{"id":66255,"date":"2025-08-25T12:54:32","date_gmt":"2025-08-25T12:54:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66255"},"modified":"2026-03-05T08:40:34","modified_gmt":"2026-03-05T08:40:34","slug":"adambrau-ansitz-windegg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/adambrau-ansitz-windegg\/","title":{"rendered":"Adambr\u00e4u &amp; Ansitz Windegg"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Adambr\u00e4u &amp; Ansitz Windegg<\/h2>\n<p>Adamgasse 23 \/ Lois-Welzenbacher Platz 1<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66274,66277,66275,66276,67230,66258&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Adambr\u00e4u &#038; Ansitz Windegg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66259&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Adambr\u00e4u &#038; Ansitz Windegg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66262&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Vor den 1990er Jahren geborene Innsbrucker erinnern sich wahrscheinlich noch nostalgisch an das omnipr\u00e4sente Logo des Innsbrucker Bieres <em>Adambr\u00e4u<\/em> an den Schankanlagen der Stadt. Auf einem Wohnhaus in der Knollerstra\u00dfe prangte bis vor kurzem ein gro\u00dfes Wandgem\u00e4lde mit dem ikonischen Schriftzug des Adambr\u00e4u, auf dem sich zwei M\u00e4nner fr\u00f6hlich zuprosteten. Anders als heute, wo jedes Lokal, das auf sich h\u00e4lt, eine feine Selektion in- und ausl\u00e4ndischer Biere anbietet, hatte man im Nachtleben vergangener Tage meist nur die Qual der Wahl zwischen <em>Zipfer<\/em> und <em>Adambr\u00e4u<\/em>. Die Marke ist mittlerweile von den Bartresen und Supermarktregalen verschwunden, die Brauereigeb\u00e4ude existieren zu Teilen aber noch. Seinen Anfang nahm das Adambr\u00e4u in Wilten im <em>Ansitz Windegg<\/em>, besser bekannt als <em>Palais Stachelburg<\/em>. Das Anwesen mit gotischem Geb\u00e4udekern aus dem 15 Jahrhundert war der Wohnsitz der Grafen von Stachelburg. Die ihnen als Besitzer nachfolgenden Freiherren von Sternbach verpassten dem Haus 1730 sein barockes Erscheinungsbild und vergr\u00f6\u00dferten das Haupthaus um die Seitenfl\u00fcgel. Wer die M\u00f6glichkeit hat, kann sich die aufw\u00e4ndigen Stuckdekorationen und die Hauskapelle im Inneren ansehen. Sp\u00e4testens seit 1820 wurde in der <em>Stachelburg<\/em> Hochprozentiges gebrannt und ausgeschenkt. 1825 kaufte Franz Josef Adam das Anwesen und er\u00f6ffnete seine Brauerei mit Restauration. Er war wenige Jahre zuvor als Seidenfabrikant und Gemischtwarenh\u00e4ndler von Mals im S\u00fcdtiroler Vinschgau nach Innsbruck gekommen und hatte sich das B\u00fcrgerrecht der Stadt erarbeitet. Adam lie\u00df die Fassade des Ansitzes in seine heutige Form bringen und einen vierten Stock aufsetzen. Nach seinem Tod 1830 \u00fcbernahm seine nicht minder gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Frau Elisabeth, die auch das bis heute bestehenden Gasthaus <em>Bretterkeller<\/em> oberhalb des Stiftes Wilten errichten lie\u00df, die Gesch\u00e4fte. Ihre Kinder leiteten mit dem Verkauf 1835 eine lange Periode der regelm\u00e4\u00dfigen Besitzerwechsel ein. 1886 erweiterten die Eigent\u00fcmer Heinrich Jenewein und Hermann Winter als <em>Adambr\u00e4u Wilten OHG<\/em> die Stachelburg um eine Loggia, die als Salon und B\u00fchne diente. Im Garten entstand in der Mode der Zeit ein Pavillon f\u00fcr Konzerte. Die <em>Exl B\u00fchne<\/em> trat f\u00fcr einige Zeit in ihren Anfangstagen im <em>Adambr\u00e4u<\/em> auf, das sich dank hochwertiger Ausstattung, reichlich Bier sowie Musik und Theater zu einem der beliebtesten Gastronomiebetriebe der Stadt mauserte. Sch\u00fctzenfeste, Liederabende und Vereinsversammlungen f\u00fcllten Sitzpl\u00e4tze und Kassa der Brauerei.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg ver\u00e4nderte das Business. \u00a0In den kargen Zeiten verringerte sich der Konsum in den Innsbrucker Gastwirtschaften dramatisch. Der Aussto\u00df der Brauerei lag gegen Ende des Krieges nur noch bei 614 Hektoliter. 1917 \u00fcbernahm eine Genossenschaft von 20 Innsbrucker Gastronomen den gebeutelten Betrieb als <em>Gastwirtegenossenschaft Adambr\u00e4u Gesellschaft mbH<\/em>, um die Versorgung Innsbrucks mit Bier sicherzustellen. Am 20. Februar 1918 trafen w\u00e4hrend dem ersten Luftangriff auf die Stadt mehrere Bomben das Betriebsgel\u00e4nde. Die nahe Holzbr\u00fccke \u00fcber den Sillkanal wurde getroffen. \u00dcber 700 Fensterscheiben barsten unter der Druckwelle. Den gr\u00f6\u00dften Schaden richtete der Treffer am Berieselungskondensator des K\u00fchlhauses an. Das ausgetretene Ammoniak lie\u00df die Innsbrucker Bev\u00f6lkerung an einen gro\u00dfen Gasangriff glauben und in Panik verfallen.<\/p>\n<p>Acht Jahre nach dem Bombentreffer erfolgte mit dem Umbau des Adambr\u00e4u der bis dato vielleicht markanteste und meistdiskutierte Eingriff ins Stadtbild Innsbrucks. Nach Pl\u00e4nen von Lois Welzenbacher lie\u00df die Genossenschaft das Sudhaus im Stil der <em>Wei\u00dfen Tiroler Moderne<\/em> errichten. Das asymmetrische Geb\u00e4ude mit dem markanten Zacken und seiner wei\u00dfen, glatten Oberfl\u00e4che und den unregelm\u00e4\u00dfigen Fenstern in Metallrahmen erregte die Gem\u00fcter. Das rote K\u00fchlhaus mit aufgesetzter Industriehaube neben dem Hauptgeb\u00e4ude stach ebenfalls hervor. Welzenbachers Entwurf sollte zusammen mit dem Verwaltungsgeb\u00e4ude des Innsbrucker Elektrizit\u00e4tswerks eine neue \u00c4ra der Architektur abseits des Historismus einleiten und einen sichtbaren Kontrast zwischen der modernen, industrialisierten und der alten Stadt bilden. W\u00e4hrend sich das Geb\u00e4ude zwischen 1926 und 1931 \u00e4u\u00dferlich nicht markanter h\u00e4tte ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, blieb die Ausrichtung der Brauerei weiterhin auf die Versorgung der Innsbrucker Gastronomie beschr\u00e4nkt. In den wirtschaftlich boomenden 1950ern hielt die optimistische Feierzeit wieder Einzug. Das Adambr\u00e4u wurde zur gefragtesten Adresse f\u00fcr B\u00e4lle und Feierlichkeiten. In den 1960er Jahren \u00f6ffnete sich das mittlerweile als Adambr\u00e4u Gesellschaft m.b.H. firmierende Unternehmen f\u00fcr den Verkauf ihres Bieres \u00fcber den Einzelhandel. 1994 \u00fcbernahm die den \u00f6sterreichischen Biermarkt dominierende Brauunion das Adambr\u00e4u. W\u00e4hrend die Marke noch f\u00fcr einige Zeit erhalten blieb, schloss die Produktionsst\u00e4tte in Innsbruck ihren Betrieb.