{"id":66469,"date":"2024-05-14T07:50:53","date_gmt":"2024-05-14T07:50:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66469"},"modified":"2026-06-25T10:02:29","modified_gmt":"2026-06-25T10:02:29","slug":"die-wallschen-und-die-fatti-di-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/die-wallschen-und-die-fatti-di-innsbruck\/","title":{"rendered":"The Wallschen and the Fatti di Innsbruck"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Die Wallschen und die <em>Fatti di Innsbruck<\/em><\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Innsbrucker-Nachrichten-4.-November-1904-scaled.jpg&#8220; alt=&#8220;Innsbrucker Nachrichten 4. 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Egal ob syrische Fl\u00fcchtlinge seit 2015 oder t\u00fcrkische Gastarbeiter in den 1970er und 80er Jahren, das Fremde erzeugt meist wenig wohl gesonnene Gef\u00fchle im durchschnittlichen Tiroler. Heute m\u00f6gen Italien das liebste Reiseziel der Innsbrucker und Pizzerien Teil des gastronomischen Alltags sein, lange Zeit waren unsere s\u00fcdlichen Nachbarn die am argw\u00f6hnischsten be\u00e4ugte Bev\u00f6lkerungsgruppe. Was um 1900 dem Wiener seine Juden und <em>Ziegelb\u00f6hmen <\/em>waren, waren dem Tiroler die <em>Wall\u00b4schen<\/em>. Die Abneigung gegen\u00fcber Italienern kann in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Italien als eigenst\u00e4ndigen Staat gab es zwar nicht, viele kleine Grafschaften, Stadtstaaten und F\u00fcrstent\u00fcmer zwischen dem Gardasee und Sizilien pr\u00e4gten die politische Landschaft. Auch sprachlich und kulturell unterschieden sich die einzelnen Regionen. Trotzdem begann man im Laufe der Zeit, sich als Italiener zu verstehen und wurde im Ausland auch als Italiener wahrgenommen. Die meisten, mit denen Innsbrucker zu tun hatten, entstammten der <em>Upper Class<\/em>, was automatisch eine gewisse Abneigung erzeugte. W\u00e4hrend des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit waren sie als Mitglieder der Beamtenschaft, des Hofstaates Bankiers, Gro\u00dfh\u00e4ndler oder Gattinnen diverser Landesf\u00fcrsten in Innsbruck ans\u00e4ssig. Die Abneigung zwischen <em>Italienern<\/em> und <em>Deutschen<\/em> war gegenseitig. Die einen galten den anderen wahlweise als ehrlos, unzuverl\u00e4ssig, hochn\u00e4sig, eitel, moralisch verdorben und faul, die anderen als unzivilisiert, barbarisch, ungebildet und Schweine.<\/p>\n<p>Mit den Kriegen zwischen 1848 und 1866 erreichte der Hass auf alles Italienische ein neues Hoch im <em>Heiligen Land Tirol<\/em>, obwohl viele <em>Wallsche<\/em> in der k.u.k. Armee dienten und auch die Landbev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dftenteils unter den italienischsprachigen Tirolern loyal zur Monarchie stand. Die Italiener, besonders die Truppen Garibaldis, galten als gottlose Aufr\u00fchrer und Republikaner und wurden von den Kirchkanzeln zwischen Kufstein und Riva del Garda sowohl auf Italienisch wie auch auf Deutsch gegei\u00dfelt. Eine gro\u00dfe Rolle im Konflikt spielte die Tiroler Presselandschaft. Nach der Liberalisierung des Pressewesens 1867 erreichten die Zeitungen neue Dimensionen in der Reichweite. Was heute <em>Social Media<\/em> zur gesellschaftlichen Spaltung beitr\u00e4gt, \u00fcbernahmen damals Zeitungen. Konservative, Katholiken, Gro\u00dfdeutsche, Liberale und Sozialisten hatten jeweils ihre eigenen Presseorgane. Treue Leser dieser wenig neutralen Bl\u00e4tter lebten in ihren Meinungsblasen. Die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, mit