{"id":53889,"date":"2024-04-24T09:23:41","date_gmt":"2024-04-24T09:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53889"},"modified":"2026-10-28T12:43:30","modified_gmt":"2026-10-28T12:43:30","slug":"weiherburg-alpenzoo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/weiherburg-alpenzoo\/","title":{"rendered":"Weiherburg &amp; Alpine Zoo"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Weiherburg<\/h2>\n<p>Weiherburggasse 37-39<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_8607-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Weiherburg&#8220; title_text=&#8220;Weiherburg&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59820,59576,66682,59228,56281,68858&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Weiherburg &#038; Alpenzoo&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62210&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Weiherburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59229&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Erhaben oberhalb der Stadt am Fu\u00df der Nordkette befindet sich die Weiherburg. Der urspr\u00fcngliche gotische Bau ist nur noch in wenigen Teilen erhalten. Der s\u00fcdliche Teil zur Stra\u00dfe hin hat dank dem spitzen Dach und den markanten Erkern mittelalterlichen Charakter. Der gr\u00f6\u00dfere Teil zum Alpenzoo wirkt durch die glatte Oberfl\u00e4che sehr modern, nur der alles \u00fcberragende Turm gibt dem Geb\u00e4ude einen burgartigen Touch. Das Wappen an der Nordfassade entstammt ebenfalls nicht dem Mittelalter, sondern ist neuerer Machart. Der Tiroler K\u00fcnstler Max Spielmann fertigte das Bild 1978 im Rahmen der Renovierungsarbeiten an. Es zeigt den Kaiser Maximilian mit seinem Jagdhund als Waidmann, darunter die Wappen Innsbrucks, Tirols und des Hauses Habsburg. Sehenswert im Inneren ist der<em> Langenmantelsaal<\/em> mit seinen \u00fcppigen, w\u00e4hrend Renovierungsarbeiten in den 1970ern wiederentdeckten Wandmalereien und einem originalen Renaissancebrunnen. In der Kapelle der Heiligen Anna im Untergeschoss wird bis heute allj\u00e4hrlich im Juli am <em>St-Anna-Tag<\/em> eine Messe gelesen. Neben der Heiligen soll auch der Geist des ehemaligen Schlossbesitzers Veit Langenmantel noch in den alten Gem\u00e4uern herumspuken. Er war f\u00fcr knapp 10 Jahre Herr der Weiherburg, \u00fcbernahm sich aber mit dem Ausbau seines Ansitzes finanziell und musste ihn verkaufen. Langenmantels Geist soll bis heute einen vergrabenen Burgschatz bewachen.<\/p>\n<p>Auch abseits dieser Spukgeschichte h\u00e4lt die Besitzerliste einige prominenten Figuren der Innsbrucker Stadtgeschichte und Kuriosit\u00e4ten bereit. Erbaut wurde die Anlage um 1460 von Christian T\u00e4nzl. Seine Sippschaft z\u00e4hlte zu den alteingesessenen B\u00fcrgerfamilien Innsbrucks. T\u00e4nzl war einer jener aufstrebenden B\u00fcrger, der diese Zeit des Auf- und Umbruchs in Tirol ausnutzen konnte. Er kam nicht nur zu Geld und Ansehen, der Wildbestand und der Fischweiher auf seinem Land erlaubten es ihm den aristokratischen Hobbies der Jagd und der Fischerei nachzugehen. Die T\u00e4nzls hatten ihr Verm\u00f6gen im boomenden Tiroler Bergbau erworben. Das Silberbergwerk in Schwaz war das gr\u00f6\u00dfte seiner Art weltweit, auch in Sterzing hatte er gewinnbringende Gewerke am Start. Der Bergsegen hatte das Land und seine sozialen Gegebenheiten verwandelt wie die \u00d6lfunde die arabische Halbinsel im 20. Jahrhundert. Schwaz z\u00e4hlte mit seinen 20.000 Einwohnern im 16. Jahrhundert zu den drei gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten innerhalb des Habsburgerreiches. Mit den Knappen entstand eine neue Mittelschicht. Die Mehrzahl der Arbeiter war zwar ungelernt, ausgebildete Bergm\u00e4nner aber waren begehrte Arbeitskr\u00e4fte, die aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, nach Tirol kamen. Diese Fremden brachten nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern neue Gebr\u00e4uche, Essgewohnheiten, Traditionen und konfessionelle Ansichten ins Land. T\u00e4nzl allerdings war weniger Mittelschicht als vielmehr Investor, Manager und Topverdiener. Kurzzeitig z\u00e4hlte auch das eindrucksvolle <em>Schloss Tratzberg<\/em> nahe Schwaz zu seinem Immobilienportfolio. Sein <em>T\u00e4nzlhaus<\/em> nahe dem Machtzentrum Innsbruck sollte seinen sozialen Status, 1483 wurde er ob seiner Verdienste sogar geadelt, repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Schon wenige Jahre nach der Errichtung ver\u00e4u\u00dferte T\u00e4nzl das Anwesen an den Landesf\u00fcrsten Siegmund, der mit der Vergabe des Anwesens verdiente Mitglieder des Hofes wie seinen Leibarzt verw\u00f6hnte. Siegmund war dem Doktor nicht nur durch das Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis eng verbunden, dessen Sohn hatte auch eine der unehelichen T\u00f6chter des Landesf\u00fcrsten geheiratet. Ihren Namen erhielt die Weiherburg unter Landesf\u00fcrst Maximilien I. Er nutzte die Burg der Legende nach gerne als Jagdschloss, wenn er in Innsbruck weilte. Tats\u00e4chlich gab er das <em>T\u00e4nzlhaus<\/em> an seinen verdienten Beamten Oswald von Hausen und erhob das Anwesen zum Edelsitz <em>Weyerspurg<\/em>, benannt nach dem dazugeh\u00f6rigen Fischweiher. 1569 kam die Weiherburg in den Besitz Anna Welsers. Sie stammte aus der reichen Augsburger Kaufmannsdynastie, die nicht nur die Weiherburg, sondern \u00fcber ihr Investment in Maximilian einen gro\u00dfen Teil des Tiroler Bergbaus \u00fcbernommen hatte. Ihre Tochter Philippine war mit dem Landesf\u00fcrsten Ferdinand II. verheiratet. Die Weiherburg war n\u00e4her an der Stadt als Schloss Ambras, was f\u00fcr den Regenten recht praktisch war, wenn er die damals beschwerliche Reise in den S\u00fcden nicht antreten wollte. Auf Ferdinand II. geht auch der heutige Verwendungszweck der Weiherburg zur\u00fcck. Er legte mit einem kleinen 1591 er\u00f6ffneten Tierpark den Grundstein f\u00fcr den heutigen <em>Alpenzoo<\/em>. Der Renaissancef\u00fcrst beschr\u00e4nkte sich, anders als der heutige Zoo, nicht auf die alpine Bergwelt. Affen, L\u00f6wen, Leoparden, Pfaue und Strau\u00dfe wurden zum Gaudium des Landesf\u00fcrsten und seines Hofstaates nach Innsbruck gebracht. Nach mehreren Besitzerwechseln kam das Geb\u00e4ude an den Innsbrucker Juristen Philipp von W\u00f6rndle (1755 \u2013 1818). W\u00f6rndle finanzierte aus eigener Tasche einen Teil der Streitkr\u00e4fte, die in den Napoleonischen Kriegen die Landesgrenzen gegen Franzosen und Bayern verteidigten. Als Major der Tiroler Sch\u00fctzen nahm er in der <em>Schlacht von Spinges<\/em> teil und konnte gegen die \u00dcbermacht 1796 einen Prestigesieg erringen. Die <em>Jungfrau von Spinges<\/em>, Katharina Lanz, die an der Seite der Truppen k\u00e4mpfte, ist das Tiroler \u00c4quivalent zu Johanna von Orleans. Unter der bayerischen Herrschaft musste W\u00f6rndle aus dem Land fl\u00fcchten, blieb dem Widerstand aber bis 1809 als Organisator von au\u00dferhalb erhalten. Das Wappen der Familie prangt bis heute an der Fassade der Weiherburg. Seine Tochter Maria heiratete Joseph Andreas von Attlmayr. Der neue Schlossherr lie\u00df die Burg mehrmals umbauen. Ganz dem b\u00fcrgerlichen Ethos verpflichtet, f\u00fchrte er sein Anwesen w\u00e4hrend der ersten Jahre des zarten touristischen Erwachens der Stadt als Hotel, um den Besitz erhalten zu k\u00f6nnen. \u00c4hnlich wie auf Schloss B\u00fcchsenhausen waren die ersten G\u00e4ste auch auf der Weiherburg Adelige sowie britische und amerikanische Langzeiturlauber. Kaiser Ferdinand I. und F\u00fcrst Metternich n\u00e4chtigten zwar nicht im Burghotel, waren aber mit ihrem Anhang zu Besuch am Plateau \u00fcber Innsbruck. Die New Yorker Familie Hale mietete das Anwesen zwischen 1876 und 1878 f\u00fcr \u00fcber zwei Jahre. Die Briten sch\u00e4tzten die besondere Geschichte des Hauses, war der Abwehrkampf der exotischen Tiroler gegen den franz\u00f6sischen Erzfeind auf der Insel doch eine bekannte Legende des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts. Attlmayr rundete sein touristisches Projekt mit dem Kauf eines Grundst\u00fcckes am Plateau zwischen <em>Gramartboden<\/em> und M\u00fchlau, aus dem <em>Mariabrunn<\/em>, heute als Hungerburg bekannt, hervorging. Sein Sohn Richard (1831 \u2013 1910) \u00fcbernahm schm\u00fcckte die lange Geschichte des Hauses mit dem Erwerb alter Kunstwerke und M\u00f6bel wie dem angeblichen Thronsessel Maximilians aus, um die Weiherburg als Attraktion zu promoten. Er lie\u00df auch den heutigen Richardsweg anlegen, der die Weiherburg mit dem Badhaus in M\u00fchlau verband und bald zum beliebten Wanderweg wurde. Die Lage oberhalb der Stadt zog auch die Familie eines Stars der Wissenschaft an. Der sp\u00e4tere Nobelpreistr\u00e4ger Erwin Schr\u00f6dinger war als Kind mit seinen Eltern zwischen 1893 und 1904 mehrmals zu Gast. Nach Richards Tod erwarb die Stadt Innsbruck 1911 die Weiherburg. Damit \u00fcbernahm sie nicht nur den Erhalt des Geb\u00e4udes, sondern auch eine Verpflichtung der besonderen Art aus der Zeit Attlmayr Seniors, die zum Erhalt des bis heute bestehenden, denkmalgesch\u00fctzten Grabes eines anderen \u201eRichard\u201c auf der Weiherburg f\u00fchrten. W\u00e4hrend eines Kuraufenthaltes auf der Weiherburg gemeinsam mit Freunden war der Engl\u00e4nder Richard Tooth 1840 im zarten Alter von 22 Jahren verstorben. Da er nicht katholisch war, konnte er nicht auf einem der Innsbrucker Friedh\u00f6fe beerdigt werden. Joseph von Attlmayr verpflichtete sich gegen\u00fcber der Familie des Verstorbenen die Grabst\u00e4tte am Lieblingsplatz des jungen Mannes gegen eine Geb\u00fchr zu erhalten. Unter den immer schon gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Hoteliers der Stadt sticht er damit wohl bis heute heraus, schaffte er es sogar aus einem toten Gast noch Gewinn abzusch\u00f6pfen. Wie ernst die Familie des jungen Briten die Sache nahm, davon zeugt die Tatsache, dass Tooth\u00b4s Bruder 1880 sich pers\u00f6nlich vor Ort von der Erhaltung der Grabst\u00e4tte \u00fcberzeugte. Heute ist die Marmorstele mit dem stattlichen wei\u00dfen Kreuz als <em>Richardsruhe<\/em> bekannt und steht unter Denkmalschutz.