{"id":53678,"date":"2024-04-23T12:21:32","date_gmt":"2024-04-23T12:21:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53678"},"modified":"2026-01-09T09:10:21","modified_gmt":"2026-01-09T09:10:21","slug":"palais-fugger-taxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/palais-fugger-taxis\/","title":{"rendered":"Palais Fugger-Taxis &amp; Altes Landhaus"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Palais Fugger-Taxis &amp; Altes Landhaus<\/h2>\n<p>Maria-Theresienstra\u00dfe 45 \/ 43<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/B52460DF-C4BC-4C70-B27E-851C65C888D2-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Palais Fugger Taxis Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Palais Fugger Taxis Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.26.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;68078,57267,67866,56653,67865,67857,67856,67855,67864,67861,67860,67859&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Palais Fugger-Taxis&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61887&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Palais Fugger-Taxis und Altes Landhaus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58994&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Teil der Maria-Theresienstra\u00dfe befinden sich direkt nebeneinander zwei Geb\u00e4ude, die symbolisch f\u00fcr die Machtverh\u00e4ltnisse und das Zusammenspiel der Tiroler Wirtschaft und Politik der fr\u00fchen Neuzeit stehen: Das Alte Landhaus und das Palais Fugger Taxis. Die Namen Fugger und Taxis stehen f\u00fcr fr\u00fche Globalisierung, Kapitalismus und eine Ver\u00e4nderung in der Welt der Kommunikation und Medien. Mit den Fuggern und den Thurn und Taxis beherbergte das Palais Mitglieder von zwei der bedeutendsten Familien, die in Innsbruck ihren Gesch\u00e4ften nachgingen. W\u00fcrde man heutige Ma\u00dfst\u00e4be anlegen, m\u00fcsste man Namen wie Warren Buffett und Mark Zuckerberg bem\u00fchen, um einen ad\u00e4quaten Vergleich zu haben. Das <em>Palais Fugger-Taxis<\/em> zeugt gleicherma\u00dfen von den Ver\u00e4nderungen, die die Welt ab 1500 nahm wie von der zunehmenden Bedeutung Innsbrucks als Residenzstadt der Habsburger.<\/p>\n<p>Viele einflussreiche Aristokraten lie\u00dfen sich im 16. und 17. Jahrhundert in der <em>Neustadt<\/em> ihre Palazzi errichten, um m\u00f6glichst nahe am Hof des Tiroler Landesf\u00fcrsten zu sein. Innsbruck hatte zwar ein wenig an Ansehen verloren seit den Tagen Maximilians, war aber noch immer eine der wichtigsten St\u00e4dte des Heiligen R\u00f6mischen Reichs. Nach einem Brand lie\u00df der kaiserliche Geheimrat Graf Hans Otto Fugger ein Palais planen, das alle anderen Stadtpal\u00e4ste in den Schatten stellen sollte. Wer wenn nicht er sollte sich das leisten k\u00f6nnen, kam er doch aus der Kaufmannsippe der Augsburger Fugger, einer der reichsten Familien Europas der fr\u00fchen Neuzeit. Johann Martin Gumpp der \u00c4ltere wurde f\u00fcr die Planung des Geb\u00e4udes engagiert. Zum Vorbild nahm er sich ganz im Chic der Zeit das Genueser Stadtpalais. Der 1679 er\u00f6ffnete Palast nahm wie die meisten in Innsbruck beim gro\u00dfen Erdbeben nur 10 Jahre sp\u00e4ter erheblichen Schaden. \u00dcber Heirat kam das Geb\u00e4ude an die Familie von Welsberg, die es in den folgenden Jahren vermietete. 1784 kaufte Joseph Sebastian von Thurn und Taxis das <em>Palais Fugger<\/em>, um es als Wohnhaus und Poststation zu verwenden. Das Adelsgeschlecht der Thurn und Taxis war eine der wichtigsten Dynastien ihrer Zeit. \u00dcber die Einf\u00fchrung des Postwesens brachten sie es zu Ruhm, Ehre und Verm\u00f6gen im Kaiserreich. 1905 ging das nunmehrige <em>Palais Fugger-Taxis<\/em> in den Besitz des Landes Tirol \u00fcber, um darin weitere Amtsr\u00e4ume des Landhauses unterzubringen, das sich bereits seit 250 Jahren im Nebengeb\u00e4ude befand.<\/p>\n<p>Das Alte Landhaus in seiner heutigen Form entstand erst nach dem Palais der beiden Unternehmerfamilien. Die Tiroler Landesregierung war in der Umstrukturierung nach dem Tod des letzten Habsburgers 1665 und dem Verlust des Status als Residenzstadt zu einem Neustart gezwungen. Fortan sollte nicht mehr ein Landesf\u00fcrst, sondern ein Gubernator das Land Tirol regieren. Diese Statthalter entstammten zwar auch dem Hochadel, waren aber nicht mehr Besitzer, sondern Verwalter des Landes im Namen der Herrscherfamilie Habsburg. Das Staatsverst\u00e4ndnis begann sich zu \u00e4ndern und mit ihm die Anforderungen an die Infrastruktur. Da die <em>Claudiana<\/em> in der Altstadt zu klein f\u00fcr die neuen Regierungsgesch\u00e4fte war, entschied man sich das <em>Harnischhaus<\/em> in der Neustadt, eine Plattnerei aus der Zeit Maximilians<em>,<\/em> als R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Landesregierung zu erstehen. Die kunstvollen R\u00fcstungen waren in den Jahren nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg in Zeiten von S\u00f6ldnerheeren, Feuerwaffen und Artillerie aus der Mode gekommen. Das Plattnerhandwerk erlitt das traurige wirtschaftliche Schicksal der Schallplatte in den 1990ern oder der Festnetztelefone im 21. Jahrhundert. Nach einem Brand 1620 und dem Erdbeben von 1689 war das Geb\u00e4ude in desolatem Zustand. Jahrzehntelang fehlten aber Geld und politischer Wille, um einen Neubau zu finanzieren. In den Zeiten des franz\u00f6sischen Sonnenk\u00f6nigs Ludwig XIV. und seines absolutistischen, zentralistischen Regierungsansatzes, der in ganz Europa in Mode kam, hatten es auch Vertreter der L\u00e4nder im Habsburgerreich schwer. Erst in der Zeit nach den Kriegen des sp\u00e4ten 17. Jahrhunderts und fr\u00fchen 18. Jahrhunderts unter Karl VI., dem Vater Maria Theresias, kam das f\u00f6derale Prinzip in der Politik wieder st\u00e4rker zur Geltung.