{"id":67351,"date":"2025-10-14T11:35:38","date_gmt":"2025-10-14T11:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=67351"},"modified":"2026-02-27T08:50:31","modified_gmt":"2026-02-27T08:50:31","slug":"schutzengelkirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/schutzengelkirche\/","title":{"rendered":"Guardian Angel Church"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Schutzengelkirche<\/h2>\n<p>Gumppstra\u00dfe 67<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;67268,65563,67380,67400,67406,67405,67404,67403,67401,67399&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Schutzengelkirche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67354&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Schutzengelkirche&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67355&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Zwischen 1939 und 1942 entstand im Osten Innsbrucks zwischen der Langstra\u00dfe, dem Ro\u00dfsprung und der Kranewitterstra\u00dfe die <em>S\u00fcdtirolersiedlung Pradl<\/em>. Im Blitztempo wurden wie in Wilten, dem Saggen und in der Reichenau die markanten, sich um gro\u00dfz\u00fcgig gestaltete Innenh\u00f6fe gruppierende Wohnbl\u00f6cke errichtet, um deutschsprachige Umsiedler aus S\u00fcdtirol herzlich in der Hauptstadt des Reichsgaus Tirol und Vorarlberg zu empfangen. Bei aller nationalsozialistischen Liebe zu den Details in der Planung der riesigen Wohnanlage fand die christliche Seelsorge keine R\u00fccksichtnahme. Als die katholische Kirche nach 1945 ihr Revival feierte und der sonnt\u00e4gliche Gottesdienst seine R\u00fcckkehr in den gesellschaftlichen Alltag antrat, erwies sich die bestehende Pfarrkirche Pradl als wesentlich zu klein f\u00fcr den aus dem Boden gestampften neuen Stadtteil und seine Bewohner. 1950 teilte der Apostolische Administrator und sp\u00e4tere Bischof Paulus Rusch deshalb die aufgebl\u00e4hte Kirchengemeinde, wobei Neu-Pradl zuerst nur ein Vikariat, und keine eigene Pfarre war. Im selben Jahr begannen die Bauarbeiten am ersten neu errichteten Gotteshaus der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Architekt Karl Friedrich Albert plante die <em>Pfarrkirche zu den heiligen Schutzengeln<\/em> in einer Art modernem neoromanischen Stil. Der Eingangsbereich besteht aus drei B\u00f6gen, die von einem Rundfenster gekr\u00f6nt werden. Runde Formen charakterisieren auch den st\u00e4mmigen Kirchturm. Der Bau lehnt sich damit in seiner Grundform an einen traditionellen, bewusst unauff\u00e4lligen Ansatz an, anstatt einen Neuaufbruch zu demonstrieren. Nach den Schrecken des Krieges war Harmonie das Gebot der Stunde. Das karge \u00c4u\u00dfere spiegelt auch die wirtschaftlich schwierige Situation der ersten Nachkriegsjahre wider. Damit unterscheidet sich die Schutzengelkirche von sp\u00e4teren, wesentlich moderneren und gewagteren Entw\u00fcrfen wie St. Norbert in Pradl S\u00fcd, der Pfarrkirche zur Heiligen Familie am Friedhof Wilten West oder gar Horst Parsons Kirche Petrus Canisius in der H\u00f6ttinger Au.<\/p>\n<p>Die Kirchweihe fand 1952 noch vor der endg\u00fcltigen Fertigstellung statt. Das markante Relief an der Fassade kam erst 1956 hinzu. Auch hier entschied man sich f\u00fcr einen traditionellen und biederen Entwurf. Der Skandal um die Bilder Max Weilers bei der Innenraumgestaltung der Theresienkirche auf der Hungerburg wenige Jahre zuvor steckte den Verantwortlichen noch immer in den Knochen und man entschied sich f\u00fcr einen bew\u00e4hrten, konservativen K\u00fcnstler. Emmerich Kerle, der neben vielen sakralen Werken unter anderem auch die Fassade der Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe und den Adler am Befreiungsdenkmal am Landhausplatz gestaltete, hatte seine Werkst\u00e4tte im Souterrain der Schutzengelkirche. Das Motiv, das er f\u00fcr die Kirche w\u00e4hlte, symbolisiert den Geist der 1950er, der sich bei vielen Werken der Aktion <em>Kunst am Bau<\/em> wiederfindet. Der Schutzengel h\u00e4lt seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber eine brave Familie und das Tiroler Landeswappen. Auf der linken Seite des Innenraumes befindet sich neben dem Eingang ein klassischer Altar zur Marienverehrung. Die kunstvollen Glasfenster zeigen Papst Pius X. (1835 \u2013 1914), flankiert von der Heiligen Theresia und dem Heiligen Franziskus. Pius galt als Verteidiger der Kirche gegen die Moderne. Bei seiner Wahl hatte Kaiser Franz Josef I. ein Veto gegen seinen Gegenkandidaten eingelegt und so die Wahl Pius\u00b4 erm\u00f6glicht. Seine Kirchenpolitik lag auch auf der Wellenl\u00e4nge von Tirols oberstem Kleriker Paulus Rusch, der ihm sp\u00e4ter eine Kirche in der Reichenau widmen sollte. Der Rest des Innenraumes und die Empore weisen beinahe protestantischen Charakter auf. Die massiven Eingangsportale wurden ebenfalls von Kerle angefertigt. Das mittlere zeigt die vier Evangelisten. Das Bibelzitat an der Seitent\u00fcr passt wohl ebenfalls zum Zeitgeist der Nachkriegszeit: \u201e<em>Kommt her zu mir ihr M\u00fcden und Beladenen. Ich will euch Ruhe geben.