{"id":57859,"date":"2024-08-20T13:48:05","date_gmt":"2024-08-20T13:48:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=57859"},"modified":"2026-03-26T14:15:17","modified_gmt":"2026-03-26T14:15:17","slug":"verbindungshaus-austria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/verbindungshaus-austria\/","title":{"rendered":"Fraternity House Austria"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Verbindungshaus Austria<\/h2>\n<p>Josef-Hirn-Stra\u00dfe<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B779DB0E-9949-41DC-8A55-22758CD07E07-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Flagge Kaiserj\u00e4germuseum Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;B779DB0E-9949-41DC-8A55-22758CD07E07&#8243; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66150,57934,66149,57892,66148&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Verbindungshaus Austria&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62043&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Verbindungshaus Austria&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59547&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das schmale Geb\u00e4ude mit der auff\u00e4lligen Fassade in der Josef-Hirn-Stra\u00dfe beheimatet Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Studentenverbindung, die <em>Austria<\/em>. Neben dem Eingang ist eine Bronzetafel angebracht, die an das Gr\u00fcndungsdatum der Verbindung am 9. Juni 1864 und ihren Leitspruch \u201e<em>In Veritate Libertas<\/em>\u201c (<em>Anm.: In der Wahrheit liegt die Freiheit<\/em>) erinnert. Damit z\u00e4hlt die <em>Austria<\/em> zu den \u00e4ltesten der vielen Studentenverbindungen Innsbrucks, an deren oft stattlichen Verbindungsh\u00e4usern man vor allem in Wilten und St. Nikolaus immer wieder vorbeigeht. Die \u201e<em>Bude<\/em>\u201c der <em>Austria<\/em> selbst ist j\u00fcngeren Datums. Das Haus wurde von den <em>Burschen<\/em> 1902 selbst finanziert und gebaut. Auf alten Bildern kann man sehen, dass es anfangs ein alleinstehendes Haus war und erst nach und nach von anderen H\u00e4usern umrahmt wurde. Es sticht zwischen den Wohnh\u00e4usern mit seinem distinguierten Aussehen, den T\u00fcrmchen und Erkern markant heraus. W\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs diente es als Milit\u00e4rspital. Heute befinden sich mehrere St\u00fcberl, Bars und R\u00e4umlichkeiten, um gemeinsam zu lernen und feiern im Verbindungshaus.<\/p>\n<p>Wie kam es zur Gr\u00fcndung der mythenumrankten Verbindungen wie der <em>Austria<\/em>? Im 19. Jahrhundert wurden auch an der Innsbrucker Universit\u00e4t liberale, nationalstaatliche Begehrlichkeiten unter Studenten und Professoren immer popul\u00e4rer. Die Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen forderten b\u00fcrgerliche Freiheiten, eine freie Presse und eine Verfassung. An der althergebrachten Feudalordnung wurde mehr und mehr zu Gunsten eines modernen Staats nach dem Vorbild Frankreichs und Englands ger\u00fcttelt. Es waren vor allem Studenten, die 1848 die Bef\u00fcrworter der in Innsbruck zahm ausgefallenen Revolution waren. Sie schlossen sich in Studentenverbindungen zusammen. Das Verbindungswesen entstammte dem mittelalterlichen universit\u00e4ren Bereich. Professoren und Studenten waren an den Hochschulen nach Landmannschaften, also nach Nationalit\u00e4ten oder Sprachgruppen organisiert. Jede Landmannschaft mit gen\u00fcgend Mitgliedern hatte eine eigene Kleidung, eigene Abzeichen und Orden, pflegte eigene Traditionen und versuchte die eigenen Interessen innerhalb des Universit\u00e4tslebens durchzusetzen. Aus diesem Geist entstanden an deutschen Hochschulen nach den Napoleonischen Kriegen erste Korps und Gruppen, die sich als Keimzelle des deutschen Nationalgedankens verstanden. W\u00e4hrend sich konservative Untertanen bei den Sch\u00fctzen zu paramilit\u00e4rischen Verb\u00e4nden zusammenschloss, erfreuten sich unter Akademikern diese Verbindungen gro\u00dfer Beliebtheit. Innerhalb des Verbindungswesens gab und gibt es verschiedene Auspr\u00e4gungen. Die Mehrzahl der noch bestehenden \u00f6sterreichischen Verbindungen hat einen traditionell katholischen Hintergrund. Es gibt aber auch schlagende Verbindungen, die politisch weit am rechten Rand angesiedelt sind. Das Tragen eines Schwertes, des <em>gladius deambulatoris<\/em>, war Studenten in der Fr\u00fchen Neuzeit nach Absolvierung des ersten Jahres an der Universit\u00e4t erlaubt. Die schlagenden Burschenschaften f\u00fchren die Tradition des Waffentragens und des Ehrenduells bis heute fort. Die meisten nehmen bis heute keine Frauen in ihren Reihen auf. Sie sind hierarchisch organisiert und funktionieren \u00fcber eigene Rituale. Die bis heute g\u00fcltigen vier Grunds\u00e4tze der <em>Austria<\/em> sind der katholische Glaube (<em>Religio<\/em>), Vaterland (<em>Patria<\/em>), Wissenschaft (<em>Scientia<\/em>) und Freundschaft (<em>Amicitia<\/em>).<\/p>\n<p>Katholische Studentenverbindungen bildeten ab dem 19. Jahrhundert das verbindende Element zwischen Kirche, Politik und Universit\u00e4t. Zwar sollte ein starker, zentralisierter Staat \u00e4hnlich dem in Frankreich an die Stelle des in Kleinstaaten zersplitterten <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation<\/em> oder den Deutschen Bund treten, eine demokratische Republik wurde kaum gefordert. Katholizismus, Monarchie, Vielv\u00f6lkerstaat, Deutschnationalismus \u2013 die Definitionen von Vaterland waren vielf\u00e4ltig innerhalb der verschiedenen Studentenb\u00fcnde. Der Eingangsbereich des Verbindungshauses der <em>Austria<\/em>, auf dem der Habsburgische Doppeladler und der Tiroler Adler abgebildet sind, gibt einen Hinweis auf die Ausrichtung dieser Verbindung.<\/p>\n<p>Studentenverbindungen sind noch immer m\u00e4chtige Seilschaften. Wirft man einen Blick auf die Liste ehemaliger Mitglieder der <em>Austria<\/em>, findet man durch die Jahrzehnte Bisch\u00f6fe ebenso wie Spitzenpolitiker aus dem konservativen Lager. Mehrere Landeshauptm\u00e4nner, Innsbrucker B\u00fcrgermeister und Bundeskanzler Julius Raab waren Mitglieder. Das Gehabe mit S\u00e4bel, B\u00e4ndchen und M\u00fctze bei Veranstaltungen und Prozessionen mag auf den ersten Blick l\u00e4cherlich wirken f\u00fcr nicht eingeweihte Beobachter. Die Br\u00e4uche, Traditionen und Gepflogenheiten sind mit Sicherheit antiquiert und nicht jedermanns Sache. F\u00fcr Au\u00dfenstehende ist die Gedankenwelt der Verbindungen auch nur schwer zu durchschauen und widerspr\u00fcchlich. Mitglieder der <em>Austria<\/em> waren im katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert. \u00dcber dem Portal steht dazu passend das Bonmot \u201e<em>Erbaut bin ich zum Schutz &amp; Hort f\u00fcr Menschenrecht &amp; freies Wort<\/em>\u201c geschrieben. Andererseits waren mit Engelbert Dollfu\u00df und Kurt Schuschnigg beide Kanzler jener kurzen Epoche, die als <em>Austrofaschismus<\/em> in die \u00f6sterreichische Geschichte eingehen sollte, Mitglieder der <em>Austria<\/em>. \u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Wallschen und die Fatti di Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Wallschen und die Fatti di Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66473&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Vorurteile und Rassismus gegen\u00fcber Zuwanderern waren und sind in Innsbruck wie in allen Gesellschaften \u00fcblich. Egal ob syrische Fl\u00fcchtlinge seit 2015 oder t\u00fcrkische Gastarbeiter in den 1970er und 80er Jahren, das Fremde erzeugt meist wenig wohlgesonnene Animosit\u00e4ten im durchschnittlichen Tiroler. Heute m\u00f6gen Italien das liebste Reiseziel der Innsbrucker und Pizzerien Teil des gastronomischen Alltags sein, lange Zeit waren unsere s\u00fcdlichen Nachbarn die am argw\u00f6hnischsten be\u00e4ugte Bev\u00f6lkerungsgruppe. Was um 1900 dem Wiener Juden und <em>Ziegelb\u00f6hmen <\/em>waren, waren dem Tiroler die <em>Wall\u00b4schen<\/em>.<\/p>\n<p>Die Abneigung gegen\u00fcber Italienern kann in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Italien als eigenst\u00e4ndigen Staat gab es zwar nicht, viele kleine Grafschaften, Stadtstaaten und F\u00fcrstent\u00fcmer zwischen dem Gardasee und Sizilien pr\u00e4gten die politische Landschaft. Auch sprachlich und kulturell unterschieden sich die einzelnen Regionen. Trotzdem begann man im Laufe der Zeit, sich als Italiener zu verstehen. W\u00e4hrend des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit waren sie vor allem als Mitglieder der Beamtenschaft, des Hofstaates Bankiers oder gar Gattinnen diverser Landesf\u00fcrsten in Innsbruck ans\u00e4ssig. Die Abneigung zwischen <em>Italienern<\/em> und <em>Deutschen<\/em> war gegenseitig. Die einen galten wahlweise als ehrlos, unzuverl\u00e4ssig, hochn\u00e4sig, eitel, moralisch verdorben und faul, die anderen als unzivilisiert, barbarisch, ungebildet und Schweine.<\/p>\n<p>Mit den Kriegen zwischen 1848 und 1866 erreichte der Hass auf alles Italienische ein neues Hoch im <em>Heiligen Land Tirol<\/em>, obwohl viele <em>Wallsche<\/em> in der k.u.k. Armee dienten und auch die Landbev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dftenteils unter den italienischsprachigen Tirolern loyal zur Monarchie stand. Die Italiener unter Garibaldi galten als gottlose Aufr\u00fchrer und Republikaner und wurden von den Kirchkanzeln zwischen Kufstein und Riva del Garda sowohl auf Italienisch wie auch auf Deutsch gegei\u00dfelt.