{"id":57323,"date":"2024-07-31T13:40:04","date_gmt":"2024-07-31T13:40:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=57323"},"modified":"2026-02-06T10:34:32","modified_gmt":"2026-02-06T10:34:32","slug":"pfarre-mariahilf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/pfarre-mariahilf\/","title":{"rendered":"Pfarre Mariahilf"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.26.1&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Pfarre Mariahilf<\/h2>\n<p>Dr.-Sigismund-Epp-Weg<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6F74A302-7ADC-4077-9AFA-8AFA7E6DCB2A-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Mariahilfkirche Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Mariahilfkirche Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.26.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;57056,5522,57767,56229,66139,56052,69422,63730,64432,66143,66142,66140,66144&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Pfarre Mariahilf&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62204&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Pfarre Mariahilf&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59221&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Pfarre Mariahilf ist Namensgeberin des Innsbrucker Stadtteils westlich der Innbr\u00fccke. Neben der Mariahilfkirche geh\u00f6ren auch der Friedhof, der Kindergarten, die Kunstkammer und das Widum zu einem Komplex, der ein eindrucksvolles Beispiel f\u00fcr den Einfluss der Kirche auf Infrastruktur, Gesellschaft und Gemeinwesen darstellt. Die Anf\u00e4nge der Pfarre Mariahilf liegen im 17. Jahrhundert. Nachdem schwedische, franz\u00f6sische und hessische Truppen w\u00e4hrend den letzten Jahren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges (1618 \u2013 1648) gro\u00dfe Teile des benachbarten Bayern und die Stadt Bregenz verw\u00fcstet hatten, gelobten die Tiroler Landst\u00e4nde am 1. Februar 1647 feierlich, Cranachs Gnadenbild Mariahilf, das heute im Dom St. Jakob h\u00e4ngt, eine Kirche zu stiften, wenn Tirol von den Kriegsgr\u00e4ueln verschont bliebe. Die Landst\u00e4nde wollten mit dem Bauprojekt auch ihr politisches Selbstvertrauen gegen\u00fcber Landesf\u00fcrstin Claudia de Medici und ihrem Kanzler Biener zeigen.<\/p>\n<p>Federf\u00fchrend beim Bau war Christoph Gumpp. Bereits 1648 wurde auf einem provisorischen Altar die erste Messe gefeiert, ein Jahr sp\u00e4ter war der Rohbau fertig. Im Laufe der n\u00e4chsten Jahrhunderte gestalteten mehrere Generationen Tiroler K\u00fcnstler die Mariahilfkirche bis zu ihrem heutigen Aussehen. Gumpp lie\u00df sich wohl auf seinen Italienreisen von den Kuppelbauten wie dem r\u00f6mischen Pantheon inspirieren. Das Innere ist nicht wie es typisch f\u00fcr den Barock ist ein gro\u00dfes Ganzes, sondern eine Aneinanderreihung einzelner Elemente, wie es in der Renaissance \u00fcblich war. F\u00fcnf Altarkapellen geben dem runden Bau die \u00e4u\u00dfere Form. Sechs ovale Deckenfresken mit der Darstellung des Lebens Marias schm\u00fccken die Innenseite der Kuppel, sechs weitere zeigen Szenen aus dem Alten Testament. Da Cranachs<em> Gnadenbild Mariahilf<\/em>, der man die Kirche eigentlich weihen wollte, in der Pfarrkirche St. Jakob blieb, fertigte Michael Waldmann 1654 eine Kopie des Bildes an. Das Gem\u00e4lde wurde in die Darstellung der Entstehungsgeschichte der Kirche integriert. Die das Bild umgebende Darstellung zeigt Vertreter der vier Landst\u00e4nde Klerus, Adel, Bauern und B\u00fcrger am Hochaltar vor dem neuen Gotteshaus und weisen es dem Schutz Marias zu. \u00dcber dem Chorbogen kann man die Wappen Tirols, der <em>Casa Austria<\/em> und der toskanischen Familie Medici sehen, aus der die kurz vor Beendigung des Rohbaus verstorbene Tiroler Landesf\u00fcrstin stammte. Der vielleicht wichtigste Mann der Geschichte Mariahilfs aber war kein K\u00fcnstler oder Baumeister, sondern Dr. Sigismund Epp (1647 \u2013 1720), Professor f\u00fcr Theologie, Prokanzler und Rektor an der Universit\u00e4t Innsbruck. Er stiftete zwei Benefizien, die es den Tiroler Landst\u00e4nden erm\u00f6glichten, die Kirche Mariahilf zu betreiben, in Folge zu erweitern und dadurch ihren Einfluss in der Stadt zu vergr\u00f6\u00dfern. Mariahilf wurde unter ihm zur Pfarre der Universit\u00e4t Innsbruck. Der Gelehrte Epp hatte an seine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit mehrere Verf\u00fcgungen gekn\u00fcpft, darunter die Art und Weise wie der Benefiziat beschaffen sein soll:<\/p>\n<p><em>\u201eZum Genu\u00df dieses Benefiziums soll ein frommer und ehrbarer weltlicher Priester, der ein eingeborenes tyrolisches Landskind und der deutschen Sprache m\u00e4chtig ist, berufen werden\u2026. Der Benifiziat soll die Stifter in sein Gebet und andere gute Werke einschlie\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Tod Epps wanderte das Privileg, Universit\u00e4tskirche zu sein von Mariahilf in die Dreifaltigkeitskirche der <em>Soldaten Christi<\/em>. \u00dcber die Kaplanei Mariahilf konnten die Tiroler Landst\u00e4nde nicht nur in kirchlichen Angelegenheiten eine politische Opposition zu den Jesuiten und dem Tiroler Landesf\u00fcrsten bilden. Eines der wichtigsten Themen war der Einfluss auf Bildung und Universit\u00e4t. Die selbstst\u00e4ndige Pfarre konnte auch einen Gegenpol zu den Bestrebungen der Regierung in Wien setzen. Seit Maria Theresia und Josef II. war es dem zunehmend zentralisierten Staat ein besonderes Anliegen gewesen, Bildungsangelegenheiten weg von der Kirche unter die Fittiche des Staates zu bringen. In den fr\u00fchen 1850er Jahren gr\u00fcndete der Mariahilfer Pfarrer Caspar Weyrer eine eigene Schule. Einige Jahrzehnte zuvor war der Versuch in Mariahilf abseits der Trivialschule St. Nikolaus ein eigenes Institut zu gr\u00fcnden noch abgelehnt worden. Weyrer kam aber \u00fcber einen weiteren Benefiziaten, Elisabeth von Mayrhofer zu Koburg &amp; Anger, an Kapital und Immobilien, um unabh\u00e4ngig von staatlicher Seite die Schule Mariahilf zu gr\u00fcnden. Die Vereinbarung lautete:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die beiden H\u00e4user, der Garten, der Hof, kurz den ganzen Einfang vermache ich zu einem Schulhaus oder zu einer Kinderwarth-Anstalt\u2026 die Kinder (sind) verbunden, alle Wochen einmal in der Versammlung laut einen Vaterunser und ein Avemaria zu beten.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr das eigene Seelenheil beten zu lassen, war in Innsbruck auch im 19. Jahrhundert noch in Mode. Mit dem Erlass eines neuen Schulgesetzes 1872, musste die Schule ihre Pforten schlie\u00dfen. Caspar Weyrer gr\u00fcndete noch im selben Jahr eine Privatschule, um dieses Gesetz zu umgehen. Weder die liberal-gro\u00dfdeutsche Stadtregierung noch das Ministerium in Wien wollten aber die kirchlich gelenkte Schule in Innsbrucks Bildungslandschaft haben, weshalb der <em>k.k. Bezirksschulrat<\/em> kurzerhand die beiden Stiftungsh\u00e4user als nicht tauglich f\u00fcr Schulzwecke erkl\u00e4rte. Damit sollte das letzte Wort aber noch nicht gesprochen sein. Einige Jahre vorher war auch der seit 1786 bestehende Mariahilfer Friedhof wegen ung\u00fcnstiger Bodenbeschaffenheit und damit einhergehenden hygienischen Problemen ins Visier der Beh\u00f6rden geraten. 