{"id":63213,"date":"2025-04-01T09:01:22","date_gmt":"2025-04-01T09:01:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=63213"},"modified":"2026-08-26T13:01:44","modified_gmt":"2026-08-26T13:01:44","slug":"innsbrucker-kommunalbetriebe-casino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/innsbrucker-kommunalbetriebe-casino\/","title":{"rendered":"Power station &amp; Casino"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Innsbrucker Kommunalbetriebe &amp; Casino<\/h2>\n<p>Salurnerstra\u00dfe 11 \u2013 15<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;64983,63226,63227&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Innsbrucker Kommunalbetriebe &#038; Casino&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63216&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbrucker Kommunalbetriebe &#038; Casino&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63217&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>1911 kaufte die Stadt unter B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil nach jahrelangen Verhandlungen die sogenannten <em>Zelgergr\u00fcnde<\/em> bei der Triumphpforte von den Erben des Innsbrucker Unternehmers Karl Zelger. Die Zelgers hatten im Mode- und Textilbusiness seit dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert ein veritables Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft. Das Familienanwesen samt gro\u00dfz\u00fcgiger Garten- und Parkanlage reichte vom Landhausplatz bis in die heutige Salurnerstra\u00dfe. Die in den Medien ausgetragene Diskussion, was mit diesem unverbauten St\u00fcck Land zwischen Innenstadt und Wilten geschehen sollte, war zum Zeitpunkt bereits seit Jahren in vollem Gange. Das rasch wachsende Viertel rund um den Bahnhof war w\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte mit Gesch\u00e4ftslokalen, Fabriken und Wohnh\u00e4usern zugepflastert worden. Von einem Gewerbemuseum \u00fcber ein Internat bis hin zu einem \u00f6ffentlichen Park zur Erholung der gestressten Stadtbewohner reichten die Ideen. Umgesetzt wurde auf Grund des Kriegsausbruches vorerst keiner der kreativen Bebauungsans\u00e4tze f\u00fcr den <em>Bismarckplatz<\/em>, gewidmet dem <em>Eisernen Kanzler<\/em> der Deutschen Reichseinigung von 1871. Anfang der 1920er Jahre legte Clemens Holzmeister einen ersten Vorschlag zur Modernisierung Innsbrucks auf dem noch immer unverbauten Landstrich vor. Die Zeit f\u00fcr sein Megaprojekt, das ein Hotel, Gastronomie, B\u00fcros und Wohnungen auf 10 Stockwerken umfasste, war noch nicht reif. Nicht nur fehlte es an finanziellen Mitteln, auch die Anrainer rannten Sturm gegen den geplanten Neubau. 1926 war der Geldmangel kurzfristig durch den W\u00e4hrungstausch Krone gegen Schilling und staatliche Anleihen behoben. Das siegreich aus einem Wettbewerb hervorgegangene Projekt von Lois Welzenbacher lie\u00df die Diskussionen aber nicht verstummen, im Gegenteil. Anstelle eines Parkes wurde auf den <em>Zelgergr\u00fcnden<\/em> das Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck errichtet. Nicht nur das Geb\u00e4ude an und f\u00fcr sich, auch die Art, in der Welzenbacher Innsbrucks erstes Hochhaus geplant hatte, erregte die Gem\u00fcter. Der Altstadt sollte eine Neustadt gegen\u00fcbergestellt werden. Stadtrat Richard Schober, selbst Ingenieur, schrieb in einem Artikel 1929 \u00fcber das <em>Verwaltungsgeb\u00e4ude der st\u00e4dtischen Licht- und Kraftwerke<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn man von den umgebenden H\u00f6hen auf die Stadt blickt, so erhebt sich wie eine Insel aus dem H\u00e4usermeere, weit alle \u00fcbrigen Bauten \u00fcberragend, eine wuchtige Baumasse, trutzig und stark wie eine m\u00e4chtige Burg des Mittelalters.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die kubischen Elemente im Stil der <em>Neuen Sachlichkeit, <\/em>die schon beim St\u00e4dtischen Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe die Geister schieden, galten vielen Menschen als Verschandelung, einigen wenigen als Wahrzeichen des Aufbruchs der Stadt in die Moderne. Professor Josef Manfreda, selbst Architekt und Unterrichtender an der <em>Staatsgewerbeschule<\/em> w\u00fctete \u00fcber die Missachtung der Tiroler Bergwelt und die Verletzung des \u201e<em>gesunden und schlichten Gef\u00fchls der Bev\u00f6lkerung<\/em>\u201c. Noch Jahre sp\u00e4ter besch\u00e4ftigte das Geb\u00e4ude, wie der Artikel <em>das hochhaus auf dem bismarckplatz<\/em> von Manfreda aus dem Jahr 1930 zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201edas gegenw\u00e4rtig so h\u00e4ufig in der beurteilung von bauwerken zu tage tretende missfallen an den kahlen mauerfl\u00e4chen ist ein nat\u00fcrliches, reaktion\u00e4res empfinden unseres verw\u00f6hnten auges, das die stra\u00dfen \u00fcberwiegend mit schweren gesimsen und fensterumrahmungen \u00fcberladen sieht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das schmucklose Geb\u00e4ude mit den markanten zahlenfreien Zifferbl\u00e4ttern war nicht nur optisch eine Herausforderung f\u00fcr viele Zeitgenossen. Waren es bisher Kircht\u00fcrme gewesen, die in ihrer H\u00f6he und mit ihren Uhren den Alltag der Menschen \u00fcberwachten und einteilten, \u00fcberragte nun ein profanes Zweckgeb\u00e4ude die Stadt. Die moderne Architektur lockte nach 1938 die neue Obrigkeit an. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus quartierte sich die SS im dritten Stock des Amtsgeb\u00e4udes ein. W\u00e4hrend die <em>SA<\/em> ihren Sitz in einem Gr\u00fcnderzeithaus in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte, die Gestapo in der Alten Universit\u00e4t in der Herrengasse residierte und die Gauleitung gegen\u00fcber vom <em>Bismarckplatz <\/em>das Neue Landhaus im monumentalen Klassizismus errichten lie\u00df, w\u00e4hlte die elit\u00e4re SS ganz im Sinne des Aufbruchs in eine neue Zeit das Hochhaus als ihren St\u00fctzpunkt. Durch alliierte Luftangriffe erlitt das Hochhaus betr\u00e4chtliche Sch\u00e4den. 1947 begann die Renovierung, die gleichzeitig auch ein struktureller Umbau war. Der markante asymmetrische Eckturm des Geb\u00e4udes verschwand, die Fensterfronten erhielten ein komplett neues Design. Auch die Zwiebelhaube, die das Haus \u00e4hnlich wie eine barocke Kirche kr\u00f6nt, wurde im Rahmen einer Aufstockung um ein zus\u00e4tzliches Stockwerk neu aufgesetzt. Das Hochhaus war weiterhin eine Attraktion. Auf einer Terrasse konnte man sich in einem Cafe \u00fcber den D\u00e4chern der Stadt erfrischen.\u00a0 Mit der vorolympischen Bauwut der zweiten Spiele kam der Platz vor Innsbrucks erstem Hochhaus erneut unter die Schaufel. Anstatt die freie Fl\u00e4che zu beleben und so dem Hauptgeb\u00e4ude der <em>Innsbrucker Stadtwerke<\/em> Wirkung zu verleihen, verdichtete man diesen innerst\u00e4dtischen Raum. 1970 wurde mit dem Bau des dreist\u00f6ckigen, wenig schmucken Gesch\u00e4fts- und B\u00fcrogeb\u00e4udes sowie dem 15st\u00f6ckigen Hotel begonnen. Das Hochhaus im Stil des <em>Beton Brut<\/em> z\u00e4hlt zu den Baus\u00fcnden dieser Zeit, die Innsbrucks Panorama bis heute nachhaltig negativ beeinflussen.<\/p>\n<p>Im grenzenlosen Optimismus der fr\u00fchen 1990er wurde das Casino an das Hotel angebaut. F\u00fcr die gewagte Fassade aus gr\u00fcnem Marmor mit \u00fcberh\u00e4ngender Stahl-Glas-Konstruktion unter einem schiefen fl\u00fcgelf\u00f6rmigen Dach erhielt das Geb\u00e4ude 1993 den <em>\u00d6sterreichischen Bauherrenpreis<\/em> der Zentralvereinigung der Architekten. Der Brunnen am Vorplatz komplettiert das Ensemble am ehemaligen Bismarckplatz. Damit war die Verdichtung des innerst\u00e4dtischen Platzes abgeschlossen, aus dem vor \u00fcber 100 Jahren beinahe ein innerst\u00e4dtischer Park geworden w\u00e4re.