{"id":53967,"date":"2024-04-24T11:13:54","date_gmt":"2024-04-24T11:13:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=53967"},"modified":"2026-10-13T09:19:26","modified_gmt":"2026-10-13T09:19:26","slug":"villa-epp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/villa-epp\/","title":{"rendered":"Villa Epp"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Villa Epp<\/h2>\n<p>Hunoldstra\u00dfe 10<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/IMG_7934-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Villa Epp Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Villa Epp Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59676,59674,71373&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Villa Epp&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62010&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Villa Epp&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59278&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Innsbrucks einziges bis heute erhaltenes <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Steinhaus<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> wurde 1885 von Josef Nigler f\u00fcr den Innsbrucker Industriellen Alois Epp (1845 &#8211; 1896) geplant. Wo heute nur noch die denkmalgesch\u00fctzte Villa Epp steht, befand sich fr\u00fcher ein ganzes Ensemble an Geb\u00e4uden. An das Wohnhaus von Alois Epp schloss die Epp\u00b4sche Seifenfabrik an. In der Gr\u00fcnderzeit war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass der Besitzer der Fabrik nahe der Produktionsst\u00e4tte wohnte. Der Standort direkt an der Sill war ideal, wurde durch den Fluss auch die Energie quasi frei Haus geliefert. \u00c4hnlich verhielt es sich bei der Weyrer\u00b4schen Fabrik, die w\u00e4hrend derselben Epoche im heutigen M\u00fchlau entstand. Die Villa in der Form eines groben Steinblocks wird von einem Baum etwas von der Stra\u00dfe gesch\u00fctzt. Die graue Fassade ist wild bewachsen. Die Villa wirkt wie ein Setting f\u00fcr ein Gruselhaus. Zwar wurde das Geb\u00e4ude bei einem Luftangriff schwer besch\u00e4digt, jedoch 1:1 im Stile eines Renaissancepalazzos wieder aufgebaut. Sogar das urspr\u00fcngliche Material, die Tuffsteinquader, wurden aus dem abgebrochenen Festungsbau in Kufstein wiederbeschafft. Das Fabriksgeb\u00e4ude wurde bis zur Unkenntlichkeit renoviert. Der alte Schlot erinnert aber noch an die industrielle Vergangenheit des Areals.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mindestens genauso interessant wie das Geb\u00e4ude selbst ist die Geschichte der Familie Epp. Alois\u00b4 Vater Joseph Epp (1810 \u2013 1878) betrieb in Innsbruck eine Seifensiederei, in der neben Seifen auch Kerzen und \u00d6llampen hergestellt wurden. 1851, Alois war sechs Jahre alt, musste sein Vater eine mehrj\u00e4hrige Haftstrafe wegen Geldf\u00e4lschung antreten. Mit dem aufsehenerregenden Verbrechen wollte er die schw\u00e4chelnde Fabrik sanieren. Alois absolvierte seine Schulzeit in Meran und Innsbruck. 1861 ging er nach Stuttgart, um dort das Handwerk f\u00fcr die \u00dcbernahme der v\u00e4terlichen Seifensiederei zu erlernen. Zur\u00fcck in Tirol begann er sich in der neu er\u00f6ffneten Seifenfabrik mit eigenen kreativen Ideen einzubringen. Der Betrieb war gemeinsam mit der Baumwollspinnerei und dem Gaswerk der gro\u00dfe Antreiber des Wachstums des Stadtteils Pradl im 19. Jahrhundert. Die Zeiten aber waren ebenso unruhig wie das Wesen Epps. 1866 beteiligte er sich mit der Innsbrucker Sch\u00fctzenkompanie am Italienfeldzug der K.u.K. Armee in Cusano, bei der das Kaisertum \u00d6sterreich den Gro\u00dfteil seiner italienischen Besitzungen trotz siegreicher Schlachten verlorengeben musste. Epp wurde bei den Kampfhandlungen verwundet. Nach seiner R\u00fcckkehr aus dem Krieg trat er der Freiwilligen Feuerwehr bei und war ma\u00dfgeblich am Aufbau des Landesfeuerwehrverbandes und der Errichtung eines Fonds f\u00fcr verungl\u00fcckte Feuerwehrm\u00e4nner beteiligt. 1873 gab Epp das Buch \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber Feuerl\u00f6schwesen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c heraus. Interne Streitigkeiten bewogen ihn allerdings zum R\u00fcckzug aus dem Verband. Im selben Jahr war es in Europa zu einer Wirtschaftskrise gekommen, die auch Innsbrucker Unternehmen stark in Mitleidenschaft zog. Dank des Flei\u00dfes und der innovativen Duftkreationen wie <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">K\u00f6nig Laurins Rosengarten<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> \u00fcberstand Epp auch den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Gr\u00fcnderkrach<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">. 1885 kehrte er in die Reihen der Florianij\u00fcnger zur\u00fcck, diesmal allerdings mit politischem R\u00fcckhalt. Mittlerweile war er nicht nur Besitzer der Seifenfabrik und wichtiger Arbeitgeber in Pradl, sondern auch Mitglied des gro\u00dfdeutsch orientierten Innsbrucker Gemeinderats. 