00e4re die Sandalen schn\u00fcren lie\u00df. Drusus zog von Verona nach Trient und anschlie\u00dfend der Etsch entlang \u00fcber den Brenner ins Gebiet des heutigen Innsbrucks. Aus strategischer Sicht der R\u00f6mer war die Eroberung \u00fcberf\u00e4llig. Die r\u00f6mischen Truppen in Gallien im Westen und Illyrien an der Adria im Osten sollten verbunden, Einf\u00e4lle barbarischer V\u00f6lker in oberitalienische Siedlungen verhindert und Wege f\u00fcr Handel, Reisende und Milit\u00e4r ausgebaut und gesichert werden. Anders als gerne dargestellt war das Land im Gebirge keine <em>Terra inkognita<\/em> f\u00fcr die R\u00f6mer. Das Inntal war nicht erst mit der Klimaerw\u00e4rmung, die als <em>R\u00f6misches Optimum<\/em> in die Geschichte einging zur bewohnten Zone geworden. Handel und kultureller Austausch \u00fcber bis hinab nach Mittelitalien lassen sich \u00fcber Funde belegen. Teils mehrgeschossige H\u00e4user mit Steinfundamenten gruppiert in Haufend\u00f6rfern, \u00e4hnliche Sprachidiome, Brandopferpl\u00e4tze wie der <em>Goldb\u00fchel<\/em> in Igls, und Keramikfunde deuten auf einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund mit den Etruskern hin. Funde lassen auf wirtschaftlichen Austausch der Ethnien und Verb\u00e4nde zwischen Vorarlberg, dem Gardasee und Istrien schlie\u00dfen, auch wenn die R\u00f6mer die milit\u00e4risch unterlegenen \u00c4lpler gerne als wilde Barbaren darstellten. Die besiegten V\u00f6lker n\u00f6rdlich des Alpenhauptkammes wurden von griechischen und r\u00f6mischen Schriftstellern mit dem recht diffusen Sammelbegriff \u201e<em>Raeter<\/em>\u201c tituliert. Heute versteht die Forschung unter dem Begriff Raeter die Einwohner Tirols, des unteren Engadin und des Trentino, dem Gebiet der <em>Fritzens-Sanzeno Kultur<\/em>, benannt nach ihren gro\u00dfen arch\u00e4ologischen Fundorten. Dem Stamm im Gebiet des heutigen Innsbruck gaben die neuen Machthaber den Namen <em>Breonen<\/em>. Die Siedlungen der breonischen Bev\u00f6lkerung befanden sich in Mittelgebirgslagen und auf den h\u00f6her gelegenen Schuttkegeln wie Amras und Wilten etwas oberhalb des Inntals, das Schwemm- und Sumpfgebiet war. Ob die R\u00f6mer die Siedlungen und Kultpl\u00e4tze zwischen Zirl und Wattens w\u00e4hrend ihres Eroberungsfeldzuges zerst\u00f6rten, ist unklar. Der Brandopferplatz am <em>Goldb\u00fchel<\/em> in Igls wurde nach dem Jahr 15 mit Sicherheit nicht mehr genutzt. Auch \u00fcber den Umgang mit den Eroberten sind keine pr\u00e4zisen Quellen vorhanden.<\/p>\n<p>Dem r\u00f6mischen Milit\u00e4r folgten das r\u00f6mische Verwaltungswesen und das Rechtsystem. Bereits unter Augustus` Nachfolger Tiberius wurde eine Administration ausgerollt und das neue Territorium ins Staatswesen integriert. Das heutige Tirol wurde am Fluss Ziller geteilt. Das Gebiet \u00f6stlich des Ziller wurde Teil der Provinz <em>Noricum,<\/em> Innsbruck wurde ein Teil der Provinz <em>Raetia et Vindelicia<\/em>. Sie reichte von der heutigen Innerschweiz mit dem Gotthardmassiv im Westen bis zum Alpenvorland n\u00f6rdlich des Bodensees, dem Brenner im S\u00fcden und eben dem Fluss Ziller im Osten. Der Ziller als Grenze hat im kirchenrechtlichen Sinn bei der Einteilung Tirols bis heute Bestand. Das Gebiet \u00f6stlich des Ziller geh\u00f6rt zum Bistum Salzburg, w\u00e4hrend Tirol westlich vom Ziller zum Bistum Innsbruck z\u00e4hlt. Es dauerte vielleicht gar nicht lange, bis sich die Barbaren von einst an die r\u00f6mische Kultur assimilierten. Die R\u00f6mer hatten zwar nicht Kaugummi, Schallplatten und Seidenstrumpfhosen f\u00fcr ihre neuen Untertanen im Gep\u00e4ck wie es knapp 2000 Jahre sp\u00e4ter der Fall sein solllte, der Lifestyle der R\u00f6mer brachte aber mit Sicherheit neue M\u00f6glichkeiten mit sich. Der Verkehrsweg zwischen dem heutigen Seefelder Sattel und dem Brennerpass existierte bereits seit Jahrhunderten, war aber weder f\u00fcr den Handel noch f\u00fcr den Truppentransport geeignet. Im 3. Jahrhundert nach der Zeitenwende wurde die Brennerroute zur <em>via publica<\/em> ausgebaut. Etwas \u00fcber f\u00fcnf Meter breit verlief sie vom Brenner bis zur Ferrariwiese oberhalb Wiltens \u00fcber den Berg Isel bis zum heutigen <em>Gasthaus Haymon<\/em>, wo das r\u00f6mische Milit\u00e4rlager Veldidena stand. Als <em>Via Raetia<\/em> machte die Stra\u00dfe der <em>Via Claudia Augusta<\/em>, die \u00fcber den Reschen- und Fernpass Italien und Bayern verband, Konkurrenz. F\u00fcr schlecht ausgestattete Handelsz\u00fcge war sie in Teilen zu steil, um zur Hauptroute zu werden, \u00fcber das Stra\u00dfennetz war <em>Veldidena<\/em> aber nun in einen Wirtschafts- und Ideenraum von Gro\u00dfbritannien \u00fcber das Baltikum bis Nordafrika eingebunden. Im Abstand von 20 bis 40 km Entfernung gab es Raststationen mit Unterk\u00fcnften, Restauration und St\u00e4llen. In Sterzing, am Brenner, in Matrei und Innsbruck entstanden bei diesen r\u00f6mischen <em>Mansiones<\/em> D\u00f6rfer, in denen sich die r\u00f6mische Kultur zu etablieren begann. Die Bev\u00f6lkerung begann die Gegebenheiten der Durchzugs- und Versorgungsland f\u00fcr sich zu nutzen. Entlang der Handelsroute entwickelten sich Schmieden als eine erste Form der Metallverarbeitungsindustrie sowie Tavernen und Herbergen. Mit einem kaiserlichen Erlass des Jahres 212 wurden die breonischen Untertanen zu r\u00f6mischen Vollb\u00fcrgern mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten. \u00dcber den Milit\u00e4rdienst im r\u00f6mischen Heer konnten Menschen sozial aufsteigen. Nachdem das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion des Imperium Romanum geworden war, wurde auch der Tiroler Raum vom Bistum Brixen aus missioniert. Zu dieser Zeit waren Kulturleistungen wie das kaiserliche M\u00fcnzwesen, Glas- und Ziegelproduktion, die lateinische Sprache, Badh\u00e4user, Thermen, Schulen und Wein schon l\u00e4ngst zum Standard geworden. Es gab zwar wahrscheinlich keine <em>Breonische Volksfront<\/em>, das Zitat aus <em>Life of Brian<\/em> k\u00f6nnte so aber wohl auch im vorchristlichen Innsbruck gefallen sein:<\/p>\n<p><em>\u201eMal abgesehen von der Medizin, den sanit\u00e4ren Einrichtungen, dem Schulwesen, Wein, der \u00f6ffentlichen Ordnung, der Bew\u00e4sserung, Stra\u00dfen, der Wasseraufbereitung und der allgemeinen Krankenkassen, was, frage ich euch, haben die R\u00f6mer je f\u00fcr uns getan?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Stadtbild ist vom r\u00f6mischen Innsbruck kaum noch etwas vorhanden. Ausstellungsst\u00fccke sind im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu bewundern. In verschiedenen Ausgrabungsprojekten wurden rund um das heutige Stift Wilten Grabst\u00e4tten und \u00dcberreste wie Mauern, M\u00fcnzen, Ziegel und Alltagsgegenst\u00e4nde aus der r\u00f6mischen Zeit in Innsbruck gefunden. Der Kern des <em>Leuthauses <\/em>neben dem Stift geht auf die R\u00f6merzeit zur\u00fcck. Einen der r\u00f6mischen Meilensteine der ehemaligen Hauptverkehrsader \u00fcber den Brenner kann man in der Wiesengasse in der N\u00e4he des Tivolistadions besichtigen. Noch weniger ist von den Breonen erhalten. In der N\u00e4he des Lanser Sees kann man \u00dcberreste von raetischen H\u00e4usern erkunden, etwas unterhalb des Berg Isels empf\u00e4ngt die ehemalige Kultst\u00e4tte Goldb\u00fchel interessierte Besucher.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Thyrsus, Haymon und die Bajuwaren&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Thyrsus, Haymon und die Bajuwaren&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65875&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach dem Verschwinden des westr\u00f6mischen Reiches und der dazugeh\u00f6renden Verwaltung \u00fcbernahmen germanische St\u00e4mme die Kontrolle \u00fcber das Gebiet des heutigen Innsbrucks. In Nordtirol tummelten sich zwischen den Herrschaften des <em>Imperium Romanum<\/em> und Kaiser Karls (748 \u2013 814), in der Zeit also, die als V\u00f6lkerwanderung, Sp\u00e4tantike oder Fr\u00fchmittelalter bezeichnet wird, eine ganze Reihe von V\u00f6lkerschaften. Neben den romanisierten Breonen waren es Goten, Langobarden, Bajuwaren, Sueven und Slawen, die sich in den Landstrichen n\u00f6rdlich des Brenners neben-, hinter- und durcheinander ansiedelten. Im mittleren Inntal konnten sich die Bajuwaren als regionale Macht durchsetzen. Bei der Landnahme wurde zwar das r\u00f6mische <em>Castell Veldidena<\/em> zerst\u00f6rt, ansonsten war f\u00fcr die breonisch-romanisierte Bev\u00f6lkerung der \u00dcbergang wahrscheinlich aber weniger pl\u00f6tzlich und kriegerisch als viel mehr flie\u00dfend. Die Bajuwaren waren keine barbarischen Zerst\u00f6rer, sondern standen seit Jahrhunderten mit der r\u00f6mischen Welt in der einen oder anderen Form im Austausch. Kampfhandlungen waren wohl die Ausnahme. Die Kulturen vermischten sich nach und nach in einer Zeit, in der das Herrschaftsgef\u00fcge eher von loser Natur war. Die Alltagssprache der Menschen war eine Form des Germanischen, schon fr\u00fch hatte sich als Schriftsprache aber Latein durchgesetzt. Das wichtigste \u00dcberbleibsel der R\u00f6mer und bald schon verbindendes Element war aber das Christentum. Ab dem 8. Jahrhundert waren die Bajuwaren christianisiert. Unter Kaiser Karl wurde aus den \u201ebarbarischen\u201c Bajuwaren die christlichen Herz\u00f6ge von Bayern und mit ihnen das Inntal zu einem Teil des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em>, das sich \u00fcber weite Teile Zentraleuropas und Norditaliens erstreckte. Sie st\u00fctzten sich in der Verwaltung auf die kirchlichen Strukturen der R\u00f6mer, waren Kleriker doch vielfach die einzigen Schriftgelehrten. Anstatt die regionalen Magistrate der R\u00f6mischen Kaiser herrschte nun eine geharnischte Aristokratie als Lehensm\u00e4nner des vom Papst gesalbten Frankenk\u00f6nigs Karl im Namen Gottes \u00fcber die Untertanen, die davon unbehelligt weiterhin in er Landwirtschaft malochen mussten. Der christliche Kirchenvater Paulus hatte in seinem <em>R\u00f6merbrief <\/em>die theologische Basis f\u00fcr dieses System gelegt:<\/p>\n<p><em>Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt \u00fcber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit au\u00dfer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.\u00a0Denn die Gewalt haben, muss man nicht f\u00fcrchten wegen guter, sondern wegen b\u00f6ser Werke. Willst du dich aber nicht f\u00fcrchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber B\u00f6ses, so f\u00fcrchte dich; denn sie tr\u00e4gt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der B\u00f6ses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst best\u00e4ndig bedacht.<\/em><\/p>\n<p>Kulturell zeigte sich das Christentum auch im alpinen Raum anpassungsf\u00e4hig an Traditionen und Br\u00e4uche. Die M\u00e4rtyrer und Heiligen des Christentums ersetzten die heidnische Vielg\u00f6tterei. Alte Feste wie die Wintersonnwende, Erntedank oder der Fr\u00fchlingsbeginn wurden in den christlichen Kalender integriert und von Weihnachten, Allerheiligen und Ostern ersetzt. Beliebte Legenden um wunderkr\u00e4ftige Pflanzen, unheilbringende Berggipfel, zauberkundige Wesen wie die <em>Saligen Fr\u00e4ulein<\/em>, verwunschene K\u00f6nige und andere Sagengestalten konnten problemlos parallel zum Christentum verehrt werden.