{"id":62365,"date":"2024-05-14T07:55:17","date_gmt":"2024-05-14T07:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=62365"},"modified":"2026-06-23T11:03:26","modified_gmt":"2026-06-23T11:03:26","slug":"lebensreform-und-sozialdemokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/lebensreform-und-sozialdemokratie\/","title":{"rendered":"Prachensky I.: Lebensreform und Sozialdemokratie"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Lebensreform und Sozialdemokratie<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Fassade-Winklerhaus-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Fassade Winklerhaus&#8220; title_text=&#8220;Fassade Winklerhaus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_toggle title=&#8220;Josef Prachensky: Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62369&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Industrialisierung und Verb\u00fcrgerlichung des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderten die Gesellschaft im Guten wie im Schlechten. Die Urbanisierung wurde von immer mehr Menschen zunehmend als Belastung empfunden. Zwar hatten viele der Arbeiter und Angestellten in Innsbruck in absoluten Zahlen gemessen mehr Mittel zur Verf\u00fcgung als je zuvor, der Druck der sozialen Teilhabe wurde aber auch gr\u00f6\u00dfer. Ab den 1890ern gab es in Innsbruck mehrere Litfa\u00dfs\u00e4ulen, auf denen kunstvoll gestaltete Plakate die neue Vielfalt an Produkten anpriesen. Warenh\u00e4user und Modeausstatter machten die Unterschiede innerhalb der sich ausdifferenzierenden Gesellschaft sichtbarer als je zuvor. Wer mithalten wollte in der neuen b\u00fcrgerlichen Klasse, musste sich die Mitgliedschaft in der neuen Konsumgesellschaft leisten k\u00f6nnen. Gleichzeitig stieg die Belastung durch die Industrialisierung. Der Verkehr auf den Stra\u00dfen, die Abgase der Fabriken, die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse in den Mietkasernen und die bis dahin unbekannte Hast durch die Durchtaktung der Zeit, die neue Krankheitsbilder wie Neurasthenie salonf\u00e4hig machte, riefen Gegenbewegungen hervor. Innsbruck war zwar nicht mit Paris oder London vergleichbar was Gr\u00f6\u00dfe oder Intensit\u00e4t der Industrialisierung betrifft, die Fallh\u00f6he f\u00fcr viele Bewohner der ehemals l\u00e4ndlichen D\u00f6rfer wie Pradl und die vom Land zugezogenen Arbeitskr\u00e4fte war aber enorm.<\/p>\n<p>\u201e<em>Licht Luft und Sonne<\/em>\u201c war das Motto der Lebensreform, einer Sammelbewegung alternativer Lebensmodelle, die im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert in Deutschland im Gleichschritt mit der Entwicklung der Sozialdemokratie ihren Anfang nahm. Beide Ideen waren Reaktionen auf die Lebensbedingungen in den rasant wachsenden St\u00e4dten. Schon vor der politischen Teilhabe beeinflussten Lebensreform und Sozialdemokratie Gesellschaft, Kunst und Architektur. Man wollte sich von dem, was Max Weber als protestantische Ethik beschrieb, der Industrie, den Stechuhren, ganz allgemein dem rasenden technischen Fortschritt mit allen Auswirkungen auf den Menschen und das Sozialgef\u00fcge, abgrenzen. Der Mensch als Individuum, nicht seine Wirtschaftsleistung, sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Was dem Arbeiter Karl Marx\u00b4 Schriften, waren der gehobenen B\u00fcrgerschaft Kunst und Architektur. Der Jugendstil war der k\u00fcnstlerische Ausdruck auf dieses \u201e<em>Zur\u00fcck zum Ursprung<\/em>\u201c der Jahrhundertwende. Das verspielte Element war das Gegenteil zum stets symmetrischen und aufger\u00e4umten Historismus. Das <em>Winklerhaus<\/em> ist eines der wenigen im Stadtbild erhaltenen Zeugnisse dieses Zeitgeistes. Seit 1869 erschien die <em>Deutsche Vierteljahrschrift f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitspflege<\/em>, die sich mit der Verbesserung von Ern\u00e4hrung, Hygiene und Wohnraum auseinandersetzte. 