{"id":53646,"date":"2024-04-23T11:49:25","date_gmt":"2024-04-23T11:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53646"},"modified":"2026-01-07T10:42:19","modified_gmt":"2026-01-07T10:42:19","slug":"kaufhaus-tyrol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/kaufhaus-tyrol\/","title":{"rendered":"Tyrol department stores'"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Kaufhaus Tyrol<\/h2>\n<p>Maria-Theresienstra\u00dfe 31<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;68950,64184,60106&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Kaufhaus Tyrol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;64213&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Kaufhaus Tyrol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58997&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>1854 er\u00f6ffnete Dominikus Zambra in der Maria-Theresienstra\u00dfe 29 ein erstes Kaufhaus, die <em>Eisen- und N\u00fcrnberger Kurzwarenhandlung<\/em>. Von K\u00fcchenutensilien f\u00fcr die Hausfrau \u00fcber Spielwaren f\u00fcr die Kinder aus der wachsenden B\u00fcrgerschicht hin zu Werkzeugen und Ausr\u00fcstung f\u00fcr Bergtouren konnten Einheimische und Touristen in Zambras Warenhandlung alle m\u00f6glichen Gegenst\u00e4nde des t\u00e4glichen Lebens und Andenken an den Besuch in Tirol erstehen. Die Industrialisierung und die Eisenbahn hatten nicht nur den beruflichen Alltag der Menschen auf den Kopf gestellt, mit den neuen finanziellen Mitteln und den verf\u00fcgbaren Waren \u00e4nderten sich auch die Konsumgewohnheiten. W\u00e4hrend am Land Knechte und M\u00e4gde zu einem gro\u00dfen Teil f\u00fcr Kost und Logis arbeiteten, lebten in der Stadt Unternehmer, Beamte, Arbeiter und Selbstst\u00e4ndige, die \u00fcber ein frei verf\u00fcgbares Einkommen verf\u00fcgten. Ein st\u00e4dtisches Publikum, bei dem auch die Allmacht der Kirche zu br\u00f6ckeln begann, hatte neue Bed\u00fcrfnisse entwickelt. Konsumverhalten und Gesellschaft ver\u00e4nderten sich in dynamischer Wechselwirkung. Es waren Gesch\u00e4fte wie jenes Zambras, die in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts den Unterschied zwischen Stadt- und Landbev\u00f6lkerung weiter vertieften. Man kleidete sich anders, a\u00df anders, wohnte anders und dachte dementsprechend anders.<\/p>\n<p>Das sp\u00e4tere <em>Kaufhaus Tyrol<\/em>, das direkt neben Zambras Gesch\u00e4ft entstand, nahm seine Anf\u00e4nge in einer Art Habsburger Melange. Gesch\u00e4ftsgr\u00fcnder waren zwei Familien aus dem Osten des Riesenreiches. Die Familie Bauer war als fahrende H\u00e4ndler aus dem Burgenland, damals noch Teil Ungarns, nach Innsbruck gekommen. Die Familie Schwarz hatte kroatische Wurzeln. Ihr Geld verdienten sie mit Damen- und Herrenmode. 1874 zog Josef Bauer mit seinem Gesch\u00e4ft vom Eckhaus der heutigen Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe \/ Museumstra\u00dfe in die Maria-Theresienstra\u00dfe 31. Sein Sohn Luis er\u00f6ffnete gemeinsam mit seinem Schwager und dessen Br\u00fcdern aus der Sippschaft Schwarz an dieser Adresse das <em>Warenhaus Josef Bauer &amp; Sohn \u2013 Victor Schwarz &amp; Co<\/em>. Die h\u00e4rteste Konkurrenz im aufstrebenden Fashionbusiness war Josef Zelger mit seinem Modehaus an der Ecke zur Anichstra\u00dfe direkt gegen\u00fcber. Bauer und Schwarz stellten mit ihrem Konzept aber alles in Innsbruck bisher Dagewesene in den Schatten. Die H\u00e4userzeile wurde in einem spektakul\u00e4ren Umbau in ein modernes Shoppingcenter verwandelt. Im vierst\u00f6ckigen Prachtbau auf 2.000 m\u00b2 Verkaufsfl\u00e4che fanden Innsbrucker eine bis dahin ungeahnte Vielfalt an Waren vor. Bummeln, sehen und gesehen werden wurde zum Trend, das Einkaufen vom Selbstzweck zur Freizeitbesch\u00e4ftigung. Auf Galerien konnte man sich dem Shoppingvergn\u00fcgen hingeben w\u00e4hrend im Erdgeschoss ein Springbrunnen zwischen exotischen Pflanzen vor sich hinpritschelte.