1890 wurde der Vater von sechs Kindern zum Obmann der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Deutsch-Tirolischen Feuerwehr<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> gew\u00e4hlt. Eine Berufsfeuerwehr erhielt Innsbruck im Jahr 1899 unter Wilhelm Greil. Epp starb mit nur 51 Jahren, wohl auch seinem immensen Arbeitspensum f\u00fcr Fabrik, Politik und Familie geschuldet. Die Parf\u00fcmerie <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">N\u00e4gele&amp;Strubell<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> in der Schlossergasse, geht zur\u00fcck auf die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Parf\u00fcmerie Epp<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die als Handelsniederlassung f\u00fcr die Waren aus der Fabrik diente.<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58380&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck war immer schon vorwiegend Handels-, Tourismus und Universit\u00e4tsstadt, zumindest im Selbstbild. Tats\u00e4chlich spielte das erzeugende Gewerbe aber eine gewichtige Rolle in der Stadtgeschichte. Im 15. Jahrhundert begann sich eine fr\u00fche Form der Industrialisierung aus dem traditionellen Handwerk zu entwickeln. Die Metallverarbeitung florierte unter der aufsteigenden Bauwirtschaft in der boomenden Residenzstadt und der Herstellung von Waffen und R\u00fcstungen. Viele Faktoren trafen daf\u00fcr zusammen. Die verkehrsg\u00fcnstige Lage der Stadt, die Verf\u00fcgbarkeit von Wasserkraft, Innsbrucks politischer Aufstieg, das Knowhow der Handwerker und die Verf\u00fcgbarkeit von Kapital unter Maximilian erm\u00f6glichten den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Glocken- und Waffengie\u00dfer wie die L\u00f6fflers errichteten in H\u00f6tting, M\u00fchlau und Dreiheiligen Betriebe, die zu den f\u00fchrenden Werken Europas ihrer Zeit geh\u00f6rten. Entlang des Sillkanals nutzten M\u00fchlen und Betriebe die Wasserkraft zur Energiegewinnung. Pulverstampfer und Silberschmelzen hatten sich in der Silbergasse, der heutigen Universit\u00e4tsstra\u00dfe, angesiedelt. In der heutigen Adamgasse gab es in unmittelbarer N\u00e4he zur Stadt eine Munitionsfabrik, die 1636 explodierte.<\/p>\n<p>Das Geld aus der Metallverarbeitung kurbelte auch andere Wirtschaftszweige an. Anfang des 17. Jahrhunderts waren 270 Betriebe in Innsbruck ans\u00e4ssig, die Meister, Gesellen und Lehrlinge in Lohn und Brot hatten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker war zwar noch immer in der Verwaltung t\u00e4tig, Gewerbe, Handwerk und das Geld, das sich damit verdienen lie\u00df, zogen aber eine neue Schicht von Menschen an. Es kam zu einer Umschichtung innerhalb der Stadt. B\u00fcrger und Betriebe wurden von der Beamtenschaft und dem Adel aus der Neustadt verdr\u00e4ngt. Die meisten der barocken Palazzi, die heute die Maria-Theresienstra\u00dfe schm\u00fccken, entstanden im 17. Jahrhundert w\u00e4hrend Dreiheiligen und St. Nikolaus zu Innsbrucks Industrie- und Arbeitervierteln wurden. Neben der Metallverarbeitung rund um die Silbergasse siedelten sich auch Gerber, Tischler, Wagner, Baumeister, Steinmetze und andere Handwerker der fr\u00fchen Industrialisierung hier an.<\/p>\n<p>Die Industrie \u00e4nderte nicht nur die Spielregeln im Sozialen durch den Zuzug neuer Arbeitskr\u00e4fte und ihrer Familien, sie hatte auch Einfluss auf die Erscheinung Innsbrucks. Die Arbeiter waren, anders als die Bauern, keines Herren Untertanen, auch wenn sie nat\u00fcrlich dem strengen Gehorsam ihres Br\u00f6tchengebers unterworfen waren. Unternehmer waren zwar nicht von edlem Blut, sie hatten aber oft mehr Kapital zur Verf\u00fcgung als die Aristokratie. Die alten Hierarchien bestanden zwar noch, begannen aber zumindest etwas br\u00fcchig zu werden. Die neuen B\u00fcrger brachten neue Mode mit und kleideten sich anders. Kapital von au\u00dferhalb kam in die Stadt. Wohnh\u00e4user und Kirchen f\u00fcr die neu zugezogenen Untertanen entstanden. Die Arbeiterviertel vor den Toren der Stadt wurden von den alteingesessenen Innsbruckern argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt, nicht zuletzt, weil den \u00fcberf\u00fcllten Siedlungen nachgesagt wurde, Brutst\u00e4tten f\u00fcr Pestausbr\u00fcche zu sein. Die gro\u00dfen Werkst\u00e4tten ver\u00e4nderten den Geruch und den Klang der Stadt. Die H\u00fcttenwerke waren laut, der Rauch der \u00d6fen verpestete die Luft. Innsbruck war von einer kleinen Siedlung an der Innbr\u00fccke zu einer Proto-Industriestadt geworden.