{"id":66031,"date":"2025-08-19T13:00:07","date_gmt":"2025-08-19T13:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66031"},"modified":"2026-03-25T09:16:15","modified_gmt":"2026-03-25T09:16:15","slug":"sillschlucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/sillschlucht\/","title":{"rendered":"Sill Gorge"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Sillschlucht<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;65983,64185,65320,63855,59630,58184,57827,56172,56096&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Sillschlucht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66033&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Sillschlucht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66035&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Etwas oberhalb des Brenners entspringt auf 2300 m Seeh\u00f6he der <em>Vennebach<\/em>. Nach einem kurzen Stopover neben der Autobahn im Brennersee flie\u00dft sein eiskaltes Wasser, nun unter dem bekannteren Namen Sill, Richtung Innsbruck. Unterwegs versorgen mehrere Zufl\u00fcsse aus den alpinen Seitent\u00e4lern die Sill und lassen sie zu ansehnlicher Dimension anschwellen. Zwischen G\u00e4rberbach und dem Stift Wilten formte sie im Laufe der Jahrtausende eine spektakul\u00e4re Landschaftserscheinung: Die Sillschlucht. Die schmale Klamm zwischen Stadt, Brennerbahn, Bundesstra\u00dfe und Autobahn hat ein ganz eigenes Ambiente. Kaum ein Sonnenstrahl schafft es an B\u00e4umen und Felsen vorbei. Schon fr\u00fch umspielte die mystische Landschaft ein Hauch des Unheimlichen und wurde zur Quelle etlicher <em>Urban Legends<\/em>. Den Anfang machte der Drache der <em>Haymonsage<\/em>, der sein Nest in der Sillschlucht hatte und schon in der Sp\u00e4tantike die Bewohner Wiltens mit seiner Zerst\u00f6rungswut auf Trab hielt. Im 19. Jahrhundert konnte man in den Innsbrucker Nachrichten regelm\u00e4\u00dfig von Schreckensmeldungen aus der stadtnahmen Wildnis lesen. R\u00e4uber und M\u00f6rder versteckten sich vor der Obrigkeit gerne in der Sillschlucht. Zu den Verbrechern, Unruhestiftern und kleinen Gaunern gesellten sich vermisste Personen, Wasserleichen, verungl\u00fcckte Holzarbeiter, verunfallte Wanderer, Selbstm\u00f6rder und sozialistische \u201eAufwiegler\u201c. Die grausigsten Verbrechen allerdings waren wenig mysteri\u00f6s, sondern geschahen mit voller Absicht und auf offizielle Anordnung. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurden Deserteure in der Sillschlucht hingerichtet. In j\u00fcngerer Vergangenheit siedelten sich Obdachlose abseits der Stadt an w\u00e4hrend Jugendliche sich zu Partys und Raves ohne offizielle Genehmigung trafen.<\/p>\n<p>Trotz des Gruselfaktors, oder vielleicht gerade deshalb, ist die Sillschlucht aber vor allem eins: Innsbrucks sch\u00f6nstes Naherholungsgebiet. Im Sommer bietet sie Hitzefl\u00fcchtlingen lauschige Badepl\u00e4tze, w\u00e4hrend man im Winter m\u00e4chtige Eiszapfen begutachten kann, die sich von den Felsw\u00e4nden abseilen. Das milde Sonnenlicht des Herbstes f\u00e4rbt die Bl\u00e4tter des Mischwaldes besonders sch\u00f6n. An den Ufern des teils langsam dahinflie\u00dfenden, dann wieder wild donnernden Gew\u00e4ssers kann man bizarre Felsformationen, Efeu und kleine Wasserf\u00e4lle bewundern. 1907 tauchte erstmals die Idee auf, die schwer zug\u00e4ngliche Klamm f\u00fcr Wanderer zu erschlie\u00dfen. Wegen der Unwegsamkeit des Gel\u00e4ndes und des schlechten Rufes der Sillschlucht sollte es 25 Jahre dauern, bis der Sillschluchtweg vom <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> an die Stadt \u00fcbergeben werden konnte. Der Einstieg in die Sillschlucht ist an mehreren Stellen m\u00f6glich. Vom Gasthaus <em>Bretterkeller <\/em>aus f\u00fchrt ein Weg vorbei an der Baustelle des Brennerbasistunnels an den Anfang des Spazierweges direkt am Fluss. Wer mit dem Auto anreist, kann am Berg Isel parken und von dort aus direkt absteigen. Etwas weiter s\u00fcdlich f\u00fchrt ein Pfad vom <em>Sonnenburger Hof<\/em> in den mittleren Teil der Sillschlucht. Wer den Spaziergang vom Ende aus starten m\u00f6chte, kann mit dem Bus oder dem Auto nach G\u00e4rberbach fahren. Br\u00fccken und Stege f\u00fchren immer wieder \u00fcber den Fluss und erlauben sch\u00f6ne Ausblicke auf die beeindruckende, wildromantische Landschaft. In der Mitte der Sillschlucht zweigt der Berg Isel Panoramaweg ab, der zum <em>Drachenfelsen<\/em> mit der spektakul\u00e4ren Aussichtsplattform f\u00fchrt. Im s\u00fcdlichen Teil wird der Weg zum engen Pfad, der ein wenig Trittsicherheit und angemessenes Schuhwerk erfordert, jedoch ohne gro\u00dfe Probleme auch mit Kindern begehbar bleibt. Nach heftigen Regenf\u00e4llen und Gewittern kommt es immer wieder zu Sperren wegen Hangrutschen. Kurz vor G\u00e4rberbach spaziert man an G\u00e4rten mit kleinen Wochenendh\u00e4usern vorbei bevor man das spektakul\u00e4re Viadukt am Ende der Sillschlucht erreicht. Auf einem der m\u00e4chtigen Pfeiler unter der Br\u00fccke erinnert eine Bronzetafel an die sich ewig hinziehende Instandsetzung des Panoramaweges als Ausflugsziel. Ein Gedenkstein bei einer der gr\u00fcnen B\u00e4nke des <em>Versch\u00f6nerungsvereins<\/em> am n\u00f6rdlichen Ende der Sillschlucht, die <em>Schober Ruh<\/em>, ist dem Obmann des Innsbrucker Versch\u00f6nerungsvereins gewidmet, unter dessen \u00c4gide die wilde Klamm gez\u00e4hmt und der Weg f\u00fcr Spazierg\u00e4nger ge\u00f6ffnet wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Thyrsus, Haymon und die Bajuwaren&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Thyrsus, Haymon und die Bajuwaren&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65875&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach dem Verschwinden des westr\u00f6mischen Reiches und der dazugeh\u00f6renden Verwaltung \u00fcbernahmen germanische St\u00e4mme die Kontrolle \u00fcber das Gebiet des heutigen Innsbrucks. Im Gebiet des heutigen Nordtirol tummelten sich zwischen der Zeitenwende und der