{"id":63900,"date":"2025-04-28T13:39:42","date_gmt":"2025-04-28T13:39:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=63900"},"modified":"2026-03-26T07:24:44","modified_gmt":"2026-03-26T07:24:44","slug":"pradler-bauernhofe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/pradler-bauernhofe\/","title":{"rendered":"Farmhouses in Pradl"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Pradler Bauernh\u00f6fe<\/h2>\n<p>Pradlerstra\u00dfe \/ Egerdachstra\u00dfe<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;64982,61755,69887,65963,65104,55402,58304,59689&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Pradler Bauernh\u00f6fe&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63903&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Pradler Bauernh\u00f6fe&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63905&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Bis ins 19. Jahrhundert war Pradl eine kleine l\u00e4ndliche Siedlung zwischen der Sill und der heutigen Pradler Pfarrkirche bestehend aus etwa 20 Bauernh\u00e4usern. Der Ursprung des Dorfes ist auf einen Gutshof der Grafen von Andechs zur\u00fcckzuverfolgen, um den sich eine Gemeinde entwickelte. Der \u00e4lteste Bauernhof konnte bis ins 13. Jahrhundert nachgewiesen werden. Im 15. Jahrhundert kamen die Landwirte dank der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, die sich in der landesf\u00fcrstlichen Residenzstadt Innsbruck und in der Silberstadt Schwaz vollzog. Die Pradler Bauern konzentrierten sich schon fr\u00fch auf die Viehzucht. Stadtb\u00fcrger und Adelshof wie auch die Handwerker und Facharbeiter konsumierten mehr kostspieliges Fleisch als der Durchschnittstiroler vergangener Jahrhunderte. Den n\u00e4chsten Entwicklungsschub nahm das landwirtschaftliche Business mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Der kleine Platz mit dem 1865 errichteten und 1913 um die barocke Statue des Heiligen Florian erweiterte <em>Florianibrunnen<\/em> bildet bis heute einen beliebten Pradler Treffpunkt. M\u00e4zen dieses Dorfzentrums war die Familie H\u00f6rtnagl. Die H\u00f6rtnagls sind das erfolgreichste Beispiel eines Werdegangs vom Viehbauern zum Unternehmer. Der <em>H\u00f6rtnaglhof<\/em> in der Egerdachstra\u00dfe 20 mit einer Statue der Gnadenmutter und Malereien des Heiligen Florian und des Erzengels Michael datiert auf das Jahr 1580 zur\u00fcck. Andr\u00e4 H\u00f6rtnagl gr\u00fcndete 1862 Jahre eine Fleischwarenhandlung. Unter seinem Sohn Hans H\u00f6rtnagl (1864 \u2013 1944) wuchs das Unternehmen. Auch an infrastrukturell wichtigen Gro\u00dfprojekten wie der Errichtung des Schlachthofes im Saggen war die politisch engagierte und einflussreiche Familie ma\u00dfgeblich beteiligt. Durch Geschick und Flei\u00df kamen sie zu Wohlstand, durch ihren Grundbesitz konnten sie auch politisch Einfluss nehmen. In den 1930er Jahren erm\u00f6glichte Hans H\u00f6rtnagl der Stadt den Bau der <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> auf einem ihrer Grundst\u00fccke im Westen der Stadt. Bis heute ist das Traditionsunternehmen H\u00f6rtnagl ein fixer Teil der Tiroler Feinschmeckerlandschaft.<\/p>\n<p>In der Egerdachstra\u00dfe und Pradlerstra\u00dfe rund um den <em>Florianibrunnen<\/em> befinden sich weitere sch\u00f6ne Gutsh\u00f6fe. In der Egerdachstra\u00dfe 10 steht mit dem <em>Stamserhof<\/em> der Familie Plattner ein sehenswertes Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert. Barocke Darstellungen der Heiligen Florian und Wendelin flankieren das Wappen der Familie und den frommen Spruch: \u201e<em>Sie sind uns nah, in Gl\u00fcck und Freud, Not und Leid.<\/em>\u201c Der <em>Lodronische Hof<\/em> direkt gegen\u00fcber besteht ebenfalls seit dem 16. Jahrhundert. Hier hatte ab 1870 das <em>Pradler Bauerntheater<\/em> seinen Standort, das mit St\u00fccken wie <em>Der letzte Rottenburger oder die Tochter des Ge\u00e4chteten Innsbrucker <\/em>und Inszenierungen des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 viele St\u00e4dter ins l\u00e4ndliche Pradl lockte. Das zweist\u00f6ckige barocke Bauernhaus (Hausnummer 20) direkt neben dem <em>Florianibrunnen<\/em> tr\u00e4gt eine um 1920 entstandene Wandmalerei der Heiligen Maria von Rafael Thaler (1870 \u2013 1947).