{"id":5794,"date":"2021-02-09T13:21:39","date_gmt":"2021-02-09T13:21:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=5794"},"modified":"2026-01-08T14:26:33","modified_gmt":"2026-01-08T14:26:33","slug":"tiroler-landhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/tiroler-landhaus\/","title":{"rendered":"Landhausplatz &amp; Tiroler Landhaus"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Landhausplatz &amp; Tiroler Landhaus<\/h2>\n<p>Eduard-Walln\u00f6fer-Platz<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Landhausplatz-Innsbruck.jpg&#8220; alt=&#8220;Hofburg Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Landhausplatz Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59941,55766,65126,5521,59512&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Landhausplatz &#038; Tiroler Landhaus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61895&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Landhausplatz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59005&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Tiroler Landhaus und der Eduard-Walln\u00f6fer-Platz samt dem dazugeh\u00f6rigen \u201e<em>Franzosendenkmal<\/em>\u201c gelten vielen Innsbruckern als die gr\u00f6\u00dfte Baus\u00fcnde der Stadt. Das war nicht immer so. Das wahrscheinlich h\u00e4sslichste Kapitel der europ\u00e4ischen Geschichte legte den Grundstein zum unangenehmen \u00c4u\u00dferen des innerst\u00e4dtischen Platzes. Wer den Landhausplatz vor und nach 1938 auf alten Fotografien vergleicht, erkennt ihn nicht wieder. Kaum ein Ort in Innsbruck hat sich wohl derart stark ver\u00e4ndert. Fotos der Zeit vor der nationalsozialistischen Bauwut Jahre zeigen viel Gr\u00fcn, hohe B\u00e4ume und einzelne Geb\u00e4ude wie die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em>. Auf der Nordseite des Platzes reichte der Hof des <em>Palais Fugger-Taxis <\/em>bis zur Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe. Im <em>Fuggerhaus<\/em> befanden sich die Realschule und die Handelsakademie. Als 1938 der Bau der <em>Reichsstatthalterei<\/em> unter Gauleiter Franz Hofer begann, wurden Schulgeb\u00e4ude und der s\u00fcd\u00f6stliche Teil des Palais abgerissen und der Platz vollkommen umgestaltet und eingeebnet. Der Neubau schloss \u00f6stlich an das <em>Alte Landhaus<\/em> an, um einen \u00dcbergang zwischen alter und neuer Machtzentrale zu demonstrieren. Die Geb\u00e4ude zwischen dem heutigen Landhaus und dem <em>Bismarckplatz<\/em>, auf dem Lois Welzenbachers Hochhaus futuristisch alles \u00fcberragte, sollten einer gro\u00dfen Fl\u00e4che f\u00fcr politische Aufm\u00e4rsche weichen. Den freien Raum wollte man mit Denkm\u00e4lern und Opfers\u00e4ulen in Erinnerung an die f\u00fcr den Nationalsozialismus gefallenen Tiroler schm\u00fccken. Das <em>Gauhaus<\/em> und der Platz sollte zu einem Symbol der neuen Ideologie werden, einer Art Kirche f\u00fcr den Glauben an den F\u00fchrer und die Befreiung des deutschen Volkes. Tats\u00e4chlich neu gestaltet wurde w\u00e4hrend der Kriegsjahre nur der n\u00f6rdliche Teil des Landhausplatzes mit dem <em>Gauhaus<\/em>. Immer wieder kam es in der dilettantisch gef\u00fchrten Bauphase, von Hofer h\u00f6chstpers\u00f6nlich beaufsichtigt, zu Verz\u00f6gerungen und Problemen, bedingt durch den Krieg und die Bauarbeiten an den Wohnbl\u00f6cken f\u00fcr die S\u00fcdtiroler Optanten. Geblieben von den hochtrabenden Pl\u00e4nen ist ein \u00f6der Funktionsbau, mit dem man auch bereits damals im fernen Berlin nicht so recht gl\u00fccklich war. Die Ausschreibung f\u00fcr das neue Regierungsgeb\u00e4ude gewannen die Architekten Walter und Ewald Guth. Die Form der Fassade von vorne gesehen soll den Betrachter an einen zum Schwung ansetzenden Adler erinnern. Wie bei vielen Geb\u00e4uden des nationalsozialistischen Regimes wurden auch beim <em>Gauhaus<\/em> Neoklassizismus und Moderne vermischt. Die S\u00e4ulen am Eingang kontern stilistisch die glatten Oberfl\u00e4chen und die symmetrischen Formen.<\/p>\n<p>In der <em>Reichsstatthalterei<\/em> wurden keine Verh\u00f6re oder Misshandlungen durchgef\u00fchrt, daf\u00fcr war die Zentrale der <em>Gestapo<\/em> in Innsbruck mit Sitz in der Herrengasse zust\u00e4ndig. Im heutigen Tiroler Landhaus wurden Verbrechen geplant und Gesetzesbeschl\u00fcsse und Befehle aus Berlin umgesetzt. In einigen Zimmern des Landhauses sind bis heute Symbole der NS-Zeit sichtbar. Wie genau man mit diesen stummen Zeugen des Nationalsozialismus umgehen soll, ist noch immer Inhalt reger Diskussionen. Die Kanzlei von Gauleiter Franz Hofer war lange Zeit das Sitzungszimmer der Tiroler Landesregierung.<\/p>\n<p>Der s\u00fcdliche Teil des Landhausplatzes wurde erst nach 1945 gestaltet. H\u00e4user wie der <em>Ansitz Haidenburg<\/em> waren w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rt worden, der Platz war frei f\u00fcr Neues. Dominiert wird der <em>Eduard-Walln\u00f6fer-Platz<\/em> vom <em>Befreiungsdenkmal<\/em>, das die franz\u00f6sische Besatzung 1946 in Auftrag gab, um dem ideologisch vorbelasteten Ort auch optisch eine Neuausrichtung zu geben. Nachdem 1938 geplant war den f\u00fcr den Nationalsozialismus Gefallenen ein Denkmal zu errichten, sollte nur sieben Jahre sp\u00e4ter den Widerstandsk\u00e4mpfern gleicherma\u00dfen wie den gefallenen Soldaten gedacht werden. Das Denkmal soll eine modernere Ausgabe der nahen Triumphpforte darstellen. Mit Inschrift die \u201e<em>Freiheit der Gestorbenen \u00d6sterreichs<\/em>\u201c (<em>Pro Libertate Austriae Mortuis<\/em>) erinnert das Geb\u00e4ude an die f\u00fcr die Befreiung \u00d6sterreichs gestorbenen auf beiden Seiten. Der Oberkommandierende General Emile Bethouart verzichtete auf die Verwendung der franz\u00f6sischen Sprache und hielt damit g\u00f6nnerhaft den Anteil der Alliierten an der Befreiung \u00d6sterreichs zu Gunsten des \u00f6sterreichischen Widerstands kleiner als er tats\u00e4chlich war. Der Bev\u00f6lkerung war ein von der Besatzungsmacht oktroyiertes Befreiungsdenkmal nur schwer zu verkaufen, besonders mit der Wohnungsnot, die nach den Luftangriffen noch immer in der Stadt herrschte. Um den Unmut der Bev\u00f6lkerung in den ersten Nachkriegsjahren \u00fcber den Bau nicht zus\u00e4tzlich zu sch\u00fcren, verzichteten die Franzosen auch auf eine feierliche Einweihung. Das Gitter zeigt zwar die Wappen der neuen Bundesl\u00e4nder \u00d6sterreichs, tats\u00e4chlich ist allerdings eine \u00c4hnlichkeit mit diversen faschistischen Denkm\u00e4lern, nicht zuletzt wegen des klassizistischen Stils und des von Emmerich Kerle entworfenen thronenden Adlers mit Lorbeerkranz, kaum zu leugnen. \u00a0Die Errichtung des \u201e<em>Franzosendenkmals<\/em>\u201c, wie Innsbrucker das neue Bauwerk nannten, wurde zu einem gro\u00dfen Teil von Kriegsgefangenen geleistet, die der ausf\u00fchrenden Baufirma <em>Mayreder, Kraus &amp; Co<\/em> zur Verf\u00fcgung gestellt wurden. Neben den Arbeitskr\u00e4ften machten auch die ben\u00f6tigten Rohstoffe in der kargen Nachkriegszeit Probleme.<\/p>\n<p>Der gesamte Platz fristete in den folgenden Jahrzehnten ein tristes Dasein ohne Sitzgelegenheiten. Lange Zeit diente der Landhausplatz als Parkfl\u00e4che im zunehmenden Verkehr in der Innenstadt. Erst nach und nach befreite er sich vom Nachkriegsmief. Ein unauff\u00e4lliges Denkmal am s\u00fcdlichen Ende des Landhausplatzes erinnert an die j\u00fcdischen Opfer der Pogrome der <em>Reichskristallnacht<\/em> von 1938. Die <em>Menora<\/em> wurde im Juni 1997 vom Oberrabbiner der Kultusgemeinde f\u00fcr Tirol und Vorarlberg Chaim Eisenberg geweiht.<\/p>\n<p>Wer den Landhausplatz heute \u00fcberquert, scheint einen wohl geplanten, belebten innerst\u00e4dtischen Funpark f\u00fcr Skater und BMXer vorzufinden. Sein heutiges Aussehen tr\u00e4gt er seit 2011, nachdem das Architekturb\u00fcro LAAC 2008 eine Ausschreibung zur Neugestaltung gewonnen hatte, um den Platz neu auszurichten. In den ersten Jahren nach der Er\u00f6ffnung waren Radfahren und Skaten am kargen Landhausplatz mit den einladenden Betonwellen streng verboten, nachdem der Streit zwischen Landesregierung und Skateboardern bereits in den 1990ern zu heftigen Diskussionen gef\u00fchrt hatte. Die Jugend allerdings lie\u00df sich davon bis heute nicht abschrecken und blieb hartn\u00e4ckig und konnte den Platz vor dem Sitz der Tiroler Landesregierung f\u00fcr sich erobern. Aktuell wurde dem bunten Treiben der Jugend durch wenig r\u00fchmliche Ma\u00dfnahmen ein Ende gesetzt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Auferstanden aus Ruinen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Auferstanden aus Ruinen die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63476&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach Kriegsende kontrollierten US-Truppen f\u00fcr zwei Monate Tirol. Anschlie\u00dfend \u00fcbernahm die Siegermacht Frankreich die Verwaltung. Den Tirolern blieb die sowjetische Besatzung, die \u00fcber Ost\u00f6sterreich hereinbrach, erspart. Besonders in den ersten drei Nachkriegsjahren war der Hunger der gr\u00f6\u00dfte Feind der Menschen. Der Mai 1945 brachte nicht nur das Kriegsende, sondern auch Schnee. Der Winter 1946\/47 ging als besonders kalt und lang in die Tiroler Klimageschichte ein, der Sommer als besonders hei\u00df und trocken. Es kam zu Ernteausf\u00e4llen von bis zu 50%. Die Versorgungslage war vor allem in der Stadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit katastrophal. Die t\u00e4gliche Nahrungsmittelbeschaffung wurde zur lebensgef\u00e4hrlichen Sorge im Alltag der Innsbrucker. Neben den eigenen B\u00fcrgern mussten auch tausende von <em>Displaced Persons<\/em>, freigekommenen Zwangsarbeitern und Besatzungssoldaten ern\u00e4hrt werden. Um diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, war die Tiroler Landesregierung auf die Hilfe von au\u00dferhalb angewiesen. Der Vorsitzende der UNRRA <em>(Anm.: United Nations Relief and Rehabilitation Administration<\/em>), die Kriegsgebiete mit dem N\u00f6tigsten versorgte, Fiorello La Guardia z\u00e4hlte \u00d6sterreich \u201e<em>zu jenen V\u00f6lkern der Welt, die dem Hungertod am n\u00e4chsten sind.