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Artikel 1930: das hochhaus auf dem bismarckplatz&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;das hochhaus auf dem bismarckplatz &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62777&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>als vor ungef\u00e4hr 20 jahren architekt adolf loos mit dem hause am michaelerplatz in wien, mit der g\u00e4nzlich kahlen fassadenwand, in der nur die quadratischen fensterl\u00f6cher eingeschnitten waren, auf den plan trat, brauste ein sturm der entr\u00fcstung durch die wiener kunst- und laienwelt (gab es doch im wiener gemeinderat eine erregte \u201elooshausdebatte\u201c). ich selbst, obwohl ich gerade einen prominenten f\u00fchrer der modernen \u00f6sterreichischen kunst zum lehrer hatte, konnte mich zun\u00e4chst f\u00fcr diese bauliche n\u00fcchternheit \u2013 heute sagen wir sachlichkeit \u2013 auch nicht erw\u00e4rmen. es fehlte nicht an sp\u00f6ttern dieser neuesten architektur, so hie\u00df es damals in einer gr\u00f6\u00dferen wiener tageszeitung: kunstbr\u00fctend ging der modernste der architekten durch die stra\u00dfen wiens \u2013 loos wurde darunter vor einem kanalgitter stehend und dasselbe anstarrend abgebildet und fand, was er so lange vergeblich suchte.<\/p>\n<p>was nun damals als eine ausgeburt der kunstlosigkeit galt und von publikum, beh\u00f6rden und presse f\u00fcr unm\u00f6glich erkl\u00e4rt wurde, finden wir heute in noch gesteigertem ma\u00dfe in allen gr\u00f6\u00dferen st\u00e4dten deutschlands und frankreichs vom publikum als eine selbstverst\u00e4ndlichkeit hingenommen. selbst in innsbruck sind einige neu- und umbauten (hochhaus, bauernheim usw.) aus diesem neuen gesichtspunkt der sachlichkeit erstanden. bald werden wir uns auch mit der uhr, die statt der ziffern blo\u00dfe einzelstriche zeigt, befreundet haben, und es wird nur mehr eine frage der zeit sein, dass \u2013 so wie die loossche zweckmanifestation und die abstrahierung der stundenziffern \u2013 auch in unserer schrift nur noch die kleinbuchstaben aus rationalen und \u00f6konomischen gr\u00fcnden verwendung finden werden. abgesehen davon, dass eine solche durchf\u00fchrung in der deutschen schrift eigentlich gar nicht neu, sondern nur eine regeneration darstellt und die kleinbuchstabenschrift ohne anzeichen der mangelhaftigkeit in vielen fremdsprachen besteht, w\u00fcrde sie gewiss die gesch\u00e4ftswelt ohne widerstand aufnehmen (man denke nur an die vereinfachung der schreibmaschinenmanipulation und der schriftsetzerarbeit, an die einfachheit des sprachlichen unterrichts usw.).<\/p>\n<p>was uns kunstj\u00fcnger damals in der allgemein schulm\u00e4\u00dfig anerzogenen besangenheit f\u00fcr architektonischen aufputz durch die zwar vern\u00fcnftige aber revolution\u00e4re idee an dem loosschen hause ungeheuerlich erschien, wurde aber bald durch innere erkenntnis aufgehellt. als ich vor 10 jahren, von wien kommend, die trotzen innsbrucks durchschritt, hatte ich schon den stillen wunsch, alle die \u00fcberfl\u00fcssigen, nichtssagenden, schweren gesimse und stuckverzierungen, womit unsere neueren h\u00e4user (anichstra\u00dfe, b\u00fcrgerstra\u00dfe u. a. m.) \u201eangeklebt\u201c und \u201everziert\u201c sind, heruntergeschlagen zu sehen \u2013 was \u00fcbrigens nach einigen jahren an einzelnen stellen geschah (postgeb\u00e4ude, bauernheim usw.).<\/p>\n<p>das gegenw\u00e4rtig so h\u00e4ufig in der beurteilung von bauwerken zu tage tretende missfallen an den kahlen mauerfl\u00e4chen ist ein nat\u00fcrliches, reaktion\u00e4res empfinden unseres verw\u00f6hnten auges, das die stra\u00dfen \u00fcberwiegend mit schweren gesimsen und fensterumrahmungen \u00fcberladen sieht. daher ist auch die strikte ablehnung der neuen baukunst, sofern diese nicht offensichtliche verst\u00f6\u00dfe gegen vernunft und geschmack zeigt, sehr ungerecht. man darf nicht vergessen, dass der nichtfachmann und durchschnittsmensch, sogar manche k\u00fcnstler, im urteil zumeist konventionell belastet sind und deshalb keinen anspruch auf wirkliche objektivit\u00e4t haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>um nicht missverstanden zu werden, muss ich an dieser stelle ausdr\u00fccklich feststellen, dass ich mich bei der \u00e4u\u00dferen ausgestaltung der wohnhausbauten ganz entschieden gegen die uniforme kahlheit der fabriksbauart, wie sie auch gr\u00f6\u00dftenteils das hochhaus zeigt, ausspreche. wir haben in tirol in den altst\u00e4dten beispiele genug, die zeigen, wie man selbst bei einfachster bauart eine gewisse w\u00e4rme und eigenart erreichen kann. nun wollen wir versuchen, das hochhaus aus dem geiste unserer zeit heraus zu beurteilen. dabei m\u00fcssen wir uns aber vom banne bestimmter, \u00fcberlieferter anschauungen m\u00f6glichst losl\u00f6sen, um dadurch jene einseitigen urteile auszuschlie\u00dfen, die heute keine innere berechtigung mehr haben. wurden nicht auch durch das gewohnheitsm\u00e4\u00dfige festhalten des publikums an \u00fcberkommenen \u00e4sthetischen rechtss\u00e4tzen die maler courbet und delacroix als \u201enicht klassisch\u201c, leibl und liebermann als \u201ezu naturalistisch\u201c verschrien? und was musste die kunst richard wagners erleiden? nat\u00fcrlich muss ein echter, wahrer kritiker vor allem ein klares auge und ein gesundes, mit vernunft gepaartes empfinden besitzen und sich gegen k\u00fcnstlerische verzerrungen und effekthaschereien aller \u201efortschrittlicher\u201c k\u00fcnstler, die ihr schaffen als sehertum vorzut\u00e4uschen suchen, geh\u00f6rig zu verwahren wissen.<\/p>\n<p>wir uns schlie\u00dflich der tatsache eingedenk, dass es nicht darauf ankommt, ob ein geb\u00e4ude gut oder schlecht ist, nicht von liegenden fenstern oder vom flachen dach, auch von keiner dekorationsromantik und keinem maschinenfanatismus, sondern von der ehrlichen, wirklich vorw\u00e4rtsschreitenden gesinnung eines bauk\u00fcnstlers. welzenbacher baut derzeit neuzeitlich nordisch und hat damit auch den besten erfolg erzielt. seine art gefiel in deutschland, man berief ihn dorthin. es ist damit auch nicht verwunderlich, wenn das hochhaus als ein stolzer repr\u00e4sentant der gro\u00dfstadtarchitektur des flachlandes nicht in unsere gebirgswelt passt \u2013 das ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte schw\u00e4che des baues.<\/p>\n<p>das wesentliche an dieser hochhausfrage ist aber, wie gesagt, nicht so sehr, ob das hochhaus nach tirol passt oder nicht passt, auch nicht die wenigen attrappenhaften zugaben, sondern die tat, die zur entstehung eines neuen stils beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Gemeinderat und die Zelger\u00b4schen Erben&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Gemeinderat und die Zelger\u00b4schen Erben&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68148&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Erschienen: Innsbrucker Nachrichten \/ 2. April 1909<\/p>\n<p>Von Seite der Zelger\u2019schen Erben wurde unmittelbar vor der letzten Sitzung an s\u00e4mtliche Gemeinder\u00e4te ein \u201eZur Aufkl\u00e4rung\u201c betiteltes Druckschreiben versendet, welches in der Angelegenheit der Verbauung der Zelgergr\u00fcnde bzw. der Errichtung eines \u00f6ffentlichen Platzes an der S\u00fcdseite der Maximilianstra\u00dfe Stellung nimmt.<br \/>Nachdem dieses Aufkl\u00e4rungsschreiben den Vorbehalt enth\u00e4lt, ihm eventuell eine weitere Verbreitung zu sichern, hat die Dienstes- und Rechtssektion beschlossen, dasselbe vorerst in \u00f6ffentlicher Sitzung zur Verlesung zu bringen.<br \/>(Hier folgte die Verlesung des ziemlich umfangreichen Schriftst\u00fcckes.)<\/p>\n<p>Die Dienstes- und Rechtssektion hat weiter beschlossen, dem Gemeinderat den Antrag zu stellen, es sei der Standpunkt der Stadtgemeinde in dieser Angelegenheit durch eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung zu kennzeichnen, und zwar h\u00e4tte diese Erkl\u00e4rung zu lauten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs ist der Stadtgemeinde wohl bekannt, dass der Baulinie, welche eine Platzerweiterung an der S\u00fcdseite der Maximilianstra\u00dfe vorsieht, derzeit keine reale Existenz zukommt und auch nicht zukommen kann, weil weder an noch in dieser Baulinie eine Baulichkeit errichtet ist. Diese Baulinie steht wirklich nur auf dem Papier, dort aber besteht sie durch Statthaltereigenehmigung zu Recht, und wenn die Zelger\u2019schen Erben glauben, dieser papiernen Existenz bald den Garaus zu machen, m\u00fcssen sie sich bewusst sein, \u00fcber Hilfen zu verf\u00fcgen, die der Stadtvertretung und ihren juristischen Beratern v\u00f6llig unbekannt sind.