{"id":60947,"date":"2024-05-14T08:17:52","date_gmt":"2024-05-14T08:17:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=60947"},"modified":"2025-11-25T09:56:50","modified_gmt":"2025-11-25T09:56:50","slug":"romantik-sonnenlose-sommer-und-entschuldigungskarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/romantik-sonnenlose-sommer-und-entschuldigungskarten\/","title":{"rendered":"Romance, sunless summers and apology cards"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Romantik, Sommer ohne Sonne und Entschuldigungskarten<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/7559D9BE-0D84-4BB5-81DA-AB8A440B8B5E-scaled.jpeg&#8220; alt=&#8220;Quaternionenadler Innsbruck&#8220; title_text=&#8220;7559D9BE-0D84-4BB5-81DA-AB8A440B8B5E&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_toggle title=&#8220;Romantik, sonnenlose Sommer und Entschuldigungskarten&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Romantik, sonnenlose Sommer und Entschuldigungskarten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;60950&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Dank der Universit\u00e4t, ihrer Professoren und den jungen Menschen, die sie anzog und produzierte, schnupperte auch Innsbruck im 18. Jahrhundert in der \u00c4ra Maria Theresias die Morgenluft der Aufkl\u00e4rung, wenn auch schaumgebremst von der jesuitischen Fakult\u00e4tsleitung. 1741 gr\u00fcndete sich mit der <em>Societas Academica Litteraria<\/em> im Taxispalais ein Gelehrtenzirkel. 1777 begr\u00fcndete sich die Freimaurerloge <em>Zu den drei Bergen<\/em>, vier Jahre sp\u00e4ter die Tirolische Gesellschaft f\u00fcr K\u00fcnste und Wissenschaft. Der Geist der Vernunft in der Zeit Maria Theresias und Kaiser Josefs hielt auch in Innsbrucks Elite Einzug. Angestachelt von der Franz\u00f6sischen Revolution bekannten sich einige Studenten gar zu den Jakobinern. Unter Kaiser Franz wurden all diese Vereinigungen nach der Kriegserkl\u00e4rung an Frankreich 1794 verboten und streng \u00fcberwacht. Aufkl\u00e4rerische Ideen waren bereits vor der Franz\u00f6sischen Revolution in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung verp\u00f6nt. Sp\u00e4testens nach der Enthauptung von Marie Antoinette, der Schwester des Kaisers, und dem Kriegsausbruch zwischen der Republik Frankreich und den Monarchien Europas, galten sie als gef\u00e4hrlich. Wer wollte schon als Jakobiner gelten, wenn es darum ging, die Heimat zu verteidigen?<\/p>\n<p>Nach den Napoleonischen Kriegen begann Innsbruck nur langsam sich zu erholen, sowohl wirtschaftlich wie auch gedanklich. Der wohl bekannteste Schriftsteller der \u00f6sterreichischen Romantik Adalbert Stifter (1805 -1868) beschrieb das Innsbruck der 1830er in seinem Reisebericht <em>Tirol und Vorarlberg<\/em> folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Wirtsh\u00e4user waren schlecht, die Pflaster erb\u00e4rmlich, lange Dachrinnen \u00fcberragten die engen Stra\u00dfen, die von beiden Seiten von dumpfen Gew\u00f6lben eingefasst waren\u2026 die sch\u00f6nen Ufer des Inns waren ungepflastert, daf\u00fcr aber mit Kehrichthaufen bedeckt und von Kloaken durchzogen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die kleine Stadt am Rande des Kaiserreiches hatte etwas mehr als 12.000 Einwohner, <em>\u201eohne die Soldaten, Studenten und Fremden zu rechnen\u201c<\/em>. Universit\u00e4t, Gymnasium, <em>Lesekasino<\/em>, Musikverein, Theater und Museum zeugten von sich entwickelnder, moderner urbaner Kultur. Es gab ein <em>Deutsches Kaffeehaus<\/em>, eine <em>Restauration im Hofgarten<\/em> und mehrere traditionelle Gasth\u00f6fe wie das <em>Weisse Kreuz<\/em>, den <em>\u00d6sterreichischen Hof<\/em>, die <em>Traube<\/em>, das <em>Katzung<\/em>, das <em>Munding<\/em>, die jeweils <em>Goldenen Adler, Stern<\/em> und <em>Hirsch<\/em>. Nach 1830 wurden die offenen Abwasserkan\u00e4le verriegelt und hygienischer gestaltet, Stra\u00dfen ausgebessert, Br\u00fccken saniert. Auch die \u00fcberf\u00e4llige und vor den Kriegswirren begonnene Begradigung und Z\u00e4hmung von Inn und Sill wurden angegangen. Die gr\u00f6\u00dfte Neuerung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung trug sich 1830 zu, als \u00d6llampen die Stadt auch in der Nacht erhellten. Es war wohl nur ein schummriges D\u00e4mmerlicht, das aus den \u00fcber 150 auf S\u00e4ulen und Armleuchtern angebrachten Lampen entstand, f\u00fcr Zeitgenossen war es aber eine wahrhaftige Revolution.<\/p>\n<p>Die bayerische Besatzung war verschwunden, die Ideen der Denker der Aufkl\u00e4rung und der Franz\u00f6sischen Revolution hatten sich aber in einigen K\u00f6pfen des st\u00e4dtischen Milieus verfangen. Nat\u00fcrlich waren es keine atheistischen, sozialistischen oder gar umst\u00fcrzlerischen Gedanken, die sich breit machten. Es ging vor allem um wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Teilhabe des B\u00fcrgertums. Das Vereinswesen, zuvor verboten, feierte eine Renaissance. Wer es sich leisten konnte und auf sich hielt, trat einem Verein bei. <em>\u201eIn Innsbruck besteht ein Musikverein, ein landwirthschaftlicher und ein montanistisch-geognostischer,\u201c <\/em>stand etwa im Reisef\u00fchrer Beda Webers zu lesen. Es galt das tugendhafte Miteinander zum Wohl der weniger Beg\u00fcterten und die Erziehung der Massen mit dem Treiben in den Vereinen zu forcieren. Wissenschaft, Literatur, Theater und Musik, aber auch Initiativen wie der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em>, aber auch praktische Institutionen wie die Freiwillige Feuerwehr etablierten sich als S\u00e4ulen einer bis dato nicht gekannten Zivilgesellschaft. Einer der ersten Vereine, die sich bildeten, war der Musikverein Innsbruck, aus dem das Tiroler Landeskonservatorium hervorging. M\u00e4nner und Frauen waren ganz im Zeitgeist nicht Mitglieder in den gleichen Vereinen. Frauen engagierten sich vor allem in der Wohlfahrt wie dem <em>Frauenverein zur Bef\u00f6rderung der Kleinkinder-Bewahranstalten und weiblichen Industrie-Schule<\/em>. Teilnahme am politischen Diskurs von weiblicher Seite war nicht erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Neben der christlichen N\u00e4chstenliebe waren wohl auch Geltungsdrang und Prestige gro\u00dfe Anreize f\u00fcr die Mitglieder, sich in den Vereinen zu engagieren. Man traf sich, um zu sehen und gesehen zu werden. Gute Taten, das Zeigen von Bildung und tugendhafte Lebensf\u00fchrung waren damals wie heute die beste PR f\u00fcr die eigene Person.<\/p>\n<p>Das Vereinsleben diente auch als Unterhaltung an langen Abenden ohne elektrisches Licht, Fernsehen und Internet. In den Gastst\u00e4tten und Kaffeeh\u00e4usern trafen sich Studenten, Beamte, Mitglieder des niederen Adels und Akademiker, um ihr Gedankengut auszutauschen. Dabei handelte es sich nicht nur um hochgeistig Abstraktes, sondern auch um profane Realpolitik wie die Aussetzung der Binnenz\u00f6lle, die das Leben der Menschen unn\u00f6tig teuer machten. Kulturell entdeckte die b\u00fcrgerliche Bildungselite in Romantik und Biedermeier die kulturelle