{"id":60397,"date":"2024-12-16T10:43:20","date_gmt":"2024-12-16T10:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=60397"},"modified":"2026-02-24T13:28:41","modified_gmt":"2026-02-24T13:28:41","slug":"voliere-villa-blanka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/voliere-villa-blanka\/","title":{"rendered":"Villa Blanka &#038; Voliere"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Villa Blanka &amp; Voliere<\/h2>\n<p>Weiherburggasse 31<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/5C7A62CA-BCC0-4F9B-AA2F-74C9C3E6CEA5.jpeg&#8220; alt=&#8220;Karwendelbr\u00fccke Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;Karwendelbr\u00fccke Innsbruck&#8220; disabled_on=&#8220;on|on|on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; disabled=&#8220;on&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;60407,60416,63518,60408&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; disabled_on=&#8220;off|off|off&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Voliere &#038; Pavillon Villa Blanka&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62201&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Voliere Villa Blanka&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;60405&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Einen der sch\u00f6nsten Ausblicke \u00fcber die Stadt genie\u00dft man von Innsbrucks Tourismusschule Villa Blanka aus. Wo heute junge Menschen f\u00fcr die Karriere als Touristiker lernen, stand im 19. Jahrhundert das Anwesen des Innsbrucker K\u00fcnstlers Edgar Meyers (1853 \u2013 1925). 1882 bezog der Landschaftsmaler seine Villa hoch \u00fcber Innsbruck. Meyer war wie auch seine Behausung ein interessantes Exemplar aus der Innsbrucker High Society des 19. Jahrhunderts. Als Sohn eines mutma\u00dflich m\u00e4\u00dfig erfolgreichen Kaufmanns, im Tiroler Landtag und unter den liberalen Stadteliten aber angesehenen Gro\u00dfb\u00fcrgers konnte er sich der Muse hingeben und in D\u00fcsseldorf Kunst studieren. Nach Studienaufenthalten in Deutschland und Italien kehrte der sp\u00e4ter nicht nur malerisch begabte, sondern auch politisch verhaltensauff\u00e4llige Exzentriker in seinen Zwanzigern nach Innsbruck zur\u00fcck und lie\u00df sich unter Zuhilfenahme des Verm\u00f6gens seiner ersten Ehefrau ein Anwesen planen, das dem Hochadel der sp\u00e4ten Monarchie zur Ehre gereicht h\u00e4tte. Die Baufirma <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Huter &amp; S\u00f6hne<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> zauberte ein Schloss samt Turm, Erkern, majest\u00e4tischem Aufgang und Springbrunnen in die Parkanlage, die erhaben \u00fcber der Stadt thronte. Schon nach wenigen Jahren musste der Landschaftsmaler sein luxuri\u00f6ses Domizil aber wieder absto\u00dfen. Auf eine Aff\u00e4re mit der Tochter eines M\u00fcnchner Weinh\u00e4ndlers folgte die Scheidung und damit der Verlust der Verm\u00f6gensbasis, der den Bau erm\u00f6glichte. Nach mehreren Eigent\u00fcmerwechseln fand die Villa in der Zeit der Wirtschaftskrise keinen K\u00e4ufer mehr. 1935 konnte der Innsbrucker Gemeinderat dank der finanziellen Unterst\u00fctzung der Sparkasse die Anlage erstehen. Der Park wurde umgestaltet und sollte ab nun f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich sein. Das Geb\u00e4ude wurde als Kaffeehaus verpachtet, um die leeren Stadtkassen der Zwischenkriegszeit aufzubessern. Das Dasein als Freizeitanlage w\u00e4hrte aber nicht lange. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus diente das Geb\u00e4ude zuerst der NS-Frauenschaft als Schulungszentrum f\u00fcr \u201eMusik und Feiergestaltung\u201c und sp\u00e4ter als Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr die Gastronomie. Nach dem Krieg pachtete das Land Tirol das Anwesen, um dort eine Berufsschule f\u00fcr die Touristiker der Zukunft einzurichten. Der Tourismus sollte zu alter St\u00e4rke wiederauferstehen. Die Basis daf\u00fcr bildeten gut ausgebildete K\u00f6che, Kellner und Hoteliers. Heinrich Menardi III., Sohn des gleichnamigen Tiroler Tourismuspioniers und als dessen Erbe selbst erfolgreicher Touristiker als Inhaber der ehemaligen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Lohnkutscherei<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> und des Autobusbetriebs, erkannte als Pr\u00e4sident der Tiroler Handelskammer den Bedarf an f\u00e4higem Personal und der Modernisierung der Branche. Nachdem die altehrw\u00fcrdige Villa Blanka den Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde 1967 nach den Pl\u00e4nen Hubert Prachenskys an der Stelle des Prachtbaus ein modernes Schulgeb\u00e4ude errichtet. Ein kleiner Bogen und zwei Steinb\u00e4nke befinden sich noch im gepflegten Garten vor dem modernen Neubau erinnert noch an die alte Villa Blanka. Ein Pavillon mit steinernem Fu\u00dfboden und Bronzekuppel steht etwas abgeschieden am Rand der Anlage.