{"id":66638,"date":"2025-09-11T13:58:51","date_gmt":"2025-09-11T13:58:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66638"},"modified":"2026-02-26T13:55:30","modified_gmt":"2026-02-26T13:55:30","slug":"rennerschule-stadtischer-kindergarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/rennerschule-stadtischer-kindergarten\/","title":{"rendered":"Racing school &amp; kindergarten"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Rennerschule &amp; St\u00e4dtischer Kindergarten<\/h2>\n<p>Pembaurstra\u00dfe 18 &amp; 20 \/ Gabelsbergerstra\u00dfe\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;68603,66632,66651,66633,66630,66629,66627&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Rennerschule \/ St\u00e4dtischer Kindergarten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66644&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Rennerschule \/ St\u00e4dtischer Kindergarten&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66645&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Mit dem <em>Schlachthofblock<\/em> und dem <em>Pembaurblock <\/em>waren im Osten der Stadt zwischen 1922 und 1926 zwei neue Wohnanlagen entstanden. Bauplaner Theodor Prachensky, der bei beiden ma\u00dfgeblich an der Planung beteiligt war, begann in Folge mit der Planung eines Kindergartens und einer Hauptschule, um L\u00fccke in der Infrastruktur des neuen Wohnquartiers zu schlie\u00dfen. Ganz Sozialdemokrat, sollte der moderne B\u00fcrger neben dem puren Wohnen auch in den Genuss solider Bildung kommen. War in Mariahilf wenige Jahre zuvor gegen Ende der Monarchie noch die Kirche ma\u00dfgeblich an der Errichtung der Schule beteiligt, \u00fcbernahmen in der Ersten Republik nun Staat und Gemeinde federf\u00fchrend diese Aufgaben. Am 20. J\u00e4nner 1926 stand in den Innsbrucker Nachrichten \u00fcber die Notwendigkeit eines Kindergartens in Pradl zu lesen:<\/p>\n<p><em>\u201eIm H\u00e4userviereck am Schlachthof w\u00e4ren 150 Kinder, die einen eigenen Kindergarten brauchten, auch in Pradl sollte l\u00e4ngst ein Kindergarten eingerichtet werden. Auch muss eine Oberbeh\u00f6rde f\u00fcr die Kinderg\u00e4rten bestimmt werden, der sie unterstehen, die Unterrichtsverh\u00e4ltnisse m\u00fcssen weniger den Volksschulen als Tagesheimen angepasst werden. Der Wohlfahrtsausschuss m\u00f6ge nach einer ausf\u00fchrlichen Denkschrift, die der Leiter des Jugendamtes, Dr. Sch\u00fcler, dem B\u00fcrgermeister \u00fcberreicht hat, sich der Angelegenheit annehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Bau am Kindergarten begann 1928 und konnte im selben Jahr beendet werden. Die \u00dcberlegungen rund um die F\u00fcrsorge um Babys und Kleinkinder waren revolution\u00e4r. Der <em>Pembaurblock <\/em>gegen\u00fcber beherbergte die Mutterberatung. Ein Kindergarten war der n\u00e4chste Schritt in der republikanischen Vorstellung von Erziehung. In seinem typisch kubischen Stil entwarf Theodor Prachensky f\u00fcr die Tagesst\u00e4tte Innsbrucks j\u00fcngster B\u00fcrger ein zweist\u00f6ckiges Geb\u00e4ude, das symbolisch f\u00fcr einen Neuanfang nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Kindererziehung stand. Die gro\u00dfen Fenster sollten Licht und Luft spenden. Die steinernen Pfosten dazwischen zeigen kindlich gestaltete Tiersymbole.<\/p>\n<p>Weniger Gl\u00fcck war der geplanten Schule in ihren ersten Jahrzehnten beschieden. Prachensky fertigte 1928 die Pl\u00e4ne f\u00fcr das neue Geb\u00e4ude an. Erneut setzte er dabei auf moderne Architektur abseits des milit\u00e4rischen Charakters im Bildungswesen vergangener Tage. Wie der Kindergarten sollte auch die Hauptschule modernen Konzepten des Kindeswohles Gen\u00fcge tun. Ein gro\u00dfer Hof umschloss die viergeschossigen Geb\u00e4udeteile in der Pembaurstra\u00dfe und der Gabelsbergerstra\u00dfe, die den Unterricht zeitgen\u00f6ssisch korrekt in Buben und M\u00e4dchen unterteilte. Turns\u00e4le verbanden die beiden Trakte. Vor den Eingangsbereichen der Schule befinden sich als Zierelemente die f\u00fcr die 1920er Jahre typischen Stelen mit Laterne. Das gro\u00dfe Schwungrad einer Dampfmaschine an der \u00f6stlichen Fassade zur Pembaurstra\u00dfe wurde 1997 aufgestellt.<\/p>\n<p>1931 konnte der Rohbau beendet werden, bevor die Wirtschaftskrise alle staatlichen Investitionen abrupt zum Stillstand brachte. Die Sch\u00fcler des Viertels wurden in die Schulen anderer Stadtteile aufgeteilt. Als die Situation 1936 untragbar wurde, bat der Gemeinderat die Bev\u00f6lkerung zu spenden und beschloss eine Anleihe f\u00fcr die Fertigstellung der Schule aufzunehmen. Im November des Folgejahres zogen die ersten Buben in die sieben Klassenzimmer des Knabentraktes ein.<\/p>\n<p>Die wechselhaften Titulierungen und Verwendungszwecke der Folgejahre geben nicht nur einen Einblick in die weitere Schulgeschichte, sie spiegeln die generellen politischen Geschehnisse der Zeit wider. Der Plan, die Schule nach dem \u00f6sterreichischen Bundeskanzler in Dr-Schuschnigg-Schule\u201c zu nennen, wurde von der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten zunichte gemacht. An die Stelle des Tirolers Kurt Schuschnigg als Patron f\u00fcr die Schule trat der 1935 bei einem Flugzeugabsturz verstorbene ehemalige Gauleiter der Bayerischen Ostmark und Kultusminister Hans Schemm. Schemm war bereits seit 1923 der NSDAP beigetreten. Anders als viele seiner Parteikameraden lehnte er Religion nicht ab, sondern war ein Vertreter des sogenannten Positiven Christentums. Im Jahr der Macht\u00fcbernahme Hitlers ver\u00f6ffentlichte er ein Buch mit dem Titel \u201e<em>Unsere Religion hei\u00dft Christus, unsere Politik hei\u00dft Deutschland!<\/em>\u201c. Mit diesem Ansatz passte der \u201egute Nazi\u201c zum Heiligen Land Tirol, wo viele Menschen gleichzeitig Nationalsozialisten und Katholiken sein wollten. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges diente das Geb\u00e4ude als Kaserne. Die Sch\u00fcler wurden, auch um sie vor den alliierten Luftangriffen in Sicherheit zu bringen, nach Berwang versetzt. Nach dem Krieg quartierten sich wie in vielen Amts- und Schulgeb\u00e4uden amerikanische und franz\u00f6sische Besatzungstruppen ein. Im November 1945 konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden. Neben den Hauptsch\u00fclern fanden auch die Pradler Volkssch\u00fcler, deren Schulgeb\u00e4ude durch die Luftangriffe zerst\u00f6rt wurde, vor\u00fcbergehend Unterschlupf. Mit dem Ende des Krieges musste auch ein neuer Name gefunden werden. 1953 wurde sie nach dem ersten Kanzler der Zweiten Republik Karl Renner getauft. Als vier Jahre sp\u00e4ter die Alliierten abgezogen waren und die Schule auf Grund eines neuen Gesetzes wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe in 2 Institutionen geteilt werden musste, entsorgte man zur Vorsicht auch den sozialdemokratischen Kanzler aus dem Namen. Die <em>Rennerschule<\/em> wurde pragmatisch zur Hauptschule Pradl I und Hauptschule Pradl II. Als es in den 1980er Jahren schick wurde, seine Kinder, wenn irgendwie m\u00f6glich, aufs Gymnasium zu schicken, schwanden die Sch\u00fclerzahlen und die getrennten Schulen wurden wieder vereint. Zum offiziellen Namensgeber wurde 1990 Innsbrucks bekanntester Komponist der Monarchie, Leiter verschiedener Musikvereine und Mitbegr\u00fcnder des Tiroler Landeskonservatoriums Josef Pembaur (1848 \u2013 1923).