<\/em>\u201c Milch, Brot, Eier, Zucker, Mehl, Fett \u2013 von allem war zu wenig da. Die franz\u00f6sische Besatzung konnte den Bedarf an ben\u00f6tigten Kilokalorien pro Kopf nicht abdecken, fehlte es doch der eigenen Bev\u00f6lkerung und den Einsatzkr\u00e4ften oft an der Versorgung. Bis 1946 entnahmen sie der Tiroler Wirtschaft sogar G\u00fcter.<\/p>\n<p>Die Lebensmittelversorgung erfolgte schon wenige Wochen nach Kriegsende \u00fcber Lebensmittelkarten. Erwachsene mussten eine Best\u00e4tigung des Arbeitsamtes vorlegen, um an diese Karten zu kommen. Die Rationen unterschieden sich je nach Kategorie der Arbeiter. Schwerstarbeiter, Schwangere und stillende M\u00fctter erhielten Lebensmittel im \u201eWert\u201c von 2700 Kalorien. Handwerker mit leichten Berufen, Beamte und Freiberufler erhielten 1850 Kilokalorien, Angestellte 1450 Kalorien. Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c konnten nur 1200 Kalorien beziehen. Zus\u00e4tzlich gab es Initiativen wie Volksk\u00fcchen oder Ausspeisungen f\u00fcr Schulkinder, die von ausl\u00e4ndischen Hilfsorganisationen \u00fcbernommen wurden. Aus Amerika kamen Carepakete von der Wohlfahrtsorganisation <em>Cooperative for American Remittances to Europe<\/em>. Viele Kinder wurden im Sommer zu Pflegehaushalten in die Schweiz verschickt, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und ein paar zus\u00e4tzliche Kilo auf die Rippen zu bekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle reichten all diese Ma\u00dfnahmen allerdings nicht aus. Vor allem Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c litten unter den geringen Zuteilungen. Viele Innsbrucker machten sich trotz der Gefahr, festgenommen zu werden, auf den Weg in die umliegenden D\u00f6rfer, um zu hamstern. Wer Geld hatte, bezahlte teils utopische Preise bei den Bauern. Wer keins hatte, musste um Nahrungsmittel betteln. Frauen, deren M\u00e4nner gefallen, in Gefangenschaft oder vermisst waren, sahen in Extremf\u00e4llen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Diese Frauen, besonders die ungl\u00fccklichen, die schwanger wurden, mussten \u00fcber sich und ihren Nachwuchs \u00fcbelste Beschimpfungen ergehen lassen. Vom legalen Schwangerschaftsabbruch war man in \u00d6sterreich noch 30 Jahre entfernt.<\/p>\n<p>Die Politik stand dem zu einem gro\u00dfen Teil machtlos gegen\u00fcber. Alle Interessen zu befrieden, war schon in normalen Zeiten unm\u00f6glich. Viele Entscheidung zwischen dem Parlament in Wien, dem Tiroler Landtag und dem Innsbrucker Rathaus waren f\u00fcr die Menschen nicht nachvollziehbar. W\u00e4hrend Kinder auf Obst und Vitamine verzichten mussten, wurde von manchen Bauern legal gewinnbringender Schnaps gebrannt. Amtsgeb\u00e4ude und Gewerbebetriebe bekamen vom Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck freie Hand, w\u00e4hrend den Privathaushalten ab Oktober 1945 der Zugang zum Strom an mehreren Tagzeiten eingeschr\u00e4nkt wurde. Selbige Benachteiligung der Haushalte gegen\u00fcber der Wirtschaft galt f\u00fcr die Versorgung mit Kohle. Die alten Gr\u00e4ben zwischen Stadt und Land wurden gr\u00f6\u00dfer und hasserf\u00fcllter. Innsbrucker warfen der Umlandbev\u00f6lkerung vor, bewusst Lebensmittel f\u00fcr den Schwarzmarkt zur\u00fcckzuhalten. Es kam zu \u00dcberf\u00e4llen, Diebst\u00e4hlen und Holzschl\u00e4gerungen. Transporte am Bahnhof wurden von bewaffneten Einheiten bewacht. Sich Lebensmittel aus einem Lager anzueignen war illegal und Alltag zu gleich. Kinder und Jugendliche streunten hungrig durch die Stadt und nahmen jede Gelegenheit sich etwas zu Essen oder Brennmaterial zu besorgen wahr. Der erste Tiroler Landeshauptmann Gruber, w\u00e4hrend des Krieges selbst illegal im Widerstand, hatte zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der Menschen, die sich gegen das System auflehnten, konnte aber nichts daran \u00e4ndern. Auch dem Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer waren die H\u00e4nde gebunden. Es war nicht nur schwierig, die Bed\u00fcrfnisse aller Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, immer wieder kam es unter der Beamtenschaft zu F\u00e4llen von Korruption und Gef\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber Verwandten und Bekannten. Grubers Nachfolger am Landeshauptmannsessel Alfons Wei\u00dfgatterer musste gleich mehrere kleine Aufst\u00e4nde \u00fcberstehen, als sich der Volkszorn Luft machte und Steine Richtung Landhaus flogen Die Antwort der Landesregierung erfolgte \u00fcber die <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>. Das Blatt war 1945 unter der Verwaltung der US-Streitkr\u00e4fte zur Demokratisierung und Entnazifizierung gegr\u00fcndet worden, ging aber bereits im Folgejahr an die Schl\u00fcssel GmbH unter Leitung des \u00d6VP Politikers Joseph Moser. Dank der hohen Auflage und ihrem fast unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt konnte die Tiroler Landesregierung die \u00f6ffentliche Stimmung lenken:<\/p>\n<p>\u201e<em>Sind etwa die zerbrochenen Fensterscheiben, die gestern vom Landhaus auf die Stra\u00dfe klirrten, geeignete Argumente, um unseren Willen zum Wiederaufbau zu beweisen? Sollten wir uns nicht daran erinnern, dass noch niemals in irgendeinem Lande wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Demonstrationen und Kundgebungen beseitigt worden sind?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Mindestens gleich schlecht war die Wohnsituation. Gesch\u00e4tzte 30.000 Innsbrucker waren obdachlos, lebten auf engstem Raum bei Verwandten oder in Barackensiedlungen wie dem ehemaligen Arbeitslager in der Reichenau, in der vom Volksmund \u201eAusl\u00e4nderlager\u201c genannten Barackensiedlung f\u00fcr Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Europas oder der <em>Bocksiedlung<\/em>. Weniges erinnert noch an den desastr\u00f6sen Zustand, in dem sich Innsbruck nach den Luftangriffen der letzten Kriegsjahre in den ersten Nachkriegsjahren befand. Zehntausende B\u00fcrger halfen mit, Schutt und Tr\u00fcmmer von den Stra\u00dfen zu schaffen. Die Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die Museumstra\u00dfe, das Bahnhofsviertel, Wilten oder die Pradlerstra\u00dfe w\u00e4ren wohl um einiges ansehnlicher, h\u00e4tte man nicht die L\u00f6cher im Stra\u00dfenbild schnell stopfen m\u00fcssen, um so schnell als m\u00f6glich Wohnraum f\u00fcr die vielen Obdachlosen und R\u00fcckkehrer zu schaffen. \u00c4sthetik aber war ein Luxus, den man sich in dieser Situation nicht leisten konnte. Die ausgezehrte Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte neuen Wohnraum, um den gesundheitssch\u00e4dlichen Lebensbedingungen, in denen Gro\u00dffamilien teils in Einraumwohnungen einquartiert waren, zu entfliehen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Notlage gef\u00e4hrdet die Behaglichkeit des Heims. Sie zehrt an den Wurzeln der Lebensfreude. Niemand leidet mehr darunter als die Frau, deren Gl\u00fcck es bildet, einen zufriedenen, trauten Familienkreis, um sich zu sehen. Welche Anspannung der seelischen Kraft erfordern der t\u00e4glich zerm\u00fcrbende Kampf um ein bisschen Einkauf, die M\u00fchsal des Schlangestehens, die Entt\u00e4uschungen der Absagen und Abweisungen und der Blick in den unmutigen Gesichtern der von Entbehrungen gepeinigten Lieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was in der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em> zu lesen stand, war nur ein Teil der harten Alltagsrealit\u00e4t. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Spanische Grippe viele Opfer forderte, kam es auch 1945 zu einem Anstieg gef\u00e4hrlicher Infektionen. Impfstoffe gegen Tuberkulose konnten im ersten Winter nicht geliefert werden. Auch Krankenhausbetten waren Mangelware. Auch wenn sich die Situation nach 1947 entspannte, blieben die Lebensumst\u00e4nde in Tirol prek\u00e4r. Bis es zu merklichen Verbesserungen kam, dauerte es Jahre. Die Lebensmittelrationierungen wurde am 1. Juli 1953 eingestellt. Im selben Jahr konnte B\u00fcrgermeister Greiter verk\u00fcnden, dass alle w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder in Stand gesetzt worden waren.