<\/p>\n<p>Oberhalb der Weiherburg befindet sich eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt. Auf dem Gel\u00e4nde des Fischweihers und des landesf\u00fcrstlichen Tierparks tummeln sich seit im Alpenzoo Touristen und Innsbrucker gleicherma\u00dfen, um ein <em>Best of<\/em> der heimischen Flora und Fauna zu bestaunen. Im terrassenf\u00f6rmig angelegten Tierpark kann man Adler, B\u00e4ren, Luchse, W\u00f6lfe, Fischotter, Biber und viele andere Tiere des Alpenraums von Nahem erleben. Der Zoo wurde von Hans Psenner (1912 \u2013 1995) ins Leben gerufen und \u00f6ffnete 1962 seine Pforten erstmals f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit. War es einst ein Ansinnen des Tiroler Landesf\u00fcrsten Tiere f\u00fcr das private Gaudium des Hofstaates und seiner Besucher zu halten, tragen mittlerweile die Stadt Innsbruck und das Land Tirol Sorge darum, dass nicht nur m\u00f6glichst viele Menschen die Attraktionen bestaunen k\u00f6nnen, sondern auch daf\u00fcr, dass die vielfach bedrohten Spezies artgerecht erhalten bleiben. Zus\u00e4tzliche finanzielle Mittel erm\u00f6glichen die Mitglieder des Vereins \u201eFreunde des Alpenzoos\u201c und Tiroler Unternehmen, die Patenschaften f\u00fcr Tiere \u00fcbernehmen. Besonders im Fr\u00fchling und im Herbst ist ein Besuch des Zoos auf 750 m Seeh\u00f6he \u00fcber den D\u00e4chern der Stadt bei Jung und Alt beliebt, kann man doch nicht nur die alpine Tierwelt, sondern auch die Sonne in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen. Besucher sollten ein wenig Kondition mitbringen, die Tour durch die Gehege ist zwar keine hochalpine Wanderung, ein paar H\u00f6henmeter sind allerdings zu bew\u00e4ltigen. Neben den Tieren belohnt ein toller Panoramablick \u00fcber die Stadt f\u00fcr das M\u00fchsal. An Zoogr\u00fcnder Hans Psenner erinnern eine B\u00fcste im Alpenzoo sowie der <em>Hans-Psenner-Steg<\/em>, der den Saggen mit dem Nordufer des Inns verbindet. Die einst prestigetr\u00e4chtige Weiherburg selbst ist Gro\u00dfteils ungen\u00fctzt und wird f\u00fcr Veranstaltungen und Ausstellungen des Alpenzoos genutzt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53379&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit zwischen der Franz\u00f6sischen Revolution und der Schlacht bei K\u00f6niggr\u00e4tz 1866 war eine kriegerische Periode. Viele der sp\u00e4teren politischen Grundhaltungen und Animosit\u00e4ten gegen\u00fcber anderen Gruppen sowie der europ\u00e4ische Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch die Geschichte Innsbruck beeinflussen sollten, hatten ihre Wurzeln in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. Die Monarchien Europas, angef\u00fchrt von den katholischen Habsburgern, hatten der franz\u00f6sischen Republik den Krieg erkl\u00e4rt. Das revolution\u00e4re Paris war zwar weit weg und ein fl\u00e4chendeckendes Pressewesen zur Verbreitung von Nachrichten stand nicht zur Verf\u00fcgung, \u00fcber Flugbl\u00e4tter und die Kirchenkanzeln wurden die Gottlosigkeit der M\u00f6rder Marie Antoinettes aber erfolgreich verbreitet. Die Angst ging um, dass sich der Wahlspruch der Revolution \u201e<em>Libert\u00e9,\u00a0\u00c9galit\u00e9,\u00a0Fraternit\u00e9<\/em>\u201c samt seinen Grunds\u00e4tzen in Europa ausbreiten k\u00f6nnte. Ein junger General namens Napoleon Bonaparte war mit seiner\u00a0<em>italienischen Armee<\/em>\u00a0im Rahmen der Koalitionskriege auf seinem Italienfeldzug 1796 \u00fcber die Alpen vorger\u00fcckt und traf dort auf die \u00f6sterreichischen Truppen. Es war nicht nur ein Krieg um Territorium und Macht, es war ein Kampf der Systeme. Die <em>Grande Armee<\/em> der revolution\u00e4ren Republik Frankreich traf auf die Truppen der konservativen und katholischen Habsburger. Tiroler Sch\u00fctzen waren aktiv am Kampfgeschehen beteiligt, um die Landesgrenzen gegen die einr\u00fcckenden Franzosen zu verteidigen. Die M\u00e4nner waren es gewohnt, mit Waffen umzugehen und galten als ge\u00fcbte Scharfsch\u00fctzen. Der Historiker Ludwig Denk dr\u00fcckte es in einer Schrift 1860 so aus:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Hauptlust des Tirolers ist das Schiessen. Fr\u00fche schon nimmt der Vater den Sohn mit auf die Jagd. Nicht selten sieht man Knaben mit geladenem Gewehr herumlaufen und auf hohe Berge steigen und Vogel oder Eichh\u00f6rnchen schiessen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke von Kompanien wie den 1796 ins Leben gerufenen <em>H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen<\/em> lag nicht in der offenen Feldschlacht, sondern im Guerrillakampf. Dar\u00fcber hinaus hatten sie gegen die fortschrittlichste und modernste Armee der damaligen Zeit eine Geheimwaffe auf ihrer Seite: Das Herz Jesu. Seit 1719 waren jesuitische Missionare bis in die hintersten Seitent\u00e4ler unterwegs gewesen und hatten den <em>Herz-Jesu-Kult<\/em> als verbindendes Element erfolgreich im Kampf gegen heidnische Br\u00e4uche und Protestantismus etabliert. Nun, da man den gottlosen revolution\u00e4ren Franzosen gegen\u00fcberstand, war es nur logisch, dass das Herz Jesu nach 1703 erneut sch\u00fctzend \u00fcber die Tiroler Gotteskrieger wachen w\u00fcrde. In aussichtsloser Situation erneuerten die Tiroler Truppen ihren Bund. Gegen jede Wahrscheinlichkeit waren die Sch\u00fctzen erfolgreich in ihrem Abwehrkampf. Der Abt des Klosters Stams beantragte bei den Landst\u00e4nden von nun an allj\u00e4hrlich &#8222;<em>das Fest des g\u00f6ttlichen Herzens Jesu mit feierlichem Gottesdienst zu begehen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit werde.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Die gewonnene Schlacht \u00e4nderte nichts am verlorenen Krieg gegen die \u00fcberm\u00e4chtigen Truppen Napoleons, der wiederum nichts an der Tiroler Expansion \u00e4nderte bei gleichzeitigem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang Innsbrucks. Das habsburgische Territorium hatte sich w\u00e4hrend den Kriegswirren ohne nennenswerte Erfolge auf den Schlachtfeldern, und wohl auch ohne die Hilfe des Herzen Jesu, vergr\u00f6\u00dfert. Das erzbisch\u00f6fliche Trentino war in einem territorialen Kuhhandel mit dem sperrigen Namen Reichsdeputationshauptschluss in den letzten Atemz\u00fcgen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches vor dessen Aufl\u00f6sung 1803 zu einem Teil des Kronlandes geworden. Innsbruck hingegen war geschrumpft. Die verstorbenen Soldaten und die kriegsbedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fchrten zu einem R\u00fcckgang der Einwohner von gut 9500 um das Jahr 1750 auf etwa 8800 in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Was in nackten Zahlen ausgedr\u00fcckt wenig spektakul\u00e4r klingt, hatte eine Stagnation des Stadtlebens zur Folge. Die jungen M\u00e4nner fehlten als Arbeitskr\u00e4fte, Ehem\u00e4nner und V\u00e4ter. Diese kriegsbedingte Rezession ist kaum Thema in der Stadtgeschichte. Am ehesten kann das fast vollkommene Fehlen biedermeierlicher Architektur im Innsbrucker Stadtbild als Erinnerungsort f\u00fcr diese schwierigen Jahre gesehen werden.\u00a0<\/p>\n<p>Nach den Napoleonischen Kriegen und der Neuordnung Europas am Wiener Kongress blieb es f\u00fcr etwa 30 Jahre ruhig an den Tiroler Landesgrenzen. Das \u00e4nderte sich mit dem italienischen <em>Risorgimento<\/em>, der Nationalbewegung unter F\u00fchrung Sardinien-Piemonts und Frankreichs. 