1881 wurde <em>die \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Gesundheitspflege<\/em> gegr\u00fcndet. Private Vereine veranstalteten Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen zum sauberen und gesunden Leben. Man betrieb politisches Lobbying zur Errichtung von Parks im \u00f6ffentlichen Raum und der Verbesserung der Infrastruktur wie B\u00e4dern, Krankenh\u00e4usern, Kanalisation und Wasserleitungen. Assanation und Sozialhygiene waren Schlagw\u00f6rter einer b\u00fcrgerlichen Elite, die um ihre Mitmenschen und die Volksgesundheit besorgt war. Anstelle der sozialistischen Revolution sollte der christliche Gedanke der N\u00e4chstenliebe die Gesellschaft voranbringen. Wie alle elit\u00e4ren Bewegungen nahm auch die Lebensreform teils absurde und sektenartige Bl\u00fcten an. Bewegungen wie der Vegetarismus, FKK, Gartenst\u00e4dte, verschiedene esoterische Str\u00f6mungen und andere alternative Lebensformen, die sich bis heute in der einen oder anderen Form erhalten konnten, entstanden in dieser Zeit. Auch Orientalismus und Spiritismus feierten in der <em>Upper Class<\/em> ein fr\u00f6hliches Dasein.<\/p>\n<p>Dieser oft wohlmeinende, aber exzentrische Lebensstil blieb Arbeitern meist verwehrt, bildete aber in vielerlei Hinsicht den ideologischen Kern im realpolitischen Handeln einer damals jungen Partei. Die fr\u00fchen Sozialdemokraten stellten sich den Lebensrealit\u00e4ten der Arbeiter und suchten nach Verbesserung abseits der Ideenlehre. Die Grundforderungen waren den heutigen erstaunlich \u00e4hnlich, wenn auch auf anderem Niveau. Die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Wohnsituation standen ganz oben auf der Wunschliste der meisten Menschen. Viele Mietzinsburgen waren triste und \u00fcberf\u00fcllte Biotope ohne Infrastruktur wie Sportanlagen oder Parks. Moderne Wohnsiedlungen sollte funktional, komfortabel, leistbar und mit Gr\u00fcnfl\u00e4chen verbunden sein. Diese Ansichten hatten sich auch in \u00f6ffentlichen Stellen durchgesetzt. Albert Gruber, Professor an der Innsbrucker Gewerbeschule, schrieb 1907:<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe zwar oft den Ausspruch geh\u00f6rt, wir in Innsbruck ben\u00f6tigen keine Anlagen, uns gibt das alles die Natur, Das ist aber nicht wahr. Was gibt es sch\u00f6neres, als wenn die Berufsmenschen von der Stelle ihrer T\u00e4tigkeit in ihr Heim durch eine Reihe von Pflanzenanlagen gehen k\u00f6nnen. Es wird dadurch der Weg von und in den Beruf zu einem Erholungsspaziergang. Die Gr\u00fcnde, weshalb Baum- und Gartenpflanzungen im Bereiche der st\u00e4dtischen Bebauung vorteilhaft wirken, sind \u00fcbrigens mannigfaltige. Ich will nicht auf die Wechselbeziehung zwischen Menschen und Pflanze hinweisen, die hinl\u00e4nglich bekannt sein d\u00fcrfte. In anderer Weise wirken die Pflanzen zur Verbesserung der Atmungsluft durch Verminderung des Staubes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu Ver\u00e4nderungen im politischen Alltag. Die Sozialdemokratie als politische Partei gab es seit 1889 offiziell, gestalterische M\u00f6glichkeiten hatte sie unter der Habsburgermonarchie aber nur sehr eingeschr\u00e4nkt. Sozialismus galt als unchristlich und wurde im Heiligen Land Tirol argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt. Bedeutsam war die Arbeiterbewegung als weltlich organisiertes gesellschaftliches Gegengewicht und Ersatz zu den in Tirol alles dominierenden katholischen Strukturen. 