{"id":67064,"date":"2025-10-06T09:19:36","date_gmt":"2025-10-06T09:19:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=67064"},"modified":"2026-01-15T10:52:26","modified_gmt":"2026-01-15T10:52:26","slug":"viaduktbogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/viaduktbogen\/","title":{"rendered":"Viaduct arches"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Viaduktb\u00f6gen \/ B\u00f6genmeile<\/h2>\n<p>Ing.-Etzel-Stra\u00dfe<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;59265,67200,67149,67066,67158&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Viaduktb\u00f6gen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67067&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Viaduktb\u00f6gen \/ Bogenmeile&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67069&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Schenkt man so manchem besonders vorsichtigen Innsbrucker Glauben, befindet sich das Tor zur H\u00f6lle zwischen Innenstadt, Pradl und Saggen. Andere hingegen verbinden mit der Bogenmeile einige der besten Erinnerungen an die eigene Jugendzeit. Das Ausgehviertel am Bahnviadukt spaltet seit Jahrzehnten die Geister und sorgt immer wieder f\u00fcr pers\u00f6nliche Anekdoten, Diskussionsstoff und <em>Urban Legends<\/em>. In den <em>B\u00f6gen<\/em> haben sich seit dem gro\u00dfen Umbau in den 1950er Jahren Werkst\u00e4tten, Gesch\u00e4fte und vor allem Lokale aller Art angesiedelt. 1985 \u00fcbersiedelte das Jugendzentrum Z6 auf die R\u00fcckseite der B\u00f6gen. Der <em>Bogen 13<\/em> er\u00f6ffnete im selben Jahr. Das Lokal lockte erstmals eine alternative Innsbrucker Szene aus der Innenstadt unter den Viadukt. Heute ziehen Pubs, Bars, Clubs, Brauereien, Gasth\u00e4user und Imbissbuden aller Art ein buntes Publikum an, das bis sp\u00e4t in die Morgenstunden meist friedlich feiert. Viele Fassaden wurden in den letzten Jahren mit sehenswerter Streetart versehen. Der schlechte Ruf r\u00fchrt von den verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig seltenen Ausnahmen der Friedlichkeit, vor allem aber von der globalen Tradition reiferer Generationen, jugendliches Treiben im Allgemeinen bedrohlich zu finden.<\/p>\n<p>Die B\u00f6gen sind das gr\u00f6\u00dfte Bauwerk der Stadt. Auf 1,8 km zieht sich das Viadukt entlang der Ing.-Etzel-Stra\u00dfe vom Bahnhof bis zur <em>M\u00fchlauer Eisenbahnbr\u00fccke<\/em>, die die Z\u00fcge \u00fcber den Inn Richtung Osten entl\u00e4sst. Der m\u00e4chtige Bau wurde zwischen 1855 und 1858 errichtet, als Nordtirols erste Bahnlinie entstand. Als Baumaterial diente <em>H\u00f6ttinger Breccie<\/em>, die die Basis f\u00fcr unz\u00e4hlige Innsbrucker Monumente in der Altstadt, der Triumphpforte bis zu den <em>S\u00fcdtirolersiedlungen<\/em> in den 1930er Jahren bildete, bevor die Steinbr\u00fcche auf der Hungerburg ihre Pforten schlossen. Tausende Arbeiter schufteten auf der Riesenbaustelle. Anders als heute war das Gebiet, das der steinerne G\u00fcrtel durchzog, nicht dicht besiedelt, die gro\u00dfe Zeit der Eroberung des \u00f6stlichen Saggen mit Wohnbl\u00f6cken, der <em>Trainkaserne<\/em>, dem Messegel\u00e4nde samt Radrennbahn und dem Schlachthof war noch in weiter Ferne.<\/p>\n<p>Die Viaduktb\u00f6gen waren wie ein k\u00fcnstlich errichteter Grenzwall zwischen Pradl und der Innenstadt. Dass die Trennung nicht von Dauer war, geht auf das Konto des Masterminds des \u00f6sterreichischen Bahnbaus Carl Ritter von Ghega (1802 \u2013 1860). Einigen Wirren der gro\u00dfen Weltpolitik ist es zu verdanken, dass es seiner Mitwirkung am wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Infrastrukturprojekte der Monarchie, vielleicht gar der \u00f6sterreichischen Geschichte, kam. Als er als Carlo Ghega als Sohn eines Marineoffiziers in Venetien auf die Welt kam, stand Norditalien unter der Herrschaft Napoleons. Erst am Wiener Kongress 1815 kam die Region als Lombardo-Venetien unter die Kontrolle der k.k. Monarchie. Nach kurzer Zeit beim Milit\u00e4r entschied er sich f\u00fcr ein Studium in Padua. Mit nur 17 Jahren konnte er Mathematik und Ingenieurwesen erfolgreich abschlie\u00dfen. Nach einigen Berufserfahrungen im Stra\u00dfenbau und bei der <em>Ferdinands-Nordbahn<\/em> zwischen Wien und M\u00e4hren, reiste er Mitte der 1830er nach England und Nordamerika, um sich die neue Technologie im Mutterland der Eisenbahn und dem Wilden Westen pers\u00f6nlich anzusehen. 1848 wurde Ghega <em>Generalinspektor der Staatsbahnen im Ministerium f\u00fcr \u00f6ffentliche Bauten<\/em>, im Jahr darauf Vorstand der <em>Eisenbahn-Bausektion<\/em> und der <em>Generalbaudirektion f\u00fcr Staatseisenbahnbauten<\/em>. Von Kaiser Franz Josef I. in den Adelsstand erhoben, wurde aus dem albanisch-st\u00e4mmigen Italiener Carlo unter Eliminierung des fremdl\u00e4ndischen -o Carl Ritter von Ghega, dessen Konterfei von 1968 \u2013 1989 die Zwanzig-Schilling-Banknote der Republik \u00d6sterreich schm\u00fcckte. Es waren seine Pl\u00e4ne, die das Riesenreich der Habsburgermonarchie zwischen Lemberg, Bregenz und Triest durchzogen. Einem Teil seines Genies verdankt Innsbruck die M\u00f6glichkeit r\u00e4umlich wachsen zu k\u00f6nnen. Von Ghega verwarf den \u00e4lteren Plan Alois von Negrellis, der einen aufgesch\u00fctteten Bahndamm zwischen Innsbruck und Pradl vorsah. Diese L\u00f6sung w\u00e4re zwar g\u00fcnstiger und schneller zu realisieren gewesen, h\u00e4tte eine Verkehrsverbindung von Innsbruck nach Osten hin aber dauerhaft verhindert. 1958 erfolgte die Verl\u00e4ngerung der Museumstra\u00dfe zum Rapoldipark \u00fcber den Durchbruch, der heute die Hauptverkehrsachse zwischen Pradl und der Innenstadt bildet. Seitdem wurden die Viadukte immer wieder renoviert und an die Verkehrsgegebenheiten angepasst. Mehrere Verbindungen durch die insgesamt 175 B\u00f6gen des Bahnviadukts verbinden Dreiheiligen und die einzelnen Teile des Saggens. Die Durchg\u00e4nge wurden teilweise aufw\u00e4ndig mit Lichtinstallationen renoviert. Auf der H\u00f6he des Claudiaplatzes entstand nicht nur ein neuer Regionalbahnhof, sondern eine verkehrsberuhigte innerst\u00e4dtische Parkanlage. Dass Carl Ritter von Ghega mit seiner vorausschauenden Bauweise nicht nur eine Verkehrsl\u00f6sung, sondern eine urbane Am\u00fcsiermeile erschaffen w\u00fcrde, war wohl nicht geplant.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Eisenbahn als Entwicklungshelfer Innsbrucks&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#E09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; closed_toggle_background_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; icon_color=&#8220;#E09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#E09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Eisenbahn als Entwicklungshelfer Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#E09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;57195&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>1830 wurde zwischen Liverpool und Manchester die erste Bahnlinie der Welt er\u00f6ffnet. Nur wenige Jahrzehnte sp\u00e4ter war auch das seit geraumer Zeit etwas von den Haupthandelswegen abgelegene und wirtschaftlich r\u00fcckst\u00e4ndige Tirol mit spektakul\u00e4ren Bahnbauten \u00fcber die Alpen hinaus mit der Welt verbunden. Waren Reisen bisher teure, lange und beschwerliche Trips in Kutschen, auf Pferden oder zu Fu\u00df, bedeutete das immer st\u00e4rker ausgebaute Bahnnetz nie zuvor dagewesenen Komfort und Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>Es war Innsbrucks B\u00fcrgermeister Joseph Valentin Maurer (1797 \u2013 1843), der die Bedeutung der Eisenbahn als Chance f\u00fcr den Alpenraum begriff. 