{"id":53541,"date":"2024-04-22T09:20:20","date_gmt":"2024-04-22T09:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53541"},"modified":"2025-12-11T13:50:43","modified_gmt":"2025-12-11T13:50:43","slug":"neue-stadtschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/neue-stadtschule\/","title":{"rendered":"New Schoolhouse"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Neue Stadtschule<\/h2>\n<p>Kiebachgasse 10<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Neue-Stadtschule-Kiebachgasse-Innsbruck-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Neue Stadtschule Kiebachgasse Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Neue Stadtschule Kiebachgasse Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Neue Stadtschule&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58842&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude der <em>Neuen Stadtschule<\/em> in der Kiebachgasse mag von au\u00dfen unscheinbar sein, wer es aber schafft einen Blick in den Innenhof zu werfen, wird mit einem gotischen Gustost\u00fcckerl des 16. Jahrhunderts belohnt. Die kunstvolle Holzschnitzerei des Stiegenhauses und der Fassade gibt einen guten Eindruck von der Kunstfertigkeit der Handwerker der Fr\u00fchen Neuzeit. Der Blick nach oben macht beinahe schwindelig. Interessant ist auch der Brunnen, der die Zeiten \u00fcberdauerte. Neugierige k\u00f6nnen beim Schl\u00fcsseldienst im Nebengeb\u00e4ude um Zutritt fragen. Mit etwas Gl\u00fcck gelangt man so ins Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Das Haus erz\u00e4hlt die Geschichte einer der gr\u00f6\u00dften gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen der \u00f6sterreichischen Geschichte. 1774 trat die \u201e<em>Allgemeine Schulordnung f\u00fcr die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in s\u00e4mmtlichen Kaiserl. K\u00f6nigl. Erbl\u00e4ndern<\/em>\u201c Maria Theresias in Kraft. Der aufgekl\u00e4rte hatte gro\u00dfes Interesse daran, die Erziehung der Kinder nicht mehr im Wildwuchs Gemeinden und der Kirche zu \u00fcberlassen, wie es \u00fcber Jahrhunderte hinweg geschehen war. Die Folge davon war das gewesen, was man heute als Bildungskrise bezeichnen w\u00fcrde: Schlecht ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte, die nicht ihr volles Potential aussch\u00f6pften. Alle Kinder, auch M\u00e4dchen, bis 12 mussten, oder besser gesagt durften ab nun die Schulbank dr\u00fccken, zumindest theoretisch. \u00d6sterreichweit ging auch nach der Gesetzes\u00e4nderung nur jedes dritte Kind in die Schule, wobei es ein gro\u00dfes Stadt-Land-Gef\u00e4lle gab. In den damals noch nicht zu Innsbruck geh\u00f6renden D\u00f6rfern wie Pradl, Amras und Wilten sahen die Bauern ihre Kinder lieber am Feld bei der Arbeit als in der Schule. Auch das in den ersten Jahren des neuen Schulsystems zu zahlende Schulgeld stellte eine H\u00fcrde f\u00fcr viele Familien dar. In der Stadt hingegen waren Bildungshunger und finanzielle M\u00f6glichkeiten schon vor der Gesetzes\u00e4nderung gr\u00f6\u00dfer gewesen. Bereits 1768 waren Innsbrucks Lehrer und Sch\u00fcler wegen Platzmangel von der alten Schule am Domplatz in die neue Stadtschule in der heutigen Kiebachgasse umgezogen. Das neue Schulsystem gliederte sich in Normal-, Haupt, und Trivialschulen. Die Trivialschulen waren vor allem in den D\u00f6rfern und den \u00e4rmeren Innsbrucker Stadtteilen verbreitet. Zwar waren die Trivialschulen in Vierteln wie St. Nikolaus und der Kohlstatt nicht mit der <em>Neuen Stadtschule<\/em> vergleichbar, was die Qualit\u00e4t des Unterrichts anbelangt, zumindest war die Anwesenheitsquote hier aber h\u00f6her als am Land.