<\/p>\n<p>Die Absicht des Gemeinderates, die Maximilianstra\u00dfe durch eine Platzausbuchtung zu erweitern, erscheint keinesfalls als blo\u00dfe Sorge f\u00fcr st\u00e4dtischen \u201ePutz\u201c, sondern als Erf\u00fcllung eines von der ganzen Bev\u00f6lkerung erkannten dringenden Bed\u00fcrfnisses, dessen Erf\u00fcllung \u00fcberdies durch ausdr\u00fcckliche gesetzliche Bestimmung gew\u00e4hrleistet ist. Die Innsbrucker Bauordnung (Gesetz vom 30. M\u00e4rz 1896, \u00a7 3, Absatz 2) bestimmt w\u00f6rtlich, es sei bei Abteilung gr\u00f6\u00dferer Grundst\u00fccke darauf R\u00fccksicht zu nehmen, dass entsprechend gro\u00dfe und freie Pl\u00e4tze belassen werden; und wenn die Stadtgemeinde dieser gesetzlichen Bestimmung nachkommt, kann doch wohl nur in grober Verkennung \u00f6ffentlich-rechtlicher Grunds\u00e4tze von einer Schadenersatzpflicht der Gemeinde gesprochen werden.<\/p>\n<p>Dass die Anlegung neuer Stra\u00dfez\u00fcge, deren Herstellung und Ausstattung mit Versorgungsleitungen der Stadtgemeinde bereits gro\u00dfe Summen gekostet hat und noch kosten wird, die Zelgergr\u00fcnde zu Baugr\u00fcnden mit um ein Vielfaches gesteigertem Werte gemacht hat, erscheint den Zelger\u2019schen Erben begreiflich und selbstverst\u00e4ndlich. Dass aber die Stadtgemeinde in Wahrung der Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung und auf Grund ausdr\u00fccklicher gesetzlicher Bestimmung schlie\u00dflich, als die Verbauungsfrage durch den Tod des Herrn Zelger aktuell wurde, nicht genau diejenige Baulinienf\u00fchrung w\u00e4hlte, die f\u00fcr das Zelger\u2019sche Privatverm\u00f6gen die vorteilhafteste w\u00e4re, erscheint den Zelger\u2019schen Erben unbegreiflich, und sie halten dies f\u00fcr einen unverantwortlichen Eingriff in ihre Privatrechte.<\/p>\n<p>Der Gemeinderat hat den Zelger\u2019schen Erben in Erwiderung des von ihnen bei Er\u00f6ffnung der Maximilianstra\u00dfe gezeigten Entgegenkommens und um ihnen die sofortige Verwertung der Baugr\u00fcnde zu erm\u00f6glichen, f\u00fcr den fraglichen Platz und die denselben umf\u00fchrenden Stra\u00dfen freiwillig den Betrag von \u00fcber 80.000 Kronen angeboten, einen Preis, der weit \u00fcber das Ma\u00df dessen hinausgeht, was die Zelger\u2019schen Erben nach den Bestimmungen der Innsbrucker Bauordnung je erstreiten k\u00f6nnen, wenn nicht eine Entscheidung erfolgen sollte, die einen offenkundigen Rechtsirrtum bedeuten w\u00fcrde. Dieses Anbot vermochte nur die Heiterkeit der Zelger\u2019schen Erben zu erwecken und zieht die Stadtgemeinde dasselbe hiermit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass nunmehr nichts \u00fcbrig bleibt, als die Angelegenheit vor den kompetenten Instanzen zum Austrag zu bringen. Nur sollen die Zelger\u2019schen Erben bei dem bevorstehenden Streit nicht erwarten, dass die Stadtgemeinde ihnen hierbei behilflich sein und auf andere Interessen R\u00fccksicht nehmen wird als auf die der Gemeinde.\u201c<\/p>\n<p>Der Antrag der Sektion wurde angenommen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Staaten und Herrscherh\u00e4user an ihr Ende, auch f\u00fcr Kunst, Musik, Literatur und Architektur war er eine Z\u00e4sur. In Innsbruck ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild in den zwei Jahrzehnten der Ersten Republik. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil aus Deutschland, Wolkenkratzern aus den USA, dem italienischen Futurismus und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Ein gemeinsames Merkmal war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows Function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Sein Religionslehrer, der heute umstrittene Theologe und Publizist Anton M\u00fcller alias <em>Bruder Willram,<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent Franz Baumanns aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em>. Dort lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen, der auch in beruflicher Hinsicht eine tragende Rolle in seinem Leben spielen sollte. W\u00e4hrend seiner Schulzeit sammelte Baumann erste praktische Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> und begann gemeinsam mit seiner Schwester Maria und Prachensky auf Ausfl\u00fcgen rund um Innsbruck Naturdarstellungen anzufertigen. 1910 folgte Baumann seinem Freund nach Meran f\u00fcr eine Anstellung bei der \u00fcber die Landesgrenzen hinaus bekannte Baufirma <em>Musch &amp; Lun<\/em>. Die ehemalige Tiroler Landeshauptstadt war Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter Adalbert Erlebach, der sp\u00e4ter ma\u00dfgeblich an der Gestaltung der Hungerburg beteiligt war, machte Baumann erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wichtig f\u00fcr seine sp\u00e4tere Karriere war nicht nur die technische Ausbildung, sondern auch die ersten Ber\u00fchrungspunkte, die er mit dem <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> machte. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Man wollte verhindern, dass Tourismus- und Industriebauten die traditionellen Ortsbilder \u00fcber Geb\u00fchr vereinnahmen. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb Zimmeter:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach vier Jahren wurde Baumanns Karriere j\u00e4h unterbrochen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch ihn aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Stadtbilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert. Sein Durchbruch im Bauwesen kam im Folgejahr. Baumann konnte \u00fcberraschend die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit den Anforderungen des <em>Tiroler Heimatschutzverbandes<\/em> und der Ausschreibungen der jungen Erste Republik entgegen. Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht f\u00fcr den Tourismus. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern funktionale Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Die Geb\u00e4ude sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein. Alle technischen Funktionen und Details unter Ber\u00fccksichtigung von Umwelt, Topografie und Sonnenlicht spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos (1870 \u2013 1933):<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ab 1927 f\u00fchrte Baumann sein eigenes Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten. Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Immer wieder kreuzten sich seine beruflichen Wege mit denen seines Freundes und Schwagers Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten sie ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Eigene Trakte f\u00fcr Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik, Tradition und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand Baumann die Wirtschaftskrise ab den sp\u00e4ten 1920er Jahren gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1933 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde er zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem ihm eine Ausnahmegenehmigung gestattete diesen Berufstitel auch ohne formale Bildung zu tragen. Mit dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der <em>Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste<\/em> in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals gegen den Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Hauptverkehrsachse, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Gauleiter Hofer wollte die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Baumann bewertete diese beiden Pl\u00e4ne in seiner Funktion negativ. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen, sein mutiges Auftreten bewahrte ihn in der Nachkriegszeit wohl aber vor Schlimmerem. Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die Neuen Stadts\u00e4le hinter dem Tiroler Landestheater gestaltet. Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv. In Innsbruck wurden im Cafe Gasthaus <em>Zur Annas\u00e4ule<\/em>, dem sp\u00e4teren Alt-Innsbrucks American Drinks zum <em>Five O`Clock Tea<\/em> an der Bar im Rittersaal serviert. Die Ritterr\u00fcstungen k\u00f6nnen von der Maria-Theresien-Stra\u00dfe aus noch im Erker bewundert werden. Zum gr\u00f6\u00dften Teil geh\u00f6rte Innsbrucks Bev\u00f6lkerung als Teil der jungen Republik Deutsch-\u00d6sterreich aber zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik vor dem Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 weniger begeisterten als viel mehr neugierigen und verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df. Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die diversen Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. Es war nichts neues, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschlussplan erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande. In Innsbruck konstituierte sich im Herbst 1918 aus den Mitgliedern des ehemaligen Landtages die <em>Tiroler Nationalversammlung<\/em> und der <em>Tiroler Nationalrat<\/em>, eine Konzentrationsregierung mit Mitgliedern aus allen Parteien. Dem Nationalrat unterstanden die <em>Volks- und B\u00fcrgerwehren<\/em>, die sich auf Gemeindeebene zur Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Ordnung gebildet hatten, zumindest am Papier. Vor allem zwischen Innsbruck und dem Brenner befanden sich an den Bahnh\u00f6fen bis zu 50.000 Soldaten, die auf ihren Abtransport wartend f\u00fcr Probleme sorgten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, war Tirol von den verhassten <em>Wallschen<\/em> okkupiert. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Nach den komplexen und langatmigen Friedensverhandlungen in Paris war es schlie\u00dflich Gewissheit: Am 10. Oktober 1920 erfolgte der formale Anschluss S\u00fcdtirols. Am Brenner ging der Schlagbaum nieder. Auf der Nordtiroler Seite entstanden nur wenige Amts- und Zollgeb\u00e4ude, im s\u00fcdlichen Teil des Dorfes aber schossen gro\u00dfe Kasernen aus dem Boden, um die neue Grenze milit\u00e4risch zusichern. Das historische Tirol war zweigeteilt. In Innsbruck und vielen anderen Tiroler Gemeinden wurden jahrelang allj\u00e4hrlich zu diesem Datum pomp\u00f6se Trauerfeierlichkeiten veranstaltet. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c von Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden? Liberale und die aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em>hervorgegangene <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannte Soldatenr\u00e4te, die aber wie die restliche Politik christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der <em>Tiroler Anzeiger<\/em> brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie in Innsbruck unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes bei Wahlen ab 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Der Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Auch eine gewisse Emanzipation machte sich bemerkbar. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Martin Rapoldi brachte die Situation im September 1919 auf den Punkt: \u201e<em>Meine Herren, die Verfassungsfrage ist der Bev\u00f6lkerung heute vollst\u00e4ndig nebens\u00e4chlich f\u00fcr den Augenblick, und ob das Land mehr Rechte oder weniger Rechte hat. Mehr Kartoffeln ist die Losung in unserem Lande.<\/em>\u201c Immer wieder kam es in der Landeshauptstadt zu Pl\u00fcnderung und Hungerkrawallen. Wer \u00fcber Geld verf\u00fcgte, konnte sich am Schwarzmarkt mit Lebensmitteln versorgen, der Rest war auf milde Gaben aus den Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201cNeben dem Hunger war die Krankenversorgung ein gro\u00dfes Thema. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden, unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den ersten Jahren gab es kaum Verbesserungen im Alltag der Menschen. Die Zentralregierung hatte wenig Durchsetzungsverm\u00f6gen in den fernen Bundesl\u00e4ndern wie Tirol. Innsbruck begann zeitweise sogar, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Unter Kanzler Ignaz Seipel konnte die Republik eine V\u00f6lkerbundanleihe aufnehmen. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde am 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurs vor dem Krieg verloren. Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Wohnbau- und Infrastrukturprojekte. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em>, der <em>Mandelsbergerblock<\/em>, die <em>Pembaurschule<\/em>, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf Patscherkofel und Nordkette sind bis heute in Betrieb stehende Zeitzeugnisse. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die <em>Pembaurbr\u00fccke<\/em> und die <em>Prinz-Eugen-Br\u00fccke<\/em>. In der Reichenau er\u00f6ffnete am 1. Juni 1925 der erste Flugplatz, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. Viele Interessierte fanden sich auf der Wiese \u00f6stlich der Stadt ein, um dem Event beizuwohnen. Ein Denkmal f\u00fcr die im Weltkrieg gefallenen Flieger wurde enth\u00fcllt, bevor die deutsche Fluglinie <em>Aero Lloyd<\/em> mit einer einmotorigen Fokker-Grulich F III Richtung M\u00fcnchen abhob. Im Herbst folgte die Einbindung des neuen Flugplatztes durch die franz\u00f6sische <em>Compagnie Internationale de Navigation<\/em> in den Kurs Stra\u00dfburg \u2013 Z\u00fcrich \u2013 Innsbruck \u2013 Wien. Dank des waghalsigen Einsatzes des Piloten Raoul Stojsawljewic konnten von Innsbruck aus nun auch abgelegene Regionen und Schutzh\u00fctten mit Lebensmitteln versorgt werden, wie ein Bericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 7. Juni 1926 zeigt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e<em>Bei sch\u00f6nem Wetter stieg gestern morgens Major Stojsawljewic von der deutschen Lufthansa mit seinem Apparat auf und flog K\u00fchtai an, wo er aus geringer H\u00f6he von der Brauerei \u201eL\u00f6wenbr\u00e4u\u201c gespendetes Gratisbier mittels Fallschirm abwarf. Um 10 Uhr wurd das Patscherkofelhaus angeflogen und Bier der Brauerei Zipf abgeworfen\u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotz der kurzzeitigen H\u00f6henfl\u00fcge war die Erste Republik auch auf lokaler Ebene eine schwere Geburt und sie sollte nicht lange Bestand haben, obwohl viel Positives seinen Anfang nahm. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens von Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche. Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. Auch gesellschaftliche Br\u00e4uche und allt\u00e4gliche Lebenseinstellungen ver\u00e4nderten sich in der Republik nach dem Zusammenbruch der Monarchie. Der 1925 eingef\u00fchrte Weltspartag erinnert allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings und die Mahnung an Kinder und Erwachsene zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Die Handschrift der jungen Massenparteien und das neue Verh\u00e4ltnis zwischen Zentralstaat und B\u00fcrger sind bei allem Lokalpatriotismus un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Innsbrucker Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1928). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Sein Wirken war nicht nur lange, sondern fand auch in einer besonders dynamischen Zeit statt. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Es war die Zeit der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Innsbrucks Gemeinderat war von der liberalen und gro\u00dfdeutsch-nationalen \u201e<em>Deutschen Volkspartei<\/em>\u201c gepr\u00e4gt, der auch Greil angeh\u00f6rte. Erst mit der Eingemeindung von Wilten und Pradl 1904 konnten die Konservativen Boden gutmachen, jedoch nicht ganz aufholen. Die Sozialdemokratie spielte bis 1918 kaum eine Rolle. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. B\u00fcrgermeister Greil wohnte passenderweise \u00e4hnlich einem Renaissancef\u00fcrsten. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen <em>Upper Class<\/em>. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die <em>Homebase<\/em> der Familie zu gr\u00fcnden. Dank dieses Wahlstatuts konnte B\u00fcrgermeister Greil bis in die Zeit der Ersten Republik auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.\u00a0Greil war aber auch ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen und Medienlandschaft seiner Zeit gekonnt bewegte. Artikel 17 des \u00f6sterreichischen Staatsgrundgesetzes von 1867, bekannt als Dezemberverfassung, sicherte zum ersten Mal eine freie Meinungs\u00e4u\u00dferung in der Presse ohne vorherige Zensur, ausgenommen strafbarer Inhalte wie Gottesl\u00e4sterung oder Beleidung der Obrigkeit selbstverst\u00e4ndlich. In der Folge etablierte sich eine Vielzahl an Zeitungen wie der konservativen Neuen <em>Tiroler Stimme<\/em>, der sozialdemokratischen <em>Volkszeitung<\/em> oder den liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, die ein Weltbild nach dem Gusto der Herausgeber f\u00fcr ihr Publikum gestalteten. Dank der Reichweite der Innsbrucker Nachrichten konnte Wilhelm Greil seine Sicht der Trotz seiner teils heftigen, an die Programmatik der Gr\u00fcnderfigur der <em>Deutschnationalen<\/em> Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) angelehnten Reden schaffte er es sich mit den konservativen Kr\u00e4ften im Land zu arrangieren, auch wenn es nicht nur medial h\u00e4ufig ordentlich krachte. Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert, oft genug auch mit Gewalt als letztg\u00fcltigem Argument.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten revolutionierte vor allem Unsichtbares in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Leben vieler Innsbrucker. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren. Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung mit einer Vielzahl an Infrastrukturprojekten fort. Die Ansammlung an Menschen auf enger werdendem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen hatte viele Probleme mit sich. Die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Greil\u00b4sche \u00c4gide nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete er als B\u00fcrgermeister Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als Tirol nach dem Krieg am Brenner geteilt wurde. Greil hatte w\u00e4hrend seiner politischen Karriere oft die allgemeine Feindseligkeit gegen\u00fcber den <em>Wallschen<\/em> in \u00e4hnlich populistischer Manier f\u00fcr sich genutzt, wie es sein christlich-sozialer Wiener Amtskollege Karl Lueger in Wien mit antisemitischer Stimmungsmache tat. Am Ende seiner Laufbahn musste er tats\u00e4chlich eine italienische Besetzung Innsbrucks miterleben. Mit der Einf\u00fchrung der Republik fiel auch das Zensuswahlrecht, was den Anfang vom Ende der Dominanz der Liberalen im Gemeinderat bedeutete. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen. Nur dank der Mehrheiten im Gemeinderat und einer Koalition der gro\u00dfdeutsch-liberalen und konservativ-klerikalen Politikern blieb Greil B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58380&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Innsbruck war immer schon vorwiegend Handels-, Tourismus und Universit\u00e4tsstadt, zumindest im Selbstbild. Tats\u00e4chlich spielte das erzeugende Gewerbe aber eine gewichtige Rolle in der Stadtgeschichte. Im 15. Jahrhundert begann sich eine fr\u00fche Form der Industrialisierung aus dem traditionellen Handwerk zu entwickeln. Die Metallverarbeitung florierte unter der aufsteigenden Bauwirtschaft in der boomenden Residenzstadt und der Herstellung von Waffen und R\u00fcstungen. Viele Faktoren trafen daf\u00fcr zusammen. Die verkehrsg\u00fcnstige Lage der Stadt, die Verf\u00fcgbarkeit von Wasserkraft, Innsbrucks politischer Aufstieg, das Knowhow der Handwerker und die Verf\u00fcgbarkeit von Kapital unter Maximilian erm\u00f6glichten den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Glocken- und Waffengie\u00dfer wie die L\u00f6fflers errichteten in H\u00f6tting, M\u00fchlau und Dreiheiligen Betriebe, die zu den f\u00fchrenden Werken Europas ihrer Zeit geh\u00f6rten. Entlang des Sillkanals nutzten M\u00fchlen und Betriebe die Wasserkraft zur Energiegewinnung. Pulverstampfer und Silberschmelzen hatten sich in der Silbergasse, der heutigen Universit\u00e4tsstra\u00dfe, angesiedelt. In der heutigen Adamgasse gab es in unmittelbarer N\u00e4he zur Stadt eine Munitionsfabrik, die 1636 explodierte.<\/p>\n<p>Das Geld aus der Metallverarbeitung kurbelte auch andere Wirtschaftszweige an. Anfang des 17. Jahrhunderts waren 270 Betriebe in Innsbruck ans\u00e4ssig, die Meister, Gesellen und Lehrlinge in Lohn und Brot hatten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker war zwar noch immer in der Verwaltung t\u00e4tig, Gewerbe, Handwerk und das Geld, das sich damit verdienen lie\u00df, zogen aber eine neue Schicht von Menschen an. Es kam zu einer Umschichtung innerhalb der Stadt. B\u00fcrger und Betriebe wurden von der Beamtenschaft und dem Adel aus der Neustadt verdr\u00e4ngt. Die meisten der barocken Palazzi, die heute die Maria-Theresienstra\u00dfe schm\u00fccken, entstanden im 17. Jahrhundert w\u00e4hrend Dreiheiligen und St. Nikolaus zu Innsbrucks Industrie- und Arbeitervierteln wurden. Neben der Metallverarbeitung rund um die Silbergasse siedelten sich auch Gerber, Tischler, Wagner, Baumeister, Steinmetze und andere Handwerker der fr\u00fchen Industrialisierung hier an.<\/p>\n<p>Die Industrie \u00e4nderte nicht nur die Spielregeln im Sozialen durch den Zuzug neuer Arbeitskr\u00e4fte und ihrer Familien, sie hatte auch Einfluss auf die Erscheinung Innsbrucks. Die Arbeiter waren, anders als die Bauern, keines Herren Untertanen, auch wenn sie nat\u00fcrlich dem strengen Gehorsam ihres Br\u00f6tchengebers unterworfen waren. Unternehmer waren zwar nicht von edlem Blut, sie hatten aber oft mehr Kapital zur Verf\u00fcgung als die Aristokratie. Die alten Hierarchien bestanden zwar noch, begannen aber zumindest etwas br\u00fcchig zu werden. Die neuen B\u00fcrger brachten neue Mode mit und kleideten sich anders. Kapital von au\u00dferhalb kam in die Stadt. Wohnh\u00e4user und Kirchen f\u00fcr die neu zugezogenen Untertanen entstanden. Die Arbeiterviertel vor den Toren der Stadt wurden von den alteingesessenen Innsbruckern argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt, nicht zuletzt, weil den \u00fcberf\u00fcllten Siedlungen nachgesagt wurde, Brutst\u00e4tten f\u00fcr Pestausbr\u00fcche zu sein. Die gro\u00dfen Werkst\u00e4tten ver\u00e4nderten den Geruch und den Klang der Stadt. Die H\u00fcttenwerke waren laut, der Rauch der \u00d6fen verpestete die Luft. Innsbruck war von einer kleinen Siedlung an der Innbr\u00fccke zu einer Proto-Industriestadt geworden.<\/p>\n<p>Das Wachstum wurde Ende des 18. Jahrhunderts f\u00fcr einige Jahrzehnte von den Napoleonischen Kriegen gebremst. Die zweite Welle der Industrialisierung erfolgte im Verh\u00e4ltnis zu anderen europ\u00e4ischen Regionen in Innsbruck sp\u00e4t. Ein Grund daf\u00fcr war die sp\u00e4te Etablierung eines funktionierenden Bankenwesens in der Stadt. Braven Katholiken galten B\u00e4nker noch immer als \u201e<em>Wucherer und Borger<\/em>\u201c und das Gesch\u00e4ft mit dem Geld galt als unanst\u00e4ndig. Ohne Finanzierung konnten aber auch gro\u00dfe Unternehmungen nicht gegr\u00fcndet werden. Die Tiroler Landesregierung hatte zwar 1715 die so genannte <em>Banko<\/em> gegr\u00fcndet und in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe gab es die <em>Privatbank Bederunger<\/em>, erst mit der Gr\u00fcndung der ersten Filiale der Sparkasse wurde es m\u00f6glich, sein Geld nicht mehr unter dem Kopfpolster zu verwahren. Nach 1850 begann man Kredite zu vergeben, was die Gr\u00fcndung heimischer gr\u00f6\u00dferer Betriebe erm\u00f6glichte. Das <em>Kleine Handwerk<\/em>, die b\u00e4uerliche Herstellung von allerlei Gebrauchsgegenst\u00e4nden vor allem im weniger arbeitsintensiven Winter, und die ehemaligen in Z\u00fcnften organisierten Handwerksbetriebe der Stadt gerieten unter den Errungenschaften der modernen Warenherstellung unter Druck. In St. Nikolaus, Wilten, M\u00fchlau und Pradl entstanden entlang des M\u00fchlbaches und des Sillkanals moderne Fabriken. Viele innovative Betriebsgr\u00fcnder kamen von au\u00dferhalb Innsbrucks. Im heutigen Haus Innstra\u00dfe 23 gr\u00fcndete der aus der Lausitz nach Innsbrucker \u00fcbersiedelte Peter Walde 1777 sein Unternehmen, in dem aus Fett gewonnene Produkte wie Talglichter und Seifen hergestellt wurden. Acht Generationen sp\u00e4ter besteht Walde als eines der \u00e4ltesten Familienunternehmen \u00d6sterreichs noch immer. Im denkmalgesch\u00fctzten Stammhaus mit gotischem Gew\u00f6lbe kann man heute das Ergebnis der jahrhundertelangen Tradition in Seifen- und Kerzenform kaufen. Franz Josef Adam kam aus dem Vinschgau, um die bis dato gr\u00f6\u00dfte Brauerei der Stadt in einem ehemaligen Adelsansitz zu gr\u00fcnden. 