{"id":66803,"date":"2025-09-27T08:25:10","date_gmt":"2025-09-27T08:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=66803"},"modified":"2026-01-15T10:37:51","modified_gmt":"2026-01-15T10:37:51","slug":"schlachthofblock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/schlachthofblock\/","title":{"rendered":"Slaughterhouse block"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Schlachthofblock<\/h2>\n<p>Erzherzog-Eugen-Stra\u00dfe 25 &#8211; 38<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;66806,66807,66014&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Schlachthofblock&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66808&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Schlachthofblock&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;66809&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Zwischen Pradl, Saggen und Dreiheiligen steht ein Denkmal der Zwischenkriegszeit, das bis heute den Charme des sozialdemokratisch gepr\u00e4gten Wiener Gemeindebaus in Innsbruck erlebbar macht. Dank seinem Status als denkmalgesch\u00fctztes Objekt blieb der Schlachthofblock in seinen Grundz\u00fcgen im Stil der 1920er Jahre erhalten. Der Innenhof samt Teppichstangen ist ebenso konsistent wie der schlechte Ruf, den die Siedlung an der Sill genie\u00dft. Der Block war gemeinsam mit den neuen H\u00e4usern in der Amraser Kaufmannstrasse, die wenig schmeichelhaft <em>Stalingrad<\/em> getauft werden sollten, und der <em>Bocksiedlung<\/em> in der Reichenau einer der sozialen Brennpunkte Innsbrucks und weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus ber\u00fcchtigt. Klaus Pirchmoser schrieb 1978 folgende, nicht durch <em>political correctness<\/em> gl\u00e4nzende Zeilen \u00fcber die Wohnanlage:<\/p>\n<p><em>\u201eMutwillige Zerst\u00f6rungen im Stiegenhaus und im Keller zeigen den Grad der eingeleiteten \u201efiltering down Phase und deuten auch auf eine notwendige soziale Sanierung hin.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten Geb\u00e4udeteile, die mittlerweile im Zuge einer Sanierung abgerissen wurden, stammten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. 1911 wurde ein Dienstwohngeb\u00e4ude mit neun Wohnungen f\u00fcr Angestellte des Schlachthofes errichtet. Im Jahr darauf errichtete die <em>St\u00e4dtische Wohnungsf\u00fcrsorge<\/em> einen weiteren Block mit 16 Wohnungen. Bereits 1920 folgten erste Beschl\u00fcsse im Gemeinderat, die Anlage zu vergr\u00f6\u00dfern. In Wien war in diesem Jahr der <em>Metzleinstaler Hof<\/em>, der erste Gemeindebau, an die Mieter \u00fcbergeben worden, um die Wohnungsnot der Nachkriegszeit in den Griff zu bekommen. Wie in der Bundeshauptstadt hausten auch in Innsbruck Tausende Menschen ohne eigenes Dach \u00fcber dem Kopf in Baracken oder bei Verwandten. Die im Innsbrucker Gemeinderat stark vertretenen Sozialdemokraten forderten auf, dem Wiener Beispiel im sozialen zu folgen. 1921 wurde ein Projekt zur Errichtung von 18 Wohnh\u00e4usern vorgestellt, im Jahr darauf brachte B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil den Dringlichkeitsantrag des gemeinder\u00e4tlichen <em>Wohnungsf\u00fcrsorgekommitees<\/em> im Gemeinderat ein. Verfolgt man den Pressespiegel rund um den Bau, kommt man nicht umher an die politischen Diskussionen \u00fcber Gro\u00dfprojekte im Hier und Heute \u00fcber 100 Jahre sp\u00e4ter zu denken. Wie sollte die Investition zwischen Stadt, Land und Bund aufgeteilt werden? Unter den W\u00e4hrungsproblemen in der jungen Republik Deutsch\u00f6sterreich stiegen die prognostizierten Baukosten innerhalb eines Jahres von 50 Millionen Kronen auf 1.5 Milliarden Kronen. Die Kosten wurden von den einzelnen Fraktionen auch in der Argumentation f\u00fcr ihre jeweiligen politischen Zwecke und Agenden genutzt. Der Zinssatz f\u00fcr das Darlehen, das die Stadt aufnehmen musste, wurde von einem Stadtrat auf 14% gesch\u00e4tzt, allein die Zinsen w\u00fcrden die Mieteinnahmen der Folgejahre auffressen. Ein anderer Stadtrat warnte vor dem eventuellen Verkauf st\u00e4dtischer Objekte an Ausl\u00e4nder und bezeichnete die Hemmungen des Mieterschutzgesetzes als die Ursache er Stagnation der privaten Baut\u00e4tigkeit, die durch den gemeinn\u00fctzigen Ansatz der neuen Wohnanlage noch st\u00e4rker unter Druck k\u00e4me. Der Vorschlag zur Gr\u00fcndung einer Bauaktiengesellschaft wurde ebenso eingebracht, wie einer Zollfreiheit bei der Einfuhr des teuren Zements aus dem Ausland, um Baukosten zu sparen. Auch die Verfechter einer Reform der bestehenden Strukturen der st\u00e4dtischen Wohnpolitik anstelle von Neubauten fanden Geh\u00f6r. Das st\u00e4dtische Wohnungsamt sollte die Nutzung gro\u00dfer Einheiten durch Einzelpersonen einschr\u00e4nken, anstatt Steuergelder f\u00fcr neue Projekte zu verwenden. Der Bau an der <em>Wohnanlage am Schlachthof<\/em>, die in den folgenden Jahrzehnten den Spitznamen <em>Schlachthofblock<\/em> erhielt, begann 1922. Theodor Prachensky \u00fcbernahm die Planung im Auftrag der <em>Vaterl\u00e4ndischen Baugesellschaft<\/em>. Drei Jahre sp\u00e4ter konnten die 19 f\u00fcnfgeschossigen Geb\u00e4ude \u00fcbergeben werden. Prachensky hielt sich an die sozialdemokratische architektonische Vorstellung modernen st\u00e4dtischen Wohnbaus, die sich in vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten zu etablieren begann. Wie Gotik, Barock und Neoklassizismus in der Vergangenheit war auch die Gestaltung des