<\/p>\n<p>Die Pradler Bauernh\u00f6fe sind zum gr\u00f6\u00dften Teil nicht mehr als landwirtschaftliche G\u00fcter in Betrieb. Zwischen der Pembaurstra\u00dfe und dem als <em>Fackngassl<\/em> bekannten Teil der Gabelsbergerstra\u00dfe tummeln sich noch ein paar Pferde. Wie in Amras, haben auch in Pradl die Landwirte vergangener Tage gutes Geld mit dem Verkauf von Grundst\u00fccken f\u00fcr den Wohnbau gemacht. Die mit b\u00e4uerlichem Barock reich geschm\u00fcckten Gutsh\u00f6fe sind aber noch immer sehenswerte Relikte der nicht allzu fernen Vergangenheit Pradls als Dorf.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tirolerland in Bauernhand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tirolerland in Bauernhand&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;64829&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Identifikation mit dem Bauernstand ist in Tirol noch immer sehr hoch. Obwohl heute weniger als 2% der Bev\u00f6lkerung von der Landwirtschaft leben, schaffen es Bauern \u00fcber reges Vereinsleben, geschickte Selbstdarstellung und politische Vorfeldstrukturen eine \u00fcberdurchschnittliche Repr\u00e4sentation in der Gesellschaft zu haben. Das war nicht immer so. \u00dcber Jahrhunderte arbeitete der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Menschen in der Landwirtschaft, Bauern hatten aber kaum politisches Gewicht. Die Grundherren besa\u00dfen nicht nur Grund und Boden, sondern hatten auch Herrschaftsgewalt \u00fcber die <em>Bauleute<\/em> selbst. An ein eigenst\u00e4ndiges Agieren der Untertanen als aktive Teilnehmer des Wirtschaftskreislaufes war nicht zu denken. Regelm\u00e4\u00dfig wurde die Pacht in Form von Naturalien eingetrieben. Der lokale Kleinadel verwaltete die Bauernschaften innerhalb seines Territoriums und entrichtete seinerseits seine Abgaben an den Landesf\u00fcrsten oder den Bischof. Erst nach und nach entwickelte sich das Bauernwesen in den stolzen Stand, den es bis heute darstellt.<\/p>\n<p>Der Stand war in sich \u00e4hnlich hierarchisch strukturiert wie die gesamte mittelalterliche und fr\u00fchneuzeitliche Gesellschaft. Es gab drei Arten der Verh\u00e4ltnisse zwischen Bauern und Grundherren. Durch das Mittelalter hindurch war das <em>Leibgeding<\/em> g\u00e4ngig. Bauern arbeiteten auf den herrschaftlichen G\u00fctern als Leibeigene. Diese Leibeigenschaft konnte so weit gehen, dass \u00fcber Heirat, Besitz, Mobilit\u00e4t und andere Angelegenheiten des pers\u00f6nlichen Lebens nicht frei entschieden werden durfte. Diese Form geh\u00f6rte im allergr\u00f6\u00dften Teil Tirols in der Fr\u00fchen Neuzeit bereits der Vergangenheit an.<\/p>\n<p>Die zweite Form, das <em>Freistift<\/em>, umfasste eine Pacht \u00fcber einen Hof \u00fcber einen bestimmten Zeitraum, meistens ein Jahr. In der Regel wurde sie verl\u00e4ngert, da sowohl Grundherren als auch Bauern, \u00e4hnlich wie heute Arbeitgeber und Arbeitnehmer, von einer konstanten Gesch\u00e4ftsverbindung Vorteile hatten. Einen Rechtsanspruch auf ihrem Gut zu bleiben hatten die Untertanen allerdings nicht, ebenso wenig gab es Urkunden, die das Rechtsgesch\u00e4ft vertraglich regelten. Die m\u00fcndlich geregelten Vertr\u00e4ge unterlagen dem Gewohnheitsrecht und Traditionen. Der Grundherr konnte seine Bauleute innerhalb seiner G\u00fcter hin- und herschieben oder sie komplett <em>abstiften<\/em>, sie vor die T\u00fcr setzen. Wurde der Hof nach Zustimmung des Grundherrn innerhalb der Familie von einem Bauern an seinen Sohn weitergegeben wurde eine <em>Ehrung<\/em> f\u00e4llig, eine Zahlung in H\u00f6he von bis zu 10% des Hofwertes.<\/p>\n<p>Die dritte und modernste Form war die <em>Erbleihe<\/em>. Das Land blieb auch bei dieser Form der Pacht im Besitz des Grundherrn, ein <em>Abstiften <\/em>war aber nicht mehr so leicht m\u00f6glich. <em>Erbleute<\/em> zahlten weniger Zins als <em>Stiftleute<\/em>. Im Herbst, entweder am St. Gallus Tag (16. Oktober) oder zu St. Martin (11. November) mussten die Bauern in Erbleihe ihren Pachtzins abliefern, der sich von Naturalabgaben mehr und mehr Richtung klingender M\u00fcnze verlagerte. Durch Zuk\u00e4ufe oder geschickte Heiratspolitik konnten Bauern ihre H\u00f6fe vergr\u00f6\u00dfern. Die Betriebe wurden innerhalb der Familie vererbt. Altbauern, die ihren Besitz mit der <em>warmen Hand<\/em>, also noch zu Lebzeiten, \u00fcbergaben, behielten das Recht am Hof zu leben und wurden \u00fcber ein vereinbartes <em>Ausgedinge<\/em> versorgt.