{"id":53852,"date":"2024-04-24T08:41:20","date_gmt":"2024-04-24T08:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53852"},"modified":"2026-01-26T09:00:56","modified_gmt":"2026-01-26T09:00:56","slug":"gasthaus-elephant-gasthof-zur-eiche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/gasthaus-elephant-gasthof-zur-eiche\/","title":{"rendered":"Gasthaus Elephant &amp; Gasthof zur Eiche"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Gasthaus Elephant &amp; Gasthof zur Eiche<\/h2>\n<p>Innstra\u00dfe 85 \/ 87<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66160,55818&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Gasthaus Elephant &#038; Gasthof zur Eiche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59241&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Viele historische Innsbrucker Gastwirtschaften tragen die Namen alpiner Tiere. Das <em>Vier-Viecher-Eck<\/em> in der Altstadt beherbergt einige davon. Weitere Adler, graue und schwarze B\u00e4ren oder L\u00e4mmer belegen die die Affinit\u00e4t zur Fauna der heimischen Wirte. Wie aber kam es, dass in Innsbruck ein Gasthaus den Namen <em>Elephant<\/em> verpasst bekam? Verantwortlich waren die weitreichenden dynastischen Verbindungen der Herrscherfamilie Habsburg. Im Jahr 1551 beschloss die nach Portugal verheiratete Erzherzogin Johanna von \u00d6sterreich ihrem Schwager, dem sp\u00e4teren Kaiser Maximilian II., ein kostbares Geschenk zu machen. Portugal war zu dieser Zeit die f\u00fchrende Handels- und Seemacht Europas. 1494, kurz nach der europ\u00e4ischen Entdeckung der <em>Neuen Welt<\/em> teilten sich Portugal und das aufstrebende Spanien die neu entdeckte Welt mit dem Segen der Kirche auf. Mit dem Papst als Schiedsrichter wurde ein Gro\u00dfteil der au\u00dfereurop\u00e4ischen damals bekannten Welt im <em>Vertrag von Tordesillas<\/em> aufgeteilt. Zum Besitz des portugiesischen K\u00f6nigreichs geh\u00f6rten damit Teile der afrikanischen K\u00fcste. Das Geschenk an den Kaiser, das den Reichtum und die Macht Portugals bezeugen sollte, war ein Elefant namens Soliman. Sein neues Herrchen Maximilian und dessen Entourage machten sich mit Soliman im Gep\u00e4ck nach dem Besuch der habsburgischen Verwandten in Portugal von Valladolid aus auf den langen Weg in die Heimat nach Wien. \u00dcber Barcelona, Genua, Trient und Bozen erreichte der Tross Innsbruck. Von hier aus ging es \u00fcber den Inn weiter Richtung Osten. Aus Innsbruck gibt es schriftliche Augenzeugenberichte von ungl\u00e4ubigen Zeitgenossen, die das exotische Tier bestaunten. Maximilians Tross \u00fcbernachtete in Innsbruck am Dreik\u00f6nigstag 1552 in einem Gasthaus in <em>Anpruggen<\/em>, der heutigen Innstra\u00dfe 87. Seit 1661 nannte sich diese Wirtschaft nach dem bis dato unbekannten exotischen Tier. Nicht nur in Innsbruck, auch in Auer bei Bozen und Brixen in S\u00fcdtirol nannten sich Gastst\u00e4tten nach dem durchreisenden Elefanten. Auf dem Linzer Hauptplatz tr\u00e4gt ein Geb\u00e4ude am Hauptplatz der Stadt ein Relief mit einem Elefanten. Knapp 300 Jahre sp\u00e4ter wurde das Beisl in St. Nikolaus im Vorm\u00e4rz zum Treffpunkt der Innsbrucker Arbeiterschaft. Die metternich\u00b4sche Geheimpolizei \u00fcberwachte, wer dort ein- und ausging, bef\u00fcrchtete man unter den Handwerkern doch ganz besonders das Kursieren republikanischer, sozialistischer, anarchistischer oder gar kommunistischer Ideen, die aus dem benachbarten Ausland, besonders Italien, Frankreich und der Schweiz einsickerten. 1910 schloss das <em>Gasthaus Elefant<\/em> in Innsbruck seine Pforten. Heute ist das bauf\u00e4llige Geb\u00e4ude in St. Nikolaus nur mehr ein unauff\u00e4lliger Zeuge einer bemerkenswerten Geschichte.<\/p>\n<p>Weniger spektakul\u00e4r was die namensgebende Geschichte des Hauses betrifft, daf\u00fcr sch\u00f6ner anzusehen ist der <em>Gasthof zur Eiche<\/em> im Nachbargeb\u00e4ude, besonders der Eingangsbereich. Der Torbogen wird typisch f\u00fcr die Renaissancezeit des 16. Jahrhunderts von der Antike nachempfundenen S\u00e4ulen flankiert. Im oberen Bereich finden sich fantasievolle Delphine wieder. Nikolaus T\u00fcring der J\u00fcngere war der Baumeister des mittlerweile denkmalgesch\u00fctzten Hauses, das mindestens seit 1640 als Gastwirtschaft betrieben wurde. Die Obergeschosse gehen auf die Umbauarbeiten im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert zur\u00fcck, als der Innsbrucker Gastronom, Brauereibetreiber und Besitzer des Schlosses B\u00fcchsenhausen Robert Nissl die <em>Eiche<\/em> aufstocken lie\u00df.