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Auferstanden aus Ruinen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Auferstanden aus Ruinen die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63476&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach Kriegsende kontrollierten US-Truppen f\u00fcr zwei Monate Tirol. Anschlie\u00dfend \u00fcbernahm die Siegermacht Frankreich die Verwaltung. Den Tirolern blieb die sowjetische Besatzung, die \u00fcber Ost\u00f6sterreich hereinbrach, erspart. Besonders in den ersten drei Nachkriegsjahren war der Hunger der gr\u00f6\u00dfte Feind der Menschen. Der Mai 1945 brachte nicht nur das Kriegsende, sondern auch Schnee. Der Winter 1946\/47 ging als besonders kalt und lang in die Tiroler Klimageschichte ein, der Sommer als besonders hei\u00df und trocken. Es kam zu Ernteausf\u00e4llen von bis zu 50%. Die Versorgungslage war vor allem in der Stadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit katastrophal. Die t\u00e4gliche Nahrungsmittelbeschaffung wurde zur lebensgef\u00e4hrlichen Sorge im Alltag der Innsbrucker. Neben den eigenen B\u00fcrgern mussten auch tausende von <em>Displaced Persons<\/em>, freigekommenen Zwangsarbeitern und Besatzungssoldaten ern\u00e4hrt werden. Um diese Aufgabe zu bew\u00e4ltigen, war die Tiroler Landesregierung auf die Hilfe von au\u00dferhalb angewiesen. Der Vorsitzende der UNRRA <em>(Anm.: United Nations Relief and Rehabilitation Administration<\/em>), die Kriegsgebiete mit dem N\u00f6tigsten versorgte, Fiorello La Guardia z\u00e4hlte \u00d6sterreich \u201e<em>zu jenen V\u00f6lkern der Welt, die dem Hungertod am n\u00e4chsten sind.<\/em>\u201c Milch, Brot, Eier, Zucker, Mehl, Fett \u2013 von allem war zu wenig da. Die franz\u00f6sische Besatzung konnte den Bedarf an ben\u00f6tigten Kilokalorien pro Kopf nicht abdecken, fehlte es doch der eigenen Bev\u00f6lkerung und den Einsatzkr\u00e4ften oft an der Versorgung. Bis 1946 entnahmen sie der Tiroler Wirtschaft sogar G\u00fcter.<\/p>\n<p>Die Lebensmittelversorgung erfolgte schon wenige Wochen nach Kriegsende \u00fcber Lebensmittelkarten. Erwachsene mussten eine Best\u00e4tigung des Arbeitsamtes vorlegen, um an diese Karten zu kommen. Die Rationen unterschieden sich je nach Kategorie der Arbeiter. Schwerstarbeiter, Schwangere und stillende M\u00fctter erhielten Lebensmittel im \u201eWert\u201c von 2700 Kalorien. Handwerker mit leichten Berufen, Beamte und Freiberufler erhielten 1850 Kilokalorien, Angestellte 1450 Kalorien. Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c konnten nur 1200 Kalorien beziehen. Zus\u00e4tzlich gab es Initiativen wie Volksk\u00fcchen oder Ausspeisungen f\u00fcr Schulkinder, die von ausl\u00e4ndischen Hilfsorganisationen \u00fcbernommen wurden. Aus Amerika kamen Carepakete von der Wohlfahrtsorganisation <em>Cooperative for American Remittances to Europe<\/em>. Viele Kinder wurden im Sommer zu Pflegehaushalten in die Schweiz verschickt, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und ein paar zus\u00e4tzliche Kilo auf die Rippen zu bekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle reichten all diese Ma\u00dfnahmen allerdings nicht aus. Vor allem Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c litten unter den geringen Zuteilungen. Viele Innsbrucker machten sich trotz der Gefahr, festgenommen zu werden, auf den Weg in die umliegenden D\u00f6rfer, um zu hamstern. Wer Geld hatte, bezahlte teils utopische Preise bei den Bauern. Wer keins hatte, musste um Nahrungsmittel betteln. Frauen, deren M\u00e4nner gefallen, in Gefangenschaft oder vermisst waren, sahen in Extremf\u00e4llen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Diese Frauen, besonders die ungl\u00fccklichen, die schwanger wurden, mussten \u00fcber sich und ihren Nachwuchs \u00fcbelste Beschimpfungen ergehen lassen. Vom legalen Schwangerschaftsabbruch war man in \u00d6sterreich noch 30 Jahre entfernt.