<\/p>\n<p>Die moderne Geb\u00e4ude Welzenbachers wurden 1996 unter Denkmalschutz gestellt. Das ehemalige K\u00fchlschiff wurde recht unbedacht zum B\u00fcrohaus umfunktioniert und verlor sein markantes Erscheinungsbild. Das Sudhaus hingegen wurde 2005 behutsam renoviert. Rainer K\u00f6berl und sein Team von aut.architektur und tirol legten sowohl im Inneren als auch au\u00dfen besonderen Wert auf den Charakter der ehemaligen Industrieanlage, in der das Archiv f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck mittlerweile seine Heimat hat. Ganz im Sinne seines Planers wurde auf das Konzept <em>Form follows Function<\/em> und den besonderen Stil der <em>Wei\u00dfen Tiroler Moderne<\/em> aufgebaut. An der Fassade zur ansonsten wenig schmucken S\u00fcdbahnstra\u00dfe erinnert der Schriftzug ADAMBR\u00c4U noch an die Geschichte des Hauses. Im ehemaligen Ansitz Windegg kann man bei einer Partie Billard die gotischen Gew\u00f6lbe aus dem 15. Jahrhundert begutachten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Herrscherh\u00e4user und Imperien an ihr Ende, auch in Kunst, Musik, Literatur und Architektur ver\u00e4nderte sich in den 1920er Jahren vieles. W\u00e4hrend sich Jazz, atonale Musik und Expressionismus im kleinen Innsbruck nicht etablierten, ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild auf erstaunliche Art und Weise. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil, Wolkenkratzern aus den USA und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Allen gemeinsam war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten bis heute sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Der Theologe, Publizist und Kriegspropagandist Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent von Franz Baumann aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der Staatsgewerbeschule, der heutigen HTL. Hier lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen. Gemeinsam mit Baumanns Schwester Maria waren die beiden jungen M\u00e4nner auf Ausfl\u00fcgen in der Gegend rund um Innsbruck unterwegs, um Bilder der Bergwelt und Natur zu malen. W\u00e4hrend der Schulzeit sammelte er erste Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. 1910 folgte Baumann seinem Freund Prachensky nach Meran, um bei der Firma <em>Musch &amp; Lun<\/em> zu arbeiten. Meran war damals Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter dem Architekten Adalbert Erlebach machte er erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch Baumann aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Bilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Baumanns Durchbruch kam in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre. Er konnte die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t und dem Verm\u00f6gen ganzheitlich zu denken, kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit der Gesetzeslage und den modernen Anforderungen der Ausschreibungen der 1920er Jahre entgegen. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In seiner Zeit in Meran war Baumann schon mit dem <em>Heimatschutzverband<\/em> in Ber\u00fchrung gekommen. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein noch in den letzten Jahren der Monarchie gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb er:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht, die neue Anforderungen an Geb\u00e4ude und somit an das Baugewerbe richtete. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Das bedurfte neuer L\u00f6sungen in neuen H\u00f6hen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern eine komplette Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Der Tiroler Heimatschutzverband wachte dar\u00fcber, dass Natur und Ortsbilder von allzu modischen Str\u00f6mungen, \u00fcberbordendem Tourismus und h\u00e4sslichen Industriebauten gesch\u00fctzt wurden. Bauprojekte sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Alle technischen Funktionen und Details, die Einbettung der Geb\u00e4ude in die Landschaft unter Ber\u00fccksichtigung der Topografie und des Sonnenlichtes spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos von 1913:<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein.<\/p>\n<p>Ab 1927 war Baumann selbstst\u00e4ndig in seinem Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten t\u00e4tig. Immer wieder kam er dabei in Ber\u00fchrung mit seinem Schwager und Mitarbeiter des Bauamtes Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten die beiden ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>.<\/p>\n<p>Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand er die Wirtschaftskrise gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1934 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro wie die gesamte Wirtschaft in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde Baumann zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem er mit einer Ausnahmegenehmigung ausgestattet diesen Berufstitel endlich tragen durfte. Im gleichen Jahr plante er die <em>H\u00f6rtnaglsiedlung<\/em> im Westen der Stadt.<\/p>\n<p>Nach dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals mutig gegen den zerst\u00f6rerischen Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Durchzugsgebiet, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte nach Wusch von Gauleiter Franz Hofer eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Hofer wollte auch die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Die Stellungnahme Baumanns zu diesen Pl\u00e4nen fiel negativ aus. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen.<\/p>\n<p>Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die neuen Stadts\u00e4le (<em>Anm.: heute Haus der Musik<\/em>) gestaltet.<\/p>\n<p>Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Theater, Bauernb\u00fchnen, Kinos &#038; Kuno&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Theater, Bauernb\u00fchnen, Kinos &#038; Kuno&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66231&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Tiroler Landestheater gegen\u00fcber der Hofburg mit seine klassizistischen Fassade ist bis heute das auff\u00e4lligste Denkmal bildungsb\u00fcrgerlicher, st\u00e4dtischer Abendunterhaltung der Stadt. Seit seinem Bestehen fristete dieses Haus der Hochkultur allerdings zu einem gro\u00dfen Teil ein tristes Dasein, was die Zuschauerzahlen anbelangt. Von barocken St\u00fccken rund um das Leiden Christi des 16. Jahrhunderts bis zu gewagten, vom Publikum oft mit wenig Applaus honorierten Inszenierungen knapp 500 Jahre sp\u00e4ter war das Treiben im Landestheater stets das Steckenpferd einer kleinen Elite. Die Mehrheit der Innsbrucker vertrieb sich die Zeit mit profanen Vergn\u00fcgungen.