1838 kam die Spinnmaschine \u00fcber die Dornbirner Firma <em>Herrburger &amp; Rhomberg <\/em>\u00fcber den Arlberg nach Pradl. <em>H&amp;R<\/em> hatte ein Grundst\u00fcck an den Sillgr\u00fcnden erworben. Der Platz eignete sich dank der Wasserkraft des Flusses ideal f\u00fcr die schweren Maschinen der Textilindustrie. Neben der traditionellen Schafwolle wurde nun auch Baumwolle verarbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Wie 400 Jahre zuvor ver\u00e4nderte auch die Zweite Industrielle Revolution die Stadt und den Alltag ihrer Einwohner nachhaltig. Stadtteile wie M\u00fchlau, Pradl und Wilten wuchsen rasant. Die Betriebe standen oft mitten in den Wohngebieten. \u00dcber 20 Betriebe nutzten um 1900 noch immer den Sillkanal. Die <em>Haidm\u00fchle<\/em> in der Salurnerstra\u00dfe bestand von 1315 bis 1907. In der Dreiheiligenstra\u00dfe wurde eine Textilfabrik mit der Energie des Sillkanals versorgt. Der L\u00e4rm und die Abgase der Motoren waren f\u00fcr die Anrainer die H\u00f6lle, wie ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1912 zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201eEntr\u00fcstung ruft bei den Bewohnern des n\u00e4chst dem Hauptbahnhofe gelegenen Stadtteiles der seit einiger Zeit in der hibler\u00b4schen Feigenkaffeefabrik aufgestellte Explosionsmotor hervor. Der L\u00e4rm, welchen diese Maschine fast den ganzen Tag ununterbrochen verbreitet, st\u00f6rt die ganz Umgebung in der empfindlichsten Weise und mu\u00df die umliegenden Wohnungen entwerten. In den am Bahnhofplatze liegenden Hotels sind die fr\u00fcher so gesuchten und beliebten Gartenzimmer kaum mehr zu vermieten. Noch schlimmer als der ruhest\u00f6rende L\u00e4rm aber ist der Qualm und Gestank der neuen Maschine\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aristokraten, die sich zu lange auf ihrem Geburtsverdienst in edler Muse arrangierten, w\u00e4hrend sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spielregeln \u00e4nderten, mussten ihre Anwesen an den neuen Geldadel verkaufen. Im <em>Palais Sarnthein<\/em> gegen\u00fcber der Triumphpforte, 1689 von Johann Anton Gumpp f\u00fcr David Graf Sarnthein noch als barocker Ansitz geplant, zog die Waffenfabrik und das Gesch\u00e4ft von Johann Peterlongo ein. Geschickte Mitglieder des Adelsstandes nutzten ihre Voraussetzungen und investierten Familienbesitz und Ertr\u00e4ge aus der b\u00e4uerlichen Grundentlastung von 1848 in Industrie und Wirtschaft. Der steigende Arbeitskr\u00e4ftebedarf wurde von ehemaligen Knechten und Landwirten ohne Land gedeckt. W\u00e4hrend sich die neue verm\u00f6gende Unternehmerklasse Villen in Wilten, Pradl und dem Saggen bauen lie\u00df und mittlere Angestellte in Wohnh\u00e4usern in denselben Vierteln wohnten, waren die Arbeiter in Arbeiterwohnheimen und Massenunterk\u00fcnften untergebracht. Die einen sorgten in Betrieben wie dem Gaswerk, dem Steinbruch oder in einer der Fabriken f\u00fcr den Wohlstand, w\u00e4hrend ihn die anderen konsumierten. Schichten von 12 Stunden in engen, lauten und ru\u00dfigen Bedingungen forderten den Arbeitern alles ab. Zu einem Verbot der Kinderarbeit kam es erst ab den 1840er Jahren. Frauen verdienten nur einen Bruchteil dessen, was M\u00e4nner bekamen. Die Arbeiter wohnten oft in von ihren Arbeitgebern errichteten Mietskasernen und waren ihnen mangels eines Arbeitsrechtes auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es gab weder Sozial- noch Arbeitslosenversicherungen. Wer nicht arbeiten konnte, war auf die Wohlfahrtseinrichtungen seines Heimatortes angewiesen. Angemerkt sei, dass sich dieser f\u00fcr uns furchterregende Alltag der Arbeiter nicht von den Arbeitsbedingungen in den D\u00f6rfern unterschied, sondern sich daraus entwickelte. Auch in der Landwirtschaft waren Kinderarbeit, Ungleichheit und prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse die Regel.<\/p>\n<p>Die Industrialisierung betraf aber nicht nur den materiellen Alltag. Innsbruck erfuhr eine Gentrifizierung wie man sie heute in angesagten Gro\u00dfstadtvierteln wie dem Prenzlauer Berg in Berlin beobachten kann. Der Wechsel vom b\u00e4uerlichen Leben des Dorfes in die Stadt beinhaltete mehr als einen \u00f6rtlichen Wechsel. Wie die Menschen die Verst\u00e4dterung des ehemals l\u00e4ndlichen Bereichs erlebten, l\u00e4sst uns der Innsbrucker Schriftsteller Josef Leitgeb in einem seiner Texte wissen:\u00a0<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026viel fremdes, billig gekleidetes Volk, in wachsenden Wohnblocks zusammengedr\u00e4ngt, morgens, mittags und abends die Stra\u00dfen f\u00fcllend, wenn es zur Arbeit ging oder von ihr kam, aus Werkst\u00e4tten, L\u00e4den, Fabriken, vom Bahndienst, die Gesichter oft bla\u00df und vorzeitig alternd, in Haltung, Sprache und Kleidung nichts Pers\u00f6nliches mehr, sondern ein Allgemeines, massenhaft Wiederholtes und Wiederholbares: st\u00e4dtischer Arbeitsmensch. Bahnhof und Gaswerk erschienen als Kern dieser neuen, uns\u00e4glich fremden Landschaft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Innsbrucker aus unterschiedlichen Sph\u00e4ren kam es nach dem Revolutionsjahr 1848 und den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten zur Verb\u00fcrgerlichung. Geschichten, von Menschen, die mit Flei\u00df, Gl\u00fcck, Talent und etwas finanzieller Starthilfe aufstiegen, gab es immer wieder. Bekannte Innsbrucker Beispiele au\u00dferhalb der Hotellerie und Gastronomie, die bis heute existieren sind die Tiroler Glasmalerei, der Lebensmittelhandel H\u00f6rtnagl oder die Seifenfabrik Walde. Erfolgreiche Unternehmer \u00fcbernahmen die einstige Rolle der adeligen Grundherren. Gemeinsam mit den zahlreichen Akademikern bildeten sie eine neue Schicht, die auch politisch mehr und mehr Einfluss gewann. Beda Weber schrieb 1851 anerkennend:\u00a0\u201e<em>Ihre gesellschaftlichen Kreise sind ohne Zwang, es verr\u00e4th sich schon deutlich etwas Gro\u00dfst\u00e4dtisches, das man anderw\u00e4rts in Tirol nicht so leicht antrifft.&#8220;\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Auch die Arbeiter verb\u00fcrgerlichten. War der Grundherr am Land noch Herr \u00fcber das Privatleben seiner Knechte und M\u00e4gde und konnte bis zur Sexualit\u00e4t \u00fcber die Freigabe zur Ehe \u00fcber deren Lebenswandel bestimmen, waren die Arbeiter nun individuell zumindest etwas freier. Sie wurden zwar nur schlecht bezahlt, immerhin erhielten sie aber nun ihren eigenen Lohn anstelle von Kost und Logis und konnten ihre Privatangelegenheiten f\u00fcr sich regeln ohne grundherrschaftliche Vormundschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Die Kehrseite dieser neu gewonnen Selbstbestimmung traten vor allem in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung zu Tage. Es gab kaum staatliche Infrastruktur f\u00fcr Kranken- und Familienf\u00fcrsorge. Krankenvorsorge, Pension, Altersheime und Kinderg\u00e4rten waren noch nicht erfunden, hatte die b\u00e4uerliche Gro\u00dffamilie diese Aufgaben vielfach bis jetzt \u00fcbernommen. In den Arbeitervierteln tummelten sich unter Tags unbeaufsichtigte Kinder: Betroffen waren vor allem die kleinsten, die noch nicht unter die Schulpflicht fielen. 1834 gr\u00fcndete sich nach einem Aufruf des Tiroler Landesgubernators ein Frauenverein, der <em>Kinderverwahranstalten<\/em> in den Arbeitervierteln St. Nikolaus, Dreiheiligen und in Angerzell, der heutigen Museumstra\u00dfe, betrieb. Ziel war es nicht nur die Kinder von der Stra\u00dfe fernzuhalten und sie mit Kleidung und Nahrung zu versorgen, sondern ihnen auch Manieren, z\u00fcchtige Ausdrucksweise und tugendhaftes Verhalten beizubringen. Die W\u00e4rterinnen sorgten mit strenger Hand f\u00fcr \u201eReinlichkeit, Ordnung und Folgsamkeit\u201c daf\u00fcr, dass die Kinder zumindest ein Mindestma\u00df an F\u00fcrsorge erfuhren. Die ehemalige <em>Bewahranstalt<\/em> in der Paul-Hofhaimer-Gasse hinter dem <em>Ferdinandeum<\/em> gibt es bis heute, der klassizistische Bau beherbergt den Integrationskindergarten der <em>Caritas<\/em> und einen Betriebskindergarten des Landes Tirol.\u00a0<\/p>\n<p>Innsbruck ist keine traditionelle Arbeiterstadt. Zur Bildung einer bedeutenden Arbeiterbewegung wie in Wien kam es in Tirol trotzdem nie. Zwar gab es Sozialdemokraten und eine Handvoll Kommunisten, die Zahl der Arbeiter war aber immer zu klein, um wirklich etwas zu bewegen. Maiaufm\u00e4rsche werden vom Gro\u00dfteil der Menschen maximal wegen billiger Schnitzel und Freibier besucht. Auch sonst gibt es kaum Erinnerungsorte an die Industrialisierung und die Errungenschaften der Arbeiterschaft. In der St.