{"id":3260,"date":"2020-10-30T09:31:25","date_gmt":"2020-10-30T09:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=3260"},"modified":"2026-01-13T08:41:40","modified_gmt":"2026-01-13T08:41:40","slug":"claudiaplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/claudiaplatz\/","title":{"rendered":"Claudiaplatz"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Claudiaplatz<\/h2>\n<p>Claudiaplatz<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;62221,65852,65407,4001,55404,61988&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Claudiaplatz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61955&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Claudiaplatz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59153&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Die Zeit um 1900 brachte eine neue, globalisierte Welt hervor. Telegrafie und Telefon erm\u00f6glichten seit 50 Jahren die schnelle Verbreitung von Neuigkeiten, was zu einer \u201eGleichzeitigkeit\u201c zwischen Geschehenem und Berichterstattung in den Medien f\u00fchrte. Innsbrucks erster Fernsprechapparat ging wohl 1877 in Betrieb, die erste Telefonzentrale der Stadt folgte 16 Jahre sp\u00e4ter. Bis zum ersten \u00dcberlandgespr\u00e4ch in die Hauptstadt nach Wien sollten weitere 14 Jahre vergehen. Genau andersrum funktionierte die Unterhaltungsbranche. Kino und Grammophon erm\u00f6glichten es erstmals einem gr\u00f6\u00dferen Publikum Geschehenes zu speichern und \u201eungleichzeitig\u201c zu konsumieren. Im Verkehr begannen Fahrr\u00e4der die immer \u00f6fter auch in der Nacht beleuchteten Stra\u00dfen zu erobern. Elektrische N\u00e4hmaschinen und B\u00fcgeleisen erleichterten beg\u00fcterten Damen und ihrem Personal die Hausarbeit dank des sich ausbreitenden Stromnetzes. Zweig, Klimt, Kokoschka, Schiele, Mahler, Wagner, Sch\u00f6nberg und Freud pr\u00e4gen ein nostalgisches Bild Wiens und \u00d6sterreichs dieser Zeit im Ausland bis heute. Innsbruck war nicht Wien und das <em>Fin de Siecle<\/em> wurde in Tirol nicht so zelebriert wie in Paris, das B\u00fcrgertum der Alpenregion war aber von der europ\u00e4ischen beeinflusst. W\u00e4hrend sich Nationen politisch mehr und mehr voneinander entfernten, n\u00e4herten sich Hochkultur und Architektur in vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten an. Die neuen b\u00fcrgerlichen Eliten in Buenos Aires, Istanbul, Madrid, London, New York und Wien hatten den Historismus f\u00fcr sich entdeckt. Innsbruck bildete hier keine Ausnahme. Ein wenig vom Flair dieser Zeit kann man rund um den Claudiaplatz erleben. Der innerst\u00e4dtische Kreisel, dessen Namensgeberin Claudia de Medici war, bildet bis heute so etwas wie das Zentrum des Stadtteils Saggen. Er grenzt den \u201e<em>Villensaggen<\/em>\u201c im Nordwesten vom \u201e<em>Blocksaggen<\/em>\u201c mit den Mietsh\u00e4usern im Osten des Stadtteils ab. Nicht nur architektonisch, auch sozial bildete der Claudiaplatz schon immer eine Art Grenze. W\u00e4hrend sich in den Wohnbl\u00f6cken des <em>Blocksaggen <\/em>vor allem Freiberufler und Angestellte ansiedelten, residierte in den Villen eine Elite aus Kleinadel, Unternehmern und Gro\u00dfh\u00e4ndlern. Die Entstehung des Claudiaplatzes spiegelt die Kapitalisierung in der Innsbrucker Immobilienwirtschaft der sp\u00e4ten Monarchie wider. Bautr\u00e4ger und Unternehmer mit Kapital investierten ihr Geld schon damals in <em>Betongold<\/em>. Claudiaplatz 1, 2 und 3 sowie Elisabethstra\u00dfe Nummer 11 wurden ab 1898 von Reinhold Boos finanziert. Der geb\u00fcrtige Rheinl\u00e4nder gr\u00fcndete in Innsbruck eine Dachdeckerei, bevor er sich als <em>Realit\u00e4tenh\u00e4ndler<\/em> Namen und Verm\u00f6gen schuf. Er lie\u00df die herrschaftlichen Wohnh\u00e4user mit bis zu sieben Wohnungen f\u00fcr ein finanzkr\u00e4ftiges Publikum errichten. Anders als die Villen waren diese Immobilien als Mietobjekte gedacht. Die pr\u00e4chtigen H\u00e4user sind trapezf\u00f6rmig im Grundriss und reizvoll mit Erkern und \u00fcberbordendem Schmuck verziert. Schon die Stiegenh\u00e4user, die in der Gr\u00fcnderzeit gebaut wurden, waren kleine Kunstwerke und sollten den Besucher auf die Wohnungen und das Ambiente einstimmen. F\u00fcnf Stra\u00dfen m\u00fcnden in das Rondell Claudiaplatz. Westlich des Platzes f\u00fchrt die Elisabethstra\u00dfe in das Villenviertel, w\u00e4hrend die Kaiser-Franz-Josef-Stra\u00dfe mit dem reizvollen begr\u00fcnten Mittelstreifen mit gr\u00f6\u00dferen, aber ebenfalls sehenswerten Wohnh\u00e4usern best\u00fcckt ist. Bemerkenswert ist das Haus Conradstra\u00dfe 6, das sich nur wenige Meter vom Claudiaplatz befindet. Der Steinbruchbesitzer Josef Leutsch lie\u00df sich vom Architekten Josef Mayr dieses Haus im Jugendstil planen. Gegen\u00fcber m\u00fcndet die Claudiastra\u00dfe in den Platz, die schon zum <em>Blocksaggen<\/em> geh\u00f6ren. Die bunten H\u00e4user dieser Zeile sind vom Rondell des Platzes aus ein beliebtes Fotomotiv. Hier siedelte sich an, wer gen\u00fcgend Geld f\u00fcr eine Luxuswohnung, aber nicht gen\u00fcgend f\u00fcr eine Villa hatte. Das Milieu in diesem Teil Innsbrucks bestehend aus Akademikern und Freiberuflern hat sich zu einem gewissen Grad bis heute dynastisch erhalten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53750&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>is heute pr\u00e4gen die Geb\u00e4ude der sp\u00e4ten Monarchie das Stadtbild Innsbrucks. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gingen als <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em> in die \u00f6sterreichische Geschichte ein. Nach einer Wirtschaftskrise 1873 begann sich die Stadt im Wiederaufschwung auszudehnen. Von 1880 bis 1900 wuchs Innsbrucks Bev\u00f6lkerung von 20.000 auf 26.000 Einwohner an. Das 1904 eingemeindete Wilten verdreifachte sich von 4000 auf 12.000. Zwischen 1850 und 1900 wuchs die Anzahl an Geb\u00e4uden innerhalb der Stadt von 600 auf \u00fcber 900 Geb\u00e4ude an, die meisten davon waren anders als die fr\u00fchneuzeitlichen, kleinen Objekte mehrst\u00f6ckige Zinsh\u00e4user. Im Zuge technischer Innovationen ver\u00e4nderte sich auch die Infrastruktur. Gas, Wasser, Elektrizit\u00e4t wurden Teil des Alltags von immer mehr Menschen. Das alte Stadtspital wich dem neuen Krankenhaus. Im Saggen entstanden das Waisenhaus und das Greisenasyl Sieberers.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude, die in den jungen Stadtvierteln gebaut wurden, waren ein Spiegel dieser neuen Gesellschaft. Unternehmer, Freiberufler, Angestellte und Arbeiter mit politischem Stimmrecht entwickelten andere Bed\u00fcrfnisse als Untertanen ohne dieses Recht. Ab den 1870er Jahren entstand in Innsbruck ein modernes Banksystem. Die Kreditinstitute wie die 1821 gegr\u00fcndete Sparkasse oder die Kreditanstalt, deren 1910 errichtetes Geb\u00e4ude bis heute wie ein kleiner Palast in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe thront, erm\u00f6glichten nicht nur die Aufnahme von Krediten, sondern traten auch selbst als Bauherren auf. Die Zinsh\u00e4user die entstanden, erm\u00f6glichten auch Nicht-Wohnungseigent\u00fcmern ein modernes Leben. Anders als im l\u00e4ndlichen Bereich Tirols, wo Bauernfamilien samt Knechten und M\u00e4gden in Bauernh\u00e4usern im Verbund einer Sippschaft lebten, kam das Leben in der Stadt dem Familienleben, das wir heute kennen, nahe. Der Wohnraum musste dem entsprechen. Der Lifestyle der St\u00e4dter verlangte nach Mehrzimmerwohnungen und freien Fl\u00e4chen zur Erholung nach der Arbeitszeit. Das wohlhabende B\u00fcrgertum bestehend aus Unternehmern und Freiberuflern hatte den Adel zwar noch nicht \u00fcberholt, den Abstand aber verringert. Sie waren es, die nicht nur private Bauprojekte beauftragten, sondern \u00fcber ihre Stellung im Gemeinderat auch \u00fcber \u00f6ffentliche Bauten entschieden.<\/p>\n<p>Die 40 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren f\u00fcr Baufirmen, Handwerker, Baumeister und Architekten eine Art Goldgr\u00e4berzeit. Die Geb\u00e4ude spiegelten die Weltanschauung ihrer Bauherren wider. Baumeister vereinten dabei mehrere Rollen und ersetzten oft den Architekten. Die meisten Kunden hatten sehr klare Vorstellungen, was sie wollten. Es sollten keine atemberaubenden Neukreationen sein, sondern Kopien und Anlehnungen an bestehende Geb\u00e4ude. Ganz im Geist der Zeit entwarfen die Innsbrucker Baumeister nach dem Wunsch der finanziell potenten Auftraggeber die Geb\u00e4ude in den Stilen des Historismus und des Klassizismus sowie des Tiroler Heimatstils. Die Wahl des Stils der beim Bau des Eigenheimes zur Anwendung kam, war oft nicht nur optisches, sondern auch ideologisches Statement des Bauherrn. Liberale bevorzugten meist den Klassizismus, Konservative waren dem Tiroler Heimatstil zugetan. W\u00e4hrend der Heimatstil sich neobarock und mit vielen Malereien zeigte, waren klare Formen, Statuen und S\u00e4ulen stilpr\u00e4gende Elemente bei der Anlage neuer Geb\u00e4ude des Klassizismus. In einem teils w\u00fcsten Stilmix wurden die Vorstellungen, die Menschen vom klassischen Griechenland und dem antiken Rom hatten, verwirklicht. Nicht nur Bahnh\u00f6fe und \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, auch gro\u00dfe Mietsh\u00e4user und ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, sogar Kirchen und Friedh\u00f6fe entstanden entlang der alten Flurwege in diesem Design. Das gehobene B\u00fcrgertum zeigte sein Faible f\u00fcr die Antike mit neoklassizistischen Fassaden. Katholische Traditionalisten lie\u00dfen Heiligenbilder und Darstellungen der Landesgeschichte Tirols in Wandmalereien auf ihren Heimatstilh\u00e4usern anfertigen. W\u00e4hrend im Saggen und Wilten der Neoklassizismus dominiert, finden sich in Pradl Gro\u00dfteils Geb\u00e4ude im konservativen Heimatstil.<\/p>\n<p>Viele Bauexperten r\u00fcmpften lange Zeit die Nase \u00fcber die Bauten der Empork\u00f6mmlinge und Neureichen. Heinrich Hammer schrieb in seinem Standardwerk \u201e<em>Kunstgeschichte der Stadt Innsbruck<\/em>\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eSchon diese erste rasche Erweiterung der Stadt fiel nun freilich in jene bauk\u00fcnstlerisch unfruchtbare Epoche, in der die Architektur, statt eine selbstst\u00e4ndige, zeiteigene Bauweise auszudenken, der Reihe nach die Baustile der Vergangenheit wiederholte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Zeit der gro\u00dfen Villen, die die Adelsansitze vergangener Tage mit b\u00fcrgerlicher Note nachahmten, kam mangels Platzgr\u00fcnden nach einigen wilden Jahrzehnten an ihr Ende. Eine weitere Bebauung des Stadtgebietes mit Einzelh\u00e4usern war nicht mehr m\u00f6glich, zu eng war der Platz geworden. Der Bereich Falkstra\u00dfe \/ G\u00e4nsbachstra\u00dfe \/ Bienerstra\u00dfe gilt bis heute als <em>Villensaggen<\/em>, die Gebiete \u00f6stlich als <em>Blocksaggen<\/em>. In Wilten und Pradl kam es zu dieser Art der Bebauung gar nicht erst gar nicht. Trotzdem versiegelten Baumeister im Goldrausch immer mehr Boden. Albert Gruber hielt zu diesem Wachstum 1907 eine mahnende Rede, in der er vor Wildwuchs in der Stadtplanung und Bodenspekulation warnte.