Gemeindewohnbaus stilistisch internationalen Trends unterworfen. Neben 183 Einheiten mit 55 qm Wohnfl\u00e4che entstanden 4 Gesch\u00e4ftslokale und ein Kindergarten. Der Block gruppierte sich um einen gro\u00dfz\u00fcgigen, begr\u00fcnten Innenhof mit Spielger\u00e4ten f\u00fcr Kinder. Prachensky gestaltete die Fassaden zwar glatt und ohne den Pomp des Historismus, ganz auf Schmuck verzichtete er noch nicht. Die mit Blumen reich gef\u00fcllte antike Amphore symbolisiert Wohlstand, Fruchtbarkeit und Freude, ein starkes Zeichen f\u00fcr den Aufbruch nach den Krisenjahren. Ein \u00e4hnliches Symbol prangt an der Nordseite der Fassade der alten Markthalle. Im Fall des Schlachthofblocks sollte das Relief den neugewonnen Stolz der Arbeiterklasse widerspiegeln und den Weg in eine wohlhabende Zukunft weisen. Die gegen\u00fcberliegende Wohnhausanlage in der Erzherzog-Eugen-Stra\u00dfe 42 \u2013 44, die Fritz Gr\u00fcll f\u00fcr die Wiener Baugenossenschaft 1929 plante, kommt im Gegensatz dazu bereits komplett ohne Ornamente aus und orientierte sich mit den runden Balkonen am Bauhausstil. Auch der Pembaurblock, der nur kurze Zeit sp\u00e4ter ebenfalls nach den Pl\u00e4nen Prachenskys gebaut wurde, unterscheidet sich markant vom ersten Gemeindebau Innsbrucks. Mehr als 100 Jahre, viele Renovierungen und Umbauten sp\u00e4ter, steht der Schlachthofblock im 21. Jahrhundert noch stumm Zeuge f\u00fcr eine h\u00e4ufig nur sp\u00e4rlich beleuchtete Epoche \u00f6sterreichischer und Innsbrucker Geschichte.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Presseartikel zum Schlachthofblock&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Presseartikel zum Schlachthofblock&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Innsbrucker Nachrichten \/ 11. Februar 1921<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;Nun legte der Referent ein gro\u00dfz\u00fcgiges Projekt zur Erbauung von 18 Wohnh\u00e4usern beim st\u00e4dtischen Schlachthof vor. Anschlie\u00dfend an den st\u00e4dtischen Schlachthof ist die Erbauung eines H\u00e4userblockes geplant, der in Form von einfachen Wohnh\u00e4usern Raum f\u00fcr 183 neue Wohnungen schaffen soll. Es sind 4 Wohnungen mit 1 Zimmer u. Wohnk\u00fcche, 148 Wohnungen mit 2 Zimmern und Wohnk\u00fcche und 36 Wohnungen mit 3 Zimmern und Wohnk\u00fcche vorgesehen, so da\u00df sich zusammen 581 Wohnr\u00e4ume ergeben w\u00fcrden. Die detaillierten Pl\u00e4ne, die dem Gemeinderat vorlagen, lassen die zweckm\u00e4\u00dfige und praktische Ausn\u00fctzung der ganzen Anlage erkennen. Die Gesamtbaukosten f\u00fcr.den ganzen Block von 18 Wohnungsf\u00fcrsorgeh\u00e4usern betragen 49,810.000 K, also nahezu 50 Millionen Kronen. F\u00fcr den verlorenen Bauaufwand soll zu je einem Drittel Stadt, Land, und Staat auskommen. Wenn die Verhandlungen mit der Landes- und Staatsregierung sofort ausgenommen werden, so kann noch in diesem Jahr mit dem Bau von10 H\u00e4usern begonnen werden. Der Gemeinderat stimmte in W\u00fcrdigung der hohen Bedeutung rascher und energischer Verwirklichung dem geplanten Bau zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Innsbrucker Nachrichten \/ 22.April 1922<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;Nach der Er\u00f6ffnung brachte der Vorsitzende B\u00fcrgermeister Greil einen Dringlichkeitsantrag zur Kenntnis des Gemeinderates, den die Mitglieder des gemeinder\u00e4tlichen Wohnungsf\u00fcrsorgekommitees eingebracht haben, um den Ausbau des Wohnh\u00e4userblocks beim st\u00e4dtischen Schlachthof, der der insgesamt 163 Wohnungen ergeben wurde, zu betreiben. Der schon 1920 beschlossene Bau der Wohnh\u00e4user beim Schlachthof ist bisher nicht weitergekommen, aber macht die vorgeschrittene Jahreszeit ebenso wie die steigende Wohnungsnot den sofortigen Beginn des Ausbaues zur unbedingten Notwendigkeit. Der Antrag fordert die unges\u00e4umte Vorlage der l\u00e4ngst fertigen Baupl\u00e4ne, Ausschreibung der Bauarbeiten, Finanzierung des Ausbaues, bezw. Verkauf entbehrlicher Objekte zugunsten dieses Projektes und unverz\u00fcglichen Beginn des Baues.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Allgemeiner Tiroler Anzeiger \/ 3. Februar 1937<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jugendliche Einbrecherbande<\/strong><\/p>\n<p>Die Innsbrucker Kriminalpolizei hat wie berichtet, zwei Burschen im Alter von 15 und 16 Jahren verhaftet, die im Schlachthofblock wohnten und seit l\u00e4nger als einem halben Jahr von dort aus ihre Raubz\u00fcge unternahmen. Sie bildeten einen wahren Schrecken f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsleute der ganzen Gegend und hatten dabei noch die Frechheit, sich anderen Burschen gegen\u00fcber ihrer Verbrechen zu r\u00fchmen. Bisher konnten ihnen folgende Einbr\u00fcche nachgewiesen werden: Filiale der Therese M\u00f6lk, Viaduktbogen 5 gr\u00f6\u00dfere Mengen Lebensmittel, Sardinen, Salami usw.); Lebensmittelhandlung Ischia u. Co., Erzherzog-Eugen-Stratze (Wermutwein und gr\u00f6\u00dfere Mengen Sardinen): Trafik Plattner, Erzherzog-Eugen-Stra\u00dfe (Zigaretten. Schokolade und Geld); Magazin&#8217;des Stadtbauamtes im Viadukt bogen (mehrere S\u00e4cke Steinkohlen): Metzgermeister Tschon, Schlachthofblock (Wurstwaren): Gemischtwarenhandlung Rufinatscher im Schlachthofblock (gr\u00f6\u00dfere Menge Lebensmittel); zwei Magazinseinbr\u00fcche bei der Firma M\u00f6lk (einige Lebensmittel, sie konnten nicht mehr mitnehmen, weil sie beide Male