{"id":59724,"date":"2024-11-27T10:31:10","date_gmt":"2024-11-27T10:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=59724"},"modified":"2026-03-19T08:42:12","modified_gmt":"2026-03-19T08:42:12","slug":"landesberufsschule-mandelsbergerstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/landesberufsschule-mandelsbergerstrasse\/","title":{"rendered":"Provincial vocational school"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Landesberufsschule \/ Tiroler Fachberufsschule<\/h2>\n<p>Mandelsbergerstra\u00dfe 16<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/IMG_8405-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe \/ Tiroler Fachberufsschule&#8220; title_text=&#8220;Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe \/ Tiroler Fachberufsschule&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;64965,66156,59783,59719,66157,66155&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Landesberufsschule&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62040&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59727&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg expandierte Wilten kr\u00e4ftig Richtung Westen. Ab den sp\u00e4ten 1920er Jahren lie\u00df die Bundesbahn der noch jungen Republik \u00d6sterreich eine H\u00e4userzeile an der heutigen Egger-Lienz-Stra\u00dfe errichten. Einen gro\u00dfen Teil zum Wachstum trug auch der 1929 er\u00f6ffnete der <em>Mandelsbergerblock<\/em> bei. Bei diesem Gro\u00dfprojekt hatte Architekt Theodor Prachensky zwar, \u00e4hnlich wie beim <em>Pembaurblock<\/em> in Pradl, die notwendige Infrastruktur wie einen Kindergarten vorgesehen, zur Umsetzung kam sie wegen der kurz darauf einsetzenden Wirtschaftskrise allerdings nie. Das \u00e4nderte sich unter dem 1938 eingesetzten B\u00fcrgermeister Egon Denz. Wie zuvor im <em>Altreich<\/em> im Norden, sollten nun auch die neuen Reichsb\u00fcrger der <em>Ostmark<\/em> am eigenen Leib die F\u00fcrsorge des neuen Machtapparates erfahren. Um die ohnehin schon \u00fcberf\u00fcllte Volksschule neben der zu errichtenden S\u00fcdtirolersiedlung in der Speckbacherstra\u00dfe zu entlasten, sollte endlich die langerwartete Schule entstehen. Mit Wilhelm Stigler (1903 \u2013 1976) wurde ein SS-Mitglied der ersten Stunde und treues Parteimitglied mit der Planung des neuen Geb\u00e4udes direkt gegen\u00fcber des <em>Mandelsbergerblocks<\/em> beauftragt. Stigler war kein reiner G\u00fcnstling des Systems, der talentierte Architekt hatte Jahre zuvor schon die Ausschreibung f\u00fcr die Errichtung der Theresienkirche auf der Hungerburg gewonnen, die aber mangels finanzieller Mittel nicht umgesetzt wurde. Der Vertreter der <em>Tiroler Moderne<\/em> schuf einige der Geb\u00e4ude im gesch\u00e4ftlichen und privaten Umfeld der Tiroler \u201eLodenk\u00f6nige\u201c Baur-Foradori und weitere heute denkmalgesch\u00fctzte Industrie- und Nutzbauten. Die anf\u00e4ngliche Freiz\u00fcgigkeit des NS-Regimes erm\u00f6glichte ihm nun die Umsetzung rentabler Gro\u00dfprojekte wie der <em>Messerschmitt-Siedlung<\/em> in Kematen und eine Erweiterung seines Innsbrucker Architekturb\u00fcros auf drei Niederlassungen. Stigler plante das Schulgeb\u00e4ude am <em>Mandelsbergerblock<\/em> ganz im Stil der Zeit als Doppel-Volksschule, in der Buben und M\u00e4dchen zwar in einem Geb\u00e4ude, aber in getrennten H\u00e4lften unterrichtet werden. Auch mit diesem Projekt war ihm aber kein Gl\u00fcck beschieden. Der Kriegsverlauf nach 1942 und die Luftangriffe auf Innsbruck f\u00fchrten zu einem Baustopp. Nach dem Krieg nutzte die franz\u00f6sische Milit\u00e4rverwaltung das halbfertige Haus als Truppenunterkunft, w\u00e4hrend sich sein Architekt Wilhelm Stigler, als \u201e<em>Belastet<\/em>\u201c eingestuft zuerst im ehemaligen Konzentrationslager in der Reichenau und sp\u00e4ter im <em>Ziegelstadl<\/em> in Haft befand. Erst 1956 wurde der langgezogene Komplex nach kurzer Renovierung und Adaption seinem urspr\u00fcnglich geplanten Zweck gewidmet werden. Auff\u00e4llig ist, wie sehr sich der neoklassizistische Bau mit dem monumentalen S\u00e4ulengang im Eingangsbereich von den