-Nikolaus-Gasse und in vielen Mietzinsh\u00e4usern in Wilten und Pradl haben sich vereinzelt H\u00e4user erhalten, die einen Eindruck vom Alltag der Innsbrucker Arbeiterschaft geben.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe Innsbrucks wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die Modernit\u00e4t der Partei mit ihrem demonstrativ-revolution\u00e4ren Antiklerikalismus und die Aufstiegsm\u00f6glichkeiten, die sie bot, sprach vor allem junge Menschen an. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt. Wer bereits oben war, sehnte sich nach den Zeiten vor dem allgemeinen Wahlrecht zur\u00fcck, als Sozialdemokraten noch nichts zu melden hatten. Die demokratische Republik war konservativen Eliten ein Gr\u00e4uel. Wer nach oben wollte, den Sozialdemokraten aber nichts abgewinnen konnte, konnte der sperrigen Demokratie ebenfalls nur wenig abgewinnen. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger kombiniert mit theatralisch inszenierten Fackelz\u00fcgen durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette und einem regen Vereinsleben verhalfen der NSDAP schnell zu Popularit\u00e4t. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es in Innsbruck zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst. Am 12. M\u00e4rz empfing ein gro\u00dfer Teil der Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des heilsversprechenden F\u00fchrers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Der nostalgisch gehegte gro\u00dfdeutsche Traum hatte lange Tradition in Tirol. Das Versprechen, die deutschsprachigen S\u00fcdtiroler <em>Heim ins Reich<\/em> zu holen und damit das Unrecht der Brennergrenze auszumerzen wurde ebenfalls gerne geh\u00f6rt. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig. Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. Regimegegner Nummer eins war der Klerus, die katholische Kirche wurde deshalb auf allen Ebenen bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Franz Greiter und Anton Melzer, der im Ersten Weltkrieg f\u00fcr Gott, Kaiser und Vaterland einen Arm verloren hatte, mussten fl\u00fcchten oder wurden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Etwa 120 Personen fanden in diesem Barackenlager den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Die meist j\u00fcdischen, russischen oder italienischen Zwangsarbeiter wurden in den Messerschmitt Werken in Kematen und auf den vielen Baustellen wie der Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> oder der Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks eingesetzt. Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das auff\u00e4lligste Denkmal ist wohl das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal. An der Alten Universit\u00e4t in der Herrengasse prangt eine Bronzetafel, die daran erinnert, dass die Gestapo hier einst ihr Hauptquartier hatte, wo Verd\u00e4chtige unter Folter verh\u00f6rt, schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt wurden. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet. In der Rossau wurde ein Gedenkort an das Arbeitslager Reichenau errichtet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Aussehen einer Stadt unterliegt einem steten Wandel. Einige Epochen hinterlie\u00dfen besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild Innsbrucks. Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen ab dem 15. Jahrhundert sowie in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts spiegeln sich auch in Bauwerken und Denkm\u00e4lern wider. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c ein tats\u00e4chlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fu\u00dfe des Brenners war \u00fcber Jahrhunderte ein Segen f\u00fcr die Stadt gewesen, nun wurde sie ihr zum Verh\u00e4ngnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht pr\u00e4sentieren, zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Dass die sterblichen \u00dcberreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus, dem Symbol nationalsozialistischer Macht, aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals. Im J\u00e4nner 1944 begann man mit der Errichtung von Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Trotzdem war die Bilanz verheerend. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen. Der Angriff am 16. Dezember 1944, ein Jahr nach dem ersten Luftschlag, verheerte den Dom und das Rathaus. Besondere Sorgfalt und Schutz erfuhren in Innsbruck historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Das Bild der Gnadenmutter Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Viele Jahre nach dem Krieg war die Stadt von den Tr\u00fcmmern und Sch\u00e4den der Luftangriffe charakterisiert, heute erinnert nur noch wenig an diese f\u00fcr viele Innsbrucker traumatischen Ereignisse. Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgesch\u00fctze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, k\u00f6nnen am <em>Lanser K\u00f6pfl<\/em> oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln auf den Wiederaufbau nach dem Krieg hin. Am alten Innsbrucker Rathaus erinnert eine Wandmalerei an den Bombentreffer im Dezember 1944.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucks olympische Renaissance&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Olympische Spiele in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53755&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Es gibt Ereignisse, die im kollektiven Ged\u00e4chtnis einer Gemeinschaft \u00fcber Generationen hinweg Bestand haben. Man muss nicht dabei gewesen sein, ja noch nicht mal auf der Welt, um zu wissen, wie Franz Klammer\u00a0am Patscherkofel am 5. Februar 1976 in der olympischen Abfahrt in seinem gelben Einteiler zur Goldmedaille raste. Franz Josef I. mag den Patscherkofel 1848 bestiegen haben, zur Legende auf diesem Berg aber wurde <em>Kaiser Franz<\/em> Klammer. \u201e<em>Jawoll! 1;45,73 f\u00fcr unseren Franzi Klammer<\/em>,\u201c schallte es damals aus zahllosen TV-Ger\u00e4ten in \u00d6sterreich. Um dem Nationalhelden Klammer auf seinem Teufelsritt folgen zu k\u00f6nnen, durften die Sch\u00fcler wie bereits 1964 am Tag der Herrenabfahrt zu Hause bleiben. Auch sonst waren die Stra\u00dfen w\u00e4hrend dieses H\u00f6llenrittes leergefegt. Klammer schaffte das, was etliche Kaiser, K\u00f6nige und Politiker nicht geschafft hatten. Er einte die Nation \u00d6sterreich. \u201c<em>Mi hats obageibtlt von oben bis unten, I hatt nie gedacht, dass i Bestzeit foa<\/em>,\u201c gab Klammer im K\u00e4rntner Dialekt beim Siegerinterview zu Protokoll. Kein Tiroler, nobody is perfect, aber die Olympischen Spiele waren f\u00fcr die Gastgebernation \u00d6sterreich schon am zweiten Tag gerettet. 1976 fanden die Olympischen Winterspiele bereits zum zweiten Mal in Innsbruck statt. Eigentlich w\u00e4re Denver an der Reihe gewesen, wegen eines Referendums auf Grund finanzieller und \u00f6kologischer Bedenken trat man in Colorado als Ausrichter zur\u00fcck. Innsbruck setzte sich als Gastgeber im zweiten Versuch gegen Lake Placid, Chamoix und Tampere durch. Zum ersten Mal war man 12 Jahre zuvor Ausrichter der Olympiade gewesen. Vom 29. Januar bis zum 9. Februar 1964 war Innsbruck der Nabel gewesen, nachdem man sich mit der Bewerbung gegen Calgary und Lahti durchgesetzt hatte. Erheblicher Schneemangel bereitete Probleme bei der Durchf\u00fchrung etlicher Events. Nur mit Hilfe des Bundesheeres, das Schnee und Eis aus dem Hochgebirge zu den Wettkampfst\u00e4tten brachte, konnten die 34 Bewerbe \u00fcber die B\u00fchne gehen. Die Er\u00f6ffnungsfeier im randvollen Berg Isel Stadion ist auf Archivbildern gut nachzuvollziehen. Anders als die aufw\u00e4ndigen Zeremonien der heutigen olympischen Spiele ging das Prozedere in den 60er Jahren noch unspektakul\u00e4r vonstatten. Die <em>Wiltener Stadtmusik<\/em> erfreute die internationalen G\u00e4ste mit Tiroler Blasmusik. Beim Einmarsch der Fahnen konnten Besucher zum ersten Mal im Rahmen von olympischen Spielen die Flagge Nordkoreas erblicken. Die Tiroler Sch\u00fctzen \u00fcberwachten mit Argusaugen die olympische Flamme. Als Logo wurden lediglich die Olympischen Ringe \u00fcber das Wappen der Stadt gelegt, ein Maskottchen gab es noch nicht. Die Sportbewerbe waren weniger professionell organisiert als bei heutigen olympischen Spielen. Das Bobrennen fand zum ersten Mal auf einer Kunsteisbahn statt, wenn auch noch nicht im heutigen Igler Eiskanal. Die Eishockeyspiele wurden zum Teil noch in der Messehalle in sehr moderatem Rahmen abgehalten. Skibewerbe, wie der Slalom und Riesenslalom der Damen, in dem sich in jeweils anderer Konstellation die franz\u00f6sischen Schwestern Christine und Marielle Goitschel Gold und Silber umh\u00e4ngen lie\u00dfen, fanden in der Axamer Lizum statt. Am Berg Isel verfolgten laut offiziellen Angaben 80.000 Zuschauer das Spektakel, als sich der Finne Veikko Kankonnen Gold im Skisprung sicherte. Im Eishockeyfinale triumphierte die Sowjetunion vor Schweden. Mit 11 Goldmedaillen sicherte sich die UDSSR auch Platz 1 im Medaillenspiegel, mit vier Goldenen wurde \u00d6sterreich sensationell Zweiter.