{"id":2564,"date":"2020-10-12T12:39:18","date_gmt":"2020-10-12T12:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=2564"},"modified":"2025-12-10T14:44:58","modified_gmt":"2025-12-10T14:44:58","slug":"gasthaus-weisses-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/gasthaus-weisses-kreuz\/","title":{"rendered":"Gasthaus Weisses Kreuz"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Hotel Weisses Kreuz<\/h2>\n<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 31<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;64190,61754,67269,67456&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Gasthaus Wei\u00dfes Kreuz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;64219&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Gasthof Weisses Kreuz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58851&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Das <em>Weisse Kreuz<\/em> z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Gasth\u00e4usern Innsbrucks. Glaubt man der hoteleigenen Chronik, so \u00f6ffnete es seine Pforten bereits 1465, als Innsbruck unter Siegmund dem M\u00fcnzreichen zur wichtigsten Stadt Tirols aufzusteigen begann. Das schmale Haus bildete einen Teil der Laubeng\u00e4nge der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe, der damaligen Hauptverkehrsader durch die Stadt. Verl\u00e4sslich best\u00e4tigt ist das Gasthaus am <em>Oberen Stadtplatz<\/em> seit dem 16. Jahrhundert unter seinem damaligen Besitzer Achazi Z\u00fcrler. Der bekannteste Gast in der Geschichte des Hauses war Wolfgang Amadeus Mozart (1756 &#8211; 1791), der hier auf einer seiner Italienreisen n\u00e4chtigte. Sein Manager und Vater wollte die Talente des kleinen, bereits im Jugendalter im ganzen Reich bekannten Genies, auch in Tirol vorzeigen. Der vielleicht erfolgreichste Export \u00d6sterreichs gab am 17. Dezember 1769 im zarten Alter von 13 Jahren ein Konzert im Palais Trapp in Innsbruck. Zur nachhaltigen touristischen Ausbeutung Innsbrucks zum Thema Mozart reichte dieser eine Auftritt zwar nicht, das Hotel ist dank einer Erinnerungstafel an den hochbegabten Gast aber als <em>Mozarthaus<\/em> bekannt. Sechs Jahre <em>Post Mozartem<\/em> erhielt das Gasthaus unter dem Besitzer Nikolaus Benz seinen offiziellen Namen <em>Wei\u00dfes Kreuz Wirtsbehausung<\/em>. Wie viele Lokale wurde auch die altehrw\u00fcrdige Gastst\u00e4tte in der Altstadt im Laufe des 19. Jahrhunderts dank der gesellschaftlichen Umbr\u00fcche zum Treffpunkt von B\u00fcrgern und Studenten. Es wurde nicht nur fr\u00f6hlich getrunken und getanzt. 1904 nahmen die als <em>Fatti di Innsbruck<\/em> in die Geschichte eingegangenen Ereignisse ihren Ausgang im <em>Wei\u00dfen Kreuz<\/em>. Bei den gewaltsamen Stra\u00dfenk\u00e4mpfen zwischen Polizei, deutsch- und italienischsprachigen Studenten wurde ein Kunstmaler get\u00f6tet. In der Folge der Auseinandersetzungen wurden Einrichtung und Innenr\u00e4ume des Gasthauses von der wilden Meute in einem patriotischen Sturm der Entr\u00fcstung mit Ausnahme eines Bildnis Kaiser Franz Josefs vollkommen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Durch viele Renovierungen der Innenr\u00e4ume ist von der alten gotischen Bausubstanz nur noch wenig \u00fcbrig. 1926 verpasste Rudolf Stolz der Fassade das markante Putzrelief im typischen Stil der Zwischenkriegszeit, der Tiroler Moderne. Die \u00c4hnlichkeit mit der nur kurz sp\u00e4ter erfolgten Malerei am gegen\u00fcberliegenden <em>Weinhaus Happ<\/em> ist erstaunlich. Stolz schm\u00fcckte die f\u00fcr die Altstadt typischen Erker mit Weinreben und zwei Weinbauern. \u00dcber die Szenerie wacht Sankt Urban, der Schutzheilige der Winzer und Besch\u00fctzer vor Trunkenheit. Das bunte Gem\u00e4lde passt sich harmonisch an die Altstadt und das sehenswerte Stra\u00dfenschild des <em>Wei\u00dfen Kreuz<\/em> an. 1952 und 2020 kam es erneut zu Renovierungen. Die Gastst\u00e4tte wurde aus dem Erdgeschoss ganz nach oben verlegt. Die Bar <em>Blaue Brigitte<\/em> im Dachgeschoss des sechsst\u00f6ckigen Geb\u00e4udes z\u00e4hlt zu Innsbrucks beliebtesten Lounge Bars samt tollem Ausblick \u00fcber die D\u00e4cher der Altstadt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Wallschen und die Fatti di Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Wallschen und die Fatti di Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66473&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Vorurteile und Rassismus gegen\u00fcber Zuwanderern waren und sind in Innsbruck wie in allen Gesellschaften \u00fcblich. Egal ob syrische Fl\u00fcchtlinge seit 2015 oder t\u00fcrkische Gastarbeiter in den 1970er und 80er Jahren, das Fremde erzeugt meist wenig wohlgesonnene Animosit\u00e4ten im durchschnittlichen Tiroler. Heute m\u00f6gen Italien das liebste Reiseziel der Innsbrucker und Pizzerien Teil des gastronomischen Alltags sein, lange Zeit waren unsere s\u00fcdlichen Nachbarn die am argw\u00f6hnischsten be\u00e4ugte Bev\u00f6lkerungsgruppe. Was um 1900 dem Wiener Juden und <em>Ziegelb\u00f6hmen <\/em>waren, waren dem Tiroler die <em>Wall\u00b4schen<\/em>.