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Rolle im Konflikt spielte die Tiroler Presselandschaft, die nach der Liberalisierung 1867 einen Aufschwung erlebte. Was heute <em>Social Media<\/em> zur gesellschaftlichen Spaltung beitr\u00e4gt, \u00fcbernahmen damals Zeitungen. Konservative, Katholiken, Gro\u00dfdeutsche, Liberale und Sozialisten hatten jeweils ihre eigenen Presseorgane. Treue Leser dieser wenig neutralen Bl\u00e4tter lebten in ihrer Meinungsblase. Auf italienischer Seite ragte der im Krieg vom \u00f6sterreichischen Milit\u00e4r wegen Hochverrats am W\u00fcrgegalgen hingerichtete Sozialist Cesare Battisti (1875 \u2013 1916) heraus. Der Publizist und Politiker, der in Wien studiert hatte und deswegen vielen nicht nur als Feind, sondern als Verr\u00e4ter galt, befeuerte den Konflikt in den Zeitungen <em>Il Popolo<\/em> und <em>L\u00b4Avvenire<\/em> immer wieder mit spitzer Feder befeuerte.<\/p>\n<p>Auch Vereine spielten bei der Verh\u00e4rtung der Fronten eine tragende Rolle. 1867 war nicht nur das Pressegesetz reformiert worden, auch Vereine konnten nun einfacher gegr\u00fcndet werden. Das l\u00f6ste einen regelrechten Boom aus. Sportvereine, Turnerschaften, Theatergruppen, Sch\u00fctzen oder die <em>Innsbrucker Liedertafel<\/em> dienten oft als eine Art Vorfeldorganisation, die sich politisch verorteten und auch agitierten. Die Vereinsmitglieder trafen sich in eigenen Lokalen und veranstalteten regelm\u00e4\u00dfig Vereinsabende, vielfach auch \u00f6ffentlich. Besonders politisch aktiv und extremistisch in ihren Meinungen waren die Studentenverbindungen. Die jungen M\u00e4nner entstammten dem gehobenen B\u00fcrgertum oder der Aristokratie und waren sowohl gewohnt anzuschaffen als auch Waffen zu tragen. Ein Drittel der Studenten in Innsbruck war in einer Verbindung, davon war knapp die H\u00e4lfte deutschnational orientiert. Anders als heute war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass sie sich in voller Wichs in ihrer Couleur, also der Uniform samt S\u00e4bel, Barett und Band in der \u00d6ffentlichkeit zeigten, nicht selten auch mit Stock und Revolver bewaffnet.<\/p>\n<p>Es wundert daher nicht, dass ihr Habitat ein besonderer Brandherd war. Einer der gr\u00f6\u00dften politischen Streitpunkte in der Autonomiedebatte bzw. dem Wunsch, sich dem K\u00f6nigreich Italien anzuschlie\u00dfen, war eine eigene italienische Universit\u00e4t. Durch den Verlust Paduas hatten italienischst\u00e4mmige Tiroler keine M\u00f6glichkeit mehr, das Studium in ihrer Muttersprache im Inland zu absolvieren. Obwohl ein Besuch der Hochschule eigentlich nur eine Angelegenheit einer kleinen Elite war, konnten irredentistische, anti-\u00f6sterreichische Tiroler Abgeordnete aus dem Trentino das Thema als Symbol f\u00fcr die angestrebte Autonomie immer wieder emotional aufladen und den Hass auf Habsburg sch\u00fcren. Die Diskussion, ob man eine Universit\u00e4t in Triest, der bevorzugte Ort der italienischsprachigen Vertreter, Innsbruck, Trient oder Rovereto anvisieren sollte, entspann sich \u00fcber Jahre hinweg. Wilhelm Greil wurde f\u00fcr sein inkorrektes Verhalten gegen\u00fcber der italienischen Bev\u00f6lkerung vom k.k. Statthalter ermahnt, waren doch alle Sprachgruppen innerhalb der Monarchie seit 1867 von Gesetz wegen gleich zu behandeln. \u00a0<\/p>\n<p>Wie gro\u00df die von Deutschnationalen bef\u00fcrchtete \u00dcberfremdung durch italienische Studenten war, zeigt ein Blick in die Statistik. Fakten wurden auch damals im Diskurs oft durch Bauchgef\u00fchl und rassistisch motivierten Populismus ersetzt. Nach der Eingemeindung Pradls und Wiltens 1904 hatte Innsbruck etwas \u00fcber 50.000 Einwohner. Der Anteil der Studenten lag mit etwas \u00fcber 1000 bei unter 2%. Von den etwa 3000 italienischst\u00e4mmigen, die meisten davon <em>Welschtiroler<\/em> aus dem Trentino, waren nur etwas \u00fcber 100 an der Universit\u00e4t inskribiert. Den Gro\u00dfteil der <em>Wallschen<\/em> machten Arbeiter, Wirte, H\u00e4ndler und Soldaten aus. Viele lebten schon lange in und rund um Innsbruck. Besonders in Wilten lie\u00dfen sich viele nieder. Bald fand sich im etwas g\u00fcnstigeren Arbeiterdorf am unteren Stadtplatz eine kleine Diaspora zusammen. Anton Gutmann vertrieb in seiner Kellerei-Genossenschaft Riva in der Leopoldstra\u00dfe 30 italienische Weine, gegen\u00fcber konnte man im Gasthaus Steneck Spezialit\u00e4ten s\u00fcdlich des Brenners gut und g\u00fcnstig essen. Der \u00fcberwiegende Teil war Teil einer anderen Alltagskultur, sprach als Untertanen der Monarchie aber ausgezeichnet Deutsch, nur ein kleiner Teil kam aus Dalmatien oder Triest und war tats\u00e4chlich fremdsprachig. Auch sie gr\u00fcndeten dem Zeitgeist verpflichtet Sportvereine wie den <em>Club Ciclistico<\/em> oder die <em>Unione Ginnastica<\/em>, sozialistisch orientierte Arbeiter- und Konsumorganisationen, Musikvereine und Studentenverbindungen.<\/p>\n<p>Obwohl auch unter ihnen die Studenten nur einen geringen Teil ausmachten, wurde ihnen und der Forderung nach einem Institut mit italienisch als Pr\u00fcfungs- und Unterrichtssprache \u00fcberdurchschnittliche Aufmerksamkeit entgegengebracht. Konservative und deutschnationale Politiker, Studenten und Medien sahen durch eine italienische Universit\u00e4t das Tiroler Deutschtum in Gefahr. Zu den ethnischen und rassistischen Ressentiments gegen\u00fcber den s\u00fcdl\u00e4ndischen Nachbarn kam besonders bei Katholiken auch die Angst vor Charakteren wie Cesare Battisti, der als Sozialist ohnehin das leibhaftig B\u00f6se verk\u00f6rperte. B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil nutzte die allgemeine Feindseligkeit gegen\u00fcber italienischsprachigen Einwohnern und Studenten in \u00e4hnlich populistischer Manier wie es sein Wiener Amtskollege Karl Lueger in Wien mit der antisemitischen Stimmungsmache tat.<\/p>\n<p>Nach einigem Hin und Her wurde im September 1904 beschlossen, eine provisorische rechtswissenschaftliche Fakult\u00e4t in Innsbruck zu gr\u00fcnden. Das sollte die Studenten trennen, ohne eine der Gruppen zu vergr\u00e4men. Von Anfang an stand das Projekt aber unter keinem guten Stern. Niemand wollte der Universit\u00e4t die n\u00f6tigen R\u00e4umlichkeiten vermieten. Schlie\u00dflich stellte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Baumeister Anton Fritz eine Wohnung in einem seiner Mietzinsh\u00e4user in der Liebeneggstra\u00dfe 8 zur Verf\u00fcgung. Bei der Antrittsvorlesung und der feierlichen Abendveranstaltung im <em>Gasthaus zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> am 3. November waren Promis wie Battisti oder der sp\u00e4tere italienische Ministerpr\u00e4sident Alcide de Gasperi anwesend. Je sp\u00e4ter der Abend desto ausgelassener die Stimmung. Als Schm\u00e4hrufe wie \u201e<em>Porchi tedeschi<\/em>\u201c und \u201e<em>Abbasso Austria<\/em>\u201c (Anm.: <em>Deutsche Schweine und Nieder mit \u00d6sterreich<\/em>) fielen, eskalierte die Situation. Eine mit St\u00f6cken, Messern und Revolvern bewaffnete Meute deutschsprachiger Studenten belagerte das <em>Wei\u00dfe Kreuz,<\/em> in dem sich die ebenfalls zu einem gro\u00dfen Teil bewaffneten Italiener verschanzten. Ein Trupp Kaiserj\u00e4ger konnte den ersten Tumult erfolgreich aufl\u00f6sen. Dabei wurde der Kunstmaler August Pezzey (1875 \u2013 1904) durch einen Stich mit dem Bajonett irrt\u00fcmlich von einem \u00fcbertrieben nerv\u00f6sen Soldaten t\u00f6dlich verwundet.<\/p>\n<p>Die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> erschienen nach den n\u00e4chtlichen Aktivit\u00e4ten am 4. November unter der Headline: \u201e<em>Deutsches Blut geflossen!<\/em>\u201c. Der anwesende Redakteur berichtete von 100 bis 200 Revolversch\u00fcssen, die von den Italienern auf die \u201e<em>Schar von deutschen Studenten<\/em>\u201c abgegeben wurden, die sich vor dem Gasthaus zum Wei\u00dfen Kreuz versammelt hatten. Die neun dadurch Verletzten wurden namentlich aufgez\u00e4hlt, anschlie\u00dfend folgte eine erstaunlich detaillierte Erz\u00e4hlung des Geschehenen inklusive der Verwundung Pezzeys. Die Nachricht \u00fcber den Tod des jungen Mannes l\u00f6ste einen Sturm an Racheakten und Gewalttaten aus. Zu den \u00fcberzeugten Deutschnationalen gesellten sich, wie bei jedem Aufruhr, Schaulustige und Randalierer, die Spa\u00df daran hatten, in der Anonymit\u00e4t der Masse \u00fcber die Str\u00e4nge zu schlagen ohne gro\u00dfartige politische \u00dcberzeugung. W\u00e4hrend die in Haft genommenen Italiener im vollkommen \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnis die martialische Hymne <em>Inno di Garibaldi<\/em> anstimmten, kam es in der Stadt zu schweren Ausschreitungen gegen italienische Lokale und Betriebe. Die R\u00e4umlichkeiten des <em>Gasthauses zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> wurden in monarchietreuer Manier bis auf ein Portr\u00e4t Kaiser Franz Josefs vollkommen verw\u00fcstet. Randalierer bewarfen den Wohnsitz des Statthalters, das Palais Trapp, mit Steinen, da seine Frau italienische Wurzeln hatte. Das von Anton Fritz der Universit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellte Geb\u00e4ude in der Liebeneggstra\u00dfe wurde ebenso zerst\u00f6rt wie der private Wohnsitz des Baumeisters.