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Baumeisterdynastie T\u00fcring: Innsbruck wird Weltstadt&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53495&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><em>Siegmund der M\u00fcnzreiche<\/em> war es, der im 15. Jahrhundert Niklas T\u00fcring (1427 \u2013 1496) nach Innsbruck holte. 1488 trat er erstmals nachweislich in Erscheinung. Die T\u00fcrings waren eine Steinmetz- und Baumeisterfamilie aus dem heutigen Schwaben, das damals als Teil Vorder\u00f6sterreich zur Habsburgermonarchie geh\u00f6rte. Innsbruck war seit einigen Jahrzehnten Residenzstadt der Tiroler Landesf\u00fcrsten, der architektonische Glanz war aber noch nicht n\u00f6rdlich der Alpen angekommen. Die Stadt war eine Ansammlung von Holzh\u00e4usern und wenig repr\u00e4sentativ. F\u00fcr Handwerker und Baumeister brachen goldene Zeiten an, die unter Maximilian nochmals mehr an Fahrt aufnehmen sollte. Es kam zu einem wahren Bauboom. Aristokraten wollten einen Wohnsitz in der Stadt haben, um m\u00f6glichst nahe am Zentrum der Macht zu sein. Die Politik spielte sich in der Zeit vor Presse, funktionierendem Postwesen, Fax und E-Mail vor allem im direkten Kontakt ab.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings machten Karriere im Gleichschritt mit der Stadt. Aus dem Jahr 1497 wird berichtet, dass Niklas T\u00fcring als \u201ebesoldeter Hofmaurer\u201c in den Diensten des Landesf\u00fcrsten stand. Als er 1517 oder 1518 verstarb, so genau wei\u00df man das nicht, wurde er auf seinem Grabstein als \u201e<em>r\u00f6misch kaiserlicher Majest\u00e4t oberster Werkmeister<\/em>\u201c tituliert. Gemeinsam mit seinem Sohn Gregor wurde er als Steinmetzmeister gef\u00fchrt. Das erm\u00f6glichte den T\u00fcrings das B\u00fcrgerrecht in Innsbruck zu erwerben. Sp\u00e4testens 1506 hatten sie ein Haus im Arbeiter- und Handwerkerviertel <em>Anbruggen<\/em>. 1509 konnten sie das Haus des heutigen Gasthofs zum Lamm in der Mariahilfstra\u00dfe erwerben. Weiterer Immobilienbesitz kam in der heutigen Schlossergasse 21 hinzo.<\/p>\n<p>Die fr\u00fche Gotik und sp\u00e4ter die Renaissance hatte im Lauf des Sp\u00e4tmittelalters Europa mit einem neuen Verst\u00e4ndnis von Architektur und \u00c4sthetik in ein neues architektonisches Gewand getaucht. Bauten wie <em>Notre Dame<\/em> oder der <em>Minster of York<\/em> setzten den Trend, der ganz Europa bis zum Einsetzen des Barocks pr\u00e4gen sollte. Spitze T\u00fcrme, Rippengew\u00f6lbe, Erker und verspielte Schnitzereien, die den h\u00f6fischen Alltag darstellen sind einige typische Merkmale, die den heterogenen Stil erkennbar machen. Vor allem in der Altstadt kann man das Wirken der T\u00fcrings gut nachverfolgen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user wie das <em>Trautsonhaus<\/em> weisen heute noch gotische Grundrisse, Innenh\u00f6fe und Schnitzereien auf.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrings pr\u00e4gten das gotische Innsbruck in der \u00dcbergangszeit zwischen Mittelalter und Fr\u00fcher Neuzeit. Durch ihre Ausbildung kombinierten sie einen Blick f\u00fcr das Gro\u00dfe Ganze und Details in ihren Bauprojekten. Sie waren bekannt f\u00fcr ihre besonders feine Steinarbeit, die kunstvolle Portale, Lauben, Treppen und Gew\u00f6lbe erm\u00f6glichte. Sie fertigten Reliefschmuck mit Mustern in der typischen Art der Renaissancekunst an. Grotesken, Vasen und Tierdarstellungen geh\u00f6rten zur typischen Art, Erker und glatte W\u00e4nde zu verzieren. Die symmetrische Anordnung der einzelnen Elemente ist ebenfalls ein Merkmal der Zeit.