<\/p>\n<p>Schausteller und fahrendes Volk waren in St\u00e4dten immer schon gern gesehene G\u00e4ste. Nicht anders als heute gab es auch in vergangenen Zeiten eine strenge Zensur \u00f6ffentlicher Darstellungen. Was heute Altersbeschr\u00e4nkungen bei Kinofilmen sind, waren fr\u00fcher Einschr\u00e4nkungen von Gott nicht gef\u00e4lligen Auff\u00fchrungen bis hin zu kompletten Verboten von Theater und Schauspiel unter besonders frommen Landesf\u00fcrsten. Mit der steigenden Verb\u00fcrgerlichung und aufgekl\u00e4rteren Moralvorstellungen wurden die Regeln aber nach und nach lockerer.<\/p>\n<p>Das <em>Pradler Bauerntheater<\/em>, die \u00e4lteste bis heute institutionalisierte volkst\u00fcmliche Innsbrucker Theatergruppe, gr\u00fcndete sich nach eigenen Angaben 1762. Der erste Spielort war zwar eine Freiluftb\u00fchne in der H\u00f6ttinger Au und neben Bauern waren auch Handwerker und Studenten Teil des Ensembles, der Namens- und Herkunftsehre soll das an dieser Stelle aber keinen Abbruch tun. W\u00e4hrend im Landestheater oft vor halbleeren R\u00e4ngen gespielt wurde, erfreuten sich die Laiendarsteller mit ihren Lustspielen gro\u00dfer Beliebtheit. Angestellte und Arbeiter pilgerten am Wochenende aus der Stadt zu den Spielorten in den umliegenden D\u00f6rfern oder genossen in Wirtsh\u00e4usern die abendliche Zerstreuung. Besonders beliebt waren die sogenannten Ritterspiele mit entf\u00fchrten Prinzessinnen, heldenhaften Rettern und tollpatschigen B\u00f6sewichten. Anders als in den ernsten St\u00fccken im b\u00fcrgerlichen Theater traten die Darsteller der Bauerntheater mit den Besuchern in Kontakt. Zwischenrufe von den R\u00e4ngen wurden nicht unterbunden, sondern spontan ins St\u00fcck eingebaut. Es konnte sogar vorkommen, dass das nicht immer n\u00fcchterne Publikum handgreiflich in die Handlung eingriff.<\/p>\n<p>Mit zunehmendem Erfolg begann nach und nach eine Professionalisierung. 1870 \u00fcbersiedelte das <em>Pradler Bauerntheater<\/em> in einen zur B\u00fchne umgebauten Heustadl am <em>Lodronischen Hof<\/em> in der Egerdachstra\u00dfe. Innsbruck besa\u00df in der Zeit vor dem Siegeszug des Fernsehens eine ganze Reihe an Theatern und Lokalen, die ihr Publikum mit Theaterst\u00fccken und Musik unterhielten. 1892 er\u00f6ffnete die L\u00f6wenhaus-B\u00fchne am Rennweg, wo heute das Tiroler Landesstudio des ORF beheimatet ist. Das Holzgeb\u00e4ude brannte in den sp\u00e4ten 50er Jahren, p\u00fcnktlich zum Aufstieg des staatlichen Rundfunks ab. 1898 waren die Pradler auf Gastspiel im Ronacher in Wien. Der junge und ehrgeizige Ferdinand Exl (1875 \u2013 1942) beschritt einige Jahre sp\u00e4ter mit einem Teil der Truppe neue Wege. Lange galt die Weisheit: \u201e<em>Wer in ein Bauerntheater gehen will, kommt im Theater nicht auf seine Rechnung und wer im Theater nicht nur Unterhaltung, sondern literarische Anregung sucht, geht nicht ins Bauerntheater.<\/em>\u201c Exl erkannte den Trend der Zeit. Angestellte und Arbeiter konnten sich zwar die horrenden Ticketpreise des Landestheaters nicht leisten und wollten auch keine sich ziehenden Wagneropern oder St\u00fccke wie <em>Die Leiden des jungen Werther<\/em> sehen, eine gewisse Qualit\u00e4t in Inhalt und Darstellung erwartete man sich aber. Mit den sogenannten literarischen Volksst\u00fccken namhafter heimischer Autoren wie Ludwig Anzengruber, Franz Kranewitter oder Karl Sch\u00f6nherr vereinte Exl Unterhaltung und Niveau. Anzengruber fasste die Entwicklung zusammen:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Anzengruber\u2019schen Tiroler singen nicht nur Schnaderh\u00fcpfel, platteln d\u2019Schuh, fluchen wie Kroaten und raufen, sondern sie sind auch Menschen mit einer subtilen Psyche, die sich \u00fcber die verschiedensten Probleme ihre eigenen Gedanken machen, ihre eigene Philosophie entwickeln.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Das erste von Exl inszenierte St\u00fcck <em>Der Pfarrer von Kirchfeld<\/em> aus der Feder Anzengrubers kam 1902 im <em>\u00d6sterreichischen Hof<\/em> in Wilten auf die B\u00fchne. Die Truppe bestand vor allem aus Mitgliedern der Familie Exl und Auer. 1903 zog die als <em>Exl B\u00fchne<\/em> bekannte Schauspielertruppe ins <em>Adambr\u00e4u<\/em> in der Adamgasse, von 1904 bis 1915 spielten Publikumshits wie Kranewitters St\u00fccke <em>Michael Gaismair<\/em> und <em>Andre Hofer<\/em> im <em>L\u00f6wenhaus<\/em> beim Hofgarten. Neben den St\u00fccken wurde f\u00fcr Touristen auch landestypische Unterhaltung wie Zithervortr\u00e4ge und \u201e<em>echter, fescher Tiroler Schuhplattler-Tanz<\/em>\u201c geboten. 1904 startete die erste internationale Tournee in die Schweiz und nach Deutschland. Presse und Publikum waren von den deutschnational angehauchten St\u00fccken gespielt von kernigen Tiroler Burschen und h\u00fcbschen M\u00e4dchen begeistert. 1910 nahm Exl Abschied vom Dasein als Amateurtruppe und stellte neben einigen Altgedienten vor allem \u201e<em>Stadtleut<\/em>\u201c und professionelle Schauspieler an.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg und die damit einhergehenden Reisebeschr\u00e4nkungen bremste weitere Tourneen aber aus. Die Truppe wurde Teil des <em>Innsbrucker Stadttheaters<\/em>, dessen Publikum in den harten Zeiten ebenfalls empf\u00e4nglich f\u00fcr die leichtere Kost war. F\u00fcr die B\u00fchnenbilder war unter anderem Ernst Nepo zust\u00e4ndig, ein K\u00fcnstler, der sich durch seine Deutscht\u00fcmelei und einem fr\u00fchen Beitritt zur NSDAP auszeichnete.<\/p>\n<p>Nach den h\u00e4rtesten Nachkriegsjahren ging es wieder bergauf. Ab 1924 bespielte die <em>Exl B\u00fchne<\/em> neben dem Stadttheater im Winter auch das Raimundtheater und das Wiener Kom\u00f6dienhaus regelm\u00e4\u00dfig. Die politischen Entwicklungen der 1930er Jahre kamen dem deutschen Volksgeist, der vielen St\u00fccken innewohnte, die Exl auf die B\u00fchne brachte, sehr zugute. Wie Nepo trat auch er 1933 der in \u00d6sterreich verbotenen NSDAP bei. Ein Jahr sp\u00e4ter plante er die erste Tournee durch das Deutsche Reich. Die von Dollfu\u00df angef\u00fchrte \u00f6sterreichische Regierung untersagte die Auftritte in einem letzten Aufb\u00e4umen gegen die Nationalsozialisten. Erst 1935 konnte die Exl B\u00fchne in Berlin Karl Sch\u00f6nherrs St\u00fcck <em>Glaube und Heimat<\/em> auff\u00fchren. Die <em>Berliner Morgenpost <\/em>vom 4.4.1935 beschrieb das St\u00fcck als \u201e\u2026<em>Kunst, die aus der Tiefe deutschen Volkstums str\u00f6mt und zur\u00fcckflie\u00dft in das Herz ergriffener und dankbarer Zuh\u00f6rer<\/em>\u201c. Nach 1938 bekam Exl auch in Wien medialen R\u00fcckenwind und wurde als \u201e<em>\u2026Gegenpol gegen den v\u00f6llig verjudeten, k\u00fcnstlerisch bolschewisierten\u2026 Theaterbetrieb<\/em>\u201c gefeiert. 