<\/p>\n<p>Zwischen 1725 und 1734 entstand die neue Heimat der Tiroler Landst\u00e4nde und der Landesbeamten nach den Pl\u00e4nen Georg Anton Gumpps. Der Bau musste die Funktionen von Amtsr\u00e4umen, Sitzungss\u00e4len und Repr\u00e4sentation nach au\u00dfen hin vereinen. Die barocke Fassade mit den gro\u00dfen Fenstern spiegelt die Mode des 18. Jahrhunderts wider. Die vier Landst\u00e4nde werden emblematisch durch Feldfr\u00fcchte, R\u00fcstung, Kruzifix und B\u00fcrgerkette dargestellt, die unter dem Roten Adler, dem Wappentier Tirols, am Giebel zusammenlaufen Noch ausufernder als die Fassade ist das Innenleben. Ein reich geschm\u00fccktes Stiegenhaus, mit goldenen Ornamenten und Statuen empf\u00e4ngt den Besucher. Die Decke wird vom Tiroler Adler, der seine sch\u00fctzenden Schwingen \u00fcber das historische Land Tirol und die St\u00e4dte zwischen Trient und Kufstein h\u00e4lt, geschm\u00fcckt. Apollo, Gott der Musen und K\u00fcnste und seine Schwester Artemis, G\u00f6ttin der Jagd wurden als Holzskulpturen in der ersten Bauphase von Nikolaus Moll angefertigt. Die Statuen Athenes, der G\u00f6ttin der Weisheit und des Kriegsgottes Ares kamen 1899 ganz dem Geist des Historismus verpflichtet hinzu. Der Sitzungssaal wurde nicht minder prunkvoll ausgestattet und erinnert eher an einen Sakralbau als ein Parlament. Nach einer Idee Martin Sticklers, des kunstsinnigen Abtes von Wilten, der auch die Bauaufsicht \u00fcber das gesamte Projekt \u00fcbernahm, entstanden die sechs barocken Gem\u00e4lde mit biblischen Szenen, die die einzelnen Regionen des Landes Tirol darstellen. Roter Marmor an den W\u00e4nden und die vier mannshohen Statuen der beiden Tiroler Statthalter Karl von Lothringen und Karl III. Philipp von der Pfalz-Neuburg sowie Kaisers Leopold I. und Erzherzogs Leopold V. dominieren den Raum, der noch heute bei Landtagen in Verwendung ist. Vier kleine Putti mit Wein, Ritterhelm, Bischofsm\u00fctze und r\u00f6mischem Liktorenb\u00fcndel symbolisieren die St\u00e4nde der Bauernschaft, des Adels, des Klerus und des B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Im Innenhof des Landhauses befindet sich die ebenfalls 1728 barockisierte Landhauskapelle St. Georg, des Schutzheiligen des Landes Tirol. \u00dcber dem Altar wird dem Heiligen mit den Worten \u201e<em>Honori perpetuo DIVI Georgii Martyris Provinciae Tyrolensis Tutelatis\u201c (Anm.: Zur ewigen Ehre des Heiligen Georgs, Schutzheiliger der Region Tirol)<\/em> gedacht. Der Tiroler Adler wird von Putti getragen. Auff\u00e4llig an der barocken Fassade sind die modernen Statuen in den Nischen. Der ladinische Bildhauer Lois Anvidalfarei interpretierte 2009 zur 200-Jahrfeier der Schlacht am Berg Isel vier Szenen aus dem Leben des Heiligen Georg, um den Kampf zwischen Gut und B\u00f6se zu symbolisieren. Das B\u00f6se wird nicht wie in der Legende des Heiligen Georg von einem Drachen, sondern einem Menschen symbolisiert. Betrachtet man die Tiroler Geschichte, vor allem die des <em>Neuen Landhauses<\/em> um die Ecke, ist es durchaus angebracht im politischen Kontext an die menschliche Ambivalenz zu erinnern.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Thurn und Taxis und die Erfindung der Post&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Thurn und Taxis und die Erfindung der Post&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53681&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das 20. und 21. Jahrhundert gilt als das Informationszeitalter. Das Internet revolutionierte beinahe jeden Aspekt des Lebens. Auch die gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen, die sich um 1500 abspielten, hatten viel mit neuen M\u00f6glichkeiten der Nachrichtenverbreitung zu tun. Produktion und Verteilung von Nachrichten, Neuigkeiten und Ideen revolutionierten sich dank zweier Innovationen. Mit dem Buchdruck war die Vervielf\u00e4ltigung von Information einfacher geworden. Ungef\u00e4hr zur selben Zeit begann sich im Heiligen R\u00f6mischen Reich ein effizienteres Postwesen zu etablieren. Die Geschichte der Familie Taxis, die diesen Postdienst in Szene setzte, ist ein Beispiel f\u00fcr die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten, die die fr\u00fche Neuzeit um 1500 bot. Sie ist eng mit den Habsburgern und der Stadt Innsbruck verbunden, das unter Kaiser Maximilian f\u00fcr kurze Zeit nicht nur Residenzstadt, sondern die europ\u00e4ische Postzentrale war.<\/p>\n<p>Die Taxis waren ein lombardisches Geschlecht aus dem niederen Adel. Bereits im 13. Jahrhundert hatte Omodeo de Tasso in Norditalien einen Kurierdienst zwischen den gro\u00dfen italienischen St\u00e4dten eingerichtet. Ein einigerma\u00dfen funktionierendes, l\u00e4nder\u00fcbergreifendes Postwesen, wie es bereits im antiken Rom existiert hatte, gab es im Mittelalter nicht. Das gr\u00f6\u00dfer werdende Reich unter Maximilian, das von den Niederlanden \u00fcber Augsburg und Regensburg bis nach Wien reichte ben\u00f6tigte eine m\u00f6glichst effiziente Kommunikation. Er engagierte daf\u00fcr die <em>Compania de Tassis<\/em> die f\u00fcr den Kaiser eine eigene dauerhafte Stafettenlinie mit Infrastruktur und Personal einrichteten. Die Br\u00fcder Janetto, Francesco sowie Giovanni Battista de Tassis, zu Deutsch Franz und Johann Baptist von Taxis, wurden von Maximilian I. zu <em>Reichspostmeistern<\/em> gemacht. Der Kaiser wollte sich deren Erfahrungen zu Nutze machen, um sein Riesenreich informationstechnisch zu verbinden.