1876, vier Jahre nach der faktischen Schlie\u00dfung der Mariahilfer Schule durch die Obrigkeit, w\u00e4lzte die Pfarre Mariahilf Pl\u00e4ne zur Verlegung des Gottesackers. Der Tiroler Landtagsausschuss, der noch immer die Geschicke Mariahilfs leitete, erwarb das Grundst\u00fcck, auf dem sich der Friedhof Mariahilf bis heute befindet. In malerischer H\u00fcgellage gilt der Tiroler Landesfriedhof mit den Arkaden und der Friedhofskapell im Stil der Neorenaissance als sch\u00f6nster Friedhof der Stadt. Die Verlegung des Friedhofs an den neuen Ort erm\u00f6glichte doch noch den Schulbau. Auf dem ehemaligen Friedhofsgel\u00e4nde \u00f6ffnete 1902 die heutige Volksschule Mariahilf. Auf der Hinterseite der Volksschule ist noch ein kleiner Teil Friedhofskapelle und Mauer sichtbar. Im ehemaligen Schulhaus wurde ein Kindergarten unter der Obhut der Pfarre Mariahilf er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Trotz dem Segen und Schutz Marias kamen im Lauf der Jahrhunderte Ungl\u00fccke \u00fcber die Pfarre. Das gro\u00dfe Innsbrucker Erdbeben vom 22. Dezember 1689 verschonte Mariahilf nicht und nahm auch die neu gebaute Kirche erheblich mit. Menschlicher Natur waren die sp\u00e4teren Sch\u00e4den. Die 1837 von der Glockengie\u00dferei Gra\u00dfmayr gegossenen Glocken wurden wie auch die Orgelpfeifen w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen, um aus dem Metall Waffen herzustellen. Mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde die Stiftung Mayrhofers, wie so viele kirchliche Einrichtungen, aufgel\u00f6st und das Verm\u00f6gen der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt einverleibt. W\u00e4hrend der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs wurden der Kindergarten und das Pfarrheim zerst\u00f6rt, auch die Kirche erlitt kleinere Schrammen. Knapp vor Kriegsende landete eine 1000 kg schwere Bombe zwischen Kindergarten und Pfarrheim, explodierte allerdings nicht. Ob daf\u00fcr die Gnadenmutter verantwortlich war, konnte nicht letztg\u00fcltig gekl\u00e4rt werden. Die Pfarre Mariahilf ist auf jeden Fall noch immer der <em>Big Player<\/em> im nach ihr benannten Stadtviertel. Neben der Kirche befindet sich das <em>Epp\u00b4sche Benefiziatenhaus<\/em>, das von Johann Martin Gumpp als Wohnhaus des Kaplans geplant wurde und heute als <em>Kunstkammer<\/em> mit vielen Ausstellungsst\u00fccken und Archiv rund um Mariahilf dient. Auf der anderen Seite wird die Kirche vom Messnerhaus und dem 1952 wieder er\u00f6ffneten Kindergarten flankiert. N\u00f6rdlich der Kirche steht das im 19. Jahrhundert neu gebaute Widum mit dem gro\u00dfen Pfarrgarten. Heute verwalten die Pfarre Mariahilf und <em>Vinzenzkonferenz<\/em> das Vereinsheim und den Kindergarten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maria hilf Innsbruck!&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maria Hilf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;64775&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Heiligenverehrung und Volksfr\u00f6mmigkeit wandelten stets auf einem schmalen Grat zwischen Glauben, Aberglauben und Magie. In den Alpen, wo die Menschen der kaum erkl\u00e4rbaren Umwelt mehr als in anderen Regionen ausgesetzt waren, nahm diese Form des Glaubens bemerkenswerte und oft skurrile Formen an. Heilige wurden bei verschiedenen Aufgaben im Alltag um Hilfe angefleht. Anna sollte Haus und Herdfeuer sch\u00fctzen, zur in Tirol besonders beliebten Heiligen Notburga von Rattenberg betete man f\u00fcr gute Ernte. Als daf\u00fcr verst\u00e4rkt D\u00fcnger und landwirtschaftliche Maschinen eingesetzt wurden, stieg sie zur Schutzheiligen der Trachtentr\u00e4gerinnen auf. Bergleute vertrauten ihr Schicksal in ihrem gef\u00e4hrlichen Job unter Tage der Heiligen Barbara und dem Heiligen Bernhard an. Die Kapelle bei den Herrenh\u00e4usern im Halltal nahe Innsbruck gibt einen faszinierenden Einblick in die Glaubenswelt zwischen <em>Bettelwurfgeist<\/em> und Anbetung diverser lokaler Schutzpatrone. Die Heilige, die alle anderen in der Verehrung bis heute \u00fcberstrahlt, ist Maria. Von der Kr\u00e4uterweihe zu Maria Himmelfahrt bis zum rechtsdrehenden Wasser in Maria Waldrast am Fu\u00df der Serles und Votivbildern in Kirchen und Kapellen ist sie beliebter Dauergast in der Volksfr\u00f6mmigkeit. Wer aufmerksam durch Innsbruck spaziert, findet ein spezielles Bild immer wieder auf Fassaden von Geb\u00e4uden: Das <em>Gnadenbild Mariahilf<\/em> von Lucas Cranach (ca. 1472 \u2013 1553).<\/p>\n<p>Cranachs Madonna ist eine der popul\u00e4rsten und am h\u00e4ufigsten kopierten Darstellungen Marias im Alpenraum. Das Bild ist eine Neuinterpretation der klassischen ikonographischen Mutter Gottes. \u00c4hnlich wie die <em>Mona Lisa<\/em> da Vincis, die zu einer \u00e4hnlichen Zeit entstand, l\u00e4chelt Maria dem Betrachter verschmitzt zu. Cranach verzichtete auf jede Form der Sakralisierung wie Mondsichel oder Heiligenschein und l\u00e4sst sie in zeitgen\u00f6ssischer Alltagskleidung auftreten. Die rotblonden Haare von Mutter und Kind transferieren sie von Pal\u00e4stina nach Europa. Aus der Heiligen und jungfr\u00e4ulichen Maria wurde eine gew\u00f6hnliche Frau mit Kind aus der gehobenen Mittelschicht des 16. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Entstehung, Reise und Verehrung des Gnadenbildes Mariahilf erz\u00e4hlen im Kleinen die Geschichte von Reformation, Gegenreformation und Volksfr\u00f6mmigkeit in den Deutschen L\u00e4ndern. Die Odyssee des lediglich 78 x 47 cm gro\u00dfen Bildes begann im heutigen Th\u00fcringen am landesf\u00fcrstlichen Hof, einem der kulturellen Zentren Europas der damaligen Zeit. Kurf\u00fcrst Friedrich III. von Sachsen (1463 \u2013 1525) war ein frommer Mensch. In seinem Besitz befand sich eine der umfangreichsten Reliquiensammlungen der Zeit hatte. Trotz seiner tiefen Verwurzelung im popul\u00e4ren Glauben an Reliquien und seinen ausgepr\u00e4gten Hang zur Marienverehrung unterst\u00fctze er 1518 nicht nur aus religi\u00f6sen, sondern auch aus machtpolitischen Gr\u00fcnden Martin Luther. Freies Geleit des m\u00e4chtigen Landesf\u00fcrsten und die Unterbringung auf der Wartburg erm\u00f6glichten Luther die Arbeit an der deutschen \u00dcbersetzung der Heiligen Schrift und seiner Vorstellung einer neuen, reformierten Kirche.<\/p>\n<p>Wie zu dieser Zeit \u00fcblich, hatte Friedrich auch einen <em>Art Director<\/em> in seinem Gefolge. Lucas Cranach war seit 1515 als Hofmaler in Wittenberg. Cranach war wie andere Maler seiner Zeit nicht nur \u00e4u\u00dferst produktiv, sondern auch \u00e4u\u00dferst gesch\u00e4ftst\u00fcchtig. Neben seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit f\u00fchrte er in Wittenberg eine Apotheke und eine Weinschenke. Dank seines finanziellen Wohlstandes und Ansehens stand er der Gemeinde ab 1528 als B\u00fcrgermeister vor. Cranach galt als schneller Maler mit gro\u00dfem Output. Er erkannte Kunst als Medium, um Zeit und Zeitgeist festzuhalten und zu verbreiten. \u00c4hnlich wie Albrecht D\u00fcrer schuf er popul\u00e4re Werke mit gro\u00dfer Reichweite. Seine Portr\u00e4ts der damaligen High Society pr\u00e4gen bis heute unser Bild damaliger Promis wie die seines Arbeitgebers Friedrich, Maximilian I., Martin Luther oder seinem Standeskollegen D\u00fcrer.<\/p>\n<p>Auf Schloss Wittenberg lernten sich Cranach und die Kirchenkritiker Philipp Melanchthon und Martin Luther kennen. Sp\u00e4testens durch diese Bekanntschaft wurde der K\u00fcnstler zum Anh\u00e4nger des neuen, reformierten Christentums, das noch keine offizielle Erscheinungsform hatte. Die Unsch\u00e4rfen in den religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen und Praktiken dieser Zeit vor der offiziellen Kirchenspaltung spiegeln sich in Cranachs Werken wider. Trotz der Ablehnung Luthers und Melanchthons von Heiligenverehrung, Marienkult und ikonographischer Darstellungen in Kirchen malte Cranach weiterhin f\u00fcr seine Auftraggeber nach deren Geschmack.<\/p>\n<p>Ebenso unscharf wie der \u00dcbergang von einer Konfession zur anderen im 16. Jahrhundert ist das Entstehungsdatum des <em>Gnadenbildes Mariahilf<\/em>. Cranach fertigte es irgendwann zwischen 1510 und 1537 entweder f\u00fcr den Hausalter von Friedrichs Schw\u00e4gerin, Herzogin Barbara von Sachsen oder f\u00fcr die Heiligkreuzkirche in Dresden an. Kunstexperten sind sich bis heute uneins. Die Freundschaft zwischen Cranach und Martin Luther legt nahe, Cranach h\u00e4tte es nach seiner Hinwendung zum Luthertum gemalt und diese verweltlichte Darstellung einer Mutter mit Kind sei ein Ausdruck eines neuen religi\u00f6sen Weltbildes. Es ist aber durchaus m\u00f6glich, dass der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige K\u00fcnstler das Bild nach der Vorstellung des Auftraggebers komplett ohne ideologischen Hintergrund, sondern als Ausdruck der Mode der Zeit bereits vor der Ankunft Luthers in Wittenberg malte.