1865 entstand in Innsbruck der erste <em>Tiroler Arbeiterbildungsverein<\/em>. Arbeiter sollten sich ihrer Stellung innerhalb der Gesellschaft bewusst werden vor der anstehenden Weltrevolution. Daf\u00fcr war es unumg\u00e4nglich, ein Mindestma\u00df an Bildung zu besitzen und Lesen und Schreiben zu beherrschen. 10 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndete Franz Reisch den <em>Allgemeinen Arbeiter-Verein<\/em> in Innsbruck. Weitere zwei Jahre sp\u00e4ter wurde reichsweit die \u201e<em>Allgemeine Arbeiter-, Kranken-, und Invaliden-Casse<\/em>\u201c an den Start geschickt. Trotz staatlicher Repression kam es immer wieder zu betr\u00e4chtlichen Versammlungen der \u201e<em>Radicalen<\/em>\u201c. Seit 1893 erschien in Innsbruck die sozialdemokratische <em>Volkszeitung f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em> als Gegenstimme zu den katholischen Bl\u00e4ttern. Hier startete ein junger Buchdrucker aus dem Osten der k.u.k. Monarchie seine Karriere in der Innsbrucker Stadtpolitik. Der geb\u00fcrtige B\u00f6hme Josef Prachensky (1861 \u2013 1931) hatte auf seiner Meisterwanderung in Wien w\u00e4hrend des <em>Buchdruckerstreiks <\/em>die Arbeiterbewegung f\u00fcr sich entdeckt. Ob er sich zuerst in die Stadt oder seine sp\u00e4tere Frau verliebte, kann nicht mehr ganz nachvollzogen werden. Was wir wissen ist, dass er die Leitung der Printanstalt \u00fcbernahm, die die sozialdemokratische <em>Arbeiterzeitung<\/em> herausgab. Prachensky war an der Gr\u00fcndung der Sozialdemokratischen Partei Tirols 1890 ma\u00dfgeblich beteiligt. 1899 war er als treibende Kraft mit dabei, als in der heutigen Maximilianstra\u00dfe die <em>Erste Tiroler Arbeiter-B\u00e4ckerei<\/em>, kurz ETAB, er\u00f6ffnete. Die Genossenschaft machte es sich zum Ziel, unter guten Arbeits- und Hygienebedingungen hochwertiges Brot zu fairen Preisen herzustellen. Nach mehreren Standortwechseln landete die ETAB in der Hallerstra\u00dfe, wo sie bis 1999 t\u00e4glich frische Backwaren produzierte. Mit seinen Ansichten und Firmengr\u00fcndungen erarbeitete er sich rasch einen Ruf als Anarchist, einer politischen Str\u00f6mung innerhalb der Linken, die sich um die Jahrhundertwende einer gewissen Beliebtheit erfreute, gleicherma\u00dfen aber wegen ihres oft gewaltt\u00e4tigen Aktionismus einen anr\u00fcchigen und gef\u00fcrchteten Ruf besa\u00df. Josef Prachensky unterst\u00fctzte neben der ETAB den \u201e<em>Arbeiter-Consum-Verein<\/em>\u201c und gr\u00fcndete die <em>Getr\u00e4nkehalle Alkoholfrei<\/em> in der Museumstra\u00dfe 16, einem Lokal, das ganz im Sinne der Lebensreformbewegung und des Sozialismus die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit innerhalb der Arbeiterschaft zum Ziel hatte. Wo fr\u00fcher nach dem christlichen Kalender gefastet wurde, sollte nun nach den Ma\u00dfen der individuellen Vernunft zum eigenen Wohl der Verzicht Geist und K\u00f6rper reinigen. Auch Friedrich Engels (1820 \u2013 1895), der Mitverfasser des Kommunistischen Manifestes, hatte in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts Schnaps und Branntwein als ein \u00dcbel der Arbeiterklasse erkannt hatte. Das Ziel, Menschen vom Alkohol wegzubekommen teilte der Sozialismus wie so vieles im Sozialen mit Vereinen diverser Konfessionen innerhalb des Christentums Abstinenz predigten. Alkoholiker konnten weder die Weltrevolution starten noch ein gottgef\u00e4lliges Leben nach den Vorstellungen der Kirche f\u00fchren, egal ob katholisch, lutherisch oder calvinistisch. Wie wenig dieser Ansatz im Innsbruck der Belle Epoque