{"id":54278,"date":"2024-05-08T08:05:02","date_gmt":"2024-05-08T08:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=54278"},"modified":"2026-04-27T13:01:43","modified_gmt":"2026-04-27T13:01:43","slug":"berg-isel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/berg-isel-2\/","title":{"rendered":"Mountain Isel"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Berg Isel<\/h2>\n<p>Berg Isel 1<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Berg-Isel.jpg&#8220; alt=&#8220;Nordkette Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Berg Isel&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;1724,56651,56096,63517,55996,57269,65322,63855,63729,56908,2989,65320,65780,65983&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Berg Isel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62055&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Berg Isel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59564&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Berg Isel ist der wohl wichtigste Erinnerungsort konservativer Tiroler Identit\u00e4t. 1809 konnten die Sch\u00fctzen unter Hauptmann Andreas Hofer das Heer der Bayern und Franzosen, die im Rahmen der napoleonischen Kriege das Land besetzt hatten, an dieser Stelle besiegen. Andreas Hofer, von der metternich\u00b4schen Regierung als Aufst\u00e4ndischer noch wenig gesch\u00e4tzt,\u00a0wandelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts nach und nach als M\u00e4rtyrer f\u00fcr die Tiroler Sache zur mythischen Figur und gilt vielen Tirolern heute noch als ein Volksheld. Der Berg Isel wurde zur Pilgerst\u00e4tte. Das Andreas-Hofer-Denkmal nimmt den zentralen Platz in der Parkanlage am Berg Isel ein. Ein eigens gegr\u00fcndetes Komitee sammelte Spenden zur Errichtung der \u00fcberdimensionalen Bronzestatue Hofers. Bei der feierlichen Er\u00f6ffnung 1893 war Kaiser Franz Josef anwesend. Der Berg Isel sollte als \u201e<em>Heldenberg\u201c<\/em> eine Idealvorstellung konservativ gepr\u00e4gter Tiroler Identit\u00e4t als katholisches deutsches Land innerhalb der Monarchie darstellen. Flankiert von zwei Adlern blickt Hofer, die Fahne in der Hand, nach Norden.<\/p>\n<p>Nach 1918 und der Abtrennung der s\u00fcdlichen Landesteile Tirols von \u00d6sterreich wurde das Andreas-Hofer-Denkmal zu einer Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die verlorene Einheit des ehemaligen Kronlandes. Der quasiheilige S\u00fcdtiroler Wirt und der \u201e<em>freiheitsliebende Tiroler Widerstand<\/em>\u201c wurden zu beiden Seiten des Brenners in sakrale Sph\u00e4ren hochstilisiert. 1961, am H\u00f6hepunkt der Sprengstoffanschl\u00e4ge auf italienische Einrichtungen des radikalen <em>S\u00fcdtiroler Befreiungsausschusses<\/em>, schaffte es die Statue in diesem Kontext in die Medien. Unbekannte hatten die Bronzestatue am Berg Isel gesprengt. Bis heute besteht eine Version der Geschichte, es h\u00e4tte sich um eine von der italienischen Regierung orchestrierte <em>Vendetta<\/em> f\u00fcr die Anschl\u00e4ge der S\u00fcdtiroler Aktivisten gehandelt. Auch das Museum behandelt die Tiroler Erhebung von 1809. Im <em>Tirol Panorama<\/em> befindet sich Tirols gr\u00f6\u00dftes Kunstwerk, eine Darstellung der Berg Isel Schlacht im Gro\u00dfformat. Das Bild war bis 2011 in der Rotunde bei der alten Talstation der Hungerburgbahn im Saggen zu finden, bevor es ins neu erbaute Museum am Berg Isel \u00fcbersiedelte. Es stellt auf \u00fcber 1000 Quadratmetern die Dritte Berg Isel Schlacht dar. Gemalt wurde es vom M\u00fcnchner K\u00fcnstler Dino Ziemer unter Aufsicht des Tirolers Franz Defreggers. Diese Zusammenarbeit war vor dem ersten Weltkrieg auch ein Ausdruck der Vers\u00f6hnung zwischen Tirol und Bayern sowie den neuen Verb\u00fcndeten, dem Deutschen Reich und der K.u.K. Monarchie. Dem Schema der \u00dcberh\u00f6hung der braven Tiroler Sch\u00fctzen und ihrer Anf\u00fchrer folgt auch das Bild. Tats\u00e4chlich war der stoisch dargestellte Hofer wohl gar nicht im Schlachtget\u00fcmmel, sondern hinter der Frontlinie im <em>Gasthof Schupfen<\/em>, wo sich der Kommandostand der Tiroler befand. Auch ansonsten h\u00e4lt sich die Darstellung nur peripher an die Tatsachen, was dem Genuss der Betrachtung des Panoramabilds aber keinen Abbruch tun sollte. Detailreich zeigt es nicht nur eine heroische Vorstellung des Schlachtengeschehen am 13. August, sondern gibt auch einen Eindruck von Innsbruck und der Umgebung im 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Auf den Schie\u00dfst\u00e4nden am S\u00fcdende des Platzes wurden regelm\u00e4\u00dfig \u00dcbungen und Wettbewerbe abgehalten. Seit jeher war es Sitte, dass Untertanen sich in milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten und dem Umgang mit Waffen ausbildeten. Sch\u00fctzenvereine sind bis heute Tr\u00e4ger dieser Tradition, auch wenn immer mehr an ihnen ger\u00fcttelt wird ob ihres Verst\u00e4ndnisses Tiroler Kultur. Das sehenswerte Geb\u00e4ude am Westende des Platzes, das <em>Urichhaus<\/em>, wurde nach Pl\u00e4nen von Eduard Klingler zwischen 1893 und 1895 im Heimatstil gebaut. Es diente seit 1893 als Offizierskasino und Verwaltungsgeb\u00e4ude. Heute beheimatet es die Ortsgruppe des Tiroler Kaiserj\u00e4gerbundes und den <em>Alt-Kaiserj\u00e4ger-Club<\/em> sowie eine milit\u00e4rwissenschaftliche Bibliothek. Davor befinden sich eine Kapelle und eine Bronzefigur Kaiser Franz Josefs I. Die Statue wurde eigentlich zum 100. Geburtstag des Kaisers am 18. August 1830 gegen\u00fcber des Kaiserj\u00e4germuseums aufgestellt. Erst sp\u00e4ter erhielt der eherne Franz Josef seinen jetzigen Standort. Rund um die Milit\u00e4rgeb\u00e4ude und Schie\u00dfst\u00e4nde entwickelte sich ein Naherholungsgebiet mit Spazierwegen. Besonders beliebt war der Pavillon samt tollem Ausblick am Nordostende des Areals. Vor allem unverheiratete P\u00e4rchen sch\u00e4tzten die Abgeschiedenheit auf Spazierg\u00e4ngen, um der neuen Mode des <em>Flirtens<\/em> abseits allzu neugieriger Blicke nachzugehen. Pavillons waren im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert fixer Bestandteil von Parks und Promenaden bis zum Ersten Weltkrieg. Hier konnten Spazierg\u00e4nger rasten und junge P\u00e4rchen waren vor allzu neugierigen Blicken gesch\u00fctzt. Im privaten Bereich waren Pavillons lange Zeit eine Dom\u00e4ne des Adels, bevor das B\u00fcrgertum dieses architektonische Element \u00fcbernahm, um damit Wohlstand zu demonstrieren.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Riesenrundgem\u00e4lde steht das <em>Kaiserj\u00e4germuseum<\/em>. Errichtet wurde es 1848 als Milit\u00e4rgeb\u00e4ude samt Offizierscasino, jedoch schon 1880 in ein Museum umgewandelt, das die Geschichte der Tiroler Kaiserj\u00e4ger beleuchtet. Diese Regimenter wurden nach den Napoleonischen Kriegen von Kaiser Franz I., dem ersten \u00f6sterreichischen Kaiser, ins Leben gerufen. Die Kaiserj\u00e4ger waren im 19. Jahrhundert in den <em>Italienischen Unabh\u00e4ngigkeitskriegen<\/em> und im Feldzug in Bosnien im Einsatz. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als regul\u00e4re Truppen der Habsburgermonarchie zuerst nach Galizien geschickt, bevor sie im Gebirgskrieg gegen Italien an der S\u00fcdfront eingesetzt wurden. Das Museum erinnert mit Gem\u00e4lden, Uniformen, Waffen und Modellen an die Geschichte der Kaiserj\u00e4ger. Das ausgestellte <em>Ehrenbuch<\/em> umfasst 157 B\u00e4nde, in denen die Namen der 1809 und in den beiden Weltkriegen gefallenen Tiroler handschriftliche aufgezeichnet wurden. Die Ehrenb\u00fccher der Tiroler Kaiserj\u00e4ger wurden unter h\u00f6chsten Weihen in der Sp\u00e4tzeit des \u00f6sterreichischen St\u00e4ndestaates unter einer Dornenkrone zur Demonstration der Leiden des geteilten Tirols und einem Lorbeerkranz zu Ehren der Gefallenen hinterlegt. Zu sehen ist auch der <em>Eiserne Blumenteufel<\/em>. Um Spenden f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen gefallener Soldaten zu sammeln, wurden in der Monarchie Fonds aufgelegt. Spender durften einen Nagel in den <em>Blumenteufel <\/em>jagen. Schon kurz nach Kriegsausbruch im Juli 1914 wurde in den Medien zur Hilfe aufgerufen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Benagelung des zur Schaffung eines Fonds f\u00fcr Witwen und Waisen nach gefallenen Tiroler Kriegern gewidmeten \u201eEisernen Blumenteufels\u201c \u2026 macht ganz ansehnliche Fortschritte. Die Kappe, der Brustteil und der Turnister, sowie ein Teil des linken Armes sind schon vollst\u00e4ndig, und, wie man sieht, unter fachm\u00e4nnischer Leitung benagelt worden. Wie wir erfahren, waren bis Sonntag bereits 31.000 N\u00e4gel eingeschlagen, was zum Ruhme unserer opferfreudigen Bev\u00f6lkerung umso mehr bedeutet, als erst vor kurzem aus Wien gemeldet wurde, da\u00df der dortige Wehrmann in Eisen bereits mit 100.000 N\u00e4geln beschlagen sei.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Berg Isel ist seit 1930 eine Stiftung zum ewigen Gedenken an die vier Tiroler Kaiserj\u00e4gerregimenter. 1959 lie\u00df die Tiroler Landesregierung die Ehrenhalle der Kaiserj\u00e4ger um die Gedenkkapelle \u201e<em>Unserer hohen Frau von Tiro<\/em>l\u201c erweitern.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Berg Isel Sprungschanze&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Berg Isel Sprungschanze&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63742&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Auf der Westseite des Berg Isels befindet sich mit der Sprungschanze Innsbrucks olympisches Wahrzeichen. Erhaben thronen die m\u00e4chtige Schanze und das gro\u00dfe Oval mit dem ungew\u00f6hnlichen Auslauf in den Gegenhang hinein \u00fcber der Stadt und bieten ein gro\u00dfartiges Panorama. Sowohl 1964 wie auch 1976 fanden die Er\u00f6ffnungszeremonien am Berg Isel statt. Die olympischen Ringe am Auslauf erinnern noch an diese f\u00fcr den Berg-Isel und Innsbruck denkw\u00fcrdigen Ereignisse. Der Skisprungsport hat in Tirol lange Tradition. In den fr\u00fchen 1920er Jahren wurde der von Norwegern erfundene Sport auf Schanzen in Seefeld oder bei Heiligwasser am Patscherkofel von wagemutigen Sportlern betrieben. 1927 gab es im Rahmen der Tiroler Meisterschaft im Skilauf das erste offizielle Skispringen am Berg Isel. Die Athleten und Zuschauer mussten sich im ersten Jahr noch mit einer Naturschanze begn\u00fcgen. Im Folgejahr wurde ein Turm errichtet. Die Sprunganlage wurde 1933 f\u00fcr die Ski-WM in Innsbruck erweitert, nicht nur um die Rekordweite von 63 m zu \u00fcbertreffen, sondern auch um der Zuschauermassen Herr zu werden. Jakob Albert war an der Planung ma\u00dfgeblich beteiligt. W\u00e4hrend des Krieges st\u00fcrzte der Sprungturm ein und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder errichtet. Die sportlichen Highlights am Berg Isel waren die Olympischen Spiele der Jahre 1964 und 1976. Die Schanze erm\u00f6glichte nach dem Umbau noch gr\u00f6\u00dfere Weiten. 1985 und 2019 (Seefeld) fanden mit den Weltmeisterschaften weitere sportliche Gro\u00dfereignisse am Berg Isel statt. Skisprungfans aus aller Welt kommen allj\u00e4hrlich zur <em>Vier-Schanzen-Tournee<\/em> nach Innsbruck, wenn sich die besten Athleten wagemutig \u00fcber den Anlauf wagen und in die brodelnde Atmosph\u00e4re im Berg Isel Stadion springen. F\u00fcr den L\u00e4nderkampf zwischen Tirol und Bayern in Form ihrer Skispringer wird h\u00e4ufig Andreas Hofer und der Tiroler \u201e<em>Freiheitskampf<\/em>\u201c von 1809 als Vergleich bem\u00fcht. Auch abseits des Sports diente die Anlage als B\u00fchne. Papst Johannes Paul II. wurde 1988 von Zehntausenden Gl\u00e4ubigen empfangen und hielt eine Messe ab. Ein dunkles Kapitel der Innsbrucker Stadtgeschichte ereignete sich 1999 beim Snowboardfestival <em>Air&amp;Style<\/em>. Bei einer Massenpanik wurden 40 Menschen schwer verletzt, f\u00fcnf Opfer erlagen ihren Verletzungen.<\/p>\n<p>Viele Innsbrucker waren 2002 als Zuschauer von der Olympiabr\u00fccke aus live mit dabei, als der Betonturm in sich zusammenbrach, um Platz f\u00fcr die neue Sprunganlage zu machen. Das Design der Schanze in ihrem heutigen Aussehen geht zur\u00fcck auf die Stararchitektin Zaha Hadid, die auch bei der neuen Hungerburgbahn federf\u00fchrend war. Mit einem Lift kann man auf die Schanze gelangen und hoch \u00fcber Innsbruck bei tollem Panorama Kaffee und Kuchen genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Sportanlagen erlebt man am besten sportlich. Ein Wanderweg f\u00fchrt\u00a0vom Parkplatz des Museums rund um den Berg Isel. Der Weg ist angenehm zu gehen und bietet ein gro\u00dfartiges Panorama. Das Highlight ist die Aussichtsplattform <em>Sonnendeck<\/em>, wo man aus schwindelerregender H\u00f6he einen Blick in die Sillschlucht werfen kann. Die gut 2 Kilometer sind f\u00fcr Jedermann mit normaler Fitness zu bew\u00e4ltigen. Auch Familien mit Kindern k\u00f6nnen den Rundwanderweg in Angriff nehmen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucks olympische Renaissance&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Olympische Spiele in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53755&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Es gibt Ereignisse, die im kollektiven Ged\u00e4chtnis einer Gemeinschaft \u00fcber Generationen hinweg Bestand haben. Man muss nicht dabei gewesen sein, ja noch nicht mal auf der Welt, um zu wissen, dass Franz Klammer\u00a0am Patscherkofel am 5. Februar 1976 in der olympischen Abfahrt in seinem gelben Einteiler zur Goldmedaille raste. Franz Josef I. mag den Patscherkofel 1848 bestiegen haben, zur Legende auf diesem Berg aber wurde <em>Kaiser Franz<\/em> Klammer. \u201e<em>Jawoll! 