Kr\u00f6nung Karls des Gro\u00dfen im Jahr 800, der Zeit, die als V\u00f6lkerwanderung, Sp\u00e4tantike oder Fr\u00fchmittelalter bezeichnet wird, eine ganze Reihe von V\u00f6lkerschaften. Breonen, Romanen, Goten, Langobarden, Bajuwaren, Sueven und Slawen siedelten sich in verschiedenen Gebieten n\u00f6rdlich des Brenners neben- und hintereinander an. Im mittleren Inntal konnten sich die Bajuwaren als regionale Macht durchsetzen. Bei der Landnahme wurde zwar das <em>Castell Veldidena<\/em> zerst\u00f6rt, der \u00dcbergang zur bajuwarischen Herrschaft war f\u00fcr die breonisch-romanisierte Bev\u00f6lkerung aber weniger pl\u00f6tzlich und kriegerisch als viel mehr flie\u00dfend. Es waren keine barbarischen Zerst\u00f6rer, sondern Gruppen, die seit Jahrhunderten mit der r\u00f6mischen Welt in der einen oder anderen Form im Austausch standen. Kampfhandlungen waren wohl die Ausnahme. Die Kulturen vermischten sich nach und nach in einer Zeit, in der das Herrschaftsgef\u00fcge eher von loser Natur war. Die Alltagssprache der Menschen war eine Form des Germanischen, schon fr\u00fch hatte sich als Schriftsprache aber auch bei den \u201eBarbaren\u201c n\u00f6rdlich der Alpen Latein durchgesetzt.<\/p>\n<p>Das wichtigste \u00dcberbleibsel der R\u00f6mer war aber das Christentum. Sp\u00e4testens ab dem 8. Jahrhundert waren die Bajuwaren christianisiert. Zur Zeit Karls des Gro\u00dfen (ca. 748 \u2013 814) wurden die Herz\u00f6ge von Bayern und mit ihnen das Inntal zu einem Teil des <em>Heiligen R\u00f6mischen Reiches<\/em>, das sich \u00fcber weite Teile Zentraleuropas und Norditaliens erstreckte. Die Machthaber st\u00fctzten sich in der Verwaltung auf die kirchlichen Strukturen der R\u00f6mer zur Verwaltung des Gebiets, waren Kleriker doch vielfach die einzigen Schriftgelehrten. Anstatt R\u00f6mischer Kaiser herrschte eine geharnischte Aristokratie als Lehensm\u00e4nner des vom Papst gesalbten Frankenk\u00f6nigs Karl im Namen Gottes \u00fcber die Untertanen, die in er Landwirtschaft malochten. Der christliche Kirchenvater Paulus hatte in seinem <em>R\u00f6merbrief <\/em>die theologische Basis f\u00fcr dieses System gelegt:<\/p>\n<p><em>Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt \u00fcber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit au\u00dfer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.\u00a0Denn die Gewalt haben, muss man nicht f\u00fcrchten wegen guter, sondern wegen b\u00f6ser Werke. Willst du dich aber nicht f\u00fcrchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber B\u00f6ses, so f\u00fcrchte dich; denn sie tr\u00e4gt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der B\u00f6ses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst best\u00e4ndig bedacht.<\/em><\/p>\n<p>Kulturell zeigte sich das Christentum auch im alpinen Raum anpassungsf\u00e4hig an Traditionen und Br\u00e4uche. Die M\u00e4rtyrer und Heiligen des Christentums ersetzten die heidnische Vielg\u00f6tterei. Alte Feste wie die Wintersonnwende, Erntedank oder der Fr\u00fchlingsbeginn wurden in den christlichen Kalender integriert und von Weihnachten, Allerheiligen und Ostern ersetzt. Beliebte Legenden um wunderkr\u00e4ftige Pflanzen, unheilbringende Berggipfel, zauberkundige Wesen wie die <em>Saligen Fr\u00e4ulein<\/em>, verwunschene K\u00f6nige und andere Sagengestalten konnten problemlos parallel zum Christentum verehrt werden.<\/p>\n<p>Zwei der bis heute in Innsbruck popul\u00e4rsten unter ihnen spielen die Hauptrolle im Gr\u00fcndungsmythos des Stiftes Wilten. Ein au\u00dferordentlich kr\u00e4ftiger Ritter, bekannt als Riese Haymon begab sich irgendwann zwischen Sp\u00e4tantike und fr\u00fchem Mittelalter nach Tirol. In Tirol traf er auf den alteingesessenen Riesen Thyrsus von Seefeld. W\u00e4hrend der germanische Ritter Haymon mit Schwert und Schild bewaffnet war, hatte Thyrsus, der zwar einen romanisierten Namen trug, eigentlich aber ein wilder Alpenbewohner war, nur einen Baumstamm zur Verf\u00fcgung. Es kam, wie es kommen musste, das moderne Schwert schlug die h\u00f6lzerne Keule und Haymon t\u00f6tete Thyrsus. In Reue \u00fcber seine Tat trat er zum Christentum \u00fcber und lie\u00df sich vom Bischof von Chur taufen. Anstatt wie geplant eine Burg im Inntal zu bauen, errichtete er aufbauend auf den Ruinen der r\u00f6mischen Festung Veldidena ein Kloster. In der nahen Sillschlucht aber hauste ein furchterregender Drache, der nicht nur jede Nacht den Neubau des nun christlichen Helden verw\u00fcstete, sondern auch eine sinnvolle Besiedlung des Landstrichs unm\u00f6glich machte. Haymon t\u00f6tete das Untier, schnitt ihm die Zunge ab und vermachte sie seiner eigenen Stiftung. Nach seiner Karriere als Drachent\u00f6ter \u00fcbergab Haymon das Kloster den Benediktinerm\u00f6nchen vom Tegernsee und trat als Laienbruder selbst der Bruderschaft bei. Die Menschen der Region waren dem Riesen f\u00fcr die Befreiung vom Drachen so dankbar, dass sie sich gerne in die abgabenpflichtige Obhut des Stiftes Wilten begaben, um das einst wilde Land als Bauern fruchtbar zu bestellen.<\/p>\n<p>Haymon steht in dieser Parabel f\u00fcr die anfangs gewaltbereiten, sp\u00e4ter aber edlen und wohlt\u00e4tigen germanischen Besiedler, Thyrsus f\u00fcr die mutigen und wilden, am Ende aber doch unterlegenen Bewohner der Region zwischen Seefelder Plateau und Brenner. Der Drache symbolisiert das b\u00f6se, zerst\u00f6rerische und unchristliche Heidentum, das vom konvertierten Germanen ausgemerzt wird. Die Klosterbr\u00fcder, reich beschenkt vom tapferen Ritter, sind die ordnende Hand, ohne die nichts funktionieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die <em>Haymonsage<\/em> und ihre Moral zeigten sich im Laufe der Jahrhunderte je nach Zeitgeist ebenso flexibel wie das Christentum bei seiner Einf\u00fchrung in der Sp\u00e4tantike. Einmal war Haymon ein Adliger vom Rhein, der nach dem Tod Karls des Gro\u00dfen nach Tirol kam, ein anderes Mal unterwegs zwischen Ravenna und Deutschland als Gefolgsmann des ostgotischen K\u00f6nigs Theoderich, besser bekannt als Dietrich von Bern. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert standen die Konvertierung <em>Haymons<\/em>, der Schutz der b\u00e4uerlichen Untertanen durch das christliche Rittertum und die Klostergr\u00fcndung im Mittelpunkt, um das segensreiche Feudalwesen zu untermauern. In einem Artikel in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> vom 2. Oktober hingegen lie\u00df der Autor Dr. Franz W\u00f6\u00df das katholische Element des Klosterbaus fast komplett beiseite und betonte das heldenhafte Deutsche, bevor er sich der heilt\u00e4tigen Wirkung des Thyrsus\u00f6ls widmete, das die Seefelder Bauern seit dem Mittelalter aus den \u00f6lhaltigen Schiefersteinen gewannen. In dieser Version der Sage zog sich Haymon nach seinen Heldentaten in die Wildnis in Seefeld als Einsiedler zur\u00fcck anstatt als Kleriker sein Leben im Stift Wilten zu beenden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum wollte man sich vom Germanentum so weit als m\u00f6glich distanzieren. Die 1956 an der Fassade des \u201e<em>Gasthauses Zum Riesen Haymon<\/em>\u201c entstandene Wandmalerei zeigt den unterlegenen Thyrsus, mit \u00f6sterreichischem Wappenschild, ganz im Sinne des Opfermythos der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#E09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#E09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Macht der Geographie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#E09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; border_width_all=&#8220;0px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;57292&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Was den meisten Besuchern Innsbrucks zuallererst auff\u00e4llt, sind die Berge, die die Stadt einzukesseln scheinen. Die Bergwelt ist nicht nur wundersch\u00f6n anzusehen, sondern beeinflusste schon immer vieles in der Stadt. Das f\u00e4ngt bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem Wetter an, wie uns der Blick des Schriftstellers und Politikers Beda Webers aus vergangenen Tagen beweist:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Eine eigene Erscheinung ist der warme Wind oder Scirocco. Er kommt aus dem S\u00fcden, prallt am Nordgebirge ab, und f\u00e4llt mit Gewalt ins Thal. Er macht gern Kopfweh, schmelzt aber die winterlichen Schneemasen schnell und bef\u00f6rdert die Fruchtbarkeit ungemein. Dadurch wird in Innsbruck die Pflanzung des Maises m\u00f6glich<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Dieses Wetterph\u00e4nomen mag seinen Namen von <em>Scirocco<\/em> auf F\u00f6hn ge\u00e4ndert haben und Verkehr war 1851 noch kein gro\u00dfes Problem. Genau wie der Innsbrucker Autofahrer heute jammerten aber mit Sicherheit der Hufschmied in der Altstadt im Jahr 1450 und der aus Mittelitalien in die Alpen abkommandierte Legion\u00e4r im Jahr 350 \u00fcber den warmen Fallwind, der mehrmals pro Monat alle verr\u00fcckt zu machen scheint. Waren fr\u00fcher die Menschen froh um die warme, den Schnee auf den Feldern schmelzende Luft, jammern Touristiker heute \u00fcber die aperen Skipisten auf der Seegrube.<\/p>\n<p>Die Lage zwischen dem Wipptal im S\u00fcden und der Nordkette beeinflusst nicht nur die Migr\u00e4neh\u00e4ufigkeit, sondern auch die Freizeitgestaltung der Innsbrucker, wie schon Weber ebenfalls erkannte. <em>&#8222;Die Einwohner zeichnen sich durch ihre Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit aus, sie lieben besonders Landausfl\u00fcge in der sch\u00f6nen Jahreszeit.\u201c<\/em> Man mag \u00fcber <em>Leutseligkeit und Wohlth\u00e4tigkeit<\/em> der Innsbrucker streiten, Landausfl\u00fcge in Form von Wanderung, Skitour oder Radfahren erfreuen sich auch heute noch gro\u00dfer Beliebtheit. Kein Wunder, Innsbruck ist von Bergen umgeben. Innerhalb weniger Minuten kann man von jedem Ort in der Stadt aus mitten im Wald stehen. Junge Menschen aus ganz Europa verbringen ihre Studienzeit zumindest zu einem Teil an der Universit\u00e4t Innsbruck, nicht nur wegen der hervorragenden Professoren und Einrichtungen, sondern auch um ihre Freizeit auf den Pisten, Mountainbikerouten und Wanderwegen zu verbringen, ohne auf urbanes Flair vermissen zu m\u00fcssen.\u00a0Das ist Fluch und Segen zugleich. Die Universit\u00e4t als gro\u00dfer Arbeitgeber und Ausbildungsort kurbelt die Wirtschaft an, gleichzeitig steigen durch ausw\u00e4rtige Studenten die Lebenserhaltungskosten in der Stadt, die zwischen den Bergen eingeklemmt nicht weiterwachsen kann.<\/p>\n<p>Was heute als Einschr\u00e4nkung im r\u00e4umlichen Wachstum verstanden werden kann, war einst der Grund f\u00fcr das Wachstum. Innsbruck hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck, durch die nahen Berge an frisches Trinkwasser zu kommen. Im 15. Jahrhundert zapfte man die Nordkette an, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. 1485 lie\u00df der Gemeinderat die Quelle in Gramart beim heutigen <em>Katzenbr\u00fcndlweg<\/em> \u00f6stlich der Hungerburg mit einer Leitung in die Stadt verlegen. Mit bis zu vier Meter langen R\u00f6hren aus L\u00e4rchenholz f\u00fchrte man das saubere Wasser in den Talboden. Bei der Innbr\u00fccke zweigte die Leitung links und rechts nach Mariahilf und St. Nikolaus sowie \u00fcber den Inn in die Stadt und die Neustadt. Bis zur Erbauung dieses kleinen technischen Meisterwerks war Innsbruck wie andere St\u00e4dte vom Wasser in den Brunnen abh\u00e4ngig. Das Wasser war h\u00e4ufig abgestanden und voll mit Krankheitserregern. Bier und Wein galten nicht umsonst als ungef\u00e4hrlicheres Alltagsgetr\u00e4nk als Wasser. Die Pest konnte man damit zwar nicht dauerhaft fernhalten, Typhus und Cholera waren aber weniger weit verbreitet als in anderen St\u00e4dten. Nicht nur des Trinkwassers wegen stieg Innsbruck im 15. Jahrhundert von einem kleinen Handelsst\u00fctzpunkt zur Residenzstadt der Tiroler Landesf\u00fcrsten auf. Der Brennerpass ist sehr niedrig und erlaubt es, den Alpeng\u00fcrtel, der sich rund um