{"id":2594,"date":"2020-10-15T08:08:58","date_gmt":"2020-10-15T08:08:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=2594"},"modified":"2026-02-03T08:23:21","modified_gmt":"2026-02-03T08:23:21","slug":"jesuitenkirche-jesuitenkolleg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/jesuitenkirche-jesuitenkolleg\/","title":{"rendered":"Jesuit Church &amp; Pfeifersberg Palace"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Jesuitenkirche &amp; Palais Pfeifersberg<\/h2>\n<p>Karl-Rahner-Platz \/ Sillgasse 6<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Dom-St-Jakob-Innsbruck-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Hofburg Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Dom St Jakob Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59321,2637,59939,61249,69397&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Jesuitenkirche &#038; Palais Pfeifersberg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61902&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Jesuitenkirche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59015&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil zwischen Sillgasse, Angerzellgasse und Universit\u00e4tsstra\u00dfe wird vom Geb\u00e4udekomplex bestehend aus Theologischer Fakult\u00e4t, dem akademischen Gymnasium, dem Palais Pfeifersberg und der Dreifaltigkeitskirche eingenommen. Die Geb\u00e4ude geh\u00f6ren bis heute den Jesuiten. Dieser Orden pr\u00e4gte \u00fcber seinen Einfluss am Hof der Habsburger nicht nur Gesellschaft und Politik \u00fcber Jahrhunderte, er war wichtig f\u00fcr die Entwicklung Innsbrucks als Universit\u00e4tsstadt. 1562 zogen die Jesuiten im <em>Salvatorikirchlein<\/em> ein, um die Lehrt\u00e4tigkeit am <em>Kollegium<\/em> zu beginnen. Die Kapelle war Teil des von Maximilian 1499 gegr\u00fcndete <em>Hof- und Kaiserspitals<\/em> f\u00fcr die \u00e4rmsten Teile der Bev\u00f6lkerung, die im Stadtspital in der <em>Neustadt <\/em>keinen Platz fanden. An der Ecke Universit\u00e4tsstra\u00dfe 4 erinnert noch die in Stein gehauene Jahreszahl im \u00f6sterreichischen Bindenschild an die Gr\u00fcndung des <em>Kollegiums<\/em>. Bereits wenige Jahre sp\u00e4ter wurde die kleine Kapelle von Ferdinand II. erweitert, um den Jesuiten ein standesgem\u00e4\u00dferes Stammhaus zur Verf\u00fcgung zu stellen. Sein Nachfolger Maximilian III. lie\u00df das Schulgeb\u00e4ude errichten. Wo sich fr\u00fcher die eifrigen Gymnasiasten t\u00e4glich in die Obhut der Jesuitenpater zur geistigen und seelischen Fortbildung begaben, ist heute der Eingang zur Universit\u00e4tsbibliothek der Theologie. \u00dcber dem Portal befinden sich in Stein gemei\u00dfelt die Wappen des Landes Tirols und der doppelk\u00f6pfige Adler der Habsburgermonarchie unter dem Emblem der Jesuiten als Symbol der Verbundenheit von Obrigkeit und Orden.<\/p>\n<p>Wenige Monate nach Maximilians Ableben begann der Bau der eigentlichen Jesuitenkirche an dem Platz, an dem sie bis heute steht. Die Grundsteinlegung war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Gubernators und sp\u00e4teren Landesf\u00fcrsten Leopold V. bei seinem ersten Landtag in Innsbruck. Dem neuen Gotteshaus war aber kein Gl\u00fcck beschieden. Nach wenigen Jahren krachte die Kirche in sich zusammen. Zwischen 1627 und 1633 wurde sie trotz der finanziellen Notlage wegen der Auswirkungen des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges mit Doppelturmfassade und Kuppel errichtet. Besonderer Wert bei der Gestaltung wurde auf die architektonische \u00c4hnlichkeit mit der Stammkirche der Jesuiten <em>Il Gesu<\/em> in Rom gelegt. Die leeren Kassen lie\u00dfen trotz aller Fr\u00f6mmigkeit nur Holzt\u00fcrme und eine sp\u00e4rliche Inneneinrichtung zu.\u00a0 Erst im 18. Jahrhundert wurde der Innenraum \u00fcppig barock erweitert. 1901 war es mit Johann von Sieberer ein Privatier, der die Holzt\u00fcrme durch steinerne T\u00fcrme ersetzen lie\u00df.<\/p>\n<p>Besonders sehenswert ist die unterirdische Krypta, die frei zug\u00e4nglich ist. Hier befinden sich die Grabst\u00e4tten Leopolds V. und seiner Gattin Claudia de Medici. Die beiden Regenten sind gemeinsam mit ihren Kindern in einem aufw\u00e4ndigen Grabmal nach Pl\u00e4nen von Christoph Gumpp bestattet. Das pomp\u00f6se <em>Castrum Doloris<\/em>, das Trauerger\u00fcst, das w\u00e4hrend der Beisetzung Claudia de Medicis nach Florentiner Tradition zum Einsatz kam, ist leider nicht erhalten. Das Wappen der Medici am rechten Eingangsportal erinnert an die Herkunft der Landesf\u00fcrstin. Auch der einflussreiche Theologe Karl Rahner, nach dem auch der Platz vor der Kirche benannt wurde, fand hier seine letzte Ruhest\u00e4tte.<\/p>\n<p>Lange Zeit war die Jesuitenkirche das Zentrum des spirituellen Universit\u00e4tslebens, das nicht vom Bildungsbetrieb getrennt war. Ab 1720 wurden die universit\u00e4ren Gottesdienste ausschlie\u00dflich in der Jesuitenkirche gefeiert. Immer wieder kam es \u00fcber dieses Heimrecht zu Streitereien zwischen der Di\u00f6zese und den Jesuiten. Studenten und Professoren mussten das <em>Tridentinische Glaubensbekenntnis<\/em> vor dem von der Kirche bestimmten Kanzler der Universit\u00e4t, dem Vertreter des Bischofs vor Ort, ablegen. In diesem Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 1564, das Papst Pius nach dem Konzil von Trient festhielt, bezeugten die Studenten die Zugeh\u00f6rigkeit zum katholischen Glauben. Am 8. Dezember mussten die Angeh\u00f6rigen der Universit\u00e4t sich allj\u00e4hrlich zur <em>Unbefleckten Empf\u00e4ngnis Marias<\/em> bekennen. Die Verweigerung dieses Eides einer Handvoll Freimaurer unter den Professoren Ende des 18. Jahrhunderts stellte einen Skandal sondergleichen dar und war ein Teil der jesuitenfreien Periode der \u00f6sterreichischen Geschichte. W\u00e4hrend der kurzen und in Innsbruck wenig intensiv gelebten Phase der Aufkl\u00e4rung erlebten die <em>Soldaten Christi<\/em> unangenehme Zeiten. Unter Josef II. waren die Jesuiten im Habsburgerreich f\u00fcr kurze Zeit verboten, der Papst verbot den allzu m\u00e4chtigen Orden. Das r\u00fcttelte das Innsbrucker Bildungsgef\u00fcge ordentlich durcheinander. Der jesuitische Besitz samt Kollegium und Universit\u00e4t wurde zerschlagen. Das <em>Kollegium<\/em> fiel an die Universit\u00e4t Innsbruck, das jesuitisch gef\u00fchrte Gymnasium musste R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Bibliothek abgeben. 1868 \u00fcbersiedelten Lehrer und Sch\u00fcler ins Franziskanerkloster neben der Hofkirche. Das alte Geb\u00e4ude war f\u00fcr die modernen Anspr\u00fcche des Unterrichts aber nicht geeignet. Schlechte Luft, kaum Licht, sanit\u00e4re Missst\u00e4nde und infrastrukturelle M\u00e4ngel entsprachen nicht den zunehmend steigenden Anspr\u00fcche, die die b\u00fcrgerliche <em>Upper Class<\/em> an ein Bildungsinstitut hatten. Trotzdem dauerte es bis 1910, bevor das Gymnasium in einen Neubau an seinen heutigen Standort einziehen konnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der konservativen Restauration unter Franz I. und Clemens von Metternich erstanden die Jesuiten das <em>Palais Pfeifersberg<\/em> in der heutigen Sillgasse. Der ehemalige Ansitz war 1723 nach Pl\u00e4nen von Georg Anton Gumpp in sein heutiges barockes Aussehen gebracht worden. Zwischen dem Palais und der Kirche befindet sich das Jesuitenkolleg mit der <em>Ignatiuskapelle<\/em> und das <em>Nikolaihaus<\/em>. Die moderne Fassade \u00fcber dem barocken Portal des langen Geb\u00e4udes wurde 1914 in ihre heutige Form gebracht. Einen Teil dieses Traktes stellt ein Studentenheim f\u00fcr Theologen dar. Das Jugendzentrum der Jesuiten, die MK, residiert in der Sillgasse 8. Der gesamte Komplex in dieser exklusiven Lage mitten in der Stadt demonstriert sowohl den Wohlstand wie auch die Bedeutung, die die Kirche oft unbemerkt bis heute in \u00d6sterreich besitzt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Petrus Canisius und die Jesuiten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Petrus Canisius und die Jesuiten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53640&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Franziskaner, Pr\u00e4monstratenser, Karmeliten, Serviten, Kapuziner, Ursulinen. Wer Innsbruck besucht, spaziert, meist unbewusst, an vielen Kl\u00f6stern vorbei. Der politisch und gesellschaftlich wohl einflussreichste Orden in der Geschichte der Stadt ab dem 16. Jahrhundert waren die Jesuiten. Die \u201e<em>Soldaten Christi<\/em>\u201c wurden vom spanischen Adeligen Ignatius von Loyola (1491 \u2013 1556) 1540 gegr\u00fcndet. Loyola war ein sittenstrenger Reformator und einflussreicher Kirchenpolitiker, der Zugang zu den h\u00f6chsten Zirkeln der Macht seiner Zeit hatte. Er wollte die Kirche ver\u00e4ndern, anders als Luther aber nicht ohne den Papst als Oberhaupt. Auch eine Aufl\u00f6sung des Eigentums der Kl\u00f6ster stand nicht am Programm. Erneuerung des Glaubens von oben nach unten anstatt Zerst\u00f6rung der bestehenden Ordnung war die Devise der <em>Societas Jesu<\/em>.<\/p>\n<p>Der Orden gewann schnell an Einfluss. Aus dem milit\u00e4rischen Bereich \u00fcbernommene Organisation und Struktur, die Verbindung humanistischer Lehren und katholischer Traditionen, ein Faible f\u00fcr Wissenschaft und Bildung in Kombination mit einer mystisch anmutende Volksfr\u00f6mmigkeit machten sie f\u00fcr viele Menschen, die vom mittelalterlichen Sittenverfall des Klerus entt\u00e4uscht waren, attraktiv. Die Jesuiten waren mit diesen Merkmalen am Puls einer Zeit, die von neuen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen gepr\u00e4gt war. Sie nutzten wie protestantische Reformatoren geschickt das neue Medium Buchdruck, um ihre Schriften zu verbreiten. Man k\u00f6nnte sagen, sie waren die konfessionelle Fortsetzung der gesellschaftlichen Durchdringung durch den Staat, New Media und der doppelten Buchhaltung.<\/p>\n<p>Die politische Situation war zur Mitte des 16. Jahrhunderts verfahren und krisenreich. Italien war nach den Kriegen zwischen Frankreich und den Habsburgern arg in Mitleidenschaft gezogen. Gro\u00dfe Handelskonzerne wie die Fugger und die Welser gewannen immer mehr Einfluss. Die deutschen L\u00e4nder hatten unter den Bauernkriegen gelitten. Die Inflation bedrohte und die vielen technischen Neuerungen der Zeit um 1500 machten vielen Menschen Angst. Wie aber sollte man den Zorn Gottes ob der Verfehlungen der Renaissancep\u00e4pste und das drohende Ende der Welt abwenden, wenn nicht durch sittliche Besserung moralisches Leben nach den Lehren Christi?<\/p>\n<p>Ein eifriger F\u00f6rderer der Jesuiten in Tirol war Landesf\u00fcrst und sp\u00e4tere Kaiser Ferdinand I. Er war wie Ignatius von Loyola in Spanien aufgewachsen. Mit den Sitten der Deutschen und der in Spanien nicht existenten Reformationsbewegung hatte er ebenso seine Schwierigkeiten wie mit der Sprache. Die Tiroler Bev\u00f6lkerung auf der anderen Seite fremdelte mit ihrem Landesf\u00fcrsten, den man mit seinem fremdl\u00e4ndischen Hofstaat leicht mit einer Besatzungsmacht verwechseln konnte. Ein verbindendes Element zwischen den beiden Welten war die r\u00f6mische Kirche, speziell der moderne Jesuitenorden.<\/p>\n<p>Der wahrscheinlich bedeutendste jesuitische Theologe war Petrus Canisius (1521 \u2013 1597). Er wuchs als Peter Kanis in einem Haushalt der gehobenen Mittelschicht in den Niederlanden auf. Sein Vater war B\u00fcrgermeister von Nimwegen. Bereits in fr\u00fcher Jugend machte der sp\u00e4tere Kirchenstratege erste Erfahrungen mit der hohen Politik und lernte h\u00f6fisches Benehmen, bevor er nach K\u00f6ln ging, um zu studieren. Canisius war der das erste Ordensmitglied auf dem Gebiet des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. Der intelligente und gebildete junge Mann legte eine steile Karriere hin. Ferdinand berief ihn nach Wien, wo er als bisch\u00f6flicher Administrator und an der Universit\u00e4t f\u00fcr Ordnung sorgen sollte. Eine seiner Hauptt\u00e4tigkeiten an der Uni neben Lehre und Forschung war das Ausfindigmachen und Verh\u00f6ren des Protestantismus verd\u00e4chtiger Universit\u00e4tsangeh\u00f6riger.<\/p>\n<p>Canisius verbrachte auch einige Jahre in Innsbruck. Eigentlich h\u00e4tten die Jesuiten in die fertiggestellte Hofkirche einziehen sollen, um die Chorgebete f\u00fcr Maximilian I. an dessen Grabst\u00e4tte zu \u00fcbernehmen. Dies lehnte Canisius als oberster Vertreter des Ordens n\u00f6rdlich der Alpen h\u00f6flich, aber bestimmt ab. F\u00fcr Ferdinand verfasste er eine Gebetsanleitung, um den F\u00fcrsten auf den rechten Weg zu bringen. 