1836 trat er f\u00fcr den Bau einer Bahnlinie ein, um das sch\u00f6ne, aber schwer erreichbare Land einem m\u00f6glichst breiten, zahlungskr\u00e4ftigen Publikum zug\u00e4nglich zu machen. Der erste praktische Pionier des Eisenbahnverkehrs in Tirol war Alois von Negrelli (1799 \u2013 1858), der auch ma\u00dfgeblich Anteil am Jahrhundertprojekt Suezkanal hatte. Ende der 1830er, als die ersten Bahnlinien der Donaumonarchie im Osten des Reiches in Betrieb gingen, erstellte er ein \u201e<em>Gutachten \u00fcber den Zug einer Eisenbahn von Innsbruck \u00fcber Kufstein bis zur k\u00f6nigl. Bairischen Grenze an der Otto-Kapelle bei Kiefersfelden<\/em>\u201c vorgelegt. Negrelli hatte in jungen Jahren in der <em>k.k. Baudirektion Innsbruck<\/em> Dienst getan, kannte die Stadt also sehr gut. Sein Gutachten enthielt bereits Skizzen und eine Aufstellung der Kosten. Als Platz f\u00fcr den Hauptbahnhof hatte er die Triumphpforte und den Hofgarten ins Spiel gebracht. In einem Brief \u00e4u\u00dferte er sich \u00fcber die Bahnlinie durch seine ehemalige Heimatstadt mit diesen Worten:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026Da\u00df es mit der Eisenbahn von Innsbruck nach Kufstein ernst wird, vernehme ich ebenfalls mit innigster Theilnahme, in dem die Laage hierzu sehr geeignet ist und die Gegen dem Inn entlang so reich an Naturprodukten und so bev\u00f6lkert ist, da\u00df ich an ihr Gedeihen gar nicht zweifeln kann, auch werde ich nicht ermangeln, wenn es an die Abnahme von Actien kommen wird, selbst und durch meine Gesch\u00e4ftsfreunde th\u00e4tigen Antheil daran zu nehmen. Das neue Leben, welches eine solche Unternehmung in der Gegen erweckt, ahnen Sie gar nicht\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Friedrich List, bekannt als Vater der deutschen Eisenbahn, brachte den Plan einer Bahnverbindung von den norddeutschen Hansest\u00e4dten \u00fcber Tirol an die italienische Adria auf den Tisch. Auf \u00f6sterreichischer Seite erbte Carl Ritter von Ghega (1802 \u2013 1860) die Gesamtverantwortung \u00fcber das Projekt Eisenbahn innerhalb des Riesenreiches der Habsburger vom fr\u00fch verstorbenen Negrelli. 1851 bekundeten \u00d6sterreich und Bayern in einem Vertrag die Absicht, eine Eisenbahnlinie in die Tiroler Landeshauptstadt zu bauen. Im Mai 1855 begann der Bau. Es war die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Baustelle, die Innsbruck gesehen hatte. Nicht nur der Bahnhof wurde errichtet, die Bahnviadukte hinaus aus der Stadt Richtung Nordosten mussten gebaut werden.<\/p>\n<p>Am 24. November 1858 ging die Bahnlinie zwischen Innsbruck und Kufstein und weiter \u00fcber Rosenheim nach M\u00fcnchen in Betrieb. Die Linie war ihrer Zeit voraus. Anders als der Rest der Eisenbahn, der erst 1860 privatisiert wurde, er\u00f6ffnete die Linie bereits als Privatbahn, betrieben von der zuvor gegr\u00fcndeten <em>k.k. privilegierten s\u00fcdlichen Staats-, Lombardisch-, Venetianisch- und Zentral-italienischen Eisenbahngesellschaft<\/em>. Mit diesem Schachzug konnte der aufw\u00e4ndige Bahnbau aus dem ohnehin stets klammen Staatshaushalt \u00d6sterreichs ausgeklammert werden. Der erste Schritt war mit dieser \u00d6ffnung in die Richtung der \u00f6stlichen Teile der Monarchie, vor allem nach M\u00fcnchen getan. Waren und Reisende konnten nun schnell und komfortabel von Bayern in die Alpen und retour transportiert werden. In S\u00fcdtirol rollten die ersten Z\u00fcge zwischen Verona und Trient im Fr\u00fchjahr 1859 \u00fcber die Schienen.<\/p>\n<p>Der Nord-S\u00fcd-Korridor war damit aber noch unvollendet. Erste seri\u00f6se Erw\u00e4gungen zur Brennerbahn wurden 1847 angestellt. Die Auseinandersetzungen s\u00fcdlich des Brenners und die gesch\u00e4ftliche Notwendigkeit der Verbindung der beiden Landesteile riefen 1854 die <em>Permanente Central-Befestigungs-Commission<\/em> auf den Plan. Durch den Verlust der Lombardei nach dem Krieg mit Frankreich und Sardinien-Piemont 1859 verz\u00f6gerte sich im politisch instabil gewordenen Norditalien das Projekt. Aus der <em>k.k. privilegierten s\u00fcdlichen Staats-, Lombardisch-, Venetianisch- und Zentral-italienischen Eisenbahngesellschaft<\/em> musste 1860 die <em>k.k. privilegierte S\u00fcdbahngesellschaft<\/em> werden, um mit den Detailplanungen zu starten. Im Folgejahr begann das Mastermind hinter dieser herausragenden infrastrukturellen Leistung der Zeit, Ing. Carl von Etzel (1812 \u2013 1865), das Gel\u00e4nde zu vermessen und konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr die Anlage der Schienen zu erstellen. Der Planer war von den Investoren der privaten Gesellschaft angehalten, m\u00f6glichst sparsam und ohne gro\u00dfe Viadukte und Br\u00fccken auszukommen. \u00a0Entgegen \u00e4lterer \u00dcberlegungen Carl Ritter von Ghegas die Steigung hinauf auf die Passh\u00f6he in 1370 m Seeh\u00f6he durch einen Start der Strecke in Hall abzufedern, erarbeitete Etzel den Plan, der Innsbruck miteinschloss, gemeinsam mit seinem Bauleiter Achilles Thommen und erkor die Sillschlucht als beste Route aus. Damit sparte er nicht nur sieben Kilometer Streckenl\u00e4nge und viel Geld, sondern sicherte Innsbruck auch den wichtigen Status als Verkehrsknotenpunkt. Das alpine Gel\u00e4nde, Muren, Schneest\u00fcrme und Hochwasser waren gro\u00dfe Herausforderungen im Bau. Flussl\u00e4ufe mussten verlegt, Felsen gesprengt, Erdbauten gegraben und Mauern errichtet werden, um der alpinen Streckenf\u00fchrung Herr zu werden. Die \u00e4rgsten Probleme bereitete aber der 1866 ausgebrochene Krieg in Italien. Besonders patriotische deutschsprachige Arbeiter weigerten sich, mit dem \u201eFeind\u201c zu arbeiten. 14.000 italienischsprachige Arbeiter mussten entlassen werden, bevor die Arbeiten weitergehen konnten. Trotzdem konnte die h\u00f6chst gelegene regul\u00e4re Eisenbahnstrecke der W mit ihren 22 aus dem Fels gesprengten Tunneln in bemerkenswert kurzer Bauzeit fertiggestellt werden. Wie viele M\u00e4nner bei der Arbeit an der Brennerbahn Gesundheit und Leben lie\u00dfen, ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung ging bemerkenswert unspektakul\u00e4r \u00fcber die B\u00fchne. Viele Menschen waren sich nicht sicher, ob ihnen die technische Neuerung gef\u00e4llt oder nicht. Wirtschaftszweige wie das Rodfuhrwesen und die Poststationen entlang der Brennerstrecke waren dem Untergang geweiht, wie das Sterben der Fl\u00f6\u00dferei nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie ins Unterland gezeigt hatte. Schon w\u00e4hrend der Bauarbeiten war es zu Protesten der Bauern, die ob des drohenden Imports landwirtschaftlicher G\u00fcter um ihren Gewinn f\u00fcrchteten, gekommen. Auf eine Feier wurde, wie bereits zuvor der Bau der Bahnstrecke, von der Weltpolitik beeinflusst. Wegen der Hinrichtung des ehemaligen Kaisers Maximilians von Mexiko, dem Bruder Franz Josef I., vor einem revolution\u00e4ren Kriegsgericht, war \u00d6sterreich in Staatstrauer. Man verzichtete man auf einen gro\u00dfen, dem Projekt eigentlich w\u00fcrdigen Staatsakt. Anstelle einer priesterlichen Weihe und festlicher Taufe spendete die <em>S\u00fcdbahngesellschaft<\/em> 6000 Gulden an den Armenfonds. Auch in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> findet sich kein Wort \u00fcber die Revolution im Verkehrswesen, sieht man von der Meldung des letzten Eilwagens \u00fcber den Brenner und der Ver\u00f6ffentlichung des Fahrplans der S\u00fcdbahn ab.