1;45,73 f\u00fcr unseren Franzi Klammer<\/em>,\u201c schallte es damals aus zahllosen TV-Ger\u00e4ten in \u00d6sterreich. Um dem Nationalhelden Klammer auf seinem Teufelsritt folgen zu k\u00f6nnen, durften die Sch\u00fcler wie bereits 1964 am Tag der Herrenabfahrt zu Hause bleiben. Auch sonst waren die Stra\u00dfen w\u00e4hrend dieses H\u00f6llenrittes leergefegt. Klammer schaffte das, was etliche Kaiser, K\u00f6nige und Politiker nicht geschafft hatten. Er einte die Nation \u00d6sterreich. \u201c<em>Mi hats obageibtlt von oben bis unten, I hatt nie gedacht, dass i Bestzeit foa<\/em>,\u201c gab Klammer im K\u00e4rntner Dialekt beim Siegerinterview zu Protokoll. Kein Tiroler, nobody is perfect, aber die Olympischen Spiele waren f\u00fcr die Gastgebernation \u00d6sterreich schon am zweiten Tag gerettet. 1976 fanden die Olympischen Winterspiele bereits zum zweiten Mal in Innsbruck statt. Eigentlich w\u00e4re Denver an der Reihe gewesen, wegen eines Referendums auf Grund finanzieller und \u00f6kologischer Bedenken trat man in Colorado als Ausrichter zur\u00fcck. Innsbruck setzte sich als Gastgeber im zweiten Versuch gegen Lake Placid, Chamoix und Tampere durch. Zum ersten Mal war man 12 Jahre zuvor Ausrichter der Olympiade gewesen. Vom 29. Januar bis zum 9. Februar 1964 war Innsbruck der Nabel gewesen, nachdem man sich mit der Bewerbung gegen Calgary und Lahti durchgesetzt hatte. Erheblicher Schneemangel bereitete Probleme bei der Durchf\u00fchrung etlicher Events. Nur mit Hilfe des Bundesheeres, das Schnee und Eis aus dem Hochgebirge zu den Wettkampfst\u00e4tten brachte, konnten die 34 Bewerbe \u00fcber die B\u00fchne gehen.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnungsfeier im randvollen Berg Isel Stadion ist auf Archivbildern gut nachzuvollziehen. Anders als die aufw\u00e4ndigen Zeremonien der heutigen olympischen Spiele ging das Prozedere in den 60er Jahren noch unspektakul\u00e4r vonstatten. Die <em>Wiltener Stadtmusik<\/em> erfreute die internationalen G\u00e4ste mit Tiroler Blasmusik. Beim Einmarsch der Fahnen konnten Besucher zum ersten Mal im Rahmen von olympischen Spielen die Flagge Nordkoreas erblicken. Die Tiroler Sch\u00fctzen \u00fcberwachten mit Argusaugen die olympische Flamme. Als Logo wurden lediglich die Olympischen Ringe \u00fcber das Wappen der Stadt gelegt, ein Maskottchen gab es noch nicht.Auch die Sportbewerbe waren weniger professionell organisiert als bei heutigen olympischen Spielen. Das Bobrennen fand zum ersten Mal auf einer Kunsteisbahn statt, wenn auch noch nicht im heutigen Igler Eiskanal. Die Eishockeyspiele wurden zum Teil noch in der Messehalle in sehr moderatem Rahmen abgehalten. Skibewerbe, wie der Slalom und Riesenslalom der Damen, in dem sich in jeweils anderer Konstellation die franz\u00f6sischen Schwestern Christine und Marielle Goitschel Gold und Silber umh\u00e4ngen lie\u00dfen, fanden in der Axamer Lizum statt. Am Berg Isel verfolgten laut offiziellen Angaben 80.000 Zuschauer das Spektakel, als sich der Finne Veikko Kankonnen Gold im Skisprung sicherte. Im Eishockeyfinale triumphierte die Sowjetunion vor Schweden. Mit 11 Goldmedaillen sicherte sich die UDSSR auch Platz 1 im Medaillenspiegel, mit vier Goldenen wurde \u00d6sterreich sensationell Zweiter.<\/p>\n<p>Am Berg Isel fand auch die Er\u00f6ffnung der Spiele 1976 statt. Zur Erinnerung an 1964 wurden am Berg Isel w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnung zwei Flammen entz\u00fcndet. Die diesmal 37 Bewerbe fanden zu einem gro\u00dfen Teil an den gleichen Wettkampforten in Innsbruck, Axams, Igls und Seefeld statt wie 1964. Eisstadion und Skisprungarena waren noch immer olympiatauglich. In Igls wurde eine neue Kunsteisbahn gebaut. Die Axamer Lizum erhielt eine neue Standbahn, um die Athleten zum Start auf den <em>Hoadl<\/em> zu bringen. Schnee war erneut Mangelware im Vorfeld und man bangte erneut, rechtzeitig schlug das Wetter im letzten Moment aber um und bescherte Innsbruck das Wei\u00dfe Gold. Das <em>Schneemanndl<\/em>, ein runder Schneemann mit Karottennase und Tiroler Hut, das Maskottchen der Spiele von 1976 war wohl ein gutes Omen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung zwischen den beiden olympischen Spielen innerhalb von zw\u00f6lf Jahren war der Status der Athleten. Waren bei den ersten Spielen offiziell nur Amateure am Start, also Sportler, die einem Beruf nachgingen, konnten 1976 Profisportler antreten. Auch die \u00dcbertragungs- und Fotoqualit\u00e4t war um einiges h\u00f6her als bei der ersten Innsbrucker Edition. Fernsehen hatte dem Radio mittlerweile den Rang abgelaufen. Die deutsche Skirennl\u00e4uferin Rosi Mittermaier wurde perfekt in Szene gesetzt bei ihren Fahrten zu Doppelgold und Silber bei den Damenskirennen. Das Eishockeyturnier gewann erneut die Sowjetunion vor Schweden, bereits zum vierten Mal in Folge. Auch der Medaillenspiegel sah am Ende die UDSSR wieder ganz oben, diesmal vor der DDR. \u00d6sterreich konnte nur zwei Goldene erringen. Mit Klammers Gold in der Abfahrt war dies allerdings nur Nebensache. Der Patscherkofel und \u00d6sterreichs <em>Franzi<\/em> sind seither untrennbar miteinander verbunden. Und auch wenn die Innsbrucker nicht ganz so sportlich sind, wie sie gerne w\u00e4ren, den Titel der Olympiastadt kann nach zwei Ausgaben plus einer Universiade und den Youth Olympic Games niemand wegdiskutieren.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die un-sportliche Infrastruktur lie\u00df sich die Stadt, unterst\u00fctzt von Bundesmitteln, bei beiden Spielen nicht lumpen. Nach dem raschen Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg kam es im Vorfeld zu einer Modernisierung der Stadt. Die erste olympische Edition Innsbrucks fiel in die Zeit des Wirtschaftswunders. 1963 wurde die Olympiabr\u00fccke, die den Westen der Stadt mit den Wettkampfst\u00e4tten verband, gebaut. Bis dahin ging der Ost-West Verkehr Innsbrucks kompliziert durch die Innenstadt. Die einzelnen Stra\u00dfen zwischen der Amraser-See-Stra\u00dfe im Osten und der Bachlechnerstra\u00dfe im Westen, aus denen die Hauptverkehrsader S\u00fcdring heute besteht, wurden erst in der Folge ausgebaut und waren bis dahin ruhige Teile der Vorstadt. Wiesen und Felder pr\u00e4gten die Szenerie. Der Vergleich von Luftaufnahmen von 1960 und 2020 ist faszinierend. In Amras standen da, wo sich heute die t\u00e4gliche <em>Rush Hour<\/em> abspielt, bis in die 1970er Jahre Bauernh\u00f6fe und einzelne Wohnh\u00e4user. In der heutigen Egger-Lienz-Stra\u00dfe beim Westbahnhof verlief das Bahnviadukt der Westbahn. Alte Fotos zeigen die Gleise, daneben B\u00e4ume und spielende Kinder. Rund um die heutige <em>Gra\u00dfmayrkreuzung<\/em> entstand fast im Vorbeigehen ein neuer Stadtteil. Das <em>Kaufhaus Forum<\/em>, hier befindet sich heute ein Kino, war eine Sensation und ein Zeichen f\u00fcr die Modernisierung Innsbrucks.<\/p>\n<p>Zwei Mal wurde ein olympisches Dorf aus dem Boden gestanzt und Wohnraum geschaffen, der heute noch in Benutzung ist. Daf\u00fcr wurde ein Teil des ehemaligen Dorfes Arzl auserkoren, das seit 1940 zu Innsbruck geh\u00f6rte. Der heutige Stadtteil <em>O-Dorf<\/em> im Osten der Stadt fungierte w\u00e4hrend der Spiele als Olympisches Dorf f\u00fcr die Athleten, das durch die Reichenauer Br\u00fccke \u00fcber den Inn mit der Innenstadt und den Wettkampfst\u00e4tten verbunden wurde. In der kaum besiedelten Arzler Au wurde 1961 mit dem Bau der ersten Wohnbl\u00f6cke begonnen. Der Arzler Schie\u00dfstand, den man auf einer Landkarte von 1960 noch sehen kann, wurde eine Talstufe weiter nach oben verlegt. In den 1970er Jahren kamen weitere Bl\u00f6cke dazu. Heute ist das O-Dorf, trotz der wenig beschaulichen Hochh\u00e4user im Stil der 1960er und 1970er Jahre, dank seiner Lage am Inn, den Gr\u00fcnfl\u00e4chen und der guten Anbindung an den \u00f6ffentlichen Verkehr ein lebenswertes Gr\u00e4tzel. Viele weitere Bauten in Innsbruck, die w\u00e4hrend der Olympiade als Infrastruktur f\u00fcr Presse und Medien genutzt wurden, gehen ebenfalls auf die Olympischen Spiele zur\u00fcck. Die P\u00e4dagogische Akademie P\u00c4DAK in Wilten, die IVB-Halle und das Landessportheim k\u00f6nnen als olympisches Erbe betrachtet werden. Der wenig pr\u00e4chtige Bau, der das ehemalige <em>Hotel Holiday Inn<\/em> neben der Triumphpforte beherbergt, das in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an Betreiberwechseln durchmachte, entstand ebenfalls im Rahmen der olympischen Renaissance. Auch ein Erbe der olympischen Spiele ist etwas, das man heute verzweifelt zu \u00e4ndern versucht: Das olympiabedingte Wachstum fiel mit den 60er und 70er Jahren in die fr\u00fche Bl\u00fctezeit des Automobils.<\/p>\n<p>Die Olympischen Spiele waren f\u00fcr Innsbruck aber nicht nur ein Startpunkt in die Moderne was Wintersport und Infrastruktur anbelangt. Die Events beschlossen auch gedanklich den Mief der grauen Nachkriegszeit und verbreiteten ein Gef\u00fchl des Aufbruchs aus dem Status des Provinznestes. Man war vielleicht nicht mehr Residenzstadt wie zu Zeiten Maximilians, zumindest aber wieder auf der internationalen Landkarte vertreten. Kaiser Franz sei Dank!<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Andreas Hofer und die Tiroler Erhebung von 1809&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53390&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit der Napoleonischen Kriege bescherte dem Land Tirol ein nationales Epos und mit Andreas Hofer einen Helden, dessen Glanz bis in die heutige Zeit strahlt. Subtrahiert man allerdings die sorgsam konstruierte Legende vom Tiroler Aufstand gegen die Fremdherrschaft, war die Zeit vor und nach 1809 ein dunkles Kapitel in der Innsbrucker Stadtgeschichte, gepr\u00e4gt von wirtschaftlichen N\u00f6ten, Kriegsverheerung und mehreren Pl\u00fcnderungen. Das K\u00f6nigreich Bayern war w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege mit Frankreich verb\u00fcndet und konnte in mehreren Auseinandersetzungen zwischen 1796 und 1805 das Land Tirol von den Habsburgern \u00fcbernehmen. Innsbruck war nicht mehr Hauptstadt eines Kronlandes, sondern nur noch eine von vielen Kreishauptst\u00e4dten der Verwaltungseinheit <em>Innkreis<\/em>. Einnahmen aus Maut und Zoll sowie auf das Haller Salz verlie\u00dfen das Land Richtung Norden. Die britische Kolonialsperre gegen Napoleon hatte zur Folge, dass der stets florierende und Wohlstand bringende Innsbrucker Fernhandel und das Transportwesen als Wirtschaftszweige einbrachen. Innsbrucker B\u00fcrger mussten bayerische Soldaten in ihren H\u00e4usern einquartieren. Die Aufhebung der Tiroler Landesregierung, des Guberniums und des Tiroler Landtags bedeuteten aber nicht nur den Verlust von Status, sondern auch von Arbeitspl\u00e4tzen und finanziellen Mitteln. Ganz vom Geist der Aufkl\u00e4rung, der Vernunft und der Franz\u00f6sischen Revolution beseelt, machten sich die neuen Landesherren daran, die althergebrachte Ordnung umzukrempeln. W\u00e4hrend die Stadt, wie es zu jeder Zeit ist, unter dem Kriegstreiben finanziell litt, er\u00f6ffneten sich gesellschaftspolitisch durch den Umbruch neue M\u00f6glichkeiten. <em>Der Krieg ist der Vater aller Dinge<\/em>, vielen B\u00fcrgern kam der frische Wind nicht ungelegen. Moderne Gesetze wie die <em>Gassen-S\u00e4uberungs-Ordnung<\/em> oder eine verpflichtende Pockenimpfung sollten Sauberkeit und Gesundheit in der Stadt zutr\u00e4glich sein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts verstarb noch immer eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Menschen an Krankheiten, die auf mangelnde Hygiene und verseuchtem Trinkwasser zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Ein neues Steuersystem wurde eingef\u00fchrt und die Befugnisse des Adels weiter verringert. Die bayerische Verwaltung erlaubt das 1797 verbotene Vereinswesen wieder. Auch das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Kirche aus dem Bildungswesen gefiel liberalen Innsbruckern. Ein Beispiel f\u00fcr die Reformen war die Berufung des Benediktinerpaters und sp\u00e4teren Mitbegr\u00fcnders des Musikvereins Innsbrucks Martin Goller nach Innsbruck, um die musikalische und kulturelle Ausbildung in der Stadt zu forcieren.