{"id":66331,"date":"2025-08-27T08:55:39","date_gmt":"2025-08-27T08:55:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66331"},"modified":"2026-09-01T12:20:14","modified_gmt":"2026-09-01T12:20:14","slug":"hungerburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/hungerburg\/","title":{"rendered":"Hungerburg"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Hungerburg<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66431,64850,64453,56179,66353,66352,3996&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Hungerburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66334&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Hungerburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66343&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Schaut man von Innsbruck hinauf auf die Nordkette, f\u00e4llt ein markantes Bauwerk in Form eines gelben, etwas sperrig wirkenden Kubus am Plateau knapp 300 H\u00f6henmeter \u00fcber der Stadt auf. Wo sich heute Wanderer, Mountainbiker und Touristen tummeln, um einen erhabenen Blick auf die Berggipfel der Umgebung zu werfen und auf die Bergbahn warten, die sie auf die <em>Seegrube<\/em> und das <em>Hafele Kar<\/em> bringen, befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Art k\u00fcnstliches Wunderland f\u00fcr betuchte Touristen und eine exklusive Plansiedlung. Was Dubai im 21. Jahrhundert mit dem touristischen Irrsinnsprojekt <em>The Palm<\/em> schaffte, war auf der Hungerburg gut 100 Jahre vorher angesagt, die Entstehungsgeschichte reicht sogar noch weiter zur\u00fcck. Der Weg vom Niemandsland zwischen den damals eigenst\u00e4ndigen Gemeinden H\u00f6tting und M\u00fchlau zum touristischen Hotspot war lang. \u00dcber Jahrhunderte hinweg war die Gegend zwischen <em>Gramartboden<\/em> im Westen, dem darunterliegenden Steinbruch und M\u00fchlau im Osten zum gr\u00f6\u00dften Teil unerschlossenes Waldgebiet, das wegen der Farbe der steil abfallenden Gesteinsformation den Flurnamen <em>Grauenstein<\/em> trug. 1840 kaufte der Eigent\u00fcmer der Weiherburg Joseph von Attlmayr nach einer Rodung einiges an Grund und Boden auf dem die Stadt \u00fcberragenden Plateau. Der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Attlmayr betrieb bereits einen Teil seines Wohnsitzes als Unterkunftsbetrieb. Der Legende nach soll er oberhalb des Steinbruches, w\u00e4hrend der auf die andere Talseite nach Heiligwasser blickte, mit seinem Spazierstock in die Erde gestochen haben. Als Wasser aus dem Boden trat, beschloss er den Ort der Heiligen Maria und dem Wasserfund zu weihen und taufte sein dort gebautes Geh\u00f6ft in frommer Manier <em>Mariabrunn<\/em>. Attlmayr verpachtete das Geb\u00e4ude als Gastwirtschaft und legte damit den Grundstein f\u00fcr die Hungerburg als beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel. Eine weitere Legende will es, dass die dargebotenen Speisen von so schlechter Qualit\u00e4t waren, dass die Jausenstation im Volksmund Hungerburg genannt wurde, allerdings wurde der Name bereits vor der Er\u00f6ffnung der Gastwirtschaft verwendet.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wuchs der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in Innsbruck heran. Die Hungerburg hatte dank der als heilsam geltenden Luft auf \u00fcber 800 m Seeh\u00f6he und dem Panoramablick zwar Potential, war aber ohne befahrbare Stra\u00dfe nur zu Fu\u00df zu erreichen. Der gut betuchte Reisende des 19. Jahrhunderts blieb f\u00fcr mehrere Wochen, das Gep\u00e4ck bestand aus mehr als einem K\u00f6fferchen. Es bedurfte eines vision\u00e4ren Pioniers, um das touristische Potential zum Leben zu erwecken, der sich mit dem Kaiserj\u00e4ger Sebastian Kandler (1863 \u2013 1928) fand. Vor seiner Karriere als Proto-Touristiker hatte Kandler eine interessante Karriere hingelegt. Mit 18 Jahren trat er dem Milit\u00e4r bei. Nach seinem aktiven Dienst begann er in der Klosterkaserne in der Kantine zu arbeiten. 1902 erbaute Kandler das Geb\u00e4ude der heutigen <em>Villa St. Georg<\/em> im Saggen und er\u00f6ffnete die Restauration <em>Klaudia<\/em>. Nach nur einem Jahr verkaufte er seine Gastst\u00e4tte und erstand von den Nachkommen Attlmayrs das <em>Haus Mariabrunn<\/em>. Kandler sah nicht nur das Potential der Hungerburg, er trieb es eifrig voran. Das <em>Hotel Mariabrunn<\/em> lie\u00df er in einem wilden Stilmix wie ein kleines Schl\u00f6sschen ausbauen. Daneben entstanden unter seiner \u00c4gide auch weitere Hotels wie die <em>Villa Karwendel<\/em>, die <em>Villa Felsen<\/em> und die <em>Villa Kandlerheim. <\/em>Da die Errichtung von Villen und Cottageh\u00e4usern im Saggen seit 1898 untersagt war, lockte das neue Trendviertel auch verm\u00f6gende B\u00fcrger an, die sich doch noch den Traum vom exklusiven Einzelheim erf\u00fcllen wollten. Um die Hungerburg attraktiv f\u00fcr Ausfl\u00fcgler und G\u00e4ste zu machen, schuf Kandler auch Infrastruktur. Den bestehenden Pfad von der Weiherburg hinauf aufs Plateau, auf dem 1848 noch Kaiser Ferdinand auf die Hungerburg wanderte, lie\u00df er zum f\u00fcr jedermann einfach und gefahrlos zu begehenden <em>Wilhelm-Greil-Spazierwe<\/em>g ausbauen. Das <em>Cafe Bahnhof<\/em> in der Bergstation der Hungerburgbahn, der <em>Karwendelhof<\/em> und die <em>Waldschenke<\/em> boten Speis und Trank. Die Kr\u00f6nung seines Schaffens war die 1906 er\u00f6ffnete Hungerburgbahn. Von der Kettenbr\u00fccke im Saggen aus startend verband die atemberaubende Konstruktion die Stadt mit dem Nobelviertel an den H\u00e4ngen der Nordkette. Direkt von der Stadt aus konnte man nun auf das Plateau fahren, um sich als betuchter Tourist f\u00fcr einige Wochen oder als Ausfl\u00fcgler f\u00fcr einige Stunden erhaben \u00fcber die ganze Stadt zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Der zweite Gro\u00dfinvestor <em>Hoch-Innsbrucks<\/em> war Franz Schw\u00e4rzler. Er hatte sich eines der exklusiven Wohnh\u00e4user auf der Hungerburg gesichert. Als tatkr\u00e4ftiger Gesch\u00e4ftsmann beschloss er, es nicht mit der Er\u00f6ffnung von Hotels oder seines \u201e<em>Tiroler Spezialit\u00e4tenhaus am Hungerburg-Plateau bei Innsbruck<\/em>\u201c, in dem \u201e<em>Tiroler Kunst und Kunstgewerbe und Tiroler Haus-Industrie<\/em>\u201c als Reise-Andenken erworben werden konnten, gut sein zu lassen. 