<\/p>\n<p>Die Politik stand dem zu einem gro\u00dfen Teil machtlos gegen\u00fcber. Alle Interessen zu befrieden, war schon in normalen Zeiten unm\u00f6glich. Viele Entscheidung zwischen dem Parlament in Wien, dem Tiroler Landtag und dem Innsbrucker Rathaus waren f\u00fcr die Menschen nicht nachvollziehbar. W\u00e4hrend Kinder auf Obst und Vitamine verzichten mussten, wurde von manchen Bauern legal gewinnbringender Schnaps gebrannt. Amtsgeb\u00e4ude und Gewerbebetriebe bekamen vom Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck freie Hand, w\u00e4hrend den Privathaushalten ab Oktober 1945 der Zugang zum Strom an mehreren Tagzeiten eingeschr\u00e4nkt wurde. Selbige Benachteiligung der Haushalte gegen\u00fcber der Wirtschaft galt f\u00fcr die Versorgung mit Kohle. Die alten Gr\u00e4ben zwischen Stadt und Land wurden gr\u00f6\u00dfer und hasserf\u00fcllter. Innsbrucker warfen der Umlandbev\u00f6lkerung vor, bewusst Lebensmittel f\u00fcr den Schwarzmarkt zur\u00fcckzuhalten. Es kam zu \u00dcberf\u00e4llen, Diebst\u00e4hlen und Holzschl\u00e4gerungen. Transporte am Bahnhof wurden von bewaffneten Einheiten bewacht. Sich Lebensmittel aus einem Lager anzueignen war illegal und Alltag zu gleich. Kinder und Jugendliche streunten hungrig durch die Stadt und nahmen jede Gelegenheit sich etwas zu Essen oder Brennmaterial zu besorgen wahr. Der erste Tiroler Landeshauptmann Gruber, w\u00e4hrend des Krieges selbst illegal im Widerstand, hatte zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der Menschen, die sich gegen das System auflehnten, konnte aber nichts daran \u00e4ndern. Auch dem Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer waren die H\u00e4nde gebunden. Es war nicht nur schwierig, die Bed\u00fcrfnisse aller Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, immer wieder kam es unter der Beamtenschaft zu F\u00e4llen von Korruption und Gef\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber Verwandten und Bekannten. Grubers Nachfolger am Landeshauptmannsessel Alfons Wei\u00dfgatterer musste gleich mehrere kleine Aufst\u00e4nde \u00fcberstehen, als sich der Volkszorn Luft machte und Steine Richtung Landhaus flogen Die Antwort der Landesregierung erfolgte \u00fcber die <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>. Das Blatt war 1945 unter der Verwaltung der US-Streitkr\u00e4fte zur Demokratisierung und Entnazifizierung gegr\u00fcndet worden, ging aber bereits im Folgejahr an die Schl\u00fcssel GmbH unter Leitung des \u00d6VP Politikers Joseph Moser. Dank der hohen Auflage und ihrem fast unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt konnte die Tiroler Landesregierung die \u00f6ffentliche Stimmung lenken:<\/p>\n<p>\u201e<em>Sind etwa die zerbrochenen Fensterscheiben, die gestern vom Landhaus auf die Stra\u00dfe klirrten, geeignete Argumente, um unseren Willen zum Wiederaufbau zu beweisen? Sollten wir uns nicht daran erinnern, dass noch niemals in irgendeinem Lande wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Demonstrationen und Kundgebungen beseitigt worden sind?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Mindestens gleich schlecht war die Wohnsituation. Gesch\u00e4tzte 30.000 Innsbrucker waren obdachlos, lebten auf engstem Raum bei Verwandten oder in Barackensiedlungen wie dem ehemaligen Arbeitslager in der Reichenau, in der vom Volksmund \u201eAusl\u00e4nderlager\u201c genannten Barackensiedlung f\u00fcr Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Europas oder der <em>Bocksiedlung<\/em>. Weniges erinnert noch an den desastr\u00f6sen Zustand, in dem sich Innsbruck nach den Luftangriffen der letzten Kriegsjahre in den ersten Nachkriegsjahren befand. Zehntausende B\u00fcrger halfen mit, Schutt und Tr\u00fcmmer von den Stra\u00dfen zu schaffen. Die Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die Museumstra\u00dfe, das Bahnhofsviertel, Wilten oder die Pradlerstra\u00dfe w\u00e4ren wohl um einiges ansehnlicher, h\u00e4tte man nicht die L\u00f6cher im Stra\u00dfenbild schnell stopfen m\u00fcssen, um so schnell als m\u00f6glich Wohnraum f\u00fcr die vielen Obdachlosen und R\u00fcckkehrer zu schaffen. \u00c4sthetik aber war ein Luxus, den man sich in dieser Situation nicht leisten konnte. Die ausgezehrte Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte neuen Wohnraum, um den gesundheitssch\u00e4dlichen Lebensbedingungen, in denen Gro\u00dffamilien teils in Einraumwohnungen einquartiert waren, zu entfliehen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Notlage gef\u00e4hrdet die Behaglichkeit des Heims. Sie zehrt an den Wurzeln der Lebensfreude. Niemand leidet mehr darunter als die Frau, deren Gl\u00fcck es bildet, einen zufriedenen, trauten Familienkreis, um sich zu sehen. Welche Anspannung der seelischen Kraft erfordern der t\u00e4glich zerm\u00fcrbende Kampf um ein bisschen Einkauf, die M\u00fchsal des Schlangestehens, die Entt\u00e4uschungen der Absagen und Abweisungen und der Blick in den unmutigen Gesichtern der von Entbehrungen gepeinigten Lieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was in der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em> zu lesen stand, war nur ein Teil der harten Alltagsrealit\u00e4t. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Spanische Grippe viele Opfer forderte, kam es auch 1945 zu einem Anstieg gef\u00e4hrlicher Infektionen. Impfstoffe gegen Tuberkulose konnten im ersten Winter nicht geliefert werden. Auch Krankenhausbetten waren Mangelware. Auch wenn sich die Situation nach 1947 entspannte, blieben die Lebensumst\u00e4nde in Tirol prek\u00e4r. Bis es zu merklichen Verbesserungen kam, dauerte es Jahre. Die Lebensmittelrationierungen wurde am 1. Juli 1953 eingestellt. Im selben Jahr konnte B\u00fcrgermeister Greiter verk\u00fcnden, dass alle w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder in Stand gesetzt worden waren.<\/p>\n<p>Zu verdanken war dies auch den Besatzern. Die franz\u00f6sischen Truppen unter Emile Bethouart verhielten sich sehr milde und kooperativ gegen\u00fcber dem ehemaligen Feind und begegneten der Tiroler Kultur und Bev\u00f6lkerung freundlich und aufgeschlossen. Stand man der Besatzungsmacht anfangs feindlich gesinnt gegen\u00fcber &#8211; schon wieder war ein Krieg verloren gegangen &#8211; wich die Skepsis der Innsbrucker mit der Zeit. Die Soldaten waren vor allem bei den Kindern beliebt wegen der Schokoladen und S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie verteilten. Viele Menschen erhielten innerhalb der franz\u00f6sischen Verwaltung Arbeit. Manch ein Tiroler sah dank der Uniformierten <em>der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision<\/em>, die bis September 1945 den Gro\u00dfteil der Soldaten stellten, zum ersten Mal dunkelh\u00e4utige Menschen. Die Besatzer stellten, soweit dies in ihren M\u00f6glichkeiten lag, auch die Versorgung sicher. Zeitzeugen erinnern sich mit Grauen an die Konservendosen, die sie als Hauptnahrungsmittel erhielten. Um die Logistik zu erleichtern legten die Franzosen bereits 1946 den Grundstein f\u00fcr den neuen Flughafen auf der <em>Ulfiswiese<\/em> in der H\u00f6ttinger Au, der den 20 Jahre zuvor er\u00f6ffneten in der Reichenau nach zwei Jahren Bauzeit ersetzte. Das Franzosendenkmal am Landhausplatz erinnert an die franz\u00f6sische Besatzungszeit. Am <em>Emile-Bethouart-Steg<\/em>, der St. Nikolaus und die Innenstadt \u00fcber den Inn verbindet, befindet sich eine Gedenktafel, die die Beziehung zwischen Besatzung und Bev\u00f6lkerung gut zum Ausdruck bringt:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Sieger gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Besch\u00fctzer geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freund in die Heimat zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben den materiellen N\u00f6ten bestimmte das kollektive Kriegstrauma die Gesellschaft. Die Erwachsenen der 1950er Jahre waren Produkte der Erziehung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus. M\u00e4nner, die an der Front gek\u00e4mpft hatten, konnten als Kriegsverlierer nur in bestimmten Kreisen von ihren grauenhaften Erlebnissen sprechen, Frauen hatten meist gar kein Forum zur Verarbeitung ihrer \u00c4ngste und Sorgen. H\u00e4usliche Gewalt und Alkoholismus waren weit verbreitet. Lehrer, Polizisten, Politiker und Beamte kamen vielfach aus der nationalsozialistischen Anh\u00e4ngerschaft, die nicht einfach mit dem Ende des Krieges verschwand, sondern lediglich \u00f6ffentlich totgeschwiegen wurde. Am <em>Innsbrucker Volksgerichtshof<\/em> kam es unter der Regie der Siegerm\u00e4chte zwar zu einer gro\u00dfen Anzahl an Verfahren gegen Nationalsozialisten, die Anzahl an Verurteilungen spiegelte aber nicht das Ausma\u00df des Geschehens wider. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten kam frei. Besonders belastete Vertreter des Systems kamen f\u00fcr einige Zeit ins Gef\u00e4ngnis, konnten aber nach Verb\u00fc\u00dfung der Haft relativ unbehelligt an ihr altes Leben ankn\u00fcpfen, zumindest im Beruflichen. Nicht nur wollte man einen Schlussstrich unter die letzten Jahrzehnte ziehen, man ben\u00f6tigte die T\u00e4ter von gestern, um die Gesellschaft von heute am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Das Problem an dieser Strategie des Verdr\u00e4ngens war, dass niemand die Verantwortung f\u00fcr das Geschehene \u00fcbernahm, auch wenn vor allem zu Beginn die Begeisterung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Nationalsozialismus gro\u00df war. Es gab kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied mit einer wenig r\u00fchmlichen Geschichte zwischen 1933 und 1945 hatte. Scham \u00fcber das, was seit 1938 und in den Jahren in der Politik \u00d6sterreichs geschehen war mischte sich zur Angst davor, von den Besatzungsm\u00e4chten USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UDSSR als Kriegsschuldiger \u00e4hnlich wie 1918 behandelt zu werden. Es entstand ein Klima, in dem niemand, weder die daran beteiligte noch die nachfolgende Generation \u00fcber das Geschehene sprach. Diese Haltung verhinderte lange die Aufarbeitung dessen, was seit 1933 geschehen war. Der Mythos von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, der erst mit der Aff\u00e4re Waldheim in den 1980er Jahren langsam zu br\u00f6ckeln begann, war geboren. Polizisten, Lehrer, Richter \u2013 sie alle wurden trotz ihrer politischen Gesinnung an ihrem Platz gelassen. Die Gesellschaft brauchte sie, um am Laufen zu bleiben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfz\u00fcgig ausgebreiteten Mantel des Vergessens mit gro\u00dfem Bezug zu Innsbruck ist die Vita des Arztes Burghard Breitner (1884-1956). Breitner wuchs in einem wohlbetuchten b\u00fcrgerlichen Haushalt auf. Die <em>Villa Breitner<\/em> am Mattsee war Sitz eines Museums \u00fcber den vom Vater verehrten deutschnationalen Dichter Josef Viktor Scheffel. Nach der Matura entschied sich Breitner gegen eine Karriere in der Literatur und f\u00fcr ein Medizinstudium. Anschlie\u00dfend beschloss er seinen Milit\u00e4rdienst und begann seine Karriere als Arzt. 1912\/13 diente er als Milit\u00e4rarzt im Balkankrieg. 1914 verschlug es ihn an die Ostfront, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Als Arzt k\u00fcmmerte er sich im Gefangenenlager aufopferungsvoll um seine Kameraden. Erst 1920 sollte er als Held und \u201e<em>Engel von Sibirien<\/em>\u201c aus dem Gefangenenlager wieder nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren. 1932 begann seine Laufbahn an der Universit\u00e4t Innsbruck. 1938 stand Breitner vor dem Problem, dass er auf Grund des j\u00fcdischen Hintergrundes seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits den \u201e<em>Gro\u00dfen Ariernachweis<\/em>\u201c nicht erbringen konnte. Auf Grund seines guten Verh\u00e4ltnisses zum Rektor der Uni Innsbruck und zu wichtigen Nationalsozialisten konnte er aber schlussendlich an der Universit\u00e4tsklinik weiterarbeiten. W\u00e4hrend des NS-Regimes war Breitner als Vorstand der Klinik Innsbruck f\u00fcr Zwangssterilisierungen und \u201e<em>freiwillige Entmannungen<\/em>\u201c verantwortlich, auch wenn er wohl keine der Operationen pers\u00f6nlich durchf\u00fchrte. Nach dem Krieg schaffte es der \u201eEngel von Sibirien\u201c mit einigen M\u00fchen sich durch das Entnazifizierungsverfahren zu winden. 1951 wurde er als Kandidat des <em>VDU<\/em>, einem politischen Sammelbecken \u00fcberzeugter Nationalsozialisten, als Kandidat f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahl aufgestellt. 1952 wurde Breitner Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck. Nach seinem Tod widmete ihm die Stadt Innsbruck ein Ehrengrab am Westfriedhof Innsbruck. In der Reichenau ist ihm in unmittelbarer N\u00e4he des Standortes des ehemaligen Konzentrationslagers eine Stra\u00dfe gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Kunst am Bau: Die Nachkriegszeit &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;59763&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Wie nach dem Ersten Weltkrieg war auch nach 1945 die Wohnungsnot eines der dr\u00e4ngendsten Probleme. Innsbruck war bei den Luftangriffen stark in Mitleidenschaft gezogen worden und Geld f\u00fcr Neubauten war knapp. Als in den 1950er Jahren die ersten Wohnanlagen errichtet wurden, war Sparsamkeit das Gebot der Stunde. Viele der ab den 1950er Jahren errichteten Geb\u00e4ude sind zwar architektonisch wenig attraktiv, sie beherbergen aber durchaus interessante Kunstwerke. Ab 1949 gab es in \u00d6sterreich das Projekt <em>Kunst am Bau<\/em>. Bei staatlich durchgef\u00fchrten Bauten sollten 2% der Gesamtausgaben in die k\u00fcnstlerische Gestaltung flie\u00dfen. Die Umsetzung des Baurechts und somit auch die Verwaltung der Budgets oblag damals wie heute den Bundesl\u00e4ndern. \u00dcber