<\/p>\n<p>Diese Reformen behagten einem gro\u00dfen Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung nicht. Katholische Prozessionen und religi\u00f6se Feste fielen dem aufkl\u00e4rerischen Programm der neuen Landesherren zum Opfer. 1808 wurde vom bayerischen K\u00f6nig f\u00fcr seinen gesamten Herrschaftsbereich das Gemeindeedikt eingef\u00fchrt. Die Untertanen wurden darin verpflichtet \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, Brunnen, Wege, Br\u00fccken und andere Infrastruktur in Stand zu halten. F\u00fcr die Tiroler Bauern, die seit Jahrhunderten von Fronarbeit gr\u00f6\u00dftenteils befreit waren, bedeutete das eine zus\u00e4tzliche Belastung und war ein Affront gegen ihren Standesstozl. Der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte, war die Aushebung junger M\u00e4nner zum Dienst in der bayrisch-napoleonischen Armee, obwohl Tiroler seit dem <em>Landlibell<\/em>, einem Gesetz Kaiser Maximilians, nur f\u00fcr die Verteidigung der eigenen Grenzen herangezogen werden durften. Am 10. April kam es bei einer Aushebung in Axams bei Innsbruck zu einem Tumult, der schlie\u00dflich zu einem Aufstand f\u00fchrte. <em>F\u00fcr Gott, Kaiser und Vaterland<\/em> kamen Abteilungen der Tiroler Landesverteidigung zusammen, um den kleinen Armeeteil und die Verwaltungsbeamten der Bayern aus Innsbruck zu vertreiben. Angef\u00fchrt wurden die Sch\u00fctzen von Andreas Hofer (1767 \u2013 1810), einen Wirt, Wein- und Pferdeh\u00e4ndler aus dem S\u00fcdtiroler Passeiertal bei Meran. Ihm zur Seite standen nicht nur weitere Tiroler wie Pater Haspinger, Peter Mayr und Josef Speckbacher, sondern im Hintergrund auch der Habsburger Erzherzog Johann.<\/p>\n<p>In Innsbruck angekommen pl\u00fcnderten die Sch\u00fctzen nicht nur offizielle Einrichtungen. Wie bereits beim Bauernaufstand unter Michael Gaismair war der Heldenmut nicht nur von Adrenalin, sondern auch von Alkohol befl\u00fcgelt. Der wilde Mob war f\u00fcr die Stadt wohl sch\u00e4dlicher als die bayrischen Verwalter seit 1805. Vor allem gegen b\u00fcrgerliche Damen und den kleinen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsanteil Innsbrucks kam es zu heftigen Ausschreitungen der \u201eBefreier\u201c.<\/p>\n<p>Im Juli 1809 hatten Bayern und Franzosen die Kontrolle \u00fcber Innsbruck nach dem mit den Habsburgern geschlossenen <em>Frieden von Znaim<\/em>, der vielen bis heute als Wiener Verrat am Land Tirol gilt, zur\u00fcckerlangt. Was nun folgte, war das, was als <em>Tiroler Erhebung<\/em> unter Andreas Hofer, der mittlerweile das Oberkommando \u00fcber die Tiroler Landesverteidigung \u00fcbernommen hatte, in die Geschichtsb\u00fccher eingehen sollte. Insgesamt drei Mal konnten die Tiroler Aufst\u00e4ndischen den Sieg vom Schlachtfeld tragen. Besonders bekannt ist die 3. Schlacht im August 1809 am Berg Isel. \u201e<em>Innsbruck sieht und h\u00f6rt, was es noch nie geh\u00f6rt und gesehen: eine Schlacht von 40.000 Kombattanten\u2026<\/em>\u201c F\u00fcr kurze Zeit war Andreas Hofer in Ermangelung regul\u00e4rer Tatsachen Oberkommandant Tirols, auch f\u00fcr zivile Angelegenheiten. Finanziell \u00e4nderte sich die missliche Lage Innsbrucks nicht. Anstelle der bayerischen und franz\u00f6sischen Soldaten mussten die Stadtb\u00fcrger nun ihre Landsleute aus dem Bauernregiment beherbergen und verk\u00f6stigen und Abgaben f\u00fcr die neue Landesregierung entrichten. Besonders die liberalen und verm\u00f6genden Eliten der Stadt waren nicht gl\u00fccklich mit den neuen Stadtherren. Die von ihm als Landeskommandant erlassenen Verordnungen erinnern eher an einen Gottesstaat als ein Gesetzwerk des 19. Jahrhunderts. Frauen durften nur noch z\u00fcchtig verh\u00fcllt auf die Stra\u00dfe gehen, Tanzveranstaltungen wurden verboten und freiz\u00fcgige Denkm\u00e4ler wie die am <em>Leopoldsbrunnen<\/em> zu besichtigenden Nymphen wurden aus dem \u00f6ffentlichen Raum verbannt. Bildungsagenden sollten wieder an den Klerus gehen. Liberale und Intellektuelle wurden verhaftet, daf\u00fcr wurde das <em>Rosenkranzbeten<\/em> zum Gebot. Am Ende gab es im Herbst 1809 in der vierten und letzten Schlacht am Berg Isel eine empfindliche Niederlage gegen die franz\u00f6sische \u00dcbermacht. Die Regierung in Wien hatte die Tiroler Aufst\u00e4ndischen vor allem als taktischen Prellbock im Krieg gegen Napoleon benutzt. Bereits zuvor hatte der Kaiser das Land Tirol offiziell im Friedensvertrag von Sch\u00f6nbrunn wieder abtreten m\u00fcssen. Innsbruck war zwischen 1810 und 1814 wieder unter bayrischer Verwaltung. Auch die Bev\u00f6lkerung war nur noch m\u00e4\u00dfig motiviert, Krieg zu f\u00fchren. Wilten wurde von den Kampfhandlungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf schrumpfte von \u00fcber 1000 Einwohnern auf knapp 700. Hofer selbst war zu dieser Zeit bereits ein von der Belastung dem Alkohol gezeichneter Mann. Er wurde gefangengenommen und am 20. Januar 1810 in Mantua hingerichtet. Zu allem \u00dcberfluss wurde das Land geteilt. Das Etschtal und das Trentino wurden Teil des von Napoleon aus dem Boden gestampften K\u00f6nigreich Italien, das Pustertal wurde den franz\u00f6sisch kontrollierten <em>Illyrischen Provinzen<\/em> angeschlossen.<\/p>\n<p>Der \u201e<em>Freiheitskampf<\/em>\u201c symbolisiert bis heute f\u00fcr das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Lange Zeit galt Andreas Hofer als unumstrittener Held und als Prototyp des wehrhaften, vaterlandstreuen und standhaften Tirolers. Der Underdog, der sich gegen die fremde \u00dcbermacht und unheilige Sitten wehrte. Tats\u00e4chlich war Hofer wohl ein charismatischer Anf\u00fchrer, ein politisch aber unbegabter und konservativ-klerikaler, simpler Geist. Seine Taktik bei der 3. Schlacht am Berg Isel \u201e<em>Grad nit aufferlassen tiat sie<\/em>\u201c (Ann.: Ihr d\u00fcrft sie nur nicht heraufkommen lassen) fasst sein Wesen wohl ganz gut zusammen. In konservativen Kreisen Tirols wie den Sch\u00fctzen wird Hofer unkritisch und kultisch verehrt. Das Tiroler Sch\u00fctzenwesen ist gelebtes Brauchtum, das sich zwar modernisiert hat, in vielen dunklen Winkeln aber noch reaktion\u00e4r ausgerichtet ist. Wiltener, Amraser, Pradler und H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen marschieren immer noch eintr\u00e4chtig neben Klerus, Trachtenvereinen und Marschmusikkapellen bei kirchlichen Prozessionen und schie\u00dfen in die Luft, um alles \u00dcbel von Tirol und der katholischen Kirche fernzuhalten. \u00dcber die Stadt verteilt erinnern viele Denkm\u00e4ler an das Jahr 1809. Die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erfuhr eine Heroisierung der K\u00e4mpfer, die als deutsches Bollwerk gegen fremde V\u00f6lkerschaften charakterisiert wurden. Der Berg Isel wurde der Stadt f\u00fcr die Verehrung der Freiheitsk\u00e4mpfer vom Stift Wilten, der katholischen Instanz Innsbrucks, zur Verf\u00fcgung gestellt. Andreas Hofer und seinen Mitstreitern Josef Speckbacher, Peter Mayer, Pater Haspinger und Kajetan Sweth wurden im Stadtteil Wilten, das in der Zeit des gro\u00dfdeutsch-liberal dominierten Gemeinderats 1904 zu Innsbruck kam und lange unter der Verwaltung des Stiftes gestanden hatte, Stra\u00dfennamen gewidmet. Das kurze Rote Gassl im alten Kern von Wilten erinnert an die Tiroler Sch\u00fctzen, die, in ihnen wohl f\u00e4lschlich nachgesagten roten Uniformen, dem siegreichen Feldherrn Hofer nach dem Sieg in der zweiten Berg Isel Schlacht an dieser Stelle in Massen gehuldigt haben sollen. In Tirol wird Andreas Hofer bis heute gerne f\u00fcr alle m\u00f6glichen Initiativen und Pl\u00e4ne vor den Karren gespannt. Vor allem im Nationalismus des 19. Jahrhunderts berief man sich immer wieder auf den verkl\u00e4rten Helden Andreas Hofer. Hofer wurde \u00fcber Gem\u00e4lde, Flugbl\u00e4tter und Schauspiele zur Ikone stilisiert. Aber auch heute noch kann man das Konterfei des Obersch\u00fctzen sehen, wenn sich Tiroler gegen unliebsame Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung, den Transitbestimmungen der EU oder der FC Wacker gegen ausw\u00e4rtige Fu\u00dfballvereine zur Wehr setzen. Das Motto lautet dann \u201e<em>Mannder, s\u00b4isch Zeit<\/em>!\u201c. Die Legende vom wehrf\u00e4higen Tiroler Bauern, der unter Tags das Feld bestellt und sich abends am Schie\u00dfstand zum Scharfsch\u00fctzen und Verteidiger der Heimat ausbilden l\u00e4sst, wird immer wieder gerne aus der Schublade geholt zur St\u00e4rkung der \u201eechten\u201c Tiroler Identit\u00e4t. Die Feiern zum Todestag Andreas Hofers am 20. Februar locken bis heute regelm\u00e4\u00dfig Menschenmassen aus allen Landesteilen Tirols in die Stadt. Erst in den letzten Jahrzehnten setzte eine kritische Betrachtung des erzkonservativen und mit seiner Aufgabe als Tiroler Landeskommandanten wohl \u00fcberforderten Sch\u00fctzenhauptmanns ein, der angestachelt von Teilen der Habsburger und der katholischen Kirche nicht nur Franzosen und Bayern, sondern auch das liberale Gedankengut der Aufkl\u00e4rung vehement aus Tirol fernhalten wollte.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53379&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit zwischen der Franz\u00f6sischen Revolution und der Schlacht bei K\u00f6niggr\u00e4tz 1866 war eine kriegerische Periode. Viele der politischen Grundhaltungen, Animosit\u00e4ten gegen\u00fcber anderen Gruppen und der europ\u00e4ische Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch die Geschichte Innsbruck beeinflussen sollten, hatten ihre Wurzeln in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. Das revolution\u00e4re Paris war zwar weit weg und weder standen E-Mails noch ein fl\u00e4chendeckendes Pressewesen zur Verbreitung von Nachrichten zur Verf\u00fcgung. \u00dcber Flugbl\u00e4tter und die Kirchenkanzeln wurden die Gottlosigkeit der M\u00f6rder Marie Antoinettes und der Hass auf die Kirche der neuen Herren\u00fcber Frankreich erfolgreich verbreitet. Die Monarchien Europas angef\u00fchrt von den Habsburgern hatten der Franz\u00f6sischen Republik den Krieg erkl\u00e4rt. Die Angst ging um, dass sich der Wahlspruch der Revolution \u201e<em>Libert\u00e9,\u00a0\u00c9galit\u00e9,\u00a0Fraternit\u00e9<\/em>\u201c in Europa ausbreiten k\u00f6nnte. Ein junger General namens Napoleon Bonaparte war mit seiner\u00a0<em>italienischen Armee<\/em>\u00a0im Rahmen der Koalitionskriege \u00fcber die Alpen vorger\u00fcckt und traf dort auf die \u00f6sterreichischen Truppen. Es war nicht nur ein Krieg um Territorium und Macht, es war ein Kampf der Systeme. Die <em>Grande Armee<\/em> der revolution\u00e4ren Republik Frankreich traf auf die Truppen der konservativen und katholischen Habsburger.<\/p>\n<p>Tiroler Sch\u00fctzen waren aktiv am Kampfgeschehen beteiligt, um die Landesgrenzen gegen die einr\u00fcckenden Franzosen zu verteidigen. Die M\u00e4nner waren es gewohnt, mit Waffen umzugehen und galten als ge\u00fcbte Scharfsch\u00fctzen. Der Historiker Ludwig Denk dr\u00fcckte es in einer Schrift 1860 so aus:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Hauptlust des Tirolers ist das Schiessen. Fr\u00fche schon nimmt der Vater den Sohn mit auf die Jagd. Nicht selten sieht man Knaben mit geladenem Gewehr herumlaufen und auf hohe Berge steigen und Vogel oder Eichh\u00f6rnchen schiessen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke von Einheiten wie den 1796 ins Leben gerufenen H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen lag nicht in der offenen Feldschlacht, sondern im Guerrillakampf. Dar\u00fcber hinaus hatten sie eine Geheimwaffe auf ihrer Seite gegen die fortschrittlichste und modernste Armee der damaligen Zeit: Das Herz Jesu. Seit 1719 waren jesuitische Missionare bis in die hintersten Seitent\u00e4ler unterwegs gewesen und hatten den Herz Jesu Kult als verbindendes Element erfolgreich im Kampf gegen heidnische Br\u00e4uche und Protestantismus etabliert. Nun, da man den gottlosen revolution\u00e4ren Franzosen, die nicht nur der Monarchie, sondern auch dem Klerus den Kampf ansagten, gegen\u00fcberstand, war es nur logisch, dass das Herz Jesu sch\u00fctzend \u00fcber die Tiroler Gotteskrieger wachen w\u00fcrde. In aussichtsloser Situation erneuerten die Tiroler Truppen ihren Bund mit dem Herzen Jesu, um Schutz zu erbitten. \u00a0Gegen jede Wahrscheinlichkeit waren die Tiroler Sch\u00fctzen erfolgreich in ihrem Abwehrkampf. Der Abt des Klosters Stams war es, der bei den Landst\u00e4nden beantragte, von nun an allj\u00e4hrlich &#8222;<em>das Fest des g\u00f6ttlichen Herzens Jesu mit feierlichem Gottesdienst zu begehen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit werde.<\/em>&#8220; Allj\u00e4hrlich wurden die Herz-Jesu-Feiern mit gro\u00dfem Pomp in der Presse besprochen und angek\u00fcndigt. Sie waren vor allem im 19. und im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ein explosives Gemisch aus Volksaberglauben, Katholizismus und nationalen Ressentiments gegen alles Franz\u00f6sische und Italienische. Unz\u00e4hlige Soldaten vertrauten ihr Wohl noch im technologisierten Kampfgeschehen des Ersten Weltkriegs dem Herzen Jesu an und trugen im Granatenhagel Bilder dieses Symbols bei sich. Neben der Gnadenmutter Cranachs ist die Darstellung des Herzen Jesu wohl bis heute das beliebteste christliche Motiv im Tiroler Raum und prangt auf der Fassade unz\u00e4hliger H\u00e4user.