<\/p>\n<p>Die Abneigung gegen\u00fcber Italienern kann in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Italien als eigenst\u00e4ndigen Staat gab es zwar nicht, viele kleine Grafschaften, Stadtstaaten und F\u00fcrstent\u00fcmer zwischen dem Gardasee und Sizilien pr\u00e4gten die politische Landschaft. Auch sprachlich und kulturell unterschieden sich die einzelnen Regionen. Trotzdem begann man im Laufe der Zeit, sich als Italiener zu verstehen. W\u00e4hrend des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit waren sie vor allem als Mitglieder der Beamtenschaft, des Hofstaates Bankiers oder gar Gattinnen diverser Landesf\u00fcrsten in Innsbruck ans\u00e4ssig. Die Abneigung zwischen <em>Italienern<\/em> und <em>Deutschen<\/em> war gegenseitig. Die einen galten wahlweise als ehrlos, unzuverl\u00e4ssig, hochn\u00e4sig, eitel, moralisch verdorben und faul, die anderen als unzivilisiert, barbarisch, ungebildet und Schweine.<\/p>\n<p>Mit den Kriegen zwischen 1848 und 1866 erreichte der Hass auf alles Italienische ein neues Hoch im <em>Heiligen Land Tirol<\/em>, obwohl viele <em>Wallsche<\/em> in der k.u.k. Armee dienten und auch die Landbev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dftenteils unter den italienischsprachigen Tirolern loyal zur Monarchie stand. Die Italiener unter Garibaldi galten als gottlose Aufr\u00fchrer und Republikaner und wurden von den Kirchkanzeln zwischen Kufstein und Riva del Garda sowohl auf Italienisch wie auch auf Deutsch gegei\u00dfelt.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Rolle im Konflikt spielte die Tiroler Presselandschaft, die nach der Liberalisierung 1867 einen Aufschwung erlebte. Was heute <em>Social Media<\/em> zur gesellschaftlichen Spaltung beitr\u00e4gt, \u00fcbernahmen damals Zeitungen. Konservative, Katholiken, Gro\u00dfdeutsche, Liberale und Sozialisten hatten jeweils ihre eigenen Presseorgane. Treue Leser dieser wenig neutralen Bl\u00e4tter lebten in ihrer Meinungsblase. Auf italienischer Seite ragte der im Krieg vom \u00f6sterreichischen Milit\u00e4r wegen Hochverrats am W\u00fcrgegalgen hingerichtete Sozialist Cesare Battisti (1875 \u2013 1916) heraus. Der Publizist und Politiker, der in Wien studiert hatte und deswegen vielen nicht nur als Feind, sondern als Verr\u00e4ter galt, befeuerte den Konflikt in den Zeitungen <em>Il Popolo<\/em> und <em>L\u00b4Avvenire<\/em> immer wieder mit spitzer Feder befeuerte.<\/p>\n<p>Auch Vereine spielten bei der Verh\u00e4rtung der Fronten eine tragende Rolle. 1867 war nicht nur das Pressegesetz reformiert worden, auch Vereine konnten nun einfacher gegr\u00fcndet werden. Das l\u00f6ste einen regelrechten Boom aus. Sportvereine, Turnerschaften, Theatergruppen, Sch\u00fctzen oder die <em>Innsbrucker Liedertafel<\/em> dienten oft als eine Art Vorfeldorganisation, die sich politisch verorteten und auch agitierten. Die Vereinsmitglieder trafen sich in eigenen Lokalen und veranstalteten regelm\u00e4\u00dfig Vereinsabende, vielfach auch \u00f6ffentlich. Besonders politisch aktiv und extremistisch in ihren Meinungen waren die Studentenverbindungen. Die jungen M\u00e4nner entstammten dem gehobenen B\u00fcrgertum oder der Aristokratie und waren sowohl gewohnt anzuschaffen als auch Waffen zu tragen. Ein Drittel der Studenten in Innsbruck war in einer Verbindung, davon war knapp die H\u00e4lfte deutschnational orientiert. Anders als heute war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass sie sich in voller Wichs in ihrer Couleur, also der Uniform samt S\u00e4bel, Barett und Band in der \u00d6ffentlichkeit zeigten, nicht selten auch mit Stock und Revolver bewaffnet.<\/p>\n<p>Es wundert daher nicht, dass ihr Habitat ein besonderer Brandherd war. Einer der gr\u00f6\u00dften politischen Streitpunkte in der Autonomiedebatte bzw. dem Wunsch, sich dem K\u00f6nigreich Italien anzuschlie\u00dfen, war eine eigene italienische Universit\u00e4t. Durch den Verlust Paduas hatten italienischst\u00e4mmige Tiroler keine M\u00f6glichkeit mehr, das Studium in ihrer Muttersprache im Inland zu absolvieren. Obwohl ein Besuch der Hochschule eigentlich nur eine Angelegenheit einer kleinen Elite war, konnten irredentistische, anti-\u00f6sterreichische Tiroler Abgeordnete aus dem Trentino das Thema als Symbol f\u00fcr die angestrebte Autonomie immer wieder emotional aufladen und den Hass auf Habsburg sch\u00fcren. Die Diskussion, ob man eine Universit\u00e4t in Triest, der bevorzugte Ort der italienischsprachigen Vertreter, Innsbruck, Trient oder Rovereto