Flucht in eine heile Vergangenheit f\u00fcr sich. Nach den Jahrzehnten politischer Verwirrung, Krieg und Not wollte man, \u00e4hnlich wie nach 1945, Ablenkung von der j\u00fcngsten Vergangenheit. Die Antike und ihre Denker feierten in Innsbruck wie in ganz Europa eine zweite Renaissance. Stilbildend waren Denker der Romantik des 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhunderts wie Winckelmann, Lessing oder Hegel. Den Griechen wurde \u201e<em>edle Einfalt und stille Gr\u00f6\u00dfe<\/em>\u201c attestiert. Goethe wollte das \u201e<em>Land der Griechen mit der Seele suchen<\/em>\u201c und machte sich auf nach Italien, um dort seine Sehnsucht nach der guten, vorchristlichen Zeit zu suchen, in dem die Menschen des <em>Goldenen Zeitalters<\/em> ein ungezwungenes Verh\u00e4ltnis mit ihren G\u00f6ttern pflegten. R\u00f6mische Tugenden der Stoa wurden als Leitbilder in die Moderne transportiert und bildeten die Basis f\u00fcr b\u00fcrgerliche Gen\u00fcgsamkeit und den Patriotismus, der gro\u00df in Mode kam. Philologen durchk\u00e4mmten die Texte antiker Schriftsteller und Philosophen und transportierten ein gef\u00e4lliges \u201e<em>Best of<\/em>\u201c ins 19. Jahrhundert. S\u00e4ulen, Sphinxe, B\u00fcsten und Statuen mit klassischen Proportionen schm\u00fcckten Pal\u00e4ste, Verwaltungsgeb\u00e4ude und Museen wie das Ferdinandeum. Studenten und Intellektuelle wie der Brite Lord Byron wurden so sehr vom <em>Panhellenismus<\/em> und der Idee des Nationalismus ergriffen, dass sie im griechischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf gegen das osmanische Reich ihr Leben aufs Spiel setzten. In Innsbruck wurde nach dem Ende des Heiligen R\u00f6mischen Reiches der Pangermanismus zur politischen Mode des liberalen B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Kanzler Clemens von Metternichs (1773 \u2013 1859) Polizeistaat hielt diese gesellschaftlichen Regungen lange Zeit unter Kontrolle. Zeitungen, Flugbl\u00e4tter, Schriften mussten sich an die Vorgaben der strengen Zensur anpassen oder im Untergrund verbreitet werden. Autoren wie Hermann von Gilm (1812 \u2013 1864) und Johann Senn (1792 \u2013 1857), an beide erinnern heute Stra\u00dfen in Innsbruck, verbreiteten in Tirol anonym politisch motivierte Literatur. Der vielleicht bekannteste Public Intellectual des Vorm\u00e4rz war wahrscheinlich Adolf Pichler (1819 \u2013 1900), dem bereits kurz nach seinem Ableben unter g\u00e4nzlich anderen Vorzeichen in der Stadtpolitik der sp\u00e4ten Monarchie ein Denkmal gewidmet wurde und nach dem heute das Bundesrealgymnasium am gleichnamigen Platz gewidmet ist. B\u00fccher und Vereine standen unter Generalverdacht. Der Innsbrucker Musikverein lehrte im Rahmen seiner Ausbildung auch die Deklamation, das Vortragen von Texten, Musik und Reden, die Inhalte wurden von der Obrigkeit streng \u00fcberwacht. Alle Arten von Vereinen wie <em>die Innsbrucker Liedertafel <\/em>und Studentenverbindungen, sogar die Mitglieder des Ferdinandeums wurden ausspioniert. Die sich in den Arbeitervierteln formierenden sozialen Bewegungen wurden von der Geheimpolizei Metternichs ganz besonders ins Visier genommen. Auch die Sch\u00fctzen standen, trotz ihrer demonstrativen Kaisertreue, auf der Liste der zu observierenden Institutionen. Als zu aufs\u00e4ssig galten sie, nicht nur gegen\u00fcber fremden M\u00e4chten, sondern auch gegen\u00fcber der Wiener Zentralstaatlichkeit. Der Mix aus gro\u00dfdeutsch-nationalem Gedankengut und tirolischem Patriotismus vorgetragen mit dem Pathos der Romantik mutet heute eigenartig harmlos an, war aber dem metternich\u00b4schen Staatsapparat weder geheuer noch genehm.