<\/p>\n<p>Zu verdanken war dies auch den Besatzern. Die franz\u00f6sischen Truppen unter Emile Bethouart verhielten sich sehr milde und kooperativ gegen\u00fcber dem ehemaligen Feind und begegneten der Tiroler Kultur und Bev\u00f6lkerung freundlich und aufgeschlossen. Stand man der Besatzungsmacht anfangs feindlich gesinnt gegen\u00fcber &#8211; schon wieder war ein Krieg verloren gegangen &#8211; wich die Skepsis der Innsbrucker mit der Zeit. Die Soldaten waren vor allem bei den Kindern beliebt wegen der Schokoladen und S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie verteilten. Viele Menschen erhielten innerhalb der franz\u00f6sischen Verwaltung Arbeit. Manch ein Tiroler sah dank der Uniformierten <em>der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision<\/em>, die bis September 1945 den Gro\u00dfteil der Soldaten stellten, zum ersten Mal dunkelh\u00e4utige Menschen. Die Besatzer stellten, soweit dies in ihren M\u00f6glichkeiten lag, auch die Versorgung sicher. Zeitzeugen erinnern sich mit Grauen an die Konservendosen, die sie als Hauptnahrungsmittel erhielten. Um die Logistik zu erleichtern legten die Franzosen bereits 1946 den Grundstein f\u00fcr den neuen Flughafen auf der <em>Ulfiswiese<\/em> in der H\u00f6ttinger Au, der den 20 Jahre zuvor er\u00f6ffneten in der Reichenau nach zwei Jahren Bauzeit ersetzte. Das Franzosendenkmal am Landhausplatz erinnert an die franz\u00f6sische Besatzungszeit. Am <em>Emile-Bethouart-Steg<\/em>, der St. Nikolaus und die Innenstadt \u00fcber den Inn verbindet, befindet sich eine Gedenktafel, die die Beziehung zwischen Besatzung und Bev\u00f6lkerung gut zum Ausdruck bringt:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Sieger gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Besch\u00fctzer geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freund in die Heimat zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben den materiellen N\u00f6ten bestimmte das kollektive Kriegstrauma die Gesellschaft. Die Erwachsenen der 1950er Jahre waren Produkte der Erziehung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus. M\u00e4nner, die an der Front gek\u00e4mpft hatten, konnten als Kriegsverlierer nur in bestimmten Kreisen von ihren grauenhaften Erlebnissen sprechen, Frauen hatten meist gar kein Forum zur Verarbeitung ihrer \u00c4ngste und Sorgen. H\u00e4usliche Gewalt und Alkoholismus waren weit verbreitet. Lehrer, Polizisten, Politiker und Beamte kamen vielfach aus der nationalsozialistischen Anh\u00e4ngerschaft, die nicht einfach mit dem Ende des Krieges verschwand, sondern lediglich \u00f6ffentlich totgeschwiegen wurde. Am <em>Innsbrucker Volksgerichtshof<\/em> kam es unter der Regie der Siegerm\u00e4chte zwar zu einer gro\u00dfen Anzahl an Verfahren gegen Nationalsozialisten, die Anzahl an Verurteilungen spiegelte aber nicht das Ausma\u00df des Geschehens wider. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten kam frei. Besonders belastete Vertreter des Systems kamen f\u00fcr einige Zeit ins Gef\u00e4ngnis, konnten aber nach Verb\u00fc\u00dfung der Haft relativ unbehelligt an ihr altes Leben ankn\u00fcpfen, zumindest im Beruflichen. Nicht nur wollte man einen Schlussstrich unter die letzten Jahrzehnte ziehen, man ben\u00f6tigte die T\u00e4ter von gestern, um die Gesellschaft von heute am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Das Problem an dieser Strategie des Verdr\u00e4ngens war, dass niemand die Verantwortung f\u00fcr das Geschehene \u00fcbernahm, auch wenn vor allem zu Beginn die Begeisterung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Nationalsozialismus gro\u00df war. Es gab kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied mit einer wenig r\u00fchmlichen Geschichte zwischen 1933 und 1945 hatte. Scham \u00fcber das, was seit 1938 und in den Jahren in der Politik \u00d6sterreichs geschehen war mischte sich zur Angst davor, von den Besatzungsm\u00e4chten USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UDSSR als Kriegsschuldiger \u00e4hnlich wie 1918 behandelt zu werden. Es entstand ein Klima, in dem niemand, weder die daran beteiligte noch die nachfolgende Generation \u00fcber das Geschehene sprach. Diese Haltung verhinderte lange die Aufarbeitung dessen, was seit 1933 geschehen war. Der Mythos von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, der erst mit der Aff\u00e4re Waldheim in den 1980er Jahren langsam zu br\u00f6ckeln begann, war geboren. Polizisten, Lehrer, Richter \u2013 sie alle wurden trotz ihrer politischen Gesinnung an ihrem Platz gelassen. Die Gesellschaft brauchte sie, um am Laufen zu bleiben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfz\u00fcgig ausgebreiteten Mantel des Vergessens mit gro\u00dfem Bezug zu Innsbruck ist die Vita des Arztes Burghard Breitner (1884-1956). Breitner wuchs in einem wohlbetuchten b\u00fcrgerlichen Haushalt auf. Die <em>Villa Breitner<\/em> am Mattsee war Sitz eines Museums \u00fcber den vom Vater verehrten deutschnationalen Dichter Josef Viktor Scheffel. Nach der Matura entschied sich Breitner gegen eine Karriere in der Literatur und f\u00fcr ein Medizinstudium. Anschlie\u00dfend beschloss er seinen Milit\u00e4rdienst und begann seine Karriere als Arzt. 1912\/13 diente er als Milit\u00e4rarzt im Balkankrieg. 1914 verschlug es ihn an die Ostfront, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Als Arzt k\u00fcmmerte er sich im Gefangenenlager aufopferungsvoll um seine Kameraden. Erst 1920 sollte er als Held und \u201e<em>Engel von Sibirien<\/em>\u201c aus dem Gefangenenlager wieder nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren. 1932 begann seine Laufbahn an der Universit\u00e4t Innsbruck. 1938 stand Breitner vor dem Problem, dass er auf Grund des j\u00fcdischen Hintergrundes seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits den \u201e<em>Gro\u00dfen Ariernachweis<\/em>\u201c nicht erbringen konnte. Auf Grund seines guten Verh\u00e4ltnisses zum Rektor der Uni Innsbruck und zu wichtigen Nationalsozialisten konnte er aber schlussendlich an der Universit\u00e4tsklinik weiterarbeiten. W\u00e4hrend des NS-Regimes war Breitner als Vorstand der Klinik Innsbruck f\u00fcr Zwangssterilisierungen und \u201e<em>freiwillige Entmannungen<\/em>\u201c verantwortlich, auch wenn er wohl keine der Operationen pers\u00f6nlich durchf\u00fchrte. Nach dem Krieg schaffte es der \u201eEngel von Sibirien\u201c mit einigen M\u00fchen sich durch das Entnazifizierungsverfahren zu winden. 1951 wurde er als Kandidat des <em>VDU<\/em>, einem politischen Sammelbecken \u00fcberzeugter Nationalsozialisten, als Kandidat f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahl aufgestellt. 1952 wurde Breitner Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck. Nach seinem Tod widmete ihm die Stadt Innsbruck ein Ehrengrab am Westfriedhof Innsbruck. In der Reichenau ist ihm in unmittelbarer N\u00e4he des Standortes des ehemaligen Konzentrationslagers eine Stra\u00dfe gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59763&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie nach dem Ersten Weltkrieg war auch nach 1945 die Wohnungsnot eines der dr\u00e4ngendsten Probleme. Innsbruck war bei den Luftangriffen stark in Mitleidenschaft gezogen worden und Geld f\u00fcr Neubauten war knapp. Als in den 1950er Jahren die ersten Wohnanlagen errichtet wurden, war Sparsamkeit das Gebot der Stunde. Viele der ab den 1950er Jahren errichteten Geb\u00e4ude sind zwar architektonisch wenig attraktiv, sie beherbergen aber durchaus interessante Kunstwerke. Ab 1949 gab es in \u00d6sterreich das Projekt <em>Kunst am Bau<\/em>. Bei staatlich durchgef\u00fchrten Bauten sollten 2% der Gesamtausgaben in die k\u00fcnstlerische Gestaltung flie\u00dfen. Die Umsetzung des Baurechts und somit auch die Verwaltung der Budgets oblag damals wie heute den Bundesl\u00e4ndern. \u00dcber diese \u00f6ffentliche Auftragsvergabe sollten K\u00fcnstler finanziell unterst\u00fctzt werden. In den kargen Nachkriegsjahren waren auch erfolgreiche und praktisch veranlagte K\u00fcnstler wie Oswald Haller (1908 \u2013 1981), der sein Geld mit Gebrauchsgraphiken und Plakaten f\u00fcr den Tourismus verdiente, in die Bredouille gekommen. Erstmals tauchte die Idee 1919 in der Weimarer Republik auf und wurde ab 1934 von den Nationalsozialisten fortgesetzt. \u00d6sterreich griff Kunst am Bau nach dem Krieg auf, um den \u00f6ffentlichen Raum im Rahmen des Wiederaufbaus zu gestalten. Die \u00f6ffentliche Hand, die Aristokratie und B\u00fcrgertum als Bautr\u00e4ger vergangener Jahrhunderte abl\u00f6ste, stand unter massivem finanziellem Druck. Trotzdem sollten die vor allem auf Funktion ausgerichteten Wohnbauprojekte nicht ganz schmucklos daherkommen. Die mit der Gestaltung der Kunstwerke betrauten Tiroler K\u00fcnstler wurden in ausgeschriebenen Wettbewerben ermittelt. Der bekannteste unter ihnen war Max Weiler, der vielleicht prominenteste K\u00fcnstler im Tirol der Nachkriegszeit, der in Innsbruck unter anderem f\u00fcr die Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg verantwortlich war. Weitere prominente Namen sind Helmut Rehm (1911 \u2013 1991), Walter Honeder (1906 \u2013 2006), Fritz Berger (1916 \u2013 2002) und Emmerich Kerle (1916 \u2013 2010). Viele dieser K\u00fcnstler wurden nicht nur von der <em>Bundesgewerbeschule Innsbruck<\/em>, der heutigen HTL, und der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien, sondern auch von der kollektiven Erfahrung w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus und dem Krieg gepr\u00e4gt. Fritz Berger hatte seinen rechten Arm und ein Auge verloren und musste lernen, mit der linken Hand zu arbeiten. Kerle diente in Finnland als Kriegsmaler. Er wurde an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien unter anderem von Josef M\u00fcllner unterrichtet, einem K\u00fcnstler, der sich mit B\u00fcsten Adolf Hitlers, Siegfrieds aus der Nibelungensage und dem bis heute umstrittenen Karl-Lueger-Denkmal in Wien in die Kunstgeschichte eingetragen hatte. Wie ein gro\u00dfer Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung wollten diese K\u00fcnstler wie auch Politiker und Beamte nach den harten und leidvollen Kriegsjahren Ruhe und Frieden, um Gras \u00fcber das Geschehen der letzten Jahrzehnte wachsen zu lassen. Die im Rahmen von Kunst am Bau entstandenen Werke reflektieren diese Haltung nach einem neuen Sittenbild. Es war das erste Mal, dass abstrakte, gestaltlose Kunst Eingang in den \u00f6ffentlichen Raum Innsbrucks fand, wenn auch nur in unkritischem Rahmen. M\u00e4rchen, Sagen, religi\u00f6se Symbole waren beliebte Motive, die auf den Sgraffitos, Mosaiken, Wandbildern und Statuen verewigt wurden. Man k\u00f6nnte von einer Art zweiter Welle der Biedermaierkunst sprechen, die den kleinb\u00fcrgerlichen Lebensstil der Menschen nach dem Krieg symbolisierte. Die Kunst sollte auch ein neues Bewusstsein und Bild dessen schaffen, was als typisch \u00d6sterreichisch galt. Noch 1955 betrachtete sich jeder zweite \u00d6sterreicher als Deutscher. Die unterschiedlich ausgef\u00fchrten Motive zeigen Freizeitaktivit\u00e4ten, Kleidungsstile und Vorstellungen der sozialen Ordnung und gesellschaftlichen Normen der Nachkriegszeit. Frauen wurden h\u00e4ufig in Tracht und Dirndl, M\u00e4nner in Lederhosen dargestellt. Die konservative Idealvorstellung der Geschlechterrollen wurden in der Kunst verarbeitet. Flei\u00dfig arbeitende V\u00e4ter, brave Ehefrauen, die sich um Haus und Herd k\u00fcmmerten und Kinder, die in der Schule eifrig lernen waren das Idealbild bis weit in die 1970er Jahre. Ein Leben wie aus einem Film mit Peter Alexander. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet viele der noch heute sichtbaren Kunstwerke auf H\u00e4usern in Pradl und Wilten. Die Mischung aus reizloser Architektur und zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerken der gerne verdr\u00e4ngten, in Filmen und Erz\u00e4hlungen lange idealisierten und verkl\u00e4rten Nachkriegszeit, ist sehenswert. Besonders sch\u00f6ne Beispiele finden sich an den Fassaden in der Pacherstra\u00dfe, der Hunoldstra\u00dfe, der Ing.-Thommenstra\u00dfe, am Innrain, der Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe oder im Innenhof zwischen Landhausplatz und Maria-Theresienstra\u00dfe.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Operation Greenup &#8211; Innsbrooklyns Wiedergeburt&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Operation Greenup &#8211; Innsbrooklyns Wiedergeburt&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;60323&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach kleineren Gefechten im Au\u00dferfern und an der Porta Claudia in Scharnitz bei Seefeld stand die Cactus-Division der US-Streitkr\u00e4fte am 3. Mai 1945 in Zirl vor den Toren der Gauhauptstadt Innsbrucks. Eine Handvoll Widerstandsk\u00e4mpfer um Fritz Molden und dem sp\u00e4teren Tiroler Landeshauptmann Karl Gruber hatten in Innsbruck Kasernen und offizielle Einrichtungen besetzt, nachdem Gauleitung, Gestapo und SS sich aus dem Staub gemacht hatten. Trotzdem wussten die GI\u00b4s nicht was sie in Innsbruck erwarten w\u00fcrde, hatte doch Adolf Hitler Tirol zum Teil der Alpenfestung erkl\u00e4rt, dem R\u00fcckzugsort, der bis zum letzten Mann verteidigt werden sollte. W\u00fcrde Innsbruck zum Gefechtsort, wie es in vielen St\u00e4dten der Fall gewesen war, h\u00e4tte das die Zerst\u00f6rung der Stadt zur Folge. Dass es nicht so weit kam und Innsbruck kampflos \u00fcbergeben wurde, ist einer Gruppe junger Menschen, die im Rahmen der US-Spionageaktion <em>Operation Greenup<\/em> die Weichen f\u00fcr die friedliche Kapitulation legten.<\/p>\n<p>Die m\u00e4nnlichen Hauptdarsteller dieses filmreifen Coups waren Friedrich \u201e<em>Fred<\/em>\u201c Mayer, Hans Wijnberg, Franz Weber und Anna Niederkircher. Die beiden Juden Mayer und Wijnberg waren auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus in New York gelandet. Sie hatten sich freiwillig zum Einsatz in Europa gemeldet und waren beim OSS, dem milit\u00e4rischen US-Geheimdienst, im Einsatz. Weber war als Deserteur der Wehrmacht in einem Gefangenenlager in S\u00fcditalien gestrandet. Der \u00fcberzeugte Katholik wollte nach seinen Kriegserfahrungen dabei helfen, das Nazi-Regime in seiner Tiroler Heimat zu st\u00fcrzen. Gemeinsam sollten sie von Innsbruck aus die Versorgungslinie \u00fcber den Brenner sowie kriegsrelevante Infrastruktur und Industrie wie die Messeschmitt-Werke in Kematen ausspionieren.<\/p>\n<p>Am 26. Februar wurden die drei M\u00e4nner samt Ausr\u00fcstung per Flugzeug \u00fcber den \u00d6tztaler Alpen im winterlichen Hochgebirge abgeworfen. Per Schlitten und \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln schlugen sie sich mitten im Feindesland samt Ausr\u00fcstung nach Oberperfu\u00df, dem Heimatdorf Franz Webers, durch. Hier trafen sie nicht auf die bef\u00fcrchtete Alpenfestung Hitlers, sondern Unterst\u00fctzung der Gemeinschaft des stets schon streng katholisch-konservativen und regimekritischen Oberperfu\u00df. Vor allem die aus Webers Umfeld, seine Schwestern Eva, Margarete und Luise, seine Nachbarin Maria H\u00f6rtnagl, vor allem aber seine Verlobte Anni Niederkircher und deren Mutter Anna, die Wirtin des Gasthofs zur Krone, \u00fcbernahmen bei Versorgung, Tarnung und Unterkunft Rollen von unsch\u00e4tzbarem Wert.<\/p>\n<p>Franz Weber war der Local Guide der Gruppe. Fred Mayer mischte sich in Oberperfu\u00df, Innsbruck und Kematen unter verschiedenen Identit\u00e4ten, als Wehrmachtssoldat im Offizierskasino, als Arbeiter der Messerschmittwerke oder als franz\u00f6sischer Zwangsarbeiter unter die Bev\u00f6lkerung. Er kn\u00fcpfte Verbindungen mit anderen Widerstandsgruppen und sammelte Informationen. Webers Schwestern beherbergten ihn und versorgten ihn mit allem M\u00f6glichem wie gef\u00e4lschten Papieren oder einer gestohlenen Wehrmachtsuniform. Anni Niederkircher war das Verbindungselement zwischen Oberperfu\u00df und Innsbruck. Hans Wijnberg hielt als Funker die Kommunikation mit dem St\u00fctzpunkt der US-Streitkr\u00e4fte in Bari aufrecht.<\/p>\n<p>Alle wussten, w\u00fcrde ihre riskante Operation auffliegen, w\u00e4ren sie und ihre Familien dem Tod geweiht. Ende April trat dieser Fall ein. Robert Moser, der Radioh\u00e4ndler und Widerst\u00e4ndler, der Fred Mayer in seinem Gesch\u00e4ft angestellt hatte, flog auf. Im Gestapo-Hauptquartier in der Innsbrucker Herrengasse wurde er verh\u00f6rt, gefoltert und schlie\u00dflich zu Tode gepr\u00fcgelt und gepeitscht. Am 20. April wurde auch Fred Mayer festgenommen und in der Herrengasse gefoltert. Er hielt aber dicht, mehr noch: Nachdem er sich als Angeh\u00f6riger des US-Geheimdienstes zu erkennen gegeben hatte, konnte er in Verhandlungen mit Gauleiter Hofer erwirken, dass Innsbruck kampflos als freie Stadt \u00fcbergeben wird. Gegen die Versicherung Mayers, als Kriegsgefangener behandelt zu werden, gab Hofer am 2. Mai in einer Radioansprache an die Bev\u00f6lkerung Order, von jeglicher Kampfhandlung abzusehen.<\/p>\n<p>Am 3. Mai um 14 Uhr erreichte der von der Behandlung durch die Gestapo noch gezeichnete Fred Mayer die US-Truppen bei Zirl mit dieser Meldung. Wenige Stunden sp\u00e4ter trat der Waffenstillstand in Kraft. Die Fahrzeuge und Soldaten konnten ohne weiteres Blutvergie\u00dfen und Zerst\u00f6rung in die Stadt einr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an die <em>Operation Greenup<\/em> und das heldenhafte Handeln aller Beteiligten unter h\u00f6chster Gefahr blieb lange Zeit zu Gunsten der Erz\u00e4hlung der Selbstbefreiung durch die tapfere Tiroler Bev\u00f6lkerung ohne Erinnerung. Erst 2010 wurde Fred Mayer, der mit dem <em>Purple Heart<\/em> den h\u00f6chsten Tapferkeitsorden des US-Milit\u00e4rs erhalten hatte, mit fast 90 Jahren vom Land Tirol sp\u00e4t, aber doch geehrt. Hans Wijnberg erhielt zehn Jahre nach seinem Tod eine Verdienstmedaille der Stadt Innsbruck. Franz Weber, der nach dem Krieg in Land- und Nationalrat als Abgeordneter t\u00e4tig war, erhielt das <em>Ehrenzeichen des Landes Tirol<\/em> und das <em>Goldene Ehrenzeichen der Republik \u00d6sterreich<\/em>. An den zu Tode gefolterten Robert Moser erinnert eine schwer auffindbare Bronzetafel am ehemaligen Hauptquartier der Gestapo in der Herrengasse. Am Haus Anichstra\u00dfe 19, in dem Mayer w\u00e4hrend seines Aufenthalts in Innsbruck untergekommen war, befindet sich eine kleine Infotafel. Erst mit dem Erscheinen des packenden Buches \u201eCodename Brooklyn\u201c von Peter Pirker, das viel internationale Aufmerksamkeit erhielt, wurde diese vielleicht beeindruckendste Episode der Innsbrucker Stadtgeschichte einem breiten Publikum bekannt. Das vielleicht bleibendste Verm\u00e4chtnis verdankt Innsbruck aber vielleicht den Funkspr\u00fcchen Wijnbergs: Der Codename f\u00fcr die Stadt lautete nach dem New Yorker Stadtteil, in dem Mayer und er sich lange aufhielten, <em>Brooklyn<\/em>. Innsbruck war nach dem Nationalsozialismus als Innsbrooklyn wiedergeboren.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Hofer: Der Gauleiter Tirols&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Hofer, der Gauleiter Tirols&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53669&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Mit dem Nationalsozialismus wurden viele politische Stellen und Posten im \u00f6ffentlichen Dienst neu vergeben. Der F\u00fchrerkult und die Ideen der nationalsozialistischen Partei wurden auf allen Ebenen strukturell einzementiert. Innsbrucks B\u00fcrgermeister Franz Fischer wurde mit der Macht\u00fcbernahme durch Egon Denz ersetzt. Edmund Christoph l\u00f6ste Landeshauptmann Josef Schumacher (1894 \u2013 1971) ebenfalls \u00fcber Nacht ab, bevor im Mai 1938 Franz Hofer (1902 \u2013 1975) den Platz als Gauleiter, ab 1940 Reichsstatthalter einnahm.