<\/p>\n<p>Einige Jahre koexistierten Bauer &amp; Schwarz, Zelger und Zambra, bevor die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Ersten Weltkrieges ein erstes Opfer unter den Innsbrucker H\u00e4ndlern forderten. 1918 kaufte Hugo Schindler das Geb\u00e4ude, in dem die Zambras 45 Jahre lang Gesch\u00e4ft und Wohnhaus hatten. Die Schindlers waren die dritte Einwandererfamilie, die sich mit einem Angebot f\u00fcr die Upper Class in Innsbruck breitmachten. Sie waren von B\u00f6hmen nach Tirol gekommen und hatten in Wilten eine Marmeladenfabrik und eine Schnapsbrennerei er\u00f6ffnet. 1922 \u00f6ffnete das Lokal <em>Cafe und Konditorei Schindler<\/em> seine Pforten, um fortan Einheimische und Touristen in schickem Ambiente mit Speisen, Getr\u00e4nken und Unterhaltung zu verw\u00f6hnen. Tanzabende und Konzerte fernab der l\u00e4ndlichen B\u00fchnen, die die Innsbrucker Kulturszene des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts dominierten, verwandelten das <em>Schindler<\/em> schnell in einen der Treffpunkte der Stadt.<\/p>\n<p>Die w\u00e4hrend der <em>k.u.k.<\/em> Monarchie zugezogenen Familien hatten die Stadt ver\u00e4ndert. Hugo Schindler kam zu einem ansehnlichen Verm\u00f6gen, das ihm den Bau der <em>Villa Schindler<\/em> am Rennweg erm\u00f6glichte. Er pflegte Kontakte in die High Society der Stadt. Das <em>Kaufhaus Baur &amp; Schwarz<\/em> war mit \u00fcber 200 Mitarbeitern eines der gr\u00f6\u00dften Warenh\u00e4user im \u00d6sterreich der Zwischenkriegszeit. Beide Betriebe standen gemeinsam mit dem \u201eHochhaus\u201c am Bismarckplatz und dem <em>Adambr\u00e4u<\/em> f\u00fcr das moderne Innsbruck. Das Problem dabei war, dass die erfolgreichen Unternehmer in der neuen, deutsch dominierten Republik nicht nur Ausl\u00e4nder, sondern gar j\u00fcdischer Herkunft waren. Trotz aller Bem\u00fchungen sich in die Gesellschaft zu integrieren, sahen sich die Familien Bauer, die Schwarz und die Schindler immer wieder antisemitischen Anfeindungen im <em>Heiligen Land Tirol<\/em> ausgesetzt. Mit ihrem Verm\u00f6gen aus Luxus- und Handelsgesch\u00e4ften und den repr\u00e4sentativen Villen bedienten sie alle antisemitischen und antikapitalistischen Stereotype. Cafe- und Warenhaus \u00fcberlebten Weltkrieg, Nachkriegszeit und Wirtschaftskrise, der Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich war aber zu viel. Boykotte, Zwangsma\u00dfnahmen und Verbote trieben die j\u00fcdischen Betreiber innerhalb k\u00fcrzester Zeit in den Konkurs. Einige Mitglieder der Familien Bauer und Schwarz flohen nach England. Wilhelm Bauer und seine Mutter kamen w\u00e4hrend der NS-Zeit um. Das Cafe und das Kaufhaus fielen im Rahmen der Arisierung j\u00fcdischen Eigentums an deutsche Unternehmen. Ferdinand Kraus, ein G\u00fcnstling des Tiroler Gauleiters Franz Hofer kaufte Warenhaus samt Bestand um einen Bruchteil des tats\u00e4chlichen Wertes.<\/p>\n<p>Nationalsozialismus und Krieg zerst\u00f6rten nicht nur die Unternehmerfamilien, auch das Geb\u00e4ude kam zu Schaden. Bei einem der Luftangriffe wurde das Geb\u00e4ude schwer zerst\u00f6rt. Nach einem langen Restitutionsverfahren zwischen Ferdinand Kraus und den Familien Bauer und Schwarz kam es 1959 zu einem Vergleich, der in keiner Weise dem Wert des Unternehmens entsprach. 1964 verkaufte Kraus sein Warenhaus an die <em>Warenhaus-Immobilien GmbH<\/em> in Wien. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde unter gro\u00dfem Pomp neu er\u00f6ffnet. Das neue <em>Kaufhaus Tyrol<\/em> war lange Zeit <em>DAS <\/em>Einkaufszentrum Innsbrucks. Die erste Rolltreppe der Stadt, die Innsbrucker hier bestaunen konnten, war eine Sensation. Mit der Er\u00f6ffnung des <em>DEZ<\/em> im Gewerbegebiet nahe Amras und dem Sillpark in Pradl erhielt es aber zunehmend Konkurrenz von Einkaufszentren mit modernerem Konzept und kostenfreien Parkpl\u00e4tzen. Auch das Interieur war mittlerweile in die Jahre gekommen. Viele Betreiberwechsel und die komplizierte Eigent\u00fcmerstruktur waren in den 1990er Jahren der Todessto\u00df f\u00fcr den ehemaligen Konsumtempel Innsbrucks.<\/p>\n<p>2004 erstand die Unternehmensgruppe <em>SIGNA<\/em> des Innsbrucker Bau- und Handelsunternehmers Rene Benko das altehrw\u00fcrdige, f\u00fcr einige Jahre mangels Betreiber leerstehende <em>Kaufhaus Tyrol<\/em>. Nach den Pl\u00e4nen des Architekten David Chipperfields wurde das Shoppingcenter 2010 in komplett neuem <em>Look and Feel<\/em> wiederer\u00f6ffnet. Dabei wurde am Konzept des Warenhauses nicht festgehalten, sondern auf das l\u00e4ngst g\u00e4ngige Konzept mit vielen einzelnen L\u00e4den gesetzt. 2011 wurde es als sch\u00f6nstes Einkaufszentrum \u00d6sterreichs ausgezeichnet. In Innsbruck war man froh, dass ein \u201eEinheimischer\u201c als Investor sich des altehrw\u00fcrdigen Hauses in bester Lage annahm. Benko, der aus bescheiden-b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen in Innsbruck stammt und im ehemaligen Arbeiterviertel Pradl aufgewachsen war, erschuf als junger Unternehmer aus dem Nichts ein Immobilienimperium, das sich 2023 in einem der aufsehenerregendsten Konkurse der \u00f6sterreichischen Geschichte, der Stoff f\u00fcr Romane und Spielfilme bietet, wieder ins Nichts zu verabschieden begann. Im Januar 2025 wurde Rene Benko von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft festgenommen und in aufsehenerregenden Prozessen verurteilt. Schieden sich die Geister der Innsbrucker Bev\u00f6lkerung anfangs noch an der modernen Architektur mitten in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, m\u00fcssen mittlerweile auch Skeptiker zugeben, dass das <em>Kaufhaus Tyrol<\/em> zur Belebung der Innenstadt beitr\u00e4gt. Das Cafe Schindler bietet heute, nachdem es f\u00fcr Jahrzehnte geschlossen war, gehobene K\u00fcche und DJ-Sessions samt gediegenem Ausblick auf die Innsbrucker Innenstadt. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Kaufhaus Tyrol erinnert an die bewegte Geschichte des Hauses. Die Geschichte der Familie Schindler wurde von einer in Gro\u00dfbritannien lebenden Nachfahrin literarisch verarbeitet und als B\u00fchnenst\u00fcck im <em>Tiroler Landestheater<\/em> aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;M\u00e4rz 1848&#8230; und was er brachte&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe der NSDAP in Innsbruck wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger und theatralisch inszenierte Fackelz\u00fcge durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette im Wahlkampf verhalfen der Partei zu einem gro\u00dfen Zugewinn. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Wie \u00fcberall waren es auch in Innsbruck vor allem junge Menschen, die sich f\u00fcr den Nationalsozialismus begeisterten. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei des St\u00e4ndestaates war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz empfingen die Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des F\u00fchrers, des Heilsversprechers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den erzkatholischen Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete auch ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. InTirol war die Kirche das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde die katholische Kirche systematisch bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer und Franz Greiter mussten fl\u00fcchten oder worden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Das Hauptquartier der Gestapo befand sich in der Herrengasse 1. Hier wurden Verd\u00e4chtige schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Verd\u00e4chtige Personen aller Art wurden hier zu Zwangsarbeiten in sch\u00e4bigen Baracken verwahrt. \u00dcber 130 Personen fanden in diesem Lager bestehend aus 20 Baracken den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Auch im 10 km von Innsbruck entfernten Dorf Kematen kamen im Messerschmitt Werk Gefangene zum Zwangseinsatz. Darunter waren politische H\u00e4ftlinge, russische Kriegsgefangene und Juden. Zu den Zwangsarbeiten geh\u00f6rten unter anderem die Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> in der Endphase oder die Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert.<\/p>\n<p>Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal und das Geb\u00e4ude der Alten Universit\u00e4t sind die beiden auff\u00e4lligsten Denkm\u00e4ler. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie der Lauf der Geschichte der Stadt unterliegt auch ihr Aussehen einem st\u00e4ndigen Wandel. Besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild erzeugten die Jahre rund um 1500 und zwischen 1850 bis 1900, als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in besonders schnellem Tempo abspielten. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Neben der Lebensmittelknappheit waren die Menschen an der von den Nationalsozialisten so genannten \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c in der Stadt vor allem von den Luftangriffen der Alliierten betroffen. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront.<\/p>\n<p>In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Innsbruck, 17. Dez. Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese durch Zensur und Gleichschaltung der Medien fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht dem Volksk\u00f6rper pr\u00e4sentieren. Ganz so gro\u00df wie 1938 nach dem Anschluss, als Hitler am 5. April von 100.000 Menschen in Innsbruck begeistert empfangen worden war, war die Begeisterung f\u00fcr den Nationalsozialismus nicht mehr. Zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Im J\u00e4nner 1944 begann man Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen zu errichten. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken.<\/p>\n<p>Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, der Dom, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen.<\/p>\n<p>Besondere Behandlung erfuhren w\u00e4hrend der Angriffe historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Die Gnadenmutter, das ber\u00fchmte Bild aus dem Innsbrucker Dom, wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln mit dem Hinweis auf den Wiederaufbau auf einen Bombentreffer hin.