<\/p>\n<p>Auf Niklas T\u00fcring geht das <em>Goldene Dachl<\/em> zu einem guten Teil zur\u00fcck. Er schuf auch die Statue des <em>Burgriesen Haidl<\/em>, eines besonders gro\u00dfen Mitglieds der Leibgarde Siegmunds, die heute im Stadtturm zu besichtigen ist. Kaiser Maximilian sch\u00e4tzte ihn derart hoch ein, dass er es ihm gestattete das Familienwappen der T\u00fcrings und seiner Frau, einen Brunnen und einen Fisch, im Gew\u00f6lbe des <em>Goldenen Dachls<\/em> zu verewigen. Sein Sohn Gregor verewigte sich unter anderem mit dem <em>Trautsonhaus<\/em> in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe und am <em>Burgriesenhaus<\/em> in der Domgasse. Der letzte der T\u00fcrings mit Einfluss auf die Innsbrucker Bauszene war Niklas T\u00fcring der J\u00fcngere, der mit Andrea Crivelli gemeinsam die Planungen an der Hofkirche begann. Im 16. und 17. Jahrhundert begann der Einfluss der Gotik vor allem im heutigen \u00d6sterreich nachzulassen. Vor allem Kirchen wurden im Rahmen der Gegenreformation zunehmend im Barockstil um- und neugebaut. In Innsbrucks Osten erinnert heute die T\u00fcringstra\u00dfe an die fr\u00fchneuzeitliche Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und das Haus Habsburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53484&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbrucks Innenstadt wird heute von Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern gepr\u00e4gt, die an die Familie Habsburg erinnern. Die Habsburger waren \u00fcber viele Jahrhunderte ein europ\u00e4isches Herrscherhaus, zu dessen Einflussbereich verschiedenste Territorien geh\u00f6rten. Am Zenit ihrer Macht waren sie die Herrscher \u00fcber ein \u201e<em>Reich, in dem die Sonne nie untergeht<\/em>\u201c. Durch Kriege und geschickte Heirats- und Machtpolitik sa\u00dfen sie in verschiedenen Epochen an den Schalthebeln der Macht zwischen S\u00fcdamerika und der Ukraine. Innsbruck war immer wieder Schicksalsort dieser Herrscherdynastie. Besonders intensiv war das Verh\u00e4ltnis zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert. Durch die strategisch g\u00fcnstige Lage zwischen den italienischen St\u00e4dten und deutschen Zentren wie Augsburg und Regensburg kam Innsbruck sp\u00e4testens nach der Erhebung zur Residenzstadt unter Kaiser Maximilian ein besonderer Platz im Reich zu.<\/p>\n<p>Tirol war Provinz und als konservativer Landstrich der Dynastie meist zugetan. Brav feierte man auch nach der Zeit als Residenzstadt die Geburt neuer Kinder der Herrscherfamilie mit Paraden und Prozessionen, trauerte bei Todesf\u00e4llen in Gedenkmessen und verewigte Erzherz\u00f6ge, K\u00f6nige und Kaiser im \u00f6ffentlichen Raum mit Statuen und Bildern. Auch die Habsburger sch\u00e4tzten die Nibelungentreue ihrer alpinen Untertanen. Der Jesuit Hartmann Grisar schrieb im 19. Jahrhundert folgendes \u00fcber die Feierlichkeiten anl\u00e4sslich der Geburt Erzherzog Leopolds im Jahr 1716:<\/p>\n<p><em>\u201eWelch imposanter Anblick aber, als bei hereinbrechender Nacht der Abt von Wilten vor der durch das Blut des Landes eingeweihten Annas\u00e4ule, umgeben von den Studentenreihen und dem dichtgedr\u00e4ngten Volke, die religi\u00f6se Schlu\u00dffunktion abhielt; als da bei dem Scheine von Tausenden brennender Lichter und Fackeln die ganze Stadt zugleich mit der studirenden Jugend, der Hoffnung des Landes, den Himmel um Segen f\u00fcr den neugeborenen ersten Sohn des Kaisers anflehte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Die schwer zug\u00e4ngliche Lage machte es zum perfekten Fluchtort in unruhigen und krisenhaften Zeiten. Karl V. (1500 \u2013 1558) floh w\u00e4hrend einer Auseinandersetzung mit dem protestantischen <em>Schmalkaldischen Bund<\/em> f\u00fcr einige Zeit nach Innsbruck. Ferdinand I. (1793 \u2013 1875) lie\u00df seine Familie fern der osmanischen Bedrohung im Osten \u00d6sterreichs in Innsbruck verweilen. \u00a0Franz Josef I. genoss kurz vor seiner Kr\u00f6nung im turbulenten Sommer der Revolution 1848 gemeinsam mit seinem Bruder Maximilian, der sp\u00e4ter als Kaiser von Mexiko von Aufst\u00e4ndischen Nationalisten erschossen wurde, die Abgeschiedenheit Innsbrucks. Eine Tafel am Alpengasthof Heiligwasser \u00fcber Igls erinnert daran, dass