<\/p>\n<p>Das Wachstum wurde Ende des 18. Jahrhunderts f\u00fcr einige Jahrzehnte von den Napoleonischen Kriegen gebremst. Die zweite Welle der Industrialisierung erfolgte im Verh\u00e4ltnis zu anderen europ\u00e4ischen Regionen in Innsbruck sp\u00e4t. Ein Grund daf\u00fcr war die sp\u00e4te Etablierung eines funktionierenden Bankenwesens in der Stadt. Braven Katholiken galten B\u00e4nker noch immer als \u201e<em>Wucherer und Borger<\/em>\u201c und das Gesch\u00e4ft mit dem Geld galt als unanst\u00e4ndig. Ohne Finanzierung konnten aber auch gro\u00dfe Unternehmungen nicht gegr\u00fcndet werden. Die Tiroler Landesregierung hatte zwar 1715 die so genannte <em>Banko<\/em> gegr\u00fcndet und in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe gab es die <em>Privatbank Bederunger<\/em>, erst mit der Gr\u00fcndung der ersten Filiale der Sparkasse wurde es m\u00f6glich, sein Geld nicht mehr unter dem Kopfpolster zu verwahren. Nach 1850 begann man Kredite zu vergeben, was die Gr\u00fcndung heimischer gr\u00f6\u00dferer Betriebe erm\u00f6glichte. Das <em>Kleine Handwerk<\/em>, die b\u00e4uerliche Herstellung von allerlei Gebrauchsgegenst\u00e4nden vor allem im weniger arbeitsintensiven Winter, und die ehemaligen in Z\u00fcnften organisierten Handwerksbetriebe der Stadt gerieten unter den Errungenschaften der modernen Warenherstellung unter Druck. In St. Nikolaus, Wilten, M\u00fchlau und Pradl entstanden entlang des M\u00fchlbaches und des Sillkanals moderne Fabriken. Viele innovative Betriebsgr\u00fcnder kamen von au\u00dferhalb Innsbrucks. Im heutigen Haus Innstra\u00dfe 23 gr\u00fcndete der aus der Lausitz nach Innsbrucker \u00fcbersiedelte Peter Walde 1777 sein Unternehmen, in dem aus Fett gewonnene Produkte wie Talglichter und Seifen hergestellt wurden. Acht Generationen sp\u00e4ter besteht Walde als eines der \u00e4ltesten Familienunternehmen \u00d6sterreichs noch immer. Im denkmalgesch\u00fctzten Stammhaus mit gotischem Gew\u00f6lbe kann man heute das Ergebnis der jahrhundertelangen Tradition in Seifen- und Kerzenform kaufen. Franz Josef Adam kam aus dem Vinschgau, um die bis dato gr\u00f6\u00dfte Brauerei der Stadt in einem ehemaligen Adelsansitz zu gr\u00fcnden. 1838 kam die Spinnmaschine \u00fcber die Dornbirner Firma <em>Herrburger &amp; Rhomberg <\/em>\u00fcber den Arlberg nach Pradl. <em>H&amp;R<\/em> hatte ein Grundst\u00fcck an den Sillgr\u00fcnden erworben. Der Platz eignete sich dank der Wasserkraft des Flusses ideal f\u00fcr die schweren Maschinen der Textilindustrie. Neben der traditionellen Schafwolle wurde nun auch Baumwolle verarbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Wie 400 Jahre zuvor ver\u00e4nderte auch die Zweite Industrielle Revolution die Stadt und den Alltag ihrer Einwohner nachhaltig. Stadtteile wie M\u00fchlau, Pradl und Wilten wuchsen rasant. Die Betriebe standen oft mitten in den Wohngebieten. \u00dcber 20 Betriebe nutzten um 1900 noch immer den Sillkanal. Die <em>Haidm\u00fchle<\/em> in der Salurnerstra\u00dfe bestand von 1315 bis 1907. In der Dreiheiligenstra\u00dfe wurde eine Textilfabrik mit der Energie des Sillkanals versorgt. Der L\u00e4rm und die Abgase der Motoren waren f\u00fcr die Anrainer die H\u00f6lle, wie ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1912 zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201eEntr\u00fcstung ruft bei den Bewohnern des n\u00e4chst dem Hauptbahnhofe gelegenen Stadtteiles der seit einiger Zeit in der hibler\u00b4schen Feigenkaffeefabrik aufgestellte Explosionsmotor hervor. Der L\u00e4rm, welchen diese Maschine fast den ganzen Tag ununterbrochen verbreitet, st\u00f6rt die ganz Umgebung in der empfindlichsten Weise und mu\u00df die umliegenden Wohnungen entwerten. In den am Bahnhofplatze liegenden Hotels sind die fr\u00fcher so gesuchten und beliebten Gartenzimmer kaum mehr zu vermieten. Noch schlimmer als der ruhest\u00f6rende L\u00e4rm aber ist der Qualm und Gestank der neuen Maschine\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aristokraten, die sich zu lange auf ihrem Geburtsverdienst in edler Muse arrangierten, w\u00e4hrend sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spielregeln \u00e4nderten, mussten ihre Anwesen an den neuen Geldadel verkaufen. Im <em>Palais Sarnthein<\/em> gegen\u00fcber der Triumphpforte, 1689 von Johann Anton Gumpp f\u00fcr David Graf Sarnthein noch als barocker Ansitz geplant, zog die Waffenfabrik und das Gesch\u00e4ft von Johann Peterlongo ein. Geschickte Mitglieder des Adelsstandes nutzten ihre Voraussetzungen und investierten Familienbesitz und Ertr\u00e4ge aus der b\u00e4uerlichen Grundentlastung von 1848 in Industrie und Wirtschaft. Der steigende Arbeitskr\u00e4ftebedarf wurde von ehemaligen Knechten und Landwirten ohne Land gedeckt. W\u00e4hrend sich die neue verm\u00f6gende Unternehmerklasse Villen in Wilten, Pradl und dem Saggen bauen lie\u00df und mittlere Angestellte in Wohnh\u00e4usern in denselben Vierteln wohnten, waren die Arbeiter in Arbeiterwohnheimen und Massenunterk\u00fcnften untergebracht. Die einen sorgten in Betrieben wie dem Gaswerk, dem Steinbruch oder in einer der Fabriken f\u00fcr den Wohlstand, w\u00e4hrend ihn die anderen konsumierten. Schichten von 12 Stunden in engen, lauten und ru\u00dfigen Bedingungen forderten den Arbeitern alles ab. Zu einem Verbot der Kinderarbeit kam es erst ab den 1840er Jahren. Frauen verdienten nur einen Bruchteil dessen, was M\u00e4nner bekamen. Die Arbeiter wohnten oft in von ihren Arbeitgebern errichteten Mietskasernen und waren ihnen mangels eines Arbeitsrechtes auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es gab weder Sozial- noch Arbeitslosenversicherungen. Wer nicht arbeiten konnte, war auf die Wohlfahrtseinrichtungen seines Heimatortes angewiesen. Angemerkt sei, dass sich dieser f\u00fcr uns furchterregende Alltag der Arbeiter nicht von den Arbeitsbedingungen in den D\u00f6rfern unterschied, sondern sich daraus entwickelte. Auch in der Landwirtschaft waren Kinderarbeit, Ungleichheit und prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse die Regel.