sonstigen Geb\u00e4uden Stiglers unterscheidet. Es ist wahrscheinlich Stiglers einziger Entwurf, der sich nicht an moderner Architektur orientiert, wohl auch um dem Gusto der Nationalsozialisten im \u00f6ffentlichen Bau zu entsprechen. Die Kunstwerke, die die Anlage schm\u00fccken, entstanden im Rahmen der Aktion <em>Kunst am Bau<\/em>, die ab 1949 bei \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen zur Anwendung kam. Hinter den Laubeng\u00e4ngen im Eingangsbereich erstrahlt in kr\u00e4ftigen Farben ein Wandbild mit 22 Metern L\u00e4nge und sechs Metern H\u00f6he, geschaffen von Fritz Berger (1916 \u2013 2002) und Emmerich Kerle (1916 \u2013 2010). Tirol wird durch Burgen und Bergpanorama dargestellt, Innsbruck durch Stadt- und Kircht\u00fcrme, den Dom und die Annas\u00e4ule. Vor allem aber stellt das Bild einige der typischen Berufe der Zeit der 1950er dar. Besonders interessant sind die dar\u00fcber transportierten Geschlechterrollen. Schmied, Elektriker und Maler stehen Fotografin und Schneiderin gegen\u00fcber. Das Mosaik an der rechten Hausmauer zeigt den Weg vom Lehrling zum Baumeister, der eine wohl Innsbruck symbolisierende Stadt Richtung Berggipfel und Sonne wachsen l\u00e4sst. Der kleine Park vor der Schule, der heute dicht mit B\u00e4umen bewachsen ist, beherbergt die 1962 aufgestellte Statue <em>Maienfl\u00f6tenspieler<\/em> von Josef Bachlechner (1921 \u2013 1979). Die Fl\u00f6te symbolisierte in der griechischen Mythologie die Sehnsucht nach dem Vergangenen. Der barf\u00fc\u00dfige Bub mit seinem <em>Maipfeiferl<\/em>, einem Instrument, das von Tiroler Bauern und Hirten in Handarbeit selbst hergestellt wurde, stellt das Bed\u00fcrfnis der Mehrheit der \u00dcberlebenden der Schrecken des Zweiten Weltkrieges nach einer heilen Vergangenheit und idealisierter Tiroler Tradition dar. Nach seiner beinahe zwei Jahre dauernden Haft sollte sich die Sehnsucht nach dem Vergessen seiner NSDAP-Mitgliedschaft, Stigler hatte sich bereits 1931 registriert, auch f\u00fcr den Architekten der Landesberufsschule erf\u00fcllen. Noch in Haft arbeitete er an den Planungen des bei einem Brand zerst\u00f6rten Tiroler Dorfes Grins mit. 1949 wurde seinem Antrag auf Aufhebung des Berufsverbotes stattgegeben. Gemeinsam mit seinem Sohn Willi Stigler Junior als Partner schuf er ab den 1950er Jahren wegweisende Projekte der Nachkriegszeit wie die Stationen der Bergbahnen in St. Anton, die Erweiterung der Markthalle Innsbruck und die Rhombergpassage. Nach seiner aktiven Karriere als Architekt erhielt er mehrere offizielle Ehrungen. Die von ihm geplante Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe ist bis heute ein wichtiges Fortbildungszentrum f\u00fcr Lehrlinge verschiedener Branchen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59763&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie nach dem Ersten Weltkrieg war auch nach 1945 die Wohnungsnot eines der dr\u00e4ngendsten Probleme. Innsbruck war bei den Luftangriffen stark in Mitleidenschaft gezogen worden und Geld f\u00fcr Neubauten war knapp. Als in den 1950er Jahren die ersten Wohnanlagen errichtet wurden, war Sparsamkeit das Gebot der Stunde. Viele der ab den 1950er Jahren errichteten Geb\u00e4ude sind zwar architektonisch wenig attraktiv, sie beherbergen aber durchaus interessante Kunstwerke. Ab 1949 gab es in \u00d6sterreich das Projekt <em>Kunst am Bau<\/em>. Bei staatlich durchgef\u00fchrten Bauten sollten 2% der Gesamtausgaben in die k\u00fcnstlerische Gestaltung flie\u00dfen. Die Umsetzung des Baurechts und somit auch die Verwaltung der Budgets oblag damals wie heute den Bundesl\u00e4ndern. \u00dcber diese \u00f6ffentliche Auftragsvergabe sollten K\u00fcnstler finanziell unterst\u00fctzt werden. In den kargen Nachkriegsjahren waren auch erfolgreiche und praktisch veranlagte K\u00fcnstler wie Oswald Haller (1908 \u2013 1981), der sein Geld mit Gebrauchsgraphiken und Plakaten f\u00fcr den Tourismus verdiente, in die Bredouille gekommen. Erstmals tauchte die Idee 1919 in der Weimarer Republik auf und wurde ab 1934 von den Nationalsozialisten fortgesetzt. \u00d6sterreich griff