<\/p>\n<p>Der in den Wirren zu Tode gekommene, aus einer Ladiner Familie stammende August Pezzey, wurde in einem nationalen Rausch von Politikern und der Presse zum \u201eDeutschen Helden\u201c erkl\u00e4rt. Er erhielt am Innsbrucker Westfriedhof ein Ehrengrab. Bei seinem Begr\u00e4bnis mit Tausenden Trauernden, verlas B\u00fcrgermeister Greil eine pathetische Rede:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Ein herrlich sch\u00f6ner Tod war Dir beschieden auf dem Felde der Ehre f\u00fcr das deutsche Volk\u2026 Im Kampfe gegen freche welsche Gewalttaten hast Du Dein Leben ausgehaucht als M\u00e4rtyrer f\u00fcr die deutsche Sache\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Berichte von den <em>Fatti di Innsbruck<\/em> schafften es in die internationale Presse und trugen entscheidend zum R\u00fccktritt des \u00f6sterreichischen Ministerpr\u00e4sidenten Ernest von Koerber bei. Je nach Medium wurden die Italiener als ehrlose Banditen oder mutige Nationalhelden, die \u00d6sterreicher als pangermanistische Barbaren oder Bollwerk gegen das <em>Wallsche<\/em> gesehen. Am 17. November, nur zwei Wochen nach der feierlichen Er\u00f6ffnung, wurde die italienische Fakult\u00e4t in Innsbruck wieder aufgel\u00f6st. Eine eigene Universit\u00e4t blieb der Sprachgruppe innerhalb \u00d6sterreich-Ungarns bis zum Ende der Monarchie 1918 verwehrt. Die lange Tradition, Italiener als ehrlos und faul zu betrachten, wurde mit dem Kriegseintritt Italiens an der Seite der Entente noch mehr befeuert. Bis heute halten viele Tiroler die negativen Vorurteile gegen\u00fcber ihren s\u00fcdlichen Nachbarn lebendig.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Universit\u00e4tsstadt Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67576&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">1669 gilt als das offizielle Gr\u00fcndungsjahr einer der wichtigsten Institutionen der Innsbrucker Stadtgeschichte. Am 15. Oktober gab Kaiser Leopold I. den Tirolern das\u00a0Privileg des \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Haller Salzaufschlags<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c, der es erm\u00f6glichte die begehrte Handelsware st\u00e4rker zu besteuern und damit den Universit\u00e4tsbetrieb zu finanzieren. Die Universit\u00e4t ging aus der Lateinschule hervor, die von den Jesuiten etwas mehr als hundert Jahre zuvor unter Ferdinand I. gegr\u00fcndet worden war. Der Schwerpunkt am Gymnasium lag auf der humanistischen Bildung. Latein und Griechisch waren Schwerpunkte im Unterricht. Wissenschaftliche B\u00fccher wurden in der Fr\u00fchen Neuzeit noch immer auf Latein verfasst. Auch f\u00fcr h\u00f6here Posten im \u00f6ffentlichen Dienst war Latein Voraussetzung. Die Universit\u00e4t brachte neue Ausbildungsm\u00f6glichkeiten nach Innsbruck. Die erste Fakult\u00e4t, die den Lehrbetrieb aufnahm, war die Philosophie. Theologie, Recht und Medizin folgten kurz darauf. Als Papst Innozenz XI. der Universit\u00e4t 1677 seinen Segen gab, war der Betrieb schon voll angelaufen und Studenten aus Tirol und anderen L\u00e4ndern tummelten sich in Innsbruck. Ein Studium dauerte f\u00fcr gew\u00f6hnlich sieben Jahre, bevor sich der Absolvent als Zeichen seines Status als Doktor einen Ring \u00fcber den Finger streifen durfte. In den ersten beiden Jahren musste jeder Student der Philosophie widmen, bevor er sich f\u00fcr ein Gebiet entschied. Zum geisteswissenschaftlichen Unterricht kamen Kirchendienste, Theaterauff\u00fchrungen, Musizieren und praktische Dinge wie Fechten und Reiten, die im Leben eines gebildeten jungen Mannes nicht fehlen durften.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war aber mehr als ein Bildungsinstitut. Studenten und Professoren ver\u00e4nderten das soziale Gef\u00fcge der Stadt. Im ersten Jahrzehnt nach der Gr\u00fcndung lehrten knapp 50 unterschiedliche Intellektuelle aus aller HErren L\u00e4nder Philosophie in Innsbruck vor \u00fcber 300 Studenten. Bei gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen wie Prozessionen stachen Abordnungen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Congregation der heiligen Jungfrau<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sich aus Mitgliedern der jesuitisch gepr\u00e4gten Universit\u00e4t speiste, hervor. Die Professoren pflegten in ihren je nach Fachgebiet verschiedenartigen Samtm\u00e4nteln aufzutreten, die Studenten mit den Schwertern, die sie tragen durften. Die Akademiker sprachen auch auf Deutsch anders als die einheimische Bev\u00f6lkerung, offizielles wurde ohnehin meist auf Latein erledigt. 1665 hatte Innsbruck den Rang einer Residenzstadt verloren und damit an Prestige und Glanz verloren. Der Universit\u00e4tsbetrieb machte diese Degradierung etwas wett, blieb die Aristokratie so zumindest in Form von Studenten erhalten. <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Work hard, play hard<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> galt auch damals als Motto. Der von den Professoren streng \u00fcberwachte studentische Alltag in Aula und den H\u00f6rs\u00e4len wurde von einem bunten Mix aus feuchtfr\u00f6hlicher Abendunterhaltung, Ausfl\u00fcgen in die Umgebung Innsbrucks, Musizieren, kirchlichen Prozessionen und Theaterauff\u00fchrungen aufgelockert. Das Zusammentreffen privilegierter Jugendlicher mit B\u00fcrgern, Dienstboten und Handwerkern lief nicht immer reibungsfrei ab. Unter den anfangs knapp 300 Studenten fanden sich viele S\u00f6hne aus Adelsh\u00e4usern wieder.\u00a0Die jungen M\u00e4nner traten, anders als die streng und sittlich gekleideten Einwohner Innsbrucks, bunt und keck nach der Art mittelalterlicher Gecken in Erscheinung. Sie sprachen in einer Art und Weise miteinander, die Uneingeweihten als vollkommen l\u00e4cherlich erscheinen musste. Bei den Studenten handelte es sich trotz ihres gesellschaftlichen Ranges h\u00e4ufig genug auch nicht um strebsame Mustersch\u00fcler, sondern um junge Burschen, die einen gewissen Lebensstil und Status gewohnt waren. So begaben sich im Januar 1674 \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">nit allein zu n\u00e4chtlicher Zeit Ungelegenheiten, Rumores und ungereimte Handlungen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c und es wurden \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Studenten der Universit\u00e4t angetroffen, die allerlei verbotene Waffen wie Feuerrohr, Pistolen, Terzerol, Stilett, S\u00e4bel, Messer\u2026<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c bei sich hatten. Die der Oberschicht entstammenden Teenager waren es gewohnt, Waffen zu tragen und auch zu benutzen. Ehrverletzungen konnten, \u00e4hnlich wie beim Milit\u00e4r, auch in studentischen Kreisen zu Duellen f\u00fchren. Besonders in Paarung mit Alkohol waren Ausschreitungen nicht ungew\u00f6hnlich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das exzentrische Verhalten der jungen M\u00e4nner f\u00fchrte immer wieder zu skurrilen Problemen untereinander und mit den nicht-akademischen Innsbruckern. Studenten war es zum Beispiel verboten, \u00fcber den Durst zu trinken. Geschah dies doch in einer der Wirtschaften Innsbrucks, so wurde der junge Delinquent ermahnt. Konnte oder wollte er die Rechnung nicht begleichen, konnte der gesch\u00e4digte Wirt bei Gericht keine Anzeige einbringen, da der Ausschank alkoholischer Getr\u00e4nke \u00fcber die Ma\u00dfen an die Studentenschaft verboten war. Um den jungen Eliten Herr zu werden, bedurfte es eines eigenen Rechtssystems. Studenten unterlagen bis zu einem gewissen Grad dem Universit\u00e4tsrecht unterlagen, das vom Stadtrecht losgel\u00f6st war. Um das Recht durchzusetzen, stellte das Rektorat eine eigene Truppe aus. Die Scharwache war mit Hellebarden bewaffnet und sollte die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Rumores<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> der Studenten so gut als m\u00f6glich verhindern. Sechs Mann hatten Tag und Nacht bewaffneten Dienst, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Kosten daf\u00fcr teilten sich die Stadt Innsbruck und die Universit\u00e4t. Es gab auch einen eigenen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Carcer<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, um \u00dcbelt\u00e4ter bei Wasser und Brot zu verwahren. Freiheitsentzug, Geldbu\u00dfen und sogar Landesverweise konnten von der Universit\u00e4t ausgesprochen werden. Nur f\u00fcr die Blutgerichtsbarkeit musste die Landesregierung angerufen werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war auch sonst durch ihre Geschichte hindurch ein Politikum. Der Name <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> geht auf die beiden Kaiser Leopold und Franz zur\u00fcck, unter denen sie jeweils gegr\u00fcndet wurde. Zweimal wurde die Universit\u00e4t zu einem Lyzeum herabgestuft oder gar ganz abgeschafft. Kaiser Josef II. schloss die Pforten ebenso wie die bayerische Verwaltung w\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege. Die jesuitisch gepr\u00e4gten und Studenten und Professoren waren ihnen suspekt und wurden aus dem Bildungssektor verband. Kaiser Franz I., der in der Restauration wieder mehr auf der traditionell katholischen Linie der Habsburger war, nahm 1826 die Neugr\u00fcndung vor. Unter Beobachtung blieb die Universit\u00e4t aber auch im Polizeistaat Metternichs weiterhin. Im Vorm\u00e4rz waren es nationalistisch und liberal gesinnte Kr\u00e4fte, die man f\u00fcrchtete. Die geheime Staatspolizei war nicht nur in den H\u00f6rs\u00e4len, sondern auch sonst in den studentischen Kreisen pr\u00e4sent, um problematisches Gedankengut junger Aufwiegler m\u00f6glichst fr\u00fch im Keim zu ersticken.