<\/p>\n<p>Nach dem Tod Friedrichs trat Cranach in den Dienst seines Nachfolgers Johann Friedrichs I. von Sachsen. Als sein Arbeitgeber 1547 nach der Schlacht von M\u00fchlberg in Gefangenschaft des Kaisers geriet, folgte ihm Hofmaler Cranach trotz seines hohen Alters bis nach Augsburg und Innsbruck. Nach f\u00fcnf Jahren im Schlepptau der wohl luxuri\u00f6s untergebrachten Geisel kehrte Cranach zur\u00fcck nach Wittenberg, wo er seinem f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse biblischen Alter erlag.<\/p>\n<p>Das <em>Gnadenbild Mariahilf<\/em> wurde, wahrscheinlich um es vor eifernden Bilderst\u00fcrmen vor der Zerst\u00f6rung zu retten, w\u00e4hrend der turbulenten Jahre der Konfessionskriege in die Kunstkammer des s\u00e4chsischen Landesf\u00fcrsten \u00fcberf\u00fchrt. Knapp 65 Jahre sp\u00e4ter sollte es wie zuvor sein Erschaffer auf verschlungenen Pfaden seinen Weg nach Innsbruck finden. Als der kunstsinnige Passauer Bischof aus dem Hause Habsburg 1611 zu Gast am Hof in Dresden war, erw\u00e4hlte er das Gnadenbild Cranachs als Gastgeschenk und nahm es mit in seine f\u00fcrstbisch\u00f6fliche Residenz an der Donau. Dort sah es sein Domdekan und war so angetan, dass er eine Kopie f\u00fcr seinen Hausaltar anfertigen lie\u00df. Rasch entstand rund um das Bild ein Wallfahrtskult.<\/p>\n<p>Als aus dem Passauer Bischof sieben Jahre sp\u00e4ter Erzherzog Leopold V. von \u00d6sterreich und Landesf\u00fcrst Tirols wurde, \u00fcbersiedelte das popul\u00e4re Gem\u00e4lde mit seinem Besitzer an den Hof in Innsbruck. Seine toskanische Gattin Claudia de Medici hielt den Marienkult in italienischer Tradition auch nach seinem Ableben eifrig am K\u00f6cheln. Sowohl die Servitenkirche als auch das Kapuzinerstift erhielten Altare und Bilder der Heiligen Muttergottes. Nichts war allerdings beliebter als Cranachs Gnadenbild. Um die Stadt w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges zu besch\u00fctzen, wurde das Bild h\u00e4ufig aus der Hofkapelle geholt und f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verehrung ausgestellt. Die verzweifelte Innsbrucker Bev\u00f6lkerung schrie dem kleinen Gem\u00e4lde bei diesen Massengebeten ein lautstarkes \u201eMaria Hilf\u201c entgegen, eine Praxis, die dank der Jesuiten im Volksglauben Einzug gehalten hatte. 1647, im Moment h\u00f6chster Not schworen die Tiroler Landst\u00e4nde, rund um das Bild eine Kirche zu bauen, sollte der Schutz Marias das Land vor der Verw\u00fcstung durch bayerische und schwedische Truppen bewahren. Dass die reformierte Darstellung der Heiligen Maria, gemalt von einem Freund Martin Luthers, zum Schutz der Stadt vor protestantischen Truppen angefleht wurde, entbehrt wohl nicht einer gewissen Ironie.<\/p>\n<p>Die Kirche Mariahilf wurde zwar gebaut, das Bild aber wurde 1650 in der Pfarrkirche St. Jakob innerhalb der sicheren Stadtmauern ausgestellt. Das neu erbaute Gotteshaus erhielt eine von Michael Waldmann angefertigte Kopie. Es sollte nicht die letzte ihrer Art werden. Das Motiv und die Darstellung Cranachs der Mutter Gottes erfreute sich allerh\u00f6chster Beliebtheit und findet sich bis heute nicht nur in Kirchen, sondern auf unz\u00e4hligen Privath\u00e4usern wieder. Kunst wurde durch diese Kopien zum Massenph\u00e4nomen. Vom Privatbesitz des s\u00e4chsischen Landesf\u00fcrsten war das Marienbild in den \u00f6ffentlichen Raum gewandert. Jahrhunderte vor Andy Warhol und Roy Lichtenstein waren Cranach und D\u00fcrer zu viel kopierten K\u00fcnstlern geworden und ihre Bilder zu einem Teil des \u00f6ffentlichen Raumes und Alltags. Das Original des <em>Gnadenbildes Mariahilf<\/em> mag im Dom St. Jakob h\u00e4ngen, die Kopie und die drumherum entstandene Pfarre aber gaben einem ganzen Stadtteil seinen Namen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Leopold V. &#038; Claudia de Medici: Glanz und Gloria in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53486&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das f\u00fcr das barocke Gesicht Innsbrucks bedeutendste F\u00fcrstenpaar regierte Tirol w\u00e4hrend der Zeit, in der der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg Europa verheerte. Der Habsburger Leopold (1586 \u2013 1632) um die landesf\u00fcrstlichen Regierungsgesch\u00e4fte im ober\u00f6sterreichischen Regiment in Tirol und den Vorlanden zu f\u00fchren. Er hatte die klassische Erziehung unter den Fittichen der Jesuiten genossen. In Graz und Judenburg studierte er Philosophie und Theologie, um sich f\u00fcr den machtpolitischen Bereich des Klerus vorzubereiten, eine \u00fcbliche Karriere nachgeborener S\u00f6hne, die kaum Chancen auf weltliche Throne hatten. Leopolds fr\u00fche Karriere im Machtapparat der Kirche steht f\u00fcr all das, was Protestanten und Kirchenreformer an der katholischen Kirche ablehnten. Mit 12 Jahren wurde er zum Bischof von Passau gew\u00e4hlt, mit dreizehn wurde er zum Koadjutor des Bistums Stra\u00dfburg in Lothringen ernannt. Kirchliche Weihen hingegen erhielt er nie. F\u00fcr die geistlichen Pflichten war sein F\u00fcrstbischof zust\u00e4ndig. Er war leidenschaftlicher Politiker, reiste viel zwischen seinen Bist\u00fcmern und beteiligte sich auf kaiserlicher Seite am Konflikt zwischen Rudolf II. und Matthias, der Vorlage f\u00fcr Franz Grillparzers \u201e<em>Bruderzwist im Hause Habsburg<\/em>\u201c. Diese Agenden, die einem Kirchenmann nicht unbedingt zur Ehre gereichten, sollten Leopolds Chance auf weltliche F\u00fcrstenw\u00fcrden am Leben halten.<\/p>\n<p>Diese Chance kam, als der unverheiratete Maximilian III. 1618 kinderlos verstarb. Leopold fungierte auf Gehei\u00df seines Bruders als habsburgischer <em>Gubernator und Regierer dieser Ober- und Vorder\u00f6sterreichischen, auch Mitincorpierter Leuth und Lannde<\/em>. In seinen ersten Jahren als Regent musste er weiterhin zwischen seinen von den Wirren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges bedrohten Bist\u00fcmern in S\u00fcd- und Westdeutschland pendeln. Der ambitionierte Machtpolitiker war zwar wohl mit dem aufregenden Leben inmitten der hohen Politik zufrieden, nicht aber mit seinem Status als Gubernator. Er wollte den Titel des Landesf\u00fcrsten samt Huldigung und dynastischem Erbrecht. F\u00fcr den F\u00fcrstentitel und um einen Hofstaat einzurichten, fehlten eine passende Braut, Zeit und Geld. Die kostspieligen Auseinandersetzungen, an denen er beteiligt war, hatten Leopolds S\u00e4ckel geleert.<\/p>\n<p>Das Geld kam mit der Braut und mit ihr auch die Zeit. Claudia de Medici (1604 \u2013 1648) aus dem reichen toskanischen Kaufmanns- und F\u00fcrstengeschlecht wurde dazu auserkoren, den mittlerweile schon auf die 40 zugehenden Landesf\u00fcrsten in Spe mit dynastischen Freuden zu begl\u00fccken. Claudia war bereits im Kindesalter dem Herzog von Urbino versprochen worden, den sie mit 17 Jahren trotz eines Antrags Kaiser Ferdinands II. heiratete. Nach zwei Jahren Ehe verstarb ihr Gatte. Die Bande mit den Habsburgern waren noch vorhanden. Sp\u00e4testens seit der Hochzeit Francesco de Medici mit Johanna von Habsburg, einer Tochter Ferdinands I. waren die beiden Dynastien gut verzahnt. Auch Leopold und Claudia waren ein <em>Perfect Match<\/em> aus Titel, Macht, barocker Fr\u00f6mmigkeit und Geld. Leopolds Schwester Maria Magdalena war als angeheiratete Gro\u00dfherzogin der Toskana in Florenz gelandet und schickte ihrem Bruder ein gemaltes Portrait der jungen Witwe Claudia mit den Begleitworten, dass sie \u201e<em>von gesicht, leib und tugendt sch\u00f6n<\/em>\u201c sei. Nach einem Tanz im Huhn-Ei-Prinzip \u2013 die Familie der Braut wollte eine Versicherung um die Titel des Schwiegersohnes w\u00e4hrend dessen Bruder der Kaiser f\u00fcr die Vergabe der Herzogsw\u00fcrde den Beweis einer Braut forderte \u2013 war es so weit. 1625 verzichtete der mittlerweile zum Herzog erhobene, wohlgen\u00e4hrte und vierzig Jahre alte Leopold auf seine kirchlichen Besitzt\u00fcmer und W\u00fcrden, um heiraten und mit seiner fast 20 Jahre j\u00fcngeren Braut eine neue Tiroler Linie des Hauses Habsburg gr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verbindung des Landesf\u00fcrsten mit der Italienerin sollten Innsbruck pr\u00e4gen. Die Medici hatten mit Baumwoll- und Textilhandel, vor allem aber mit Finanzgesch\u00e4ften ein Verm\u00f6gen verdient und waren zu politischer Macht gekommen. Unter den Medici war Florenz das kulturelle und finanzwirtschaftliche Zentrum Europas geworden, vergleichbar mit dem New York des 20 oder den Arabischen Emiraten des 21. Jahrhunderts. Der Florentiner Dom, der im Auftrag der m\u00e4chtigen Wollh\u00e4ndlergilde errichtet wurde, war in Ausstattung und Gr\u00f6\u00dfe das spektakul\u00e4rste Geb\u00e4ude weltweit. Galileo Galilei war Erster Mathematiker Herzog Cosimos II. 1570 wurde Cosimo de Medici vom Papst zum ersten Gro\u00dfherzog der Toskana ernannt. Aus dem toskanischen Geldadel wurde dank gro\u00dfz\u00fcgiger Kredite und Spenden europ\u00e4ischer Hochadel. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt am Arno zwar an politischem Gewicht eingeb\u00fc\u00dft, in kultureller Hinsicht war Florenz aber noch immer die Benchmark. Leopold setzte alles daran, um seine Residenzstadt in diese Liga zu katapultieren.<\/p>\n<p>Im Februar 1622 hatten die Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Kaiser Ferdinand II. und Eleonore von Mantua in Innsbruck stattgefunden. F\u00fcr den norditalienischen Brautanhang war Innsbruck leichter zu erreichen als Wien. Tirol war auch konfessionell geeint und war von den ersten Jahren des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verschont geblieben. W\u00e4hrend die kaiserliche Hochzeit in f\u00fcnf Tagen erledigt war, zog sich die Party von Leopold und Claudia \u00fcber 2 Wochen. Die offizielle Hochzeit hatte ohne Beisein des Br\u00e4utigams im Florentiner Dom stattgefunden. Das anschlie\u00dfende Fest zu Ehren der Verbindung von Habsburg und Medici ging als eines der pr\u00e4chtigsten in Geschichte Innsbrucks ein und hielt die Stadt zwei Wochen lang in Atem. Nach einem frostigen Einzug vom verschneiten Brenner herunter empfing Innsbruck seine neue F\u00fcrstin und ihre Familie. Ehemann und Untertanen hatten zur inneren Reinigung im Vorfeld gebetet, um g\u00f6ttlichen Segen zu erbitten. Das Brautpaar zog wie zuvor der Kaiser in einem langen Zug durch zwei eigens errichtete Pforten in der Stadt ein. 1500 Sch\u00fctzen feuerten Salven aus allen Rohren ab. Trommler, Pfeifer und die Glocken der Hofkirche untermalten den Zug, der aus 750 Personen am staunenden Volk vorbeizog. Ein breites Unterhaltungsprogramm mit Jagden, Theater, T\u00e4nzen, Musik sowie allerlei exotischem wie \u201e<em>B\u00e4ren, T\u00fcrggen und Mohren<\/em>\u201c versetzten G\u00e4ste und Stadtb\u00fcrger in Verz\u00fcckung und Erstaunen. Aus heutiger Sicht wenig glanzvolles Highlights war das <em>Katzenrennen<\/em>, bei dem mehrere Reiter danach trachteten, einer an den Beinen aufgeh\u00e4ngten Katze im Vorbeireiten den Kopf abzuhacken.<\/p>\n<p>Weniger glorreich waren Leopolds fr\u00fche Regierungsjahre f\u00fcr seine Untertanen. Seine Politik wurde von vielen Auseinandersetzungen mit den Landst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Er war als Hardliner der Gegenreformation ein Unterst\u00fctzer der kaiserlichen Truppen. Das Unterengadin, \u00fcber das Leopold die Gerichtsgewalt hatte, war ein steter Unruheherd. Unter dem Vorwand, die dort ans\u00e4ssigen katholischen Untertanen vor protestantischen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, lie\u00df Leopold das Gebiet besetzen. Er konnte Aufst\u00e4nde zwar immer wieder erfolgreich unterdr\u00fccken, die Ressourcen, die daf\u00fcr n\u00f6tig waren, brachten Bev\u00f6lkerung und Landst\u00e4nde aber in Rage. Auch an der Nordgrenze zu Bayern war die Lage unruhig und erforderte Leopold als Kriegsherrn. Herzog Bernhard von Weimar hatte F\u00fcssen eingenommen und stand bei der Ehrenberger Klause vor den Landesgrenzen. Innsbruck blieb zwar von direkten Kriegshandlungen verschont, war aber dank den nahen Fronten trotzdem Teil des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges.<\/p>\n<p>Die finanziellen Mittel daf\u00fcr stellte er \u00fcber eine umfassende Steuerreform zu Ungunsten der Mittelschicht zur Verf\u00fcgung. Die in Kriegen \u00fcbliche Inflation durch das Stocken des f\u00fcr Innsbruck wichtigen Handels verschlechterte das Leben der Untertanen. 1622 versch\u00e4rfte eine wetterbedingte Missernte die Lage, die durch die Zinsbelastung des Staatshaushaltes durch Altlasten ohnehin stets angespannt war. Auch sein Beharren auf fl\u00e4chendeckende Durchsetzung des modernen R\u00f6mischen Rechtes gegen\u00fcber dem traditionellen Gewohnheitsrecht brachte ihm bei vielen Untertanen keine Sympathiepunkte ein.<\/p>\n<p>Das alles hielt Leopold und Claudia nicht davon ab, in absolutistischer Manier pr\u00e4chtig Hof zu halten. Innsbruck wurde unter Leopolds Regentschaft gro\u00dffl\u00e4chig barock umgestaltet. Am Hof fanden Feste im Beisein des europ\u00e4ischen Hochadels statt. Showeinlagen wie L\u00f6wenk\u00e4mpfe mit den exotischen Tieren aus dem landesf\u00fcrstlichen Bestand, den Ferdinand II. am Hofgarten gr\u00fcnden lie\u00df, Theater und Konzerte dienten der Zerstreuung der h\u00f6fischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Moral und Sitten der rauen \u00c4lpler sollten sich bessern. Es war ein Balanceakt zwischen Festen bei Hof und Verbot von Karnevalsfeiern f\u00fcr normale B\u00fcrger. Der Zorn Gottes, der immerhin Pest und Krieg nach sich gezogen hatte, sollte so gut als m\u00f6glich durch tugendhaftes Verhalten ferngehalten werden. Fluchen, Herumschreien und der Gebrauch von Schusswaffen auf offener Stra\u00dfe wurden verboten. Gegen Zuh\u00e4lterei, Prostitution, Ehebruch und moralischen Verfall ging man am frommen Hof streng vor. Juden hatten unter Leopold und Claudia ebenfalls schwere Zeiten. Der Hass auf die immer schon ungeliebten <em>Hebreer<\/em> brachte eine der unappetitlichsten Traditionen Tiroler Fr\u00f6mmigkeit hervor. 1642 verfasste der italienischst\u00e4mmige Stiftsarzt zu Hall und Gr\u00fcnder der Karlskirche in Volders Dr. Hippolyt Guarinoni die Legende des <em>M\u00e4rtyrerkinds Anderle von Rinn<\/em>. Angeregt vom angeblich durch Juden 1475 in seiner Heimatstadt ermordeten Simon von Trient verfasste Guarinoni 1642 das <em>Anderl-Lied<\/em> in Versform. In Rinn bei Innsbruck entwickelte sich rund um die Gebeine des angeblich 1462 von Juden ermordeten Andreas Oxner, die Jahreszahl war dem Doktor im Traum erschienen, ein antisemitischer Anderl-Kult, der erst 1989 vom Innsbrucker Bischof verboten wurde.<\/p>\n<p>Innsbruck wurde nicht nur moralisch, sondern auch tats\u00e4chlich ges\u00e4ubert. Abf\u00e4lle, die besonders bei ausbleibendem Regen, wenn kein Wasser durch das Kanalsystem floss, ein Problem waren, wurden per f\u00fcrstlicher Verordnung regelm\u00e4\u00dfig gereinigt. Nutztiere durften nicht mehr frei innerhalb der Stadtmauern herumlaufen. Die Pestwelle wenige Jahre vorher war noch frisch im Ged\u00e4chtnis. Schlechte Ger\u00fcche und Miasmen sollten um jeden Preis ferngehalten werden.