<\/p>\n<p>In 20 \u2013 40 km Abstand wurden Stationen, sogenannte <em>Posten<\/em>, eingerichtet, auf denen Boten und Pferde wechselten, um die Auslieferzeiten der Nachrichten zu verk\u00fcrzen. Innsbruck wurde zur ersten modernen Postzentrale im Habsburgerreich der Fr\u00fchen Neuzeit. Die Lage am Fu\u00dfe des Brennerpasses war nun nicht nur f\u00fcr den Handel ausschlaggebend, auch Informationen wurden entlang dieser Route ausgetauscht. Die erste Linie f\u00fchrte ab 1489 von Innsbruck nach Mechelen. Bald war die Route zwischen den Niederlanden nach Italien als <em>Deutsche Route<\/em> bekannt. Mit der Post kam auch weitere Verwaltung nach Innsbruck. Die Stadt war Sammelplatz f\u00fcr die Hofpost, die dem Kaiser von hier aus an seinen jeweiligen Standort nachgeschickt wurde. Die Hofkanzlei sammelte in Innsbruck das Archiv mit dem Schriftverkehr und den B\u00fcchern der Kammerverwaltung. Die Nachrichten, die sogenannten Zeitungen, die zwischen den einzelnen Verfassern und Empf\u00e4ngern hin- und hergeschickt wurden, bedurften des Berufsstandes der Novellanten, die die Neuigkeiten er- und verfassten.<\/p>\n<p>Wenige Jahre nach Maximilians Tod \u00f6ffnete sich der Kurierdienst der Taxis auch f\u00fcr private Post. Der Habsburger war ein s\u00e4umiger Zahler gewesen, die Kosten mussten gedeckt werden. Auch die Personenbef\u00f6rderung wurde als Service angeboten. Zum einen konnte man so die Kosten f\u00fcr seinen Dienst senken, zum anderen konnte man seinerseits andere Teilnehmer des Postsystems ausspionieren. Die Postmeister fungierten auch als eine Art Geheimdienst. Gegenreformation und Milit\u00e4r nutzten den Postdienst f\u00fcr ihre Zwecke. In den einzelnen Poststellen gab es <em>Schwarze Kammern<\/em>, in denen verd\u00e4chtige Briefe ge\u00f6ffnet wurden.<\/p>\n<p>Mit dem Anwachsen des Habsburgerreiches nach der Expansion der Habsburger wuchs auch der Stafettendienst der Taxis. 1505 vergab Philipp I. von Spanien auch auf der iberischen Halbinsel an die bew\u00e4hrten Dienstleister. Nach den italienischen Eroberungen unter Karl V. kontrollierten die Habsburger auch gro\u00dfe Teile Norditaliens. Von Spanien bis nach Ungarn, von Mailand bis Br\u00fcssel reichte das Informationsnetzwerk.<\/p>\n<p>Durch die Kontrolle der europ\u00e4ischen Kommunikation kamen die Taxis zu Macht, Einfluss und Reichtum. Seit 1650 nannte sich das Geschlecht Thurn und Taxis. Vom alten Tasso, zu Deutsch Dachs, war nichts mehr \u00fcbriggeblieben. Erst mit der Zentralisierung und dem neuen Staatsverst\u00e4ndnis der Aufkl\u00e4rung des 17. Jahrhunderts begann ihr Stern zu sinken. 1769 wurde das Postregal der Familie Taxis f\u00fcr Vorder\u00f6sterreich aufgehoben. Die Umw\u00e4lzungen der Napoleonischen Kriege brachten weitere \u00c4nderungen mit sich. Als das <em>Heilige R\u00f6mische Reich<\/em> 1806 aufgel\u00f6st wurde, konnten die Thurn und Taxis nur noch in einigen deutschen F\u00fcrstent\u00fcmern das Postwesen f\u00fcr sich beanspruchen. Die Dienstleistung wurde mehr und mehr von monopolisiert. Post\u00e4mter wurden zu Symbolen der Durchdringung der Staatsgewalt im \u00f6ffentlichen Raum. 1908 wurde in der Maximilianstra\u00dfe in Innsbruck die neue Hauptpost nach den Pl\u00e4nen Natale Tommasis errichtet. \u00c4hnlich wie bei Bahnh\u00f6fen unterschied sich die Architektur des Geb\u00e4udes nicht von anderen gro\u00dfen Poststellen innerhalb des Habsburgerreiches. Wer als Untertan Kaiser Franz Josefs I. seine Postgesch\u00e4fte erledigte, sollte dies in der gesamten Monarchie zwischen Trient und Lemberg im selben Look and Feel tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg verloren die Thurn und Taxis das Adelsprivileg. Viele der Schl\u00f6sser, Besitzt\u00fcmer und Palazzi in ganz Europa sind bis heute aber noch im Besitz der Familie. Bis 1969 bestand gegen\u00fcber der Hauptpost die <em>Alte Post<\/em>, die zeitweise auch im Besitz der Familie Thurn und Taxis war. Seit der Jahrtausendwende geht es dem Postwesen wie der Familie Taxis. Versand- und Kurierdienste gehen mehr und mehr in private Hand \u00fcber. Das staatlich-monopolisierte Postwesen des 20. Jahrhunderts war vielleicht nur ein kurzes Intermezzo. Anders als die Familie Taxis m\u00fcssen sich DHL, UPS &amp; CO aber mit schn\u00f6dem Mammon tr\u00f6sten und werden nicht in den Adelsstand erhoben. Das Palais Fugger-Taxis in Innsbruck hingegen erinnert bis heute an die Postmeister des Kaisers.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Jakob Fugger: der reichste Mann der Geschichte&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Jakob Fugger: der reichste Mann der Geschichte&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53682&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Es gibt wohl kaum eine ungekr\u00f6nte Person, die gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Geschichte Europas bis ins 20. Jahrhundert hatte als Jakob Fugger (1459 &#8211; 1525). Nicht nur deckt sich seine Lebenszeit mit der Kaiser Maximilians, die Schicksale der beiden M\u00e4nner hingen eng aneinander. Auch die Geschichte Tirols wurde vom bedeutendsten Finanzmagnaten seiner Zeit bestimmt.