<\/p>\n<p>Trotz all der Namens\u00e4nderungen, Zweckentfremdungen und dem schlechten Ruf, den die Schule im Lauf der Zeit hatte, wird im denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4ude noch immer unterrichtet. Um die 200 Sch\u00fcler besuchen die technisch und handwerklich orientierte <em>Neue Mittelschule<\/em>, die im Innsbrucker Volksmund bis heute den Namen tr\u00e4gt, der an der Fassade prangt. Der markante Schriftzug <em>Rennerschule<\/em> im Design der 1950er Jahr kann noch heute bewundert werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Theodor Prachensky: Beamter zwischen Kaiser und Republik&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Theodor Prachensky: Beamter zwischen Kaiser und Republik&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53752&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Ab der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre wurden gro\u00dfe Wohnbauprojekte umgesetzt, um die gr\u00f6\u00dfte Not der vielen Innsbrucker, die in Baracken oder bei Verwandten auf engstem Raum wohnten, zu lindern. Ganze Stadtviertel entstanden neu mit Kinderg\u00e4rten und Schulen. Sport- und Freizeitst\u00e4tten wie das Tivoli oder das St\u00e4dtische Hallenbad entstanden. Einer der Baumeister, der Innsbruck in dieser Zeit nachhaltig ver\u00e4nderte war Theodor Prachensky (1888 \u2013 1970).<\/p>\n<p>Als Mitarbeiter des Bauamtes Innsbruck zwischen 1913 und 1953 war er f\u00fcr Wohnbau- und Infrastrukturprojekte verantwortlich. Die von ihm umgesetzten Projekte sind nicht so spektakul\u00e4r wie die Bergstationen seines Schwagers Baumann. Prachenskys Bauten, die die Zeit \u00fcberdauerten, wirken vielfach n\u00fcchtern und rein funktionell. Sieht man sich aber seine Zeichnungen im Archiv f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck an, erkennt man, dass Prachensky mehr K\u00fcnstler als Techniker war, wie auch seine Malereien beweisen. Viele seiner spektakul\u00e4ren Entw\u00fcrfe wie das <em>Sozialdemokratische Volkshaus<\/em> in der Salurnerstra\u00dfe, sein <em>Kaisersch\u00fctzendenkmal<\/em> oder die <em>Friedens- und Heldenkirche<\/em> wurden nicht umgesetzt. Innsbruck beherbergt mit den gro\u00dfen Wohnanlagen der 1920er und 30er Jahre, der <em>Krieger-Ged\u00e4chtniskapelle<\/em> am Pradler Friedhof und dem alten Arbeitsamt (<em>Anm.: heute eine Au\u00dfenstelle Universit\u00e4t Innsbruck hinter dem aktuellen AMS-Geb\u00e4ude in Wilten<\/em>) viele Geb\u00e4ude Prachenskys, die die Zeitgeschichte der Zwischenkriegszeit und die wechselhaften politischen und staatlichen Einfl\u00fcsse, unter denen er selbst als Person stand, dokumentieren.<\/p>\n<p>Seine Biografie liest sich wie ein Abriss der \u00f6sterreichischen Geschichte des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Prachensky war als Architekt und Beamter unter f\u00fcnf unterschiedlichen Staatsmodellen t\u00e4tig. Der K.u.K. Monarchie folgte die Erste Republik, die vom autorit\u00e4ren St\u00e4ndestaat abgel\u00f6st wurde. 1938 kam es zum Anschluss an Nazideutschland. 1945 wurde mit Kriegsende die Zweite Republik ausgerufen.<\/p>\n<p>1908 schloss Prachensky die baugewerbliche Abteilung der Gewerbeschule Innsbruck, heute die HTL, ab. Von 1909 arbeitete er teilweise gemeinsam mit Franz Baumann, dessen Schwester Maria er 1913 heiraten sollte, beim renommierten Architekturb\u00fcro Musch &amp; Lun in Meran, damals ebenfalls noch Teil der K.u.K. Monarchie. Privat war das Jahr 1913 f\u00fcr ihn wegweisend: Theodor und Maria heirateten, starteten das private Bauprojekt des Eigenheims <em>Haus Prachensky<\/em> am Berg Isel Weg 20 und der frischgebackene Familienvater trat seinen Dienst beim Stadtmagistrat Innsbruck unter Oberbaurat Jakob Albert an. Anstatt sich nach dem Krieg in der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Privatwirtschaft durchschlagen zu m\u00fcssen, stand Prachensky im \u00f6ffentlichen Dienst. Die wichtigen, vom sozialdemokratischen Gedanken beeinflussten Projekte konnten erst nach den ersten und schwierigsten, von der Inflation und der Versorgungsknappheit charakterisierten Nachkriegsjahren begonnen werden. Den Anfang machte der <em>Schlachthausblock<\/em> im Saggen zwischen 1922 und 1925. Es folgten mehrere Infrastrukturprojekte wie der <em>Mandelsbergerblock<\/em>, der P<em>embaurblock<\/em> und der Kindergarten und die Hauptschule in der Pembaurstra\u00dfe, die vor allem f\u00fcr die sozial Schw\u00e4cheren und die vom Krieg und der Nachkriegszeit betroffenen Arbeiterschicht gedacht waren. Auch das 1931 entworfene Arbeitsamt war eine wichtige Neuerung im Sozialwesen. Seit der Republikgr\u00fcndung 1918 half das Arbeitsamt bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden und Arbeitgebern und der Eind\u00e4mmung der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>In den Jahren der Wirtschaftskrise in den 1930ern nahm seine Bedeutung nochmal zu. Eine weitere Z\u00e4sur in Prachenskys Werdegang stellten die n\u00e4chsten Wechsel der Regierungsform \u00d6sterreichs dar. Trotz dem Rechtsruck unter Dollfu\u00df samt Verbot der Sozialdemokratischen Partei 1933 und dem Anschluss von 1938 konnte er als leitender Beamter im \u00f6ffentlichen Dienst bleiben. Prachensky setzte gemeinsam mit Jakob Albert ab 1939 die als S\u00fcdtiroler Siedlungen bekannt gewordenen Wohnbl\u00f6cke unter den Nationalsozialisten um. Er selbst war, anders als mehrere Mitglieder seiner Familie, niemals Mitglied oder Unterst\u00fctzer der NSDAP.<\/p>\n<p>Gro\u00dfen Einfluss auf sein Wirken als Architekt und Stadtplaner gem\u00e4\u00df der internationalen sozialdemokratisch orientierten Architektur hatte wohl sein Vater Josef Prachensky, der als einer der Gr\u00fcnder der Sozialdemokratie in Tirol in die Landesgeschichte einging.<\/p>\n<p>Neben der politischen Gesinnung des Vaters hatten auch die verschwundene Habsburgermonarchie und die Eindr\u00fccke des Milit\u00e4rdienstes im Ersten Weltkrieg Einfluss auf Prachensky. Obwohl er laut Eigenaussage Kriegsgegner war, meldete er sich 1915 als Einj\u00e4hrig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserj\u00e4gern zum Kriegsdienst. Vielleicht waren es die Erwartungen, die w\u00e4hrend des Krieges an ihn als Beamten herangetragen wurden, vielleicht die allgemeine Begeisterung, die ihn zu diesem Schritt bewogen, die Aussagen und die Tat sind widerspr\u00fcchlich. Die Kriegerged\u00e4chtnis-Kapelle am Pradler Friedhof und das gemeinsam mit Clemens Holzmeister entworfene Kaisersch\u00fctzenkapelle am Tummelplatz sowie seine nicht umgesetzten Entw\u00fcrfe f\u00fcr ein Kaiserj\u00e4ger Denkmal und die <em>Friedens- und Heldenkirche Innsbruck<\/em>, sind wohl Produkte der Lebenserfahrung Prachenskys.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er acht weitere Jahre als Oberbaurat der Stadt Innsbruck t\u00e4tig. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Bauplaner und Architekt war Prachensky begeisterter Maler. Er starb mit 82 Jahren in Innsbruck. Seine S\u00f6hne, Enkel und Urenkel f\u00fchrten sein kreatives Erbe als Architekten, Designer, Fotografen und Maler in verschiedenen Disziplinen fort. 2017 wurden Teile des generationen\u00fcbergreifenden Werks der K\u00fcnstlerfamilie Prachensky in der ehemaligen Bierbrauerei <em>Adambr\u00e4u<\/em> mit einer Ausstellung gezeigt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv, Innsbrucks Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rte als Teil der jungen Republik \u00d6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik am Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 mehr oder minder begeisterten, vor allem aber verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df.