1942 verstarb der Gr\u00fcnder der Exl B\u00fchne. Seine Frau und sein Sohn \u00fcbernahmen den Betrieb und wurden nach dem Krieg Teil des Tiroler Landestheaters. In den 1950er gelang in West- und Ostdeutschland noch einmal eine erfolgreiche Tournee, bevor sich die Theatergruppe 1956 aufl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Die Zeiten hatten sich ge\u00e4ndert, <em>Cinema killed the Theatre Star<\/em>. Bewegte Bilder in Kinos machten den B\u00fchnen Konkurrenz. Auch diese Entwicklung hatte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Ferdinand Exl schon fr\u00fch vorhergesehen. 1912 trat sein Ensemble im franz\u00f6sischen Film <em>Speckbacher<\/em> auf, der die Tiroler Erhebung heroisch darstellte. Der erste Kinofilm flimmerte in Innsbruck bereits 1896, nur ein Jahr nach dem ersten Lichtspiel weltweit \u00fcberhaupt, vor einem faszinierten Publikum \u00fcber die Leinwand im Stadtsaal. Das Kino wurde schnell Teil des Alltags vieler Menschen. Neben Stummfilmen zeigte man dem Publikum vor allem w\u00e4hrend des Krieges propagandistisch genehme Nachrichten. Wie Pilze schossen Kinos in den folgenden Jahrzehnten aus dem Boden. 1909 \u00f6ffnete ein Lichtspielhaus in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe 10, das sp\u00e4ter als <em>Zentral<\/em> in die Maria-Theresien-Stra\u00dfe 37 \u00fcbersiedelte. Nach dem Krieg wurde es zum <em>Nonstop Kino<\/em>, in dem man sein Ticket f\u00fcr einen Durchlauf von Nachrichten, Zeichentrick, Werbung und Spielfilmen bezahlte, der sich st\u00e4ndig wiederholte. 1928 er\u00f6ffnete das Rote Kreuz die Kammer Lichtspiele in der Wilhelm-Greilstra\u00dfe, um das neue Vereinsheim zu finanzieren. In der Maria-Theresien-Stra\u00dfe 17 war das Triumph ans\u00e4ssig, das sich als Central bis in die 1990er Jahre halten konnte. Dreiheiligen beherbergte das Forum Kino, wo heute das Jugendheim Z6 ist. 1933 er\u00f6ffnete in der H\u00f6ttinger Gasse das <em>L\u00f6wenkino<\/em>, das 1959 als Metropol ins denkmalgesch\u00fctzte <em>Malfattihaus<\/em> gegen\u00fcber der Innbr\u00fccke zog, wo es bis heute besteht. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges \u00f6ffnete mit den <em>Laurin Lichtspielen<\/em> Innsbrucks gr\u00f6\u00dfter Kinosaal inmitten der S\u00fcdtiroler Siedlung in der Gumppstra\u00dfe seine Pforten. Robert und Walter Kinigadner, zwei S\u00fcdtiroler Optanten, die bereits in Brixen Erfahrung in der Kinobranche gesammelt hatten, \u00fcbernahmen den Betrieb des 800 Zuschauer fassenden Saales. Harmlose Heimatfilme wechselten sich mit NS-Propaganda ab. Auch die <em>Exl-B\u00fchne<\/em> nutzte das Laurin, das bis in die 1970er Jahre als Kino fungierte, f\u00fcr Theatervorstellungen. Heute befindet sich hinter den S\u00e4ulen am ehemals pomp\u00f6sen Eingang ein Supermarkt. An der Wand \u00fcber dem Kassenbereich kann man noch die Wandmalereien rund um die Legende vom sagenhaften Zwergenk\u00f6nig Laurin und dem deutschen Helden Dietrich von Bern in der typischen Optik nationalsozialistischer Kunst sehen. 1958 er\u00f6ffnete in den R\u00e4umlichkeiten des ehemaligen Katholischen Arbeitervereins Innsbruck das <em>Leokino<\/em>, das bis heute in Betrieb und fixer Bestandteil der Innsbruck Filmszene ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine kurze Zeit koexistierten Kino und Theater, bevor das Kino die Oberhand \u00fcbernahm. Auf ihrem H\u00f6hepunkt 1958 z\u00e4hlten Innsbrucks Lichtspielh\u00e4user unfassbare 3.5 Millionen verkaufter Eintrittskarten. Dann \u00fcbernahm der Fernseher im eigenen Wohnzimmer nach und nach Information und Abendunterhaltung. Das Kino \u00fcbernahm neben der Unterhaltung auch in der sexuellen Aufkl\u00e4rung eine Rolle. In den 1970ern flimmerten erstmals nackte Br\u00fcste \u00fcber die Leinw\u00e4nde. Filme wie der Schulm\u00e4dchenreport oder Josefine Mutzenbacher brachten die sexuelle Revolution auch den Tirolern ein klein wenig n\u00e4her.<\/p>\n<p>Als der <em>\u00d6sterreichische Rundfunk<\/em> 1955 seinen Dienst antrat, hatte noch kaum jemand ein Endger\u00e4t, um das d\u00fcrftige Programm zu empfangen. Das sollte sich rasch \u00e4ndern. In Innsbruck gibt es mit dem <em>Metropol<\/em> an der Innbr\u00fccke und dem um die Jahrtausendwende errichteten <em>Cineplexx<\/em> in Wilten noch zwei gro\u00dfe Player. <em>Cinematograph<\/em> und<em> Leokino<\/em> richten sich abseits der Blockbuster an ein alternatives Publikum. Im August findet im Zeughaus das Open Air Kino statt. Von den Bauerntheatern konnte sich die Pradler Truppe bis heute halten, wenn auch unter neuem Namen. Sie fanden 1958 eine neue Heimat im Kulturgasthaus Bierstindl. Die Laientruppe <em>Innsbrucker Ritterspiele<\/em> erfreut sich bis heute gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit und voller R\u00e4nge. Das St\u00fcck <em>Der Schurkische Kuno von Drachenfels<\/em> belebt allj\u00e4hrlich die Tradition vergangener Jahrhunderte samt Wiederholung der K\u00f6pfungsszene und humorvoller Interaktion mit dem Publikum. An Ferdinand Exl erinnert eine Stra\u00dfe im Stadtteil H\u00f6ttinger Au. Das Landhaus Alpenheim im Saggen, heute besser bekannt als Villa Exl, in dem die Familie ihren Wohnsitz hatte, ist ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Tiroler Heimatstil mit Malereien Raphael Thalers.