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Hofer: Der Gauleiter Tirols&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Hofer, der Gauleiter Tirols&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53669&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Mit dem Nationalsozialismus wurden viele politische Stellen und Posten im \u00f6ffentlichen Dienst neu vergeben. Der F\u00fchrerkult und die Ideen der nationalsozialistischen Partei wurden auf allen Ebenen strukturell einzementiert. Innsbrucks B\u00fcrgermeister Franz Fischer wurde mit der Macht\u00fcbernahme durch Egon Denz ersetzt. Edmund Christoph l\u00f6ste Landeshauptmann Josef Schumacher (1894 \u2013 1971) ebenfalls \u00fcber Nacht ab, bevor im Mai 1938 Franz Hofer (1902 \u2013 1975) den Platz als Gauleiter, ab 1940 Reichsstatthalter einnahm.<\/p>\n<p>Franz Hofer wurde im salzburgerischen Bad Hofgastein in eine Hoteliersfamilie geboren. Nachdem er in Innsbruck die Schule besucht hatte, betrieb er ein Radiogesch\u00e4ft. Bereits 1931 wurde er Mitglied der NSDAP in \u00d6sterreich. Als die nationalsozialistische Partei in \u00d6sterreich verboten wurde, kam Hofer als deren Gauleiter 1933 in Haft, wurde aber von Mitgliedern der SA befreit. Bei dieser Flucht wurde er angeschossen, konnte aber nach Italien fl\u00fcchten. Anschlie\u00dfend begab er sich nach Deutschland, wo er deutscher Staatsb\u00fcrger wurde und innerhalb der Partei eine steile Karriere hinlegt.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Anschluss \u00d6sterreichs wurde Hofer auf Gehei\u00df Hitlers am 24. Mai 1938 zum Gauleiter Tirol und Vorarlberg ernannt. 1940 wurde er zum Reichsstatthalter von Tirol-Vorarlberg ernannt. Die Pl\u00e4ne des f\u00fchrertreuen Hofer waren ambitioniert, Tirol war ein guter N\u00e4hrboden, nimmt man strenge Katholiken aus. Im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerzahl gab es in den \u00f6sterreichischen Gauen nirgends mehr Parteimitglieder als hier. Dem Ziel, den ersten vollkommen judenfreien Gau zu haben, war Hofer schon 1939 recht nahe. Ein Jahr sp\u00e4ter war nur noch ein Jude in Tirol gemeldet. Zudem bereichert sich Hofer gro\u00dfz\u00fcgig auch pers\u00f6nlich an arisiertem Verm\u00f6gen. So kam die <em>Villa Schindler<\/em> des Betreibers des <em>Cafe Schindler<\/em> am Rennweg 10 in seinen Besitz, ebenso der <em>Lachhof<\/em> in Kleinvolderberg nahe Innsbruck, wo er sich eine Art Kommandozentrale au\u00dferhalb der Stadt einrichtete.<\/p>\n<p>Auch gegen kirchliche Organisationen ging der Antikatholik Hofer, dem die <em>Wiltener S\u00e4ngerknaben<\/em> ebenso ein Dorn im Fleisch waren wie die in Innsbruck allgegenw\u00e4rtigen Mariendarstellungen, hart vor. Sozialistische und kommunistische Vereine spielten in der Tiroler Gesellschaft keine Rolle, vor ihnen musste man sich weniger in Acht nehmen als vor st\u00f6rrischen Katholiken. Alle Orden wurden geschlossen und die katholischen Jugendgruppen und Vereine dem nationalsozialistischen System angeschlossen. 119 von 570 Priestern wurden zwischen 1938 und 1945 mindestens einmal in Gewahrsam genommen, elf wurden hingerichtet oder \u00fcberlebten die Haftbedingungen nicht.<\/p>\n<p>Als Italien 1943 endg\u00fcltig unter die Kontrolle Deutschlands kam, wurde Hofer zum Obersten Kommissar der <em>Operationszone Alpenvorland<\/em> ernannt. Diese Zone bestand aus Tirol-Vorarlberg und den oberitalienischen Provinzen. Es war auch Franz Hofer, der die Idee zur sogenannten Alpenfestung, der letzten Bastion des deutschen Volkes gegen den Feind hatte. Noch am 12. April 1945, weniger als einen Monat vor Kriegsende, unterbreitete er diesen Vorschlag pers\u00f6nlich Adolf Hitler, der ihn daraufhin zum Reichsverteidigungskommissar der <em>Alpenfestung<\/em> machte.