<\/p>\n<p>Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. In Tirol war es nicht neu, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschluss an Deutschland erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande.<\/p>\n<p>Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, unterstand man den ungeliebten <em>Wallschen<\/em>. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Bei den Friedensverhandlungen in Paris war wurde der Brenner zur neuen Grenze erkl\u00e4rt. Das historische Tirol war zweigeteilt. Am Brenner stand Milit\u00e4r, um eine Grenze zu sichern, die es vorher nie gab und als unnat\u00fcrlich und ungerecht empfunden wurde. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c des nationalsozialistischen Autors Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannten Soldatenr\u00e4te, die aber christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der Tiroler Anzeiger brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der Innsbrucker Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> als Zusammenschluss aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes in Innsbruck bei den ersten Wahlen 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien. Liberale und <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern.<\/p>\n<p>Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren passierte nur sehr wenig. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde 1m 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurses vor dem Krieg verloren. Innsbruck begann, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge davon.<\/p>\n<p>Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe unter Kanzler Ignaz Seipel rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Projekte wie das Tivoli, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf den Berg Isel und die Nordkette, neue Schulen und Wohnbl\u00f6cke. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. In der Reichenau entstand 1925 der erste Flughafen, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die Pembaurbr\u00fccke und die Prinz-Eugen-Br\u00fccke. Die Handschrift der neuen, gro\u00dfen Massenparteien in der Gestaltung dieser Projekte ist dabei nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die erste Republik war eine schwere Geburt aus den \u00dcberbleibseln der einstigen Monarchie und sie sollte nicht lange halten. Trotz der Nachkriegsprobleme passierte in der Ersten Republik aber auch viel Positives. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens des Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche.<\/p>\n<p>Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik in \u00d6sterreich. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em> oder der <em>Mandelsbergerblock<\/em> oder die <em>Pembaurschule<\/em> sind Stein gewordene Zeitzeugen. Der Weltspartag erinnert seit 1925 allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings. Kinder und Erwachsene sollten zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erzogen werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Rapoldis: Wasserkraft und Widerstand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Rapoldis: Kommunalpolitik und Widerstand&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65307&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Ehepaar Martin (1880 \u2013 1926) und Maria Rapoldi (1884 \u2013 1975) z\u00e4hlten vom Ende der Monarchie bis in die Nachkriegszeit zu den beeindruckendsten Pers\u00f6nlichkeiten der Innsbrucker Stadtpolitik. Martin Rapoldi war \u00fcber K\u00e4rnten, Wien und B\u00f6hmen nach Innsbruck gekommen. W\u00e4hrend seiner Tischlerlehre kam er erstmals mit sozialkritischen Ideen in Ber\u00fchrung. Gemeinsam mit anderen Lehrlingen gr\u00fcndete er in Klagenfurt mit jugendlichem Eifer eine Art anarchistischer Gewerkschaft. In der Hauptstadt der Donaumonarchie und in Zatek in der heutigen Tschechei, engagierte er sich in Gewerkschaft und der kurz zuvor offiziell gegr\u00fcndeten <em>Sozialdemokratischen Partei<\/em>. 1904 \u00fcbersiedelte er nach Innsbruck, wo der Mitzwanziger bald als ambitionierter Organisator und mitrei\u00dfender Redner auffiel. Im Jahr darauf heiratete er seine Frau Maria, die ebenfalls politisch aktiv war. Dank seiner sprachlichen Begabung \u00fcbernahm er in den folgenden Jahren die <em>Volkszeitung<\/em>, das Pressorgan der Tiroler Sozialdemokratie. Trotz anf\u00e4nglicher Euphorie f\u00fcr den Kriegseintritt auch auf Seiten der Sozialdemokratie setzte sich der als antiklerikaler <em>Pfaffenfresser<\/em> bekannte Rapoldi bald f\u00fcr den Frieden und die Einf\u00fchrung des allgemeinen Wahlrechts auch auf Kommunalebene ein. Ganz auf Parteilinie war er nach 1918 Anh\u00e4nger eines Zusammenschlusses mit dem Deutschen Reich.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Jahren der Ersten Republik legte er eine kurze, aber steile Karriere hin. Er wurde zum Landtagsabgeordneten in Tirol und Mitglied des ersten Nationalrates in Wien erkoren. In Innsbruck schaffte er es die Sozialdemokraten zur st\u00e4rksten Partei im Gemeinderat zu machen.\u00a0 Auf Grund der antisozialistischen Haltung der anderen Fraktionen im Gemeinderat konnte er aber den B\u00fcrgermeisterposten nie besetzen. Ein besonderes Anliegen waren ihm der Wohnungsbau und die st\u00e4dtische Energieversorgung. W\u00e4hrend Rapoldis Zeit im Gemeinderat entstanden in Dreiheiligen und Pradl die Gro\u00dfprojekte Schlachthofblock, Pembaurblock sowie der Schule und Kindergarten in der heutigen Pembaurstra\u00dfe. Er war ma\u00dfgeblich am Aufbau der Innsbrucker Lichtwerke, den heutigen <em>Innsbrucker Kommunalbetrieben<\/em>, beteiligt. Sein gr\u00f6\u00dfter Verdienst war aber der Erwerb des Achensees. Bereits 1911 verhandelte die Stadt Innsbruck unter Wilhelm Greil mit dem bayerischen Stift Fiecht, um den See f\u00fcr ein Kraftwerk f\u00fcr das Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Innsbruck zu erstehen. Der Krieg unterbrach das Vorhaben. 1919 begannen die Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und dem Kloster \u00fcber den Kauf des Achensees von Neuem. Der Kaufpreise wurde schlie\u00dflich auf 1,2 Millionen Kronen plus den Eigenbedarf an Strom des Stiftes festgesetzt. Die Finanzierung gestaltete sich in der klammen Nachkriegszeit schwierig. Bis 1924 gab es von Seite des Bundes eine Steuererleichterung f\u00fcr Gemeinden f\u00fcr Wasserkraftwerksbauten. In letzter Minute konnte die TIWAG, die Tiroler Wasserkraft AG, mit der Stadt Innsbruck als Mehrheitseigent\u00fcmer gegr\u00fcndet und der Kauf vollzogen werden. Die Legende will es, dass man wegen der Inflation zwischen 1919 und 1924 f\u00fcr den Wert des Kaufpreises zum Zeitpunkt der Zahlung keinen See, sondern nur noch einen Herrenanzug erstehen konnte. Als die Stadt den See 60 Jahre sp\u00e4ter an die TIWAG verkaufte, lukrierte man fast eine Milliarde Schilling, genug, um die Schulden der Stadt zu tilgen. Sowohl bei der Errichtung der Achenseebahn, des Achenseekraftwerks und der Gr\u00fcndung der Tiroler Wasserkraft TIWAG war Martin Rapoldi die treibende Kraft. 