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Erste Weltkrieg &#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53606&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Beinahe h\u00e4tte nicht Gavrilo Princip, sondern ein Innsbrucker Student die Geschicke der Welt ver\u00e4ndert. Es ist dem Zufall zu verdanken, dass der 20 Jahre alte Serbe im Jahr 1913 gestoppt wurde, weil er mit dem geplanten Attentat auf den Thronfolger vor einer Kellnerin prahlte. Erst als es tats\u00e4chlich zu den die Welt ver\u00e4ndernden Sch\u00fcssen in Sarajevo kam, erschien ein Artikel in den Medien dazu. Welche Auswirkungen der daraufhin ausgebrochene Erste Weltkrieg auf die Welt und den Alltag der Menschen haben sollte, war nach dem tats\u00e4chlichen Attentat auf Franz Ferdinand am 28. Juni nicht absehbar. Zwei Tage nach der Ermordung des Habsburgers in Sarajewo war aber in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> bereits prophetisches zu lesen: \u201e<em>Wir sind an einem Wendepunkte \u2013 vielleicht an dem Wendepunkte\u201c \u2013 der Geschicke dieses Reiches angelangt<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Auch in Innsbruck war die Begeisterung f\u00fcr den Krieg 1914 gro\u00df gewesen. Vom \u201e<em>Gott, Kaiser und Vaterland<\/em>\u201c der Zeit angetrieben, begr\u00fc\u00dften die Menschen den Angriff auf Serbien zum allergr\u00f6\u00dften Teil einhellig. Politiker, Klerus und Presse stimmten in den allgemeinen Jubel mit ein. Neben dem kaiserlichen Appell \u201eAn meine V\u00f6lker\u201c, der in allen Medien des Reiches erschien, druckten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> am 29. Juli, dem Tag nach der Kriegserkl\u00e4rung \u00d6sterreich-Ungarns an Serbien einen Artikel rund um die Einnahme Belgrads durch Prinz Eugen im Jahr 1717. Der Ton in den Medien war feierlich, wenn auch nicht ganz ohne b\u00f6se Vorahnung auf das, was kommen sollte.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Appell des Kaisers an seine V\u00f6lker wird tief ergreifen. Der innere Hader ist verstummt und die Spekulationen unserer Feinde aus Unruhen und \u00e4hnliche Dinge sind j\u00e4mmerlich zu Schanden geworden. In alter und vielbew\u00e4hrter Treue stehen vor allem auch diesmal die Deutschen zu Kaiser und Reich: auch diesmal bereit, mit ihrem Blute f\u00fcr Dynastie und Vaterland einzustehen. Wir gehen schweren Tagen entgegen; niemand kann auch nur ahnen, was uns das Schicksal bescheiden wird, was es Europa, was es der Welt bescheiden wird. Wir k\u00f6nnen nur mit unserem alten Kaiser auf unsere Kraft und auf Gott vertrauen und die Zuversicht hegen, da\u00df, wenn wir einig find und zusammenhalten, uns der Sieg beschieden sein mu\u00df, denn wir wollten den Krieg nicht und unsere Sache ist die der Gerechtigkeit!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Besonders \u201everdient\u201c machten sich bei der Kriegstreiberei Theologen wie Joseph Seeber (1856 \u2013 1919) und Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> (1870 \u2013 1919) die mit ihren Predigten und Schriften wie \u201e<em>Das blutige Jahr<\/em>\u201c den Krieg zu einem Kreuzzug gegen Frankreich und Italien erhoben.<\/p>\n<p>Viele Innsbrucker meldeten sich freiwillig f\u00fcr den Feldzug gegen Serbien, von dem man dachte, er w\u00e4re eine Angelegenheit weniger Wochen oder Monate. Von au\u00dferhalb der Stadt kam eine so gro\u00dfe Anzahl an Freiwilligen zu den Stellungskommissionen, dass Innsbruck beinahe aus allen N\u00e4hten platzte. Wie anders es kommen sollte, konnte keiner ahnen. Schon nach den ersten Schlachten im fernen Galizien war klar, dass es keine Sache von Monaten werden w\u00fcrde. Kaiserj\u00e4ger und andere Tiroler Truppen wurden regelrecht verheizt. Schlechte Ausr\u00fcstung, mangelnder Nachschub und die katastrophale des Oberkommandos unter Konrad von H\u00f6tzendorf brachten Tausenden den Tod oder in Kriegsgefangenschaft, wo Hunger, Misshandlung und Zwangsarbeit warteten.<\/p>\n<p>1915 trat das K\u00f6nigreich Italien an der Seite Frankreichs und Englands in den Krieg ein. Damit ging die Front quer durch das damalige Tirol. Vom Ortler im Westen \u00fcber den n\u00f6rdlichen Gardasee bis zu den <em>Sextener Dolomiten<\/em> fanden die Gefechte des Gebirgskriegs statt. Innsbruck war nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffen. Zumindest h\u00f6ren konnte man das Kriegsgeschehen aber bis in die Landeshauptstadt, wie in der Zeitung vom 7. Juli 1915 zu lesen war:<\/p>\n<p><em>\u201eBald nach Beginn der Feindseligkeiten der Italiener konnte man in der Gegend der Serlesspitze deutlich Kanonendonner wahrnehmen, der von einem der Kampfpl\u00e4tze im S\u00fcden Tirols kam, wahrscheinlich von der Vielgereuter Hochebene. In den letzten Tagen ist nun in Innsbruck selbst und im Nordosten der Stadt unzweifelhaft der Schall von Gesch\u00fctzdonner festgestellt worden, einzelne starke Schl\u00e4ge, die dumpf, nicht rollend und t\u00f6nend \u00fcber den Brenner her\u00fcberklangen. Eine T\u00e4uschung ist ausgeschlossen. In Innsbruck selbst ist der Donner der Kanonen schwerer festzustellen, weil hier der L\u00e4rm zu gro\u00df ist, es wurde aber doch einmal abends ungef\u00e4hr um 9 Uhr, als einigerma\u00dfen Ruhe herrschte, dieser unzweifelhafte von unseren M\u00f6rsern herr\u00fchrender Donner geh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bis zur Verlegung regul\u00e4rer Truppen von der Ostfront an die Tiroler Landesgrenzen hing die Landesverteidigung an den Standsch\u00fctzen, einer Truppe, die aus M\u00e4nnern unter 21, \u00fcber 42 oder mit Untauglichkeit f\u00fcr den regul\u00e4ren Milit\u00e4rdienst bestand. Die Opferzahlen waren dementsprechend hoch.<\/p>\n<p>Die Front war zwar relativ weit von Innsbruck entfernt, der Krieg drang aber auch ins zivile Leben ein. Durch die Massenmobilmachung eines gro\u00dfen Teils der arbeitenden m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung kamen viele Betriebe zum vollkommenen Stillstand. Regale in Gesch\u00e4ften blieben leer, der \u00f6ffentliche Verkehr kam zum Erliegen, Handwerker und Arbeiter fehlten an allen Ecken und Enden. Oft fehlten Kohle und Brennholz. Hunger und K\u00e4lte wurden in der Stadt zu erbitterten Feinden von Frauen, Kindern, Verwundeten und nicht Kriegstauglichen. Diese Erfahrung der totalen Einbeziehung der gesamten Gesellschaft war f\u00fcr die Menschen neu. In der H\u00f6ttinger Au wurden Baracken zur Unterbringung von Kriegsgefangenen errichtet. Verwundetentransporte brachten eine so gro\u00dfe Zahl grauenhaft Verletzter, dass viele eigentlich zivile Geb\u00e4ude wie die sich gerade im Bau befindliche Universit\u00e4tsbibliothek oder Schloss Ambras in Milit\u00e4rspit\u00e4ler umfunktioniert wurden. Um der gro\u00dfen Zahl an Gefallenen Herr zu werden, wurde der Milit\u00e4rfriedhof Pradl angelegt. Ein Vorg\u00e4nger der Stra\u00dfenbahnlinie 3 wurde eingerichtet, um die Verwundeten vom Bahnhof ins neue Garnisonsspital, die heutige Conradkaserne in Pradl, bringen zu k\u00f6nnen. Die Unternehmen, die noch produzieren konnten, wurden der Kriegswirtshaft untergeordnet. Je l\u00e4nger der Krieg aber dauerte, desto weniger waren es. Im Winter 1917 war die Innsbrucker Wirtschaft beinahe g\u00e4nzlich zusammengebrochen.