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein interessantes Relikt aus der Zwischenkriegszeit ist die Voliere auf der Anlage der Villa Blanka. Der Verein <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Tiroler Vogelwarte<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> errichtete im Rahmen der \u00d6ffnung des Parks dank dem Fond der Sparkasse ein modernes Vogelgehege. Die glatte und runde Form der K\u00e4fige mit den kubischen Mittelteilen ist ein typisches Beispiel f\u00fcr die moderne Architektur der 1930er Jahre in Miniaturausgabe. Architekt Siegfried Thurner, der auch die Theresienkirche auf der Hungerburg entworfen hatte, plante drei Freibereiche mit je f\u00fcnf Meter L\u00e4nge und drei Meter H\u00f6he, die untereinander durch beheizbare Innenr\u00e4ume verbunden sind. Die einzelnen Bereiche sollten V\u00f6gel aus der Niederungszone, dem Mittel- und Hochgebirge pr\u00e4sentieren. Besucher des Parks sollten so heimische V\u00f6gel dank der aufw\u00e4ndigen Innenausstattung in einer m\u00f6glichst artgerechten Umgebung besichtigen k\u00f6nnen. Die Voliere kann als Keimzelle des 1962 gegr\u00fcndeten Alpenzoos betrachtet werden. Interessant ist die Auswahl der V\u00f6gel, die sich dem Besucher im Laufe der Jahrzehnte pr\u00e4sentierten. Waren es in den ersten Jahren der jungen Republik \u00d6sterreich vor allem alpine, einheimische Tiere, wandelte sich der Geschmack, w\u00e4hrend der 1990er und 2000er Richtung exotischer Papageien, bevor die Voliere 2005 f\u00fcr einige Jahre leer stand. Seit 2022 bev\u00f6lkern unter anderem Halsbandsittiche das Gehege. Diese eigentlich in Pakistan, S\u00fcdostchina und Sri Lanka beheimateten V\u00f6gel sind seit 1978 im Innsbrucker Hofgarten ans\u00e4ssig, nachdem ein P\u00e4rchen aus einer Villa im Saggen gefl\u00fcchtet war. Die Fl\u00fcchtlinge vermehrten sich dank reichlich F\u00fctterung durch entz\u00fcckte Spazierg\u00e4nger im Hofgarten und einem warmen Winterquartier unter dem Dach des Kongresshauses auf bis zu 30 Exemplare in den 1990er Jahren. Die Renovierung des Kongresshauses und das Entfallen der Winterschlafstelle kostete viele der exotischen V\u00f6gel das Leben, bevor die verbleibenden Exoten auf der Villa Blanka eine neue Heimat fanden. Edgar Meyer, dem Erbauer der alten Villa Blanka, h\u00e4tte diese Vielfalt fremder Arten wohl nicht gefallen. Der K\u00fcnstler lebte seine deutschnationale und antisemitische Weltanschauung als politischer Akteur und Redner in seinen sp\u00e4teren Jahren \u00f6ffentlich aus, wie in einem Artikel der <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Innsbrucker Nachrichten<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> \u00fcber \u201e<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Die Antisemitenversammlung in Innsbruck<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c vom 22. Februar 1920 zu lesen war:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e\u2026Prof. Edgar Meyer erw\u00e4hnte, da\u00df vor ungef\u00e4hr 50 Jahren in Innsbruck nur sieben Judenfamilien waren, die von niemand behelligt, ein friedliches Dasein f\u00fchrten. Heute sei es ganz anders geworden. Nicht nur in Deutschland und \u00d6sterreich, sondern auch in Tirol habe sich ein pr\u00e4potentes Judentum breit gemacht und die \u00f6ffentliche Moral verseucht. Er schilderte dann den unheilvollen Einflu\u00df der j\u00fcdischen Presse, bezeichnete die j\u00fcdische Zersetzungsarbeit im Staate und in der Armee als Ursache des Zusammenbruches bei uns und in Deutschland und bedauerte, da\u00df gegenw\u00e4rtig mehr als je der Jude regiere\u2026.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tourismus: Von alpiner Sommerfrische zur Piefke Saga&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tourismusland Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53667&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren sorgte eine \u00f6sterreichische Fernsehserie f\u00fcr einen Skandal. Die <em>Piefke Saga<\/em> aus der Feder des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer beschrieb in vier skurril-entlarvend-am\u00fcsanten Folgen die Beziehung zwischen der deutschen Urlauberfamilie Sattmann und ihren Gastgebern in einem fiktiven Tiroler Urlaubsort. Bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem Tourismus in seinen heutigen teils extremen Ausw\u00fcchsen sollte man nicht vergessen, dass der Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor in Innsbruck und Umgebung war, der die Entwicklung der Region nachhaltig antrieb, nicht nur wirtschaftlich.<\/p>\n<p>Die ersten Reisenden, die Innsbruck ansteuerten, waren Pilger und Business People. H\u00e4ndler, Gesellen auf der Walz, Beamte, Soldaten, Entourage adeliger G\u00e4ste bei Hof, Fachkr\u00e4fte verschiedener Gewerbe, Bergleute, Kleriker, Wallfahrer und Wissenschaftler waren die ersten Touristen, die es in die Stadt zwischen Italien und Deutschland zog. Reisen war teuer, gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam. Zudem war es einem gro\u00dfen Teil der Untertanen ohne Einwilligung ihres Grundherrn oder Abtes nicht gestattet, die eigene Scholle zu verlassen. Wer sich fortbewegte, tat dies im Normalfall auf des Schusters Rappen. Zwar verdienten die Innsbrucker Gasth\u00f6fe und Wirte bereits im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit an den Reisenden, von Fremdenverkehr wie wir ihn heute verstehen war aber noch keine Rede. Der fing an, als es einige Verr\u00fcckte erstmals auf die Berggipfel zog. Dazu bedurfte es neben einer wachsenden Mittelschicht auch einer neuen Einstellung gegen\u00fcber den Alpen. Lange waren die Berge eine reine Bedrohung f\u00fcr die Menschen gewesen. Es waren vor allem Briten, die sich aufmachten, sich nach den Weltmeeren auch die Gebirge dieser Erde untertan zu machen. \u00dcber Reiseberichte verbreitete sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, der Epoche der Romantik, die Kunde von der Natursch\u00f6nheit der Alpen. Der erste fremdsprachige Reisef\u00fchrer f\u00fcr Tirol, <em>Travells through the Rhaetian Alps von Jean Francois Beaumont<\/em> erschien 1796.