<\/p>\n<p>Das habsburgische Tirol hatte sich w\u00e4hrend den Kriegswirren ohne sein Zutun, und wohl auch ohne das des Herzen Jesu, vergr\u00f6\u00dfert. Das Trentino war in den letzten Atemz\u00fcgen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches vor dessen Aufl\u00f6sung 1803 zu einem Teil des Kronlandes geworden. Innsbruck hingegen war geschrumpft. Die verstorbenen Soldaten und die kriegsbedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fchrten zu einem R\u00fcckgang der Einwohner von gut 9500 um das Jahr 1750 auf etwa 8800. Nach den Napoleonischen Kriegen blieb es f\u00fcr etwa 30 Jahre ruhig an den Tiroler Landesgrenzen. Das \u00e4nderte sich mit dem italienischen Risorgimento, der Nationalbewegung unter F\u00fchrung Sardinien-Piemonts und Frankreichs. 1848, 1859 und 1866 kam es zu den sogenannten <em>Italienischen Einigungskriegen<\/em>. Im Lauf des 19. Jahrhunderts, sp\u00e4testens seit 1848, war es unter jungen M\u00e4nnern der Oberschicht zu einem regelrechten nationalen Rausch gekommen. Freiwilligenheere schossen in allen Regionen Europas aus dem Boden. Studenten und Akademiker, die sich in ihren Verbindungen zusammentaten, Turner, Sch\u00fctzen, alle wollten ihre neue Liebe zur Nation auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen und unterst\u00fctzten die offiziellen Armeen.<\/p>\n<p>Innsbruck war als Garnisonsstadt ein wichtiger Versorgungsposten. Nach dem Wiener Kongress war aus dem <em>Tiroler J\u00e4gerkorps<\/em> das\u00a0<em>k.k. Tiroler Kaiserj\u00e4gerregiment<\/em> geworden, eine Eliteeinheit, die in diesen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam. Auch freiwillige Einheiten wie die <em>Innsbrucker Akademiker<\/em> oder die Stubaier Sch\u00fctzen k\u00e4mpften in Italien. Tausende fielen im Kampf gegen die Koalition aus dem Erzfeind Frankreich, den gottlosen Garibaldinern und der Bedrohung durch das sich auf Kosten \u00d6sterreichs konstituierende K\u00f6nigreich Italien unter der F\u00fchrung der frankophilen Savoyer aus Piemont. Medien heizten die Stimmung abseits der Frontlinie auf. Die &#8222;<em>Innsbrucker Zeitung<\/em>&#8220; predigte in ihren Artikeln Kaisertreue und gro\u00dfdeutsch-tirolischen Nationalismus, wetterte gegen das Italienertum und Franzosen und pries den Mut Tiroler Soldaten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die starke Besetzung der H\u00f6hen am Ausgange des Valsugana bei Primolano und le Tezze gab schon oft den Innsbrucker-Akademikern I. und den Stubaiern Anla\u00df, freiwillige Ercur:sionen gegen le Tezze, Fonzago und Fastro, als auch auf das rechte Brenta-Ufer und den H\u00f6hen gegen die kleinen Lager von den Sette comuni zu machen&#8230;Am 19. schon haben die Stubaier einige Feinde niedergestreckt, als sie sich das erste mal hinunterwagten, indem sie sich ihnen entgegenschlichen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die wohl bekannteste Schlacht der <em>Einigungskriege<\/em> fand in Solferino 1859 in der N\u00e4he des Gardasees statt. Entsetzt vom blutigen Geschehen entschloss sich Henry Durant das Rote Kreuz zu gr\u00fcnden. Der Schriftsteller Joseph Roth beschrieb das Geschehen auf den ersten Seiten seines lesenswerten Klassikers\u00a0<em>Radetzkymarsch<\/em>.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Schlacht bei Solferino befehligte er (Anm.: Leutnant Trotta) als Leutnant der Infanterie einen Zug. Seit einer halben Stunde war das Gefecht im Gange. Drei Schritte vor sich sah er die wei\u00dfen R\u00fccken seiner Soldaten. Die erste Reihe seines Zuges kniete, die zweite stand. Heiter waren alle und sicher des Sieges. Sie hatten ausgiebig gegessen und Branntwein getrunken, auf Kosten und zu Ehren des Kaisers, der seit gestern im Felde war. Hier und dort fiel einer aus der Reihe.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders verlustreich f\u00fcr das Kaiserreich \u00d6sterreich war das Jahr 1866. In Italien gingen Venetien und die Lombardei verloren. Gleichzeitig \u00fcbernahm Preu\u00dfen die F\u00fchrung im Deutschen Bund, der Nachfolgeorganisation des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich Deutscher Nation.<\/em> F\u00fcr Innsbruck bedeutete das Ausscheiden der Habsburgermonarchie aus dem Deutschen Bund, dass man endg\u00fcltig zu einer Stadt an der westlichen Peripherie des Reiches geworden war. Der Hang zur sogenannten\u00a0<em>Gro\u00dfdeutschen L\u00f6sung<\/em>, also einer Staatlichkeit mit dem Deutschen Reich gemeinsam anstatt dem alleinstehenden Kaisertum \u00d6sterreich, war in Innsbruck sehr stark ausgepr\u00e4gt. Wie sehr diese Deutsche Frage die Stadt spaltete, zeigte sich noch \u00fcber 30 Jahre sp\u00e4ter, als der Innsbrucker Gemeinderat dem <em>Eisernen Kanzler<\/em> Bismarck, der f\u00fcr den Bruderkrieg zwischen \u00d6sterreich und Deutschland federf\u00fchrend verantwortlich war, eine Stra\u00dfe widmen wollte. W\u00e4hrend sich kaisertreue Konservative entsetzt ob dieses Vorschlages zeigten, waren die gro\u00dfdeutschen Liberalen rund um B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil begeistert.<\/p>\n<p>Mit dem Tummelplatz, dem Milit\u00e4rfriedhof Pradl und dem Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel besitzt die Stadt mehrere Erinnerungsorte an diese blutigen Konflikte, bei denen viele Innsbrucker ins Feld zogen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1923). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Es war die Zeit des Wachstums, der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wirtschaftswachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Die Ansammlung an Menschen auf engstem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen brachte gleichzeitig aber auch Probleme mit sich. Besonders die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht.<\/p>\n<p>Die Innsbrucker Stadtpolitik, in der Greil sich bewegte, war vom Kampf liberaler und konservativer Kr\u00e4fte gepr\u00e4gt. Greil geh\u00f6rte der &#8222;<em>Deutschen Volkspartei<\/em>&#8220; an, einer liberalen und national-gro\u00dfdeutschen Partei. Was heute als Widerspruch erscheint, liberal und national, war im 19. Jahrhundert ein politisch \u00fcbliches und gut funktionierendes Gedankenpaar. Der <em>Pangermanismus<\/em> war keine politische Besonderheit einer rechtsradikalen Minderheit, sondern besonders in deutschsprachigen St\u00e4dten des Reiches eine Str\u00f6mung der Mitte, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg durch fast alle Parteien hindurch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung Bedeutung hatte. Innsbrucker, die auf sich hielten, bezeichneten sich nicht als \u00d6sterreicher, sondern als Deutsche. Wer Ausgaben der liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> der Zeit rund um die Jahrhundertwende unter die Lupe nimmt, findet unz\u00e4hlige Artikel, in denen das Gemeinsame zwischen dem Deutschen Reich und den deutschsprachigen L\u00e4ndern zum Thema des Tages gemacht wurde, w\u00e4hrend man sich von anderen Volksgruppen innerhalb des multinationalen Habsburgerreiches distanzierte. Greil war ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen seiner Zeit bewegte. Er wusste sich um die traditionellen Kr\u00e4fte, die Monarchie und den Klerus geschickt zu man\u00f6vrieren und sich mit ihnen zu arrangieren.<\/p>\n<p>Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der gesamten Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. Greil wohne passenderweise \u00e4hnlich wie ein Renaissancef\u00fcrst. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Upper Class. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die Homebase der Familie zu gr\u00fcnden. Massenparteien wie die Sozialdemokratie konnten sich bis zur Wahlrechtsreform der Ersten Republik nicht durchsetzen. Konservative hatten es in Innsbruck auf Grund der Bev\u00f6lkerungszusammensetzung, besonders bis zur Eingemeindung von Wilten und Pradl, ebenfalls schwer. B\u00fcrgermeister Greil konnte auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung, angeheizt von privaten Investitionen, erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten entstanden in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aber viele unauff\u00e4llige Revolutionen. Vieles, was in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts vorangetrieben wurde, geh\u00f6rt heute zum Alltag. F\u00fcr die Menschen dieser Zeit waren diese Dinge aber eine echte Sensation und lebensver\u00e4ndernd. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren.<\/p>\n<p>Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung fort. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte auch das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Zeit nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete Greil Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als italienische Truppen nach dem Ersten Weltkrieg die Stadt besetzten und Tirol am Brenner geteilt wurde. Das Ende der Monarchie und des Zensuswahlrechts bedeuteten auch den Niedergang der Liberalen in Innsbruck, auch wenn Greil das in seiner aktiven Karriere nur teilweise miterlebte. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zwar zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen, dank der Mehrheiten im Gemeinderat blieb Greil aber B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tourismus: Von alpiner Sommerfrische zur Piefke Saga&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tourismusland Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53667&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren sorgte eine \u00f6sterreichische Fernsehserie f\u00fcr einen Skandal. Die <em>Piefke Saga<\/em> aus der Feder des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer beschrieb in vier skurril-entlarvend-am\u00fcsanten Folgen die Beziehung zwischen der deutschen Urlauberfamilie Sattmann und ihren Gastgebern in einem fiktiven Tiroler Urlaubsort. Bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem Tourismus in seinen heutigen teils extremen Ausw\u00fcchsen sollte man nicht vergessen, dass der Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor in Innsbruck und Umgebung war, der die Entwicklung der Region nachhaltig antrieb, nicht nur wirtschaftlich.<\/p>\n<p>Die ersten Reisenden, die Innsbruck ansteuerten, waren Pilger und Business People. H\u00e4ndler, Gesellen auf der Walz, Beamte, Soldaten, Entourage adeliger G\u00e4ste bei Hof, Fachkr\u00e4fte verschiedener Gewerbe, Bergleute, Kleriker, Wallfahrer und Wissenschaftler waren die ersten Touristen, die es in die Stadt zwischen Italien und Deutschland zog. Reisen war teuer, gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam. Zudem war es einem gro\u00dfen Teil der Untertanen ohne Einwilligung ihres Grundherrn oder Abtes nicht gestattet, die eigene Scholle zu verlassen. Wer sich fortbewegte, tat dies im Normalfall auf des Schusters Rappen. Zwar verdienten die Innsbrucker Gasth\u00f6fe und Wirte bereits im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit an den Reisenden, von Fremdenverkehr wie wir ihn heute verstehen war aber noch keine Rede. Der fing an, als es einige Verr\u00fcckte erstmals auf die Berggipfel zog. Dazu bedurfte es neben einer wachsenden Mittelschicht auch einer neuen Einstellung gegen\u00fcber den Alpen. Lange waren die Berge eine reine Bedrohung f\u00fcr die Menschen gewesen. Es waren vor allem Briten, die sich aufmachten, sich nach den Weltmeeren auch die Gebirge dieser Erde untertan zu machen. \u00dcber Reiseberichte verbreitete sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, der Epoche der Romantik, die Kunde von der Natursch\u00f6nheit der Alpen. Der erste fremdsprachige Reisef\u00fchrer f\u00fcr Tirol, <em>Travells through the Rhaetian Alps von Jean Francois Beaumont<\/em> erschien 1796.