{"id":63473,"date":"2024-05-08T13:50:44","date_gmt":"2024-05-08T13:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=63473"},"modified":"2025-11-20T10:56:31","modified_gmt":"2025-11-20T10:56:31","slug":"auferstanden-aus-ruinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/auferstanden-aus-ruinen\/","title":{"rendered":"Risen from the ruins"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Die Nachkriegszeit in Innsbruck<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;60440,55766,60441&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Nachkriegszeit Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63477&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][et_pb_toggle title=&#8220;Auferstanden aus Ruinen&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Auferstanden aus Ruinen die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63476&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Nach Kriegsende kontrollierten US-Truppen f\u00fcr zwei Monate Tirol. Anschlie\u00dfend \u00fcbernahm die Siegermacht Frankreich die Verwaltung. Den Tirolern blieb die sowjetische Besatzung, die \u00fcber Ost\u00f6sterreich hereinbrach, erspart. Besonders in den ersten drei Nachkriegsjahren war der Hunger der gr\u00f6\u00dfte Feind der Menschen. Der Mai 1945 brachte nicht nur das Kriegsende, sondern auch Schnee. Der Winter 1946\/47 ging als besonders kalt und lang in die Tiroler Klimageschichte ein, der Sommer als besonders hei\u00df und trocken. Es kam zu Ernteausf\u00e4llen von bis zu 50%. Die Versorgungslage war vor allem in der Stadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit katastrophal. Die t\u00e4gliche Nahrungsmittelbeschaffung wurde zur lebensgef\u00e4hrlichen Sorge im Alltag der Innsbrucker. Neben den eigenen B\u00fcrgern mussten auch tausende von <em>Displaced Persons<\/em>, freigekommenen Zwangsarbeitern und Besatzungssoldaten ern\u00e4hrt werden. Um diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, war die Tiroler Landesregierung auf die Hilfe von au\u00dferhalb angewiesen. Der Vorsitzende der UNRRA <em>(Anm.: United Nations Relief and Rehabilitation Administration<\/em>), die Kriegsgebiete mit dem N\u00f6tigsten versorgte, Fiorello La Guardia z\u00e4hlte \u00d6sterreich \u201e<em>zu jenen V\u00f6lkern der Welt, die dem Hungertod am n\u00e4chsten sind.<\/em>\u201c Milch, Brot, Eier, Zucker, Mehl, Fett \u2013 von allem war zu wenig da. Die franz\u00f6sische Besatzung konnte den Bedarf an ben\u00f6tigten Kilokalorien pro Kopf nicht abdecken, fehlte es doch der eigenen Bev\u00f6lkerung und den Einsatzkr\u00e4ften oft an der Versorgung. Bis 1946 entnahmen sie der Tiroler Wirtschaft sogar G\u00fcter.<\/p>\n<p>Die Lebensmittelversorgung erfolgte schon wenige Wochen nach Kriegsende \u00fcber Lebensmittelkarten. Erwachsene mussten eine Best\u00e4tigung des Arbeitsamtes vorlegen, um an diese Karten zu kommen. Die Rationen unterschieden sich je nach Kategorie der Arbeiter. Schwerstarbeiter, Schwangere und stillende M\u00fctter erhielten Lebensmittel im \u201eWert\u201c von 2700 Kalorien. Handwerker mit leichten Berufen, Beamte und Freiberufler erhielten 1850 Kilokalorien, Angestellte 1450 Kalorien. Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c konnten nur 1200 Kalorien beziehen. Zus\u00e4tzlich gab es Initiativen wie Volksk\u00fcchen oder Ausspeisungen f\u00fcr Schulkinder, die von ausl\u00e4ndischen Hilfsorganisationen \u00fcbernommen wurden. Aus Amerika kamen Carepakete von der Wohlfahrtsorganisation <em>Cooperative for American Remittances to Europe<\/em>. Viele Kinder wurden im Sommer zu Pflegehaushalten in die Schweiz verschickt, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und ein paar zus\u00e4tzliche Kilo auf die Rippen zu bekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle reichten all diese Ma\u00dfnahmen allerdings nicht aus. Vor allem Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c litten unter den geringen Zuteilungen. Viele Innsbrucker machten sich trotz der Gefahr, festgenommen zu werden, auf den Weg in die umliegenden D\u00f6rfer, um zu hamstern. Wer Geld hatte, bezahlte teils utopische Preise bei den Bauern. Wer keins hatte, musste um Nahrungsmittel betteln. Frauen, deren M\u00e4nner gefallen, in Gefangenschaft oder vermisst waren, sahen in Extremf\u00e4llen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Diese Frauen, besonders die ungl\u00fccklichen, die schwanger wurden, mussten \u00fcber sich und ihren Nachwuchs \u00fcbelste Beschimpfungen ergehen lassen. Vom legalen Schwangerschaftsabbruch war man in \u00d6sterreich noch 30 Jahre entfernt.<\/p>\n<p>Die Politik stand dem zu einem gro\u00dfen Teil machtlos gegen\u00fcber. Alle Interessen zu befrieden, war schon in normalen Zeiten unm\u00f6glich. Viele Entscheidung zwischen dem Parlament in Wien, dem Tiroler Landtag und dem Innsbrucker Rathaus waren f\u00fcr die Menschen nicht nachvollziehbar. W\u00e4hrend Kinder auf Obst und Vitamine verzichten mussten, wurde von manchen Bauern legal gewinnbringender Schnaps gebrannt. Amtsgeb\u00e4ude und Gewerbebetriebe bekamen vom Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck freie Hand, w\u00e4hrend den Privathaushalten ab Oktober 1945 der Zugang zum Strom an mehreren Tagzeiten eingeschr\u00e4nkt wurde. Selbige Benachteiligung der Haushalte gegen\u00fcber der Wirtschaft galt f\u00fcr die Versorgung mit Kohle. Die alten Gr\u00e4ben zwischen Stadt und Land wurden gr\u00f6\u00dfer und hasserf\u00fcllter. Innsbrucker warfen der Umlandbev\u00f6lkerung vor, bewusst Lebensmittel f\u00fcr den Schwarzmarkt zur\u00fcckzuhalten. Es kam zu \u00dcberf\u00e4llen, Diebst\u00e4hlen und Holzschl\u00e4gerungen. Transporte am Bahnhof wurden von bewaffneten Einheiten bewacht. Sich Lebensmittel aus einem Lager anzueignen war illegal und Alltag zu gleich. Kinder und Jugendliche streunten hungrig durch die Stadt und nahmen jede Gelegenheit sich etwas zu Essen oder Brennmaterial zu besorgen wahr. Der erste Tiroler Landeshauptmann Gruber, w\u00e4hrend des Krieges selbst illegal im Widerstand, hatte zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der Menschen, die sich gegen das System auflehnten, konnte aber nichts daran \u00e4ndern. Auch dem Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer waren die H\u00e4nde gebunden. Es war nicht nur schwierig, die Bed\u00fcrfnisse aller Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, immer wieder kam es unter der Beamtenschaft zu F\u00e4llen von Korruption und Gef\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber Verwandten und Bekannten. Grubers Nachfolger am Landeshauptmannsessel Alfons Wei\u00dfgatterer musste gleich mehrere kleine Aufst\u00e4nde \u00fcberstehen, als sich der Volkszorn Luft machte und Steine Richtung Landhaus flogen Die Antwort der Landesregierung erfolgte \u00fcber die <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>. Das Blatt war 1945 unter der Verwaltung der US-Streitkr\u00e4fte zur Demokratisierung und Entnazifizierung gegr\u00fcndet worden, ging aber bereits im Folgejahr an die Schl\u00fcssel GmbH unter Leitung des \u00d6VP Politikers Joseph Moser. Dank der hohen Auflage und ihrem fast unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt konnte die Tiroler Landesregierung die \u00f6ffentliche Stimmung lenken:<\/p>\n<p>\u201e<em>Sind etwa die zerbrochenen Fensterscheiben, die gestern vom Landhaus auf die Stra\u00dfe klirrten, geeignete Argumente, um unseren Willen zum Wiederaufbau zu beweisen? Sollten wir uns nicht daran erinnern, dass noch niemals in irgendeinem Lande wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Demonstrationen und Kundgebungen beseitigt worden sind?