<\/p>\n<p>Das b\u00e4uerliche Erbrecht war je nach Region verschieden. Im Nordtiroler Oberland und in S\u00fcdtirol herrschte die <em>Realteilung<\/em> vor, sprich, der Hof wurde unter allen Erben aufgeteilt. Das f\u00fchrte automatisch zu einer Zerst\u00fcckelung der G\u00fcter und zu geringerer Rentabilit\u00e4t. Im Innsbrucker Raum und im Unterland hingegen war die <em>Anerbenteilung<\/em> g\u00e4ngige Praxis. Mit wenigen Ausnahmen erbte das \u00e4lteste Kind den kompletten Hof, um die Struktur zu erhalten. Den Geschwistern des Alleinerben blieb meist nur der Weggang. Sie mussten ihren Lebensunterhalt als Dienstboten, Handwerker, Knechte und M\u00e4gde bestreiten. Als <em>S\u00f6llh\u00e4usler<\/em>, also Menschen mit einem kleinen Haus und vielleicht einem Garten aber ohne nennenswerten Grund und Boden, geh\u00f6rten sie zum <em>Pofel<\/em>, der sich aus Wirten, fahrendem Volk, Prostituierten, Knechten, M\u00e4gden und Bettlern zusammensetze. Im Fall von Krankheit oder Verelendung hatten sie Anspr\u00fcche gegen\u00fcber dem Erben und konnten f\u00fcr eine gewisse Zeit am Hof unterkommen. Je nach Wert des Hofes hatten die Geschwister des Erben auch Anrecht auf einen Zins, meist war das jedoch wenig bis nichts. Bereits damals waren Bauern geschickt darin, den Buchwert ihrer G\u00fcter gering darzustellen.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert begannen sich die politischen Spielregeln zu \u00e4ndern. Den Landesf\u00fcrsten war der Kleinadel als herrschaftliche Zwischenstufe zwischen ihnen und der Untertanenschaft mit eigener Gerichtsbarkeit stets ein Dorn im Auge gewesen. Schritt f\u00fcr Schritt begann sich am Ende des Mittelalters eine moderne Staatlichkeit herauszubilden. Monarchen und Hocharistokratie wollten direkt Herrschaft \u00fcber die Untertanen aus\u00fcben. Die st\u00e4ndische Gesellschaft und das Geburtsrecht wurden von dieser Entwicklung zwar nicht angetastet, die Aufgabe des Kleinadels \u00e4nderte sich aber. Sie wurden von Herren mit Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber ihre Untertanen zu Verwaltern ihrer G\u00fcter und Organisatoren der Landesverteidigung im Namen des jeweiligen F\u00fcrsten.<\/p>\n<p>Um den Einfluss des Kleinadels m\u00f6glichst kleinzuhalten, legte Friedrich IV. in seiner Landesordnung von 1404 die rechtliche Anerkennung der <em>Erbleihe<\/em> fest. Diese Form der Vergabe landwirtschaftlicher G\u00fcter setzte sich in Folge mit Ausnahme der Territorien der F\u00fcrstbisch\u00f6fe von Trient und Brixen in Tirol gegen\u00fcber dem <em>Freistift<\/em> durch. Rechtstreitigkeiten zwischen Bauern und Grundherren mussten vor dem Landesf\u00fcrsten verhandelt werden. Friedrich erkaufte sich mit diesem waghalsigen politischen Akt die unmittelbare Zuneigung und Treue seiner Untertanen, um so direkten Zugriff auf milit\u00e4rische Manpower und Steuerleistung erhalten. Die Bauern hatten den Vorteil, ihren Grundherren nicht mehr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein.<\/p>\n<p>Mit der <em>Erbleihe<\/em> wurden Bauern zu einer Art Unternehmern, die als Marktteilnehmer am fr\u00fchen Kapitalismus teilnahmen. Sie waren zwar noch immer den Launen der Natur und der politischen Gro\u00dfwetterlage wie Kriegen oder den Zollbestimmungen unterworfen, hatten nun aber auch die M\u00f6glichkeit aus der Subsistenz am Existenzminimum vergangener Jahrhunderte aufzusteigen. Nach Ablieferung des Zehnten und der Versorgung des Haushaltes verkauften sie ihre Waren am Markt. Motivierte und flei\u00dfige Bauern konnten einen gewissen Wohlstand aufbauen.<\/p>\n<p>Durch die wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen, die sich ab dem 15. Jahrhundert in Innsbruck durch die Erhebung zur Residenzstadt und in den St\u00e4dten Hall und Schwaz durch den Bergbau vollzogen, profitierten auch die Bauern in den umliegenden D\u00f6rfern vom Aufschwung. Die Menschen, die als Beamte am Hof oder in der <em>New Industrie<\/em> Bergbau besch\u00e4ftigt waren, bildeten eine Mittelschicht mit h\u00f6herer Kaufkraft. Die Nachfrage nach Fleisch stieg an. Das wiederum hatte eine Ver\u00e4nderung der Landwirtschaft zur Folge. Die Bauern entdeckten die Viehzucht als eintr\u00e4glichere Quelle als den Ackerbau