1563 schaffte es der Kaiser doch noch ihn in die Alpen zu locken. Der Gelehrte sollte ihm als Berater und Consultant f\u00fcr einen Disput mit dem Papst am Konzil von Trient beistehen. W\u00e4hrend die Innsbrucker viele der anderen fremdl\u00e4ndischen Prediger und Berater, die sich am Hofe tummelten, misstrauisch be\u00e4ugten, war Canisius ein nahbarer Mann des Volkes. Im Oktober 1571 erfuhr die Kirchengemeinde Wiltens aus seinem Mund vom Sieg der p\u00e4pstlich-kaiserlichen Flotte gegen die Osmanen bei Lepanto. Von der Kanzel herab verk\u00fcndete Canisius den Triumph der christlichen Streitkr\u00e4fte gegen die drohende Heidengefahr in der gr\u00f6\u00dften Seeschlacht der Geschichte im Stil eines katholischen Nachrichtensprechers.<\/p>\n<p>Als Hofprediger war Canisius Berater der Aristokratie, seine fromme Begeisterung machte ihn aber auch zum Kirchenmann f\u00fcr die Massen. Im Auftrag des Herrn, oder besser gesagt seiner weltlichen und kirchlichen Herren, reiste er quer durch Europa. Wie Martin Luther schaute auch er \u201e<em>dem Volk aufs Maul<\/em>\u201c. Man darf nicht vergessen, dass Gehen f\u00fcr die meisten Menschen die vorrangige Art des Reisens darstellte. Canisius soll \u00fcber 100.000 Kilometer zwischen den Niederlanden, Rom und Polen zur\u00fcckgelegt haben. Unterwegs \u00fcbernachtete er meist in einfachen Gasth\u00f6fen. Er wusste, wie wichtig es war, die Landbev\u00f6lkerung hinter sich zu bringen. W\u00e4hrend seine Br\u00fcder im fernen Indien missionierten, missionierte er gegen den Protestantismus in den deutschen L\u00e4ndern. Er erkannte, dass Predigten auf Latein nicht geeignet waren, um Bauern, Knechte und M\u00e4gde gegen die Bedrohung der r\u00f6mischen Kirche durch Luthers Protestantismus zu immunisieren. Mit seinem <em>Katechismus<\/em> verfasste Petrus Canisius eine wichtige deutschsprachige Ideensammlung im katholischen Kampf gegen die Reformation, der schnell in alle europ\u00e4ischen Sprachen \u00fcbersetzt und lange als Leitfaden der katholischen Kirche galt. F\u00fcr unterschiedliche Audiences wurden zwischen 1555 und 1558 drei verschieden komplexe Varianten des Werkes geschaffen. Findige Herausgeber schufen f\u00fcr Analphabeten einen Bilderkatechismus, um die Ideen der Kirche unters Volk zu bringen. Noch im 20. Jahrhundert war der Kanisi, so der liebevolle Spitzname des Werkes, Grundlage des Religionsunterrichts an Schulen.<\/p>\n<p>Canisius nutzte auch das neue Medium des Flugblattes, um m\u00f6glichst viele Menschen zu erreichen. Seine Schriften waren gemeinsam mit denen Luthers wahrscheinlich die meistgelesenen des 16. Jahrhunderts. Bis weit ins 19. Jahrhundert, in manchen Regionen sogar bis nach dem 2. Weltkrieg, war der <em>Kanisi<\/em>, wie der Katechismus liebevoll genannt wurde, das einflussreichste religi\u00f6s-philosophische Werk in Tirol.<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkste und nachhaltigste S\u00e4ule im Kampf gegen die Reformatoren aber war die Bildung. Canisius sah viele Bisch\u00f6fe und Politiker als korrupt, moralisch verdorben und s\u00fcndhaft. Anstatt sie aber auszumerzen, sollten sie sich unter den Fittichen der Soldaten Jesu bessern. Die Jesuiten setzten durch die Er\u00f6ffnung neuer Kollegien auf eine bessere Ausbildung der Beamtenschaft, des Adels und des Klerus und h\u00f6here moralische, an den christlichen Wurzeln ausgerichtete Ma\u00dfst\u00e4be im Kirchenalltag. Zu diesem Zweck gr\u00fcndeten sie im ganzen Reich Kollegien. Protestantische L\u00e4nder und St\u00e4dte hatten begonnen <em>Deutsche Schulen<\/em>, Akademien und Gymnasien zu installieren. M\u00f6glichst viele Untertanen sollten lesen k\u00f6nnen, um Fr\u00f6mmigkeit und Seelenheil in der individuellen und unmittelbaren Bibellekt\u00fcre zu finden. Die Jesuiten hingegen konzentrierten sich auf die Elitenbildung und erlangten so nachhaltigen Einfluss in den Machtzentren der katholischen Staaten.<\/p>\n<p>Die Jesuiten gr\u00fcndeten in Innsbruck die Lateinschule, aus der sp\u00e4ter die Universit\u00e4t hervorgehen sollte. Das neue Bildungsinstitut hatte gro\u00dfe Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. Hier wurde die Intelligenzia ausgebildet, die Innsbrucks Aufstieg zum Verwaltungs- und Wirtschaftsstandort erm\u00f6glichte. Neben Lehrst\u00fchlen an der Universit\u00e4t hatten sie auch das <em>Theresianum<\/em> \u00fcber. In den R\u00e4umlichkeiten des Franziskanerklosters wurden die adeligen Sch\u00fcler des Gymnasiums und Studenten von 1775 bis 1848 in h\u00f6fischen Sitten und tugendhaftem Benehmen unterrichtet und auf ihre berufliche Laufbahn vorbereitet. Die <em>Theresianische Ritterakademie<\/em> beherbergte die jungen M\u00e4nner und vermittelte diplomatische F\u00e4higkeiten wie Fremdsprachen und Tanz und milit\u00e4rische wie Fechten.\u00a0 Unter Josef II. kam es zu einer Unterbrechung ihrer T\u00e4tigkeit. Er entmachtete und enteignete kirchliche Orden, darunter auch die von ihm wenig geliebten Jesuiten, die auch vom Papst als zu m\u00e4chtig empfunden und deshalb verboten wurden. Die Universit\u00e4t Innsbruck wurde 1781 zu einem Lyzeum zur\u00fcckgestuft. Den freigewordenen Platz im Jesuitenkollegium nutzte man, um einen ersten botanischen Garten anzulegen. Als 1808 unter der bayerischen Verwaltung zwischenzeitlich auch das Theresianum aufgehoben wurde, erweiterte man die Gartenanlage. 1838 wurden die Jesuiten wieder nach Innsbruck berufen. 1910 musste der Garten im Rahmen des Schulneubaus nach H\u00f6tting umziehen.<\/p>\n<p>Durch das Netz aus einflussreichen Posten und den Einfluss auf das Bildungssystem wuchs der Orden rasch. Die Jesuiten schafften es vor allem w\u00e4hrend der Gegenreformation als treue Verb\u00fcndete der Dynastie ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu den Habsburgern aufzubauen. Vielen Mitgliedern der Dynastie ist in ihrem Herrschen und Tun der Einfluss des Ordens anzumerken, bei dem sie ihre Bildung genossen. Jesuiten wie Bartholom\u00e4us Viller oder Wilhelm Lamormaini waren als Beichtv\u00e4ter und Berater der Habsburger in der Fr\u00fchen Neuzeit politisch einflussreich. Nicht umsonst sind die Jesuiten heute noch die Widersacher der Freimaurer in unz\u00e4hligen Verschw\u00f6rungstheorien und Romanen und gelten vielen als neuzeitliches \u00c4quivalent des James-Bond-B\u00f6sewichts. Sie waren Forschung, Wissenssammlung und Bildung gegen\u00fcber sehr aufgeschlossen und wollten die Welt im Sinne der christlichen Sch\u00f6pfung zu verstehen lernen. Das machte sie f\u00fcr Katholiken zu einem hippen Gegenpol sowohl zu den verstaubten bestehenden Orden wie auch den Protestanten. Glaube und Empirie verbanden sich zu einer Art vormodernen Wissenschaft, die Natur und Physik zu erkl\u00e4ren versucht. Die Sammlung Ferdinands II. auf Schloss Ambras zeugt vom Forschungsdrang der Zeit ebenso wie die heute absurd anmutenden alchemistischen Experimente, die Kaiser Matthias (1557 \u2013 1619) durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Bei aller Liebe f\u00fcr das Rationale kehrte unter den Jesuiten aber auch das Mystische wieder in den Kirchenalltag zur\u00fcck. Passionsspiele, Ostergr\u00e4ber, Prozessionen und Feiertage sollten die strengen Glaubensgrunds\u00e4tze in Schauspiel und Spektakel weich verpacken. <em>Work hard \u2013 play hard<\/em> war das Motto. Die Feierlichkeiten w\u00e4hrend Prozessionen arteten oft in rauschende Feste aus, bei denen es \u00e4hnlich wie bei heutigen Zeltfesten zu Schl\u00e4gereien, teils sogar zu tumultartigen und blutigen Szenen kam. Brot und Wein des Herrn wurden im Stil von Panem et Circenses (Brot und Spielen) des antiken Rom zelebriert. Petrus Canisius schrieb im Auftrag Ferdinands I. ein Buch \u00fcber ein Wunder in Seefeld mit dem klingenden Namen \u201e<em>Von dem hoch an weitberh\u00fcmpten Wunderzeichen so sich mit dem hochheiligsten Sacrament des Altars auff dem Seefeld in der f\u00fcrstlichen Graffschaft Tyrol Anno 1384 zugetragen und was man sonst darbey christlich und nutzlich zu bedenken hab<\/em>\u201c, um die dortige Wallfahrt anzuheizen.<\/p>\n<p>Bis heute erhielt sich dieses Prinzip der massentauglichen gesellschaftlichen Vereinnahmung. Die <em>Marianische Kongregation<\/em>, in Innsbruck als MK bekannt, war eines der gr\u00f6\u00dften Jugendzentren Europas. Sie kann in einem modernen Sinn durchaus in der Tradition der sanften Einf\u00fchrung in den Glauben und die Erziehung der Jugend durch die Kirche gesehen werden.<\/p>\n<p>Der Jesuitenorden war, ganz dem Volksglauben verpflichtet, auch \u00fcberaus motiviert, wenn es um Verfolgung von Hexen und Andersgl\u00e4ubigen ging. Petrus Canisius war einer der Vordenker der fr\u00fchneuzeitlichen Hexenjagd:<\/p>\n<p><em>\u201e\u00dcberall bestraft man die Hexen, welche merkw\u00fcrdig sich mehren\u2026. Sie beneiden die Kinder um die Gnade der Taufe und berauben sie derselben. Kindesm\u00f6rderinnen befinden sich unter ihnen in gro\u00dfer Zahl\u2026 Man sah fr\u00fcher niemals in Deutschland die Leute so sehr dem Teufel ergeben und verschrieben\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch als Exorzist, vor allem bei vom Virus des Protestantismus befallenen adeligen Damen, machte er auf sich aufmerksam. Canisius nutzte die Aufmerksamkeit, die Hexen und vom Teufel besessene im Volk auf sich zogen, um die Macht der katholischen Kirche anzupreisen.<\/p>\n<p>Auch in der Missionierung von Heiden in der damals erst k\u00fcrzlich entdeckten Neuen Welt in Amerika und in Asien taten sich die Jesuiten eifrig hervor. Der Heilige Franz Xaver, einer der ersten Mitstreiter Ignatius\u00b4 von Loyola, starb auf Missionsreise in China. In einer Seitenkapelle der Innsbrucker Jesuitenkirche ist diesem <em>Soldaten Christi<\/em> ein Altar geweiht.<\/p>\n<p>Die Jesuiten halten bis heute ihre Hand lehrend \u00fcber Innsbruck. Der Aufenthalt Petrus Canisius machte die Stadt im 16. Jahrhundert zu einem der theologischen Zentren der deutschsprachigen Welt. Sein Auftreten als Prediger und Gelehrter in der Stadt w\u00e4re mit einem Lehrauftrag Albert Einsteins an der Universit\u00e4t in den 1930er Jahren vergleichbar. Er selbst war von den frommen \u00c4lplern ebenfalls angetan.<\/p>\n<p><em>\u201eDas Tirolerland verdiene unsere besondere Aufmerksamkeit, denn es ist noch besser katholisch als irgendein anderes Gebiet Deutschlands und hat sich noch nicht so von den H\u00e4retikern umgarnen lassen wie die anderen L\u00e4nder. Wenn auch schon viele Orte verdorben sind, [\u2026]. Innsbruck ist \u2026 das Herz und das Leben des ganzen Landes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als Innsbruck 1964 unter dem Jesuiten Paulus Rusch zur eigenen Di\u00f6zese wurde, erkor man Petrus Canisius zu ihrem Patron. Am Karl-Rahner-Platz befindet sich heute nicht nur die Jesuitenkirche, sondern auch die Theologische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Im Saggen geh\u00f6rt das Collegium Canisianum den Jesuiten. Auch die MK ist noch immer in der Jugendarbeit t\u00e4tig.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62113&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren begann sich Innsbruck von den Krisen- und Kriegsjahren der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu erholen. Am 15. Mai 1955 deklarierte Bundeskanzler Leopold Figl mit den ber\u00fchmten Worten \u201e<em>\u00d6sterreich ist frei<\/em>\u201c und der Unterzeichnung des Staatsvertrages offiziell die politische Wende. In vielen Haushalten etablierte sich in den Jahren, die als <em>Wirtschaftswunder<\/em> in die Geschichte eingingen, moderater Wohlstand. Zwischen 1953 und 1962 erlaubte ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von \u00fcber 6% es einem immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Bev\u00f6lkerung von lange Zeit exotischen Dingen wie K\u00fchlschr\u00e4nken, einem eigenen Badezimmer oder gar einem Urlaub im S\u00fcden zu tr\u00e4umen. Diese Zeit brachte nicht nur materielle, sondern auch gesellschaftliche Ver\u00e4nderung mit sich. Die W\u00fcnsche der Menschen wurden mit dem steigenden Wohlstand und dem Lifestyle, der in Werbung und Medien transportiert wurde, ausgefallener. Das Ph\u00e4nomen einer neuen Jugendkultur begann sich zart inmitten der grauen Gesellschaft im kleinen \u00d6sterreich der Nachkriegszeit breit zu machen. Die Begriffe <em>Teenager<\/em> und Schl\u00fcsselkind hielten in den 1950er Jahren im Sprachgebrauch der \u00d6sterreicher Einzug. \u00dcber Filme kam die gro\u00dfe Welt nach Innsbruck. Kinovorf\u00fchrungen und Lichtspieltheater gab es zwar schon um die Jahrhundertwende in Innsbruck, in der Nachkriegszeit passte sich das Programm aber erstmals an ein jugendliches Publikum an. Ein Fernsehger\u00e4t hatte kaum jemand im Wohnzimmer und das Programm war mager. Die zahlreichen Kinos warben mit skandaltr\u00e4chtigen Filmen um die Gunst des Publikums. Ab 1956 erschien die Zeitschrift <em>BRAVO<\/em>. Zum ersten Mal gab es ein Medium, das sich an den Interessen Jugendlicher orientierte. Auf der ersten Ausgabe war Marylin Monroe zu sehen, darunter die Frage: \u201e<em>Haben auch Marylins Kurven geheiratet<\/em>?