verscheucht wurden); Auslageneinbruch am Hindenburgplatz (mehrere Flaschen Lik\u00f6re, Zuckerwaren und Schokolade); Auslageneinbruch bei \u201eFrifa&#8220;, Wilhelm- Greil-Stra\u00dfe (mehrere Handtaschen, Brieftaschen und Geldtaschen): Auslageneinbruch in der Maria-Theresien[1]Stra\u00dfe bei der Firma Dannhauser (Hemden, Pullover, Krawatten usw.); Auslageneinbruch im Spielwarengesch\u00e4ft Hammerle, Maria-Theresien-Stra\u00dfe (Spielwaren): Auslageneinbruch in der Trafik Sailer in der Pfarrgaffe (hier wurden sie verscheucht); ferner Gelegenheitsdiebst\u00e4hle in den Gemischtwarenhandlungen Stauder und Sterzinger in der Pradler Stra\u00dfe (Lebensmittel), Gemischtwarenhandlung Mayer in der Weyerburggasse (Zigaretten), Kohlenhandlung Kritzinger in der Defreggerstra\u00dfe (Kohlen). Ein Teil der entwendeten Gegenst\u00e4nde wurde von der Polizei sichergestellt, die Lebensmittel, Rauchwaren und Kohlen haben die Buben verraucht oder verkauft.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Theodor Prachensky: Beamter zwischen Kaiser und Republik&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Theodor Prachensky: Beamter zwischen Kaiser und Republik&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53752&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Ab der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre wurden gro\u00dfe Wohnbauprojekte umgesetzt, um die gr\u00f6\u00dfte Not der vielen Innsbrucker, die in Baracken oder bei Verwandten auf engstem Raum wohnten, zu lindern. Ganze Stadtviertel entstanden neu mit Kinderg\u00e4rten und Schulen. Sport- und Freizeitst\u00e4tten wie das Tivoli oder das St\u00e4dtische Hallenbad entstanden. Einer der Baumeister, der Innsbruck in dieser Zeit nachhaltig ver\u00e4nderte war Theodor Prachensky (1888 \u2013 1970).<\/p>\n<p>Als Mitarbeiter des Bauamtes Innsbruck zwischen 1913 und 1953 war er f\u00fcr Wohnbau- und Infrastrukturprojekte verantwortlich. Die von ihm umgesetzten Projekte sind nicht so spektakul\u00e4r wie die Bergstationen seines Schwagers Baumann. Prachenskys Bauten, die die Zeit \u00fcberdauerten, wirken vielfach n\u00fcchtern und rein funktionell. Sieht man sich aber seine Zeichnungen im Archiv f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck an, erkennt man, dass Prachensky mehr K\u00fcnstler als Techniker war, wie auch seine Malereien beweisen. Viele seiner spektakul\u00e4ren Entw\u00fcrfe wie das <em>Sozialdemokratische Volkshaus<\/em> in der Salurnerstra\u00dfe, sein <em>Kaisersch\u00fctzendenkmal<\/em> oder die <em>Friedens- und Heldenkirche<\/em> wurden nicht umgesetzt. Innsbruck beherbergt mit den gro\u00dfen Wohnanlagen der 1920er und 30er Jahre, der <em>Krieger-Ged\u00e4chtniskapelle<\/em> am Pradler Friedhof und dem alten Arbeitsamt (<em>Anm.: heute eine Au\u00dfenstelle Universit\u00e4t Innsbruck hinter dem aktuellen AMS-Geb\u00e4ude in Wilten<\/em>) viele Geb\u00e4ude Prachenskys, die die Zeitgeschichte der Zwischenkriegszeit und die wechselhaften politischen und staatlichen Einfl\u00fcsse, unter denen er selbst als Person stand, dokumentieren.<\/p>\n<p>Seine Biografie liest sich wie ein Abriss der \u00f6sterreichischen Geschichte des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Prachensky war als Architekt und Beamter unter f\u00fcnf unterschiedlichen Staatsmodellen t\u00e4tig. Der K.u.K. Monarchie folgte die Erste Republik, die vom autorit\u00e4ren St\u00e4ndestaat abgel\u00f6st wurde. 1938 kam es zum Anschluss an Nazideutschland. 1945 wurde mit Kriegsende die Zweite Republik ausgerufen.<\/p>\n<p>1908 schloss Prachensky die baugewerbliche Abteilung der Gewerbeschule Innsbruck, heute die HTL, ab. Von 1909 arbeitete er teilweise gemeinsam mit Franz Baumann, dessen Schwester Maria er 1913 heiraten sollte, beim renommierten Architekturb\u00fcro Musch &amp; Lun in Meran, damals ebenfalls noch Teil der K.u.K. Monarchie. Privat war das Jahr 1913 f\u00fcr ihn wegweisend: Theodor und Maria heirateten, starteten das private Bauprojekt des Eigenheims <em>Haus Prachensky<\/em> am Berg Isel Weg 20 und der frischgebackene Familienvater trat seinen Dienst beim Stadtmagistrat Innsbruck unter Oberbaurat Jakob Albert an. Anstatt sich nach dem Krieg in der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Privatwirtschaft durchschlagen zu m\u00fcssen, stand Prachensky im \u00f6ffentlichen Dienst. Die wichtigen, vom sozialdemokratischen Gedanken beeinflussten Projekte konnten erst nach den ersten und schwierigsten, von der Inflation und der Versorgungsknappheit charakterisierten Nachkriegsjahren begonnen werden. Den Anfang machte der <em>Schlachthausblock<\/em> im Saggen zwischen 1922 und 1925. Es folgten mehrere Infrastrukturprojekte wie der <em>Mandelsbergerblock<\/em>, der P<em>embaurblock<\/em> und der Kindergarten und die Hauptschule in der Pembaurstra\u00dfe, die vor allem f\u00fcr die sozial Schw\u00e4cheren und die vom Krieg und der Nachkriegszeit betroffenen Arbeiterschicht gedacht waren. Auch das 1931 entworfene Arbeitsamt war eine wichtige Neuerung im Sozialwesen. Seit der Republikgr\u00fcndung 1918 half das Arbeitsamt bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden und Arbeitgebern und der Eind\u00e4mmung der Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>In den Jahren der Wirtschaftskrise in den 1930ern nahm seine Bedeutung nochmal zu. Eine weitere Z\u00e4sur in Prachenskys Werdegang stellten die n\u00e4chsten Wechsel der Regierungsform \u00d6sterreichs dar. Trotz dem Rechtsruck unter Dollfu\u00df samt Verbot der Sozialdemokratischen Partei 1933 und dem Anschluss von 1938 konnte er als leitender Beamter im \u00f6ffentlichen Dienst bleiben. Prachensky setzte gemeinsam mit Jakob Albert ab 1939 die als S\u00fcdtiroler Siedlungen bekannt gewordenen Wohnbl\u00f6cke unter den Nationalsozialisten um. Er selbst war, anders als mehrere Mitglieder seiner Familie, niemals Mitglied oder Unterst\u00fctzer der NSDAP.