anvisieren sollte, entspann sich \u00fcber Jahre hinweg. Wilhelm Greil wurde f\u00fcr sein inkorrektes Verhalten gegen\u00fcber der italienischen Bev\u00f6lkerung vom k.k. Statthalter ermahnt, waren doch alle Sprachgruppen innerhalb der Monarchie seit 1867 von Gesetz wegen gleich zu behandeln. \u00a0<\/p>\n<p>Wie gro\u00df die von Deutschnationalen bef\u00fcrchtete \u00dcberfremdung durch italienische Studenten war, zeigt ein Blick in die Statistik. Fakten wurden auch damals im Diskurs oft durch Bauchgef\u00fchl und rassistisch motivierten Populismus ersetzt. Nach der Eingemeindung Pradls und Wiltens 1904 hatte Innsbruck etwas \u00fcber 50.000 Einwohner. Der Anteil der Studenten lag mit etwas \u00fcber 1000 bei unter 2%. Von den etwa 3000 italienischst\u00e4mmigen, die meisten davon <em>Welschtiroler<\/em> aus dem Trentino, waren nur etwas \u00fcber 100 an der Universit\u00e4t inskribiert. Den Gro\u00dfteil der <em>Wallschen<\/em> machten Arbeiter, Wirte, H\u00e4ndler und Soldaten aus. Viele lebten schon lange in und rund um Innsbruck. Besonders in Wilten lie\u00dfen sich viele nieder. Bald fand sich im etwas g\u00fcnstigeren Arbeiterdorf am unteren Stadtplatz eine kleine Diaspora zusammen. Anton Gutmann vertrieb in seiner Kellerei-Genossenschaft Riva in der Leopoldstra\u00dfe 30 italienische Weine, gegen\u00fcber konnte man im Gasthaus Steneck Spezialit\u00e4ten s\u00fcdlich des Brenners gut und g\u00fcnstig essen. Der \u00fcberwiegende Teil war Teil einer anderen Alltagskultur, sprach als Untertanen der Monarchie aber ausgezeichnet Deutsch, nur ein kleiner Teil kam aus Dalmatien oder Triest und war tats\u00e4chlich fremdsprachig. Auch sie gr\u00fcndeten dem Zeitgeist verpflichtet Sportvereine wie den <em>Club Ciclistico<\/em> oder die <em>Unione Ginnastica<\/em>, sozialistisch orientierte Arbeiter- und Konsumorganisationen, Musikvereine und Studentenverbindungen.<\/p>\n<p>Obwohl auch unter ihnen die Studenten nur einen geringen Teil ausmachten, wurde ihnen und der Forderung nach einem Institut mit italienisch als Pr\u00fcfungs- und Unterrichtssprache \u00fcberdurchschnittliche Aufmerksamkeit entgegengebracht. Konservative und deutschnationale Politiker, Studenten und Medien sahen durch eine italienische Universit\u00e4t das Tiroler Deutschtum in Gefahr. Zu den ethnischen und rassistischen Ressentiments gegen\u00fcber den s\u00fcdl\u00e4ndischen Nachbarn kam besonders bei Katholiken auch die Angst vor Charakteren wie Cesare Battisti, der als Sozialist ohnehin das leibhaftig B\u00f6se verk\u00f6rperte. B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil nutzte die allgemeine Feindseligkeit gegen\u00fcber italienischsprachigen Einwohnern und Studenten in \u00e4hnlich populistischer Manier wie es sein Wiener Amtskollege Karl Lueger in Wien mit der antisemitischen Stimmungsmache tat.<\/p>\n<p>Nach einigem Hin und Her wurde im September 1904 beschlossen, eine provisorische rechtswissenschaftliche Fakult\u00e4t in Innsbruck zu gr\u00fcnden. Das sollte die Studenten trennen, ohne eine der Gruppen zu vergr\u00e4men. Von Anfang an stand das Projekt aber unter keinem guten Stern. Niemand wollte der Universit\u00e4t die n\u00f6tigen R\u00e4umlichkeiten vermieten. Schlie\u00dflich stellte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Baumeister Anton Fritz eine Wohnung in einem seiner Mietzinsh\u00e4user in der Liebeneggstra\u00dfe 8 zur Verf\u00fcgung. Bei der Antrittsvorlesung und der feierlichen Abendveranstaltung im <em>Gasthaus zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> am 3. November waren Promis wie Battisti oder der sp\u00e4tere italienische Ministerpr\u00e4sident Alcide de Gasperi anwesend. Je sp\u00e4ter der Abend desto ausgelassener die Stimmung. Als Schm\u00e4hrufe wie \u201e<em>Porchi tedeschi<\/em>\u201c und \u201e<em>Abbasso Austria<\/em>\u201c (Anm.: <em>Deutsche Schweine und Nieder mit \u00d6sterreich<\/em>) fielen, eskalierte die Situation. Eine mit St\u00f6cken, Messern und Revolvern bewaffnete Meute deutschsprachiger Studenten belagerte das <em>Wei\u00dfe Kreuz,<\/em> in dem sich die ebenfalls zu einem gro\u00dfen Teil bewaffneten Italiener verschanzten. Ein Trupp Kaiserj\u00e4ger konnte den ersten Tumult erfolgreich aufl\u00f6sen. Dabei wurde der Kunstmaler August Pezzey (1875 \u2013 1904) durch einen Stich mit dem Bajonett irrt\u00fcmlich von einem \u00fcbertrieben nerv\u00f6sen Soldaten t\u00f6dlich verwundet.<\/p>\n<p>Die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> erschienen nach den n\u00e4chtlichen Aktivit\u00e4ten am 4. November unter der Headline: \u201e<em>Deutsches Blut geflossen!