<\/p>\n<p>Jakob Fugger entstammte einer Augsburger Kaufmannsfamilie. Die Ankunft des Stammvaters der Familie wurde im Steuerbuch Augsburgs unter \u201eFucker advenit\u201c vermerkt. Im 15. Jahrhundert entstand nach und nach ein Fugger\u00b4sches Handelsnetzwerk aus Faktoreien. Die Kaufleute gr\u00fcndeten f\u00fcr ihr Textilunternehmen Faktoreien in Venedig, Bozen, Mailand, N\u00fcrnberg, Frankfurt, Br\u00fcgge und Antwerpen. Faktoreien waren ein multifunktioneller Mix aus Verkaufsfl\u00e4che, Finanzniederlassung, Pferdestation, Lagerhaus, Post- und Nachrichtenstelle und diplomatischer Vertretung. Dieses System war aus Norditalien \u00fcber die Alpen geschwappt. In der Region zwischen Florenz, Venedig und Mailand war eine fr\u00fche Form des Finanzkapitalismus entstanden. Das Bankwesen begann im Sp\u00e4tmittelalter hier seinen Siegeszug durch Europa. Kaufleute, die nicht Unmengen an Bargeld mit sich f\u00fchren wollten, ben\u00f6tigten sogenannte Wechsel, um ihre Transaktionen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. In den bedeutenden Handelsst\u00e4dten begannen sie deshalb Kontoreien aufzubauen. Auch in Innsbruck hatten italienische Finanzinstitute seit dem Hochmittelalter Niederlassungen.<\/p>\n<p>Jakob und seine Br\u00fcder handelten in guter Familientradition zuerst ebenfalls Baumwolle mit den wohlhabenden norditalienischen St\u00e4dten. In Venedig, dem Finanzzentrum des \u00f6stlichen Mittelmeerraumes, lernte Jakob Fugger die Kunst der doppelten Buchf\u00fchrung und die Feinheiten der fortschrittlichen italienischen Finanzwirtschaft kennen. Er erkannte, dass mit Geldgesch\u00e4ften und Krediten mehr zu verdienen war als mit Baumwolle. Die Monarchen und Aristokraten Europas finanzierten ihren Hofstaat und Kriege im Mittelalter \u00fcber den <em>Zehnten<\/em>. Diese Abgabe wurde von den Bauern innerhalb des Feudalsystems geleistet. Besonders die Kriegsf\u00fchrung war, angetrieben durch moderne Schusswaffen, im 15. Jahrhundert immer kostspieliger geworden. Deshalb reichte der Zehent oft nicht mehr aus. Die Legitimation als Stellvertreter Gottes auf Erden hatte f\u00fcr Monarchen bis hierher funktioniert, um 1500 begannen klingende M\u00fcnze und Zinsen in Form des Finanzkapitalismus langsam, aber sicher Gott als letztg\u00fcltige Instanz abzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Verbindung Jakob Fuggers mit dem Hause Habsburg und im Speziellen mit Tirol begann sich 1487 zu intensivieren. Der Tiroler Landesf\u00fcrst Siegmund unterlag in einer kriegerischen Auseinandersetzung der Republik Venedig. Um seine Schulden gegen\u00fcber der Mittelmeermacht in H\u00f6he von 100.000 Gulden zu bezahlen, lieh er sich Geld von den Fuggern. Daf\u00fcr stellte er Schuldscheine aus, die er durch die Verpf\u00e4ndung der Schwazer Silbermine an seine Kreditgeber deckte. Schwaz war vor der Erschlie\u00dfung der amerikanischen Silberminen die gr\u00f6\u00dfte der Welt. Die Fugger verkauften das Schwazer Silber an die M\u00fcnze Hall, deren Betreiber sie ebenfalls waren, und liehen diese M\u00fcnzen wiederum Herzog Siegmund. Ein Kreislauf der besonderen Art war geboren.<\/p>\n<p>Damit endete der politische Einfluss der Fugger auf die Weltpolitik aber nicht. Als 1490 die Tiroler Landst\u00e4nde Siegmund wegen seines desastr\u00f6sen Gesch\u00e4ftsgebarens absetzten, folgte ihm Maximilian I. als Landesf\u00fcrst Tirols nach. Fugger war klug genug auf den neuen Landesf\u00fcrsten zu setzen. Das Wort Kredit, zur\u00fcckgehend auf das lateinische <em>credere<\/em>, also glauben, zeigt sich in dieser Wahl. Fugger glaubte an einen m\u00e4chtigen Maximilian als sein bestes Asset. Er finanzierte 1493 die Wahl Maximilians zum Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches und sicherte sich damit seinen Einfluss und eine Erhebung in den Adelsstand. Fugger war es auch, der die Wiener Doppelhochzeit, Maximilians Meisterst\u00fcck der Heiratspolitik, sponsorte, womit Ungarn ein Teil des Habsburgerreiches wurde. Als Maximilian 1519 starb, wiederholte Fugger dies und lie\u00df \u00fcber seine Finanzkraft Maximilians Enkel Karl V. zum Kaiser w\u00e4hlen. Ein Kredit von 540.000 Gulden ging von den Fuggern an die Habsburger, um damit Werbe- und Bestechungsgelder zu begleichen. Karl V. r\u00e4umte Fugger daf\u00fcr Rechte an Bergwerken in Spanien und S\u00fcdamerika ein, auf denen Sklaven unter menschenverachtenden Bedingungen zu arbeiteten, um dieses Rad an Ausbeutung und Korruption am Laufen zu halten<\/p>\n<p>Gesch\u00e4tzte zwei Millionen Gulden an Krediten r\u00e4umten die Fugger den Habsburgern allein zwischen 1487 und 1525 ein. Ein Gulden entsprach 60 Kronen. Ein Tagel\u00f6hner verdiente zu dieser Zeit etwa 6 Kronen. Man h\u00e4tte mit dieser Summe knapp 55.000 Menschen f\u00fcr ein Jahr t\u00e4glich besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen. Ein gro\u00dfer Teil dieser Schulden wurde mit Nutzungsrechten an Tiroler Assets und erh\u00f6hten Steuern beglichen. Es wird gesch\u00e4tzt, dass das Finanzimperium Fuggers zum Zeitpunkt seines Todes etwa 50% des Staatshaushalt Tirols abwickelten und 10% der Verm\u00f6genswerte des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em> besa\u00dfen. Seine Beamten verwalteten Minen in Tirol, Tschechien, der Slowakei und Spanien, finanzierten Handelsexpeditionen in der gesamten damals bekannten Welt und zahlreiche Kriege in Europa. Manchem Historiker gilt Jakob Fugger als der reichste Mann der Weltgeschichte. Wie hoch sein Verm\u00f6gen war, ist schwer in heutige Ma\u00dfst\u00e4be umzurechnen. Als die FAZ 2016 einen Versuch unternahm, kam sie auf 300 Milliarden Dollar. Jakob Fugger war wie Maximilian I. gleichzeitig Machtmensch und gebildeter, frommer Katholik. Korruption, Ausbeutung, die Finanzierung von Kriegen und aus Gottesfurcht und Angst vor dem Fegefeuer die <em>Fuggerei<\/em>, die erste Sozialsiedlung der Welt in Augsburg, zu gr\u00fcnden, schloss sich nicht aus.