{"id":61311,"date":"1920-02-05T12:47:54","date_gmt":"1920-02-05T12:47:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=61311"},"modified":"2025-03-17T12:59:46","modified_gmt":"2025-03-17T12:59:46","slug":"sturmischer-verlauf-des-ersten-karl-kraus-abends-in-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/sturmischer-verlauf-des-ersten-karl-kraus-abends-in-innsbruck\/","title":{"rendered":"Stormy course of the first Karl Kraus evening in Innsbruck"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>St\u00fcrmischer Verlauf des ersten Karl Kraus-Abends in Innsbruck<\/h2>\n<p>Erschienen: Innsbrucker Nachrichten, 5. Februar 1920<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_toggle title=&#8220;\u00dcber diesen Text&#8230;&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;\u00dcber diesen Text&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>1920 war der Schriftsteller, Satiriker und Journalist Karl Kraus (1874 &#8211; 1936) auf Einladung des Kulturmagazins <em>&#8222;Brenner&#8220;<\/em> f\u00fcr zwei Lesungen aus seinem Werk <em>&#8222;Die letzten Tage der Menschheit<\/em>&#8220; in Innsbruck. Kraus, f\u00fcr seine kritischen Wort gegen\u00fcber Krieg und Machthabern in seiner Zeitschrift &#8222;Die Fackel&#8220; bekannt, wurde vom Tiroler Publikum mit wenig Gegenliebe empfangen. Vor allem gro\u00dfdeutsch orientierte Studenten machten ihrem Protest lautstark Luft. Die aufgeheizte Stimmung w\u00e4re beinahe in Gewaltt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber dem b\u00f6hmisch-j\u00fcdischen Publizisten gekippt. Der zweite Auftritt wurde nach den Turbulenzen des 4. Februar abgesagt. Es war die einzige von \u00fcber 700 Lesungen Kraus\u00b4, die zwischen 1910 und 1936 gecancelt wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Der Artikel&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;St\u00fcrmischer Verlauf des ersten Karl Kraus Abends in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;61419&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Im Musikvereinssaal trat gestern Karl Kraus, der Herausgeber der &#8222;Fackel&#8220;, an das Vortragspult. Nach den Stimmen seiner Anh\u00e4nger ist Kraus eine ungew\u00f6hnliche Individualit\u00e4t, die mit der Waffe einer eigenen, scharf ausgepr\u00e4gten Sprache in unbestechlicher Wahrheitsliebe den Kampf f\u00fchrt gegen L\u00fcge und Schein, wo immer sie sich zeigen. Den Krieg soll Kraus als erster und einziger in seiner nackten Furchtbarkeit und Unmenschlichkeit erkannt und unerschrocken verdammt haben. Was wir gestern von Karl Kraus geh\u00f6rt, klang anders. Zwar ri\u00df der meisterhafte Vortrag einzelner Szenen und Monologe aus der Kraus\u00b4schen Dichtung &#8222;Die letzten Tage der Menschheit&#8220; hin. Wir anerkannten die plastische Kraft des Ausdruckes, der den Krieg mit Namen nennt, die uns wohl selbst oft heimlich aufgeleuchtet, die aber kaum je zum Worte sich verdichtet. Doch schon die folgenden humoristisch-satirischen Streiflichter flammten weniger hoch. im Stil der &#8222;Jugend&#8220;, &#8222;Simplizissimus&#8220; wohl auch der &#8222;Muskete&#8220; griff Kraus pikante Offiziersanekd\u00f6tchen auf, spitzte sie zu scharfer Pointe und erregte durch ausgezeichnete Vortragsweise, Mundart und Dialog viel Heiterkeit.<\/p>\n<p>Mit einem Ruck aber streifte Kraus die Maske des Satirikers ab, als er in einer Szene Wilhelm II. im Verkehr mit seinen Gener\u00e4len charakterisierte. In einer nicht wiederzugebenden Art schuf Kraus ein Zerrbild des deutschen Kaisers und seiner Umgebung, das den Ekel und Abscheu jedes gesund Empfindenden erregen mu\u00dfte. Das Publikum hielt denn auch seine Emp\u00f6rung nicht mehr zur\u00fcck, verschiedene Besucher verlie\u00dfen w\u00e4hrend der Vorlesung den Saal, nach dem Vortrag der Szene erschollen aus dem Saal und von der Galerie laute heftige Pfuirufe, die den Redner minutenlang am Weiterlesen hinderten. Nachdem Ruhe eingetreten, beschlo\u00df Kraus seinen Abend mit einer in gehobenem Pathos vorgetragenen Fluchrede eines sterbenden Soldaten gegen den Kaiser.<\/p>\n<p>Man kann \u00fcber die Person Wilhelm II. verschiedener Meinung sein, doch so gerecht und billig denkend m\u00fcssen wir auch sein, seinen redlichen Willen anzuerkennen und ihm die menschliche Achtung im Ungl\u00fcck nicht zu versagen. Karl Kraus aber hat in seiner Darstellung, die das Brandmal einer gewissen Absicht unverkennbar an der Stirne tr\u00e4gt, der Wahrheit keinen Dienst geleistet. Kulturarbeit, die mit Niederrei\u00dfen und Begeifern einsetzt, die \u00e4tzendes Gift in die Wunden unserer Zeit gie\u00dft, kann uns nicht frommen. Wir lehnen eine &#8222;Aufkl\u00e4rung&#8220;, die mit solchen Mitteln arbeitet, entschieden ab. Karl Kraus darf sich nicht wundern, da\u00df in dem deutschen Innsbruck seine Ausf\u00fchrungen nicht unwidersprochen geblieben. Zu all unserem Ungl\u00fcck wollen wir nicht noch verh\u00f6hnt und mit Kot beworfen werden. Es m\u00fc\u00dfte kein Funke gesundes Empfinden, kein deutscher Herzschlag mehr in uns sein, wenn wir solcher Art nicht entschiedenst entgegentreten w\u00fcrden. Wenn Karl Kraus uns nichts Besseres und Tieferes zu sagen hat, dann bed\u00fcrfen wir seiner nicht.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innsbrucker Nachrichten \/ 5 February 1920<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[138,142],"tags":[],"class_list":["post-61311","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte-presse","category-innsbrucker-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61311"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61311\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}