<\/p>\n<p>Zwei der bis heute in Innsbruck popul\u00e4rsten unter ihnen spielen die Hauptrolle im Gr\u00fcndungsmythos des Stiftes Wilten. Ein au\u00dferordentlich kr\u00e4ftiger Ritter, bekannt als Riese Haymon begab sich irgendwann zwischen Sp\u00e4tantike und fr\u00fchem Mittelalter nach Tirol. Hier traf er auf den alteingesessenen Riesen Thyrsus von Seefeld. W\u00e4hrend der germanische Haymon modern mit Schwert und Schild ausgestattet war, hatte Thyrsus, der zwar einen romanisierten Namen trug, in der Legende aber als wilder Alpenbewohner dargestellt wird, nur einen Baumstamm als Waffe zur Verf\u00fcgung. Es kam, wie es kommen musste, das Schwert schlug die h\u00f6lzerne Keule und Thyrsus lag in seinem Blut erschlagen am Boden. In Reue \u00fcber seine Tat trat Haymon zum Christentum \u00fcber und lie\u00df sich vom Bischof von Chur taufen. Anstatt wie geplant eine milit\u00e4rische Burganlage zu bauen, errichtete der Gel\u00e4uterte auf den Ruinen der r\u00f6mischen Festung Veldidena ein Kloster. Trotz der neu gefundenen Fr\u00f6mmigkeit war die Zeit der Heldentaten f\u00fcr ihn aber noch nicht vorbei. In der nahen Sillschlucht aber hauste ein furchterregender Drache, der nicht nur jede Nacht den Neubau verw\u00fcstete, sondern auch eine sinnvolle Besiedlung des Landstrichs unm\u00f6glich machte. Haymon t\u00f6tete das Untier, schnitt ihm die Zunge ab und vermachte sie seiner eigenen Stiftung. Nach seiner Karriere als Drachent\u00f6ter \u00fcbergab Haymon das Kloster den Benediktinerm\u00f6nchen vom Tegernsee und trat als Laienbruder selbst dem Orden bei. Die Menschen der Region waren dem Riesen f\u00fcr die Befreiung vom Drachen so dankbar, dass sie sich gerne in die abgabenpflichtige Obhut des Stiftes Wilten begaben, um das einst wilde Land als Bauern fruchtbar zu bestellen. Und die Moral von der Geschichte? Haymon steht f\u00fcr die anfangs gewaltbereiten, sp\u00e4ter aber edlen und wohlt\u00e4tigen germanischen Besiedler, Thyrsus f\u00fcr die mutigen und wilden, am Ende aber doch unterlegenen Bewohner der Region zwischen Seefelder Plateau und Brenner. Der Drache symbolisiert das b\u00f6se, zerst\u00f6rerische und unchristliche Heidentum, das vom konvertierten Germanen ausgemerzt wird. Die Klosterbr\u00fcder, reich beschenkt vom tapferen Ritter, sind die ordnende Hand, ohne die nichts funktionieren w\u00fcrde. Die <em>Haymonsage<\/em> und ihre Moral zeigten sich im Laufe der Jahrhunderte je nach Zeitgeist ebenso flexibel wie das Christentum bei seiner Einf\u00fchrung in der Sp\u00e4tantike. Einmal war Haymon ein Adliger vom Rhein, der nach dem Tod Karls des Gro\u00dfen nach Tirol kam, ein anderes Mal unterwegs zwischen Ravenna und Deutschland als Gefolgsmann des ostgotischen K\u00f6nigs Theoderich, besser bekannt als Dietrich von Bern. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert standen die Konvertierung <em>Haymons<\/em>, der Schutz der b\u00e4uerlichen Untertanen durch das christliche Rittertum und die Klostergr\u00fcndung im Mittelpunkt, um das segensreiche Feudalwesen zu untermauern. In einem Artikel in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> vom 2. Oktober hingegen lie\u00df der Autor Dr. Franz W\u00f6\u00df das katholische Element des Klosterbaus fast komplett beiseite und betonte das heldenhafte Deutsche, bevor er sich der heilt\u00e4tigen Wirkung des Thyrsus\u00f6ls widmete, das die Seefelder Bauern seit dem Mittelalter aus den \u00f6lhaltigen Schiefersteinen gewannen. In dieser Version der Sage zog sich Haymon nach seinen Heldentaten in die Wildnis in Seefeld als Einsiedler zur\u00fcck anstatt als Kleriker sein Leben im Stift Wilten zu beenden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum wollte man sich vom Germanentum so weit als m\u00f6glich distanzieren. Die 1956 an der Fassade des \u201e<em>Gasthauses Zum Riesen Haymon<\/em>\u201c entstandene Wandmalerei zeigt den unterlegenen Thyrsus, mit \u00f6sterreichischem Wappenschild, ganz im Sinne des Opfermythos der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Stift Wilten als ordnende Hand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Stift Wilten als ordnende Hand im Mittelalter&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;70199&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus<\/em>,\u201c so steht es heute in Artikel 1 des \u00d6sterreichischen Bundesverfassungsgesetzes geschrieben. Ministerien und ihre lokalen Vertretungen, die Magistrate, sind Vertreter einer s\u00e4kularen Republik. Anders als in vielen anderen Regionen, sind in \u00d6sterreich Staat und Religion getrennt. Das war nicht immer so. \u00dcber Jahrhunderte war es der Klerus, der Recht und Verwaltung aus\u00fcbten. Kirchliche Institutionen wie Kl\u00f6ster waren dank ihrer gebildeten und schreibkundigen Br\u00fcder in der Sp\u00e4tantike die wichtigsten Verwaltungseinheiten, um Strukturen, Herrschaft, Gesetze, Besitzverh\u00e4ltnisse, Infrastruktur und \u00f6ffentliche Ordnung zu orchestrieren. In Wilten f\u00fchrte eine kleine Gemeinschaft von Seelsorgern die Gesch\u00e4fte der Region zwischen Nordkette und Brenner. Bereits im 6. Jahrhundert gab es nachweislich eine Kirche im heutigen Wilten. Die bayerischen Herz\u00f6ge, die im fr\u00fchen Mittelalter das Inntal zu ihrer Herrschaft z\u00e4hlten, nutzten die gebildeten Kirchenm\u00e4nner nur allzu gerne, um die Verwaltung des Gebietes in geregelten Bahnen zu halten. 1128 \u00fcbergab der Brixner Bischof Reginbert das Kloster an den damals frisch gegr\u00fcndeten Pr\u00e4monstratenserorden. Im Archiv des Stift Wilten ist die Urkunde, die die \u00dcbernahme durch den Pr\u00e4monstratenserorden aus dem Jahr 1138 best\u00e4tigt, noch erhalten. Bedenkt man, dass das Stammkloster in Premontre in Frankreich von Ordensstifter Norbert von Xanten erst 1120 gegr\u00fcndet wurde, erfolgte die Ausbreitung nach Tirol sehr schnell. Ausgehend von Frankreich schaffte es der Orden innerhalb weniger Jahrzehnte in ganz Europa vertreten zu sein. Der Armutsgedanke war bei den Pr\u00e4monstratensern nicht so ausgepr\u00e4gt wie bei den zeitgleich aufkommenden Franziskanern oder Dominikanern. Der ab 1582 als Heiliger verehrte Norbert war zwar ein Kirchenreformator, seine Abstammung aus dem Adel und seine politische Rolle als Erzbischof von Magdeburg und Berater des K\u00f6nigs konnte er bei aller Spiritualit\u00e4t nicht verleugnen. Mit der \u00dcbernahme der kirchlichen Rechte und Pflichten war die Grundherrschaft \u00fcber L\u00e4ndereien verbunden, \u00fcber die das Stift verf\u00fcgen konnte. Das Hochstift Brixen \u00fcberschrieb dem Stift Wilten 1140 seinen ganzen Grundbesitz zwischen Berg Isel, Sill und Inn. Der m\u00e4chtige bayerische Herzog <em>Heinrich der L\u00f6we<\/em> schenkte dem Stift einen Erbhof aus seinem Besitz. Dazu kamen der Mentlberg und L\u00e4ndereien im Sellraintal. Tirols vielleicht sch\u00f6nster Talschluss L\u00fcsens ist bis heute ebenso in kirchlichem Besitz wie das Gasthaus Heiligwasser in Igls.<\/p>\n<p>Dank des Landbesitzes war das Stift auch ein politischer Player. In diesen L\u00e4ndereien hatte das Stift die niedere Gerichtsbarkeit, was alles umfasste, was nicht dem Blutgericht unterlag. 1180 war es das Stift Wilten, das den\u00a0Grafen von Andechs\u00a0die Gebiete s\u00fcdlich des Inns \u00fcberlie\u00df, auf dem die Innsbruck gegr\u00fcndet wurde. Nicht nur 1180, auch 1339 und 1453 konnte die Erweiterung Innsbrucks erst nach dem Landerwerb von den Wiltenern erfolgen. In Angelegenheiten der Seelsorge und des Messdienstes war die Stadt vom Abt abh\u00e4ngig. So war das Recht, Beerdigungen durchzuf\u00fchren lange ein Privileg des Stifts Wilten. Erst im sp\u00e4ten Mittelalter erhielt Innsbruck dieses Privileg selbst. Die Pfarrkirche St. Jakob war lediglich eine Filialkirche. Mit viel Voraussicht lie\u00df sich das Stift Wilten als Gegenleistung f\u00fcr den Landverkauf nicht nur kirchliche, sondern auch weltliche Sonderrechte vertraglich verankern. Die <em>Kleine Sill<\/em>, ein Kanal, der im Hochmittelalter angelegt worden war, versorgte die Stadt mit Wasser, das f\u00fcr die Handwerksbetriebe der Stadt unerl\u00e4sslich war. Da der Kanal durch die L\u00e4ndereien des Stiftes floss, hatte der Abt bis ins 16. Jahrhundert wie \u00fcber so vieles andere die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Nutzungsrecht. Das Stift besa\u00df auch das wichtige M\u00fchlrecht. Amraser, Pradler und Innsbrucker Bauern mussten im Mittelalter zu den Wiltener M\u00fchlen an der Sill pilgern, um ihr Korn zu mahlen. Ging mittelalterlichen St\u00e4dten das Brot aus, drohten Unruhen und Aufst\u00e4nde, war Getreide doch der Hauptbestandteil des t\u00e4glichen Speiseplans. Das Wohl des Innsbrucker Stadtrates hing von Wilten ab, in vielen Dingen war man von der Gunst des Abtes abh\u00e4ngig. Das Verh\u00e4ltnis zwischen der kirchlichen Macht in Wilten in Person des Abtes und der weltlichen in Innsbruck in Person des Landesf\u00fcrsten \u00e4hnelte dem andauernden Streit zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter.<\/p>\n<p>Neben den wirtschaftlichen Agenden war Innsbruck lange auch in Bildungsfragen vom Stift Wilten abh\u00e4ngig. Eine Klosterschule wurde 1313 erw\u00e4hnt. <em>Ruedger der Schulmeister<\/em> fand als Dorfmeister sogar noch 10 Jahre eher Eingang in die Chronik Wiltens. Neben reger Tafelmalerei wurden von den Sch\u00fclern wohl auch B\u00fccher kopiert. Die Stadtschule bei der Kirche St. Jakob, einer Filiale des Stiftes Wilten, stand ebenfalls indirekt unter der \u00c4gide des Abtes. Bis 1561 verhinderten die \u00c4bte erfolgreich weitere Klosteransiedlungen in Innsbruck, um den Einflussbereich des Stiftes in der Stadt aufrechtzuerhalten. Erst in der Gegenreformation schaffte es der aus Spanien stammende, sich \u00fcber viele \u00f6rtliche Gepflogenheiten hinwegsetzende Landesf\u00fcrst und sp\u00e4tere Kaiser Ferdinand I. mit den Jesuiten auch in der Stadt einen Orden anzusiedeln, um die Residenzstadt unabh\u00e4ngiger zu machen. Die Messen an hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern oder Taufen wurden trotzdem in Wilten gefeiert. Ab dem 16. Jahrhundert begann der Einfluss der Kirche nach und nach zu schmelzen, auch wenn er sich noch \u00fcber Jahrhunderte in der einen oder anderen Form halten konnte. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat um die Oberhoheit in verschiedenen Lebensbereich der Untertanen und B\u00fcrger, die die Macht- und Gesellschaftspolitik bestimmte. In der Zwischenkriegszeit war der katholische Glaube noch Staatsr\u00e4son des St\u00e4ndestaates unter den Bundeskanzlern Dollfu\u00df und Schuschnigg, in der Bildungspolitik f\u00fchrt bis heute in vielen Grundsatzfragen kein Weg an der Kirche vorbei. Heute haben die \u00c4bte von Wilten zwar keine politische Macht mehr, der Grundbesitz und der Wohlstand, der sich in den R\u00e4umlichkeiten des Stiftes widerspiegelt, sind ihnen aber nicht abhandengekommen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Artikel: Der Riese Haymon&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Riese Haymon&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65620&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Erschienen: Neue Tiroler Stimmen \/ 15. April 1875<\/p>\n<p>(Der Riese Haymon), welcher\u2013 13 Fu\u00df gro\u00df und bei 7 Zentner schwer schon etwa 150 Jahre lang, wie sein Gegner Thyr\u017fus (von Seefeld), vor der Wiltener Stiftskirche<br \/>in einer Mauernische gestanden, aber zuf\u00e4llig durch einen Windsto\u00df am 20. v. M., fr\u00fch 7 Uhr, einen Sturz erlitten hatte, so da\u00df er in viele St\u00fccke zertr\u00fcmmert ward, ist nun wieder durch geschickte H\u00e4nde zu\u017fammengesetzt, und vorgestern mittelst Flaschenzug wohlbehalten auf seinen alten Posten erhoben worden. Selb\u017ftverst\u00e4ndlich sicherte man ihn gegen \u00e4hnliches Mi\u00dfgeschick in jetzigen und\u00a0 k\u00fcnftigen sturmbewegten Zeiten! M\u00f6ge er fortan treue Wacht halten \u00fcber die von ihm \u2013 vor<br \/>1000 Jahren \u2013 gegr\u00fcndete Kirche des hl. Laurentius und \u00fcber das ihr zust\u00e4ndige Chorherren\u017ftift \u2013 unter Gottes gn\u00e4diger Obhut!