<\/p>\n<p>In Innsbruck erinnern das Palais Fugger-Taxis sowie eine kleine Gasse zwischen Maria-Theresien-Stra\u00dfe und Landhausplatz an die Fugger. Auf die Art und Weise, wie die Kaufmannsdynastie zu Reichtum kam, wird nicht hingewiesen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65694&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck br\u00fcstet sich voll Stolz seiner vielen Titulierungen. Universit\u00e4tsstadt, \u00d6sterreichs Hauptstadt des Sportes oder Heimat des weltbesten Krankenhauses. Wirft man einen Blick auf die Liste der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber der Region oder in die Geschichte, ist Innsbruck vor allem eins: Beamtenstadt. Universit\u00e4t und Landeskrankenhaus sind die gr\u00f6\u00dften singul\u00e4ren Arbeitgeber. Rechnet man aber die \u00f6ffentlichen Bediensteten aller Ebenen, Stadt, Land und Bund zusammen und nimmt die ausgelagerten Unternehmen im Besitz der \u00f6ffentlichen Hand wie die \u00d6BB, TIWAG oder die Innsbrucker Kommunalbetriebe hinzu sowie Lehrer und Polizei, sind die Beamten klar in der \u00dcberzahl. Sp\u00e4testens seit der \u00dcbersiedlung der landesf\u00fcrstlichen Residenz unter Friedrich IV. machte die Beamtenschaft nicht nur einen betr\u00e4chtlichen quantitativen Teil der B\u00fcrgerschaft aus, sie bestimmt die Geschicke der Stadt in einflussreicher, wenn auch unauff\u00e4lliger Manier. Bis heute sind es Beamten, die den Laden am Laufen halten. Sie setzen Gesetze durch, k\u00fcmmern sich um die Planung und Instandhaltung von Infrastruktur, machen eifrig Aufzeichnungen \u00fcber die Bev\u00f6lkerung, um Steuern ein- und Soldaten auszuheben.<\/p>\n<p>Die erste nennenswerte B\u00fcrokratie kam wohl mit dem <em>Imperium Romanum<\/em>. Den R\u00f6mern folgten im fr\u00fchen Mittelalter die Br\u00fcder des Stiftes Wilten. Die schreibkundigen M\u00e4nner verwalteten nicht nur die herzoglichen und eigenen Besitzt\u00fcmer durch ihre Urbare und hoben die Abgaben bei den b\u00e4uerlichen Untertanen ein, sondern legten Taufmatrikel, Heiratsverzeichnisse und Sterbeb\u00fccher an. Die Feudalherrschaft erforderte zwar einen Panoramablick \u00fcber das, was sich innerhalb ihres Herrschaftsbereichs abspielte, vor allem in der Stadt war das Leben aber eher von den Beschr\u00e4nkungen der Z\u00fcnfte als von denen der Obrigkeit bestimmt. Ein Magistrat war nur oberfl\u00e4chlich vorhanden. Es gab Gesetze, aber keine Polizei, Steuern aber kein Finanzamt. St\u00e4dtische Infrastruktur war praktisch nicht vorhanden, schlie\u00dflich gab es weder flie\u00dfend Wasser, elektrischen Strom, Kanalisation, st\u00e4dtische Kindergarten, ein Arbeitsamt oder eine Krankenkasse. Die zur Stadt erhobene Gemeinde Innsbruck wurde lange von einem Stadtrichter, ab dem 14. Jahrhundert von einem B\u00fcrgermeister mit Gemeinderat regiert. Es handelte sich dabei nicht um hauptberufliche Beamte, sondern Mitglieder der st\u00e4dtischen Elite. Nur wenige Menschen wie Z\u00f6llner, Kornmesser, Schreiber oder Turmw\u00e4chter standem bei der Stadt unter Lohn und Brot.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurden Berufswelt und Gesellschaft differenzierter, die Heere gr\u00f6\u00dfer und die Steuerbelastungen h\u00f6her. Das traditionelle Gewohnheitsrecht wurde vom modernen, f\u00fcr Unkundige schwerer durchschaubaren R\u00f6mischen Recht abgel\u00f6st. Mit der Stadt wuchs auch der Beamtenapparat. Zwischen Anfang des 15. Jahrhunderts und der Regierung Leopolds V. war Innsbruck von einer Handels- und Transportsiedlung zu einer Beamtenstadt geworden. Von den circa 5500 Einwohnern geh\u00f6rte mehr als die H\u00e4lfte dem Hofstaat, der st\u00e4dtischen Beamtenschaft, der Universit\u00e4t oder dem Klerus an. Hofhaltung, Verwaltung, Zoll, Steuern, Fernhandel und Finanzwirtschaft ben\u00f6tigten schreibkundiges Personal. Die Verwaltung war, vor Handwerk, Transport und Gastronomie zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt geworden.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt kamen die B\u00fcrger mit diesen fremden Beamten nur in unangenehmen Situationen in Ber\u00fchrung. Besonders straff wurden die Z\u00fcgel von Maximilian I. angezogen. Seine zentral beschlossenen Gesetze wurden von den Reichskreisen lokal umgesetzt. Die besoldeten Beamten durchdrangen das Leben des Einzelnen in einer Art und Weise, die es im Mittelalter so nicht gab. Zu allem \u00dcbel kamen die Beamten oft aus dem Ausland. Besonders Italiener und Burgunder waren gefragte Schl\u00fcsselarbeitskr\u00e4fte, die aber mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung fremdelten. Nicht nur sprachen sie oft kein Deutsch, sie konnten lesen und schreiben, waren Angestellte und keine untert\u00e4nigen Landwirten. Sie hatten mehr Geld zur Verf\u00fcgung, kleideten sich anders, hatten andere Sitten und a\u00dfen andere Speisen. Anders als der Landesf\u00fcrst beriefen sie sich nicht auf Gott, sondern auf von Menschen geschriebene, von der Antike und der Vernunft inspirierte Regelwerke. Je nach Mode, Sitte und Moralvorstellung der Zeit, \u00e4nderten sich die Gesetze. So wie Naturschutz oder Tempolimits auf Autobahnen heute immer wieder zur Diskussion gestellt werden, obwohl sie Sinn machen, wurden damals Verbote von Ausspucken, Entsorgung des Nachttopfes, Holzbauten und Viehhaltung innerhalb der Stadtmauern kritisch gesehen, obwohl sie Hygiene und Sicherheit drastisch erh\u00f6hten.