etwa 15.000 St\u00fcck Auflage, waren das reichweitenst\u00e4rkste Medium Tirols der Jahrhundertwende. Sie hatte zwar keine explizite politische Ausrichtung, galt aber als gro\u00dfdeutsch-liberal gesinnt. Auf italienischer Seite ragte der im Krieg vom \u00f6sterreichischen Milit\u00e4r wegen Hochverrats am W\u00fcrgegalgen hingerichtete Cesare Battisti (1875 \u2013 1916) heraus. Der Publizist und Politiker aus Trient hatte in Wien an der deutschsprachigen Universit\u00e4t zu studieren begonnen, war anschlie\u00dfend aber an die Universit\u00e4t in Florenz gewechselt. Mit spitzer Feder befeuerte er in den beiden italienischen Zeitungen <em>Il Popolo<\/em> und <em>L\u00b4Avvenire<\/em> immer wieder mit spitzer Feder den Konflikt der Nationalit\u00e4ten innerhalb der Landesgrenzen. Er galt dank seiner Mischung aus sozialistischer Gesinnung und italienischem Patriotismus vielen Tirolern als Staatsfeind und Verr\u00e4ter Nummer 1.<\/p>\n<p>Auch Vereine spielten bei der Verh\u00e4rtung der Fronten eine tragende Rolle. 1867 war nicht nur das Pressegesetz, sondern auch das Vereinswesen liberalisiert worden. Das l\u00f6ste einen regelrechten Boom an Neugr\u00fcndungen aus. Sportvereine, Turnerschaften, Theatergruppen, Sch\u00fctzen oder die <em>Innsbrucker Liedertafel<\/em> dienten h\u00e4ufig nicht nur der Zerstreuung, sondern waren politische Vorfeldorganisationen. Die Vereinsmitglieder trafen sich in eigenen Lokalen und veranstalteten regelm\u00e4\u00dfig Vereinsabende, vielfach auch \u00f6ffentlich. Besonders politisch aktiv und extremistisch in ihren Meinungen waren die Studentenverbindungen. Die jungen M\u00e4nner, die sich hier tummelten, entstammten dem gehobenen B\u00fcrgertum oder der Aristokratie und waren sowohl gewohnt anzuschaffen als auch Waffen zu tragen. Ein Drittel der Studenten in Innsbruck war in einer Verbindung, davon war knapp die H\u00e4lfte deutschnational orientiert. Anders als heute war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass sie sich in voller Wichs in ihrer Couleur, also der Uniform samt S\u00e4bel, Barett und Band in der \u00d6ffentlichkeit zeigten, nicht selten auch mit Stock und Revolver bewaffnet. Ihnen gegen\u00fcber standen die nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig, sondern auch organisatorisch unterlegenen italienischsprachigen Studenten. Durch den Verlust Paduas hatten italienischst\u00e4mmige Tiroler keine M\u00f6glichkeit mehr, das Studium in ihrer Muttersprache im Inland zu absolvieren, viele von ihnen orientierten sich deshalb nach Innsbruck, wo sie auf wenig Gegenliebe stie\u00dfen. Einer der gr\u00f6\u00dften politischen Streitpunkte zwischen italienisch- und deutschsprachigen Studenten war die Er\u00f6ffnung einer italienischen Universit\u00e4t. Die Diskussion, ob man eine Universit\u00e4t in Triest, der bevorzugte Ort der italienischsprachigen Vertreter, Innsbruck, Trient oder Rovereto anvisieren sollte, entspann sich \u00fcber Jahre hinweg. Obwohl ein Besuch der Hochschule eigentlich nur eine Angelegenheit einer kleinen Elite war, konnten irredentistische, anti-\u00f6sterreichisch gesinnte Tiroler Abgeordnete aus dem Trentino das Thema als Symbol f\u00fcr die angestrebte Autonomie immer wieder emotional aufladen, waren doch seit 1867 von Gesetz wegen alle Sprachgruppen innerhalb der Monarchie gleich zu behandeln. Deutschnationalistische Politiker wie der Innsbrucker B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil, der f\u00fcr sein inkorrektes Verhalten gegen\u00fcber der italienischen Bev\u00f6lkerung vom k.k. Statthalter Tirols mehrmals ermahnt wurde, nutzten die Emotionen rund um das Thema, um mit einer drohenden \u00dcberfremdung Stimmung zu machen. Zu den ethnischen und rassistischen Ressentiments gegen\u00fcber den s\u00fcdl\u00e4ndischen Nachbarn kam besonders bei Konservativen auch die Angst vor Figuren wie Cesare Battisti hinzu, der als Sozialist ohnehin das leibhaftig B\u00f6se verk\u00f6rperte.