<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist die schwierigste und verantwortungsvollste Aufgabe, welche unsere Stadtv\u00e4ter trifft. Bis zu den 80er Jahren (Anm.: 1880), sagen wir im Hinblick auf unsere Verh\u00e4ltnisse, ist noch ein gewisses langsames Tempo in der Stadterweiterung eingehalten worden. Seit den letzten 10 Jahren jedoch, kann man sagen, erweitern sich die St\u00e4dtebilder ungeheuer rasch. Es werden alte H\u00e4user niedergerissen und neue an ihrer Stelle gesetzt. Nat\u00fcrlich, wenn dieses Niederrei\u00dfen und Aufbauen planlos, ohne jede \u00dcberlegung, nur zum Vorteil des einzelnen Individuums getrieben wird, dann entstehen zumeist Ungl\u00fccke, sogenannte architektonische Verbrechen. Um solche planlose, der Allgemeinheit nicht zum Frommen und Nutzen gereichende Bauten zu verh\u00fcten, mu\u00df jede Stadt daf\u00fcr sorgen, da\u00df nicht der Einzelne machen kann, was er will: es mu\u00df die Stadt dem schrankenlosen Spekulantentum auf dem Gebiete der Stadterweiterung eine Grenze setzen. Hierher geh\u00f6rt vor allem die Bodenspekulation.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Handvoll Baumeister und das Bauamt Innsbruck begleiteten diese Entwicklung in Innsbruck. Bezeichnet man Wilhelm Greil als B\u00fcrgermeister der Erweiterung, verdient der geb\u00fcrtige Wiener Eduard Klingler (1861 \u2013 1916) wohl den Titel als deren Architekt. Klingler pr\u00e4gte das Stadtbild Innsbrucks in seiner Funktion als Beamter und Baumeister wesentlich mit. 1883 begann er f\u00fcr das Land Tirol zu arbeiten. 1889 trat er zum st\u00e4dtischen Bauamt \u00fcber, das er ab 1902 leitete.\u00a0 In Innsbruck gehen unter anderem die Handelsakademie, die Leitgebschule, der Friedhof Pradl, die Dermatologische Klinik im Klinikareal, der St\u00e4dtische Kindergarten in der Michael-Gaismair-Stra\u00dfe, die <em>Trainkaserne<\/em> (Anm.: heute ein Wohnhaus), die Markthalle und das Tiroler Landeskonservatorium auf Klinglers Konto als Leiter des Bauamtes. Ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Heimatstil nach seinem Entwurf ist das Ulrichhaus am Berg Isel, das heute den Alt-Kaiserj\u00e4ger-Club beheimatet.<\/p>\n<p>Das bedeutendste Innsbrucker Baub\u00fcro war <em>Johann Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. Johann Huter \u00fcbernahm die Ziegelei seines Vaters. 1856 erwarb er das erste Firmengel\u00e4nde, die <em>Hutergr\u00fcnde<\/em>, am Innrain. Drei Jahre sp\u00e4ter entstand in der Meranerstra\u00dfe der erste repr\u00e4sentative Hauptsitz. Die Firmeneintragung gemeinsam mit seinen S\u00f6hnen Josef und Peter stellte 1860 den offiziellen Startschuss des bis heute existierenden Unternehmens dar. <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> verstand sich wie viele seiner Konkurrenten als kompletter Dienstleister. Eine eigene Ziegelei, eine Zementfabrik, eine Tischlerei und eine Schlosserei geh\u00f6rten ebenso zum Unternehmen wie das Planungsb\u00fcro und die eigentliche Baufirma. 1906\/07 errichteten die Huters ihren eigenen Firmensitz in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe 15 im typischen Stil der letzten Vorkriegsjahre. Das herrschaftliche Haus vereint den Tiroler Heimatstil umgeben von Garten und Natur mit neogotischen und neoromanischen Elementen. Bekannte von <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> errichtete Geb\u00e4ude in Innsbruck sind das Kloster der Ewigen Anbetung, die Pfarrkirche St. Nikolaus, das erste Geb\u00e4ude der neuen Klinik und mehrere Geb\u00e4ude am Claudiaplatz. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs besch\u00e4ftigte die Baufirma mehr als 700 Personen.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Player war Josef Retter (1872 \u2013 1954). Der geb\u00fcrtige Nieder\u00f6sterreicher mit Tiroler Wurzeln absolvierte eine Maurerlehre bevor er die <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em> in Wien und die Werkmeisterschule der baugewerblichen Abteilung besuchte. Nach Berufserfahrungen \u00fcber das Gebiet der Donaumonarchie verteilt in Wien, Kroatien und Bozen konnte er dank der Mitgift seiner Ehefrau im Alter von 29 Jahren seine eigene Baufirma mit Sitz in Innsbruck er\u00f6ffnen. Wie Huter beinhaltete auch sein Unternehmen ein S\u00e4gewerk, ein Sand- und Schotterwerk und eine Werkstatt f\u00fcr Steinmetzarbeiten. 1904 er\u00f6ffnete er in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 23a seine Wohn- und B\u00fcrogeb\u00e4ude, das bis heute als <em>Retterhaus<\/em> bekannt ist. Der neugotische, dunkle Bau mit dem markanten Erker mit S\u00e4ulen und einem T\u00fcrmchen wird von einem sehenswerten Mosaik, die eine Allegorie der Architektur darstellt, geschm\u00fcckt. Das Giebelrelief zeigt die Verbindung von Kunst und Handwerk, einem Symbol f\u00fcr den Werdegang Retters. Sein Unternehmen pr\u00e4gte vor allem Wilten und den Saggen. Mit einem Neubau des Akademischen Gymnasiums, dem burg\u00e4hnlichen Schulgeb\u00e4ude f\u00fcr die Handelsakademie, der Evangelischen Christuskirche im Saggen, dem Zelgerhaus in der Anichstra\u00dfe, der Sonnenburg in Wilten und dem neugotischen Schloss Mentlberg am Sieglanger realisierte er viele der bedeutendsten Geb\u00e4ude dieser Epoche in Innsbruck.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tberufen aber mit einem \u00e4hnlich praxisorientieren Hintergrund, der typisch f\u00fcr die Baumeister des 19. Jahrhunderts war, startete Anton Fritz 1888 sein Baub\u00fcro. Er wuchs abgelegen in Graun im Vinschgau auf. Nach Stationen als Polier, Stuckateur und Maurer beschloss er mit 36 Jahren die Gewerbeschule in Innsbruck zu besuchen. Talent und Gl\u00fcck bescherten ihm mit der Villa im Landhausstil in der Karmelitergasse 12 seinen Durchbruch als Planer. Seine Baufirma besch\u00e4ftigte zur Bl\u00fctezeit 150 Personen. 