<\/p>\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod Leopolds regierte Claudia an Stelle ihres minderj\u00e4hrigen Sohnes das Land mit Hilfe ihres Hofkanzlers Wilhelm Biener (1590 \u2013 1651) mit moderner, konfessionell motivierter, fr\u00fchabsolutistischer Politik und strenger Hand. Sie konnte sich dabei auf eine gut funktionierende Verwaltung st\u00fctzen. Die junge Witwe umgab sich mit Italienern und italienischsprachigen Tirolern, die frische Ideen ins Land brachten, gleichzeitig aber auch H\u00e4rte im Kampf gegen den <em>Lutheranismo<\/em> zeigten. Um Feuer zu vermeiden, 1636 waren direkt vor der Hofburg das <em>L\u00f6wenhaus<\/em> und der <em>Ansitz Ruhelust<\/em> Ferdinands II. abgebrannt, mussten St\u00e4lle und andere Geb\u00e4ude aus Holz innerhalb der Stadtmauern abgerissen werden. Die Seidenraupenzucht im Trentino und erste, zarte \u00dcberlegungen rund um eine Tiroler Universit\u00e4t gediehen unter Claudias Regentschaft. Kanzler Biener zentralisierte Teile der Verwaltung. Vor allem das fragmentierte Rechtsystem innerhalb der Tiroler Territorien sollte durch einen allgemeing\u00fcltigen Kodex ersetzt werden. Daf\u00fcr musste der oft willk\u00fcrlich agierende lokale Kleinadel zu Gunsten des Landesf\u00fcrsten weiter entmachtet werden.<\/p>\n<p>Dieses System sollte nicht nur den teuren Hofstaat, sondern auch die Landesverteidigung finanzieren. Nicht nur protestantische Truppen aus S\u00fcddeutschland bedrohten den habsburgischen Besitz. Auch Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, wollte sich an den L\u00e4ndern der Casa de Austria in Spanien, Italien und den Vorlanden, den heutigen Benelux-Staaten, schadlos halten. Innsbruck wurde zu einem der Zentren des habsburgischen Kriegsrates. Am Rande der Front in den deutschen L\u00e4ndern und mittig zwischen Wien und der Toskana war die Stadt perfekt f\u00fcr \u00d6sterreicher, Spanier und Italiener, um sich zu treffen. Die f\u00fcr ihre Brutalit\u00e4t ber\u00fcchtigten Schweden bedrohten Tirol direkt, konnten aber vom Einmarsch abgehalten werden. Die Burg- und Wallanlagen, die Tirol sch\u00fctzten, wurden von unerw\u00fcnschten Bewohnern des Landes, Bettlern, Zigeunern und desertierten Soldaten in Zwangsarbeit errichtet. Bei Scharnitz an der heutigen deutschen Grenze wurden Verteidigungsanlagen errichtet und nach der Landesf\u00fcrstin <em>Porta Claudia<\/em> genannt.<\/p>\n<p>Als Claudia de Medici 1648 starb, kam es wie fast zur gleichen Zeit in England unter Cromwell zu einem Aufstand der St\u00e4nde gegen die Zentralregierung. Claudia, die nie die deutsche Landessprache gelernt hatte und auch sonst auch nach \u00fcber 20 Jahren noch mit lokalen Br\u00e4uchen fremdelte, war nie besonders beliebt in der Bev\u00f6lkerung gewesen. An eine Absetzung war aber nicht zu denken. Der Schierlingsbecher wurde an ihren Kanzler weitergereicht. Der unbequeme Biener wurde vom Nachfolger Claudias, Erzherzog Ferdinand Karl, und den Landst\u00e4nden als <em>Persona non grata<\/em> inhaftiert und 1651 wie Charles I. zwei Jahre nach einem Schauprozess gek\u00f6pft.<\/p>\n<p>Ein Hauch Florenz und Medici pr\u00e4gt Innsbruck bis heute: Sowohl in der Jesuitenkirche, wo Claudia und Leopold ihre letzte Ruhest\u00e4tte fanden, als auch in der Pfarrkirche Mariahilf prangt bis heute das Wappen ihrer Familie mit den roten Kugeln und den Lilien. Das Alte Rathaus in der Altstadt ist auch als <em>Claudiana<\/em> bekannt. \u00dcberreste der Porta Claudia bei Scharnitz stehen ebenfalls bis heute. Mit Leopolds Namen verbunden ist in Innsbruck besonders das Theater. Der Leopoldsbrunnen vor dem Haus der Musik erinnert an ihn. Wer sich an die Besteigung des markanten Berges Serles wagt, startet die Wanderung beim Kloster Maria Waldrast, das Leopold 1621 hingebungsvoll zum <em>wunderbarlichen Unser lieben Frawen bildnus auf der Waldrast<\/em> dem Servitenorden stiftete und Claudia ausbauen lie\u00df. Kanzler Wilhelm Biener wurde ein Stra\u00dfenname im Saggen gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Baumeister Gumpp und die Barockisierung Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53389&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Werke der Familie Gumpp bestimmen bis heute sehr stark das Aussehen Innsbrucks. Vor allem die barocken Teile der Stadt sind auf sie zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Begr\u00fcnder der Dynastie in Tirol, Christoph Gumpp (1600-1672) war eigentlich Tischler. Sein Talent allerdings hatte ihn f\u00fcr h\u00f6here Weihen auserkoren. Den Beruf des Architekten oder K\u00fcnstler gab es zu dieser Zeit noch nicht, selbst Michelangelo und Leonardo da Vinci galten als Handwerker. Der geb\u00fcrtige Schwabe Gumpp trat nach seiner Mitarbeit an der Dreifaltigkeitskirche in die Fu\u00dfstapfen der italienischen Baumeister, die unter Ferdinand II den Ton angegeben hatten. Auf Gehei\u00df Leopolds V. reiste Gumpp nach Italien, um dort Theaterbauten zu studieren und bei den zeitgen\u00f6ssisch stilbildenden Kollegen sein Know-How f\u00fcr das geplante landesf\u00fcrstliche <em>Comedihaus<\/em> aufzupolieren.<\/p>\n<p>Seine offizielle T\u00e4tigkeit als Hofbaumeister begann 1633.\u00a0Neue Zeiten bedurften eines neuen Designs, abseits des architektonisch von der Gotik gepr\u00e4gten Mittelalters und den Schrecken des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. \u00dcber die folgenden Jahrzehnte wurde Innsbruck unter der Regentschaft Claudia de Medicis einer kompletten Renovierung unterzogen. Gumpp vererbte seinen Titel an die n\u00e4chsten beiden Generationen innerhalb der Familie weiter. Die Gumpps traten nicht nur als Baumeister in Erscheinung. Sie waren Tischler, Maler, Kupferstecher und Architekten, was ihnen erlaubte, \u00e4hnlich der Bewegung der <em>Tiroler Moderne<\/em> rund um Franz Baumann und Clemens Holzmeister Anfang des 20. Jahrhunderts, Projekte ganzheitlich umzusetzen. Auch bei der Errichtung der Schanzwerke zur Landesverteidigung w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges waren sie als Planer beteiligt.<\/p>\n<p>Christoph Gumpps Meisterst\u00fcck aber war die Errichtung des <em>Comedihaus<\/em> im ehemaligen Ballhaus. Die \u00fcberdimensionierten Ma\u00dfe des damals richtungsweisenden Theaters, das in Europa zu den ersten seiner Art \u00fcberhaupt geh\u00f6rte, erlaubte nicht nur die Auff\u00fchrung von Theaterst\u00fccken, sondern auch Wasserspiele mit echten Schiffen und aufw\u00e4ndige Pferdeballettauff\u00fchrungen. Das Comedihaus war ein Gesamtkunstwerk an und f\u00fcr sich, das in seiner damaligen Bedeutung wohl mit dem Festspielhaus in Bayreuth des 19. Jahrhunderts oder der Elbphilharmonie heute verglichen werden muss.<\/p>\n<p>Seine Nachfahren Johann Martin Gumpp der \u00c4ltere, Georg Anton Gumpp und Johann Martin Gumpp der J\u00fcngere waren f\u00fcr viele der bis heute pr\u00e4gendsten Geb\u00e4ude im Stadtbild zust\u00e4ndig. So stammen die Wiltener Stiftskirche, die Mariahilfkirche, die Johanneskirche und die Spitalskirche von den Gumpps. Neben dem Entwurf von Kirchen und ihrer Arbeit als Hofbaumeister machten sie sich auch als Planer von Profanbauten einen Namen. Viele der B\u00fcrgerh\u00e4user und Stadtpal\u00e4ste Innsbrucks wie das Taxispalais oder das Alte Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden von Ihnen entworfen. Mit dem Verlust des Status als Residenzstadt gingen die prunkvollen Gro\u00dfauftr\u00e4ge zur\u00fcck und damit auch der Ruhm der Familie Gumpp. Ihr ehemaliges Wohnhaus beherbergt heute die Konditorei Munding in der Altstadt. Im Stadtteil Pradl erinnert die Gumppstra\u00dfe an die Innsbrucker Baumeisterdynastie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67576&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">1669 gilt als das offizielle Gr\u00fcndungsjahr einer der wichtigsten Institutionen der Innsbrucker Stadtgeschichte. Am 15. Oktober gab Kaiser Leopold I. den Tirolern das\u00a0Privileg des \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Haller Salzaufschlags<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c, der es erm\u00f6glichte die begehrte Handelsware st\u00e4rker zu besteuern und damit den Universit\u00e4tsbetrieb zu finanzieren. Die Universit\u00e4t ging aus der Lateinschule hervor, die von den Jesuiten etwas mehr als hundert Jahre zuvor unter Ferdinand I. gegr\u00fcndet worden war. Der Schwerpunkt am Gymnasium lag auf der humanistischen Bildung. Latein und Griechisch waren Schwerpunkte im Unterricht. Wissenschaftliche B\u00fccher wurden in der Fr\u00fchen Neuzeit noch immer auf Latein verfasst. Auch f\u00fcr h\u00f6here Posten im \u00f6ffentlichen Dienst war Latein Voraussetzung. Die Universit\u00e4t brachte neue Ausbildungsm\u00f6glichkeiten nach Innsbruck. Die erste Fakult\u00e4t, die den Lehrbetrieb aufnahm, war die Philosophie. Theologie, Recht und Medizin folgten kurz darauf. Als Papst Innozenz XI. der Universit\u00e4t 1677 seinen Segen gab, war der Betrieb schon voll angelaufen und Studenten aus Tirol und anderen L\u00e4ndern tummelten sich in Innsbruck. Ein Studium dauerte f\u00fcr gew\u00f6hnlich sieben Jahre, bevor sich der Absolvent als Zeichen seines Status als Doktor einen Ring \u00fcber den Finger streifen durfte. In den ersten beiden Jahren musste jeder Student der Philosophie widmen, bevor er sich f\u00fcr ein Gebiet entschied. Zum geisteswissenschaftlichen Unterricht kamen Kirchendienste, Theaterauff\u00fchrungen, Musizieren und praktische Dinge wie Fechten und Reiten, die im Leben eines gebildeten jungen Mannes nicht fehlen durften.