<\/p>\n<p>Neben der alpinen Attraktion waren es die wilden und exotischen <em>Eingeborenen<\/em> Tirols, die international f\u00fcr Aufsehen sorgten. Der b\u00e4rtige Revoluzzer namens Andreas Hofer, der es mit seinem Bauernheer geschafft hatte, Napoleons Armee in die Knie zu zwingen, erzeugte bei den Briten, den notorischen Erzfeinden der Franzosen, ebenso gro\u00dfes Interesse wie bei deutschen Nationalisten n\u00f6rdlich der Alpen, die in ihm einen fr\u00fchen Protodeutschen sahen. Die Tiroler galten als unbeugsamer Menschenschlag, archetypisch und ungez\u00e4hmt, \u00e4hnlich den Germanen unter Arminius, die das Imperium Romanum herausgefordert hatten. Die Beschreibungen Innsbrucks aus der Feder des Autors Beda Weber (1798 \u2013 1858) und andere Reiseberichte in der boomenden Presselandschaft dieser Zeit trugen dazu bei, ein attraktives Bild Innsbrucks zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nun mussten die wilden Alpen nur noch der Masse an Touristen zug\u00e4nglich gemacht werden, die zwar gerne den fr\u00fchen Abenteurern auf ihren Expeditionen nacheifern wollten, deren Risikobereitschaft und Fitness mit den W\u00fcnschen nicht schritthalten konnten. Der <em>Deutsche Alpenverein<\/em> er\u00f6ffnete 1869 eine Sektion Innsbruck, nachdem der 1862 <em>\u00d6sterreichische Alpenverein<\/em> wenig erfolgreich war. Angetrieben vom gro\u00dfdeutschen Gedanken vieler Mitglieder fusionierten die beiden Institutionen 1873. Der <em>Alpenverein<\/em> ist bis heute b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gt, sein sozialdemokratisches Pendant sind die <em>Naturfreunde<\/em>. Das Wegenetz wuchs durch dessen Erschlie\u00dfung ebenso wie die Zahl an H\u00fctten, die G\u00e4ste beherbergen konnten. Das Transitland Tirol besa\u00df unz\u00e4hlige Saumpfade und Fu\u00dfwege, die seit Jahrhunderten bestanden, und als Basis f\u00fcr den Alpinismus dienten. Kleine Gasth\u00f6fe, Bauernh\u00f6fe und Stationen entlang der Postwege dienten als Unterk\u00fcnfte. Der Tiroler Theologe Franz Senn (1831 \u2013 1884) und der Schriftsteller Adolf Pichler (1819 \u2013 1900) waren ma\u00dfgeblich an der Vermessung Tirols und der Erstellung von Kartenmaterial beteiligt. Anders als gerne behauptet, waren die Tiroler nicht geborene Bergsteiger, sondern mussten sich die F\u00e4higkeiten die Bergwelt zu erobern erst beibringen lassen. Bis dato waren Berge vor allem eins: gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam im landwirtschaftlichen Alltag. Sie zu besteigen, war zuvor kaum jemandem in den Sinn gekommen. Die Alpenvereine bildeten auch Bergf\u00fchrer aus. Ab der Jahrhundertwende kam neben Wandern und Bergsteigen der Skisport in Mode. Lifte gab es noch nicht, um auf die Berge zu gelangen, musste man sich der Felle bedienen, die heute noch auf Tourenski geklebt werden. Erst ab den 1920ern konnte nach dem Bau der Seilbahnen auf die Nordkette und dem Patscherkofel eine zahlungskr\u00e4ftige Klientel den modernen Luxus von Bergbahnen beim Skivergn\u00fcgen genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es bedurfte neuer Hotels, Caf\u00e9s, Gasth\u00e4user, Gesch\u00e4fte und Transportmittel, um die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste zu befriedigen. Wer zu Hause in London oder Paris flie\u00dfend Wasser und einen Telefonanschluss hatte, wollte im Urlaub nicht mit einem Plumpsklo am Gang oder vor dem Haus Vorlieb nehmen. Die sogenannten Gasth\u00f6fe ersten und zweiten Ranges waren f\u00fcr den Transitverkehr geeignet, um gehobene Touristen zu empfangen waren sie aber nicht ausgestattet. Wirte in der Stadt und in den D\u00f6rfern rund um Innsbruck z\u00e4hlten bis ins 19. Jahrhundert zur gehobenen Mittelschicht, was das Einkommen betraf. Oft waren sie Bauern, die im Nebenerwerb eine Ausschank hatten und Speisen verkauften. Sie hatten, wie das Beispiel Andreas Hofers zeigt, durchaus auch Ansehen und Einfluss innerhalb der lokalen Gesellschaft. Als Treffpunkte der Einheimischen und Knotenpunkte im Post- und Warenverkehr waren sie oft gut informiert \u00fcber das Geschehen in der kleinen und gro\u00dfen Welt. Da sie aber weder Mitglieder einer Zunft waren noch zum B\u00fcrgertum gez\u00e4hlt wurden, z\u00e4hlte der Beruf des Gastwirtes nicht zu den ehrbarsten Berufen. Das \u00e4nderte sich mit der Professionalisierung der Tourismuswirtschaft. Unternehmer wie Robert Ni\u00dfl, der 1865 Schloss B\u00fcchsenhausen \u00fcbernahm und in eine Bierbrauerei umbaute, investierten in die Infrastruktur. Aus ehemaligen Adelsansitzen wie der Weiherburg wurden Gasth\u00f6fe und Hotels. Die Revolution vollzog sich in Innsbruck nicht 1848 auf den Barrikaden, sondern im Tourismus einige Jahrzehnte sp\u00e4ter, als findige B\u00fcrger die Aristokratie als Besitzer von Schl\u00f6ssern wie B\u00fcchsenhausen und der Weiherburg abl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Der 1849 er\u00f6ffnete \u00d6sterreichische Hof galt lange als Platzhirsch moderner Hotellerie, war offiziell aber nur ein Abklatsch eines Grand Hotels. Erst mit dem <em>Grand Hotel Europa<\/em> hatte 1869 bekam in Innsbruck ein Haus ersten Ranges ge\u00f6ffnet. Die Bl\u00fctezeit der Gasth\u00f6fe in der Altstadt war vor\u00fcber. 1892 folgte mit dem zeitgeistigen <em>Reformhotel Habsburger Hof<\/em> ein zweiter gro\u00dfer Betrieb. Wo heute das Metropolkino steht, war der Kaiserhof als Neubau errichtet worden. Der <em>Habsburger Hof<\/em> bot seinen G\u00e4sten bereits elektrisches Licht, eine absolute Sensation. Ebenfalls auf der bis dato unverbauten Fl\u00e4che vor dem Bahnhof war der <em>Arlberger Hof<\/em> angesiedelt. Was heute eher als Wettbewerbsnachteil angesehen w\u00fcrde, war zu dieser Zeit ein Verkaufsargument. Bahnh\u00f6fe waren die Zentren moderner St\u00e4dte. Die Bahnhofspl\u00e4tze waren keine \u00fcberf\u00fcllten Verkehrsknotenpunkte wie heute, sondern mond\u00e4ne und gepflegte Orte vor den architektonisch anspruchsvoll gestalteten Hallen, in denen die Z\u00fcge ankamen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der G\u00e4ste stieg langsam, aber stetig an. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges z\u00e4hlte Innsbruck 200.000 G\u00e4ste. Im Juni 1896 berichteten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Fremdenverkehr in Innsbruck bezifferte sich im Monat Mai auf 5647 Personen. Darunter befanden sich (au\u00dfer 2763 Reisenden aus Oesterreich-Ungarn) 1974 Reichsdeutsche, 282 Engl\u00e4nder, 65 Italiener, 68 Franzosen, 53 Amerikaner, 51 Russen und 388 Personen aus verschiedenen anderen L\u00e4ndern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Menge an Reisenden, die einen Einfluss auf das Leben in der Kleinstadt Innsbruck hatten, war es auch die Internationalit\u00e4t der Besucher, die Innsbruck nach und nach einen neuen Anstrich gaben. Neben der rein touristischen Infrastruktur wurde auch die Entwicklung der allgemeinen Neuerungen beschleunigt. Die wohlhabenden G\u00e4ste konnten kaum in Gastst\u00e4tten mit Senkgruben hinterm Haus verkehren. Nat\u00fcrlich w\u00e4re eine Kanalisation ohnehin am Plan gestanden, der Wirtschaftsfaktor Tourismus aber erm\u00f6glichte und beschleunigte die Mittelfreistellung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der Jahrhundertwende. Das ver\u00e4nderte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern auch den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Findige Unternehmer wie Heinrich Menardi schafften es, die Wertsch\u00f6pfungskette, um kostenpflichtige Urlaubsfreuden neben Kost und Logis zu erweitern. Er er\u00f6ffnete 1880 die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em> f\u00fcr Ausflugsfahrten in die alpine Umgebung. Anfangs mit Kutschen, nach dem 1. Weltkrieg mit Bussen und PKW, wurden zahlungskr\u00e4ftige Touristen bis nach Venedig chauffiert. Das Unternehmen besteht bis heute und hat seinen Firmensitz mittlerweile im <em>Menardihaus<\/em> in der Wilhelm-Greil-Strasse 17 gegen\u00fcber des Landhausplatzes, auch wenn man sich von der Transport- und Handelsbranche im Lauf der Zeit auf die eintr\u00e4glichere Immobilienwirtschaft verlegt hat. Auch der lokale Handel profitierte von der zahlungskr\u00e4ftigen Klientel aus dem Ausland. 1909 gab es bereits drei dezidierte <em>Touristen-Ausr\u00fcstungsgesch\u00e4fte<\/em> neben den wenige Jahre zuvor frisch er\u00f6ffneten mond\u00e4nen Warenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Innsbruck und die umgebenden Orte waren auch f\u00fcr Kururlaub, dem Vorg\u00e4nger des heutigen Wellness, bei der betuchte Kunden sich in alpinem Umfeld von unterschiedlichsten Krankheiten erholten, bekannt. Der <em>Igler Hof<\/em>, damals <em>Grandhotel Igler Hof<\/em> und das Sporthotel Igls, verstr\u00f6men heute noch teilweise den Chic dieser Zeit. Michael Obexer, der Gr\u00fcnder des Kurortes Igls und Besitzer des Grandhotels, war ein Tourismuspionier. In Egerdach bei Amras und in M\u00fchlau, gab es zwei Kurb\u00e4der. So bekannt wie die Hotspots der Zeit in Bad Ischl, Marienbad oder Baden bei Wien waren die Anlagen nicht, wie man auf alten Fotos und Postkarten sehen kann, die Anwendungen mit Sole, Dampf, Gymnastik, sogar Magnetismus, entsprachen aber dem damaligen Standard dessen, was heute teilweise noch bei Kur- und Wellnessurlaubern beliebt ist. Bad Egerdach bei Innsbruck war als Heilquelle seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Die Quelle sollte Gicht, Hautkrankheiten, An\u00e4mie, ja sogar die im 19. Jahrhundert als Vorg\u00e4ngerin des Burnouts als Neurasthenie bekannte Nervenkrankheit beheben. Die Kapelle der Anstalt besteht bis heute gegen\u00fcber dem SOS Kinderdorf. Die Badeanstalt in M\u00fchlau existierte seit 1768 und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Gasthaus mit Kuranstalt ganz im Stil der Zeit umgebaut. Die ehemalige Badeanstalt ist heute ein sehenswertes Wohnhaus in der Anton-Rauch-Stra\u00dfe. Das spektakul\u00e4rste touristische Projekt, das Innsbruck jemals erlebte, war aber wohl Hoch Innsbruck, die heutige Hungerburg. Nicht nur die Hungerburgbahn und Hotels, sogar ein eigener See wurde hier nach der Jahrhundertwende geschaffen, um G\u00e4ste anzuziehen.<\/p>\n<p>Einer der ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens der <em>Hungerburg<\/em> und Innsbrucker Tourismuspionier, Richard von Attlmayr, war am Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Seit 1881 k\u00fcmmerte sich der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> um Befriedigung der steigenden Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste. Der Verein k\u00fcmmerte sich um die Anlage von Wander- und Spazierwegen, dem Aufstellen von B\u00e4nken und der Erschlie\u00dfung unwegsamer Gebiete wie der M\u00fchlauer Klamm oder der Sillschlucht. Die markanten gr\u00fcnen B\u00e4nke entlang vieler Wege erinnern bis heute an den noch immer existierenden Verein. 1888 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndeten die Profiteure des Fremdenverkehrs in Innsbruck die <em>Kommission zur F\u00f6rderung des Tourismus<\/em>, den Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbands. Durch vereinte Kr\u00e4fte in Werbung und Qualit\u00e4tssicherung bei den Beherbergungsbetrieben hofften die einzelnen Betriebe, den Tourismus weiter anzukurbeln.<\/p>\n<p><em>\u201eAllj\u00e4hrlich mehrt sich die Zahl der \u00fcberseeischen Pilger, die unser Land und dessen gletscherbekr\u00f6nte Berge zum Verdrusse unserer freundnachbarlichen Schweizer besuchen und manch klingenden Dollar zur\u00fccklassen. Die Engl\u00e4nder fangen an Tirol ebenso interessant zu finden wie die Schweiz, die Zahl der Franzosen und Niederl\u00e4nder, die den Sommer bei uns zubringen, mehrt sich von Jahr zu Jahr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Postkarten waren die ersten massentauglichen <em>Influencer<\/em> der Tourismusgeschichte. Viele Betriebe lie\u00dfen ihre eigenen Postkarten drucken. Verlage produzierten unz\u00e4hlige Sujets der beliebtesten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Es ist interessant zu sehen, was damals als sehenswert galt und auf den Karten abgebildet wurde. Anders als heute waren es vor allem die zeitgen\u00f6ssisch modernen Errungenschaften der Stadt: der Leopoldbrunnen, das Stadtcaf\u00e9 beim Theater, die Kettenbr\u00fccke, die Zahnradbahn auf die Hungerburg oder die 1845 er\u00f6ffnete Stefansbr\u00fccke an der Brennerstra\u00dfe, die als Steinbogen aus Quadern die Sill \u00fcberquerte, waren die Attraktionen. Auch Andreas Hofer war ein gut funktionierendes Testimonial auf den Postkarten: Der <em>Gasthof Schupfen<\/em> in dem Andreas Hofer sein Hauptquartier hatte und der Berg Isel mit dem gro\u00dfen Andreas-Hofer-Denkmal waren gerne abgebildete Motive.