der Monarch hier im Rahmen seiner Besteigung des Patscherkofels n\u00e4chtigte. Einige der Tiroler Landesf\u00fcrsten aus dem Haus Habsburg hatten weder eine besondere Beziehung zu Tirol noch brachten sie diesem deutschen Land besondere Zuneigung entgegen. Ferdinand I. (1503 \u2013 1564) wurde am spanischen Hof erzogen. Maximilians Enkel Karl V. war in Burgund aufgewachsen. Als er mit 17 Jahren zum ersten Mal spanischen Boden betrat, um das Erbe seiner Mutter Johanna \u00fcber die Reiche Kastilien und Aragorn anzutreten, sprach er kein Wort spanisch. Als er 1519 zum Deutschen Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sprach er kein Wort Deutsch.<\/p>\n<p>Es waren auch nicht alle Habsburger gl\u00fccklich in Innsbruck sein zu \u201ed\u00fcrfen\u201c. Angeheiratete Prinzen und Prinzessinnen wie Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza oder Ferdinand II. zweite Frau Anna Caterina Gonzaga strandeten ungefragt nach der Hochzeit in der rauen, deutschsprachigen Bergwelt. Stellt man sich zudem vor, was ein Umzug samt Heirat von Italien nach Tirol zu einem fremden Mann f\u00fcr einen Teenager bedeutet, kann man erahnen, wie schwer das Leben der Prinzessinnen war. Kinder der Aristokratie wurden bis ins 20. Jahrhundert vor allem dazu erzogen, politisch verheiratet zu werden. Widerspruch dagegen gab es keinen. Man mag sich das h\u00f6fische Leben als prunkvoll vorstellen, Privatsph\u00e4re war in all dem Luxus nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Seine habsburgische Bl\u00fctezeit erlebte Innsbruck, als die Stadt Hauptresidenz der Tiroler Landesf\u00fcrsten war. Ferdinand II., Maximilian III. und Leopold V. pr\u00e4gten mit ihren Gattinnen die Stadt w\u00e4hrend ihrer Regentschaft. Als Sigismund Franz von Habsburg (1630 \u2013 1665) als letzter Landesf\u00fcrst kinderlos starb, war auch der Titel der Residenzstadt Geschichte und Tirol wurde von einem Statthalter regiert. Der Tiroler Bergbau hatte an Wichtigkeit eingeb\u00fc\u00dft und bedurfte keiner gesonderten Aufmerksamkeit. Kurz darauf verloren die Habsburger mit Spanien und Burgund ihre Besitzungen in Westeuropa, was Innsbruck vom Zentrum an den Rand des Imperiums r\u00fcckte. In der K.u.K. Monarchie des 19. Jahrhunderts war Innsbruck der westliche Au\u00dfenposten eines Riesenreiches, das sich bis in die heutige Ukraine erstreckte. Franz Josef I. (1830 \u2013 1916) herrschte zwischen 1848 und 1916 \u00fcber ein multiethnisches Vielv\u00f6lkerreich. Sein neoabsolutistisches Herrschaftsverst\u00e4ndnis allerdings war aus der Zeit gefallen. \u00d6sterreich hatte seit 1867 zwar ein Parlament und eine Verfassung, der Kaiser betrachtete diese Regierung allerdings als \u201eseine\u201c. Minister waren dem Kaiser gegen\u00fcber verantwortlich, der \u00fcber der Regierung stand. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zerbrach das marode Reich. Am 28. Oktober 1918 wurde die Republik Tschechoslowakei ausgerufen, am 29. Oktober verabschiedeten sich Kroaten, Slowenen und Serben aus der Monarchie. Der letzte Kaiser Karl dankte am 11. November ab.\u00a0 Am 12. November erkl\u00e4rte sich \u201e<em>Deutsch\u00f6sterreich zur demokratischen Republik, in der alle Gewalt vom Volke ausgeht\u201c<\/em>. Das Kapitel der Habsburger war beendet.<\/p>\n<p>Bei allen nationalen, wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Problemen, die es in den Vielv\u00f6lkerstaaten gab, die in verschiedenen Kompositionen und Auspr\u00e4gungen den Habsburgern unterstanden, die nachfolgenden Nationalstaaten schafften es teilweise wesentlich schlechter die Interessen von Minderheiten und kulturellen Unterschiede innerhalb ihres Territoriums unter einen Hut zu bringen. Seit der EU-Osterweiterung wird die Habsburgermonarchie von einigen wohlmeinenden Historikern als ein vormoderner Vorg\u00e4nger der Europ\u00e4ischen Union gesehen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche pr\u00e4gten die Habsburger den \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber Architektur, Kunst und Kultur. <em>Goldenes Dachl<\/em>, Hofburg, die Triumphpforte, Schloss Ambras, der Leopoldsbrunnen