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war aber mehr als ein Bildungsinstitut. Studenten und Professoren ver\u00e4nderten das soziale Gef\u00fcge der Stadt. Im ersten Jahrzehnt nach der Gr\u00fcndung lehrten knapp 50 unterschiedliche Intellektuelle aus aller HErren L\u00e4nder Philosophie in Innsbruck vor \u00fcber 300 Studenten. Bei gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen wie Prozessionen stachen Abordnungen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Congregation der heiligen Jungfrau<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sich aus Mitgliedern der jesuitisch gepr\u00e4gten Universit\u00e4t speiste, hervor. Die Professoren pflegten in ihren je nach Fachgebiet verschiedenartigen Samtm\u00e4nteln aufzutreten, die Studenten mit den Schwertern, die sie tragen durften. Die Akademiker sprachen auch auf Deutsch anders als die einheimische Bev\u00f6lkerung, offizielles wurde ohnehin meist auf Latein erledigt. 1665 hatte Innsbruck den Rang einer Residenzstadt verloren und damit an Prestige und Glanz verloren. Der Universit\u00e4tsbetrieb machte diese Degradierung etwas wett, blieb die Aristokratie so zumindest in Form von Studenten erhalten. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Work hard, play hard<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> galt auch damals als Motto. Der von den Professoren streng \u00fcberwachte studentische Alltag in Aula und den H\u00f6rs\u00e4len wurde von einem bunten Mix aus feuchtfr\u00f6hlicher Abendunterhaltung, Ausfl\u00fcgen in die Umgebung Innsbrucks, Musizieren, kirchlichen Prozessionen und Theaterauff\u00fchrungen aufgelockert. Das Zusammentreffen privilegierter Jugendlicher mit B\u00fcrgern, Dienstboten und Handwerkern lief nicht immer reibungsfrei ab. Unter den anfangs knapp 300 Studenten fanden sich viele S\u00f6hne aus Adelsh\u00e4usern wieder.\u00a0Die jungen M\u00e4nner traten, anders als die streng und sittlich gekleideten Einwohner Innsbrucks, bunt und keck nach der Art mittelalterlicher Gecken in Erscheinung. Sie sprachen in einer Art und Weise miteinander, die Uneingeweihten als vollkommen l\u00e4cherlich erscheinen musste. Bei den Studenten handelte es sich trotz ihres gesellschaftlichen Ranges h\u00e4ufig genug auch nicht um strebsame Mustersch\u00fcler, sondern um junge Burschen, die einen gewissen Lebensstil und Status gewohnt waren. So begaben sich im Januar 1674 \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">nit allein zu n\u00e4chtlicher Zeit Ungelegenheiten, Rumores und ungereimte Handlungen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c und es wurden \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Studenten der Universit\u00e4t angetroffen, die allerlei verbotene Waffen wie Feuerrohr, Pistolen, Terzerol, Stilett, S\u00e4bel, Messer\u2026<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c bei sich hatten. Die der Oberschicht entstammenden Teenager waren es gewohnt, Waffen zu tragen und auch zu benutzen. Ehrverletzungen konnten, \u00e4hnlich wie beim Milit\u00e4r, auch in studentischen Kreisen zu Duellen f\u00fchren. Besonders in Paarung mit Alkohol waren Ausschreitungen nicht ungew\u00f6hnlich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das exzentrische Verhalten der jungen M\u00e4nner f\u00fchrte immer wieder zu skurrilen Problemen untereinander und mit den nicht-akademischen Innsbruckern. Studenten war es zum Beispiel verboten, \u00fcber den Durst zu trinken. Geschah dies doch in einer der Wirtschaften Innsbrucks, so wurde der junge Delinquent ermahnt. Konnte oder wollte er die Rechnung nicht begleichen, konnte der gesch\u00e4digte Wirt bei Gericht keine Anzeige einbringen, da der Ausschank alkoholischer Getr\u00e4nke \u00fcber die Ma\u00dfen an die Studentenschaft verboten war. Um den jungen Eliten Herr zu werden, bedurfte es eines eigenen Rechtssystems. Studenten unterlagen bis zu einem gewissen Grad dem Universit\u00e4tsrecht unterlagen, das vom Stadtrecht losgel\u00f6st war. Um das Recht durchzusetzen, stellte das Rektorat eine eigene Truppe aus. Die Scharwache war mit Hellebarden bewaffnet und sollte die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rumores<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> der Studenten so gut als m\u00f6glich verhindern. Sechs Mann hatten Tag und Nacht bewaffneten Dienst, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Kosten daf\u00fcr teilten sich die Stadt Innsbruck und die Universit\u00e4t. Es gab auch einen eigenen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Carcer<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, um \u00dcbelt\u00e4ter bei Wasser und Brot zu verwahren. Freiheitsentzug, Geldbu\u00dfen und sogar Landesverweise konnten von der Universit\u00e4t ausgesprochen werden. Nur f\u00fcr die Blutgerichtsbarkeit musste die Landesregierung angerufen werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war auch sonst durch ihre Geschichte hindurch ein Politikum. Der Name <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> geht auf die beiden Kaiser Leopold und Franz zur\u00fcck, unter denen sie jeweils gegr\u00fcndet wurde. Zweimal wurde die Universit\u00e4t zu einem Lyzeum herabgestuft oder gar ganz abgeschafft. Kaiser Josef II. schloss die Pforten ebenso wie die bayerische Verwaltung w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege. Die jesuitisch gepr\u00e4gten und Studenten und Professoren waren ihnen suspekt und wurden aus dem Bildungssektor verband. Kaiser Franz I., der in der Restauration wieder mehr auf der traditionell katholischen Linie der Habsburger war, nahm 1826 die Neugr\u00fcndung vor. Unter Beobachtung blieb die Universit\u00e4t aber auch im Polizeistaat Metternichs weiterhin. Im Vorm\u00e4rz waren es nationalistisch und liberal gesinnte Kr\u00e4fte, die man f\u00fcrchtete. Die geheime Staatspolizei war nicht nur in den H\u00f6rs\u00e4len, sondern auch sonst in den studentischen Kreisen pr\u00e4sent, um problematisches Gedankengut junger Aufwiegler m\u00f6glichst fr\u00fch im Keim zu ersticken.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Industrialisierung und die damit einhergehenden neuen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Spielregeln ver\u00e4nderten den Universit\u00e4tsbetrieb. Ganz im Geist der Zeit besch\u00e4ftigte sich die Er\u00f6ffnungsrede des Dekans der philosophischen Fakult\u00e4t Prof. Dr. Joachim Suppan (1794 \u2013 1864), mit einem praktischen Problem der Physik, damit \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">eine genauere Kenntnis der so wichtigen und n\u00fctzlichen Erfindung der Dampfmaschine auch f\u00fcr die vaterl\u00e4ndische Industrie, wo dieselbe bisher noch keine Anwendung hat<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c erreicht werde. Dass Supan neben seinen Abschl\u00fcssen in Philosophie und Mathematik auch geweihter Priester war, zeigt den Einfluss, den die Kirche auch im 19. Jahrhundert auf das Bildungswesen hatte. Wie sehr die Universit\u00e4t neben der Kirche der staatlichen Obrigkeit verbunden war, zeigt Supans abschlie\u00dfende Ermahnung in Richtung der Studenten, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201edereinst dem Vaterlande durch Kenntnis und Tugend ersprie\u00dfliche Dienste zu leisten\u201c<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Nationalit\u00e4tenkonflikte der sp\u00e4ten Monarchie spiegelten sich ebenfalls in der Universit\u00e4tsgeschichte wider. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des Vereinswesens, im Fall der Universit\u00e4t der Studentenverbindungen. Im Falle Innsbruck waren es vor allem Probleme zwischen deutschsprachigen und italienischsprachigen Studenten, die immer wieder zu Problemen f\u00fchrten und ihren H\u00f6hepunkt in den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Fatti di Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> fanden. Deutschnational gesinnte Studenten spielten auch in weiterer Folge eine Hauptrolle an der Universit\u00e4t. Viele der jungen M\u00e4nner waren im habsburgischen Gro\u00dfreich aufgewachsen und hatten im Ersten Weltkrieg gedient. Die junge Republik \u00d6sterreich lag unter den jungen Akademikern nicht im Trend. Die Begeisterung flog teils dem als modern und dynamisch wirkenden faschistischen Italien und sp\u00e4ter dem nationalsozialistischen Deutschland zu. Mit dem Anschluss an das Deutsche Reiche 1938 wurde die Universit\u00e4t ein weiteres Mal umbenannt. Nach dem Krieg wurde aus der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Deutschen Alpenuniversit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> wieder die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war wie so vieles dem Standesdenken ihrer jeweiligen Zeit unterworfen. Frauen und S\u00f6hnen von Handwerksfamilien war das Studium an der Universit\u00e4t lange nicht gestattet. Das \u00e4nderte sich erst in der Zeit nach der Monarchie. Den ersten weiblichen Doktor der Juristerei der Universit\u00e4t feierte man gar erst f\u00fcnf Jahre nach der Entstehung der Republik. Die Presse notierte:<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm kommenden Samstag wird an der Innsbrucker Universit\u00e4t Fr\u00e4ulein Mitzi Fischer zum Doktor iuris promoviert. Fr\u00e4ulein Fischer ist eine geb\u00fcrtige Wienerin. In Wien absolvierte sie auch das Gymnasium. Nach der Reifepr\u00fcfung oblag sie dem juristischen Studium der Universit\u00e4t Innsbruck. Die zuk\u00fcnftige Doktorin hat s\u00e4mtliche Pr\u00fcfungen mit Auszeichnungen absolviert, m\u00fc\u00dfte also nach dem fr\u00fcheren Brauche sub auspiciis imperatoris promovieren. Jedenfalls ist Fr\u00e4ulein Fischer die erste Dame, die sich an der Innsbrucker Universit\u00e4t den juristischen Doktortitel erwirbt.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erstaunlich ruhig verhielten sich die Studenten in Innsbruck in den Wendejahren 1848 und 1968 an der Universit\u00e4t. W\u00e4hrend in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten die Studenten Treiber des Wandels waren, blieb man in Innsbruck unaufgeregt. Es gab in den sp\u00e4ten 1960ern und 70ern zwar einzelne Gruppen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Kommunistische Gruppe Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, das <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Komitee f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sozialistische VSSt\u00d6 oder die liberal-katholische <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Aktion<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> innerhalb der \u00d6H, zu einer Massenbewegung kam es nicht. W\u00e4hrend in Paris Pflastersteine flogen, gab man sich in Innsbruck mit Boykotten und Sit-ins zufrieden. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Studenten entstammte der Oberschicht und hatte die Matura in einem katholisch orientierten Gymnasium absolviert. Beethovens Weisheit, dass \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">solange der \u00d6sterreicher noch braun\u00b4s Bier und W\u00fcrstel hat, revoltiert er nicht<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c traf zu. Nur wenige Studenten konnten sich f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam, Mao Zedong und Fidel Castro begeistern. Wer wollte schon die eigene Karriere aufs Spiel setzen, in einem Land, das von der Dreifaltigkeit aus Tiroler Tageszeitung, Bischof Paulus Rusch und dem Landtag mit absoluter Mehrheit der \u00d6VP dominiert wurde? Wer es trotzdem wagte, aufs\u00e4ssige Flugbl\u00e4tter oder linke Literatur zu verbreiten, musste mit medialer Diffamierung, einer R\u00fcge durch das Rektorat oder gar dem Besuch der Staatsgewalt rechnen. Kritisiert wurden nur selten die Professoren, die im 20. Jahrhundert h\u00e4ufig noch Distanziertheit und den unnahbaren Nimbus der Fr\u00fchen Neuzeit verspr\u00fchten oder kaum Hehl aus ihrer politischen Gesinnung machten. Eher war die mangelhafte Ausstattung der bescheidenen Lehrs\u00e4le f\u00fcr die stets zunehmende Anzahl an Studenten. Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in den Universit\u00e4ten wurde in \u00d6sterreich nicht erk\u00e4mpft, sondern gew\u00e4hlt. Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky fielen die die Studiengeb\u00fchren. Bildung wurde f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl junger Menschen leist- und vorstellbar. Die Zahl der Studenten an \u00f6sterreichischen Hochschulen stieg dadurch zwischen 1968 und 1974 von 50.000 auf \u00fcber 73.000 Menschen an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz aller Widrigkeiten und Kuriosit\u00e4ten durch die Jahrhunderte genoss die Universit\u00e4t Innsbruck seit ihren Anfangstagen meist einen sehr guten Ruf. Lehrende und Studierende sorgten im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach f\u00fcr aufsehenerregende Leistungen in der Forschung. Victor Franz Hess wurde f\u00fcr seine Verdienste rund um die Erforschung der kosmischen Strahlung den Nobelpreis f\u00fcr Physik. Auch der Quantenphysiker Anton Zeilinger war an der Universit\u00e4t Innsbruck t\u00e4tig, wenn auch nicht im Jahr 2022 bei seiner Verleihung. Den Nobelpreis f\u00fcr Chemie erhielten auch die Professoren Fritz Pregl, Adolf Windaus und Hans Fischer, wobei auch sie nicht mehr in Innsbruck t\u00e4tig waren. Die Universit\u00e4tsklinik erbrachte sowohl in Forschung und Ausbildung wie auch in der t\u00e4glichen Versorgung der Stadt sehr gute Leistungen und z\u00e4hlt zu den Aush\u00e4ngeschildern Innsbrucks.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nicht nur in intellektueller und wirtschaftlicher Hinsicht ist die Universit\u00e4t wichtig f\u00fcr die Stadt. 30.000 Studierende bev\u00f6lkern und pr\u00e4gen das Leben zwischen Nordkette und Patscherkofel. Die Zeit, in der junge Aristokraten in bunten Klamotten bei Prozessionen ausf\u00e4llig werden, sind vor\u00fcber. Mittlerweile sind sie eher auf den Skipisten und Mountainbike-Trails zu finden. Das gr\u00f6\u00dfte Problem, das die jungen Damen und Herren verursachen, sind auch keine Pogrome gegen\u00fcber nicht-deutschen Bev\u00f6lkerungsgruppen. Ein gro\u00dfer Teil der Studierenden des 21. Jahrhunderts kommt selbst aus dem Ausland und treibt die Preise am Wohnungsmarkt seit den 1970erJahren auf Rekordh\u00f6he. Im Oktober 1972 kam es zur Besetzung des Hexenhauses, einer leerstehenden Immobilie der Universit\u00e4t in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 24, die kurzerhand von einer Handvoll Studenten okkupiert wurde. Innsbruck gilt als die teuerste Landeshauptstadt, was Wohnraum betrifft, der Leerstand von Immobilien ist mehr als 50 Jahre nach der Hausbesetzung noch immer ein dr\u00e4ngendes Problem. Wie sehr die Studierenden Innsbruck beleben, merkt man erst, wenn die Ausw\u00e4rtigen zwischen den einzelnen Semestern in ihre Heimat zur\u00fcckkehren. Zehntausende beleben nicht nur das Nachtleben, sondern verpassen der Kleinstadt auch fast 400 Jahre nach der Gr\u00fcndung internationales Flair und hippe Urbanit\u00e4t.