<\/p>\n<p>Gro\u00dfen Einfluss auf sein Wirken als Architekt und Stadtplaner gem\u00e4\u00df der internationalen sozialdemokratisch orientierten Architektur hatte wohl sein Vater Josef Prachensky, der als einer der Gr\u00fcnder der Sozialdemokratie in Tirol in die Landesgeschichte einging.<\/p>\n<p>Neben der politischen Gesinnung des Vaters hatten auch die verschwundene Habsburgermonarchie und die Eindr\u00fccke des Milit\u00e4rdienstes im Ersten Weltkrieg Einfluss auf Prachensky. Obwohl er laut Eigenaussage Kriegsgegner war, meldete er sich 1915 als Einj\u00e4hrig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserj\u00e4gern zum Kriegsdienst. Vielleicht waren es die Erwartungen, die w\u00e4hrend des Krieges an ihn als Beamten herangetragen wurden, vielleicht die allgemeine Begeisterung, die ihn zu diesem Schritt bewogen, die Aussagen und die Tat sind widerspr\u00fcchlich. Die Kriegerged\u00e4chtnis-Kapelle am Pradler Friedhof und das gemeinsam mit Clemens Holzmeister entworfene Kaisersch\u00fctzenkapelle am Tummelplatz sowie seine nicht umgesetzten Entw\u00fcrfe f\u00fcr ein Kaiserj\u00e4ger Denkmal und die <em>Friedens- und Heldenkirche Innsbruck<\/em>, sind wohl Produkte der Lebenserfahrung Prachenskys.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er acht weitere Jahre als Oberbaurat der Stadt Innsbruck t\u00e4tig. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Bauplaner und Architekt war Prachensky begeisterter Maler. Er starb mit 82 Jahren in Innsbruck. Seine S\u00f6hne, Enkel und Urenkel f\u00fchrten sein kreatives Erbe als Architekten, Designer, Fotografen und Maler in verschiedenen Disziplinen fort. 2017 wurden Teile des generationen\u00fcbergreifenden Werks der K\u00fcnstlerfamilie Prachensky in der ehemaligen Bierbrauerei <em>Adambr\u00e4u<\/em> mit einer Ausstellung gezeigt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv, Innsbrucks Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rte als Teil der jungen Republik \u00d6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik am Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 mehr oder minder begeisterten, vor allem aber verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df.<\/p>\n<p>Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. In Tirol war es nicht neu, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschluss an Deutschland erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande.<\/p>\n<p>Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, unterstand man den ungeliebten <em>Wallschen<\/em>. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Bei den Friedensverhandlungen in Paris war wurde der Brenner zur neuen Grenze erkl\u00e4rt. Das historische Tirol war zweigeteilt. Am Brenner stand Milit\u00e4r, um eine Grenze zu sichern, die es vorher nie gab und als unnat\u00fcrlich und ungerecht empfunden wurde. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c des nationalsozialistischen Autors Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannten Soldatenr\u00e4te, die aber christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der Tiroler Anzeiger brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der Innsbrucker Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> als Zusammenschluss aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes in Innsbruck bei den ersten Wahlen 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien. Liberale und <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern.<\/p>\n<p>Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren passierte nur sehr wenig. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde 1m 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurses vor dem Krieg verloren. Innsbruck begann, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge davon.<\/p>\n<p>Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe unter Kanzler Ignaz Seipel rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Projekte wie das Tivoli, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf den Berg Isel und die Nordkette, neue Schulen und Wohnbl\u00f6cke. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. In der Reichenau entstand 1925 der erste Flughafen, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die Pembaurbr\u00fccke und die Prinz-Eugen-Br\u00fccke. Die Handschrift der neuen, gro\u00dfen Massenparteien in der Gestaltung dieser Projekte ist dabei nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die erste Republik war eine schwere Geburt aus den \u00dcberbleibseln der einstigen Monarchie und sie sollte nicht lange halten. Trotz der Nachkriegsprobleme passierte in der Ersten Republik aber auch viel Positives. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens des Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche.<\/p>\n<p>Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik in \u00d6sterreich. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em> oder der <em>Mandelsbergerblock<\/em> oder die <em>Pembaurschule<\/em> sind Stein gewordene Zeitzeugen. Der Weltspartag erinnert seit 1925 allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings. Kinder und Erwachsene sollten zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erzogen werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Rapoldis: Wasserkraft und Widerstand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Rapoldis: Kommunalpolitik und Widerstand&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65307&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Ehepaar Martin (1880 \u2013 1926) und Maria Rapoldi (1884 \u2013 1975) z\u00e4hlten vom Ende der Monarchie bis in die Nachkriegszeit zu den beeindruckendsten Pers\u00f6nlichkeiten der Innsbrucker Stadtpolitik. Martin Rapoldi war \u00fcber K\u00e4rnten, Wien und B\u00f6hmen nach Innsbruck gekommen. W\u00e4hrend seiner Tischlerlehre kam er erstmals mit sozialkritischen Ideen in Ber\u00fchrung. Gemeinsam mit anderen Lehrlingen gr\u00fcndete er in Klagenfurt mit jugendlichem Eifer eine Art anarchistischer Gewerkschaft. In der Hauptstadt der Donaumonarchie und in Zatek in der heutigen Tschechei, engagierte er sich in Gewerkschaft und der kurz zuvor offiziell gegr\u00fcndeten <em>Sozialdemokratischen Partei<\/em>. 1904 \u00fcbersiedelte er nach Innsbruck, wo der Mitzwanziger bald als ambitionierter Organisator und mitrei\u00dfender Redner auffiel. Im Jahr darauf heiratete er seine Frau Maria, die ebenfalls politisch aktiv war. Dank seiner sprachlichen Begabung \u00fcbernahm er in den folgenden Jahren die <em>Volkszeitung<\/em>, das Pressorgan der Tiroler Sozialdemokratie. Trotz anf\u00e4nglicher Euphorie f\u00fcr den Kriegseintritt auch auf Seiten der Sozialdemokratie setzte sich der als antiklerikaler <em>Pfaffenfresser<\/em> bekannte Rapoldi bald f\u00fcr den Frieden und die Einf\u00fchrung des allgemeinen Wahlrechts auch auf Kommunalebene ein. Ganz auf Parteilinie war er nach 1918 Anh\u00e4nger eines Zusammenschlusses mit dem Deutschen Reich.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Jahren der Ersten Republik legte er eine kurze, aber steile Karriere hin. Er wurde zum Landtagsabgeordneten in Tirol und Mitglied des ersten Nationalrates in Wien erkoren. In Innsbruck schaffte er es die Sozialdemokraten zur st\u00e4rksten Partei im Gemeinderat zu machen.\u00a0 Auf Grund der antisozialistischen Haltung der anderen Fraktionen im Gemeinderat konnte er aber den B\u00fcrgermeisterposten nie besetzen. Ein besonderes Anliegen waren ihm der Wohnungsbau und die st\u00e4dtische Energieversorgung. W\u00e4hrend Rapoldis Zeit im Gemeinderat entstanden in Dreiheiligen und Pradl die Gro\u00dfprojekte Schlachthofblock, Pembaurblock sowie der Schule und Kindergarten in der heutigen Pembaurstra\u00dfe. Er war ma\u00dfgeblich am Aufbau der Innsbrucker Lichtwerke, den heutigen <em>Innsbrucker Kommunalbetrieben<\/em>, beteiligt. Sein gr\u00f6\u00dfter Verdienst war aber der Erwerb des Achensees. Bereits 1911 verhandelte die Stadt Innsbruck unter Wilhelm Greil mit dem bayerischen Stift Fiecht, um den See f\u00fcr ein Kraftwerk f\u00fcr das Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Innsbruck zu erstehen. Der Krieg unterbrach das Vorhaben. 1919 begannen die Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und dem Kloster \u00fcber den Kauf des Achensees von Neuem. Der Kaufpreise wurde schlie\u00dflich auf 1,2 Millionen Kronen plus den Eigenbedarf an Strom des Stiftes festgesetzt. Die Finanzierung gestaltete sich in der klammen Nachkriegszeit schwierig. Bis 1924 gab es von Seite des Bundes eine Steuererleichterung f\u00fcr Gemeinden f\u00fcr Wasserkraftwerksbauten. In letzter Minute konnte die TIWAG, die Tiroler Wasserkraft AG, mit der Stadt Innsbruck als Mehrheitseigent\u00fcmer gegr\u00fcndet und der Kauf vollzogen werden. Die Legende will es, dass man wegen der Inflation zwischen 1919 und 1924 f\u00fcr den Wert des Kaufpreises zum Zeitpunkt der Zahlung keinen See, sondern nur noch einen Herrenanzug erstehen konnte. Als die Stadt den See 60 Jahre sp\u00e4ter an die TIWAG verkaufte, lukrierte man fast eine Milliarde Schilling, genug, um die Schulden der Stadt zu tilgen. Sowohl bei der Errichtung der Achenseebahn, des Achenseekraftwerks und der Gr\u00fcndung der Tiroler Wasserkraft TIWAG war Martin Rapoldi die treibende Kraft. 1926 verstarb der umtriebige <em>Rote Tischlergeselle<\/em> mit jungen 46 Jahren an den Folgen einer Nierenentz\u00fcndung.<\/p>\n<p>Nicht weniger eindrucksvoll ist die Vita seiner Frau Maria. Im elterlichen Haushalt in W\u00f6rgl kam sie fr\u00fch mit sozialdemokratischen Ideen in Kontakt. Die gelernte Buchhalterin \u00fcbersiedelte nach Innsbruck. Wahrscheinlich bei ihrer Arbeit f\u00fcr die Krankenkasse lernte sie ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann kennen. Trotz ihrer beiden kleinen T\u00f6chter engagierte sich Maria bereits 1912 auf der Landesfrauenkonferenz der Sozialdemokratinnen. Nach dem Tod ihres Mannes blieb sie weiterhin in der Sozialdemokratie aktiv. Als Mitarbeiterin der <em>Volkszeitung<\/em> kam sie in den Jahren des Austrofaschismus immer wieder ins Visier der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em>. Nachdem die Volkszeitung im Rahmen der Zensur durch das Regime verboten wurde, musste sie sich als erwerbslose Witwe durchschlagen. Sie er\u00f6ffnete ein Stempelgesch\u00e4ft in der Altstadt. Gleichzeitig war sie im