<\/p>\n<p>Neben der alpinen Attraktion waren es die wilden und exotischen <em>Eingeborenen<\/em> Tirols, die international f\u00fcr Aufsehen sorgten. Der b\u00e4rtige Revoluzzer namens Andreas Hofer, der es mit seinem Bauernheer geschafft hatte, Napoleons Armee in die Knie zu zwingen, erzeugte bei den Briten, den notorischen Erzfeinden der Franzosen, ebenso gro\u00dfes Interesse wie bei deutschen Nationalisten n\u00f6rdlich der Alpen, die in ihm einen fr\u00fchen Protodeutschen sahen. Die Tiroler galten als unbeugsamer Menschenschlag, archetypisch und ungez\u00e4hmt, \u00e4hnlich den Germanen unter Arminius, die das Imperium Romanum herausgefordert hatten. Die Beschreibungen Innsbrucks aus der Feder des Autors Beda Weber (1798 \u2013 1858) und andere Reiseberichte in der boomenden Presselandschaft dieser Zeit trugen dazu bei, ein attraktives Bild Innsbrucks zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nun mussten die wilden Alpen nur noch der Masse an Touristen zug\u00e4nglich gemacht werden, die zwar gerne den fr\u00fchen Abenteurern auf ihren Expeditionen nacheifern wollten, deren Risikobereitschaft und Fitness mit den W\u00fcnschen nicht schritthalten konnten. Der <em>Deutsche Alpenverein<\/em> er\u00f6ffnete 1869 eine Sektion Innsbruck, nachdem der 1862 <em>\u00d6sterreichische Alpenverein<\/em> wenig erfolgreich war. Angetrieben vom gro\u00dfdeutschen Gedanken vieler Mitglieder fusionierten die beiden Institutionen 1873. Der <em>Alpenverein<\/em> ist bis heute b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gt, sein sozialdemokratisches Pendant sind die <em>Naturfreunde<\/em>. Das Wegenetz wuchs durch dessen Erschlie\u00dfung ebenso wie die Zahl an H\u00fctten, die G\u00e4ste beherbergen konnten. Das Transitland Tirol besa\u00df unz\u00e4hlige Saumpfade und Fu\u00dfwege, die seit Jahrhunderten bestanden, und als Basis f\u00fcr den Alpinismus dienten. Kleine Gasth\u00f6fe, Bauernh\u00f6fe und Stationen entlang der Postwege dienten als Unterk\u00fcnfte. Der Tiroler Theologe Franz Senn (1831 \u2013 1884) und der Schriftsteller Adolf Pichler (1819 \u2013 1900) waren ma\u00dfgeblich an der Vermessung Tirols und der Erstellung von Kartenmaterial beteiligt. Anders als gerne behauptet, waren die Tiroler nicht geborene Bergsteiger, sondern mussten sich die F\u00e4higkeiten die Bergwelt zu erobern erst beibringen lassen. Bis dato waren Berge vor allem eins: gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam im landwirtschaftlichen Alltag. Sie zu besteigen, war zuvor kaum jemandem in den Sinn gekommen. Die Alpenvereine bildeten auch Bergf\u00fchrer aus. Ab der Jahrhundertwende kam neben Wandern und Bergsteigen der Skisport in Mode. Lifte gab es noch nicht, um auf die Berge zu gelangen, musste man sich der Felle bedienen, die heute noch auf Tourenski geklebt werden. Erst ab den 1920ern konnte nach dem Bau der Seilbahnen auf die Nordkette und dem Patscherkofel eine zahlungskr\u00e4ftige Klientel den modernen Luxus von Bergbahnen beim Skivergn\u00fcgen genie\u00dfen. \u00a0<\/p>\n<p>Es bedurfte neuer Hotels, Caf\u00e9s, Gasth\u00e4user, Gesch\u00e4fte und Transportmittel, um die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste zu befriedigen. Wer zu Hause in London oder Paris flie\u00dfend Wasser und einen Telefonanschluss hatte, wollte im Urlaub nicht mit einem Plumpsklo am Gang oder vor dem Haus Vorlieb nehmen. Die sogenannten Gasth\u00f6fe ersten und zweiten Ranges waren f\u00fcr den Transitverkehr geeignet, um gehobene Touristen zu empfangen waren sie aber nicht ausgestattet. Wirte in der Stadt und in den D\u00f6rfern rund um Innsbruck z\u00e4hlten bis ins 19. Jahrhundert zur gehobenen Mittelschicht, was das Einkommen betraf. Oft waren sie Bauern, die im Nebenerwerb eine Ausschank hatten und Speisen verkauften. Sie hatten, wie das Beispiel Andreas Hofers zeigt, durchaus auch Ansehen und Einfluss innerhalb der lokalen Gesellschaft. Als Treffpunkte der Einheimischen und Knotenpunkte im Post- und Warenverkehr waren sie oft gut informiert \u00fcber das Geschehen in der kleinen und gro\u00dfen Welt. Da sie aber weder Mitglieder einer Zunft waren noch zum B\u00fcrgertum gez\u00e4hlt wurden, z\u00e4hlte der Beruf des Gastwirtes nicht zu den ehrbarsten Berufen. Das \u00e4nderte sich mit der Professionalisierung der Tourismuswirtschaft. Unternehmer wie Robert Ni\u00dfl, der 1865 Schloss B\u00fcchsenhausen \u00fcbernahm und in eine Bierbrauerei umbaute, investierten in die Infrastruktur. Aus ehemaligen Adelsansitzen wie der Weiherburg wurden Gasth\u00f6fe und Hotels. Die Revolution vollzog sich in Innsbruck nicht 1848 auf den Barrikaden, sondern im Tourismus einige Jahrzehnte sp\u00e4ter, als findige B\u00fcrger die Aristokratie als Besitzer von Schl\u00f6ssern wie B\u00fcchsenhausen und der Weiherburg abl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Der 1849 er\u00f6ffnete \u00d6sterreichische Hof galt lange als Platzhirsch moderner Hotellerie, war offiziell aber nur ein Abklatsch eines Grand Hotels. Erst mit dem <em>Grand Hotel Europa<\/em> hatte 1869 bekam in Innsbruck ein Haus ersten Ranges ge\u00f6ffnet. Die Bl\u00fctezeit der Gasth\u00f6fe in der Altstadt war vor\u00fcber. 