<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Grafen von Andechs und die Gr\u00fcndung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53377&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das 12. Jahrhundert brachte in Europa wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung und gilt als eine Art vorgezogener mittelalterlicher Renaissance. \u00dcber den Umweg der Kreuzz\u00fcge kam es zum verst\u00e4rkten Austausch mit den in vielerlei Hinsicht weiter entwickelten Kulturen des Nahen Ostens. Arabische Gelehrte brachten \u00fcber S\u00fcdspanien und Italien \u00dcbersetzungen griechischer Denker wie Aristoteles nach Europa. Das R\u00f6mische Recht wurde an den ersten Universit\u00e4ten s\u00fcdlich der Alpen wiederentdeckt. Neue landwirtschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und ein g\u00fcnstiges Klima, das bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts anhalten sollte, erm\u00f6glichten die Entstehung von St\u00e4dten und gr\u00f6\u00dferen Siedlungen. Eine dieser Siedlungen befand sich zwischen am Fu\u00df der R\u00f6merstra\u00dfe \u00fcber den Brenner, dem Fluss Inn und der Nordkette. Politisch und wirtschaftlich beschr\u00e4nkte sich die Bedeutung des Inntals vor allem auf den Transit. Die beiden niedrigen und somit leicht zu \u00fcberschreitenden Alpen\u00fcberg\u00e4nge Reschenpass und Brennerpass zwischen den deutschen L\u00e4ndern und dem Besitz der deutschen K\u00f6nige in Italien m\u00fcndeten in den breiten Talkessel. Aus einem Streit \u00fcber die Kontrolle \u00fcber diesen Teil des Heiligen R\u00f6mischen Reiches entstand die politische Konstellation, die Tirol und Innsbruck bis in die Neuzeit hinein bestimmen sollte. 1024 wurde Konrad II. aus dem Geschlecht der Salier zum K\u00f6nig gew\u00e4hlt. Er stand in Konkurrenz zu den bayerischen Herz\u00f6gen aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, unter deren Kontrolle die begehrten Alpenp\u00e4sse zu dieser Zeit standen. Um das Gebiet weg von seinen bayrischen Konkurrenten und unter die Kontrolle der ihm treuen Reichskirche zu bringen, sprach Konrad II. das Territorium Tirols 1027 den Bisch\u00f6fen von Brixen und Trient als Lehen zu. Die Bisch\u00f6fe wiederum ben\u00f6tigten sogenannte V\u00f6gte f\u00fcr die Verwaltung dieser L\u00e4ndereien und die Rechtsprechung. Diese V\u00f6gte des Bischofs von Brixen waren die Grafen von Andechs. Die Andechser m\u00f6gen heute im Schatten der Welfen, Staufer, Wittelsbacher und Habsburger stehen, waren im Hochmittelalter aber ein einflussreiches Geschlecht. Sie stammten aus der Gegend des bayerischen Ammersees und besa\u00dfen G\u00fcter in Oberbayern zwischen Lech und Isar sowie \u00f6stlich von M\u00fcnchen. \u00dcber geschickte Heiratspolitik waren sie an die Titel der Herz\u00f6ge von Meranien, einer Gegend an der dalmatischen K\u00fcste, und Markgrafen von Istrien gekommen. Damit stiegen sie im Rang innerhalb des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> auf. Um Verwaltung und sp\u00e4teres Seelenheil in einem sicherzustellen, gr\u00fcndeten sie im 12. Jahrhundert das Kloster Die\u00dfen und das Kloster am Heiligen Berg Andechs oberhalb des Ammersees. 1165 kam Otto V. von Andechs auf den Bischofssitz in Brixen und vergab die Vogtei \u00fcber dieses Hochstift an seinen Bruder. Dadurch kamen sie an die Verwaltung des mittleren Teils des Inntals, des Wipptals, des Pustertals und des Eisacktals.<\/p>\n<p>Damit aber nicht genug der dynastischen Verwirrungen und politischen Komplikationen, die der Gr\u00fcndung Innsbrucks im Wege standen. Heute erstreckt sich die Stadt zu beiden Seiten des Inns. Im 12. Jahrhundert stand dieses Gebiet unter dem Einfluss zweier Grundherren. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Inntals war dicht bewaldet und an den Ufern des breiten Inns sumpfiges Gel\u00e4nde. S\u00fcdlich des Inns \u00fcbte das Stift Wilten die Grundherrschaft aus. Das Gebiet n\u00f6rdlich des Flusses stand unter der Verwaltung der Andechser. W\u00e4hrend das s\u00fcdliche Stadtgebiet rund um das Stift schon seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt wurde, war das Schwemmgebiet rund um den nicht regulierten Fluss vor dem Hochmittelalter kaum besiedelt. Die Region z\u00e4hlte nicht zu den Hotspots der europ\u00e4ischen Kulturlandschaft. Die Menschen arbeiteten zum allergr\u00f6\u00dften Teil in der Landwirtschaft, die von ihrem Grundherrn betrieben wurde. Sie lebten in armseligen H\u00fctten aus Lehm und Holz. Medizinische Versorgung gab es kaum, die Kindersterblichkeit war hoch und kaum jemand wurde \u00e4lter als 50 Jahre alt.<\/p>\n<p>Wie heute jeder gute Immobilienentwickler nicht m\u00fcde wird zu betonen, z\u00e4hlte aber auch damals schon vor allem die Lage, wenn es um das Potential eines neuen Bauprojekts geht. Etwa um das Jahr 1133 gr\u00fcndeten die Andechser ob der besonderen Verkehrsanbindung der \u00d6rtlichkeit im heutigen St. Nikolaus den Markt <em>Anbruggen<\/em> und verbanden das n\u00f6rdliche und das s\u00fcdliche Innufer \u00fcber eine Br\u00fccke. Aus dem landwirtschaftlich nicht nutzbaren St\u00fcck Land am Fu\u00df der Nordkette war durch diese Verkehrsverbindung ein Handelsplatz geworden. Die kleine Holzbr\u00fccke erleichterte den Warenverkehr in den Ostalpen zwischen den italienischen und deutschen Handelsst\u00e4dten. Die lange Zeit f\u00fcr gro\u00dfe Handelsz\u00fcge zu steile Brennerroute war durch eine der Neuerungen der mittelalterlichen Renaissance interessanter geworden: neue Zuggeschirre erm\u00f6glichten es die steilen Anstiege mit Fuhrwerken zu bew\u00e4ltigen. Die k\u00fcrzere <em>Via Raetia<\/em> hatte die <em>Via Claudia Augusta<\/em> \u00fcber den Reschenpass als Hauptverkehrsweg \u00fcber die Alpen abgel\u00f6st. Davon profitierte der Markt der weitsichtigen Andechser. Die Zolleinnahmen des Handels zwischen den deutschen und italienischen St\u00e4dten, die daraus erwirtschaftet wurden, lie\u00dfen die Siedlung prosperieren. Bald siedelten sich Schmiede, Wirte, Fuhrwerksbetreiber, Schneider, Zimmerleute, Seiler, Wagenmacher und Gerber an. Pferde, H\u00e4ndler und ihr Anhang mussten versorgt und logiert, Fuhrwerke repariert werden. Die gr\u00f6\u00dferen dieser Betriebe besch\u00e4ftigten Angestellte und Knechte. Aus der abgelegenen, sumpfigen Brachlandschaft wurde ein Service Center. Die Wandlung von der reinen Landwirtschaft hin zur Stadt konnte beginnen. <em>Anbruggen<\/em> wuchs schnell, der Platz zwischen Nordkette und Inn war aber knapp bemessen. 1180 erwarb Berchtold V. von Andechs f\u00fcr die Expansion seines Handelsst\u00fctzpunktes vom Kloster Wilten ein St\u00fcck Land auf der S\u00fcdseite des Inns. Ganz wollte der Abt den Fu\u00df nicht aus der T\u00fcr nehmen, entwickelte sich die neue Siedlung doch pr\u00e4chtig dank der Zolleinnahmen. In der Urkunde ist die Rede von drei H\u00e4usern, die dem Stift Wilten innerhalb der neuen Siedlung vorbehalten blieben. Die Grafen von Andechs lie\u00dfen im Zuge der Errichtung der Stadtmauer die <em>Andechser Burg<\/em> bauen und verlegten ihren Stammsitz von Meran nach Innsbruck. Irgendwann zwischen 1187 und 1204 konnten sich die B\u00fcrger Innsbrucks \u00fcber das Stadtrecht freuen. Als offizielles Gr\u00fcndungsdatum wird h\u00e4ufig 1239 herangezogen, als vom letzten Grafen aus der Andechser Dynastie Otto VIII. das Stadtrecht formal in einer Urkunde best\u00e4tigt wurde. Innsbruck war zu dieser Zeit bereits die M\u00fcnzpr\u00e4gest\u00e4tte der Andechser und w\u00e4re wohl zur Hauptstadt in deren F\u00fcrstentum geworden. Es kam aber anders. 1246 zerst\u00f6rten die bayerischen Wittelsbacher, die gr\u00f6\u00dften Konkurrenten der Andechser im s\u00fcddeutschen Raum, deren Stammburg am Ammersee. Otto, der letzte Graf aus dem Haus Andechs-Meranien starb im Jahr 1248 ohne Nachkommen. 12 Jahre zuvor hatte er Elisabeth, die Tochter Graf Alberts VIII. von Tirol geheiratet. Dieses Adelsgeschlecht mit ihrer Stammburg in Meran \u00fcbernahm damit die Lehen und Teile der Besitzt\u00fcmer inklusive der Stadt am Inn sowie die Erzfeindschaft mit den bayerischen Wittelsbachern.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen, Statuen und Malereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen Jesu, Marias, Heiliger und biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend, Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders reich begl\u00fcckt. Kirchen sind in Zahl und Dimension umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten gigantische Erscheinungen im Stadtbild. Innsbruck mit seinen etwa 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte.<\/p>\n<p>Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider. Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs gleich wie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten. Der Klerus hatte die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber seine Untertanen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten vielfach sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns mittlerweile Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bischof, Bibel, christliche Erbauungsliteratur und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Es war nicht der Fall, dass jedem Aberglauben blind nachgegeben wurde und Menschen willk\u00fcrlich auf anonyme Anzeigen hingerichtet wurden Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Teile des Innsbrucker B\u00fcrgertums von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Gro\u00dfdeutsch-national orientierte Innsbrucker orientierten sich in die Richtung des modernen Staates Preu\u00dfen unter Kanzler Bismarck, der den Einfluss der Kirche zur\u00fcckdr\u00e4ngen beziehungsweise dem Staat Untertan machen wollte. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freisinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt. Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlich-soziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Tirol Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Big City Life im fr\u00fchen Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Mittelalterliches und Fr\u00fchneuzeitliches Stadtrecht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53562&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck hatte sich w\u00e4hrend des Mittelalters hochoffiziell zu einer Stadt entwickelt. Die formale Anerkennung durch den Landesf\u00fcrsten von 1239 brachte ein g\u00e4nzlich neues System f\u00fcr die B\u00fcrger mit sich. Marktrecht, Baurecht, Zollrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit gingen nach und nach auf die Stadt \u00fcber. Stadtb\u00fcrger unterlagen nicht mehr ihrem Grundherrn, sondern der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit, zumindest innerhalb der Stadtmauern. Das gefl\u00fcgelte Wort &#8222;<em>Stadtluft macht frei<\/em>&#8220; r\u00fchrt daher, dass man nach einem Jahr in der Stadt von allen Verbindlichkeiten seines ehemaligen Grundherrn frei war. B\u00fcrger konnten anders als unfreie Bauern und Dienstleute frei \u00fcber ihren Besitz und ihre Lebensf\u00fchrung verf\u00fcgen. Nat\u00fcrlich hatten sie Rechte und Pflichten zu erf\u00fcllen. B\u00fcrger lieferten zwar keinen <em>Zehenten<\/em> ab, sondern bezahlten Steuern an die Stadt. Welche Gruppe innerhalb der Stadt welche Steuer zu bezahlen hatte, konnte die Stadtregierung selbst festlegen. Die Stadt wiederum musste diese Steuern nicht direkt abliefern, sondern konnte nach Abzug einer fixen Abgabe an den Landesf\u00fcrsten frei \u00fcber ihr Budget verf\u00fcgen. Zu den Ausgaben neben der Stadtverteidigung geh\u00f6rte die Kranken- und Armenf\u00fcrsorge. Notleidende B\u00fcrger konnten in der \u201e<em>Siedek\u00fcche<\/em>\u201c Speisen beziehen, so sie das B\u00fcrgerrecht hatten. Besondere Beachtung schenkte die Stadtregierung ansteckenden Krankheiten wie der Pest, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Einwohner marterte. Jeder B\u00fcrger musste im Gegenzug f\u00fcr seine Rechte den B\u00fcrgereid leisten. Dieser B\u00fcrgereid beinhaltete die Verpflichtung zur Abgabe von Steuern und Milit\u00e4rdienst. Neben der Stadtverteidigung wurden die B\u00fcrger auch au\u00dferhalb eingesetzt. 1406 stellte sich eine Abordnung gemeinsam mit S\u00f6ldnern einem Appenzeller Heer entgegen, um das Oberinntal zu verteidigen. Ab 1511 war der Stadtrat laut dem Landlibell Kaiser Maximilians auch verpflichtet ein Kontingent an Wehrpflichtigen f\u00fcr die Landesverteidigung zu stellen. Dar\u00fcber hinaus gab es Freiwillige, die sich im <em>Freif\u00e4hnlein<\/em> der Stadt zum Kriegsdienst melden konnten, so waren zum Beispiel bei der T\u00fcrkenbelagerung Wiens 1529 auch Innsbrucker unter den Stadtverteidigern.