{"id":56088,"date":"2024-06-13T15:43:30","date_gmt":"2024-06-13T15:43:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=56088"},"modified":"2026-02-02T08:42:49","modified_gmt":"2026-02-02T08:42:49","slug":"theresienkirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/theresienkirche\/","title":{"rendered":"Theresienkirche"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.26.1&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Theresienkirche<\/h2>\n<p>Gramartstra\u00dfe 4<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Weiler-Fresko-Der-Lanzenstich.jpg&#8220; alt=&#8220;Nordkette Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Weiler Fresko Der Lanzenstich&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.25.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66165,66197,66193,66194,66196,66198&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Theresienkirche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62208&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Theresienkirche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59224&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Ein Stockwerk \u00fcber Innsbruck befindet sich die <em>Wallfahrtskirche zur Heiligen Theresia vom Kinde Jesu<\/em>. Die Geschichte des unscheinbaren Gotteshauses zeugt von der turbulenten und wechselhaften Geschichte ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und bildete die B\u00fchne f\u00fcr den vielleicht gr\u00f6\u00dften Kunstskandal in der j\u00fcngeren Tiroler Geschichte. Die Hungerburg hatte sich um die Jahrhundertwende zum Anziehungspunkt f\u00fcr wohlhabende Touristen und Einheimische entwickelt. Der Erste Weltkrieg und die darauffolgenden wirtschaftlich schwierigen Jahre setzten dem bunten Treiben ein abruptes Ende. Die Hungerburg war zu einem verlassenen Wohnviertel mit einer Handvoll H\u00e4user ohne nennenswerte Infrastruktur geworden. Nichts weniger als das erste Wunder, das zur Erschlie\u00dfung des neuen Stadtteils f\u00fchrte, war n\u00f6tig, um <em>Hoch-Innsbruck<\/em> neues Leben einzuhauchen. Josef von Attlmayr hatte wenige Jahrzehnte zuvor nach dem Fund einer Wasserquelle auf seinem Grund und Boden auf der Hungerburg der Jungfrau Maria dankend seinem dort errichteten Ansitz den Namen <em>Mariabrunn<\/em> gegeben, der sich in katholischen Kreisen f\u00fcr den Stadtteil durchsetzte. Der nach diesem \u201eWunder\u201c benannte, 1910 gegr\u00fcndete <em>Kirchenverein Mariabrunn<\/em> legte das Geschick der Hungerburg in die H\u00e4nde einer modernen Heiligen. Die frommen Mitglieder errichteten in den 1920er Jahren rund um eine Reliquie und ein Bildnis der Heiligen Theresia eine kleine Kapelle in einem Gartenhaus. Theresia von Lisieux war erst wenige Jahre zuvor nach einem kurzen, aber umso frommeren Leben an Tuberkulose verstorben und von Pius X. im Blitztempo heiliggesprochen worden. Als die erste Not knapp zehn Jahre nach Kriegsende in eine Boomphase \u00fcberging und die Hungerburg dank neuen Impulsen im Fremdenverkehr und der Erschlie\u00dfung durch die H\u00f6henstra\u00dfe wieder zum beliebten Reise- und Ausflugsziel wurde, sollte auch in die Moral der Einwohner, besonders der Jugend, investiert werden. Der <em>Tiroler Anzeiger<\/em> vermerkte 1927:<\/p>\n<p><em>\u201eMariabrunn braucht dringend eine Kirche und eine Schule! Nicht einen Prachtbau gilt es zu errichten, sondern nur ein schlichtes Kirchlein in heimlichen Tiroler Stil, das waldumrauscht vom Berghange herniedergr\u00fc\u00dft, mit hellem Glockenton die Bewohner des ganzen weiten Hungerburg-Plateaus Einheimische wie Fremde, zum Gottesdienste ruft und die bergfrohe Jugend Innsbrucks auf ihrem sonnt\u00e4gigen H\u00f6henweg zu kurzer Einkehr ladet. Ein Gotteshaus als weithin sichtbarer Versammlungsort bei ernstem und freudigem Geschehen f\u00fcr die neuentstehende Gemeinde, daneben ein einfaches Schulhaus f\u00fcr die j\u00fcngsten B\u00fcrger \u201eHoch-Innsbrucks\u201c, wo sie zwar nicht zu Klassenk\u00e4mpfern, Religions- und Eigentumsfeinden aber zu aufrechten und heimatliebenden Deutschen und christlichen Tirolern erzogen werden sollen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>1931 schrieb der <em>Verein Mariabrunn<\/em> einen Wettbewerb aus. Der ober\u00f6sterreichische Architekt Wilhelm Stigler (1903 \u2013 1976), der mit Anfang 20 bereits ein eigenes B\u00fcro am Claudiaplatz f\u00fchrte, gewann mit seinem Entwurf \u00fcberraschend gegen etablierte Architekten wie Clemens Holzmeister und Franz Baumann. Da seine Pl\u00e4ne allerdings die kargen finanziellen Mittel zur Errichtung \u00fcberstiegen, die Wirtschaftskrise der 1930er war mittlerweile eingetroffen, wurde ein sparsamerer Entwurf Siegfried Thurners umgesetzt. Der kubische Bau wurde ganz dem Zeitgeist entsprechend im Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> entworfen anstatt im vom <em>Tiroler Anzeiger<\/em> gew\u00fcnschten Tiroler Stil. Die ziffernlose Uhr, die den markanten Turm schm\u00fcckt, war ein beliebtes Stilelement. Nach Fertigstellung des Baus 1935 schuf der in Innsbruck lebende, der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> wie dem Faschismus gleicherma\u00dfen