<\/em>\u201c. Der anwesende Redakteur berichtete von 100 bis 200 Revolversch\u00fcssen, die von den Italienern auf die \u201e<em>Schar von deutschen Studenten<\/em>\u201c abgegeben wurden, die sich vor dem Gasthaus zum Wei\u00dfen Kreuz versammelt hatten. Die neun dadurch Verletzten wurden namentlich aufgez\u00e4hlt, anschlie\u00dfend folgte eine erstaunlich detaillierte Erz\u00e4hlung des Geschehenen inklusive der Verwundung Pezzeys. Die Nachricht \u00fcber den Tod des jungen Mannes l\u00f6ste einen Sturm an Racheakten und Gewalttaten aus. Zu den \u00fcberzeugten Deutschnationalen gesellten sich, wie bei jedem Aufruhr, Schaulustige und Randalierer, die Spa\u00df daran hatten, in der Anonymit\u00e4t der Masse \u00fcber die Str\u00e4nge zu schlagen ohne gro\u00dfartige politische \u00dcberzeugung. W\u00e4hrend die in Haft genommenen Italiener im vollkommen \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnis die martialische Hymne <em>Inno di Garibaldi<\/em> anstimmten, kam es in der Stadt zu schweren Ausschreitungen gegen italienische Lokale und Betriebe. Die R\u00e4umlichkeiten des <em>Gasthauses zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> wurden in monarchietreuer Manier bis auf ein Portr\u00e4t Kaiser Franz Josefs vollkommen verw\u00fcstet. Randalierer bewarfen den Wohnsitz des Statthalters, das Palais Trapp, mit Steinen, da seine Frau italienische Wurzeln hatte. Das von Anton Fritz der Universit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellte Geb\u00e4ude in der Liebeneggstra\u00dfe wurde ebenso zerst\u00f6rt wie der private Wohnsitz des Baumeisters.<\/p>\n<p>Der in den Wirren zu Tode gekommene, aus einer Ladiner Familie stammende August Pezzey, wurde in einem nationalen Rausch von Politikern und der Presse zum \u201eDeutschen Helden\u201c erkl\u00e4rt. Er erhielt am Innsbrucker Westfriedhof ein Ehrengrab. Bei seinem Begr\u00e4bnis mit Tausenden Trauernden, verlas B\u00fcrgermeister Greil eine pathetische Rede:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Ein herrlich sch\u00f6ner Tod war Dir beschieden auf dem Felde der Ehre f\u00fcr das deutsche Volk\u2026 Im Kampfe gegen freche welsche Gewalttaten hast Du Dein Leben ausgehaucht als M\u00e4rtyrer f\u00fcr die deutsche Sache\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Berichte von den <em>Fatti di Innsbruck<\/em> schafften es in die internationale Presse und trugen entscheidend zum R\u00fccktritt des \u00f6sterreichischen Ministerpr\u00e4sidenten Ernest von Koerber bei. Je nach Medium wurden die Italiener als ehrlose Banditen oder mutige Nationalhelden, die \u00d6sterreicher als pangermanistische Barbaren oder Bollwerk gegen das <em>Wallsche<\/em> gesehen. Am 17. November, nur zwei Wochen nach der feierlichen Er\u00f6ffnung, wurde die italienische Fakult\u00e4t in Innsbruck wieder aufgel\u00f6st. Eine eigene Universit\u00e4t blieb der Sprachgruppe innerhalb \u00d6sterreich-Ungarns bis zum Ende der Monarchie 1918 verwehrt. Die lange Tradition, Italiener als ehrlos und faul zu betrachten, wurde mit dem Kriegseintritt Italiens an der Seite der Entente noch mehr befeuert. Bis heute halten viele Tiroler die negativen Vorurteile gegen\u00fcber ihren s\u00fcdlichen Nachbarn lebendig.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Herrscherh\u00e4user und Imperien an ihr Ende, auch in Kunst, Musik, Literatur und Architektur ver\u00e4nderte sich in den 1920er Jahren vieles. W\u00e4hrend sich Jazz, atonale Musik und Expressionismus im kleinen Innsbruck nicht etablierten, ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild auf erstaunliche Art und Weise. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil, Wolkenkratzern aus den USA und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Allen gemeinsam war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten bis heute sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Der Theologe, Publizist und Kriegspropagandist Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent von Franz Baumann aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL. Hier lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen. Gemeinsam mit Baumanns Schwester Maria waren die beiden jungen M\u00e4nner auf Ausfl\u00fcgen in der Gegend rund um Innsbruck unterwegs, um Bilder der Bergwelt und Natur zu malen. W\u00e4hrend der Schulzeit sammelte er erste Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. 1910 folgte Baumann seinem Freund Prachensky nach Meran, um bei der Firma <em>Musch &amp; Lun<\/em> zu arbeiten. Meran war damals Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter dem Architekten Adalbert Erlebach machte er erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch Baumann aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Bilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Baumanns Durchbruch kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre. Er konnte die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t und dem Verm\u00f6gen ganzheitlich zu denken, kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit der Gesetzeslage und den modernen Anforderungen der Ausschreibungen der 1920er Jahre entgegen. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In seiner Zeit in Meran war Baumann schon mit dem <em>Heimatschutzverband<\/em> in Ber\u00fchrung gekommen. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein noch in den letzten Jahren der Monarchie gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht, die neue Anforderungen an Geb\u00e4ude und somit an das Baugewerbe richtete. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Das bedurfte neuer L\u00f6sungen in neuen H\u00f6hen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern eine komplette Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Der Tiroler Heimatschutzverband wachte dar\u00fcber, dass Natur und Ortsbilder von allzu modischen Str\u00f6mungen, \u00fcberbordendem Tourismus und h\u00e4sslichen Industriebauten gesch\u00fctzt wurden. Bauprojekte sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Alle technischen Funktionen und Details, die Einbettung der Geb\u00e4ude in die Landschaft unter Ber\u00fccksichtigung der Topografie und des Sonnenlichtes spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos von 1913:<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein.<\/p>\n<p>Ab 1927 war Baumann selbstst\u00e4ndig in seinem Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten t\u00e4tig. Immer wieder kam er dabei in Ber\u00fchrung mit seinem Schwager und Mitarbeiter des Bauamtes Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten die beiden ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>.<\/p>\n<p>Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand er die Wirtschaftskrise gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1934 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro wie die gesamte Wirtschaft in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde Baumann zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem er mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestattet diesen Berufstitel endlich tragen durfte. Im gleichen Jahr plante er die <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> im Westen der Stadt.<\/p>\n<p>Nach dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals mutig gegen den zerst\u00f6rerischen Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Durchzugsgebiet, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte nach Wusch von Gauleiter Franz Hofer eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Hofer wollte auch die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Die Stellungnahme Baumanns zu diesen Pl\u00e4nen fiel negativ aus. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen.<\/p>\n<p>Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die neuen Stadts\u00e4le (<em>Anm.: heute Haus der Musik<\/em>) gestaltet.<\/p>\n<p>Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Siegmund der M\u00fcnzreiche&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Siegmund der M\u00fcnzreiche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53519&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Friedl mit der leeren Tasche<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> folgte <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> als Tiroler Landesf\u00fcrst. Siegmund von Tirol (1427 \u2013 1496) startete denkbar schlecht in sein Amt als Landesf\u00fcrst. Als sein Vater Friedrich starb, war Siegmund erst 12 Jahre alt. Deshalb nahm ihn sein Onkel Friedrich III., der Kaiser <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">des Heiligen R\u00f6mischen Reichs<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> und Vater Maximilians I., in unfreiwillige Obhut und Vormundschaft. Man k\u00f6nnte sagen, Siegmund startete seine Karriere als Geisel des Kaisers, seines eigenen Vetters. Tirol war mittlerweile eine reiche Grafschaft, die direkte Kontrolle dar\u00fcber wollte der Kaiser nur ungern aufgeben. Erst als die Tiroler Landst\u00e4nde gegen diese Bevormundung protestierten, konnte Siegmund sein Amt antreten. Der Tiroler Landtag hatte die Regierungsgesch\u00e4fte in Ermangelung eines Landesf\u00fcrsten \u00fcbernommen und damit politisches Gewicht bewiesen. Mit 18 Jahren zog Siegmund in Innsbruck ein, um die Amtsgesch\u00e4fte zu \u00fcbernehmen. Vier Jahre sp\u00e4ter heiratete er Eleonore von Schottland (1433 \u2013 1480), die optisch wenig attraktive 16 Jahre alte Tochter K\u00f6nigs Jakob aus dem Hause Stewart. Die Ehe sollte ohne Kinder bleiben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Unter dem Landesf\u00fcrsten Siegmund kam es zu vielen Innovationen auf der einen Seite, zu einem aufgebl\u00e4hten und teuren Hofstaat auf der anderen. In Innsbruck und Umgebung zog das st\u00e4dtische Leben neues Handwerk an. 1453 er\u00f6ffnete in der heutigen Universit\u00e4tsstra\u00dfe die Landesf\u00fcrstliche Silberschmelze. 