diese \u00f6ffentliche Auftragsvergabe sollten K\u00fcnstler finanziell unterst\u00fctzt werden. In den kargen Nachkriegsjahren waren auch erfolgreiche und praktisch veranlagte K\u00fcnstler wie Oswald Haller (1908 \u2013 1981), der sein Geld mit Gebrauchsgraphiken und Plakaten f\u00fcr den Tourismus verdiente, in die Bredouille gekommen. Erstmals tauchte die Idee 1919 in der Weimarer Republik auf und wurde ab 1934 von den Nationalsozialisten fortgesetzt. \u00d6sterreich griff Kunst am Bau nach dem Krieg auf, um den \u00f6ffentlichen Raum im Rahmen des Wiederaufbaus zu gestalten. Die \u00f6ffentliche Hand, die Aristokratie und B\u00fcrgertum als Bautr\u00e4ger vergangener Jahrhunderte abl\u00f6ste, stand unter massivem finanziellem Druck. Trotzdem sollten die vor allem auf Funktion ausgerichteten Wohnbauprojekte nicht ganz schmucklos daherkommen. Die mit der Gestaltung der Kunstwerke betrauten Tiroler K\u00fcnstler wurden in ausgeschriebenen Wettbewerben ermittelt. Der bekannteste unter ihnen war Max Weiler, der vielleicht prominenteste K\u00fcnstler im Tirol der Nachkriegszeit, der in Innsbruck unter anderem f\u00fcr die Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg verantwortlich war. Weitere prominente Namen sind Helmut Rehm (1911 \u2013 1991), Walter Honeder (1906 \u2013 2006), Fritz Berger (1916 \u2013 2002) und Emmerich Kerle (1916 \u2013 2010). Viele dieser K\u00fcnstler wurden nicht nur von der <em>Bundesgewerbeschule Innsbruck<\/em>, der heutigen HTL, und der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien, sondern auch von der kollektiven Erfahrung w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus und dem Krieg gepr\u00e4gt. Fritz Berger hatte seinen rechten Arm und ein Auge verloren und musste lernen, mit der linken Hand zu arbeiten. Kerle diente in Finnland als Kriegsmaler. Er wurde an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien unter anderem von Josef M\u00fcllner unterrichtet, einem K\u00fcnstler, der sich mit B\u00fcsten Adolf Hitlers, Siegfrieds aus der Nibelungensage und dem bis heute umstrittenen Karl-Lueger-Denkmal in Wien in die Kunstgeschichte eingetragen hatte. Wie ein gro\u00dfer Teil der Tiroler Bev\u00f6lkerung wollten diese K\u00fcnstler wie auch Politiker und Beamte nach den harten und leidvollen Kriegsjahren Ruhe und Frieden, um Gras \u00fcber das Geschehen der letzten Jahrzehnte wachsen zu lassen. Die im Rahmen von Kunst am Bau entstandenen Werke reflektieren diese Haltung nach einem neuen Sittenbild. Es war das erste Mal, dass abstrakte, gestaltlose Kunst Eingang in den \u00f6ffentlichen Raum Innsbrucks fand, wenn auch nur in unkritischem Rahmen. M\u00e4rchen, Sagen, religi\u00f6se Symbole waren beliebte Motive, die auf den Sgraffitos, Mosaiken, Wandbildern und Statuen verewigt wurden. Man k\u00f6nnte von einer Art zweiter Welle der Biedermaierkunst sprechen, die den kleinb\u00fcrgerlichen Lebensstil der Menschen nach dem Krieg symbolisierte. Die Kunst sollte auch ein neues Bewusstsein und Bild dessen schaffen, was als typisch \u00d6sterreichisch galt. Noch 1955 betrachtete sich jeder zweite \u00d6sterreicher als Deutscher. Die unterschiedlich ausgef\u00fchrten Motive zeigen Freizeitaktivit\u00e4ten, Kleidungsstile und Vorstellungen der sozialen Ordnung und gesellschaftlichen Normen der Nachkriegszeit. Frauen wurden h\u00e4ufig in Tracht und Dirndl, M\u00e4nner in Lederhosen dargestellt. Die konservative Idealvorstellung der Geschlechterrollen wurden in der Kunst verarbeitet. Flei\u00dfig arbeitende V\u00e4ter, brave Ehefrauen, die sich um Haus und Herd k\u00fcmmerten und Kinder, die in der Schule eifrig lernen waren das Idealbild bis weit in die 1970er Jahre. Ein Leben wie aus einem Film mit Peter Alexander. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet viele der noch heute sichtbaren Kunstwerke auf H\u00e4usern in Pradl und Wilten. Die Mischung aus reizloser Architektur und zeitgen\u00f6ssischen Kunstwerken der gerne verdr\u00e4ngten, in Filmen und Erz\u00e4hlungen lange idealisierten und verkl\u00e4rten Nachkriegszeit, ist sehenswert. Besonders sch\u00f6ne Beispiele finden sich an den Fassaden in der Pacherstra\u00dfe, der Hunoldstra\u00dfe, der Ing.-Thommenstra\u00dfe, am Innrain, der Landesberufsschule Mandelsbergerstra\u00dfe oder im Innenhof zwischen Landhausplatz und Maria-Theresienstra\u00dfe.