und viele weitere Bauwerke erinnern bis heute an die Pr\u00e4senz der wohl bedeutendsten Herrscherdynastie der europ\u00e4ischen Geschichte in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Romantik, sonnenlose Sommer und Entschuldigungskarten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Romantik, sonnenlose Sommer und Entschuldigungskarten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;60950&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Dank der Universit\u00e4t, ihrer Professoren und den jungen Menschen, die sie anzog und produzierte, schnupperte auch Innsbruck im 18. Jahrhundert in der \u00c4ra Maria Theresias die Morgenluft der Aufkl\u00e4rung, wenn auch schaumgebremst von der jesuitischen Fakult\u00e4tsleitung. 1741 gr\u00fcndete sich mit der <em>Societas Academica Litteraria<\/em> im Taxispalais ein Gelehrtenzirkel. 1777 begr\u00fcndete sich die Freimaurerloge <em>Zu den drei Bergen<\/em>, vier Jahre sp\u00e4ter die Tirolische Gesellschaft f\u00fcr K\u00fcnste und Wissenschaft. Der Geist der Vernunft in der Zeit Maria Theresias und Kaiser Josefs hielt auch in Innsbrucks Elite Einzug. Angestachelt von der Franz\u00f6sischen Revolution bekannten sich einige Studenten gar zu den Jakobinern. Unter Kaiser Franz wurden all diese Vereinigungen nach der Kriegserkl\u00e4rung an Frankreich 1794 verboten und streng \u00fcberwacht. Aufkl\u00e4rerische Ideen waren bereits vor der Franz\u00f6sischen Revolution in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung verp\u00f6nt. Sp\u00e4testens nach der Enthauptung von Marie Antoinette, der Schwester des Kaisers, und dem Kriegsausbruch zwischen der Republik Frankreich und den Monarchien Europas, galten sie als gef\u00e4hrlich. Wer wollte schon als Jakobiner gelten, wenn es darum ging, die Heimat zu verteidigen?<\/p>\n<p>Nach den Napoleonischen Kriegen begann Innsbruck nur langsam sich zu erholen, sowohl wirtschaftlich wie auch gedanklich. Der wohl bekannteste Schriftsteller der \u00f6sterreichischen Romantik Adalbert Stifter (1805 -1868) beschrieb das Innsbruck der 1830er in seinem Reisebericht <em>Tirol und Vorarlberg<\/em> folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Wirtsh\u00e4user waren schlecht, die Pflaster erb\u00e4rmlich, lange Dachrinnen \u00fcberragten die engen Stra\u00dfen, die von beiden Seiten von dumpfen Gew\u00f6lben eingefasst waren\u2026 die sch\u00f6nen Ufer des Inns waren ungepflastert, daf\u00fcr aber mit Kehrichthaufen bedeckt und von Kloaken durchzogen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die kleine Stadt am Rande des Kaiserreiches hatte etwas mehr als 12.000 Einwohner, <em>\u201eohne die Soldaten, Studenten und Fremden zu rechnen\u201c<\/em>. Universit\u00e4t, Gymnasium, <em>Lesekasino<\/em>, Musikverein, Theater und Museum zeugten von sich entwickelnder, moderner urbaner Kultur. Es gab ein <em>Deutsches Kaffeehaus<\/em>, eine <em>Restauration im Hofgarten<\/em> und mehrere traditionelle Gasth\u00f6fe wie das <em>Weisse Kreuz<\/em>, den <em>\u00d6sterreichischen Hof<\/em>, die <em>Traube<\/em>, das <em>Katzung<\/em>, das <em>Munding<\/em>, die jeweils <em>Goldenen Adler, Stern<\/em> und <em>Hirsch<\/em>. Nach 1830 wurden die offenen Abwasserkan\u00e4le verriegelt und hygienischer gestaltet, Stra\u00dfen ausgebessert, Br\u00fccken saniert. Auch die \u00fcberf\u00e4llige und vor den Kriegswirren begonnene Begradigung und Z\u00e4hmung von Inn und Sill wurden angegangen. Die gr\u00f6\u00dfte Neuerung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung trug sich 1830 zu, als \u00d6llampen die Stadt auch in der Nacht erhellten. Es war wohl nur ein schummriges D\u00e4mmerlicht, das aus den \u00fcber 150 auf S\u00e4ulen und Armleuchtern angebrachten Lampen entstand, f\u00fcr Zeitgenossen war es aber eine wahrhaftige Revolution.