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Mindestens gleich schlecht war die Wohnsituation. Gesch\u00e4tzte 30.000 Innsbrucker waren obdachlos, lebten auf engstem Raum bei Verwandten oder in Barackensiedlungen wie dem ehemaligen Arbeitslager in der Reichenau, in der vom Volksmund \u201eAusl\u00e4nderlager\u201c genannten Barackensiedlung f\u00fcr Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Europas oder der <em>Bocksiedlung<\/em>. Weniges erinnert noch an den desastr\u00f6sen Zustand, in dem sich Innsbruck nach den Luftangriffen der letzten Kriegsjahre in den ersten Nachkriegsjahren befand. Zehntausende B\u00fcrger halfen mit, Schutt und Tr\u00fcmmer von den Stra\u00dfen zu schaffen. Die Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die Museumstra\u00dfe, das Bahnhofsviertel, Wilten oder die Pradlerstra\u00dfe w\u00e4ren wohl um einiges ansehnlicher, h\u00e4tte man nicht die L\u00f6cher im Stra\u00dfenbild schnell stopfen m\u00fcssen, um so schnell als m\u00f6glich Wohnraum f\u00fcr die vielen Obdachlosen und R\u00fcckkehrer zu schaffen. \u00c4sthetik aber war ein Luxus, den man sich in dieser Situation nicht leisten konnte. Die ausgezehrte Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte neuen Wohnraum, um den gesundheitssch\u00e4dlichen Lebensbedingungen, in denen Gro\u00dffamilien teils in Einraumwohnungen einquartiert waren, zu entfliehen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Notlage gef\u00e4hrdet die Behaglichkeit des Heims. Sie zehrt an den Wurzeln der Lebensfreude. Niemand leidet mehr darunter als die Frau, deren Gl\u00fcck es bildet, einen zufriedenen, trauten Familienkreis, um sich zu sehen. Welche Anspannung der seelischen Kraft erfordern der t\u00e4glich zerm\u00fcrbende Kampf um ein bisschen Einkauf, die M\u00fchsal des Schlangestehens, die Entt\u00e4uschungen der Absagen und Abweisungen und der Blick in den unmutigen Gesichtern der von Entbehrungen gepeinigten Lieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was in der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em> zu lesen stand, war nur ein Teil der harten Alltagsrealit\u00e4t. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Spanische Grippe viele Opfer forderte, kam es auch 1945 zu einem Anstieg gef\u00e4hrlicher Infektionen. Impfstoffe gegen Tuberkulose konnten im ersten Winter nicht geliefert werden. Auch Krankenhausbetten waren Mangelware. Auch wenn sich die Situation nach 1947 entspannte, blieben die Lebensumst\u00e4nde in Tirol prek\u00e4r. Bis es zu merklichen Verbesserungen kam, dauerte es Jahre. Die Lebensmittelrationierungen wurde am 1. Juli 1953 eingestellt. Im selben Jahr konnte B\u00fcrgermeister Greiter verk\u00fcnden, dass alle w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder in Stand gesetzt worden waren.<\/p>\n<p>Zu verdanken war dies auch den Besatzern. Die franz\u00f6sischen Truppen unter Emile Bethouart verhielten sich sehr milde und kooperativ gegen\u00fcber dem ehemaligen Feind und begegneten der Tiroler Kultur und Bev\u00f6lkerung freundlich und aufgeschlossen. Stand man der Besatzungsmacht anfangs feindlich gesinnt gegen\u00fcber &#8211; schon wieder war ein Krieg verloren gegangen &#8211; wich die Skepsis der Innsbrucker mit der Zeit. Die Soldaten waren vor allem bei den Kindern beliebt wegen der Schokoladen und S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie verteilten. Viele Menschen erhielten innerhalb der franz\u00f6sischen Verwaltung Arbeit. Manch ein Tiroler sah dank der Uniformierten <em>der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision<\/em>, die