<\/p>\n<p>War es lange Sitte gewesen, dass B\u00fcrger sich in Abwesenheit des Regenten gewisse Freiheiten bei der Holzschl\u00e4gerung, dem Bauwesen, der Jagd und der Fischerei herausnahmen, war die B\u00fcrokratie immer anwesend. W\u00e4hrend der Landesf\u00fcrst als guter Vater seiner Untertanen gesehen wurde und Bisch\u00f6fe und \u00c4bte zwar strenge Grundherren waren, aber als Gegenleistung zumindest Seelenheil anbieten konnten, erschienen die neue Amtsgewalt anonym, abgehoben, gesichtslos, fremd und distanziert. Die Verhandlungsbasis, die man im direkten Kontakt als Untertan mit seinem Grundherrn hatte, wurde vom gnadenlosen Gesetz beerdigt, zumindest wenn man keine Bestechungsgelder bezahlen konnte oder niemand in h\u00f6herer Position kannte. Als der unbedingte Glaube an den immer korrupter werdenden Klerus zu br\u00f6ckeln begann und Ferdinand I. den Spanier Salamanca als obersten Finanzverwalter des Landes einsetzte, verwandelte sich das unterschwellige unzufriedene Brodeln 1525 in eine offene Rebellion. Die Untertanen forderten nicht die Absetzung des F\u00fcrsten, sondern eine Ver\u00e4nderung der Herrschaft des Klerus und der fremdl\u00e4ndischen Beamtenschaft. Auch im 17. Jahrhundert war es mit Wilhelm Biener der oberste Beamte des Landes, dessen Kopf rollte und nicht der des Landesherrn.<\/p>\n<p>Dabei barg die B\u00fcrokratie, die Herrschaft der Verwaltung, durchaus auch Vorteile f\u00fcr die Untertanen. Sie setzte fixe Regeln dort ein, wo oft Willk\u00fcr herrschte. Das \u00fcber unterschiedliche Territorien harmonisierte Gesetz war berechenbarer. Und man konnte mit etwas Gl\u00fcck und Talent auch ohne dem Adel anzugeh\u00f6ren sozial durch den Dienst f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand sozial aufsteigen. Michael Gaismair, einer der Anf\u00fchrer der Rebellion von 1525, war als Sohn eines Bergwerksunternehmers vor seiner Karriere als Revolution\u00e4r in Diensten des Landeshauptmanns gestanden.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Modernisierung der Verwaltung erfolgte im 18. Jahrhundert. Unter den aufgekl\u00e4rten, absolutistischen Monarchen Maria Theresia und Josef II. wehte ein neuer Wind bis hin zur Kommunalebene. Innsbruck erhielt erstmals eine Polizei. Die Stadtverwaltung wurde 1784 modernisiert. Anstelle des alten Stadtrats mit <em>Gemein<\/em> regierte nun ein von einem Rat, vor allem aber von Beamten unterst\u00fctzter B\u00fcrgermeister. Dieser Magistrat bestand aus besoldeten Experten, die zwar immer noch vorwiegend aus Mitgliedern des Kleinadels bestanden, sich nun aber durch Pr\u00fcfungen f\u00fcr die Aus\u00fcbung ihres Amtes qualifizieren mussten. Die B\u00fcrokratie erhielt auf operativer politischer Ebene mehr Macht. W\u00e4hrend der B\u00fcrgermeisterposten zeitlich begrenzt war, kamen Beamte in den Genuss einer lebenslangen, unk\u00fcndbaren Stellung. Diese Pragmatisierung und ein neuerlicher Schwall an neuen, oftmals den Traditionen widersprechenden Gesetzen, verst\u00e4rkten den Ruf der Beamten, abgehoben und b\u00fcrgerfern zu sein. Als mit der bayerischen Besetzung Tirols das Element des ausl\u00e4ndischen, noch dazu nach franz\u00f6sischem Vorbild, dazukam, brach 1809 erneut ein Aufstand aus. Die Massenaushebung junger M\u00e4nner f\u00fcr den Milit\u00e4rdienst, eine Reglementierung des religi\u00f6sen Lebens und eine Impfpflicht, durchgesetzt von bayerischen Beamten, war zu viel f\u00fcr die Tiroler Seelenlandschaft.<\/p>\n<p>Nach 1809 hielt die B\u00fcrokratie im Rahmen der Industrialisierung und neuen Technologien in immer mehr Lebensbereichen Einzug. Nicht nur das Staatswesen \u00fcber Steuern und Milit\u00e4r, auch Universit\u00e4t, Schulen, Bauwesen, Eisenbahn, Post und Institutionen wie die Kammer f\u00fcr Handel und Gewerbe bedurften Verwaltungsmitarbeitern. Die Stadt wuchs was Einwohner und Unternehmen anbelangte. Neue Infrastruktur wie Gas, Kanalisation und Elektrizit\u00e4t und neue Vorstellungen was Hygiene, Lebensmittelkontrolle, Gesundheit und Bildung anbelangte, verlangten nach neuen Mitarbeitern im Stadtmagistrat. Das alte Rathaus in der Altstadt wurde zu klein. Eine angedachte Erweiterung erwies sich als unm\u00f6glich. 1897 \u00fcbersiedelten die Beamten in das neue Rathaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Erm\u00f6glicht wurde der Umzug durch die gro\u00dfz\u00fcgige Schenkung des Industriellen und Hoteliers Leonhard Lang. Er hatte aus dem ehemaligen Palais K\u00fcnigl das <em>Hotel d\u00b4Autriche<\/em> gemacht, bevor der B\u00fcrgermeister und seine Entourage Einzug hielten.