<\/p>\n<p>Die Industrialisierung betraf aber nicht nur den materiellen Alltag. Innsbruck erfuhr eine Gentrifizierung wie man sie heute in angesagten Gro\u00dfstadtvierteln wie dem Prenzlauer Berg in Berlin beobachten kann. Der Wechsel vom b\u00e4uerlichen Leben des Dorfes in die Stadt beinhaltete mehr als einen \u00f6rtlichen Wechsel. Wie die Menschen die Verst\u00e4dterung des ehemals l\u00e4ndlichen Bereichs erlebten, l\u00e4sst uns der Innsbrucker Schriftsteller Josef Leitgeb in einem seiner Texte wissen:\u00a0<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026viel fremdes, billig gekleidetes Volk, in wachsenden Wohnblocks zusammengedr\u00e4ngt, morgens, mittags und abends die Stra\u00dfen f\u00fcllend, wenn es zur Arbeit ging oder von ihr kam, aus Werkst\u00e4tten, L\u00e4den, Fabriken, vom Bahndienst, die Gesichter oft bla\u00df und vorzeitig alternd, in Haltung, Sprache und Kleidung nichts Pers\u00f6nliches mehr, sondern ein Allgemeines, massenhaft Wiederholtes und Wiederholbares: st\u00e4dtischer Arbeitsmensch. Bahnhof und Gaswerk erschienen als Kern dieser neuen, uns\u00e4glich fremden Landschaft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Innsbrucker aus unterschiedlichen Sph\u00e4ren kam es nach dem Revolutionsjahr 1848 und den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten zur Verb\u00fcrgerlichung. Geschichten, von Menschen, die mit Flei\u00df, Gl\u00fcck, Talent und etwas finanzieller Starthilfe aufstiegen, gab es immer wieder. Bekannte Innsbrucker Beispiele au\u00dferhalb der Hotellerie und Gastronomie, die bis heute existieren sind die Tiroler Glasmalerei, der Lebensmittelhandel H\u00f6rtnagl oder die Seifenfabrik Walde. Erfolgreiche Unternehmer \u00fcbernahmen die einstige Rolle der adeligen Grundherren. Gemeinsam mit den zahlreichen Akademikern bildeten sie eine neue Schicht, die auch politisch mehr und mehr Einfluss gewann. Beda Weber schrieb 1851 anerkennend:\u00a0\u201e<em>Ihre gesellschaftlichen Kreise sind ohne Zwang, es verr\u00e4th sich schon deutlich etwas Gro\u00dfst\u00e4dtisches, das man anderw\u00e4rts in Tirol nicht so leicht antrifft.&#8220;\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Auch die Arbeiter verb\u00fcrgerlichten. War der Grundherr am Land noch Herr \u00fcber das Privatleben seiner Knechte und M\u00e4gde und konnte bis zur Sexualit\u00e4t \u00fcber die Freigabe zur Ehe \u00fcber deren Lebenswandel bestimmen, waren die Arbeiter nun individuell zumindest etwas freier. Sie wurden zwar nur schlecht bezahlt, immerhin erhielten sie aber nun ihren eigenen Lohn anstelle von Kost und Logis und konnten ihre Privatangelegenheiten f\u00fcr sich regeln ohne grundherrschaftliche Vormundschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Die Kehrseite dieser neu gewonnen Selbstbestimmung traten vor allem in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung zu Tage. Es gab kaum staatliche Infrastruktur f\u00fcr Kranken- und Familienf\u00fcrsorge. Krankenvorsorge, Pension, Altersheime und Kinderg\u00e4rten waren noch nicht erfunden, hatte die b\u00e4uerliche Gro\u00dffamilie diese Aufgaben vielfach bis jetzt \u00fcbernommen. In den Arbeitervierteln tummelten sich unter Tags unbeaufsichtigte Kinder: Betroffen waren vor allem die kleinsten, die noch nicht unter die Schulpflicht fielen. 1834 gr\u00fcndete sich nach einem Aufruf des Tiroler Landesgubernators ein Frauenverein, der <em>Kinderverwahranstalten<\/em> in den Arbeitervierteln St. Nikolaus, Dreiheiligen und in Angerzell, der heutigen Museumstra\u00dfe, betrieb. Ziel war es nicht nur die Kinder von der Stra\u00dfe fernzuhalten und sie mit Kleidung und Nahrung zu versorgen, sondern ihnen auch Manieren, z\u00fcchtige Ausdrucksweise und tugendhaftes Verhalten beizubringen. Die W\u00e4rterinnen sorgten mit strenger Hand f\u00fcr \u201eReinlichkeit, Ordnung und Folgsamkeit\u201c daf\u00fcr, dass die Kinder zumindest ein Mindestma\u00df an F\u00fcrsorge erfuhren. Die ehemalige <em>Bewahranstalt<\/em> in der Paul-Hofhaimer-Gasse hinter dem <em>Ferdinandeum<\/em> gibt es bis heute, der klassizistische Bau beherbergt den Integrationskindergarten der <em>Caritas<\/em> und einen Betriebskindergarten des Landes Tirol.