<\/p>\n<p>1914 gab es in Innsbruck 17 Hotels, die G\u00e4ste anlockten. Dazu kamen die Sommer- und Winterfrischler in Igls und dem Stubaital. Der Erste Weltkrieg lie\u00df die erste touristische Welle mit einem Streich versanden. Gerade als sich der Fremdenverkehr Ende der 1920er Jahre langsam wieder erholt hatte, kamen mit der Wirtschaftskrise und Hitlers <em>1000 Mark Sperre<\/em>, mit der er die \u00f6sterreichische Regierung 1933 unter Druck setzen wollte, um das Verbot der NSDAP zu beenden, die n\u00e4chsten D\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Es bedurfte des <em>Wirtschaftswunders<\/em> der 1950er und 1960er, um den Tourismus in Innsbruck nach den Zerst\u00f6rungen wieder anzukurbeln. Zwischen 1955 und 1972 verf\u00fcnffachen sich die N\u00e4chtigungszahlen in Tirol. Nach den beschwerlichen Kriegsjahren und dem Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Wirtschaft Jahren konnten Tirol und Innsbruck den Fremdenverkehr langsam, aber stetig stabil als Einnahmequelle etablieren, auch abseits der offiziellen Hotels und Pensionen. Viele Innsbrucker Familien r\u00fcckten in den ohnehin engen Wohnungen zusammen, um die Haushaltskasse durch die Vermietung von Betten an G\u00e4ste aus dem Ausland aufzubessern. Der Tourismus brachte nicht nur Devisen, sondern erm\u00f6glichte es den Einheimischen ein neues Image nach innen und au\u00dfen von sich zu kreieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Wirtschaftsaufschwung immer mehr Innsbruckern einen Urlaub im Ausland. Besonders beliebt waren die Str\u00e4nde Italiens. Aus den Kriegsfeinden vergangener Jahrzehnte wurden G\u00e4ste und Gastgeber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Sportliches Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Sportliches Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53748&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer den Beweis ben\u00f6tigt, dass die Innsbrucker stets ein aktives V\u00f6lkchen waren, k\u00f6nnte das Bild \u201e<em>Winterlandschaft\u201c <\/em>des niederl\u00e4ndischen Malers Pieter Bruegel (circa 1525 \u2013 1569) aus dem 16. Jahrhundert bem\u00fchen. Auf seiner R\u00fcckreise von Italien gen Norden hielt der Meister wohl auch in Innsbruck und beobachtete dabei die Bev\u00f6lkerung beim Eislaufen auf dem zugefrorenen Amraser See. Beda Weber beschrieb in seinem <em>Handbuch f\u00fcr Reisende in Tirol <\/em>1851 die Freizeitgewohnheiten der Innsbrucker, darunter auch das Eislaufen am Amraser See. \u201e<em>Der unweit davon (Anm.: Amras) liegende See, eine Lache in der Moosgegend, wird im Winter von den Schlittschuhl\u00e4ufern ben\u00fctzt.<\/em>\u201c Bis heute ist sportliche Kleidung in jeder Lebenslage f\u00fcr Innsbrucker das Normalste der Welt. W\u00e4hrend man in anderen St\u00e4dten \u00fcber Funktionskleidung oder Wander- und Sportschuhe in Restaurants oder B\u00fcros die Nase r\u00fcmpft, f\u00e4llt man am Fu\u00df der Nordkette damit nicht auf.<\/p>\n<p>Das war nicht immer so. Der Weg vom eislaufenden Bauern zum aktiven B\u00fcrger war weit. Muse und frei verf\u00fcgbare Zeit, f\u00fcr Sport wie der Jagd oder Reiten war im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit aber vor allem ein Privileg des Adels. Erst durch die ge\u00e4nderten Lebensumst\u00e4nde des 19. Jahrhunderts hatte ein guter Teil der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den St\u00e4dten, zum ersten Mal so etwas wie Freizeit. Mehr und mehr arbeiteten Menschen nicht mehr in der Landwirtschaft, sondern als Arbeiter und Angestellte in B\u00fcros, Werkst\u00e4tten und Fabriken nach geregelten Zeitpl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Vorreiter war das bereits fr\u00fch industrialisierte England, wo sich Arbeiter und Angestellte langsam vom Turbokapitalismus der fr\u00fchen Industrialisierung zu befreien begannen. 16-Stunden-Tage waren nicht nur gesundheitlich bedenklich f\u00fcr den Arbeiter, auch Unternehmer merkten, dass eine \u00dcberbelastung unrentabel war. Gesunde und gl\u00fcckliche Arbeiter waren besser f\u00fcr die Produktivit\u00e4t. Seit den 1860er Jahren gab es Bestrebungen, einen 8-Stunden-Tag einzuf\u00fchren. 1873 setzten die \u00f6sterreichischen Buchdrucker eine Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag durch. 1918 stellt man in \u00d6sterreich auf eine 48-Stunden-Woche um. Ab 1930 galten in Industriebetrieben 40 Stunden pro Woche als Normalarbeitszeit. Menschen jeder Schicht, nicht mehr nur die Aristokratie, hatten nun Zeit und Geist f\u00fcr Hobbies, Vereinsleben und sportliche Bet\u00e4tigung.<\/p>\n<p>Es waren vielfach auch englische Touristen, die sportliche Trends, Disziplinen und Ausr\u00fcstung mitbrachten. Der finanzielle Aufwand f\u00fcr das ben\u00f6tigte Equipment bestimmte, ob die Disziplin dem B\u00fcrgertum vorbehalten blieb oder auch Arbeiter sich das Vergn\u00fcgen leisten konnten. Zum Beispiel war das Rodeln bereits um die Jahrhundertweite weit verbreitet w\u00e4hrend Bob und Skeleton elit\u00e4re Sportarten blieben. Der Sport war nicht nur Freizeitbesch\u00e4ftigung, sondern eine Abgrenzung zwischen den einzelnen sozialen Schichten. Arbeiterschaft, B\u00fcrgertum und Aristokratie n\u00e4hrten ihre Identit\u00e4t auch \u00fcber die Sportarten, die sie betrieben. Adelige ritten und jagten in alter W\u00fcrde, B\u00fcrgerliche zeigten ihre Individualit\u00e4t, ihren Wohlstand und ihre Unabh\u00e4ngigkeit durch teure Sportger\u00e4te wie die modernen Fahrr\u00e4der und die Arbeiterschaft jagte in Elferteams B\u00e4llen hinterher oder rangelte. Die Trennung mag nicht mehr bewusst passieren, bis heute kann man aber diese Identifikation der Menschen mit \u201eihrer\u201c Sportart beobachten.<\/p>\n<p>Zur Mitte des 19. Jahrhunderts gesellten sich auch die Sportler \u00e4hnlich den S\u00e4ngern, Museums- und Theaterfreunden, Wissenschaftlern und Literaturfans zueinander. Den Anfang des organisierten Vereinssports in Innsbruck machte der ITV, der <em>Innsbrucker Turnverein<\/em>, der sich 1849 gr\u00fcndete. Das Turnen war der Inbegriff des Sports im deutschsprachigen Raum. Der Wettkampfgedanke stand dabei nicht im Vordergrund. Die meisten Vereine hatten einen politischen Hintergrund. Es gab christliche, sozialistische, und gro\u00dfdeutsche Sportvereine. Sie dienten als Vorfeldorganisation politischer Parteien und Organe. Mehr oder minder alle Vereine hatten Arierparagraphen in ihren Statuten. Juden gr\u00fcndeten deshalb ihre eigenen Sportvereine gr\u00fcndeten. Aus den deutschen Turnvereinen ging, \u00e4hnlich wie aus den Studentenverbindungen, die Nationalbewegung hervor. Die Mitglieder sollten sich k\u00f6rperlich ert\u00fcchtigen, um dem <em>nationalen Volksk\u00f6rper<\/em> im Kriegsfall bestm\u00f6glich zu dienen. Sitzende Berufe, vor allem die akademischen, wurden mehr, Turnen diente als Ausgleich. Sieht man die Turner auf alten Bildern ihre \u00dcbungen und Vorf\u00fchrungen abhalten, f\u00e4llt der stramm milit\u00e4rische Charakter dieser Veranstaltungen auf. Der gro\u00dfdeutsche Agitator Friedrich Ludwig Jahn (1778 \u2013 1852), landl\u00e4ufig bekannt als <em>Turnvater Jahn<\/em>, war nicht nur Vorturner der Nation, sondern auch geistiger Vater des <em>L\u00fctzow\u00b4schen Freikorps<\/em> das gegen Napoleon als eine Art gesamtdeutsches Freiwilligenheer ins Feld zog. Eines der bekanntesten Bonmots, das diesem leidenschaftlichen Antisemiten zugeschrieben wird, lautet \u201e<em>Hass alles Fremden ist des Deutschen Pflicht<\/em>\u201c. Im Saggen erinnern die Jahnstra\u00dfe und ein kleiner Park mit Denkmal an Friedrich Ludwig Jahn.<\/p>\n<p>Zu den ersten Sportanlagen geh\u00f6rten Schwimmb\u00e4der. Die erste Badeanstalt empfing Schwimmer ab 1833 in der H\u00f6ttinger im Freibad am Gie\u00dfen. Weitere B\u00e4der beim Schloss B\u00fcchsenhausen oder die in Frauen- und Herren-Badeanstalt getrennte Anlage neben dem heutigen Sillparkgel\u00e4nde folgten bald. Besonders sch\u00f6n gelegen war das Freischwimmbad <em>Sch\u00f6nruh<\/em> oberhalb des Schloss Ambras, das 1929 kurz nach der Erbauung des Hallenbades in Pradl er\u00f6ffnete. Die Bev\u00f6lkerung war ebenso stark gewachsen wie ihre Lust am Schwimmen als Freizeitbesch\u00e4ftigung. 1961 wurde das Sportangebot am Tivoli um das <em>Freischwimmbad Tivoli<\/em> erweitert.<\/p>\n<p>1883 gr\u00fcndeten die Radfahrer den Verein <em>Bicycle Club<\/em>. Die ersten Radrennen in Frankreich und Gro\u00dfbritannien hatten ab 1869 stattgefunden. Die englische Stadt Coventry war auch Vorreiter bei der Produktion der eleganten Stahlr\u00f6sser, die ein Verm\u00f6gen kosteten. Bereits im selben Jahre hatte die Innsbrucker Presse von den modernen Mitteln des Individualverkehrs berichtet, als sich \u201e<em>einige Herren mit mehreren von der Firma Peterlongo bestellten Velocipedes auf die Stra\u00dfe wagten\u201c<\/em>. 1876 kam es zu einem kurzzeitigen Verbot des Radverkehrs in Innsbruck, da es immer wieder zu Unf\u00e4llen gekommen war. Auch das Radfahren wurde recht z\u00fcgig von staatlicher Seite als Ert\u00fcchtigung erkannt, die man f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke nutzen konnte. Ein Reichs-Kriegsministerialerlass dazu ist in der Presse zu finden:<\/p>\n<p>\u201e<em>Es ist beabsichtigt, wie in den Vorjahren, auch heuer bei den Uebungen mit vereinigten Waffen Radfahrer zu verwenden\u2026 Die Commanden der Infanterie- und Tiroler J\u00e4gerregimenter sowie der Feldj\u00e4ger-Bataillone haben jene Personen, welche als Radfahrer in Evidenz stehen und heuer zur Waffen\u00fcbung verpflichtet sind, zum Einr\u00fccken mit ihrem Fahrrade aufzufordern.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Unter der Regie des M\u00fcnchners Anton Schlumpeter entwickelte sich die Szene vor der Jahrhundertwende weiter. Schlumpeter deckte mit einer Fahrschule, einem Gesch\u00e4ft f\u00fcr Fahrr\u00e4der samt Werkstatt und schlie\u00dflich mit den in seiner Wiltener Fabrik produzierten Fahrradmarke Veldidena die Wertsch\u00f6pfungskette komplett ab. Die <em>Velocipedisten<\/em> siedelten sich 1896 im Rahmen der \u201e<em>Internationalen Ausstellung f\u00fcr k\u00f6rperliche Erziehung, Gesundheitspflege und Sport<\/em>\u201c im Saggen nahe der Viaduktb\u00f6gen mit einer Radrennbahn samt Trib\u00fcne an. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten begeistert von dieser Neuerung, war doch der Radsport bis zu den ersten Autorennen europaweit die beliebteste Sportdisziplin:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Innsbrucker Rennbahn, welche in Verbindung mit der internationalen Ausstellung noch im Laufe der n\u00e4chsten Wochen er\u00f6ffnet wird, erh\u00e4lt einen Umfang von 400 Metern bei einer Breite von 6 Metern\u2026 Die Velociped-Rennbahn, um deren Errichtung sich der Pr\u00e4sident des Tiroler Radfahrer-Verbandes Herr Staatsbahn-Oberingenieur R. v. Weinong, das Hauptverdienst erworben hat, wird eine der hervorragendsten und besteingerichteten Radfahrbahnen des Continents sein. Am. 29. d. M<\/em>. (Anm.: Juni 1896)<em> wird auf der Innsbrucker Rennbahn zum erstenmale ein gro\u00dfes internationales Radwettfahren abgehalten, welchem dann in der Zukunft allj\u00e4hrlich regelm\u00e4\u00dfig Velociped-Preisrennen folgen sollen, was der F\u00f6rderung des Radfahr-Sports wie auch des Fremdenverkehrs in Innsbruck sicher in bedeutendem Ma\u00dfe n\u00fctzlich sein wird<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Zementbahn konnte in der warmen Jahreszeit t\u00e4glich trainiert werden. Die rauchgeschw\u00e4ngerte Luft, w\u00e4hrend die Lokomotiven vorbeifuhren, war f\u00fcr die Lungen wohl nicht zutr\u00e4glich. Nach anf\u00e4nglicher Begeisterung musste Schlumpeter einspringen, um die Radbahn zu retten. Der t\u00fcchtige Unternehmer erkannte, dass die Radfahrer nicht f\u00fcr gen\u00fcgend Betrieb sorgten und begann auf eigene Initiative eine Art Vorg\u00e4nger der heutigen Olympiaworld am Tivoli mit mehreren Einrichtungen f\u00fcr den Sport zu errichten. Neben Radrennen konnten sich die Boxer im Ring messen. Auch Tennispl\u00e4tze lie\u00df er im Saggen errichten. Trotz aller Bem\u00fchungen wurde die Anlage 1901 wieder abgerissen.<\/p>\n<p>Nachhaltiger als der Radsport konnte sich der Fu\u00dfballsport in Innsbruck etablieren. Die Fu\u00dfballer waren wegen des Arierparagraphen, der Matches mit Mannschaften mit j\u00fcdischen Spielern verbot, aus dem Dachverein ITV ausgetreten und gr\u00fcndeten mehrere eigene Vereine. 1903 gr\u00fcndete sich der <em>Verein Fu\u00dfball Innsbruck<\/em>, der sp\u00e4ter zum SVI werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits \u00fcberregionale Fu\u00dfballspiele, zum Beispiel ein 1:1 Unentschieden der Mannschaft des ITV gegen Bayern M\u00fcnchen. Die Spiele wurden auf einem Fu\u00dfballplatz vor dem Sieberer Waisenheim ausgetragen. In Wilten, mittlerweile ein Teil Innsbrucks, entstand 1910 der <em>SK Wilten<\/em>. Der bis heute neben dem Westfriedhof existierende Fu\u00dfballplatz Besele wurde mit Trib\u00fcnen ausgestattet, um der Zuschauermassen Herr werden zu k\u00f6nnen. 1913 gr\u00fcndete sich mit <em>Wacker Innsbruck<\/em> der bis heute erfolgreichste Tiroler Fu\u00dfballverein, der insgesamt unter verschiedenen Namen zehn Mal \u00f6sterreichischer Meister wurde und auch international Erfolge feiern konnte.<\/p>\n<p>Neben den diversen Sommersportarten wurde auch der Wintersport immer popul\u00e4rer. Rodeln war schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine beliebte Freizeitbesch\u00e4ftigung auf den H\u00fcgeln rund um Innsbruck. Der erste Eislaufplatz er\u00f6ffnete 1870 als winterliche Alternative zum Schwimmen am Gel\u00e4nde des Freibades in der H\u00f6ttinger Au. Ander als der Wassersport war Eislaufen ein Vergn\u00fcgen, das von Damen und Herren gemeinsam genossen werden konnte. Anstatt sich beim Sonntagsspaziergang zu treffen, konnten junge Paare sich am Eislaufplatz ohne elterliches Beisein verabreden. 