Italiens Nordgrenze schl\u00e4ngelt, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach zu \u00fcberqueren. In den Zeiten vor die Eisenbahn Waren und Menschen m\u00fchelos von A nach B brachte, war die Alpen\u00fcberquerung harte Arbeit, der Brenner eine willkommene Erleichterung. Zwischen 1239 und 1303 war Innsbruck die einzige Stadt zwischen \u201e<em>Mellach und Ziller<\/em>\u201c im mittleren Inntal, die das landesf\u00fcrstliche Niederlagsrecht hatte. Hier mussten innerhalb des regulierten Rodfuhrwesens die Waren von einem Fuhrwerk auf das n\u00e4chste umgeladen werden, ein enormer Vorteil f\u00fcr die Innsbrucker Wirtschaft. Innsbruck war nicht ganz so reich wie Bozen und hatte bis ins fr\u00fche 15. Jahrhundert keine politische Bedeutung, wurde aber zu einem der wichtigsten Verkehrs- und Handelsknotenpunkte im Alpenraum Die ehemalige Landeshauptstadt Meran hatte langfristig in ihrer Abgelegenheit keine Chance gegen die Stadt am Inn zwischen Brenner, Scharnitz und Achenpass. Die Lage in den Alpen beg\u00fcnstigte auch den Tourismus, der sp\u00e4testens ab den 1860er Jahren Fu\u00df fassen konnte. Reisende sch\u00e4tzten die Kombination aus leichter Erreichbarkeit, st\u00e4dtischer Infrastruktur und alpinem Flair. Mit der Erschlie\u00dfung des Landes im Gebirge durch die Eisenbahn konnte man bequem anreisen, seine Freizeit in der Bergwelt oder einem der Kurb\u00e4der verbringen, ohne auf den Komfort des Stadtlebens verzichten zu m\u00fcssen. Sp\u00e4testens mit ihrer Z\u00e4hmung durch die Schienen waren die Alpen vom Problembereiter zum Wirtschaftsfaktor geworden. Vorbei waren die von der schwierigen Landwirtschaft gepr\u00e4gten Zeiten, der Feind von gestern wurde zum Heilsbringer.<\/p>\n<p>Neben den Bergen waren die Fl\u00fcsse ma\u00dfgeblich an der Entwicklung Innsbrucks beteiligt. Innsbrucks Trinkwasser kam zwar von der Nordkette \u00fcber eine Wasserleitung in die Stadt, f\u00fcr die sanit\u00e4re Versorgung aber waren Inn und Sill zust\u00e4ndig. Das Vieh wurde am Inn zur Tr\u00e4nke gef\u00fchrt, die W\u00e4sche gewaschen und Abf\u00e4lle aller Art, inklusive F\u00e4kalien von Mensch und Tier, entsorgt. Als die w\u00e4hrend der Industrialisierung zu wachsen begann, entstand am Sillspitz im Osten der Stadt eine erste M\u00fclldeponie, die sp\u00e4ter um eine weitere im Westen am heutigen Sieglanger erg\u00e4nzt wurde. Das Inntal war \u00fcber 1000 Jahre nach der r\u00f6mischen Besiedlung noch immer ein sumpfiger, von Auw\u00e4ldern durchzogener Landstrich. Siedlungen wie Wilten, Burgen wie die Festung \u00fcber Amras und Stra\u00dfen entstanden etwas vom Fluss entfernt auf Schwemmkegeln oder in Mittelgebirgsh\u00f6hen. Rund um Innsbruck wurden die Auen als Allmende der D\u00f6rfer genutzt. Je nach Wasserh\u00f6he standen Weideland und Brennholz zur Verf\u00fcgung und der Fluss konnte als Transportweg genutzt werden \u2013 oder eben nicht. Flurnamen wie <em>Am Gie\u00dfen<\/em> in der H\u00f6ttinger Au erinnern bis heute daran, dass der Inn am heutigen Stadtgebiet bis in die fr\u00fche Neuzeit ebenfalls nicht geb\u00e4ndigt, sondern mehr schlecht als recht kultvierte Wildnis war. \u00dcberschwemmungen waren immer wieder Folge des unregulierten Flusses. Zwischen 1749 und 1789 forderten mehrere Hochwasser in Innsbruck viele Tote. Auch der wirtschaftliche Schaden war immens. Die Innbr\u00fccke sp\u00fclte Zolleinnahmen in die Stadtkassa und war der Grund, warum die Siedlung zur Stadt werden konnte.<\/p>\n<p>Bis zur Verbesserung des Stra\u00dfennetzes im 16. Jahrhundert herrschte zwischen Telfs, Innsbruck und Hall reger Schiffsverkehr. Die Fl\u00f6\u00dfe, auf denen die Waren transportiert wurden, waren flache Platten mit Dimensionen bis zu 35 x 10 Meter. Mehrere dieser Wasserfahrzeuge bildeten einen Zug, der am Inn bis zur M\u00fcndung in die Donau in Passau und weiter nach Osten Waren aller Art verschiffte. Silber, Baumaterialien, Holz, Salz, Weizen, Fleisch \u2013 die flussaufw\u00e4rts auf Treidelwegen genannten Bahnen neben dem Flussbett von Pferden gezogenen Schiffsz\u00fcge waren der schnellste Weg, um gro\u00dfe Mengen an Waren m\u00f6glichst schnell durchs Inntal transportiert zu bekommen. Auch das Milit\u00e4r nutzte den Inn als Logistikunterst\u00fctzung. Vom Tiroler Oberland wurde \u00fcber Jahrhundert hinweg Holz als Trift den Inn flussabw\u00e4rts geschickt. In Hall fischte ein Holzrechen an der Innbr\u00fccke das kostbare Treibgut aus dem Wasser. Innsbruck, vor allem aber die Salz- und Silberbergwerke in Hall und Schwaz ben\u00f6tigten den Werkstoff und Energietr\u00e4ger. Nahe Siedlungen und St\u00e4dten errichtete man befestigte Archen-Verbauungen, um den Fluss zumindest ein wenig zu z\u00e4hmen und die Beeintr\u00e4chtigung von Hochwasser und D\u00fcrre einzud\u00e4mmen. Im 18. Jahrhundert f\u00f6rderten \u00d6konomisierung und Verwissenschaftlichung, die sich in allen Lebensbereichen bemerkbar machten, auch die Kultivierung der Landschaft. Von diesem Geist der Aufkl\u00e4rung erfasst, wurde auch die Optimierung des Inns als Transportweg und die Erh\u00f6hung der Wirtschaftlichkeit des verf\u00fcgbaren Bodens in Angriff genommen. Die Allmende entlang des Inn wurde mehr und mehr in die Obhut einzelner Grundherren gegeben, die die Urbarmachung dieses Schwemmlandes vorantrieben. Der Theresianische Staatsapparat wollte das habsburgische Riesenreich nicht nur am Landweg mit Stra\u00dfen, sondern auch \u00fcber die Hauptfl\u00fcsse verbinden. Die Verantwortung f\u00fcr Regulierung und Verbauung des Inns ging von den Gemeinden und der Saline Hall auf den Staat \u00fcber. Innsbrucks erster <em>Oberarcheninspektor<\/em> Franz Anton Rangger begann 1739 mit dem Kartografieren des Inns, um den Flusslauf durch Begradigungen und Verbauungen planbarer und schneller zu machen. Das Projekt der B\u00e4ndigung sollte mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen. Die Napoleonischen Kriege verz\u00f6gerten den Bau der Anlagen. Erst nach der wirtschaftlichen Not