Untergrund an der <em>Roten Hilfe<\/em>, der Unterst\u00fctzung von Familien inhaftierter Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie f\u00fcr kurze Zeit inhaftiert. Nach dem Krieg trat sie auch in offizieller Funktion aus dem Schatten ihres jung verstorbenen Gatten Martin. Von 1946 \u2013 1959 war sie Mitglied des Innsbrucker Gemeinderats. Sie setzte sich f\u00fcr soziale Agenden wie Altersheime, Kinderheime, die Verbesserung der Lebensmittel- und Krankenversorgung in der Nachkriegszeit ein. Als Mitglied des Tiroler Hilfswerks, des Stadtschulrats des Kuratoriums des Waisenheimes Sieberer und des Verwaltungsausschusses des Innsbrucker Realgymnasiums f\u00fcr M\u00e4dchen<\/p>\n<p>Martin und Maria Rapoldi sind in einem sehenswerten Ehrengrab am Westfriedhof beigesetzt. Der 1927 er\u00f6ffnete Park in Pradl tr\u00e4gt ebenfalls den Namen der beiden erinnerungsw\u00fcrdigen Stadtpolitiker. In Kranebitten errichtete die Sozialdemokratische Partei nach Martins fr\u00fchem Tod ein Denkmal f\u00fcr ihn, das 1934 von Mitgliedern der Heimatwehr zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Lebensreform und Sozialdemokratie&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62369&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>\u201e<em>Licht Luft und Sonne<\/em>\u201c war das Motto der Lebensreform, einer Sammelbewegung alternativer Lebensmodelle, die im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert in Deutschland im Gleichschritt mit der Entwicklung der Sozialdemokratie ihren Anfang nahm. Beide Str\u00f6mungen waren Reaktionen auf die Lebensbedingungen in den rasant wachsenden St\u00e4dten. Die Urbanisierung wurde von immer mehr Menschen zunehmend als Belastung empfunden. Zwar hatten viele der Arbeiter und Angestellten in Innsbruck in absoluten Zahlen gemessen mehr Mittel zur Verf\u00fcgung als je zuvor, der Druck der sozialen Teilhabe wurde aber auch gr\u00f6\u00dfer. Ab den 1890ern gab es in Innsbruck mehrere Litfa\u00dfs\u00e4ulen, auf denen kunstvoll gestaltete Plakate die neue Vielfalt an Produkten anpriesen. Warenh\u00e4user und Modeausstatter machten die Unterschiede innerhalb der sich ausdifferenzierenden Gesellschaft sichtbarer als je zuvor. Wer mithalten wollte in der neuen b\u00fcrgerlichen Klasse, musste sich Luxuswaren wie Kaffee leisten k\u00f6nnen. Gleichzeitig stieg die Belastung durch die Industrialisierung. Der Verkehr auf den Stra\u00dfen, die Abgase der Fabriken, die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse in den Mietkasernen und die bis dahin unbekannte Hast durch die Durchtaktung der Zeit, die neue Krankheitsbilder wie Neurasthenie salonf\u00e4hig machte, riefen Gegenbewegungen hervor. Innsbruck war zwar nicht mit Paris oder London vergleichbar was Gr\u00f6\u00dfe oder Intensit\u00e4t der Industrialisierung betrifft, die Fallh\u00f6he f\u00fcr viele Bewohner der ehemals l\u00e4ndlichen D\u00f6rfer wie Pradl und die vom Land zugezogenen Arbeitskr\u00e4fte war aber enorm.<\/p>\n<p>Seit 1869 erschien die <em>Deutsche Vierteljahrschrift f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitspflege<\/em>, die sich mit der Verbesserung von Ern\u00e4hrung, Hygiene und Wohnraum auseinandersetzte. 1881 wurde <em>die \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Gesundheitspflege<\/em> gegr\u00fcndet. Private Vereine veranstalteten Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen zum sauberen und gesunden Leben. Man betrieb politisches Lobbying zur Errichtung von Parks im \u00f6ffentlichen Raum und der Verbesserung der Infrastruktur wie B\u00e4dern, Krankenh\u00e4usern, Kanalisation und Wasserleitungen. Assanation und Sozialhygiene waren Schlagw\u00f6rter einer b\u00fcrgerlichen Elite, die um ihre Mitmenschen und die Volksgesundheit besorgt war. Anstelle der sozialistischen Revolution sollte der christliche Gedanke der N\u00e4chstenliebe die Gesellschaft voranbringen. Wie alle elit\u00e4ren Bewegungen nahm auch die Lebensreform teils absurde Bl\u00fcten an. Bewegungen wie der Vegetarismus, FKK, Gartenst\u00e4dte, verschiedene esoterische Str\u00f6mungen und andere alternative Lebensformen, die sich bis heute in der einen oder anderen Form erhalten konnten, entstanden in dieser Zeit. Auch der Spiritismus feierte in der Upper Class ein fr\u00f6hliches Dasein parallel zu den Dogmen der katholischen Kirche. Dieser oft wohlmeinende, aber exzentrische Lebensstil der wohlhabenden B\u00fcrgern in ihren Villen im Saggen, Wilten und Pradl, blieb Arbeitern meist verwehrt. Viele Mietzinsburgen waren triste und \u00fcberf\u00fcllte Biotope ohne Infrastruktur wie Sportanlagen oder Parks. Es waren die fr\u00fchen Sozialdemokraten, die sich politisch den Lebensrealit\u00e4ten der Arbeiter stellten. Moderne Wohnsiedlungen sollte funktional, komfortabel, leistbar und mit Gr\u00fcnfl\u00e4chen verbunden sein. Diese Ansichten hatten sich auch in \u00f6ffentlichen Stellen durchgesetzt. Albert Gruber, Professor an der Innsbrucker Gewerbeschule, schrieb 1907:<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe zwar oft den Ausspruch geh\u00f6rt, wir in Innsbruck ben\u00f6tigen keine Anlagen, uns gibt das alles die Natur, Das ist aber nicht wahr. Was gibt es sch\u00f6neres, als wenn die Berufsmenschen von der Stelle ihrer T\u00e4tigkeit in ihr Heim durch eine Reihe von Pflanzenanlagen gehen k\u00f6nnen. Es wird dadurch der Weg von und in den Beruf zu einem Erholungsspaziergang. Die