1848, 1859 und 1866 kam es zu den sogenannten <em>Italienischen Einigungskriegen<\/em>. Im Lauf des 19. Jahrhunderts, sp\u00e4testens seit 1848, war es unter jungen M\u00e4nnern der Oberschicht in ganz Europa zu einem regelrechten nationalen Rausch gekommen. Freiwilligenheere schossen \u00fcberall aus dem Boden. Studenten und Akademiker, die sich in ihren Verbindungen zusammentaten, Turner, Sch\u00fctzen, alle wollten ihre neue Liebe zur Nation auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen und unterst\u00fctzten die offiziellen Armeen im Kampf gegen welchen Feind auch immer. Innsbruck war in dieser Zeit als Garnisonsstadt ein wichtiger Versorgungsposten. Nach dem Wiener Kongress war aus dem <em>Tiroler J\u00e4gerkorps<\/em> das\u00a0<em>k.k. Tiroler Kaiserj\u00e4gerregiment<\/em> geworden, eine Eliteeinheit, die in diesen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam. Auch freiwillige Einheiten wie die <em>Innsbrucker Akademiker<\/em> oder die Stubaier Sch\u00fctzen k\u00e4mpften in Italien. Tausende fielen im Kampf gegen die Koalition aus dem Erzfeind Frankreich, den als besonders gottlos geltenden <em>Rothemden<\/em> unter Giuseppe Garibaldi und der Bedrohung durch das sich auf Kosten \u00d6sterreichs konstituierende K\u00f6nigreich Italien unter der F\u00fchrung der frankophilen Savoyer aus Piemont. Medien heizten die Stimmung abseits der Frontlinie auf. Die &#8222;<em>Innsbrucker Zeitung<\/em>&#8220; predigte in ihren Artikeln Kaisertreue und gro\u00dfdeutsch-tirolischen Nationalismus, wetterte gegen das Italienertum und Franzosen und pries den Mut Tiroler Soldaten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die starke Besetzung der H\u00f6hen am Ausgange des Valsugana bei Primolano und le Tezze gab schon oft den Innsbrucker-Akademikern I. und den Stubaiern Anla\u00df, freiwillige Ercur:sionen gegen le Tezze, Fonzago und Fastro, als auch auf das rechte Brenta-Ufer und den H\u00f6hen gegen die kleinen Lager von den Sette comuni zu machen&#8230;Am 19. schon haben die Stubaier einige Feinde niedergestreckt, als sie sich das erste mal hinunterwagten, indem sie sich ihnen entgegenschlichen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die wohl bekannteste Schlacht der <em>Einigungskriege<\/em> fand in Solferino 1859 in der N\u00e4he des Gardasees statt. Entsetzt vom blutigen Geschehen entschloss sich Henry Durant das Rote Kreuz zu gr\u00fcnden. Der Schriftsteller Joseph Roth beschrieb das Geschehen auf den ersten Seiten seines Romans\u00a0<em>Radetzkymarsch<\/em>.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Schlacht bei Solferino befehligte er (Anm.: Leutnant Trotta) als Leutnant der Infanterie einen Zug. Seit einer halben Stunde war das Gefecht im Gange. Drei Schritte vor sich sah er die wei\u00dfen R\u00fccken seiner Soldaten. Die erste Reihe seines Zuges kniete, die zweite stand. Heiter waren alle und sicher des Sieges. Sie hatten ausgiebig gegessen und Branntwein getrunken, auf Kosten und zu Ehren des Kaisers, der seit gestern im Felde war. Hier und dort fiel einer aus der Reihe.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders verlustreich f\u00fcr das Kaiserreich \u00d6sterreich war das Jahr 1866. In Italien gingen Venetien und die Lombardei verloren. Im Norden erfuhr das habsburgische Heer in der Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz eine verheerende Niederlage. Nach diesem kurzen \u201eBruderkrieg\u201c \u00fcbernahm Preu\u00dfen die F\u00fchrung im Deutschen Bund, der Nachfolgeorganisation des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich Deutscher Nation,<\/em> von den Habsburgern<em>. <\/em>Die Neuorientierung des Kaisertums \u00d6sterreich Richtung Osten bedeutete f\u00fcr Innsbruck, dass man endg\u00fcltig zu einer Stadt an der westlichen Peripherie des Reiches geworden war. Damit einher ging eine Renaissance der nationalen Idee, die vor allem im liberalen Gro\u00dfb\u00fcrgertum Innsbrucks weit verbreitet war. Die Vorliebe f\u00fcr die sogenannte <em>Gro\u00dfdeutsche L\u00f6sung<\/em>, also einer gemeinsamen Staatlichkeit mit dem Deutschen Reich anstatt der <em>k.u.k. Monarchie<\/em>, war in Innsbruck sehr stark ausgepr\u00e4gt. Wie sehr diese Deutsche Frage die Stadt spaltete, zeigte sich noch \u00fcber 30 Jahre sp\u00e4ter, als der Innsbrucker Gemeinderat dem <em>Eisernen Kanzler<\/em> Bismarck, der f\u00fcr den Bruderkrieg zwischen \u00d6sterreich und Deutschland federf\u00fchrend verantwortlich war, eine Stra\u00dfe widmen wollte. W\u00e4hrend sich kaisertreue Konservative entsetzt ob dieses Vorschlages zeigten, waren die gro\u00dfdeutschen Liberalen rund um B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil begeistert. Nach dem Zweiten Weltkrieg half die verlorene Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz bei der \u00f6sterreichischen Argumentation von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, war man doch bereits 1866 aus einem gesamtdeutschen Staat ausgeschieden.<\/p>\n<p>Bis heute reichen die kriegerischen Auseinandersetzungen an den s\u00fcdlichen Tiroler Landesgrenzen in die Tradition und in das Stadtbild. Allj\u00e4hrlich wurden die Herz-Jesu-Feiern mit gro\u00dfem Pomp in der Presse besprochen und angek\u00fcndigt. Der Kult wurde im 19. und im fr\u00fchen 20. Jahrhundert zum explosiven Gemisch aus Aberglauben, Katholizismus und v\u00f6lkischem Nationalismus gegen alles Franz\u00f6sische und Italienische. Unz\u00e4hlige Soldaten vertrauten ihr Wohl noch im Granatenhagel des Ersten Weltkriegs dem Herzen Jesu an. Neben der Gnadenmutter Cranachs ist das Flammenherz wohl bis heute das beliebteste christliche Motiv im Tiroler Raum und prangt auf der Fassade unz\u00e4hliger H\u00e4user. Mit dem Tummelplatz, dem Milit\u00e4rfriedhof Pradl und dem Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel besitzt die Stadt mehrere Erinnerungsorte an diese blutigen Konflikte, bei denen viele Innsbrucker ins Feld zogen und nicht mehr zur\u00fcckkehrten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Philippine Welser: Klein Venedig, Kochb\u00fccher und Kr\u00e4uterkunde&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Philippine Welser: Klein Venedig, Kochb\u00fccher und Kr\u00e4uterkunde&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53628&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Philippine Welser (1527 \u2013 1580) war die Ehefrau Erzherzog Ferdinands II. und rangiert unter den popul\u00e4rsten historischen Figuren Innsbrucks. Bis heute wird ihr nachgesagt, eine Dame aus dem Volk zu sein, die durch die Macht der Liebe den Aufstieg in die High Society schaffte. Ganz korrekt ist diese Darstellung allerdings nicht. Die Welsers z\u00e4hlten zu den wohlhabendsten Familien ihrer Epoche. Ihr Onkel Bartholom\u00e4us Welser war finanziell \u00e4hnlich geartet wie Jakob Fugger und entstammte ebenfalls der Schicht der Kaufleute und Finanziers, die rund um 1500 zu enormem Reichtum gekommen waren. Die S\u00e4ulen seines f\u00fcr heutige Verh\u00e4ltnisse mit Tech-Milliard\u00e4ren vergleichbaren Wohlstanden waren der Gew\u00fcrzhandel mit Indien, Bergbau und Metallhandel mit den amerikanischen Kolonien. Auch Welser hatte Kredite an die Habsburger vergeben, die er sich folgenschwer vergelten lie\u00df. Anstatt die Kredite abzuzahlen, verpf\u00e4ndete Kaiser Karl V. einen Teil der neu vom spanischen K\u00f6nigsthron annektierten L\u00e4ndereien in Amerika an die Welser, die daf\u00fcr das Land als Kolonie <em>Klein-Venedig<\/em>, heute Venezuela, mit Festungen und Siedlungen sichern und erschlie\u00dfen konnten. Sie statteten Expeditionen aus, um das legend\u00e4re Goldland <em>El Dorado<\/em> zu entdecken. Um m\u00f6glichst viel aus ihrem Lehen herauszuholen, errichteten sie Handelsst\u00fctzpunkte, um am gewinntr\u00e4chtigen transatlantischen Sklavenhandel zwischen Europa, Westafrika und Amerika teilzunehmen. Die erste Generation der <em>Conquistadores<\/em>, die im Auftrag des jungen Kapitalismus S\u00fcd- und Mittelamerika eroberte, ging derma\u00dfen brutal vor, dass die ferne spanische Obrigkeit dem Treiben einen Riegel vorschieben musste. Nach 1530 untersagte Karl V. zwar den Handel mit Indigenen aus S\u00fcdafrika, der Einsatz afrikanischer Sklaven auf den Plantagen und in den Minen fiel nicht unter diese Regelung. Dieses weiterhin menschenverachtende Vorgehen der Vertreter der Welser f\u00fchrte 1546 zu Beschwerden am kaiserlichen Hof, wo ihnen das Lehen f\u00fcr <em>Klein-Venedig<\/em> daraufhin entzogen wurde, ihre Handelsbeziehungen blieben allerdings aufrecht.<\/p>\n<p>Die junge Philippine profitierte von den gut ge\u00f6lten Beziehungen ihrer Familie zur Aristokratie. Was folgte, war eine der aufsehenerregendsten Promi-Ehen der fr\u00fchen Neuzeit. Ferdinand und Philippine lernten sich auf einem Faschingsball in Pilsen kennen. Der Habsburger verliebte sich Hals \u00fcber Kopf in die wohlhabende Augsburgerin und heiratete sie. Besonders erfreut war im Hause Habsburg niemand \u00fcber die in aller Heimlichkeit geschlossene Ehe der beiden, auch wenn die Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen dem alten Adel und den neureichen Augsburger Kaufleuten schon einige Jahrzehnte alt waren und man das Geld der Welser gut gebrauchen konnte. Hochzeiten zwischen B\u00fcrgerlichen und Adligen galten trotz Wohlstandes als skandal\u00f6s und nicht standesgem\u00e4\u00df. Ferdinand soll zeitlebens in seine sch\u00f6ne Ehefrau regelrecht vernarrt gewesen sein, weshalb er sich \u00fcber alle Konventionen der Zeit hinwegsetzte. Ihre Haut sei laut Zeitzeugen so zart gewesen, \u201e<em>man h\u00e4tte einen Schluck Rotwein durch ihre Kehle flie\u00dfen sehen k\u00f6nnen<\/em>\u201c. Kein Wunder, dass der Tiroler Landesf\u00fcrst f\u00fcr sie Schloss Ambras gro\u00dfz\u00fcgig umbauen lie\u00df. Sein Bruder Maximilian meinte gar, dass &#8222;<em>Ferdinand verzaubert sai<\/em>&#8220; von der sch\u00f6nen Philippine Welser, als Ferdinand w\u00e4hrend des T\u00fcrkenkriegs seine Truppen abzog, um nach Hause zu seiner Frau zu gehen. Weniger schmeichelhaft der Nachsatz <em>\u201e\u2026Ich wollt, da\u00df die Brekin in einen Sakh schteckt und was nit wo w\u00e4r. Gott verzeihs mier.