<\/p>\n<p>Nach Verhandlungen mit den heranr\u00fcckenden alliierten Streitkr\u00e4ften wurde Innsbruck am 3. Mai 1945 kampflos als offene Stadt \u00fcbergeben und somit von verheerenden K\u00e4mpfen zum Kriegsende verschont. Trotz dieser Vernunftma\u00dfnahme blieb Hofer auch in der Niederlage noch fanatischer Nationalsozialist wie seine Rede im Radio vom 30.4. zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201eSollte aber der Feind trotz heldenhaften Kampfes doch einmal vor den Toren Innsbrucks stehen, w\u00fcrde eine Verteidigung der Gauhauptstadt unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen keinesfalls das \u00c4rgste ersparen, sondern vielmehr das Letzte vernichten\u2026. Umso z\u00e4her aber wollen wir uns in unserer Berge krallen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hofer wurde wenige Tage sp\u00e4ter festgenommen. Im Oktober 1948 konnte er aus dem Internierungslager Dachau entkommen und nach Deutschland fl\u00fcchten, wo er in M\u00fchlheim an der Ruhr unter falschem Namen untertauchte. Es ist nicht gesichert, aber durchaus m\u00f6glich, dass amerikanische und britische Geheimdienste dem einstigen Widersacher bei der Flucht behilflich waren, um ihre Methoden gegen den Nationalsozialismus auf Tiroler Boden, die nun im Einsatz gegen die Sowjetunion waren, damit sch\u00fctzen wollten, w\u00e4ren diese bei einer Verhandlung wohl offen zur Sprache gekommen. Ein Gericht in M\u00fcnchen verurteilte ihn 1949 in Abwesenheit zu 10 Jahren Haft. Im Juli 1953 wurde dieser Richtspruch in M\u00fcnchen best\u00e4tigt, allerdings die Haft auf drei Jahre Dauer herabgesetzt. Durch Anrechnung der bisherigen Haftzeiten blieb Hofer allerdings auf freiem Fu\u00dfe. Ein Gericht in \u00d6sterreich verurteilte ihn 1949 zum Tode. Eine Strafverfolgung fand allerdings nicht statt. Zu seinen F\u00fcrsprechern z\u00e4hlten unter anderem der Bischof von Brixen, Johannes Baptist Geisler und der Tiroler Landeshauptmann Alfons Wei\u00dfgatterer. In einem Verfahren in Innsbruck wurde 1950 sein Verm\u00f6gen von der Republik \u00d6sterreich eingezogen.<\/p>\n<p>Ab 1954 lebte Hofer unter seinem echten Namen in Deutschland. Er f\u00fchrte die <em>Ruhr Armatur GmbH<\/em>, ein Unternehmen f\u00fcr Sanit\u00e4rbedarf. Seine Beteiligung an der <em>Aktion T4<\/em> in Tirol, der \u201e<em>Vernichtung lebensunwerten Lebens\u201c<\/em>, wurde zwar vor Gericht als Verfahren eingeleitet, das Verfahren jedoch 1963 eingestellt. Dem Land Tirol blieb der ehemalige Gauleiter im wahrsten Sinne trotz seiner Emigration treu bis in den Tod. Hofer war ein Liebhaber Tiroler Tradition. Er f\u00f6rderte in seiner Zeit in Tirol volkst\u00fcmliche Musik, Trachtenwesen und die Tiroler Sch\u00fctzen. Diese Vereine wurden offiziell 1938 aufgel\u00f6st, unter ihm aber in den <em>Standsch\u00fctzenverband<\/em> \u00fcberf\u00fchrt. Der Leiter der Stadtmusikkapelle Wilten-Innsbruck, Sepp Tanzer, den er zum Leiter des <em>Referats Volksmusik in der Reichsmusikkammer<\/em> machte, komponierte f\u00fcr ihn den <em>Standsch\u00fctzenmarsch<\/em>. Bei Hofers Beisetzung 30 Jahre nach Kriegsende in M\u00fchlhausen war eine Abordnung der Tiroler Sch\u00fctzen anwesend, um dem bis zu seinem Tod \u00fcberzeugten Nationalsozialisten Hofer die letzte Ehre zu erweisen. Das Tiroler Landhaus, das bis heute Sitz der Tiroler Landesregierung ist, wurde unter Hofer errichtet und ist bis heute Stein gewordene Erinnerung an den Gauleiter Tirols.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria-Theresienstrasse 31<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60004,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[61,69,15,67,47],"tags":[],"class_list":["post-53646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-franz-hofer-der-gauleiter-tirols","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-luftangriffe-auf-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}