<\/p>\n<p>In vielem unterschied sich die damals zeitgen\u00f6ssisch moderne Schule von unserem heutigen System, in vielem kann man Gemeinsamkeiten erkennen. Kinder wurden in Klassen oft unabh\u00e4ngig von ihrem Alter zusammengefasst. Religion, Deutsch und Rechnen waren Teil des Unterrichtsplans, ebenso wie das Fach \u201e<em>Anleitungen zu Rechtschaffenheit und Wirtschaft<\/em>\u201c. Die noch immer gebr\u00e4uchliche Sachkunde vermittelte Wissen in Disziplinen wie Geografie und Naturwissenschaften, alles nat\u00fcrlich streng im Rahmen der katholischen Lehrmeinung der Zeit. Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung zum vorher oft von der Kirche gepr\u00e4gten Unterreicht war die verst\u00e4rkte Hinwendung zu den n\u00fcchternen Zahlen. Der neue Unterricht legte besonderen Wert auf mathematische Grundkenntnisse, wohl aus gutem Grund. Egal ob Handwerker, Beamter oder Artillerist in der stetig wachsenden Armee, ohne Rechnen zu k\u00f6nnen, war man aufgeschmissen. Die Mathematik hatte seit 1500 an Bedeutung gegen\u00fcber den klassischen humanistischen F\u00e4chern wie Rhetorik, Philosophie und Sprachen zugenommen. Wirtschaft und Technik bevorzugten Mathematiker gegen\u00fcber Philosophen, auch wenn die Einzelbereiche an den Universit\u00e4ten noch nicht so streng voneinander getrennt waren, wie sie es heute sind. Ein weiterer Grund f\u00fcr die \u00c4nderung des Schulwesens und die st\u00e4rkere staatliche Einflussnahme war das Staatsbewusstsein, das f\u00fcr einen modernen Fl\u00e4chenstaat notwendig war. Von jungen Jahren an sollten Kinder zwar katholisch erzogen werden, ihre Treue sollte aber auch dem Staat gelten. Nicht nur die Sch\u00fcler, auch Lehrer wurden der Normierung unterworfen. Ein am Hof verfasstes Standardwerk sollte die Lehrmethoden im gesamten Reich Maria Theresias auf ein \u00e4hnliches Niveau bringen und eine gewisse reichsweite Standardisierung garantieren. Der damalige Innsbrucker Schuldirektor Philipp Jakob Tangl (1733 \u2013 1780) war als Berater nach Wien an den Hof Maria Theresias berufen worden. Bei aller Aufgekl\u00e4rtheit des Unterrichts blieben Stockschl\u00e4ge bei Ungehorsam und Fehlverhalten aber weiterhin Teil des Alltags und sollten es auch noch f\u00fcr einige Jahrhunderte bleiben.<\/p>\n<p>Bis 1868 wurden die Innsbrucker Kinder in der <em>Neuen Stadtschule<\/em> unterrichtet. Durch ein neues Reichsvolksschulgesetz dieses Jahres wurde die Pflichtschulzeit bis 14 Jahre erweitert und die Trivialschulen in Volks- und B\u00fcrgerschule umgewandelt. Die b\u00fcrgerliche Revolution der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts \u00fcberfl\u00fcgelte damit die Aufkl\u00e4rung unter Maria Theresia nochmals. Nicht nur wurde das Pflichtschulalter angehoben, es war in dieser Zeit, dass neue Schulformen wie das naturwissenschaftliche Realgymnasium, die Gewerbeschule und die Handelsakademie entstanden. Das Geb\u00e4ude in der Kiebachgasse war f\u00fcr die nun noch h\u00f6here Anzahl an Sch\u00fclern zu klein geworden. Ein Nachmieter des Geb\u00e4udes war mit der Evangelischen Kirche schnell gefunden, gab es doch in der Stadtschule auch eine kleine Kapelle, die benutzt werden konnte. Als die protestantische Glaubensgemeinschaft 1905 in den Saggen \u00fcbersiedelte, mietete sich mitten in der Altstadt eine Schlosserei ein. Was heute im museal-touristischen Betrieb undenkbar ist, war bis lange ins 20. Jahrhundert Alltag. Industrie- und Handwerksbetriebe befanden sich inmitten der Wohngeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Reformation