des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts war der Staat wieder in der Lage, das Projekt fortzusetzen. Blocksteind\u00e4mme ersetzten nach und nach die Archen-Verbauungen. Als der Inn geb\u00e4ndigt war, hatte die Eisenbahn die Schifffahrt als Transportweg abgel\u00f6st. Die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Verbauungswelle des Inns kam in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Das Olympische Dorf, die Autobahn und Siedlungen wie der Sieglanger ben\u00f6tigten Raum, das vorher dem Fluss vorenthalten war, um das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Fast genauso wichtig wie der Inn war der kleinere Fluss, der Innsbruck durchquert. Wo heute die Sill die Sillschlucht verl\u00e4sst, entstand der Sillkanal, der die Stadt mit Wasser versorgte. Als die Grafen von Andechs 1180 den Markt an der Innbr\u00fccke gr\u00fcndeten, bestand der Kanal bereits, war doch die M\u00fchle des Stiftes Wilten in St. Bartlm\u00e4 bereits in Betrieb. Von hier f\u00fchrte der Kanal weiter entlang der Route Karmelitergasse, Adamgasse, Salurnerstra\u00dfe, Meinhardstra\u00dfe, Sillgasse, Ing.-Etzel-Stra\u00dfe bis zur Pradler Br\u00fccke, wo sie sich wieder mit der Sill verband, um dann in den Inn zu flie\u00dfen. Anfangs vor allem zum Brandschutz gedacht, machten sich viele Betriebe an diesem k\u00fcnstlich angelegten Kanal das durch die Stadt flie\u00dfende Wasser bald f\u00fcr den Betrieb von M\u00fchlen zur Energiegewinnung dienstbar. Erst in den 1970er Jahren verschwanden die letzten Teile davon, nachdem Bombentreffer ihn w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs besch\u00e4digt hatten.<\/p>\n<p>Die letzte geographische Zutat zur Erfolgsgeschichte der Stadt ist der breite Talkessel, der die Entwicklung Innsbrucks beg\u00fcnstigte. Durch das St\u00e4dtewachstum und den Bev\u00f6lkerungsaufstieg stieg auch der Bedarf nach Nahrungsmitteln. W\u00e4hrend die Bauern in den h\u00f6hergelegenen Seitent\u00e4lern harte Bedingungen vorfanden, bot das Inntal fruchtbaren Boden und Fl\u00e4che f\u00fcr Viehzucht und Ackerwirtschaft. Bis ins Hochmittelalter war das Inntal wesentlich st\u00e4rker bewaldet. Im 13. Jahrhundert war es rund um Innsbruck wie in vielen Teilen Europas zu fr\u00fchen gro\u00dfen und langfristigen Eingriffen des Menschen f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke in die Natur gekommen. Anders als oft dargestellt, war das Mittelalter keine primitive Zeit des Stillstands. Ab dem 12. Jahrhundert verlie\u00df man sich nicht mehr auf Gebete und Gottes Gnade, um den Auswirkungen regelm\u00e4\u00dfig auftretender Ernteausf\u00e4lle zu entkommen. Innovationen wie die Dreifelderwirtschaft erm\u00f6glichten die Ern\u00e4hrung der landwirtschaftlich gesehen unproduktiven Stadtbev\u00f6lkerung, die man im modernen Sprachgebrauch als <em>Overhead<\/em> bezeichnen w\u00fcrde. Die Urbarmachung des Landes erlaubte das Wachstum der Stadt. Die St\u00e4dte wie Schwaz, Hall und Innsbruck konnten sich zwar nicht selbst ern\u00e4hren, und es bedurfte vor allem in der Fr\u00fchen Neuzeit w\u00e4hrend des Booms im Bergwerksbau erheblicher Lebensmittelimporte. Neben Fleisch war es lange vor allem Wein, der aus dem Ausland in die Grafschaft Tirol kam. Ohne die Bauern der Umgebung w\u00e4re Innsbruck aber nicht lebensf\u00e4hig gewesen. Der Mais, den Beda Weber schon 1851 im Innsbrucker Stadtbild f\u00fcr erw\u00e4hnenswert hielt, w\u00e4chst noch immer munter vor sich hin und gibt auch heute noch gro\u00dfen Fl\u00e4chen am Stadtrand einen landwirtschaftlichen Anstrich.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tourismus: Von alpiner Sommerfrische zur Piefke Saga&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tourismusland Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53667&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren sorgte eine \u00f6sterreichische Fernsehserie f\u00fcr einen Skandal. Die <em>Piefke Saga<\/em> aus der Feder des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer beschrieb in vier skurril-entlarvend-am\u00fcsanten Folgen die Beziehung zwischen der deutschen Urlauberfamilie Sattmann und ihren Gastgebern in einem fiktiven Tiroler Urlaubsort. Bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem Tourismus in seinen heutigen teils extremen Ausw\u00fcchsen sollte man nicht vergessen, dass der Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor in Innsbruck und Umgebung war, der die Entwicklung der Region nachhaltig antrieb, nicht nur wirtschaftlich.<\/p>\n<p>Die ersten Reisenden, die Innsbruck ansteuerten, waren Pilger und Business People. H\u00e4ndler, Gesellen auf der Walz, Beamte, Soldaten, Entourage adeliger G\u00e4ste bei Hof, Fachkr\u00e4fte verschiedener Gewerbe, Bergleute, Kleriker, Wallfahrer und Wissenschaftler waren die ersten Touristen, die es in die Stadt zwischen Italien und Deutschland zog. Reisen war teuer, gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam. Zudem war es einem gro\u00dfen Teil der Untertanen ohne Einwilligung ihres Grundherrn oder Abtes nicht gestattet, die eigene Scholle zu verlassen. Wer sich fortbewegte, tat dies im Normalfall auf des Schusters Rappen. Zwar verdienten die Innsbrucker Gasth\u00f6fe und Wirte bereits im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit an den Reisenden, von Fremdenverkehr wie wir ihn heute verstehen war aber noch keine Rede. Der fing an, als es einige Verr\u00fcckte erstmals auf die Berggipfel zog. Dazu bedurfte es neben einer wachsenden Mittelschicht auch einer neuen Einstellung gegen\u00fcber den Alpen. Lange waren die Berge eine reine Bedrohung f\u00fcr die Menschen gewesen. Es waren vor allem Briten, die sich aufmachten, sich nach den Weltmeeren auch die Gebirge dieser Erde untertan zu machen. \u00dcber Reiseberichte verbreitete sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, der Epoche der Romantik, die Kunde von der Natursch\u00f6nheit der Alpen. Der erste fremdsprachige Reisef\u00fchrer f\u00fcr Tirol, <em>Travells through the Rhaetian Alps von Jean Francois Beaumont<\/em> erschien 1796.