fruchtete, zeigt die Umfirmierung des Lokals von <em>Alkoholfrei<\/em> auf <em>Reform<\/em> bereits nach kurzer Zeit samt dazugeh\u00f6rigem Ausschank von Alkohol und dem folgenden Konkurs Prachenskys. Ein besonderes politisches Anliegen war ihm die Einschr\u00e4nkung der Kirche auf den Schulunterricht, der im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch im eigentlich liberalen Innsbruck, das sich an die nationale Schulordnung halten musste, noch sehr gro\u00df war. Die liberale Bildungsreform von 1869 h\u00e4tte den Klerus zwar aus den Schulen dr\u00e4ngen sollen, faktisch war der Einfluss aber noch sehr gro\u00df. Prachensky setzte sich daf\u00fcr ein, Kindern aus Arbeiterfamilien zumindest eine anst\u00e4ndige Schulbildung angedeihen zu lassen, um ihnen ein Mindestma\u00df an Chance auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation zu erm\u00f6glichen. Seine Forderungen zur Zeit der Jahrhundertwende nach besserer und einheitlicher Besoldung des Lehrpersonals, einer Reduzierung des Anteils des Religionsunterrichtes, Unterst\u00fctzung f\u00fcr weniger beg\u00fcterte Kinder und Verringerung der Klassengr\u00f6\u00dfe wirken erstaunlich modern.<\/p>\n<p>Die ersten freien Wahlen innerhalb der k.u.k. Monarchie zum Reichsrat f\u00fcr alle m\u00e4nnlichen B\u00fcrger im Jahr 1907 ver\u00e4nderten die politischen und sozialen Kraftverh\u00e4ltnisse und gaben den Sozialdemokraten R\u00fcckenwind, auch wenn auf Gemeindeebene noch das Zensuswahlrecht galt. Der <em>Pofl<\/em> hatte nun politisches Mitspracherecht. Wichtige Gesetze wie Arbeitszeitbeschr\u00e4nkungen und Verbesserung in den Arbeitsbedingungen konnten nun mit mehr Nachdruck verlangt werden. Das Kronland Tirol hatte gemeinsam mit Ober\u00f6sterreich die l\u00e4ngsten Arbeitszeiten in der gesamten Donaumonarchie. Die Gewerkschaftsmitglieder stiegen zahlenm\u00e4\u00dfig zwar an, au\u00dferhalb der kleinst\u00e4dtischen Zentren war Tirol aber zu sehr b\u00e4uerlich gepr\u00e4gt, um nennenswerten Druck erzeugen zu k\u00f6nnen. Als nach der Ausrufung der Republik 1918 auch auf Kommunalebene zum ersten Mal nach dem allgemeinen und freien Wahlrecht \u00fcber die Zusammensetzung des Gemeinderates gew\u00e4hlt wurde, konnten die Sozialdemokraten erstmals die meisten Stimmen erringen. Die Erf\u00fcllung der daraus folgenden Forderungen musste auch nach den ersten Gemeinderatswahlen nach 1918 noch warten. Innsbruck war rot, bestimmend f\u00fcr die gro\u00dfen Fragen der Politik blieb aber die konservative Politik der Landesregierung. In Innsbruck spielten sich zwar keine b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen wie in den Arbeiterhochburgen wie Wien, Linz oder Steyr ab, zu Schl\u00e4gereien, Mordanschl\u00e4gen und Gewalt kam es aber h\u00e4ufig. Prachensky, der sich als Sozialdemokrat immer gegen das Pr\u00e4dikat des \u201e<em>Radicalen<\/em>\u201c gewehrt hatte, wurde in die Grabenk\u00e4mpfe der Zwischenkriegszeit hineingezogen und gr\u00fcndete den Tiroler Ableger des Republikanischen Schutzbundes RESCH, dem Gegenst\u00fcck zu den rechten Heimwehrverb\u00e4nden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der socialdemokratische W\u00e4hlerverein in Wilten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; global_module=&#8220;70572&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title=&#8220;Der socialdemokratische W\u00e4hlerverein in Wilten&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><strong>Artikel erschienen: Innsbrucker Nachrichten \/ 7. November 1898<\/strong><\/p>\n<p>Der socialdemokratische W\u00e4hlerverein in Wilten hielt am Sonntag in der Restauration zum Fischnaller