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df die Gefahr einer Italianisierung Innsbrucks durch Trentiner Studenten tats\u00e4chlich war, zeigen demographische Daten. Fakten wurden auch damals im Diskurs oft durch Bauchgef\u00fchl und rassistisch motivierten Populismus ersetzt. Nach der Eingemeindung Pradls und Wiltens 1904 hatte Innsbruck etwas \u00fcber 50.000 Einwohner. Der Anteil der Studenten lag mit etwas \u00fcber 1000 bei unter 2%. Von den etwa 3000 italienischst\u00e4mmigen, die meisten davon <em>Welschtiroler<\/em> aus dem Trentino, waren nur etwas \u00fcber 100 an der Universit\u00e4t inskribiert. Den Gro\u00dfteil der <em>Wallschen<\/em> machten Arbeiter, Wirte, H\u00e4ndler und Soldaten aus. Viele lebten schon lange in und rund um Innsbruck. Im etwas g\u00fcnstigeren Wilten war so etwas wie ein Little Italy entstanden. Anton Gutmann vertrieb in seiner Kellerei-Genossenschaft Riva in der Leopoldstra\u00dfe 30 italienische Weine, gegen\u00fcber konnte man im <em>Gasthaus Steneck<\/em> gut und g\u00fcnstig essen. Der Gro\u00dfteil der Zuwanderer sprach als Untertanen der Monarchie ausgezeichnet Deutsch, nur ein kleiner Teil kam aus Dalmatien oder Triest und war tats\u00e4chlich fremdsprachig. Die Unterschiede waren soziokultureller Natur. Es gab eigene Vereine wie den <em>Club Ciclistico<\/em> und die <em>Unione Ginnastica<\/em>, sozialistisch orientierte Arbeiter- und Konsumorganisationen, Musikvereine und Studentenverbindungen.<\/p>\n<p>Obwohl auch unter den Italienern die Studenten nur einen geringen Teil ausmachten, wurde ihnen und der Forderung nach einem Institut mit italienisch als Pr\u00fcfungs- und Unterrichtssprache \u00fcberdurchschnittliche Aufmerksamkeit entgegengebracht. Nach einigem Hin und Her wurde im September 1904 beschlossen, eine provisorische rechtswissenschaftliche Fakult\u00e4t in Innsbruck zu gr\u00fcnden. Das sollte die Studenten trennen, ohne eine der Gruppen zu vergr\u00e4men. Von Anfang an stand das Projekt aber unter keinem guten Stern. Niemand wollte der Universit\u00e4t die n\u00f6tigen R\u00e4umlichkeiten vermieten. Schlie\u00dflich stellte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Baumeister Anton Fritz eine Wohnung in einem seiner Mietzinsh\u00e4user in der Liebeneggstra\u00dfe 8 zur Verf\u00fcgung. Bei der Antrittsvorlesung und der feierlichen Abendveranstaltung im <em>Gasthaus zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> am 3. November waren Promis wie Battisti oder der sp\u00e4tere italienische Ministerpr\u00e4sident Alcide de Gasperi anwesend. Je sp\u00e4ter der Abend desto ausgelassener die Stimmung. Als Schm\u00e4hrufe wie \u201e<em>Porchi tedeschi<\/em>\u201c und \u201e<em>Abbasso Austria<\/em>\u201c (Anm.: <em>Deutsche Schweine und Nieder mit \u00d6sterreich<\/em>) fielen, eskalierte die Situation. Eine mit St\u00f6cken, Messern und Revolvern bewaffnete Meute deutschsprachiger Studenten belagerte das <em>Wei\u00dfe Kreuz,<\/em> in dem sich die ebenfalls zu einem gro\u00dfen Teil bewaffneten Italiener verschanzten. Ein Trupp Kaiserj\u00e4ger konnte den ersten Tumult erfolgreich aufl\u00f6sen, einige der Italiener wurden inhaftiert. Dabei wurde der Kunstmaler August Pezzey (1875 \u2013 1904) durch einen Stich mit dem Bajonett irrt\u00fcmlich von einem \u00fcbertrieben nerv\u00f6sen Soldaten t\u00f6dlich verwundet.