<\/p>\n<p>Mit dem Kriegsende r\u00fcckte auch die Front n\u00e4her. Im Februar 1918 schaffte es die italienische Luftwaffe, drei Bomben auf Innsbruck abzuwerfen. In diesem Winter, der als <em>Hungerwinter<\/em> in die europ\u00e4ische Geschichte einging, machte sich auch der Mangel bemerkbar. Die Versorgung erfolgte in den letzten Kriegsjahren \u00fcber Bezugsscheine. 500 g Fleisch, 60 g Butter und 2 kg Kartoffel waren die Basiskost pro Person \u2013 pro Woche, wohlgemerkt. Auf Archivbildern kann man die langen Schlangen verzweifelter und hungriger Menschen vor den Lebensmittell\u00e4den sehen. Immer wieder kam es zu Protesten und Streiks. Politiker, Gewerkschafter, Arbeiter und Kriegsheimkehrer sahen ihre Chance auf Umbruch gekommen. Unter dem Motto <em>Friede, Brot und Wahlrecht <\/em>vereinten sich unterschiedlichste Parteien im Widerstand gegen den Krieg. Zu dieser Zeit war den meisten Menschen schon klar, dass der Krieg verloren war, und welches Schicksal Tirol erwarten w\u00fcrde, wie dieser Artikel vom 6. Oktober 1918 zeigt:<\/p>\n<p>\u00a0\u201e<em>Aeu\u00dfere und innere Feinde w\u00fcrfeln heute um das Land Andreas Hofers. Der letzte Wurf ist noch grausamer; sch\u00e4ndlicher ist noch nie ein freies Land geschachert worden. Das Blut unserer V\u00e4ter, S\u00f6hne und Br\u00fcder ist umsonst geflossen, wenn dieser sch\u00e4ndliche Plan Wirklichkeit werden soll. Der letzte Wurf ist noch nicht getan. Darum auf Tiroler, zum Tiroler Volkstag in Brixen am 13. Oktober 1918 (n\u00e4chsten Sonntag). Deutscher Boden mu\u00df deutsch bleiben, Tiroler Boden mu\u00df tirolisch bleiben. Tiroler entscheidet selbst \u00fcber Eure Zukunft!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Am 4. November vereinbarten \u00d6sterreich-Ungarn und das K\u00f6nigreich Italien schlie\u00dflich einen Waffenstillstand. Damit verbunden war das Recht der Alliierten Gebiete der Monarchie zu besetzen. Bereits am n\u00e4chsten Tag r\u00fcckten bayerische Truppen in Innsbruck ein. Der \u00f6sterreichische Verb\u00fcndete Deutschland befand sich noch im Krieg mit Italien und hatte Angst, die Front k\u00f6nnte nach Nordtirol n\u00e4her an das Deutsche Reich verlegt werden. Zum gro\u00dfen Gl\u00fcck f\u00fcr Innsbruck und die Umgebung kapitulierte aber auch Deutschland eine Woche sp\u00e4ter am 11. November. So blieben die gro\u00dfen Kampfhandlungen zwischen regul\u00e4ren Armeen au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Trotzdem war Innsbruck in Gefahr. Gewaltige Kolonnen an milit\u00e4rischen Kraftfahrzeugen, Z\u00fcge voller Soldaten und tausende ausgezehrte Soldaten, die sich zu Fu\u00df auf den Heimweg von der Front machten, passierten die Stadt. Wer konnte, sprang auf einen der \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcge oder auf ein Auto, um den Brenner hinter sich zu lassen, um nach Hause zu kommen. Im November 1918 kamen mehr als 270 Soldaten bei diesen waghalsigen Man\u00f6vern ums Leben oder mussten in eines der Lazarette der Stadt eingeliefert werden. Die Stadt musste nicht nur die eigenen B\u00fcrger in Zaum halten, die Verpflegung garantieren, sondern sich auch vor Pl\u00fcnderungen sch\u00fctzen. Um die \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, bildete der Tiroler Nationalrat am 5. November eine Volkswehr aus Sch\u00fclern, Studenten, Arbeitern und B\u00fcrgern. Am 23. November 1918 besetzten italienische Truppen die Stadt und das Umland. Der beschwichtigende Aufruf an die Innsbrucker von B\u00fcrgermeister Greil, die Stadt ohne Aufruhr zu \u00fcbergeben, hatte Erfolg. 5000 Mann mussten Unterschlupf in der ausgehungerten und elenden Stadt finden. Schulen wurden zu Kasernen. Es kam zwar zu vereinzelten Ausschreitungen, Hungerkrawallen und Pl\u00fcnderungen, bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen oder gar eine bolschewistische Revolution wie in M\u00fcnchen gab es aber nicht.<\/p>\n<p>\u00dcber 1200 Innsbrucker verloren auf den Schlachtfeldern und in Lazaretten ihr Leben, \u00fcber 600 wurden verwundet. Erinnerungsorte an den Ersten Weltkrieg und seine Opfer finden sich in Innsbruck vor allem an Kirchen und Friedh\u00f6fen. Das Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel zeigt Uniformen, Waffen und Bilder des Schlachtgeschehens. Den beiden Theologen Anton M\u00fcllner und Josef Seeber sind in Innsbruck Stra\u00dfennamen gewidmet. Auch nach dem Oberbefehlshaber der k.u.k Armee an der S\u00fcdfront, Erzherzog Eugen, wurde eine Stra\u00dfe benannt. Vor dem Hofgarten befindet sich ein Denkmal f\u00fcr den erfolglosen Feldherren. An die italienische Besatzung erinnert der \u00f6stliche Teil des Amraser Milit\u00e4rfriedhofs.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbrucks Industrielle Revolutionen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;58380&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert begann sich in Innsbruck eine erste fr\u00fche Form der Industrialisierung zu entwickeln. Die Metallverarbeitung florierte unter der aufsteigenden Bauwirtschaft in der boomenden Residenzstadt und der Herstellung von Waffen und R\u00fcstungen. Viele Faktoren trafen daf\u00fcr zusammen. Die verkehrsg\u00fcnstige Lage der Stadt, die Verf\u00fcgbarkeit von Wasserkraft, Innsbrucks politischer Aufstieg, das Knowhow der Handwerker und die Verf\u00fcgbarkeit von Kapital unter Maximilian erm\u00f6glichten den Aufbau von Infrastruktur. Glocken- und Waffengie\u00dfer wie die L\u00f6fflers errichteten in H\u00f6tting, M\u00fchlau und Dreiheiligen Betriebe, die zu den f\u00fchrenden Werken Europas ihrer Zeit geh\u00f6rten. Entlang des Sillkanals nutzten M\u00fchlen und Betriebe die Wasserkraft zur Energiegewinnung. Pulverstampfer und Silberschmelzen hatten sich in der Silbergasse, der heutigen Universit\u00e4tsstra\u00dfe, angesiedelt. In der heutigen Adamgasse gab es eine Munitionsfabrik, die 1636 explodierte.