<\/p>\n<p>Neben der alpinen Attraktion waren es die wilden und exotischen <em>Eingeborenen<\/em> Tirols, die international f\u00fcr Aufsehen sorgten. Der b\u00e4rtige Revoluzzer namens Andreas Hofer, der es mit seinem Bauernheer geschafft hatte, Napoleons Armee in die Knie zu zwingen, erzeugte bei den Briten, den notorischen Erzfeinden der Franzosen, ebenso gro\u00dfes Interesse wie bei deutschen Nationalisten n\u00f6rdlich der Alpen, die in ihm einen fr\u00fchen Protodeutschen sahen. Die Tiroler galten als unbeugsamer Menschenschlag, archetypisch und ungez\u00e4hmt, \u00e4hnlich den Germanen unter Arminius, die das Imperium Romanum herausgefordert hatten. Die Beschreibungen Innsbrucks aus der Feder des Autors Beda Weber (1798 \u2013 1858) und andere Reiseberichte in der boomenden Presselandschaft dieser Zeit trugen dazu bei, ein attraktives Bild Innsbrucks zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nun mussten die wilden Alpen nur noch der Masse an Touristen zug\u00e4nglich gemacht werden, die zwar gerne den fr\u00fchen Abenteurern auf ihren Expeditionen nacheifern wollten, deren Risikobereitschaft und Fitness mit den W\u00fcnschen nicht schritthalten konnten. Der <em>Deutsche Alpenverein<\/em> er\u00f6ffnete 1869 eine Sektion Innsbruck, nachdem der 1862 <em>\u00d6sterreichische Alpenverein<\/em> wenig erfolgreich war. Angetrieben vom gro\u00dfdeutschen Gedanken vieler Mitglieder fusionierten die beiden Institutionen 1873. Der <em>Alpenverein<\/em> ist bis heute b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gt, sein sozialdemokratisches Pendant sind die <em>Naturfreunde<\/em>. Das Wegenetz wuchs durch dessen Erschlie\u00dfung ebenso wie die Zahl an H\u00fctten, die G\u00e4ste beherbergen konnten. Das Transitland Tirol besa\u00df unz\u00e4hlige Saumpfade und Fu\u00dfwege, die seit Jahrhunderten bestanden, und als Basis f\u00fcr den Alpinismus dienten. Kleine Gasth\u00f6fe, Bauernh\u00f6fe und Stationen entlang der Postwege dienten als Unterk\u00fcnfte. Der Tiroler Theologe Franz Senn (1831 \u2013 1884) und der Schriftsteller Adolf Pichler (1819 \u2013 1900) waren ma\u00dfgeblich an der Vermessung Tirols und der Erstellung von Kartenmaterial beteiligt. Anders als gerne behauptet, waren die Tiroler nicht geborene Bergsteiger, sondern mussten sich die F\u00e4higkeiten die Bergwelt zu erobern erst beibringen lassen. Bis dato waren Berge vor allem eins: gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam im landwirtschaftlichen Alltag. Sie zu besteigen, war zuvor kaum jemandem in den Sinn gekommen. Die Alpenvereine bildeten auch Bergf\u00fchrer aus. Ab der Jahrhundertwende kam neben Wandern und Bergsteigen der Skisport in Mode. Lifte gab es noch nicht, um auf die Berge zu gelangen, musste man sich der Felle bedienen, die heute noch auf Tourenski geklebt werden. Erst ab den 1920ern konnte nach dem Bau der Seilbahnen auf die Nordkette und dem Patscherkofel eine zahlungskr\u00e4ftige Klientel den modernen Luxus von Bergbahnen beim Skivergn\u00fcgen genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es bedurfte neuer Hotels, Caf\u00e9s, Gasth\u00e4user, Gesch\u00e4fte und Transportmittel, um die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste zu befriedigen. Wer zu Hause in London oder Paris flie\u00dfend Wasser und einen Telefonanschluss hatte, wollte im Urlaub nicht mit einem Plumpsklo am Gang oder vor dem Haus Vorlieb nehmen. Die sogenannten Gasth\u00f6fe ersten und zweiten Ranges waren f\u00fcr den Transitverkehr geeignet, um gehobene Touristen zu empfangen waren sie aber nicht ausgestattet. Wirte in der Stadt und in den D\u00f6rfern rund um Innsbruck z\u00e4hlten bis ins 19. Jahrhundert zur gehobenen Mittelschicht, was das Einkommen betraf. Oft waren sie Bauern, die im Nebenerwerb eine Ausschank hatten und Speisen verkauften. Sie hatten, wie das Beispiel Andreas Hofers zeigt, durchaus auch Ansehen und Einfluss innerhalb der lokalen Gesellschaft. Als Treffpunkte der Einheimischen und Knotenpunkte im Post- und Warenverkehr waren sie oft gut informiert \u00fcber das Geschehen in der kleinen und gro\u00dfen Welt. Da sie aber weder Mitglieder einer Zunft waren noch zum B\u00fcrgertum gez\u00e4hlt wurden, z\u00e4hlte der Beruf des Gastwirtes nicht zu den ehrbarsten Berufen. Das \u00e4nderte sich mit der Professionalisierung der Tourismuswirtschaft. Unternehmer wie Robert Ni\u00dfl, der 1865 Schloss B\u00fcchsenhausen \u00fcbernahm und in eine Bierbrauerei umbaute, investierten in die Infrastruktur. Aus ehemaligen Adelsansitzen wie der Weiherburg wurden Gasth\u00f6fe und Hotels. Die Revolution vollzog sich in Innsbruck nicht 1848 auf den Barrikaden, sondern im Tourismus einige Jahrzehnte sp\u00e4ter, als findige B\u00fcrger die Aristokratie als Besitzer von Schl\u00f6ssern wie B\u00fcchsenhausen und der Weiherburg abl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Der 1849 er\u00f6ffnete \u00d6sterreichische Hof galt lange als Platzhirsch moderner Hotellerie, war offiziell aber nur ein Abklatsch eines Grand Hotels. Erst mit dem <em>Grand Hotel Europa<\/em> hatte 1869 bekam in Innsbruck ein Haus ersten Ranges ge\u00f6ffnet. Die Bl\u00fctezeit der Gasth\u00f6fe in der Altstadt war vor\u00fcber. 1892 folgte mit dem zeitgeistigen <em>Reformhotel Habsburger Hof<\/em> ein zweiter gro\u00dfer Betrieb. Wo heute das Metropolkino steht, war der Kaiserhof als Neubau errichtet worden. Der <em>Habsburger Hof<\/em> bot seinen G\u00e4sten bereits elektrisches Licht, eine absolute Sensation. Ebenfalls auf der bis dato unverbauten Fl\u00e4che vor dem Bahnhof war der <em>Arlberger Hof<\/em> angesiedelt. Was heute eher als Wettbewerbsnachteil angesehen w\u00fcrde, war zu dieser Zeit ein Verkaufsargument. Bahnh\u00f6fe waren die Zentren moderner St\u00e4dte. Die Bahnhofspl\u00e4tze waren keine \u00fcberf\u00fcllten Verkehrsknotenpunkte wie heute, sondern mond\u00e4ne und gepflegte Orte vor den architektonisch anspruchsvoll gestalteten Hallen, in denen die Z\u00fcge ankamen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der G\u00e4ste stieg langsam, aber stetig an. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges z\u00e4hlte Innsbruck 200.000 G\u00e4ste. Im Juni 1896 berichteten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Fremdenverkehr in Innsbruck bezifferte sich im Monat Mai auf 5647 Personen. Darunter befanden sich (au\u00dfer 2763 Reisenden aus Oesterreich-Ungarn) 1974 Reichsdeutsche, 282 Engl\u00e4nder, 65 Italiener, 68 Franzosen, 53 Amerikaner, 51 Russen und 388 Personen aus verschiedenen anderen L\u00e4ndern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Menge an Reisenden, die einen Einfluss auf das Leben in der Kleinstadt Innsbruck hatten, war es auch die Internationalit\u00e4t der Besucher, die Innsbruck nach und nach einen neuen Anstrich gaben. Neben der rein touristischen Infrastruktur wurde auch die Entwicklung der allgemeinen Neuerungen beschleunigt. Die wohlhabenden G\u00e4ste konnten kaum in Gastst\u00e4tten mit Senkgruben hinterm Haus verkehren. Nat\u00fcrlich w\u00e4re eine Kanalisation ohnehin am Plan gestanden, der Wirtschaftsfaktor Tourismus aber erm\u00f6glichte und beschleunigte die Mittelfreistellung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der Jahrhundertwende. Das ver\u00e4nderte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern auch den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Findige Unternehmer wie Heinrich Menardi schafften es, die Wertsch\u00f6pfungskette, um kostenpflichtige Urlaubsfreuden neben Kost und Logis zu erweitern. Er er\u00f6ffnete 1880 die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em> f\u00fcr Ausflugsfahrten in die alpine Umgebung. Anfangs mit Kutschen, nach dem 1. Weltkrieg mit Bussen und PKW, wurden zahlungskr\u00e4ftige Touristen bis nach Venedig chauffiert. Das Unternehmen besteht bis heute und hat seinen Firmensitz mittlerweile im <em>Menardihaus<\/em> in der Wilhelm-Greil-Strasse 17 gegen\u00fcber des Landhausplatzes, auch wenn man sich von der Transport- und Handelsbranche im Lauf der Zeit auf die eintr\u00e4glichere Immobilienwirtschaft verlegt hat. Auch der lokale Handel profitierte von der zahlungskr\u00e4ftigen Klientel aus dem Ausland. 1909 gab es bereits drei dezidierte <em>Touristen-Ausr\u00fcstungsgesch\u00e4fte<\/em> neben den wenige Jahre zuvor frisch er\u00f6ffneten mond\u00e4nen Warenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Innsbruck und die umgebenden Orte waren auch f\u00fcr Kururlaub, dem Vorg\u00e4nger des heutigen Wellness, bei der betuchte Kunden sich in alpinem Umfeld von unterschiedlichsten Krankheiten erholten, bekannt. Der <em>Igler Hof<\/em>, damals <em>Grandhotel Igler Hof<\/em> und das Sporthotel Igls, verstr\u00f6men heute noch teilweise den Chic dieser Zeit. Michael Obexer, der Gr\u00fcnder des Kurortes Igls und Besitzer des Grandhotels, war ein Tourismuspionier. In Egerdach bei Amras und in M\u00fchlau, gab es zwei Kurb\u00e4der. So bekannt wie die Hotspots der Zeit in Bad Ischl, Marienbad oder Baden bei Wien waren die Anlagen nicht, wie man auf alten Fotos und Postkarten sehen kann, die Anwendungen mit Sole, Dampf, Gymnastik, sogar Magnetismus, entsprachen aber dem damaligen Standard dessen, was heute teilweise noch bei Kur- und Wellnessurlaubern beliebt ist. Bad Egerdach bei Innsbruck war als Heilquelle seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Die Quelle sollte Gicht, Hautkrankheiten, An\u00e4mie, ja sogar die im 19. Jahrhundert als Vorg\u00e4ngerin des Burnouts als Neurasthenie bekannte Nervenkrankheit beheben. Die Kapelle der Anstalt besteht bis heute gegen\u00fcber dem SOS Kinderdorf. Die Badeanstalt in M\u00fchlau existierte seit 1768 und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem Gasthaus mit Kuranstalt ganz im Stil der Zeit umgebaut. Die ehemalige Badeanstalt ist heute ein sehenswertes Wohnhaus in der Anton-Rauch-Stra\u00dfe. Das spektakul\u00e4rste touristische Projekt, das Innsbruck jemals erlebte, war aber wohl Hoch Innsbruck, die heutige Hungerburg. Nicht nur die Hungerburgbahn und Hotels, sogar ein eigener See wurde hier nach der Jahrhundertwende geschaffen, um G\u00e4ste anzuziehen.<\/p>\n<p>Einer der ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens der <em>Hungerburg<\/em> und Innsbrucker Tourismuspionier, Richard von Attlmayr, war am Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Seit 1881 k\u00fcmmerte sich der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> um Befriedigung der steigenden Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste. Der Verein k\u00fcmmerte sich um die Anlage von Wander- und Spazierwegen, dem Aufstellen von B\u00e4nken und der Erschlie\u00dfung unwegsamer Gebiete wie der M\u00fchlauer Klamm oder der Sillschlucht. Die markanten gr\u00fcnen B\u00e4nke entlang vieler Wege erinnern bis heute an den noch immer existierenden Verein. 1888 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndeten die Profiteure des Fremdenverkehrs in Innsbruck die <em>Kommission zur F\u00f6rderung des Tourismus<\/em>, den Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbands. Durch vereinte Kr\u00e4fte in Werbung und Qualit\u00e4tssicherung bei den Beherbergungsbetrieben hofften die einzelnen Betriebe, den Tourismus weiter anzukurbeln.