<\/p>\n<p>Die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> erschienen nach den n\u00e4chtlichen Aktivit\u00e4ten am 4. November unter der Headline: \u201e<em>Deutsches Blut geflossen!<\/em>\u201c. Der anwesende Redakteur berichtete von 100 bis 200 Revolversch\u00fcssen, die von den Italienern auf die \u201e<em>Schar von deutschen Studenten<\/em>\u201c abgegeben wurden und dem Tod Pezzeys. Die Nachricht \u00fcber das Geschehene l\u00f6ste einen Sturm an Racheakten und Gewalttaten aus. Zu den politisch Motivierten gesellten sich, wie bei jedem Aufruhr, Schaulustige und Randalierer, die Spa\u00df daran hatten, in der Anonymit\u00e4t der Masse \u00fcber die Str\u00e4nge zu schlagen, ohne eine echte politische \u00dcberzeugung zu haben. W\u00e4hrend die in Haft genommenen Italiener in der dadurch heillos \u00fcberf\u00fcllten Strafanstalt der Stadt das martialische Lied <em>Inno di Garibaldi<\/em> anstimmten, kam es in der Stadt zu schweren Ausschreitungen gegen italienische Lokale und Betriebe. Die R\u00e4umlichkeiten des <em>Gasthauses zum Wei\u00dfen Kreuz<\/em> wurden in monarchietreuer Manier bis auf ein Portr\u00e4t Kaiser Franz Josefs vollkommen verw\u00fcstet. Randalierer bewarfen den Wohnsitz des ohnehin unbeliebten Statthalters im <em>Palais Trapp<\/em> mit Steinen, da seine Frau italienische Wurzeln hatte. Das von Anton Fritz der Universit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellte Geb\u00e4ude in der Liebeneggstra\u00dfe wurde ebenso zerst\u00f6rt wie sein privater Wohnsitz.<\/p>\n<p>Als sich der erste Wirbel wieder gelegt hatte, begann rasch eine Mythenbildung rund um das Geschehene. Der in den Wirren zu Tode gekommene, aus einer Ladiner Familie stammende August Pezzey, wurde in einem nationalen Rausch von Politikern und der Presse zum \u201eDeutschen Helden\u201c erkl\u00e4rt. Er erhielt am Innsbrucker Westfriedhof ein Ehrengrab. Bei seinem Begr\u00e4bnis mit Tausenden Trauernden, verlas B\u00fcrgermeister Greil eine pathetische Rede:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Ein herrlich sch\u00f6ner Tod war Dir beschieden auf dem Felde der Ehre f\u00fcr das deutsche Volk\u2026 Im Kampfe gegen freche welsche Gewalttaten hast Du Dein Leben ausgehaucht als M\u00e4rtyrer f\u00fcr die deutsche Sache\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Berichte von den <em>Fatti di Innsbruck<\/em> schafften es in die internationale Presse und trugen entscheidend zum R\u00fccktritt des \u00f6sterreichischen Ministerpr\u00e4sidenten Ernest von Koerber bei. Je nach Medium wurden die Italiener als ehrlose Banditen oder mutige Nationalhelden, die \u00d6sterreicher als pangermanistische Barbaren oder Bollwerk gegen das <em>Wallsche<\/em> gesehen. Am 17. November, nur zwei Wochen nach der feierlichen Er\u00f6ffnung, wurde die italienische Fakult\u00e4t in Innsbruck wieder aufgel\u00f6st. Eine eigene Universit\u00e4t blieb der Sprachgruppe innerhalb \u00d6sterreich-Ungarns bis zum Ende der Monarchie 1918 verwehrt. Die lange Tradition, Italiener als ehrlos und faul zu betrachten, wurde durch den Kriegseintritt Italiens 1915 an der Seite Frankreichs und Englands noch mehr befeuert. Bis heute halten viele Tiroler die negativen Vorurteile gegen\u00fcber ihren s\u00fcdlichen Nachbarn mit gro\u00dfer Leidenschaft am Leben.