<\/p>\n<p>Die Metallverarbeitung kurbelte auch andere Wirtschaftszweige an. Anfang des 17. Jahrhunderts waren 270 Betriebe in Innsbruck ans\u00e4ssig, die Meister, Gesellen und Lehrlinge in Lohn und Brot hatten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Innsbrucker war zwar noch immer in der Verwaltung t\u00e4tig, Gewerbe, Handwerk und das Geld, das sich damit verdienen lie\u00df, zogen aber eine neue Schicht von Menschen an. Es kam zu einer Umschichtung innerhalb der Stadt. B\u00fcrger und Betriebe wurden von der Beamtenschaft und dem Adel aus der Neustadt verdr\u00e4ngt. Die meisten der barocken Palazzi, die heute die Maria-Theresienstra\u00dfe schm\u00fccken, entstanden im 17. Jahrhundert w\u00e4hrend Dreiheiligen und St. Nikolaus zu Innsbrucks Industrie- und Arbeitervierteln wurden. Neben der Metallverarbeitung rund um die Silbergasse siedelten sich auch Gerber, Tischler, Wagner, Baumeister, Steinmetze und andere Handwerker der fr\u00fchen Industrialisierung hier an.<\/p>\n<p>Die Industrie \u00e4nderte nicht nur die Spielregeln im Sozialen durch den Zuzug neuer Arbeitskr\u00e4fte und ihrer Familien, sie hatte auch Einfluss auf die Erscheinung Innsbrucks. Die Arbeiter waren, anders als die Bauern, keines Herren Untertanen. Unternehmer waren zwar nicht von edlem Blut, sie hatten aber oft mehr Kapital zur Verf\u00fcgung als die Aristokratie. Die alten Hierarchien bestanden zwar noch, begannen aber zumindest etwas br\u00fcchig zu werden. Die neuen B\u00fcrger brachten neue Mode mit und kleideten sich anders. Kapital von au\u00dferhalb kam in die Stadt. Wohnh\u00e4user und Kirchen f\u00fcr die neu zugezogenen Untertanen entstanden. Die gro\u00dfen Werkst\u00e4tten ver\u00e4nderten den Geruch und den Klang der Stadt. Die H\u00fcttenwerke waren laut, der Rauch der \u00d6fen verpestete die Luft. Innsbruck war von einer kleinen Siedlung an der Innbr\u00fccke zu einer Proto-Industriestadt geworden.<\/p>\n<p>Das Wachstum wurde Ende des 18. Jahrhunderts f\u00fcr einige Jahrzehnte von den Napoleonischen Kriegen gebremst. Die zweite Welle der Industrialisierung erfolgte im Verh\u00e4ltnis zu anderen europ\u00e4ischen Regionen in Innsbruck sp\u00e4t. Ein Grund daf\u00fcr war die sp\u00e4te Etablierung eines funktionierenden Bankenwesens in der Stadt. Katholiken galten B\u00e4nker noch immer als \u201eWucherer und Borger\u201c und das Gesch\u00e4ft mit dem Geld galt als unanst\u00e4ndig. Ohne Finanzierung konnten aber auch gro\u00dfe Unternehmungen nicht gegr\u00fcndet werden. Die Tiroler Landesregierung hatte zwar 1715 die so genannte <em>Banko<\/em> gegr\u00fcndet und in der Herzog-Friedrich-Stra\u00dfe gab es die Privatbank Bederunger, erst mit der Gr\u00fcndung der ersten Filiale der Sparkasse wurde es m\u00f6glich, sein Geld nicht mehr unter dem Kopfpolster zu verwahren. Nach 1850 begann man Kredite zu vergeben, was die Gr\u00fcndung heimischer gr\u00f6\u00dferer Betriebe erm\u00f6glichte. Das <em>Kleine Handwerk<\/em>, die b\u00e4uerliche Herstellung von allerlei Gebrauchsgegenst\u00e4nden vor allem im weniger arbeitsintensiven Winter, und die ehemaligen in Z\u00fcnften organisierten Handwerksbetriebe der Stadt gerieten unter den Errungenschaften der modernen Warenherstellung unter Druck. In St. Nikolaus, Wilten, M\u00fchlau und Pradl entstanden entlang des M\u00fchlbaches und des Sillkanals moderne Fabriken. Viele innovative Betriebsgr\u00fcnder kamen von au\u00dferhalb Innsbrucks. Im heutigen Haus Innstra\u00dfe 23 gr\u00fcndete der aus der Lausitz nach Innsbrucker \u00fcbersiedelte Peter Walde 1777 sein Unternehmen, in dem aus Fett gewonnene Produkte wie Talglichter und Seifen hergestellt wurden. Acht Generationen sp\u00e4ter besteht Walde als eines der \u00e4ltesten Familienunternehmen \u00d6sterreichs noch immer. Im denkmalgesch\u00fctzten Stammhaus mit gotischem Gew\u00f6lbe kann man heute das Ergebnis der jahrhundertelangen Tradition in Seifen- und Kerzenform kaufen. Franz Josef Adam kam aus dem Vinschgau, um die bis dato gr\u00f6\u00dfte Brauerei der Stadt in einem ehemaligen Adelsansitz zu gr\u00fcnden. 1838 kam die Spinnmaschine \u00fcber die Dornbirner Firma <em>Herrburger &amp; Rhomberg <\/em>\u00fcber den Arlberg nach Pradl. <em>H&amp;R<\/em> hatte ein Grundst\u00fcck an den Sillgr\u00fcnden erworben. Der Platz eignete sich dank der Wasserkraft des Flusses ideal f\u00fcr die schweren Maschinen der Textilindustrie. Neben der traditionellen Schafwolle wurde nun auch Baumwolle verarbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Wie 400 Jahre zuvor ver\u00e4nderte auch die Zweite Industrielle Revolution die Stadt und den Alltag ihrer Einwohner nachhaltig. Stadtteile wie M\u00fchlau, Pradl und Wilten wuchsen rasant. Die Betriebe standen oft mitten in den Wohngebieten. \u00dcber 20 Betriebe nutzten um 1900 noch immer den Sillkanal. Die <em>Haidm\u00fchle<\/em> in der Salurnerstra\u00dfe bestand von 1315 bis 1907. In der Dreiheiligenstra\u00dfe wurde eine Textilfabrik mit der Energie des Sillkanals versorgt. Der L\u00e4rm und die Abgase der Motoren waren f\u00fcr die Anrainer die H\u00f6lle, wie ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1912 zeigt:<\/p>\n<p><em>\u201eEntr\u00fcstung ruft bei den Bewohnern des n\u00e4chst dem Hauptbahnhofe gelegenen Stadtteiles der seit einiger Zeit in der hibler\u00b4schen Feigenkaffeefabrik aufgestellte Explosionsmotor hervor. Der L\u00e4rm, welchen diese Maschine fast den ganzen Tag ununterbrochen verbreitet, st\u00f6rt die ganz Umgebung in der empfindlichsten Weise und mu\u00df die umliegenden Wohnungen entwerten. In den am Bahnhofplatze liegenden Hotels sind die fr\u00fcher so gesuchten und beliebten Gartenzimmer kaum mehr zu vermieten. Noch schlimmer als der ruhest\u00f6rende L\u00e4rm aber ist der Qualm und Gestank der neuen Maschine\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aristokraten, die sich zu lange auf ihrem Geburtsverdienst auf der faulen Haut ausruhten, w\u00e4hrend sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spielregeln \u00e4nderten, mussten ihre Anwesen an den neuen Geldadel verkaufen. Im <em>Palais Sarnthein<\/em> gegen\u00fcber der Triumphpforte, 1689 von Johann Anton Gumpp f\u00fcr David Graf Sarnthein noch als barocker Ansitz geplant, zog die Waffenfabrik und das Gesch\u00e4ft von Johann Peterlongo ein. Geschickte Mitglieder des Adelsstandes nutzten ihre Voraussetzungen und investierten Familienbesitz und Ertr\u00e4ge aus der b\u00e4uerlichen Grundentlastung von 1848 in Industrie und Wirtschaft. Der steigende Arbeitskr\u00e4ftebedarf wurde von ehemaligen Knechten und Landwirten ohne Land gedeckt. W\u00e4hrend sich die neue verm\u00f6gende Unternehmerklasse Villen in Wilten, Pradl und dem Saggen bauen lie\u00df und mittlere Angestellte in Wohnh\u00e4usern in denselben Vierteln wohnten, waren die Arbeiter in Arbeiterwohnheimen und Massenunterk\u00fcnften untergebracht. Die einen sorgten in Betrieben wie dem