zugeneigte K\u00fcnstler Ernst Nepo (1895 &#8211; 1971) das Fresko der Heiligen Theresia \u00fcber dem Eingang. Die Darstellung nahm bereits den unter dem nationalsozialistischen Regime bevorzugten Kunststil, der nach 1938 in \u00d6sterreich bis zum Kriegsende dominieren sollte, vorweg. Nach dem Krieg war Nepos Mitwirkung an der Fertigstellung der Kirche nicht mehr erw\u00fcnscht, seine Vergangenheit als Tiroler Vertreter der NS-Reichskammer der bildenden K\u00fcnste \u00fcberwog sein unzweifelhaft k\u00fcnstlerisches Talent. Der fr\u00fche Nationalsozialist hatte unter anderem bereits vor dem Anschluss 1937 ein Bild Adolf Hitlers anfertigen lassen, das dem F\u00fchrer h\u00f6chstpers\u00f6nlich von der <em>Tiroler NS-Frauenschaft<\/em> zum Geburtstag \u00fcberreicht worden war.<\/p>\n<p>An seiner Statt setzte der Tiroler K\u00fcnstler Max Weiler (1910 &#8211; 2001) die Arbeit ab 1946 fort, um p\u00fcnktlich zur 150 Jahre Erneuerung des <em>Herz-Jesu-Bundes<\/em> von 1796 des Landes Tirols das Langhaus der Kirche geschm\u00fcckt zu sehen. Weiler, w\u00e4hrend des Nationalsozialismus selbst stiller Mitl\u00e4ufer des Systems, stellte vier Bilder fertig, bevor er seine Arbeit vorzeitig unterbrechen musste. \u201e<em>Die Verehrung des Herzens Jesu<\/em>\u201c, \u201e<em>Die Herz-Jesu-Sonne<\/em>\u201c, \u201e<em>Johannesminne und \u00d6lberg<\/em>\u201c und \u201e<em>Der Lanzenstich<\/em>\u201c riefen einen Skandal hervor, der weite Kreise zog. Das Bild der <em>Herz-Jesu-Sonne<\/em> erhielt ob den sechs fliegenden Geistlichen den Namen &#8222;<em>Pfaffenkarussell<\/em>&#8222;. Mit dem Ergebnis, vor allem dem Bildnis des &#8222;<em>Lanzenstichs<\/em>&#8222;, war eine breite \u00d6ffentlichkeit wenig zufrieden, zeigte es doch die Umstehenden um den Gekreuzigten in traditionell b\u00e4uerlicher Tiroler Kleidung w\u00e4hrend dessen letztem Atemzug. Einer der M\u00e4nner unter dem Kreuz erinnert wohl nicht zuf\u00e4llig an Adolf Hitler w\u00e4hrend ein <em>Tiroler Sch\u00fctze<\/em> dem Heiland mit dem Speer die Flanke durchbohrt. Einer nackten Venus mussten z\u00fcchtig Kleider \u00fcbergemalt werden, um den ersten Volkszorn zu mindern, der schlussendlich sogar zu einer gerichtlichen Klage eines K\u00f6ssener Landwirts f\u00fchrte, der darin eine St\u00f6rung der Religion und Ordnung sah. Es kam zu Drohungen gegen Werk und K\u00fcnstler. Der <em>Tiroler Bauernbund<\/em> und Teile des Tiroler Klerus konnten sogar eine Einmischung des Vatikans erzwingen. Nach R\u00fccksprache des <em>Heiligen Stuhles<\/em> in Rom mit dem Tiroler Bischof Paulus Rusch erging das strenge Urteil: Die Vollendung des von Weiler geplanten Bilderzyklus wurde untersagt, die noch nicht vollendeten Skizzen kamen nie zur Ausf\u00fchrung. F\u00fcr zehn Jahre blieben die bestehenden Kunstwerke vor den Augen der breiten \u00d6ffentlichkeit mit einem Tuch verdeckt verborgen. Heute sind die Weiler\u00b4schen Skandalbilder von anno dazumal eine stolz pr\u00e4sentierte Sehensw\u00fcrdigkeit, die wohl mehr Besucher anlockt als die Heilige Theresia.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Artikel Tiroler Anzeiger&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;F\u00fcr eine Kirche und Schule am Hungerburg-Plateau&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;69384&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Erschienen: 22. J\u00e4nner 1927 \/ Tiroler Anzeiger<\/p>\n<p>Der heuer bevorstehende Bau zweier <em>H \u00f6 h e n \u00ad s t r a \u00df e n<\/em>, \u2014 die zur polit. Gemeinde <em>M\u00fchlau <\/em>geh\u00f6rige Hungerburgsiedlung zum Stadtteile zu ma\u00adchen und die zur <em>Innsbrucker<\/em> Gemeinde geh\u00f6rige Hungerburg mit den notwendigen Einrichtungen zu versehen \u2014 wird die Zeitforderungen der Gegenwart erf\u00fcllen helfen. Wenn der Bau dieser Stra\u00dfen einmal restlos durchgef\u00fchrt ist, dann wird das sch\u00f6ne Hochplateau der Hungerburg nicht nur eine sommerliche Erholungs\u00adst\u00e4tte, sondern auch in den langen Wintermonaten zu einer gl\u00fccklichen Insel werden, die ihren Wert in den letzten Zeiten oft schon deutlich gezeigt hat. Denn die Erfahrungen der letzten Jahre haben offen\u00adsichtlich erwiesen, da\u00df diese sonnige Terrasse \u00fcber der Stadt Innsbruck w\u00e4hrend des ganzen Winters reicher an Licht und freundlichen Tagen ist als viele Siedlungen des Inntales. Man hat im Vorjahre mit Hilfe der Stadtgemeinde Innsbruck und insbesondere durch das gro\u00dfartige Entgegenkommen des Herrn B\u00fcrgermeisters Dr. Schumacher die Hungerburgstra\u00dfe wiederholt offenhalten k\u00f6nnen. Man hat es gesehen, da\u00df dieser Weg auch in strengen Winterzeiten eine sichere Verbindung zwischen Stadt und Hochplateau herzustellen vermochte. Das Gl\u00fcck, die Hungerburg im Winter besuchen zu k\u00f6nnen, wird k\u00fcnftig durch die vorgesehenen Verbesserungen der Stra\u00dfe noch erleichtert werden. Infolgedessen dr\u00e4ngt die Zeit, die Kirche und die Schule, sowie einen Kindergarten auf dem Hungerburgplateau zu errichten. Denn dieses Werk ist eine Notwendigkeit. Die Hungerburg wird nach Errichtung beider H\u00f6henstra\u00dfen wohl bald denselben Umfang nehmen