<\/p>\n<p><em>(Der letzte Eilwagen). Gestern Abends halb 8 Uhr fuhr der letzte Eilwagen nach S\u00fcdtirol von hier ab. Der \u00e4lteste Postillon in Innsbruck lenkte die Rosse, sein Hut war mit Trauer umflort, und der Wagen zur letzten Fahrt mit Zweigen von Trauerweiden geschm\u00fcckt. Zwei Sch\u00fctzen, die nach Matrei fuhren, waren die einzigen Passagiere, welche dem Eilwagen die letzte Ehre erwiesen. Schon 1797 in den letzten Tagen war es auf der sch\u00f6nen, sonst so belebten und nun ver\u00f6deten Stra\u00dfe auffallend tod.<\/em><\/p>\n<p>Bis zur Er\u00f6ffnung der Bahnlinie \u00fcber den Brenner am 24. August 1867 war Innsbruck ein Kopfbahnhof mit regionaler Bedeutung. Mit der neuen, spektakul\u00e4ren Brennerbahn \u00fcber die Alpen waren der n\u00f6rdliche und s\u00fcdliche Landesteil sowie Deutschland und Italien verbunden. Bereits im Jahr zuvor hatte die neue Brennerstra\u00dfe er\u00f6ffnet. Die Alpen hatten ihren trennenden Charakter und ihren Schrecken f\u00fcr den Transit verloren, zumindest ein klein wenig. \u00dcberquerten 1865 gesch\u00e4tzte 20.000 Personen den Brenner, waren es drei Jahre sp\u00e4ter im ersten vollen Jahr des Betriebs der Bahnstrecke etwa zehn Mal so viele. Dazu kam eine ganze Flut an Waren, die den Weg \u00fcber die neue Nord-S\u00fcd-Achse fanden und Handel und Konsum ankurbelten.<\/p>\n<p>Das zweite Hindernis, das zur Landeseinheit \u00fcberwunden werden musste, war der Arlberg. Erste Pl\u00e4ne einer Bahnlinie, die die Region um den Bodensee mit dem Rest der Donaumonarchie verbinden w\u00fcrde, gab es bereits 1847, immer wieder wurde das Projekt aber zur\u00fcckgestellt. 1871 kam es wegen durch Exportverbote von Lebensmitteln auf Grund des deutsch-franz\u00f6sischen Krieges zu einer Hungersnot in Vorarlberg, weil Nahrungsmittel nicht schnell genug vom Osten des Riesenreiches in den \u00e4u\u00dfersten Westen geliefert werden konnten. Die Wirtschaftskrise von 1873 verz\u00f6gerte den Bau trotzdem erneut. Erst sieben Jahre sp\u00e4ter fiel der Beschluss im Parlament, die Bahnlinie zu realisieren. Im selben Jahr begannen \u00f6stlich und westlich des Arlbergmassivs die komplizierten Bauarbeiten. 38 Wildb\u00e4che und 54 Lawinengefahrstellen mussten mit 3100 Bauwerken bei prek\u00e4ren Wetterverh\u00e4ltnissen im alpinen Gel\u00e4nde verbaut werden. Die bemerkenswerteste Leistung war der zehn Kilometer lange Tunnel, der zwei Gleise f\u00fchrt. Am 30. Juni 1883 fuhr der letzte Transport der Post mit dem Pferdewagen in feierlichem Trauerflor von Innsbruck nach Landeck. Tags darauf erledigte die Eisenbahn diesen Dienst. Mit der Er\u00f6ffnung der Eisenbahn von Innsbruck nach Landeck und der endg\u00fcltigen Fertigstellung der Arlbergbahn bis Bludenz 1884 inklusive dem Tunneldurchschlag durch den Arlberg war Innsbruck endg\u00fcltig wieder zum Verkehrsknotenpunkt zwischen Deutschland und Italien, Frankreich, der Schweiz und Wien geworden. 1904 wurde die Stubaitalbahn, 1912 die Mittenwaldbahn er\u00f6ffnet. Beide Projekte plante Josef Riehl (1842 \u2013 1917).<\/p>\n<p>Die Eisenbahn war das am direktesten sp\u00fcrbare Merkmal des Fortschritts f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung. Die Bahnviadukte, die aus H\u00f6ttinger Breccie aus dem nahen Steinbruch errichtet wurden, setzten der Stadt im Osten Richtung Pradl ein physisches und sichtbares Ende. Aber nicht nur aus einer rein technischen Perspektive ver\u00e4nderte die Bahn das Land. Sie brachte einen immensen gesellschaftlichen Wandel. Arbeitskr\u00e4fte, Studenten, Soldaten und Touristen str\u00f6mten in gro\u00dfer Zahl in die Stadt und brachten neue Lebensentw\u00fcrfe und Ideen mit. Josef Leitgeb beschrieb den Wandel in seinem Roman Das unversehrte Jahr folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eZwar hatte die Eisenbahn schon damals viele landfremde Leute auch nach Wilten gezogen, sie wohnten in den neuen hohen H\u00e4usern, die \u00fcberall aus dem Boden schossen, auf dem seit Jahrhunderten das Korn gewachsen war, aber sie wurden noch als Zugereiste empfunden, ihre tschechischen, slowenischen und ungarischen Namen wollten sich nicht in die Kl\u00e4nge fugen, die man gewohnt war. Sie kleideten sich in das billige Zeug, das man fertig und auf Raten zu kaufen bekam, mieden die Gottesdienste und besuchten daf\u00fcr Versammlungen, in denen sich die eingesessenen B\u00fcrger nicht zurechtgefunden hatten. Bei Licht besehen waren es stille, arbeitsame, sparende Leute, die aus den gro\u00dfen St\u00e4dten und dem flachen Lande halt andere Lebensformen mitgebracht hatten, und wer sie scheel ansah, konnte kein anderes Recht daf\u00fcr in Anspruch nehmen, als das er f\u00fcr seine Gem\u00fctlichkeit keine Zuschauer brauchte. Doch war die Ablehnung der Zugewanderten durch die Einheimischen damals noch deutlich f\u00fchlbar; der Vater hatte einmal eine Predigt geh\u00f6rt, in der der Pfarrer versicherte, alle Menschen konnten der ewigen Seligkeit teilhaft werden, \u201eauch R\u00e4uber und M\u00f6rder, ja sogar Eisenbahner.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die <em>Bundesbahndirektion der K.u.K. General-Direction der \u00f6sterreichischen Staatsbahnen<\/em> in Innsbruck war eine von nur drei Direktionen in Cisleithanien. Neue soziale Schichten entstanden durch die Bahn als Arbeitgeber. Es bedurfte Menschen aller Bev\u00f6lkerungsschichten, um den Bahnbetrieb am Laufen zu halten. Arbeiter und Handwerker konnten bei der Bahn, \u00e4hnlich wie in der staatlichen Verwaltung oder dem Milit\u00e4r, sozial aufsteigen. Neue Berufe wie Bahnw\u00e4rter, Schaffner, Heizer oder Lokf\u00fchrer entstanden. Bei der Bahn zu arbeiten, brachte ein gewisses Prestige mit sich. Nicht nur war man ein Teil der modernsten Branche der Zeit, die Titel und Uniformen machten aus Angestellten und Arbeitern Respektpersonen. Bis 1870 stieg die Einwohnerzahl Innsbrucks vor allem wegen der Wirtschaftsimpulse, die die Bahn brachte von 12.000 auf 17.000 Menschen. Lokale Produzenten profitieren von der M\u00f6glichkeit der kosteng\u00fcnstigen und schnellen Warenein- und Ausfuhren. Der Arbeitsmarkt ver\u00e4nderte sich. Vor der Er\u00f6ffnung der Bahnlinien waren 9 von 10 Tirolern in der Landwirtschaft t\u00e4tig. Mit der Er\u00f6ffnung der Brennerbahn sank dieser Wert auf unter 70%. Das neue Verkehrsmittel trug zur gesellschaftlichen Demokratisierung und Verb\u00fcrgerlichung bei. Nicht nur f\u00fcr wohlhabende Touristen, auch f\u00fcr Untertanen, die nicht der <em>Upper Class<\/em> angeh\u00f6rten, wurden mit der Bahn Ausfl\u00fcge in die Umgebung m\u00f6glich. Neue Lebensmittel ver\u00e4nderten den Speiseplan der Menschen. Erste Kaufh\u00e4user entstanden mit dem Erscheinen von Konsumartikeln, die vorher nicht verf\u00fcgbar waren. Das Erscheinungsbild der Innsbrucker wandelte sich mit neuer, modischer Kleidung, die f\u00fcr viele zum ersten Mal erschwinglich wurde. Der Bahnhofsvorplatz in Innsbruck wurde zu einem der neuen Zentren der Stadt. Die modernen Hotels waren nun nicht mehr in der