f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Dank der Inflation nach der Entdeckung der neuen Welt und den finanziellen Verwerfungen des 16. Jahrhunderts verringerte sich auch die H\u00f6he der Pacht, die die Bauern als Geldwert zu leisten hatten. Kleinere Bauern, die ihre H\u00f6fe als Freistift erhielten und die Abgaben in Naturalien abliefern mussten, litten unter der Geldentwertung, w\u00e4hrend gro\u00dfe Landwirtschaften daraus Vorteile zogen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen f\u00fchrten zu neuen sozialen Beziehungsgeflechten auf den H\u00f6fen selbst und zu st\u00e4rkeren Unterschieden innerhalb des Bauernstandes. Bauern standen ihrem Gesinde in allen Belangen vor, \u00e4hnlich wie der <em>Pater Familias<\/em> der Gro\u00dffamilie im antiken Rom. Das Leben auf den G\u00fctern hatte wenig mit dem heilen Familienleben, das heute gerne als traditioneller Tiroler Lifestyle propagiert wird, zu tun. Viel mehr waren es clanartige Gro\u00dffamilienverb\u00e4nde, die im Alltag unter dem strengen Regime des Bauern standen: Er bestimmte \u00fcber Arbeitsalltag, Kost, Logis, die karge Freizeit und pers\u00f6nliche Beziehungen. In den D\u00f6rfern bildeten sich klare Hierarchien heraus. <em>Erbbauern<\/em> hatte h\u00f6heren Status als <em>Stiftbauern<\/em>. Gro\u00dfbauern hatten mehr Ansehen als kleine Bauern. Sie standen oft ihren D\u00f6rfern vor. Besonders erfolgreiche und treue Landwirte bekamen vom Landesf\u00fcrsten ein eigenes Familienwappen verliehen und wurden zum <em>Bauernadel<\/em>. In einer Zeit, in der Ehre und Status innerhalb der Gesellschaft mindestens gleich viel wert war wie bare M\u00fcnze unter dem Kopfpolster, war der Titel des freien Bauern mehr als ein reines Symbol. Diese Strukturen hielten sich am Land bis weit ins 19. Jahrhundert, in abgelegeneren Regionen des Landes bis ins 20. Jahrhundert. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren in Tirol noch immer mehr als 50% in der Landwirtschaft t\u00e4tig. Die sch\u00f6nen Bauernh\u00e4user in H\u00f6tting, Wilten Pradl und Amras, auf deren Fassaden stolz die Familienwappen und der Hinweis auf den Status als <em>Erbhof<\/em> prangen, sind Zeugnis f\u00fcr den Aufstieg des Bauernstandes in der Fr\u00fchen Neuzeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Theater, Bauernb\u00fchnen, Kinos &#038; Kuno&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Theater, Bauernb\u00fchnen, Kinos &#038; Kuno&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66231&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Tiroler Landestheater gegen\u00fcber der Hofburg mit seine klassizistischen Fassade ist bis heute das auff\u00e4lligste Denkmal bildungsb\u00fcrgerlicher, st\u00e4dtischer Abendunterhaltung der Stadt. Seit seinem Bestehen fristete dieses Haus der Hochkultur allerdings zu einem gro\u00dfen Teil ein tristes Dasein, was die Zuschauerzahlen anbelangt. Von barocken St\u00fccken rund um das Leiden Christi des 16. Jahrhunderts bis zu gewagten, vom Publikum oft mit wenig Applaus honorierten Inszenierungen knapp 500 Jahre sp\u00e4ter war das Treiben im Landestheater stets das Steckenpferd einer kleinen Elite. Die Mehrheit der Innsbrucker vertrieb sich die Zeit mit profanen Vergn\u00fcgungen.<\/p>\n<p>Schausteller und fahrendes Volk waren in St\u00e4dten immer schon gern gesehene G\u00e4ste. Nicht anders als heute gab es auch in vergangenen Zeiten eine strenge Zensur \u00f6ffentlicher Darstellungen. Was heute Altersbeschr\u00e4nkungen bei Kinofilmen sind, waren fr\u00fcher Einschr\u00e4nkungen von Gott nicht gef\u00e4lligen Auff\u00fchrungen bis hin zu kompletten Verboten von Theater und Schauspiel unter besonders frommen Landesf\u00fcrsten. Mit der steigenden Verb\u00fcrgerlichung und aufgekl\u00e4rteren Moralvorstellungen wurden die Regeln aber nach und nach lockerer.