Kunst am Bau nach dem Krieg auf, um den \u00f6ffentlichen Raum im Rahmen des Wiederaufbaus zu gestalten. Die \u00f6ffentliche Hand, die Aristokratie und B\u00fcrgertum als Bautr\u00e4ger vergangener Jahrhunderte abl\u00f6ste, stand unter massivem finanziellem Druck. Trotzdem sollten die vor allem auf Funktion ausgerichteten Wohnbauprojekte nicht ganz schmucklos daherkommen. Die mit der Gestaltung der Kunstwerke betrauten Tiroler K\u00fcnstler wurden in ausgeschriebenen Wettbewerben ermittelt. Der bekannteste unter ihnen war Max Weiler, der vielleicht prominenteste K\u00fcnstler im Tirol der Nachkriegszeit, der in Innsbruck unter anderem f\u00fcr die Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg verantwortlich war. Weitere prominente Namen sind Helmut Rehm (1911 \u2013 1991), Walter Honeder (1906 \u2013 2006), Fritz Berger (1916 \u2013 2002) und Emmerich Kerle (1916 \u2013 2010). Viele dieser K\u00fcnstler wurden nicht nur von der <em>Bundesgewerbeschule Innsbruck<\/em>, der heutigen HTL, und der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien, sondern auch von der kollektiven Erfahrung w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus und dem Krieg gepr\u00e4gt. Fritz Berger hatte seinen rechten Arm und ein Auge verloren und musste lernen, mit der linken Hand zu arbeiten. Kerle diente in Finnland als Kriegsmaler. Er wurde an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien unter anderem von Josef M\u00fcllner unterrichtet, einem K\u00fcnstler, der sich mit B\u00fcsten Adolf Hitlers, Siegfrieds aus der Nibelungensage und dem bis heute umstrittenen Karl-Lueger-Denkmal in Wien in die Kunstgeschichte eingetragen hatte. Wie ein gro\u00dfer Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung wollten diese K\u00fcnstler wie auch Politiker und Beamte nach den harten und leidvollen Kriegsjahren Ruhe und Frieden, um Gras \u00fcber das Geschehen der letzten Jahrzehnte wachsen zu lassen. Die im Rahmen von Kunst am Bau entstandenen Werke reflektieren diese Haltung nach einem neuen Sittenbild. Es war das erste Mal, dass abstrakte, gestaltlose Kunst Eingang in den \u00f6ffentlichen Raum Innsbrucks fand, wenn auch nur in unkritischem Rahmen. M\u00e4rchen, Sagen, religi\u00f6se Symbole waren beliebte Motive, die auf den Sgraffitos, Mosaiken, Wandbildern und Statuen verewigt wurden. Man k\u00f6nnte von einer Art zweiter Welle der Biedermaierkunst sprechen, die den kleinb\u00fcrgerlichen Lebensstil der Menschen nach dem Krieg symbolisierte. Die Kunst sollte auch ein neues Bewusstsein und Bild dessen schaffen, was als typisch \u00d6sterreichisch galt. Noch 1955 betrachtete sich jeder zweite \u00d6sterreicher als Deutscher. Die unterschiedlich ausgef\u00fchrten Motive zeigen Freizeitaktivit\u00e4ten, Kleidungsstile und Vorstellungen der sozialen Ordnung und gesellschaftlichen Normen der Nachkriegszeit. Frauen wurden h\u00e4ufig in Tracht und Dirndl, M\u00e4nner in Lederhosen dargestellt. Die konservative Idealvorstellung der Geschlechterrollen wurden in der Kunst verarbeitet. Flei\u00dfig arbeitende V\u00e4ter, brave Ehefrauen, die sich um Haus und Herd k\u00fcmmerten und Kinder, die in der Schule eifrig lernen waren das Idealbild bis weit in die 1970er Jahre. Ein Leben wie aus einem Film mit Peter Alexander. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet viele der noch heute sichtbaren Kunstwerke auf H\u00e4usern in Pradl und Wilten. Die Mischung aus reizloser Architektur und zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerken der gerne verdr\u00e4ngten, in Filmen und Erz\u00e4hlungen lange idealisierten und verkl\u00e4rten Nachkriegszeit, ist sehenswert. Besonders sch\u00f6ne Beispiele finden sich an den Fassaden in der Pacherstra\u00dfe, der Hunoldstra\u00dfe, der Ing.-Thommenstra\u00dfe, am Innrain, der Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe oder im Innenhof zwischen Landhausplatz und Maria-Theresienstra\u00dfe.