Altstadt, sondern hier zu finden. Nicht allen war diese Entwicklung allerdings recht. Die Schifffahrt am Inn, bis dahin ein wichtiger Verkehrsweg, kam beinahe umgehend zum Erliegen. Der ohnehin nach 1848 schwer gerupfte Kleinadel und besonders strenge Kleriker bef\u00fcrchteten den Kollaps der heimischen Landwirtschaft und den endg\u00fcltigen Sittenverfall durch die Fremden in der Stadt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Tourismus war die Bahn Gold wert. Es war nun m\u00f6glich, die abgelegene und exotische Bergwelt der Alpen Tirols zu erreichen. Kurorte wie Igls und ganze T\u00e4ler wie das Stubaital, aber auch der Innsbrucker Stadtverkehr profitierten von der Entwicklung der Bahn. 1904 Jahre sp\u00e4ter verband die Stubaitalbahn als erste \u00f6sterreichische Bahn mit Wechselstrom das Seitental mit der Hauptstadt. Am 24.12.1904 wurden 780.000 Kronen, umgerechnet etwa 6 Millionen Euro, als Kapitalstock f\u00fcr die Stra\u00dfenbahnlinie 1 gezeichnet. Im Sommer des Folgejahres verband die Linie die neuen Stadtteile Pradl und Wilten mit dem Saggen und der Innenstadt. Drei Jahre sp\u00e4ter er\u00f6ffnete mit der Line 3 die n\u00e4chste innerst\u00e4dtische Verbindung des \u00f6ffentlichen Verkehrs, die erst 1942 nach dem Anschluss von Amras an Innsbruck bis ins abgelegene Dorf f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Bahn war auch von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr das Milit\u00e4r. Schon 1866 bei der Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen war zu sehen, wie wichtig der Truppentransport in Zukunft sein w\u00fcrde. \u00d6sterreich war bis 1918 ein Riesenreich, das sich von Vorarlberg und Tirol im S\u00fcdwesten bis nach Galizien, einem Gebiet im heutigen Polen und der Ukraine im Osten erstreckte. Um die unruhige S\u00fcdgrenze zum neuen Nachbarn, dem K\u00f6nigreich Italien zu verst\u00e4rken, bedurfte es der Brennerbahn. Auch im Ersten Weltkrieg waren Tiroler Soldaten in den ersten Kriegsjahren bis zur Kriegserkl\u00e4rung Italiens an \u00d6sterreich in Galizien im Einsatz. Als es zur \u00d6ffnung der Frontlinie in S\u00fcdtirol kam, war die Bahn wichtig, um Truppen schnell vom Osten des Reiches an die S\u00fcdfront bewegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>An Carl von Etzel, der die Er\u00f6ffnung der Brennerbahn nicht mehr erlebte, erinnert heute die Ing.-Etzel-Stra\u00dfe im Saggen entlang der Bahnviadukte. An Josef Riehl erinnert die Dr. -Ing.-Riehl-Stra\u00dfe in Wilten in der N\u00e4he des Westbahnhofs. Auch Achilles Thommen ist eine Stra\u00dfe gewidmet. Als Spazierg\u00e4nger oder Radfahrer kann man die Karwendelbr\u00fccke in der H\u00f6ttinger Au einen Stock unter der Karwendelbahn \u00fcberqueren und das Stahlfachwerk bewundern. Einen guten Eindruck vom Goldenen Zeitalter der Eisenbahn erh\u00e4lt man bei einem Besuch des \u00d6BB-Verwaltungsgeb\u00e4udes im Saggen oder beim denkmalgesch\u00fctzten Westbahnhof in Wilten. In den Viaduktb\u00f6gen im Saggen kann man in einer der vielen Kneipen \u00fcberdacht von der Geschichte das Nachtleben Innsbrucks genie\u00dfen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62113&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren begann sich Innsbruck von den Krisen- und Kriegsjahren der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu erholen. Am 15. Mai 1955 deklarierte Bundeskanzler Leopold Figl mit den ber\u00fchmten Worten \u201e<em>\u00d6sterreich ist frei<\/em>\u201c und der Unterzeichnung des Staatsvertrages offiziell die politische Wende. In vielen Haushalten etablierte sich in den Jahren, die als <em>Wirtschaftswunder<\/em> in die Geschichte eingingen, moderater Wohlstand. Zwischen 1953 und 1962 erlaubte ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von \u00fcber 6% es einem immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Bev\u00f6lkerung von lange Zeit exotischen Dingen wie K\u00fchlschr\u00e4nken, einem eigenen Badezimmer oder gar einem Urlaub im S\u00fcden zu tr\u00e4umen. Diese Zeit brachte nicht nur materielle, sondern auch gesellschaftliche Ver\u00e4nderung mit sich. Die W\u00fcnsche der Menschen wurden mit dem steigenden Wohlstand und dem Lifestyle, der in Werbung und Medien transportiert wurde, ausgefallener. Das Ph\u00e4nomen einer neuen Jugendkultur begann sich zart inmitten der grauen Gesellschaft im kleinen \u00d6sterreich der Nachkriegszeit breit zu machen. Die Begriffe <em>Teenager<\/em> und Schl\u00fcsselkind hielten in den 1950er Jahren im Sprachgebrauch der \u00d6sterreicher Einzug. \u00dcber Filme kam die gro\u00dfe Welt nach Innsbruck. Kinovorf\u00fchrungen und Lichtspieltheater gab es zwar schon um die Jahrhundertwende in Innsbruck, in der Nachkriegszeit passte sich das Programm aber erstmals an ein jugendliches Publikum an. Ein Fernsehger\u00e4t hatte kaum jemand im Wohnzimmer und das Programm war mager. Die zahlreichen Kinos warben mit skandaltr\u00e4chtigen Filmen um die Gunst des Publikums. Ab 1956 erschien die Zeitschrift <em>BRAVO<\/em>. Zum ersten Mal gab es ein Medium, das sich an den Interessen Jugendlicher orientierte. Auf der ersten Ausgabe war Marylin Monroe zu sehen, darunter die Frage: \u201e<em>Haben auch Marylins Kurven geheiratet<\/em>?\u201c Die gro\u00dfen Stars der ersten Jahre waren James Dean und Peter Kraus, bevor in den 60er Jahren die Beatles \u00fcbernahmen. Nach dem <em>Summer of Love<\/em> kl\u00e4rte Dr. Sommer \u00fcber Liebe und Sex auf. Die allm\u00e4chtige Deutungshoheit der Kirche \u00fcber das moralische Verhalten Pubertierender begann zu br\u00f6ckeln, wenn auch nur langsam. Die erste Foto-Love-Story mit nacktem Busen folgte erst 1982. Bis in die 1970er Jahre beschr\u00e4nkten sich die M\u00f6glichkeiten heranwachsender Innsbrucker Gro\u00dfteils auf Wirtshausstuben, Sch\u00fctzenverein und Blasmusik. Erst nach und nach er\u00f6ffneten Bars, Discos, Nachtlokale, Kneipen und Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten. Veranstaltungen wie der <em>5 Uhr Tanztee<\/em> im Sporthotel Igls lockten paarungswillige junge Menschen an. Das <em>Cafe Central<\/em> wurde zur \u201e<em>zweiten Heimat langhaariger Jugendlicher<\/em>\u201c, wie die Tiroler Tageszeitung 1972 entsetzt feststellte. Etablissements wie der <em>Falknerkeller<\/em> in der Gilmstra\u00dfe, der <em>Uptown Jazzsalon<\/em> in H\u00f6tting, der Jazzclub in der Hofgasse, der <em>Clima Club<\/em> im Saggen, der <em>Scotch Club<\/em> in der Angerzellgasse und die <em>Tangente<\/em> in der Bruneckerstra\u00dfe hatten mit der traditionellen Tiroler Bier- und Weinstube nichts gemeinsam. Die Auftritte der Rolling Stones und Deep Purples in der Olympiahalle 1973 waren der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt des Innsbrucker Fr\u00fchlingserwachens. Innsbruck wurde damit zwar nicht zu London oder San Francisco, zumindest einen Hauch Rock\u00b4n\u00b4Roll hatte man aber eingeatmet. Das, was als 68er Bewegung im kulturellen Ged\u00e4chtnis bis heute verankert ist, fand im <em>Heiligen Land<\/em> kaum statt. Weder Arbeiter noch Studenten gingen in Scharen auf die Barrikaden. Der Historiker Fritz Keller bezeichnete die 68er Bewegung \u00d6sterreichs als \u201e<em>Mail\u00fcfterl<\/em>\u201c. Trotzdem war die Gesellschaft still und heimlich im Wandel. Ein Blick in die Jahreshitparaden gibt einen Hinweis darauf. Waren es 1964 noch Kaplan Alfred Flury und Freddy mit \u201e<em>Lass die kleinen Dinge<\/em>\u201c und \u201e<em>Gib mir dein Wort<\/em>\u201c sowie die Beatles mit ihrer deutschen Version von \u201e<em>Komm, gib mir deine Hand<\/em> die die Top 10 dominierten, \u00e4nderte sich der Musikgeschmack in den Jahren bis in die 1970er. Zwar fanden sich auch dann immer noch Peter Alexander und Mireille Mathieu in den Charts. Ab 1967 waren es aber internationale Bands mit fremdsprachigen Texten wie <em>The Rolling Stones, Tom Jones, The Monkees<\/em>, Scott McKenzie, Adriano Celentano oder Simon und Garfunkel, die mit teils gesellschaftskritischen Texten die Top Positionen in gro\u00dfer Dichte einnahmen.