<\/p>\n<p>Das <em>Pradler Bauerntheater<\/em>, die \u00e4lteste bis heute institutionalisierte volkst\u00fcmliche Innsbrucker Theatergruppe, gr\u00fcndete sich nach eigenen Angaben 1762. Der erste Spielort war zwar eine Freiluftb\u00fchne in der H\u00f6ttinger Au und neben Bauern waren auch Handwerker und Studenten Teil des Ensembles, der Namens- und Herkunftsehre soll das an dieser Stelle aber keinen Abbruch tun. W\u00e4hrend im Landestheater oft vor halbleeren R\u00e4ngen gespielt wurde, erfreuten sich die Laiendarsteller mit ihren Lustspielen gro\u00dfer Beliebtheit. Angestellte und Arbeiter pilgerten am Wochenende aus der Stadt zu den Spielorten in den umliegenden D\u00f6rfern oder genossen in Wirtsh\u00e4usern die abendliche Zerstreuung. Besonders beliebt waren die sogenannten Ritterspiele mit entf\u00fchrten Prinzessinnen, heldenhaften Rettern und tollpatschigen B\u00f6sewichten. Anders als in den ernsten St\u00fccken im b\u00fcrgerlichen Theater traten die Darsteller der Bauerntheater mit den Besuchern in Kontakt. Zwischenrufe von den R\u00e4ngen wurden nicht unterbunden, sondern spontan ins St\u00fcck eingebaut. Es konnte sogar vorkommen, dass das nicht immer n\u00fcchterne Publikum handgreiflich in die Handlung eingriff.<\/p>\n<p>Mit zunehmendem Erfolg begann nach und nach eine Professionalisierung. 1870 \u00fcbersiedelte das <em>Pradler Bauerntheater<\/em> in einen zur B\u00fchne umgebauten Heustadl am <em>Lodronischen Hof<\/em> in der Egerdachstra\u00dfe. Innsbruck besa\u00df in der Zeit vor dem Siegeszug des Fernsehens eine ganze Reihe an Theatern und Lokalen, die ihr Publikum mit Theaterst\u00fccken und Musik unterhielten. 1892 er\u00f6ffnete die L\u00f6wenhaus-B\u00fchne am Rennweg, wo heute das Tiroler Landesstudio des ORF beheimatet ist. Das Holzgeb\u00e4ude brannte in den sp\u00e4ten 50er Jahren, p\u00fcnktlich zum Aufstieg des staatlichen Rundfunks ab. 1898 waren die Pradler auf Gastspiel im Ronacher in Wien. Der junge und ehrgeizige Ferdinand Exl (1875 \u2013 1942) beschritt einige Jahre sp\u00e4ter mit einem Teil der Truppe neue Wege. Lange galt die Weisheit: \u201e<em>Wer in ein Bauerntheater gehen will, kommt im Theater nicht auf seine Rechnung und wer im Theater nicht nur Unterhaltung, sondern literarische Anregung sucht, geht nicht ins Bauerntheater.<\/em>\u201c Exl erkannte den Trend der Zeit. Angestellte und Arbeiter konnten sich zwar die horrenden Ticketpreise des Landestheaters nicht leisten und wollten auch keine sich ziehenden Wagneropern oder St\u00fccke wie <em>Die Leiden des jungen Werther<\/em> sehen, eine gewisse Qualit\u00e4t in Inhalt und Darstellung erwartete man sich aber. Mit den sogenannten literarischen Volksst\u00fccken namhafter heimischer Autoren wie Ludwig Anzengruber, Franz Kranewitter oder Karl Sch\u00f6nherr vereinte Exl Unterhaltung und Niveau. Anzengruber fasste die Entwicklung zusammen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Anzengruber\u2019schen Tiroler singen nicht nur Schnaderh\u00fcpfel, platteln d\u2019Schuh, fluchen wie Kroaten und raufen, sondern sie sind auch Menschen mit einer subtilen Psyche, die sich \u00fcber die verschiedensten Probleme ihre eigenen Gedanken machen, ihre eigene Philosophie entwickeln.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Das erste von Exl inszenierte St\u00fcck <em>Der Pfarrer von Kirchfeld<\/em> aus der Feder Anzengrubers kam 1902 im <em>\u00d6sterreichischen Hof<\/em> in Wilten auf die B\u00fchne. Die Truppe bestand vor allem aus Mitgliedern der Familie Exl und Auer. 1903 zog die als <em>Exl B\u00fchne<\/em> bekannte Schauspielertruppe ins <em>Adambr\u00e4u<\/em> in der Adamgasse, von 1904 bis 1915 spielten Publikumshits wie Kranewitters St\u00fccke <em>Michael Gaismair<\/em> und <em>Andre Hofer<\/em> im <em>L\u00f6wenhaus<\/em> beim Hofgarten. Neben den St\u00fccken wurde f\u00fcr Touristen auch landestypische Unterhaltung wie Zithervortr\u00e4ge und \u201e<em>echter, fescher Tiroler Schuhplattler-Tanz<\/em>\u201c geboten. 1904 startete die erste internationale Tournee in die Schweiz und nach Deutschland. Presse und Publikum waren von den deutschnational angehauchten St\u00fccken gespielt von kernigen Tiroler Burschen und h\u00fcbschen M\u00e4dchen begeistert. 1910 nahm Exl Abschied vom Dasein als Amateurtruppe und stellte neben einigen Altgedienten vor allem \u201e<em>Stadtleut<\/em>\u201c und professionelle Schauspieler an.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg und die damit einhergehenden Reisebeschr\u00e4nkungen bremste weitere Tourneen aber aus. Die Truppe wurde Teil des <em>Innsbrucker Stadttheaters<\/em>, dessen Publikum in den harten Zeiten ebenfalls empf\u00e4nglich f\u00fcr die leichtere Kost war. F\u00fcr die B\u00fchnenbilder war unter anderem Ernst Nepo zust\u00e4ndig, ein K\u00fcnstler, der sich durch seine Deutscht\u00fcmelei und einem fr\u00fchen Beitritt zur NSDAP auszeichnete.