bis September 1945 den Gro\u00dfteil der Soldaten stellten, zum ersten Mal dunkelh\u00e4utige Menschen. Die Besatzer stellten, soweit dies in ihren M\u00f6glichkeiten lag, auch die Versorgung sicher. Zeitzeugen erinnern sich mit Grauen an die Konservendosen, die sie als Hauptnahrungsmittel erhielten. Um die Logistik zu erleichtern legten die Franzosen bereits 1946 den Grundstein f\u00fcr den neuen Flughafen auf der <em>Ulfiswiese<\/em> in der H\u00f6ttinger Au, der den 20 Jahre zuvor er\u00f6ffneten in der Reichenau nach zwei Jahren Bauzeit ersetzte. Das Franzosendenkmal am Landhausplatz erinnert an die franz\u00f6sische Besatzungszeit. Am <em>Emile-Bethouart-Steg<\/em>, der St. Nikolaus und die Innenstadt \u00fcber den Inn verbindet, befindet sich eine Gedenktafel, die die Beziehung zwischen Besatzung und Bev\u00f6lkerung gut zum Ausdruck bringt:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Sieger gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Besch\u00fctzer geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freund in die Heimat zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben den materiellen N\u00f6ten bestimmte das kollektive Kriegstrauma die Gesellschaft. Die Erwachsenen der 1950er Jahre waren Produkte der Erziehung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus. M\u00e4nner, die an der Front gek\u00e4mpft hatten, konnten als Kriegsverlierer nur in bestimmten Kreisen von ihren grauenhaften Erlebnissen sprechen, Frauen hatten meist gar kein Forum zur Verarbeitung ihrer \u00c4ngste und Sorgen. H\u00e4usliche Gewalt und Alkoholismus waren weit verbreitet. Lehrer, Polizisten, Politiker und Beamte kamen vielfach aus der nationalsozialistischen Anh\u00e4ngerschaft, die nicht einfach mit dem Ende des Krieges verschwand, sondern lediglich \u00f6ffentlich totgeschwiegen wurde. Am <em>Innsbrucker Volksgerichtshof<\/em> kam es unter der Regie der Siegerm\u00e4chte zwar zu einer gro\u00dfen Anzahl an Verfahren gegen Nationalsozialisten, die Anzahl an Verurteilungen spiegelte aber nicht das Ausma\u00df des Geschehens wider. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten kam frei. Besonders belastete Vertreter des Systems kamen f\u00fcr einige Zeit ins Gef\u00e4ngnis, konnten aber nach Verb\u00fc\u00dfung der Haft relativ unbehelligt an ihr altes Leben ankn\u00fcpfen, zumindest im Beruflichen. Nicht nur wollte man einen Schlussstrich unter die letzten Jahrzehnte ziehen, man ben\u00f6tigte die T\u00e4ter von gestern, um die Gesellschaft von heute am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Das Problem an dieser Strategie des Verdr\u00e4ngens war, dass niemand die Verantwortung f\u00fcr das Geschehene \u00fcbernahm, auch wenn vor allem zu Beginn die Begeisterung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Nationalsozialismus gro\u00df war. Es gab kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied mit einer wenig r\u00fchmlichen Geschichte zwischen 1933 und 1945 hatte. Scham \u00fcber das, was seit 1938 und in den Jahren in der Politik \u00d6sterreichs geschehen war mischte sich zur Angst davor, von den Besatzungsm\u00e4chten USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UDSSR als Kriegsschuldiger \u00e4hnlich wie 1918 behandelt zu werden. Es entstand ein Klima, in dem niemand, weder die daran beteiligte noch die nachfolgende Generation \u00fcber das Geschehene sprach. Diese Haltung verhinderte lange die Aufarbeitung dessen, was seit 1933 geschehen war. Der Mythos von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, der erst mit der Aff\u00e4re Waldheim in den 1980er Jahren langsam zu br\u00f6ckeln begann, war geboren. Polizisten, Lehrer, Richter \u2013 sie alle wurden trotz ihrer