\u00a0<\/p>\n<p>Innsbruck ist keine traditionelle Arbeiterstadt. Zur Bildung einer bedeutenden Arbeiterbewegung wie in Wien kam es in Tirol trotzdem nie. Zwar gab es Sozialdemokraten und eine Handvoll Kommunisten, die Zahl der Arbeiter war aber immer zu klein, um wirklich etwas zu bewegen. Maiaufm\u00e4rsche werden vom Gro\u00dfteil der Menschen maximal wegen billiger Schnitzel und Freibier besucht. Auch sonst gibt es kaum Erinnerungsorte an die Industrialisierung und die Errungenschaften der Arbeiterschaft. In der St.-Nikolaus-Gasse und in vielen Mietzinsh\u00e4usern in Wilten und Pradl haben sich vereinzelt H\u00e4user erhalten, die einen Eindruck vom Alltag der Innsbrucker Arbeiterschaft geben.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53379&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit zwischen der Franz\u00f6sischen Revolution und der Schlacht bei K\u00f6niggr\u00e4tz 1866 war eine kriegerische Periode. Viele der sp\u00e4teren politischen Grundhaltungen und Animosit\u00e4ten gegen\u00fcber anderen Gruppen sowie der europ\u00e4ische Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch die Geschichte Innsbruck beeinflussen sollten, hatten ihre Wurzeln in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. Die Monarchien Europas, angef\u00fchrt von den katholischen Habsburgern, hatten der franz\u00f6sischen Republik den Krieg erkl\u00e4rt. Das revolution\u00e4re Paris war zwar weit weg und ein fl\u00e4chendeckendes Pressewesen zur Verbreitung von Nachrichten stand nicht zur Verf\u00fcgung, \u00fcber Flugbl\u00e4tter und die Kirchenkanzeln wurden die Gottlosigkeit der M\u00f6rder Marie Antoinettes aber erfolgreich verbreitet. Die Angst ging um, dass sich der Wahlspruch der Revolution \u201e<em>Libert\u00e9,\u00a0\u00c9galit\u00e9,\u00a0Fraternit\u00e9<\/em>\u201c samt seinen Grunds\u00e4tzen in Europa ausbreiten k\u00f6nnte. Ein junger General namens Napoleon Bonaparte war mit seiner\u00a0<em>italienischen Armee<\/em>\u00a0im Rahmen der Koalitionskriege auf seinem Italienfeldzug 1796 \u00fcber die Alpen vorger\u00fcckt und traf dort auf die \u00f6sterreichischen Truppen. Es war nicht nur ein Krieg um Territorium und Macht, es war ein Kampf der Systeme. Die <em>Grande Armee<\/em> der revolution\u00e4ren Republik Frankreich traf auf die Truppen der konservativen und katholischen Habsburger. Tiroler Sch\u00fctzen waren aktiv am Kampfgeschehen beteiligt, um die Landesgrenzen gegen die einr\u00fcckenden Franzosen zu verteidigen. Die M\u00e4nner waren es gewohnt, mit Waffen umzugehen und galten als ge\u00fcbte Scharfsch\u00fctzen. Der Historiker Ludwig Denk dr\u00fcckte es in einer Schrift 1860 so aus:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Hauptlust des Tirolers ist das Schiessen. Fr\u00fche schon nimmt der Vater den Sohn mit auf die Jagd. Nicht selten sieht man Knaben mit geladenem Gewehr herumlaufen und auf hohe Berge steigen und Vogel oder Eichh\u00f6rnchen schiessen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke von Kompanien wie den 1796 ins Leben gerufenen <em>H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen<\/em> lag nicht in der offenen Feldschlacht, sondern im Guerrillakampf. Dar\u00fcber hinaus hatten sie gegen die fortschrittlichste und modernste Armee der damaligen Zeit eine Geheimwaffe auf ihrer Seite: Das Herz Jesu. Seit 1719 waren jesuitische Missionare bis in die hintersten Seitent\u00e4ler unterwegs gewesen und hatten den <em>Herz-Jesu-Kult<\/em> als verbindendes Element erfolgreich im Kampf gegen heidnische Br\u00e4uche und Protestantismus etabliert. Nun, da man den gottlosen revolution\u00e4ren Franzosen gegen\u00fcberstand, war es nur logisch, dass das Herz Jesu nach 1703 erneut sch\u00fctzend \u00fcber die Tiroler Gotteskrieger wachen w\u00fcrde. In aussichtsloser Situation erneuerten die Tiroler Truppen ihren Bund. Gegen jede Wahrscheinlichkeit waren die Sch\u00fctzen erfolgreich in ihrem Abwehrkampf. Der Abt des Klosters Stams beantragte bei den Landst\u00e4nden von nun an allj\u00e4hrlich &#8222;<em>das Fest des g\u00f6ttlichen Herzens Jesu mit feierlichem Gottesdienst zu begehen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit werde.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Die gewonnene Schlacht \u00e4nderte nichts am verlorenen Krieg gegen die \u00fcberm\u00e4chtigen Truppen Napoleons, der wiederum nichts an der Tiroler Expansion \u00e4nderte bei gleichzeitigem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang Innsbrucks. Das habsburgische Territorium hatte sich w\u00e4hrend den Kriegswirren ohne nennenswerte Erfolge auf den Schlachtfeldern, und wohl auch ohne die Hilfe des Herzen Jesu, vergr\u00f6\u00dfert. Das erzbisch\u00f6fliche Trentino war in einem territorialen Kuhhandel mit dem sperrigen Namen Reichsdeputationshauptschluss in den letzten Atemz\u00fcgen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches vor dessen Aufl\u00f6sung 1803 zu einem Teil des Kronlandes geworden. Innsbruck hingegen war geschrumpft. Die verstorbenen Soldaten und die kriegsbedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fchrten zu einem R\u00fcckgang der Einwohner von gut 9500 um das Jahr 1750 auf etwa 8800 in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Was in nackten Zahlen ausgedr\u00fcckt wenig spektakul\u00e4r klingt, hatte eine Stagnation des Stadtlebens zur Folge. Die jungen M\u00e4nner fehlten als Arbeitskr\u00e4fte, Ehem\u00e4nner und V\u00e4ter. Diese kriegsbedingte Rezession ist kaum Thema in der Stadtgeschichte. Am ehesten kann das fast vollkommene Fehlen biedermeierlicher Architektur im Innsbrucker Stadtbild als Erinnerungsort f\u00fcr diese schwierigen Jahre gesehen werden.