1892 folgte mit dem zeitgeistigen <em>Reformhotel Habsburger Hof<\/em> ein zweiter gro\u00dfer Betrieb. Wo heute das Metropolkino steht, war der Kaiserhof als Neubau errichtet worden. Der <em>Habsburger Hof<\/em> bot seinen G\u00e4sten bereits elektrisches Licht, eine absolute Sensation. Ebenfalls auf der bis dato unverbauten Fl\u00e4che vor dem Bahnhof war der <em>Arlberger Hof<\/em> angesiedelt. Was heute eher als Wettbewerbsnachteil angesehen w\u00fcrde, war zu dieser Zeit ein Verkaufsargument. Bahnh\u00f6fe waren die Zentren moderner St\u00e4dte. Die Bahnhofspl\u00e4tze waren keine \u00fcberf\u00fcllten Verkehrsknotenpunkte wie heute, sondern mond\u00e4ne und gepflegte Orte vor den architektonisch anspruchsvoll gestalteten Hallen, in denen die Z\u00fcge ankamen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der G\u00e4ste stieg langsam, aber stetig an. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges z\u00e4hlte Innsbruck 200.000 G\u00e4ste. Im Juni 1896 berichteten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Fremdenverkehr in Innsbruck bezifferte sich im Monat Mai auf 5647 Personen. Darunter befanden sich (au\u00dfer 2763 Reisenden aus Oesterreich-Ungarn) 1974 Reichsdeutsche, 282 Engl\u00e4nder, 65 Italiener, 68 Franzosen, 53 Amerikaner, 51 Russen und 388 Personen aus verschiedenen anderen L\u00e4ndern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Menge an Reisenden, die einen Einfluss auf das Leben in der Kleinstadt Innsbruck hatten, war es auch die Internationalit\u00e4t der Besucher, die Innsbruck nach und nach einen neuen Anstrich gaben. Neben der rein touristischen Infrastruktur wurde auch die Entwicklung der allgemeinen Neuerungen beschleunigt. Die wohlhabenden G\u00e4ste konnten kaum in Gastst\u00e4tten mit Senkgruben hinterm Haus verkehren. Nat\u00fcrlich w\u00e4re eine Kanalisation ohnehin am Plan gestanden, der Wirtschaftsfaktor Tourismus aber erm\u00f6glichte und beschleunigte die Mittelfreistellung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der Jahrhundertwende. Das ver\u00e4nderte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern auch den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Findige Unternehmer wie Heinrich Menardi schafften es, die Wertsch\u00f6pfungskette, um kostenpflichtige Urlaubsfreuden neben Kost und Logis zu erweitern. Er er\u00f6ffnete 1880 die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em> f\u00fcr Ausflugsfahrten in die alpine Umgebung. Anfangs mit Kutschen, nach dem 1. Weltkrieg mit Bussen und PKW, wurden zahlungskr\u00e4ftige Touristen bis nach Venedig chauffiert. Das Unternehmen besteht bis heute und hat seinen Firmensitz mittlerweile im <em>Menardihaus<\/em> in der Wilhelm-Greil-Strasse 17 gegen\u00fcber des Landhausplatzes, auch wenn man sich von der Transport- und Handelsbranche im Lauf der Zeit auf die eintr\u00e4glichere Immobilienwirtschaft verlegt hat. Auch der lokale Handel profitierte von der zahlungskr\u00e4ftigen Klientel aus dem Ausland. 1909 gab es bereits drei dezidierte <em>Touristen-Ausr\u00fcstungsgesch\u00e4fte<\/em> neben den wenige Jahre zuvor frisch er\u00f6ffneten mond\u00e4nen Warenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Innsbruck und die umgebenden Orte waren auch f\u00fcr Kururlaub, dem Vorg\u00e4nger des heutigen Wellness, bei der betuchte Kunden sich in alpinem Umfeld von unterschiedlichsten Krankheiten erholten, bekannt. Der <em>Igler Hof<\/em>, damals <em>Grandhotel Igler Hof<\/em> und das Sporthotel Igls, verstr\u00f6men heute noch teilweise den Chic dieser Zeit. Michael Obexer, der Gr\u00fcnder des Kurortes Igls und Besitzer des Grandhotels, war ein Tourismuspionier. In Egerdach bei Amras und in M\u00fchlau, gab es zwei Kurb\u00e4der. So bekannt wie die Hotspots der Zeit in Bad Ischl, Marienbad oder Baden bei Wien waren die Anlagen nicht, wie man auf alten Fotos und Postkarten sehen kann, die Anwendungen mit Sole, Dampf, Gymnastik, sogar Magnetismus, entsprachen aber dem damaligen Standard dessen, was heute teilweise noch bei Kur- und Wellnessurlaubern beliebt ist. Bad Egerdach bei Innsbruck war als Heilquelle seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Die Quelle sollte Gicht, Hautkrankheiten, An\u00e4mie, ja sogar die im 19. Jahrhundert als Vorg\u00e4ngerin des Burnouts als Neurasthenie bekannte Nervenkrankheit beheben. Die Kapelle der Anstalt besteht bis heute gegen\u00fcber dem SOS Kinderdorf. Die Badeanstalt in M\u00fchlau existierte seit 1768 und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Gasthaus mit Kuranstalt ganz im Stil der Zeit umgebaut. Die ehemalige Badeanstalt ist heute ein sehenswertes Wohnhaus in der Anton-Rauch-Stra\u00dfe. Das spektakul\u00e4rste touristische Projekt, das Innsbruck jemals erlebte, war aber wohl Hoch Innsbruck, die heutige Hungerburg. Nicht nur die Hungerburgbahn und Hotels, sogar ein eigener See wurde hier nach der Jahrhundertwende geschaffen, um G\u00e4ste anzuziehen.<\/p>\n<p>Einer der ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens der <em>Hungerburg<\/em> und Innsbrucker Tourismuspionier, Richard von Attlmayr, war am Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Seit 1881 k\u00fcmmerte sich der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> um Befriedigung der steigenden Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste. Der Verein k\u00fcmmerte sich um die Anlage von Wander- und Spazierwegen, dem Aufstellen von B\u00e4nken und der Erschlie\u00dfung unwegsamer Gebiete wie der M\u00fchlauer Klamm oder der Sillschlucht. Die markanten gr\u00fcnen B\u00e4nke entlang vieler Wege erinnern bis heute an den noch immer existierenden Verein. 