1912, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem damit einhergehenden Einbruch der Baubranche, \u00fcbergab er sein Unternehmen an seinen Sohn Adalbert. Das eigene Wohnhaus in der M\u00fcllerstra\u00dfe 4, das Haus Mader in der Glasmalereistra\u00dfe sowie H\u00e4user am Claudiaplatz und dem Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den Hinterlassenschaften von Anton Fritz.<\/p>\n<p>Mit Carl Kohnle, Carl Albert, Karl Lubomirski und Simon Tommasi hatte Innsbruck weitere Baumeister, die sich mit typischen Geb\u00e4uden des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts im Stadtbild verewigten. Sie alle lie\u00dfen Innsbrucks neue Stra\u00dfenz\u00fcge im architektonisch vorherrschenden Zeitgeist der letzten 30 Jahre der Donaumonarchie erstrahlen. Wohnh\u00e4user, Bahnh\u00f6fe, Amtsgeb\u00e4ude und Kirchen im Riesenreich zwischen der Ukraine und Tirol schauten sich fl\u00e4chendeckend \u00e4hnlich. Nur z\u00f6gerlich kamen neue Str\u00f6mungen wie der Jugendstil auf. In Innsbruck war es der M\u00fcnchner Architekt Josef Bachmann, der mit der Neugestaltung der Fassade des Winklerhauses einen neuen Akzent in der b\u00fcrgerlichen Gestaltung setzte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges setzte die Baut\u00e4tigkeit aus. Nach dem Krieg war die Zeit des neoklassizistischen Historismus und Heimatstils endg\u00fcltig Geschichte. Die Zeiten waren karger und die Anforderungen an Wohnbau hatte sich ge\u00e4ndert. Wichtiger als eine repr\u00e4sentative Fassade und gro\u00dfe, herrschaftliche R\u00e4ume wurden in der Zeit der Wohnungsnot der kargen, jungen Republik Deutsch\u00f6sterreich leistbarer Wohnraum und moderne Ausstattung mit sanit\u00e4ren Anlagen. Auch die professionellere Ausbildung der Baumeister und Architekten an der k.k. Staatsgewerbeschule trug ihren Teil zu einem neuen Verst\u00e4ndnis des Bauwesens bei als sie die oftmals autodidaktischen Veteranen der Goldgr\u00e4berzeit des Klassizismus hatten. Spazierg\u00e4nge im Saggen und in Teilen von Wilten und Pradl versetzen bis heute zur\u00fcck in die <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em>. Der Claudiaplatz und der Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den eindr\u00fccklichsten Beispielen. Die Baufirma <em>Huter und S\u00f6hne<\/em> existiert bis heute. Das Unternehmen ist mittlerweile im Sieglanger in der Josef-Franz-Huter-Stra\u00dfe, benannt nach dem Firmengr\u00fcnder. Das Wohnhaus in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe tr\u00e4gt zwar nicht mehr den Schriftzug der Firma, ist aber in seiner Opulenz noch immer ein sehenswertes Relikt dieser Zeit, die Innsbrucks \u00c4u\u00dferes f\u00fcr immer ver\u00e4nderte. Neben seinem Wohnhaus in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe beherbergt Wilten ein zweites Geb\u00e4ude der Familie Retter. Am Innrain gegen\u00fcber der Uni befindet sich die <em>Villa Retter<\/em>. Josef Retters \u00e4lteste Tochter Maria Josefa, die selbst bei der Reformp\u00e4dagogin Maria Montessori erzogen wurde, er\u00f6ffnete 1932 das erst \u201e<em>Haus des Kindes<\/em>\u201c Innsbrucks. \u00dcber dem Eingang zeigt ein Portrait den M\u00e4zen Josef Retter, die S\u00fcdfassade schm\u00fcckt ein Mosaik im typischen Stil der 1930er Jahre, das auf den urspr\u00fcnglichen Zweck des Geb\u00e4udes hinweist. Ein l\u00e4chelndes, blondes M\u00e4dchen umarmt seine Mutter, die ein Buch in der Hand hat, und seinen Vater, der einen Hammer tr\u00e4gt. Auch die kleine Grabkapelle am Westfriedhof, die als Familiengrabst\u00e4tte der Retters fungiert, ist eine sehenswerte Hinterlassenschaft dieser f\u00fcr Innsbruck bedeutenden Familie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;M\u00e4rz 1848&#8230; und was er brachte&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kronprinz Rudolf &#038; die Sitten der Upper Class&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Rudolf, liberaler Liebling der V\u00f6lker&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; global_module=&#8220;53695&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der smarte und liberale Kronprinz Rudolf (1858 \u2013 1889) galt als der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Liebling der V\u00f6lker<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> des Habsburgerreichs. Sein Leben kann in vielerlei Hinsicht als exemplarisch f\u00fcr die Zeit zwischen 1848 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs gelesen werden, in der sich technische Ideen rasend schnell entwickelten, Zeitungen politische Ideen verschiedener Lager in noch nie zuvor dagewesener Auflage verbreiten und gleichzeitig Katholizismus, Aberglaube und Spiritismus gang und g\u00e4be waren. Das Interesse f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie Sitten und war auch in Innsbruck allgegenw\u00e4rtig. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker hatte nicht die materiellen M\u00f6glichkeiten oder den Status eines Habsburgers, die Moden und Str\u00f6mungen, unter denen sie lebten, waren aber dieselben. Das Gro\u00dfb\u00fcrgertum eiferte den gleichen Idealen wie der Kronprinz nach, so wie Rudolf sich stets als Teil dieses Gro\u00dfb\u00fcrgertums sah. Er galt als belesen und gebildet und interessierte sich ganz im Zeitgeist f\u00fcr ein breites Spektrum an Themen. Er sprach neben Griechisch und Latein auch Franz\u00f6sisch, Ungarisch, Tschechisch und Kroatisch. Als Privatier widmete er sich der Wissenschaft und dem Reisen durch die L\u00e4nder der Monarchie. Rudolf veranlasste die Herausgabe <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">des Kronprinzenwerks<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, einer naturwissenschaftlichen Enzyklop\u00e4die. 1893 erschien Band 13, der das Kronland Tirol behandelte. Er verfasste liberale Artikel im &#8222;<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Neuen Wiener Tagblatt<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">&#8220; unter einem Pseudonym. Er wollte unter anderem Grund- und Bodenreformen vorantreiben durch st\u00e4rkere Besteuerung der Gro\u00dfgrundbesitzer und den einzelnen Nationalit\u00e4ten des Habsburgerreichs mehr Rechte zugestehen. Besonders im konservativen, l\u00e4ndlichen Tirol und unter Milit\u00e4rs war \u00e4u\u00dferst unbeliebt. Bei den liberal gesinnten Innsbruckern hingegen galt er als Hoffnung f\u00fcr eine Erneuerung der Monarchie im Sinne eines modernen, f\u00f6deralen Staates. Der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfsbrunnen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in Innsbruck am Boznerplatz erinnert zwar nicht an den Kronprinzen, bei seiner Einweihung war er aber zugegen. Als Verfechter von Rationalismus und Aufkl\u00e4rung verachtete Rudolf den weit verbreiteten Glauben an \u00fcbernat\u00fcrliche Wesen und Geister w\u00e4hrend um ihn herum neue Kirchen wie Pilze aus dem Boden schossen und die Upper Class sich Seancen und spiritistischem Aberglauben hingab. Die Volksfr\u00f6mmigkeit der sp\u00e4ten Monarchie f\u00fchrte zu Gro\u00dfprojekten wie den Pfarrkirche St. Nikolaus und H\u00f6tting.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Privatleben war trotz, oder gerade wegen seines aristokratischen Hintergrundes, turbulent, allerdings nicht untypisch f\u00fcr diese Zeit, in der Eltern und Lehrer weniger nahbare Erziehungspersonen als vielmehr distanzierte Respektpersonen darstellten. Kinder wurden streng erzogen. Weder Lehrer noch Eltern schreckten vor k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung zur\u00fcck, auch wenn es Grenzen, Gesetze und Regeln f\u00fcr den Einsatz von h\u00e4uslicher Gewalt gab. Militarismus und Fokus auf die zuk\u00fcnftige Erwerbsarbeit verhinderten Kindheit und Jugend, wie wir sie heute kennen. Junge M\u00e4nner aus der Oberschicht lebten ihre soldatischen Tagtr\u00e4ume als bewaffnete und uniformierte Mitglieder von Studentenverbindungen aus. Es ist kein Wunder, dass die Begeisterung f\u00fcr den Krieg, Gott, Kaiser und Vaterland in den Geburtsjahrg\u00e4ngen der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gro\u00df war. Auch Rudolfs fr\u00fche Jahre, als er auf Wunsch Kaiser Franz Josef eine soldatische Erziehung unter General Gondrecourt durchlaufen musste, waren wenig luxuri\u00f6s. Erst nach Einschreiten seiner Mutter Elisabeth wurden Schikanen wie Wasserkuren, Exerzieren in Regen und Schnee und das Aufwecken mit Pistolensch\u00fcssen aus dem t\u00e4glichen Programm des sechsj\u00e4hrigen Kronprinzen genommen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie viele seiner Zeitgenossen fand sich auch Rudolf als Mitglied der Oberschicht in einer ungl\u00fccklichen, da arrangierten Ehe wieder. Das 19. Jahrhundert war nicht das Zeitalter der Liebesheiraten, auch wenn Romantik und Biedermeierzeit gerne dahingehend ger\u00fchmt werden. Ehen unter Bauersleuten wurden h\u00e4ufig nach finanziellen Gesichtspunkten geschlossen. Aristokraten und Mitglieder des hohen B\u00fcrgertums heirateten aus Standesd\u00fcnkel und mit dem Ziel, die Dynastie zu erhalten. In der Oberschicht waren Ehefrauen h\u00e4ufig Schmuck ihres Gatten und Oberhaupt des Haushaltes. Erst wenn der oft \u00e4ltere Ehemann verstorben war, konnten auch Witwen ihr Leben abseits dieser Rolle genie\u00dfen. Dienstboten, Hausm\u00e4dchen, Knechten und M\u00e4gden war die Hochzeit lange untersagt. Die Gefahr, dass sie als Verm\u00f6genslose ihre Kinder nicht ern\u00e4hren konnten und damit zur Last f\u00fcr die Allgemeinheit wurden, war den Gemeinden zu gro\u00df. Diese Doppelmoral von Aristokratie und Gro\u00dfb\u00fcrgertum gegen\u00fcber dem <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Pofl<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fchrte dazu, dass illegale Abtreibungen, volle Waisenh\u00e4user und Kinder, die bei Verwandten am Land anstatt bei ihren Eltern aufwuchsen, gelebter Alltag waren. Zeit seines Lebens war auch Rudolf dem sch\u00f6nen Geschlecht au\u00dferhalb der Ehe nicht abgeneigt. In seinen letzten Lebensmonaten unterhielt er eine Aff\u00e4re mit der als besonders sch\u00f6n geltenden Mary Vetsera, einem erst 17 Jahre alten M\u00e4dchen aus reichem ungarischem Adel. Wie Rudolf hielten es auch viele seiner Untertanen. Zwar konnte sich kaum jemand r\u00fchmen, eine ungarische Aristokratin als Gespielin f\u00fcr sich zu beanspruchen. Auch in der Innsbrucker High Society war es \u00fcblich, sonntags der Predigt des Pfarrers von der Kanzel zu lauschen und gleichzeitig eine au\u00dfereheliche Beziehung zu pflegen oder ein Bordell zu besuchen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Rudolfs Leben endete tragisch. Am 30. Januar 1889 traf sich der schwer depressive, von Alkohol, Morphium und Gonorrh\u00f6 gezeichnete Rudolf mit Vetsera, nachdem er die Nacht zuvor mit seiner Langzeitgeliebten, der Prostituierten Maria \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Mizzi<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c Kaspar, verbracht hatte. Unter nie vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden t\u00f6tete er zuerst die junge Frau und dann sich selbst mit einem Schuss in den Kopf. Von der Familie Habsburg wurde der Selbstmord nie anerkannt. Zita (1892 \u2013 1989), die Witwe des letzten Kaisers Karl, sprach noch in den 1980ern von einem Mordanschlag.