<\/p>\n<p>Am Berg Isel fand auch die Er\u00f6ffnung der Spiele 1976 statt. Zur Erinnerung an 1964 wurden am Berg Isel w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnung zwei Flammen entz\u00fcndet. Die diesmal 37 Bewerbe fanden zu einem gro\u00dfen Teil an den gleichen Wettkampforten in Innsbruck, Axams, Igls und Seefeld statt wie 1964. Eisstadion und Skisprungarena waren noch immer olympiatauglich. In Igls wurde eine neue Kunsteisbahn gebaut. Die Axamer Lizum erhielt eine neue Standbahn, um die Athleten zum Start auf den <em>Hoadl<\/em> zu bringen. Schnee war erneut Mangelware im Vorfeld und man bangte erneut, rechtzeitig schlug das Wetter im letzten Moment aber um und bescherte Innsbruck Frau Holles Segen. Das <em>Schneemanndl<\/em>, ein runder Schneemann mit Karottennase und Tiroler Hut, das Maskottchen der Spiele von 1976 war wohl ein gutes Omen. Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung zwischen den beiden olympischen Spielen innerhalb von zw\u00f6lf Jahren war der Status der Athleten. Waren bei den ersten Spielen offiziell nur Amateure am Start, also Sportler, die einem Beruf nachgingen, konnten 1976 Profisportler antreten. Auch die \u00dcbertragungs- und Fotoqualit\u00e4t war um einiges h\u00f6her als bei der ersten Innsbrucker Edition. Fernsehen hatte dem Radio mittlerweile den Rang abgelaufen. Die deutsche Skirennl\u00e4uferin Rosi Mittermaier wurde perfekt in Szene gesetzt bei ihren Fahrten zu Doppelgold und Silber bei den Damenskirennen. Das Eishockeyturnier gewann erneut die Sowjetunion vor Schweden, bereits zum vierten Mal in Folge. Auch der Medaillenspiegel sah am Ende die UDSSR wieder ganz oben, diesmal vor der DDR. \u00d6sterreich konnte nur zwei Goldene erringen. Mit Klammers Gold in der Abfahrt war dies allerdings nur Nebensache. Der Patscherkofel und \u00d6sterreichs <em>Franzi<\/em> sind seither untrennbar miteinander verbunden. Und auch wenn die Innsbrucker nicht ganz so sportlich sind, wie sie gerne w\u00e4ren, den Titel der Olympiastadt kann nach zwei Ausgaben plus einer Universiade und den Youth Olympic Games niemand wegdiskutieren.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die un-sportliche Infrastruktur lie\u00df sich die Stadt, unterst\u00fctzt von Bundesmitteln, bei beiden Spielen nicht lumpen. Nach dem raschen Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg kam es im Vorfeld zu einer Modernisierung der Stadt. Die erste olympische Edition Innsbrucks fiel in die Zeit des Wirtschaftswunders. Zwei Mal wurde ein Olympisches Dorf aus dem Boden gestanzt und Wohnraum geschaffen, der heute noch in Benutzung ist. Als Standort wurde ein Teil des ehemaligen Dorfes Arzl auserkoren, das seit 1940 zu Innsbruck geh\u00f6rte. Der heutige Stadtteil <em>O-Dorf<\/em> im Osten der Stadt fungierte w\u00e4hrend der Spiele als Olympisches Dorf f\u00fcr die Athleten, das durch die Reichenauer Br\u00fccke \u00fcber den Inn mit der Innenstadt und den Wettkampfst\u00e4tten verbunden wurde. In der kaum besiedelten Arzler Au wurde 1961 mit dem Bau der ersten Wohnbl\u00f6cke begonnen. Der Arzler Schie\u00dfstand, den man auf einer Landkarte von 1960 noch sehen kann, wurde eine Talstufe weiter nach oben verlegt. In den 1970er Jahren kamen weitere Bl\u00f6cke dazu. Heute ist das O-Dorf, trotz der wenig beschaulichen Hochh\u00e4user im Stil der 1960er und 1970er Jahre, dank seiner Lage am Inn, den Gr\u00fcnfl\u00e4chen und der guten Anbindung an den \u00f6ffentlichen Verkehr ein lebenswertes Gr\u00e4tzel. Viele weitere Bauten in Innsbruck, die w\u00e4hrend der Olympiade als Infrastruktur f\u00fcr Presse und Medien genutzt wurden, gehen ebenfalls auf die Olympischen Spiele zur\u00fcck. Die P\u00e4dagogische Akademie P\u00c4DAK in Wilten, die IVB-Halle und das Landessportheim k\u00f6nnen als olympisches Erbe betrachtet werden. Der wenig pr\u00e4chtige Bau, der das ehemalige <em>Hotel Holiday Inn<\/em> neben der Triumphpforte beherbergt, das in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an Betreiberwechseln durchmachte, entstand ebenfalls im Rahmen der olympischen Renaissance. Trotz all der sch\u00f6nen neuen Geb\u00e4ude musste an allen Ecken und Enden improvisiert werden. Ausw\u00e4rtige Jugendliche und so mancher weniger wichtige Funktion\u00e4r fanden ihr Quartier in einer der Schulen, die geschlossen blieben um als Schlafs\u00e4le zu dienen. Infrastrukturelles Erbe der Olympischen Spiele ist auch etwas, das man heute verzweifelt zu \u00e4ndern versucht: Das Wachstum fiel mit den 60er und 70er Jahren in die fr\u00fche Bl\u00fctezeit des Automobils. Dass die Expansion der Stadt gerade in diese Zeit fiel, kann wohl auch als Grund daf\u00fcr gesehen werden, dass Innsbruck in Relation zu seiner Gr\u00f6\u00dfe als \u00fcberdurchschnittlich autozentriert gilt. 1963 wurde die Olympiabr\u00fccke, die den Westen der Stadt mit den Wettkampfst\u00e4tten verband, gebaut. Bis dahin ging der Ost-West Verkehr Innsbrucks kompliziert durch die Innenstadt. Die einzelnen Stra\u00dfen zwischen der Amraser-See-Stra\u00dfe im Osten und der Bachlechnerstra\u00dfe im Westen, aus denen die Hauptverkehrsader S\u00fcdring heute besteht, wurden erst in der Folge ausgebaut und waren bis dahin ruhige Teile der Vorstadt. Wiesen und Felder pr\u00e4gten die Szenerie. Der Vergleich von Luftaufnahmen von 1960 und 2020 ist faszinierend. In Amras standen da, wo sich heute die t\u00e4gliche <em>Rush Hour<\/em> abspielt, bis in die 1970er Jahre Bauernh\u00f6fe und einzelne Wohnh\u00e4user. In der heutigen Egger-Lienz-Stra\u00dfe beim Westbahnhof verlief das Bahnviadukt der Westbahn. Alte Fotos zeigen die Gleise, daneben B\u00e4ume und spielende Kinder. Rund um die heutige <em>Gra\u00dfmayrkreuzung<\/em> entstand mit der Er\u00f6ffnung des <em>Kaufhaus Forum<\/em> fast im Vorbeigehen ein neuer Stadtteil.<\/p>\n<p>Die Olympischen Spiele waren f\u00fcr Innsbruck aber nicht nur ein Startpunkt in die Moderne was Wintersport, Tourismus und Infrastruktur anbelangt. Die Events beschlossen auch gedanklich den Mief der grauen Nachkriegszeit und verbreiteten ein Gef\u00fchl des Aufbruchs aus dem Status des Provinznestes. Weniger als 20 Jahre nach Kriegsende war Innsbruck Gastgeber einer der wichtigsten Sportveranstaltungen. Innerhalb einer Generation wuchs auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Konzentrationslagers Reichenau das <em>Olympische Dorf<\/em> in den Himmel. Man war vielleicht nicht mehr Residenzstadt wie zu Zeiten Maximilians, zumindest aber wieder auf der internationalen Landkarte vertreten. <em>Kaiser Franz<\/em> sei Dank!<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salurnerstrasse 11 - 15<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":64983,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[152,15,67,114,47,88,54],"tags":[],"class_list":["post-63213","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-der-keiner-war","category-innenstadt-2","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-innsbrucks-industrielle-revolutionen","category-luftangriffe-auf-innsbruck","category-olympische-spiele-in-innsbruck","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63213"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71098,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63213\/revisions\/71098"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/64983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}