<\/p>\n<p>Franz Hofer wurde im salzburgerischen Bad Hofgastein in eine Hoteliersfamilie geboren. Nachdem er in Innsbruck die Schule besucht hatte, betrieb er ein Radiogesch\u00e4ft. Bereits 1931 wurde er Mitglied der NSDAP in \u00d6sterreich. Als die nationalsozialistische Partei in \u00d6sterreich verboten wurde, kam Hofer als deren Gauleiter 1933 in Haft, wurde aber von Mitgliedern der SA befreit. Bei dieser Flucht wurde er angeschossen, konnte aber nach Italien fl\u00fcchten. Anschlie\u00dfend begab er sich nach Deutschland, wo er deutscher Staatsb\u00fcrger wurde und innerhalb der Partei eine steile Karriere hinlegt.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Anschluss \u00d6sterreichs wurde Hofer auf Gehei\u00df Hitlers am 24. Mai 1938 zum Gauleiter Tirol und Vorarlberg ernannt. 1940 wurde er zum Reichsstatthalter von Tirol-Vorarlberg ernannt. Die Pl\u00e4ne des f\u00fchrertreuen Hofer waren ambitioniert, Tirol war ein guter N\u00e4hrboden, nimmt man strenge Katholiken aus. Im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerzahl gab es in den \u00f6sterreichischen Gauen nirgends mehr Parteimitglieder als hier. Dem Ziel, den ersten vollkommen judenfreien Gau zu haben, war Hofer schon 1939 recht nahe. Ein Jahr sp\u00e4ter war nur noch ein Jude in Tirol gemeldet. Zudem bereichert sich Hofer gro\u00dfz\u00fcgig auch pers\u00f6nlich an arisiertem Verm\u00f6gen. So kam die <em>Villa Schindler<\/em> des Betreibers des <em>Cafe Schindler<\/em> am Rennweg 10 in seinen Besitz, ebenso der <em>Lachhof<\/em> in Kleinvolderberg nahe Innsbruck, wo er sich eine Art Kommandozentrale au\u00dferhalb der Stadt einrichtete.<\/p>\n<p>Auch gegen kirchliche Organisationen ging der Antikatholik Hofer, dem die <em>Wiltener S\u00e4ngerknaben<\/em> ebenso ein Dorn im Fleisch waren wie die in Innsbruck allgegenw\u00e4rtigen Mariendarstellungen, hart vor. Sozialistische und kommunistische Vereine spielten in der Tiroler Gesellschaft keine Rolle, vor ihnen musste man sich weniger in Acht nehmen als vor st\u00f6rrischen Katholiken. Alle Orden wurden geschlossen und die katholischen Jugendgruppen und Vereine dem nationalsozialistischen System angeschlossen. 119 von 570 Priestern wurden zwischen 1938 und 1945 mindestens einmal in Gewahrsam genommen, elf wurden hingerichtet oder \u00fcberlebten die Haftbedingungen nicht.<\/p>\n<p>Als Italien 1943 endg\u00fcltig unter die Kontrolle Deutschlands kam, wurde Hofer zum Obersten Kommissar der <em>Operationszone Alpenvorland<\/em> ernannt. Diese Zone bestand aus Tirol-Vorarlberg und den oberitalienischen Provinzen. Es war auch Franz Hofer, der die Idee zur sogenannten Alpenfestung, der letzten Bastion des deutschen Volkes gegen den Feind hatte. Noch am 12. April 1945, weniger als einen Monat vor Kriegsende, unterbreitete er diesen Vorschlag pers\u00f6nlich Adolf Hitler, der ihn daraufhin zum Reichsverteidigungskommissar der <em>Alpenfestung<\/em> machte.<\/p>\n<p>Nach Verhandlungen mit den heranr\u00fcckenden alliierten Streitkr\u00e4ften wurde Innsbruck am 3. Mai 1945 kampflos als offene Stadt \u00fcbergeben und somit von verheerenden K\u00e4mpfen zum Kriegsende verschont. Trotz dieser Vernunftma\u00dfnahme blieb Hofer auch in der Niederlage noch fanatischer Nationalsozialist wie seine Rede im Radio vom 30.4. zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201eSollte aber der Feind trotz heldenhaften Kampfes doch einmal vor den Toren Innsbrucks stehen, w\u00fcrde eine Verteidigung der Gauhauptstadt unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen keinesfalls das \u00c4rgste ersparen, sondern vielmehr das Letzte vernichten\u2026. Umso z\u00e4her aber wollen wir uns in unserer Berge krallen\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hofer wurde wenige Tage sp\u00e4ter festgenommen. Im Oktober 1948 konnte er aus dem Internierungslager Dachau entkommen und nach Deutschland fl\u00fcchten, wo er in M\u00fchlheim an der Ruhr unter falschem Namen untertauchte. Es ist nicht gesichert, aber durchaus m\u00f6glich, dass amerikanische und britische Geheimdienste dem einstigen Widersacher bei der Flucht behilflich waren, um ihre Methoden gegen den Nationalsozialismus auf Tiroler Boden, die nun im Einsatz gegen die Sowjetunion waren, damit sch\u00fctzen wollten, w\u00e4ren diese bei einer Verhandlung wohl offen zur Sprache gekommen. Ein Gericht in M\u00fcnchen verurteilte ihn 1949 in Abwesenheit zu 10 Jahren Haft. Im Juli 1953 wurde dieser Richtspruch in M\u00fcnchen best\u00e4tigt, allerdings die Haft auf drei Jahre Dauer herabgesetzt. Durch Anrechnung der bisherigen Haftzeiten blieb Hofer allerdings auf freiem Fu\u00dfe. Ein Gericht in \u00d6sterreich verurteilte ihn 1949 zum Tode. Eine Strafverfolgung fand allerdings nicht statt. Zu seinen F\u00fcrsprechern z\u00e4hlten unter anderem der Bischof von Brixen, Johannes Baptist Geisler und der Tiroler Landeshauptmann Alfons Wei\u00dfgatterer. In einem Verfahren in Innsbruck wurde 1950 sein Verm\u00f6gen von der Republik \u00d6sterreich eingezogen.<\/p>\n<p>Ab 1954 lebte Hofer unter seinem echten Namen in Deutschland. Er f\u00fchrte die <em>Ruhr Armatur GmbH<\/em>, ein Unternehmen f\u00fcr Sanit\u00e4rbedarf. Seine Beteiligung an der <em>Aktion T4<\/em> in Tirol, der \u201e<em>Vernichtung lebensunwerten Lebens\u201c<\/em>, wurde zwar vor Gericht als Verfahren eingeleitet, das Verfahren jedoch 1963 eingestellt. Dem Land Tirol blieb der ehemalige Gauleiter im wahrsten Sinne trotz seiner Emigration treu bis in den Tod. Hofer war ein Liebhaber Tiroler Tradition. Er f\u00f6rderte in seiner Zeit in Tirol volkst\u00fcmliche Musik, Trachtenwesen und die Tiroler Sch\u00fctzen. Diese Vereine wurden offiziell 1938 aufgel\u00f6st, unter ihm aber in den <em>Standsch\u00fctzenverband<\/em> \u00fcberf\u00fchrt. Der Leiter der Stadtmusikkapelle Wilten-Innsbruck, Sepp Tanzer, den er zum Leiter des <em>Referats Volksmusik in der Reichsmusikkammer<\/em> machte, komponierte f\u00fcr ihn den <em>Standsch\u00fctzenmarsch<\/em>. Bei Hofers Beisetzung 30 Jahre nach Kriegsende in M\u00fchlhausen war eine Abordnung der Tiroler Sch\u00fctzen anwesend, um dem bis zu seinem Tod \u00fcberzeugten Nationalsozialisten Hofer die letzte Ehre zu erweisen. Das Tiroler Landhaus, das bis heute Sitz der Tiroler Landesregierung ist, wurde unter Hofer errichtet und ist bis heute Stein gewordene Erinnerung an den Gauleiter Tirols.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe der NSDAP in Innsbruck wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger und theatralisch inszenierte Fackelz\u00fcge durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette im Wahlkampf verhalfen der Partei zu einem gro\u00dfen Zugewinn. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Wie \u00fcberall waren es auch in Innsbruck vor allem junge Menschen, die sich f\u00fcr den Nationalsozialismus begeisterten. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei des St\u00e4ndestaates war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz empfingen die Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des F\u00fchrers, des Heilsversprechers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den erzkatholischen Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete auch ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. InTirol war die Kirche das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde die katholische Kirche systematisch bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer und Franz Greiter mussten fl\u00fcchten oder worden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Das Hauptquartier der Gestapo befand sich in der Herrengasse 1. Hier wurden Verd\u00e4chtige schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Verd\u00e4chtige Personen aller Art wurden hier zu Zwangsarbeiten in sch\u00e4bigen Baracken verwahrt. \u00dcber 130 Personen fanden in diesem Lager bestehend aus 20 Baracken den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Auch im 10 km von Innsbruck entfernten Dorf Kematen kamen im Messerschmitt Werk Gefangene zum Zwangseinsatz. Darunter waren politische H\u00e4ftlinge, russische Kriegsgefangene und Juden. Zu den Zwangsarbeiten geh\u00f6rten unter anderem die Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> in der Endphase oder die Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert.<\/p>\n<p>Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal und das Geb\u00e4ude der Alten Universit\u00e4t sind die beiden auff\u00e4lligsten Denkm\u00e4ler. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie der Lauf der Geschichte der Stadt unterliegt auch ihr Aussehen einem st\u00e4ndigen Wandel. Besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild erzeugten die Jahre rund um 1500 und zwischen 1850 bis 1900, als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in besonders schnellem Tempo abspielten. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c der Nationalsozialisten ein tats\u00e4chlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fu\u00dfe des Brenners war \u00fcber Jahrhunderte ein Segen f\u00fcr die Stadt gewesen, nun wurde sie zum Verh\u00e4ngnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Innsbruck, 17. Dez. Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese durch Zensur und Gleichschaltung der Medien fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht dem Volksk\u00f6rper pr\u00e4sentieren. Ganz so gro\u00df wie 1938 nach dem Anschluss, als Hitler am 5. April von 100.000 Menschen in Innsbruck begeistert empfangen worden war, war die Begeisterung f\u00fcr den Nationalsozialismus nicht mehr. Zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Dass die sterblichen \u00dcberreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus als Symbol nationalsozialistischer Macht im Stadtbild aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p>Im J\u00e4nner 1944 begann man Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen zu errichten. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt. Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, der Dom, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen. Besondere Behandlung erfuhren w\u00e4hrend der Angriffe historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Die Madonna Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgesch\u00fctze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, k\u00f6nnen am Lanser K\u00f6pfl oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln mit dem Hinweis auf den Wiederaufbau auf einen Bombentreffer hin.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck &#8211; Stadt der B\u00fcrokraten und Beamten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65694&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck br\u00fcstet sich voll Stolz seiner vielen Titulierungen. Universit\u00e4tsstadt, \u00d6sterreichs Hauptstadt des Sportes oder Heimat des weltbesten Krankenhauses. Wirft man einen Blick auf die Liste der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber der Region oder in die Geschichte, ist Innsbruck vor allem eins: Beamtenstadt. Universit\u00e4t und Landeskrankenhaus sind die gr\u00f6\u00dften singul\u00e4ren Arbeitgeber. Rechnet man aber die \u00f6ffentlichen Bediensteten aller Ebenen, Stadt, Land und Bund zusammen und nimmt die ausgelagerten Unternehmen im Besitz der \u00f6ffentlichen Hand wie die \u00d6BB, TIWAG oder die Innsbrucker Kommunalbetriebe hinzu sowie Lehrer und Polizei, sind die Beamten klar in der \u00dcberzahl. Sp\u00e4testens seit der \u00dcbersiedlung der landesf\u00fcrstlichen Residenz unter Friedrich IV. machte die Beamtenschaft nicht nur einen betr\u00e4chtlichen quantitativen Teil der B\u00fcrgerschaft aus, sie bestimmt die Geschicke der Stadt in einflussreicher, wenn auch unauff\u00e4lliger Manier. Bis heute sind es Beamten, die den Laden am Laufen halten. Sie setzen Gesetze durch, k\u00fcmmern sich um die Planung und Instandhaltung von Infrastruktur, machen eifrig Aufzeichnungen \u00fcber die Bev\u00f6lkerung, um Steuern ein- und Soldaten auszuheben.<\/p>\n<p>Die erste nennenswerte B\u00fcrokratie kam wohl mit dem <em>Imperium Romanum<\/em>. Den R\u00f6mern folgten im fr\u00fchen Mittelalter die Br\u00fcder des Stiftes Wilten. Die schreibkundigen M\u00e4nner verwalteten nicht nur die herzoglichen und eigenen Besitzt\u00fcmer durch ihre Urbare und hoben die Abgaben bei den b\u00e4uerlichen Untertanen ein, sondern legten Taufmatrikel, Heiratsverzeichnisse und Sterbeb\u00fccher an. Die Feudalherrschaft erforderte zwar einen Panoramablick \u00fcber das, was sich innerhalb ihres Herrschaftsbereichs abspielte, vor allem in der Stadt war das Leben aber eher von den Beschr\u00e4nkungen der Z\u00fcnfte als von denen der Obrigkeit bestimmt. Ein Magistrat war nur oberfl\u00e4chlich vorhanden. Es gab Gesetze, aber keine Polizei, Steuern aber kein Finanzamt. St\u00e4dtische Infrastruktur war praktisch nicht vorhanden, schlie\u00dflich gab es weder flie\u00dfend Wasser, elektrischen Strom, Kanalisation, st\u00e4dtische Kindergarten, ein Arbeitsamt oder eine Krankenkasse. Die zur Stadt erhobene Gemeinde Innsbruck wurde lange von einem Stadtrichter, ab dem 14. Jahrhundert von einem B\u00fcrgermeister mit Gemeinderat regiert. Es handelte sich dabei nicht um hauptberufliche Beamte, sondern Mitglieder der st\u00e4dtischen Elite. Nur wenige Menschen wie Z\u00f6llner, Kornmesser, Schreiber oder Turmw\u00e4chter standem bei der Stadt unter Lohn und Brot.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert wurden Berufswelt und Gesellschaft differenzierter, die Heere gr\u00f6\u00dfer und die Steuerbelastungen h\u00f6her. Das traditionelle Gewohnheitsrecht wurde vom modernen, f\u00fcr Unkundige schwerer durchschaubaren R\u00f6mischen Recht abgel\u00f6st. Mit der Stadt wuchs auch der Beamtenapparat. Zwischen Anfang des 15. Jahrhunderts und der Regierung Leopolds V. war Innsbruck von einer Handels- und Transportsiedlung zu einer Beamtenstadt geworden. Von den circa 5500 Einwohnern geh\u00f6rte mehr als die H\u00e4lfte dem Hofstaat, der st\u00e4dtischen Beamtenschaft, der Universit\u00e4t oder dem Klerus an. Hofhaltung, Verwaltung, Zoll, Steuern, Fernhandel und Finanzwirtschaft ben\u00f6tigten schreibkundiges Personal. Die Verwaltung war, vor Handwerk, Transport und Gastronomie zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt geworden.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt kamen die B\u00fcrger mit diesen fremden Beamten nur in unangenehmen Situationen in Ber\u00fchrung. Besonders straff wurden die Z\u00fcgel von Maximilian I. angezogen. Seine zentral beschlossenen Gesetze wurden von den Reichskreisen lokal umgesetzt. Die besoldeten Beamten durchdrangen das Leben des Einzelnen in einer Art und Weise, die es im Mittelalter so nicht gab. Zu allem \u00dcbel kamen die Beamten oft aus dem Ausland. Besonders Italiener und Burgunder waren gefragte Schl\u00fcsselarbeitskr\u00e4fte, die aber mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung fremdelten. Nicht nur sprachen sie oft kein Deutsch, sie konnten lesen und schreiben, waren Angestellte und keine untert\u00e4nigen Landwirten. Sie hatten mehr Geld zur Verf\u00fcgung, kleideten sich anders, hatten andere Sitten und a\u00dfen andere Speisen. Anders als der Landesf\u00fcrst beriefen sie sich nicht auf Gott, sondern auf von Menschen geschriebene, von der Antike und der Vernunft inspirierte Regelwerke. Je nach Mode, Sitte und Moralvorstellung der Zeit, \u00e4nderten sich die Gesetze. So wie Naturschutz oder Tempolimits auf Autobahnen heute immer wieder zur Diskussion gestellt werden, obwohl sie Sinn machen, wurden damals Verbote von Ausspucken, Entsorgung des Nachttopfes, Holzbauten und Viehhaltung innerhalb der Stadtmauern kritisch gesehen, obwohl sie Hygiene und Sicherheit drastisch erh\u00f6hten.<\/p>\n<p>War es lange Sitte gewesen, dass B\u00fcrger sich in Abwesenheit des Regenten gewisse Freiheiten bei der Holzschl\u00e4gerung, dem Bauwesen, der Jagd und der Fischerei herausnahmen, war die B\u00fcrokratie immer anwesend. W\u00e4hrend der Landesf\u00fcrst als guter Vater seiner Untertanen gesehen wurde und Bisch\u00f6fe und \u00c4bte zwar strenge Grundherren waren, aber als Gegenleistung zumindest Seelenheil anbieten konnten, erschienen die neue Amtsgewalt anonym, abgehoben, gesichtslos, fremd und distanziert. Die Verhandlungsbasis, die man im direkten Kontakt als Untertan mit seinem Grundherrn hatte, wurde vom gnadenlosen Gesetz beerdigt, zumindest wenn man keine Bestechungsgelder bezahlen konnte oder niemand in h\u00f6herer Position kannte. Als der unbedingte Glaube an den immer korrupter werdenden Klerus zu br\u00f6ckeln begann und Ferdinand I. den Spanier Salamanca als obersten Finanzverwalter des Landes einsetzte, verwandelte sich das unterschwellige unzufriedene Brodeln 1525 in eine offene Rebellion. Die Untertanen forderten nicht die Absetzung des F\u00fcrsten, sondern eine Ver\u00e4nderung der Herrschaft des Klerus und der fremdl\u00e4ndischen Beamtenschaft. Auch im 17. Jahrhundert war es mit Wilhelm Biener der oberste Beamte des Landes, dessen Kopf rollte und nicht der des Landesherrn.<\/p>\n<p>Dabei barg die B\u00fcrokratie, die Herrschaft der Verwaltung, durchaus auch Vorteile f\u00fcr die Untertanen. Sie setzte fixe Regeln dort ein, wo oft Willk\u00fcr herrschte. Das \u00fcber unterschiedliche Territorien harmonisierte Gesetz war berechenbarer. Und man konnte mit etwas Gl\u00fcck und Talent auch ohne dem Adel anzugeh\u00f6ren sozial durch den Dienst f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand sozial aufsteigen. Michael Gaismair, einer der Anf\u00fchrer der Rebellion von 1525, war als Sohn eines Bergwerksunternehmers vor seiner Karriere als Revolution\u00e4r in Diensten des Landeshauptmanns gestanden.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Modernisierung der Verwaltung erfolgte im 18. Jahrhundert. Unter den aufgekl\u00e4rten, absolutistischen Monarchen Maria Theresia und Josef II. wehte ein neuer Wind bis hin zur Kommunalebene. Innsbruck erhielt erstmals eine Polizei. Die Stadtverwaltung wurde 1784 modernisiert. Anstelle des alten Stadtrats mit <em>Gemein<\/em> regierte nun ein von einem Rat, vor allem aber von Beamten unterst\u00fctzter B\u00fcrgermeister. Dieser Magistrat bestand aus besoldeten Experten, die zwar immer noch vorwiegend aus Mitgliedern des Kleinadels bestanden, sich nun aber durch Pr\u00fcfungen f\u00fcr die Aus\u00fcbung ihres Amtes qualifizieren mussten. Die B\u00fcrokratie erhielt auf operativer politischer Ebene mehr Macht. W\u00e4hrend der B\u00fcrgermeisterposten zeitlich begrenzt war, kamen Beamte in den Genuss einer lebenslangen, unk\u00fcndbaren Stellung. Diese Pragmatisierung und ein neuerlicher Schwall an neuen, oftmals den Traditionen widersprechenden Gesetzen, verst\u00e4rkten den Ruf der Beamten, abgehoben und b\u00fcrgerfern zu sein. Als mit der bayerischen Besetzung Tirols das Element des ausl\u00e4ndischen, noch dazu nach franz\u00f6sischem Vorbild, dazukam, brach 1809 erneut ein Aufstand aus. Die Massenaushebung junger M\u00e4nner f\u00fcr den Milit\u00e4rdienst, eine Reglementierung des religi\u00f6sen Lebens und eine Impfpflicht, durchgesetzt von bayerischen Beamten, war zu viel f\u00fcr die Tiroler Seelenlandschaft.