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Industrialisierung und die damit einhergehenden neuen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Spielregeln ver\u00e4nderten den Universit\u00e4tsbetrieb. Ganz im Geist der Zeit besch\u00e4ftigte sich die Er\u00f6ffnungsrede des Dekans der philosophischen Fakult\u00e4t Prof. Dr. Joachim Suppan (1794 \u2013 1864), mit einem praktischen Problem der Physik, damit \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">eine genauere Kenntnis der so wichtigen und n\u00fctzlichen Erfindung der Dampfmaschine auch f\u00fcr die vaterl\u00e4ndische Industrie, wo dieselbe bisher noch keine Anwendung hat<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c erreicht werde. Dass Supan neben seinen Abschl\u00fcssen in Philosophie und Mathematik auch geweihter Priester war, zeigt den Einfluss, den die Kirche auch im 19. Jahrhundert auf das Bildungswesen hatte. Wie sehr die Universit\u00e4t neben der Kirche der staatlichen Obrigkeit verbunden war, zeigt Supans abschlie\u00dfende Ermahnung in Richtung der Studenten, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201edereinst dem Vaterlande durch Kenntnis und Tugend ersprie\u00dfliche Dienste zu leisten\u201c<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Nationalit\u00e4tenkonflikte der sp\u00e4ten Monarchie spiegelten sich ebenfalls in der Universit\u00e4tsgeschichte wider. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des Vereinswesens, im Fall der Universit\u00e4t der Studentenverbindungen. Im Falle Innsbruck waren es vor allem Probleme zwischen deutschsprachigen und italienischsprachigen Studenten, die immer wieder zu Problemen f\u00fchrten und ihren H\u00f6hepunkt in den <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Fatti di Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> fanden. Deutschnational gesinnte Studenten spielten auch in weiterer Folge eine Hauptrolle an der Universit\u00e4t. Viele der jungen M\u00e4nner waren im habsburgischen Gro\u00dfreich aufgewachsen und hatten im Ersten Weltkrieg gedient. Die junge Republik \u00d6sterreich lag unter den jungen Akademikern nicht im Trend. Die Begeisterung flog teils dem als modern und dynamisch wirkenden faschistischen Italien und sp\u00e4ter dem nationalsozialistischen Deutschland zu. Mit dem Anschluss an das Deutsche Reiche 1938 wurde die Universit\u00e4t ein weiteres Mal umbenannt. Nach dem Krieg wurde aus der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Deutschen Alpenuniversit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> wieder die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Leopold-Franzens-Universit\u00e4t<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Universit\u00e4t war wie so vieles dem Standesdenken ihrer jeweiligen Zeit unterworfen. Frauen und S\u00f6hnen von Handwerksfamilien war das Studium an der Universit\u00e4t lange nicht gestattet. Das \u00e4nderte sich erst in der Zeit nach der Monarchie. Den ersten weiblichen Doktor der Juristerei der Universit\u00e4t feierte man gar erst f\u00fcnf Jahre nach der Entstehung der Republik. Die Presse notierte:<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201eAm kommenden Samstag wird an der Innsbrucker Universit\u00e4t Fr\u00e4ulein Mitzi Fischer zum Doktor iuris promoviert. Fr\u00e4ulein Fischer ist eine geb\u00fcrtige Wienerin. In Wien absolvierte sie auch das Gymnasium. Nach der Reifepr\u00fcfung oblag sie dem juristischen Studium der Universit\u00e4t Innsbruck. Die zuk\u00fcnftige Doktorin hat s\u00e4mtliche Pr\u00fcfungen mit Auszeichnungen absolviert, m\u00fc\u00dfte also nach dem fr\u00fcheren Brauche sub auspiciis imperatoris promovieren. Jedenfalls ist Fr\u00e4ulein Fischer die erste Dame, die sich an der Innsbrucker Universit\u00e4t den juristischen Doktortitel erwirbt.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erstaunlich ruhig verhielten sich die Studenten in Innsbruck in den Wendejahren 1848 und 1968 an der Universit\u00e4t. W\u00e4hrend in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten die Studenten Treiber des Wandels waren, blieb man in Innsbruck unaufgeregt. Es gab in den sp\u00e4ten 1960ern und 70ern zwar einzelne Gruppen wie die <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Kommunistische Gruppe Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, das <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Komitee f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, die sozialistische VSSt\u00d6 oder die liberal-katholische <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Aktion<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> innerhalb der \u00d6H, zu einer Massenbewegung kam es nicht. W\u00e4hrend in Paris Pflastersteine flogen, gab man sich in Innsbruck mit Boykotten und Sit-ins zufrieden. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Studenten entstammte der Oberschicht und hatte die Matura in einem katholisch orientierten Gymnasium absolviert. Beethovens Weisheit, dass \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">solange der \u00d6sterreicher noch braun\u00b4s Bier und W\u00fcrstel hat, revoltiert er nicht<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">,\u201c traf zu. Nur wenige Studenten konnten sich f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Vietnam, Mao Zedong und Fidel Castro begeistern. Wer wollte schon die eigene Karriere aufs Spiel setzen, in einem Land, das von der Dreifaltigkeit aus Tiroler Tageszeitung, Bischof Paulus Rusch und dem Landtag mit absoluter Mehrheit der \u00d6VP dominiert wurde? Wer es trotzdem wagte, aufs\u00e4ssige Flugbl\u00e4tter oder linke Literatur zu verbreiten, musste mit medialer Diffamierung, einer R\u00fcge durch das Rektorat oder gar dem Besuch der Staatsgewalt rechnen. Kritisiert wurden nur selten die Professoren, die im 20. Jahrhundert h\u00e4ufig noch Distanziertheit und den unnahbaren Nimbus der Fr\u00fchen Neuzeit verspr\u00fchten oder kaum Hehl aus ihrer politischen Gesinnung machten. Eher war die mangelhafte Ausstattung der bescheidenen Lehrs\u00e4le f\u00fcr die stets zunehmende Anzahl an Studenten. Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung in den Universit\u00e4ten wurde in \u00d6sterreich nicht erk\u00e4mpft, sondern gew\u00e4hlt. Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky fielen die die Studiengeb\u00fchren. Bildung wurde f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl junger Menschen leist- und vorstellbar. Die Zahl der Studenten an \u00f6sterreichischen Hochschulen stieg dadurch zwischen 1968 und 1974 von 50.000 auf \u00fcber 73.000 Menschen an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz aller Widrigkeiten und Kuriosit\u00e4ten durch die Jahrhunderte genoss die Universit\u00e4t Innsbruck seit ihren Anfangstagen meist einen sehr guten Ruf. Lehrende und Studierende sorgten im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach f\u00fcr aufsehenerregende Leistungen in der Forschung. Victor Franz Hess wurde f\u00fcr seine Verdienste rund um die Erforschung der kosmischen Strahlung den Nobelpreis f\u00fcr Physik. Auch der Quantenphysiker Anton Zeilinger war an der Universit\u00e4t Innsbruck t\u00e4tig, wenn auch nicht im Jahr 2022 bei seiner Verleihung. Den Nobelpreis f\u00fcr Chemie erhielten auch die Professoren Fritz Pregl, Adolf Windaus und Hans Fischer, wobei auch sie nicht mehr in Innsbruck t\u00e4tig waren. Die Universit\u00e4tsklinik erbrachte sowohl in Forschung und Ausbildung wie auch in der t\u00e4glichen Versorgung der Stadt sehr gute Leistungen und z\u00e4hlt zu den Aush\u00e4ngeschildern Innsbrucks.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nicht nur in intellektueller und wirtschaftlicher Hinsicht ist die Universit\u00e4t wichtig f\u00fcr die Stadt. 30.000 Studierende bev\u00f6lkern und pr\u00e4gen das Leben zwischen Nordkette und Patscherkofel. Die Zeit, in der junge Aristokraten in bunten Klamotten bei Prozessionen ausf\u00e4llig werden, sind vor\u00fcber. Mittlerweile sind sie eher auf den Skipisten und Mountainbike-Trails zu finden. Das gr\u00f6\u00dfte Problem, das die jungen Damen und Herren verursachen, sind auch keine Pogrome gegen\u00fcber nicht-deutschen Bev\u00f6lkerungsgruppen. Ein gro\u00dfer Teil der Studierenden des 21. Jahrhunderts kommt selbst aus dem Ausland und treibt die Preise am Wohnungsmarkt seit den 1970erJahren auf Rekordh\u00f6he. Im Oktober 1972 kam es zur Besetzung des Hexenhauses, einer leerstehenden Immobilie der Universit\u00e4t in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 24, die kurzerhand von einer Handvoll Studenten okkupiert wurde. Innsbruck gilt als die teuerste Landeshauptstadt, was Wohnraum betrifft, der Leerstand von Immobilien ist mehr als 50 Jahre nach der Hausbesetzung noch immer ein dr\u00e4ngendes Problem. Wie sehr die Studierenden Innsbruck beleben, merkt man erst, wenn die Ausw\u00e4rtigen zwischen den einzelnen Semestern in ihre Heimat zur\u00fcckkehren. Zehntausende beleben nicht nur das Nachtleben, sondern verpassen der Kleinstadt auch fast 400 Jahre nach der Gr\u00fcndung internationales Flair und hippe Urbanit\u00e4t.