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurde der Platz eng im rasch wachsenden Innsbruck. Das B\u00fcrgerrecht wurde zu einem exklusiven Gut. Nur noch freien Untertanen aus ehelicher Geburt war es m\u00f6glich, das Stadtrecht zu erlangen. Um B\u00fcrger zu werden, mussten entweder Hausbesitz oder F\u00e4higkeiten in einem Handwerk nachgewiesen werden, an der die Z\u00fcnfte der Stadt interessiert waren. Der Streit darum, wer ein \u201eechter\u201c Innsbrucker ist, und wer nicht, h\u00e4lt sich bis heute. Dass Migration und Austausch mit anderen immer schon die Garantie f\u00fcr Wohlstand waren und Innsbruck zu der lebenswerten Stadt gemacht haben, die sie heute ist, wird dabei oft vergessen.<\/p>\n<p>Innsbruck hatte wegen dieser Beschr\u00e4nkungen eine g\u00e4nzlich andere soziale Zusammensetzung als die umliegenden D\u00f6rfer. Handwerker, H\u00e4ndler, Beamte und Dienstboten bestimmten das Stadtbild. H\u00e4ndler waren oft fahrendes Volk, Beamte und Hofstaat kamen ebenfalls im Gefolge eines F\u00fcrsten f\u00fcr kurze Zeit nach Innsbruck und besa\u00dfen kein B\u00fcrgerrecht. Es waren die Handwerker, die einen gro\u00dfen Teil der politischen Macht innerhalb der B\u00fcrgerschaft aus\u00fcbten. Sie z\u00e4hlten, anders als Bauern, zu den mobilen Schichten im Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit. Sie gingen nach der Lehrzeit auf die <em>Walz<\/em>, bevor sie sich der Meisterpr\u00fcfung unterzogen und entweder nach Hause zur\u00fcckkehrten oder sich in einer anderen Stadt niederlie\u00dfen. \u00dcber Handwerker erfolgte nicht nur Wissenstransfer, auch kulturelle, soziale und politische Ideen verbreiteten sich durch sie. Die Handwerksz\u00fcnfte \u00fcbten teilweise eine eigene Gerichtsbarkeit neben der st\u00e4dtischen Gerichtsbarkeit unter ihren Mitgliedern aus. Es waren soziale Strukturen innerhalb der Stadtstruktur, die gro\u00dfen Einfluss auf die Politik hatten. L\u00f6hne, Preise und das soziale Leben wurden von den Z\u00fcnften unter Aufsicht des Landesf\u00fcrsten geregelt. Man k\u00f6nnte von einer fr\u00fchen Sozialpartnerschaft sprechen, sorgten die Z\u00fcnfte doch auch f\u00fcr die soziale Sicherheit ihrer Mitglieder bei Krankheit oder Berufsunf\u00e4higkeit. Die einzelnen Gewerbe wie Schlosser, Gerber, Plattner, Tischler, B\u00e4cker, Metzger oder Schmiede hatten jeweils ihre Zunft, der ein Meister vorstand.<\/p>\n<p>Ab dem 14. Jahrhundert besa\u00df Innsbruck nachweisbar einen Stadtrat, den sogenannten <em>Gemain<\/em>, und einen B\u00fcrgermeister, der von der B\u00fcrgerschaft j\u00e4hrlich gew\u00e4hlt wurde. Es waren keine geheimen, sondern \u00f6ffentliche Wahlen, die allj\u00e4hrlich rund um die Weihnachtszeit abgehalten wurden. Im <em>Innsbrucker Geschichtsalmanach<\/em> von 1948 findet man Aufzeichnungen \u00fcber die Wahl des Jahres 1598.<\/p>\n<p><em>Der Erhardstag, d.i. der 8. J\u00e4nner, spielte allj\u00e4hrlich im Leben der Innsbrucker B\u00fcrger eine gro\u00dfe Rolle. An diesem Tage versammelten sie sich zur Wahl der Stadtobrigkeit, n\u00e4mlich des B\u00fcrgermeisters, Stadtrichters, Gemeinredners und des zw\u00f6lfgliedrigen Rates\u2026. Ein genaues Bild \u00fcber den Ablauf dieser Wahlen in den Jahren 1598 bis 1607 vermittelt ein im Stadtarchiv verwahrtes Protocoll: \u201e\u2026 Das L\u00e4uten der gro\u00dfen Glocke rief Rat und B\u00fcrgerschaft auf das Rathaus und dann als ein ehrsamer Rat und ganze Gmein aufm Rathaus versammelt gwest, ist anfangs ein ehrsamer Rat in der Ratstuben zusammen gesessen und des n\u00e4chsten Jahr her gwesten B\u00fcrgermeisters, Augustin Tauschers, Urlaub angeh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister vertrat die Stadt gegen\u00fcber den anderen St\u00e4nden und dem Landesf\u00fcrsten, der die Oberherrschaft \u00fcber die Stadt je nach Epoche mal mehr, mal weniger intensiv aus\u00fcbte. Jeder Stadtrat hatte eigene, klar zugeteilte Aufgaben zu erf\u00fcllen wie die \u00dcberwachung des Marktrechts und die Qualit\u00e4t der angebotenen Waren, die Betreuung des Spitals und der Armenf\u00fcrsorge oder die f\u00fcr Innsbruck besonders wichtige Zollordnung. Der Stadtrat hatte auch die Aufgabe f\u00fcr Zucht. Einhaltung der sozialen Ordnung und g\u00e4ngigen Moral zu sorgen. Der Konsum von Alkohol und das Verweilen in den Gastst\u00e4tten war zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich geregelt. \u00c4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten war es nicht nur zu teuer, sie durften auch nur zu gewissen Zeiten in die Gasth\u00e4user. So sollte \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Trunkenheit und dem Anbetteln der Oberschicht vorgebeugt werden. Der Stadtrat kontrollierte die Qualit\u00e4t und G\u00fcte der Speisen \u00e4hnlich einem fr\u00fchen Marktamt, waren St\u00e4dte doch an der Qualit\u00e4t ihrer Betriebe interessiert, um als Wirtschaftsstandort und f\u00fcr G\u00e4ste interessant zu sein. Bei all diesen politischen Vorg\u00e4ngen sollte man sich stets in Erinnerung rufen, dass Innsbruck im 16. Jahrhundert etwa 5000 Einwohner hatte, von denen nur ein kleiner Teil das B\u00fcrgerrecht besa\u00df. Besitzlose, fahrendes Volk, Erwerbslose, Dienstboten, Diplomaten, Angestellte, Frauen und Studenten waren keine wahlberechtigten B\u00fcrger. Zu w\u00e4hlen war ein Privileg der m\u00e4nnlichen Oberschicht.<\/p>\n<p>Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung war das Mittelalter keine rechtfreie Zeit der Willk\u00fcr. Auf kommunaler wie auch auf Landesebene, gab es Codices, die sehr genau regelten was erlaubt und was verboten war. Je nach Herrscher und gerade g\u00e4ngigen Moral- und Sittenvorstellungen konnte sich das sehr unterscheiden. Waffentragen, Fluchen, Prostitution, L\u00e4rmen, Musizieren, Gottesl\u00e4sterung, spielende Kinder \u2013 alles und jeder konnte dabei ins Visier der Ordnungsh\u00fcter kommen. Bezieht man die Regeln f\u00fcr Handel, Z\u00f6lle, Aus\u00fcbung des Berufes durch Gilden und Preisfestsetzungen f\u00fcr allerlei Waren durch den Magistrat mit ein, war das vor- und fr\u00fchmoderne Zusammenleben nicht weniger reguliert als heute. Der Unterschied waren Kontrolle und Durchsetzungskraft, die der Obrigkeit h\u00e4ufig nicht gegeben war. Wurde jemand bei unrechter oder unsittlicher Tat erwischt, gab es Gerichtsinstanzen, die Urteile f\u00e4llten. Die mittelalterlichen Gerichtstage wurden an der \u201e<em>Dingst\u00e4tte<\/em>\u201c im Freien abgehalten. Die Tradition des <em>Ding<\/em> geht zur\u00fcck auf den altgermanischen <em>Thing<\/em>, bei dem sich alle freien M\u00e4nner versammelten, um Recht zu sprechen. Der Stadtrat bestellte einen Richter, der f\u00fcr alle Vergehen zust\u00e4ndig war, die nicht dem Blutgericht unterlagen. Ihm zur Seite stand ein Kollegium aus mehreren Geschworenen. Strafen reichten von Geldbu\u00dfen \u00fcber Pranger und Kerker. Auch die Einhaltung der religi\u00f6sen Ordnung wurde von der Stadt \u00fcberwacht. \u201eKetzer\u201c und Querdenker wurden nicht von der Kirche, sondern der Stadtregierung gema\u00dfregelt. Der Strafvollzug beinhaltete auch weniger humane Methoden als heutzutage \u00fcblich, es wurde aber nicht wahllos und willk\u00fcrlich gefoltert. Folter als Teil des Verfahrens in besonders schweren F\u00e4llen war aber ebenfalls geregelt. Verd\u00e4chtige und Verbrecher wurden im Innsbruck bis zum 17. Jahrhundert im <em>Kr\u00e4uterturm <\/em>an der s\u00fcd\u00f6stlichen Ecke der Stadtmauer, am heutigen Herzog-Otto-Ufer, festgehalten und traktiert. Sowohl Verhandlung wie auch Strafverb\u00fc\u00dfung waren \u00f6ffentliche Prozesse. Dem Stadtturm stand das <em>Narrenh\u00e4usel<\/em>, ein K\u00e4fig, in den Menschen eingesperrt und zur Schau gestellt wurden. Auf dem h\u00f6lzernen <em>Schandesel<\/em> wurde man bei kleineren Vergehen durch die Stadt gezogen. Der Pranger stand in der Vorstadt, der heutigen Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Eine Polizei gab es nicht, der Stadtrichter besch\u00e4ftigte aber Knechte und an den Stadttoren waren Stadtw\u00e4chter aufgestellt, um f\u00fcr Ruhe zu sorgen. Es war B\u00fcrgerpflicht, bei der Erfassung von Verbrechern mitzuhelfen. Selbstjustiz war verboten.<\/p>\n<p>Die Zust\u00e4ndigkeiten zwischen st\u00e4dtischer und landherrschaftlicher Justiz war seit 1288 im Urbarbuch geregelt. \u00dcber schwere Vergehen hatte weiterhin das Landesgericht zu bestimmen. Diesem Blutrecht unterlagen Verbrechen wie Diebstahl, Mord oder Brandstiftung. Das Landesgericht f\u00fcr alle Gemeinden s\u00fcdlich des Inns zwischen Ampass und G\u00f6tzens war auf der <em>Sonnenburg<\/em>, die sich s\u00fcdlich oberhalb Innsbrucks befand. Im 14. Jahrhundert siedelte das Landgericht Sonnenburg an den Oberen Stadtplatz vor dem Innsbrucker Stadtturm, sp\u00e4ter ins Rathaus und in der fr\u00fchen Neuzeit nach G\u00f6tzens. Mit der Zentralisierung des Rechtes im 18. Jahrhundert kam das Gericht <em>Sonnenburg<\/em> zur\u00fcck nach Innsbruck und fand unter wechselnden Bezeichnungen sowie in wechselnden Geb\u00e4uden wie dem Leuthaus in Wilten, am Innrain oder am Ansitz Ettnau, bekannt als <em>Malfatti-Schl\u00f6ssl<\/em>, in der H\u00f6ttinger Gasse Unterschlupf.<\/p>\n<p>Der Scharfrichter Innsbrucks war ab dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert zentralisiert f\u00fcr mehrere Gerichte zust\u00e4ndig und in Hall ans\u00e4ssig. Die Richtst\u00e4tten befanden sich durch die Jahre an mehreren Orten. Auf einem H\u00fcgel im heutigen Stadtteil Dreiheiligen befand sich lange direkt an der Landesstra\u00dfe ein Galgen. Der <em>K\u00f6pflplatz<\/em> befand sich bis 1731 der heutigen Ecke Fallbachgasse \/ Weiherburggasse in <em>Anpruggen<\/em>. In H\u00f6tting stand der Galgen hinter der <em>Kapelle zum Gro\u00dfen Gott<\/em>. Die heutige Kapelle, die neben dem barocken Kruzifix Keramikfiguren des bekannten K\u00fcnstlers Max Spielmann (1906 \u2013 1984) tr\u00e4gt, wurde bei Stra\u00dfenarbeiten in den 1960er Jahren versetzt. W\u00e4hrend Spielmanns Denkmal <em>Totentanz<\/em> an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnert, konnten zum Tode Verurteilte am letzten Weg hier ein letztes Gebet zum Himmel schicken, bevor ihnen der Strick um den Hals gelegt oder der Kopf abgeschlagen wurde, je nach gesellschaftlichem Status und Art des Verbrechens. Es war nicht un\u00fcblich, dass der Verurteilte seinem Henker eine Art Trinkgeld zusteckte, damit sich dieser bem\u00fchte, m\u00f6glichst genau zu zielen, um so die Hinrichtung so schmerzlos wie m\u00f6glich zu gestalten. Viel konnte schiefgehen. Traf das Schwert nicht genau, wurde die Schlinge nicht sorgf\u00e4ltig umgelegt oder riss gar das Seil, erh\u00f6hte sich das Leiden des Verurteilten. F\u00fcr die Obrigkeit und \u00f6ffentliche Ordnung besonders sch\u00e4dliche Delinquenten wie der \u201eKetzer\u201c Jakob Hutter oder die gefassten Anf\u00fchrer der Bauernaufst\u00e4nde von 1525 und 1526 wurden vor dem <em>Goldenen Dachl <\/em>publikumstauglich hingerichtet. \u201ePeinliche\u201c Strafen wie Vierteilen oder R\u00e4dern, vom lateinischen Wort <em>poena<\/em> abgeleitet, waren nicht an der Tagesordnung, konnten in speziellen F\u00e4llen aber angeordnet werden. Hinrichtungen waren eine Machtdemonstration der Obrigkeit und \u00f6ffentlich. Sie galt als eine Art der Reinigung der Gesellschaft von Verbrechern und sollte als Abschreckung dienen. Gro\u00dfe Menschenmengen versammelten sich, um den Galgenvogel auf seinem letzten Weg zu begleiten. An der Universit\u00e4t wurde an den Hinrichtungstagen der Unterricht ausgesetzt, um den Studenten die Anwesenheit zu erm\u00f6glichen und sie zu l\u00e4utern. Die Leichen der Hingerichteten wurden oft h\u00e4ngengelassen und au\u00dferhalb des geweihten Bereichs der Friedh\u00f6fe begraben oder der Universit\u00e4t f\u00fcr Studienzwecke \u00fcberlassen. Die letzte \u00f6ffentliche Hinrichtung der \u00f6sterreichischen Geschichte fand 1868 statt. Zimperlich war man zwar auch dann nicht, ein Spektakel vor Publikum waren die T\u00f6tungen am W\u00fcrgegalten, der bis in die 1950er das Mittel der Wahl bei Hinrichtungen war, aber zumindest nicht mehr.