<\/p>\n<p>Nach den h\u00e4rtesten Nachkriegsjahren ging es wieder bergauf. Ab 1924 bespielte die <em>Exl B\u00fchne<\/em> neben dem Stadttheater im Winter auch das Raimundtheater und das Wiener Kom\u00f6dienhaus regelm\u00e4\u00dfig. Die politischen Entwicklungen der 1930er Jahre kamen dem deutschen Volksgeist, der vielen St\u00fccken innewohnte, die Exl auf die B\u00fchne brachte, sehr zugute. Wie Nepo trat auch er 1933 der in \u00d6sterreich verbotenen NSDAP bei. Ein Jahr sp\u00e4ter plante er die erste Tournee durch das Deutsche Reich. Die von Dollfu\u00df angef\u00fchrte \u00f6sterreichische Regierung untersagte die Auftritte in einem letzten Aufb\u00e4umen gegen die Nationalsozialisten. Erst 1935 konnte die Exl B\u00fchne in Berlin Karl Sch\u00f6nherrs St\u00fcck <em>Glaube und Heimat<\/em> auff\u00fchren. Die <em>Berliner Morgenpost <\/em>vom 4.4.1935 beschrieb das St\u00fcck als \u201e\u2026<em>Kunst, die aus der Tiefe deutschen Volkstums str\u00f6mt und zur\u00fcckflie\u00dft in das Herz ergriffener und dankbarer Zuh\u00f6rer<\/em>\u201c. Nach 1938 bekam Exl auch in Wien medialen R\u00fcckenwind und wurde als \u201e<em>\u2026Gegenpol gegen den v\u00f6llig verjudeten, k\u00fcnstlerisch bolschewisierten\u2026 Theaterbetrieb<\/em>\u201c gefeiert. 1942 verstarb der Gr\u00fcnder der Exl B\u00fchne. Seine Frau und sein Sohn \u00fcbernahmen den Betrieb und wurden nach dem Krieg Teil des Tiroler Landestheaters. In den 1950er gelang in West- und Ostdeutschland noch einmal eine erfolgreiche Tournee, bevor sich die Theatergruppe 1956 aufl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Die Zeiten hatten sich ge\u00e4ndert, <em>Cinema killed the Theatre Star<\/em>. Bewegte Bilder in Kinos machten den B\u00fchnen Konkurrenz. Auch diese Entwicklung hatte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Ferdinand Exl schon fr\u00fch vorhergesehen. 1912 trat sein Ensemble im franz\u00f6sischen Film <em>Speckbacher<\/em> auf, der die Tiroler Erhebung heroisch darstellte. Der erste Kinofilm flimmerte in Innsbruck bereits 1896, nur ein Jahr nach dem ersten Lichtspiel weltweit \u00fcberhaupt, vor einem faszinierten Publikum \u00fcber die Leinwand im Stadtsaal. Das Kino wurde schnell Teil des Alltags vieler Menschen. Neben Stummfilmen zeigte man dem Publikum vor allem w\u00e4hrend des Krieges propagandistisch genehme Nachrichten. Wie Pilze schossen Kinos in den folgenden Jahrzehnten aus dem Boden. 1909 \u00f6ffnete ein Lichtspielhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe 10, das sp\u00e4ter als <em>Zentral<\/em> in die Maria-Theresien-Stra\u00dfe 37 \u00fcbersiedelte. Nach dem Krieg wurde es zum <em>Nonstop Kino<\/em>, in dem man sein Ticket f\u00fcr einen Durchlauf von Nachrichten, Zeichentrick, Werbung und Spielfilmen bezahlte, der sich st\u00e4ndig wiederholte. 1928 er\u00f6ffnete das Rote Kreuz die Kammer Lichtspiele in der Wilhelm-Greilstra\u00dfe, um das neue Vereinsheim zu finanzieren. In der Maria-Theresien-Stra\u00dfe 17 war das Triumph ans\u00e4ssig, das sich als Central bis in die 1990er Jahre halten konnte. Dreiheiligen beherbergte das Forum Kino, wo heute das Jugendheim Z6 ist. 1933 er\u00f6ffnete in der H\u00f6ttinger Gasse das <em>L\u00f6wenkino<\/em>, das 1959 als Metropol ins denkmalgesch\u00fctzte <em>Malfattihaus<\/em> gegen\u00fcber der Innbr\u00fccke zog, wo es bis heute besteht. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges \u00f6ffnete mit den <em>Laurin Lichtspielen<\/em> Innsbrucks gr\u00f6\u00dfter Kinosaal inmitten der S\u00fcdtiroler Siedlung in der Gumppstra\u00dfe seine Pforten. Robert und Walter Kinigadner, zwei S\u00fcdtiroler Optanten, die bereits in Brixen Erfahrung in der Kinobranche gesammelt hatten, \u00fcbernahmen den Betrieb des 800 Zuschauer fassenden Saales. Harmlose Heimatfilme wechselten sich mit NS-Propaganda ab. Auch die <em>Exl-B\u00fchne<\/em> nutzte das Laurin, das bis in die 1970er Jahre als Kino fungierte, f\u00fcr Theatervorstellungen. Heute befindet sich hinter den S\u00e4ulen am ehemals pomp\u00f6sen Eingang ein Supermarkt. An der Wand \u00fcber dem Kassenbereich kann man noch die Wandmalereien rund um die Legende vom sagenhaften Zwergenk\u00f6nig Laurin und dem deutschen Helden Dietrich von Bern in der typischen Optik nationalsozialistischer Kunst sehen. 