\u201c<\/em> Der Kaiser erkannte die Ehe erst an, nachdem die beiden f\u00fcr ihre Heirat um Vergebung gebeten hatten und sich zu ewiger Geheimhaltung verpflichteten. Die Kinder dieser morganatischen Ehe wurden deshalb von der Erbfolge ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Philippine Welsers Leidenschaft war das Kochen. In der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek ist noch heute eine Rezeptsammlung vorhanden. Die Kochkunst wurde im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit ausschlie\u00dflich von Wohlhabenden und Adeligen gepflegt, w\u00e4hrend der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Untertanen essen musste, was verf\u00fcgbar war. Mittelalter und Neuzeit, eigentlich alle Menschen bis in die 1950er Jahre, lebten unter dauerhaftem Kalorienmangel. W\u00e4hrend wir heute zu viel essen und deshalb krank werden, litten unsere Vorfahren unter Krankheiten, die auf Mangelern\u00e4hrung zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Fr\u00fcchte waren ebenso selten Teil des Speiseplans wie Fleisch. Die Kost war eint\u00f6nig und kaum gew\u00fcrzt. Gew\u00fcrze wie der exotische Pfeffer waren Luxusg\u00fcter, die sich das normale Volk nicht leisten konnten. W\u00e4hrend der Speiseplan des Normalb\u00fcrgers eine triste Angelegenheit war, bei der es vor allem darum ging, sich die Kalorien f\u00fcr die t\u00e4gliche Arbeit so effizient als m\u00f6glich zu holen, begann sich in Innsbruck unter Ferdinand II. und Philippine Welser die Einstellung zu Essen und Trinken zu ver\u00e4ndern. Der Hofstaat hatte seit Friedrich IV. zu einer gewissen Kultivierung der Manieren und Sitten in Innsbruck beigetragen, Philippine Welser und Ferdinand trieben diese Entwicklung auf Schloss Ambras und der Weiherburg auf die Spitze. Die Bankette, die sie gaben, waren legend\u00e4r und arteten nicht selten in Orgien aus. Ihr zweites Steckenpferd war die Kr\u00e4uterkunde. Philippine beschrieb, wie man Pflanzen und Kr\u00e4uter zur Linderung k\u00f6rperlicher Leiden aller Art verwendet. \u201e<em>Um die Z\u00e4hne wei\u00df und frisch zu machen und die W\u00fcrm darin zu t\u00f6ten: Nehmt Rosmarinholz und brennt es zu Kohle, sta\u00dft alles zu Pulver, bindet es in ein seiden T\u00fcchelein und reibt damit die Z\u00e4hne ein<\/em>,\u201c war einer ihrer Tipps f\u00fcr ein gesundes und gepflegtes Dasein. Auf Schloss Ambras in Innsbruck lie\u00df sie f\u00fcr ihr Hobby und ihre Studien einen Kr\u00e4utergarten anlegen.<\/p>\n<p>In der Tiroler Bev\u00f6lkerung galt sie laut Berichten der Zeit als sehr beliebt, k\u00fcmmerte sie sich doch sehr um die Armen und Bed\u00fcrftigen. Die vom Stadtrat angeleitete F\u00fcrsorge der Bed\u00fcrftigen, gesponsert von wohlhabenden B\u00fcrgern und Adeligen, war damals allerdings keine Besonderheit, sondern g\u00e4ngige Praxis. N\u00e4her an das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben als durch christliche N\u00e4chstenliebe, <em>Caritas<\/em>, konnte man nicht kommen. Ihre letzte Ruhe fand Philippine Welser nach ihrem Tod 1580 in der Silbernen Kapelle in der Innsbrucker Hofkirche. Gemeinsam mit ihren als S\u00e4ugling verstorbenen Kindern und Ferdinand wurde sie dort begraben. Unterhalb des Schloss Ambras erinnert die Philippine-Welser-Stra\u00dfe an sie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Ferdinand II.: Principe und Renaissancef\u00fcrst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ferdinand II.: Renaissance, Glanz und Glamour&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53487&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Erzherzog Ferdinand II. von \u00d6sterreich (1529 \u2013 1595) z\u00e4hlt zu den schillerndsten Figuren der Tiroler Landesgeschichte. Sein Vater Kaiser Ferdinand I. lie\u00df ihm eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen. Er wuchs am spanischen Hof seines Onkels Kaiser Karl V auf. Die Jahre, in denen Ferdinand seine Schulbildung erhielt, fallen in die Anfangszeit des jesuitischen Einflusses an den habsburgischen H\u00f6fen. Der junge Staatsmann wurde von den frommen gelehrten ganz im Sinne des christlichen Humanismus erzogen. Dazu gesellten sich Kenntnisse der Sitten des Hochadels der Renaissance. In jungen Jahren reiste er durch Italien und Burgund und hatte an den wohlhabenden H\u00f6fen dort einen Lebensstil kennengelernt, der sich unter der deutschen Aristokratie noch nicht durchgesetzt hatte. Einige Jugendjahre verbrachte er auch in Innsbruck. Ferdinand war das, was man heute als Globetrotter, Mitglied der Bildungselite oder Kosmopolit bezeichnen w\u00fcrde. Er galt als intelligent, charmant und kunstsinnig. Bei weniger von seiner Exzentrik angetanen Zeitgenossen genoss er hingegen den Ruf eines unmoralischen und genusss\u00fcchtigen W\u00fcstlings. Es wurde ihm schon zu Lebzeiten nachgesagt, ausschweifende und unsittliche Orgien zu veranstalten. Mitgrund daf\u00fcr war wohl sein Beziehungsleben. In erster &#8222;halbwilder Ehe&#8220; war Ferdinand mit der B\u00fcrgerlichen Philippine Welser verheiratet. Nachdem Ehefrau #1 verstorben war, heiratete Ferdinand mit 53 Jahren die tiefgl\u00e4ubige Anna Caterina Gonzaga, eine erst 16j\u00e4hrige Prinzessin von Mantua. Gro\u00dfe Zuneigung haben die beiden allem Anschein nach aber nicht zueinander empfunden, zumal Anna Caterina eine Nichte Ferdinands war. Die Habsburger waren beim Thema Hochzeit unter Verwandten weniger zimperlich als bei der Ehe eines Adeligen mit einer B\u00fcrgerlichen. Auch mit ihr konnte er allerdings &#8222;nur&#8220; drei T\u00f6chter zeugen.<\/p>\n<p>Nach dem selten in Tirol weilendem Landesf\u00fcrsten Ferdinand I. bekam Innsbruck wieder einen echten Regenten. Ferdinands Vater teilte sein Reich unter seinen S\u00f6hnen auf. Maximilian II., der unter dem elterlichen Verdacht der H\u00e4resie und dem Anh\u00e4ngen protestantischer Lehren stand, erbte Ober- und Nieder\u00f6sterreich sowie B\u00f6hmen und Ungarn. Ferdinands j\u00fcngerer Bruder Karl regierte in Inner\u00f6sterreich, also K\u00e4rnten, Steiermark und der Krain. Das Mittelkind erhielt Tirol, das damals bis ins Engadin reichte, und die zerst\u00fcckelten habsburgischen Vorlande im Westen der zentraleurop\u00e4ischen Besitzungen. Die silbernen Goldjahre des Landes begannen zu verblassen. Die Bergwerke in Schwaz begannen wegen des billigen Silbers aus Amerika unrentabel zu werden. Die Silberschwemme aus den habsburgischen Besitzungen in <em>Neu-Spanien<\/em> jenseits des Atlantiks f\u00fchrte zu einer Inflation. Diese finanziellen Probleme hielten Ferdinand aber nicht davon ab, pers\u00f6nliche und \u00f6ffentliche Infrastruktur in Auftrag zu geben. Innsbruck profitierte wirtschaftlich und kulturell enorm davon, dass es nach Jahren ohne dezidiert einen Landesf\u00fcrsten zu haben, nun wieder zum Zentrum eines Regenten wurde. Ferdinands erzherzogliche Pr\u00e4senz lockte Aristokratie und Beamtenschaft nach den Jahrzehnten der Vernachl\u00e4ssigung nach Maximilians Ableben wieder an. In den sp\u00e4ten 1560er Jahren war die Verwaltung wieder auf 1000 Personen angewachsen, die mit ihrem Geld die lokale Wirtschaft anfachten. B\u00e4cker, Metzger und Gasth\u00f6fe florierten nach einigen kargeren Jahren wieder. Innsbruck besa\u00df Ende des 16. Jahrhunderts im Vergleich mit anderen St\u00e4dten \u00fcberdurchschnittlich viele Gastwirte, die \u00fcberdurchschnittlich gut an den H\u00e4ndlern, G\u00e4sten und Durchreisenden verdienten. Weinh\u00e4user waren nicht nur Gastbetriebe, sondern auch Lager- und Handelsst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die italienischen St\u00e4dte Florenz, Venedig und Mailand waren stilbildend in Kultur, Kunst und Architektur. Der Tiroler Hof Ferdinands sollte ihnen in nichts nachstehen. Vorbei sollten die Zeiten sein, in denen Deutsche in den sch\u00f6neren St\u00e4dten s\u00fcdlich der Alpen als unzivilisiert,<em> barbarisch<\/em> oder gar als <em>Schweine<\/em> bezeichnet wurden. Dazu lie\u00df er Innsbruck im Geist der Renaissance umgestalten. Ganz im Trend der Zeit ahmte er die italienischen Adelsh\u00f6fe nach. Hofarchitekt Giovanni Lucchese stand ihm dabei zur Seite. Einen ansehnlichen Teil seines Lebens verbrachte Ferdinand auf Schloss Ambras bei Innsbruck, wo er sich eine der kostbarsten Sammlungen von Kunstwerken und R\u00fcstungen anlegte, die noch heute zu den wertvollsten der Welt ihrer Art zu z\u00e4hlen ist. Ferdinand verwandelte die Burg oberhalb des Dorfes Amras in einen modernen Hof. Seine Feste, Maskenb\u00e4lle und Umz\u00fcge waren legend\u00e4r. W\u00e4hrend der Hochzeit eines Neffen lie\u00df er 1800 K\u00e4lber und 130 Ochsen braten. Aus den Brunnen soll 10 Tage lang Wein statt Wasser geflossen sein.