<\/p>\n<p>Als 1918 die Monarchie zusammenbrach, war der \u00dcbergang nicht nahtlos, dank der Strukturen verlief er aber unvorstellbar glatt. Es war aber nicht mehr der Kaiser, der die Last des Staates trug, sondern eine Heerschar an Staatsbediensteten und H\u00fctern der Ordnung, die f\u00fcr Wasser, Strom und ein funktionierendes Eisenbahnnetz sorgten. Mit Eduard Klingler und Theodor Prachensky hinterlie\u00dfen zwei Bauamtsleiter in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ihre bis heute gut sichtbaren Spuren im Innsbrucker Stadtbild. Die Republik \u00fcbernahm mit Agenden wie dem \u00f6ffentlichen Wohnbau, dem Arbeitsamt, dem Bildungswesen, der st\u00e4dtischen Infrastruktur, Stra\u00dfenbau, \u00f6ffentlichem Verkehr bis hin zu Meldewesen und Hochzeit mehr oder minder alle Aufgaben des t\u00e4glichen Lebens von Monarchie und Kirche. Wer sich also beim n\u00e4chsten Besuch im Neuen Rathaus \u00fcber \u00fcberbordendes Beamtentum und qu\u00e4lend langsame B\u00fcrokratie \u00e4rgert, dem sei in Erinnerung gerufen, dass der Wohlfahrtsstaat in Person seiner Staatsdiener von der Wiege bis zur Bahre das soziale Auskommen und \u00f6ffentliche Infrastruktur Tausender Menschen meist unbemerkt managet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53389&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Werke der Familie Gumpp bestimmen bis heute sehr stark das Aussehen Innsbrucks. Vor allem die barocken Teile der Stadt sind auf sie zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Begr\u00fcnder der Dynastie in Tirol, Christoph Gumpp (1600-1672) war eigentlich Tischler. Sein Talent allerdings hatte ihn f\u00fcr h\u00f6here Weihen auserkoren. Den Beruf des Architekten oder K\u00fcnstler gab es zu dieser Zeit noch nicht, selbst Michelangelo und Leonardo da Vinci galten als Handwerker. Der geb\u00fcrtige Schwabe Gumpp trat nach seiner Mitarbeit an der Dreifaltigkeitskirche in die Fu\u00dfstapfen der italienischen Baumeister, die unter Ferdinand II den Ton angegeben hatten. Auf Gehei\u00df Leopolds V. reiste Gumpp nach Italien, um dort Theaterbauten zu studieren und bei den zeitgen\u00f6ssisch stilbildenden Kollegen sein Know-How f\u00fcr das geplante landesf\u00fcrstliche <em>Comedihaus<\/em> aufzupolieren.<\/p>\n<p>Seine offizielle T\u00e4tigkeit als Hofbaumeister begann 1633.\u00a0Neue Zeiten bedurften eines neuen Designs, abseits des architektonisch von der Gotik gepr\u00e4gten Mittelalters und den Schrecken des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. \u00dcber die folgenden Jahrzehnte wurde Innsbruck unter der Regentschaft Claudia de Medicis einer kompletten Renovierung unterzogen. Gumpp vererbte seinen Titel an die n\u00e4chsten beiden Generationen innerhalb der Familie weiter. Die Gumpps traten nicht nur als Baumeister in Erscheinung. Sie waren Tischler, Maler, Kupferstecher und Architekten, was ihnen erlaubte, \u00e4hnlich der Bewegung der <em>Tiroler Moderne<\/em> rund um Franz Baumann und Clemens Holzmeister Anfang des 20. Jahrhunderts, Projekte ganzheitlich umzusetzen. Auch bei der Errichtung der Schanzwerke zur Landesverteidigung w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges waren sie als Planer beteiligt.<\/p>\n<p>Christoph Gumpps Meisterst\u00fcck aber war die Errichtung des <em>Comedihaus<\/em> im ehemaligen Ballhaus. Die \u00fcberdimensionierten Ma\u00dfe des damals richtungsweisenden Theaters, das in Europa zu den ersten seiner Art \u00fcberhaupt geh\u00f6rte, erlaubte nicht nur die Auff\u00fchrung von Theaterst\u00fccken, sondern auch Wasserspiele mit echten Schiffen und aufw\u00e4ndige Pferdeballettauff\u00fchrungen. Das Comedihaus war ein Gesamtkunstwerk an und f\u00fcr sich, das in seiner damaligen Bedeutung wohl mit dem Festspielhaus in Bayreuth des 19. Jahrhunderts oder der Elbphilharmonie heute verglichen werden muss.<\/p>\n<p>Seine Nachfahren Johann Martin Gumpp der \u00c4ltere, Georg Anton Gumpp und Johann Martin Gumpp der J\u00fcngere waren f\u00fcr viele der bis heute pr\u00e4gendsten Geb\u00e4ude im Stadtbild zust\u00e4ndig. So stammen die Wiltener Stiftskirche, die Mariahilfkirche, die Johanneskirche und die Spitalskirche von den Gumpps. Neben dem Entwurf von Kirchen und ihrer Arbeit als Hofbaumeister machten sie sich auch als Planer von Profanbauten einen Namen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user und Stadtpal\u00e4ste Innsbrucks wie das Taxispalais oder das Alte Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden von Ihnen entworfen. Mit dem Verlust des Status als Residenzstadt gingen die prunkvollen Gro\u00dfauftr\u00e4ge zur\u00fcck und damit auch der Ruhm der Familie Gumpp. Ihr ehemaliges Wohnhaus beherbergt heute die Konditorei Munding in der Altstadt. Im Stadtteil Pradl erinnert die Gumppstra\u00dfe an die Innsbrucker Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53500&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer in \u00d6sterreich unterwegs ist, kennt die Kuppen und Zwiebelt\u00fcrme der Kirchen in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Diese Form der Kircht\u00fcrme entstand in der Zeit der Gegenreformation und ist ein typisches Kennzeichen des Architekturstils Barock. Auch in Innsbrucks Stadtbild sind sie vorherrschend. Die bekanntesten Gottesh\u00e4user Innsbrucks wie der Dom, die Johanneskirche oder die Jesuitenkirche, sind im Stile des Barocks gehalten. Prachtvoll und prunkvoll sollten Gottesh\u00e4user sein, ein Symbol des Sieges des rechten Glaubens. Die Religiosit\u00e4t spiegelte sich in Kunst und Kultur wider: Gro\u00dfes Drama, Pathos, Leiden, Glanz und Herrlichkeit vereinten sich zum Barock, der