1926 verstarb der umtriebige <em>Rote Tischlergeselle<\/em> mit jungen 46 Jahren an den Folgen einer Nierenentz\u00fcndung.<\/p>\n<p>Nicht weniger eindrucksvoll ist die Vita seiner Frau Maria. Im elterlichen Haushalt in W\u00f6rgl kam sie fr\u00fch mit sozialdemokratischen Ideen in Kontakt. Die gelernte Buchhalterin \u00fcbersiedelte nach Innsbruck. Wahrscheinlich bei ihrer Arbeit f\u00fcr die Krankenkasse lernte sie ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann kennen. Trotz ihrer beiden kleinen T\u00f6chter engagierte sich Maria bereits 1912 auf der Landesfrauenkonferenz der Sozialdemokratinnen. Nach dem Tod ihres Mannes blieb sie weiterhin in der Sozialdemokratie aktiv. Als Mitarbeiterin der <em>Volkszeitung<\/em> kam sie in den Jahren des Austrofaschismus immer wieder ins Visier der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em>. Nachdem die Volkszeitung im Rahmen der Zensur durch das Regime verboten wurde, musste sie sich als erwerbslose Witwe durchschlagen. Sie er\u00f6ffnete ein Stempelgesch\u00e4ft in der Altstadt. Gleichzeitig war sie im Untergrund an der <em>Roten Hilfe<\/em>, der Unterst\u00fctzung von Familien inhaftierter Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie f\u00fcr kurze Zeit inhaftiert. Nach dem Krieg trat sie auch in offizieller Funktion aus dem Schatten ihres jung verstorbenen Gatten Martin. Von 1946 \u2013 1959 war sie Mitglied des Innsbrucker Gemeinderats. Sie setzte sich f\u00fcr soziale Agenden wie Altersheime, Kinderheime, die Verbesserung der Lebensmittel- und Krankenversorgung in der Nachkriegszeit ein. Als Mitglied des Tiroler Hilfswerks, des Stadtschulrats des Kuratoriums des Waisenheimes Sieberer und des Verwaltungsausschusses des Innsbrucker Realgymnasiums f\u00fcr M\u00e4dchen<\/p>\n<p>Martin und Maria Rapoldi sind in einem sehenswerten Ehrengrab am Westfriedhof beigesetzt. Der 1927 er\u00f6ffnete Park in Pradl tr\u00e4gt ebenfalls den Namen der beiden erinnerungsw\u00fcrdigen Stadtpolitiker. In Kranebitten errichtete die Sozialdemokratische Partei nach Martins fr\u00fchem Tod ein Denkmal f\u00fcr ihn, das 1934 von Mitgliedern der Heimatwehr zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62369&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>\u201e<em>Licht Luft und Sonne<\/em>\u201c war das Motto der Lebensreform, einer Sammelbewegung alternativer Lebensmodelle, die im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert in Deutschland im Gleichschritt mit der Entwicklung der Sozialdemokratie ihren Anfang nahm. Beide Str\u00f6mungen waren Reaktionen auf die Lebensbedingungen in den rasant wachsenden St\u00e4dten. Die Urbanisierung wurde von immer mehr Menschen zunehmend als Belastung empfunden. Zwar hatten viele der Arbeiter und Angestellten in Innsbruck in absoluten Zahlen gemessen mehr Mittel zur Verf\u00fcgung als je zuvor, der Druck der sozialen Teilhabe wurde aber auch gr\u00f6\u00dfer. Ab den 1890ern gab es in Innsbruck mehrere Litfa\u00dfs\u00e4ulen, auf denen kunstvoll gestaltete Plakate die neue Vielfalt an Produkten anpriesen. Warenh\u00e4user und Modeausstatter machten die Unterschiede innerhalb der sich ausdifferenzierenden Gesellschaft sichtbarer als je zuvor. Wer mithalten wollte in der neuen b\u00fcrgerlichen Klasse, musste sich Luxuswaren wie Kaffee leisten k\u00f6nnen. Gleichzeitig stieg die Belastung durch die Industrialisierung. Der Verkehr auf den Stra\u00dfen, die Abgase der Fabriken, die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse in den Mietkasernen und die bis dahin unbekannte Hast durch die Durchtaktung der Zeit, die neue Krankheitsbilder wie Neurasthenie salonf\u00e4hig machte, riefen Gegenbewegungen hervor. Innsbruck war zwar nicht mit Paris oder London vergleichbar was Gr\u00f6\u00dfe oder Intensit\u00e4t der Industrialisierung betrifft, die Fallh\u00f6he f\u00fcr viele Bewohner der ehemals l\u00e4ndlichen D\u00f6rfer wie Pradl und die vom Land zugezogenen Arbeitskr\u00e4fte war aber enorm.<\/p>\n<p>Seit 1869 erschien die <em>Deutsche Vierteljahrschrift f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitspflege<\/em>, die sich mit der Verbesserung von Ern\u00e4hrung, Hygiene und Wohnraum auseinandersetzte. 1881 wurde <em>die \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Gesundheitspflege<\/em> gegr\u00fcndet. Private Vereine veranstalteten Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen zum sauberen und gesunden Leben. Man betrieb politisches Lobbying zur Errichtung von Parks im \u00f6ffentlichen Raum und der Verbesserung der Infrastruktur wie B\u00e4dern, Krankenh\u00e4usern, Kanalisation und Wasserleitungen. Assanation und Sozialhygiene waren Schlagw\u00f6rter einer b\u00fcrgerlichen Elite, die um ihre Mitmenschen und die Volksgesundheit besorgt war. Anstelle der sozialistischen Revolution sollte der christliche Gedanke der N\u00e4chstenliebe die Gesellschaft voranbringen. Wie alle elit\u00e4ren Bewegungen nahm auch die Lebensreform teils absurde Bl\u00fcten an. Bewegungen wie der Vegetarismus, FKK, Gartenst\u00e4dte, verschiedene esoterische Str\u00f6mungen und andere alternative Lebensformen, die sich bis heute in der einen oder anderen Form erhalten konnten, entstanden in dieser Zeit. Auch der Spiritismus feierte in der Upper Class ein fr\u00f6hliches Dasein parallel zu den Dogmen der katholischen Kirche. Dieser oft wohlmeinende, aber exzentrische Lebensstil der wohlhabenden B\u00fcrgern in ihren Villen im Saggen, Wilten und Pradl, blieb Arbeitern meist verwehrt. Viele Mietzinsburgen waren triste und \u00fcberf\u00fcllte Biotope ohne Infrastruktur wie Sportanlagen oder Parks. Es waren die fr\u00fchen Sozialdemokraten, die sich politisch den Lebensrealit\u00e4ten der Arbeiter stellten. Moderne Wohnsiedlungen sollte funktional, komfortabel, leistbar und mit Gr\u00fcnfl\u00e4chen verbunden sein. Diese Ansichten hatten sich auch in \u00f6ffentlichen Stellen durchgesetzt. Albert Gruber, Professor an der Innsbrucker Gewerbeschule, schrieb 1907:<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe zwar oft den Ausspruch geh\u00f6rt, wir in Innsbruck ben\u00f6tigen keine Anlagen, uns gibt das alles die Natur, Das ist aber nicht wahr. Was gibt es sch\u00f6neres, als wenn die Berufsmenschen von der Stelle ihrer T\u00e4tigkeit in ihr Heim durch eine Reihe von Pflanzenanlagen gehen k\u00f6nnen. Es wird dadurch der Weg von und in den Beruf zu einem Erholungsspaziergang. Die Gr\u00fcnde, weshalb Baum- und Gartenpflanzungen im Bereiche der st\u00e4dtischen Bebauung vorteilhaft wirken, sind \u00fcbrigens mannigfaltige. Ich will nicht auf die Wechselbeziehung zwischen Menschen und Pflanze hinweisen, die hinl\u00e4nglich bekannt sein d\u00fcrfte. In anderer Weise wirken die Pflanzen zur Verbesserung der Atmungsluft durch Verminderung des Staubes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu Ver\u00e4nderungen im politischen Alltag. Die Sozialdemokratie als politische Bewegung als politische Partei gab es seit 1889 offiziell, gestalterische M\u00f6glichkeiten hatte sie unter der Habsburgermonarchie aber nur sehr eingeschr\u00e4nkt. Sozialismus galt als unchristlich und wurde im Heiligen Land Tirol argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt. Bedeutsam war die Arbeiterbewegung als gesellschaftliches Gegengewicht zu den in Tirol alles dominierenden katholischen Strukturen in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten. 1865 entstand in Innsbruck der erste <em>Tiroler Arbeiterbildungsverein<\/em>. Arbeiter sollten sich ihrer Stellung innerhalb der Gesellschaft bewusst werden vor der anstehenden Weltrevolution. Daf\u00fcr war es unumg\u00e4nglich, ein Mindestma\u00df an Bildung zu besitzen und Lesen und Schreiben zu beherrschen. 