<\/p>\n<p>Die bayerische Besatzung war verschwunden, die Ideen der Denker der Aufkl\u00e4rung und der Franz\u00f6sischen Revolution hatten sich aber in einigen K\u00f6pfen des st\u00e4dtischen Milieus verfangen. Nat\u00fcrlich waren es keine atheistischen, sozialistischen oder gar umst\u00fcrzlerischen Gedanken, die sich breit machten. Es ging vor allem um wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Teilhabe des B\u00fcrgertums. Das Vereinswesen feierte eine Renaissance. Was heute wenig spektakul\u00e4r klingt, war zur Regierungszeit Metternichs aufsehenerregend. Zwischen dem Beginn der Napoleonischen Kriege mit dem revolution\u00e4ren Frankreich 1797 und dem Wiener Kongress waren Vereine allgemein verboten gewesen. Wer auf sich hielt, trat nun einer dieser neuartigen Gesellschaften bei. <em>\u201eIn Innsbruck besteht ein Musikverein, ein landwirthschaftlicher und ein montanistisch-geognostischer,\u201c <\/em>stand etwa im Reisef\u00fchrer Beda Webers wie ein Qualit\u00e4tssiegel f\u00fcr die Stadt zu lesen. Es galt das tugendhafte Miteinander zum Wohl der weniger Beg\u00fcterten und die Erziehung der Massen mit dem Treiben in den Vereinen zu forcieren. Wissenschaft, Literatur, Theater und Musik, aber auch Initiativen wie der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em>, aber auch praktische Institutionen wie die Freiwillige Feuerwehr etablierten sich als S\u00e4ulen einer bis dato nicht gekannten Zivilgesellschaft. Einer der ersten Vereine, die sich bildeten, war der Musikverein Innsbruck, aus dem das Tiroler Landeskonservatorium hervorging. M\u00e4nner und Frauen waren ganz im Zeitgeist nicht Mitglieder in den gleichen Vereinen. Frauen engagierten sich vor allem in der Wohlfahrt wie dem <em>Frauenverein zur Bef\u00f6rderung der Kleinkinder-Bewahranstalten und weiblichen Industrie-Schule<\/em>. Teilnahme am politischen Diskurs von weiblicher Seite war nicht erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Neben der christlichen N\u00e4chstenliebe waren wohl auch Geltungsdrang und Prestige gro\u00dfe Anreize f\u00fcr die Mitglieder, sich in den Vereinen zu engagieren. Man traf sich, um zu sehen und gesehen zu werden. Gute Taten, das Zeigen von Bildung und tugendhafte Lebensf\u00fchrung waren damals wie heute die beste PR f\u00fcr die eigene Person.<\/p>\n<p>Das Vereinsleben diente auch als Unterhaltung an langen Abenden ohne elektrisches Licht, Fernsehen und Internet. In den Gastst\u00e4tten und Kaffeeh\u00e4usern trafen sich Studenten, Beamte, Mitglieder des niederen Adels und Akademiker, um ihr Gedankengut auszutauschen. Dabei handelte es sich nicht nur um hochgeistig Abstraktes, sondern auch um profane Realpolitik wie die Aussetzung der Binnenz\u00f6lle, die das Leben der Menschen unn\u00f6tig teuer machten. Kulturell entdeckte die b\u00fcrgerliche Bildungselite in Romantik und Biedermeier die kulturelle Flucht in eine heile Vergangenheit f\u00fcr sich. Nach den Jahrzehnten politischer Verwirrung, Krieg und Not wollte man, \u00e4hnlich wie nach 1945, Ablenkung von der j\u00fcngsten Vergangenheit. Die Antike und ihre Denker feierten in Innsbruck wie in ganz Europa eine zweite Renaissance. Stilbildend waren Denker der Romantik des 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhunderts wie Winckelmann, Lessing oder Hegel. Den Griechen wurde \u201e<em>edle Einfalt und stille Gr\u00f6\u00dfe<\/em>\u201c attestiert. Goethe wollte das \u201e<em>Land der Griechen mit der Seele suchen<\/em>\u201c und machte sich auf nach Italien, um dort seine Sehnsucht nach der guten, vorchristlichen Zeit zu suchen, in dem die Menschen des <em>Goldenen Zeitalters<\/em> ein ungezwungenes Verh\u00e4ltnis mit ihren G\u00f6ttern pflegten. R\u00f6mische Tugenden der Stoa wurden als Leitbilder in die Moderne transportiert und bildeten die Basis f\u00fcr b\u00fcrgerliche Gen\u00fcgsamkeit und den Patriotismus, der gro\u00df in Mode kam. Philologen durchk\u00e4mmten die Texte antiker Schriftsteller und Philosophen und transportierten ein gef\u00e4lliges \u201e<em>Best of<\/em>\u201c ins 19. Jahrhundert. S\u00e4ulen, Sphinxe, B\u00fcsten und Statuen mit klassischen Proportionen schm\u00fcckten Pal\u00e4ste, Verwaltungsgeb\u00e4ude und Museen wie das Ferdinandeum. Studenten und Intellektuelle wie der Brite Lord Byron wurden so sehr vom <em>Panhellenismus<\/em> und der Idee des Nationalismus ergriffen, dass sie im griechischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf gegen das osmanische Reich ihr Leben aufs Spiel setzten. In Innsbruck wurde nach dem Ende des Heiligen R\u00f6mischen Reiches der Pangermanismus zur politischen Mode des liberalen B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Kanzler Clemens von Metternichs (1773 \u2013 1859) Polizeistaat hielt diese gesellschaftlichen Regungen lange Zeit unter Kontrolle. Zeitungen, Flugbl\u00e4tter, Schriften mussten sich an die Vorgaben der strengen Zensur anpassen oder im Untergrund verbreitet werden. Autoren wie Hermann von Gilm (1812 \u2013 1864) und Johann Senn (1792 \u2013 1857), an beide erinnern heute Stra\u00dfen in Innsbruck, verbreiteten in Tirol anonym politisch motivierte Literatur. Der vielleicht bekannteste Public Intellectual des Vorm\u00e4rz war wahrscheinlich Adolf Pichler (1819 \u2013 1900), dem bereits kurz nach seinem Ableben unter g\u00e4nzlich anderen Vorzeichen in der Stadtpolitik der sp\u00e4ten Monarchie ein Denkmal gewidmet wurde und nach dem heute das Bundesrealgymnasium am gleichnamigen Platz gewidmet ist. B\u00fccher und Vereine standen unter Generalverdacht. Der Innsbrucker Musikverein lehrte im Rahmen seiner Ausbildung auch die Deklamation, das Vortragen von Texten, Musik und Reden, die Inhalte wurden von der Obrigkeit streng \u00fcberwacht. Alle Arten von Vereinen wie <em>die Innsbrucker Liedertafel <\/em>und Studentenverbindungen, sogar die Mitglieder des Ferdinandeums wurden ausspioniert. Die sich in den Arbeitervierteln formierenden sozialen Bewegungen wurden von der Geheimpolizei Metternichs ganz besonders ins Visier genommen. Auch die Sch\u00fctzen standen, trotz ihrer demonstrativen Kaisertreue, auf der Liste der zu observierenden Institutionen. Als zu aufs\u00e4ssig galten sie, nicht nur gegen\u00fcber fremden M\u00e4chten, sondern auch gegen\u00fcber der Wiener Zentralstaatlichkeit. Der Mix aus gro\u00dfdeutsch-nationalem Gedankengut und tirolischem Patriotismus vorgetragen mit dem Pathos der Romantik mutet heute eigenartig harmlos an, war aber dem metternich\u00b4schen Staatsapparat weder geheuer noch genehm.<\/p>\n<p>Politischer Aktivismus war aber ein Randph\u00e4nomen, das nur eine kleine Elite besch\u00e4ftigte. Nachdem die Bergwerke und Salinen im 17. Jahrhundert ihre Rentabilit\u00e4t verloren hatten und auch der Transit ob der neuen Handelsrouten \u00fcber den Atlantik an wirtschaftlicher Bedeutung einb\u00fc\u00dfte, war Tirol zu einem armen Landstrich geworden. Die Napoleonischen Kriege hatten \u00fcber 20 Jahre lang gew\u00fctet. Das Jahr 1809 ging als <em>Tiroler Heldenzeitalter<\/em> in die Geschichtsschreibung des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts ein, die Folgen des Heldenhaften wurden kaum beleuchtet. Das Kaisertum \u00d6sterreich z\u00e4hlte zwar zu den Siegerm\u00e4chten nach dem Wiener Kongress, die wirtschaftliche Lage war aber erb\u00e4rmlich. Wie nach den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren auch in den Koalitionskriegen viele M\u00e4nner nicht mehr nach Hause zur\u00fcckgekehrt. Die Universit\u00e4t, die junge Aristokraten in den Wirtschaftskreislauf der Stadt zog, wurde erst 1826 wieder er\u00f6ffnet. Anders als Industriestandorte in B\u00f6hmen, M\u00e4hren, Preu\u00dfen oder England war die schwer erreichbare Stadt in den Alpen erst am Anfang der Entwicklung hin zu einem modernen Arbeitsmarkt. Auch der Tourismus steckte noch in den Kinderschuhen und war keine <em>Cash Cow<\/em>. Es ist kein Wunder, dass kaum Geb\u00e4ude im Biedermeier-Stil in Innsbruck erhalten sind. Und dann war da noch ein Vulkan am anderen Ende der Welt, der die Geschicke der Stadt Innsbruck \u00fcber Geb\u00fchr beeinflusste. 1815 war in Indonesien der Tambora ausgebrochen und hatte eine riesige Staub-, Schwefel- und Aschewolke um die Welt geschickt. 