wie andere Terrassenanlagen \u00e4hnlicher gro\u00dfer St\u00e4dte. Die Siedlung auf der Hungerburg bringt aber notgedrungen eine Kirche und eine Schule mit sich. In dieser Hinsicht mu\u00df betont werden, da\u00df schon lange Vorarbeiten geleistet wurden und da\u00df man darauf hoffen darf, da\u00df in nicht gar ferner Zeit dieses Werk zur Ausf\u00fchrung gelangt. Denn selbst die vornehmste und reichste materielle Kultur k\u00f6nnte nicht ersetzen, was der katholischen Bev\u00f6lkerung an kirchlicher und schulischer Versorgung zusteht. Eine hochw. geistliche Stelle hat bereits erkl\u00e4rt, da\u00df sie mitarbeiten wolle, und da\u00df sie die Hoffnung hege, da\u00df die Arbeiten bald gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten. Es wird nun an der gesamten Innsbrucker Bev\u00f6lkerung liegen, durch tatkr\u00e4ftige Mitarbeit dieses Werk zu unterst\u00fctzen. Insbesondere die Jugend wird die Vorz\u00fcge einer eigenen Kirche und Schule auf der Hungerburg erfahren. Viele Familien, die dort wohnen, m\u00fcssen in die Stadt hinabsteigen, um den Gottesdienst oder die Schule zu besuchen. Dies ist besonders im Winter mit gro\u00dfen Beschwer\u00adden verbunden. Dieser Notstand mu\u00df behoben werden. Denn es ist Pflicht, den Bewohnern der Hungerburg die Vorteile und Bequemlichkeiten zu verschaffen, die eine moderne Zeit fordert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62113&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren begann sich Innsbruck von den Krisen- und Kriegsjahren der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu erholen. Am 15. Mai 1955 deklarierte Bundeskanzler Leopold Figl mit den ber\u00fchmten Worten \u201e<em>\u00d6sterreich ist frei<\/em>\u201c und der Unterzeichnung des Staatsvertrages offiziell die politische Wende. In vielen Haushalten etablierte sich in den Jahren, die als <em>Wirtschaftswunder<\/em> in die Geschichte eingingen, moderater Wohlstand. Zwischen 1953 und 1962 erlaubte ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von \u00fcber 6% es einem immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Bev\u00f6lkerung von lange Zeit exotischen Dingen wie K\u00fchlschr\u00e4nken, einem eigenen Badezimmer oder gar einem Urlaub im S\u00fcden zu tr\u00e4umen. Diese Zeit brachte nicht nur materielle, sondern auch gesellschaftliche Ver\u00e4nderung mit sich. Die W\u00fcnsche der Menschen wurden mit dem steigenden Wohlstand und dem Lifestyle, der in Werbung und Medien transportiert wurde, ausgefallener. Das Ph\u00e4nomen einer neuen Jugendkultur begann sich zart inmitten der grauen Gesellschaft im kleinen \u00d6sterreich der Nachkriegszeit breit zu machen. Die Begriffe <em>Teenager<\/em> und Schl\u00fcsselkind hielten in den 1950er Jahren im Sprachgebrauch der \u00d6sterreicher Einzug. \u00dcber Filme kam die gro\u00dfe Welt nach Innsbruck. Kinovorf\u00fchrungen und Lichtspieltheater gab es zwar schon um die Jahrhundertwende in Innsbruck, in der Nachkriegszeit passte sich das Programm aber erstmals an ein jugendliches Publikum an. Ein Fernsehger\u00e4t hatte kaum jemand im Wohnzimmer und das Programm war mager. Die zahlreichen Kinos warben mit skandaltr\u00e4chtigen Filmen um die Gunst des Publikums. Ab 1956 erschien die Zeitschrift <em>BRAVO<\/em>. Zum ersten Mal gab es ein Medium, das sich an den Interessen Jugendlicher orientierte. Auf der ersten Ausgabe war Marylin Monroe zu sehen, darunter die Frage: \u201e<em>Haben auch Marylins Kurven geheiratet<\/em>?\u201c Die gro\u00dfen Stars der ersten Jahre waren James Dean und Peter Kraus, bevor in den 60er Jahren die Beatles \u00fcbernahmen. Nach dem <em>Summer of Love<\/em> kl\u00e4rte Dr. Sommer \u00fcber Liebe und Sex auf. Die allm\u00e4chtige Deutungshoheit der Kirche \u00fcber das moralische Verhalten Pubertierender begann zu br\u00f6ckeln, wenn auch nur langsam. Die erste Foto-Love-Story mit nacktem Busen folgte erst 1982. Bis in die 1970er Jahre beschr\u00e4nkten sich die M\u00f6glichkeiten heranwachsender Innsbrucker Gro\u00dfteils auf Wirtshausstuben, Sch\u00fctzenverein und Blasmusik. Erst nach und nach er\u00f6ffneten Bars, Discos, Nachtlokale, Kneipen und Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten. Veranstaltungen wie der <em>5 Uhr Tanztee<\/em> im Sporthotel Igls lockten paarungswillige junge Menschen an. Das <em>Cafe Central<\/em> wurde zur \u201e<em>zweiten Heimat langhaariger Jugendlicher<\/em>\u201c, wie die Tiroler Tageszeitung 1972 entsetzt feststellte. Etablissements wie der <em>Falknerkeller<\/em> in der Gilmstra\u00dfe, der <em>Uptown Jazzsalon<\/em> in H\u00f6tting, der Jazzclub in der Hofgasse, der <em>Clima Club<\/em> im Saggen, der <em>Scotch Club<\/em> in der Angerzellgasse und die <em>Tangente<\/em> in der Bruneckerstra\u00dfe hatten mit der traditionellen Tiroler Bier- und Weinstube nichts gemeinsam. Die Auftritte der Rolling Stones und Deep Purples in der Olympiahalle 1973 waren der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt des Innsbrucker Fr\u00fchlingserwachens. Innsbruck wurde damit zwar nicht zu London oder San Francisco, zumindest einen Hauch Rock\u00b4n\u00b4Roll hatte man aber eingeatmet. Das, was als 68er Bewegung