<\/p>\n<p>Mit dem Schloss Ambras war es aber nicht getan, was die Ver\u00e4nderung Innsbrucks anbelangt. Westlich der Stadt erinnert ein Torbogen noch an den <em>Tiergarten<\/em>, ein Jagdrevier Ferdinands samt Lusthaus entworfen ebenfalls von Lucchese. Damit der Landesf\u00fcrst sein Wochenenddomizil erreichen konnte, wurde eine Stra\u00dfe in die sumpfige H\u00f6ttinger Au gelegt, die die Basis f\u00fcr die heutige Kranebitter Allee bildete. Das <em>Lusthaus<\/em> wurde 1786 durch den heute als <em>Pulverturm<\/em> bekannten Bau ersetzt, der einen Teil der sportwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck beheimatet. Dem f\u00fcrstlichen Sport des Jagens folgte im ehemaligen <em>Lusthaus<\/em>, das der Pulverturm war, die Sportuniversit\u00e4t nach. In der Innenstadt lie\u00df er das f\u00fcrstliche <em>Comedihaus<\/em> am heutigen Rennweg errichten. Um Innsbrucks Trinkwasserversorgung zu verbessern, wurde unter Ferdinand die <em>M\u00fchlauerbr\u00fccke<\/em> errichtet, um eine Wasserleitung vom M\u00fchlaubach ins Stadtgebiet zu verlegen. Die Jesuiten, kurz vor Ferdinands Amtsantritt in Innsbruck eingetroffen, um l\u00e4stigen Reformatoren und Kirchenkritikern das Leben schwer zu machen und das Bildungswesen neu aufzustellen, erhielten in der Silbergasse eine neue Kirche. Zahlreiche Neubauten wie die Kl\u00f6ster der Jesuiten, der Franziskaner, Kapuziner und Servitinnen kurbelten das Handwerk und die Baubranche an. Die neuen Orden unterst\u00fctzten Ferdinands Augenmerk auf die konfessionelle Ausrichtung seiner Sch\u00e4fchen. In seiner 1573 erlassenen Tiroler Landesordnung schob er nicht nur Unzucht, Fluchen und Prostitution einen Riegel vor, sondern verpflichtete seine Untertanen zu einer gottesf\u00fcrchtigen, also katholischen Lebensf\u00fchrung. Das \u201e<em>Verbott der Zauberey und Abgerglaubigen Warsagerey<\/em>\u201c untersagte jedwegliche Abweichung vom wahren Glauben bei Androhung von Kerker, k\u00f6rperlicher Z\u00fcchtigung und Enteignung. Juden mussten einen jederzeit gut sichtbaren Ring aus gelbem Stoff auf der linken Brustseite ihres Gewandes tragen. Gleichzeitig brachte Ferdinand einen j\u00fcdischen Finanzier nach Innsbruck, um die Geldgesch\u00e4fte f\u00fcr die aufw\u00e4ndige Hoff\u00fchrung abzuwickeln. Samuel May und seine Familie lebten als F\u00fcrstliche Schutzjuden in der Stadt. Daniel Levi erfreute Ferdinand mit Tanz und Harfenspiel am Theater und Elieser Lazarus k\u00fcmmerte sich als Hofarzt um seine Gesundheit.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung zu schr\u00f6pfen, prunkvoll zu leben, Protestantismus unter seinen wichtigen Beratern zu tolerieren und gleichzeitig den Protestantismus im Volk zu bek\u00e4mpfen, war f\u00fcr den gelernten Renaissancef\u00fcrsten kein Widerspruch. Als Landesf\u00fcrst verstand er sich als <em>Advocatus Ecclesiae (Anm.: Vertreter der Kirche)<\/em> in einem konfessionell absolutistischen Sinn, der f\u00fcr das Seelenheil seiner Untertanen verantwortlich war. Bereits mit 15 Jahren zog er mit seinem Onkel Karl V. im <em>Schmalkaldischen Krieg<\/em> in die Schlacht gegen die Feinde der R\u00f6mischen Kirche. Zwangsma\u00dfnahmen, Stiftung von Kirchen und Kl\u00f6stern wie den Franziskanern und den Kapuzinern in Innsbruck, verbesserte Seelsorge und die Inszenierung jesuitischer Theaterst\u00fccke wie \u201e<em>Die Enthauptung des Johannes<\/em>\u201c waren die Waffen der Wahl gegen den Protestantismus. Ferdinands Fr\u00f6mmigkeit war zwar nicht aufgesetzt, er schaffte es aber wie die meisten seiner Zeitgenossen, sich situationselastisch anzupassen. Seine Politik stand unter passendem italienischem Einfluss der zeitgen\u00f6ssischen Avantgarde. Machiavelli schrieb sein Werk \u201e<em>Il Principe<\/em>\u201c, in dem davon die Rede war, dass Regierenden alles erlaubt sei, was f\u00fcr den Erfolg n\u00f6tig ist, so sie denn unf\u00e4hig waren, sie auch abgesetzt werden k\u00f6nnten. Ferdinand II. probierte diesem fr\u00fchen absolutistischen F\u00fchrungsstil gerecht zu werden und erlie\u00df mit seiner <em>Tiroler Landesordnung<\/em> f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ein modernes juristisches Regelwerk. F\u00fcr seine Untertanten bedeutete das h\u00f6here Steuerabgaben auf ihre Ertr\u00e4ge sowie weitgehende Einschr\u00e4nkungen bei Almende, Fischerei- und Jagdrechten. Die Knappen, Bergbauunternehmer und die ausl\u00e4ndischen Handelsgesellschaften mit ihren Kontoreien in Innsbruck trieben die Lebensmittelpreise zus\u00e4tzlich in die H\u00f6he. Man k\u00f6nnte es zusammenfassen, dass Ferdinand auf seinen Anwesen vergn\u00fcglich dem exklusiven Jagdvergn\u00fcgen nachging, w\u00e4hrend seine Untertanten durch steigende Belastungen, Inflation und das Jagdverbot mitverursachte Wildsch\u00e4den harte Zeiten durchlebten. Wohl wegen seiner baulichen Hinterlassenschaft genie\u00dft er bis heute eine wohlmeinende Erinnerungskultur. Seine letzte Ruhest\u00e4tte fand der Exzentriker wohl ganz nach seinem Geschmack in der <em>Silbernen Kapelle<\/em> bei seiner ersten Ehefrau Philippine Welser.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maximilian I. und seine Zeit&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maximilian I. und seine Zeit&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53520&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Maximilian z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Pers\u00f6nlichkeiten nicht nur der Innsbrucker, sondern der europ\u00e4ischen Geschichte. \u00dcber das Land im Gebirge soll er gesagt haben: &#8222;<em>Tirol ist ein grober Bauernkittel, der aber gut w\u00e4rmt<\/em>.&#8220; Gr\u00fcnde f\u00fcr die besondere Zuneigung gab es viele. Sein Vater Friedrich III. hatte 1415 in Innsbruck das Licht der Welt erblickt noch bevor die Stadt landesf\u00fcrstliche Residenz wurde. Maximilian war wie viele seiner Kollegen aus der Hocharistokratie begeisterter J\u00e4ger, die Lage der Stadt inmitten der Auen, W\u00e4lder und Berge soll, \u00e4hnlich wie sie es heute bei deutschen Studenten tut, einen besonderen Reiz auf ihn ausge\u00fcbt haben. Trotz dieser \u00fcberzeugenden Soft Facts waren es aber wohl handfestere Gr\u00fcnde, die ihn dazu bewegten, einen betr\u00e4chtlichen Teil seiner Amtsgesch\u00e4fte hierher zu verfrachten. 1490 \u00fcbernahm er die Regierungsgesch\u00e4fte Tirols auf Bitten der Landst\u00e4nde von seinem Vorg\u00e4nger Siegmund. Der m\u00e4chtige Habsburger wollte die wichtigen Assets, die das Land zu bieten hatte, nicht aus dem habsburgischen Portfolio geben. Maximilian machte die ehemalige Handelssiedlung am Inn zu einem der wichtigsten Zentren des Heiligen R\u00f6mischen Reichs und ver\u00e4nderte damit ihre Geschicke nachhaltig. Auch die strategisch g\u00fcnstige Lage Innsbrucks nahe an den italienischen Kriegsschaupl\u00e4tzen machte die Stadt so interessant f\u00fcr den Kaiser. Viele Tiroler mussten auf den Schlachtfeldern den kaiserlichen Willen durchsetzen, anstatt die heimischen Felder zu bestellen. Das \u00e4nderte sich erst am Ende seiner Regierungszeit. Maximilian gestand 1511 den Tirolern im <em>Tiroler Landlibell<\/em>, einer Art Verfassung zu, dass sie als Soldaten nur f\u00fcr den Krieg zur Verteidigung des eigenen Landes herangezogen werden d\u00fcrfen. Was von Maximilian-Nostalgikern, die das Dokument gerne als Freiheitsbrief ansehen, gerne vergessen wird, sind die Verpflichtungen wie die Einhebung von Sondersteuern im Kriegsfall, die damit geregelt werden. F\u00fcr Innsbruck zahlte es sich auf jeden Fall aus, wenn nicht finanziell, so zumindest kulturell. \u201e<em>Wer immer sich im Leben kein Ged\u00e4chtnis macht, der hat nach seinem Tod kein Ged\u00e4chtnis und derselbe Mensch wird mit dem Glockenton vergessen.\u201c<\/em> Dieser Angst wirkte Maximilian h\u00f6chst erfolgreich aktiv durch die Errichtung gut sichtbarer Symbole kaiserlicher Macht wie dem <em>Goldenen Dachl<\/em> entgegen. Propaganda, Bild und Medien spielten eine immer st\u00e4rkere Rolle, bedingt auch durch den aufkeimenden Buchdruck. Maximilian nutzte Kunst und Kultur, um sich pr\u00e4sent zu halten. Er hielt sich eine Reichskantorei, eine Musikkapelle, die an Feiertagen und bei \u00f6ffentlichen Auftritten und Empf\u00e4ngen internationaler Gesandter zum Einsatz kam. Bekannt bis heute ist die Komposition des aus Burgund angeworbenen Hofkomponisten Heinrich Isaac \u201eInnsbruck ich muss dich lassen\u201c, die vom deutschen Duo <em>Zupfengeigenhansel<\/em> in den 1970ern h\u00f6renswert neu interpretiert wurde und heute auf Streamingdiensten genossen werden kann. Maximilian lie\u00df von K\u00fcnstlern, Baumeistern und Gelehrten wie Georg K\u00f6lderer und Niklas T\u00fcring einen wahren Personenkult mit M\u00fcnzen, B\u00fcchern, Druckschriften und Gem\u00e4lden rund um sich selbst veranstalten.<\/p>\n<p>Bei aller Romantik, die der Liebhaber h\u00f6fischer Traditionen und des klassischen Rittertums pflegte, war er ein k\u00fchler Machtpolitiker. Seine Kulturpolitik und Propaganda lehnte sich vielleicht an das Mittelalter an, realpolitisch war er aber vorw\u00e4rtsgewandt. Unter ihm entstanden politische Institutionen wie der Reichstag, Reichshofrat und das Reichskammergericht, die das Verh\u00e4ltnis von Untertanen, Landesherr und Monarchie streng regelten. Um 1500 hatte Tirol circa 300.000 Einwohner. Mehr als 80% der Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft und lebten zum allergr\u00f6\u00dften Teil von den Ertr\u00e4gen der H\u00f6fe. Maximilian beschnitt in einem wahren Furor an neuen Gesetzen die b\u00e4uerlichen Rechte der Allmende. Holzschlag, Jagd und Fischerei wurden dem Landesherrn unterstellt und waren kein Allgemeingut mehr. Das hatte negative Auswirkungen auf die b\u00e4uerliche Selbstversorgung. Dank der neuen Gesetze wurden aus J\u00e4gern Wilderer. Fleisch und Fisch waren im Mittelalter f\u00fcr lange Zeit ein Teil des Speiseplans, nun wurde dieser Genuss zum Luxus, der oft nur illegal beschafft werden konnte. Bei einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung war Maximilian zu Lebzeiten deshalb unbeliebt.<\/p>\n<p>Zur Einschr\u00e4nkung in der Selbstversorgung gesellten sich neue Abgaben. Es war immer schon \u00fcblich gewesen, dass Landesf\u00fcrsten im Kriegsfall die Bev\u00f6lkerung mit zus\u00e4tzlichen Steuern belasteten. Maximilians Kriegsf\u00fchrung unterschied sich zu den mittelalterlichen Konflikten. Die Hilfstruppen und ihre adeligen, ritterlich k\u00e4mpfenden Grundherren wurden durch S\u00f6ldner, die mit den modernen Feuerwaffen umzugehen verstanden, erg\u00e4nzt oder ganz ersetzt.