1484 lie\u00df Siegmund die M\u00fcnzpr\u00e4geanstalt von Meran in S\u00fcdtirol nach Hall verlegen, was ihm den Beinamen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> einbrachte. Zwei Jahre sp\u00e4ter entstand eine landesf\u00fcrstliche M\u00fchle am Sillkanal, die die Basis f\u00fcr die sich in den Folgejahren entwickelnde fr\u00fche Industrialisierung bilden sollte. Er erlie\u00df die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Schwazer Bergordnung<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die zum Vorbild f\u00fcr alle Bergwerke der Habsburger werden sollte. Den Bergbeamten wurden, \u00e4hnlich den Universit\u00e4ten, mehr Rechte innerhalb ihres Wirkungsbereiches gegeben. F\u00fcr die Bergarbeiter gab es Sonderregelungen innerhalb der Gesellschaft, waren sie doch hei\u00df begehrte Arbeitskr\u00e4fte. Man kann von einer fr\u00fchen sozial- und arbeitsrechtlichen Vereinbarung sprechen. Die Bergleute arbeiteten hart, verdienten aber verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut. Dasselbe galt f\u00fcr die Pr\u00e4geanstalt und die Haller Salinen. Eine wohlhabende Mittelschicht begann sich herauszubilden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Innsbruck war w\u00e4hrend seiner opulenten Regentschaft zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr Handwerker, Goldschmiede und K\u00fcnstler geworden. Die Zuwanderer stammten oft aus der Aristokratie und wollten in Innsbruck nicht auf ihren Lifestyle verzichten. In M\u00fchlau etablierte sich eine besondere Form der Metallindustrie. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Plattner<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> schufen R\u00fcstungen und Harnische f\u00fcr Adelige, die sich sowohl auf Kriegsz\u00fcgen wie auch auf Turnieren standesgem\u00e4\u00df pr\u00e4sentieren wollten. Siegmund war ihr bester Kunde. Er kaufte etliche Turnierharnische f\u00fcr sich selbst und als anerkennende Geschenke f\u00fcr Aristokraten ausl\u00e4ndischer H\u00f6fe und Ehreng\u00e4ste. Die Werkst\u00e4tten am M\u00fchlaubach wurden zu den f\u00fchrenden Betrieben ihrer Art weltweit. Erst im 17. Jahrhundert kamen die reich verzierten R\u00fcstungen aus der Mode. Der Stadtturm beim Alten Rathaus als Ausdruck des st\u00e4dtischen Wohlstands und erste Teile der Hofburg wurden unter Siegmund erbaut. Ein Glasmaler siedete sich in Innsbruck an. Die Hofbibliothek wuchs im Gleichschritt mit Siegmunds und Eleonores humanistisch gelehrten G\u00e4sten. Beide galten als kunstsinnig und literarisch interessiert. B\u00fccher waren in der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks ein teures Hobby. Auch fahrendes Volk und Schausteller waren am Hof gerne gesehen, um die einheimischen und internationalen G\u00e4ste zu unterhalten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Siegmunds opulenter Lebenswandel kostete ihn nicht nur viel Geld, sondern auch politische Reputation und am Ende seiner Laufbahn wohl auch den F\u00fcrstenthron. In zweiter Ehe hatte er Katharina von Sachsen (1468 \u2013 1524), eine Dame aus kurf\u00fcrstlichem hocharistokratischem Haus, geheiratet. Es war wohl auch dem Einfluss und der Hofhaltung Siegmunds und seiner beiden Ehefrauen zu verdanken, dass die Ausgaben des <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00fcnzreichen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> auf lange Sicht die Einnahmen aus Steuern, Salinen und den Bergwerken \u00fcberstiegen. Bei der landesf\u00fcrstlichen Hochzeit 1484 umfasste allein der Zug der Braut 54 Wagen. Die G\u00e4ste mussten in Innsbruck einquartiert und verk\u00f6stigt werden. Auch mit der 40 Jahre j\u00fcngeren Frau war dem mittlerweile senilen Siegmund m\u00e4nnlicher Erbe verg\u00f6nnt, was besonders bitter f\u00fcr ihn gewesen sein muss, betrachtet man die ihm nachgesagten 30 au\u00dferehelich gezeugten Kinder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Gleichzeitig wurden die Zeiten rauer f\u00fcr die, die mit dem neuen Lebensrhythmus der Stadt nicht mithalten konnten. Man kann von circa 2000 Stadtb\u00fcrgern zu dieser Zeit ausgehen. Der Hofstaat Sigmunds bestand aus 500 Personen, der Hofstaat seiner Frau war dabei nicht miteingerechnet. Diese \u201eFremden\u201c erregten in Innsbruck Aufsehen. Die Kluft zwischen den sozialen Schichten wuchs. Der Hexenprozess von 1485 fanden in einem Klima aus Neid, Missgunst und Skepsis gegen\u00fcber den neuen Sitten statt, die in Innsbruck Einzug hielten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Siegmund war nicht der erfolgreichste Herrscher Tirols, blieb dank seiner Verdienste um den kulturellen