im kulturellen Ged\u00e4chtnis bis heute verankert ist, fand im <em>Heiligen Land<\/em> kaum statt. Weder Arbeiter noch Studenten gingen in Scharen auf die Barrikaden. Der Historiker Fritz Keller bezeichnete die 68er Bewegung \u00d6sterreichs als \u201e<em>Mail\u00fcfterl<\/em>\u201c. Trotzdem war die Gesellschaft still und heimlich im Wandel. Ein Blick in die Jahreshitparaden gibt einen Hinweis darauf. Waren es 1964 noch Kaplan Alfred Flury und Freddy mit \u201e<em>Lass die kleinen Dinge<\/em>\u201c und \u201e<em>Gib mir dein Wort<\/em>\u201c sowie die Beatles mit ihrer deutschen Version von \u201e<em>Komm, gib mir deine Hand<\/em> die die Top 10 dominierten, \u00e4nderte sich der Musikgeschmack in den Jahren bis in die 1970er. Zwar fanden sich auch dann immer noch Peter Alexander und Mireille Mathieu in den Charts. Ab 1967 waren es aber internationale Bands mit fremdsprachigen Texten wie <em>The Rolling Stones, Tom Jones, The Monkees<\/em>, Scott McKenzie, Adriano Celentano oder Simon und Garfunkel, die mit teils gesellschaftskritischen Texten die Top Positionen in gro\u00dfer Dichte einnahmen.<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderung rief eine Gegenreaktion hervor. Die Speerspitze der konservativen Konterrevolution war der Innsbrucker Bischof Paulus Rusch. Zigaretten, Alkohol, allzu freiz\u00fcgige Mode, Auslandsurlaube, arbeitende Frauen, Nachtlokale, vorehelicher Geschlechtsverkehr, die 40-Stundenwoche, sonnt\u00e4gliche Sportveranstaltungen, Tanzabende, gemischte Geschlechter in Schule und Freizeit \u2013 das alles war dem strengen Kirchenmann und Anh\u00e4nger des Herz-Jesu-Kultes streng zuwider. Peter Paul Rusch war 1903 in M\u00fcnchen zur Welt gekommen und in Vorarlberg als j\u00fcngstes von drei Kindern in einem gutb\u00fcrgerlichen Haushalt aufgewachsen. Beide Elternteile und seine \u00e4ltere Schwester starben an Tuberkulose, bevor er die Vollj\u00e4hrigkeit erreicht hatte. Rusch musste im jugendlichen Alter von 17 in der kargen Nachkriegszeit fr\u00fch f\u00fcr sich selbst sorgen. Die Inflation hatte das v\u00e4terliche Erbe, das ihm ein Studium h\u00e4tte finanzieren k\u00f6nnen, im Nu aufgefressen. Rusch arbeitete sechs Jahre lange bei der <em>Bank f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>, um sich sein Theologiestudium finanzieren zu k\u00f6nnen. 1927 trat er ins Collegium Canisianum ein, sechs Jahre sp\u00e4ter wurde er zum Priester des Jesuitenordens geweiht. Seine steile Karriere f\u00fchrte den intelligenten jungen Mann als Kaplan zuerst nach Lech und Hohenems und als Leiter des Teilpriesterseminars zur\u00fcck nach Innsbruck. 1938 wurde er Titularbischof von Lykopolis und Apostolischer Administrator f\u00fcr Tirol und Vorarlberg. Als j\u00fcngster Bischof Europas musste er die Schikanen der nationalsozialistischen Machthaber gegen\u00fcber der Kirche \u00fcberstehen. Obwohl seine kritische Einstellung zum Nationalsozialismus bekannt war, wurde Rusch selbst nie inhaftiert. Zu gro\u00df war die Furcht der Machthaber davor, aus dem beliebten jungen Bischof einen M\u00e4rtyrer zu machen.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg stand der sozial und politisch engagierte Bischof an vorderster Front beim Wiederaufbau. Die Kirche sollte wieder mehr Einfluss auf den Alltag der Menschen nehmen. Sein Vater hatte sich vom Zimmermann zum Architekten hochgearbeitet und ihm wohl ein Faible f\u00fcr das Bauwesen mitgegeben. Dazu kamen seine eigenen Erfahrungen bei der BTV. Dank seiner Ausbildung als B\u00e4nker erkannte Rusch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Kirche sich als Helfer in der Not zu engagieren und zu profilieren. Nicht nur die im Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Kirchen wurden wiederaufgebaut. Die <em>Katholische Jugend<\/em> engagierte sich unter Ruschs F\u00fchrung unentgeltlich bei der Errichtung der <em>Heiligjahrsiedlung<\/em> in der H\u00f6ttinger Au. Die Di\u00f6zese kaufte daf\u00fcr einen Baugrund vom Ursulinenorden. Die Kredite f\u00fcr die Siedler wurden zinsfrei von der Kirche vorgestreckt.\u00a0 Sein rustikales Voranschreiten in der Wohnungsfrage sollte ihm Jahrzehnte sp\u00e4ter den Titel \u201e<em>Roter Bischof\u201c<\/em> bescheren. In den bescheidenen H\u00e4uschen mit Selbstversorgergarten ganz nach der Vorstellung des dogmatischen und gen\u00fcgsamen \u201eArbeiterbischofs\u201c fanden 41 bevorzugt kinderreiche Familien eine neue Heimat.<\/p>\n<p>Durch die Linderung der Wohnungsnot sollten die gr\u00f6\u00dften Bedrohungen im <em>Kalten Krieg<\/em>, Kommunismus und Sozialismus, von seiner Gemeinde fernhalten. Der vom Kommunismus vorgeschriebene Atheismus wie auch der konsumorientierte Kapitalismus, der nach dem Krieg aus den USA schwappend in Westeuropa Einzug gehalten hatte, waren ihm ein Gr\u00e4uel. 1953 erschien Ruschs Buch \u201e<em>Junger Arbeiter, wohin?\u201c.