in Tirol&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Reformation in Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53544&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Reformation mag aus heutiger Sicht eine Glaubensangelegenheit gewesen sein. Betrachtet man den Glauben aber als einen essentiellen Baustein des Alltags und der Identit\u00e4t der Zeitgenossen, erkennt man, dass sie nur ein Ausdruck f\u00fcr vieles war, was sich im Umbruch befand. Die religi\u00f6se Reformation, die sich zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert blutig entlud, war eine gesamtgesellschaftliche Z\u00e4sur \u00e4hnlich den Jahren 1848 oder 1968. Die Mehrzahl der Menschen mag davon oberfl\u00e4chlich unber\u00fchrt geblieben sein, trotzdem ver\u00e4nderte sich in der Folge dieser Revolutionen vieles f\u00fcr alle. Der damit einhergehende soziale und politische Wandel machte auch vor dem Heiligen Land Tirol nicht Halt.<\/p>\n<p>Um 1500 begannen neue Entdeckungen und Denkans\u00e4tze das Ende des Mittelalters einzul\u00e4uten. K\u00fcnstler, Gelehrte und Kleriker begannen \u00fcberall in Europa Hierarchien, Ordnung und Legitimationen zu hinterfragen. Mit den theologischen Reformatoren des 15. und 16. Jahrhunderts begann das Feudalsystem, das Kirche und Adel \u00fcber Volk und B\u00fcrgerschaft sah, br\u00fcchig zu werden. Der b\u00f6hmische Geistliche Jan Hus hatte im 15. Jahrhundert als einer der ersten in Festlandeuropa die Allmacht des Papstes angezweifelt und wurde daf\u00fcr am Konzil von Konstanz am Scheiterhaufen verbannt. In Frankreich und der Schweiz war es Jean Calvin (1509 \u2013 1564), im <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich<\/em> Martin Luther (1483 \u2013 1546) und Thomas M\u00fcntzer (1489 \u2013 1525), die die R\u00f6mische Kirche im 16. Jahrhundert herausforderten.<\/p>\n<p>In Tirol waren im fr\u00fchen 16. Jahrhundert vor allem die Bergwerkst\u00e4dte Hall und Schwaz die Zentren der Reformation. Viele Knappen kamen aus Sachsen und brachten ihre Vorstellungen von Glauben und Kirche von dort mit. Die alte Liturgie mit Predigten in unverst\u00e4ndlichem Latein entsprach diesen Vorstellungen nicht. Prediger\u00a0wie Dr. Jacob Strau\u00df wiegelten die Menschen mit lutherischem Gedankengut, das auch Kritik an Klerus und Herrschaftssystem beinhaltete, auf.<\/p>\n<p>Diese Religionskrise f\u00fchrte auch im Profanen au\u00dferhalb der Kirchen zu Problemen. Glaube und Weltliches waren keine getrennten Sph\u00e4ren. Waren die Knappen unzufrieden mit der Seelsorge, streikten sie. Die \u00f6ffentliche Ordnung war in Gefahr, nicht nur dadurch, dass die Bergleute das Recht hatten, Waffen zu tragen. Sie waren untereinander gut verkn\u00fcpft. Ein Generalstreik konnte eine Wirtschaftskrise ausl\u00f6sen. Fugger und Habsburger, Kapital und politische Macht, waren sehr bedacht darauf, es nicht so weit kommen zu lassen und r\u00e4umten den Bergleuten Sonderrechte ein.<\/p>\n<p>Nicht nur die Bergleute, auch die progressiven Teile des B\u00fcrgertums und des Adels interessierten sich f\u00fcr die neue Art, seinen Glauben, der wichtiger Teil des Lifestyles war, zu leben. Die neuen Lehren waren ein Symbol f\u00fcr das neue Selbstverst\u00e4ndnis und die gesellschaftliche Bedeutung, die Handwerker, Facharbeiter und Unternehmer in dieser aufstrebenden Branche gegen\u00fcber dem alten System der Feudalherren hatten.