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;1796 &#8211; 1866: Vom Herzen Jesu bis K\u00f6niggr\u00e4tz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53379&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Zeit zwischen der Franz\u00f6sischen Revolution und der Schlacht bei K\u00f6niggr\u00e4tz 1866 war eine kriegerische Periode. Viele der politischen Grundhaltungen, Animosit\u00e4ten gegen\u00fcber anderen Gruppen und der europ\u00e4ische Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, die auch die Geschichte Innsbruck beeinflussen sollten, hatten ihre Wurzeln in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. Das revolution\u00e4re Paris war zwar weit weg und weder standen E-Mails noch ein fl\u00e4chendeckendes Pressewesen zur Verbreitung von Nachrichten zur Verf\u00fcgung. \u00dcber Flugbl\u00e4tter und die Kirchenkanzeln wurden die Gottlosigkeit der M\u00f6rder Marie Antoinettes und der Hass auf die Kirche der neuen Herren\u00fcber Frankreich erfolgreich verbreitet. Die Monarchien Europas angef\u00fchrt von den Habsburgern hatten der Franz\u00f6sischen Republik den Krieg erkl\u00e4rt. Die Angst ging um, dass sich der Wahlspruch der Revolution \u201e<em>Libert\u00e9,\u00a0\u00c9galit\u00e9,\u00a0Fraternit\u00e9<\/em>\u201c in Europa ausbreiten k\u00f6nnte. Ein junger General namens Napoleon Bonaparte war mit seiner\u00a0<em>italienischen Armee<\/em>\u00a0im Rahmen der Koalitionskriege \u00fcber die Alpen vorger\u00fcckt und traf dort auf die \u00f6sterreichischen Truppen. Es war nicht nur ein Krieg um Territorium und Macht, es war ein Kampf der Systeme. Die <em>Grande Armee<\/em> der revolution\u00e4ren Republik Frankreich traf auf die Truppen der konservativen und katholischen Habsburger.<\/p>\n<p>Tiroler Sch\u00fctzen waren aktiv am Kampfgeschehen beteiligt, um die Landesgrenzen gegen die einr\u00fcckenden Franzosen zu verteidigen. Die M\u00e4nner waren es gewohnt, mit Waffen umzugehen und galten als ge\u00fcbte Scharfsch\u00fctzen. Der Historiker Ludwig Denk dr\u00fcckte es in einer Schrift 1860 so aus:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Hauptlust des Tirolers ist das Schiessen. Fr\u00fche schon nimmt der Vater den Sohn mit auf die Jagd. Nicht selten sieht man Knaben mit geladenem Gewehr herumlaufen und auf hohe Berge steigen und Vogel oder Eichh\u00f6rnchen schiessen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke von Einheiten wie den 1796 ins Leben gerufenen H\u00f6ttinger Sch\u00fctzen lag nicht in der offenen Feldschlacht, sondern im Guerrillakampf. Dar\u00fcber hinaus hatten sie eine Geheimwaffe auf ihrer Seite gegen die fortschrittlichste und modernste Armee der damaligen Zeit: Das Herz Jesu. Seit 1719 waren jesuitische Missionare bis in die hintersten Seitent\u00e4ler unterwegs gewesen und hatten den Herz Jesu Kult als verbindendes Element erfolgreich im Kampf gegen heidnische Br\u00e4uche und Protestantismus etabliert. Nun, da man den gottlosen revolution\u00e4ren Franzosen, die nicht nur der Monarchie, sondern auch dem Klerus den Kampf ansagten, gegen\u00fcberstand, war es nur logisch, dass das Herz Jesu sch\u00fctzend \u00fcber die Tiroler Gotteskrieger wachen w\u00fcrde. In aussichtsloser Situation erneuerten die Tiroler Truppen ihren Bund mit dem Herzen Jesu, um Schutz zu erbitten. \u00a0Gegen jede Wahrscheinlichkeit waren die Tiroler Sch\u00fctzen erfolgreich in ihrem Abwehrkampf. Der Abt des Klosters Stams war es, der bei den Landst\u00e4nden beantragte, von nun an allj\u00e4hrlich &#8222;<em>das Fest des g\u00f6ttlichen Herzens Jesu mit feierlichem Gottesdienst zu begehen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit werde.<\/em>&#8220; Allj\u00e4hrlich wurden die Herz-Jesu-Feiern mit gro\u00dfem Pomp in der Presse besprochen und angek\u00fcndigt. Sie waren vor allem im 19. und im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ein explosives Gemisch aus Volksaberglauben, Katholizismus und nationalen Ressentiments gegen alles Franz\u00f6sische und Italienische. Unz\u00e4hlige Soldaten vertrauten ihr Wohl noch im technologisierten Kampfgeschehen des Ersten Weltkriegs dem Herzen Jesu an und trugen im Granatenhagel Bilder dieses Symbols bei sich. Neben der Gnadenmutter Cranachs ist die Darstellung des Herzen Jesu wohl bis heute das beliebteste christliche Motiv im Tiroler Raum und prangt auf der Fassade unz\u00e4hliger H\u00e4user.<\/p>\n<p>Das habsburgische Tirol hatte sich w\u00e4hrend den Kriegswirren ohne sein Zutun, und wohl auch ohne das des Herzen Jesu, vergr\u00f6\u00dfert. Das Trentino war in den letzten Atemz\u00fcgen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches vor dessen Aufl\u00f6sung 1803 zu einem Teil des Kronlandes geworden. Innsbruck hingegen war geschrumpft. Die verstorbenen Soldaten und die kriegsbedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten f\u00fchrten zu einem R\u00fcckgang der Einwohner von gut 9500 um das Jahr 1750 auf etwa 8800. Nach den Napoleonischen Kriegen blieb es f\u00fcr etwa 30 Jahre ruhig an den Tiroler Landesgrenzen. Das \u00e4nderte sich mit dem italienischen Risorgimento, der Nationalbewegung unter F\u00fchrung Sardinien-Piemonts und Frankreichs. 1848, 1859 und 1866 kam es zu den sogenannten <em>Italienischen Einigungskriegen<\/em>. Im Lauf des 19. Jahrhunderts, sp\u00e4testens seit 1848, war es unter jungen M\u00e4nnern der Oberschicht zu einem regelrechten nationalen Rausch gekommen. Freiwilligenheere schossen in allen Regionen Europas aus dem Boden. Studenten und Akademiker, die sich in ihren Verbindungen zusammentaten, Turner, Sch\u00fctzen, alle wollten ihre neue Liebe zur Nation auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen und unterst\u00fctzten die offiziellen Armeen.<\/p>\n<p>Innsbruck war als Garnisonsstadt ein wichtiger Versorgungsposten. Nach dem Wiener Kongress war aus dem <em>Tiroler J\u00e4gerkorps<\/em> das\u00a0<em>k.k. Tiroler Kaiserj\u00e4gerregiment<\/em> geworden, eine Eliteeinheit, die in diesen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam. Auch freiwillige Einheiten wie die <em>Innsbrucker Akademiker<\/em> oder die Stubaier Sch\u00fctzen k\u00e4mpften in Italien. Tausende fielen im Kampf gegen die Koalition aus dem Erzfeind Frankreich, den gottlosen Garibaldinern und der Bedrohung durch das sich auf Kosten \u00d6sterreichs konstituierende K\u00f6nigreich Italien unter der F\u00fchrung der frankophilen Savoyer aus Piemont. Medien heizten die Stimmung abseits der Frontlinie auf. Die &#8222;<em>Innsbrucker Zeitung<\/em>&#8220; predigte in ihren Artikeln Kaisertreue und gro\u00dfdeutsch-tirolischen Nationalismus, wetterte gegen das Italienertum und Franzosen und pries den Mut Tiroler Soldaten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die starke Besetzung der H\u00f6hen am Ausgange des Valsugana bei Primolano und le Tezze gab schon oft den Innsbrucker-Akademikern I. und den Stubaiern Anla\u00df, freiwillige Ercur:sionen gegen le Tezze, Fonzago und Fastro, als auch auf das rechte Brenta-Ufer und den H\u00f6hen gegen die kleinen Lager von den Sette comuni zu machen&#8230;Am 19. schon haben die Stubaier einige Feinde niedergestreckt, als sie sich das erste mal hinunterwagten, indem sie sich ihnen entgegenschlichen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die wohl bekannteste Schlacht der <em>Einigungskriege<\/em> fand in Solferino 1859 in der N\u00e4he des Gardasees statt. Entsetzt vom blutigen Geschehen entschloss sich Henry Durant das Rote Kreuz zu gr\u00fcnden. Der Schriftsteller Joseph Roth beschrieb das Geschehen auf den ersten Seiten seines lesenswerten Klassikers\u00a0<em>Radetzkymarsch<\/em>.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Schlacht bei Solferino befehligte er (Anm.: Leutnant Trotta) als Leutnant der Infanterie einen Zug. Seit einer halben Stunde war das Gefecht im Gange. Drei Schritte vor sich sah er die wei\u00dfen R\u00fccken seiner Soldaten. Die erste Reihe seines Zuges kniete, die zweite stand. Heiter waren alle und sicher des Sieges. Sie hatten ausgiebig gegessen und Branntwein getrunken, auf Kosten und zu Ehren des Kaisers, der seit gestern im Felde war. Hier und dort fiel einer aus der Reihe.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders verlustreich f\u00fcr das Kaiserreich \u00d6sterreich war das Jahr 1866. In Italien gingen Venetien und die Lombardei verloren. Gleichzeitig \u00fcbernahm Preu\u00dfen die F\u00fchrung im Deutschen Bund, der Nachfolgeorganisation des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reich Deutscher Nation.<\/em> F\u00fcr Innsbruck bedeutete das Ausscheiden der Habsburgermonarchie aus dem Deutschen Bund, dass man endg\u00fcltig zu einer Stadt an der westlichen Peripherie des Reiches geworden war. Der Hang zur sogenannten\u00a0<em>Gro\u00dfdeutschen L\u00f6sung<\/em>, also einer Staatlichkeit mit dem Deutschen Reich gemeinsam anstatt dem alleinstehenden Kaisertum \u00d6sterreich, war in Innsbruck sehr stark ausgepr\u00e4gt. Wie sehr diese Deutsche Frage die Stadt spaltete, zeigte sich noch \u00fcber 30 Jahre sp\u00e4ter, als der Innsbrucker Gemeinderat dem <em>Eisernen Kanzler<\/em> Bismarck, der f\u00fcr den Bruderkrieg zwischen \u00d6sterreich und Deutschland federf\u00fchrend verantwortlich war, eine Stra\u00dfe widmen wollte. W\u00e4hrend sich kaisertreue Konservative entsetzt ob dieses Vorschlages zeigten, waren die gro\u00dfdeutschen Liberalen rund um B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil begeistert.