1958 er\u00f6ffnete in den R\u00e4umlichkeiten des ehemaligen Katholischen Arbeitervereins Innsbruck das <em>Leokino<\/em>, das bis heute in Betrieb und fixer Bestandteil der Innsbruck Filmszene ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine kurze Zeit koexistierten Kino und Theater, bevor das Kino die Oberhand \u00fcbernahm. Auf ihrem H\u00f6hepunkt 1958 z\u00e4hlten Innsbrucks Lichtspielh\u00e4user unfassbare 3.5 Millionen verkaufter Eintrittskarten. Dann \u00fcbernahm der Fernseher im eigenen Wohnzimmer nach und nach Information und Abendunterhaltung. Das Kino \u00fcbernahm neben der Unterhaltung auch in der sexuellen Aufkl\u00e4rung eine Rolle. In den 1970ern flimmerten erstmals nackte Br\u00fcste \u00fcber die Leinw\u00e4nde. Filme wie der Schulm\u00e4dchenreport oder Josefine Mutzenbacher brachten die sexuelle Revolution auch den Tirolern ein klein wenig n\u00e4her.<\/p>\n<p>Als der <em>\u00d6sterreichische Rundfunk<\/em> 1955 seinen Dienst antrat, hatte noch kaum jemand ein Endger\u00e4t, um das d\u00fcrftige Programm zu empfangen. Das sollte sich rasch \u00e4ndern. In Innsbruck gibt es mit dem <em>Metropol<\/em> an der Innbr\u00fccke und dem um die Jahrtausendwende errichteten <em>Cineplexx<\/em> in Wilten noch zwei gro\u00dfe Player. <em>Cinematograph<\/em> und<em> Leokino<\/em> richten sich abseits der Blockbuster an ein alternatives Publikum. Im August findet im Zeughaus das Open Air Kino statt. Von den Bauerntheatern konnte sich die Pradler Truppe bis heute halten, wenn auch unter neuem Namen. Sie fanden 1958 eine neue Heimat im Kulturgasthaus Bierstindl. Die Laientruppe <em>Innsbrucker Ritterspiele<\/em> erfreut sich bis heute gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit und voller R\u00e4nge. Das St\u00fcck <em>Der Schurkische Kuno von Drachenfels<\/em> belebt allj\u00e4hrlich die Tradition vergangener Jahrhunderte samt Wiederholung der K\u00f6pfungsszene und humorvoller Interaktion mit dem Publikum. An Ferdinand Exl erinnert eine Stra\u00dfe im Stadtteil H\u00f6ttinger Au. Das Landhaus Alpenheim im Saggen, heute besser bekannt als Villa Exl, in dem die Familie ihren Wohnsitz hatte, ist ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Tiroler Heimatstil mit Malereien Raphael Thalers.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Barock: Kunstrichtung und Lebenskunst&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53500&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wer in \u00d6sterreich unterwegs ist, kennt die Kuppen und Zwiebelt\u00fcrme der Kirchen in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Diese Form der Kircht\u00fcrme entstand in der Zeit der Gegenreformation und ist ein typisches Kennzeichen des Architekturstils Barock. Auch in Innsbrucks Stadtbild sind sie vorherrschend. Die bekanntesten Gottesh\u00e4user Innsbrucks wie der Dom, die Johanneskirche oder die Jesuitenkirche, sind im Stile des Barocks gehalten. Prachtvoll und prunkvoll sollten Gottesh\u00e4user sein, ein Symbol des Sieges des rechten Glaubens. Die Religiosit\u00e4t spiegelte sich in Kunst und Kultur wider: Gro\u00dfes Drama, Pathos, Leiden, Glanz und Herrlichkeit vereinten sich zum Barock, der den gesamten katholisch orientierten Einflussbereich der Habsburger und ihrer Verb\u00fcndeten zwischen Spanien und Ungarn nachhaltig pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4nderte sich enorm. Die Gumpps und Johann Georg Fischer als Baumeister sowie die Bilder Franz Altmutters pr\u00e4gen Innsbruck bis heute nachhaltig. Das Alte Landhaus in der Altstadt, das Neue Landhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die unz\u00e4hligen Palazzi, Bilder, Figuren \u2013 der Barock war im 17. und 18. Jahrhundert das stilbildende Element des Hauses Habsburg und brannte sich in den Alltag ein. Das B\u00fcrgertum wollte den Adeligen und F\u00fcrsten nicht nachstehen und lie\u00dfen ihre Privath\u00e4user im Stile des Barocks errichten. Auf Bauernh\u00e4usern prangen Heiligenbilder, Darstellungen der Mutter Gottes und des Herzen Jesu.