1911 reifte in ihm der Gedanke, einen k\u00fcnstlichen See im ehemaligen <em>Sp\u00f6rr\u00b4schen Steinbruch<\/em> anzulegen. Gemeinsam mit seinem Bruder begann er das ehrgeizige Projekt im Februar 1912. Oberhalb des 3.500 qm gro\u00dfen Sees lie\u00dfen die beiden einen mittelalterlichen Turm mit Aussichtsterrasse und Felsenpromenade anlegen. Am 4. August er\u00f6ffneten B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil und der k.k. Statthalter Tirols Markus Freiherr von Spiegelfeld das Projekt feierlich. Im Sommer tummelten sich Schwimmer und verkappte Kapit\u00e4ne im Ruderboot auf dem See, im Winter konnte man Schlittschuhlaufen. An den Ufern entstand nicht nur eine k\u00fcnstliche H\u00f6hle zur Maximierung der alpinen Romantik, sondern auch das <em>Hotel Hungerburgseehof<\/em>. An den Tischen am Strand des noblen Etablissements, kurz <em>Seehof<\/em> genannt, flossen edle Weine und Champagner in die Gl\u00e4ser der Aristokratie aus der alten und dem Geldadel aus der neuen Welt des internationalen Jetsets. Obwohl die abgelegene Hungerburg nur eine Handvoll Wohnh\u00e4user und einige Hotels beherbergte, wurde zum Schutz der betuchten Anrainer und Touristen ein Gendarmerieposten eingerichtet. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fand der exklusive Zirkus nach wenigen Jahren sein vorl\u00e4ufiges Ende. Sebastian Kandler und Karl Schw\u00e4rzler verloren wie viele Menschen, die in die Luxusindustrie oder Kriegsanleihen investiert hatten, ihre Verm\u00f6gen. Schw\u00e4rzlers Witwe musste den <em>Seehof<\/em> verkaufen, der in den folgenden Jahrzehnten zuerst von der Sozialdemokratischen Partei, dann von der Vaterl\u00e4ndischen Front und schlie\u00dflich w\u00e4hrend des Nationalsozialismus als Volksschule genutzt wurde. Kandler verkaufte sein <em>Hotel Mariabrunn<\/em> an einen Vorarlberger Industriellen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er wie schon seine Jugend unter Tags. Im Halleranger sch\u00fcrfte er verzweifelt nach Silber.<\/p>\n<p>Neue Impulse erhielt die Hungerburg durch den Bau der H\u00f6henstra\u00dfe. Als die Wirtschaft sich Mitte der 1920er Jahre erholte und neue Gro\u00dfprojekte angesto\u00dfen werden konnten, wurde der lange gehegte Plan einer Verkehrsverbindung abseits der Hungerburgbahn umgesetzt. Der Innsbrucker Baumeister Fritz Konzert hatte bereits 1906 einen Vorschlag unterbreitet, der von der H\u00f6ttinger Au auf das Plateau und wieder hinunter nach M\u00fchlau zum Weyrerareal gef\u00fchrt h\u00e4tte. Nach dem Bahnbauer Josef Riehl hatte auch Franz Schw\u00e4rzler bereits 1911 in der Hochbl\u00fcte seiner Phantasie an eine Stra\u00dfe nach <em>Hoch-Innsbruck<\/em> gedacht. Die H\u00f6henstra\u00dfe, die sich heute von der H\u00f6ttinger Kirche durch dichte Besiedlung am Kletterpark am ehemaligen Steinbruch in mehreren Kehren auf 3.5 km L\u00e4nge bis zur Hungerburg windet, konnte nach etwas \u00fcber einem Jahr Bauzeit unter der Leitung Viktor Bergers 1930 er\u00f6ffnet werden. Nicht nur \u00fcber die Stra\u00dfe verband sich Innsbruck mit dem erhabenen Viertel auf der Nordkette. Mit der Eingliederung H\u00f6ttings und M\u00fchlaus 1938 wurde auch die Hungerburg ein Teil Innsbrucks. Am Brunnen zwischen Bergbahn, <em>Gasthaus zur Linde<\/em> und <em>Seehof<\/em> erinnert das Stadtteilwappen bestehend aus dem alten H\u00f6ttinger Kirchturm, dem M\u00fchlrad M\u00fchlaus und den St\u00fctzen der alten Hungerburgbahn im Inn im Saggen an die Herkunft der Hungerburg.<\/p>\n<p>Was steckt aber nun hinter dem markanten gelben Geb\u00e4ude, das jeden Blick vom Tal aus einf\u00e4ngt? Es ist das ehemalige <em>Hotel Mariabrunn<\/em> Kandlers. 1930 brannte das sp\u00e4thistoristische ehemalige Hotel in Teilen ab. Der neue Besitzer lie\u00df den Neubau vom jungen, aufstrebenden Architektenstar Siegfried Mazagg komplett umbauen. Die kubischen, asymmetrischen Elemente erinnern an andere Bauten der Zeit im Stil der Neuen Sachlichkeit wie <em>das St\u00e4dtische Hallenbad<\/em>. 1988 planten die beiden Br\u00fcder Hubert und Michael Prachensky das Innere des Hauses zu einem Wohngeb\u00e4ude um, ohne Mazaggs Au\u00dfenbild zu zerst\u00f6ren. Auf der Westseite prangt noch gut sichtbar der Schriftzug <em>Mariabrunn<\/em>. Heute dominiert die futuristische, von der iranischen Architektin Zaha Hadid entworfene Bergstation der Hungerburgbahn das Stadtviertel. Der Platz davor, von dem aus man das Inntal und die umliegende Bergwelt \u00fcberblickt, wurde nach dem Innsbrucker Bergsteiger Hermann Buhl (1924 \u2013 1957) benannt. Vom touristischen M\u00e4rchenland im Stil der Jahrhundertwende, das Kandler und Schw\u00e4rzler im Optimismus der <em>Belle Epoque<\/em> ersannen, sind in Innsbrucks teuerster Wohngegend einige Spuren erhalten geblieben. Der Aussichtsturm \u00fcberragt noch den wasserlosen ehemaligen Steinbruch, im Haus des <em>Hotel Seehof<\/em> befinden sich R\u00e4umlichkeiten der Arbeiterkammer. Trotz der intensiven Bebauung der Nachkriegszeit sind noch einige H\u00e4user aus den Nullerjahren des 20. Jahrhunderts erhalten. Die Villa neben der Theresienkirche \u00e4hnelt mit ihren rot-wei\u00df-roten Fensterl\u00e4den in patriotischer Manier der <em>Ottoburg<\/em> in der Altstadt. Die Fassade des <em>Gasthauses zur Linde<\/em>, ehemals als <em>Villa Tiroler Haus<\/em> Teil des Schw\u00e4rzler\u00b4schen Imperiums, erinnert mit der bildlichen Darstellung der Sage der <em>Frau Hitt<\/em> noch an die Zeit, als auf der Hungerburg eine Art Tiroler Disneyland entstand. Vielleicht ist es bezeichnend, dass ausgerechnet diese Geschichte von Hybris und daraus folgender Verg\u00e4nglichkeit bis heute in <em>Hoch-Innsbruck<\/em> \u00fcberlebte. Entworfen wurde das <em>Tiroler Haus<\/em> vom Architekten Adalbert Erlebach (1876 \u2013 1945), unter dessen Obhut der junge Franz Baumann erste Erfahrungen in der Branche sammelte. Heute beherbergt das sehenswerte Geb\u00e4ude im typischen <em>Tiroler Heimatstil<\/em> der sp\u00e4ten Monarchie einen Kindergarten. Dass die beiden Innsbrucker Tourismus-Pioniere Kandler und Schw\u00e4rzler mit dem Potential der Nordkette als Hotspot f\u00fcr G\u00e4ste und beliebtem Ausflugsziel der Einheimischen Recht hatten, beweisen die vollen Busse, Wagons und Gondeln, die jeden Tag Tausende Schaulustige, Wanderer, Skifahrer und Biker nach <em>Hoch-Innsbruck<\/em> bringen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das wiedererstandene Hotel %22Mariabrunn%22 auf der Hungerburg&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das wiedererstandene Hotel %22Mariabrunn%22 auf der Hungerburg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;69528&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Erschienen: Allgemeiner Tiroler Anzeiger \/ 1. Juni 1931<\/strong><\/p>\n<p>Nun leuchtet in warmem Gelb das neue &#8222;Mariabrunn&#8220;-Hotel von der Hungerburg ins Tal herab und lockt nach G\u00e4sten. Im einfachen Stil neuer Bauformen steht es wieder da und es ist, wer das Bauwerk vor dem Brande in Erinnerung hat, kaum wieder zu erkennen. Gewi\u00df, es gibt viele Leute, die sich vom kitschigen Aeu\u00dferen der alten Bauform mit dem unm\u00f6glichen T\u00fcrmchen nicht trennen k\u00f6nnen und das ehemalige &#8222;Mariabrunn&#8220; sch\u00f6ner finden; doch diese Leute sind nicht zu bekehren. Wer mit der Baukunst weiterlebt und wer das neue Bauen nicht in die Formen alter Baustile zw\u00e4ngen will, sondern das neue Bauen auch im Sinner neuer Baugedanken verwirklich wissen will, der wird das wiedererstandene &#8222;Mariabrunn&#8220; wenn auch die Einteilung des Erdgeschosses ziemlich unver\u00e4ndert blieb, als eine sch\u00f6ne Leistung eines modernen Umbaus werten m\u00fcssen. Die einfachen Bauformen geben dem &#8222;Mariabrunn&#8220; nun ein angenehmes Aeu\u00dfere und die wei\u00dfen Mauers\u00f6ller legen sich schmiegsam wie B\u00e4nder um das architektonisch trefflich gegliederte gelbschimmernde Haus; westlich sind es zwei S\u00f6ller, w\u00e4hrend \u00f6stlich nur ein S\u00f6ller \u00fcber dem Vorbau mit dem Speisesaal sich dahinzieht.