10 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndete Franz Reisch den Allgemeinen Arbeiter-Verein in Innsbruck. Weitere zwei Jahre sp\u00e4ter wurde reichsweit die Allgemeine Arbeiter-, Kranken-, und Invaliden-Casse\u201c an den Start geschickt. Trotz staatlicher Repression kam es immer wieder zu betr\u00e4chtlichen Versammlungen der \u201eRadicalen\u201c. Seit 1893 erschien in Innsbruck die sozialdemokratische Volkszeitung als Gegenstimme zu den katholischen Bl\u00e4ttern. 1899 wurde in der heutigen Maximilianstra\u00dfe die Erste Tiroler Arbeiter-B\u00e4ckerei, kurz ETAB, er\u00f6ffnet. Die Genossenschaft machte es sich zum Ziel, unter guten Arbeits- und Hygienebedingungen hochwertiges Brot zu fairen Preisen herzustellen. Nach mehreren Standortwechseln landete die ETAB in der Hallerstra\u00dfe, wo sie bis 1999 t\u00e4glich frische Backwaren produzierte.<\/p>\n<p>Die ersten freien Wahlen innerhalb der k.u.k. Monarchie zum Reichsrat f\u00fcr alle m\u00e4nnlichen B\u00fcrger im Jahr 1907 ver\u00e4nderten nicht nur die politischen, sondern auch die sozialen Kraftverh\u00e4ltnisse. Der <em>Pofl<\/em> hatte nun politisches Mitspracherecht. Wichtige Gesetze wie Arbeitszeitbeschr\u00e4nkungen und Verbesserung in den Arbeitsbedingungen konnten nun mit mehr Nachdruck verlangt werden. Das Kronland Tirol hatte gemeinsam mit Ober\u00f6sterreich die l\u00e4ngsten Arbeitszeiten in der gesamten Donaumonarchie. Die Gewerkschaftsmitglieder stiegen zahlenm\u00e4\u00dfig zwar auch an, au\u00dferhalb der kleinst\u00e4dtischen Zentren war Tirol aber zu sehr b\u00e4uerlich gepr\u00e4gt, um nennenswerten Druck erzeugen zu k\u00f6nnen. Auf Gemeindeebene blieb das Zensuswahlrecht, das gro\u00dfdeutsch-liberalen und konservativ-klerikalen Politikern jahrzehntelang einen Freifahrtschein an die Macht ausgestellt hatte, bis nach dem Krieg bestehen. Die Erf\u00fcllung der daraus folgenden Forderungen musste auch nach den ersten Gemeinderatswahlen nach 1918 noch warten.<\/p>\n<p>Ein bekannter Innsbrucker Vertreter der Lebensreform und der Sozialdemokratie war Josef Prachensky (1861 \u2013 1931), der Vater des Architekten und Stadtplaners Theodor Prachensky. Er war im deutschsprachigen B\u00f6hmen, damals Teil der K.u.K. Monarchie aufgewachsen. Als gelernter Buchdrucker hatte er auf seiner Wanderschaft in Wien w\u00e4hrend des Buchdruckerstreiks die Arbeiterbewegung f\u00fcr sich entdeckt. Nach seiner Hochzeit mit einer Tirolerin lie\u00df er sich in Innsbruck nieder, wo er als Redakteur f\u00fcr die sozialdemokratische Volkszeitung f\u00fcr Tirol und Vorarlberg arbeitete. Josef Prachensky unterst\u00fctzte den Arbeiter-Consum-Verein, die Tiroler Arbeiterb\u00e4ckerei und gr\u00fcndete den Gastrobetrieb \u201eAlkoholfrei\u201c in der Museumstra\u00dfe, der ganz im Sinne der Lebensreformbewegung und des Sozialismus die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit zum Ziel hatte. Bereits Friedrich Engels (1820 \u2013 1895), der Mitverfasser des Kommunistischen Manifestes, hatte in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts Schnaps und Branntwein als ein \u00dcbel der Arbeiterklasse erkannt hatte. Das Ziel, Menschen vom Alkohol wegzubekommen teilte der Sozialismus wie so vieles mit kirchlichen Vereinen. Die Weltrevolution war mit Suchtkranken ebenso wenig durchf\u00fchrbar wie ein tugendhaftes, gottgef\u00e4lliges Leben. Prachensky war an der Gr\u00fcndung der Sozialdemokratischen Partei Tirols 1890 und nach dem Ersten Weltkrieg an der Gr\u00fcndung des Tiroler Republikanischen Schutzbundes RESCH beteiligt, dem linken Gegenst\u00fcck zu den rechten Heimwehrverb\u00e4nden. Ein besonderes politisches Anliegen war ihm die Einschr\u00e4nkung der Kirche auf den Schulunterricht, der im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch im eigentlich liberalen Innsbruck, das sich an die nationale Schulordnung halten musste, noch sehr gro\u00df war.<\/p>\n<p>Lebensreform und der wachsende Einfluss der Sozialdemokratie beeinflussten auch Kunst und Architektur. Man wollte sich von dem, was Max Weber als protestantische Ethik beschrieb, der Industrie, den Stechuhren, ganz allgemein dem rasenden technischen Fortschritt mit allen Auswirkungen auf den Menschen und das Sozialgef\u00fcge, abgrenzen. Der Mensch als Individuum, nicht seine Wirtschaftsleistung, sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Die Kultur der alten Gesellschaft, in der Adel und Klerus \u00fcber dem Rest der Gesellschaft standen, sollte \u00fcberwunden werden. Was dem Arbeiter die Sozialdemokratie, waren der gehobenen B\u00fcrgerschaft Kunst und Architektur. Der Jugendstil war die k\u00fcnstlerische Antwort eines exzentrischen und alternativen Teils des B\u00fcrgertums auf dieses Zur\u00fcck zum Ursprung der Jahrhundertwende. Das verspielte Element war das Gegenteil zum stets symmetrischen und aufger\u00e4umten Historismus. Das Winklerhaus in Wilten ist eines der wenigen Beispiele f\u00fcr den Jugendstil in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Bocksiedlung und der Austrofaschismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Bocksiedlung und der Austrofaschismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53753&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Politische Polarisierung pr\u00e4gte neben Hunger das Leben der Menschen in den 1920er und 1930er Jahren. Der Zusammenbruch der Monarchie hatte zwar eine Republik hervorgebracht, die beiden gro\u00dfen Volksparteien, die Sozialdemokraten und die Christlichsozialen, standen sich aber feindselig wie zwei Skorpione gegen\u00fcber. Beide Parteien bauten paramilit\u00e4rische Bl\u00f6cke auf, um die politische Agenda notfalls auf der Stra\u00dfe mit Gewalt zu untermauern. Der <em>Republikanische Schutzbund<\/em> auf Seiten der Sozialdemokraten und verschiedene christlich-sozial oder gar monarchistisch orientierte <em>Heimwehren<\/em>, der Einfachheit halber sollen die unterschiedlichen Gruppen unter diesem Sammelbegriff zusammengefasst werden, belauerten sich wie B\u00fcrgerkriegsparteien. Viele Politiker und Funktion\u00e4re beider Seiten hatten im Krieg an der Front gek\u00e4mpft und waren dementsprechend militarisiert. Die <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> konnte im l\u00e4ndlichen Tirol dank der Unterst\u00fctzung der katholischen Kirche auf bessere Infrastruktur und politisches Netzwerk zur\u00fcckgreifen. Am 12. November 1928, dem zehnten Jahrestag der Gr\u00fcndung der Republik, marschierten am Ersten gesamt\u00f6sterreichischen Heimwehraufmarsch 18.000 Heimatwehrm\u00e4nner durch die Stadt, um ihre \u00dcberlegenheit am h\u00f6chsten Feiertag der heimischen Sozialdemokratien zu untermauern. Als Mannschaftsquartier der steirischen Truppen diente unter anderem das Stift Wilten. \u00a0<\/p>\n<p>Ab 1930 zeigte auch die NSDAP immer mehr Pr\u00e4senz im \u00f6ffentlichen Raum. Besonders unter Studenten und jungen, desillusionierten Arbeitern konnte sie Anh\u00e4nger gewinnen. 