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Rote Bischof und der Innsbrucker Sittenverfall&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62113&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren begann sich Innsbruck von den Krisen- und Kriegsjahren der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu erholen. Am 15. Mai 1955 deklarierte Bundeskanzler Leopold Figl mit den ber\u00fchmten Worten \u201e<em>\u00d6sterreich ist frei<\/em>\u201c und der Unterzeichnung des Staatsvertrages offiziell die politische Wende. In vielen Haushalten etablierte sich in den Jahren, die als <em>Wirtschaftswunder<\/em> in die Geschichte eingingen, moderater Wohlstand. Zwischen 1953 und 1962 erlaubte ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von \u00fcber 6% es einem immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Bev\u00f6lkerung von lange Zeit exotischen Dingen wie K\u00fchlschr\u00e4nken, einem eigenen Badezimmer oder gar einem Urlaub im S\u00fcden zu tr\u00e4umen. Diese Zeit brachte nicht nur materielle, sondern auch gesellschaftliche Ver\u00e4nderung mit sich. Die W\u00fcnsche der Menschen wurden mit dem steigenden Wohlstand und dem Lifestyle, der in Werbung und Medien transportiert wurde, ausgefallener. Das Ph\u00e4nomen einer neuen Jugendkultur begann sich zart inmitten der grauen Gesellschaft im kleinen \u00d6sterreich der Nachkriegszeit breit zu machen. Die Begriffe <em>Teenager<\/em> und Schl\u00fcsselkind hielten in den 1950er Jahren im Sprachgebrauch der \u00d6sterreicher Einzug. \u00dcber Filme kam die gro\u00dfe Welt nach Innsbruck. Kinovorf\u00fchrungen und Lichtspieltheater gab es zwar schon um die Jahrhundertwende in Innsbruck, in der Nachkriegszeit passte sich das Programm aber erstmals an ein jugendliches Publikum an. Ein Fernsehger\u00e4t hatte kaum jemand im Wohnzimmer und das Programm war mager. Die zahlreichen Kinos warben mit skandaltr\u00e4chtigen Filmen um die Gunst des Publikums. Ab 1956 erschien die Zeitschrift <em>BRAVO<\/em>. Zum ersten Mal gab es ein Medium, das sich an den Interessen Jugendlicher orientierte. Auf der ersten Ausgabe war Marylin Monroe zu sehen, darunter die Frage: \u201e<em>Haben auch Marylins Kurven geheiratet<\/em>?\u201c Die gro\u00dfen Stars der ersten Jahre waren James Dean und Peter Kraus, bevor in den 60er Jahren die Beatles \u00fcbernahmen. Nach dem <em>Summer of Love<\/em> kl\u00e4rte Dr. Sommer \u00fcber Liebe und Sex auf. Die allm\u00e4chtige Deutungshoheit der Kirche \u00fcber das moralische Verhalten Pubertierender begann zu br\u00f6ckeln, wenn auch nur langsam. Die erste Foto-Love-Story mit nacktem Busen folgte erst 1982. Bis in die 1970er Jahre beschr\u00e4nkten sich die M\u00f6glichkeiten heranwachsender Innsbrucker Gro\u00dfteils auf Wirtshausstuben, Sch\u00fctzenverein und Blasmusik. Erst nach und nach er\u00f6ffneten Bars, Discos, Nachtlokale, Kneipen und Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten. Veranstaltungen wie der <em>5 Uhr Tanztee<\/em> im Sporthotel Igls lockten paarungswillige junge Menschen an. Das <em>Cafe Central<\/em> wurde zur \u201e<em>zweiten Heimat langhaariger Jugendlicher<\/em>\u201c, wie die Tiroler Tageszeitung 1972 entsetzt feststellte. Etablissements wie der <em>Falknerkeller<\/em> in der Gilmstra\u00dfe, der <em>Uptown Jazzsalon<\/em> in H\u00f6tting, der Jazzclub in der Hofgasse, der <em>Clima Club<\/em> im Saggen, der <em>Scotch Club<\/em> in der Angerzellgasse und die <em>Tangente<\/em> in der Bruneckerstra\u00dfe hatten mit der traditionellen Tiroler Bier- und Weinstube nichts gemeinsam. Die Auftritte der Rolling Stones und Deep Purples in der Olympiahalle 1973 waren der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt des Innsbrucker Fr\u00fchlingserwachens. Innsbruck wurde damit zwar nicht zu London oder San Francisco, zumindest einen Hauch Rock\u00b4n\u00b4Roll hatte man aber eingeatmet. Das, was als 68er Bewegung im kulturellen Ged\u00e4chtnis bis heute verankert ist, fand im <em>Heiligen Land<\/em> kaum statt. Weder Arbeiter noch Studenten gingen in Scharen auf die Barrikaden. Der Historiker Fritz Keller bezeichnete die 68er Bewegung \u00d6sterreichs als \u201e<em>Mail\u00fcfterl<\/em>\u201c. Trotzdem war die Gesellschaft still und heimlich im Wandel. Ein Blick in die Jahreshitparaden gibt einen Hinweis darauf. Waren es 1964 noch Kaplan Alfred Flury und Freddy mit \u201e<em>Lass die kleinen Dinge<\/em>\u201c und \u201e<em>Gib mir dein Wort<\/em>\u201c sowie die Beatles mit ihrer deutschen Version von \u201e<em>Komm, gib mir deine Hand<\/em> die die Top 10 dominierten, \u00e4nderte sich der Musikgeschmack in den Jahren bis in die 1970er. Zwar fanden sich auch dann immer noch Peter Alexander und Mireille Mathieu in den Charts. Ab 1967 waren es aber internationale Bands mit fremdsprachigen Texten wie <em>The Rolling Stones, Tom Jones, The Monkees<\/em>, Scott McKenzie, Adriano Celentano oder Simon und Garfunkel, die mit teils gesellschaftskritischen Texten die Top Positionen in gro\u00dfer Dichte einnahmen.