<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderung rief eine Gegenreaktion hervor. Die Speerspitze der konservativen Konterrevolution war der Innsbrucker Bischof Paulus Rusch. Zigaretten, Alkohol, allzu freiz\u00fcgige Mode, Auslandsurlaube, arbeitende Frauen, Nachtlokale, vorehelicher Geschlechtsverkehr, die 40-Stundenwoche, sonnt\u00e4gliche Sportveranstaltungen, Tanzabende, gemischte Geschlechter in Schule und Freizeit \u2013 das alles war dem strengen Kirchenmann und Anh\u00e4nger des Herz-Jesu-Kultes streng zuwider. Peter Paul Rusch war 1903 in M\u00fcnchen zur Welt gekommen und in Vorarlberg als j\u00fcngstes von drei Kindern in einem gutb\u00fcrgerlichen Haushalt aufgewachsen. Beide Elternteile und seine \u00e4ltere Schwester starben an Tuberkulose, bevor er die Vollj\u00e4hrigkeit erreicht hatte. Rusch musste im jugendlichen Alter von 17 in der kargen Nachkriegszeit fr\u00fch f\u00fcr sich selbst sorgen. Die Inflation hatte das v\u00e4terliche Erbe, das ihm ein Studium h\u00e4tte finanzieren k\u00f6nnen, im Nu aufgefressen. Rusch arbeitete sechs Jahre lange bei der <em>Bank f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>, um sich sein Theologiestudium finanzieren zu k\u00f6nnen. 1927 trat er ins Collegium Canisianum ein, sechs Jahre sp\u00e4ter wurde er zum Priester des Jesuitenordens geweiht. Seine steile Karriere f\u00fchrte den intelligenten jungen Mann als Kaplan zuerst nach Lech und Hohenems und als Leiter des Teilpriesterseminars zur\u00fcck nach Innsbruck. 1938 wurde er Titularbischof von Lykopolis und Apostolischer Administrator f\u00fcr Tirol und Vorarlberg. Als j\u00fcngster Bischof Europas musste er die Schikanen der nationalsozialistischen Machthaber gegen\u00fcber der Kirche \u00fcberstehen. Obwohl seine kritische Einstellung zum Nationalsozialismus bekannt war, wurde Rusch selbst nie inhaftiert. Zu gro\u00df war die Furcht der Machthaber davor, aus dem beliebten jungen Bischof einen M\u00e4rtyrer zu machen.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg stand der sozial und politisch engagierte Bischof an vorderster Front beim Wiederaufbau. Die Kirche sollte wieder mehr Einfluss auf den Alltag der Menschen nehmen. Sein Vater hatte sich vom Zimmermann zum Architekten hochgearbeitet und ihm wohl ein Faible f\u00fcr das Bauwesen mitgegeben. Dazu kamen seine eigenen Erfahrungen bei der BTV. Dank seiner Ausbildung als B\u00e4nker erkannte Rusch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Kirche sich als Helfer in der Not zu engagieren und zu profilieren. Nicht nur die im Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Kirchen wurden wiederaufgebaut. Die <em>Katholische Jugend<\/em> engagierte sich unter Ruschs F\u00fchrung unentgeltlich bei der Errichtung der <em>Heiligjahrsiedlung<\/em> in der H\u00f6ttinger Au. Die Di\u00f6zese kaufte daf\u00fcr einen Baugrund vom Ursulinenorden. Die Kredite f\u00fcr die Siedler wurden zinsfrei von der Kirche vorgestreckt.\u00a0 Sein rustikales Voranschreiten in der Wohnungsfrage sollte ihm Jahrzehnte sp\u00e4ter den Titel \u201e<em>Roter Bischof\u201c<\/em> bescheren. In den bescheidenen H\u00e4uschen mit Selbstversorgergarten ganz nach der Vorstellung des dogmatischen und gen\u00fcgsamen \u201eArbeiterbischofs\u201c fanden 41 bevorzugt kinderreiche Familien eine neue Heimat.<\/p>\n<p>Durch die Linderung der Wohnungsnot sollten die gr\u00f6\u00dften Bedrohungen im <em>Kalten Krieg<\/em>, Kommunismus und Sozialismus, von seiner Gemeinde fernhalten. Der vom Kommunismus vorgeschriebene Atheismus wie auch der konsumorientierte Kapitalismus, der nach dem Krieg aus den USA schwappend in Westeuropa Einzug gehalten hatte, waren ihm ein Gr\u00e4uel. 1953 erschien Ruschs Buch \u201e<em>Junger Arbeiter, wohin?\u201c.<\/em> Was nach revolution\u00e4rer, linker Lekt\u00fcre aus dem Kreml klingt, zeigte die Grunds\u00e4tze der Christlichen Soziallehre, die sowohl Kapitalismus wie auch Sozialismus gei\u00dfelte. Familien sollten bescheiden leben, um mit den moderaten finanziellen Mitteln eines alleinerziehenden Vaters in christlicher Harmonie zu leben. Unternehmer, Angestellte und Arbeiter sollten eine friedliche Einheit bilden. Kooperation statt Klassenkampf, die Basis der heutigen Sozialpartnerschaft. Jedem sein Platz in christlichem Sinne, eine Art modernes Feudalsystem, das bereits im St\u00e4ndestaat Dollfu\u00df\u00b4 zur Anwendung geplant war. Seine politischen Ansichten teilte er mit Landeshauptmann Eduard Walln\u00f6fer und B\u00fcrgermeister Alois Lugger, die gemeinsam mit dem Bischof die <em>Heilige Dreifaltigkeit<\/em> des konservativen Tirols der Zeit des Wirtschaftswunders bildeten. Dazu kombinierte Rusch einen latenten, in Tirol auch nach 1945 weit verbreiteten katholischen Antisemitismus, der dank Verirrungen wie der Verehrung des <em>Anderle von Rinn <\/em>lange als Tradition halten konnte.<\/p>\n<p>Ein besonderes Anliegen war dem streitbaren Jesuiten Erziehung und Bildung. Die gesellschaftliche Formung quer durch alle Klassen durch die Soldaten Christi konnte in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Der Jesuitenpater und vormalige Gef\u00e4ngnisseelsorger Alois Mathiowitz (1853 \u2013 1922) gr\u00fcndete 1909 in Pradl den <em>Peter-Mayr-Bund<\/em>. Sein Ansatz war es, Jugendliche \u00fcber Freizeitgestaltung und Sport und Erwachsene aus dem Arbeitermilieu durch Vortr\u00e4ge und Volksbildung auf den rechten Weg zu bringen. Das unter seiner \u00c4gide errichtete Arbeiterjugendheim in der Reichenauerstra\u00dfe dient bis heute als Jugendzentrum und Kindergarten. Auch Rusch hatte Erfahrung mit Jugendlichen. 1936 war er in Vorarlberg zum Landesfeldmeister der Pfadfinder gew\u00e4hlt worden. Trotz eines Sprachfehlers war er ein charismatischer Typ, und bei seinen jungen Kollegen und Jugendlichen \u00fcberaus beliebt. Nur eine fundierte Erziehung unter den Fittichen der Kirche nach christlichem Modell konnte seiner Meinung nach das Seelenheil der Jugend retten. Um jungen Menschen eine Perspektive zu geben und sie in geordnete Bahnen mit Heim und Familie zu lenken, wurde das <em>Jugendbausparen<\/em> gest\u00e4rkt. In den Pfarren wurden Kinderg\u00e4rten, Jugendheime und Bildungseinrichtungen wie das <em>Haus der Begegnung<\/em> am Rennweg errichtet, um von Anfang an die Erziehung in kirchlicher Hand zu haben. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil des sozialen Lebens der Stadtjugend spielte sich nicht in verruchten Spelunken ab. Den meisten Jugendlichen fehlte schlicht und ergreifend das Geld, um regelm\u00e4\u00dfig in Lokalen zu verkehren. Viele fanden ihren Platz in den halbwegs geordneten Bahnen der katholischen Jugendorganisationen. Neben dem ultrakonservativen Bischof Rusch wuchs eine Generation liberaler Kleriker heran, die sich in die Jugendarbeit einbrachten. In den 1960er und 70er Jahren agierten in Innsbruck zwei kirchliche Jugendbewegungen mit gro\u00dfem Einfluss. Verantwortlich daf\u00fcr waren Sigmund Kripp und Meinrad Schumacher, die mit neuen Ans\u00e4tzen in der P\u00e4dagogik und einem offeneren Umgang mit heiklen Themen wie Sexualit\u00e4t und Rauschmitteln Teenager und junge Erwachsene f\u00fcr sich gewinnen konnten. F\u00fcr die Erziehung der Eliten im Sinne des Jesuitenordens sorgte in Innsbruck seit 1578 die <em>Marianische Kongregation<\/em>. Diese Jugendorganisation, bis heute als MK bekannt, nahm sich den Gymnasialsch\u00fclern an. Die MK war streng hierarchisch strukturiert, um den jungen <em>Soldaten Christi<\/em> von Anfang an Gehorsam beizubringen. 1959 \u00fcbernahm Pater Sigmund Kripp die Leitung der Organisation. Die Jugendlichen errichteten unter seiner F\u00fchrung mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch Kirche, Staat, Eltern und mit viel Eigenleistung Projekte wie die <em>Mittergrath\u00fctte<\/em> samt eigener Materialseilbahn im K\u00fchtai und das legend\u00e4re Jugendheim <em>Kennedyhaus<\/em> in der Sillgasse. Bei der Grundsteinlegung dieses Jugendzentrums, das mit knapp 1500 Mitgliedern zum gr\u00f6\u00dften seiner Art in Europa werden sollte, waren Bundeskanzler Klaus und Mitglieder der amerikanischen Botschaft anwesend, war der Bau doch dem ersten katholischen, erst k\u00fcrzlich ermordeten Pr\u00e4sidenten der USA gewidmet.<\/p>\n<p>Die andere kirchliche Jugendorganisation Innsbrucks war das Z6. Stadtjugendseelsorger Kaplan Meinrad Schumacher k\u00fcmmerte sich im Rahmen der <em>Aktion 4-5-6<\/em> um alle Jugendlichen, die in der MK oder der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft<\/em> keinen Platz hatten. Arbeiterkinder und Lehrlinge trafen sich in verschiedenen Jugendheimen wie Pradl oder der Reichenau, bevor 1971 das neue, ebenfalls von den Mitgliedern selbst errichtete Zentrum in der namensgebenden Zollerstra\u00dfe 6 er\u00f6ffnet wurde. Die Leitung \u00fcbernahm Josef Windischer. Das Z6 hatte schon mehr mit dem zu tun, was auf der Leinwand von Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Motorr\u00e4dern in <em>Easy Rider<\/em> vorgezeigt wurde. Hier ging es rauer zu als in der MK. Rockerbanden wie die Santanas, Kleinkriminelle und Drogenabh\u00e4ngige verbrachten ihre Freizeit ebenfalls im Z6. W\u00e4hrend Schumacher mit den \u201ebraven\u201c Jugendlichen oben sein Programm abspulte, bev\u00f6lkerte Windischer mit den <em>Outsiders<\/em> das Untergescho\u00df, um auch den verirrten Sch\u00e4fchen so gut als m\u00f6glich beizustehen.<\/p>\n<p>Ende der 1960er Jahre beschlossen sowohl die MK wie auch das Z6 sich auch f\u00fcr Nichtmitglieder zu \u00f6ffnen. M\u00e4dchen und Bubengruppen wurden teilweise zusammengelegt und auch Nicht-Mitglieder wurden eingelassen. Die beiden Jugendzentren hatten zwar unterschiedliche Zielgruppen, das Konzept aber war gleich. Theologisches Wissen und christliche Moral wurden in spielerischem, altersgerechtem Umfeld vermittelt. Sektionen wie Schach, Fu\u00dfball, Hockey, Basketball, Musik, Kinofilme und ein Partykeller holten die Bed\u00fcrfnisse der Jugendlichen nach Spiel, Sport und der Enttabuisierung der ersten sexuellen Erfahrungen ab. Die Jugendzentren boten einen Raum, in dem sich Jugendliche beider Geschlechter begegnen konnten. Besonders die MK blieb aber eine Institution, die nichts mit dem wilden Leben der 68er, wie es in Filmen gerne transportiert wird, zu tun hatte. So fanden zum Beispiel Tanzkurse nicht im Advent, Fasching oder an Samstagen statt, f\u00fcr unter 17j\u00e4hrige waren sie \u00fcberhaupt verbotene Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Trotzdem gingen die Jugendzentren zu weit f\u00fcr Bischof Rusch. Die kritischen Beitr\u00e4ge in der MK-Zeitung <em>Wir diskutieren<\/em>, die immerhin eine Auflage von \u00fcber 2000 St\u00fcck erreichte, fanden immer seltener sein Gefallen. Solidarit\u00e4t mit Vietnam war das eine, aber Kritik an Sch\u00fctzen und Bundesheer konnten nicht geduldet werden. Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Bischof und Jugendzentrum kam es 1973 zum Showdown. Als Pater Kripp sein Buch <em>Abschied von morgen<\/em> ver\u00f6ffentlichte, in dem er von seinem p\u00e4dagogischen Konzept und der Arbeit in der MK berichtete, kam es zu einem nicht \u00f6ffentlichen Verfahren innerhalb der Di\u00f6zese und des Jesuitenordens gegen den Leiter des Jugendzentrums. Trotz massiver Proteste von Eltern und Mitgliedern wurde Kripp entfernt. Weder die innerkirchliche Intervention durch den bedeutenden Theologen Karl Rahner noch eine vom K\u00fcnstler Paul Flora ins Leben gerufene Unterschriftenaktion oder regionale und \u00fcberregionale Emp\u00f6rung in der Presse konnte den allzu liberalen Pater vor dem Zorn Ruschs retten, der sich f\u00fcr die Amtsenthebung sogar den p\u00e4pstlichen Segen aus Rom zusichern lie\u00df.<\/p>\n<p>Im Juli 1974 war es vor\u00fcbergehend auch mit dem Z6 vorbei. Artikel \u00fcber die Antibaby-Pille und Kritik der Z6-Zeitung an der katholischen Kirche waren zu viel f\u00fcr den strengen Bischof. Rusch lie\u00df kurzerhand die Schl\u00fcssel des Jugendzentrums austauschen, eine Methode, die er auch bei der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft <\/em>angewendet hatte, als diese sich zu nahe an eine linke Aktionsgruppe ann\u00e4herte. Die Tiroler Tageszeitung vermerkte am 1. August 1974 in einem kleinen Artikel dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eIn den letzten Wochen war es zwischen den Erziehern und dem Bischof zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen \u00fcber Grundsatzprobleme gekommen. Nach den Worten des Bischofs h\u00e4tten die im \u201eZ 6\u201c vertretenen Auffassungen \u201emit der kirchlichen Lehre nicht mehr \u00fcbereingestimmt\u201c. So seien den Jugendlichen von der Leitung des Zentrums absolute Gewissensfreiheit ohne gleichzeitige Anerkennung objektiver Normen zugebilligt und auch geschlechtliche Beziehungen vor der Ehe erlaubt worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sein Festhalten an konservativen Werten und seine Sturheit waren es, die Ruschs Ansehen in seinen letzten 20 Lebensjahren besch\u00e4digten. Als er 1964 zum ersten Bischof der neu gegr\u00fcndeten Di\u00f6zese Innsbruck geweiht wurde, \u00e4nderten sich die Zeiten. Der progressive mit praktischer Lebenserfahrung von einst wurde vom modernen Leben einer neuen Generation und den Bed\u00fcrfnissen der sich etablierenden Konsumgesellschaft \u00fcberholt. Die st\u00e4ndige Kritik des Bischofs am Lebensstil seiner Sch\u00e4fchen und das sture Festhalten an seinen allzu konservativen Werten gepaart mit teils skurrilen Aussagen machten aus dem Mitbegr\u00fcnder der Entwicklungshilfe <em>Bruder in Not<\/em>, dem jungen, anpackenden Bischof des Wiederaufbaus, ab den sp\u00e4ten 1960er Jahren einen Grund f\u00fcr den Kirchenaustritt. Sein Konzept von Umkehr und Bu\u00dfe trieb skurrile Bl\u00fcten. So forderte er von den Tirolern Schuld und S\u00fchne f\u00fcr ihre Verfehlungen w\u00e4hrend der NS-Zeit, bezeichnete aber gleichzeitig die Entnazifizierungsgesetze als zu weitgreifend und streng. Auf die neuen sexuellen