1932 z\u00e4hlte die Partei bereits 2500 Mitglieder in Innsbruck. Immer wieder kam es zu gewaltsamen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen den verfeindeten politischen Gruppen. Ber\u00fcchtigt wurde die sogenannte <em>H\u00f6ttinger Saalschlacht<\/em> vom 27. Mai 1932. H\u00f6tting war damals noch kein Teil Innsbrucks. In der Gemeinde lebten vor allem Arbeiter. In dieser <em>roten<\/em> Bastion Tirols planten Nationalsozialisten eine Kundgebung im Gasthof <em>Goldener B\u00e4r<\/em>, einem Treffpunkt der Sozialdemokraten. Diese Provokation endete in einem Kampf, der mit \u00fcber 30 Verletzten und einem Todesopfer auf Seiten der Nationalsozialisten durch eine Stichwunde endete. Die Ausschreitungen breiteten sich auf die ganze Stadt aus, sogar in der Klinik gerieten die Verletzten noch aneinander. Nur unter Einsatz der Gendarmerie und des Heeres konnten die Kontrahenten voneinander getrennt werden.<\/p>\n<p>Nach jahrelangen b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden setzten sich 1933 die Christlichsozialen unter Kanzler Engelbert Dollfu\u00df (1892 \u2013 1934) durch und schalteten das Parlament aus. In Innsbruck kam es dabei zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen. Am 15. M\u00e4rz wurde das Parteihaus der <em>Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Tirol<\/em> im <em>Hotel Sonne<\/em> ger\u00e4umt, der -Anf\u00fchrer des Republikanischen Schutzbundes Gustav Kuprian wegen Hochverrat festgenommen und die einzelnen Gruppen entwaffnet. Das Ziel Dollfu\u00df\u00b4 war die Errichtung des sogenannten <em>\u00d6sterreichischen St\u00e4ndestaats<\/em>, einem Einparteienstaat ohne Opposition unter Beschneidung elementarer Rechte wie Presse- oder Versammlungsfreiheit. In Tirol wurde 1933 die <em>Tiroler Wochenzeitung<\/em> neu gegr\u00fcndet um als Parteiorgan zu fungieren. Der gesamte Staatsapparat sollten analog zum Faschismus Mussolinis in Italien unter der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em> geeint werden: Antisozialistisch, autorit\u00e4r, konservativ im Gesellschaftsbild, antidemokratisch, antisemitisch und militarisiert. Der Innsbrucker Gemeinderat wurde von 40 auf 28 Mitglieder verkleinert. Anstatt durch freie Wahlen wurden sie vom Landeshauptmann ernannt, was zur Folge hatte, dass nur noch konservative Gemeinder\u00e4te vertreten waren.<\/p>\n<p>Dollfu\u00df war in Tirol \u00fcberaus popul\u00e4r, wie Aufnahmen des vollen Platzes vor der Hofburg w\u00e4hrend einer seiner Ansprachen aus dem Jahr 1933 zeigen. Seine Politik war das, was der Habsburgermonarchie am n\u00e4chsten kam. Sein politischer Kurs wurde von der katholischen Kirche unterst\u00fctzt. Das gab ihm Zugriff auf Infrastruktur, Presseorgane und Vorfeldorganisationen. Gegen die verhassten Sozialisten ging die <em>Vaterl\u00e4ndische Front<\/em> mit ihren paramilit\u00e4rischen Einheiten hart vor. Man schreckte nicht vor Unterdr\u00fcckung und Gewalttaten gegen Leib und Leben sowie Einrichtungen der politischen Gegnerschaft zur\u00fcck. Sozialisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten wurden immer wieder verhaftet. 1934 zerst\u00f6rten Mitglieder der Heimwehr das Denkmal des Sozialdemokraten Martin Rapoldi in Kranebitten. Die Presse war politisch gesteuert und zensuriert. Die Artikel glorifizierten das l\u00e4ndliche Leben in seiner Idylle. Kinderreiche Familien wurden finanziell unterst\u00fctzt. Die Geschlechtertrennung an Schulen und die Umgestaltung der Lehrpl\u00e4ne f\u00fcr M\u00e4dchen bei gleichzeitiger vormilit\u00e4rischer Ert\u00fcchtigung der Buben war im Sinn eines gro\u00dfen Teils der Bev\u00f6lkerung. Auch die traditionell orientierte Kulturpolitik, mit der sich \u00d6sterreich als das <em>bessere<\/em> Deutschland unter der antiklerikalen nationalsozialistischen F\u00fchrung positionierte, gefiel dem konservativen Teil der Gesellschaft. Bereits 1931 hatten sich einige Tiroler B\u00fcrgermeister zusammengeschlossen, um das Einreiseverbot f\u00fcr die Habsburger aufheben zu lassen, das unausgesprochene Fernziel der Neuinstallation der Monarchie durch die Christlichsozialen erfreute sich also einer breiten Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Am 25. Juli 1934 kam es in Wien zu einem Putschversuch der verbotenen Nationalsozialisten, bei dem Dollfu\u00df ums Leben kam. Auch in Innsbruck kam es zu einem Umsturzversuch. Beim Versuch einer Gruppe von Nationalsozialisten die Kontrolle \u00fcber die Stadt zu gelangen, wurde in der Herrengasse ein Polizist erschossen. Hitler, der die Anschl\u00e4ge nicht angeordnet hatte, distanzierte sich, die \u00f6sterreichischen Gruppen der verbotenen Partei wurden dadurch eingeschr\u00e4nkt. In Innsbruck wurde auf \u201e<em>Verf\u00fcgung des Regierungskommiss\u00e4rs der Landeshauptstadt Tirols\u201c<\/em> der Platz vor dem Tiroler Landestheater als <em>Dollfu\u00dfplatz<\/em> gef\u00fchrt. Hier hatte sich Dollfu\u00df bei einer Kundgebung zwei Wochen vor seinem Tod noch mit dem aus Tirol stammenden Heimwehrf\u00fchrer Richard Steidle getroffen. Steidle war selbst mehrmals Opfer politischer Gewalt geworden. 1932 wurde er nach der H\u00f6ttinger Saalschlacht in der Stra\u00dfenbahn attackiert, im Jahr darauf vor seinem Haus in der Leopoldstra\u00dfe Opfer eines Schussattentats. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP kam er in das Konzentrationslager Buchenhausen, wo er 1940 starb.<\/p>\n<p>Dollfu\u00df\u00b4 Nachfolger als Kanzler Kurt Schuschnigg (1897 \u2013 1977) war geb\u00fcrtiger Tiroler und Mitglied der Innsbrucker Studentenverbindung <em>Austria<\/em>. Er betrieb lange Zeit eine Rechtsanwaltskanzlei in Innsbruck. 1930 gr\u00fcndete er eine paramilit\u00e4rische Einheit namens <em>Ostm\u00e4rkische Sturmscharen<\/em>, die das Gegengewicht der Christlich-Sozialen zu den radikalen Heimwehrgruppen bildeten. Nach dem Februaraufstand 1934 war er als Justizminister im Kabinett Dollfu\u00df mitverantwortlich f\u00fcr die Hinrichtung mehrerer Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>Vor allem wirtschaftlich konnte aber auch der Austrofaschismus das Ruder in den 1930er Jahren nicht herumrei\u00dfen. Die Wirtschaftskrise, die 1931 auch \u00d6sterreich erreichte und die radikale, populistische Politik der NSDAP befeuerte, schlug hart zu. Die staatlichen Investitionen in gro\u00dfe Infrastrukturprojekte kamen zum Erliegen. Die Arbeitslosenquote lag 1933 bei 25%. Die Einschr\u00e4nkung der sozialen F\u00fcrsorge, die zu Beginn der <em>Ersten Republi<\/em>k eingef\u00fchrt worden war, hatte dramatische Auswirkungen. Langzeitarbeitslose wurden vom Bezug von Sozialleistungen als \u201e<em>Ausgesteuerte<\/em>\u201c ausgeschlossen. Die Armut lie\u00df die Kriminalit\u00e4tsrate ansteigen, \u00dcberf\u00e4lle, Raube und Diebst\u00e4hle h\u00e4uften sich.