<\/p>\n<p>Mit dem Tummelplatz, dem Milit\u00e4rfriedhof Pradl und dem Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel besitzt die Stadt mehrere Erinnerungsorte an diese blutigen Konflikte, bei denen viele Innsbrucker ins Feld zogen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Erste Weltkrieg &#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53606&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Beinahe h\u00e4tte nicht Gavrilo Princip, sondern ein Innsbrucker Student die Geschicke der Welt ver\u00e4ndert. Es ist dem Zufall zu verdanken, dass der 20 Jahre alte Serbe im Jahr 1913 gestoppt wurde, weil er mit dem geplanten Attentat auf den Thronfolger vor einer Kellnerin prahlte. Erst als es tats\u00e4chlich zu den die Welt ver\u00e4ndernden Sch\u00fcssen in Sarajevo kam, erschien ein Artikel in den Medien dazu. Welche Auswirkungen der daraufhin ausgebrochene Erste Weltkrieg auf die Welt und den Alltag der Menschen haben sollte, war nach dem tats\u00e4chlichen Attentat auf Franz Ferdinand am 28. Juni nicht absehbar. Zwei Tage nach der Ermordung des Habsburgers in Sarajewo war aber in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> bereits prophetisches zu lesen: \u201e<em>Wir sind an einem Wendepunkte \u2013 vielleicht an dem Wendepunkte\u201c \u2013 der Geschicke dieses Reiches angelangt<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Auch in Innsbruck war die Begeisterung f\u00fcr den Krieg 1914 gro\u00df gewesen. Vom \u201e<em>Gott, Kaiser und Vaterland<\/em>\u201c der Zeit angetrieben, begr\u00fc\u00dften die Menschen den Angriff auf Serbien zum allergr\u00f6\u00dften Teil einhellig. Politiker, Klerus und Presse stimmten in den allgemeinen Jubel mit ein. Neben dem kaiserlichen Appell \u201eAn meine V\u00f6lker\u201c, der in allen Medien des Reiches erschien, druckten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> am 29. Juli, dem Tag nach der Kriegserkl\u00e4rung \u00d6sterreich-Ungarns an Serbien einen Artikel rund um die Einnahme Belgrads durch Prinz Eugen im Jahr 1717. Der Ton in den Medien war feierlich, wenn auch nicht ganz ohne b\u00f6se Vorahnung auf das, was kommen sollte.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Appell des Kaisers an seine V\u00f6lker wird tief ergreifen. Der innere Hader ist verstummt und die Spekulationen unserer Feinde aus Unruhen und \u00e4hnliche Dinge sind j\u00e4mmerlich zu Schanden geworden. In alter und vielbew\u00e4hrter Treue stehen vor allem auch diesmal die Deutschen zu Kaiser und Reich: auch diesmal bereit, mit ihrem Blute f\u00fcr Dynastie und Vaterland einzustehen. Wir gehen schweren Tagen entgegen; niemand kann auch nur ahnen, was uns das Schicksal bescheiden wird, was es Europa, was es der Welt bescheiden wird. Wir k\u00f6nnen nur mit unserem alten Kaiser auf unsere Kraft und auf Gott vertrauen und die Zuversicht hegen, da\u00df, wenn wir einig find und zusammenhalten, uns der Sieg beschieden sein mu\u00df, denn wir wollten den Krieg nicht und unsere Sache ist die der Gerechtigkeit!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders \u201everdient\u201c machten sich bei der Kriegstreiberei Theologen wie Joseph Seeber (1856 \u2013 1919) und Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> (1870 \u2013 1919) die mit ihren Predigten und Schriften wie \u201e<em>Das blutige Jahr<\/em>\u201c den Krieg zu einem Kreuzzug gegen Frankreich und Italien erhoben.<\/p>\n<p>Viele Innsbrucker meldeten sich freiwillig f\u00fcr den Feldzug gegen Serbien, von dem man dachte, er w\u00e4re eine Angelegenheit weniger Wochen oder Monate. Von au\u00dferhalb der Stadt kam eine so gro\u00dfe Anzahl an Freiwilligen zu den Stellungskommissionen, dass Innsbruck beinahe aus allen N\u00e4hten platzte. Wie anders es kommen sollte, konnte keiner ahnen. Schon nach den ersten Schlachten im fernen Galizien war klar, dass es keine Sache von Monaten werden w\u00fcrde. Kaiserj\u00e4ger und andere Tiroler Truppen wurden regelrecht verheizt. Schlechte Ausr\u00fcstung, mangelnder Nachschub und die katastrophale des Oberkommandos unter Konrad von H\u00f6tzendorf brachten Tausenden den Tod oder in Kriegsgefangenschaft, wo Hunger, Misshandlung und Zwangsarbeit warteten.<\/p>\n<p>1915 trat das K\u00f6nigreich Italien an der Seite Frankreichs und Englands in den Krieg ein. Damit ging die Front quer durch das damalige Tirol. Vom Ortler im Westen \u00fcber den n\u00f6rdlichen Gardasee bis zu den <em>Sextener Dolomiten<\/em> fanden die Gefechte des Gebirgskriegs statt. Innsbruck war nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffen. Zumindest h\u00f6ren konnte man das Kriegsgeschehen aber bis in die Landeshauptstadt, wie in der Zeitung vom 7. Juli 1915 zu lesen war:<\/p>\n<p><em>\u201eBald nach Beginn der Feindseligkeiten der Italiener konnte man in der Gegend der Serlesspitze deutlich Kanonendonner wahrnehmen, der von einem der Kampfpl\u00e4tze im S\u00fcden Tirols kam, wahrscheinlich von der Vielgereuter Hochebene. In den letzten Tagen ist nun in Innsbruck selbst und im Nordosten der Stadt unzweifelhaft der Schall von Gesch\u00fctzdonner festgestellt worden, einzelne starke Schl\u00e4ge, die dumpf, nicht rollend und t\u00f6nend \u00fcber den Brenner her\u00fcberklangen. Eine T\u00e4uschung ist ausgeschlossen. In Innsbruck selbst ist der Donner der Kanonen schwerer festzustellen, weil hier der L\u00e4rm zu gro\u00df ist, es wurde aber doch einmal abends ungef\u00e4hr um 9 Uhr, als einigerma\u00dfen Ruhe herrschte, dieser unzweifelhafte von unseren M\u00f6rsern herr\u00fchrender Donner geh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bis zur Verlegung regul\u00e4rer Truppen von der Ostfront an die Tiroler Landesgrenzen hing die Landesverteidigung an den Standsch\u00fctzen, einer Truppe, die aus M\u00e4nnern unter 21, \u00fcber 42 oder mit Untauglichkeit f\u00fcr den regul\u00e4ren Milit\u00e4rdienst bestand. Die Opferzahlen waren dementsprechend hoch.<\/p>\n<p>Die Front war zwar relativ weit von Innsbruck entfernt, der Krieg drang aber auch ins zivile Leben ein. Durch die Massenmobilmachung eines gro\u00dfen Teils der arbeitenden m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung kamen viele Betriebe zum vollkommenen Stillstand. Regale in Gesch\u00e4ften blieben leer, der \u00f6ffentliche Verkehr kam zum Erliegen, Handwerker und Arbeiter fehlten an allen Ecken und Enden. Oft fehlten Kohle und Brennholz. Hunger und K\u00e4lte wurden in der Stadt zu erbitterten Feinden von Frauen, Kindern, Verwundeten und nicht Kriegstauglichen. Diese Erfahrung der totalen Einbeziehung der gesamten Gesellschaft war f\u00fcr die Menschen neu. In der H\u00f6ttinger Au wurden Baracken zur Unterbringung von Kriegsgefangenen errichtet. Verwundetentransporte brachten eine so gro\u00dfe Zahl grauenhaft Verletzter, dass viele eigentlich zivile Geb\u00e4ude wie die sich gerade im Bau befindliche Universit\u00e4tsbibliothek oder Schloss Ambras in Milit\u00e4rspit\u00e4ler umfunktioniert wurden. Um der gro\u00dfen Zahl an Gefallenen Herr zu werden, wurde der Milit\u00e4rfriedhof Pradl angelegt. Ein Vorg\u00e4nger der Stra\u00dfenbahnlinie 3 wurde eingerichtet, um die Verwundeten vom Bahnhof ins neue Garnisonsspital, die heutige Conradkaserne in Pradl, bringen zu k\u00f6nnen. Die Unternehmen, die noch produzieren konnten, wurden der Kriegswirtshaft untergeordnet. Je l\u00e4nger der Krieg aber dauerte, desto weniger waren es. Im Winter 1917 war die Innsbrucker Wirtschaft beinahe g\u00e4nzlich zusammengebrochen.<\/p>\n<p>Mit dem Kriegsende r\u00fcckte auch die Front n\u00e4her. Im Februar 1918 schaffte es die italienische Luftwaffe, drei Bomben auf Innsbruck abzuwerfen. In diesem Winter, der als <em>Hungerwinter<\/em> in die europ\u00e4ische Geschichte einging, machte sich auch der Mangel bemerkbar. Die Versorgung erfolgte in den letzten Kriegsjahren \u00fcber Bezugsscheine. 500 g Fleisch, 60 g Butter und 2 kg Kartoffel waren die Basiskost pro Person \u2013 pro Woche, wohlgemerkt. Auf Archivbildern kann man die langen Schlangen verzweifelter und hungriger Menschen vor den Lebensmittell\u00e4den sehen. Immer wieder kam es zu Protesten und Streiks. Politiker, Gewerkschafter, Arbeiter und Kriegsheimkehrer sahen ihre Chance auf Umbruch gekommen. Unter dem Motto <em>Friede, Brot und Wahlrecht <\/em>vereinten sich unterschiedlichste Parteien im Widerstand gegen den Krieg. Zu dieser Zeit war den meisten Menschen schon klar, dass der Krieg verloren war, und welches Schicksal Tirol erwarten w\u00fcrde, wie dieser Artikel vom 6. Oktober 1918 zeigt:<\/p>\n<p>\u00a0\u201e<em>Aeu\u00dfere und innere Feinde w\u00fcrfeln heute um das Land Andreas Hofers. Der letzte Wurf ist noch grausamer; sch\u00e4ndlicher ist noch nie ein freies Land geschachert worden. Das Blut unserer V\u00e4ter, S\u00f6hne und Br\u00fcder ist umsonst geflossen, wenn dieser sch\u00e4ndliche Plan Wirklichkeit werden soll. Der letzte Wurf ist noch nicht getan. Darum auf Tiroler, zum Tiroler Volkstag in Brixen am 13. Oktober 1918 (n\u00e4chsten Sonntag). Deutscher Boden mu\u00df deutsch bleiben, Tiroler Boden mu\u00df tirolisch bleiben. Tiroler entscheidet selbst \u00fcber Eure Zukunft!