1884 gr\u00fcndete sich der Eislaufverein und nutzte das Ausstellungsgel\u00e4nde als Eisbahn. Mit dem Eislaufplatz vor dem <em>k.u.k. Schie\u00dfstand<\/em> in Mariahilf, dem Lansersee, dem Amraser See, der Schwimmanlage H\u00f6ttinger Au und dem Sillkanal in der Kohlstatt standen den Innsbruckern viele M\u00f6glichkeiten zum Eislaufen zur Verf\u00fcgung. Bereits 1908 entstand mit dem IEV auch der erste Eishockeyverein.<\/p>\n<p>Der Skisport, anfangs ein nordisches Vergn\u00fcgen im Tal, breitete sich bald auch als Abfahrtsdisziplin aus. Der Akademische Alpenclub Innsbruck gr\u00fcndete sich 1893 und veranstaltete zwei Jahre sp\u00e4ter das erste Skirennen auf Tiroler Boden von Sistrans zum Schloss Ambras. Das 1867 gegr\u00fcndete <em>Sporthaus Witting<\/em> in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe bewies Gesch\u00e4ftssinn und verkaufte noch vor 1900 Ausr\u00fcstung f\u00fcr das gut betuchte Publikum der Skisportler. Nach St. Anton und Kitzb\u00fchel gr\u00fcndete sich 1906 der erste <em>Innsbrucker Skiverein<\/em>. Die Ausr\u00fcstung war einfach und erm\u00f6glichte lange Zeit nur das Fahren auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig flachen H\u00e4ngen mit einer Mischung aus alpinem und nordischem Stil \u00e4hnlich dem Langlaufen. Trotzdem wagte man sich in Mutters oder auf der Ferrariwiese die Pisten hinabzud\u00fcsen. Seit 1928 f\u00fchrten zwei Seilschwebebahnen sowohl auf die Nordkette und den Patscherkofel, was den Skisport bedeutend attraktiver machte. Den Durchbruch zum Nationalsport erlangte das Skifahren mit der Ski-WM im Februar 1933 in Innsbruck. Auf nicht abgesteckter Strecke mussten 10 Kilometer und 1500 H\u00f6henmeter zwischen dem Glungezer und Tulfes bew\u00e4ltigt werden. Die beiden Lokalmatadoren Gustav Lantschner und Inge Wersin-Lantschner gewannen bei den Rennen mehrere Medaillen und befeuerten damit den Hype rund um den alpinen Wintersport in Innsbruck.<\/p>\n<p>Innsbruck identifiziert sich bis heute sehr stark mit dem Sport. Mit der Fu\u00dfball-EM 2008, der Radsport-WM 2018 und der Kletter-WM 2018 konnte man an die glorreichen 1930er Jahre mit zwei Skiweltmeisterschaften und die beiden Olympiaden von 1964 und 1976 auch im Spitzensportbereich wieder an die Goldenen Zeiten ankn\u00fcpfen. Trotzdem ist es weniger der Spitzen- als vielmehr der Breitensport, der dazu beitr\u00e4gt, aus Innsbruck die selbsternannte Sporthauptstadt \u00d6sterreichs zu machen. Es gibt kaum einen Innsbrucker, der nicht zumindest den Alpinski anschnallt. Mountainbiken auf den zahlreichen Almen rund um Innsbruck, Skibergsteigen, Sportklettern und Wandern sind \u00fcberdurchschnittlich popul\u00e4r in der Bev\u00f6lkerung und fest im Alltag verankert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53750&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>is heute pr\u00e4gen die Geb\u00e4ude der sp\u00e4ten Monarchie das Stadtbild Innsbrucks. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gingen als <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em> in die \u00f6sterreichische Geschichte ein. Nach einer Wirtschaftskrise 1873 begann sich die Stadt im Wiederaufschwung auszudehnen. Von 1880 bis 1900 wuchs Innsbrucks Bev\u00f6lkerung von 20.000 auf 26.000 Einwohner an. Das 1904 eingemeindete Wilten verdreifachte sich von 4000 auf 12.000. Zwischen 1850 und 1900 wuchs die Anzahl an Geb\u00e4uden innerhalb der Stadt von 600 auf \u00fcber 900 Geb\u00e4ude an, die meisten davon waren anders als die fr\u00fchneuzeitlichen, kleinen Objekte mehrst\u00f6ckige Zinsh\u00e4user. Im Zuge technischer Innovationen ver\u00e4nderte sich auch die Infrastruktur. Gas, Wasser, Elektrizit\u00e4t wurden Teil des Alltags von immer mehr Menschen. Das alte Stadtspital wich dem neuen Krankenhaus. Im Saggen entstanden das Waisenhaus und das Greisenasyl Sieberers.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude, die in den jungen Stadtvierteln gebaut wurden, waren ein Spiegel dieser neuen Gesellschaft. Unternehmer, Freiberufler, Angestellte und Arbeiter mit politischem Stimmrecht entwickelten andere Bed\u00fcrfnisse als Untertanen ohne dieses Recht. Ab den 1870er Jahren entstand in Innsbruck ein modernes Banksystem. Die Kreditinstitute wie die 1821 gegr\u00fcndete Sparkasse oder die Kreditanstalt, deren 1910 errichtetes Geb\u00e4ude bis heute wie ein kleiner Palast in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe thront, erm\u00f6glichten nicht nur die Aufnahme von Krediten, sondern traten auch selbst als Bauherren auf. Die Zinsh\u00e4user die entstanden, erm\u00f6glichten auch Nicht-Wohnungseigent\u00fcmern ein modernes Leben. Anders als im l\u00e4ndlichen Bereich Tirols, wo Bauernfamilien samt Knechten und M\u00e4gden in Bauernh\u00e4usern im Verbund einer Sippschaft lebten, kam das Leben in der Stadt dem Familienleben, das wir heute kennen, nahe. Der Wohnraum musste dem entsprechen. Der Lifestyle der St\u00e4dter verlangte nach Mehrzimmerwohnungen und freien Fl\u00e4chen zur Erholung nach der Arbeitszeit. Das wohlhabende B\u00fcrgertum bestehend aus Unternehmern und Freiberuflern hatte den Adel zwar noch nicht \u00fcberholt, den Abstand aber verringert. Sie waren es, die nicht nur private Bauprojekte beauftragten, sondern \u00fcber ihre Stellung im Gemeinderat auch \u00fcber \u00f6ffentliche Bauten entschieden.<\/p>\n<p>Die 40 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren f\u00fcr Baufirmen, Handwerker, Baumeister und Architekten eine Art Goldgr\u00e4berzeit. Die Geb\u00e4ude spiegelten die Weltanschauung ihrer Bauherren wider. Baumeister vereinten dabei mehrere Rollen und ersetzten oft den Architekten. Die meisten Kunden hatten sehr klare Vorstellungen, was sie wollten. Es sollten keine atemberaubenden Neukreationen sein, sondern Kopien und Anlehnungen an bestehende Geb\u00e4ude. Ganz im Geist der Zeit entwarfen die Innsbrucker Baumeister nach dem Wunsch der finanziell potenten Auftraggeber die Geb\u00e4ude in den Stilen des Historismus und des Klassizismus sowie des Tiroler Heimatstils. Die Wahl des Stils der beim Bau des Eigenheimes zur Anwendung kam, war oft nicht nur optisches, sondern auch ideologisches Statement des Bauherrn. Liberale bevorzugten meist den Klassizismus, Konservative waren dem Tiroler Heimatstil zugetan. W\u00e4hrend der Heimatstil sich neobarock und mit vielen Malereien zeigte, waren klare Formen, Statuen und S\u00e4ulen stilpr\u00e4gende Elemente bei der Anlage neuer Geb\u00e4ude des Klassizismus. In einem teils w\u00fcsten Stilmix wurden die Vorstellungen, die Menschen vom klassischen Griechenland und dem antiken Rom hatten, verwirklicht. Nicht nur Bahnh\u00f6fe und \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, auch gro\u00dfe Mietsh\u00e4user und ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, sogar Kirchen und Friedh\u00f6fe entstanden entlang der alten Flurwege in diesem Design. Das gehobene B\u00fcrgertum zeigte sein Faible f\u00fcr die Antike mit neoklassizistischen Fassaden. Katholische Traditionalisten lie\u00dfen Heiligenbilder und Darstellungen der Landesgeschichte Tirols in Wandmalereien auf ihren Heimatstilh\u00e4usern anfertigen. W\u00e4hrend im Saggen und Wilten der Neoklassizismus dominiert, finden sich in Pradl Gro\u00dfteils Geb\u00e4ude im konservativen Heimatstil.<\/p>\n<p>Viele Bauexperten r\u00fcmpften lange Zeit die Nase \u00fcber die Bauten der Empork\u00f6mmlinge und Neureichen. Heinrich Hammer schrieb in seinem Standardwerk \u201e<em>Kunstgeschichte der Stadt Innsbruck<\/em>\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eSchon diese erste rasche Erweiterung der Stadt fiel nun freilich in jene bauk\u00fcnstlerisch unfruchtbare Epoche, in der die Architektur, statt eine selbstst\u00e4ndige, zeiteigene Bauweise auszudenken, der Reihe nach die Baustile der Vergangenheit wiederholte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Zeit der gro\u00dfen Villen, die die Adelsansitze vergangener Tage mit b\u00fcrgerlicher Note nachahmten, kam mangels Platzgr\u00fcnden nach einigen wilden Jahrzehnten an ihr Ende. Eine weitere Bebauung des Stadtgebietes mit Einzelh\u00e4usern war nicht mehr m\u00f6glich, zu eng war der Platz geworden. Der Bereich Falkstra\u00dfe \/ G\u00e4nsbachstra\u00dfe \/ Bienerstra\u00dfe gilt bis heute als <em>Villensaggen<\/em>, die Gebiete \u00f6stlich als <em>Blocksaggen<\/em>. In Wilten und Pradl kam es zu dieser Art der Bebauung gar nicht erst gar nicht. Trotzdem versiegelten Baumeister im Goldrausch immer mehr Boden. Albert Gruber hielt zu diesem Wachstum 1907 eine mahnende Rede, in der er vor Wildwuchs in der Stadtplanung und Bodenspekulation warnte.<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist die schwierigste und verantwortungsvollste Aufgabe, welche unsere Stadtv\u00e4ter trifft. Bis zu den 80er Jahren (Anm.: 1880), sagen wir im Hinblick auf unsere Verh\u00e4ltnisse, ist noch ein gewisses langsames Tempo in der Stadterweiterung eingehalten worden. Seit den letzten 10 Jahren jedoch, kann man sagen, erweitern sich die St\u00e4dtebilder ungeheuer rasch. Es werden alte H\u00e4user niedergerissen und neue an ihrer Stelle gesetzt. Nat\u00fcrlich, wenn dieses Niederrei\u00dfen und Aufbauen planlos, ohne jede \u00dcberlegung, nur zum Vorteil des einzelnen Individuums getrieben wird, dann entstehen zumeist Ungl\u00fccke, sogenannte architektonische Verbrechen. Um solche planlose, der Allgemeinheit nicht zum Frommen und Nutzen gereichende Bauten zu verh\u00fcten, mu\u00df jede Stadt daf\u00fcr sorgen, da\u00df nicht der Einzelne machen kann, was er will: es mu\u00df die Stadt dem schrankenlosen Spekulantentum auf dem Gebiete der Stadterweiterung eine Grenze setzen. Hierher geh\u00f6rt vor allem die Bodenspekulation.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Handvoll Baumeister und das Bauamt Innsbruck begleiteten diese Entwicklung in Innsbruck. Bezeichnet man Wilhelm Greil als B\u00fcrgermeister der Erweiterung, verdient der geb\u00fcrtige Wiener Eduard Klingler (1861 \u2013 1916) wohl den Titel als deren Architekt. Klingler pr\u00e4gte das Stadtbild Innsbrucks in seiner Funktion als Beamter und Baumeister wesentlich mit. 1883 begann er f\u00fcr das Land Tirol zu arbeiten. 1889 trat er zum st\u00e4dtischen Bauamt \u00fcber, das er ab 1902 leitete.\u00a0 In Innsbruck gehen unter anderem die Handelsakademie, die Leitgebschule, der Friedhof Pradl, die Dermatologische Klinik im Klinikareal, der St\u00e4dtische Kindergarten in der Michael-Gaismair-Stra\u00dfe, die <em>Trainkaserne<\/em> (Anm.: heute ein Wohnhaus), die Markthalle und das Tiroler Landeskonservatorium auf Klinglers Konto als Leiter des Bauamtes. Ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Heimatstil nach seinem Entwurf ist das Ulrichhaus am Berg Isel, das heute den Alt-Kaiserj\u00e4ger-Club beheimatet.<\/p>\n<p>Das bedeutendste Innsbrucker Baub\u00fcro war <em>Johann Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. Johann Huter \u00fcbernahm die Ziegelei seines Vaters. 1856 erwarb er das erste Firmengel\u00e4nde, die <em>Hutergr\u00fcnde<\/em>, am Innrain. Drei Jahre sp\u00e4ter entstand in der Meranerstra\u00dfe der erste repr\u00e4sentative Hauptsitz. Die Firmeneintragung gemeinsam mit seinen S\u00f6hnen Josef und Peter stellte 1860 den offiziellen Startschuss des bis heute existierenden Unternehmens dar. <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> verstand sich wie viele seiner Konkurrenten als kompletter Dienstleister. Eine eigene Ziegelei, eine Zementfabrik, eine Tischlerei und eine Schlosserei geh\u00f6rten ebenso zum Unternehmen wie das Planungsb\u00fcro und die eigentliche Baufirma. 1906\/07 errichteten die Huters ihren eigenen Firmensitz in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe 15 im typischen Stil der letzten Vorkriegsjahre. Das herrschaftliche Haus vereint den Tiroler Heimatstil umgeben von Garten und Natur mit neogotischen und neoromanischen Elementen. Bekannte von <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> errichtete Geb\u00e4ude in Innsbruck sind das Kloster der Ewigen Anbetung, die Pfarrkirche St. Nikolaus, das erste Geb\u00e4ude der neuen Klinik und mehrere Geb\u00e4ude am Claudiaplatz. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs besch\u00e4ftigte die Baufirma mehr als 700 Personen.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Player war Josef Retter (1872 \u2013 1954). Der geb\u00fcrtige Nieder\u00f6sterreicher mit Tiroler Wurzeln absolvierte eine Maurerlehre bevor er die <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em> in Wien und die Werkmeisterschule der baugewerblichen Abteilung besuchte. Nach Berufserfahrungen \u00fcber das Gebiet der Donaumonarchie verteilt in Wien, Kroatien und Bozen konnte er dank der Mitgift seiner Ehefrau im Alter von 29 Jahren seine eigene Baufirma mit Sitz in Innsbruck er\u00f6ffnen. Wie Huter beinhaltete auch sein Unternehmen ein S\u00e4gewerk, ein Sand- und Schotterwerk und eine Werkstatt f\u00fcr Steinmetzarbeiten. 