<\/p>\n<p><em>\u201eAllj\u00e4hrlich mehrt sich die Zahl der \u00fcberseeischen Pilger, die unser Land und dessen gletscherbekr\u00f6nte Berge zum Verdrusse unserer freundnachbarlichen Schweizer besuchen und manch klingenden Dollar zur\u00fccklassen. Die Engl\u00e4nder fangen an Tirol ebenso interessant zu finden wie die Schweiz, die Zahl der Franzosen und Niederl\u00e4nder, die den Sommer bei uns zubringen, mehrt sich von Jahr zu Jahr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Postkarten waren die ersten massentauglichen <em>Influencer<\/em> der Tourismusgeschichte. Viele Betriebe lie\u00dfen ihre eigenen Postkarten drucken. Verlage produzierten unz\u00e4hlige Sujets der beliebtesten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Es ist interessant zu sehen, was damals als sehenswert galt und auf den Karten abgebildet wurde. Anders als heute waren es vor allem die zeitgen\u00f6ssisch modernen Errungenschaften der Stadt: der Leopoldbrunnen, das Stadtcaf\u00e9 beim Theater, die Kettenbr\u00fccke, die Zahnradbahn auf die Hungerburg oder die 1845 er\u00f6ffnete Stefansbr\u00fccke an der Brennerstra\u00dfe, die als Steinbogen aus Quadern die Sill \u00fcberquerte, waren die Attraktionen. Auch Andreas Hofer war ein gut funktionierendes Testimonial auf den Postkarten: Der <em>Gasthof Schupfen<\/em> in dem Andreas Hofer sein Hauptquartier hatte und der Berg Isel mit dem gro\u00dfen Andreas-Hofer-Denkmal waren gerne abgebildete Motive.<\/p>\n<p>1914 gab es in Innsbruck 17 Hotels, die G\u00e4ste anlockten. Dazu kamen die Sommer- und Winterfrischler in Igls und dem Stubaital. Der Erste Weltkrieg lie\u00df die erste touristische Welle mit einem Streich versanden. Gerade als sich der Fremdenverkehr Ende der 1920er Jahre langsam wieder erholt hatte, kamen mit der Wirtschaftskrise und Hitlers <em>1000 Mark Sperre<\/em>, mit der er die \u00f6sterreichische Regierung 1933 unter Druck setzen wollte, um das Verbot der NSDAP zu beenden, die n\u00e4chsten D\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Es bedurfte des <em>Wirtschaftswunders<\/em> der 1950er und 1960er, um den Tourismus in Innsbruck nach den Zerst\u00f6rungen wieder anzukurbeln. Zwischen 1955 und 1972 verf\u00fcnffachen sich die N\u00e4chtigungszahlen in Tirol. Nach den beschwerlichen Kriegsjahren und dem Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Wirtschaft Jahren konnten Tirol und Innsbruck den Fremdenverkehr langsam, aber stetig stabil als Einnahmequelle etablieren, auch abseits der offiziellen Hotels und Pensionen. Viele Innsbrucker Familien r\u00fcckten in den ohnehin engen Wohnungen zusammen, um die Haushaltskasse durch die Vermietung von Betten an G\u00e4ste aus dem Ausland aufzubessern. Der Tourismus brachte nicht nur Devisen, sondern erm\u00f6glichte es den Einheimischen ein neues Image nach innen und au\u00dfen von sich zu kreieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Wirtschaftsaufschwung immer mehr Innsbruckern einen Urlaub im Ausland. Besonders beliebt waren die Str\u00e4nde Italiens. Aus den Kriegsfeinden vergangener Jahrzehnte wurden G\u00e4ste und Gastgeber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Artikel: Ausgestelltes Relief&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ausgestelltes Relief&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66064&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p data-start=\"288\" data-end=\"1685\"><strong>Erschienen: Innsbrucker Nachrichten \/ 10. Mai 1907<\/strong><\/p>\n<p data-start=\"288\" data-end=\"1685\">Im Schaufenster der Wagner\u2019schen Buchhandlung ist seit einiger Zeit ein von dem Herrn Lehrer Karl Hausleitner modelliertes und koloriertes Relief zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt, das die Anlage des Innsbrucker Versch\u00f6nerungsvereines am S\u00fcd- und S\u00fcdwestabhange des Stiftes der Stadt Innsbruck, des Bieler Weges, sowie die Weiterf\u00fchrung desselben nach den \u00f6stlichen H\u00e4ngen und bis zur Sonnenburgerhofstra\u00dfe, besonders des dem Dr. Richard Wirth gewidmeten Weges deutlich zur Anschauung bringt. Die Berglehne namentlich beim Sonnenburgerhof ist, gleich einem Serpentinenschlusse, so in derartigem Gef\u00e4lle am Schlo\u00dfhof und F\u00fcrstenweg herabgeleitet, da\u00df er im Sommer eine herrliche Waldpromenade und im Winter eine Stra\u00dfe zum Rodeln sein wird. Die Arbeiten werden nach Ma\u00dfgabe der eingegangenen Subskriptionen und unter Leitung der Bau-Interessenten des Herrn Ingenieurs Riehl durchgef\u00fchrt, und dieser Name b\u00fcrgt f\u00fcr die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit sowie gute Ausf\u00fchrung. Der Weg soll in Zukunft seine Ausgestaltung durch die Fortf\u00fchrung \u00fcber den Berg Isel zur Sillschlucht erhalten. Die Wagner\u2019sche Universit\u00e4ts-Buchhandlung hat bereits einige Spenden in Opferfreude zu diesem Weg \u00fcbernommen. Spazierg\u00e4nger, welche sich dieser gemeinn\u00fctzigen Bestrebungen des Versch\u00f6nerungsvereins zu den besten Bestrebungen z\u00e4hlen, werden sich als F\u00f6rderer des Werkes freuen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Artikel: Ro\u00dfa Peer&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Ro\u00dfa Peer&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66057&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Erschienen: Innsbrucker Nachrichten \/ 8. Mai 1879<\/p>\n<p>Es ist nun mit v\u00f6lliger Bestimmtheit anzunehmen, da\u00df Ro\u00dfa Peer von Igls nicht das Opfer irgend eines Verbrechens geworden, sondern da\u00df sie verungl\u00fcckt ist; sie scheint, um den Weg m\u00f6glichst abzuk\u00fcrzen, den in Folge der ununterbrochenen Abholzung gef\u00e4hrlich gewordenen Steig eingeschlagen zu haben, der beim Steinbruche am Eingange der Sillschlucht emporf\u00fchrt, und ausgest\u00fcrzt zu sein; denn oberhalb der Stelle, wo die Leiche gefunden worden ist, ist der Steig derartig, da\u00df er immer mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht passiert werden mu\u00df, und zu allen Zeiten, besonders aber im Zwielichte gef\u00e4hrlich bleibt. Es w\u00e4re sehr zu w\u00fcnschen, wenn dieser Fu\u00dfpfad g\u00e4nzlich unpraktikabel gemacht werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilten<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":65983,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[111,164,48,87],"tags":[],"class_list":["post-66031","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-macht-der-geographie","category-haymon-und-die-bajuwaren","category-tourismusland-tirol","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66031\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}