eine Versammlung, in welcher der Referent Holzhammer den Unterschied und die Ber\u00fchrungspuncte der Socialdemokraten und Anarchisten auseinandersetzte. Nachdem er aus gef\u00fchrt und dargethan hatte, dass die Socialdemokraten, welche die Anwendung von Gewaltmitteln verabscheuen, mit den Anarchisten der That nicht nur nichts gemein, sondern alle Ursache haben, diese als ihre grimmigsten und sch\u00e4dlichsten Gegner anzusehen, weil dieselben den herrschenden Classen Gelegenheit bieten, aus den Gewaltthaten der Anarchisten Waffen gegen die Socialdemokraten zu schmieden, unterzog er das Programm der theoretischen Anarchisten einer Kritik und wies nach, dass diese Partei \u00fcberhaupt nicht mehr den Namen Anarchisten verdiene, weil sie die Ordnung in dem von ihnen gedachten Staatswesen auf die Gemeinsamkeit des Vorgehens der Productions-Genossenschaften aufbauen, deren Mitglieder durch gegenseitige Vertr\u00e4ge verpflichtet werden sollen, sich den Beschl\u00fcssen der Majorit\u00e4t zu f\u00fcgen. Da nun die Gesetze nichts anderes sind oder sein, sollen als der in bestimmten Normen zum Ausdruck gebrachte Volkswille, so kann von einer Gesetzlosigkeit im geplanten Staat der theoretischen Anarchisten nicht die Rede sein. Manche ihrer Forderungen gleichen im Princip v\u00f6llig denen der Socialdemokraten und einige davon wie z. B. die Verstaatlichung der meisten Verkehrswege und Verkehrsmittel (Eisenbahnen, Post, Telegraph, Tramway) sind sogar schon im heutigen Staate verwirklicht und eine Menge andere wie Wasserversorgung, Stra\u00dfenreinigung, Beleuchtung sind vielerorten, wo es nicht schon geschehen ist, im Begriff verwirklicht zu werden. Da\u00df dies so rasch als m\u00f6glich geschehe und \u00fcberhaupt alle Productionsmittel welch immer f\u00fcr Art in den Besitz des Staates \u00fcbergehen und jedermann sein Wohl im Wohl des Ganzen suche, das ist das Programm der Socialdemokraten, w\u00e4hrend die verruchten Anarchisten der That \u00fcberhaupt kein Programm haben und jedwede Unterwerfung des Einzelnen zum Wohl der Gesellschaft verneinen. Nachdem der Referent f\u00fcr diese seine Ausf\u00fchrungen mit reichem Beifall belohnt worden war, brachte der Referent Prachensky die Schulverh\u00e4ltnisse in Wilten zur Sprache, um durch die \u00f6ffentliche Behandlung die dort herrschenden Missst\u00e4nde beseitigen zu helfen. Prachensky wies zun\u00e4chst auf die Ueberf\u00fcllung dieser Schule hin, wodurch der Unterricht so zu Schaden komme, dass hier mehr Kinder in ein und derselben Classe l\u00e4nger als ein Jahr sitzenbleiben m\u00fcssen, als dies in anderen Schulen der Fall ist. Wilten, welches derzeit 9000 Einwohner hat, hat blo\u00df eine einzige Schule, w\u00e4hrend Innsbruck mit seinen 25000 Einwohnern nicht weniger als sechs Schulen aufweist. Das ist ein schreiendes Missverh\u00e4ltnis und verlangt dringend eine Abhilfe, auf welche die arme Bev\u00f6lkerung, welche nicht in der Lage ist, ihre Kinder ins P\u00e4dagogium zu schicken, geradezu ein Recht hat, zumal die reiche Gemeinde in der gl\u00fccklichen Lage ist, hier Abhilfe zu schaffen. Der Redner tadelt ferner, dass die Gemeinde zur Bestreitung der Lehrmittel f\u00fcr arme Kinder so gut wie nichts thue, da der daf\u00fcr ausgeworfene Betrag von 80 fl. ganz unzul\u00e4nglich ist. Ein weiterer von der Partei des Redners beanst\u00e4ndeter Nachtheil liege in der Thatsache, dass der Religionsunterricht in der M\u00e4dchenschule auf Kosten der \u00fcbrigen Lehrf\u00e4cher erweitert werde. Seit Beginn des Schuljahres sind erst 45 Tage verflossen und doch halte man im Katechismus bereits auf Seite 41. Die Kinder w\u00e4ren nicht