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Maria Theresia, Reformatorin und Landesmutter&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53545&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Maria Theresia z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Figuren der \u00f6sterreichischen Geschichte. Obwohl sie oft als Kaiserin tituliert wird, war sie offiziell &#8222;nur&#8220; unter anderem Erzherzogin von \u00d6sterreich, K\u00f6nigin von Ungarn und K\u00f6nigin von B\u00f6hmen. Bedeutend waren ihre innenpolitischen Reformen. Viele davon betrafen konkret auch den Alltag der Innsbrucker in merklichem Ausma\u00df. Gemeinsam mit ihren Beratern Friedrich Wilhelm von Haugwitz, Joseph von Sonnenfels und Wenzel Anton Kaunitz schaffte sie es aus den sogenannten <em>\u00d6sterreichischen Erblanden<\/em> einen modernen Staat zu basteln. Anstatt der Verwaltung ihrer Territorien durch den ans\u00e4ssigen Adel setzte sie auf eine moderne Verwaltung. Ihre Berater hatten ganz im Stil der Aufkl\u00e4rung erkannt, dass sich das Staatswohl aus der Gesundheit und Bildungsgrad seiner Einzelteile ergab. Eine fr\u00fche Krankenreform Maria Theresias aus dem Jahr 1742 verpflichtete die Professoren des Fachbereichs Medizin an der Universit\u00e4t Innsbruck auch den Betrieb des Stadtspitals in der Neustadt sicherzustellen. Eine Schulreform ver\u00e4nderte die Bildungslandschaft innerhalb der Stadtmauern nicht nur thematisch, sondern auch \u00f6rtlich. Untertanen sollten katholisch sein, ihre Treue aber sollte dem Staat gelten. Schulbildung wurde unter zentrale staatliche Verwaltung gestellt. Es sollten keine kritischen, humanistischen Geistesgr\u00f6\u00dfen, sondern Material f\u00fcr den staatlichen Verwaltungsapparat erzogen werden. \u00dcber Milit\u00e4r und Verwaltung konnten nun auch Nichtadlige in h\u00f6here staatliche Positionen aufsteigen. Gleichzeitig sollten Reformen im Staatsdienst und in der Wirtschaft nicht nur mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Untertanen schaffen, sondern auch die Staatseinnahmen erh\u00f6hen. Gewichte und Ma\u00dfeinheiten wurden nominiert, um das Steuersystem undurchl\u00e4ssiger zu machen. F\u00fcr B\u00fcrger und Bauern hatte die Vereinheitlichung der Gesetze den Vorteil, dass das Leben weniger von Grundherren und deren Launen abhing. Auch der <em>Robot<\/em>, den Bauern auf den G\u00fctern des Grundherrn kostenfrei zu leisten hatten, wurde unter Maria Theresia abgeschafft. In Strafverfolgung und Justiz fand ein Umdenken statt. 1747 wurde in Innsbruck eine <em>kleine Polizei<\/em> eingesetzt, die sich um Angelegenheiten der Marktaufsicht, Gewerbeordnung, Fremdenkontrolle und \u00f6ffentliche Sittsamkeit k\u00fcmmerte. Das Strafgesetzbuch <em>Constitutio Criminalis Theresiana<\/em> schaffte die Folter zwar nicht ab, reglementierte aber deren Anwendung.<\/p>\n<p>So sehr sich Maria Theresia auch als fromme Landesmutter inszenierte und heute als Aufkl\u00e4rerin bekannt ist, die streng katholische Regentin war nicht zimperlich in Fragen von Macht und Religion. Im Trend der Zeit der Aufkl\u00e4rung lie\u00df sie Aberglauben wie den Vampirismus, der in den \u00f6stlichen Teilen ihres Reiches weit verbreitet war, kritisch untersuchen und leitete das endg\u00fcltige Ende der Hexenprozesse ein. Gleichzeitig aber wurden Protestanten von ihr gnadenlos des Landes verwiesen. Viele Tiroler mussten ihr Heimatgebiet verlassen und sich in weiter vom Zentrum entfernten Teilen des Habsburgerreiches niederlassen.<\/p>\n<p>In Kronl\u00e4ndern wie Tirol stie\u00dfen die Reformen Maria Theresias auf wenig Gegenliebe. Mit Ausnahme von ein paar Liberalen sah man sich mehr als eigenst\u00e4ndiges und autonomes Land und weniger als Teil eines modernen Territorialstaates. Auch dem Klerus gefiel die neue, untergeordnete Rolle, die sich unter Josef II. nochmals versch\u00e4rfte, nicht. F\u00fcr den lokalen Adel bedeuteten die Reformen nicht nur den Verlust von Bedeutung und Autonomie, sondern auch h\u00f6here Steuern und Abgaben. Steuern, Abgaben und Z\u00f6lle, die der Stadt Innsbruck stets verl\u00e4ssliche Einnahmen gebracht hatten, wurden nun zentral eingehoben und \u00fcber einen Finanzausgleich nur zum Teil r\u00fcckgef\u00fchrt. Um die Fallh\u00f6he f\u00fcr S\u00f6hne aus verarmten Adelsfamilien abzuschw\u00e4chen und sie f\u00fcr den Staatsdienst auszubilden, gr\u00fcndete Maria Theresie das <em>Theresianum<\/em>, das ab 1775 auch in Innsbruck eine Niederlassung hatte. Wie so oft b\u00fcgelte die Zeit manche Falte aus und Innsbrucker sind mittlerweile stolz darauf, eine der bedeutendsten Herrscherpers\u00f6nlichkeiten der \u00f6sterreichischen Geschichte beherbergt zu haben. Heute erinnern die Triumphpfote und die Hofburg in Innsbruck an die Theresianische Zeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie der Lauf der Geschichte der Stadt unterliegt auch ihr Aussehen einem st\u00e4ndigen Wandel. Besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild erzeugten die Jahre rund um 1500 und zwischen 1850 bis 1900, als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in besonders schnellem Tempo abspielten. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c der Nationalsozialisten ein tats\u00e4chlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fu\u00dfe des Brenners war \u00fcber Jahrhunderte ein Segen f\u00fcr die Stadt gewesen, nun wurde sie zum Verh\u00e4ngnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Innsbruck, 17. Dez. Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese durch Zensur und Gleichschaltung der Medien fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht dem Volksk\u00f6rper pr\u00e4sentieren. Ganz so gro\u00df wie 1938 nach dem Anschluss, als Hitler am 5. April von 100.000 Menschen in Innsbruck begeistert empfangen worden war, war die Begeisterung f\u00fcr den Nationalsozialismus nicht mehr. Zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Dass die sterblichen \u00dcberreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus als Symbol nationalsozialistischer Macht im Stadtbild aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p>Im J\u00e4nner 1944 begann man Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen zu errichten. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt. Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, der Dom, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen. Besondere Behandlung erfuhren w\u00e4hrend der Angriffe historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Die Madonna Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgesch\u00fctze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, k\u00f6nnen am Lanser K\u00f6pfl oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln mit dem Hinweis auf den Wiederaufbau auf einen Bombentreffer hin.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr.-Sigismund-Epp-Weg<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":57056,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[16,38,32,42,47,157,35,80,167],"tags":[],"class_list":["post-57323","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-barock","category-die-baumeister-gumpp-und-die-barockisierung-innsbrucks","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-leopold-v-claudia-de-medici-glanz-und-gloria-in-innsbruck","category-luftangriffe-auf-innsbruck","category-maria-hilf-innsbruck","category-maria-theresia-landesmutter-und-reformatorin","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau","category-universitatsstadt-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57323","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57323"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57323\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/57056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57323"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57323"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57323"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}