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Auferstanden aus Ruinen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Auferstanden aus Ruinen die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63476&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach Kriegsende kontrollierten US-Truppen f\u00fcr zwei Monate Tirol. Anschlie\u00dfend \u00fcbernahm die Siegermacht Frankreich die Verwaltung. Den Tirolern blieb die sowjetische Besatzung, die \u00fcber Ost\u00f6sterreich hereinbrach, erspart. Besonders in den ersten drei Nachkriegsjahren war der Hunger der gr\u00f6\u00dfte Feind der Menschen. Der Mai 1945 brachte nicht nur das Kriegsende, sondern auch Schnee. Der Winter 1946\/47 ging als besonders kalt und lang in die Tiroler Klimageschichte ein, der Sommer als besonders hei\u00df und trocken. Es kam zu Ernteausf\u00e4llen von bis zu 50%. Die Versorgungslage war vor allem in der Stadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit katastrophal. Die t\u00e4gliche Nahrungsmittelbeschaffung wurde zur lebensgef\u00e4hrlichen Sorge im Alltag der Innsbrucker. Neben den eigenen B\u00fcrgern mussten auch tausende von <em>Displaced Persons<\/em>, freigekommenen Zwangsarbeitern und Besatzungssoldaten ern\u00e4hrt werden. Um diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, war die Tiroler Landesregierung auf die Hilfe von au\u00dferhalb angewiesen. Der Vorsitzende der UNRRA <em>(Anm.: United Nations Relief and Rehabilitation Administration<\/em>), die Kriegsgebiete mit dem N\u00f6tigsten versorgte, Fiorello La Guardia z\u00e4hlte \u00d6sterreich \u201e<em>zu jenen V\u00f6lkern der Welt, die dem Hungertod am n\u00e4chsten sind.<\/em>\u201c Milch, Brot, Eier, Zucker, Mehl, Fett \u2013 von allem war zu wenig da. Die franz\u00f6sische Besatzung konnte den Bedarf an ben\u00f6tigten Kilokalorien pro Kopf nicht abdecken, fehlte es doch der eigenen Bev\u00f6lkerung und den Einsatzkr\u00e4ften oft an der Versorgung. Bis 1946 entnahmen sie der Tiroler Wirtschaft sogar G\u00fcter.<\/p>\n<p>Die Lebensmittelversorgung erfolgte schon wenige Wochen nach Kriegsende \u00fcber Lebensmittelkarten. Erwachsene mussten eine Best\u00e4tigung des Arbeitsamtes vorlegen, um an diese Karten zu kommen. Die Rationen unterschieden sich je nach Kategorie der Arbeiter. Schwerstarbeiter, Schwangere und stillende M\u00fctter erhielten Lebensmittel im \u201eWert\u201c von 2700 Kalorien. Handwerker mit leichten Berufen, Beamte und Freiberufler erhielten 1850 Kilokalorien, Angestellte 1450 Kalorien. Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c konnten nur 1200 Kalorien beziehen. Zus\u00e4tzlich gab es Initiativen wie Volksk\u00fcchen oder Ausspeisungen f\u00fcr Schulkinder, die von ausl\u00e4ndischen Hilfsorganisationen \u00fcbernommen wurden. Aus Amerika kamen Carepakete von der Wohlfahrtsorganisation <em>Cooperative for American Remittances to Europe<\/em>. Viele Kinder wurden im Sommer zu Pflegehaushalten in die Schweiz verschickt, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und ein paar zus\u00e4tzliche Kilo auf die Rippen zu bekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle reichten all diese Ma\u00dfnahmen allerdings nicht aus. Vor allem Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c litten unter den geringen Zuteilungen. Viele Innsbrucker machten sich trotz der Gefahr, festgenommen zu werden, auf den Weg in die umliegenden D\u00f6rfer, um zu hamstern. Wer Geld hatte, bezahlte teils utopische Preise bei den Bauern. Wer keins hatte, musste um Nahrungsmittel betteln. Frauen, deren M\u00e4nner gefallen, in Gefangenschaft oder vermisst waren, sahen in Extremf\u00e4llen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Diese Frauen, besonders die ungl\u00fccklichen, die schwanger wurden, mussten \u00fcber sich und ihren Nachwuchs \u00fcbelste Beschimpfungen ergehen lassen. Vom legalen Schwangerschaftsabbruch war man in \u00d6sterreich noch 30 Jahre entfernt.