1816 ging als <em>Jahr ohne Sommer<\/em> in die Geschichte ein. In ganz Europa kam es zu Wetterkapriolen, \u00dcberschwemmungen und Missernten. Die Alpen, ein ohnehin schwieriger Teil der Erde, um Landwirtschaft zu betreiben, waren davon nicht ausgenommen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen Verwerfungen und Preissteigerungen f\u00fchrten zu Not und Elend vor allem in den \u00e4rmeren Teilen der Bev\u00f6lkerung. Die Armenf\u00fcrsorge war im 19. Jahrhundert eine Aufgabe der Gemeinden, f\u00fcr gew\u00f6hnlich mit der Unterst\u00fctzung wohlhabender B\u00fcrger als M\u00e4zen mit dem Gedanken der christlichen N\u00e4chstenliebe. Staat, Gemeinde, Kirche und die neu entstehende Zivilgesellschaft in Form von Vereinen begannen sich um das Wohl der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsteile zu k\u00fcmmern. Es gab Benefizkonzerte, Sammlungen und Spendenaufrufe. \u00a0Die Ma\u00dfnahmen enthielten oft eine aufgekl\u00e4rte Komponente, auch wenn die Mittel zum Zweck heute eigenartig und fremd erscheinen. In Innsbruck trat zum Beispiel eine Bettelordnung in Kraft, die besitzlosen Menschen ein Eheverbot auferlegte. Knapp 1000 B\u00fcrger waren als Almosenbezieher und Bettler klassifiziert.<\/p>\n<p>Als die Not immer gr\u00f6\u00dfer wurde und die Stadtkassen leerer, kam es in Innsbruck zu einer Innovation, die f\u00fcr \u00fcber 100 Jahre Bestand haben sollte: Die <em>Neujahrs-Entschuldigungskarte<\/em>. Auch damals war es Brauch, am ersten Tag des Jahres seine Verwandten zu besuchen, um sich gegenseitig ein <em>Gutes Neues Jahr<\/em> zu w\u00fcnschen. Ebenfalls war es Brauch, dass notleidende Familien und Bettler an die T\u00fcren der wohlhabenden B\u00fcrger klopften, um zu Neujahr um Almosen zu bitten. Mit der Einf\u00fchrung der Neujahrs-Entschuldigungskarte schlug man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die K\u00e4ufer der Karte konnten institutionalisiert und in geregelten Bahnen ihre \u00e4rmeren Mitglieder, \u00e4hnlich wie es heutzutage mit dem Kauf der Stra\u00dfenzeitung <em>Zwanziger<\/em> m\u00f6glich ist, unterst\u00fctzen. Gleichzeitig diente die Neujahrs-Entschuldigungskarte dazu, sich durch ihren Versand vor den wenig geliebten Pflichtbesuchen bei der Verwandtschaft zu dr\u00fccken. Wer die Karte an seine Haust\u00fcre h\u00e4ngte, signalisierte den Bed\u00fcrftigen auch, dass weiteres Fragen um Almosen nicht von N\u00f6ten sei, da man seinen Beitrag bereits abgedungen hatte. Zu guter Letzt wurden die edlen Spender auch noch in den Medien wohlwollend erw\u00e4hnt, damit jeder sehen konnte, wie sehr sie sich im Namen der N\u00e4chstenliebe um ihre weniger beg\u00fcterten Mitmenschen k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Die Neujahrs-Entschuldigungskarten waren ein voller Erfolg. Bei ihrer Premiere zum Jahreswechsel von 1819 auf 1820 wurden bereits 600 St\u00fcck verkauft. Viele Gemeinden \u00fcbernahmen das Innsbrucker Rezept. In der Zeitschrift \u201e<em>Der Kaiserlich-k\u00f6niglich priviligierte Bothe von und f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c wurden am 12. Februar die Erl\u00f6se f\u00fcr Bruneck, Bozen, Trient, Rovereto, Schwaz, Imst, Bregenz und Innsbruck ver\u00f6ffentlicht. Auch sonstige Institutionen wie Feuerwehren und Vereine \u00fcbernahmen die gut funktionierende Sitte, um Spenden f\u00fcr ihr Anliegen zu schaffen. Der Bau der Neuen H\u00f6ttinger Pfarrkirche wurde neben Spenden zu einem guten Teil aus den Erl\u00f6sen eigens aufgelegter Entschuldigungskarten finanziert. Die mannigfaltige Gestaltung reichte von christlichen Motiven \u00fcber Portraits bekannter Pers\u00f6nlichkeiten, Amtsgeb\u00e4ude, Neubauten, Sehensw\u00fcrdigkeiten und Kuriosit\u00e4ten. Im Stadtarchiv Innsbruck k\u00f6nnen viele der Designs noch ausgehoben werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innstra\u00dfe 85 \/ 87<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66160,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[45,61,113,40,80],"tags":[],"class_list":["post-53852","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-baumeisterdynastie-tuering-innsbruck-wird-weltstadt","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-historische-gaststaetten","category-innsbruck-und-das-haus-habsburg","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53852"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53852\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}