\u201c Die gro\u00dfen Stars der ersten Jahre waren James Dean und Peter Kraus, bevor in den 60er Jahren die Beatles \u00fcbernahmen. Nach dem <em>Summer of Love<\/em> kl\u00e4rte Dr. Sommer \u00fcber Liebe und Sex auf. Die allm\u00e4chtige Deutungshoheit der Kirche \u00fcber das moralische Verhalten Pubertierender begann zu br\u00f6ckeln, wenn auch nur langsam. Die erste Foto-Love-Story mit nacktem Busen folgte erst 1982. Bis in die 1970er Jahre beschr\u00e4nkten sich die M\u00f6glichkeiten heranwachsender Innsbrucker Gro\u00dfteils auf Wirtshausstuben, Sch\u00fctzenverein und Blasmusik. Erst nach und nach er\u00f6ffneten Bars, Discos, Nachtlokale, Kneipen und Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten. Veranstaltungen wie der <em>5 Uhr Tanztee<\/em> im Sporthotel Igls lockten paarungswillige junge Menschen an. Das <em>Cafe Central<\/em> wurde zur \u201e<em>zweiten Heimat langhaariger Jugendlicher<\/em>\u201c, wie die Tiroler Tageszeitung 1972 entsetzt feststellte. Etablissements wie der <em>Falknerkeller<\/em> in der Gilmstra\u00dfe, der <em>Uptown Jazzsalon<\/em> in H\u00f6tting, der Jazzclub in der Hofgasse, der <em>Clima Club<\/em> im Saggen, der <em>Scotch Club<\/em> in der Angerzellgasse und die <em>Tangente<\/em> in der Bruneckerstra\u00dfe hatten mit der traditionellen Tiroler Bier- und Weinstube nichts gemeinsam. Die Auftritte der Rolling Stones und Deep Purples in der Olympiahalle 1973 waren der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt des Innsbrucker Fr\u00fchlingserwachens. Innsbruck wurde damit zwar nicht zu London oder San Francisco, zumindest einen Hauch Rock\u00b4n\u00b4Roll hatte man aber eingeatmet. Das, was als 68er Bewegung im kulturellen Ged\u00e4chtnis bis heute verankert ist, fand im <em>Heiligen Land<\/em> kaum statt. Weder Arbeiter noch Studenten gingen in Scharen auf die Barrikaden. Der Historiker Fritz Keller bezeichnete die 68er Bewegung \u00d6sterreichs als \u201e<em>Mail\u00fcfterl<\/em>\u201c. Trotzdem war die Gesellschaft still und heimlich im Wandel. Ein Blick in die Jahreshitparaden gibt einen Hinweis darauf. Waren es 1964 noch Kaplan Alfred Flury und Freddy mit \u201e<em>Lass die kleinen Dinge<\/em>\u201c und \u201e<em>Gib mir dein Wort<\/em>\u201c sowie die Beatles mit ihrer deutschen Version von \u201e<em>Komm, gib mir deine Hand<\/em> die die Top 10 dominierten, \u00e4nderte sich der Musikgeschmack in den Jahren bis in die 1970er. Zwar fanden sich auch dann immer noch Peter Alexander und Mireille Mathieu in den Charts. Ab 1967 waren es aber internationale Bands mit fremdsprachigen Texten wie <em>The Rolling Stones, Tom Jones, The Monkees<\/em>, Scott McKenzie, Adriano Celentano oder Simon und Garfunkel, die mit teils gesellschaftskritischen Texten die Top Positionen in gro\u00dfer Dichte einnahmen.<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderung rief eine Gegenreaktion hervor. Die Speerspitze der konservativen Konterrevolution war der Innsbrucker Bischof Paulus Rusch. Zigaretten, Alkohol, allzu freiz\u00fcgige Mode, Auslandsurlaube, arbeitende Frauen, Nachtlokale, vorehelicher Geschlechtsverkehr, die 40-Stundenwoche, sonnt\u00e4gliche Sportveranstaltungen, Tanzabende, gemischte Geschlechter in Schule und Freizeit \u2013 das alles war dem strengen Kirchenmann und Anh\u00e4nger des Herz-Jesu-Kultes streng zuwider. Peter Paul Rusch war 1903 in M\u00fcnchen zur Welt gekommen und in Vorarlberg als j\u00fcngstes von drei Kindern in einem gutb\u00fcrgerlichen Haushalt aufgewachsen. Beide Elternteile und seine \u00e4ltere Schwester starben an Tuberkulose, bevor er die Vollj\u00e4hrigkeit erreicht hatte. Rusch musste im jugendlichen Alter von 17 in der kargen Nachkriegszeit fr\u00fch f\u00fcr sich selbst sorgen. Die Inflation hatte das v\u00e4terliche Erbe, das ihm ein Studium h\u00e4tte finanzieren k\u00f6nnen, im Nu aufgefressen. Rusch arbeitete sechs Jahre lange bei der <em>Bank f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>, um sich sein Theologiestudium finanzieren zu k\u00f6nnen. 1927 trat er ins Collegium Canisianum ein, sechs Jahre sp\u00e4ter wurde er zum Priester des Jesuitenordens geweiht. Seine steile Karriere f\u00fchrte den intelligenten jungen Mann als Kaplan zuerst nach Lech und Hohenems und als Leiter des Teilpriesterseminars zur\u00fcck nach Innsbruck. 1938 wurde er Titularbischof von Lykopolis und Apostolischer Administrator f\u00fcr Tirol und Vorarlberg. Als j\u00fcngster Bischof Europas musste er die Schikanen der nationalsozialistischen Machthaber gegen\u00fcber der Kirche \u00fcberstehen. Obwohl seine kritische Einstellung zum Nationalsozialismus bekannt war, wurde Rusch selbst nie inhaftiert. Zu gro\u00df war die Furcht der Machthaber davor, aus dem beliebten jungen Bischof einen M\u00e4rtyrer zu machen.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg stand der sozial und politisch engagierte Bischof an vorderster Front beim Wiederaufbau. Die Kirche sollte wieder mehr Einfluss auf den Alltag der Menschen nehmen. Sein Vater hatte sich vom Zimmermann zum Architekten hochgearbeitet und ihm wohl ein Faible f\u00fcr das Bauwesen mitgegeben. Dazu kamen seine eigenen Erfahrungen bei der BTV. Dank seiner Ausbildung als B\u00e4nker erkannte Rusch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Kirche sich als Helfer in der Not zu engagieren und zu profilieren. Nicht nur die im Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Kirchen wurden wiederaufgebaut. Die <em>Katholische Jugend<\/em> engagierte sich unter Ruschs F\u00fchrung unentgeltlich bei der Errichtung der <em>Heiligjahrsiedlung<\/em> in der H\u00f6ttinger Au. Die Di\u00f6zese kaufte daf\u00fcr einen Baugrund vom Ursulinenorden. Die Kredite f\u00fcr die Siedler wurden zinsfrei von der Kirche vorgestreckt.\u00a0 Sein rustikales Voranschreiten in der Wohnungsfrage sollte ihm Jahrzehnte sp\u00e4ter den Titel \u201e<em>Roter Bischof\u201c<\/em> bescheren. In den bescheidenen H\u00e4uschen mit Selbstversorgergarten ganz nach der Vorstellung des dogmatischen und gen\u00fcgsamen \u201eArbeiterbischofs\u201c fanden 41 bevorzugt kinderreiche Familien eine neue Heimat.<\/p>\n<p>Durch die Linderung der Wohnungsnot sollten die gr\u00f6\u00dften Bedrohungen im <em>Kalten Krieg<\/em>, Kommunismus und Sozialismus, von seiner Gemeinde fernhalten. Der vom Kommunismus vorgeschriebene Atheismus wie auch der konsumorientierte Kapitalismus, der nach dem Krieg aus den USA schwappend in Westeuropa Einzug gehalten hatte, waren ihm ein Gr\u00e4uel. 1953 erschien Ruschs Buch \u201e<em>Junger Arbeiter, wohin?\u201c.<\/em> Was nach revolution\u00e4rer, linker Lekt\u00fcre aus dem Kreml klingt, zeigte die Grunds\u00e4tze der Christlichen Soziallehre, die sowohl Kapitalismus wie auch Sozialismus gei\u00dfelte. Familien sollten bescheiden leben, um mit den moderaten finanziellen Mitteln eines alleinerziehenden Vaters in christlicher Harmonie zu leben. Unternehmer, Angestellte und Arbeiter sollten eine friedliche Einheit bilden. Kooperation statt Klassenkampf, die Basis der heutigen Sozialpartnerschaft. Jedem sein Platz in christlichem Sinne, eine Art modernes Feudalsystem, das bereits im St\u00e4ndestaat Dollfu\u00df\u00b4 zur Anwendung geplant war. Seine politischen Ansichten teilte er mit Landeshauptmann Eduard Walln\u00f6fer und B\u00fcrgermeister Alois Lugger, die gemeinsam mit dem Bischof die <em>Heilige Dreifaltigkeit<\/em> des konservativen Tirols der Zeit des Wirtschaftswunders bildeten. Dazu kombinierte Rusch einen latenten, in Tirol auch nach 1945 weit verbreiteten katholischen Antisemitismus, der dank Verirrungen wie der Verehrung des <em>Anderle von Rinn <\/em>lange als Tradition halten konnte.<\/p>\n<p>Ein besonderes Anliegen war dem streitbaren Jesuiten Erziehung und Bildung. Die gesellschaftliche Formung quer durch alle Klassen durch die Soldaten Christi konnte in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Der Jesuitenpater und vormalige Gef\u00e4ngnisseelsorger Alois Mathiowitz (1853 \u2013 1922) gr\u00fcndete 1909 in Pradl den <em>Peter-Mayr-Bund<\/em>. Sein Ansatz war es, Jugendliche \u00fcber Freizeitgestaltung und Sport und Erwachsene aus dem Arbeitermilieu durch Vortr\u00e4ge und Volksbildung auf den rechten Weg zu bringen. Das unter seiner \u00c4gide errichtete Arbeiterjugendheim in der Reichenauerstra\u00dfe dient bis heute als Jugendzentrum und Kindergarten. Auch Rusch hatte Erfahrung mit Jugendlichen. 1936 war er in Vorarlberg zum Landesfeldmeister der Pfadfinder gew\u00e4hlt worden. Trotz eines Sprachfehlers war er ein charismatischer Typ, und bei seinen jungen Kollegen und Jugendlichen \u00fcberaus beliebt. Nur eine fundierte Erziehung unter den Fittichen der Kirche nach christlichem Modell konnte seiner Meinung nach das Seelenheil der Jugend retten. Um jungen Menschen eine Perspektive zu geben und sie in geordnete Bahnen mit Heim und Familie zu lenken, wurde das <em>Jugendbausparen<\/em> gest\u00e4rkt. In den Pfarren wurden Kinderg\u00e4rten, Jugendheime und Bildungseinrichtungen wie das <em>Haus der Begegnung<\/em> am Rennweg errichtet, um von Anfang an die Erziehung in kirchlicher Hand zu haben. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil des sozialen Lebens der Stadtjugend spielte sich nicht in verruchten Spelunken ab. Den meisten Jugendlichen fehlte schlicht und ergreifend das Geld, um regelm\u00e4\u00dfig in Lokalen zu verkehren. Viele fanden ihren Platz in den halbwegs geordneten Bahnen der katholischen Jugendorganisationen. Neben dem ultrakonservativen Bischof Rusch wuchs eine Generation liberaler Kleriker heran, die sich in die Jugendarbeit einbrachten. In den 1960er und 70er Jahren agierten in Innsbruck zwei kirchliche Jugendbewegungen mit gro\u00dfem Einfluss. Verantwortlich daf\u00fcr waren Sigmund Kripp und Meinrad Schumacher, die mit neuen Ans\u00e4tzen in der P\u00e4dagogik und einem offeneren Umgang mit heiklen Themen wie Sexualit\u00e4t und Rauschmitteln Teenager und junge Erwachsene f\u00fcr sich gewinnen konnten. F\u00fcr die Erziehung der Eliten im Sinne des Jesuitenordens sorgte in Innsbruck seit 1578 die <em>Marianische Kongregation<\/em>. Diese Jugendorganisation, bis heute als MK bekannt, nahm sich den Gymnasialsch\u00fclern an. Die MK war streng hierarchisch strukturiert, um den jungen <em>Soldaten Christi<\/em> von Anfang an Gehorsam beizubringen. 1959 \u00fcbernahm Pater Sigmund Kripp die Leitung der Organisation. Die Jugendlichen errichteten unter seiner F\u00fchrung mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch Kirche, Staat, Eltern und mit viel Eigenleistung Projekte wie die <em>Mittergrath\u00fctte<\/em> samt eigener Materialseilbahn im K\u00fchtai und das legend\u00e4re Jugendheim <em>Kennedyhaus<\/em> in der Sillgasse. Bei der Grundsteinlegung dieses Jugendzentrums, das mit knapp 1500 Mitgliedern zum gr\u00f6\u00dften seiner Art in Europa werden sollte, waren Bundeskanzler Klaus und Mitglieder der amerikanischen Botschaft anwesend, war der Bau doch dem ersten katholischen, erst k\u00fcrzlich ermordeten Pr\u00e4sidenten der USA gewidmet.<\/p>\n<p>Die andere kirchliche Jugendorganisation Innsbrucks war das Z6. Stadtjugendseelsorger Kaplan Meinrad Schumacher k\u00fcmmerte sich im Rahmen der <em>Aktion 4-5-6<\/em> um alle Jugendlichen, die in der MK oder der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft<\/em> keinen Platz hatten. Arbeiterkinder und Lehrlinge trafen sich in verschiedenen Jugendheimen wie Pradl oder der Reichenau, bevor 1971 das neue, ebenfalls von den Mitgliedern selbst errichtete Zentrum in der namensgebenden Zollerstra\u00dfe 6 er\u00f6ffnet wurde. Die Leitung \u00fcbernahm Josef Windischer. Das Z6 hatte schon mehr mit dem zu tun, was auf der Leinwand von Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Motorr\u00e4dern in <em>Easy Rider<\/em> vorgezeigt wurde. Hier ging es rauer zu als in der MK. Rockerbanden wie die Santanas, Kleinkriminelle und Drogenabh\u00e4ngige verbrachten ihre Freizeit ebenfalls im Z6. W\u00e4hrend Schumacher mit den \u201ebraven\u201c Jugendlichen oben sein Programm abspulte, bev\u00f6lkerte Windischer mit den <em>Outsiders<\/em> das Untergescho\u00df, um auch den verirrten Sch\u00e4fchen so gut als m\u00f6glich beizustehen.