<\/p>\n<p>Diese neue Art ins Feld zu ziehen, verschlang Unsummen. Als die Ertr\u00e4ge aus den landesf\u00fcrstlichen Besitzungen wie M\u00fcnz-, Markt-, Bergwerks-, und Zollregal nicht mehr ausreichten, wurden die einzelnen Bev\u00f6lkerungsgruppen je nach Stand und Verm\u00f6gen besteuert, jedoch war die Steuer noch weit entfernt von unserem heutigen ausdifferenzierten System und brachten dementsprechend Ungerechtigkeit und Unmut mit sich. Ein Beispiel f\u00fcr eine Abgabe war Maximilians <em>Gemeiner Pfennig<\/em>. Die Verm\u00f6genssteuer betrug zwischen 0,1 und 0,5% des Verm\u00f6gens, war aber mit 1 Gulden gedeckelt. Juden mussten unabh\u00e4ngig von ihrem Verm\u00f6gen eine Kopfsteuer von 1 Gulden bezahlen. Erstmals wurden auch F\u00fcrsten zur Kasse gebeten, bezahlten aber durch die Deckelung maximal gleich viel wie ein mittelst\u00e4ndischer Jude. Verk\u00fcndung und Exekution der Steuer unterlagen Pr\u00e4laten, Pfarrern und weltlichen Herrn. Pfarrer mussten an drei Sonntagen die Steuer von der Kanzel herunter verk\u00fcnden, die Beitr\u00e4ge gemeinsam mit Vertretern der Gerichte einsammeln und im Reichssteuerregister anlegen. Schnell begriff man, dass diese Art der Steuereinhebung nicht funktionierte. Es bedurfte eines modernen Systems und Steuermodells. Eine kollegiale Kammer, das Regiment, wachte zentral \u00fcber die L\u00e4nder Tirol und Vorder\u00f6sterreich nach dem modernen Vorbild der Burgunder Finanzwirtschaft, die Maximilian in seiner Zeit in den Niederlanden kennengelernt hatte. Innsbruck wurde zum Finanz- und Buchhaltungszentrum f\u00fcr die \u00f6sterreichischen L\u00e4nder. Die <em>Raitkammer<\/em> und die <em>Hauskammer<\/em> befanden sich im Neuhof, wo heute das <em>Goldene Dachl<\/em> \u00fcber die Altstadt residiert. Maximilians Erfolgsgeheimnis war es, t\u00fcchtigen und f\u00e4higen Menschen anspruchsvolle Positionen zu \u00fcberlassen, anstatt automatisch den Hochadel einzusetzen. Mit Florian Waldauf \u00fcbernahm ein aufstrebender Sohn aus der damaligen oberen Mittelschicht die Funktion als Rat \u00fcber die <em>Raitkammer<\/em>. Waldauf erkannte, dass es besser f\u00fcr die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t war, Bauern als erbberechtigte und verantwortungsbewusste Marktteilnehmer einzusetzen denn als handlungsunf\u00e4hige Untertanen. 1496 wurden die finanziellen Mittel der \u00f6sterreichischen Erbl\u00e4nder in der Schatzkammer in Innsbruck geb\u00fcndelt. \u00a0Vorsitzender der Hofkammer war der Brixner Bischof Melchior von Meckau, der mehr und mehr die Fugger als Kreditgeber miteinbezog. Der Oberhirte Tirols war dem schn\u00f6den Mammon als fr\u00fcher Finanzkapitalist mehr zugeneigt als der Seelsorge seiner Sch\u00e4fchen, sein Privatverm\u00f6gen soll bei seinem Ableben gigantisch gewesen sein. Beamten wie Jakob Villinger (1480 &#8211; 1529) wickelten in der italienisch gepr\u00e4gten Form der doppelten Buchhaltung den Geldverkehr mit Bankh\u00e4usern aus ganz Europa ab und probierten den kaiserlichen Finanzhaushalt in Zaum zu halten. Talentierte Kleinadelige und B\u00fcrger, studierte Juristen und ausgebildete Beamten l\u00f6sten den Hochadel in bestimmender Funktion ab. Finanzexperten aus Burgund hatten die kaufm\u00e4nnische Leiter des Regiments \u00fcber. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Finanz- und anderen Feldern wie Kriegsplanung und Innenpolitik waren flie\u00dfend, was der neuen Beamtenschicht gro\u00dfe Macht verlieh. War es bisher \u00fcblich, dass das Gleichgewicht zwischen Landesf\u00fcrsten, Kirche, Grundherr und Untertan aus Beitrag und milit\u00e4rischem Schutz bestand, wurde dieses System nun durch Zwang von der Obrigkeit durchgesetzt. Maximilian argumentierte, dass es Pflicht jedes Christenmenschen, egal welchen Standes, sei, das <em>Heilige R\u00f6mische Reich<\/em> gegen \u00e4u\u00dfere Feinde zu verteidigen. Die Aufzeichnungen rund um die Streitereien zwischen K\u00f6nig, Adel, Klerus, Bauern und St\u00e4dten um die Abgabenleistung erinnerten schon vor Maximilian stark an heutige politische Diskussion um das Thema der Macht- und Verm\u00f6gensverteilung. Der gro\u00dfe Unterschied zwischen dem ausgehenden 15. Jahrhundert und den vorhergegangenen Jahrhunderten entstand dadurch, dass dank des modernen Beamtenapparats diese Steuern nun auch exekutiert und eingetrieben werden konnten. Der Vergleich mit der Registrierkassenpflicht, der Besteuerung von Trinkgeldern in der Gastronomie und der Diskussion um die Abschaffung des Bargeldes dr\u00e4ngt sich auf. Das Kapital folgte der politischen Bedeutung ebenfalls nach Innsbruck. W\u00e4hrend seiner Regentschaft besch\u00e4ftigte Maximilian 350 R\u00e4te, die ihm zur Seite standen. Knapp ein Viertel dieser hochbezahlten R\u00e4te stammte aus Tirol. Gesandte und Politiker aus ganz Europa bis zum osmanischen Reich sowie Adelige lie\u00dfen sich ihren Wohnsitz in Innsbruck bauen oder \u00fcbernachteten in den Wirtsh\u00e4usern der Stadt. \u00c4hnlich wie <em>Big Money<\/em> aus \u00d6lgesch\u00e4ften heute Fachkr\u00e4fte aller Art nach Dubai lockt, zogen das Schwazer Silber und die daran h\u00e4ngende Finanzwirtschaft damals Experten aller Art nach Innsbruck, einer kleinen Stadt inmitten der unwirtlichen Alpen.<\/p>\n<p>Innsbruck ver\u00e4nderte sich unter Maximilian Regentschaft baulich und infrastrukturell wie nie zuvor. Neben dem repr\u00e4sentativen <em>Goldenen Dachl<\/em> lie\u00df er die Hofburg umgestalten, begann mit dem Bau der Hofkirche und erschuf mit dem Innsbrucker Zeughaus Europas f\u00fchrende Waffenschmiede. Die Stra\u00dfen durch die Altstadt wurden f\u00fcr die feinen Leute des Hofstaats befestigt und gepflastert. Als frommer Christ im Sinne der Ritterlichkeit half der Kaiser auch den \u00c4rmsten. 1499 lie\u00df Maximilian die <em>Salvatorikapelle<\/em>, ein Spital f\u00fcr notleidende Innsbrucker, die keinen Anspruch auf einen Platz im Stadtspital hatten, renovieren und erweitern. 1509 wurde der innerst\u00e4dtische Friedhof vom heutigen Domplatz hinter das Stadtspital an den heutigen Adolf-Pichler-Platz umgesiedelt. Um Seuchen zu vermeiden, mahnten die landesf\u00fcrstlichen Beamten dazu, H\u00e4user und Stra\u00dfen sauber zu halten. Maximilian lie\u00df den Handelsweg im heutigen Mariahilf verlegen und verbesserte die Wasserversorgung der Stadt. Eine Feuerordnung f\u00fcr die Stadt Innsbruck folgte 1510. Maximilian begann auch an den Privilegien des Stiftes Wilten, dem gr\u00f6\u00dften Grundherrn im heutigen Stadtgebiet, zu s\u00e4gen. Infrastruktur im Besitz des Klosters wie M\u00fchle, S\u00e4ge und Sillkanal sollten st\u00e4rker unter landesf\u00fcrstliche Kontrolle kommen.<\/p>\n<p>Der kaiserliche Hof und die wohlhabende Beamtenschaft, die in Innsbruck ans\u00e4ssig waren, transformierte Aussehen und Attit\u00fcde Innsbrucks. Maximilian hatte die distinguierte h\u00f6fische Kultur Burgunds seiner ersten Ehefrau nach Mitteleuropa eingef\u00fchrt. Kulturell war es vor allem seine zweite Ehefrau Bianca Maria Sforza, die Innsbruck f\u00f6rderte. Nicht nur die k\u00f6nigliche Hochzeit fand hier statt, sie residierte auch lange Zeit hier, war die Stadt doch n\u00e4her an ihrer Heimat Mailand als die anderen Residenzen Maximilians. Sie brachte ihren gesamten Hofstaat aus der Renaissancemetropole mit in die deutschen L\u00e4nder n\u00f6rdlich der Alpen. Kunst und Unterhaltung in allen Formen bl\u00fchten auf und auch die Kaufleute freute sich \u00fcber die Konsumwut der Gattin des Landesf\u00fcrsten, die von den R\u00e4ten kaum gez\u00fcgelt werden konnte.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde unter Maximilian aber nicht nur kulturell zu einem Zentrum des Reiches, auch wirtschaftlich brummte die Stadt. Unter anderem war Innsbruck Zentrale des Postdienstes im Kaiserreich. In der Waffenherstellung konnte Maximilian auf das Fachwissen der B\u00fcchsenmeister aufbauen, die sich bereits unter seinem Vorg\u00e4nger Siegmund in den Gie\u00dfereien in H\u00f6tting etabliert hatten. Plattner, Gussh\u00fcttenbetreiber, Pulverstampfer und Messerschmiede siedelten sich in der Neustadt, in St. Nikolaus, M\u00fchlau, H\u00f6tting und entlang des Sillkanals an. Die Kaufmannsdynastie Fugger unterhielt eine Kontorei in Innsbruck. Neben seiner ihm gerne unterstellten Liebe f\u00fcr die Tiroler Natur waren ihm die Kostbarkeiten wie das Haller Salz und das Schwazer Silber mindestens ebenso teuer und n\u00fctzlich. Seinen aufw\u00e4ndigen Hofstaat, die Wahl zum K\u00f6nig durch die Kurf\u00fcrsten und den acht Jahre dauernden Krieg gegen die Republik Venedig finanzierte sich Maximilian unter anderem durch Verpf\u00e4ndung der Bodensch\u00e4tze des Landes.<\/p>\n<p>Maximilians Wirken in Innsbruck zu fassen, ist schwierig. Liebesbekundungen eines Kaisers schmeicheln nat\u00fcrlich der Volksseele bis heute. Seine materielle Hinterlassenschaft mit den vielen Prunkbauten verst\u00e4rken dieses positive Image. Er machte Innsbruck zu einer kaiserlichen Residenzstadt und trieb die Modernisierung der Infrastruktur voran. Innsbruck wurde dank dem Zeughaus zum Zentrum der R\u00fcstungsindustrie, die Schatzkammer des Reiches und wuchs wirtschaftlich und r\u00e4umlich. Die Schulden, die er daf\u00fcr aufnahm und das Landesverm\u00f6gen, das er an die Fugger verpf\u00e4ndete, pr\u00e4gten Tirol nach seinem Tod mindestens ebenso wie die strengen Gesetze, die er der einfachen Bev\u00f6lkerung verordnete. 