<\/p>\n<p>Nach 1809 hielt die B\u00fcrokratie im Rahmen der Industrialisierung und neuen Technologien in immer mehr Lebensbereichen Einzug. Nicht nur das Staatswesen \u00fcber Steuern und Milit\u00e4r, auch Universit\u00e4t, Schulen, Bauwesen, Eisenbahn, Post und Institutionen wie die Kammer f\u00fcr Handel und Gewerbe bedurften Verwaltungsmitarbeitern. Die Stadt wuchs was Einwohner und Unternehmen anbelangte. Neue Infrastruktur wie Gas, Kanalisation und Elektrizit\u00e4t und neue Vorstellungen was Hygiene, Lebensmittelkontrolle, Gesundheit und Bildung anbelangte, verlangten nach neuen Mitarbeitern im Stadtmagistrat. Das alte Rathaus in der Altstadt wurde zu klein. Eine angedachte Erweiterung erwies sich als unm\u00f6glich. 1897 \u00fcbersiedelten die Beamten in das neue Rathaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Erm\u00f6glicht wurde der Umzug durch die gro\u00dfz\u00fcgige Schenkung des Industriellen und Hoteliers Leonhard Lang. Er hatte aus dem ehemaligen Palais K\u00fcnigl das <em>Hotel d\u00b4Autriche<\/em> gemacht, bevor der B\u00fcrgermeister und seine Entourage Einzug hielten.<\/p>\n<p>Als 1918 die Monarchie zusammenbrach, war der \u00dcbergang nicht nahtlos, dank der Strukturen verlief er aber unvorstellbar glatt. Es war aber nicht mehr der Kaiser, der die Last des Staates trug, sondern eine Heerschar an Staatsbediensteten und H\u00fctern der Ordnung, die f\u00fcr Wasser, Strom und ein funktionierendes Eisenbahnnetz sorgten. Mit Eduard Klingler und Theodor Prachensky hinterlie\u00dfen zwei Bauamtsleiter in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ihre bis heute gut sichtbaren Spuren im Innsbrucker Stadtbild. Die Republik \u00fcbernahm mit Agenden wie dem \u00f6ffentlichen Wohnbau, dem Arbeitsamt, dem Bildungswesen, der st\u00e4dtischen Infrastruktur, Stra\u00dfenbau, \u00f6ffentlichem Verkehr bis hin zu Meldewesen und Hochzeit mehr oder minder alle Aufgaben des t\u00e4glichen Lebens von Monarchie und Kirche. Wer sich also beim n\u00e4chsten Besuch im Neuen Rathaus \u00fcber \u00fcberbordendes Beamtentum und qu\u00e4lend langsame B\u00fcrokratie \u00e4rgert, dem sei in Erinnerung gerufen, dass der Wohlfahrtsstaat in Person seiner Staatsdiener von der Wiege bis zur Bahre das soziale Auskommen und \u00f6ffentliche Infrastruktur Tausender Menschen meist unbemerkt managet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Tirolische Nation, %22Demokratie%22 und das Herz Jesu&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tiroler Demokratie und das Herz Jesu&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53480&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Viele Tiroler sehen sich bis heute oft und gerne als eigene Nation. Mit \u201e<em>Tirol isch lei oans<\/em>\u201c, \u201e<em>Zu Mantua in Banden<\/em>\u201c und \u201e<em>Dem Land Tirol die Treue<\/em>\u201c besitzt das Bundesland gleich drei mehr oder weniger offizielle Hymnen. Dieser ausgepr\u00e4gte Lokalpatriotismus hat wie auch in anderen Bundesl\u00e4ndern historische Gr\u00fcnde. Oft wird die Tiroler Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit wie ein lokales Heiligtum herangezogen, um das zu untermauern. Gerne wird von der ersten Demokratie Festlandeuropas gesprochen, was wohl eine ma\u00dflose \u00dcbertreibung ist, betrachtet man die feudale und von Hierarchien gepr\u00e4gte Geschichte des Landes bis ins 20. Jahrhundert an. Eine gewisse Eigenheit in der Entwicklung kann man dem Land allerdings nicht absprechen, auch wenn es sich dabei weniger um Partizipation breiter Teile der Bev\u00f6lkerung als vielmehr die Beschneidung der Macht des Landesf\u00fcrsten von Seiten der lokalen Eliten handelte.<\/p>\n<p>Den ersten Akt stellte das dar, was der Innsbrucker Historiker Otto Stolz (1881 \u2013 1957) in den 1950ern in Anlehnung an die englische Geschichte \u00fcberschw\u00e4nglich als <em>Magna Charta Libertatum<\/em> feierte. Nach der Hochzeit des Bayern Ludwigs von Wittelsbach mit der Tiroler Landesf\u00fcrstin Margarete von Tirol-G\u00f6rz waren die bayrischen Wittelsbacher f\u00fcr kurze Zeit Landesherren von Tirol. Um die Tiroler Bev\u00f6lkerung auf seine Seite zu ziehen, beschloss Ludwig den Landst\u00e4nden im 14. Jahrhundert ein Zuckerl anzubieten. Im <em>Gro\u00dfen Freiheitsbrief<\/em> von 1342\u00a0versprach Ludwig den Tirolern keine Gesetze oder Steuererh\u00f6hungen zu erlassen, ohne sich nicht vorher mit den Landst\u00e4nden zu besprechen. Von einer demokratischen Verfassung im Verst\u00e4ndnis des 21. Jahrhunderts kann allerdings keine Rede sein, waren diese Landst\u00e4nde doch vor allem die adeligen, landbesitzenden Klassen, die dementsprechend auch ihre Interessen vertraten. In einer Ausfertigung der Urkunde war zwar davon die Rede, Bauern als Stand in den Landtag miteinzubeziehen, offiziell wurde diese Version allerdings nie.<\/p>\n<p>Als im 15. Jahrhundert St\u00e4dte und B\u00fcrgertum durch ihre wirtschaftliche Bedeutung mehr politisches Gewicht erlangten, entwickelte sich ein Gegengewicht zum Adel innerhalb der Landst\u00e4nde. Beim Landtag von 1423 unter Friedrich IV. trafen erstmals 18 Mitglieder des Adels auf 18 Mitglieder der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Nach und nach entwickelte sich in den Landtagen des 15. und 16. Jahrhundert eine feste Zusammensetzung. Vertreten waren die Tiroler Bisch\u00f6fe von Brixen und Trient, die \u00c4bte der Tiroler Kl\u00f6ster, der Adel, Vertreter der St\u00e4dte und der Bauernschaft. Den Vorsitz hatte der Landeshauptmann.\u00a0Nat\u00fcrlich waren die Beschl\u00fcsse und W\u00fcnsche des Landtags f\u00fcr den F\u00fcrsten nicht bindend, allerdings war es f\u00fcr den Regenten wohl ein beruhigendes Gef\u00fchl, wenn er die Vertreter der Bev\u00f6lkerung auf seiner Seite wusste oder schwere Entscheidungen mitgetragen wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Urkunde f\u00fcr das Land war das <em>Tiroler Landlibell<\/em>.\u00a0Maximilian hielt darin im Jahr 1511 unter anderem fest, Tiroler Soldaten nur f\u00fcr den Kriegsdienst zur Verteidigung des eigenen Landes heranzuziehen. Der Grund f\u00fcr Maximilians Gro\u00dfz\u00fcgigkeit war weniger seine Liebe zu den Tirolern als die Notwendigkeit die Tiroler Bergwerke am Laufen zu halten, anstatt die kostbaren Arbeiter und die sie versorgende Bauernschaft auf den Schlachtfeldern Europas zu verheizen. Dass im <em>Landlibell<\/em> gleichzeitig massive Einschr\u00e4nkungen der Bev\u00f6lkerung und h\u00f6here Belastungen einhergingen, wird oft gerne vergessen. Das <em>Landlibell<\/em> regelte neben der St\u00e4rke der Truppenkontingente auch die Sondersteuern, die eingehoben wurden. Adel und Klerus mussten den Kapitalertrag aus ihren L\u00e4ndereien als Steuerbasis heranziehen, was oft einer groben Sch\u00e4tzung gleichkam. St\u00e4dte hingegen wurden nach der Anzahl der Feuerst\u00e4tten in den H\u00e4usern besteuert, was recht genau erhoben werden konnte. Die begehrten Bergwerksarbeiter waren von diesen Steuern ausgenommen und mussten auch nur im \u00e4u\u00dfersten Notfall zum Heeresdienst antreten.<\/p>\n<p>Diese im Landlibell festgehaltene Sonderregelung bei der Landesverteidigung war einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erhebung von 1809, als junge Tiroler bei der Mobilisierung der Streitkr\u00e4fte im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht ausgehoben wurden.\u00a0Bis heute pr\u00e4gen die Napoleonischen Kriege, als das katholische Kronland von den \u201egottlosen Franzosen\u201c und der revolution\u00e4ren Gesellschaftsordnung bedroht wurde, das Tiroler Selbstverst\u00e4ndnis. Bei diesem Abwehrkampf entstand ein Bund zwischen Katholizismus und Tirol. Die Tiroler Sch\u00fctzen vertrauten ihr Schicksal vor einer entscheidenden Schlacht im Kampf gegen Napoleons Armeen im Juni 1796 dem Herzen Jesu an und schlossen einen Bund mit Gott pers\u00f6nlich, der ihr <em>Heiliges Land Tirol<\/em> beh\u00fcten sollte. Eine weitere identit\u00e4tsstiftende Legende des Jahres 1796 rankt sich um eine junge Frau aus dem Dorf Spinges. Katharina Lanz, die als die\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>\u00a0in die Landesgeschichte als identit\u00e4tsstiftende Nationalheldin einging, soll die beinahe geschlagenen Tiroler Truppen mit ihrem herrischen Auftreten im Kampf solcherart motiviert haben, dass sie schlussendlich den Sieg \u00fcber die franz\u00f6sische \u00dcbermacht davontragen konnten. Je nach Darstellung soll sie mit einer Mistgabel, einem Dreschflegel oder einer Sense \u00e4hnlich der franz\u00f6sischen Jungfrau Johanna von Orleans den Truppen Napoleons das F\u00fcrchten gelehrt haben. Legenden und Traditionen rund um die Sch\u00fctzen und das Gef\u00fchl, eine selbstst\u00e4ndige und von Gott auserw\u00e4hlte Nation zu sein, die zuf\u00e4llig der Republik \u00d6sterreich angeh\u00e4ngt wurde, gehen auf diese Legenden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die partikularen Identit\u00e4ten der einzelnen Kronl\u00e4nder entsprachen nicht dem, was sich aufgekl\u00e4rte Politik unter einem modernen Staatswesen vorstellten. Unter Maria Theresia erfuhr der Zentralstaat eine St\u00e4rkung gegen\u00fcber den Kronl\u00e4ndern und dem lokalen Adel. Das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Untertanen sollte nicht dem Land Tirol, sondern dem Haus Habsburg gelten. Im 19. Jahrhundert wollte man die Identifikation mit der Monarchie st\u00e4rken und ein Nationalbewusstsein entwickeln. Die Presse, Besuche der Herrscherfamilie, Denkm\u00e4ler wie der Rudolfsbrunnen oder die Er\u00f6ffnung des Berg Isels mit Hofer als kaisertreuem Tiroler sollten dabei helfen, die Bev\u00f6lkerung in kaisertreue Untertanen zu verwandeln.