<\/p>\n<p>Mit der Zentralisierung des Rechts unter Maria Theresia und Josef II im 18. und dem Allgemeinen B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch im 19. Jahrhundert unter Franz I. ging das Recht von St\u00e4dten und Landesf\u00fcrsten an den Monarchen und deren Verwaltungsorgane auf verschiedenen Ebenen \u00fcber. Die Folter wurde abgeschafft. Die Aufkl\u00e4rung hatte die Vorstellung von Recht, Strafe und Resozialisierung grundlegend ver\u00e4ndert. Auch die Einhebung von Steuern wurde zentralisiert, was einen gro\u00dfen Bedeutungsverlust des lokalen Adels und eine Aufwertung der Beamtenschaft zur Folge hatte. Mit der zunehmenden Zentralisierung unter Maria Theresia und Josef II. wurden auch Steuern und Z\u00f6lle nach und nach zentralisiert und von der Reichshofkammer eingehoben. Innsbruck verlor dadurch, wie viele Kommunen in dieser Zeit, Einnahmen in gro\u00dfer H\u00f6he, die nur bedingt \u00fcber Ausgleiche aufgefangen wurden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53389&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Werke der Familie Gumpp bestimmen bis heute sehr stark das Aussehen Innsbrucks. Vor allem die barocken Teile der Stadt sind auf sie zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Begr\u00fcnder der Dynastie in Tirol, Christoph Gumpp (1600-1672) war eigentlich Tischler. Sein Talent allerdings hatte ihn f\u00fcr h\u00f6here Weihen auserkoren. Den Beruf des Architekten oder K\u00fcnstler gab es zu dieser Zeit noch nicht, selbst Michelangelo und Leonardo da Vinci galten als Handwerker. Der geb\u00fcrtige Schwabe Gumpp trat nach seiner Mitarbeit an der Dreifaltigkeitskirche in die Fu\u00dfstapfen der italienischen Baumeister, die unter Ferdinand II den Ton angegeben hatten. Auf Gehei\u00df Leopolds V. reiste Gumpp nach Italien, um dort Theaterbauten zu studieren und bei den zeitgen\u00f6ssisch stilbildenden Kollegen sein Know-How f\u00fcr das geplante landesf\u00fcrstliche <em>Comedihaus<\/em> aufzupolieren. Seine offizielle T\u00e4tigkeit als Hofbaumeister begann 1633.\u00a0Neue Zeiten bedurften eines neuen Designs, abseits des architektonisch von der Gotik gepr\u00e4gten Mittelalters und den Schrecken des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. \u00dcber die folgenden Jahrzehnte wurde Innsbruck unter der Regentschaft Claudia de Medicis einer kompletten Renovierung unterzogen. Gumpp vererbte seinen Titel an die n\u00e4chsten beiden Generationen innerhalb der Familie weiter. Die Gumpps traten nicht nur als Baumeister in Erscheinung. Sie waren Tischler, Maler, Kupferstecher und Architekten, was ihnen erlaubte, \u00e4hnlich der Bewegung der <em>Tiroler Moderne<\/em> rund um Franz Baumann und Clemens Holzmeister Anfang des 20. Jahrhunderts, Projekte ganzheitlich umzusetzen. Auch bei der Errichtung der Schanzwerke zur Landesverteidigung w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges waren sie als Planer beteiligt. Christoph Gumpps Meisterst\u00fcck aber war die Errichtung des <em>Comedihaus<\/em> im ehemaligen Ballhaus. Die \u00fcberdimensionierten Ma\u00dfe des damals richtungsweisenden Theaters, das in Europa zu den ersten seiner Art \u00fcberhaupt geh\u00f6rte, erlaubte nicht nur die Auff\u00fchrung von Theaterst\u00fccken, sondern auch Wasserspiele mit echten Schiffen und aufw\u00e4ndige Pferdeballettauff\u00fchrungen. Das Comedihaus war ein Gesamtkunstwerk an und f\u00fcr sich, das in seiner damaligen Bedeutung wohl mit dem Festspielhaus in Bayreuth des 19. Jahrhunderts oder der Elbphilharmonie in Hamburg heute verglichen werden muss.<\/p>\n<p>Seine Nachfahren Johann Martin Gumpp der \u00c4ltere, Georg Anton Gumpp und Johann Martin Gumpp der J\u00fcngere waren f\u00fcr viele der bis heute pr\u00e4gendsten Geb\u00e4ude im Stadtbild zust\u00e4ndig. So stammen die Wiltener Stiftskirche, die Mariahilfkirche, die Johanneskirche und die Spitalskirche von den Gumpps. Neben dem Entwurf von Kirchen und ihrer Arbeit als Hofbaumeister machten sie sich auch als Planer von Profanbauten einen Namen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user und Stadtpal\u00e4ste Innsbrucks wie das Taxispalais oder das Alte Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden von Ihnen entworfen. Mit dem Verlust des Status als Residenzstadt gingen die prunkvollen Gro\u00dfauftr\u00e4ge zur\u00fcck und damit auch der Ruhm der Familie Gumpp. Ihr ehemaliges Wohnhaus beherbergt heute die Konditorei Munding in der Altstadt. Im Stadtteil Pradl erinnert die Gumppstra\u00dfe an die Innsbrucker Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53500&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer in \u00d6sterreich unterwegs ist, kennt die Kuppeln und Zwiebelt\u00fcrme der Kirchen in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Sie sind das typische Kennzeichen des Architekturstils Barock, der in der Zeit der Gegenreformation seine Bl\u00fctezeit erlebte und pr\u00e4gen das Innsbrucker Stadtbild bis heute. Die bekanntesten Gottesh\u00e4user wie der Dom, die Johanneskirche oder die Jesuitenkirche, sind im Stile des Barocks gehalten. Prachtvoll und prunkvoll sollten Gottesh\u00e4user sein, ein Symbol des Sieges des rechten Glaubens. Die \u00fcberbordende, alles durchdringende Fr\u00f6mmigket von Eliten und Untertanen spiegelte sich in Kunst und Kultur wider: Gro\u00dfes Drama, Pathos, Leiden, Glanz und Herrlichkeit vereinten sich zum Barock, der den gesamten katholisch orientierten Einflussbereich der Habsburger und ihrer Verb\u00fcndeten zwischen Spanien und Ungarn nachhaltig pr\u00e4gte. Die Baumeisterfamilie Gumpp und Johann Georg Fischer ver\u00e4nderten Innsbrucks Stadtbild ab dem 17. Jahrhundert nachhaltig. Das Alte Landhaus in der Altstadt, das Neue Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die unz\u00e4hligen Palazzi, Bilder, Figuren \u2013 der Barock war im 17. und 18. Jahrhundert das stilbildende Element des Hauses Habsburg und brannte sich in den Alltag ein. Das B\u00fcrgertum wollte den Adeligen und F\u00fcrsten nicht nachstehen und lie\u00dfen ihre Privath\u00e4user im Stile des Barocks errichten. Auf Bauernh\u00e4usern prangen Heiligenbilder, Darstellungen der Mutter Gottes und des Herzen Jesu.<\/p>\n<p>Barock war aber mehr als eine architektonische Stilrichtung, es war ein Lebensgef\u00fchl, das seinen Ausgang nach dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges nahm. Die T\u00fcrkengefahr aus dem Osten, die in der zweimaligen Belagerung Wiens gipfelte, bestimmte die Au\u00dfenpolitik des Reiches, w\u00e4hrend die Reformation die Innenpolitik dominierte. Die Barockkultur war ein zentrales Element des Katholizismus und der politischen Darstellung derselben in der \u00d6ffentlichkeit, das Gegenmodell zum spr\u00f6den und strengen Lebensentwurf Calvins und Luthers. Feiertage mit christlichem Hintergrund wurden eingef\u00fchrt, um den Alltag der Menschen aufzuhellen. Architektur, Musik und Malerei waren reich, f\u00fcllig und \u00fcppig. In Theaterh\u00e4usern wie dem <em>Comedihaus<\/em> in Innsbruck wurden Dramen mit religi\u00f6sem Hintergrund aufgef\u00fchrt. Kreuzwege mit Kapellen und Darstellungen des gekreuzigten Jesus durchzogen die Landschaft. Die Volksfr\u00f6mmigkeit in Form der Wallfahrten, Marien- und Heiligenverehrung hielt Einzug in den Kirchenalltag. Multiple Krisen pr\u00e4gten den Alltag der Menschen. Neben Krieg und Hunger brach die Pest im 17. Jahrhundert besonders h\u00e4ufig aus. Die<em> Barockfr\u00f6mmigkeit<\/em> wurde zur Erziehung der Untertanen eingesetzt, um diese Plagen als Ausdruck der Unzufriedenheit Gottes durch einen gef\u00e4lligen Lebenswandel auszumerzen. Auch wenn der Ablasshandel in der Zeit nach dem 16. Jahrhundert keine g\u00e4ngige Praxis mehr in der katholischen Kirche war, so gab es doch noch eine rege Vorstellung von Himmel und H\u00f6lle. Durch ein tugendhaftes Leben, sprich ein Leben im Einklang mit katholischen Werten und gutem Verhalten als Untertan gegen\u00fcber der g\u00f6ttlichen Ordnung, konnte man dem Paradies einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommen. Die sogenannte <em>Christliche Erbauungsliteratur<\/em> war nach der Schulreformation des 18. Jahrhunderts und der Zunahme der Lesef\u00e4higkeit in der Bev\u00f6lkerung die beliebteste Lekt\u00fcre. Das Leiden des Gekreuzigten f\u00fcr die Menschheit galt als Symbol f\u00fcr die M\u00fchsal der Untertanen auf Erden innerhalb des Feudalsystems. Mit Votivbildern baten Menschen um Beistand in schweren Zeiten oder bedankten sich vor allem bei der Mutter Gottes f\u00fcr \u00fcberstandene Gefahren und Krankheiten. Besonders eindrucksvolle Votivbilder kann man in der Wiltener Basilika bewundern. Der Historiker Ernst Hanisch beschrieb den Barock und den Einfluss, den er auf die \u00f6sterreichische Lebensart hatte, so:<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich entstand in seiner modernen Form als Kreuzzugsimperialismus gegen die T\u00fcrken und im Inneren gegen die Reformatoren. Das brachte B\u00fcrokratie und Milit\u00e4r, im \u00c4u\u00dferen aber Multiethnien. Staat und Kirche probierten den intimen Lebensbereich der B\u00fcrger zu kontrollieren. Jeder musste sich durch den Beichtstuhl reformieren, die Sexualit\u00e4t wurde eingeschr\u00e4nkt, die normengerechte Sexualit\u00e4t wurden erzwungen. Menschen wurden systematisch zum Heucheln angeleitet.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Rituale und das untert\u00e4nige Verhalten gegen\u00fcber der Obrigkeit hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Alltagskultur, die katholische L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und Italien bis heute von protestantisch gepr\u00e4gten Regionen wie Deutschland, England oder Skandinavien unterscheiden. Die Leidenschaft f\u00fcr akademische Titel der \u00d6sterreicher hat ihren Ursprung in den barocken Hierarchien. Der Ausdruck <em>Barockf\u00fcrst<\/em> bezeichnet einen besonders patriarchal-g\u00f6nnerhaften Politiker, der mit gro\u00dfen Gesten sein Publikum zu becircen wei\u00df. W\u00e4hrend man in Deutschland politische Sachlichkeit sch\u00e4tzt, ist der Stil von \u00f6sterreichischen Politikern theatralisch, ganz nach dem \u00f6sterreichischen Bonmot des \u201e<em>Schaumamal<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Reformation in Tirol&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Reformation in Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53544&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Reformation mag aus heutiger Sicht als Angelegenheit des Glaubens erscheinen. Dank der liberalen Gesetzgebung, die wir in dieser Hinsicht genie\u00dfen, steht es jedem frei seine Konfession zu w\u00e4hlen. Betrachtet man Religion aber als essentiellen Bestandteil des Alltags und der Identit\u00e4t der Menschen vergangener Jahrhunderte, erkennt man, dass sie nicht nur ein Ausdruck von Spiritualit\u00e4t war. Die Reformation, die sich zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert besonders blutig entlud, war eine gesamtgesellschaftliche Z\u00e4sur \u00e4hnlich den Jahren 1848 oder 1968. Der damit einhergehende soziale und politische Wandel machte auch vor dem Heiligen Land Tirol nicht Halt.