<\/p>\n<p>Ferdinand I. und seine Nachfolger konnten die Reformation in Tirol erfolgreich zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Die Religionsmandate mit ihren etlichen Verboten waren zwar mit ein Grund f\u00fcr die Bauernkriege, langfristig und mit vielen Zwangsma\u00dfnahmen fruchtete die landesf\u00fcrstliche Strategie. Machtpolitik mag ein Grund gewesen sein, tats\u00e4chlich waren die regierenden Habsburger aber fromme Menschen, die zumindest zu einem gro\u00dfen Teil aus \u00dcberzeugung f\u00fcr den Katholizismus eintraten. Ferdinand II. beschrieb seine Motive mit den Worten:<\/p>\n<p>\u201e\u2026<em>aus eingebung Gotes und seines Hayligen Geistes Inspiration. Alles zu ehre des aller h\u00f6chsten aus ainem Rechen inpr\u00fcnstigen zu der heyligen Catholischen Alleinsseligmachenden Religion tragenden eyfer<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Es waren vor allem Priester des Jesuitenordens, die abtr\u00fcnnige Gemeinden und B\u00fcrger vom reformierten Glauben zur\u00fcck in den Scho\u00df der katholischen Kirche bringen sollten. Den Anfang machten Reformma\u00dfnahmen wie die bessere Ausbildung des Klerus. Konkubinat und Postenschacherei sollten abgeschafft werden. Priester und Bisch\u00f6fe sollten sich weniger um Weltliches, als vielmehr um das Seelenheil ihrer Sch\u00e4fchen k\u00fcmmern. Da diese Ma\u00dfnahme allerdings nicht von heute auf morgen umsetzbar war, t\u00fcchtige Priester mussten erst gefunden und erzogen werden, kamen Zwangsma\u00dfnahmen dazu. Der Besitz protestantischer B\u00fccher und Flugbl\u00e4tter stand unter Strafe. Dabei galt: je niederer der Stand des B\u00fcrgers, desto schwerer die Bestrafung. Adelige, Berater und Schl\u00fcsselarbeitskr\u00e4fte konnten oft diskret ihrem protestantischen Glauben nachgehen. Unter Ferdinand II. mussten Untertanten zu Ostern die Beichte ablegen. Der Pfarrer legte eine Liste mit den Namen derer an, die ihrer Pflicht nachkamen. Wer trotz mehrmaliger Ermahnung nicht im Beichtstuhl erschien, konnte des Landes verwiesen werden.<\/p>\n<p>Im 17. Jahrhundert setzte man in \u00d6sterreich sogenannte <em>Religionsreformationskommissionen<\/em> ein. Fanden diese \u201e<em>Missionare<\/em>\u201c protestantisch orientierte Pfarrer oder Untertanen, die verbotene Lekt\u00fcre besa\u00dfen, wurden sie verhaftet und des Landes verwiesen und nicht selten ihre H\u00e4user samt allem Hab und Gut in Brand gesetzt. Protestantische Beamte konnten ihren Beruf nicht aus\u00fcben. Sie mussten entweder konvertieren oder emigrieren. Besonders sture Untertanen wurden \u00f6ffentlich angekettet. Maximilian III. lie\u00df von einer eigenen <em>Religionsagenterei<\/em> vor allem Handwerker und H\u00e4ndler kontrollieren. Sie mussten zur Beglaubigung ihrer katholischen Sinneshaltung regelm\u00e4\u00dfig Beichtzettel abliefern.<\/p>\n<p>Unter\u00a0<a href=\"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/triumphpforte-innsbruck\/#open-overlay\">Maria Theresia<\/a> im 18. Jahrhundert wurden Tiroler Protestanten in weit entlegene Teile des Habsburgerreichs zwangsweise umgesiedelt. Die Umsiedlungen bedeuteten aber nicht nur f\u00fcr die betroffenen B\u00fcrger ein Problem. Arbeitskraft und die Anzahl der Untertanen waren in den modernen Staatswesen wichtige Merkmale der Entwicklung. Damit stand vor dem Problem, das man heute als <em>Braindrain<\/em> bezeichnet. Kompetenzen und milit\u00e4rische Power gingen im Namen des Herrn verloren.