1888 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndeten die Profiteure des Fremdenverkehrs in Innsbruck die <em>Kommission zur F\u00f6rderung des Tourismus<\/em>, den Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbands. Durch vereinte Kr\u00e4fte in Werbung und Qualit\u00e4tssicherung bei den Beherbergungsbetrieben hofften die einzelnen Betriebe, den Tourismus weiter anzukurbeln.<\/p>\n<p><em>\u201eAllj\u00e4hrlich mehrt sich die Zahl der \u00fcberseeischen Pilger, die unser Land und dessen gletscherbekr\u00f6nte Berge zum Verdrusse unserer freundnachbarlichen Schweizer besuchen und manch klingenden Dollar zur\u00fccklassen. Die Engl\u00e4nder fangen an Tirol ebenso interessant zu finden wie die Schweiz, die Zahl der Franzosen und Niederl\u00e4nder, die den Sommer bei uns zubringen, mehrt sich von Jahr zu Jahr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Postkarten waren die ersten massentauglichen <em>Influencer<\/em> der Tourismusgeschichte. Viele Betriebe lie\u00dfen ihre eigenen Postkarten drucken. Verlage produzierten unz\u00e4hlige Sujets der beliebtesten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Es ist interessant zu sehen, was damals als sehenswert galt und auf den Karten abgebildet wurde. Anders als heute waren es vor allem die zeitgen\u00f6ssisch modernen Errungenschaften der Stadt: der Leopoldbrunnen, das Stadtcaf\u00e9 beim Theater, die Kettenbr\u00fccke, die Zahnradbahn auf die Hungerburg oder die 1845 er\u00f6ffnete Stefansbr\u00fccke an der Brennerstra\u00dfe, die als Steinbogen aus Quadern die Sill \u00fcberquerte, waren die Attraktionen. Auch Andreas Hofer war ein gut funktionierendes Testimonial auf den Postkarten: Der <em>Gasthof Schupfen<\/em> in dem Andreas Hofer sein Hauptquartier hatte und der Berg Isel mit dem gro\u00dfen Andreas-Hofer-Denkmal waren gerne abgebildete Motive.<\/p>\n<p>1914 gab es in Innsbruck 17 Hotels, die G\u00e4ste anlockten. Dazu kamen die Sommer- und Winterfrischler in Igls und dem Stubaital. Der Erste Weltkrieg lie\u00df die erste touristische Welle mit einem Streich versanden. Gerade als sich der Fremdenverkehr Ende der 1920er Jahre langsam wieder erholt hatte, kamen mit der Wirtschaftskrise und Hitlers <em>1000 Mark Sperre<\/em>, mit der er die \u00f6sterreichische Regierung 1933 unter Druck setzen wollte, um das Verbot der NSDAP zu beenden, die n\u00e4chsten D\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Es bedurfte des <em>Wirtschaftswunders<\/em> der 1950er und 1960er, um den Tourismus in Innsbruck nach den Zerst\u00f6rungen wieder anzukurbeln. Zwischen 1955 und 1972 verf\u00fcnffachen sich die N\u00e4chtigungszahlen in Tirol. Nach den beschwerlichen Kriegsjahren und dem Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Wirtschaft Jahren konnten Tirol und Innsbruck den Fremdenverkehr langsam, aber stetig stabil als Einnahmequelle etablieren, auch abseits der offiziellen Hotels und Pensionen. Viele Innsbrucker Familien r\u00fcckten in den ohnehin engen Wohnungen zusammen, um die Haushaltskasse durch die Vermietung von Betten an G\u00e4ste aus dem Ausland aufzubessern. Der Tourismus brachte nicht nur Devisen, sondern erm\u00f6glichte es den Einheimischen ein neues Image nach innen und au\u00dfen von sich zu kreieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Wirtschaftsaufschwung immer mehr Innsbruckern einen Urlaub im Ausland. Besonders beliebt waren die Str\u00e4nde Italiens. Aus den Kriegsfeinden vergangener Jahrzehnte wurden G\u00e4ste und Gastgeber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe der NSDAP in Innsbruck wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger und theatralisch inszenierte Fackelz\u00fcge durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette im Wahlkampf verhalfen der Partei zu einem gro\u00dfen Zugewinn. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Wie \u00fcberall waren es auch in Innsbruck vor allem junge Menschen, die sich f\u00fcr den Nationalsozialismus begeisterten. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei des St\u00e4ndestaates war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz empfingen die Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des F\u00fchrers, des Heilsversprechers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den erzkatholischen Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete auch ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. InTirol war die Kirche das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde die katholische Kirche systematisch bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer und Franz Greiter mussten fl\u00fcchten oder worden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Das Hauptquartier der Gestapo befand sich in der Herrengasse 1. Hier wurden Verd\u00e4chtige schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Verd\u00e4chtige Personen aller Art wurden hier zu Zwangsarbeiten in sch\u00e4bigen Baracken verwahrt. \u00dcber 130 Personen fanden in diesem Lager bestehend aus 20 Baracken den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Auch im 10 km von Innsbruck entfernten Dorf Kematen kamen im Messerschmitt Werk Gefangene zum Zwangseinsatz. Darunter waren politische H\u00e4ftlinge, russische Kriegsgefangene und Juden. Zu den Zwangsarbeiten geh\u00f6rten unter anderem die Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> in der Endphase oder die Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert.<\/p>\n<p>Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal und das Geb\u00e4ude der Alten Universit\u00e4t sind die beiden auff\u00e4lligsten Denkm\u00e4ler. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53750&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>is heute pr\u00e4gen die Geb\u00e4ude der sp\u00e4ten Monarchie das Stadtbild Innsbrucks. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gingen als <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em> in die \u00f6sterreichische Geschichte ein. Nach einer Wirtschaftskrise 1873 begann sich die Stadt im Wiederaufschwung auszudehnen. Von 1880 bis 1900 wuchs Innsbrucks Bev\u00f6lkerung von 20.000 auf 26.000 Einwohner an. Das 1904 eingemeindete Wilten verdreifachte sich von 4000 auf 12.000. Zwischen 1850 und 1900 wuchs die Anzahl an Geb\u00e4uden innerhalb der Stadt von 600 auf \u00fcber 900 Geb\u00e4ude an, die meisten davon waren anders als die fr\u00fchneuzeitlichen, kleinen Objekte mehrst\u00f6ckige Zinsh\u00e4user. Im Zuge technischer Innovationen ver\u00e4nderte sich auch die Infrastruktur. Gas, Wasser, Elektrizit\u00e4t wurden Teil des Alltags von immer mehr Menschen. Das alte Stadtspital wich dem neuen Krankenhaus. Im Saggen entstanden das Waisenhaus und das Greisenasyl Sieberers.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude, die in den jungen Stadtvierteln gebaut wurden, waren ein Spiegel dieser neuen Gesellschaft. Unternehmer, Freiberufler, Angestellte und Arbeiter mit politischem Stimmrecht entwickelten andere Bed\u00fcrfnisse als Untertanen ohne dieses Recht. Ab den 1870er Jahren entstand in Innsbruck ein modernes Banksystem. Die Kreditinstitute wie die 1821 gegr\u00fcndete Sparkasse oder die Kreditanstalt, deren 1910 errichtetes Geb\u00e4ude bis heute wie ein kleiner Palast in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe thront, erm\u00f6glichten nicht nur die Aufnahme von Krediten, sondern traten auch selbst als Bauherren auf. Die Zinsh\u00e4user die entstanden, erm\u00f6glichten auch Nicht-Wohnungseigent\u00fcmern ein modernes Leben. Anders als im l\u00e4ndlichen Bereich Tirols, wo Bauernfamilien samt Knechten und M\u00e4gden in Bauernh\u00e4usern im Verbund einer Sippschaft lebten, kam das Leben in der Stadt dem Familienleben, das wir heute kennen, nahe. Der Wohnraum musste dem entsprechen. Der Lifestyle der St\u00e4dter verlangte nach Mehrzimmerwohnungen und freien Fl\u00e4chen zur Erholung nach der Arbeitszeit. Das wohlhabende B\u00fcrgertum bestehend aus Unternehmern und Freiberuflern hatte den Adel zwar noch nicht \u00fcberholt, den Abstand aber verringert. Sie waren es, die nicht nur private Bauprojekte beauftragten, sondern \u00fcber ihre Stellung im Gemeinderat auch \u00fcber \u00f6ffentliche Bauten entschieden.<\/p>\n<p>Die 40 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren f\u00fcr Baufirmen, Handwerker, Baumeister und Architekten eine Art Goldgr\u00e4berzeit. Die Geb\u00e4ude spiegelten die Weltanschauung ihrer Bauherren wider. Baumeister vereinten dabei mehrere Rollen und ersetzten oft den Architekten. Die meisten Kunden hatten sehr klare Vorstellungen, was sie wollten. Es sollten keine atemberaubenden Neukreationen sein, sondern Kopien und Anlehnungen an bestehende Geb\u00e4ude. Ganz im Geist der Zeit entwarfen die Innsbrucker Baumeister nach dem Wunsch der finanziell potenten Auftraggeber die Geb\u00e4ude in den Stilen des Historismus und des Klassizismus sowie des Tiroler Heimatstils. Die Wahl des Stils der beim Bau des Eigenheimes zur Anwendung kam, war oft nicht nur optisches, sondern auch ideologisches Statement des Bauherrn. Liberale bevorzugten meist den Klassizismus, Konservative waren dem Tiroler Heimatstil zugetan. W\u00e4hrend der Heimatstil sich neobarock und mit vielen Malereien zeigte, waren klare Formen, Statuen und S\u00e4ulen stilpr\u00e4gende Elemente bei der Anlage neuer Geb\u00e4ude des Klassizismus. In einem teils w\u00fcsten Stilmix wurden die Vorstellungen, die Menschen vom klassischen Griechenland und dem antiken Rom hatten, verwirklicht. Nicht nur Bahnh\u00f6fe und \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, auch gro\u00dfe Mietsh\u00e4user und ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, sogar Kirchen und Friedh\u00f6fe entstanden entlang der alten Flurwege in diesem Design. Das gehobene B\u00fcrgertum zeigte sein Faible f\u00fcr die Antike mit neoklassizistischen Fassaden. Katholische Traditionalisten lie\u00dfen Heiligenbilder und Darstellungen der Landesgeschichte Tirols in Wandmalereien auf ihren Heimatstilh\u00e4usern anfertigen. W\u00e4hrend im Saggen und Wilten der Neoklassizismus dominiert, finden sich in Pradl Gro\u00dfteils Geb\u00e4ude im konservativen Heimatstil.