5 Millionen Gulden soll er an Schulden hinterlassen haben, einen Betrag, den seine \u00f6sterreichischen Besitzungen in 20 Jahren erwirtschaften konnten. Die ausst\u00e4ndigen Zahlungen ruinierten nach seinem Tod viele Betriebe und Dienstleute, die auf den kaiserlichen Versprechungen sitzen blieben. Fr\u00fchneuzeitliche Herrscher waren nicht an die Verbindlichkeiten ihrer Vorg\u00e4nger gebunden. Eine Ausnahme bildeten die Vereinbarungen mit den Fuggern, hingen daran doch Pfandrechte. In den Legenden \u00fcber den Kaiser sind die harten Zeiten nicht so pr\u00e4sent wie das <em>Goldene Dachl<\/em> und die in der Schule gelernten Soft Facts. 2019 \u00fcberschlug man sich mit den Feierlichkeiten zum 500. Todestag des f\u00fcr Innsbruck wohl wichtigsten Habsburgers unter dem Motto \u201e<em>Tiroler im Herzen, Europ\u00e4er im Geiste<\/em>\u201c. Der Nieder\u00f6sterreicher wurde wohlwollend eingeb\u00fcrgert. Salzburg hat Mozart, Innsbruck Maximilian, einen Kaiser, den Tiroler passend zur gew\u00fcnschten Identit\u00e4t Innsbrucks als rauen Gesellen, der am liebsten in den Bergen ist, angepasst haben. Sein markantes Gesicht prangt heute auf allerhand Konsumartikeln, vom K\u00e4se bis zum Skilift steht der Kaiser f\u00fcr allerhand Profanes Pate. Lediglich f\u00fcr politische Agenden l\u00e4sst er sich weniger gut vor den Karren spannen als Andreas Hofer. Wahrscheinlich ist es f\u00fcr den Durchschnittsb\u00fcrger einfacher, sich mit einem revolution\u00e4ren Wirt zu identifizieren als mit einem Kaiser.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tourismus: Von alpiner Sommerfrische zur Piefke Saga&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tourismusland Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53667&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren sorgte eine \u00f6sterreichische Fernsehserie f\u00fcr einen Skandal. Die <em>Piefke Saga<\/em> aus der Feder des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer beschrieb in vier skurril-entlarvend-am\u00fcsanten Folgen die Beziehung zwischen der deutschen Urlauberfamilie Sattmann und ihren Gastgebern in einem fiktiven Tiroler Urlaubsort. Bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem Tourismus in seinen heutigen teils extremen Ausw\u00fcchsen sollte man nicht vergessen, dass der Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor in Innsbruck und Umgebung war, der die Entwicklung der Region nachhaltig antrieb, nicht nur wirtschaftlich. Die ersten Reisenden, die Innsbruck ansteuerten, waren Pilger und <em>Business People<\/em> der Fr\u00fchen Neuzeit. H\u00e4ndler, Gesellen auf der Walz, Beamte, Soldaten, Entourage adeliger G\u00e4ste bei Hof, Fachkr\u00e4fte verschiedener Gewerbe, Bergleute, Kleriker, Wallfahrer und Wissenschaftler waren die ersten Touristen, die es in die Stadt zwischen Italien und Deutschland zog. Reisen war teuer, gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam. Zudem war es einem gro\u00dfen Teil der Untertanen ohne Einwilligung ihres Grundherrn oder Abtes nicht gestattet, die eigene Scholle zu verlassen. Wer sich fortbewegte, tat dies im Normalfall auf des Schusters Rappen. Zwar verdienten die Innsbrucker Gasth\u00f6fe und Wirte bereits im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit an den Reisenden, von Fremdenverkehr wie wir ihn heute verstehen war aber noch keine Rede. Der fing an, als es einige Exzentriker erstmals auf die Berggipfel zog. Dazu bedurfte es neben einer wachsenden Mittelschicht auch einer neuen Einstellung gegen\u00fcber den Alpen. Lange waren die Berge eine reine Bedrohung f\u00fcr die Menschen gewesen. Es waren vor allem Briten, die sich aufmachten, sich nach den Weltmeeren auch die Gebirge dieser Erde untertan zu machen. \u00dcber Reiseberichte verbreitete sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, der Epoche der Romantik, die Kunde von der Natursch\u00f6nheit der Alpen. Der erste fremdsprachige Reisef\u00fchrer f\u00fcr Tirol, <em>Travels through the Rhaetian Alps von Jean Francois Beaumont<\/em> erschien 1796. Neben den alpinen Attraktionen waren es die wilden und exotischen <em>Eingeborenen<\/em> Tirols, die international f\u00fcr Aufsehen sorgten. Der b\u00e4rtige Revoluzzer namens Andreas Hofer, der es mit seinem Bauernheer geschafft hatte, Napoleons Armee in die Knie zu zwingen, erzeugte bei den Briten, den notorischen Erzfeinden der Franzosen, ebenso gro\u00dfes Interesse wie bei deutschen Nationalisten n\u00f6rdlich der Alpen, die in ihm einen fr\u00fchen Protodeutschen sahen. Die Tiroler galten als unbeugsamer Menschenschlag, archetypisch und ungez\u00e4hmt, \u00e4hnlich den Germanen unter Arminius, die das Imperium Romanum herausgefordert hatten. Die Beschreibungen Innsbrucks aus der Feder des Autors Beda Weber (1798 \u2013 1858) und andere Reiseberichte in der boomenden Presselandschaft dieser Zeit trugen dazu bei, ein attraktives Bild Innsbrucks zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nun mussten die wilden Alpen nur noch der Masse an Touristen zug\u00e4nglich gemacht werden, die zwar gerne den fr\u00fchen Abenteurern auf ihren Expeditionen nacheifern wollten, deren Risikobereitschaft und Fitness mit den W\u00fcnschen nicht schritthalten konnten. Der <em>Deutsche Alpenverein<\/em> er\u00f6ffnete 1869 eine Sektion Innsbruck, nachdem der 1862 <em>\u00d6sterreichische Alpenverein<\/em> wenig erfolgreich war. Angetrieben vom gro\u00dfdeutschen Gedanken vieler Mitglieder fusionierten die beiden Institutionen 1873. Der <em>Alpenverein<\/em> ist bis heute b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gt, sein sozialdemokratisches Pendant sind die <em>Naturfreunde<\/em>. Das Wegenetz wuchs durch dessen Erschlie\u00dfung ebenso wie die Zahl an H\u00fctten, die G\u00e4ste beherbergen konnten. Das Transitland Tirol besa\u00df unz\u00e4hlige Saumpfade und Fu\u00dfwege, die seit Jahrhunderten bestanden, und als Basis f\u00fcr den Alpinismus dienten. Kleine Gasth\u00f6fe, Bauernh\u00f6fe und Stationen entlang der Postwege dienten als Unterk\u00fcnfte. Der Tiroler Theologe Franz Senn (1831 \u2013 1884) und Adolf Pichler (1819 \u2013 1900) waren ma\u00dfgeblich an der Vermessung Tirols und der Erstellung von Kartenmaterial beteiligt. Anders als gerne behauptet, waren die Tiroler nicht geborene Bergsteiger, sondern mussten sich die F\u00e4higkeiten die Bergwelt zu erobern erst beibringen lassen. Bis dato waren Berge vor allem eins: gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam im landwirtschaftlichen Alltag. Sie zu besteigen, war zuvor kaum jemandem in den Sinn gekommen. Die Alpenvereine bildeten auch Bergf\u00fchrer aus. Ab der Jahrhundertwende kam neben Wandern und Bergsteigen der Skisport in Mode. Lifte gab es noch nicht, um auf die Berge zu gelangen, musste man sich der Felle bedienen, die heute noch auf Tourenski geklebt werden. Erst ab den 1920ern konnte nach dem Bau der Seilbahnen auf die Nordkette und dem Patscherkofel eine zahlungskr\u00e4ftige Klientel den modernen Luxus von Bergbahnen beim Skivergn\u00fcgen genie\u00dfen. \u00a0<\/p>\n<p>Es bedurfte neuer Hotels, Caf\u00e9s, Gasth\u00e4user, Gesch\u00e4fte und Transportmittel, um die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste zu befriedigen. Wer zu Hause in London oder Paris flie\u00dfend Wasser und einen Telefonanschluss hatte, wollte im Urlaub nicht mit einem Plumpsklo am Gang oder vor dem Haus Vorlieb nehmen. Die sogenannten <em>Gasth\u00f6fe ersten und zweiten Ranges<\/em> waren f\u00fcr den Transitverkehr geeignet, um gehobene Touristen zu empfangen waren sie aber nicht ausgestattet. Wirte in der Stadt und in den D\u00f6rfern rund um Innsbruck z\u00e4hlten bis ins 19. Jahrhundert zur gehobenen Mittelschicht, was das Einkommen betraf. Oft waren sie Bauern, die im Nebenerwerb Getr\u00e4nkte ausschenkten und Speisen verkauften. Sie hatten, wie das Beispiel Andreas Hofers zeigt, durchaus auch Ansehen und Einfluss innerhalb der lokalen Gesellschaft. Als Treffpunkte der Einheimischen und Knotenpunkte im Post- und Warenverkehr waren sie oft gut informiert \u00fcber das Geschehen in der kleinen und gro\u00dfen Welt. Da sie aber weder Mitglieder einer Zunft waren noch zum B\u00fcrgertum gez\u00e4hlt wurden, z\u00e4hlte der Beruf des Gastwirtes nicht zu den ehrbarsten Berufen. Das \u00e4nderte sich mit der Professionalisierung der Tourismuswirtschaft. Unternehmer wie Robert Ni\u00dfl, der 1865 Schloss B\u00fcchsenhausen \u00fcbernahm und in eine Bierbrauerei umbaute oder Johann Gruber mit dem <em>Gasthaus zum Riesen Haymon<\/em>, investierten in die Infrastruktur. Aus ehemaligen Adelsansitzen wie der Weiherburg wurden Gasth\u00f6fe und Hotels. Die Revolution vollzog sich in Innsbruck nicht 1848 auf den Barrikaden, sondern im Tourismus einige Jahrzehnte sp\u00e4ter, als findige B\u00fcrger die Aristokratie als Besitzer von Schl\u00f6ssern wie B\u00fcchsenhausen und der Weiherburg abl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Der 1849 er\u00f6ffnete <em>\u00d6sterreichische Hof<\/em> galt lange als Platzhirsch moderner Hotellerie, war offiziell aber nur ein Abklatsch eines Grand Hotels. Erst mit dem <em>Grand Hotel Europa<\/em> hatte 1869 bekam in Innsbruck ein Haus ersten Ranges ge\u00f6ffnet. Die Bl\u00fctezeit der Gasth\u00f6fe in der Altstadt war vor\u00fcber. 