<\/p>\n<p>Die Politik stand dem zu einem gro\u00dfen Teil machtlos gegen\u00fcber. Alle Interessen zu befrieden, war schon in normalen Zeiten unm\u00f6glich. Viele Entscheidung zwischen dem Parlament in Wien, dem Tiroler Landtag und dem Innsbrucker Rathaus waren f\u00fcr die Menschen nicht nachvollziehbar. W\u00e4hrend Kinder auf Obst und Vitamine verzichten mussten, wurde von manchen Bauern legal gewinnbringender Schnaps gebrannt. Amtsgeb\u00e4ude und Gewerbebetriebe bekamen vom Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck freie Hand, w\u00e4hrend den Privathaushalten ab Oktober 1945 der Zugang zum Strom an mehreren Tagzeiten eingeschr\u00e4nkt wurde. Selbige Benachteiligung der Haushalte gegen\u00fcber der Wirtschaft galt f\u00fcr die Versorgung mit Kohle. Die alten Gr\u00e4ben zwischen Stadt und Land wurden gr\u00f6\u00dfer und hasserf\u00fcllter. Innsbrucker warfen der Umlandbev\u00f6lkerung vor, bewusst Lebensmittel f\u00fcr den Schwarzmarkt zur\u00fcckzuhalten. Es kam zu \u00dcberf\u00e4llen, Diebst\u00e4hlen und Holzschl\u00e4gerungen. Transporte am Bahnhof wurden von bewaffneten Einheiten bewacht. Sich Lebensmittel aus einem Lager anzueignen war illegal und Alltag zu gleich. Kinder und Jugendliche streunten hungrig durch die Stadt und nahmen jede Gelegenheit sich etwas zu Essen oder Brennmaterial zu besorgen wahr. Der erste Tiroler Landeshauptmann Gruber, w\u00e4hrend des Krieges selbst illegal im Widerstand, hatte zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der Menschen, die sich gegen das System auflehnten, konnte aber nichts daran \u00e4ndern. Auch dem Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer waren die H\u00e4nde gebunden. Es war nicht nur schwierig, die Bed\u00fcrfnisse aller Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, immer wieder kam es unter der Beamtenschaft zu F\u00e4llen von Korruption und Gef\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber Verwandten und Bekannten. Grubers Nachfolger am Landeshauptmannsessel Alfons Wei\u00dfgatterer musste gleich mehrere kleine Aufst\u00e4nde \u00fcberstehen, als sich der Volkszorn Luft machte und Steine Richtung Landhaus flogen Die Antwort der Landesregierung erfolgte \u00fcber die <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>. Das Blatt war 1945 unter der Verwaltung der US-Streitkr\u00e4fte zur Demokratisierung und Entnazifizierung gegr\u00fcndet worden, ging aber bereits im Folgejahr an die Schl\u00fcssel GmbH unter Leitung des \u00d6VP Politikers Joseph Moser. Dank der hohen Auflage und ihrem fast unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt konnte die Tiroler Landesregierung die \u00f6ffentliche Stimmung lenken:<\/p>\n<p>\u201e<em>Sind etwa die zerbrochenen Fensterscheiben, die gestern vom Landhaus auf die Stra\u00dfe klirrten, geeignete Argumente, um unseren Willen zum Wiederaufbau zu beweisen? Sollten wir uns nicht daran erinnern, dass noch niemals in irgendeinem Lande wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Demonstrationen und Kundgebungen beseitigt worden sind?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Mindestens gleich schlecht war die Wohnsituation. Gesch\u00e4tzte 30.000 Innsbrucker waren obdachlos, lebten auf engstem Raum bei Verwandten oder in Barackensiedlungen wie dem ehemaligen Arbeitslager in der Reichenau, in der vom Volksmund \u201eAusl\u00e4nderlager\u201c genannten Barackensiedlung f\u00fcr Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Europas oder der <em>Bocksiedlung<\/em>. Weniges erinnert noch an den desastr\u00f6sen Zustand, in dem sich Innsbruck nach den Luftangriffen der letzten Kriegsjahre in den ersten Nachkriegsjahren befand. Zehntausende B\u00fcrger halfen mit, Schutt und Tr\u00fcmmer von den Stra\u00dfen zu schaffen. Die Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die Museumstra\u00dfe, das Bahnhofsviertel, Wilten oder die Pradlerstra\u00dfe w\u00e4ren wohl um einiges ansehnlicher, h\u00e4tte man nicht die L\u00f6cher im Stra\u00dfenbild schnell stopfen m\u00fcssen, um so schnell als m\u00f6glich Wohnraum f\u00fcr die vielen Obdachlosen und R\u00fcckkehrer zu schaffen. \u00c4sthetik aber war ein Luxus, den man sich in dieser Situation nicht leisten konnte. Die ausgezehrte Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte neuen Wohnraum, um den gesundheitssch\u00e4dlichen Lebensbedingungen, in denen Gro\u00dffamilien teils in Einraumwohnungen einquartiert waren, zu