den gesamten katholisch orientierten Einflussbereich der Habsburger und ihrer Verb\u00fcndeten zwischen Spanien und Ungarn nachhaltig pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4nderte sich enorm. Die Gumpps und Johann Georg Fischer als Baumeister sowie die Bilder Franz Altmutters pr\u00e4gen Innsbruck bis heute nachhaltig. Das Alte Landhaus in der Altstadt, das Neue Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die unz\u00e4hligen Palazzi, Bilder, Figuren \u2013 der Barock war im 17. und 18. Jahrhundert das stilbildende Element des Hauses Habsburg und brannte sich in den Alltag ein. Das B\u00fcrgertum wollte den Adeligen und F\u00fcrsten nicht nachstehen und lie\u00dfen ihre Privath\u00e4user im Stile des Barocks errichten. Auf Bauernh\u00e4usern prangen Heiligenbilder, Darstellungen der Mutter Gottes und des Herzen Jesu.<\/p>\n<p>Barock war nicht nur eine architektonische Stilrichtung, es war ein Lebensgef\u00fchl, das seinen Ausgang nach dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges nahm. Die T\u00fcrkengefahr aus dem Osten, die in der zweimaligen Belagerung Wiens gipfelte, bestimmte die Au\u00dfenpolitik des Reiches, w\u00e4hrend die Reformation die Innenpolitik dominierte. Die Barockkultur war ein zentrales Element des Katholizismus und der politischen Darstellung derselben in der \u00d6ffentlichkeit, das Gegenmodell zum spr\u00f6den und strengen Lebensentwurf Calvins und Luthers. Feiertage mit christlichem Hintergrund wurden eingef\u00fchrt, um den Alltag der Menschen aufzuhellen. Architektur, Musik und Malerei waren reich, f\u00fcllig und \u00fcppig. In Theaterh\u00e4usern wie dem <em>Comedihaus<\/em> in Innsbruck wurden Dramen mit religi\u00f6sem Hintergrund aufgef\u00fchrt. Kreuzwege mit Kapellen und Darstellungen des gekreuzigten Jesus durchzogen die Landschaft. Die Volksfr\u00f6mmigkeit in Form der Wallfahrten, Marien- und Heiligenverehrung hielt Einzug in den Kirchenalltag. Multiple Krisen pr\u00e4gten den Alltag der Menschen. Neben Krieg und Hunger brach die Pest im 17. Jahrhundert besonders h\u00e4ufig aus. Die<em> Barockfr\u00f6mmigkeit<\/em> wurde auch zur Erziehung der Untertanen eingesetzt. Auch wenn der Ablasshandel in der Zeit nach dem 16. Jahrhundert keine g\u00e4ngige Praxis mehr in der katholischen Kirche war, so gab es doch noch eine rege Vorstellung von Himmel und H\u00f6lle. Durch ein tugendhaftes Leben, sprich ein Leben im Einklang mit katholischen Werten und gutem Verhalten als Untertan gegen\u00fcber der g\u00f6ttlichen Ordnung, konnte man dem Paradies einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommen. Die sogenannte <em>Christliche Erbauungsliteratur<\/em> war nach der Schulreformation des 18. Jahrhunderts in der Bev\u00f6lkerung beliebt und zeigte vor, wie das Leben zu f\u00fchren war. Das Leiden des Gekreuzigten f\u00fcr die Menschheit galt als Symbol f\u00fcr die M\u00fchsal der Untertanen auf Erden innerhalb des Feudalsystems. Mit Votivbildern baten Menschen um Beistand in schweren Zeiten oder bedankten sich vor allem bei der Mutter Gottes f\u00fcr \u00fcberstandene Gefahren und Krankheiten.<\/p>\n<p>Der Historiker Ernst Hanisch beschrieb den Barock und den Einfluss, den er auf die \u00f6sterreichische Lebensart hatte, so:<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich entstand in seiner modernen Form als Kreuzzugsimperialismus gegen die T\u00fcrken und im Inneren gegen die Reformatoren. Das brachte B\u00fcrokratie und Milit\u00e4r, im \u00c4u\u00dferen aber Multiethnien. Staat und Kirche probierten den intimen Lebensbereich der B\u00fcrger zu kontrollieren. Jeder musste sich durch den Beichtstuhl reformieren, die Sexualit\u00e4t wurde eingeschr\u00e4nkt, die normengerechte Sexualit\u00e4t wurden erzwungen. Menschen wurden systematisch zum Heucheln angeleitet.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Rituale und das untert\u00e4nige Verhalten gegen\u00fcber der Obrigkeit hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Alltagskultur, die katholische L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und Italien bis heute von protestantisch gepr\u00e4gten Regionen wie Deutschland, England oder Skandinavien unterscheiden. Die Leidenschaft f\u00fcr akademische Titel der \u00d6sterreicher hat ihren Ursprung in den barocken Hierarchien. Der Ausdruck <em>Barockf\u00fcrst<\/em> bezeichnet einen besonders patriarchal-g\u00f6nnerhaften Politiker, der mit gro\u00dfen Gesten sein Publikum zu becircen wei\u00df. W\u00e4hrend man in Deutschland politische Sachlichkeit sch\u00e4tzt, ist der Stil von \u00f6sterreichischen Politikern theatralisch, ganz nach dem \u00f6sterreichischen Bonmot des \u201e<em>Schaumamal<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria-Theresienstrasse 45 \/ 43<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":68078,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[16,162,38,15,72,71],"tags":[],"class_list":["post-53678","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-barock","category-burokraten-und-beamtenstadt-innsbruck","category-die-baumeister-gumpp-und-die-barockisierung-innsbrucks","category-innenstadt-2","category-jakob-fugger-der-reichste-mann-der-geschichte","category-thurn-und-taxis-und-die-erfindung-der-post"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53678\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68078"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}