Gr\u00fcnde, weshalb Baum- und Gartenpflanzungen im Bereiche der st\u00e4dtischen Bebauung vorteilhaft wirken, sind \u00fcbrigens mannigfaltige. Ich will nicht auf die Wechselbeziehung zwischen Menschen und Pflanze hinweisen, die hinl\u00e4nglich bekannt sein d\u00fcrfte. In anderer Weise wirken die Pflanzen zur Verbesserung der Atmungsluft durch Verminderung des Staubes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu Ver\u00e4nderungen im politischen Alltag. Die Sozialdemokratie als politische Bewegung als politische Partei gab es seit 1889 offiziell, gestalterische M\u00f6glichkeiten hatte sie unter der Habsburgermonarchie aber nur sehr eingeschr\u00e4nkt. Sozialismus galt als unchristlich und wurde im Heiligen Land Tirol argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt. Bedeutsam war die Arbeiterbewegung als gesellschaftliches Gegengewicht zu den in Tirol alles dominierenden katholischen Strukturen in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten. 1865 entstand in Innsbruck der erste <em>Tiroler Arbeiterbildungsverein<\/em>. Arbeiter sollten sich ihrer Stellung innerhalb der Gesellschaft bewusst werden vor der anstehenden Weltrevolution. Daf\u00fcr war es unumg\u00e4nglich, ein Mindestma\u00df an Bildung zu besitzen und Lesen und Schreiben zu beherrschen. 10 Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndete Franz Reisch den Allgemeinen Arbeiter-Verein in Innsbruck. Weitere zwei Jahre sp\u00e4ter wurde reichsweit die Allgemeine Arbeiter-, Kranken-, und Invaliden-Casse\u201c an den Start geschickt. Trotz staatlicher Repression kam es immer wieder zu betr\u00e4chtlichen Versammlungen der \u201eRadicalen\u201c. Seit 1893 erschien in Innsbruck die sozialdemokratische Volkszeitung als Gegenstimme zu den katholischen Bl\u00e4ttern. 1899 wurde in der heutigen Maximilianstra\u00dfe die Erste Tiroler Arbeiter-B\u00e4ckerei, kurz ETAB, er\u00f6ffnet. Die Genossenschaft machte es sich zum Ziel, unter guten Arbeits- und Hygienebedingungen hochwertiges Brot zu fairen Preisen herzustellen. Nach mehreren Standortwechseln landete die ETAB in der Hallerstra\u00dfe, wo sie bis 1999 t\u00e4glich frische Backwaren produzierte.<\/p>\n<p>Die ersten freien Wahlen innerhalb der k.u.k. Monarchie zum Reichsrat f\u00fcr alle m\u00e4nnlichen B\u00fcrger im Jahr 1907 ver\u00e4nderten nicht nur die politischen, sondern auch die sozialen Kraftverh\u00e4ltnisse. Der <em>Pofl<\/em> hatte nun politisches Mitspracherecht. Wichtige Gesetze wie Arbeitszeitbeschr\u00e4nkungen und Verbesserung in den Arbeitsbedingungen konnten nun mit mehr Nachdruck verlangt werden. Das Kronland Tirol hatte gemeinsam mit Ober\u00f6sterreich die l\u00e4ngsten Arbeitszeiten in der gesamten Donaumonarchie. Die Gewerkschaftsmitglieder stiegen zahlenm\u00e4\u00dfig zwar auch an, au\u00dferhalb der kleinst\u00e4dtischen Zentren war Tirol aber zu sehr b\u00e4uerlich gepr\u00e4gt, um nennenswerten Druck erzeugen zu k\u00f6nnen. Auf Gemeindeebene blieb das Zensuswahlrecht, das gro\u00dfdeutsch-liberalen und konservativ-klerikalen Politikern jahrzehntelang einen Freifahrtschein an die Macht ausgestellt hatte, bis nach dem Krieg bestehen. Die Erf\u00fcllung der daraus folgenden Forderungen musste auch nach den ersten Gemeinderatswahlen nach 1918 noch warten.<\/p>\n<p>Ein bekannter Innsbrucker Vertreter der Lebensreform und der Sozialdemokratie war Josef Prachensky (1861 \u2013 1931), der Vater des Architekten und Stadtplaners Theodor Prachensky. Er war im deutschsprachigen B\u00f6hmen, damals Teil der K.u.K. Monarchie aufgewachsen. Als gelernter Buchdrucker hatte er auf seiner Wanderschaft in Wien w\u00e4hrend des Buchdruckerstreiks die Arbeiterbewegung f\u00fcr sich entdeckt. Nach seiner Hochzeit mit einer Tirolerin lie\u00df er sich in Innsbruck nieder, wo er als Redakteur f\u00fcr die sozialdemokratische Volkszeitung f\u00fcr Tirol und Vorarlberg arbeitete. Josef Prachensky unterst\u00fctzte den Arbeiter-Consum-Verein, die Tiroler Arbeiterb\u00e4ckerei und gr\u00fcndete den Gastrobetrieb \u201eAlkoholfrei\u201c in der Museumstra\u00dfe, der ganz im Sinne der Lebensreformbewegung und des Sozialismus die Verbesserung der allgemeinen Gesundheit zum Ziel hatte. Bereits Friedrich Engels (1820 \u2013 1895), der Mitverfasser des Kommunistischen Manifestes, hatte in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts Schnaps und Branntwein als ein \u00dcbel der Arbeiterklasse erkannt hatte. Das Ziel, Menschen vom Alkohol wegzubekommen teilte der Sozialismus wie so vieles mit kirchlichen Vereinen. Die Weltrevolution war mit Suchtkranken ebenso wenig durchf\u00fchrbar wie ein tugendhaftes, gottgef\u00e4lliges Leben. Prachensky war an der Gr\u00fcndung der Sozialdemokratischen Partei Tirols 1890 und nach dem Ersten Weltkrieg an der Gr\u00fcndung des Tiroler Republikanischen Schutzbundes RESCH beteiligt, dem linken Gegenst\u00fcck zu den rechten Heimwehrverb\u00e4nden. Ein besonderes politisches Anliegen war ihm die Einschr\u00e4nkung der Kirche auf den Schulunterricht, der im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch im eigentlich liberalen Innsbruck, das sich an die nationale Schulordnung halten musste, noch sehr gro\u00df war.