<\/p>\n<p>Ende der 1960er Jahre beschlossen sowohl die MK wie auch das Z6 sich auch f\u00fcr Nichtmitglieder zu \u00f6ffnen. M\u00e4dchen und Bubengruppen wurden teilweise zusammengelegt und auch Nicht-Mitglieder wurden eingelassen. Die beiden Jugendzentren hatten zwar unterschiedliche Zielgruppen, das Konzept aber war gleich. Theologisches Wissen und christliche Moral wurden in spielerischem, altersgerechtem Umfeld vermittelt. Sektionen wie Schach, Fu\u00dfball, Hockey, Basketball, Musik, Kinofilme und ein Partykeller holten die Bed\u00fcrfnisse der Jugendlichen nach Spiel, Sport und der Enttabuisierung der ersten sexuellen Erfahrungen ab. Die Jugendzentren boten einen Raum, in dem sich Jugendliche beider Geschlechter begegnen konnten. Besonders die MK blieb aber eine Institution, die nichts mit dem wilden Leben der 68er, wie es in Filmen gerne transportiert wird, zu tun hatte. So fanden zum Beispiel Tanzkurse nicht im Advent, Fasching oder an Samstagen statt, f\u00fcr unter 17j\u00e4hrige waren sie \u00fcberhaupt verbotene Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Trotzdem gingen die Jugendzentren zu weit f\u00fcr Bischof Rusch. Die kritischen Beitr\u00e4ge in der MK-Zeitung <em>Wir diskutieren<\/em>, die immerhin eine Auflage von \u00fcber 2000 St\u00fcck erreichte, fanden immer seltener sein Gefallen. Solidarit\u00e4t mit Vietnam war das eine, aber Kritik an Sch\u00fctzen und Bundesheer konnten nicht geduldet werden. Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Bischof und Jugendzentrum kam es 1973 zum Showdown. Als Pater Kripp sein Buch <em>Abschied von morgen<\/em> ver\u00f6ffentlichte, in dem er von seinem p\u00e4dagogischen Konzept und der Arbeit in der MK berichtete, kam es zu einem nicht \u00f6ffentlichen Verfahren innerhalb der Di\u00f6zese und des Jesuitenordens gegen den Leiter des Jugendzentrums. Trotz massiver Proteste von Eltern und Mitgliedern wurde Kripp entfernt. Weder die innerkirchliche Intervention durch den bedeutenden Theologen Karl Rahner noch eine vom K\u00fcnstler Paul Flora ins Leben gerufene Unterschriftenaktion oder regionale und \u00fcberregionale Emp\u00f6rung in der Presse konnte den allzu liberalen Pater vor dem Zorn Ruschs retten, der sich f\u00fcr die Amtsenthebung sogar den p\u00e4pstlichen Segen aus Rom zusichern lie\u00df.<\/p>\n<p>Im Juli 1974 war es vor\u00fcbergehend auch mit dem Z6 vorbei. Artikel \u00fcber die Antibaby-Pille und Kritik der Z6-Zeitung an der katholischen Kirche waren zu viel f\u00fcr den strengen Bischof. Rusch lie\u00df kurzerhand die Schl\u00fcssel des Jugendzentrums austauschen, eine Methode, die er auch bei der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft <\/em>angewendet hatte, als diese sich zu nahe an eine linke Aktionsgruppe ann\u00e4herte. Die Tiroler Tageszeitung vermerkte am 1. August 1974 in einem kleinen Artikel dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eIn den letzten Wochen war es zwischen den Erziehern und dem Bischof zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen \u00fcber Grundsatzprobleme gekommen. Nach den Worten des Bischofs h\u00e4tten die im \u201eZ 6\u201c vertretenen Auffassungen \u201emit der kirchlichen Lehre nicht mehr \u00fcbereingestimmt\u201c. So seien den Jugendlichen von der Leitung des Zentrums absolute Gewissensfreiheit ohne gleichzeitige Anerkennung objektiver Normen zugebilligt und auch geschlechtliche Beziehungen vor der Ehe erlaubt worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sein Festhalten an konservativen Werten und seine Sturheit waren es, die Ruschs Ansehen in seinen letzten 20 Lebensjahren besch\u00e4digten. Als er 1964 zum ersten Bischof der neu gegr\u00fcndeten Di\u00f6zese Innsbruck geweiht wurde, \u00e4nderten sich die Zeiten. Der progressive mit praktischer Lebenserfahrung von einst wurde vom modernen Leben einer neuen Generation und den Bed\u00fcrfnissen der sich etablierenden Konsumgesellschaft \u00fcberholt. Die st\u00e4ndige Kritik des Bischofs am Lebensstil seiner Sch\u00e4fchen und das sture Festhalten an seinen allzu konservativen Werten gepaart mit teils skurrilen Aussagen machten aus dem Mitbegr\u00fcnder der Entwicklungshilfe <em>Bruder in Not<\/em>, dem jungen, anpackenden Bischof des Wiederaufbaus, ab den sp\u00e4ten 1960er Jahren einen Grund f\u00fcr den Kirchenaustritt. Sein Konzept von Umkehr und Bu\u00dfe trieb skurrile Bl\u00fcten. So forderte er von den Tirolern Schuld und S\u00fchne f\u00fcr ihre Verfehlungen w\u00e4hrend der NS-Zeit, bezeichnete aber gleichzeitig die Entnazifizierungsgesetze als zu weitgreifend und streng. Auf die neuen sexuellen Gepflogenheiten und die Abtreibungsgesetze unter Bundeskanzler Kreisky erwiderte er, dass M\u00e4dchen und junge Frauen, die verfr\u00fcht geschlechtlichen Umgang haben, bis zu zw\u00f6lfmal h\u00e4ufiger von Krebserkrankungen der Mutterorgane betroffen seien. Hamburg bezeichnete Rusch als S\u00fcndenbabel und er vermutete, dass die schlichten Gem\u00fcter der Tiroler Bev\u00f6lkerung Ph\u00e4nomenen wie Tourismus und Nachtlokalen nicht gewachsen seien und sie zu unmoralischem Verhalten verf\u00fchrten. Er f\u00fcrchtete, dass Technologie und Fortschritt den Menschen allzu unabh\u00e4ngig von Gott machen. Er war streng gegen die neue Sitte des Doppelverdienstes. Der Mensch sollte mit einem spirituellen Einfamilienhaus mit Gem\u00fcsegarten zufrieden sein und nicht nach mehr streben, Frauen sollten sich auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>1973 wurde Bischof Rusch nach 35 Jahren an der Spitze der Kirchengemeinde Tirols und Innsbrucks zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt. 1981 trat er von seinem Amt zur\u00fcck. 1986 fand Innsbrucks erster Bischof seine letzte Ruhe im Dom St. Jakob. Das <em>Bischof-Paulus-Studentenheim<\/em> bei der unter ihm errichteten Kirche Petrus Canisius in der H\u00f6ttinger Au erinnert an ihn.<\/p>\n<p>Das Jugendzentrum Z6 \u00fcbersiedelte nach seiner Schlie\u00dfung 1974 in die Andreas-Hofer-Stra\u00dfe 11, bevor es seine bis heute bestehende Heimst\u00e4tte in der Dreiheiligenstra\u00dfe fand, mitten im Arbeiterviertel der Fr\u00fchen Neuzeit gegen\u00fcber der Pestkirche. Jussuf Windischer blieb nach seiner Mitarbeit in Sozialprojekten in Brasilien in Innsbruck. Der Vater von vier Kindern arbeitete weiterhin mit sozialen Randgruppen, war Dozent an der Sozialakademie, Gef\u00e4ngnisseelsorger und Leiter des Caritas Integrationshauses in Innsbruck.<\/p>\n<p>Auch die MK besteht bis heute, auch wenn es das Kennedyhaus, das direkt nach dem Abschied Kripps von den Mitgliedern in <em>Sigmund-Kripp-Haus<\/em> umbenannt wurde, nicht mehr gibt. Kripp wurde 2005 von seinem ehemaligen Sodalen und sp\u00e4teren Vizeb\u00fcrgermeister wie vor ihm Bischof Rusch zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67576&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">1669 gilt als das offizielle Gr\u00fcndungsjahr einer der wichtigsten Institutionen der Innsbrucker Stadtgeschichte. Am 15. Oktober gab Kaiser Leopold I. den Tirolern das\u00a0Privileg des \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Haller Salzaufschlags<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c, der es erm\u00f6glichte die begehrte Handelsware st\u00e4rker zu besteuern und damit den Universit\u00e4tsbetrieb zu finanzieren. Die Universit\u00e4t ging aus der Lateinschule hervor, die von den Jesuiten etwas mehr als hundert Jahre zuvor unter Ferdinand I. gegr\u00fcndet worden war. Der Schwerpunkt am Gymnasium lag auf der humanistischen Bildung. Latein und Griechisch waren Schwerpunkte im Unterricht. Wissenschaftliche B\u00fccher wurden in der Fr\u00fchen Neuzeit noch immer auf Latein verfasst. Auch f\u00fcr h\u00f6here Posten im \u00f6ffentlichen Dienst war Latein Voraussetzung. Die Universit\u00e4t brachte neue Ausbildungsm\u00f6glichkeiten nach Innsbruck. Die erste Fakult\u00e4t, die den Lehrbetrieb aufnahm, war die Philosophie. Theologie, Recht und Medizin folgten kurz darauf. Als Papst Innozenz XI. der Universit\u00e4t 1677 seinen Segen gab, war der Betrieb schon voll angelaufen und Studenten aus Tirol und anderen L\u00e4ndern tummelten sich in Innsbruck. Ein Studium dauerte f\u00fcr gew\u00f6hnlich sieben Jahre, bevor sich der Absolvent als Zeichen seines Status als Doktor einen Ring \u00fcber den Finger streifen durfte. In den ersten beiden Jahren musste jeder Student der Philosophie widmen, bevor er sich f\u00fcr ein Gebiet entschied. Zum geisteswissenschaftlichen Unterricht kamen Kirchendienste, Theaterauff\u00fchrungen, Musizieren und praktische Dinge wie Fechten und Reiten, die im Leben eines gebildeten jungen Mannes nicht fehlen durften.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war aber mehr als ein Bildungsinstitut. Studenten und Professoren ver\u00e4nderten das soziale Gef\u00fcge der Stadt. Im ersten Jahrzehnt nach der Gr\u00fcndung lehrten knapp 50 unterschiedliche Intellektuelle aus aller HErren L\u00e4nder Philosophie in Innsbruck vor \u00fcber 300 Studenten. Bei gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen wie Prozessionen stachen Abordnungen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Congregation der heiligen Jungfrau<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sich aus Mitgliedern der jesuitisch gepr\u00e4gten Universit\u00e4t speiste, hervor. Die Professoren pflegten in ihren je nach Fachgebiet verschiedenartigen Samtm\u00e4nteln aufzutreten, die Studenten mit den Schwertern, die sie tragen durften. Die Akademiker sprachen auch auf Deutsch anders als die einheimische Bev\u00f6lkerung, offizielles wurde ohnehin meist auf Latein erledigt. 1665 hatte Innsbruck den Rang einer Residenzstadt verloren und damit an Prestige und Glanz verloren. Der Universit\u00e4tsbetrieb machte diese Degradierung etwas wett, blieb die Aristokratie so zumindest in Form von Studenten erhalten. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Work hard, play hard<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> galt auch damals als Motto. Der von den Professoren streng \u00fcberwachte studentische Alltag in Aula und den H\u00f6rs\u00e4len wurde von einem bunten Mix aus feuchtfr\u00f6hlicher Abendunterhaltung, Ausfl\u00fcgen in die Umgebung Innsbrucks, Musizieren, kirchlichen Prozessionen und Theaterauff\u00fchrungen aufgelockert. Das Zusammentreffen privilegierter Jugendlicher mit B\u00fcrgern, Dienstboten und Handwerkern lief nicht immer reibungsfrei ab. Unter den anfangs knapp 300 Studenten fanden sich viele S\u00f6hne aus Adelsh\u00e4usern wieder.\u00a0Die jungen M\u00e4nner traten, anders als die streng und sittlich gekleideten Einwohner Innsbrucks, bunt und keck nach der Art mittelalterlicher Gecken in Erscheinung. Sie sprachen in einer Art und Weise miteinander, die Uneingeweihten als vollkommen l\u00e4cherlich erscheinen musste. Bei den Studenten handelte es sich trotz ihres gesellschaftlichen Ranges h\u00e4ufig genug auch nicht um strebsame Mustersch\u00fcler, sondern um junge Burschen, die einen gewissen Lebensstil und Status gewohnt waren. So begaben sich im Januar 1674 \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">nit allein zu n\u00e4chtlicher Zeit Ungelegenheiten, Rumores und ungereimte Handlungen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c und es wurden \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Studenten der Universit\u00e4t angetroffen, die allerlei verbotene Waffen wie Feuerrohr, Pistolen, Terzerol, Stilett, S\u00e4bel, Messer\u2026<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c bei sich hatten. Die der Oberschicht entstammenden Teenager waren es gewohnt, Waffen zu tragen und auch zu benutzen. Ehrverletzungen konnten, \u00e4hnlich wie beim Milit\u00e4r, auch in studentischen Kreisen zu Duellen f\u00fchren. Besonders in Paarung mit Alkohol waren Ausschreitungen nicht ungew\u00f6hnlich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das exzentrische Verhalten der jungen M\u00e4nner f\u00fchrte immer wieder zu skurrilen Problemen untereinander und mit den nicht-akademischen Innsbruckern. Studenten war es zum Beispiel verboten, \u00fcber den Durst zu trinken. Geschah dies doch in einer der Wirtschaften Innsbrucks, so wurde der junge Delinquent ermahnt. Konnte oder wollte er die Rechnung nicht begleichen, konnte der gesch\u00e4digte Wirt bei Gericht keine Anzeige einbringen, da der Ausschank alkoholischer Getr\u00e4nke \u00fcber die Ma\u00dfen an die Studentenschaft verboten war. Um den jungen Eliten Herr zu werden, bedurfte es eines eigenen Rechtssystems. Studenten unterlagen bis zu einem gewissen Grad dem Universit\u00e4tsrecht unterlagen, das vom Stadtrecht losgel\u00f6st war. Um das Recht durchzusetzen, stellte das Rektorat eine eigene Truppe aus. Die Scharwache war mit Hellebarden bewaffnet und sollte