Gepflogenheiten und die Abtreibungsgesetze unter Bundeskanzler Kreisky erwiderte er, dass M\u00e4dchen und junge Frauen, die verfr\u00fcht geschlechtlichen Umgang haben, bis zu zw\u00f6lfmal h\u00e4ufiger von Krebserkrankungen der Mutterorgane betroffen seien. Hamburg bezeichnete Rusch als S\u00fcndenbabel und er vermutete, dass die schlichten Gem\u00fcter der Tiroler Bev\u00f6lkerung Ph\u00e4nomenen wie Tourismus und Nachtlokalen nicht gewachsen seien und sie zu unmoralischem Verhalten verf\u00fchrten. Er f\u00fcrchtete, dass Technologie und Fortschritt den Menschen allzu unabh\u00e4ngig von Gott machen. Er war streng gegen die neue Sitte des Doppelverdienstes. Der Mensch sollte mit einem spirituellen Einfamilienhaus mit Gem\u00fcsegarten zufrieden sein und nicht nach mehr streben, Frauen sollten sich auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>1973 wurde Bischof Rusch nach 35 Jahren an der Spitze der Kirchengemeinde Tirols und Innsbrucks zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt. 1981 trat er von seinem Amt zur\u00fcck. 1986 fand Innsbrucks erster Bischof seine letzte Ruhe im Dom St. Jakob. Das <em>Bischof-Paulus-Studentenheim<\/em> bei der unter ihm errichteten Kirche Petrus Canisius in der H\u00f6ttinger Au erinnert an ihn.<\/p>\n<p>Das Jugendzentrum Z6 \u00fcbersiedelte nach seiner Schlie\u00dfung 1974 in die Andreas-Hofer-Stra\u00dfe 11, bevor es seine bis heute bestehende Heimst\u00e4tte in der Dreiheiligenstra\u00dfe fand, mitten im Arbeiterviertel der Fr\u00fchen Neuzeit gegen\u00fcber der Pestkirche. Jussuf Windischer blieb nach seiner Mitarbeit in Sozialprojekten in Brasilien in Innsbruck. Der Vater von vier Kindern arbeitete weiterhin mit sozialen Randgruppen, war Dozent an der Sozialakademie, Gef\u00e4ngnisseelsorger und Leiter des Caritas Integrationshauses in Innsbruck.<\/p>\n<p>Auch die MK besteht bis heute, auch wenn es das Kennedyhaus, das direkt nach dem Abschied Kripps von den Mitgliedern in <em>Sigmund-Kripp-Haus<\/em> umbenannt wurde, nicht mehr gibt. Kripp wurde 2005 von seinem ehemaligen Sodalen und sp\u00e4teren Vizeb\u00fcrgermeister wie vor ihm Bischof Rusch zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die guten und die schlechten Innsbrucker&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Essay Bogen B\u00f6genmeile f\u00fcr Bogengazzette&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die B\u00f6gen, das ist in Innsbruck da, wo die guten Innsbrucker nicht hingehen. Au\u00dfer sie sind angesoffen, weil sie mit den weniger guten Innsbruckern davor irgendwo anders waren, wo die weniger guten sie zum Alkohol \u00fcberredet haben, den die guten ja gar nicht trinken wollten, wie sie ihrem Lebensabschnittspartner, Gatten, Erziehungsberechtigten oder Unterhaltspflichtigen beim Heimkommen am n\u00e4chsten Tag, reum\u00fctig f\u00fcr die Schw\u00e4che und aufgebracht \u00fcber das erlittene Unheil durch die weniger guten Innsbrucker, erz\u00e4hlen werden. Aber Wurscht, die guten Innsbrucker gehen da nicht hin, weil in den B\u00f6gen trifft sich alles, was sich sonst nirgends trifft: M\u00e4nner mit Hemd, Frauen mit Kleid, Frauen mit Hosen, M\u00e4nner mit Kilt, M\u00e4nner mit langen Haaren, Frauen mit gef\u00e4rbten Haaren, Rocker, Hackler, Studenten, Jungbauern, Sportler, Musiker, Punks \u2013 kurzum, damit wir da fertig werden \u2013 alles. Zum Angst bekommen ist das. Und da wird nicht nur getrunken, da wird auch gedealt, hergeschlagen und mit dem Messer abgestochen. Ich habe es zwar nicht gesehen wie da hergeschlagen wird, zumindest nicht mehr als in anderen Lokalen, wo angesoffene Leute zusammenkommen, abgestochen sowieso nicht, aber es steht in der Zeitung und damit wird es wohl so sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal, fr\u00fcher war es \u00f6fter, weil ich bin ja schon alt, wenn ich mit so einem guten Innsbrucker in Bierlaune zu sprechen komme, und das Gespr\u00e4ch geht irgendwann im Lauf des Abends Richtung B\u00f6gen und wie schlimm die sind, dann erkl\u00e4re ich gern, dass die B\u00f6gen, wenn man der Theorie von Einstein mit der Raumzeit folgt, die ich zwar nicht verstehe, aber trotzdem gerne anbringe, um den guten Innsbruckern, die sie ebenfalls nicht verstehen, zu imponieren, weder gut noch schlecht, sondern maximal relativ sind. Das versteht dann niemand und ich muss es erkl\u00e4ren. Die B\u00f6gen sind n\u00e4mlich relativ, weil sie weder zeitlich noch r\u00e4umlich einen Anfang oder ein Ende haben, und zwar im Kleinen nicht und im Gro\u00dfen auch nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im kleinen Zeitlichen nicht, weil die B\u00f6gen ja nie so richtig zusperren. Wenn die letzte Bar zumacht, dann macht die erste schon wieder auf. Der Brennpunkt verkauft seinen Kaffee an die Hipster n\u00e4mlich mehr in der Fr\u00fch wie am Abend. Und im gro\u00dfen Zeitlichen auch nicht, weil die Sachen, die dort passieren, sich wie in einer endlosen Zeitschleife wiederholen, nur dass alles schlechter wird, nat\u00fcrlich. Weil als ich j\u00fcnger war, da war nat\u00fcrlich alles besser als jetzt wo mein Sohn mit dem Ausgehen anf\u00e4ngt, die Musik sowieso und so teuer war es auch nicht und wir haben uns auch nicht so bl\u00f6d angezogen und nicht so bl\u00f6d miteinander geredet, wie die Jungen heute. Und wenn ich ihm von fr\u00fcher erz\u00e4hle und wie super da alles war, besonders in den B\u00f6gen, dann h\u00f6rt er mir nat\u00fcrlich ehrf\u00fcrchtig zu so wie ich meinem Papa immer zugeh\u00f6rt habe, wenn er mir erz\u00e4hlt hat, wie fr\u00fcher alles besser war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nicht nur die B\u00f6gen sind in dieser Zeitschleife, auch das, was wegen den B\u00f6gen danach passiert \u00e4ndert sich nicht, so alt kann man gar nicht werden. Meine Mama, als ich noch j\u00fcnger gewesen bin und daheim gewohnt habe, also halt bei meinen Eltern, daheim wohnt man ja sowieso, hat sich immer beschwert, wenn ich erst in der Fr\u00fch und angetrunken heimgekommen bin. \u201eWarst du schon wieder in den B\u00f6gen herumsaufen, ha?\u201c. Als ich dann ausgezogen bin und eine Freundin gehabt hab, die \u00fcberhaupt keinen Alkohol getrunken hat und deswegen auch nie in die B\u00f6gen mitgegangen ist, da bin ich dann zwar auch nicht mehr so oft dort gewesen, aber immer, wenn es passiert ist, dann hat sie sich auch beschwert. Jetzt habe ich eine Freundin, die fr\u00fcher auch immer in den B\u00f6gen war und wenn ich jetzt dort hin gehe, dann geht sie mit und wenn man jetzt meint, dass sich dann wohl kaum jemand beschweren kann, dann t\u00e4uscht man sich, weil die Beschwerde ist halt dann deswegen, weil sie wegen mir Kopfweh und einen Kater hat am n\u00e4chsten Tag, weil sie ja mitgehen musste. Es n\u00fctzt also nichts, wenn man erwachsen wird, wenn man in die B\u00f6gen geht, egal ob allein oder nicht, wird man geschimpft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und das R\u00e4umliche, das ist auch relativ, denn die B\u00f6gen haben zwei Anf\u00e4nge und zwei Enden, und man eigentlich nicht sagen, wo sie beginnen und aufh\u00f6ren, weil das ja davon abh\u00e4ngt, wo man reingeht und dann wieder rausgeht wenn man fertig hat. F\u00fcr mich beginnen die B\u00f6gen vorne, also beim Sillpark, wo fr\u00fcher das Viaduktst\u00fcberl war, ein Lokal, das immer dreckige Scheiben mit Unterberg-Reklame gehabt