entfliehen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Notlage gef\u00e4hrdet die Behaglichkeit des Heims. Sie zehrt an den Wurzeln der Lebensfreude. Niemand leidet mehr darunter als die Frau, deren Gl\u00fcck es bildet, einen zufriedenen, trauten Familienkreis, um sich zu sehen. Welche Anspannung der seelischen Kraft erfordern der t\u00e4glich zerm\u00fcrbende Kampf um ein bisschen Einkauf, die M\u00fchsal des Schlangestehens, die Entt\u00e4uschungen der Absagen und Abweisungen und der Blick in den unmutigen Gesichtern der von Entbehrungen gepeinigten Lieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was in der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em> zu lesen stand, war nur ein Teil der harten Alltagsrealit\u00e4t. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Spanische Grippe viele Opfer forderte, kam es auch 1945 zu einem Anstieg gef\u00e4hrlicher Infektionen. Impfstoffe gegen Tuberkulose konnten im ersten Winter nicht geliefert werden. Auch Krankenhausbetten waren Mangelware. Auch wenn sich die Situation nach 1947 entspannte, blieben die Lebensumst\u00e4nde in Tirol prek\u00e4r. Bis es zu merklichen Verbesserungen kam, dauerte es Jahre. Die Lebensmittelrationierungen wurde am 1. Juli 1953 eingestellt. Im selben Jahr konnte B\u00fcrgermeister Greiter verk\u00fcnden, dass alle w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder in Stand gesetzt worden waren.<\/p>\n<p>Zu verdanken war dies auch den Besatzern. Die franz\u00f6sischen Truppen unter Emile Bethouart verhielten sich sehr milde und kooperativ gegen\u00fcber dem ehemaligen Feind und begegneten der Tiroler Kultur und Bev\u00f6lkerung freundlich und aufgeschlossen. Stand man der Besatzungsmacht anfangs feindlich gesinnt gegen\u00fcber &#8211; schon wieder war ein Krieg verloren gegangen &#8211; wich die Skepsis der Innsbrucker mit der Zeit. Die Soldaten waren vor allem bei den Kindern beliebt wegen der Schokoladen und S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie verteilten. Viele Menschen erhielten innerhalb der franz\u00f6sischen Verwaltung Arbeit. Manch ein Tiroler sah dank der Uniformierten <em>der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision<\/em>, die bis September 1945 den Gro\u00dfteil der Soldaten stellten, zum ersten Mal dunkelh\u00e4utige Menschen. Die Besatzer stellten, soweit dies in ihren M\u00f6glichkeiten lag, auch die Versorgung sicher. Zeitzeugen erinnern sich mit Grauen an die Konservendosen, die sie als Hauptnahrungsmittel erhielten. Um die Logistik zu erleichtern legten die Franzosen bereits 1946 den Grundstein f\u00fcr den neuen Flughafen auf der <em>Ulfiswiese<\/em> in der H\u00f6ttinger Au, der den 20 Jahre zuvor er\u00f6ffneten in der Reichenau nach zwei Jahren Bauzeit ersetzte. Das Franzosendenkmal am Landhausplatz erinnert an die franz\u00f6sische Besatzungszeit. Am <em>Emile-Bethouart-Steg<\/em>, der St. Nikolaus und die Innenstadt \u00fcber den Inn verbindet, befindet sich eine Gedenktafel, die die Beziehung zwischen Besatzung und Bev\u00f6lkerung gut zum Ausdruck bringt:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Sieger gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Besch\u00fctzer geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freund in die Heimat zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben den materiellen N\u00f6ten bestimmte das kollektive Kriegstrauma die Gesellschaft. Die Erwachsenen der 1950er Jahre waren Produkte der Erziehung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus. M\u00e4nner, die an der Front gek\u00e4mpft hatten, konnten als Kriegsverlierer nur in bestimmten Kreisen von ihren grauenhaften Erlebnissen sprechen, Frauen hatten meist gar kein Forum zur Verarbeitung ihrer \u00c4ngste und Sorgen. H\u00e4usliche Gewalt und Alkoholismus waren weit verbreitet. Lehrer, Polizisten, Politiker und Beamte kamen vielfach aus der nationalsozialistischen Anh\u00e4ngerschaft, die nicht einfach mit dem Ende des Krieges verschwand, sondern lediglich \u00f6ffentlich totgeschwiegen wurde. Am <em>Innsbrucker Volksgerichtshof<\/em> kam es unter der Regie der Siegerm\u00e4chte zwar zu einer gro\u00dfen Anzahl an Verfahren gegen Nationalsozialisten, die Anzahl an Verurteilungen spiegelte aber nicht das Ausma\u00df des Geschehens wider. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten kam frei. Besonders belastete Vertreter des Systems kamen f\u00fcr einige Zeit ins Gef\u00e4ngnis, konnten aber nach Verb\u00fc\u00dfung der Haft relativ unbehelligt an ihr altes Leben ankn\u00fcpfen, zumindest im Beruflichen. Nicht nur wollte man einen Schlussstrich unter die letzten Jahrzehnte ziehen, man ben\u00f6tigte die T\u00e4ter von gestern, um die Gesellschaft von heute am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Das Problem an dieser Strategie des Verdr\u00e4ngens war, dass niemand die Verantwortung f\u00fcr das Geschehene \u00fcbernahm, auch wenn vor allem zu Beginn die Begeisterung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Nationalsozialismus gro\u00df war. Es gab kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied mit einer wenig r\u00fchmlichen Geschichte zwischen 1933 und 1945 hatte. Scham \u00fcber das, was seit 1938 und in den Jahren in der Politik \u00d6sterreichs geschehen war mischte sich zur Angst davor, von den Besatzungsm\u00e4chten USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UDSSR als Kriegsschuldiger \u00e4hnlich wie 1918 behandelt zu werden. Es entstand ein Klima, in dem niemand, weder die daran beteiligte noch die nachfolgende Generation \u00fcber das Geschehene sprach. Diese Haltung verhinderte lange die Aufarbeitung dessen, was seit 1933 geschehen war. Der Mythos von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, der erst mit der Aff\u00e4re Waldheim in den 1980er Jahren langsam zu br\u00f6ckeln begann, war geboren. Polizisten, Lehrer, Richter \u2013 sie alle wurden trotz ihrer politischen Gesinnung an ihrem Platz gelassen. Die Gesellschaft brauchte sie, um am Laufen zu bleiben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfz\u00fcgig ausgebreiteten Mantel des Vergessens mit gro\u00dfem Bezug zu Innsbruck ist die Vita des Arztes Burghard Breitner (1884-1956). Breitner wuchs in einem wohlbetuchten b\u00fcrgerlichen Haushalt auf. Die <em>Villa Breitner<\/em> am Mattsee war Sitz eines Museums \u00fcber den vom Vater verehrten deutschnationalen Dichter Josef Viktor Scheffel. Nach der Matura entschied sich Breitner gegen eine Karriere in der Literatur und f\u00fcr ein Medizinstudium. Anschlie\u00dfend beschloss er seinen Milit\u00e4rdienst und begann seine Karriere als Arzt. 1912\/13 diente er als Milit\u00e4rarzt im Balkankrieg. 1914 verschlug es ihn an die Ostfront, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Als Arzt k\u00fcmmerte er sich im Gefangenenlager aufopferungsvoll um seine Kameraden. Erst 1920 sollte er als Held und \u201e<em>Engel von Sibirien<\/em>\u201c aus dem Gefangenenlager wieder nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren. 1932 begann seine Laufbahn an der Universit\u00e4t Innsbruck. 1938 stand Breitner vor dem Problem, dass er auf Grund des j\u00fcdischen Hintergrundes seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits den \u201e<em>Gro\u00dfen Ariernachweis<\/em>\u201c nicht erbringen konnte. Auf Grund seines guten Verh\u00e4ltnisses zum Rektor der Uni Innsbruck und zu wichtigen Nationalsozialisten konnte er aber schlussendlich an der Universit\u00e4tsklinik weiterarbeiten. W\u00e4hrend des NS-Regimes war Breitner als Vorstand der Klinik Innsbruck f\u00fcr Zwangssterilisierungen und \u201e<em>freiwillige Entmannungen<\/em>\u201c verantwortlich, auch wenn er wohl keine der Operationen pers\u00f6nlich durchf\u00fchrte. Nach dem Krieg schaffte es der \u201eEngel von Sibirien\u201c mit einigen M\u00fchen sich durch das Entnazifizierungsverfahren zu winden. 1951 wurde er als Kandidat des <em>VDU<\/em>, einem politischen Sammelbecken \u00fcberzeugter Nationalsozialisten, als Kandidat f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahl aufgestellt. 