\u00a0<\/p>\n<p>Nach den Napoleonischen Kriegen und der Neuordnung Europas am Wiener Kongress blieb es f\u00fcr etwa 30 Jahre ruhig an den Tiroler Landesgrenzen. Das \u00e4nderte sich mit dem italienischen <em>Risorgimento<\/em>, der Nationalbewegung unter F\u00fchrung Sardinien-Piemonts und Frankreichs. 1848, 1859 und 1866 kam es zu den sogenannten <em>Italienischen Einigungskriegen<\/em>. Im Lauf des 19. Jahrhunderts, sp\u00e4testens seit 1848, war es unter jungen M\u00e4nnern der Oberschicht in ganz Europa zu einem regelrechten nationalen Rausch gekommen. Freiwilligenheere schossen \u00fcberall aus dem Boden. Studenten und Akademiker, die sich in ihren Verbindungen zusammentaten, Turner, Sch\u00fctzen, alle wollten ihre neue Liebe zur Nation auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen und unterst\u00fctzten die offiziellen Armeen im Kampf gegen welchen Feind auch immer. Innsbruck war in dieser Zeit als Garnisonsstadt ein wichtiger Versorgungsposten. Nach dem Wiener Kongress war aus dem <em>Tiroler J\u00e4gerkorps<\/em> das\u00a0<em>k.k. Tiroler Kaiserj\u00e4gerregiment<\/em> geworden, eine Eliteeinheit, die in diesen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam. Auch freiwillige Einheiten wie die <em>Innsbrucker Akademiker<\/em> oder die Stubaier Sch\u00fctzen k\u00e4mpften in Italien. Tausende fielen im Kampf gegen die Koalition aus dem Erzfeind Frankreich, den als besonders gottlos geltenden <em>Rothemden<\/em> unter Giuseppe Garibaldi und der Bedrohung durch das sich auf Kosten \u00d6sterreichs konstituierende K\u00f6nigreich Italien unter der F\u00fchrung der frankophilen Savoyer aus Piemont. Medien heizten die Stimmung abseits der Frontlinie auf. Die &#8222;<em>Innsbrucker Zeitung<\/em>&#8220; predigte in ihren Artikeln Kaisertreue und gro\u00dfdeutsch-tirolischen Nationalismus, wetterte gegen das Italienertum und Franzosen und pries den Mut Tiroler Soldaten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die starke Besetzung der H\u00f6hen am Ausgange des Valsugana bei Primolano und le Tezze gab schon oft den Innsbrucker-Akademikern I. und den Stubaiern Anla\u00df, freiwillige Ercur:sionen gegen le Tezze, Fonzago und Fastro, als auch auf das rechte Brenta-Ufer und den H\u00f6hen gegen die kleinen Lager von den Sette comuni zu machen&#8230;Am 19. schon haben die Stubaier einige Feinde niedergestreckt, als sie sich das erste mal hinunterwagten, indem sie sich ihnen entgegenschlichen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die wohl bekannteste Schlacht der <em>Einigungskriege<\/em> fand in Solferino 1859 in der N\u00e4he des Gardasees statt. Entsetzt vom blutigen Geschehen entschloss sich Henry Durant das Rote Kreuz zu gr\u00fcnden. Der Schriftsteller Joseph Roth beschrieb das Geschehen auf den ersten Seiten seines Romans\u00a0<em>Radetzkymarsch<\/em>.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Schlacht bei Solferino befehligte er (Anm.: Leutnant Trotta) als Leutnant der Infanterie einen Zug. Seit einer halben Stunde war das Gefecht im Gange. Drei Schritte vor sich sah er die wei\u00dfen R\u00fccken seiner Soldaten. Die erste Reihe seines Zuges kniete, die zweite stand. Heiter waren alle und sicher des Sieges. Sie hatten ausgiebig gegessen und Branntwein getrunken, auf Kosten und zu Ehren des Kaisers, der seit gestern im Felde war. Hier und dort fiel einer aus der Reihe.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders verlustreich f\u00fcr das Kaiserreich \u00d6sterreich war das Jahr 1866. In Italien gingen Venetien und die Lombardei verloren. Im Norden erfuhr das habsburgische Heer in der Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz eine verheerende Niederlage. Nach diesem kurzen \u201eBruderkrieg\u201c \u00fcbernahm Preu\u00dfen die F\u00fchrung im Deutschen Bund, der Nachfolgeorganisation des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich Deutscher Nation,<\/em> von den Habsburgern<em>. <\/em>Die Neuorientierung des Kaisertums \u00d6sterreich Richtung Osten bedeutete f\u00fcr Innsbruck, dass man endg\u00fcltig zu einer Stadt an der westlichen Peripherie des Reiches geworden war. Damit einher ging eine Renaissance der nationalen Idee, die vor allem im liberalen Gro\u00dfb\u00fcrgertum Innsbrucks weit verbreitet war. Die Vorliebe f\u00fcr die sogenannte <em>Gro\u00dfdeutsche L\u00f6sung<\/em>, also einer gemeinsamen Staatlichkeit mit dem Deutschen Reich anstatt der <em>k.u.k. Monarchie<\/em>, war in Innsbruck sehr stark ausgepr\u00e4gt. Wie sehr diese Deutsche Frage die Stadt spaltete, zeigte sich noch \u00fcber 30 Jahre sp\u00e4ter, als der Innsbrucker Gemeinderat dem <em>Eisernen Kanzler<\/em> Bismarck, der f\u00fcr den Bruderkrieg zwischen \u00d6sterreich und Deutschland federf\u00fchrend verantwortlich war, eine Stra\u00dfe widmen wollte. W\u00e4hrend sich kaisertreue Konservative entsetzt ob dieses Vorschlages zeigten, waren die gro\u00dfdeutschen Liberalen rund um B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil begeistert. Nach dem Zweiten Weltkrieg half die verlorene Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz bei der \u00f6sterreichischen Argumentation von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, war man doch bereits 1866 aus einem gesamtdeutschen Staat ausgeschieden.<\/p>\n<p>Bis heute reichen die kriegerischen Auseinandersetzungen an den s\u00fcdlichen Tiroler Landesgrenzen in die Tradition und in das Stadtbild. Allj\u00e4hrlich wurden die Herz-Jesu-Feiern mit gro\u00dfem Pomp in der Presse besprochen und angek\u00fcndigt. Der Kult wurde im 19. und im fr\u00fchen 20. Jahrhundert zum explosiven Gemisch aus Aberglauben, Katholizismus und v\u00f6lkischem Nationalismus gegen alles Franz\u00f6sische und Italienische. Unz\u00e4hlige Soldaten vertrauten ihr Wohl noch im Granatenhagel des Ersten Weltkriegs dem Herzen Jesu an. Neben der Gnadenmutter Cranachs ist das Flammenherz wohl bis heute das beliebteste christliche Motiv im Tiroler Raum und prangt auf der Fassade unz\u00e4hliger H\u00e4user. Mit dem Tummelplatz, dem Milit\u00e4rfriedhof Pradl und dem Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel besitzt die Stadt mehrere Erinnerungsorte an diese blutigen Konflikte, bei denen viele Innsbrucker ins Feld zogen und nicht mehr zur\u00fcckkehrten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Innsbrucker Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1928). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Sein Wirken war nicht nur lange, sondern fand auch in einer besonders dynamischen Zeit statt. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Es war die Zeit der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Innsbrucks Gemeinderat war von der liberalen und gro\u00dfdeutsch-nationalen \u201e<em>Deutschen Volkspartei<\/em>\u201c gepr\u00e4gt, der auch Greil angeh\u00f6rte. Erst mit der Eingemeindung von Wilten und Pradl 1904 konnten die Konservativen Boden gutmachen, jedoch nicht ganz aufholen. Die Sozialdemokratie spielte bis 1918 kaum eine Rolle. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. B\u00fcrgermeister Greil wohnte passenderweise \u00e4hnlich einem Renaissancef\u00fcrsten. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen <em>Upper Class<\/em>. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die <em>Homebase<\/em> der Familie zu gr\u00fcnden. Dank dieses Wahlstatuts konnte B\u00fcrgermeister Greil bis in die Zeit der Ersten Republik auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.\u00a0Greil war aber auch ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen und Medienlandschaft seiner Zeit gekonnt bewegte. Artikel 17 des \u00f6sterreichischen Staatsgrundgesetzes von 1867, bekannt als Dezemberverfassung, sicherte zum ersten Mal eine freie Meinungs\u00e4u\u00dferung in der Presse ohne vorherige Zensur, ausgenommen strafbarer Inhalte wie Gottesl\u00e4sterung oder Beleidung der Obrigkeit selbstverst\u00e4ndlich. In der Folge etablierte sich eine Vielzahl an Zeitungen wie der konservativen Neuen <em>Tiroler Stimme<\/em>, der sozialdemokratischen <em>Volkszeitung<\/em> oder den liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, die ein Weltbild nach dem Gusto der Herausgeber f\u00fcr ihr Publikum gestalteten. Dank der Reichweite der Innsbrucker Nachrichten konnte Wilhelm Greil seine Sicht der Trotz seiner teils heftigen, an die Programmatik der Gr\u00fcnderfigur der <em>Deutschnationalen<\/em> Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) angelehnten Reden schaffte er es sich mit den konservativen Kr\u00e4ften im Land zu arrangieren, auch wenn es nicht nur medial h\u00e4ufig ordentlich krachte. Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert, oft genug auch mit Gewalt als letztg\u00fcltigem Argument.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten revolutionierte vor allem Unsichtbares in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Leben vieler Innsbrucker. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren. Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung mit einer Vielzahl an Infrastrukturprojekten fort. Die Ansammlung an Menschen auf enger werdendem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen hatte viele Probleme mit sich. Die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Greil\u00b4sche \u00c4gide nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete er als B\u00fcrgermeister Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als Tirol nach dem Krieg am Brenner geteilt wurde. Greil hatte w\u00e4hrend seiner politischen Karriere oft die allgemeine Feindseligkeit gegen\u00fcber den <em>Wallschen<\/em> in \u00e4hnlich populistischer Manier f\u00fcr sich genutzt, wie es sein christlich-sozialer Wiener Amtskollege Karl Lueger in Wien mit antisemitischer Stimmungsmache tat. Am Ende seiner Laufbahn musste er tats\u00e4chlich eine italienische Besetzung Innsbrucks miterleben. Mit der Einf\u00fchrung der Republik fiel auch das Zensuswahlrecht, was den Anfang vom Ende der Dominanz der Liberalen im Gemeinderat bedeutete. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen. Nur dank der Mehrheiten im Gemeinderat und einer Koalition der gro\u00dfdeutsch-liberalen und konservativ-klerikalen Politikern blieb Greil B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Innsbruck war zwar nicht einer der Hotspots wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin, auch im <em>Heiligen Land Tirol<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber seine Spuren. Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem modernen Staatswesen. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage. Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden und Stra\u00dfenk\u00e4mpfen. In Innsbruck feierten einige Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen oder gar einer Revolution zu sprechen w\u00e4re schon eine \u00dcbertreibung, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr den Umsturz innerhalb der b\u00fcrgerlichen Eliten wurde in Innsbruck in Folge schnell deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog. Die Kriegsfront machte aber nicht an den s\u00fcdlichen Landesgrenzen Halt. Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena des Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als der Ruf nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem in Wien unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in der Hauptstadt auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch der junge Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren und unternahmen Wanderungen. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. 1850 trat das \u201e<em>Provisorische Gemeindegesetz f\u00fcr die Landeshauptstadt Innsbruck<\/em>\u201c in Kraft:\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eDie Gemeinde hat f\u00fcr die Reinlichkeitspolizei zu sorgen, sie sorgt f\u00fcr die Pflasterung und Erhaltung der Stra\u00dfen, Gassen und Wege mit Ausnahme jener, deren Erhaltung dem Reichsschatze obliegt, und f\u00fcr die Beleuchtung, f\u00fcr Erhaltung und Reinigung der Hauptabzugskan\u00e4le, f\u00fcr Erhaltung der st\u00e4dtischen Br\u00fccken, Brunnen, Wasserleitungen und sonstigen Anlagen, dann der \u00f6ffentlichen Badeanstalten. Sie handhabt die Gesundheits-, Feuer-, Markt-, Bau- und Stra\u00dfenpolizei, f\u00fchrt die Aufsicht \u00fcber die Bemarkungen, \u00fcber Ma\u00df und Gewicht, ihr obliegt die F\u00fcrsorge der Approvisierung, sie trifft die polizeilichen Vorkehrungen und Abwendung der die Sicherheit der Person und des Eigentums durch \u00dcberschwemmung oder durch sonstige Elementarereignisse drohenden Gefahren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt. Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Mit der Gr\u00fcndung der Katholisch-konservativen Fraktion und den Liberalen bildete sich ein Gedankenpaar heraus, das bis zum Ersten Weltkrieg nicht nur die Politik pr\u00e4gte. Vereine aller Art als politische Vorfeldorganisationen und Zeitungen bildeten die Demarkationslinien, an denen sich die Gesellschaft in allen Fragen des Lebens von der Wiege bis zur Bahre spaltete. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die wahrscheinlich wichtigste Gesetzes\u00e4nderung im Rahmen des Jahres 1848 war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen. Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr das gehobene B\u00fcrgertum und einige Gro\u00dfbauern, auch f\u00fcr die breite Masse \u00e4nderte sich das Leben in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunoldstra\u00dfe 10<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59676,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[36,82,61,114,54],"tags":[],"class_list":["post-53967","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1796-1866-vom-herzen-jesu-bis-koeniggraetz","category-amras-pradl","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-innsbrucks-industrielle-revolutionen","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53967"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71394,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53967\/revisions\/71394"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59676"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}