<\/em> Was nach revolution\u00e4rer, linker Lekt\u00fcre aus dem Kreml klingt, zeigte die Grunds\u00e4tze der Christlichen Soziallehre, die sowohl Kapitalismus wie auch Sozialismus gei\u00dfelte. Familien sollten bescheiden leben, um mit den moderaten finanziellen Mitteln eines alleinerziehenden Vaters in christlicher Harmonie zu leben. Unternehmer, Angestellte und Arbeiter sollten eine friedliche Einheit bilden. Kooperation statt Klassenkampf, die Basis der heutigen Sozialpartnerschaft. Jedem sein Platz in christlichem Sinne, eine Art modernes Feudalsystem, das bereits im St\u00e4ndestaat Dollfu\u00df\u00b4 zur Anwendung geplant war. Seine politischen Ansichten teilte er mit Landeshauptmann Eduard Walln\u00f6fer und B\u00fcrgermeister Alois Lugger, die gemeinsam mit dem Bischof die <em>Heilige Dreifaltigkeit<\/em> des konservativen Tirols der Zeit des Wirtschaftswunders bildeten. Dazu kombinierte Rusch einen latenten, in Tirol auch nach 1945 weit verbreiteten katholischen Antisemitismus, der dank Verirrungen wie der Verehrung des <em>Anderle von Rinn <\/em>lange als Tradition halten konnte.<\/p>\n<p>Ein besonderes Anliegen war dem streitbaren Jesuiten Erziehung und Bildung. Die gesellschaftliche Formung quer durch alle Klassen durch die Soldaten Christi konnte in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Der Jesuitenpater und vormalige Gef\u00e4ngnisseelsorger Alois Mathiowitz (1853 \u2013 1922) gr\u00fcndete 1909 in Pradl den <em>Peter-Mayr-Bund<\/em>. Sein Ansatz war es, Jugendliche \u00fcber Freizeitgestaltung und Sport und Erwachsene aus dem Arbeitermilieu durch Vortr\u00e4ge und Volksbildung auf den rechten Weg zu bringen. Das unter seiner \u00c4gide errichtete Arbeiterjugendheim in der Reichenauerstra\u00dfe dient bis heute als Jugendzentrum und Kindergarten. Auch Rusch hatte Erfahrung mit Jugendlichen. 1936 war er in Vorarlberg zum Landesfeldmeister der Pfadfinder gew\u00e4hlt worden. Trotz eines Sprachfehlers war er ein charismatischer Typ, und bei seinen jungen Kollegen und Jugendlichen \u00fcberaus beliebt. Nur eine fundierte Erziehung unter den Fittichen der Kirche nach christlichem Modell konnte seiner Meinung nach das Seelenheil der Jugend retten. Um jungen Menschen eine Perspektive zu geben und sie in geordnete Bahnen mit Heim und Familie zu lenken, wurde das <em>Jugendbausparen<\/em> gest\u00e4rkt. In den Pfarren wurden Kinderg\u00e4rten, Jugendheime und Bildungseinrichtungen wie das <em>Haus der Begegnung<\/em> am Rennweg errichtet, um von Anfang an die Erziehung in kirchlicher Hand zu haben. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil des sozialen Lebens der Stadtjugend spielte sich nicht in verruchten Spelunken ab. Den meisten Jugendlichen fehlte schlicht und ergreifend das Geld, um regelm\u00e4\u00dfig in Lokalen zu verkehren. Viele fanden ihren Platz in den halbwegs geordneten Bahnen der katholischen Jugendorganisationen. Neben dem ultrakonservativen Bischof Rusch wuchs eine Generation liberaler Kleriker heran, die sich in die Jugendarbeit einbrachten. In den 1960er und 70er Jahren agierten in Innsbruck zwei kirchliche Jugendbewegungen mit gro\u00dfem Einfluss. Verantwortlich daf\u00fcr waren Sigmund Kripp und Meinrad Schumacher, die mit neuen Ans\u00e4tzen in der P\u00e4dagogik und einem offeneren Umgang mit heiklen Themen wie Sexualit\u00e4t und Rauschmitteln Teenager und junge Erwachsene f\u00fcr sich gewinnen konnten. F\u00fcr die Erziehung der Eliten im Sinne des Jesuitenordens sorgte in Innsbruck seit 1578 die <em>Marianische Kongregation<\/em>. Diese Jugendorganisation, bis heute als MK bekannt, nahm sich den Gymnasialsch\u00fclern an. Die MK war streng hierarchisch strukturiert, um den jungen <em>Soldaten Christi<\/em> von Anfang an Gehorsam beizubringen. 1959 \u00fcbernahm Pater Sigmund Kripp die Leitung der Organisation. Die Jugendlichen errichteten unter seiner F\u00fchrung mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch Kirche, Staat, Eltern und mit viel Eigenleistung Projekte wie die <em>Mittergrath\u00fctte<\/em> samt eigener Materialseilbahn im K\u00fchtai und das legend\u00e4re Jugendheim <em>Kennedyhaus<\/em> in der Sillgasse. Bei der Grundsteinlegung dieses Jugendzentrums, das mit knapp 1500 Mitgliedern zum gr\u00f6\u00dften seiner Art in Europa werden sollte, waren Bundeskanzler Klaus und Mitglieder der amerikanischen Botschaft anwesend, war der Bau doch dem ersten katholischen, erst k\u00fcrzlich ermordeten Pr\u00e4sidenten der USA gewidmet.<\/p>\n<p>Die andere kirchliche Jugendorganisation Innsbrucks war das Z6. Stadtjugendseelsorger Kaplan Meinrad Schumacher k\u00fcmmerte sich im Rahmen der <em>Aktion 4-5-6<\/em> um alle Jugendlichen, die in der MK oder der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft<\/em> keinen Platz hatten. Arbeiterkinder und Lehrlinge trafen sich in verschiedenen Jugendheimen wie Pradl oder der Reichenau, bevor 1971 das neue, ebenfalls von den Mitgliedern selbst errichtete Zentrum in der namensgebenden Zollerstra\u00dfe 6 er\u00f6ffnet wurde. Die Leitung \u00fcbernahm Josef Windischer. Das Z6 hatte schon mehr mit dem zu tun, was auf der Leinwand von Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Motorr\u00e4dern in <em>Easy Rider<\/em> vorgezeigt wurde. Hier ging es rauer zu als in der MK. Rockerbanden wie die Santanas, Kleinkriminelle und Drogenabh\u00e4ngige verbrachten ihre Freizeit ebenfalls im Z6. W\u00e4hrend Schumacher mit den \u201ebraven\u201c Jugendlichen oben sein Programm abspulte, bev\u00f6lkerte Windischer mit den <em>Outsiders<\/em> das Untergescho\u00df, um auch den verirrten Sch\u00e4fchen so gut als m\u00f6glich beizustehen.