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Am 4. November vereinbarten \u00d6sterreich-Ungarn und das K\u00f6nigreich Italien schlie\u00dflich einen Waffenstillstand. Damit verbunden war das Recht der Alliierten Gebiete der Monarchie zu besetzen. Bereits am n\u00e4chsten Tag r\u00fcckten bayerische Truppen in Innsbruck ein. Der \u00f6sterreichische Verb\u00fcndete Deutschland befand sich noch im Krieg mit Italien und hatte Angst, die Front k\u00f6nnte nach Nordtirol n\u00e4her an das Deutsche Reich verlegt werden. Zum gro\u00dfen Gl\u00fcck f\u00fcr Innsbruck und die Umgebung kapitulierte aber auch Deutschland eine Woche sp\u00e4ter am 11. November. So blieben die gro\u00dfen Kampfhandlungen zwischen regul\u00e4ren Armeen au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Trotzdem war Innsbruck in Gefahr. Gewaltige Kolonnen an milit\u00e4rischen Kraftfahrzeugen, Z\u00fcge voller Soldaten und tausende ausgezehrte Soldaten, die sich zu Fu\u00df auf den Heimweg von der Front machten, passierten die Stadt. Wer konnte, sprang auf einen der \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcge oder auf ein Auto, um den Brenner hinter sich zu lassen, um nach Hause zu kommen. Im November 1918 kamen mehr als 270 Soldaten bei diesen waghalsigen Man\u00f6vern ums Leben oder mussten in eines der Lazarette der Stadt eingeliefert werden. Die Stadt musste nicht nur die eigenen B\u00fcrger in Zaum halten, die Verpflegung garantieren, sondern sich auch vor Pl\u00fcnderungen sch\u00fctzen. Um die \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, bildete der Tiroler Nationalrat am 5. November eine Volkswehr aus Sch\u00fclern, Studenten, Arbeitern und B\u00fcrgern. Am 23. November 1918 besetzten italienische Truppen die Stadt und das Umland. Der beschwichtigende Aufruf an die Innsbrucker von B\u00fcrgermeister Greil, die Stadt ohne Aufruhr zu \u00fcbergeben, hatte Erfolg. 5000 Mann mussten Unterschlupf in der ausgehungerten und elenden Stadt finden. Schulen wurden zu Kasernen. Es kam zwar zu vereinzelten Ausschreitungen, Hungerkrawallen und Pl\u00fcnderungen, bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen oder gar eine bolschewistische Revolution wie in M\u00fcnchen gab es aber nicht.<\/p>\n<p>\u00dcber 1200 Innsbrucker verloren auf den Schlachtfeldern und in Lazaretten ihr Leben, \u00fcber 600 wurden verwundet. Erinnerungsorte an den Ersten Weltkrieg und seine Opfer finden sich in Innsbruck vor allem an Kirchen und Friedh\u00f6fen. Das Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel zeigt Uniformen, Waffen und Bilder des Schlachtgeschehens. Den beiden Theologen Anton M\u00fcllner und Josef Seeber sind in Innsbruck Stra\u00dfennamen gewidmet. Auch nach dem Oberbefehlshaber der k.u.k Armee an der S\u00fcdfront, Erzherzog Eugen, wurde eine Stra\u00dfe benannt. Vor dem Hofgarten befindet sich ein Denkmal f\u00fcr den erfolglosen Feldherren. An die italienische Besatzung erinnert der \u00f6stliche Teil des Amraser Milit\u00e4rfriedhofs.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Bocksiedlung und der Austrofaschismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Bocksiedlung und der Austrofaschismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53753&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Politische Polarisierung pr\u00e4gte neben Hunger das Leben der Menschen in den 1920er und 1930er Jahren. Der Zusammenbruch der Monarchie hatte zwar eine Republik hervorgebracht, die beiden gro\u00dfen Volksparteien, die Sozialdemokraten und die Christlichsozialen, standen sich aber feindselig wie zwei Skorpione gegen\u00fcber. Beide Parteien bauten paramilit\u00e4rische Bl\u00f6cke auf, um die politische Agenda notfalls auf der Stra\u00dfe mit Gewalt zu untermauern. Der <em>Republikanische Schutzbund<\/em> auf Seiten der Sozialdemokraten und verschiedene christlich-sozial oder gar monarchistisch orientierte <em>Heimwehren<\/em>, der Einfachheit halber sollen die unterschiedlichen Gruppen unter diesem Sammelbegriff zusammengefasst werden, belauerten sich wie B\u00fcrgerkriegsparteien. Viele Politiker und Funktion\u00e4re beider Seiten hatten im Krieg an der Front gek\u00e4mpft und waren dementsprechend militarisiert. Die <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> konnte im l\u00e4ndlichen Tirol dank der Unterst\u00fctzung der katholischen Kirche auf bessere Infrastruktur und politisches Netzwerk zur\u00fcckgreifen. Am 12. November 1928, dem zehnten Jahrestag der Gr\u00fcndung der Republik, marschierten am Ersten gesamt\u00f6sterreichischen Heimwehraufmarsch 18.000 Heimatwehrm\u00e4nner durch die Stadt, um ihre \u00dcberlegenheit am h\u00f6chsten Feiertag der heimischen Sozialdemokratien zu untermauern. Als Mannschaftsquartier der steirischen Truppen diente unter anderem das Stift Wilten. \u00a0<\/p>\n<p>Ab 1930 zeigte auch die NSDAP immer mehr Pr\u00e4senz im \u00f6ffentlichen Raum. Besonders unter Studenten und jungen, desillusionierten Arbeitern konnte sie Anh\u00e4nger gewinnen. 1932 z\u00e4hlte die Partei bereits 2500 Mitglieder in Innsbruck. Immer wieder kam es zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen den verfeindeten politischen Gruppen. Ber\u00fcchtigt wurde die sogenannte <em>H\u00f6ttinger Saalschlacht<\/em> vom 27. Mai 1932. H\u00f6tting war damals noch kein Teil Innsbrucks. In der Gemeinde lebten vor allem Arbeiter. In dieser <em>roten<\/em> Bastion Tirols planten Nationalsozialisten eine Kundgebung im Gasthof <em>Goldener B\u00e4r<\/em>, einem Treffpunkt der Sozialdemokraten. Diese Provokation endete in einem Kampf, der mit \u00fcber 30 Verletzten und einem Todesopfer auf Seiten der Nationalsozialisten durch eine Stichwunde endete. Die Ausschreitungen breiteten sich auf die ganze Stadt aus, sogar in der Klinik gerieten die Verletzten noch aneinander. Nur unter Einsatz der Gendarmerie und des Heeres konnten die Kontrahenten voneinander getrennt werden.<\/p>\n<p>Nach jahrelangen b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden setzten sich 1933 die Christlichsozialen unter Kanzler Engelbert Dollfu\u00df (1892 \u2013 1934) durch und schalteten das Parlament aus. In Innsbruck kam es dabei zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen. Am 15. M\u00e4rz wurde das Parteihaus der <em>Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Tirol<\/em> im <em>Hotel Sonne<\/em> ger\u00e4umt, der -Anf\u00fchrer des Republikanischen Schutzbundes Gustav Kuprian wegen Hochverrat festgenommen und die einzelnen Gruppen entwaffnet. Das Ziel Dollfu\u00df\u00b4 war die Errichtung des sogenannten <em>\u00d6sterreichischen St\u00e4ndestaats<\/em>, einem Einparteienstaat ohne Opposition unter Beschneidung elementarer Rechte wie Presse- oder Versammlungsfreiheit. In Tirol wurde 1933 die <em>Tiroler Wochenzeitung<\/em> neu gegr\u00fcndet um als Parteiorgan zu fungieren. Der gesamte Staatsapparat sollten analog zum Faschismus Mussolinis in Italien unter der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em> geeint werden: Antisozialistisch, autorit\u00e4r, konservativ im Gesellschaftsbild, antidemokratisch, antisemitisch und militarisiert. Der Innsbrucker Gemeinderat wurde von 40 auf 28 Mitglieder verkleinert. Anstatt durch freie Wahlen wurden sie vom Landeshauptmann ernannt, was zur Folge hatte, dass nur noch konservative Gemeinder\u00e4te vertreten waren.<\/p>\n<p>Dollfu\u00df war in Tirol \u00fcberaus popul\u00e4r, wie Aufnahmen des vollen Platzes vor der Hofburg w\u00e4hrend einer seiner Ansprachen aus dem Jahr 1933 zeigen. Seine Politik war das, was der Habsburgermonarchie am n\u00e4chsten kam. Sein politischer Kurs wurde von der katholischen Kirche unterst\u00fctzt. Das gab ihm Zugriff auf Infrastruktur, Presseorgane und Vorfeldorganisationen. Gegen die verhassten Sozialisten ging die <em>Vaterl\u00e4ndische Front<\/em> mit ihren paramilit\u00e4rischen Einheiten hart vor. Man schreckte nicht vor Unterdr\u00fcckung und Gewalttaten gegen Leib und Leben sowie Einrichtungen der politischen Gegnerschaft zur\u00fcck. Sozialisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten wurden immer wieder verhaftet. 1934 zerst\u00f6rten Mitglieder der Heimwehr das Denkmal des Sozialdemokraten Martin Rapoldi in Kranebitten. Die Presse war politisch gesteuert und zensuriert. Die Artikel glorifizierten das l\u00e4ndliche Leben in seiner Idylle. Kinderreiche Familien wurden finanziell unterst\u00fctzt. Die Geschlechtertrennung an Schulen und die Umgestaltung der Lehrpl\u00e4ne f\u00fcr M\u00e4dchen bei gleichzeitiger vormilit\u00e4rischer Ert\u00fcchtigung der Buben war im Sinn eines gro\u00dfen Teils der Bev\u00f6lkerung. Auch die traditionell orientierte Kulturpolitik, mit der sich \u00d6sterreich als das <em>bessere<\/em> Deutschland unter der antiklerikalen nationalsozialistischen F\u00fchrung positionierte, gefiel dem konservativen Teil der Gesellschaft. Bereits 1931 hatten sich einige Tiroler B\u00fcrgermeister zusammengeschlossen, um das Einreiseverbot f\u00fcr die Habsburger aufheben zu lassen, das unausgesprochene Fernziel der Neuinstallation der Monarchie durch die Christlichsozialen erfreute sich also einer breiten Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Am 25. Juli 1934 kam es in Wien zu einem Putschversuch der verbotenen Nationalsozialisten, bei dem Dollfu\u00df ums Leben kam. Auch in Innsbruck kam es zu einem Umsturzversuch. Beim Versuch einer Gruppe von Nationalsozialisten die Kontrolle \u00fcber die Stadt zu gelangen, wurde in der Herrengasse ein Polizist erschossen. Hitler, der die Anschl\u00e4ge nicht angeordnet hatte, distanzierte sich, die \u00f6sterreichischen Gruppen der verbotenen Partei wurden dadurch eingeschr\u00e4nkt. In Innsbruck wurde auf \u201e<em>Verf\u00fcgung des Regierungskommiss\u00e4rs der Landeshauptstadt Tirols\u201c<\/em> der Platz vor dem Tiroler Landestheater als <em>Dollfu\u00dfplatz<\/em> gef\u00fchrt. Hier hatte sich Dollfu\u00df bei einer Kundgebung zwei Wochen vor seinem Tod noch mit dem aus Tirol stammenden Heimwehrf\u00fchrer Richard Steidle getroffen. Steidle war selbst mehrmals Opfer politischer Gewalt geworden. 