die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rumores<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> der Studenten so gut als m\u00f6glich verhindern. Sechs Mann hatten Tag und Nacht bewaffneten Dienst, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Kosten daf\u00fcr teilten sich die Stadt Innsbruck und die Universit\u00e4t. Es gab auch einen eigenen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Carcer<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, um \u00dcbelt\u00e4ter bei Wasser und Brot zu verwahren. Freiheitsentzug, Geldbu\u00dfen und sogar Landesverweise konnten von der Universit\u00e4t ausgesprochen werden. Nur f\u00fcr die Blutgerichtsbarkeit musste die Landesregierung angerufen werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war auch sonst durch ihre Geschichte hindurch ein Politikum. Der Name <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> geht auf die beiden Kaiser Leopold und Franz zur\u00fcck, unter denen sie jeweils gegr\u00fcndet wurde. Zweimal wurde die Universit\u00e4t zu einem Lyzeum herabgestuft oder gar ganz abgeschafft. Kaiser Josef II. schloss die Pforten ebenso wie die bayerische Verwaltung w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege. Die jesuitisch gepr\u00e4gten und Studenten und Professoren waren ihnen suspekt und wurden aus dem Bildungssektor verband. Kaiser Franz I., der in der Restauration wieder mehr auf der traditionell katholischen Linie der Habsburger war, nahm 1826 die Neugr\u00fcndung vor. Unter Beobachtung blieb die Universit\u00e4t aber auch im Polizeistaat Metternichs weiterhin. Im Vorm\u00e4rz waren es nationalistisch und liberal gesinnte Kr\u00e4fte, die man f\u00fcrchtete. Die geheime Staatspolizei war nicht nur in den H\u00f6rs\u00e4len, sondern auch sonst in den studentischen Kreisen pr\u00e4sent, um problematisches Gedankengut junger Aufwiegler m\u00f6glichst fr\u00fch im Keim zu ersticken.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Industrialisierung und die damit einhergehenden neuen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Spielregeln ver\u00e4nderten den Universit\u00e4tsbetrieb. Ganz im Geist der Zeit besch\u00e4ftigte sich die Er\u00f6ffnungsrede des Dekans der philosophischen Fakult\u00e4t Prof. Dr. Joachim Suppan (1794 \u2013 1864), mit einem praktischen Problem der Physik, damit \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">eine genauere Kenntnis der so wichtigen und n\u00fctzlichen Erfindung der Dampfmaschine auch f\u00fcr die vaterl\u00e4ndische Industrie, wo dieselbe bisher noch keine Anwendung hat<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c erreicht werde. Dass Supan neben seinen Abschl\u00fcssen in Philosophie und Mathematik auch geweihter Priester war, zeigt den Einfluss, den die Kirche auch im 19. Jahrhundert auf das Bildungswesen hatte. Wie sehr die Universit\u00e4t neben der Kirche der staatlichen Obrigkeit verbunden war, zeigt Supans abschlie\u00dfende Ermahnung in Richtung der Studenten, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201edereinst dem Vaterlande durch Kenntnis und Tugend ersprie\u00dfliche Dienste zu leisten\u201c<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Nationalit\u00e4tenkonflikte der sp\u00e4ten Monarchie spiegelten sich ebenfalls in der Universit\u00e4tsgeschichte wider. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des Vereinswesens, im Fall der Universit\u00e4t der Studentenverbindungen. Im Falle Innsbruck waren es vor allem Probleme zwischen deutschsprachigen und italienischsprachigen Studenten, die immer wieder zu Problemen f\u00fchrten und ihren H\u00f6hepunkt in den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Fatti di Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> fanden. Deutschnational gesinnte Studenten spielten auch in weiterer Folge eine Hauptrolle an der Universit\u00e4t. Viele der jungen M\u00e4nner waren im habsburgischen Gro\u00dfreich aufgewachsen und hatten im Ersten Weltkrieg gedient. Die junge Republik \u00d6sterreich lag unter den jungen Akademikern nicht im Trend. Die Begeisterung flog teils dem als modern und dynamisch wirkenden faschistischen Italien und sp\u00e4ter dem nationalsozialistischen Deutschland zu. Mit dem Anschluss an das Deutsche Reiche 1938 wurde die Universit\u00e4t ein weiteres Mal umbenannt. Nach dem Krieg wurde aus der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Deutschen Alpenuniversit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> wieder die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war wie so vieles dem Standesdenken ihrer jeweiligen Zeit unterworfen. Frauen und S\u00f6hnen von Handwerksfamilien war das Studium an der Universit\u00e4t lange nicht gestattet. Das \u00e4nderte sich erst in der Zeit nach der Monarchie. Den ersten weiblichen Doktor der Juristerei der Universit\u00e4t feierte man gar erst f\u00fcnf Jahre nach der Entstehung der Republik. Die Presse notierte:<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm kommenden Samstag wird an der Innsbrucker Universit\u00e4t Fr\u00e4ulein Mitzi Fischer zum Doktor iuris promoviert. Fr\u00e4ulein Fischer ist eine geb\u00fcrtige Wienerin. In Wien absolvierte sie auch das Gymnasium. Nach der Reifepr\u00fcfung oblag sie dem juristischen Studium der Universit\u00e4t Innsbruck. Die zuk\u00fcnftige Doktorin hat s\u00e4mtliche Pr\u00fcfungen mit Auszeichnungen absolviert, m\u00fc\u00dfte also nach dem fr\u00fcheren Brauche sub auspiciis imperatoris promovieren. Jedenfalls ist Fr\u00e4ulein Fischer die erste Dame, die sich an der Innsbrucker Universit\u00e4t den juristischen Doktortitel erwirbt.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erstaunlich ruhig verhielten sich die Studenten in Innsbruck in den Wendejahren 1848 und 1968 an der Universit\u00e4t. W\u00e4hrend in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten die Studenten Treiber des Wandels waren, blieb man in Innsbruck unaufgeregt. Es gab in den sp\u00e4ten 1960ern und 70ern zwar einzelne Gruppen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Kommunistische Gruppe Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, das <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Komitee f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sozialistische VSSt\u00d6 oder die liberal-katholische <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Aktion<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> innerhalb der \u00d6H, zu einer Massenbewegung kam es nicht. W\u00e4hrend in Paris Pflastersteine flogen, gab man sich in Innsbruck mit Boykotten und Sit-ins zufrieden. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Studenten entstammte der Oberschicht und hatte die Matura in einem katholisch orientierten Gymnasium absolviert. Beethovens Weisheit, dass \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">solange der \u00d6sterreicher noch braun\u00b4s Bier und W\u00fcrstel hat, revoltiert er nicht<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c traf zu. Nur wenige Studenten konnten sich f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam, Mao Zedong und Fidel Castro begeistern. Wer wollte schon die eigene Karriere aufs Spiel setzen, in einem Land, das von der Dreifaltigkeit aus Tiroler Tageszeitung, Bischof Paulus Rusch und dem Landtag mit absoluter Mehrheit der \u00d6VP dominiert wurde? Wer es trotzdem wagte, aufs\u00e4ssige Flugbl\u00e4tter oder linke Literatur zu verbreiten, musste mit medialer Diffamierung, einer R\u00fcge durch das Rektorat oder gar dem Besuch der Staatsgewalt rechnen. Kritisiert wurden nur selten die Professoren, die im 20. Jahrhundert h\u00e4ufig noch Distanziertheit und den unnahbaren Nimbus der Fr\u00fchen Neuzeit verspr\u00fchten oder kaum Hehl aus ihrer politischen Gesinnung machten. Eher war die mangelhafte Ausstattung der bescheidenen Lehrs\u00e4le f\u00fcr die stets zunehmende Anzahl an Studenten. Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in den Universit\u00e4ten wurde in \u00d6sterreich nicht erk\u00e4mpft, sondern gew\u00e4hlt. Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky fielen die die Studiengeb\u00fchren. Bildung wurde f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl junger Menschen leist- und vorstellbar. Die Zahl der Studenten an \u00f6sterreichischen Hochschulen stieg dadurch zwischen 1968 und 1974 von 50.000 auf \u00fcber 73.000 Menschen an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz aller Widrigkeiten und Kuriosit\u00e4ten durch die Jahrhunderte genoss die Universit\u00e4t Innsbruck seit ihren Anfangstagen meist einen sehr guten Ruf. Lehrende und Studierende sorgten im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach f\u00fcr aufsehenerregende Leistungen in der Forschung. Victor Franz Hess wurde f\u00fcr seine Verdienste rund um die Erforschung der kosmischen Strahlung den Nobelpreis f\u00fcr Physik. Auch der Quantenphysiker Anton Zeilinger war an der Universit\u00e4t Innsbruck t\u00e4tig, wenn auch nicht im Jahr 2022 bei seiner Verleihung. Den Nobelpreis f\u00fcr Chemie erhielten auch die Professoren Fritz Pregl, Adolf Windaus und Hans Fischer, wobei auch sie nicht mehr in Innsbruck t\u00e4tig waren. Die Universit\u00e4tsklinik erbrachte sowohl in Forschung und Ausbildung wie auch in der t\u00e4glichen Versorgung der Stadt sehr gute Leistungen und z\u00e4hlt zu den Aush\u00e4ngeschildern Innsbrucks.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nicht nur in intellektueller und wirtschaftlicher Hinsicht ist die Universit\u00e4t wichtig f\u00fcr die Stadt. 30.000 Studierende bev\u00f6lkern und pr\u00e4gen das Leben zwischen Nordkette und Patscherkofel. Die Zeit, in der junge Aristokraten in bunten Klamotten bei Prozessionen ausf\u00e4llig werden, sind vor\u00fcber. Mittlerweile sind sie eher auf den Skipisten und Mountainbike-Trails zu finden. Das gr\u00f6\u00dfte Problem, das die jungen Damen und Herren verursachen, sind auch keine Pogrome gegen\u00fcber nicht-deutschen Bev\u00f6lkerungsgruppen. Ein gro\u00dfer Teil der Studierenden des 21. Jahrhunderts kommt selbst aus dem Ausland und treibt die Preise am Wohnungsmarkt seit den 1970erJahren auf Rekordh\u00f6he. Im Oktober 1972 kam es zur Besetzung des Hexenhauses, einer leerstehenden Immobilie der Universit\u00e4t in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 24, die kurzerhand von einer Handvoll Studenten okkupiert wurde. Innsbruck gilt als die teuerste Landeshauptstadt, was Wohnraum betrifft, der Leerstand von Immobilien ist mehr als 50 Jahre nach der Hausbesetzung noch immer ein dr\u00e4ngendes Problem. Wie sehr die Studierenden Innsbruck beleben, merkt man erst, wenn die Ausw\u00e4rtigen zwischen den einzelnen Semestern in ihre Heimat zur\u00fcckkehren. Zehntausende beleben nicht nur das Nachtleben, sondern verpassen der Kleinstadt auch fast 400 Jahre nach der Gr\u00fcndung internationales Flair und hippe Urbanit\u00e4t.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Johann von Sieberer: Innsbrucks guter Geist&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Johann von Sieberer, der gute Geist Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53642&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Waren es in Mittelalter und Fr\u00fcher Neuzeit vor allem Kirche und Aristokratie, die f\u00fcr die Entwicklung von Infrastruktur und Bauten im \u00f6ffentlichen Raum verantwortlich waren, machten sich im 18. und 19. Jahrhundert Mitglieder des wohlhabenden B\u00fcrgertums dazu auf, das Stadtbild mit ihren Projekten zu pr\u00e4gen. Die politischen Umw\u00e4lzungen von 1848 und 1867 hatten die Karten neu gemischt. Kleinadel und Klerus hatten Verm\u00f6gen, Macht und gesellschaftlichen Einfluss verloren. F\u00fcr sie sprang das gehobene B\u00fcrgertum ein, das sich in Innsbruck aus verm\u00f6genden H\u00e4ndlern, Gastronomen, Hoteliers und Industriellen zusammensetzte. M\u00e4nner wie der Bierbrauer, Schloss- und Lokalbesitzer Robert Ni\u00dfl, Alois Epp, Leonhard Lang oder Josef Kiebach stifteten Teile ihres Verm\u00f6gens und engagierten sich in Vereinen, um Infrastruktur und Soziales am Laufen zu halten. Die Aufstiege zeugen davon, dass es in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wie nie zuvor m\u00f6glich war, durch Geschick, Flei\u00df und etwas Gl\u00fcck aufzusteigen. Lang war vom Sohn eines Schmieds aus M\u00fchlau durch geschicktes Wirtschaften zum Papierfabrikanten und H\u00e4ndler aufgestiegen. Der Industrielle, nach dem die Langstra\u00dfe in Pradl benannt ist, hatte 1882 unter anderem das <em>Hotel \u00d6sterreichischer Hof<\/em> gekauft. Neben seiner Stiftung engagierte er sich f\u00fcr das Volkskunstmuseum, das Ferdinandeum und erm\u00f6glichte der Stadt Innsbruck den Bau des Neuen Rathauses in der Maria-Theresienstra\u00dfe. Kiebach (1828 \u2013 1875) war der Sohn eines Schlossermeisters. Kiebach erbte sowohl von seinem Vater wie auch seinem Onkel und vermachte nach seinem Tod einen gro\u00dfen Teil seines Verm\u00f6gens, um in den schwierigen Jahren nach der Wirtschaftskrise von 1873 den Armenfonds zu betreiben. Das bekannteste und bis heute am besten im Innsbrucker Stadtbild sichtbare Mitglied dieser neuen Klasse erfolgreicher Unternehmer in Innsbruck war Freiherr Johann von Sieberer.