<\/p>\n<p>Politischer Aktivismus war aber ein Randph\u00e4nomen, das nur eine kleine Elite besch\u00e4ftigte. Nachdem die Bergwerke und Salinen im 17. Jahrhundert ihre Rentabilit\u00e4t verloren hatten und auch der Transit ob der neuen Handelsrouten \u00fcber den Atlantik an wirtschaftlicher Bedeutung einb\u00fc\u00dfte, war Tirol zu einem armen Landstrich geworden. Die Napoleonischen Kriege hatten \u00fcber 20 Jahre lang gew\u00fctet. Das Jahr 1809 ging als <em>Tiroler Heldenzeitalter<\/em> in die Geschichtsschreibung des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts ein, die Folgen des Heldenhaften wurden kaum beleuchtet. Das Kaisertum \u00d6sterreich z\u00e4hlte zwar zu den Siegerm\u00e4chten nach dem Wiener Kongress, die wirtschaftliche Lage war aber erb\u00e4rmlich. Wie nach den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren auch in den Koalitionskriegen viele M\u00e4nner nicht mehr nach Hause zur\u00fcckgekehrt. Die Universit\u00e4t, die junge Aristokraten in den Wirtschaftskreislauf der Stadt zog, wurde erst 1826 wieder er\u00f6ffnet. Anders als Industriestandorte in B\u00f6hmen, M\u00e4hren, Preu\u00dfen oder England war die schwer erreichbare Stadt in den Alpen erst am Anfang der Entwicklung hin zu einem modernen Arbeitsmarkt. Auch der Tourismus steckte noch in den Kinderschuhen und war keine <em>Cash Cow<\/em>. Es ist kein Wunder, dass kaum Geb\u00e4ude im Biedermeier-Stil in Innsbruck erhalten sind. Und dann war da noch ein Vulkan am anderen Ende der Welt, der die Geschicke der Stadt Innsbruck \u00fcber Geb\u00fchr beeinflusste. 1815 war in Indonesien der Tambora ausgebrochen und hatte eine riesige Staub-, Schwefel- und Aschewolke um die Welt geschickt. 1816 ging als <em>Jahr ohne Sommer<\/em> in die Geschichte ein. In ganz Europa kam es zu Wetterkapriolen, \u00dcberschwemmungen und Missernten. Die Alpen, ein ohnehin schwieriger Teil der Erde, um Landwirtschaft zu betreiben, waren davon nicht ausgenommen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen Verwerfungen und Preissteigerungen f\u00fchrten zu Not und Elend vor allem in den \u00e4rmeren Teilen der Bev\u00f6lkerung. Die Armenf\u00fcrsorge war im 19. Jahrhundert eine Aufgabe der Gemeinden, f\u00fcr gew\u00f6hnlich mit der Unterst\u00fctzung wohlhabender B\u00fcrger als M\u00e4zen mit dem Gedanken der christlichen N\u00e4chstenliebe. Staat, Gemeinde, Kirche und die neu entstehende Zivilgesellschaft in Form von Vereinen begannen sich um das Wohl der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsteile zu k\u00fcmmern. Es gab Benefizkonzerte, Sammlungen und Spendenaufrufe. \u00a0Die Ma\u00dfnahmen enthielten oft eine aufgekl\u00e4rte Komponente, auch wenn die Mittel zum Zweck heute eigenartig und fremd erscheinen. In Innsbruck trat zum Beispiel eine Bettelordnung in Kraft, die besitzlosen Menschen ein Eheverbot auferlegte. Knapp 1000 B\u00fcrger waren als Almosenbezieher und Bettler klassifiziert.