1932 wurde er nach der H\u00f6ttinger Saalschlacht in der Stra\u00dfenbahn attackiert, im Jahr darauf vor seinem Haus in der Leopoldstra\u00dfe Opfer eines Schussattentats. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP kam er in das Konzentrationslager Buchenhausen, wo er 1940 starb.<\/p>\n<p>Dollfu\u00df\u00b4 Nachfolger als Kanzler Kurt Schuschnigg (1897 \u2013 1977) war geb\u00fcrtiger Tiroler und Mitglied der Innsbrucker Studentenverbindung <em>Austria<\/em>. Er betrieb lange Zeit eine Rechtsanwaltskanzlei in Innsbruck. 1930 gr\u00fcndete er eine paramilit\u00e4rische Einheit namens <em>Ostm\u00e4rkische Sturmscharen<\/em>, die das Gegengewicht der Christlich-Sozialen zu den radikalen Heimwehrgruppen bildeten. Nach dem Februaraufstand 1934 war er als Justizminister im Kabinett Dollfu\u00df mitverantwortlich f\u00fcr die Hinrichtung mehrerer Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>Vor allem wirtschaftlich konnte aber auch der Austrofaschismus das Ruder in den 1930er Jahren nicht herumrei\u00dfen. Die Wirtschaftskrise, die 1931 auch \u00d6sterreich erreichte und die radikale, populistische Politik der NSDAP befeuerte, schlug hart zu. Die staatlichen Investitionen in gro\u00dfe Infrastrukturprojekte kamen zum Erliegen. Die Arbeitslosenquote lag 1933 bei 25%. Die Einschr\u00e4nkung der sozialen F\u00fcrsorge, die zu Beginn der <em>Ersten Republi<\/em>k eingef\u00fchrt worden war, hatte dramatische Auswirkungen. Langzeitarbeitslose wurden vom Bezug von Sozialleistungen als \u201e<em>Ausgesteuerte<\/em>\u201c ausgeschlossen. Die Armut lie\u00df die Kriminalit\u00e4tsrate ansteigen, \u00dcberf\u00e4lle, Raube und Diebst\u00e4hle h\u00e4uften sich.<\/p>\n<p>Ein besonderes Problem war wie schon in den Jahrzehnten zuvor die Wohnsituation. Trotz der Bem\u00fchungen seitens der Stadt modernen Wohnraum zu schaffen, hausten noch immer viele Innsbrucker in Bruchbuden. Badezimmer oder ein Schlafraum pro Person war die Ausnahme. Seit dem gro\u00dfen Wachstum Innsbrucks ab den 1880er Jahren war die Wohnsituation f\u00fcr viele Menschen prek\u00e4r. Eisenbahn, Industrialisierung, Fl\u00fcchtlinge aus den deutschsprachigen Gebieten Italiens und Wirtschaftskrise hatten Innsbruck an den Rand des M\u00f6glichen getrieben. Nach Wien hatte Innsbruck die zweith\u00f6chste Anzahl an Bewohnern pro Haus vorzuweisen. Die Mietpreise f\u00fcr Wohnraum waren derart hoch, dass Arbeiter h\u00e4ufig in Etappen schliefen, um sich die Kosten zu teilen. Zwar waren vor allem in Pradl neue Wohnbl\u00f6cke und Obdachlosenunterk\u00fcnfte entstanden wie das Wohnheim f\u00fcr Arbeiter in der Amthorstra\u00dfe im Jahr 1907, die Herberge in der Hunoldstra\u00dfe und der Pembaurblock, das gen\u00fcgte aber nicht um der Situation Herr zu werden. Aus dieser Not und Verzweiflung entstanden an den Randgebieten der Stadt mehrere Barackend\u00f6rfer und Siedlungen, gegr\u00fcndet von den Ausgeschlossenen, Verzweifelten und Abgeh\u00e4ngten, die im System keinen Platz fanden. Im Kriegsgefangenenlager in der H\u00f6ttinger Au quartierten sich nach dessen Ausmusterung Menschen in den Baracken ein. Die bis heute bekannteste und ber\u00fcchtigtste war die <em>Bocksiedlung<\/em> am Gebiet der heutigen Reichenau. Zwischen dem damals dort beheimateten Flughafen und den Baracken des Konzentrationslagers Reichenau siedelten sich ab 1930 mehrere Familien in Baracken und Wohnw\u00e4gen an. Die Entstehungslegende spricht von Otto und Josefa Rauth als Gr\u00fcnderinnen, deren Wohnwagen hier strandete. Rauth war nicht nur wirtschaftlich, sondern als bekennender Kommunist in Tiroler Lesart auch moralisch arm. Sein Flo\u00df, die <em>Arche Noah<\/em>, mit dem er \u00fcber Inn und Donau in die Sowjetunion gelangen wollte, ankerte vor dem Gasthof Sandwirt.<\/p>\n<p>Nach und nach entstand ein Bereich gleicherma\u00dfen am Rand der Stadt wie auch der Gesellschaft, der vom inoffiziellen B\u00fcrgermeister der Siedlung Johann Bock (1900 \u2013 1975) wie eine unabh\u00e4ngige Kommune geleitet wurde. Er regelte die Agenden in seinem Wirkungsbereich in rau-herzlicher Manier.<\/p>\n<p>Die <em>Bockala<\/em> hatten einen f\u00fcrchterlichen Ruf unter den braven B\u00fcrgern der Stadt. Bei aller Geschichtsgl\u00e4ttung und Nostalgie wohl nicht zu Unrecht. So hilfsbereit und solidarisch die oft exzentrischen Bewohner der Siedlung untereinander sein konnten, waren k\u00f6rperliche Gewalt und Kleinkriminalit\u00e4t an der Tagesordnung. \u00dcberm\u00e4\u00dfiger Alkoholkonsum war g\u00e4ngige Praxis. Die Stra\u00dfen waren nicht asphaltiert. Flie\u00dfendes Wasser, Kanalisation und Sanit\u00e4ranlagen gab es ebenso wenig wie eine regul\u00e4re Stromversorgung. Sogar die Versorgung mit Trinkwasser war lange prek\u00e4r, was die st\u00e4ndige Gefahr von Seuchen mit sich brachte.<\/p>\n<p>Viele, nicht aber alle Bewohner waren arbeitslos oder kriminell. Es waren vielfach Menschen, die durch das System fielen, die sich in der Bocksiedlung niederlie\u00dfen. Das falsche Parteibuch zu haben konnte gen\u00fcgen, um im Innsbruck der 1930er keinen Wohnraum ergattern zu k\u00f6nnen. Karl Jaworak, der 1924 ein Attentat auf Bundeskanzler Pr\u00e4lat Ignaz Seipel ver\u00fcbte, lebte nach seiner Haft und Deportation in ein Konzentrationslager w\u00e4hrend des NS-Regimes ab 1958 an der Adresse Reichenau 5a.<\/p>\n<p>Die Ausstattung der Behausungen der Bocksiedlung war ebenso heterogen wie die Bewohner. Es gab Wohn- und Zirkusw\u00e4gen, Holzbaracken, Wellblechh\u00fctten, Ziegel- und Betonh\u00e4user. Die Bocksiedlung hatte auch keine fixen Grenzen. <em>Bockala<\/em> zu sein war in Innsbruck ein sozialer Status, der zu einem gro\u00dfen Teil in der Imagination der Bev\u00f6lkerung entstand.<\/p>\n<p>Innerhalb der Siedlung kam es zu Vermietung und Verkauf der errichteten H\u00e4user und W\u00e4gen. Unter Duldung der Stadt Innsbruck entstanden ersessene Werte. Die Bewohner bewirtschafteten Selbstversorgerg\u00e4rten und hielten Vieh, auch Hund und Katze standen in kargen Zeiten am Speiseplan.<\/p>\n<p>Die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges versch\u00e4rften die Wohnsituation in Innsbruck und lie\u00dfen die <em>Bocksiedlung<\/em> wachsen. Um die 50 Unterk\u00fcnfte sollen es am H\u00f6hepunkt gewesen sein. Auch die Baracken des Konzentrationslagers Reichenau wurden als Schlafpl\u00e4tze genutzt, nachdem die letzten inhaftierten Nationalsozialisten, die dort verwahrt wurden, verlegt oder freigelassen worden waren, allerdings z\u00e4hlte das KZ nicht zur Bocksiedlung im engeren Sinn.<\/p>\n<p>Der Anfang vom Ende waren die Olympischen Spielen von 1964 und ein Brand in der Siedlung ein Jahr zuvor. B\u00f6se Zungen behaupten, dieser sei gelegt worden, um die R\u00e4umung zu beschleunigen.\u00a0 1967 verhandelten B\u00fcrgermeister Alois Lugger und Johann Bock, Erz\u00e4hlungen nach in alkoholgeschw\u00e4ngerter Atmosph\u00e4re, \u00fcber das weitere Vorgehen und Entsch\u00e4digungen seitens der Gemeinde f\u00fcr die R\u00e4umung. 1976 wurden die letzten Quartiere wegen hygienischer M\u00e4ngel ger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Viele ehemalige Bewohner der <em>Bocksiedlung<\/em> wurden nach den Olympischen Spielen in st\u00e4dtische Wohnungen in Pradl, der Reichenau und im <em>O-Dorf<\/em> einquartiert. Die Sitten der <em>Bocksiedlung<\/em> lebten noch einige Jahre fort, was den schlechten Ruf der st\u00e4dtischen Wohnbl\u00f6cke dieser Stadtviertel bis heute ausmacht.<\/p>\n<p>Eine Aufarbeitung dessen, was von vielen Historikern als <em>Austrofaschismus<\/em> bezeichnet wird, ist in \u00d6sterreich bisher kaum passiert. So sind in der Kirche St. Jakob im Defereggen in Osttirol oder in der Pfarrkirche Fritzens noch Bilder mit Dollfu\u00df als Besch\u00fctzer der katholischen Kirche mehr oder minder unkommentiert zu sehen. In vielen Belangen reicht das Erbe der gespaltenen Situation der Zwischenkriegszeit in die Gegenwart. Bis heute gibt es rote und schwarze Autofahrerclubs, Sportverb\u00e4nde, Rettungsgesellschaften und Alpinverb\u00e4nde, deren Wurzeln in diese Zeit zur\u00fcckreichen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Bocksiedlung wurde in vielen Interviews und m\u00fchsamer Kleinarbeit vom Stadtarchiv f\u00fcr das Buch \u201e<em>Bocksiedlung. Ein St\u00fcck Innsbruck<\/em>\u201c des Stadtarchivs lesenswert aufbereitet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josef-Hirn-Stra\u00dfe<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":57892,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[36,61,62,166,83,32,167,87],"tags":[],"class_list":["post-57859","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1796-1866-vom-herzen-jesu-bis-koeniggraetz","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-der-erste-weltkrieg-und-die-zeit-danach","category-die-wallschen-und-die-fatti-di-innsbruck","category-die-zeit-des-austrofaschismus","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-universitatsstadt-innsbruck","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57859","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57859"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57859\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/57892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}