<\/p>\n<p>Johann Sieberer kam 1830 in Going bei Kitzb\u00fchel als uneheliches Kind zur Welt. Der Bischof von Salzburg verbrachte seine freien Tage gerne in den Tiroler Bergen. Das Schulwesen des Tiroler Unterlandes wurde damals ebenfalls von der Di\u00f6zese Salzburg administriert. Bei einer Visite der \u00f6rtlichen Volksschule bemerkte er einen besonders wiffen Burschen. \u00a01840 wurde Sieberer auf Gehei\u00df des Bischofs im <em>Borrom\u00e4um<\/em> zu Salzburg als Singknabe aufgenommen. Der Erzbischof von Salzburg erkannte fr\u00fch das herausragende Talent und erm\u00f6glichte dem Jungen den Besuch des Franziskanergymnasiums in Hall in Tirol. Nach dem Schulabschluss studierte er in Wien Rechtswissenschaften, bevor er in den Dienst der Familie des Bischofs von Salzburg, den F\u00fcrsten von Schwarzenberg eintrat. Diese Familie z\u00e4hlte zu den einflussreichsten der \u00f6sterreichischen Aristokratie. Erzherzog Albrecht, in dessen Dienst Sieberer stand, war der Begr\u00fcnder der Wiener Kunstsammlung <em>Albertina<\/em>. Sieberer arbeitete in der Administration der Industrieanlagen der Familie und lernte auf Reisen durch die Monarchie viele Mitglieder der Aristokratie und des Geldadels der K&amp;K Monarchie kennen. Als er auf Vermittlung Albrechts ab 1860 f\u00fcr die <em>Versicherungsgesellschaft \u00d6sterreichischer Ph\u00f6nix<\/em> arbeitete, konnte er diese Kontakte zu Geld machen. Durch den Verkauf hoher Polizzen an Mitglieder der Habsburgerfamilie und andere Adlige kam er zu einem gro\u00dfen Verm\u00f6gen. In Meidling bei Wien erwarb er seine Privatvilla und legte sein Geld in Zinsh\u00e4usern in der Hauptstadt an.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr Johann von Sieberer vor allem bekannt ist, sind seine gro\u00dfz\u00fcgigen Stiftungen in Innsbruck. Mit den gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen des 19. Jahrhunderts begann im st\u00e4dtischen Bereich die traditionelle Gro\u00dffamilie ihre Rolle als erste Anlaufstelle in Not zu verlieren. Der Staat hatte zwar die Wohlfahrt von der Kirche seit Maria Theresia mehr und mehr \u00fcbernommen und an die Kommunen ausgelagert, h\u00e4ufig fehlten aber die Mittel daf\u00fcr. Diese L\u00fccke schloss der streng gl\u00e4ubige und fromme Katholik Sieberer in Innsbruck als eine Art patriotischer M\u00e4zen im Sinne der christlichen N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p>Von 1885 bis zu seinem Tod 1914 lie\u00df Sieberer der Tiroler Landeshauptstadt seine Wohlt\u00e4tigkeit angedeihen. Das Waisenhaus samt einem Fond zu dessen Betreibung sowie das Franz-Joseph-Jubil\u00e4ums-Greisenasyl gehen auf die Spenden des Menschenfreunds Sieberer zur\u00fcck. Auch am Umbau der Jesuitenkirche beteiligte er sich. Leider nur mehr auf Archivbildern zu sehen ist der prachtvolle <em>Vereinigungsbrunnen<\/em>, der 1906 am damals noch protzigen Bahnhofsplatz im Stile des Historismus errichtet wurde und 1940 dem neuen Verkehrskonzept weichen musste.<\/p>\n<p>Das Waisenhaus und das Kaiser-Franz-Josef-Greisenasyl waren Infrastruktur, die von der Stadt ob der angespannten finanziellen Lage nicht finanziert werden konnte. Sieberer f\u00fchlte sich dem, was Max Weber als protestantische Arbeitsethik bezeichnete, zugeh\u00f6rig, ahmte aber die konservativen Adelskreise, in denen er sozialisiert worden war, nach. Der einzelne, tugendhafte B\u00fcrger sollte dem Kollektiv als Exempel dienen. Seine beiden Bauprojekte waren Statements und Ausdruck eines neuen b\u00fcrgerlichen Selbstverst\u00e4ndnisses. Interessant ist, dass Sieberer sich, anders als Monarchen und F\u00fcrsten der Vergangenheit, nicht namentlich auf seinen Projekten inszenieren lie\u00df.<\/p>\n<p>1909 wurde Sieberer von B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil zum Ehrenb\u00fcrger Innsbrucks, 1910 vom Kaiser zum Freiherrn ernannt. In Innsbruck erinnert die Siebererstra\u00dfe im Stadtteil Saggen an diesen gro\u00dfen Innsbrucker. Ein Denkmal zu Ehren Sieberers war noch zu dessen Lebzeiten geplant. Der Erste Weltkrieg und die darauffolgenden politischen und finanziellen Probleme verhinderten die Errichtung.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53486&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das f\u00fcr das barocke Gesicht Innsbrucks bedeutendste F\u00fcrstenpaar regierte Tirol w\u00e4hrend der Zeit, in der der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg Europa verheerte. Der Habsburger Leopold (1586 \u2013 1632) um die landesf\u00fcrstlichen Regierungsgesch\u00e4fte im ober\u00f6sterreichischen Regiment in Tirol und den Vorlanden zu f\u00fchren. Er hatte die klassische Erziehung unter den Fittichen der Jesuiten genossen. In Graz und Judenburg studierte er Philosophie und Theologie, um sich f\u00fcr den machtpolitischen Bereich des Klerus vorzubereiten, eine \u00fcbliche Karriere nachgeborener S\u00f6hne, die kaum Chancen auf weltliche Throne hatten. Leopolds fr\u00fche Karriere im Machtapparat der Kirche steht f\u00fcr all das, was Protestanten und Kirchenreformer an der katholischen Kirche ablehnten. Mit 12 Jahren wurde er zum Bischof von Passau gew\u00e4hlt, mit dreizehn wurde er zum Koadjutor des Bistums Stra\u00dfburg in Lothringen ernannt. Kirchliche Weihen hingegen erhielt er nie. F\u00fcr die geistlichen Pflichten war sein F\u00fcrstbischof zust\u00e4ndig. Er war leidenschaftlicher Politiker, reiste viel zwischen seinen Bist\u00fcmern und beteiligte sich auf kaiserlicher Seite am Konflikt zwischen Rudolf II. und Matthias, der Vorlage f\u00fcr Franz Grillparzers \u201e<em>Bruderzwist im Hause Habsburg<\/em>\u201c. Diese Agenden, die einem Kirchenmann nicht unbedingt zur Ehre gereichten, sollten Leopolds Chance auf weltliche F\u00fcrstenw\u00fcrden am Leben halten.<\/p>\n<p>Diese Chance kam, als der unverheiratete Maximilian III. 1618 kinderlos verstarb. Leopold fungierte auf Gehei\u00df seines Bruders als habsburgischer <em>Gubernator und Regierer dieser Ober- und Vorder\u00f6sterreichischen, auch Mitincorpierter Leuth und Lannde<\/em>. In seinen ersten Jahren als Regent musste er weiterhin zwischen seinen von den Wirren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges bedrohten Bist\u00fcmern in S\u00fcd- und Westdeutschland pendeln. Der ambitionierte Machtpolitiker war zwar wohl mit dem aufregenden Leben inmitten der hohen Politik zufrieden, nicht aber mit seinem Status als Gubernator. Er wollte den Titel des Landesf\u00fcrsten samt Huldigung und dynastischem Erbrecht. F\u00fcr den F\u00fcrstentitel und um einen Hofstaat einzurichten, fehlten eine passende Braut, Zeit und Geld. Die kostspieligen Auseinandersetzungen, an denen er beteiligt war, hatten Leopolds S\u00e4ckel geleert.<\/p>\n<p>Das Geld kam mit der Braut und mit ihr auch die Zeit. Claudia de Medici (1604 \u2013 1648) aus dem reichen toskanischen Kaufmanns- und F\u00fcrstengeschlecht wurde dazu auserkoren, den mittlerweile schon auf die 40 zugehenden Landesf\u00fcrsten in Spe mit dynastischen Freuden zu begl\u00fccken. Claudia war bereits im Kindesalter dem Herzog von Urbino versprochen worden, den sie mit 17 Jahren trotz eines Antrags Kaiser Ferdinands II. heiratete. Nach zwei Jahren Ehe verstarb ihr Gatte. Die Bande mit den Habsburgern waren noch vorhanden. Sp\u00e4testens seit der Hochzeit Francesco de Medici mit Johanna von Habsburg, einer Tochter Ferdinands I. waren die beiden Dynastien gut verzahnt. Auch Leopold und Claudia waren ein <em>Perfect Match<\/em> aus Titel, Macht, barocker Fr\u00f6mmigkeit und Geld. Leopolds Schwester Maria Magdalena war als angeheiratete Gro\u00dfherzogin der Toskana in Florenz gelandet und schickte ihrem Bruder ein gemaltes Portrait der jungen Witwe Claudia mit den Begleitworten, dass sie \u201e<em>von gesicht, leib und tugendt sch\u00f6n<\/em>\u201c sei. Nach einem Tanz im Huhn-Ei-Prinzip \u2013 die Familie der Braut wollte eine Versicherung um die Titel des Schwiegersohnes w\u00e4hrend dessen Bruder der Kaiser f\u00fcr die Vergabe der Herzogsw\u00fcrde den Beweis einer Braut forderte \u2013 war es so weit. 1625 verzichtete der mittlerweile zum Herzog erhobene, wohlgen\u00e4hrte und vierzig Jahre alte Leopold auf seine kirchlichen Besitzt\u00fcmer und W\u00fcrden, um heiraten und mit seiner fast 20 Jahre j\u00fcngeren Braut eine neue Tiroler Linie des Hauses Habsburg gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verbindung des Landesf\u00fcrsten mit der Italienerin sollten Innsbruck pr\u00e4gen. Die Medici hatten mit Baumwoll- und Textilhandel, vor allem aber mit Finanzgesch\u00e4ften ein Verm\u00f6gen verdient und waren zu politischer Macht gekommen. Unter den Medici war Florenz das kulturelle und finanzwirtschaftliche Zentrum Europas geworden, vergleichbar mit dem New York des 20 oder den Arabischen Emiraten des 21. Jahrhunderts. Der Florentiner Dom, der im Auftrag der m\u00e4chtigen Wollh\u00e4ndlergilde errichtet wurde, war in Ausstattung und Gr\u00f6\u00dfe das spektakul\u00e4rste Geb\u00e4ude weltweit. Galileo Galilei war Erster Mathematiker Herzog Cosimos II. 1570 wurde Cosimo de Medici vom Papst zum ersten Gro\u00dfherzog der Toskana ernannt. Aus dem toskanischen Geldadel wurde dank gro\u00dfz\u00fcgiger Kredite und Spenden europ\u00e4ischer Hochadel. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt am Arno zwar an politischem Gewicht eingeb\u00fc\u00dft, in kultureller Hinsicht war Florenz aber noch immer die Benchmark. Leopold setzte alles daran, um seine Residenzstadt in diese Liga zu katapultieren.<\/p>\n<p>Im Februar 1622 hatten die Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Kaiser Ferdinand II. und Eleonore von Mantua in Innsbruck stattgefunden. F\u00fcr den norditalienischen Brautanhang war Innsbruck leichter zu erreichen als Wien. Tirol war auch konfessionell geeint und war von den ersten Jahren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verschont geblieben. W\u00e4hrend die kaiserliche Hochzeit in f\u00fcnf Tagen erledigt war, zog sich die Party von Leopold und Claudia \u00fcber 2 Wochen. Die offizielle Hochzeit hatte ohne Beisein des Br\u00e4utigams im Florentiner Dom stattgefunden. Das anschlie\u00dfende Fest zu Ehren der Verbindung von Habsburg und Medici ging als eines der pr\u00e4chtigsten in Geschichte Innsbrucks ein und hielt die Stadt zwei Wochen lang in Atem. Nach einem frostigen Einzug vom verschneiten Brenner herunter empfing Innsbruck seine neue F\u00fcrstin und ihre Familie. Ehemann und Untertanen hatten zur inneren Reinigung im Vorfeld gebetet, um g\u00f6ttlichen Segen zu erbitten. Das Brautpaar zog wie zuvor der Kaiser in einem langen Zug durch zwei eigens errichtete Pforten in der Stadt ein. 1500 Sch\u00fctzen feuerten Salven aus allen Rohren ab. Trommler, Pfeifer und die Glocken der Hofkirche untermalten den Zug, der aus 750 Personen am staunenden Volk vorbeizog. Ein breites Unterhaltungsprogramm mit Jagden, Theater, T\u00e4nzen, Musik sowie allerlei exotischem wie \u201e<em>B\u00e4ren, T\u00fcrggen und Mohren<\/em>\u201c versetzten G\u00e4ste und Stadtb\u00fcrger in Verz\u00fcckung und Erstaunen. Aus heutiger Sicht wenig glanzvolles Highlights war das <em>Katzenrennen<\/em>, bei dem mehrere Reiter danach trachteten, einer an den Beinen aufgeh\u00e4ngten Katze im Vorbeireiten den Kopf abzuhacken.<\/p>\n<p>Weniger glorreich waren Leopolds fr\u00fche Regierungsjahre f\u00fcr seine Untertanen. Seine Politik wurde von vielen Auseinandersetzungen mit den Landst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Er war als Hardliner der Gegenreformation ein Unterst\u00fctzer der kaiserlichen Truppen. Das Unterengadin, \u00fcber das Leopold die Gerichtsgewalt hatte, war ein steter Unruheherd. Unter dem Vorwand, die dort ans\u00e4ssigen katholischen Untertanen vor protestantischen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, lie\u00df Leopold das Gebiet besetzen. Er konnte Aufst\u00e4nde zwar immer wieder erfolgreich unterdr\u00fccken, die Ressourcen, die daf\u00fcr n\u00f6tig waren, brachten Bev\u00f6lkerung und Landst\u00e4nde aber in Rage. Auch an der Nordgrenze zu Bayern war die Lage unruhig und erforderte Leopold als Kriegsherrn. Herzog Bernhard von Weimar hatte F\u00fcssen eingenommen und stand bei der Ehrenberger Klause vor den Landesgrenzen. Innsbruck blieb zwar von direkten Kriegshandlungen verschont, war aber dank den nahen Fronten trotzdem Teil des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges.<\/p>\n<p>Die finanziellen Mittel daf\u00fcr stellte er \u00fcber eine umfassende Steuerreform zu Ungunsten der Mittelschicht zur Verf\u00fcgung. Die in Kriegen \u00fcbliche Inflation durch das Stocken des f\u00fcr Innsbruck wichtigen Handels verschlechterte das Leben der Untertanen. 1622 versch\u00e4rfte eine wetterbedingte Missernte die Lage, die durch die Zinsbelastung des Staatshaushaltes durch Altlasten ohnehin stets angespannt war. Auch sein Beharren auf fl\u00e4chendeckende Durchsetzung des modernen R\u00f6mischen Rechtes gegen\u00fcber dem traditionellen Gewohnheitsrecht brachte ihm bei vielen Untertanen keine Sympathiepunkte ein.<\/p>\n<p>Das alles hielt Leopold und Claudia nicht davon ab, in absolutistischer Manier pr\u00e4chtig Hof zu halten. Innsbruck wurde unter Leopolds Regentschaft gro\u00dffl\u00e4chig barock umgestaltet. Am Hof fanden Feste im Beisein des europ\u00e4ischen Hochadels statt. Showeinlagen wie L\u00f6wenk\u00e4mpfe mit den exotischen Tieren aus dem landesf\u00fcrstlichen Bestand, den Ferdinand II. am Hofgarten gr\u00fcnden lie\u00df, Theater und Konzerte dienten der Zerstreuung der h\u00f6fischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Moral und Sitten der rauen \u00c4lpler sollten sich bessern. Es war ein Balanceakt zwischen Festen bei Hof und Verbot von Karnevalsfeiern f\u00fcr normale B\u00fcrger. Der Zorn Gottes, der immerhin Pest und Krieg nach sich gezogen hatte, sollte so gut als m\u00f6glich durch tugendhaftes Verhalten ferngehalten werden. Fluchen, Herumschreien und der Gebrauch von Schusswaffen auf offener Stra\u00dfe wurden verboten. Gegen Zuh\u00e4lterei, Prostitution, Ehebruch und moralischen Verfall ging man am frommen Hof streng vor. Juden hatten unter Leopold und Claudia ebenfalls schwere Zeiten. Der Hass auf die immer schon ungeliebten <em>Hebreer<\/em> brachte eine der unappetitlichsten Traditionen Tiroler Fr\u00f6mmigkeit hervor. 1642 verfasste der italienischst\u00e4mmige Stiftsarzt zu Hall und Gr\u00fcnder der Karlskirche in Volders Dr. Hippolyt Guarinoni die Legende des <em>M\u00e4rtyrerkinds Anderle von Rinn<\/em>. Angeregt vom angeblich durch Juden 1475 in seiner Heimatstadt ermordeten Simon von Trient verfasste Guarinoni 1642 das <em>Anderl-Lied<\/em> in Versform. In Rinn bei Innsbruck entwickelte sich rund um die Gebeine des angeblich 1462 von Juden ermordeten Andreas Oxner, die Jahreszahl war dem Doktor im Traum erschienen, ein antisemitischer Anderl-Kult, der erst 1989 vom Innsbrucker Bischof verboten wurde.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde nicht nur moralisch, sondern auch tats\u00e4chlich ges\u00e4ubert. Abf\u00e4lle, die besonders bei ausbleibendem Regen, wenn kein Wasser durch das Kanalsystem floss, ein Problem waren, wurden per f\u00fcrstlicher Verordnung regelm\u00e4\u00dfig gereinigt. Nutztiere durften nicht mehr frei innerhalb der Stadtmauern herumlaufen. Die Pestwelle wenige Jahre vorher war noch frisch im Ged\u00e4chtnis. Schlechte Ger\u00fcche und Miasmen sollten um jeden Preis ferngehalten werden.<\/p>\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod Leopolds regierte Claudia an Stelle ihres minderj\u00e4hrigen Sohnes das Land mit Hilfe ihres Hofkanzlers Wilhelm Biener (1590 \u2013 1651) mit moderner, konfessionell motivierter, fr\u00fchabsolutistischer Politik und strenger Hand. Sie konnte sich dabei auf eine gut funktionierende Verwaltung st\u00fctzen. Die junge Witwe umgab sich mit Italienern und italienischsprachigen Tirolern, die frische Ideen ins Land brachten, gleichzeitig aber auch H\u00e4rte im Kampf gegen den <em>Lutheranismo<\/em> zeigten. Um Feuer zu vermeiden, 1636 waren direkt vor der Hofburg das <em>L\u00f6wenhaus<\/em> und der <em>Ansitz Ruhelust<\/em> Ferdinands II. abgebrannt, mussten St\u00e4lle und andere Geb\u00e4ude aus Holz innerhalb der Stadtmauern abgerissen werden. Die Seidenraupenzucht im Trentino und erste, zarte \u00dcberlegungen rund um eine Tiroler Universit\u00e4t gediehen unter Claudias Regentschaft. Kanzler Biener zentralisierte Teile der Verwaltung. Vor allem das fragmentierte Rechtsystem innerhalb der Tiroler Territorien sollte durch einen allgemeing\u00fcltigen Kodex ersetzt werden. Daf\u00fcr musste der oft willk\u00fcrlich agierende lokale Kleinadel zu Gunsten des Landesf\u00fcrsten weiter entmachtet werden.<\/p>\n<p>Dieses System sollte nicht nur den teuren Hofstaat, sondern auch die Landesverteidigung finanzieren. Nicht nur protestantische Truppen aus S\u00fcddeutschland bedrohten den habsburgischen Besitz. Auch Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, wollte sich an den L\u00e4ndern der Casa de Austria in Spanien, Italien und den Vorlanden, den heutigen Benelux-Staaten, schadlos halten. Innsbruck wurde zu einem der Zentren des habsburgischen Kriegsrates. Am Rande der Front in den deutschen L\u00e4ndern und mittig zwischen Wien und der Toskana war die Stadt perfekt f\u00fcr \u00d6sterreicher, Spanier und Italiener, um sich zu treffen. Die f\u00fcr ihre Brutalit\u00e4t ber\u00fcchtigten Schweden bedrohten Tirol direkt, konnten aber vom Einmarsch abgehalten werden. Die Burg- und Wallanlagen, die Tirol sch\u00fctzten, wurden von unerw\u00fcnschten Bewohnern des Landes, Bettlern, Zigeunern und desertierten Soldaten in Zwangsarbeit errichtet. Bei Scharnitz an der heutigen deutschen Grenze wurden Verteidigungsanlagen errichtet und nach der Landesf\u00fcrstin <em>Porta Claudia<\/em> genannt.<\/p>\n<p>Als Claudia de Medici 1648 starb, kam es wie fast zur gleichen Zeit in England unter Cromwell zu einem Aufstand der St\u00e4nde gegen die Zentralregierung. Claudia, die nie die deutsche Landessprache gelernt hatte und auch sonst auch nach \u00fcber 20 Jahren noch mit lokalen Br\u00e4uchen fremdelte, war nie besonders beliebt in der Bev\u00f6lkerung gewesen. An eine Absetzung war aber nicht zu denken. Der Schierlingsbecher wurde an ihren Kanzler weitergereicht. Der unbequeme Biener wurde vom Nachfolger Claudias, Erzherzog Ferdinand Karl, und den Landst\u00e4nden als <em>Persona non grata<\/em> inhaftiert und 1651 wie Charles I. zwei Jahre nach einem Schauprozess gek\u00f6pft.<\/p>\n<p>Ein Hauch Florenz und Medici pr\u00e4gt Innsbruck bis heute: Sowohl in der Jesuitenkirche, wo Claudia und Leopold ihre letzte Ruhest\u00e4tte fanden, als auch in der Pfarrkirche Mariahilf prangt bis heute das Wappen ihrer Familie mit den roten Kugeln und den Lilien. Das Alte Rathaus in der Altstadt ist auch als <em>Claudiana<\/em> bekannt. \u00dcberreste der Porta Claudia bei Scharnitz stehen ebenfalls bis heute. Mit Leopolds Namen verbunden ist in Innsbruck besonders das Theater. Der Leopoldsbrunnen vor dem Haus der Musik erinnert an ihn. Wer sich an die Besteigung des markanten Berges Serles wagt, startet die Wanderung beim Kloster Maria Waldrast, das Leopold 1621 hingebungsvoll zum <em>wunderbarlichen Unser lieben Frawen bildnus auf der Waldrast<\/em> dem Servitenorden stiftete und Claudia ausbauen lie\u00df. Kanzler Wilhelm Biener wurde ein Stra\u00dfenname im Saggen gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Ferdinand II.: Principe und Renaissancef\u00fcrst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ferdinand II.: Renaissance, Glanz und Glamour&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53487&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erzherzog Ferdinand II. von \u00d6sterreich (1529 \u2013 1595) z\u00e4hlt zu den schillerndsten Figuren der Tiroler Landesgeschichte. Sein Vater Kaiser Ferdinand I. lie\u00df ihm eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen. Er wuchs am spanischen Hof seines Onkels Kaiser Karl V auf. Die Jahre, in denen Ferdinand seine Schulbildung erhielt, fallen in die Anfangszeit des jesuitischen Einflusses an den habsburgischen H\u00f6fen. Der junge Staatsmann wurde ganz im Sinne des frommen Humanismus erzogen. Dazu gesellten sich die Sitten des Hochadels der Renaissance. In jungen Jahren reiste er durch Italien und Burgund und hatte an den wohlhabenden H\u00f6fen dort einen Lebensstil kennengelernt, der sich unter der deutschen Aristokratie noch nicht durchgesetzt hatte. Ferdinand war das, was man heute als Globetrotter, Mitglied der Bildungselite oder Kosmopolit bezeichnen w\u00fcrde. Er galt als intelligent, charmant und kunstsinnig. Bei weniger exzentrischen Zeitgenossen genoss Ferdinand den Ruf eines unmoralischen und genusss\u00fcchtigen W\u00fcstlings. Es wurde ihm schon zu Lebzeiten nachgesagt, ausschweifende und unsittliche Orgien zu veranstalten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ferdinands Vater teilte sein Reich unter seinen S\u00f6hnen auf. Maximilian II., der zu Recht unter dem elterlichen Verdacht der H\u00e4resie und dem Anh\u00e4ngen protestantischer Lehren stand, erbte Ober- und Nieder\u00f6sterreich sowie B\u00f6hmen und Ungarn. Ferdinands j\u00fcngerer Bruder Karl regierte in Inner\u00f6sterreich, also K\u00e4rnten, Steiermark und der Krain. Das Mittelkind erhielt Tirol, das damals bis ins Engadin reichte, und die zerst\u00fcckelten habsburgischen Vorlande im Westen der zentraleurop\u00e4ischen Besitzungen. Ferdinand \u00fcbernahm das Land Tirol als Landesf\u00fcrst in turbulenten Zeiten. Er hatte bereits in seiner Jugend einige Jahre in Innsbruck verbracht. Die Bergwerke in Schwaz begannen wegen des billigen Silbers aus Amerika unrentabel zu werden. Die Silberschwemme aus den habsburgischen Besitzungen in <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Neu-Spanien<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> jenseits des Atlantiks f\u00fchrte zu einer Inflation.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Diese finanziellen Probleme hielten Ferdinand aber nicht davon ab, pers\u00f6nliche und \u00f6ffentliche Infrastruktur in Auftrag zu geben. Innsbruck profitierte wirtschaftlich und kulturell enorm davon, dass es nach Jahren ohne dezidiert einen Landesf\u00fcrsten zu haben, nun wieder zum Zentrum eines Regenten wurde. Ferdinands erzherzogliche Pr\u00e4senz lockte Aristokratie und Beamtenschaft nach den Jahrzehnten der Vernachl\u00e4ssigung nach Maximilians Ableben wieder an. In den sp\u00e4ten 1560er Jahren war die Verwaltung wieder auf 1000 Personen angewachsen, die mit ihrem Geld die lokale Wirtschaft anfachten. B\u00e4cker, Metzger und Gasth\u00f6fe florierten nach einigen kargeren Jahren wieder. Innsbruck besa\u00df Ende des 16. Jahrhunderts im Vergleich mit anderen St\u00e4dten \u00fcberdurchschnittlich viele Gastwirte, die \u00fcberdurchschnittlich gut an den H\u00e4ndlern, G\u00e4sten und Durchreisenden verdienten. Weinh\u00e4user waren nicht nur Gastbetriebe, sondern auch Lager- und Handelsst\u00e4tten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die italienischen St\u00e4dte Florenz, Venedig und Mailand waren stilbildend in Kultur, Kunst und Architektur. Der Tiroler Hof Ferdinands sollte ihnen in nichts nachstehen. Vorbei sollten die Zeiten sein, in denen Deutsche in den sch\u00f6neren St\u00e4dten s\u00fcdlich der Alpen als unzivilisiert,<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\"> barbarisch<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> oder gar als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Schweine<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> bezeichnet wurden. Dazu lie\u00df er Innsbruck im Geist der Renaissance umgestalten. Ganz im Trend der Zeit ahmte er die italienischen Adelsh\u00f6fe nach. Hofarchitekt Giovanni Lucchese stand ihm dabei zur Seite. Einen ansehnlichen Teil seines Lebens verbrachte Ferdinand auf Schloss Ambras bei Innsbruck, wo er sich eine der kostbarsten Sammlungen von Kunstwerken und R\u00fcstungen anlegte, die noch heute zu den wertvollsten der Welt ihrer Art zu z\u00e4hlen ist. Ferdinand verwandelte die Burg oberhalb des Dorfes Amras in einen modernen Hof. Seine Feste, Maskenb\u00e4lle und Umz\u00fcge waren legend\u00e4r. W\u00e4hrend der Hochzeit eines Neffen lie\u00df er 1800 K\u00e4lber und 130 Ochsen braten. Aus den Brunnen soll 10 Tage lang Wein statt Wasser geflossen sein.