<\/p>\n<p>Es ist eine Huhn-Ei-Frage, ob die Reformation das Menschenbild oder ein ver\u00e4nderter Blick auf das Dasein das Christentum ver\u00e4nderte. Um 1500 begannen neue Entdeckungen und Denkans\u00e4tze das Ende des Mittelalters einzul\u00e4uten. K\u00fcnstler, Gelehrte und Kleriker begannen \u00fcberall in Europa Hierarchien, Ordnung und Legitimationen zu hinterfragen. Mit den theologischen Reformatoren des 15. und 16. Jahrhunderts begann das Feudalsystem, das Kirche und Adel \u00fcber Volk und B\u00fcrgerschaft sah, br\u00fcchig zu werden. Der b\u00f6hmische Geistliche Jan Hus hatte im 15. Jahrhundert als einer der ersten in Festlandeuropa die Allmacht des Papstes angezweifelt und wurde daf\u00fcr am Konzil von Konstanz am Scheiterhaufen verbannt. In Frankreich und der Schweiz war es Jean Calvin (1509 \u2013 1564), im <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich<\/em> Martin Luther (1483 \u2013 1546) und Thomas M\u00fcntzer (1489 \u2013 1525), die die R\u00f6mische Kirche im 16. Jahrhundert herausforderten. Reformorientierte Kirchenm\u00e4nner und Flugschriften verbreiteten die neuen Lehren. In Tirol waren im fr\u00fchen 16. Jahrhundert vor allem die Bergwerkst\u00e4dte Hall und Schwaz die Zentren der Reformation. Viele Knappen kamen aus Sachsen und brachten ihre Vorstellungen von Glauben und Kirche von dort mit. Die alte Liturgie mit Predigten in unverst\u00e4ndlichem Latein entsprach diesen Vorstellungen nicht. Prediger\u00a0wie Dr. Jacob Strau\u00df sprachen die Menschen mit lutherischem Gedankengut an, das auch Kritik an Klerus und Herrschaftssystem beinhaltete. Die Religionskrise f\u00fchrte damit auch im Profanen au\u00dferhalb der Kirchen zu Problemen. Glaube und Weltliches waren keine getrennten Sph\u00e4ren. Waren die Knappen unzufrieden mit der Seelsorge, streikten sie. Die \u00f6ffentliche Ordnung war in Gefahr, nicht nur dadurch, dass die Bergleute das Recht hatten, Waffen zu tragen. Sie waren untereinander gut verkn\u00fcpft. Ein Generalstreik konnte eine Wirtschaftskrise ausl\u00f6sen. Fugger und Habsburger, Kapital und politische Macht, waren sehr bedacht darauf, es nicht so weit kommen zu lassen und r\u00e4umten den Bergleuten Sonderrechte ein. Nicht nur die Bergleute, auch die progressiven Teile des B\u00fcrgertums und des Adels interessierten sich f\u00fcr die neue Art, seinen Glauben, der wichtiger Teil des Lifestyles war, zu leben. Die neuen Lehren waren ein Symbol f\u00fcr das neue Selbstverst\u00e4ndnis und die gesellschaftliche Bedeutung, die Handwerker, Facharbeiter und Unternehmer in dieser aufstrebenden Branche gegen\u00fcber dem alten System der Feudalherren hatten.<\/p>\n<p>Ferdinand I. und seine Nachfolger konnten die Reformation in Tirol erfolgreich zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Die Religionsmandate mit ihren etlichen Verboten waren zwar mit ein Grund f\u00fcr die Bauernkriege, langfristig und mit vielen Zwangsma\u00dfnahmen fruchtete die landesf\u00fcrstliche Strategie. Machtpolitik mag ein Grund gewesen sein, tats\u00e4chlich waren die regierenden Habsburger aber fromme Menschen, die zumindest zu einem gro\u00dfen Teil aus \u00dcberzeugung f\u00fcr den Katholizismus eintraten. Ferdinand II. beschrieb seine Motive mit den Worten:<\/p>\n<p>\u201e\u2026<em>aus eingebung Gotes und seines Hayligen Geistes Inspiration. Alles zu ehre des aller h\u00f6chsten aus ainem Rechen inpr\u00fcnstigen zu der heyligen Catholischen Alleinsseligmachenden Religion tragenden eyfer<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Es waren vor allem Priester des Jesuitenordens, die abtr\u00fcnnige Gemeinden und B\u00fcrger vom reformierten Glauben zur\u00fcck in den Scho\u00df der katholischen Kirche bringen sollten. Den Anfang machten Reformma\u00dfnahmen wie die bessere Ausbildung des Klerus. Konkubinat und Postenschacherei sollten abgeschafft werden. Priester und Bisch\u00f6fe sollten sich weniger um Weltliches, als vielmehr um das Seelenheil ihrer Sch\u00e4fchen k\u00fcmmern. Da diese Ma\u00dfnahme allerdings nicht von heute auf morgen umsetzbar war, t\u00fcchtige Priester mussten erst gefunden und erzogen werden, kamen Zwangsma\u00dfnahmen dazu. Der Besitz protestantischer B\u00fccher und Flugbl\u00e4tter stand unter Strafe. Dabei galt: je niederer der Stand des B\u00fcrgers, desto schwerer die Bestrafung. Adelige, Berater und Schl\u00fcsselarbeitskr\u00e4fte konnten oft diskret ihrem protestantischen Glauben nachgehen. Unter Ferdinand II. mussten Untertanten zu Ostern die Beichte ablegen. Der Pfarrer legte eine Liste mit den Namen derer an, die ihrer Pflicht nachkamen. Wer trotz mehrmaliger Ermahnung nicht im Beichtstuhl erschien, konnte des Landes verwiesen werden.<\/p>\n<p>Im 17. Jahrhundert setzte man in \u00d6sterreich sogenannte <em>Religionsreformationskommissionen<\/em> ein. Fanden diese \u201e<em>Missionare<\/em>\u201c protestantisch orientierte Pfarrer oder Untertanen, die verbotene Lekt\u00fcre besa\u00dfen, wurden sie verhaftet und des Landes verwiesen und nicht selten ihre H\u00e4user samt allem Hab und Gut in Brand gesetzt. Protestantische Beamte konnten ihren Beruf nicht aus\u00fcben. Sie mussten entweder konvertieren oder emigrieren. Besonders sture Untertanen wurden \u00f6ffentlich angekettet. Maximilian III. lie\u00df von einer eigenen <em>Religionsagenterei<\/em> vor allem Handwerker und H\u00e4ndler kontrollieren. Sie mussten zur Beglaubigung ihrer katholischen Sinneshaltung regelm\u00e4\u00dfig Beichtzettel abliefern. Unter\u00a0Maria Theresia im 18. Jahrhundert wurden Tiroler Protestanten in weit entlegene Teile des Habsburgerreichs zwangsweise umgesiedelt. Die Umsiedlungen bedeuteten aber nicht nur f\u00fcr die betroffenen B\u00fcrger ein Problem. Arbeitskraft und die Anzahl der Untertanen waren in den modernen Staatswesen wichtige Merkmale der Entwicklung. Damit stand vor dem Problem, das man heute als <em>Braindrain<\/em> bezeichnet. Kompetenzen und milit\u00e4rische Power gingen im Namen des Herrn verloren. 1781 erlie\u00df der aufgekl\u00e4rte Kaiser Joseph II. auch aus diesem Grund das <em>Toleranzpatent<\/em>, das den Bau von protestantischen Kirchen erlaubte, wenn auch an Bedingungen gebunden. So durften diese Beth\u00e4user keine T\u00fcrme oder sonstigen baulichen Besonderheiten aufweisen. Sogar stra\u00dfenseitige Fenster waren verboten. In Tirol kam es zu Widerst\u00e4nden gegen das Toleranzpatent, man f\u00fcrchtete um die guten Sitten und wollte fremdartige Religionen, Zwietracht und Unruhen aller Art vermeiden. Konvertierten Untertanen wurden Ehe und ein Begr\u00e4bnis auf katholischen Friedh\u00f6fen verwehrt.<\/p>\n<p>Bis heute gilt Tirol als selbsternanntes \u201e<em>Heiliges Land<\/em>\u201c, wobei sich heilig explizit auf den katholischen Glauben bezieht. 1837 wurden Protestanten aus dem Zillertal abgeschoben. Die Nachfahren der sogenannten <em>Zillertaler Inklinanten<\/em>, die unter beh\u00f6rdlichem Druck auswanderten, leben bis heute in Deutschland. Nach und nach hielt die Toleranz zwar Einzug im Kaiserreich und in den L\u00e4ndern, die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Obrigkeit und katholischer Kirche biss sich aber weit ins 20. Jahrhundert in vielen Lebensbereiche, zum Beispiel der Schulbildung, fest. Als w\u00e4hrend der Verfassungsverhandlungen von 1848 bekannt wurde, dass f\u00fcr die gesamte Monarchie freie Aus\u00fcbung der Religion geplant war, war die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung in Tirol riesig. Mehr als 120.000 Unterschriften wurden nach Medienkampagnen gegen diese Liberalisierung des Glaubens gesammelt. 1861 erlie\u00df Kaiser Franz Josef das <em>Protestantenpatent<\/em>, das der evangelischen Kirche mehr oder minder die gleichen Rechte wie die katholische Kirche. Die Tiroler lie\u00dfen sich in ihrer Beharrungsf\u00e4higkeit auch nicht vom kaiserlichen <em>Protestantenpatent <\/em>von ihrem auserw\u00e4hlten Pfad abbringen. Mit Ausnahme zweier Liberaler stimmten im Landtag alle Abgeordneten f\u00fcr die Beibehaltung der Glaubenseinheit. Das Argument lautete, dass es in Tirol ohnehin keine Andersgl\u00e4ubigen g\u00e4be, es daher auch keiner Toleranz gegen\u00fcber Nichtkatholiken bedurfte. Erst 1876 kam es zur Gr\u00fcndung einer offiziellen evangelischen Pfarrgemeinde in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Reform und Rebellion: Jakob Hutter und Michael Gaismair&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Reform und Revolution: Jakob Hutter und Michael Gaismair&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53521&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die ersten Regierungsjahre des sp\u00e4teren Kaisers Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) als Landesf\u00fcrst Tirols waren von Unruhen gekennzeichnet. Die aufw\u00e4ndige Hoff\u00fchrung Siegmunds und die Kriege Maximilians samt der Verpf\u00e4ndung eines gro\u00dfen Teils des Landesverm\u00f6gens an ausl\u00e4ndische Unternehmer und Finanziers hatte die finanzielle Lage Tirols in arge Schieflage gebracht. Unter dem spanischst\u00e4mmigen Ferdinand, der kaum Zeit am Hof in Innsbruck verbrachte, b\u00fc\u00dfte Innsbruck an Bedeutung ein. Viele Reichsbeamten verlie\u00dfen die Stadt wieder und mit ihnen das Kapital, das sie als gut besoldete Bedienstete und Angeh\u00f6rige der Aristokratie mitgebracht hatten. Das einzige, das sie hinterlie\u00dfen, so zumindest die subjektive und individuelle Auffassung vieler B\u00fcrger, waren Nachteile. Die gestiegenen Preise f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben fielen nicht mehr, obwohl die Eink\u00fcnfte geringer wurden. Das neue Recht, das \u00fcber die von Maximilian eingef\u00fchrte Verwaltung eingef\u00fchrt worden war, stand dem alten Gewohnheitsrecht gegen\u00fcber. Die Jagd im Wald und das Suchen nach Feuerholz waren damit f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung illegal geworden. Der Verlust dieser <em>Allmendrechte<\/em> und die immer h\u00f6her werdende Abgabenlast hatten f\u00fcr Kleinbauern, Tagel\u00f6hner, Knechte und anderen <em>Pofel<\/em> massive Auswirkungen. In Tirol traten zu dieser Zeit mit Jakob Hutter (1500 \u2013 1536) und Michael Gaismair (1490 \u2013 1532) zwei M\u00e4nner auf den Plan, die mehr soziale Gerechtigkeit forderten, die bestehende Ordnung bedrohten und daf\u00fcr mit dem Leben bezahlten.<\/p>\n<p>Jakob Hutter war die Galionsfigur der in Tirol vor allem im Unterinntal und im Pustertal aktiven Wiedert\u00e4ufer. Die Zeit, in der er heranwuchs, war wie gemacht f\u00fcr einen apokalyptischen Prediger des Wandels. Die ersten Anzeichen der Kleinen Eiszeit verursachten vermehrt Missernten. Einige Menschen sahen darin eine Strafe Gottes f\u00fcr das s\u00fcndige Leben der Menschen. Sekten wie die Wiedert\u00e4ufer predigten die reine Lehre der Religion, um sich von dieser Schuld zu befreien und so die Ordnung wiederherzustellen. Menschen sollten frei erwachsene und m\u00fcndige B\u00fcrger dem Christentum beitreten anstatt direkt nach der Geburt getauft zu werden. Besonderen Unmut bei der R\u00f6mischen Kirche und Ferdinand I. erregte ihre Einstellung zu weltlichem Besitz, zur Kindstaufe und die offen zur Schau gestellte Abneigung gegen weltliche und kirchliche Obrigkeiten. F\u00fcr den streng gl\u00e4ubigen und papsttreuen Landesf\u00fcrsten stellten die Wiedert\u00e4ufer eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Ordnung dar. Einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung waren die Sonderlinge als S\u00fcndenb\u00f6cke willkommen. Was dem 19. Jahrhundert Anarchisten und Kommunisten waren, stellten im Zeitalter der Konfessionsstreitigkeiten Gruppen wie die Hutterer dar. Dass die Schulden und die finanziellen Belastungen nicht vom gottlosen Leben der Wiedert\u00e4ufer sondern von der teuren Regentschaft und Politik der Habsburger kamen, interessierte kaum jemanden. Der Hexenwahn ging an Innsbruck vor\u00fcber, bereits 1524 wurden aber drei Wiedert\u00e4ufer in Innsbruck vor dem <em>Goldenen Dachl<\/em> wegen Ketzerei am Scheiterhaufen verbrannt. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wurden Tausende von ihnen des Landes verwiesen und wanderten nach M\u00e4hren, die heutige Tschechei, aus, wo sie geduldet wurden. Einer der Exilierten war Jakob Hutter. Aufgewachsen in S\u00fcdtirol f\u00fchrten ihn seine Lehr- und Gesellenjahre als Hutmacher nach Prag und K\u00e4rnten, wo er wahrscheinlich zum ersten Mal mit den Wiedert\u00e4ufern und ihren Lehren in Verbindung kam. Als die Religionsgemeinschaft 1535 auch aus M\u00e4hren vertrieben wurden, kam Hutter wieder zur\u00fcck nach Tirol. Die Bauernkriege, die gerade einmal zehn Jahre in der Vergangenheit lagen, steckten der Obrigkeit noch in den Knochen. Aufwieglern begegnete man mit aller H\u00e4rte. Hutter wurde gefangengenommen und nach Innsbruck gebracht. Im Kr\u00e4uterturm, einem in die Stadtmauern integrierten Verlie\u00df befragte man ihn nach den Sitten der Zeit unter Folter. Als Anf\u00fchrer der H\u00e4retiker f\u00fcr sein Wirken 1536 wurde er vor dem <em>Goldenen Dachl<\/em> am Scheiterhaufen verbrannt. Die nach ihm benannte Gemeinde der <em>Hutterischen Br\u00fcder<\/em> kam nach ihrer endg\u00fcltigen Vertreibung aus den deutschen L\u00e4ndern und langen Irrfahrten und Fluchten quer durch Europa im 19. Jahrhundert in Nordamerika an. Noch heute gibt es einige hundert Hutterer Kolonien in Kanada und den USA, die noch immer nach dem Gebot der Jerusalemer G\u00fctergemeinschaft in einer Art kommunistischem Urchristentum leben. Wie die Mennoniten und die Amisch leben die Hutterer meist isoliert von der Au\u00dfenwelt und haben sich eine eigene Form der an das Deutsche angelehnten Sprache erhalten. In Innsbruck erinnern eine kleine Tafel <em>am Goldenen Dachl<\/em> sowie eine Stra\u00dfe im Westen der Stadt an Jakob Hutter. 2008 hatten die Bisch\u00f6fe von Brixen und Innsbruck gemeinsam mit den Landeshauptleuten Nord- und S\u00fcdtirols in einem Brief an den \u00c4ltestenrat der <em>Hutterischen Br\u00fcder<\/em> das knapp 500 Jahre vergangene Unrecht an der T\u00e4ufergemeinschaft eingestanden. 2015 wurde im Saggen ein paar Schritte s\u00fcdwestlich des Panoramageb\u00e4udes der <em>Huttererpark<\/em> er\u00f6ffnet, in dem das Denkmal \u201e<em>\u00dcbrige Brocken<\/em>\u201c an das Schicksal und Leid der Verfolgten erinnert.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Aufruhr im Zuge der Reformation in Tirol war der Bauernaufstand von 1525, der eng mit dem Namen Michael Gaismairs verbunden ist. Anders als Hutter, der vor allem eine spirituelle Erneuerung forderte, wollte Gaismair auch soziale Ver\u00e4nderungen vorantreiben. Der Tiroler Aufstand war ein Teil dessen, was als <em>Deutscher Bauernkrieg<\/em> gro\u00dfe Teile des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> ersch\u00fctterte. Es war zum Teil reformatorischer, theologischer Eifer, zum Teil Unzufriedenheit mit der sozialen Lage und G\u00fcterverteilung, was die Aufst\u00e4ndischen antrieb. Gaismair war kein Theologe. Als Sohn eines Bergwerksunternehmers entstammte er einem Haushalt, den man heute wohl als b\u00fcrgerliche Oberschicht bezeichnen w\u00fcrde. Wahrscheinlich studierte er Jus an einer italienischen Universit\u00e4t, bevor er Grubenschreiber im Bergwerk Schwaz wurde. 1518 begab er sich in den Dienst des Tiroler Landeshauptmanns Leonhard von V\u00f6ls, wo er milit\u00e4rische und administrative Erfahrungen sammelte. 1524 wechselte er, vermutlich nach einer Art Korruptionsskandal, in den Dienst des Bischofs von Brixen. Der Bischof war gleichzeitig kirchlicher und weltlicher F\u00fcrst seines Bistums. Bei seinen Untertanen war er sehr unbeliebt, galt er doch als strenger Landesherr und verlangte mehr Robot und Fronarbeit als der Tiroler Landesf\u00fcrst. Hier sah Gaismair aus erster Hand, wie die landesherrschaftliche Verwaltung des Klerus mit strenger Rechtsprechung die Untertanen knechtete.<\/p>\n<p>Im Mai 1525 kam es nach langem Brodeln zum \u00dcberkochen des Volkszornes. Die Nachrichten von Bauernaufst\u00e4nden aus S\u00fcddeutschland hatten auch die Tiroler Untertanen aufgestachelt. Viele von ihnen hatten in den Italienkriegen Maximilians als Kriegsknechte gedient und besa\u00dfen milit\u00e4rische Erfahrung. Dazu gesellten sich unzufriedene Stadtb\u00fcrger, Handerker und sonstiger <em>Pofel<\/em>. Einer dieser <em>Bauernhaufen<\/em> drang in das Kloster Neustift ein. Nicht nur bisch\u00f6fliches Eigentum und die Weinvorr\u00e4te wurden gepl\u00fcndert, auch die Urbare, die Aufzeichnungen rund um Gerichtsbarkeit, Besitz, Schulden und Verpflichtungen der Bauern gegen\u00fcber dem Grundherrn, wurden vernichtet. Mit von der Partie war auch Michael Gaismair, der eigentlich auf der Seite des Bischofs h\u00e4tte stehen sollen. Am Tag nach der Einnahme des Klosters w\u00e4hlten die Aufst\u00e4ndischen Gaismair zu ihrem Hauptmann. Es waren wohl seine milit\u00e4rische Erfahrung, seine Bildung und auch sein Wissen um milit\u00e4rische St\u00e4rken und Schw\u00e4chen sowohl des Landeshauptmann von Tirol wie auch der Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient, die ihm das Vertrauen einbrachten. Die Aufstandsbewegung nahm in den n\u00e4chsten Tagen unkoordiniert Fahrt auf und breitete sich \u00fcber gro\u00dfe Teile Tirols aus. Es kam zu \u00dcbergriffen auf Einrichtungen der Kirche und der verhassten fremden Handelsinstitute wie den Fuggern. W\u00e4hrend einige der Abteilungen und Gruppen ernsthafte Forderungen stellten und eine echte Gefahr f\u00fcr die Obrigkeit waren, waren andere auf den Spa\u00df an der Sache der Rebellion und Pl\u00fcnderungen aus. In Innsbruck wurde das Stift Wilten als grundherrschaftlicher Sitz belagert, die Bauern lie\u00dfen aber schnell von ihrem Vorhaben ab, nachdem sie Wein und Fleisch aus den Vorratskammern des Abtes erhalten hatten.<\/p>\n<p>Um Zeit zu gewinnen und sich zu sammeln, berief die Regierung unter Ferdinand einen Landtag in Innsbruck ein. Die Anliegen der Untertanen wurden in einem Beschwerdekatalog, den <em>62 Meraner Artikeln<\/em> gesammelt, die sp\u00e4ter auf <em>96 Innsbrucker Artikel<\/em> erweitert wurden. W\u00e4hrend der Verhandlungen zwischen Landesf\u00fcrsten, Adel, Klerus, B\u00fcrgern und Bauern residierte Gaismair weiterhin in Brixen und probierte im Gebiet an der Eisack sein Regiment zu etablieren. Erst im Laufe des Sommers begab er sich zu Verhandlungen mit Ferdinand nach Innsbruck. Obwohl ihm freies Geleit versprochen wurde, nahm man ihn als R\u00e4delsf\u00fchrer fest. Dass er tats\u00e4chlich im <em>Kr\u00e4uterturm<\/em> eingekerkert war, scheint nach seiner recht unspektakul\u00e4ren Flucht im Oktober 1525 unwahrscheinlich. \u00dcber Sterzing fl\u00fcchtete er in die Schweiz. In Z\u00fcrich lernte er Huldyrich Zwingli kennen. Wohl von ihm inspiriert schrieb Gaismair einen Entwurf f\u00fcr eine Tiroler Landesverfassung. Der Klerus sollte sich um das Seelenheil der Untertanen statt um Politik k\u00fcmmern. Land und G\u00fcter wie Bergwerksertr\u00e4ge sollten sozial gerecht verteilt, Zinsen abgeschafft werden. Die Einschr\u00e4nkungen von Jagd und Fischerei, die Ferdinands Vorg\u00e4nger Maximilian I. den Tirolern auferlegte, sollten wieder aufgehoben werden. Einer der Artikel lautete:<\/p>\n<p>\u201e<em>Was den Zehent betriff, so soll ihn jeder geben nach dem Gebot Gottes, und er soll wie folgt verwendet werden: Jede Pfarre habe einen Priester nach der Lehre des Apostels Paulus, den den Menschen das Wort Gottes verk\u00fcndet\u2026 was \u00fcbrig bleibt, ist den Armen zu geben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen waren die Rebellionen in der Grafschaft Tirol und den F\u00fcrstbist\u00fcmern Brixen und Trient zusammengebrochen. Die R\u00e4delsf\u00fchrer der Aufst\u00e4nde waren teils gefl\u00fcchtet, teils grausam und demonstrativ hingerichtet worden. Einige der Punkte aus den Beschwerdekatalogen wurden vom F\u00fcrsten in die Landesordnung aufgenommen, um die Bev\u00f6lkerung zu befrieden. F\u00fcr Gaismair gab es kein Zur\u00fcck mehr. Der radikalisierte Ex-Beamte zog mit einigen seiner M\u00e4nner von Graub\u00fcnden in den s\u00fcdlichen Teil Salzburgs und nahm am <em>Salzburger Bauernaufstand<\/em> 1526 teil. Der Ruf seiner milit\u00e4rischen Erfolge erreichte die Republik Venedig, die sich seit dem Krieg 1477 mit Siegmund dem M\u00fcnzreichen in st\u00e4ndigem Konflikt mit den Habsburgern befand. Gaismair wurde als <em>Condottiere<\/em>, als Heerf\u00fchrer, engagiert, wahrscheinlich auch, weil sich die Venezianer des Wissens des ehemaligen Beamten des Bischofs von Brixen und des Landeshauptmanns bem\u00e4chtigen \u00fcber die Zust\u00e4nde im Land des Feindes wollten. Bald fiel er aber auch hier in Ungnade. Nicht nur schloss der Doge von Venedig Frieden mit den Habsburgern, auch seine antikatholische Haltung und seine unangepasste Lebensweise erregten Missgunst und Neid. 1532 wurde auf seinem Landsitz bei Venedig mit mehr als 40 Messerstichen ermordet. Welche der vielen M\u00e4chte, die er gegen sich aufgebracht hatte, dahintersteckte, ist nicht gekl\u00e4rt, wahrscheinlich wurden die Auftragsm\u00f6rder aber vom landesf\u00fcrstlichen Hof in Innsbruck beauftragt.<\/p>\n<p>Nicht weniger interessant als sein Leben ist sein Werdegang post mortem. Gaismair schaffte es nie zum allgemeinen Ruhm Andreas Hofers in Tirol. Anders als Hofer, der sich als braver Katholik gegen eine fremde Macht erhob, war Gaismair ein Aufst\u00e4ndischer gegen die eigene Obrigkeit, ein Unangenehmer und Querdenker. 1899 war ein Theaterst\u00fcck \u00fcber den Bauernf\u00fchrer von Franz Kranewitter erschienen. Im 20. Jahrhundert wurde Gaismair je nach Bedarf als K\u00e4mpfer gegen Monarchie und Klerus, von den Nationalsozialisten als deutscher Held und Befreier der Bauern oder von der Linken als fr\u00fcher Kommunist gedeutet. Die 68er Generation feierte den eigentlich frommen und gottesf\u00fcrchtigen Revolution\u00e4r f\u00fcr seine Ideen zur Vergemeinschaftung von Eigentum. Der Tiroler Journalist und Historiker Claus Gatterer schrieb zur st\u00e4ndigen Umdeutung der Figur Gaismairs:<\/p>\n<p>\u00a0\u201e<em>Wieviel Wahrheit darf ein Volk \u00fcber seine Vergangenheit, \u00fcber Wachsen und Werden seiner Gegenwart erfahren?&#8230; Der jeweiligen Ideologie entsprechend, werden altverdiente Helden und Heilige von den Sockeln gest\u00fcrzt, und durch andere, bis dahin missachtet, ersetzt; oder es wird einem etablierten Heiligen kurzerhand eine neue Biographie verpasst, die namentlich in der Motivation des Handelns sich mit aktuellen Erfordernissen passt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Michael Gaismair und den Bauernaufstand von 1525 gibt es kaum Erinnerungsorte oder gar Denkm\u00e4ler in Innsbruck. In Wilten erinnern eine Stra\u00dfe und eine nach ihm benannte Hauptschule an ihn.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie der Lauf der Geschichte der Stadt unterliegt auch ihr Aussehen einem st\u00e4ndigen Wandel. Besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild erzeugten die Jahre rund um 1500 und zwischen 1850 bis 1900, als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in besonders schnellem Tempo abspielten. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c der Nationalsozialisten ein tats\u00e4chlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fu\u00dfe des Brenners war \u00fcber Jahrhunderte ein Segen f\u00fcr die Stadt gewesen, nun wurde sie zum Verh\u00e4ngnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Innsbruck, 17. Dez. Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese durch Zensur und Gleichschaltung der Medien fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht dem Volksk\u00f6rper pr\u00e4sentieren. Ganz so gro\u00df wie 1938 nach dem Anschluss, als Hitler am 5. April von 100.000 Menschen in Innsbruck begeistert empfangen worden war, war die Begeisterung f\u00fcr den Nationalsozialismus nicht mehr. Zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Dass die sterblichen \u00dcberreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus als Symbol nationalsozialistischer Macht im Stadtbild aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p>Im J\u00e4nner 1944 begann man Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen zu errichten. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt. Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, der Dom, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen. Besondere Behandlung erfuhren w\u00e4hrend der Angriffe historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Die Madonna Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgesch\u00fctze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, k\u00f6nnen am Lanser K\u00f6pfl oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln mit dem Hinweis auf den Wiederaufbau auf einen Bombentreffer hin.