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Deutsches Blut geflossen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Deutsches Blut geflossen!&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66464&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p data-start=\"210\" data-end=\"826\">Erschienen: Innsbrucker Nachrichten \/ 4. November 1904<\/p>\n<p data-start=\"210\" data-end=\"826\">Es war halb 11 Uhr nachts. Der Tag der Er\u00f6ffnung der italienischen Rechtsfakult\u00e4t in der Siebenengasse war ruhig zu Ende gegangen, und manche mochten wohl meinen, die Unruhen seien damit f\u00fcr allemal geschlichtet. Da scholl ein Warnruf durch die n\u00e4chtlich stillen Stra\u00dfen. Wer ihn ausstie\u00df? Wer wei\u00df es? Doch bald stellte es sich heraus, da\u00df sich die Italiener im Gasthof zum \u201eWei\u00dfen Kreuz\u201c versammelt hatten und Demonstrationen nicht abgeschlossen seien. Und bald hatte sich nun vor genanntem Gasthof eine Schar von deutschen Studenten versammelt, zugleich erschien aber auch ein starkes Polizeiaufgebot am Platze.<\/p>\n<h3 data-start=\"828\" data-end=\"871\">Die Italiener schie\u00dfen mit Revolvern.<\/h3>\n<p data-start=\"873\" data-end=\"1909\">Als Vertreter der Gewalt vor Ort war, vergeblich entwaffnend, zur Stelle herangekommen, da zun\u00e4chst schien es auch, als ob die Italiener sich zu entfernen, anstandslos durchzuf\u00fchren h\u00e4tten. Aber schon trat es in der Tat zu Tage, da\u00df von den im Gasthof \u201eWei\u00dfen Kreuz\u201c versammelten Italienern pl\u00f6tzlich eine Schimpfwortsalve, und bald schon folgte darauf, da\u00df auf der Stelle ein Handgemenge entstand. Die Polizei bot alles auf, die Streitenden zu trennen, doch es mu\u00dfte Gewalt angewendet werden, und es entwickelte sich ein Ereignis, das blutig ausspielte. Auf offener Gasse kam es zu einer blutigen Katastrophe. Italiener schossen wild um sich und einer der deutschen Studenten blieb blutend am Boden. Zwei Kugeln trafen ihn in den Arm, eine in den Hals. Blut flo\u00df. Sch\u00fcsse krachten. Weitere Deutsche wurden schwer verletzt, Schu\u00df in beide Arme. Bahnbeamter Gruber verletzt, Schu\u00df in die Untergegend. Physiker, deutscher Student aus Wien, am Kopfe verletzt. Au\u00dferdem erlitt noch ein deutscher Bahnbeamter einen Streifschu\u00df ins Gesicht.<\/p>\n<p data-start=\"1911\" data-end=\"2159\">Die Revolverschlacht konnte schlie\u00dflich erst durch Polizei gewaltsam unterdr\u00fcckt werden. Bald 300 Italiener sich ansammelnd, bildeten die Verwundeten noch mit einem eigenen Sanit\u00e4tsdetachement, denn auf deutscher Seite fiel ein Schwerverwundeter.<\/p>\n<h3 data-start=\"2161\" data-end=\"2208\">Deklaration des Gasthofes \u201eWei\u00dfes Kreuz\u201c.<\/h3>\n<p data-start=\"2210\" data-end=\"2574\">Daf\u00fcr brach auf der deutschen Seite eine ungeheure Wut gegen jene aus, welche die Gewalttaten ver\u00fcbten und unter dem Schutze der italienischen Demonstranten Polizei gegen ihre Br\u00fcder, die Italiener waffenm\u00e4\u00dfig deckend. Und aus dieser Parole heraus, welche zum Gl\u00fcck in der letzten Schreckensnacht herrschend geworden ist, kam es zu jener furchtbaren Katastrophe.