<\/p>\n<p>Ende der 1960er Jahre beschlossen sowohl die MK wie auch das Z6 sich auch f\u00fcr Nichtmitglieder zu \u00f6ffnen. M\u00e4dchen und Bubengruppen wurden teilweise zusammengelegt und auch Nicht-Mitglieder wurden eingelassen. Die beiden Jugendzentren hatten zwar unterschiedliche Zielgruppen, das Konzept aber war gleich. Theologisches Wissen und christliche Moral wurden in spielerischem, altersgerechtem Umfeld vermittelt. Sektionen wie Schach, Fu\u00dfball, Hockey, Basketball, Musik, Kinofilme und ein Partykeller holten die Bed\u00fcrfnisse der Jugendlichen nach Spiel, Sport und der Enttabuisierung der ersten sexuellen Erfahrungen ab. Die Jugendzentren boten einen Raum, in dem sich Jugendliche beider Geschlechter begegnen konnten. Besonders die MK blieb aber eine Institution, die nichts mit dem wilden Leben der 68er, wie es in Filmen gerne transportiert wird, zu tun hatte. So fanden zum Beispiel Tanzkurse nicht im Advent, Fasching oder an Samstagen statt, f\u00fcr unter 17j\u00e4hrige waren sie \u00fcberhaupt verbotene Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Trotzdem gingen die Jugendzentren zu weit f\u00fcr Bischof Rusch. Die kritischen Beitr\u00e4ge in der MK-Zeitung <em>Wir diskutieren<\/em>, die immerhin eine Auflage von \u00fcber 2000 St\u00fcck erreichte, fanden immer seltener sein Gefallen. Solidarit\u00e4t mit Vietnam war das eine, aber Kritik an Sch\u00fctzen und Bundesheer konnten nicht geduldet werden. Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Bischof und Jugendzentrum kam es 1973 zum Showdown. Als Pater Kripp sein Buch <em>Abschied von morgen<\/em> ver\u00f6ffentlichte, in dem er von seinem p\u00e4dagogischen Konzept und der Arbeit in der MK berichtete, kam es zu einem nicht \u00f6ffentlichen Verfahren innerhalb der Di\u00f6zese und des Jesuitenordens gegen den Leiter des Jugendzentrums. Trotz massiver Proteste von Eltern und Mitgliedern wurde Kripp entfernt. Weder die innerkirchliche Intervention durch den bedeutenden Theologen Karl Rahner noch eine vom K\u00fcnstler Paul Flora ins Leben gerufene Unterschriftenaktion oder regionale und \u00fcberregionale Emp\u00f6rung in der Presse konnte den allzu liberalen Pater vor dem Zorn Ruschs retten, der sich f\u00fcr die Amtsenthebung sogar den p\u00e4pstlichen Segen aus Rom zusichern lie\u00df.<\/p>\n<p>Im Juli 1974 war es vor\u00fcbergehend auch mit dem Z6 vorbei. Artikel \u00fcber die Antibaby-Pille und Kritik der Z6-Zeitung an der katholischen Kirche waren zu viel f\u00fcr den strengen Bischof. Rusch lie\u00df kurzerhand die Schl\u00fcssel des Jugendzentrums austauschen, eine Methode, die er auch bei der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft <\/em>angewendet hatte, als diese sich zu nahe an eine linke Aktionsgruppe ann\u00e4herte. Die Tiroler Tageszeitung vermerkte am 1. August 1974 in einem kleinen Artikel dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eIn den letzten Wochen war es zwischen den Erziehern und dem Bischof zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen \u00fcber Grundsatzprobleme gekommen. Nach den Worten des Bischofs h\u00e4tten die im \u201eZ 6\u201c vertretenen Auffassungen \u201emit der kirchlichen Lehre nicht mehr \u00fcbereingestimmt\u201c. So seien den Jugendlichen von der Leitung des Zentrums absolute Gewissensfreiheit ohne gleichzeitige Anerkennung objektiver Normen zugebilligt und auch geschlechtliche Beziehungen vor der Ehe erlaubt worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sein Festhalten an konservativen Werten und seine Sturheit waren es, die Ruschs Ansehen in seinen letzten 20 Lebensjahren besch\u00e4digten. Als er 1964 zum ersten Bischof der neu gegr\u00fcndeten Di\u00f6zese Innsbruck geweiht wurde, \u00e4nderten sich die Zeiten. Der progressive mit praktischer Lebenserfahrung von einst wurde vom modernen Leben einer neuen Generation und den Bed\u00fcrfnissen der sich etablierenden Konsumgesellschaft \u00fcberholt. Die st\u00e4ndige Kritik des Bischofs am Lebensstil seiner Sch\u00e4fchen und das sture Festhalten an seinen allzu konservativen Werten gepaart mit teils skurrilen Aussagen machten aus dem Mitbegr\u00fcnder der Entwicklungshilfe <em>Bruder in Not<\/em>, dem jungen, anpackenden Bischof des Wiederaufbaus, ab den sp\u00e4ten 1960er Jahren einen Grund f\u00fcr den Kirchenaustritt. Sein Konzept von Umkehr und Bu\u00dfe trieb skurrile Bl\u00fcten. So forderte er von den Tirolern Schuld und S\u00fchne f\u00fcr ihre Verfehlungen w\u00e4hrend der NS-Zeit, bezeichnete aber gleichzeitig die Entnazifizierungsgesetze als zu weitgreifend und streng. Auf die neuen sexuellen Gepflogenheiten und die Abtreibungsgesetze unter Bundeskanzler Kreisky erwiderte er, dass M\u00e4dchen und junge Frauen, die verfr\u00fcht geschlechtlichen Umgang haben, bis zu zw\u00f6lfmal h\u00e4ufiger von Krebserkrankungen der Mutterorgane betroffen seien. Hamburg bezeichnete Rusch als S\u00fcndenbabel und er vermutete, dass die schlichten Gem\u00fcter der Tiroler Bev\u00f6lkerung