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65694&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucker br\u00fcsten sich stolz der vielen Titulierungen ihrer Heimatstadt. F\u00fcr jeden Geschmack ist etwas dabei: Hauptstadt der Alpen, Universit\u00e4tsstadt, \u00d6sterreichs Sportstadt oder Heimat des weltbesten Krankenhauses. Wirft man einen Blick auf die Liste der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber der Region oder in die Geschichte, ist Innsbruck vor allem eins: Beamtenstadt. Universit\u00e4t und Landeskrankenhaus sind zwar die gr\u00f6\u00dften einzelnen Arbeitgeber, rechnet man aber die \u00f6ffentlichen Bediensteten aller Ebenen, Stadt, Land und Bund zusammen und nimmt die ausgelagerten Unternehmen im Besitz der \u00f6ffentlichen Hand wie die \u00d6BB, TIWAG oder die Innsbrucker Kommunalbetriebe hinzu sowie Lehrer und Polizei, sind die Beamten klar in der \u00dcberzahl. Diese Titel hat auch die l\u00e4ngste Tradition. Sp\u00e4testens seit der \u00dcbersiedlung der landesf\u00fcrstlichen Residenz unter Friedrich IV. machte die Beamtenschaft nicht nur einen betr\u00e4chtlichen quantitativen Teil der B\u00fcrgerschaft aus, sie bestimmt die Geschicke der Stadt in einflussreicher, wenn auch unauff\u00e4lliger Manier. Bis heute sind es Beamten, die den Laden am Laufen halten. Sie setzen Gesetze durch, k\u00fcmmern sich um die Planung und Instandhaltung von Infrastruktur, machen eifrig Aufzeichnungen \u00fcber die Bev\u00f6lkerung, um Steuern ein- und Soldaten auszuheben. Die erste Welle der B\u00fcrokratie kam wohl bereits mit dem <em>Imperium Romanum<\/em>. Den R\u00f6mern folgten im fr\u00fchen Mittelalter die Br\u00fcder des Stiftes Wilten. Die schreibkundigen M\u00e4nner verwalteten nicht nur die herzoglichen und eigenen Besitzt\u00fcmer durch ihre Urbare und hoben die Abgaben bei den b\u00e4uerlichen Untertanen ein, sondern legten Taufmatrikel, Heiratsverzeichnisse und Sterbeb\u00fccher an. Die Feudalherrschaft erforderte zwar einen Panoramablick \u00fcber das, was sich innerhalb ihres Herrschaftsbereichs abspielte, vor allem in der Stadt war das Leben aber eher von den Beschr\u00e4nkungen der Z\u00fcnfte als von denen der Obrigkeit bestimmt. Ein Magistrat war nur oberfl\u00e4chlich vorhanden. Es gab Gesetze, aber keine Polizei, Steuern aber kein Finanzamt. St\u00e4dtische Infrastruktur war praktisch nicht vorhanden, schlie\u00dflich gab es weder flie\u00dfend Wasser, elektrischen Strom, Kanalisation, st\u00e4dtische Kindergarten, ein Arbeitsamt oder eine Krankenkasse. Die zur Stadt erhobene Gemeinde Innsbruck wurde lange von einem Stadtrichter, ab dem 14. Jahrhundert von einem B\u00fcrgermeister mit Gemeinderat regiert. Es handelte sich dabei nicht um hauptberufliche Beamte, sondern Mitglieder der st\u00e4dtischen Elite. Nur wenige Menschen wie Z\u00f6llner, Kornmesser, Schreiber oder Turmw\u00e4chter standen bei der Stadt unter Lohn und Brot.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurden Berufswelt und Gesellschaft differenzierter, die Heere gr\u00f6\u00dfer und die Steuerbelastungen h\u00f6her. Das traditionelle Gewohnheitsrecht wurde vom modernen, f\u00fcr Unkundige schwerer durchschaubaren R\u00f6mischen Recht abgel\u00f6st. Mit der Stadt wuchs auch der Beamtenapparat. Zwischen Anfang des 15. Jahrhunderts und der Regierung Leopolds V. war Innsbruck von einer Handels- und Transportsiedlung zu einer Beamtenstadt geworden. Von den circa 5500 Einwohnern geh\u00f6rte mehr als die H\u00e4lfte dem Hofstaat, der st\u00e4dtischen Beamtenschaft, der Universit\u00e4t oder dem Klerus an. Hofhaltung, Verwaltung, Zoll, Steuern, Fernhandel und Finanzwirtschaft ben\u00f6tigten schreibkundiges Personal. Die Verwaltung war, vor Handwerk, Transport und Gastronomie zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt geworden. Die Beamten hoben sich gesellschaftlich ab. Wenn \u00fcberhaupt kamen die B\u00fcrger mit diesen fremdl\u00e4ndischen Menschen nur in unangenehmen Situationen in Ber\u00fchrung. Besonders straff wurden die Z\u00fcgel von Maximilian I. angezogen. Seine zentral beschlossenen Gesetze wurden von den Reichskreisen lokal umgesetzt. Die besoldeten Beamten durchdrangen das Leben des Einzelnen in einer Art und Weise, die es im Mittelalter so nicht gab. Zu allem \u00dcbel kamen die Beamten oft aus dem Ausland. Besonders Italiener und Burgunder waren gefragte Schl\u00fcsselarbeitskr\u00e4fte, die aber mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung fremdelten. Nicht nur sprachen sie oft kein Deutsch, sie konnten lesen und schreiben, waren Angestellte und keine untert\u00e4nigen Landwirte. Sie hatten mehr Geld zur Verf\u00fcgung, kleideten sich anders, hatten andere Sitten und a\u00dfen andere Speisen. Anders als der Landesf\u00fcrst beriefen sie sich nicht auf Gott, sondern auf von Menschen geschriebene, von der Antike und der Vernunft inspirierte Regelwerke. Je nach Mode, Sitte und Moralvorstellung der Zeit, \u00e4nderten sich die Gesetze. So wie Naturschutz oder Tempolimits auf Autobahnen heute immer wieder zur Diskussion gestellt werden, obwohl sie Sinn machen, wurden damals Verbote von Ausspucken, Entsorgung des Nachttopfes, Holzbauten und Viehhaltung innerhalb der Stadtmauern kritisch gesehen, obwohl sie Hygiene und Sicherheit drastisch erh\u00f6hten.<\/p>\n<p>War es lange Sitte gewesen, dass B\u00fcrger sich in Abwesenheit des Regenten gewisse Freiheiten bei der Holzschl\u00e4gerung, dem Bauwesen, der Jagd und der Fischerei herausnahmen, war die B\u00fcrokratie immer anwesend. W\u00e4hrend der Landesf\u00fcrst als guter Vater seiner Untertanen gesehen wurde und Bisch\u00f6fe und \u00c4bte zwar strenge Grundherren waren, aber als Gegenleistung zumindest Seelenheil anbieten konnten, erschienen die neue Amtsgewalt anonym, abgehoben, gesichtslos, fremd und distanziert. Die Verhandlungsbasis, die man im direkten Kontakt als Untertan mit seinem Grundherrn hatte, wurde vom gnadenlosen Gesetz beerdigt, zumindest wenn man keine Bestechungsgelder bezahlen konnte oder niemand in h\u00f6herer Position kannte. Als der unbedingte Glaube an den immer korrupter werdenden Klerus zu br\u00f6ckeln begann und Ferdinand I. den Spanier Salamanca als obersten Finanzverwalter des Landes einsetzte, verwandelte sich das unterschwellige unzufriedene Brodeln 1525 in eine offene Rebellion. Die Untertanen forderten nicht die Absetzung des F\u00fcrsten, sondern eine Ver\u00e4nderung der Herrschaft des Klerus und der fremdl\u00e4ndischen Beamtenschaft. Auch im 17. Jahrhundert war es mit Wilhelm Biener der oberste Beamte des Landes, dessen Kopf rollte und nicht der des Landesherrn.<\/p>\n<p>Dabei barg die B\u00fcrokratie, die Herrschaft der Verwaltung, durchaus auch Vorteile f\u00fcr die Untertanen. Sie setzte fixe Regeln dort ein, wo oft Willk\u00fcr herrschte. Das \u00fcber unterschiedliche Territorien harmonisierte Gesetz war berechenbarer. Und man konnte mit etwas Gl\u00fcck und Talent auch ohne dem Adel anzugeh\u00f6ren sozial durch den Dienst f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand sozial aufsteigen. Michael Gaismair, einer der Anf\u00fchrer der Rebellion von 1525, war als Sohn eines Bergwerksunternehmers vor seiner Karriere als Revolution\u00e4r in Diensten des Landeshauptmanns gestanden.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Modernisierung der Verwaltung erfolgte im 18. Jahrhundert. Unter den aufgekl\u00e4rten, absolutistischen Monarchen Maria Theresia und Josef II. wehte ein neuer Wind bis hin zur Kommunalebene. Innsbruck erhielt erstmals eine Polizei. Die Stadtverwaltung wurde 1784 modernisiert. Anstelle des alten Stadtrats mit <em>Gemein<\/em> regierte nun ein von einem Rat, vor allem aber von Beamten unterst\u00fctzter B\u00fcrgermeister. Dieser Magistrat bestand aus besoldeten Experten, die zwar immer noch vorwiegend aus Mitgliedern des Kleinadels bestanden, sich nun aber durch Pr\u00fcfungen f\u00fcr die Aus\u00fcbung ihres Amtes qualifizieren mussten. Die B\u00fcrokratie erhielt auf operativer politischer Ebene mehr Macht. W\u00e4hrend der B\u00fcrgermeisterposten zeitlich begrenzt war, kamen Beamte in den Genuss einer lebenslangen, unk\u00fcndbaren Stellung. Diese Pragmatisierung und ein neuerlicher Schwall an neuen, oftmals den Traditionen widersprechenden Gesetzen, verst\u00e4rkten den Ruf der Beamten, abgehoben und b\u00fcrgerfern zu sein. Als mit der bayerischen Besetzung Tirols das Element des ausl\u00e4ndischen, noch dazu nach franz\u00f6sischem Vorbild, dazukam, brach 1809 erneut ein Aufstand aus. Die Massenaushebung junger M\u00e4nner f\u00fcr den Milit\u00e4rdienst, eine Reglementierung des religi\u00f6sen Lebens und eine Impfpflicht, durchgesetzt von bayerischen Beamten, war zu viel f\u00fcr die Tiroler Seelenlandschaft.<\/p>\n<p>Nach 1809 hielt die B\u00fcrokratie im Rahmen der Industrialisierung und neuen Technologien in immer mehr Lebensbereichen Einzug. Nicht nur das Staatswesen \u00fcber Steuern und Milit\u00e4r, auch Universit\u00e4t, Schulen, Bauwesen, Eisenbahn, Post und Institutionen wie die Kammer f\u00fcr Handel und Gewerbe bedurften Verwaltungsmitarbeitern. Die Stadt wuchs was Einwohner und Unternehmen anbelangte. Neue Infrastruktur wie Gas, Kanalisation und Elektrizit\u00e4t und neue Vorstellungen was Hygiene, Lebensmittelkontrolle, Gesundheit und Bildung anbelangte, verlangten nach neuen Mitarbeitern im Stadtmagistrat. Das alte Rathaus in der Altstadt wurde zu klein. Eine angedachte Erweiterung erwies sich als unm\u00f6glich. 1897 \u00fcbersiedelten die Beamten in das neue Rathaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Erm\u00f6glicht wurde der Umzug durch die gro\u00dfz\u00fcgige Schenkung des Industriellen und Hoteliers Leonhard Lang. Er hatte aus dem ehemaligen Palais K\u00fcnigl das <em>Hotel d\u00b4Autriche<\/em> gemacht, bevor der B\u00fcrgermeister und seine Entourage Einzug hielten.<\/p>\n<p>Als 1918 die Monarchie zusammenbrach, war der \u00dcbergang nicht nahtlos, dank der Strukturen verlief er aber unvorstellbar glatt. Es war aber nicht mehr der Kaiser, der die Last des Staates trug, sondern eine Heerschar an Staatsbediensteten und H\u00fctern der Ordnung, die f\u00fcr Wasser, Strom und ein funktionierendes Eisenbahnnetz sorgten. Mit Eduard Klingler und Theodor Prachensky hinterlie\u00dfen zwei Bauamtsleiter in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ihre bis heute gut sichtbaren Spuren im Innsbrucker Stadtbild. Die Republik \u00fcbernahm mit Agenden wie dem \u00f6ffentlichen Wohnbau, dem Arbeitsamt, dem Bildungswesen, der st\u00e4dtischen Infrastruktur, Stra\u00dfenbau, \u00f6ffentlichem Verkehr bis hin zu Meldewesen und Hochzeit mehr oder minder alle Aufgaben des t\u00e4glichen Lebens von Monarchie und Kirche. Wer sich also beim n\u00e4chsten Besuch im Neuen Rathaus \u00fcber \u00fcberbordendes Beamtentum und qu\u00e4lend langsame B\u00fcrokratie \u00e4rgert, dem sei in Erinnerung gerufen, dass der Wohlfahrtsstaat in Person seiner Staatsdiener von der Wiege bis zur Bahre das soziale Auskommen und \u00f6ffentliche Infrastruktur Tausender Menschen meist unbemerkt managet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klostergasse 7 \/ Pastorgasse 2<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":2199,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[16,37,162,38,33,55,32,112,47,53,164,87],"tags":[],"class_list":["post-2180","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-barock","category-mittelalterliches-und-fruehneuzeitliches-stadtrecht","category-burokraten-und-beamtenstadt-innsbruck","category-die-baumeister-gumpp-und-die-barockisierung-innsbrucks","category-die-grafen-von-andechs-und-die-gruendung-innsbrucks","category-die-reformation-in-tirol","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-innsbruck-als-teil-des-imperium-romanum","category-luftangriffe-auf-innsbruck","category-reform-und-revolution-jakob-hutter-und-michael-gaismair","category-haymon-und-die-bajuwaren","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2180"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2180\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}