<\/p>\n<p data-start=\"2576\" data-end=\"3060\">Unmittelbar wurde der Schu\u00df der Deutschen immer mehr. An allen Ecken, in allen Gassen die furchtbarsten Drohungen. Italiener und deutsche Studenten waffenm\u00e4\u00dfig aufeinander. Was f\u00fcr eine furchtbare Nacht! Ein Meer von Blut, von Revolversch\u00fcssen durch die Stra\u00dfen, und die schreckliche Erfahrung, da\u00df mehrere deutsche Studenten auf offener Gasse blut\u00fcberstr\u00f6mt zu Boden st\u00fcrzten. Einer mit Streifschu\u00df ins Gesicht, ein anderer mit Schu\u00df in die Brust, ein dritter mit Schu\u00df in den Arm.<\/p>\n<p data-start=\"3062\" data-end=\"3376\">Schlie\u00dflich griff die Gewalt der Polizei ein. Mit blanken Bajonetten dr\u00e4ngte man die Italiener zur\u00fcck in die Gassen. Unter furchtbarem L\u00e4rmen, wildem Geschrei, mit Schimpfworten und Drohungen auf den Lippen. Noch einmal krachten Sch\u00fcsse, ein Italiener sank schwer getroffen. Schlie\u00dflich l\u00f6ste sich die Menge auf.<\/p>\n<h3 data-start=\"3378\" data-end=\"3406\">Noch am Freitagmorgen.<\/h3>\n<p data-start=\"3408\" data-end=\"3558\">Noch am Freitagmorgen waren die Stra\u00dfen voll von Blutlachen, aus den Pflasterfugen quoll das Blut der Verwundeten, das nicht gestillt werden konnte.<\/p>\n<p data-start=\"3560\" data-end=\"3859\">Immer mehr trat es zu Tage, da\u00df die Italiener eingedenk auf die Polizei schossen, und damit die ganze Schuld auf sich nahmen. Es ist unwidersprechlich, da\u00df die Menge nur sich selbst verteidigen mu\u00dfte, und da\u00df so ein furchtbares Ereignis aus dem Verhalten der italienischen Studenten erwachsen ist.<\/p>\n<p data-start=\"3861\" data-end=\"4095\">Die Gelegenheit wurde ergriffen, das \u201eWei\u00dfe Kreuz\u201c wegen des deutschen Blutes und der unleugbaren Rechtswidrigkeit zu sperren. Am Freitag wieder Umbauarbeiten. Bald stand das Geb\u00e4ude in Flammen. Ein neuer \u201eBefreiungsversuch\u201c war es.<\/p>\n<p data-start=\"4097\" data-end=\"4200\">Die Menge verlangte dieses, damit der Name \u201eWei\u00dfes Kreuz\u201c aus der Stadt f\u00fcr immer verschwinden solle.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Sehensw\u00fcrdigkeiten dazu&#8230;<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_blog fullwidth=&#8220;off&#8220; posts_number=&#8220;50&#8243; include_categories=&#8220;166&#8243; show_thumbnail=&#8220;off&#8220; use_manual_excerpt=&#8220;off&#8220; show_author=&#8220;off&#8220; show_date=&#8220;off&#8220; show_categories=&#8220;off&#8220; show_excerpt=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;off&#8220; admin_label=&#8220;Sehensw\u00fcrdigkeiten dieser Kategorie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;10px|10px|10px|10px|true|true&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_blog][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcbersicht der Stadtgeschichte (nicht \u00e4ndern)&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/geschichte-der-stadt-innsbruck\/\">\u00dcbersicht der Stadtgeschichte<\/a><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The old dispute between Italian and German-speaking Tyroleans escalated into bloody riots in November 1904.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66472,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[89,92,90],"tags":[],"class_list":["post-66469","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wissenswertes","category-wissenswertes-19-jahrhundert-wissenswertes","category-wissenswertes-20-jahrhundert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66469"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66469\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}