politischen Gesinnung an ihrem Platz gelassen. Die Gesellschaft brauchte sie, um am Laufen zu bleiben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfz\u00fcgig ausgebreiteten Mantel des Vergessens mit gro\u00dfem Bezug zu Innsbruck ist die Vita des Arztes Burghard Breitner (1884-1956). Breitner wuchs in einem wohlbetuchten b\u00fcrgerlichen Haushalt auf. Die <em>Villa Breitner<\/em> am Mattsee war Sitz eines Museums \u00fcber den vom Vater verehrten deutschnationalen Dichter Josef Viktor Scheffel. Nach der Matura entschied sich Breitner gegen eine Karriere in der Literatur und f\u00fcr ein Medizinstudium. Anschlie\u00dfend beschloss er seinen Milit\u00e4rdienst und begann seine Karriere als Arzt. 1912\/13 diente er als Milit\u00e4rarzt im Balkankrieg. 1914 verschlug es ihn an die Ostfront, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Als Arzt k\u00fcmmerte er sich im Gefangenenlager aufopferungsvoll um seine Kameraden. Erst 1920 sollte er als Held und \u201e<em>Engel von Sibirien<\/em>\u201c aus dem Gefangenenlager wieder nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren. 1932 begann seine Laufbahn an der Universit\u00e4t Innsbruck. 1938 stand Breitner vor dem Problem, dass er auf Grund des j\u00fcdischen Hintergrundes seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits den \u201e<em>Gro\u00dfen Ariernachweis<\/em>\u201c nicht erbringen konnte. Auf Grund seines guten Verh\u00e4ltnisses zum Rektor der Uni Innsbruck und zu wichtigen Nationalsozialisten konnte er aber schlussendlich an der Universit\u00e4tsklinik weiterarbeiten. W\u00e4hrend des NS-Regimes war Breitner als Vorstand der Klinik Innsbruck f\u00fcr Zwangssterilisierungen und \u201e<em>freiwillige Entmannungen<\/em>\u201c verantwortlich, auch wenn er wohl keine der Operationen pers\u00f6nlich durchf\u00fchrte. Nach dem Krieg schaffte es der \u201eEngel von Sibirien\u201c mit einigen M\u00fchen sich durch das Entnazifizierungsverfahren zu winden. 1951 wurde er als Kandidat des <em>VDU<\/em>, einem politischen Sammelbecken \u00fcberzeugter Nationalsozialisten, als Kandidat f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahl aufgestellt. 1952 wurde Breitner Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck. Nach seinem Tod widmete ihm die Stadt Innsbruck ein Ehrengrab am Westfriedhof Innsbruck. In der Reichenau ist ihm in unmittelbarer N\u00e4he des Standortes des ehemaligen Konzentrationslagers eine Stra\u00dfe gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Denunziation vor dem Innsbrucker Volksgericht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Denunzianten vor dem Innsbrucker Volksgerichtshof &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65650&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Erschienen: Tiroler Tageszeitung \/ 14. Juni 1946\u200b<\/p>\n<p>Vorsitzender: OLGR. Dr. Pfaundler<\/p>\n<p>Beisitzer: Dr. Sternbach.<\/p>\n<p>Staatsanwalt: Dr. Riccabona<\/p>\n<p>Schriftf\u00fchrer: Dr. G\u00f6g1.<\/p>\n<p>Vertreter der franz\u00f6sischen Justizdirektion; Capt. Hinsberger<\/p>\n<p>Verteidiger: RA.-Anw\u00e4rter Dr. Kellner.<\/p>\n<p>Angeklagter: Franz Wolf, Bundesbahnsekret\u00e4r, 46 Jahre alt, in Innsbruck-Wilten wohnhaft.