<\/p>\n<p>Ein besonderes Problem war wie schon in den Jahrzehnten zuvor die Wohnsituation. Trotz der Bem\u00fchungen seitens der Stadt modernen Wohnraum zu schaffen, hausten noch immer viele Innsbrucker in Bruchbuden. Badezimmer oder ein Schlafraum pro Person war die Ausnahme. Seit dem gro\u00dfen Wachstum Innsbrucks ab den 1880er Jahren war die Wohnsituation f\u00fcr viele Menschen prek\u00e4r. Eisenbahn, Industrialisierung, Fl\u00fcchtlinge aus den deutschsprachigen Gebieten Italiens und Wirtschaftskrise hatten Innsbruck an den Rand des M\u00f6glichen getrieben. Nach Wien hatte Innsbruck die zweith\u00f6chste Anzahl an Bewohnern pro Haus vorzuweisen. Die Mietpreise f\u00fcr Wohnraum waren derart hoch, dass Arbeiter h\u00e4ufig in Etappen schliefen, um sich die Kosten zu teilen. Zwar waren vor allem in Pradl neue Wohnbl\u00f6cke und Obdachlosenunterk\u00fcnfte entstanden wie das Wohnheim f\u00fcr Arbeiter in der Amthorstra\u00dfe im Jahr 1907, die Herberge in der Hunoldstra\u00dfe und der Pembaurblock, das gen\u00fcgte aber nicht um der Situation Herr zu werden. Aus dieser Not und Verzweiflung entstanden an den Randgebieten der Stadt mehrere Barackend\u00f6rfer und Siedlungen, gegr\u00fcndet von den Ausgeschlossenen, Verzweifelten und Abgeh\u00e4ngten, die im System keinen Platz fanden. Im Kriegsgefangenenlager in der H\u00f6ttinger Au quartierten sich nach dessen Ausmusterung Menschen in den Baracken ein. Die bis heute bekannteste und ber\u00fcchtigtste war die <em>Bocksiedlung<\/em> am Gebiet der heutigen Reichenau. Zwischen dem damals dort beheimateten Flughafen und den Baracken des Konzentrationslagers Reichenau siedelten sich ab 1930 mehrere Familien in Baracken und Wohnw\u00e4gen an. Die Entstehungslegende spricht von Otto und Josefa Rauth als Gr\u00fcnderinnen, deren Wohnwagen hier strandete. Rauth war nicht nur wirtschaftlich, sondern als bekennender Kommunist in Tiroler Lesart auch moralisch arm. Sein Flo\u00df, die <em>Arche Noah<\/em>, mit dem er \u00fcber Inn und Donau in die Sowjetunion gelangen wollte, ankerte vor dem Gasthof Sandwirt.<\/p>\n<p>Nach und nach entstand ein Bereich gleicherma\u00dfen am Rand der Stadt wie auch der Gesellschaft, der vom inoffiziellen B\u00fcrgermeister der Siedlung Johann Bock (1900 \u2013 1975) wie eine unabh\u00e4ngige Kommune geleitet wurde. Er regelte die Agenden in seinem Wirkungsbereich in rau-herzlicher Manier.<\/p>\n<p>Die <em>Bockala<\/em> hatten einen f\u00fcrchterlichen Ruf unter den braven B\u00fcrgern der Stadt. Bei aller Geschichtsgl\u00e4ttung und Nostalgie wohl nicht zu Unrecht. So hilfsbereit und solidarisch die oft exzentrischen Bewohner der Siedlung untereinander sein konnten, waren k\u00f6rperliche Gewalt und Kleinkriminalit\u00e4t an der Tagesordnung. \u00dcberm\u00e4\u00dfiger Alkoholkonsum war g\u00e4ngige Praxis. Die Stra\u00dfen waren nicht asphaltiert. Flie\u00dfendes Wasser, Kanalisation und Sanit\u00e4ranlagen gab es ebenso wenig wie eine regul\u00e4re Stromversorgung. Sogar die Versorgung mit Trinkwasser war lange prek\u00e4r, was die st\u00e4ndige Gefahr von Seuchen mit sich brachte.<\/p>\n<p>Viele, nicht aber alle Bewohner waren arbeitslos oder kriminell. Es waren vielfach Menschen, die durch das System fielen, die sich in der Bocksiedlung niederlie\u00dfen. Das falsche Parteibuch zu haben konnte gen\u00fcgen, um im Innsbruck der 1930er keinen Wohnraum ergattern zu k\u00f6nnen. Karl Jaworak, der 1924 ein Attentat auf Bundeskanzler Pr\u00e4lat Ignaz Seipel ver\u00fcbte, lebte nach seiner Haft und Deportation in ein Konzentrationslager w\u00e4hrend des NS-Regimes ab 1958 an der Adresse Reichenau 5a.<\/p>\n<p>Die Ausstattung der Behausungen der Bocksiedlung war ebenso heterogen wie die Bewohner. Es gab Wohn- und Zirkusw\u00e4gen, Holzbaracken, Wellblechh\u00fctten, Ziegel- und Betonh\u00e4user. Die Bocksiedlung hatte auch keine fixen Grenzen. <em>Bockala<\/em> zu sein war in Innsbruck ein sozialer Status, der zu einem gro\u00dfen Teil in der Imagination der Bev\u00f6lkerung entstand.<\/p>\n<p>Innerhalb der Siedlung kam es zu Vermietung und Verkauf der errichteten H\u00e4user und W\u00e4gen. Unter Duldung der Stadt Innsbruck entstanden ersessene Werte. Die Bewohner bewirtschafteten Selbstversorgerg\u00e4rten und hielten Vieh, auch Hund und Katze standen in kargen Zeiten am Speiseplan.<\/p>\n<p>Die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges versch\u00e4rften die Wohnsituation in Innsbruck und lie\u00dfen die <em>Bocksiedlung<\/em> wachsen. Um die 50 Unterk\u00fcnfte sollen es am H\u00f6hepunkt gewesen sein. Auch die Baracken des Konzentrationslagers Reichenau wurden als Schlafpl\u00e4tze genutzt, nachdem die letzten inhaftierten Nationalsozialisten, die dort verwahrt wurden, verlegt oder freigelassen worden waren, allerdings z\u00e4hlte das KZ nicht zur Bocksiedlung im engeren Sinn.<\/p>\n<p>Der Anfang vom Ende waren die Olympischen Spielen von 1964 und ein Brand in der Siedlung ein Jahr zuvor. B\u00f6se Zungen behaupten, dieser sei gelegt worden, um die R\u00e4umung zu beschleunigen.\u00a0 1967 verhandelten B\u00fcrgermeister Alois Lugger und Johann Bock, Erz\u00e4hlungen nach in alkoholgeschw\u00e4ngerter Atmosph\u00e4re, \u00fcber das weitere Vorgehen und Entsch\u00e4digungen seitens der Gemeinde f\u00fcr die R\u00e4umung. 1976 wurden die letzten Quartiere wegen hygienischer M\u00e4ngel ger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Viele ehemalige Bewohner der <em>Bocksiedlung<\/em> wurden nach den Olympischen Spielen in st\u00e4dtische Wohnungen in Pradl, der Reichenau und im <em>O-Dorf<\/em> einquartiert. Die Sitten der <em>Bocksiedlung<\/em> lebten noch einige Jahre fort, was den schlechten Ruf der st\u00e4dtischen Wohnbl\u00f6cke dieser Stadtviertel bis heute ausmacht.<\/p>\n<p>Eine Aufarbeitung dessen, was von vielen Historikern als <em>Austrofaschismus<\/em> bezeichnet wird, ist in \u00d6sterreich bisher kaum passiert. So sind in der Kirche St. Jakob im Defereggen in Osttirol oder in der Pfarrkirche Fritzens noch Bilder mit Dollfu\u00df als Besch\u00fctzer der katholischen Kirche mehr oder minder unkommentiert zu sehen. In vielen Belangen reicht das Erbe der gespaltenen Situation der Zwischenkriegszeit in die Gegenwart. Bis heute gibt es rote und schwarze Autofahrerclubs, Sportverb\u00e4nde, Rettungsgesellschaften und Alpinverb\u00e4nde, deren Wurzeln in diese Zeit zur\u00fcckreichen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Bocksiedlung wurde in vielen Interviews und m\u00fchsamer Kleinarbeit vom Stadtarchiv f\u00fcr das Buch \u201e<em>Bocksiedlung. Ein St\u00fcck Innsbruck<\/em>\u201c des Stadtarchivs lesenswert aufbereitet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe der NSDAP in Innsbruck wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger und theatralisch inszenierte Fackelz\u00fcge durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette im Wahlkampf verhalfen der Partei zu einem gro\u00dfen Zugewinn. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Wie \u00fcberall waren es auch in Innsbruck vor allem junge Menschen, die sich f\u00fcr den Nationalsozialismus begeisterten. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei des St\u00e4ndestaates war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz empfingen die Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des F\u00fchrers, des Heilsversprechers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den erzkatholischen Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete auch ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. InTirol war die Kirche das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde die katholische Kirche systematisch bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer und Franz Greiter mussten fl\u00fcchten oder worden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Das Hauptquartier der Gestapo befand sich in der Herrengasse 1. Hier wurden Verd\u00e4chtige schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Verd\u00e4chtige Personen aller Art wurden hier zu Zwangsarbeiten in sch\u00e4bigen Baracken verwahrt. \u00dcber 130 Personen fanden in diesem Lager bestehend aus 20 Baracken den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Auch im 10 km von Innsbruck entfernten Dorf Kematen kamen im Messerschmitt Werk Gefangene zum Zwangseinsatz. Darunter waren politische H\u00e4ftlinge, russische Kriegsgefangene und Juden. Zu den Zwangsarbeiten geh\u00f6rten unter anderem die Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> in der Endphase oder die Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert.<\/p>\n<p>Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal und das Geb\u00e4ude der Alten Universit\u00e4t sind die beiden auff\u00e4lligsten Denkm\u00e4ler. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Luftangriffe auf Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53501&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Wie der Lauf der Geschichte der Stadt unterliegt auch ihr Aussehen einem st\u00e4ndigen Wandel. Besonders gut sichtbare Ver\u00e4nderungen im Stadtbild erzeugten die Jahre rund um 1500 und zwischen 1850 bis 1900, als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen in besonders schnellem Tempo abspielten. Das einschneidendste Ereignis mit den gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der \u201e<em>Heimatfront<\/em>\u201c der Nationalsozialisten ein tats\u00e4chlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fu\u00dfe des Brenners war \u00fcber Jahrhunderte ein Segen f\u00fcr die Stadt gewesen, nun wurde sie zum Verh\u00e4ngnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof f\u00fcr den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. \u00dcber 300 Geb\u00e4ude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerst\u00f6rt und besch\u00e4digt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, dem Vorg\u00e4nger der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegen\u00fcber dem B\u00fcndnis aus <em>Anglo-Amerikanern<\/em> und <em>dem Russen<\/em>, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.<\/p>\n<p><strong><em>Bombenterror \u00fcber Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Innsbruck, 17. Dez. Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegf\u00fchrung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverb\u00e4nde die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Sch\u00e4den an Wohngeb\u00e4uden, an Krankenh\u00e4usern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Sch\u00e4den \u00fcbersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen \u00dcberfalles, der \u00fcber zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensf\u00fchrung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerst\u00f6rung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Ha\u00df und das gl\u00fchende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Sch\u00e4rfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die au\u00dfer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gem\u00fcter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der F\u00fchrer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, da\u00df er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet \u2013 es w\u00e4re denn durch gr\u00f6\u00dfere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bew\u00e4hrt, wie die Luftschutzdisziplin der Bev\u00f6lkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erh\u00f6hen d\u00fcrfte. Die Hilfsma\u00dfnahmen haben unter F\u00fchrung der Partei und tatkr\u00e4ftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt. <\/em><\/p>\n<p>Diese durch Zensur und Gleichschaltung der Medien fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht dem Volksk\u00f6rper pr\u00e4sentieren. Ganz so gro\u00df wie 1938 nach dem Anschluss, als Hitler am 5. April von 100.000 Menschen in Innsbruck begeistert empfangen worden war, war die Begeisterung f\u00fcr den Nationalsozialismus nicht mehr. Zu gro\u00df waren die Sch\u00e4den an der Stadt und die pers\u00f6nlichen, tragischen Verluste in der Bev\u00f6lkerung. Dass die sterblichen \u00dcberreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus als Symbol nationalsozialistischer Macht im Stadtbild aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals.<\/p>\n<p>Im J\u00e4nner 1944 begann man Luftschutzstollen und andere Schutzma\u00dfnahmen zu errichten. Die Arbeiten wurden zu einem gro\u00dfen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgef\u00fchrt. Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Geb\u00e4ude in der Stadt besch\u00e4digt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalit\u00e4t nicht mehr zu denken. Die Bev\u00f6lkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Gl\u00fcck nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche St\u00e4dte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerst\u00fcrmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Viele Geb\u00e4ude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, der Dom, das Hallenbad in der Amraserstra\u00dfe wurden getroffen. Besondere Behandlung erfuhren w\u00e4hrend der Angriffe historische Geb\u00e4ude und Denkm\u00e4ler. Das <em>Goldene Dachl<\/em> wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso gesch\u00fctzt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die <em>Schwarzen Mannder<\/em>, wurden nach Kundl gebracht. Die Madonna Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde w\u00e4hrend des Krieges ins \u00d6tztal \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Luftschutzstollen s\u00fcdlich von Innsbruck an der Brennerstra\u00dfe und die Kennzeichnungen von H\u00e4usern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den wei\u00dfen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgesch\u00fctze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, k\u00f6nnen am Lanser K\u00f6pfl oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Geb\u00e4ude besch\u00e4digt wurden, weisen an den betroffenen H\u00e4usern Bronzetafeln mit dem Hinweis auf den Wiederaufbau auf einen Bombentreffer hin.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pembaurstra\u00dfe 18 &amp; 20<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66651,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[82,159,83,153,67,150,47,84],"tags":[],"class_list":["post-66638","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-amras-pradl","category-die-rapoldis","category-die-zeit-des-austrofaschismus","category-eine-erste-republik-entsteht","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus","category-lebensreform-und-sozialdemokratie","category-luftangriffe-auf-innsbruck","category-theodorf-prachensky-beamter-zwischen-kaiser-und-republik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66638"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66638\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}