<\/p>\n<p>Als die Not immer gr\u00f6\u00dfer wurde und die Stadtkassen leerer, kam es in Innsbruck zu einer Innovation, die f\u00fcr \u00fcber 100 Jahre Bestand haben sollte: Die <em>Neujahrs-Entschuldigungskarte<\/em>. Auch damals war es Brauch, am ersten Tag des Jahres seine Verwandten zu besuchen, um sich gegenseitig ein <em>Gutes Neues Jahr<\/em> zu w\u00fcnschen. Ebenfalls war es Brauch, dass notleidende Familien und Bettler an die T\u00fcren der wohlhabenden B\u00fcrger klopften, um zu Neujahr um Almosen zu bitten. Mit der Einf\u00fchrung der Neujahrs-Entschuldigungskarte schlug man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die K\u00e4ufer der Karte konnten institutionalisiert und in geregelten Bahnen ihre \u00e4rmeren Mitglieder, \u00e4hnlich wie es heutzutage mit dem Kauf der Stra\u00dfenzeitung <em>Zwanziger<\/em> m\u00f6glich ist, unterst\u00fctzen. Gleichzeitig diente die Neujahrs-Entschuldigungskarte dazu, sich durch ihren Versand vor den wenig geliebten Pflichtbesuchen bei der Verwandtschaft zu dr\u00fccken. Wer die Karte an seine Haust\u00fcre h\u00e4ngte, signalisierte den Bed\u00fcrftigen auch, dass weiteres Fragen um Almosen nicht von N\u00f6ten sei, da man seinen Beitrag bereits abgedungen hatte. Zu guter Letzt wurden die edlen Spender auch noch in den Medien wohlwollend erw\u00e4hnt, damit jeder sehen konnte, wie sehr sie sich im Namen der N\u00e4chstenliebe um ihre weniger beg\u00fcterten Mitmenschen k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Die Neujahrs-Entschuldigungskarten waren ein voller Erfolg. Bei ihrer Premiere zum Jahreswechsel von 1819 auf 1820 wurden bereits 600 St\u00fcck verkauft. Viele Gemeinden \u00fcbernahmen das Innsbrucker Rezept. In der Zeitschrift \u201e<em>Der Kaiserlich-k\u00f6niglich priviligierte Bothe von und f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c wurden am 12. Februar die Erl\u00f6se f\u00fcr Bruneck, Bozen, Trient, Rovereto, Schwaz, Imst, Bregenz und Innsbruck ver\u00f6ffentlicht. Auch sonstige Institutionen wie Feuerwehren und Vereine \u00fcbernahmen die gut funktionierende Sitte, um Spenden f\u00fcr ihr Anliegen zu schaffen. Der Bau der Neuen H\u00f6ttinger Pfarrkirche wurde neben Spenden zu einem guten Teil aus den Erl\u00f6sen eigens aufgelegter Entschuldigungskarten finanziert. Die mannigfaltige Gestaltung reichte von christlichen Motiven \u00fcber Portraits bekannter Pers\u00f6nlichkeiten, Amtsgeb\u00e4ude, Neubauten, Sehensw\u00fcrdigkeiten und Kuriosit\u00e4ten. Im Stadtarchiv Innsbruck k\u00f6nnen viele der Designs noch ausgehoben werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Sehensw\u00fcrdigkeiten dazu&#8230;<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_blog fullwidth=&#8220;off&#8220; posts_number=&#8220;50&#8243; include_categories=&#8220;139,140&#8243; show_thumbnail=&#8220;off&#8220; use_manual_excerpt=&#8220;off&#8220; show_author=&#8220;off&#8220; show_date=&#8220;off&#8220; show_categories=&#8220;off&#8220; show_excerpt=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;off&#8220; admin_label=&#8220;Sehensw\u00fcrdigkeiten dieser Kategorie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;10px|10px|10px|10px|true|true&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_blog][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcbersicht der Stadtgeschichte (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/geschichte-der-stadt-innsbruck\/\">\u00dcbersicht der Stadtgeschichte<\/a><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The time after the Napoleonic Wars was hard. <\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60607,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[89,92],"tags":[],"class_list":["post-60947","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wissenswertes","category-wissenswertes-19-jahrhundert-wissenswertes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60947\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}