Aufschwung in Innsbruck aber bis heute in guter Erinnerung. Sein Hof war am Ende seiner Regierungszeit \u00fcberm\u00e4\u00dfig aufgebl\u00e4ht und teuer. Ein verlorener Krieg mit den Schweizer Eidgenossen verpflichtete ihn zu Zahlungen, auch ein Krieg mit Venedig endete schlecht. Siegmund musste habsburgische Besitzungen im Elsass und dem heutigen Breisgau an Karl <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">den K\u00fchnen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> von Burgund, den zuk\u00fcnftigen Schwiegervater Maximilians I. verpf\u00e4nden. Die \u00f6sterreichischen Vorlande verkaufte er zu einem Spottpreis an das Herzogtum Bayern, die Tiroler Silberbergwerke verpf\u00e4ndete er an Jakob Fugger. Die bayerischen Wittelsbacher wollten \u00fcber einen Erbvertrag mit dem altersbedingt geistig umnachteten Sigmund auch Tirol wieder unter ihre Kontrolle bringen. Erst kaiserlicher Druck und das eilige Einschreiten der Tiroler Landst\u00e4nde und Maximilians erm\u00f6glichten den Verbleib des Landes beim Haus Habsburg.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kronprinz Rudolf &#038; die Sitten der Upper Class&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Rudolf, liberaler Liebling der V\u00f6lker&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53695&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der smarte und liberale Kronprinz Rudolf (1858 \u2013 1889) galt als der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Liebling der V\u00f6lker<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> des Habsburgerreichs. Sein Leben kann in vielerlei Hinsicht als exemplarisch f\u00fcr die Zeit zwischen 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gelesen werden, in der sich technische Ideen rasend schnell entwickelten, Zeitungen politische Ideen verschiedener Lager in noch nie zuvor dagewesener Auflage verbreiten und gleichzeitig Katholizismus, Aberglaube und Spiritismus gang und g\u00e4be waren. Das Interesse f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie Sitten und war auch in Innsbruck allgegenw\u00e4rtig. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker hatte nicht die materiellen M\u00f6glichkeiten oder den Status eines Habsburgers, die Moden und Str\u00f6mungen, unter denen sie lebten, waren aber dieselben. Das Gro\u00dfb\u00fcrgertum eiferte den gleichen Idealen wie der Kronprinz nach, so wie Rudolf sich stets als Teil dieses Gro\u00dfb\u00fcrgertums sah. Er galt als belesen und gebildet und interessierte sich ganz im Zeitgeist f\u00fcr ein breites Spektrum an Themen. Er sprach neben Griechisch und Latein auch Franz\u00f6sisch, Ungarisch, Tschechisch und Kroatisch. Als Privatier widmete er sich der Wissenschaft und dem Reisen durch die L\u00e4nder der Monarchie. Rudolf veranlasste die Herausgabe <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">des Kronprinzenwerks<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, einer naturwissenschaftlichen Enzyklop\u00e4die. 1893 erschien Band 13, der das Kronland Tirol behandelte. Er verfasste liberale Artikel im &#8222;<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Neuen Wiener Tagblatt<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">&#8220; unter einem Pseudonym. Er wollte unter anderem Grund- und Bodenreformen vorantreiben durch st\u00e4rkere Besteuerung der Gro\u00dfgrundbesitzer und den einzelnen Nationalit\u00e4ten des Habsburgerreichs mehr Rechte zugestehen. Besonders im konservativen, l\u00e4ndlichen Tirol und unter Milit\u00e4rs war \u00e4u\u00dferst unbeliebt. Bei den liberal gesinnten Innsbruckern hingegen galt er als Hoffnung f\u00fcr eine Erneuerung der Monarchie im Sinne eines modernen, f\u00f6deralen Staates. Der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfsbrunnen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in Innsbruck am Boznerplatz erinnert zwar nicht an den Kronprinzen, bei seiner Einweihung war er aber zugegen. Als Verfechter von Rationalismus und Aufkl\u00e4rung verachtete Rudolf den weit verbreiteten Glauben an \u00fcbernat\u00fcrliche Wesen und Geister w\u00e4hrend um ihn herum neue Kirchen wie Pilze aus dem Boden schossen und die Upper Class sich Seancen und spiritistischem Aberglauben hingab. Die Volksfr\u00f6mmigkeit der sp\u00e4ten Monarchie f\u00fchrte zu Gro\u00dfprojekten wie den Pfarrkirche St. Nikolaus und H\u00f6tting.