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Schloss Ambras war es aber nicht getan, was die Ver\u00e4nderung Innsbrucks anbelangt. Westlich der Stadt erinnert ein Torbogen noch an den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Tiergarten<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, ein Jagdrevier Ferdinands samt Lusthaus entworfen ebenfalls von Lucchese. Damit der Landesf\u00fcrst sein Wochenenddomizil erreichen konnte, wurde eine Stra\u00dfe in die sumpfige H\u00f6ttinger Au gelegt, die die Basis f\u00fcr die heutige Kranebitter Allee bildete. Das Lusthaus wurde 1786 durch den heute als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Pulverturm<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> bekannten Bau ersetzt, der einen Teil der sportwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck beheimatet. Dem f\u00fcrstlichen Sport des Jagens folgte im ehemaligen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Lusthaus<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, das der Pulverturm war, die Sportuniversit\u00e4t nach. In der Innenstadt lie\u00df er das f\u00fcrstliche <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Comedihaus<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> am heutigen Rennweg errichten. Um Innsbrucks Trinkwasserversorgung zu verbessern, wurde unter Ferdinand die M\u00fchlauerbr\u00fccke errichtet, um eine Wasserleitung vom M\u00fchlaubach ins Stadtgebiet zu verlegen. Die Jesuiten, kurz vor Ferdinands Amtsantritt in Innsbruck eingetroffen, um l\u00e4stigen Reformatoren und Kirchenkritikern das Leben schwer zu machen und das Bildungswesen neu aufzustellen, erhielten in der Silbergasse eine neue Kirche. Zahlreiche Neubauten wie die Kl\u00f6ster der Jesuiten, der Franziskaner, Kapuziner und Servitinnen kurbelten das Handwerk und die Baubranche an.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die neuen Orden unterst\u00fctzten Ferdinands Augenmerk auf die konfessionelle Ausrichtung seiner Sch\u00e4fchen. In seiner 1573 erlassenen Tiroler Landesordnung schob er nicht nur Unzucht, Fluchen und Prostitution einen Riegel vor, sondern verpflichtete seine Untertanen zu einer gottesf\u00fcrchtigen, also katholischen Lebensf\u00fchrung. Das \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Verbott der Zauberey und Abgerglaubigen Warsagerey<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c untersagte jedwegliche Abweichung vom wahren Glauben bei Androhung von Kerker, k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung und Enteignung. Juden mussten einen jederzeit gut sichtbaren Ring aus gelbem Stoff auf der linken Brustseite ihres Gewandes tragen. Gleichzeitig brachte Ferdinand einen j\u00fcdischen Finanzier nach Innsbruck, um die Geldgesch\u00e4fte f\u00fcr die aufw\u00e4ndige Hoff\u00fchrung abzuwickeln. Samuel May und seine Familie lebten als F\u00fcrstliche Schutzjuden in der Stadt. Daniel Levi erfreute Ferdinand mit Tanz und Harfenspiel am Theater und Elieser Lazarus k\u00fcmmerte sich als Hofarzt um seine Gesundheit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Bev\u00f6lkerung zu schr\u00f6pfen, prunkvoll zu leben, Protestantismus unter seinen wichtigen Beratern zu tolerieren und gleichzeitig den Protestantismus im Volk zu bek\u00e4mpfen, war f\u00fcr den gelernten Renaissancef\u00fcrsten kein Widerspruch. Bereits mit 15 Jahren zog er unter seinem Onkel Karl V. im <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Schmalkaldischen Krieg<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in die Schlacht gegen die Feinde der R\u00f6mischen Kirche. Als Landesf\u00fcrst verstand er sich als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Advocatus Ecclesiae (Anm.: Vertreter der Kirche)<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in einem konfessionell absolutistischen Sinn, der f\u00fcr das Seelenheil seiner Untertanen verantwortlich war. Zwangsma\u00dfnahmen, Stiftung von Kirchen und Kl\u00f6stern wie den Franziskanern und den Kapuzinern in Innsbruck, verbesserte Seelsorge und die Inszenierung jesuitischer Theaterst\u00fccke wie \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Die Enthauptung des Johannes<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c waren die Waffen der Wahl gegen den Protestantismus. Ferdinands Fr\u00f6mmigkeit war zwar nicht aufgesetzt, er schaffte es aber wie die meisten seiner Zeitgenossen, sich situationselastisch anzupassen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Politik Ferdinands stand unter passendem italienischem Einfluss der zeitgen\u00f6ssischen Avantgarde. Machiavelli schrieb sein Werk \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Il Principe<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c, in dem davon die Rede war, dass Regierenden alles erlaubt sei, was f\u00fcr den Erfolg n\u00f6tig ist, so sie denn unf\u00e4hig waren, sie auch abgesetzt werden k\u00f6nnten. Ferdinand II. probierte diesem fr\u00fchen absolutistischen F\u00fchrungsstil gerecht zu werden und erlie\u00df mit seiner <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Tiroler Landesordnung<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ein modernes juristisches Regelwerk. F\u00fcr seine Untertanten bedeutete das h\u00f6here Steuerabgaben auf ihre Ertr\u00e4ge sowie weitgehende Einschr\u00e4nkungen bei Almende, Fischerei- und Jagdrechten. Die Knappen, Bergbauunternehmer und die ausl\u00e4ndischen Handelsgesellschaften mit ihren Kontoreien in Innsbruck trieben die Lebensmittelpreise zus\u00e4tzlich in die H\u00f6he. Man k\u00f6nnte es zusammenfassen, dass Ferdinand auf seinen Anwesen vergn\u00fcglich dem exklusiven Jagdvergn\u00fcgen nachging, w\u00e4hrend seine Untertanten durch steigende Belastungen, Preise und Wildsch\u00e4den am Existenzminimum lebten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sein Beziehungsleben war f\u00fcr ein Mitglied der Hocharistokratie exzentrisch. In erster &#8222;halbwilder Ehe&#8220; war Ferdinand mit der B\u00fcrgerlichen Philippine Welser verheiratet. Nachdem Ehefrau #1 verstorben war, heiratete Ferdinand mit 53 Jahren die tiefgl\u00e4ubige Anna Caterina Gonzaga, eine erst 16j\u00e4hrige Prinzessin von Mantua. Gro\u00dfe Zuneigung haben die beiden allem Anschein nach aber nicht zueinander empfunden, zumal Anna Caterina eine Nichte Ferdinands war. Die Habsburger waren beim Thema Hochzeit unter Verwandten weniger zimperlich als bei der Ehe eines Adeligen mit einer B\u00fcrgerlichen. Auch mit ihr konnte er allerdings &#8222;nur&#8220; drei T\u00f6chter zeugen. Seine letzte Ruhest\u00e4tte fand Ferdinand in der Silbernen Kapelle bei seiner ersten Ehefrau Philippine Welser.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53500&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer in \u00d6sterreich unterwegs ist, kennt die Kuppen und Zwiebelt\u00fcrme der Kirchen in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Diese Form der Kircht\u00fcrme entstand in der Zeit der Gegenreformation und ist ein typisches Kennzeichen des Architekturstils Barock. Auch in Innsbrucks Stadtbild sind sie vorherrschend. Die bekanntesten Gottesh\u00e4user Innsbrucks wie der Dom, die Johanneskirche oder die Jesuitenkirche, sind im Stile des Barocks gehalten. Prachtvoll und prunkvoll sollten Gottesh\u00e4user sein, ein Symbol des Sieges des rechten Glaubens. Die Religiosit\u00e4t spiegelte sich in Kunst und Kultur wider: Gro\u00dfes Drama, Pathos, Leiden, Glanz und Herrlichkeit vereinten sich zum Barock, der den gesamten katholisch orientierten Einflussbereich der Habsburger und ihrer Verb\u00fcndeten zwischen Spanien und Ungarn nachhaltig pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4nderte sich enorm. Die Gumpps und Johann Georg Fischer als Baumeister sowie die Bilder Franz Altmutters pr\u00e4gen Innsbruck bis heute nachhaltig. Das Alte Landhaus in der Altstadt, das Neue Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die unz\u00e4hligen Palazzi, Bilder, Figuren \u2013 der Barock war im 17. und 18. Jahrhundert das stilbildende Element des Hauses Habsburg und brannte sich in den Alltag ein. Das B\u00fcrgertum wollte den Adeligen und F\u00fcrsten nicht nachstehen und lie\u00dfen ihre Privath\u00e4user im Stile des Barocks errichten. Auf Bauernh\u00e4usern prangen Heiligenbilder, Darstellungen der Mutter Gottes und des Herzen Jesu.<\/p>\n<p>Barock war nicht nur eine architektonische Stilrichtung, es war ein Lebensgef\u00fchl, das seinen Ausgang nach dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges nahm. Die T\u00fcrkengefahr aus dem Osten, die in der zweimaligen Belagerung Wiens gipfelte, bestimmte die Au\u00dfenpolitik des Reiches, w\u00e4hrend die Reformation die Innenpolitik dominierte. Die Barockkultur war ein zentrales Element des Katholizismus und der politischen Darstellung derselben in der \u00d6ffentlichkeit, das Gegenmodell zum spr\u00f6den und strengen Lebensentwurf Calvins und Luthers. Feiertage mit christlichem Hintergrund wurden eingef\u00fchrt, um den Alltag der Menschen aufzuhellen. Architektur, Musik und Malerei waren reich, f\u00fcllig und \u00fcppig. In Theaterh\u00e4usern wie dem <em>Comedihaus<\/em> in Innsbruck wurden Dramen mit religi\u00f6sem Hintergrund aufgef\u00fchrt. Kreuzwege mit Kapellen und Darstellungen des gekreuzigten Jesus durchzogen die Landschaft. Die Volksfr\u00f6mmigkeit in Form der Wallfahrten, Marien- und Heiligenverehrung hielt Einzug in den Kirchenalltag. Multiple Krisen pr\u00e4gten den Alltag der Menschen. Neben Krieg und Hunger brach die Pest im 17. Jahrhundert besonders h\u00e4ufig aus. Die<em> Barockfr\u00f6mmigkeit<\/em> wurde auch zur Erziehung der Untertanen eingesetzt. Auch wenn der Ablasshandel in der Zeit nach dem 16. Jahrhundert keine g\u00e4ngige Praxis mehr in der katholischen Kirche war, so gab es doch noch eine rege Vorstellung von Himmel und H\u00f6lle. Durch ein tugendhaftes Leben, sprich ein Leben im Einklang mit katholischen Werten und gutem Verhalten als Untertan gegen\u00fcber der g\u00f6ttlichen Ordnung, konnte man dem Paradies einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommen. Die sogenannte <em>Christliche Erbauungsliteratur<\/em> war nach der Schulreformation des 18. Jahrhunderts in der Bev\u00f6lkerung beliebt und zeigte vor, wie das Leben zu f\u00fchren war. Das Leiden des Gekreuzigten f\u00fcr die Menschheit galt als Symbol f\u00fcr die M\u00fchsal der Untertanen auf Erden innerhalb des Feudalsystems. Mit Votivbildern baten Menschen um Beistand in schweren Zeiten oder bedankten sich vor allem bei der Mutter Gottes f\u00fcr \u00fcberstandene Gefahren und Krankheiten.<\/p>\n<p>Der Historiker Ernst Hanisch beschrieb den Barock und den Einfluss, den er auf die \u00f6sterreichische Lebensart hatte, so:<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich entstand in seiner modernen Form als Kreuzzugsimperialismus gegen die T\u00fcrken und im Inneren gegen die Reformatoren. Das brachte B\u00fcrokratie und Milit\u00e4r, im \u00c4u\u00dferen aber Multiethnien. Staat und Kirche probierten den intimen Lebensbereich der B\u00fcrger zu kontrollieren. Jeder musste sich durch den Beichtstuhl reformieren, die Sexualit\u00e4t wurde eingeschr\u00e4nkt, die normengerechte Sexualit\u00e4t wurden erzwungen. Menschen wurden systematisch zum Heucheln angeleitet.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Rituale und das untert\u00e4nige Verhalten gegen\u00fcber der Obrigkeit hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Alltagskultur, die katholische L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und Italien bis heute von protestantisch gepr\u00e4gten Regionen wie Deutschland, England oder Skandinavien unterscheiden. Die Leidenschaft f\u00fcr akademische Titel der \u00d6sterreicher hat ihren Ursprung in den barocken Hierarchien. Der Ausdruck <em>Barockf\u00fcrst<\/em> bezeichnet einen besonders patriarchal-g\u00f6nnerhaften Politiker, der mit gro\u00dfen Gesten sein Publikum zu becircen wei\u00df. W\u00e4hrend man in Deutschland politische Sachlichkeit sch\u00e4tzt, ist der Stil von \u00f6sterreichischen Politikern theatralisch, ganz nach dem \u00f6sterreichischen Bonmot des \u201e<em>Schaumamal<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl-Rahner-Platz \/ Sillgasse 6<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59321,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[16,148,43,32,15,66,42,65,167],"tags":[],"class_list":["post-2594","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-barock","category-der-rote-bischof-und-innsbrucks-sittenverfall","category-ferdinand-ii-renaissance","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-innenstadt-2","category-johann-von-sieberer-der-gute-geist-innsbrucks","category-leopold-v-claudia-de-medici-glanz-und-gloria-in-innsbruck","category-petrus-canisius-und-die-jesuiten","category-universitatsstadt-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2594"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}