<\/p>\n<p>Und so sch\u00f6n der Bau au\u00dfen ist, so sch\u00f6n ist er auch\u00a0 innen. Am Samstag abends wurden die Restaurationsr\u00e4umlichkeiten im Erdgescho\u00df mit Konzert und Ball er\u00f6ffnet. Die in Rose gehaltene Halle mit Kamin nimmt uns auf, dann treten wir in das in Gelb gestrichene B\u00fcrgerzimmer, das Restaurant ist blau-meer-gr\u00fcn in der Decke. Das dunkle Lindenholz der T\u00e4felung der T\u00fcren und Fensterrahmen sowie der Deckenbalken wirkt \u00fcberall wie abwechslungsvolle Zier. Der repr\u00e4sentative Speisesaal prunkt ebenfalls mit dem Farbenspiel des Wei\u00df seiner W\u00e4nde und der Decke und mit dem Dunkel des Eichenholzes, aus dem die T\u00e4felung, die Pfeilerverkleidung und die Deckenbalken bestehen. Das gro\u00dfe Mittelfenster mit den beiden \u00fcbereck gestellten rechteckigen Erkern geben dem gro\u00dfen Saale einen vornehmen Charakter. Was allen R\u00e4umen besondere Eigenart verleiht, das sind die sch\u00f6nen neuen Formen der Beleuchtungsk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Der Gesamtentwurf des ganzen Umbaues einschlie\u00dflich der Innenausstattung stammt vom Innsbrucker Architekten Siegfried Mazagg, w\u00e4hrend die Bauausf\u00fchrung die Firma P\u00fcmpel u. S\u00f6hne in Hall besorgte.<\/p>\n<p>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df K\u00fcche und Schank mit allen Einzelheiten neuzeitlicher Ausstattung schon versehen sind oder noch versehen werden. Der Garten wird ein ganz modernes Tanzparkett mit Plachenbedachung erhalten, die je nach dem Wetter aufgezogen oder eingerollt werden kann. Jeden Sonntag nachmittags wird dort Tanz im Freien m\u00f6glich sein, w\u00e4hrend am Samstag abends eine Reunion im Speisesaal stattfinden wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hren die Restaurationsr\u00e4umlichkeiten nun seit Samstag abends ge\u00f6ffnet sind, wird der Hotelbetrieb selbst erst Mitte Juni aufgenommen werden k\u00f6nnen. Das Hotel wir 28 Zimmer mit 50 Betten erhalten, s\u00e4mtliche Zimmer flie\u00dfendem Wasser und Warmwasser und Zentralheizung ausgestattet, 15 Zimmer au\u00dferdem mit eigenem Bad, wie auch jedes mit moderner Lichtsignalanlage und Telephon versehene Stockwerk ein Extrabad aufweisen wird. Besonders angenehm wird es empfunden werden, da\u00df jedes Zimmer Balkonanteil hat. Der Pensionspreis wird in der Hochsaison 12 bis 16 S(chilling) betragen.<\/p>\n<p>Der neue P\u00e4chter Herr Paul Ponzle gibt schon durch seine sachliche Vergangenheit die Gew\u00e4hr, da\u00df das Hotel in zufriedenstellender Weise den Anforderungen gerecht werden wird. Herr Ponzle, ein geb\u00fcrtiger Rheinl\u00e4nder, hat eine 20j\u00e4hrige Schulung als Hotelfachmann hinter sich. im Jahre 1918 und 1914 war er P\u00e4chter des Kurhauses des\u00a0 Grafen in Bad Liebwerda bei Reichenberg und in den letzten Jahren bekanntlich Direktor des gro\u00dfen und sch\u00f6nen Strandhotels in Lochau am Bodensee. Das freundliche und sympathische Ehepaar Ponzle wird es sicherlich nicht fehlen lassen, die sonst etwas k\u00fchl und kritisch veranlagten Innsbrucker sowie die Fremden so warm zu machen, da\u00df sie sich auf &#8222;Mariabrunn&#8220; recht herzlich willkommen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Tourismus: Von alpiner Sommerfrische zur Piefke Saga&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Tourismusland Tirol&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53667&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren sorgte eine \u00f6sterreichische Fernsehserie f\u00fcr einen Skandal. Die <em>Piefke Saga<\/em> aus der Feder des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer beschrieb in vier skurril-entlarvend-am\u00fcsanten Folgen die Beziehung zwischen der deutschen Urlauberfamilie Sattmann und ihren Gastgebern in einem fiktiven Tiroler Urlaubsort. Bei aller Skepsis gegen\u00fcber dem Tourismus in seinen heutigen teils extremen Ausw\u00fcchsen sollte man nicht vergessen, dass der Fremdenverkehr im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor in Innsbruck und Umgebung war, der die Entwicklung der Region nachhaltig antrieb, nicht nur wirtschaftlich. Die ersten Reisenden, die Innsbruck ansteuerten, waren Pilger und <em>Business People<\/em> der Fr\u00fchen Neuzeit. H\u00e4ndler, Gesellen auf der Walz, Beamte, Soldaten, Entourage adeliger G\u00e4ste bei Hof, Fachkr\u00e4fte verschiedener Gewerbe, Bergleute, Kleriker, Wallfahrer und Wissenschaftler waren die ersten Touristen, die es in die Stadt zwischen Italien und Deutschland zog. Reisen war teuer, gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam. Zudem war es einem gro\u00dfen Teil der Untertanen ohne Einwilligung ihres Grundherrn oder Abtes nicht gestattet, die eigene Scholle zu verlassen. Wer sich fortbewegte, tat dies im Normalfall auf des Schusters Rappen. Zwar verdienten die Innsbrucker Gasth\u00f6fe und Wirte bereits im Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit an den Reisenden, von Fremdenverkehr wie wir ihn heute verstehen war aber noch keine Rede. Der fing an, als es einige Exzentriker erstmals auf die Berggipfel zog. Dazu bedurfte es neben einer wachsenden Mittelschicht auch einer neuen Einstellung gegen\u00fcber den Alpen. Lange waren die Berge eine reine Bedrohung f\u00fcr die Menschen gewesen. Es waren vor allem Briten, die sich aufmachten, sich nach den Weltmeeren auch die Gebirge dieser Erde untertan zu machen. \u00dcber Reiseberichte verbreitete sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert, der Epoche der Romantik, die Kunde von der Natursch\u00f6nheit der Alpen. Der erste fremdsprachige Reisef\u00fchrer f\u00fcr Tirol, <em>Travels through the Rhaetian Alps von Jean Francois Beaumont<\/em> erschien 1796. Neben den alpinen Attraktionen waren es die wilden und exotischen <em>Eingeborenen<\/em> Tirols, die