Ph\u00e4nomenen wie Tourismus und Nachtlokalen nicht gewachsen seien und sie zu unmoralischem Verhalten verf\u00fchrten. Er f\u00fcrchtete, dass Technologie und Fortschritt den Menschen allzu unabh\u00e4ngig von Gott machen. Er war streng gegen die neue Sitte des Doppelverdienstes. Der Mensch sollte mit einem spirituellen Einfamilienhaus mit Gem\u00fcsegarten zufrieden sein und nicht nach mehr streben, Frauen sollten sich auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>1973 wurde Bischof Rusch nach 35 Jahren an der Spitze der Kirchengemeinde Tirols und Innsbrucks zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt. 1981 trat er von seinem Amt zur\u00fcck. 1986 fand Innsbrucks erster Bischof seine letzte Ruhe im Dom St. Jakob. Das <em>Bischof-Paulus-Studentenheim<\/em> bei der unter ihm errichteten Kirche Petrus Canisius in der H\u00f6ttinger Au erinnert an ihn.<\/p>\n<p>Das Jugendzentrum Z6 \u00fcbersiedelte nach seiner Schlie\u00dfung 1974 in die Andreas-Hofer-Stra\u00dfe 11, bevor es seine bis heute bestehende Heimst\u00e4tte in der Dreiheiligenstra\u00dfe fand, mitten im Arbeiterviertel der Fr\u00fchen Neuzeit gegen\u00fcber der Pestkirche. Jussuf Windischer blieb nach seiner Mitarbeit in Sozialprojekten in Brasilien in Innsbruck. Der Vater von vier Kindern arbeitete weiterhin mit sozialen Randgruppen, war Dozent an der Sozialakademie, Gef\u00e4ngnisseelsorger und Leiter des Caritas Integrationshauses in Innsbruck.<\/p>\n<p>Auch die MK besteht bis heute, auch wenn es das Kennedyhaus, das direkt nach dem Abschied Kripps von den Mitgliedern in <em>Sigmund-Kripp-Haus<\/em> umbenannt wurde, nicht mehr gibt. Kripp wurde 2005 von seinem ehemaligen Sodalen und sp\u00e4teren Vizeb\u00fcrgermeister wie vor ihm Bischof Rusch zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Herrscherh\u00e4user und Imperien an ihr Ende, auch in Kunst, Musik, Literatur und Architektur ver\u00e4nderte sich in den 1920er Jahren vieles. W\u00e4hrend sich Jazz, atonale Musik und Expressionismus im kleinen Innsbruck nicht etablierten, ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild auf erstaunliche Art und Weise. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil, Wolkenkratzern aus den USA und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Allen gemeinsam war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten bis heute sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Der Theologe, Publizist und Kriegspropagandist Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent von Franz Baumann aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL. Hier lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen. Gemeinsam mit Baumanns Schwester Maria waren die beiden jungen M\u00e4nner auf Ausfl\u00fcgen in der Gegend rund um Innsbruck unterwegs, um Bilder der Bergwelt und Natur zu malen. W\u00e4hrend der Schulzeit sammelte er erste Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. 1910 folgte Baumann seinem Freund Prachensky nach Meran, um bei der Firma <em>Musch &amp; Lun<\/em> zu arbeiten. Meran war damals Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter dem Architekten Adalbert Erlebach machte er erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch Baumann aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Bilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Baumanns Durchbruch kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre. Er konnte die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t und dem Verm\u00f6gen ganzheitlich zu denken, kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit der Gesetzeslage und den modernen Anforderungen der Ausschreibungen der 1920er Jahre entgegen. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In seiner Zeit in Meran war Baumann schon mit dem <em>Heimatschutzverband<\/em> in Ber\u00fchrung gekommen. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein noch in den letzten Jahren der Monarchie gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht, die neue Anforderungen an Geb\u00e4ude und somit an das Baugewerbe richtete. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Das bedurfte neuer L\u00f6sungen in neuen H\u00f6hen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern eine komplette Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Der Tiroler Heimatschutzverband wachte dar\u00fcber, dass Natur und Ortsbilder von allzu modischen Str\u00f6mungen, \u00fcberbordendem Tourismus und h\u00e4sslichen Industriebauten gesch\u00fctzt wurden. Bauprojekte sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Alle technischen Funktionen und Details, die Einbettung der Geb\u00e4ude in die Landschaft unter Ber\u00fccksichtigung der Topografie und des Sonnenlichtes spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos von 1913:<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein.<\/p>\n<p>Ab 1927 war Baumann selbstst\u00e4ndig in seinem Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten t\u00e4tig. Immer wieder kam er dabei in Ber\u00fchrung mit seinem Schwager und Mitarbeiter des Bauamtes Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten die beiden ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>.