1952 wurde Breitner Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck. Nach seinem Tod widmete ihm die Stadt Innsbruck ein Ehrengrab am Westfriedhof Innsbruck. In der Reichenau ist ihm in unmittelbarer N\u00e4he des Standortes des ehemaligen Konzentrationslagers eine Stra\u00dfe gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv, Innsbrucks Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rte als Teil der jungen Republik \u00d6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik am Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 mehr oder minder begeisterten, vor allem aber verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df.<\/p>\n<p>Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. In Tirol war es nicht neu, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschluss an Deutschland erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande.<\/p>\n<p>Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, unterstand man den ungeliebten <em>Wallschen<\/em>. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Bei den Friedensverhandlungen in Paris war wurde der Brenner zur neuen Grenze erkl\u00e4rt. Das historische Tirol war zweigeteilt. Am Brenner stand Milit\u00e4r, um eine Grenze zu sichern, die es vorher nie gab und als unnat\u00fcrlich und ungerecht empfunden wurde. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c des nationalsozialistischen Autors Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannten Soldatenr\u00e4te, die aber christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der Tiroler Anzeiger brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der Innsbrucker Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> als Zusammenschluss aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes in Innsbruck bei den ersten Wahlen 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien. Liberale und <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern.<\/p>\n<p>Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren passierte nur sehr wenig. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde 1m 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurses vor dem Krieg verloren. Innsbruck begann, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge davon.<\/p>\n<p>Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe unter Kanzler Ignaz Seipel rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Projekte wie das Tivoli, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf den Berg Isel und die Nordkette, neue Schulen und Wohnbl\u00f6cke. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. In der Reichenau entstand 1925 der erste Flughafen, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die Pembaurbr\u00fccke und die Prinz-Eugen-Br\u00fccke. Die Handschrift der neuen, gro\u00dfen Massenparteien in der Gestaltung dieser Projekte ist dabei nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die erste Republik war eine schwere Geburt aus den \u00dcberbleibseln der einstigen Monarchie und sie sollte nicht lange halten. Trotz der Nachkriegsprobleme passierte in der Ersten Republik aber auch viel Positives. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens des Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche.<\/p>\n<p>Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik in \u00d6sterreich. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em> oder der <em>Mandelsbergerblock<\/em> oder die <em>Pembaurschule<\/em> sind Stein gewordene Zeitzeugen. Der Weltspartag erinnert seit 1925 allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings. Kinder und Erwachsene sollten zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erzogen werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mandelsbergerstrasse 16<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":64965,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[154,153,67,120,87],"tags":[],"class_list":["post-59724","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auferstanden-aus-ruinen-die-nachkriegszeit-in-innsbruck","category-eine-erste-republik-entsteht","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-kunst-am-bau-die-nachkriegszeit","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/64965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}