<\/p>\n<p>Tatbestand: Der 46j\u00e4hrige, ehemalige Bundes Bahnsekret\u00e4r Franz Wolf aus Innsbruck-Wilten ist seit 23. Mai 1938 Mitglied der NSDAP, mit der Nr. 7.295.000 und wurde im August 1938 Blockleiter in der Ortsgruppe Wilten-Ost, 1941 Zellenleiter der NSDAP. und war seit 1942 \u00fcberdies Mitglied der SA. Auch seine Frau, seine Schwester und sein Schwager sind Parteigenossen, Wolf wohnte im Gasthof \u201eRiesen Haymon&#8220; in Wilten und zeigte den Gastwirt Heinrich Pfeifer wiederholt beim Ortsgruppenleiter wegen politischer Sachen an. Er \u00e4u\u00dferte sich ihm gegen\u00fcber: \u201eDiese schwarze Brut mu\u00df wegkommen und meldete dem Ortsgrnppenleiter, da\u00df Pfeifer an Hitlers Geburtstag nicht beflaggt und bei Parteisammlungen \u201eein zynisches und eines Gesch\u00e4ftsmannes vollkommen unw\u00fcrdiges Verhalten an den Tag gelegt habe, \u00fcberdies sei der \u201eRiese Haymon\u201c eine schwarze Hochburg und Tummelplatz der schwarzen Br\u00fcder und er bitte nachdr\u00fccklich um Abhilfe&#8220;. Auf die wiederholten Anzeigen des Blockleiters wurde der Gastbetrieb am 1. April 1943 geschlossen und im M\u00e4rz 1945 wurde Pfeifer wegen politischer Unzuverl\u00e4ssigkeit die Konzession entzogen. Der Ortsgruppenleiter Machek, der beim \u201eRiesen Haymon\u201c viel verkehrte und dem Wirt nicht aufs\u00e4ssig war, meinte einmal: \u201ePfeifer, was haben Sie denn immer mit dem Wolf, er macht immer Anzeigen. Vertragt euch doch.\u201c<\/p>\n<p>Verwantwortung: Gibt einleitend zu, fr\u00fcher bei der <em>Freien Gewerkschaft<\/em> und dann bei der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em> gewesen zu sein. SA-Mann sei er von 1942 bis 1944 gewesen. Vom Vorsitzenden befragt, warum er die Anzeigen gegen Pfeifer gemacht habe, erkl\u00e4rt Wolf, das sei \u00fcber Auftrag des damaligen Ortsgruppenleiters Feuerstein geschehen, auf den er sich dann auch noch im Zuge des weiteren Verh\u00f6rs ausredet. Im \u00dcbrigen mu\u00df er dann doch zugeben, da\u00df er die verschiedenen Anzeigen gegen Pfeifer erstattet habe. Neu war, da\u00df Wolf den Pfeifer auch deswegen anzeigte, weil am Trauertage f\u00fcr Stalingrad in Pfeifers Gasthaus gesungen worden sei. Da\u00df durch seine Anzeige dem Pfeifer schwerer Schaden entstehen sollte, habe er nicht beabsichtigt.<\/p>\n<p>Zeugenaussagen: Gastwirt Pfeifer best\u00e4tigt als Zeuge, da\u00df ihm durch die Anzeigen des Wolf wirtschaftlicher Schaden durch die Schlie\u00dfung und die sp\u00e4tere Konzessionsentziehung entstanden sei. Eine Beflaggung an Hitlers Geburtstag sei deshalb unterblieben, weil die Fensterst\u00f6cke in Umbau waren. Die Beflaggung des Hauses sei Sache des Hausmeisters gewesen.<\/p>\n<p>Ein anderer Zeuge schilderte den Angeklagten als den Schecken der ganzen Haymongasse, denn Wolf lief mit allem, was ihm anzeigenswert schien, zur Ortsgruppe.<\/p>\n<p>Vertagung: Ueber Beschlu\u00df des Volksgerichtshofes wurde hierauf die Verhandlung zwecks Einvernahme weiterer Zeugen, Einholung neuer Akten und neuerlicher Erhebungen bei der Kriminalpolizei auf unbestimmte Zeit vertagt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Sehensw\u00fcrdigkeiten dazu&#8230;<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_blog fullwidth=&#8220;off&#8220; posts_number=&#8220;50&#8243; include_categories=&#8220;154&#8243; show_thumbnail=&#8220;off&#8220; use_manual_excerpt=&#8220;off&#8220; show_author=&#8220;off&#8220; show_date=&#8220;off&#8220; show_categories=&#8220;off&#8220; show_excerpt=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;off&#8220; admin_label=&#8220;Sehensw\u00fcrdigkeiten dieser Kategorie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;10px|10px|10px|10px|true|true&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_blog][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The post-war period was characterised by hunger, shortages, illness and anarchy. <\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":5521,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[89,90],"tags":[],"class_list":["post-63473","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wissenswertes","category-wissenswertes-20-jahrhundert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63473\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}