1904 er\u00f6ffnete er in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 23a seine Wohn- und B\u00fcrogeb\u00e4ude, das bis heute als <em>Retterhaus<\/em> bekannt ist. Der neugotische, dunkle Bau mit dem markanten Erker mit S\u00e4ulen und einem T\u00fcrmchen wird von einem sehenswerten Mosaik, die eine Allegorie der Architektur darstellt, geschm\u00fcckt. Das Giebelrelief zeigt die Verbindung von Kunst und Handwerk, einem Symbol f\u00fcr den Werdegang Retters. Sein Unternehmen pr\u00e4gte vor allem Wilten und den Saggen. Mit einem Neubau des Akademischen Gymnasiums, dem burg\u00e4hnlichen Schulgeb\u00e4ude f\u00fcr die Handelsakademie, der Evangelischen Christuskirche im Saggen, dem Zelgerhaus in der Anichstra\u00dfe, der Sonnenburg in Wilten und dem neugotischen Schloss Mentlberg am Sieglanger realisierte er viele der bedeutendsten Geb\u00e4ude dieser Epoche in Innsbruck.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tberufen aber mit einem \u00e4hnlich praxisorientieren Hintergrund, der typisch f\u00fcr die Baumeister des 19. Jahrhunderts war, startete Anton Fritz 1888 sein Baub\u00fcro. Er wuchs abgelegen in Graun im Vinschgau auf. Nach Stationen als Polier, Stuckateur und Maurer beschloss er mit 36 Jahren die Gewerbeschule in Innsbruck zu besuchen. Talent und Gl\u00fcck bescherten ihm mit der Villa im Landhausstil in der Karmelitergasse 12 seinen Durchbruch als Planer. Seine Baufirma besch\u00e4ftigte zur Bl\u00fctezeit 150 Personen. 1912, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem damit einhergehenden Einbruch der Baubranche, \u00fcbergab er sein Unternehmen an seinen Sohn Adalbert. Das eigene Wohnhaus in der M\u00fcllerstra\u00dfe 4, das Haus Mader in der Glasmalereistra\u00dfe sowie H\u00e4user am Claudiaplatz und dem Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den Hinterlassenschaften von Anton Fritz.<\/p>\n<p>Mit Carl Kohnle, Carl Albert, Karl Lubomirski und Simon Tommasi hatte Innsbruck weitere Baumeister, die sich mit typischen Geb\u00e4uden des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts im Stadtbild verewigten. Sie alle lie\u00dfen Innsbrucks neue Stra\u00dfenz\u00fcge im architektonisch vorherrschenden Zeitgeist der letzten 30 Jahre der Donaumonarchie erstrahlen. Wohnh\u00e4user, Bahnh\u00f6fe, Amtsgeb\u00e4ude und Kirchen im Riesenreich zwischen der Ukraine und Tirol schauten sich fl\u00e4chendeckend \u00e4hnlich. Nur z\u00f6gerlich kamen neue Str\u00f6mungen wie der Jugendstil auf. In Innsbruck war es der M\u00fcnchner Architekt Josef Bachmann, der mit der Neugestaltung der Fassade des Winklerhauses einen neuen Akzent in der b\u00fcrgerlichen Gestaltung setzte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges setzte die Baut\u00e4tigkeit aus. Nach dem Krieg war die Zeit des neoklassizistischen Historismus und Heimatstils endg\u00fcltig Geschichte. Die Zeiten waren karger und die Anforderungen an Wohnbau hatte sich ge\u00e4ndert. Wichtiger als eine repr\u00e4sentative Fassade und gro\u00dfe, herrschaftliche R\u00e4ume wurden in der Zeit der Wohnungsnot der kargen, jungen Republik Deutsch\u00f6sterreich leistbarer Wohnraum und moderne Ausstattung mit sanit\u00e4ren Anlagen. Auch die professionellere Ausbildung der Baumeister und Architekten an der k.k. Staatsgewerbeschule trug ihren Teil zu einem neuen Verst\u00e4ndnis des Bauwesens bei als sie die oftmals autodidaktischen Veteranen der Goldgr\u00e4berzeit des Klassizismus hatten. Spazierg\u00e4nge im Saggen und in Teilen von Wilten und Pradl versetzen bis heute zur\u00fcck in die <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em>. Der Claudiaplatz und der Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den eindr\u00fccklichsten Beispielen. Die Baufirma <em>Huter und S\u00f6hne<\/em> existiert bis heute. Das Unternehmen ist mittlerweile im Sieglanger in der Josef-Franz-Huter-Stra\u00dfe, benannt nach dem Firmengr\u00fcnder. Das Wohnhaus in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe tr\u00e4gt zwar nicht mehr den Schriftzug der Firma, ist aber in seiner Opulenz noch immer ein sehenswertes Relikt dieser Zeit, die Innsbrucks \u00c4u\u00dferes f\u00fcr immer ver\u00e4nderte. Neben seinem Wohnhaus in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe beherbergt Wilten ein zweites Geb\u00e4ude der Familie Retter. Am Innrain gegen\u00fcber der Uni befindet sich die <em>Villa Retter<\/em>. Josef Retters \u00e4lteste Tochter Maria Josefa, die selbst bei der Reformp\u00e4dagogin Maria Montessori erzogen wurde, er\u00f6ffnete 1932 das erst \u201e<em>Haus des Kindes<\/em>\u201c Innsbrucks. \u00dcber dem Eingang zeigt ein Portrait den M\u00e4zen Josef Retter, die S\u00fcdfassade schm\u00fcckt ein Mosaik im typischen Stil der 1930er Jahre, das auf den urspr\u00fcnglichen Zweck des Geb\u00e4udes hinweist. Ein l\u00e4chelndes, blondes M\u00e4dchen umarmt seine Mutter, die ein Buch in der Hand hat, und seinen Vater, der einen Hammer tr\u00e4gt. Auch die kleine Grabkapelle am Westfriedhof, die als Familiengrabst\u00e4tte der Retters fungiert, ist eine sehenswerte Hinterlassenschaft dieser f\u00fcr Innsbruck bedeutenden Familie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Stift Wilten als ordnende Hand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Stift Wilten als ordnende Hand im Mittelalter&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; global_module=&#8220;70199&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;]<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus<\/em>,\u201c so steht es heute in Artikel 1 des \u00d6sterreichischen Bundesverfassungsgesetzes geschrieben. Ministerien und ihre lokalen Vertretungen, die Magistrate, sind Vertreter einer s\u00e4kularen Republik. Anders als in vielen anderen Regionen, sind in \u00d6sterreich Staat und Religion getrennt. Das war nicht immer so. \u00dcber Jahrhunderte war es der Klerus, der Recht und Verwaltung aus\u00fcbten. Kirchliche Institutionen wie Kl\u00f6ster waren dank ihrer gebildeten und schreibkundigen Br\u00fcder in der Sp\u00e4tantike die wichtigsten Verwaltungseinheiten, um Strukturen, Herrschaft, Gesetze, Besitzverh\u00e4ltnisse, Infrastruktur und \u00f6ffentliche Ordnung zu orchestrieren. In Wilten f\u00fchrte eine kleine Gemeinschaft von Seelsorgern die Gesch\u00e4fte der Region zwischen Nordkette und Brenner. Bereits im 6. Jahrhundert gab es nachweislich eine Kirche im heutigen Wilten. Die bayerischen Herz\u00f6ge, die im fr\u00fchen Mittelalter das Inntal zu ihrer Herrschaft z\u00e4hlten, nutzten die gebildeten Kirchenm\u00e4nner nur allzu gerne, um die Verwaltung des Gebietes in geregelten Bahnen zu halten. 1128 \u00fcbergab der Brixner Bischof Reginbert das Kloster an den damals frisch gegr\u00fcndeten Pr\u00e4monstratenserorden. Im Archiv des Stift Wilten ist die Urkunde, die die \u00dcbernahme durch den Pr\u00e4monstratenserorden aus dem Jahr 1138 best\u00e4tigt, noch erhalten. Bedenkt man, dass das Stammkloster in Premontre in Frankreich von Ordensstifter Norbert von Xanten erst 1120 gegr\u00fcndet wurde, erfolgte die Ausbreitung nach Tirol sehr schnell. Ausgehend von Frankreich schaffte es der Orden innerhalb weniger Jahrzehnte in ganz Europa vertreten zu sein. Der Armutsgedanke war bei den Pr\u00e4monstratensern nicht so ausgepr\u00e4gt wie bei den zeitgleich aufkommenden Franziskanern oder Dominikanern. Der ab 1582 als Heiliger verehrte Norbert war zwar ein Kirchenreformator, seine Abstammung aus dem Adel und seine politische Rolle als Erzbischof von Magdeburg und Berater des K\u00f6nigs konnte er bei aller Spiritualit\u00e4t nicht verleugnen. Mit der \u00dcbernahme der kirchlichen Rechte und Pflichten war die Grundherrschaft \u00fcber L\u00e4ndereien verbunden, \u00fcber die das Stift verf\u00fcgen konnte. Das Hochstift Brixen \u00fcberschrieb dem Stift Wilten 1140 seinen ganzen Grundbesitz zwischen Berg Isel, Sill und Inn. Der m\u00e4chtige bayerische Herzog <em>Heinrich der L\u00f6we<\/em> schenkte dem Stift einen Erbhof aus seinem Besitz. Dazu kamen der Mentlberg und L\u00e4ndereien im Sellraintal. Tirols vielleicht sch\u00f6nster Talschluss L\u00fcsens ist bis heute ebenso in kirchlichem Besitz wie das Gasthaus Heiligwasser in Igls.<\/p>\n<p>Dank des Landbesitzes war das Stift auch ein politischer Player. In diesen L\u00e4ndereien hatte das Stift die niedere Gerichtsbarkeit, was alles umfasste, was nicht dem Blutgericht unterlag. 1180 war es das Stift Wilten, das den\u00a0Grafen von Andechs\u00a0die Gebiete s\u00fcdlich des Inns \u00fcberlie\u00df, auf dem die Innsbruck gegr\u00fcndet wurde. Nicht nur 1180, auch 1339 und 1453 konnte die Erweiterung Innsbrucks erst nach dem Landerwerb von den Wiltenern erfolgen. In Angelegenheiten der Seelsorge und des Messdienstes war die Stadt vom Abt abh\u00e4ngig. So war das Recht, Beerdigungen durchzuf\u00fchren lange ein Privileg des Stifts Wilten. Erst im sp\u00e4ten Mittelalter erhielt Innsbruck dieses Privileg selbst. Die Pfarrkirche St. Jakob war lediglich eine Filialkirche. Mit viel Voraussicht lie\u00df sich das Stift Wilten als Gegenleistung f\u00fcr den Landverkauf nicht nur kirchliche, sondern auch weltliche Sonderrechte vertraglich verankern. Die <em>Kleine Sill<\/em>, ein Kanal, der im Hochmittelalter angelegt worden war, versorgte die Stadt mit Wasser, das f\u00fcr die Handwerksbetriebe der Stadt unerl\u00e4sslich war. Da der Kanal durch die L\u00e4ndereien des Stiftes floss, hatte der Abt bis ins 16. Jahrhundert wie \u00fcber so vieles andere die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Nutzungsrecht. Das Stift besa\u00df auch das wichtige M\u00fchlrecht. Amraser, Pradler und Innsbrucker Bauern mussten im Mittelalter zu den Wiltener M\u00fchlen an der Sill pilgern, um ihr Korn zu mahlen. Ging mittelalterlichen St\u00e4dten das Brot aus, drohten Unruhen und Aufst\u00e4nde, war Getreide doch der Hauptbestandteil des t\u00e4glichen Speiseplans. Das Wohl des Innsbrucker Stadtrates hing von Wilten ab, in vielen Dingen war man von der Gunst des Abtes abh\u00e4ngig. Das Verh\u00e4ltnis zwischen der kirchlichen Macht in Wilten in Person des Abtes und der weltlichen in Innsbruck in Person des Landesf\u00fcrsten \u00e4hnelte dem andauernden Streit zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter.<\/p>\n<p>Neben den wirtschaftlichen Agenden war Innsbruck lange auch in Bildungsfragen vom Stift Wilten abh\u00e4ngig. Eine Klosterschule wurde 1313 erw\u00e4hnt. <em>Ruedger der Schulmeister<\/em> fand als Dorfmeister sogar noch 10 Jahre eher Eingang in die Chronik Wiltens. Neben reger Tafelmalerei wurden von den Sch\u00fclern wohl auch B\u00fccher kopiert. Die Stadtschule bei der Kirche St. Jakob, einer Filiale des Stiftes Wilten, stand ebenfalls indirekt unter der \u00c4gide des Abtes. Bis 1561 verhinderten die \u00c4bte erfolgreich weitere Klosteransiedlungen in Innsbruck, um den Einflussbereich des Stiftes in der Stadt aufrechtzuerhalten. Erst in der Gegenreformation schaffte es der aus Spanien stammende, sich \u00fcber viele \u00f6rtliche Gepflogenheiten hinwegsetzende Landesf\u00fcrst und sp\u00e4tere Kaiser Ferdinand I. mit den Jesuiten auch in der Stadt einen Orden anzusiedeln, um die Residenzstadt unabh\u00e4ngiger zu machen. Die Messen an hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern oder Taufen wurden trotzdem in Wilten gefeiert. Ab dem 16. Jahrhundert begann der Einfluss der Kirche nach und nach zu schmelzen, auch wenn er sich noch \u00fcber Jahrhunderte in der einen oder anderen Form halten konnte. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat um die Oberhoheit in verschiedenen Lebensbereich der Untertanen und B\u00fcrger, die die Macht- und Gesellschaftspolitik bestimmte. In der Zwischenkriegszeit war der katholische Glaube noch Staatsr\u00e4son des St\u00e4ndestaates unter den Bundeskanzlern Dollfu\u00df und Schuschnigg, in der Bildungspolitik f\u00fchrt bis heute in vielen Grundsatzfragen kein Weg an der Kirche vorbei. Heute haben die \u00c4bte von Wilten zwar keine politische Macht mehr, der Grundbesitz und der Wohlstand, der sich in den R\u00e4umlichkeiten des Stiftes widerspiegelt, sind ihnen aber nicht abhandengekommen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mountain Isel 1<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":1724,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[36,39,171,81,88,79,23,48,54,87],"tags":[],"class_list":["post-54278","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1796-1866-vom-herzen-jesu-bis-koeniggraetz","category-andreas-hofer-und-die-tiroler-erhebung-von-1809","category-das-stift-wilten-als-ordnende-hand","category-eduard-klingler-der-baumeister-der-erweiterung","category-olympische-spiele-in-innsbruck","category-sportliches-innsbruck","category-top-10","category-tourismusland-tirol","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54278"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54278\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1724"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}