1892 folgte mit dem zeitgeistigen <em>Reformhotel Habsburger Hof<\/em> ein zweiter gro\u00dfer Betrieb. Wo heute das Metropolkino steht, war der Kaiserhof als Neubau errichtet worden. Der <em>Habsburger Hof<\/em> bot seinen G\u00e4sten bereits elektrisches Licht, eine absolute Sensation. Ebenfalls auf der bis dato unverbauten Fl\u00e4che vor dem Bahnhof war der <em>Arlberger Hof<\/em> angesiedelt. Was heute eher als Wettbewerbsnachteil angesehen w\u00fcrde, war zu dieser Zeit ein Verkaufsargument. Bahnh\u00f6fe waren die Zentren moderner St\u00e4dte. Die Bahnhofspl\u00e4tze waren keine \u00fcberf\u00fcllten Verkehrsknotenpunkte wie heute, sondern mond\u00e4ne und gepflegte Orte vor den architektonisch anspruchsvoll gestalteten Hallen, in denen die Z\u00fcge ankamen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der G\u00e4ste stieg langsam, aber stetig an. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges z\u00e4hlte Innsbruck 200.000 G\u00e4ste. Im Juni 1896 berichteten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Fremdenverkehr in Innsbruck bezifferte sich im Monat Mai auf 5647 Personen. Darunter befanden sich (au\u00dfer 2763 Reisenden aus Oesterreich-Ungarn) 1974 Reichsdeutsche, 282 Engl\u00e4nder, 65 Italiener, 68 Franzosen, 53 Amerikaner, 51 Russen und 388 Personen aus verschiedenen anderen L\u00e4ndern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Menge an Reisenden, die einen Einfluss auf das Leben in der Kleinstadt Innsbruck hatten, war es auch die Internationalit\u00e4t der Besucher, die Innsbruck nach und nach einen neuen Anstrich gaben. Neben der rein touristischen Infrastruktur wurde auch die Entwicklung der allgemeinen Neuerungen beschleunigt. Die wohlhabenden G\u00e4ste konnten kaum in Gastst\u00e4tten mit Senkgruben hinterm Haus verkehren. Nat\u00fcrlich w\u00e4re eine Kanalisation ohnehin am Plan gestanden, der Wirtschaftsfaktor Tourismus aber erm\u00f6glichte und beschleunigte die Mittelfreistellung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der Jahrhundertwende. Das ver\u00e4nderte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern auch den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Findige Unternehmer wie Heinrich Menardi schafften es, die Wertsch\u00f6pfungskette, um kostenpflichtige Urlaubsfreuden neben Kost und Logis zu erweitern. Er er\u00f6ffnete 1880 die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em> f\u00fcr Ausflugsfahrten in die alpine Umgebung. Anfangs mit Kutschen, nach dem 1. Weltkrieg mit Bussen und PKW, wurden zahlungskr\u00e4ftige Touristen bis nach Venedig chauffiert. Das Unternehmen besteht bis heute und hat seinen Firmensitz mittlerweile im <em>Menardihaus<\/em> in der Wilhelm-Greil-Strasse 17 gegen\u00fcber des Landhausplatzes, auch wenn man sich von der Transport- und Handelsbranche im Lauf der Zeit auf die eintr\u00e4glichere Immobilienwirtschaft verlegt hat. Auch der lokale Handel profitierte von der zahlungskr\u00e4ftigen Klientel aus dem Ausland. 1909 gab es bereits drei dezidierte <em>Touristen-Ausr\u00fcstungsgesch\u00e4fte<\/em> neben den wenige Jahre zuvor frisch er\u00f6ffneten mond\u00e4nen Warenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Innsbruck und die umgebenden Orte waren auch f\u00fcr Kururlaub, dem Vorg\u00e4nger des heutigen Wellness, bei der betuchte Kunden sich in alpinem Umfeld von unterschiedlichsten Krankheiten erholten, bekannt. In Egerdach bei Amras, in Mentlberg und in M\u00fchlau, gab es Kurb\u00e4der. Der <em>Igler Hof<\/em>, damals <em>Grandhotel Igler Hof<\/em> und das Sporthotel Igls, verstr\u00f6men heute noch teilweise den Chic dieser Zeit. Michael Obexer, der Gr\u00fcnder des Kurortes Igls und Besitzer des Grandhotels, war ein Tourismuspionier. So bekannt wie die Hotspots der Zeit in Bad Ischl, Marienbad oder Baden bei Wien waren die Anlagen nicht, wie man auf alten Fotos und Postkarten sehen kann, die Anwendungen mit Sole, Dampf, Gymnastik, sogar Magnetismus, entsprachen aber dem damaligen Standard dessen, was heute teilweise noch bei Kur- und Wellnessurlaubern beliebt ist. Das spektakul\u00e4rste touristische Projekt, das Innsbruck jemals erlebte, war aber wohl <em>Hoch-Innsbruck<\/em>, die heutige Hungerburg. Nicht nur die Hungerburgbahn und Hotels, sogar ein eigener See wurde hier nach der Jahrhundertwende geschaffen, um G\u00e4ste anzuziehen.<\/p>\n<p>Einer der ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens der <em>Hungerburg<\/em> und Innsbrucker Tourismuspionier, Richard von Attlmayr, war am Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Seit 1881 k\u00fcmmerte sich der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> um Befriedigung der steigenden Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste. Der Verein k\u00fcmmerte sich um die Anlage von Wander- und Spazierwegen, dem Aufstellen von B\u00e4nken und der Erschlie\u00dfung unwegsamer Gebiete wie der M\u00fchlauer Klamm oder der Sillschlucht. Die markanten gr\u00fcnen B\u00e4nke entlang vieler Wege erinnern bis heute an den noch immer existierenden Verein. 1888 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndeten die Profiteure des Fremdenverkehrs in Innsbruck die <em>Kommission zur F\u00f6rderung des Tourismus<\/em>, den Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbands. Durch vereinte Kr\u00e4fte in Werbung und Qualit\u00e4tssicherung bei den Beherbergungsbetrieben hofften die einzelnen Betriebe, den Tourismus weiter anzukurbeln.<\/p>\n<p><em>\u201eAllj\u00e4hrlich mehrt sich die Zahl der \u00fcberseeischen Pilger, die unser Land und dessen gletscherbekr\u00f6nte Berge zum Verdrusse unserer freundnachbarlichen Schweizer besuchen und manch klingenden Dollar zur\u00fccklassen. Die Engl\u00e4nder fangen an Tirol ebenso interessant zu finden wie die Schweiz, die Zahl der Franzosen und Niederl\u00e4nder, die den Sommer bei uns zubringen, mehrt sich von Jahr zu Jahr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Postkarten waren die ersten massentauglichen <em>Influencer<\/em> der Tourismusgeschichte. Viele Betriebe lie\u00dfen ihre eigenen Postkarten drucken. Verlage produzierten unz\u00e4hlige Sujets der beliebtesten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Es ist interessant zu sehen, was damals als sehenswert galt und auf den Karten abgebildet wurde. Anders als heute waren es vor allem die zeitgen\u00f6ssisch modernen Errungenschaften der Stadt: der Leopoldbrunnen, das Stadtcaf\u00e9 beim Theater, die Kettenbr\u00fccke, die Zahnradbahn auf die Hungerburg oder die 1845 er\u00f6ffnete Stefansbr\u00fccke an der Brennerstra\u00dfe, die als Steinbogen aus Quadern die Sill \u00fcberquerte, waren die Attraktionen. Auch Andreas Hofer war ein gut funktionierendes Testimonial auf den Postkarten: Der <em>Gasthof Schupfen<\/em> in dem Andreas Hofer sein Hauptquartier hatte und der Berg Isel mit dem gro\u00dfen <em>Andreas-Hofer-Denkmal<\/em> waren gerne abgebildete Motive.<\/p>\n<p>1914 gab es in Innsbruck 17 Hotels, die G\u00e4ste anlockten. Dazu kamen die Sommer- und Winterfrischler in Igls und dem Stubaital. Der Erste Weltkrieg lie\u00df die erste touristische Welle mit einem Streich versanden. Gerade als sich der Fremdenverkehr Ende der 1920er Jahre langsam wieder erholt hatte, kamen mit der Wirtschaftskrise und Hitlers <em>1000 Mark Sperre<\/em>, mit der er die \u00f6sterreichische Regierung 1933 unter Druck setzen wollte, um das Verbot der NSDAP zu beenden, die n\u00e4chsten D\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Es bedurfte des <em>Wirtschaftswunders<\/em> der 1950er und 1960er, um den Tourismus in Innsbruck nach den Zerst\u00f6rungen wieder anzukurbeln. Zwischen 1955 und 1972 verf\u00fcnffachen sich die N\u00e4chtigungszahlen in Tirol. Nach den beschwerlichen Kriegsjahren und dem Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Wirtschaft Jahren konnten Tirol und Innsbruck den Fremdenverkehr langsam, aber stetig stabil als Einnahmequelle etablieren, auch abseits der offiziellen Hotels und Pensionen. Viele Innsbrucker Familien r\u00fcckten in den ohnehin engen Wohnungen zusammen, um die Haushaltskasse durch die Vermietung von Betten an G\u00e4ste aus dem Ausland aufzubessern. Der Tourismus brachte nicht nur Devisen, sondern erm\u00f6glichte es den Einheimischen ein neues Image nach innen und au\u00dfen von sich zu kreieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Wirtschaftsaufschwung immer mehr Innsbruckern einen Urlaub im Ausland. Besonders beliebt waren die Str\u00e4nde Italiens. Aus den Kriegsfeinden vergangener Jahrzehnte wurden G\u00e4ste und Gastgeber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiherburggasse 37-39 <\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59820,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[36,43,52,63,80,48],"tags":[],"class_list":["post-53889","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1796-1866-vom-herzen-jesu-bis-koeniggraetz","category-ferdinand-ii-renaissance","category-maximilian-i-und-seine-zeit","category-philippine-welser-klein-venedig","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau","category-tourismusland-tirol"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53889"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71552,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53889\/revisions\/71552"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}