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Privatleben war trotz, oder gerade wegen seines aristokratischen Hintergrundes, turbulent, allerdings nicht untypisch f\u00fcr diese Zeit, in der Eltern und Lehrer weniger nahbare Erziehungspersonen als vielmehr distanzierte Respektpersonen darstellten. Kinder wurden streng erzogen. Weder Lehrer noch Eltern schreckten vor k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung zur\u00fcck, auch wenn es Grenzen, Gesetze und Regeln f\u00fcr den Einsatz von h\u00e4uslicher Gewalt gab. Militarismus und Fokus auf die zuk\u00fcnftige Erwerbsarbeit verhinderten Kindheit und Jugend, wie wir sie heute kennen. Junge M\u00e4nner aus der Oberschicht lebten ihre soldatischen Tagtr\u00e4ume als bewaffnete und uniformierte Mitglieder von Studentenverbindungen aus. Es ist kein Wunder, dass die Begeisterung f\u00fcr den Krieg, Gott, Kaiser und Vaterland in den Geburtsjahrg\u00e4ngen der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gro\u00df war. Auch Rudolfs fr\u00fche Jahre, als er auf Wunsch Kaiser Franz Josef eine soldatische Erziehung unter General Gondrecourt durchlaufen musste, waren wenig luxuri\u00f6s. Erst nach Einschreiten seiner Mutter Elisabeth wurden Schikanen wie Wasserkuren, Exerzieren in Regen und Schnee und das Aufwecken mit Pistolensch\u00fcssen aus dem t\u00e4glichen Programm des sechsj\u00e4hrigen Kronprinzen genommen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie viele seiner Zeitgenossen fand sich auch Rudolf als Mitglied der Oberschicht in einer ungl\u00fccklichen, da arrangierten Ehe wieder. Das 19. Jahrhundert war nicht das Zeitalter der Liebesheiraten, auch wenn Romantik und Biedermeierzeit gerne dahingehend ger\u00fchmt werden. Ehen unter Bauersleuten wurden h\u00e4ufig nach finanziellen Gesichtspunkten geschlossen. Aristokraten und Mitglieder des hohen B\u00fcrgertums heirateten aus Standesd\u00fcnkel und mit dem Ziel, die Dynastie zu erhalten. In der Oberschicht waren Ehefrauen h\u00e4ufig Schmuck ihres Gatten und Oberhaupt des Haushaltes. Erst wenn der oft \u00e4ltere Ehemann verstorben war, konnten auch Witwen ihr Leben abseits dieser Rolle genie\u00dfen. Dienstboten, Hausm\u00e4dchen, Knechten und M\u00e4gden war die Hochzeit lange untersagt. Die Gefahr, dass sie als Verm\u00f6genslose ihre Kinder nicht ern\u00e4hren konnten und damit zur Last f\u00fcr die Allgemeinheit wurden, war den Gemeinden zu gro\u00df. Diese Doppelmoral von Aristokratie und Gro\u00dfb\u00fcrgertum gegen\u00fcber dem <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Pofl<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fchrte dazu, dass illegale Abtreibungen, volle Waisenh\u00e4user und Kinder, die bei Verwandten am Land anstatt bei ihren Eltern aufwuchsen, gelebter Alltag waren. Zeit seines Lebens war auch Rudolf dem sch\u00f6nen Geschlecht au\u00dferhalb der Ehe nicht abgeneigt. In seinen letzten Lebensmonaten unterhielt er eine Aff\u00e4re mit der als besonders sch\u00f6n geltenden Mary Vetsera, einem erst 17 Jahre alten M\u00e4dchen aus reichem ungarischem Adel. Wie Rudolf hielten es auch viele seiner Untertanen. Zwar konnte sich kaum jemand r\u00fchmen, eine ungarische Aristokratin als Gespielin f\u00fcr sich zu beanspruchen. Auch in der Innsbrucker High Society war es \u00fcblich, sonntags der Predigt des Pfarrers von der Kanzel zu lauschen und gleichzeitig eine au\u00dfereheliche Beziehung zu pflegen oder ein Bordell zu besuchen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Leben endete tragisch. Am 30. Januar 1889 traf sich der schwer depressive, von Alkohol, Morphium und Gonorrh\u00f6 gezeichnete Rudolf mit Vetsera, nachdem er die Nacht zuvor mit seiner Langzeitgeliebten, der Prostituierten Maria \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Mizzi<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c Kaspar, verbracht hatte. Unter nie vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden t\u00f6tete er zuerst die junge Frau und dann sich selbst mit einem Schuss in den Kopf. Von der Familie Habsburg wurde der Selbstmord nie anerkannt. Zita (1892 \u2013 1989), die Witwe des letzten Kaisers Karl, sprach noch in den 1980ern von einem Mordanschlag.\u00a0Die Diskussion um die Beisetzung des Thronfolgers und seiner Geliebten zeigte die Doppelmoral der Gesellschaft. Selbstmord galt als schwere S\u00fcnde und verhinderte eigentlich ein christliches Begr\u00e4bnis. Vetsera wurde am Friedhof in Heiligenkreuz bei Mayerling in einem kleinen Grab an der Friedhofsmauer unauff\u00e4llig beigesetzt, w\u00e4hrend Rudolf nach kaiserlicher Intervention beim Papst ein Staatsbegr\u00e4bnis erhielt und seine letzte Ruhe in der Kapuzinergruft in Wien erhielt. <\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe 31<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":67456,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,152,113,77,50],"tags":[],"class_list":["post-2564","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-der-keiner-war","category-historische-gaststaetten","category-liberaler-liebling-der-voelker","category-siegmund-der-muenzreiche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2564\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}