international f\u00fcr Aufsehen sorgten. Der b\u00e4rtige Revoluzzer namens Andreas Hofer, der es mit seinem Bauernheer geschafft hatte, Napoleons Armee in die Knie zu zwingen, erzeugte bei den Briten, den notorischen Erzfeinden der Franzosen, ebenso gro\u00dfes Interesse wie bei deutschen Nationalisten n\u00f6rdlich der Alpen, die in ihm einen fr\u00fchen Protodeutschen sahen. Die Tiroler galten als unbeugsamer Menschenschlag, archetypisch und ungez\u00e4hmt, \u00e4hnlich den Germanen unter Arminius, die das Imperium Romanum herausgefordert hatten. Die Beschreibungen Innsbrucks aus der Feder des Autors Beda Weber (1798 \u2013 1858) und andere Reiseberichte in der boomenden Presselandschaft dieser Zeit trugen dazu bei, ein attraktives Bild Innsbrucks zu pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Nun mussten die wilden Alpen nur noch der Masse an Touristen zug\u00e4nglich gemacht werden, die zwar gerne den fr\u00fchen Abenteurern auf ihren Expeditionen nacheifern wollten, deren Risikobereitschaft und Fitness mit den W\u00fcnschen nicht schritthalten konnten. Der <em>Deutsche Alpenverein<\/em> er\u00f6ffnete 1869 eine Sektion Innsbruck, nachdem der 1862 <em>\u00d6sterreichische Alpenverein<\/em> wenig erfolgreich war. Angetrieben vom gro\u00dfdeutschen Gedanken vieler Mitglieder fusionierten die beiden Institutionen 1873. Der <em>Alpenverein<\/em> ist bis heute b\u00fcrgerlich gepr\u00e4gt, sein sozialdemokratisches Pendant sind die <em>Naturfreunde<\/em>. Das Wegenetz wuchs durch dessen Erschlie\u00dfung ebenso wie die Zahl an H\u00fctten, die G\u00e4ste beherbergen konnten. Das Transitland Tirol besa\u00df unz\u00e4hlige Saumpfade und Fu\u00dfwege, die seit Jahrhunderten bestanden, und als Basis f\u00fcr den Alpinismus dienten. Kleine Gasth\u00f6fe, Bauernh\u00f6fe und Stationen entlang der Postwege dienten als Unterk\u00fcnfte. Der Tiroler Theologe Franz Senn (1831 \u2013 1884) und Adolf Pichler (1819 \u2013 1900) waren ma\u00dfgeblich an der Vermessung Tirols und der Erstellung von Kartenmaterial beteiligt. Anders als gerne behauptet, waren die Tiroler nicht geborene Bergsteiger, sondern mussten sich die F\u00e4higkeiten die Bergwelt zu erobern erst beibringen lassen. Bis dato waren Berge vor allem eins: gef\u00e4hrlich und m\u00fchsam im landwirtschaftlichen Alltag. Sie zu besteigen, war zuvor kaum jemandem in den Sinn gekommen. Die Alpenvereine bildeten auch Bergf\u00fchrer aus. Ab der Jahrhundertwende kam neben Wandern und Bergsteigen der Skisport in Mode. Lifte gab es noch nicht, um auf die Berge zu gelangen, musste man sich der Felle bedienen, die heute noch auf Tourenski geklebt werden. Erst ab den 1920ern konnte nach dem Bau der Seilbahnen auf die Nordkette und dem Patscherkofel eine zahlungskr\u00e4ftige Klientel den modernen Luxus von Bergbahnen beim Skivergn\u00fcgen genie\u00dfen. \u00a0<\/p>\n<p>Es bedurfte neuer Hotels, Caf\u00e9s, Gasth\u00e4user, Gesch\u00e4fte und Transportmittel, um die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste zu befriedigen. Wer zu Hause in London oder Paris flie\u00dfend Wasser und einen Telefonanschluss hatte, wollte im Urlaub nicht mit einem Plumpsklo am Gang oder vor dem Haus Vorlieb nehmen. Die sogenannten <em>Gasth\u00f6fe ersten und zweiten Ranges<\/em> waren f\u00fcr den Transitverkehr geeignet, um gehobene Touristen zu empfangen waren sie aber nicht ausgestattet. Wirte in der Stadt und in den D\u00f6rfern rund um Innsbruck z\u00e4hlten bis ins 19. Jahrhundert zur gehobenen Mittelschicht, was das Einkommen betraf. Oft waren sie Bauern, die im Nebenerwerb Getr\u00e4nkte ausschenkten und Speisen verkauften. Sie hatten, wie das Beispiel Andreas Hofers zeigt, durchaus auch Ansehen und Einfluss innerhalb der lokalen Gesellschaft. Als Treffpunkte der Einheimischen und Knotenpunkte im Post- und Warenverkehr waren sie oft gut informiert \u00fcber das Geschehen in der kleinen und gro\u00dfen Welt. Da sie aber weder Mitglieder einer Zunft waren noch zum B\u00fcrgertum gez\u00e4hlt wurden, z\u00e4hlte der Beruf des Gastwirtes nicht zu den ehrbarsten Berufen. Das \u00e4nderte sich mit der Professionalisierung der Tourismuswirtschaft. Unternehmer wie Robert Ni\u00dfl, der 1865 Schloss B\u00fcchsenhausen \u00fcbernahm und in eine Bierbrauerei umbaute oder Johann Gruber mit dem <em>Gasthaus zum Riesen Haymon<\/em>, investierten in die Infrastruktur. Aus ehemaligen Adelsansitzen wie der Weiherburg wurden Gasth\u00f6fe und Hotels. Die Revolution vollzog sich in Innsbruck nicht 1848 auf den Barrikaden, sondern im Tourismus einige Jahrzehnte sp\u00e4ter, als findige B\u00fcrger die Aristokratie als Besitzer von Schl\u00f6ssern wie B\u00fcchsenhausen und der Weiherburg abl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Der 1849 er\u00f6ffnete <em>\u00d6sterreichische Hof<\/em> galt lange als Platzhirsch moderner Hotellerie, war offiziell aber nur ein Abklatsch eines Grand Hotels. Erst mit dem <em>Grand Hotel Europa<\/em> hatte 1869 bekam in Innsbruck ein Haus ersten Ranges ge\u00f6ffnet. Die Bl\u00fctezeit der Gasth\u00f6fe in der Altstadt war vor\u00fcber. 1892 folgte mit dem zeitgeistigen <em>Reformhotel Habsburger Hof<\/em> ein zweiter gro\u00dfer Betrieb. Wo heute das Metropolkino steht, war der Kaiserhof als Neubau errichtet worden. Der <em>Habsburger Hof<\/em> bot seinen G\u00e4sten bereits elektrisches Licht, eine absolute Sensation. Ebenfalls auf der bis dato unverbauten Fl\u00e4che vor dem Bahnhof war der <em>Arlberger Hof<\/em> angesiedelt. Was heute eher als Wettbewerbsnachteil angesehen w\u00fcrde, war zu dieser Zeit ein Verkaufsargument. Bahnh\u00f6fe waren die Zentren moderner St\u00e4dte. Die Bahnhofspl\u00e4tze waren keine \u00fcberf\u00fcllten Verkehrsknotenpunkte wie heute, sondern mond\u00e4ne und gepflegte Orte vor den architektonisch anspruchsvoll gestalteten Hallen, in denen die Z\u00fcge ankamen.<\/p>\n<p>Die Anzahl der G\u00e4ste stieg langsam, aber stetig an. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges z\u00e4hlte Innsbruck 200.000 G\u00e4ste. Im Juni 1896 berichteten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Fremdenverkehr in Innsbruck bezifferte sich im Monat Mai auf 5647 Personen. Darunter befanden sich (au\u00dfer 2763 Reisenden aus Oesterreich-Ungarn) 1974 Reichsdeutsche, 282 Engl\u00e4nder, 65 Italiener, 68 Franzosen, 53 Amerikaner, 51 Russen und 388 Personen aus verschiedenen anderen L\u00e4ndern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben der Menge an Reisenden, die einen Einfluss auf das Leben in der Kleinstadt Innsbruck hatten, war es auch die Internationalit\u00e4t der Besucher, die Innsbruck nach und nach einen neuen Anstrich gaben. Neben der rein touristischen Infrastruktur wurde auch die Entwicklung der allgemeinen Neuerungen beschleunigt. Die wohlhabenden G\u00e4ste konnten kaum in Gastst\u00e4tten mit Senkgruben hinterm Haus verkehren. Nat\u00fcrlich w\u00e4re eine Kanalisation ohnehin am Plan gestanden, der Wirtschaftsfaktor Tourismus aber erm\u00f6glichte und beschleunigte die Mittelfreistellung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der Jahrhundertwende. Das ver\u00e4nderte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern auch den Alltag und das Arbeitsleben der Menschen. Findige Unternehmer wie Heinrich Menardi schafften es, die Wertsch\u00f6pfungskette, um kostenpflichtige Urlaubsfreuden neben Kost und Logis zu erweitern. Er er\u00f6ffnete 1880 die <em>Lohnkutscherei und Autovermietung Heinrich Menardi<\/em> f\u00fcr Ausflugsfahrten in die alpine Umgebung. Anfangs mit Kutschen, nach dem 1. Weltkrieg mit Bussen und PKW, wurden zahlungskr\u00e4ftige Touristen bis nach Venedig chauffiert. Das Unternehmen besteht bis heute und hat seinen Firmensitz mittlerweile im <em>Menardihaus<\/em> in der Wilhelm-Greil-Strasse 17 gegen\u00fcber des Landhausplatzes, auch wenn man sich von der Transport- und Handelsbranche im Lauf der Zeit auf die eintr\u00e4glichere Immobilienwirtschaft verlegt hat. Auch der lokale Handel profitierte von der zahlungskr\u00e4ftigen Klientel aus dem Ausland. 1909 gab es bereits drei dezidierte <em>Touristen-Ausr\u00fcstungsgesch\u00e4fte<\/em> neben den wenige Jahre zuvor frisch er\u00f6ffneten mond\u00e4nen Warenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Innsbruck und die umgebenden Orte waren auch f\u00fcr Kururlaub, dem Vorg\u00e4nger des heutigen Wellness, bei der betuchte Kunden sich in alpinem Umfeld von unterschiedlichsten Krankheiten erholten, bekannt. In Egerdach bei Amras, in Mentlberg und in M\u00fchlau, gab es Kurb\u00e4der. Der <em>Igler Hof<\/em>, damals <em>Grandhotel Igler Hof<\/em> und das Sporthotel Igls, verstr\u00f6men heute noch teilweise den Chic dieser Zeit. Michael Obexer, der Gr\u00fcnder des Kurortes Igls und Besitzer des Grandhotels, war ein Tourismuspionier. So bekannt wie die Hotspots der Zeit in Bad Ischl, Marienbad oder Baden bei Wien waren die Anlagen nicht, wie man auf alten Fotos und Postkarten sehen kann, die Anwendungen mit Sole, Dampf, Gymnastik, sogar Magnetismus, entsprachen aber dem damaligen Standard dessen, was heute teilweise noch bei Kur- und Wellnessurlaubern beliebt ist. Das spektakul\u00e4rste touristische Projekt, das Innsbruck jemals erlebte, war aber wohl <em>Hoch-Innsbruck<\/em>, die heutige Hungerburg. Nicht nur die Hungerburgbahn und Hotels, sogar ein eigener See wurde hier nach der Jahrhundertwende geschaffen, um G\u00e4ste anzuziehen.<\/p>\n<p>Einer der ehemaligen Besitzer des Grund und Bodens der <em>Hungerburg<\/em> und Innsbrucker Tourismuspionier, Richard von Attlmayr, war am Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Seit 1881 k\u00fcmmerte sich der <em>Innsbrucker Versch\u00f6nerungsverein<\/em> um Befriedigung der steigenden Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste. Der Verein k\u00fcmmerte sich um die Anlage von Wander- und Spazierwegen, dem Aufstellen von B\u00e4nken und der Erschlie\u00dfung unwegsamer Gebiete wie der M\u00fchlauer Klamm oder der Sillschlucht. Die markanten gr\u00fcnen B\u00e4nke entlang vieler Wege erinnern bis heute an den noch immer existierenden Verein. 1888 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndeten die Profiteure des Fremdenverkehrs in Innsbruck die <em>Kommission zur F\u00f6rderung des Tourismus<\/em>, den Vorg\u00e4nger des heutigen Tourismusverbands. Durch vereinte Kr\u00e4fte in Werbung und Qualit\u00e4tssicherung bei den Beherbergungsbetrieben hofften die einzelnen Betriebe, den Tourismus weiter anzukurbeln.<\/p>\n<p><em>\u201eAllj\u00e4hrlich mehrt sich die Zahl der \u00fcberseeischen Pilger, die unser Land und dessen gletscherbekr\u00f6nte Berge zum Verdrusse unserer freundnachbarlichen Schweizer besuchen und manch klingenden Dollar zur\u00fccklassen. Die Engl\u00e4nder fangen an Tirol ebenso interessant zu finden wie die Schweiz, die Zahl der Franzosen und Niederl\u00e4nder, die den Sommer bei uns zubringen, mehrt sich von Jahr zu Jahr.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Postkarten waren die ersten massentauglichen <em>Influencer<\/em> der Tourismusgeschichte. Viele Betriebe lie\u00dfen ihre eigenen Postkarten drucken. Verlage produzierten unz\u00e4hlige Sujets der beliebtesten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt. Es ist interessant zu sehen, was damals als sehenswert galt und auf den Karten abgebildet wurde. Anders als heute waren es vor allem die zeitgen\u00f6ssisch modernen Errungenschaften der Stadt: der Leopoldbrunnen, das Stadtcaf\u00e9 beim Theater, die Kettenbr\u00fccke, die Zahnradbahn auf die Hungerburg oder die 1845 er\u00f6ffnete Stefansbr\u00fccke an der Brennerstra\u00dfe, die als Steinbogen aus Quadern die Sill \u00fcberquerte, waren die Attraktionen. Auch Andreas Hofer war ein gut funktionierendes Testimonial auf den Postkarten: Der <em>Gasthof Schupfen<\/em> in dem Andreas Hofer sein Hauptquartier hatte und der Berg Isel mit dem gro\u00dfen <em>Andreas-Hofer-Denkmal<\/em> waren gerne abgebildete Motive.<\/p>\n<p>1914 gab es in Innsbruck 17 Hotels, die G\u00e4ste anlockten. Dazu kamen die Sommer- und Winterfrischler in Igls und dem Stubaital. Der Erste Weltkrieg lie\u00df die erste touristische Welle mit einem Streich versanden. Gerade als sich der Fremdenverkehr Ende der 1920er Jahre langsam wieder erholt hatte, kamen mit der Wirtschaftskrise und Hitlers <em>1000 Mark Sperre<\/em>, mit der er die \u00f6sterreichische Regierung 1933 unter Druck setzen wollte, um das Verbot der NSDAP zu beenden, die n\u00e4chsten D\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Es bedurfte des <em>Wirtschaftswunders<\/em> der 1950er und 1960er, um den Tourismus in Innsbruck nach den Zerst\u00f6rungen wieder anzukurbeln. Zwischen 1955 und 1972 verf\u00fcnffachen sich die N\u00e4chtigungszahlen in Tirol. Nach den beschwerlichen Kriegsjahren und dem Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Wirtschaft Jahren konnten Tirol und Innsbruck den Fremdenverkehr langsam, aber stetig stabil als Einnahmequelle etablieren, auch abseits der offiziellen Hotels und Pensionen. Viele Innsbrucker Familien r\u00fcckten in den ohnehin engen Wohnungen zusammen, um die Haushaltskasse durch die Vermietung von Betten an G\u00e4ste aus dem Ausland aufzubessern. Der Tourismus brachte nicht nur Devisen, sondern erm\u00f6glichte es den Einheimischen ein neues Image nach innen und au\u00dfen von sich zu kreieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte der Wirtschaftsaufschwung immer mehr Innsbruckern einen Urlaub im Ausland. Besonders beliebt waren die Str\u00e4nde Italiens. Aus den Kriegsfeinden vergangener Jahrzehnte wurden G\u00e4ste und Gastgeber.