<\/p>\n<p>Als nach dem Ersten Weltkrieg das Habsburgerreich zusammenbrach, zerbrach auch das Kronland Tirol. Das, was man bis 1918 als S\u00fcdtirol bezeichnete, der italienischsprachige Landesteil zwischen Riva am Gardasee und Salurn im Etschtal, wurde zum Trentino mit der Hauptstadt Trient. Der deutschsprachige Landesteil zwischen Neumarkt und dem Brenner ist heute S\u00fcdtirol \/ Alto Adige, eine autonome Region der Republik Italien mit der Hauptstadt Bozen.<\/p>\n<p>Innsbrucker f\u00fchlten sich durch die Jahrhunderte hindurch als Tiroler, Deutsche, Katholiken und Untertanen des Kaisers. Als \u00d6sterreicher aber f\u00fchlte sich vor 1945 kaum jemand. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann sich auch in Tirol langsam ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl zu \u00d6sterreich zu entwickeln. Bis heute aber sind viele Tiroler vor allem stolz auf ihre lokale Identit\u00e4t und grenzen sich gerne von den Bewohnern anderer Bundesl\u00e4nder und Staaten ab. F\u00fcr viele Tiroler stellt der Brenner nach \u00fcber 100 Jahren noch immer eine <em>Unrechtsgrenze<\/em> dar, auch wenn man im <em>Europa der Regionen<\/em> auf EU-Ebene politisch grenz\u00fcberschreitend zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Die Legende vom <em>Heiligen Land<\/em>, der unabh\u00e4ngigen <em>Tirolischen Nation<\/em> und ersten Festlanddemokratie h\u00e4lt sich bis heute. Das Bonmot \u201e<em>bisch a Tiroler bisch a Mensch, bisch koana, bisch a Oasch<\/em>\u201c fasst den Tiroler Nationalismus knackig zusammen. Dass das historische Kronland Tirol mit Italienern, Ladinern, Zimbern und R\u00e4toromanen ein multiethnisches Konstrukt war, wird dabei in rechtsgerichteten Kreisen gerne \u00fcbersehen. Gesetze aus der Bundeshauptstadt Wien oder gar der EU in Br\u00fcssel werden bis heute skeptisch betrachtet. Nationalisten zu beiden Seiten des Brenners bedienen sich noch heute der\u00a0<em>Jungfrau von Spinges<\/em>, dem Herzen Jesu und Andreas Hofers, um ihre Anliegen publikumstauglich anzubringen. Die <em>S\u00e4cularfeier des Bundes Tirols mit dem g\u00f6ttlichen Herzen Jesu<\/em> wurde noch im 20. Jahrhundert unter gro\u00dfer Anteilnahme der politischen Elite gefeiert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Reichskristallnacht in Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Reichskristallnacht in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53668&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie viele andere deutsche und \u00f6sterreichische St\u00e4dte war auch Innsbruck Tatort w\u00e4hrend der Ereignisse, die sich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 abspielten und als <em>Reichskristallnacht <\/em>und Novemberpogrome einen der traurigsten Teile der j\u00fcngeren Geschichte bilden. Das NS-Regime nahm das Attentat eines polnisch-j\u00fcdischen Studenten auf den deutschen Botschafter in Paris zum Anlass f\u00fcr die organisierten Pogrome. Ausgehend von der Parteispitze rund um Adolf Hitler wurden die Befehle an die lokalen Vertretungen in den St\u00e4dten des Deutschen Reichs gegeben, um die Entjudung Deutschlands und die Arisierung, die Enteignung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu j\u00fcdischer Bev\u00f6lkerung und Kultur war Antisemitismus g\u00e4ngige Tradition in Tirol. Innsbruck war das Zentrum j\u00fcdischen Lebens in West\u00f6sterreich, eine nennenswerte Anzahl j\u00fcdischer B\u00fcrger gab es allerdings nie. Die ersten Zuz\u00fcgler j\u00fcdischen Glaubens waren im Mittelalter in die Stadt gekommen. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der j\u00fcdische Friedhof am <em>Judenb\u00fchel<\/em> in St. Nikolaus erstmals erw\u00e4hnt. 1880 waren es nur 109 Juden, die in Innsbruck gemeldet waren. In den Tagen vor dem Ersten Weltkrieg, in dem j\u00fcdische Soldaten als Untertanen der Habsburgermonarchie regul\u00e4r ihren Dienst leisteten, z\u00e4hlte Innsbruck 500 j\u00fcdische B\u00fcrger. Politische Fraktionen bauten ihre Programme auch lange vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten auf Antisemitismus auf. Die <em>Partei Christlicher Mittelstand<\/em> warnte ihre W\u00e4hler vor den \u201esch\u00e4dlichen Juden\u201c per Flugblatt vor den Wahlen des Jahres 1889 zu warnen. In den Kirchen waren antisemitische Predigten und die Legende des Ritualmordes im Tiroler Gewand vom <em>Anderle von Rinn<\/em> an der Tagesordnung. Der in Tirol popul\u00e4re Theologe Josef Seeber verfasste mit seiner Version des <em>Ewigen Juden<\/em> eine epische, antisemitische Ballade.<\/p>\n<p>Neu war 1938 die Gewalt, die sich offen zeigte. Am 9. November wurde im Stadttheater zur Erinnerung an den nationalsozialistischen Putschversuch von 1923 in M\u00fcnchen eine Feier abgehalten. Das Publikum wurde mit Vorf\u00fchrungen der Hitlerjugend sowie Richard Wagners <em>Lohengrin<\/em> auf die Angelobung der SS-Mitglieder am <em>Adolf-Hitler-Platz<\/em> vor dem Theater eingestimmt. Nach Mitternacht versammelten sich Gauleiter Hofer und hochrangige Mitglieder der SS, um die Details der zu folgenden \u201e<em>spontanen Erhebung des Deutschen Volkes gegen die Juden<\/em>\u201c durchzugehen. Einer von ihnen war der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz (1899 \u2013 1979), der als oberster Befehlshaber der Feuerwehr die Br\u00e4nde nicht l\u00f6schen lie\u00df. Wohnungen und Gesch\u00e4fte von Juden wurden zerst\u00f6rt. J\u00fcdische B\u00fcrger wurden misshandelt und verpr\u00fcgelt. Richard Berger, Wilhelm Bauer und Richard Graubart kamen zu Tode. Mehr oder minder die gesamte j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung wurde in den Tagen nach der <em>Reichspogromnacht<\/em> nach Wien zwangs\u00fcbersiedelt.<\/p>\n<p>Innsbruck war, betrachtet man die Relation des kleinen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsanteils zu den Opferzahlen, eine der am brutalsten agierenden St\u00e4dte im Deutschen Reich im Rahmen der Novemberpogrome. Gut dokumentiert ist die Ermordung Richard Graubarts. Er f\u00fchrte ein Schuhgesch\u00e4ft in der Museumstra\u00dfe. Mit seiner Familie bewohnte er eine Villa in der G\u00e4nsbacherstra\u00dfe im Stadtteil Saggen. Unter Leitung des SS-Hauptsturmf\u00fchrers Hans Aichinger drangen seine M\u00f6rder, die er zum Teil pers\u00f6nlich kannte, in die Wohnung der Familie ein. Graubart wurde erstochen, der eine Stunde sp\u00e4ter eintreffende Arzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Die Villa war bereits vor der Tat an einen NS-Parteifunktion\u00e4r vergeben worden, ebenso der restliche Besitz der Familie Graubart. In der <em>Neuesten Zeitung<\/em> vom 10. November stand zu lesen:<\/p>\n<p><em>\u201eSynagoge in Innsbruck ist zerst\u00f6rt\u2026 \u00c4hnlich wie in allen St\u00e4dten Deutschlands fanden solche Proteste auch in Innsbruck statt\u2026. Die Menschenmenge demonstrierte mit ihrer Wut die Emp\u00f6rung \u00fcber das grausame Blutvergie\u00dfen und rief zu Ma\u00dfnahmen gegen Juden auf\u2026. Um weitere Unruhe zu vermeiden waren viele Juden verhaftet\u2026 \u00dcbrigens freu sich die Stadt Innsbruck und unser Gau ziemlich bald von j\u00fcdischer Last befreit zu werden, indem massenweise ein Prozess der Arisierung eingesetzt wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als es nach dem Krieg zum Prozess vor dem Volksgericht am Landesgericht Innsbruck rund um die Ausschreitungen kam, wurde keiner der Angeklagten wegen Mordes verurteilt. Rudolf Schwarz und Robert Huttig, zwei der M\u00e4nner, die Richard Graubart ermordet hatten, wurden 1947 zu 11 bzw. 10 Jahren Haft verurteilt, allerdings 1951 bereits begnadigt und aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Das Verfahren am Volksgericht Innsbruck gegen B\u00fcrgermeister Egon Denz wurde 1947 eingestellt. Er erhielt nach seinem Tod 1979 ein Ehrengrab am Innsbrucker Westfriedhof. Es dauerte bis 1981, bevor die Stadt Innsbruck eine Erinnerungstafel am Ort der 1938 zerst\u00f6rten Synagoge anbrachte. 1993 wurde an selber Stelle in der Sillgasse die neue Synagoge im Beisein des Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher (1921 \u2013 2013) er\u00f6ffnet. Zur Einweihung erhielt die kleine j\u00fcdische Gemeinde Tirols und Vorarlbergs ein besonderes Geschenk. Im November 1938 hatten die damaligen Nachbarn den Schl\u00fcssel der zerst\u00f6rten T\u00fcr der alten Synagoge abgezogen und aufbewahrt, der an diesem Tag zur\u00fcckgegeben wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eduard Walln\u00f6fer Square<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":61813,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[154,162,41,69,15,67,120,47,136,70],"tags":[],"class_list":["post-5794","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auferstanden-aus-ruinen-die-nachkriegszeit-in-innsbruck","category-burokraten-und-beamtenstadt-innsbruck","category-tiroler-demokratie-und-das-herz-jesu","category-franz-hofer-der-gauleiter-tirols","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-kunst-am-bau-die-nachkriegszeit","category-luftangriffe-auf-innsbruck","category-operation-greenup","category-reichskristallnacht-in-innsbruck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5794"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5794\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/61813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}