<\/p>\n<p>Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand er die Wirtschaftskrise gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1934 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro wie die gesamte Wirtschaft in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde Baumann zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem er mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestattet diesen Berufstitel endlich tragen durfte. Im gleichen Jahr plante er die <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> im Westen der Stadt.<\/p>\n<p>Nach dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals mutig gegen den zerst\u00f6rerischen Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Durchzugsgebiet, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte nach Wusch von Gauleiter Franz Hofer eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Hofer wollte auch die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Die Stellungnahme Baumanns zu diesen Pl\u00e4nen fiel negativ aus. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen.<\/p>\n<p>Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die neuen Stadts\u00e4le (<em>Anm.: heute Haus der Musik<\/em>) gestaltet.<\/p>\n<p>Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv, Innsbrucks Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rte als Teil der jungen Republik \u00d6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik am Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 mehr oder minder begeisterten, vor allem aber verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df.<\/p>\n<p>Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. In Tirol war es nicht neu, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschluss an Deutschland erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande.<\/p>\n<p>Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, unterstand man den ungeliebten <em>Wallschen<\/em>. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Bei den Friedensverhandlungen in Paris war wurde der Brenner zur neuen Grenze erkl\u00e4rt. Das historische Tirol war zweigeteilt. Am Brenner stand Milit\u00e4r, um eine Grenze zu sichern, die es vorher nie gab und als unnat\u00fcrlich und ungerecht empfunden wurde. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c des nationalsozialistischen Autors Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannten Soldatenr\u00e4te, die aber christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der Tiroler Anzeiger brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der Innsbrucker Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> als Zusammenschluss aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes in Innsbruck bei den ersten Wahlen 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien. Liberale und <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern.<\/p>\n<p>Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren passierte nur sehr wenig. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde 1m 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurses vor dem Krieg verloren. Innsbruck begann, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge davon.<\/p>\n<p>Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe unter Kanzler Ignaz Seipel rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Projekte wie das Tivoli, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf den Berg Isel und die Nordkette, neue Schulen und Wohnbl\u00f6cke. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. In der Reichenau entstand 1925 der erste Flughafen, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die Pembaurbr\u00fccke und die Prinz-Eugen-Br\u00fccke. Die Handschrift der neuen, gro\u00dfen Massenparteien in der Gestaltung dieser Projekte ist dabei nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die erste Republik war eine schwere Geburt aus den \u00dcberbleibseln der einstigen Monarchie und sie sollte nicht lange halten. Trotz der Nachkriegsprobleme passierte in der Ersten Republik aber auch viel Positives. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens des Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche.<\/p>\n<p>Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik in \u00d6sterreich. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em> oder der <em>Mandelsbergerblock<\/em> oder die <em>Pembaurschule<\/em> sind Stein gewordene Zeitzeugen. Der Weltspartag erinnert seit 1925 allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings. Kinder und Erwachsene sollten zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erzogen werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gramartstra\u00dfe 4<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66165,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[148,153,152,32,80],"tags":[],"class_list":["post-56088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-der-rote-bischof-und-innsbrucks-sittenverfall","category-eine-erste-republik-entsteht","category-der-keiner-war","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56088\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}