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv. In Innsbruck wurden im Cafe Gasthaus <em>Zur Annas\u00e4ule<\/em>, dem sp\u00e4teren Alt-Innsbrucks American Drinks zum <em>Five O`Clock Tea<\/em> an der Bar im Rittersaal serviert. Die Ritterr\u00fcstungen k\u00f6nnen von der Maria-Theresien-Stra\u00dfe aus noch im Erker bewundert werden. Zum gr\u00f6\u00dften Teil geh\u00f6rte Innsbrucks Bev\u00f6lkerung als Teil der jungen Republik Deutsch-\u00d6sterreich aber zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik vor dem Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 weniger begeisterten als viel mehr neugierigen und verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df. Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die diversen Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. Es war nichts neues, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschlussplan erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande. In Innsbruck konstituierte sich im Herbst 1918 aus den Mitgliedern des ehemaligen Landtages die <em>Tiroler Nationalversammlung<\/em> und der <em>Tiroler Nationalrat<\/em>, eine Konzentrationsregierung mit Mitgliedern aus allen Parteien. Dem Nationalrat unterstanden die <em>Volks- und B\u00fcrgerwehren<\/em>, die sich auf Gemeindeebene zur Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Ordnung gebildet hatten, zumindest am Papier. Vor allem zwischen Innsbruck und dem Brenner befanden sich an den Bahnh\u00f6fen bis zu 50.000 Soldaten, die auf ihren Abtransport wartend f\u00fcr Probleme sorgten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, war Tirol von den verhassten <em>Wallschen<\/em> okkupiert. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Nach den komplexen und langatmigen Friedensverhandlungen in Paris war es schlie\u00dflich Gewissheit: Am 10. Oktober 1920 erfolgte der formale Anschluss S\u00fcdtirols. Am Brenner ging der Schlagbaum nieder. Auf der Nordtiroler Seite entstanden nur wenige Amts- und Zollgeb\u00e4ude, im s\u00fcdlichen Teil des Dorfes aber schossen gro\u00dfe Kasernen aus dem Boden, um die neue Grenze milit\u00e4risch zusichern. Das historische Tirol war zweigeteilt. In Innsbruck und vielen anderen Tiroler Gemeinden wurden jahrelang allj\u00e4hrlich zu diesem Datum pomp\u00f6se Trauerfeierlichkeiten veranstaltet. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c von Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden? Liberale und die aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em>hervorgegangene <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannte Soldatenr\u00e4te, die aber wie die restliche Politik christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der <em>Tiroler Anzeiger<\/em> brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie in Innsbruck unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes bei Wahlen ab 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Der Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Auch eine gewisse Emanzipation machte sich bemerkbar. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Martin Rapoldi brachte die Situation im September 1919 auf den Punkt: \u201e<em>Meine Herren, die Verfassungsfrage ist der Bev\u00f6lkerung heute vollst\u00e4ndig nebens\u00e4chlich f\u00fcr den Augenblick, und ob das Land mehr Rechte oder weniger Rechte hat. Mehr Kartoffeln ist die Losung in unserem Lande.<\/em>\u201c Immer wieder kam es in der Landeshauptstadt zu Pl\u00fcnderung und Hungerkrawallen. Wer \u00fcber Geld verf\u00fcgte, konnte sich am Schwarzmarkt mit Lebensmitteln versorgen, der Rest war auf milde Gaben aus den Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201cNeben dem Hunger war die Krankenversorgung ein gro\u00dfes Thema. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden, unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den ersten Jahren gab es kaum Verbesserungen im Alltag der Menschen. Die Zentralregierung hatte wenig Durchsetzungsverm\u00f6gen in den fernen Bundesl\u00e4ndern wie Tirol. Innsbruck begann zeitweise sogar, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Unter Kanzler Ignaz Seipel konnte die Republik eine V\u00f6lkerbundanleihe aufnehmen. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde am 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurs vor dem Krieg verloren. Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Wohnbau- und Infrastrukturprojekte. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em>, der <em>Mandelsbergerblock<\/em>, die <em>Pembaurschule<\/em>, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf Patscherkofel und Nordkette sind bis heute in Betrieb stehende Zeitzeugnisse. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die <em>Pembaurbr\u00fccke<\/em> und die <em>Prinz-Eugen-Br\u00fccke<\/em>. In der Reichenau er\u00f6ffnete am 1. Juni 1925 der erste Flugplatz, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. Viele Interessierte fanden sich auf der Wiese \u00f6stlich der Stadt ein, um dem Event beizuwohnen. Ein Denkmal f\u00fcr die im Weltkrieg gefallenen Flieger wurde enth\u00fcllt, bevor die deutsche Fluglinie <em>Aero Lloyd<\/em> mit einer einmotorigen Fokker-Grulich F III Richtung M\u00fcnchen abhob. Im Herbst folgte die Einbindung des neuen Flugplatztes durch die franz\u00f6sische <em>Compagnie Internationale de Navigation<\/em> in den Kurs Stra\u00dfburg \u2013 Z\u00fcrich \u2013 Innsbruck \u2013 Wien. Dank des waghalsigen Einsatzes des Piloten Raoul Stojsawljewic konnten von Innsbruck aus nun auch abgelegene Regionen und Schutzh\u00fctten mit Lebensmitteln versorgt werden, wie ein Bericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 7. Juni 1926 zeigt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e<em>Bei sch\u00f6nem Wetter stieg gestern morgens Major Stojsawljewic von der deutschen Lufthansa mit seinem Apparat auf und flog K\u00fchtai an, wo er aus geringer H\u00f6he von der Brauerei \u201eL\u00f6wenbr\u00e4u\u201c gespendetes Gratisbier mittels Fallschirm abwarf. Um 10 Uhr wurd das Patscherkofelhaus angeflogen und Bier der Brauerei Zipf abgeworfen\u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Trotz der kurzzeitigen H\u00f6henfl\u00fcge war die Erste Republik auch auf lokaler Ebene eine schwere Geburt und sie sollte nicht lange Bestand haben, obwohl viel Positives seinen Anfang nahm. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens von Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche. Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. Auch gesellschaftliche Br\u00e4uche und allt\u00e4gliche Lebenseinstellungen ver\u00e4nderten sich in der Republik nach dem Zusammenbruch der Monarchie. Der 1925 eingef\u00fchrte Weltspartag erinnert allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings und die Mahnung an Kinder und Erwachsene zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Die Handschrift der jungen Massenparteien und das neue Verh\u00e4ltnis zwischen Zentralstaat und B\u00fcrger sind bei allem Lokalpatriotismus un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Franz Baumann und die Tiroler Moderne&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Franz Baumann: Innsbrucks Architekt, der keiner war&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62384&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Staaten und Herrscherh\u00e4user an ihr Ende, auch f\u00fcr Kunst, Musik, Literatur und Architektur war er eine Z\u00e4sur. In Innsbruck ver\u00e4nderte eine Handvoll Bauplaner das Stadtbild in den zwei Jahrzehnten der Ersten Republik. Inspiriert von den neuen Formen der Gestaltung wie dem Bauhausstil aus Deutschland, Wolkenkratzern aus den USA, dem italienischen Futurismus und der <em>Sowjetischen Moderne<\/em> aus der revolution\u00e4ren UdSSR entstanden in Innsbruck aufsehenerregende Projekte. Die bekanntesten Vertreter der Avantgarde, die diese neue Art und Weise die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes in Tirol zustande brachten, waren Lois Welzenbacher Siegfried Mazagg, Theodor Prachensky, und Clemens Holzmeister. Jeder dieser Architekten hatte seine Eigenheiten, wodurch die <em>Tiroler Moderne<\/em> nur schwer eindeutig zu definieren ist. Ein gemeinsames Merkmal war die Abwendung von der klassizistischen Architektur der Vorkriegszeit unter gleichzeitiger Beibehaltung typischer alpiner Materialien und Elemente unter dem Motto <em>Form follows Function<\/em>. Lois Welzenbacher schrieb 1920 in einem Artikel der Zeitschrift <em>Tiroler Hochland<\/em> \u00fcber die Architektur dieser Zeit:<\/p>\n<p><em>\u201eSoweit wir heute urteilen k\u00f6nnen, steht wohl fest, da\u00df dem 19. Jahrhundert in seinem Gro\u00dfteile die Kraft fehlte, sich einen eigenen, ausgesprochenen Stil zu schaffen. Es ist das Zeitalter der Stillosigkeit\u2026 So wurden Einzelheiten historisch genau wiedergegeben, meist ohne besonderen Sinn und Zweck, und ohne harmonisches Gesamtbild, das aus sachlicher oder k\u00fcnstlerischer Notwendigkeit erwachsen w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der bekannteste und im Innsbrucker Stadtbild am eindr\u00fccklichsten sichtbare Vertreter der sogenannten <em>Tiroler Moderne<\/em> war Franz Baumann (1892 \u2013 1974). Anders als Holzmeister oder Welzenbacher hatte er keine akademische Ausbildung genossen. Baumann kam 1892 als Sohn eines Postbeamten in Innsbruck zur Welt. Sein Religionslehrer, der heute umstrittene Theologe und Publizist Anton M\u00fcller alias <em>Bruder Willram,<\/em> wurde auf das zeichnerische Talent Franz Baumanns aufmerksam und erm\u00f6glichte dem jungen Mann mit 14 Jahren den Besuch der <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em>. Dort lernte er seinen sp\u00e4teren Schwager Theodor Prachensky kennen, der auch in beruflicher Hinsicht eine tragende Rolle in seinem Leben spielen sollte. W\u00e4hrend seiner Schulzeit sammelte Baumann erste praktische Berufserfahrungen als Maurer bei der Baufirma <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> und begann gemeinsam mit seiner Schwester Maria und Prachensky auf Ausfl\u00fcgen rund um Innsbruck Naturdarstellungen anzufertigen. 1910 folgte Baumann seinem Freund nach Meran f\u00fcr eine Anstellung bei der \u00fcber die Landesgrenzen hinaus bekannte Baufirma <em>Musch &amp; Lun<\/em>. Die ehemalige Tiroler Landeshauptstadt war Tirols wichtigster Tourismusort mit internationalen Kurg\u00e4sten. Unter Adalbert Erlebach, der sp\u00e4ter ma\u00dfgeblich an der Gestaltung der Hungerburg beteiligt war, machte Baumann erste Erfahrungen bei der Planung von Gro\u00dfprojekten wie Hotels und Seilbahnen. Wichtig f\u00fcr seine sp\u00e4tere Karriere war nicht nur die technische Ausbildung, sondern auch die ersten Ber\u00fchrungspunkte, die er mit dem <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> machte. Kunibert Zimmeter hatte diesen Verein gemeinsam mit Gotthard Graf Trapp gegr\u00fcndet. Das Bauwesen war Landessache, der <em>Tiroler Heimatschutzverband<\/em> war gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft als letztentscheidende Beh\u00f6rde bei Bauprojekten f\u00fcr Bewertung und Genehmigung zust\u00e4ndig. In vielen Tiroler D\u00f6rfern hatten Hotels die Kirchen als gr\u00f6\u00dftes Bauwerk im Ortsbild abgel\u00f6st. Man wollte verhindern, dass Tourismus- und Industriebauten die traditionellen Ortsbilder \u00fcber Geb\u00fchr vereinnahmen. In \u201e<em>Unser Tirol. Ein Heimatschutzbuch<\/em>\u201c schrieb Zimmeter:<\/p>\n<p><em>\u201eSchauen wir auf die Verflachung unseres Privat-Lebens, unserer Vergn\u00fcgungen, in deren Mittelpunkt bezeichnender Weise das Kino steht, auf die literarischen Eintagsfliegen unserer Zeitungslekt\u00fcre, auf die heillosen und kostspieligen Ausw\u00fcchse der Mode auf dem Gebiete der Frauenbekleidung, werfen wir einen Blick in unserer Wohnungen mit den elenden Fabriksm\u00f6beln und all den f\u00fcrchterlichen Erzeugnissen unserer sogenannten Galanteriewaren-Industrie, Dinge, an deren Herstellung tausende von Menschen arbeiten und dabei wertlosen Krims-Krams schaffen, oder betrachten wir unsere Zinsh\u00e4user und Villen mit den Pal\u00e4ste vort\u00e4uschenden Zementfassaden, unz\u00e4hligen \u00fcberfl\u00fcssigen T\u00fcrmen und Giebeln, unsere Hotels mit ihren aufgedonnerten Fassaden, welche Verschleuderung des Volksverm\u00f6gens, welche F\u00fclle von Geschmacklosigkeit m\u00fcssen wir da finden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach vier Jahren wurde Baumanns Karriere j\u00e4h unterbrochen. Wie den Gro\u00dfteil seiner Generation riss der Erste Weltkrieg auch ihn aus Berufsleben und Alltag. An der Italienfront erlitt er im Kampfeinsatz einen Bauchschuss, von dem er sich in einem Lazarett in Prag erholte. In dieser ansonsten tatenlosen Zeit malte er Stadtansichten von Bauwerken in und rund um Prag. Diese Stadtbilder, die ihm sp\u00e4ter bei der Visualisierung seiner Pl\u00e4ne helfen sollten, wurden in seiner einzigen Ausstellung 1919 pr\u00e4sentiert. Sein Durchbruch im Bauwesen kam im Folgejahr. Baumann konnte \u00fcberraschend die Ausschreibungen f\u00fcr den Umbau des <em>Weinhaus Happ<\/em> in der Altstadt und der Nordkettenbahn f\u00fcr sich entscheiden. Neben seiner Kreativit\u00e4t kamen