<\/p>\n<p>Lebensreform und der wachsende Einfluss der Sozialdemokratie beeinflussten auch Kunst und Architektur. Man wollte sich von dem, was Max Weber als protestantische Ethik beschrieb, der Industrie, den Stechuhren, ganz allgemein dem rasenden technischen Fortschritt mit allen Auswirkungen auf den Menschen und das Sozialgef\u00fcge, abgrenzen. Der Mensch als Individuum, nicht seine Wirtschaftsleistung, sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Die Kultur der alten Gesellschaft, in der Adel und Klerus \u00fcber dem Rest der Gesellschaft standen, sollte \u00fcberwunden werden. Was dem Arbeiter die Sozialdemokratie, waren der gehobenen B\u00fcrgerschaft Kunst und Architektur. Der Jugendstil war die k\u00fcnstlerische Antwort eines exzentrischen und alternativen Teils des B\u00fcrgertums auf dieses Zur\u00fcck zum Ursprung der Jahrhundertwende. Das verspielte Element war das Gegenteil zum stets symmetrischen und aufger\u00e4umten Historismus. Das Winklerhaus in Wilten ist eines der wenigen Beispiele f\u00fcr den Jugendstil in Innsbruck.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1923). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Es war die Zeit des Wachstums, der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wirtschaftswachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Die Ansammlung an Menschen auf engstem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen brachte gleichzeitig aber auch Probleme mit sich. Besonders die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht.<\/p>\n<p>Die Innsbrucker Stadtpolitik, in der Greil sich bewegte, war vom Kampf liberaler und konservativer Kr\u00e4fte gepr\u00e4gt. Greil geh\u00f6rte der &#8222;<em>Deutschen Volkspartei<\/em>&#8220; an, einer liberalen und national-gro\u00dfdeutschen Partei. Was heute als Widerspruch erscheint, liberal und national, war im 19. Jahrhundert ein politisch \u00fcbliches und gut funktionierendes Gedankenpaar. Der <em>Pangermanismus<\/em> war keine politische Besonderheit einer rechtsradikalen Minderheit, sondern besonders in deutschsprachigen St\u00e4dten des Reiches eine Str\u00f6mung der Mitte, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg durch fast alle Parteien hindurch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung Bedeutung hatte. Innsbrucker, die auf sich hielten, bezeichneten sich nicht als \u00d6sterreicher, sondern als Deutsche. Wer Ausgaben der liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> der Zeit rund um die Jahrhundertwende unter die Lupe nimmt, findet unz\u00e4hlige Artikel, in denen das Gemeinsame zwischen dem Deutschen Reich und den deutschsprachigen L\u00e4ndern zum Thema des Tages gemacht wurde, w\u00e4hrend man sich von anderen Volksgruppen innerhalb des multinationalen Habsburgerreiches distanzierte. Greil war ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen seiner Zeit bewegte. Er wusste sich um die traditionellen Kr\u00e4fte, die Monarchie und den Klerus geschickt zu man\u00f6vrieren und sich mit ihnen zu arrangieren.<\/p>\n<p>Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der gesamten Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. Greil wohne passenderweise \u00e4hnlich wie ein Renaissancef\u00fcrst. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Upper Class. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die Homebase der Familie zu gr\u00fcnden. Massenparteien wie die Sozialdemokratie konnten sich bis zur Wahlrechtsreform der Ersten Republik nicht durchsetzen. Konservative hatten es in Innsbruck auf Grund der Bev\u00f6lkerungszusammensetzung, besonders bis zur Eingemeindung von Wilten und Pradl, ebenfalls schwer. B\u00fcrgermeister Greil konnte auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung, angeheizt von privaten Investitionen, erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten entstanden in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aber viele unauff\u00e4llige Revolutionen. Vieles, was in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts vorangetrieben wurde, geh\u00f6rt heute zum Alltag. F\u00fcr die Menschen dieser Zeit waren diese Dinge aber eine echte Sensation und lebensver\u00e4ndernd. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren.<\/p>\n<p>Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung fort. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte auch das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Zeit nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete Greil Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als italienische Truppen nach dem Ersten Weltkrieg die Stadt besetzten und Tirol am Brenner geteilt wurde. Das Ende der Monarchie und des Zensuswahlrechts bedeuteten auch den Niedergang der Liberalen in Innsbruck, auch wenn Greil das in seiner aktiven Karriere nur teilweise miterlebte. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zwar zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen, dank der Mehrheiten im Gemeinderat blieb Greil aber B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erzherzog-Eugen-Stra\u00dfe 25 - 38<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":66806,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[159,153,150,26,84,54],"tags":[],"class_list":["post-66803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-rapoldis","category-eine-erste-republik-entsteht","category-lebensreform-und-sozialdemokratie","category-saggen","category-theodorf-prachensky-beamter-zwischen-kaiser-und-republik","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66803"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66803\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}