Gaswerk, dem Steinbruch oder in einer der Fabriken f\u00fcr den Wohlstand, w\u00e4hrend ihn die anderen konsumierten. Schichten von 12 Stunden in engen, lauten und ru\u00dfigen Bedingungen forderten den Arbeitern alles ab. Zu einem Verbot der Kinderarbeit kam es erst ab den 1840er Jahren. Frauen verdienten nur einen Bruchteil dessen, was M\u00e4nner bekamen. Die Arbeiter wohnten oft in von ihren Arbeitgebern errichteten Mietskasernen und waren ihnen mangels eines Arbeitsrechtes auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es gab weder Sozial- noch Arbeitslosenversicherungen. Wer nicht arbeiten konnte, war auf die Wohlfahrtseinrichtungen seines Heimatortes angewiesen. Angemerkt sei, dass sich dieser f\u00fcr uns furchterregende Alltag der Arbeiter nicht von den Arbeitsbedingungen in den D\u00f6rfern unterschied, sondern sich daraus entwickelte. Auch in der Landwirtschaft waren Kinderarbeit, Ungleichheit und prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse die Regel.<\/p>\n<p>Die Industrialisierung betraf aber nicht nur den materiellen Alltag. Innsbruck erfuhr eine Gentrifizierung wie man sie heute in angesagten Gro\u00dfstadtvierteln wie dem Prenzlauer Berg in Berlin beobachten kann. Der Wechsel vom b\u00e4uerlichen Leben des Dorfes in die Stadt beinhaltete mehr als einen \u00f6rtlichen Wechsel. Wie die Menschen die Verst\u00e4dterung des ehemals l\u00e4ndlichen Bereichs erlebten, l\u00e4sst uns der Innsbrucker Schriftsteller Josef Leitgeb in einem seiner Texte wissen:\u00a0<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026viel fremdes, billig gekleidetes Volk, in wachsenden Wohnblocks zusammengedr\u00e4ngt, morgens, mittags und abends die Stra\u00dfen f\u00fcllend, wenn es zur Arbeit ging oder von ihr kam, aus Werkst\u00e4tten, L\u00e4den, Fabriken, vom Bahndienst, die Gesichter oft bla\u00df und vorzeitig alternd, in Haltung, Sprache und Kleidung nichts Pers\u00f6nliches mehr, sondern ein Allgemeines, massenhaft Wiederholtes und Wiederholbares: st\u00e4dtischer Arbeitsmensch. Bahnhof und Gaswerk erschienen als Kern dieser neuen, uns\u00e4glich fremden Landschaft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Innsbrucker kam es nach dem Revolutionsjahr 1848 und den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten zu einer Verb\u00fcrgerlichung. Geschichten, von Menschen, die mit Flei\u00df, Gl\u00fcck, Talent und etwas finanzieller Starthilfe aufstiegen, gab es immer wieder. Bekannte Innsbrucker Beispiele au\u00dferhalb der Hotellerie und Gastronomie, die bis heute existieren sind die Tiroler Glasmalerei, der Lebensmittelhandel H\u00f6rtnagl oder die Seifenfabrik Walde. Erfolgreiche Unternehmer \u00fcbernahmen die einstige Rolle der adeligen Grundherren. Gemeinsam mit den zahlreichen Akademikern bildeten sie eine neue Schicht, die auch politisch mehr und mehr Einfluss gewann. Beda Weber schrieb dazu 1851:\u00a0\u201e<em>Ihre gesellschaftlichen Kreise sind ohne Zwang, es verr\u00e4th sich schon deutlich etwas Gro\u00dfst\u00e4dtisches, das man anderw\u00e4rts in Tirol nicht so leicht antrifft.&#8220;\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Auch die Arbeiter verb\u00fcrgerlichten. War der Grundherr am Land noch Herr \u00fcber das Privatleben seiner Knechte und M\u00e4gde und konnte bis zur Sexualit\u00e4t \u00fcber die Freigabe zur Ehe \u00fcber deren Lebenswandel bestimmen, waren die Arbeiter nun individuell zumindest etwas freier. Sie wurden zwar nur schlecht bezahlt, immerhin erhielten sie aber nun ihren eigenen Lohn anstelle von Kost und Logis und konnten ihre Privatangelegenheiten f\u00fcr sich regeln ohne grundherrschaftliche Vormundschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Die Kehrseite dieser neu gewonnen Selbstbestimmung traten vor allem in den ersten Jahrzehnten der Industrialisierung zu Tage. Es gab kaum staatliche Infrastruktur f\u00fcr Kranken- und Familienf\u00fcrsorge. Krankenvorsorge, Pension, Altersheime und Kinderg\u00e4rten waren noch nicht erfunden, hatte die b\u00e4uerliche Gro\u00dffamilie diese Aufgaben vielfach bis jetzt \u00fcbernommen. In den Arbeitervierteln tummelten sich unter Tags unbeaufsichtigte Kinder: Betroffen waren vor allem die kleinsten, die noch nicht unter die Schulpflicht fielen. 1834 gr\u00fcndete sich nach einem Aufruf des Tiroler Landesgubernators ein Frauenverein, der <em>Kinderverwahranstalten<\/em> in den Arbeitervierteln St. Nikolaus, Dreiheiligen und in Angerzell, der heutigen Museumstra\u00dfe, betrieb. Ziel war es nicht nur die Kinder von der Stra\u00dfe fernzuhalten und sie mit Kleidung und Nahrung zu versorgen, sondern ihnen auch Manieren, z\u00fcchtige Ausdrucksweise und tugendhaftes Verhalten beizubringen. Die W\u00e4rterinnen sorgten mit strenger Hand f\u00fcr \u201eReinlichkeit, Ordnung und Folgsamkeit\u201c daf\u00fcr, dass die Kinder zumindest ein Mindestma\u00df an F\u00fcrsorge erfuhren. Die ehemalige <em>Bewahranstalt<\/em> in der Paul-Hofhaimer-Gasse hinter dem Ferdinandeum gibt es bis heute. Der klassizistische Bau beherbergt heute den Integrationskindergarten der Caritas und einen Betriebskindergarten des Landes Tirol.\u00a0<\/p>\n<p>Innsbruck ist keine traditionelle Arbeiterstadt. Zur Bildung einer bedeutenden Arbeiterbewegung wie in Wien kam es in Tirol trotzdem nie. Innsbruck war immer schon vorwiegend Handels- und Universit\u00e4tsstadt. Zwar gab es Sozialdemokraten und eine Handvoll Kommunisten, die Zahl der Arbeiter war aber immer zu klein, um wirklich etwas zu bewegen. Maiaufm\u00e4rsche werden vom Gro\u00dfteil der Menschen maximal wegen billiger Schnitzel und Freibier besucht. Auch sonst gibt es kaum Erinnerungsorte an die Industrialisierung und die Errungenschaften der Arbeiterschaft. In der St.-Nikolaus-Gasse und in vielen Mietzinsh\u00e4usern in Wilten und Pradl haben sich vereinzelt H\u00e4user erhalten, die einen Eindruck vom Alltag der Innsbrucker Arbeiterschaft geben.\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adamgasse 23<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66274,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[62,152,114,165,87],"tags":[],"class_list":["post-66255","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-der-erste-weltkrieg-und-die-zeit-danach","category-der-keiner-war","category-innsbrucks-industrielle-revolutionen","category-theater-bauernbuhnen-kinos-und-kuno","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66255\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}