ihm dabei die \u00dcbereinstimmung seines architektonischen Ansatzes mit den Anforderungen des <em>Tiroler Heimatschutzverbandes<\/em> und der Ausschreibungen der jungen Erste Republik entgegen. Im Wirtschaftsaufschwung der sp\u00e4ten 1920er Jahre entstand eine neue Kunden- und G\u00e4steschicht f\u00fcr den Tourismus. Die aristokratische Distanz zur Bergwelt war einer b\u00fcrgerlichen Sportbegeisterung gewichen. Man baute keine Grandhotels mehr auf 1500 m f\u00fcr den Kururlaub, sondern funktionale Infrastruktur f\u00fcr Skisportler im hochalpinen Gel\u00e4nde wie der Nordkette. Die Geb\u00e4ude sollten sich harmonisch, ansehnlich und zweckdienlich in die Umwelt eingliedern. Architekten mussten trotz der gesellschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Neuerungen der Zeit den regionaltypischen Charakter mitdenken. Genau hier lagen die St\u00e4rken Baumanns Ansatz des ganzheitlichen Bauens im Tiroler Sinne. Baumann entwarf von der Au\u00dfenbeleuchtung bis hin zu den M\u00f6beln auch kleinste Details und f\u00fcgte sie in sein Gesamtkonzept der <em>Tiroler Moderne<\/em> ein. Alle technischen Funktionen und Details unter Ber\u00fccksichtigung von Umwelt, Topografie und Sonnenlicht spielten f\u00fcr ihn, der offiziell den Titel Architekt gar nicht f\u00fchren durfte, eine Rolle. Er folgte damit den \u201e<em>Regeln, f\u00fcr den, der in den Bergen baut<\/em>\u201c des Architekten Adolf Loos (1870 \u2013 1933):<\/p>\n<p><em>Baue nicht malerisch. \u00dcberlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne. Der Mensch, der sich malerisch kleidet, ist nicht malerisch, sondern ein Hanswurst. Der Bauer kleidet sich nicht malerisch. Aber er ist es\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Achte auf die Formen, in denen der Bauer baut. Denn sie sind Urv\u00e4terweisheit, geronnene Substanz. Aber suche den Grund der Form auf. Haben die Fortschritte der Technik es m\u00f6glich gemacht, die Form zu verbessern, so ist immer diese Verbesserung zu verwenden. De Dreschflegel wird von der Dreschmaschine abgel\u00f6st.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ab 1927 f\u00fchrte Baumann sein eigenes Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe in Wilten. Zur Bl\u00fctezeit stellte er in seinem B\u00fcro 14 Mitarbeiter an. Immer wieder kreuzten sich seine beruflichen Wege mit denen seines Freundes und Schwagers Theodor Prachensky. Gemeinsam projektierten sie ab 1929 das Geb\u00e4ude f\u00fcr die neue Hauptschule H\u00f6tting am F\u00fcrstenweg. Eigene Trakte f\u00fcr Buben und M\u00e4dchen waren zwar noch immer traditionell baulich getrennt einzuplanen, ansonsten entsprach der Bau aber in Form und Ausstattung ganz dem Stil der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> und dem Prinzip <em>Licht, Luft und Sonne<\/em>. Dank seines modernen Ansatzes, der Funktion, \u00c4sthetik, Tradition und sparsames Bauen vereinte, \u00fcberstand Baumann die Wirtschaftskrise ab den sp\u00e4ten 1920er Jahren gut. Erst die <em>1000-Mark-Sperre<\/em>, die Hitler 1933 \u00fcber \u00d6sterreich verh\u00e4ngte, um die Republik finanziell in Bredouille zu bringen, brachte sein Architekturb\u00fcro in Probleme. Nicht nur die Arbeitslosenquote im Tourismus verdreifachte sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit, auch die Baubranche geriet in Schwierigkeiten. 1935 wurde er zum Leiter der <em>Zentralvereinigung f\u00fcr Architekten<\/em>, nachdem ihm eine Ausnahmegenehmigung gestattete diesen Berufstitel auch ohne formale Bildung zu tragen. Mit dem Anschluss 1938 trat er z\u00fcgig der NSDAP bei. Einerseits war er wohl wie sein Kollege Lois Welzenbacher den Ideen des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, andererseits konnte er so als Obmann der <em>Reichskammer f\u00fcr bildende K\u00fcnste<\/em> in Tirol seine Karriere vorantreiben. In dieser Position stellte er sich mehrmals gegen den Furor, mit dem die Machthaber das Stadtbild Innsbrucks ver\u00e4ndern wollten, der seiner Vorstellung von Stadtplanung nicht entsprach. Der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Egon Denz wollte die Triumphpforte und die Annas\u00e4ule entfernen, um dem Verkehr in der Maria-Theresienstra\u00dfe mehr Platz zu geben. Die Innenstadt war noch immer Hauptverkehrsachse, um vom Brenner im S\u00fcden, um auf die Bundesstra\u00dfe nach Osten und Westen am heutigen Innrain zu gelangen. Anstelle der Annas\u00e4ule sollte eine Statue Adolf Hitlers errichtet werden. Gauleiter Hofer wollte die Kircht\u00fcrme der Stiftskirche sprengen lassen. Baumann bewertete diese beiden Pl\u00e4ne in seiner Funktion negativ. Als der Sachverhalt es bis auf den Schreibtisch Albert Speers schaffte, pflichtet dieser ihm bei. Von diesem Zeitpunkt an erhielt Baumann von Gauleiter Hofer keine \u00f6ffentlichen Projekte mehr zugesprochen, sein mutiges Auftreten bewahrte ihn in der Nachkriegszeit wohl aber vor Schlimmerem. Nach Befragungen im Rahmen der Entnazifizierung begann Baumann im Stadtbauamt zu arbeiten, wohl auch auf Empfehlung seines Schwagers Prachensky. Baumann wurde zwar voll entlastet, unter anderem durch eine Aussage des Abtes von Wilten, dessen Kircht\u00fcrme er gerettet hatte, sein Ruf als Architekt war aber nicht mehr zu kitten. Zudem hatte ein Bombentreffer hatte 1944 sein Atelier in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe zerst\u00f6rt. In seiner Nachkriegskarriere war er f\u00fcr Sanierungen an vom Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4uden zust\u00e4ndig. So wurde unter ihm der Boznerplatz mit dem Rudolfsbrunnen wiederaufgebaut sowie Burggraben und die Neuen Stadts\u00e4le hinter dem Tiroler Landestheater gestaltet. Franz Baumann verstarb 1974. Seine Bilder, Skizzen und Zeichnungen sind hei\u00df begehrt und werden hoch gehandelt. Wer Gro\u00dfprojekte neueren Datums wie die Stadtbibliothek, die PEMA-T\u00fcrme und viele der Wohnanlagen in Innsbruck aufmerksam betrachtet, wird die Ans\u00e4tze der <em>Tiroler Moderne<\/em> auch heute noch wiederentdecken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>High Innsbruck<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66431,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[80,23],"tags":[],"class_list":["post-66331","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-st-nikolaus-mariahilf-hoetting-und-muehlau","category-top-10"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66331"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66331\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71132,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66331\/revisions\/71132"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66431"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}