\u00a0Die Diskussion um die Beisetzung des Thronfolgers und seiner Geliebten zeigte die Doppelmoral der Gesellschaft. Selbstmord galt als schwere S\u00fcnde und verhinderte eigentlich ein christliches Begr\u00e4bnis. Vetsera wurde am Friedhof in Heiligenkreuz bei Mayerling in einem kleinen Grab an der Friedhofsmauer unauff\u00e4llig beigesetzt, w\u00e4hrend Rudolf nach kaiserlicher Intervention beim Papst ein Staatsbegr\u00e4bnis erhielt und seine letzte Ruhe in der Kapuzinergruft in Wien erhielt. <\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53486&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das f\u00fcr das barocke Gesicht Innsbrucks bedeutendste F\u00fcrstenpaar regierte Tirol w\u00e4hrend der Zeit, in der der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg Europa verheerte. Der Habsburger Leopold (1586 \u2013 1632) um die landesf\u00fcrstlichen Regierungsgesch\u00e4fte im ober\u00f6sterreichischen Regiment in Tirol und den Vorlanden zu f\u00fchren. Er hatte die klassische Erziehung unter den Fittichen der Jesuiten genossen. In Graz und Judenburg studierte er Philosophie und Theologie, um sich f\u00fcr den machtpolitischen Bereich des Klerus vorzubereiten, eine \u00fcbliche Karriere nachgeborener S\u00f6hne, die kaum Chancen auf weltliche Throne hatten. Leopolds fr\u00fche Karriere im Machtapparat der Kirche steht f\u00fcr all das, was Protestanten und Kirchenreformer an der katholischen Kirche ablehnten. Mit 12 Jahren wurde er zum Bischof von Passau gew\u00e4hlt, mit dreizehn wurde er zum Koadjutor des Bistums Stra\u00dfburg in Lothringen ernannt. Kirchliche Weihen hingegen erhielt er nie. F\u00fcr die geistlichen Pflichten war sein F\u00fcrstbischof zust\u00e4ndig. Er war leidenschaftlicher Politiker, reiste viel zwischen seinen Bist\u00fcmern und beteiligte sich auf kaiserlicher Seite am Konflikt zwischen Rudolf II. und Matthias, der Vorlage f\u00fcr Franz Grillparzers \u201e<em>Bruderzwist im Hause Habsburg<\/em>\u201c. Diese Agenden, die einem Kirchenmann nicht unbedingt zur Ehre gereichten, sollten Leopolds Chance auf weltliche F\u00fcrstenw\u00fcrden am Leben halten.<\/p>\n<p>Diese Chance kam, als der unverheiratete Maximilian III. 1618 kinderlos verstarb. Leopold fungierte auf Gehei\u00df seines Bruders als habsburgischer <em>Gubernator und Regierer dieser Ober- und Vorder\u00f6sterreichischen, auch Mitincorpierter Leuth und Lannde<\/em>. In seinen ersten Jahren als Regent musste er weiterhin zwischen seinen von den Wirren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges bedrohten Bist\u00fcmern in S\u00fcd- und Westdeutschland pendeln. Der ambitionierte Machtpolitiker war zwar wohl mit dem aufregenden Leben inmitten der hohen Politik zufrieden, nicht aber mit seinem Status als Gubernator. Er wollte den Titel des Landesf\u00fcrsten samt Huldigung und dynastischem Erbrecht. F\u00fcr den F\u00fcrstentitel und um einen Hofstaat einzurichten, fehlten eine passende Braut, Zeit und Geld. Die kostspieligen Auseinandersetzungen, an denen er beteiligt war, hatten Leopolds S\u00e4ckel geleert.<\/p>\n<p>Das Geld kam mit der Braut und mit ihr auch die Zeit. Claudia de Medici (1604 \u2013 1648) aus dem reichen toskanischen Kaufmanns- und F\u00fcrstengeschlecht wurde dazu auserkoren, den mittlerweile schon auf die 40 zugehenden Landesf\u00fcrsten in Spe mit dynastischen Freuden zu begl\u00fccken. Claudia war bereits im Kindesalter dem Herzog von Urbino versprochen worden, den sie mit 17 Jahren trotz eines Antrags Kaiser Ferdinands II. heiratete. Nach zwei Jahren Ehe verstarb ihr Gatte. Die Bande mit den Habsburgern waren noch vorhanden. Sp\u00e4testens seit der Hochzeit Francesco de Medici mit Johanna von Habsburg, einer Tochter Ferdinands I. waren die beiden Dynastien gut verzahnt. Auch Leopold und Claudia waren ein <em>Perfect Match<\/em> aus Titel, Macht, barocker Fr\u00f6mmigkeit und Geld. Leopolds Schwester Maria Magdalena war als angeheiratete Gro\u00dfherzogin der Toskana in Florenz gelandet und schickte ihrem Bruder ein gemaltes Portrait der jungen Witwe Claudia mit den Begleitworten, dass sie \u201e<em>von gesicht, leib und tugendt sch\u00f6n<\/em>\u201c sei. Nach einem Tanz im Huhn-Ei-Prinzip \u2013 die Familie der Braut wollte eine Versicherung um die Titel des Schwiegersohnes w\u00e4hrend dessen Bruder der Kaiser f\u00fcr die Vergabe der Herzogsw\u00fcrde den Beweis einer Braut forderte \u2013 war es so weit. 1625 verzichtete der mittlerweile zum Herzog erhobene, wohlgen\u00e4hrte und vierzig Jahre alte Leopold auf seine kirchlichen Besitzt\u00fcmer und W\u00fcrden, um heiraten und mit seiner fast 20 Jahre j\u00fcngeren Braut eine neue Tiroler Linie des Hauses Habsburg gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verbindung des Landesf\u00fcrsten mit der Italienerin sollten Innsbruck pr\u00e4gen. Die Medici hatten mit Baumwoll- und Textilhandel, vor allem aber mit Finanzgesch\u00e4ften ein Verm\u00f6gen verdient und waren zu politischer Macht gekommen. Unter den Medici war Florenz das kulturelle und finanzwirtschaftliche Zentrum Europas geworden, vergleichbar mit dem New York des 20 oder den Arabischen Emiraten des 21. Jahrhunderts. Der Florentiner Dom, der im Auftrag der m\u00e4chtigen Wollh\u00e4ndlergilde errichtet wurde, war in Ausstattung und Gr\u00f6\u00dfe das spektakul\u00e4rste Geb\u00e4ude weltweit. Galileo Galilei war Erster Mathematiker Herzog Cosimos II. 1570 wurde Cosimo de Medici vom Papst zum ersten Gro\u00dfherzog der Toskana ernannt. Aus dem toskanischen Geldadel wurde dank gro\u00dfz\u00fcgiger Kredite und Spenden europ\u00e4ischer Hochadel. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt am Arno zwar an politischem Gewicht eingeb\u00fc\u00dft, in kultureller Hinsicht war Florenz aber noch immer die Benchmark. Leopold setzte alles daran, um seine Residenzstadt in diese Liga zu katapultieren.<\/p>\n<p>Im Februar 1622 hatten die Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Kaiser Ferdinand II. und Eleonore von Mantua in Innsbruck stattgefunden. F\u00fcr den norditalienischen Brautanhang war Innsbruck leichter zu erreichen als Wien. Tirol war auch konfessionell geeint und war von den ersten Jahren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verschont geblieben. W\u00e4hrend die kaiserliche Hochzeit in f\u00fcnf Tagen erledigt war, zog sich die Party von Leopold und Claudia \u00fcber 2 Wochen. Die offizielle Hochzeit hatte ohne Beisein des Br\u00e4utigams im Florentiner Dom stattgefunden. Das anschlie\u00dfende Fest zu Ehren der Verbindung von Habsburg und Medici ging als eines der pr\u00e4chtigsten in Geschichte Innsbrucks ein und hielt die Stadt zwei Wochen lang in Atem. Nach einem frostigen Einzug vom verschneiten Brenner herunter empfing Innsbruck seine neue F\u00fcrstin und ihre Familie. Ehemann und Untertanen hatten zur inneren Reinigung im Vorfeld gebetet, um g\u00f6ttlichen Segen zu erbitten. Das Brautpaar zog wie zuvor der Kaiser in einem langen Zug durch zwei eigens errichtete Pforten in der Stadt ein. 1500 Sch\u00fctzen feuerten Salven aus allen Rohren ab. Trommler, Pfeifer und die Glocken der Hofkirche untermalten den Zug, der aus 750 Personen am staunenden Volk vorbeizog. Ein breites Unterhaltungsprogramm mit Jagden, Theater, T\u00e4nzen, Musik sowie allerlei exotischem wie \u201e<em>B\u00e4ren, T\u00fcrggen und Mohren<\/em>\u201c versetzten G\u00e4ste und Stadtb\u00fcrger in Verz\u00fcckung und Erstaunen. Aus heutiger Sicht wenig glanzvolles Highlights war das <em>Katzenrennen<\/em>, bei dem mehrere Reiter danach trachteten, einer an den Beinen aufgeh\u00e4ngten Katze im Vorbeireiten den Kopf abzuhacken.<\/p>\n<p>Weniger glorreich waren Leopolds fr\u00fche Regierungsjahre f\u00fcr seine Untertanen. Seine Politik wurde von vielen Auseinandersetzungen mit den Landst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Er war als Hardliner der Gegenreformation ein Unterst\u00fctzer der kaiserlichen Truppen. Das Unterengadin, \u00fcber das Leopold die Gerichtsgewalt hatte, war ein steter Unruheherd. Unter dem Vorwand, die dort ans\u00e4ssigen katholischen Untertanen vor protestantischen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, lie\u00df Leopold das Gebiet besetzen. Er konnte Aufst\u00e4nde zwar immer wieder erfolgreich unterdr\u00fccken, die Ressourcen, die daf\u00fcr n\u00f6tig waren, brachten Bev\u00f6lkerung und Landst\u00e4nde aber in Rage. Auch an der Nordgrenze zu Bayern war die Lage unruhig und erforderte Leopold als Kriegsherrn. Herzog Bernhard von Weimar hatte F\u00fcssen eingenommen und stand bei der Ehrenberger Klause vor den Landesgrenzen. Innsbruck blieb zwar von direkten Kriegshandlungen verschont, war aber dank den nahen Fronten trotzdem Teil des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges.<\/p>\n<p>Die finanziellen Mittel daf\u00fcr stellte er \u00fcber eine umfassende Steuerreform zu Ungunsten der Mittelschicht zur Verf\u00fcgung. Die in Kriegen \u00fcbliche Inflation durch das Stocken des f\u00fcr Innsbruck wichtigen Handels verschlechterte das Leben der Untertanen. 1622 versch\u00e4rfte eine wetterbedingte Missernte die Lage, die durch die Zinsbelastung des Staatshaushaltes durch Altlasten ohnehin stets angespannt war. Auch sein Beharren auf fl\u00e4chendeckende Durchsetzung des modernen R\u00f6mischen Rechtes gegen\u00fcber dem traditionellen Gewohnheitsrecht brachte ihm bei vielen Untertanen keine Sympathiepunkte ein.<\/p>\n<p>Das alles hielt Leopold und Claudia nicht davon ab, in absolutistischer Manier pr\u00e4chtig Hof zu halten. Innsbruck wurde unter Leopolds Regentschaft gro\u00dffl\u00e4chig barock umgestaltet. Am Hof fanden Feste im Beisein des europ\u00e4ischen Hochadels statt. Showeinlagen wie L\u00f6wenk\u00e4mpfe mit den exotischen Tieren aus dem landesf\u00fcrstlichen Bestand, den Ferdinand II. am Hofgarten gr\u00fcnden lie\u00df, Theater und Konzerte dienten der Zerstreuung der h\u00f6fischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Moral und Sitten der rauen \u00c4lpler sollten sich bessern. Es war ein Balanceakt zwischen Festen bei Hof und Verbot von Karnevalsfeiern f\u00fcr normale B\u00fcrger. Der Zorn Gottes, der immerhin Pest und Krieg nach sich gezogen hatte, sollte so gut als m\u00f6glich durch tugendhaftes Verhalten ferngehalten werden. Fluchen, Herumschreien und der Gebrauch von Schusswaffen auf offener Stra\u00dfe wurden verboten. Gegen Zuh\u00e4lterei, Prostitution, Ehebruch und moralischen Verfall ging man am frommen Hof streng vor. Juden hatten unter Leopold und Claudia ebenfalls schwere Zeiten. Der Hass auf die immer schon ungeliebten <em>Hebreer<\/em> brachte eine der unappetitlichsten Traditionen Tiroler Fr\u00f6mmigkeit hervor. 