hat und wo es dir hat passieren k\u00f6nnen, dass sich jemand schon ganz fr\u00fch am Abend wild aufgef\u00fchrt hat, weil man da, wo die B\u00f6gen anfangen auch fr\u00fch schon mit dem Alkoholtrinken angefangen hat. Jetzt ist in diesem Bogen \u00fcbrigens ein Essenslokal, wo Familien reingehen sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr jemand anderen beginnen die B\u00f6gen sicher hinten beim <em>Sillzwickl<\/em> wo der Outsider Motorcycle Club sein Vereinslokal hat, obwohl ich das komisch finde, aber diese falsche Meinung muss man als weltoffener Mensch respektieren. Ich war da einmal bei einer 150er Geburtstagsfeier. Wie ich 30 geworden bin, habe ich mit vier Freunden, die auch 30 geworden sind, eine Party gemacht. Das war \u00fcbrigens auch komisch, vor allem wie die Freundin von einem von meinen Freunden mit einem der Motorradkellner geschmust hat, das war dann das Ende eben am Ende von den B\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber besser zur\u00fcck zum Anfang. Mit den B\u00f6gen ist es n\u00e4mlich so. Es sind, wenn man den letzten Bogen hinterm Outsider, der eigentlich ein Durchgang ist, mitz\u00e4hlt, 175. Diese 175 B\u00f6gen verteilen sich auf 1,7 Kilometer. Ich wei\u00df das, weil ich es mit meiner Sportuhr extra ausgemessen habe. Zwischen dem <em>Outsider <\/em>und dem n\u00e4chsten Lokal, dem <em>Cafe zum Mo<\/em> im 103er Bogen, sind eigentlich auf den ersten 650 m, oder eben den letzten, wie man es halt sieht, nur Auto- und Mopedwerkst\u00e4tten und das Veloflott f\u00fcr Fahrr\u00e4der, also Mobilit\u00e4t, und mich interessiert halt mehr das Alkoholische an den B\u00f6gen. Und da ist der interessante Teil der erste, denn auf diesem Kilometer sind die Bars und Gasth\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die erste ist das Little Rock, das ein bisschen ausschaut wie ein Saloon und wo wir fr\u00fcher, wo alles besser war, immer gesagt haben, dass wir da nicht reingehen, weil es eh ganz \u00e4hnlich ist wie das Down Under, nur dass das Down Under viel cooler ist. Bl\u00f6d halt, dass es das Down Under nicht mehr gibt. Wo ich da vor der T\u00fcr gestanden bin und gemerkt hab, dass das zugesperrt hat, das war so wie f\u00fcr einen Katholiken, wenn der Papst stirbt, und der Katholik merkt es nicht und wie er dann irgendwann in Rom steht hei\u00dft es: \u201eDer Papst ist gestorben.\u201c So habe ich da wohl auch ausgeschaut in dem Moment wo ich das erfahren habe, mit einem ganz verwunderten und traurigen Gesicht, weil im Down Under habe ich schon viel Bier oben bei den Tischen und an der Bar getrunken. Und wenn es so einen Ort wie das Down Under nicht mehr gibt, merkt man \u2013 Holla, ich bin auch nicht mehr jung. Das ist wie wenn dein Kindergarten abgerissen wird und es schon so lange her ist, dass du da drinnen warst, dass du dich gar nicht mehr daran erinnern kannst. Unterschied zwischen dem Down Under und dem Kindergarten, dass es im Kindergarten keinen Tequila gegeben hat. Und die Musik war dort auch immer gut, also im Down Under, nicht im Kindergarten. Genau so laut n\u00e4mlich, dass man sich noch unterhalten hat k\u00f6nnen. Deswegen ist man immer eher ins Down Under, wo man noch hat reden k\u00f6nnen und noch nicht ganz betrunken war, und erst sp\u00e4ter ins PMK, wo immer Konzerte sind und die Musik lauter ist. Au\u00dferdem waren im Down Under die Leute immer gem\u00fctlicher als im PMK, da waren immer alle gestresst.\u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man jetzt meint, das PMK war das Gegenteil vom Down Under, dann ist das falsch. Das Gegenteil vom PMK ist n\u00e4mlich wieder auf der anderen Seite der B\u00f6gen, wo jetzt die neue Bahnstation ist. Die B\u00f6gen haben n\u00e4mlich, wie es sich geh\u00f6rt, einen eigenen Bahnhof. Das Gegenteil vom PMK mit den ganzen Alternativen und Linken ist n\u00e4mlich sowohl geographisch wie auch ideell das <em>Andreasst\u00fcberl<\/em>, wo der Wirt, der Ander, wie ein H\u00e4uptling seinen Indianern, von denen die meisten schon zu viele Sommer und Winter in den B\u00f6gen verbracht haben, zu Schlagermusik Bier und Ramazzotti ausschenkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Neben dem Andreasst\u00fcberl ist das Shakespeare\u00b4s, da kann es dir auch passieren, dass du Schlagermusik h\u00f6rst, weil dort oft Karaoke gesungen wird und wenn der DJ gut aufgelegt ist, dann singt der vielleicht auch einen Schlager, obwohl er selber eher Metal-Fan ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man dann alles zusammennimmt zwischen dem Little Rock und dem Cafe zum Mo, dann ist zwar alles relativ, wie es der Einstein sagt, aber ein Zentrum gibt es trotzdem. Weil da kann man noch so sehr Physiker sein, in der echten Welt, die sowohl der gute wie auch der weniger gute Innsbrucker begreifen, da braucht es ein Zentrum. Und in den B\u00f6gen, da ist dieses Zentrum das Plateau. Nat\u00fcrlich ist auch das Plateau wie alles schlechter geworden, weil da ja nix mehr los ist, was nat\u00fcrlich daran liegen kann, dass ich es nicht mehr bis Drei Uhr aushalte, davor war da ja da nie was los, aber ich denke schon, dass es fr\u00fcher besser war. Eigentlich ist es ja auch egal, weil das Plateau, das ist wirklich die Definition von Raumzeit, zumindest soweit ich es verstehe. Wie sonst soll es sein, dass es da keine Zeit gibt, der kleine Raum immer viel gr\u00f6\u00dfer ausschaut und einem auch alles relativ Wurscht ist, wenn man da drinnen ist. Man geht zum Beispiel irgendwann nach Mitternacht rein und um Halb wieder raus. Halb ist die Zeit, wo es drau\u00dfen schon hell ist und die V\u00f6gel zwitschern und die guten Innsbrucker, die nicht in der Raumzeit gefangen waren, zur Arbeit gehen und im Plateau ist es immer noch dunkel, weil da ist es ja erst kurz nach Mitternacht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich jung war, da habe ich Geld gebraucht und deswegen sogar zwei Wochen lang in den Weihnachtsferien im Plateau die Abrechnung gemacht und den Boden geschrubbt und die Klos geputzt. Wie ich also in der Fr\u00fch reingehe, da sitzen noch die Kellner drinnen und trinken und rauchen und ich war n\u00fcchtern und wollte putzen, aber das ging nicht, weil in der Raumzeit im Plateau, da haben die Betrunkenen Vorrang. Vor der T\u00fcr kann es ruhig schon da sein, aber in diesem kleinen Raum, da ist es immer Halb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wenn die guten Innsbrucker immer auf das Plateau und das Andreasst\u00fcberl und das PMK und die anderen B\u00f6gen schimpfen, dann muss ich sagen, dass ich es toll finde, dass wir in der Stadt etwas haben, wo sich alle treffen und alle gleich sind und sogar der Raum und die Zeit nicht mehr ganz so exakt sind und es auch einmal OK ist, wenn es Halb wird. So!<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ing.-Etzel-Stra\u00dfe<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":59265,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[148,109,26],"tags":[],"class_list":["post-67064","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-der-rote-bischof-und-innsbrucks-sittenverfall","category-die-eisenbahn-als-entwicklungshelfer-innsbrucks","category-saggen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67064"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67064\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}