im Stande einen so gro\u00dfen Stoff in so kurzer Zeit zu bew\u00e4ltigen, wenn die Schulschwestern nicht vor Beginn der Religionsstunde die Kinder auf diese vorbereiteten und den Unterricht verk\u00fcrzten. Zum Schlusse bringt der Redner noch die schlechte Besoldung der Lehrer zur Sprache und verlangt, dass die Gemeinde ihre Lehrer anst\u00e4ndig bezahle, damit sie sich sorglos ihrem schweren und eminent wichtigen Dienste hingeben k\u00f6nnen. W\u00e4hrend in Innsbruck kein einziger Lehrerunter 100&#8243; fl.Gehalt bezieht, hat im mindesten ebenso theueren Wilten erst der Schulleiter, welcher bereits *6 Dienstjahre hinter sich hat. 1000 fl. Die \u00fcbrigen Lehrer haben wesentlich weniger Gehalt und man kann sich leicht denken, mit welchen Sorgen sie an die Arbeit gehen m\u00fcssen. Die Kinder sind das kostbarste Gut der Bev\u00f6lkerung, und die Volksschulbildunq ist das einzige, was die armen Eltern ihren Kindern f\u00fcr den harten Kampf um das Dasein mit auf den Weg geben k\u00f6nnen; Redner beantragt daher, die Partei m\u00f6ge dahin wirken, dass die Wiltener Lehrer ebenso besoldet werden, wie die von Innsbruck. Ueber den ganzen Complex der Schulfrage kn\u00fcpfte sich eine l\u00e4ngere Debatte, die schlie\u00dflich damit endete, dass der Ausschuss mit dem Studium der ganzen Angelegenheit betraut wurde, um f\u00fcr den Fall, als der Appell an die Oeffentlichkeit fruchtlos bleiben oder die Forderungen nur mit halben Ma\u00dfregeln beantwortet w\u00fcrden, in einer gro\u00dfen Volksversammlung eingehend zu er\u00f6rtern und Mittel und Wege ausfindig zu machen, um den ger\u00fcgten Uebelst\u00e4nden endlich ein Ziel zu setzen und zeitgem\u00e4\u00dfe Reformen zu erzwingen. Dieser Antrag wurde mit gro\u00dfem Beifalle einstimmig angenommen, worauf interne Vereinsangelegen heilen und Antr\u00e4ge zur Verhandlung kamen<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Sehensw\u00fcrdigkeiten dazu&#8230;<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/geschichte-der-stadt-innsbruck\/\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht der Stadtgeschichte<\/a><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_blog fullwidth=&#8220;off&#8220; posts_number=&#8220;50&#8243; include_categories=&#8220;150&#8243; show_thumbnail=&#8220;off&#8220; use_manual_excerpt=&#8220;off&#8220; show_author=&#8220;off&#8220; show_date=&#8220;off&#8220; show_categories=&#8220;off&#8220; show_excerpt=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;off&#8220; admin_label=&#8220;Sehensw\u00fcrdigkeiten dieser Kategorie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;10px|10px|10px|10px|true|true&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_blog][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcbersicht der Stadtgeschichte (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/geschichte-der-stadt-innsbruck\/\">\u00dcbersicht der Stadtgeschichte<\/a><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\"Light, air and sun\" was the motto of the Lebensreform, which began in the late 19th century in step with the development of social democracy and the rise of the bourgeoisie. <\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":60482,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[89,92,90],"tags":[],"class_list":["post-62365","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wissenswertes","category-wissenswertes-19-jahrhundert-wissenswertes","category-wissenswertes-20-jahrhundert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62365"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62365\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}