1642 verfasste der italienischst\u00e4mmige Stiftsarzt zu Hall und Gr\u00fcnder der Karlskirche in Volders Dr. Hippolyt Guarinoni die Legende des <em>M\u00e4rtyrerkinds Anderle von Rinn<\/em>. Angeregt vom angeblich durch Juden 1475 in seiner Heimatstadt ermordeten Simon von Trient verfasste Guarinoni 1642 das <em>Anderl-Lied<\/em> in Versform. In Rinn bei Innsbruck entwickelte sich rund um die Gebeine des angeblich 1462 von Juden ermordeten Andreas Oxner, die Jahreszahl war dem Doktor im Traum erschienen, ein antisemitischer Anderl-Kult, der erst 1989 vom Innsbrucker Bischof verboten wurde.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde nicht nur moralisch, sondern auch tats\u00e4chlich ges\u00e4ubert. Abf\u00e4lle, die besonders bei ausbleibendem Regen, wenn kein Wasser durch das Kanalsystem floss, ein Problem waren, wurden per f\u00fcrstlicher Verordnung regelm\u00e4\u00dfig gereinigt. Nutztiere durften nicht mehr frei innerhalb der Stadtmauern herumlaufen. Die Pestwelle wenige Jahre vorher war noch frisch im Ged\u00e4chtnis. Schlechte Ger\u00fcche und Miasmen sollten um jeden Preis ferngehalten werden.<\/p>\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod Leopolds regierte Claudia an Stelle ihres minderj\u00e4hrigen Sohnes das Land mit Hilfe ihres Hofkanzlers Wilhelm Biener (1590 \u2013 1651) mit moderner, konfessionell motivierter, fr\u00fchabsolutistischer Politik und strenger Hand. Sie konnte sich dabei auf eine gut funktionierende Verwaltung st\u00fctzen. Die junge Witwe umgab sich mit Italienern und italienischsprachigen Tirolern, die frische Ideen ins Land brachten, gleichzeitig aber auch H\u00e4rte im Kampf gegen den <em>Lutheranismo<\/em> zeigten. Um Feuer zu vermeiden, 1636 waren direkt vor der Hofburg das <em>L\u00f6wenhaus<\/em> und der <em>Ansitz Ruhelust<\/em> Ferdinands II. abgebrannt, mussten St\u00e4lle und andere Geb\u00e4ude aus Holz innerhalb der Stadtmauern abgerissen werden. Die Seidenraupenzucht im Trentino und erste, zarte \u00dcberlegungen rund um eine Tiroler Universit\u00e4t gediehen unter Claudias Regentschaft. Kanzler Biener zentralisierte Teile der Verwaltung. Vor allem das fragmentierte Rechtsystem innerhalb der Tiroler Territorien sollte durch einen allgemeing\u00fcltigen Kodex ersetzt werden. Daf\u00fcr musste der oft willk\u00fcrlich agierende lokale Kleinadel zu Gunsten des Landesf\u00fcrsten weiter entmachtet werden.<\/p>\n<p>Dieses System sollte nicht nur den teuren Hofstaat, sondern auch die Landesverteidigung finanzieren. Nicht nur protestantische Truppen aus S\u00fcddeutschland bedrohten den habsburgischen Besitz. Auch Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, wollte sich an den L\u00e4ndern der Casa de Austria in Spanien, Italien und den Vorlanden, den heutigen Benelux-Staaten, schadlos halten. Innsbruck wurde zu einem der Zentren des habsburgischen Kriegsrates. Am Rande der Front in den deutschen L\u00e4ndern und mittig zwischen Wien und der Toskana war die Stadt perfekt f\u00fcr \u00d6sterreicher, Spanier und Italiener, um sich zu treffen. Die f\u00fcr ihre Brutalit\u00e4t ber\u00fcchtigten Schweden bedrohten Tirol direkt, konnten aber vom Einmarsch abgehalten werden. Die Burg- und Wallanlagen, die Tirol sch\u00fctzten, wurden von unerw\u00fcnschten Bewohnern des Landes, Bettlern, Zigeunern und desertierten Soldaten in Zwangsarbeit errichtet. Bei Scharnitz an der heutigen deutschen Grenze wurden Verteidigungsanlagen errichtet und nach der Landesf\u00fcrstin <em>Porta Claudia<\/em> genannt.<\/p>\n<p>Als Claudia de Medici 1648 starb, kam es wie fast zur gleichen Zeit in England unter Cromwell zu einem Aufstand der St\u00e4nde gegen die Zentralregierung. Claudia, die nie die deutsche Landessprache gelernt hatte und auch sonst auch nach \u00fcber 20 Jahren noch mit lokalen Br\u00e4uchen fremdelte, war nie besonders beliebt in der Bev\u00f6lkerung gewesen. An eine Absetzung war aber nicht zu denken. Der Schierlingsbecher wurde an ihren Kanzler weitergereicht. Der unbequeme Biener wurde vom Nachfolger Claudias, Erzherzog Ferdinand Karl, und den Landst\u00e4nden als <em>Persona non grata<\/em> inhaftiert und 1651 wie Charles I. zwei Jahre nach einem Schauprozess gek\u00f6pft.<\/p>\n<p>Ein Hauch Florenz und Medici pr\u00e4gt Innsbruck bis heute: Sowohl in der Jesuitenkirche, wo Claudia und Leopold ihre letzte Ruhest\u00e4tte fanden, als auch in der Pfarrkirche Mariahilf prangt bis heute das Wappen ihrer Familie mit den roten Kugeln und den Lilien. Das Alte Rathaus in der Altstadt ist auch als <em>Claudiana<\/em> bekannt. \u00dcberreste der Porta Claudia bei Scharnitz stehen ebenfalls bis heute. Mit Leopolds Namen verbunden ist in Innsbruck besonders das Theater. Der Leopoldsbrunnen vor dem Haus der Musik erinnert an ihn. Wer sich an die Besteigung des markanten Berges Serles wagt, startet die Wanderung beim Kloster Maria Waldrast, das Leopold 1621 hingebungsvoll zum <em>wunderbarlichen Unser lieben Frawen bildnus auf der Waldrast<\/em> dem Servitenorden stiftete und Claudia ausbauen lie\u00df. Kanzler Wilhelm Biener wurde ein Stra\u00dfenname im Saggen gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudiaplatz<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":62221,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,81,42,77,26,23],"tags":[],"class_list":["post-3260","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-eduard-klingler-der-baumeister-der-erweiterung","category-leopold-v-claudia-de-medici-glanz-und-gloria-in-innsbruck","category-liberaler-liebling-der-voelker","category-saggen","category-top-10"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3260"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3260\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/62221"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}