<\/p>\n<p>Viele Bauexperten r\u00fcmpften lange Zeit die Nase \u00fcber die Bauten der Empork\u00f6mmlinge und Neureichen. Heinrich Hammer schrieb in seinem Standardwerk \u201e<em>Kunstgeschichte der Stadt Innsbruck<\/em>\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eSchon diese erste rasche Erweiterung der Stadt fiel nun freilich in jene bauk\u00fcnstlerisch unfruchtbare Epoche, in der die Architektur, statt eine selbstst\u00e4ndige, zeiteigene Bauweise auszudenken, der Reihe nach die Baustile der Vergangenheit wiederholte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Zeit der gro\u00dfen Villen, die die Adelsansitze vergangener Tage mit b\u00fcrgerlicher Note nachahmten, kam mangels Platzgr\u00fcnden nach einigen wilden Jahrzehnten an ihr Ende. Eine weitere Bebauung des Stadtgebietes mit Einzelh\u00e4usern war nicht mehr m\u00f6glich, zu eng war der Platz geworden. Der Bereich Falkstra\u00dfe \/ G\u00e4nsbachstra\u00dfe \/ Bienerstra\u00dfe gilt bis heute als <em>Villensaggen<\/em>, die Gebiete \u00f6stlich als <em>Blocksaggen<\/em>. In Wilten und Pradl kam es zu dieser Art der Bebauung gar nicht erst gar nicht. Trotzdem versiegelten Baumeister im Goldrausch immer mehr Boden. Albert Gruber hielt zu diesem Wachstum 1907 eine mahnende Rede, in der er vor Wildwuchs in der Stadtplanung und Bodenspekulation warnte.<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist die schwierigste und verantwortungsvollste Aufgabe, welche unsere Stadtv\u00e4ter trifft. Bis zu den 80er Jahren (Anm.: 1880), sagen wir im Hinblick auf unsere Verh\u00e4ltnisse, ist noch ein gewisses langsames Tempo in der Stadterweiterung eingehalten worden. Seit den letzten 10 Jahren jedoch, kann man sagen, erweitern sich die St\u00e4dtebilder ungeheuer rasch. Es werden alte H\u00e4user niedergerissen und neue an ihrer Stelle gesetzt. Nat\u00fcrlich, wenn dieses Niederrei\u00dfen und Aufbauen planlos, ohne jede \u00dcberlegung, nur zum Vorteil des einzelnen Individuums getrieben wird, dann entstehen zumeist Ungl\u00fccke, sogenannte architektonische Verbrechen. Um solche planlose, der Allgemeinheit nicht zum Frommen und Nutzen gereichende Bauten zu verh\u00fcten, mu\u00df jede Stadt daf\u00fcr sorgen, da\u00df nicht der Einzelne machen kann, was er will: es mu\u00df die Stadt dem schrankenlosen Spekulantentum auf dem Gebiete der Stadterweiterung eine Grenze setzen. Hierher geh\u00f6rt vor allem die Bodenspekulation.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Handvoll Baumeister und das Bauamt Innsbruck begleiteten diese Entwicklung in Innsbruck. Bezeichnet man Wilhelm Greil als B\u00fcrgermeister der Erweiterung, verdient der geb\u00fcrtige Wiener Eduard Klingler (1861 \u2013 1916) wohl den Titel als deren Architekt. Klingler pr\u00e4gte das Stadtbild Innsbrucks in seiner Funktion als Beamter und Baumeister wesentlich mit. 1883 begann er f\u00fcr das Land Tirol zu arbeiten. 1889 trat er zum st\u00e4dtischen Bauamt \u00fcber, das er ab 1902 leitete.\u00a0 In Innsbruck gehen unter anderem die Handelsakademie, die Leitgebschule, der Friedhof Pradl, die Dermatologische Klinik im Klinikareal, der St\u00e4dtische Kindergarten in der Michael-Gaismair-Stra\u00dfe, die <em>Trainkaserne<\/em> (Anm.: heute ein Wohnhaus), die Markthalle und das Tiroler Landeskonservatorium auf Klinglers Konto als Leiter des Bauamtes. Ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Heimatstil nach seinem Entwurf ist das Ulrichhaus am Berg Isel, das heute den Alt-Kaiserj\u00e4ger-Club beheimatet.<\/p>\n<p>Das bedeutendste Innsbrucker Baub\u00fcro war <em>Johann Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. Johann Huter \u00fcbernahm die Ziegelei seines Vaters. 1856 erwarb er das erste Firmengel\u00e4nde, die <em>Hutergr\u00fcnde<\/em>, am Innrain. Drei Jahre sp\u00e4ter entstand in der Meranerstra\u00dfe der erste repr\u00e4sentative Hauptsitz. Die Firmeneintragung gemeinsam mit seinen S\u00f6hnen Josef und Peter stellte 1860 den offiziellen Startschuss des bis heute existierenden Unternehmens dar. <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> verstand sich wie viele seiner Konkurrenten als kompletter Dienstleister. Eine eigene Ziegelei, eine Zementfabrik, eine Tischlerei und eine Schlosserei geh\u00f6rten ebenso zum Unternehmen wie das Planungsb\u00fcro und die eigentliche Baufirma. 1906\/07 errichteten die Huters ihren eigenen Firmensitz in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe 15 im typischen Stil der letzten Vorkriegsjahre. Das herrschaftliche Haus vereint den Tiroler Heimatstil umgeben von Garten und Natur mit neogotischen und neoromanischen Elementen. Bekannte von <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> errichtete Geb\u00e4ude in Innsbruck sind das Kloster der Ewigen Anbetung, die Pfarrkirche St. Nikolaus, das erste Geb\u00e4ude der neuen Klinik und mehrere Geb\u00e4ude am Claudiaplatz. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs besch\u00e4ftigte die Baufirma mehr als 700 Personen.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Player war Josef Retter (1872 \u2013 1954). Der geb\u00fcrtige Nieder\u00f6sterreicher mit Tiroler Wurzeln absolvierte eine Maurerlehre bevor er die <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em> in Wien und die Werkmeisterschule der baugewerblichen Abteilung besuchte. Nach Berufserfahrungen \u00fcber das Gebiet der Donaumonarchie verteilt in Wien, Kroatien und Bozen konnte er dank der Mitgift seiner Ehefrau im Alter von 29 Jahren seine eigene Baufirma mit Sitz in Innsbruck er\u00f6ffnen. Wie Huter beinhaltete auch sein Unternehmen ein S\u00e4gewerk, ein Sand- und Schotterwerk und eine Werkstatt f\u00fcr Steinmetzarbeiten. 