<\/p>\n<p>1781 erlie\u00df der aufgekl\u00e4rte Kaiser Joseph II. auch aus diesem Grund das <em>Toleranzpatent<\/em>, das den Bau von protestantischen Kirchen erlaubte, wenn auch an Bedingungen gebunden. So durften diese Beth\u00e4user keine T\u00fcrme oder sonstigen baulichen Besonderheiten aufweisen. Sogar stra\u00dfenseitige Fenster waren verboten. In Tirol kam es zu Widerst\u00e4nden gegen das Toleranzpatent, man f\u00fcrchtete um die guten Sitten und wollte fremdartige Religionen, Zwietracht und Unruhen aller Art vermeiden. Konvertierten Untertanen wurden Dinge wie Ehe und ein Begr\u00e4bnis auf katholischen Friedh\u00f6fen verwehrt.<\/p>\n<p>Bis heute gilt Tirol als selbsternanntes \u201e<em>Heiliges Land<\/em>\u201c, wobei sich heilig explizit auf den katholischen Glauben bezieht. Noch 1837 wurden Protestanten aus dem Zillertal abgeschoben. Die Nachfahren der sogenannten <em>Zillertaler Inklinanten<\/em>, die unter beh\u00f6rdlichem Druck auswanderten, leben bis heute in Deutschland. Nach und nach hielt die Toleranz zwar Einzug im Kaiserreich und in den L\u00e4ndern, die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Obrigkeit und katholischer Kirche biss sich aber weit ins 20. Jahrhundert in vielen Lebensbereiche, zum Beispiel der Schulbildung, fest. Als w\u00e4hrend der Verfassungsverhandlungen von 1848 bekannt wurde, dass f\u00fcr die gesamte Monarchie freie Aus\u00fcbung der Religion geplant war, war die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung in Tirol riesig. Mehr als 120.000 Unterschriften wurden nach Medienkampagnen gegen diese Liberalisierung des Glaubens gesammelt. 1861 erlie\u00df Kaiser Franz Josef das <em>Protestantenpatent<\/em>, das der evangelischen Kirche mehr oder minder die gleichen Rechte wie die katholische Kirche. Die Tiroler Bev\u00f6lkerung lie\u00df sich in ihrer Beharrungsf\u00e4higkeit auch nicht vom kaiserlichen <em>Protestantenpatent <\/em>von ihrer Intoleranz abbringen. Das Argument lautete, dass es in Tirol ohnehin keine Andersgl\u00e4ubigen g\u00e4be, es daher auch keiner Toleranz gegen\u00fcber Nichtkatholiken bedurfte. Erst 1876 kam es zur Gr\u00fcndung einer offiziellen evangelischen Pfarrgemeinde in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53545&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Maria Theresia z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Figuren der \u00f6sterreichischen Geschichte. Obwohl sie oft als Kaiserin tituliert wird, war sie offiziell &#8222;nur&#8220; unter anderem Erzherzogin von \u00d6sterreich, K\u00f6nigin von Ungarn und K\u00f6nigin von B\u00f6hmen. Bedeutend waren ihre innenpolitischen Reformen. Viele davon betrafen konkret auch den Alltag der Innsbrucker in merklichem Ausma\u00df. Gemeinsam mit ihren Beratern Friedrich Wilhelm von Haugwitz, Joseph von Sonnenfels und Wenzel Anton Kaunitz schaffte sie es aus den sogenannten <em>\u00d6sterreichischen Erblanden<\/em> einen modernen Staat zu basteln. Anstatt der Verwaltung ihrer Territorien durch den ans\u00e4ssigen Adel setzte sie auf eine moderne Verwaltung. Ihre Berater hatten ganz im Stil der Aufkl\u00e4rung erkannt, dass sich das Staatswohl aus der Gesundheit und Bildungsgrad seiner Einzelteile ergab. Eine fr\u00fche Krankenreform Maria Theresias aus dem Jahr 1742 verpflichtete die Professoren des Fachbereichs Medizin an der Universit\u00e4t Innsbruck auch den Betrieb des Stadtspitals in der Neustadt sicherzustellen. Eine Schulreform ver\u00e4nderte die Bildungslandschaft innerhalb der Stadtmauern nicht nur thematisch, sondern auch \u00f6rtlich. Untertanen sollten katholisch sein, ihre Treue aber sollte dem Staat gelten. Schulbildung wurde unter zentrale staatliche Verwaltung gestellt. Es sollten keine kritischen, humanistischen Geistesgr\u00f6\u00dfen, sondern Material f\u00fcr den staatlichen Verwaltungsapparat erzogen werden. \u00dcber Milit\u00e4r und Verwaltung