<\/p>\n<p>Barock war nicht nur eine architektonische Stilrichtung, es war ein Lebensgef\u00fchl, das seinen Ausgang nach dem Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges nahm. Die T\u00fcrkengefahr aus dem Osten, die in der zweimaligen Belagerung Wiens gipfelte, bestimmte die Au\u00dfenpolitik des Reiches, w\u00e4hrend die Reformation die Innenpolitik dominierte. Die Barockkultur war ein zentrales Element des Katholizismus und der politischen Darstellung derselben in der \u00d6ffentlichkeit, das Gegenmodell zum spr\u00f6den und strengen Lebensentwurf Calvins und Luthers. Feiertage mit christlichem Hintergrund wurden eingef\u00fchrt, um den Alltag der Menschen aufzuhellen. Architektur, Musik und Malerei waren reich, f\u00fcllig und \u00fcppig. In Theaterh\u00e4usern wie dem <em>Comedihaus<\/em> in Innsbruck wurden Dramen mit religi\u00f6sem Hintergrund aufgef\u00fchrt. Kreuzwege mit Kapellen und Darstellungen des gekreuzigten Jesus durchzogen die Landschaft. Die Volksfr\u00f6mmigkeit in Form der Wallfahrten, Marien- und Heiligenverehrung hielt Einzug in den Kirchenalltag. Multiple Krisen pr\u00e4gten den Alltag der Menschen. Neben Krieg und Hunger brach die Pest im 17. Jahrhundert besonders h\u00e4ufig aus. Die<em> Barockfr\u00f6mmigkeit<\/em> wurde auch zur Erziehung der Untertanen eingesetzt. Auch wenn der Ablasshandel in der Zeit nach dem 16. Jahrhundert keine g\u00e4ngige Praxis mehr in der katholischen Kirche war, so gab es doch noch eine rege Vorstellung von Himmel und H\u00f6lle. Durch ein tugendhaftes Leben, sprich ein Leben im Einklang mit katholischen Werten und gutem Verhalten als Untertan gegen\u00fcber der g\u00f6ttlichen Ordnung, konnte man dem Paradies einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4herkommen. Die sogenannte <em>Christliche Erbauungsliteratur<\/em> war nach der Schulreformation des 18. Jahrhunderts in der Bev\u00f6lkerung beliebt und zeigte vor, wie das Leben zu f\u00fchren war. Das Leiden des Gekreuzigten f\u00fcr die Menschheit galt als Symbol f\u00fcr die M\u00fchsal der Untertanen auf Erden innerhalb des Feudalsystems. Mit Votivbildern baten Menschen um Beistand in schweren Zeiten oder bedankten sich vor allem bei der Mutter Gottes f\u00fcr \u00fcberstandene Gefahren und Krankheiten.<\/p>\n<p>Der Historiker Ernst Hanisch beschrieb den Barock und den Einfluss, den er auf die \u00f6sterreichische Lebensart hatte, so:<\/p>\n<p>\u201e<em>\u00d6sterreich entstand in seiner modernen Form als Kreuzzugsimperialismus gegen die T\u00fcrken und im Inneren gegen die Reformatoren. Das brachte B\u00fcrokratie und Milit\u00e4r, im \u00c4u\u00dferen aber Multiethnien. Staat und Kirche probierten den intimen Lebensbereich der B\u00fcrger zu kontrollieren. Jeder musste sich durch den Beichtstuhl reformieren, die Sexualit\u00e4t wurde eingeschr\u00e4nkt, die normengerechte Sexualit\u00e4t wurden erzwungen. Menschen wurden systematisch zum Heucheln angeleitet.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Rituale und das untert\u00e4nige Verhalten gegen\u00fcber der Obrigkeit hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Alltagskultur, die katholische L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und Italien bis heute von protestantisch gepr\u00e4gten Regionen wie Deutschland, England oder Skandinavien unterscheiden. Die Leidenschaft f\u00fcr akademische Titel der \u00d6sterreicher hat ihren Ursprung in den barocken Hierarchien. Der Ausdruck <em>Barockf\u00fcrst<\/em> bezeichnet einen besonders patriarchal-g\u00f6nnerhaften Politiker, der mit gro\u00dfen Gesten sein Publikum zu becircen wei\u00df. W\u00e4hrend man in Deutschland politische Sachlichkeit sch\u00e4tzt, ist der Stil von \u00f6sterreichischen Politikern theatralisch, ganz nach dem \u00f6sterreichischen Bonmot des \u201e<em>Schaumamal<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pradlerstrasse \/ Egerdachstrasse<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59689,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[82,16,61,33,165,158],"tags":[],"class_list":["post-63900","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-amras-pradl","category-barock","category-das-jahr-1848-und-die-industrialisierung","category-die-grafen-von-andechs-und-die-gruendung-innsbrucks","category-theater-bauernbuhnen-kinos-und-kuno","category-tirolerland-in-bauernhand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63900\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}