1904 er\u00f6ffnete er in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 23a seine Wohn- und B\u00fcrogeb\u00e4ude, das bis heute als <em>Retterhaus<\/em> bekannt ist. Der neugotische, dunkle Bau mit dem markanten Erker mit S\u00e4ulen und einem T\u00fcrmchen wird von einem sehenswerten Mosaik, die eine Allegorie der Architektur darstellt, geschm\u00fcckt. Das Giebelrelief zeigt die Verbindung von Kunst und Handwerk, einem Symbol f\u00fcr den Werdegang Retters. Sein Unternehmen pr\u00e4gte vor allem Wilten und den Saggen. Mit einem Neubau des Akademischen Gymnasiums, dem burg\u00e4hnlichen Schulgeb\u00e4ude f\u00fcr die Handelsakademie, der Evangelischen Christuskirche im Saggen, dem Zelgerhaus in der Anichstra\u00dfe, der Sonnenburg in Wilten und dem neugotischen Schloss Mentlberg am Sieglanger realisierte er viele der bedeutendsten Geb\u00e4ude dieser Epoche in Innsbruck.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tberufen aber mit einem \u00e4hnlich praxisorientieren Hintergrund, der typisch f\u00fcr die Baumeister des 19. Jahrhunderts war, startete Anton Fritz 1888 sein Baub\u00fcro. Er wuchs abgelegen in Graun im Vinschgau auf. Nach Stationen als Polier, Stuckateur und Maurer beschloss er mit 36 Jahren die Gewerbeschule in Innsbruck zu besuchen. Talent und Gl\u00fcck bescherten ihm mit der Villa im Landhausstil in der Karmelitergasse 12 seinen Durchbruch als Planer. Seine Baufirma besch\u00e4ftigte zur Bl\u00fctezeit 150 Personen. 1912, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem damit einhergehenden Einbruch der Baubranche, \u00fcbergab er sein Unternehmen an seinen Sohn Adalbert. Das eigene Wohnhaus in der M\u00fcllerstra\u00dfe 4, das Haus Mader in der Glasmalereistra\u00dfe sowie H\u00e4user am Claudiaplatz und dem Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den Hinterlassenschaften von Anton Fritz.<\/p>\n<p>Mit Carl Kohnle, Carl Albert, Karl Lubomirski und Simon Tommasi hatte Innsbruck weitere Baumeister, die sich mit typischen Geb\u00e4uden des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts im Stadtbild verewigten. Sie alle lie\u00dfen Innsbrucks neue Stra\u00dfenz\u00fcge im architektonisch vorherrschenden Zeitgeist der letzten 30 Jahre der Donaumonarchie erstrahlen. Wohnh\u00e4user, Bahnh\u00f6fe, Amtsgeb\u00e4ude und Kirchen im Riesenreich zwischen der Ukraine und Tirol schauten sich fl\u00e4chendeckend \u00e4hnlich. Nur z\u00f6gerlich kamen neue Str\u00f6mungen wie der Jugendstil auf. In Innsbruck war es der M\u00fcnchner Architekt Josef Bachmann, der mit der Neugestaltung der Fassade des Winklerhauses einen neuen Akzent in der b\u00fcrgerlichen Gestaltung setzte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges setzte die Baut\u00e4tigkeit aus. Nach dem Krieg war die Zeit des neoklassizistischen Historismus und Heimatstils endg\u00fcltig Geschichte. Die Zeiten waren karger und die Anforderungen an Wohnbau hatte sich ge\u00e4ndert. Wichtiger als eine repr\u00e4sentative Fassade und gro\u00dfe, herrschaftliche R\u00e4ume wurden in der Zeit der Wohnungsnot der kargen, jungen Republik Deutsch\u00f6sterreich leistbarer Wohnraum und moderne Ausstattung mit sanit\u00e4ren Anlagen. Auch die professionellere Ausbildung der Baumeister und Architekten an der k.k. Staatsgewerbeschule trug ihren Teil zu einem neuen Verst\u00e4ndnis des Bauwesens bei als sie die oftmals autodidaktischen Veteranen der Goldgr\u00e4berzeit des Klassizismus hatten. Spazierg\u00e4nge im Saggen und in Teilen von Wilten und Pradl versetzen bis heute zur\u00fcck in die <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em>. Der Claudiaplatz und der Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den eindr\u00fccklichsten Beispielen. Die Baufirma <em>Huter und S\u00f6hne<\/em> existiert bis heute. Das Unternehmen ist mittlerweile im Sieglanger in der Josef-Franz-Huter-Stra\u00dfe, benannt nach dem Firmengr\u00fcnder. Das Wohnhaus in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe tr\u00e4gt zwar nicht mehr den Schriftzug der Firma, ist aber in seiner Opulenz noch immer ein sehenswertes Relikt dieser Zeit, die Innsbrucks \u00c4u\u00dferes f\u00fcr immer ver\u00e4nderte. Neben seinem Wohnhaus in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe beherbergt Wilten ein zweites Geb\u00e4ude der Familie Retter. Am Innrain gegen\u00fcber der Uni befindet sich die <em>Villa Retter<\/em>. Josef Retters \u00e4lteste Tochter Maria Josefa, die selbst bei der Reformp\u00e4dagogin Maria Montessori erzogen wurde, er\u00f6ffnete 1932 das erst \u201e<em>Haus des Kindes<\/em>\u201c Innsbrucks. \u00dcber dem Eingang zeigt ein Portrait den M\u00e4zen Josef Retter, die S\u00fcdfassade schm\u00fcckt ein Mosaik im typischen Stil der 1930er Jahre, das auf den urspr\u00fcnglichen Zweck des Geb\u00e4udes hinweist. Ein l\u00e4chelndes, blondes M\u00e4dchen umarmt seine Mutter, die ein Buch in der Hand hat, und seinen Vater, der einen Hammer tr\u00e4gt. Auch die kleine Grabkapelle am Westfriedhof, die als Familiengrabst\u00e4tte der Retters fungiert, ist eine sehenswerte Hinterlassenschaft dieser f\u00fcr Innsbruck bedeutenden Familie.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiherburggasse 31<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60416,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[81,153,67,80,48],"tags":[],"class_list":["post-60397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eduard-klingler-der-baumeister-der-erweiterung","category-eine-erste-republik-entsteht","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau","category-tourismusland-tirol"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60397"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60397\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}