konnten nun auch Nichtadlige in h\u00f6here staatliche Positionen aufsteigen. Gleichzeitig sollten Reformen im Staatsdienst und in der Wirtschaft nicht nur mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Untertanen schaffen, sondern auch die Staatseinnahmen erh\u00f6hen. Gewichte und Ma\u00dfeinheiten wurden nominiert, um das Steuersystem undurchl\u00e4ssiger zu machen. F\u00fcr B\u00fcrger und Bauern hatte die Vereinheitlichung der Gesetze den Vorteil, dass das Leben weniger von Grundherren und deren Launen abhing. Auch der <em>Robot<\/em>, den Bauern auf den G\u00fctern des Grundherrn kostenfrei zu leisten hatten, wurde unter Maria Theresia abgeschafft. In Strafverfolgung und Justiz fand ein Umdenken statt. 1747 wurde in Innsbruck eine <em>kleine Polizei<\/em> eingesetzt, die sich um Angelegenheiten der Marktaufsicht, Gewerbeordnung, Fremdenkontrolle und \u00f6ffentliche Sittsamkeit k\u00fcmmerte. Das Strafgesetzbuch <em>Constitutio Criminalis Theresiana<\/em> schaffte die Folter zwar nicht ab, reglementierte aber deren Anwendung.<\/p>\n<p>So sehr sich Maria Theresia auch als fromme Landesmutter inszenierte und heute als Aufkl\u00e4rerin bekannt ist, die streng katholische Regentin war nicht zimperlich in Fragen von Macht und Religion. Im Trend der Zeit der Aufkl\u00e4rung lie\u00df sie Aberglauben wie den Vampirismus, der in den \u00f6stlichen Teilen ihres Reiches weit verbreitet war, kritisch untersuchen und leitete das endg\u00fcltige Ende der Hexenprozesse ein. Gleichzeitig aber wurden Protestanten von ihr gnadenlos des Landes verwiesen. Viele Tiroler mussten ihr Heimatgebiet verlassen und sich in weiter vom Zentrum entfernten Teilen des Habsburgerreiches niederlassen.<\/p>\n<p>In Kronl\u00e4ndern wie Tirol stie\u00dfen die Reformen Maria Theresias auf wenig Gegenliebe. Mit Ausnahme von ein paar Liberalen sah man sich mehr als eigenst\u00e4ndiges und autonomes Land und weniger als Teil eines modernen Territorialstaates. Auch dem Klerus gefiel die neue, untergeordnete Rolle, die sich unter Josef II. nochmals versch\u00e4rfte, nicht. F\u00fcr den lokalen Adel bedeuteten die Reformen nicht nur den Verlust von Bedeutung und Autonomie, sondern auch h\u00f6here Steuern und Abgaben. Steuern, Abgaben und Z\u00f6lle, die der Stadt Innsbruck stets verl\u00e4ssliche Einnahmen gebracht hatten, wurden nun zentral eingehoben und \u00fcber einen Finanzausgleich nur zum Teil r\u00fcckgef\u00fchrt. Um die Fallh\u00f6he f\u00fcr S\u00f6hne aus verarmten Adelsfamilien abzuschw\u00e4chen und sie f\u00fcr den Staatsdienst auszubilden, gr\u00fcndete Maria Theresie das <em>Theresianum<\/em>, das ab 1775 auch in Innsbruck eine Niederlassung hatte. Wie so oft b\u00fcgelte die Zeit manche Falte aus und Innsbrucker sind mittlerweile stolz darauf, eine der bedeutendsten Herrscherpers\u00f6nlichkeiten der \u00f6sterreichischen Geschichte beherbergt zu haben. Heute erinnern die Triumphpfote und die Hofburg in Innsbruck an die Theresianische Zeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiebachgasse 10<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60311,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[20,55,35],"tags":[],"class_list":["post-53541","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altstadt","category-die-reformation-in-tirol","category-maria-theresia-landesmutter-und-reformatorin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53541","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53541"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53541\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}