<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderung rief eine Gegenreaktion hervor. Die Speerspitze der konservativen Konterrevolution war der Innsbrucker Bischof Paulus Rusch. Zigaretten, Alkohol, allzu freiz\u00fcgige Mode, Auslandsurlaube, arbeitende Frauen, Nachtlokale, vorehelicher Geschlechtsverkehr, die 40-Stundenwoche, sonnt\u00e4gliche Sportveranstaltungen, Tanzabende, gemischte Geschlechter in Schule und Freizeit \u2013 das alles war dem strengen Kirchenmann und Anh\u00e4nger des Herz-Jesu-Kultes streng zuwider. Peter Paul Rusch war 1903 in M\u00fcnchen zur Welt gekommen und in Vorarlberg als j\u00fcngstes von drei Kindern in einem gutb\u00fcrgerlichen Haushalt aufgewachsen. Beide Elternteile und seine \u00e4ltere Schwester starben an Tuberkulose, bevor er die Vollj\u00e4hrigkeit erreicht hatte. Rusch musste im jugendlichen Alter von 17 in der kargen Nachkriegszeit fr\u00fch f\u00fcr sich selbst sorgen. Die Inflation hatte das v\u00e4terliche Erbe, das ihm ein Studium h\u00e4tte finanzieren k\u00f6nnen, im Nu aufgefressen. Rusch arbeitete sechs Jahre lange bei der <em>Bank f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>, um sich sein Theologiestudium finanzieren zu k\u00f6nnen. 1927 trat er ins Collegium Canisianum ein, sechs Jahre sp\u00e4ter wurde er zum Priester des Jesuitenordens geweiht. Seine steile Karriere f\u00fchrte den intelligenten jungen Mann als Kaplan zuerst nach Lech und Hohenems und als Leiter des Teilpriesterseminars zur\u00fcck nach Innsbruck. 1938 wurde er Titularbischof von Lykopolis und Apostolischer Administrator f\u00fcr Tirol und Vorarlberg. Als j\u00fcngster Bischof Europas musste er die Schikanen der nationalsozialistischen Machthaber gegen\u00fcber der Kirche \u00fcberstehen. Obwohl seine kritische Einstellung zum Nationalsozialismus bekannt war, wurde Rusch selbst nie inhaftiert. Zu gro\u00df war die Furcht der Machthaber davor, aus dem beliebten jungen Bischof einen M\u00e4rtyrer zu machen.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg stand der sozial und politisch engagierte Bischof an vorderster Front beim Wiederaufbau. Die Kirche sollte wieder mehr Einfluss auf den Alltag der Menschen nehmen. Sein Vater hatte sich vom Zimmermann zum Architekten hochgearbeitet und ihm wohl ein Faible f\u00fcr das Bauwesen mitgegeben. Dazu kamen seine eigenen Erfahrungen bei der BTV. Dank seiner Ausbildung als B\u00e4nker erkannte Rusch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Kirche sich als Helfer in der Not zu engagieren und zu profilieren. Nicht nur die im Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Kirchen wurden wiederaufgebaut. Die <em>Katholische Jugend<\/em> engagierte sich unter Ruschs F\u00fchrung unentgeltlich bei der Errichtung der <em>Heiligjahrsiedlung<\/em> in der H\u00f6ttinger Au. Die Di\u00f6zese kaufte daf\u00fcr einen Baugrund vom Ursulinenorden. Die Kredite f\u00fcr die Siedler wurden zinsfrei von der Kirche vorgestreckt.\u00a0 Sein rustikales Voranschreiten in der Wohnungsfrage sollte ihm Jahrzehnte sp\u00e4ter den Titel \u201e<em>Roter Bischof\u201c<\/em> bescheren. In den bescheidenen H\u00e4uschen mit Selbstversorgergarten ganz nach der Vorstellung des dogmatischen und gen\u00fcgsamen \u201eArbeiterbischofs\u201c fanden 41 bevorzugt kinderreiche Familien eine neue Heimat.<\/p>\n<p>Durch die Linderung der Wohnungsnot sollten die gr\u00f6\u00dften Bedrohungen im <em>Kalten Krieg<\/em>, Kommunismus und Sozialismus, von seiner Gemeinde fernhalten. Der vom Kommunismus vorgeschriebene Atheismus wie auch der konsumorientierte Kapitalismus, der nach dem Krieg aus den USA schwappend in Westeuropa Einzug gehalten hatte, waren ihm ein Gr\u00e4uel. 1953 erschien Ruschs Buch \u201e<em>Junger Arbeiter, wohin?\u201c.<\/em> Was nach revolution\u00e4rer, linker Lekt\u00fcre aus dem Kreml klingt, zeigte die Grunds\u00e4tze der Christlichen Soziallehre, die sowohl Kapitalismus wie auch Sozialismus gei\u00dfelte. Familien sollten bescheiden leben, um mit den moderaten finanziellen Mitteln eines alleinerziehenden Vaters in christlicher Harmonie zu leben. Unternehmer, Angestellte und Arbeiter sollten eine friedliche Einheit bilden. Kooperation statt Klassenkampf, die Basis der heutigen Sozialpartnerschaft. Jedem sein Platz in christlichem Sinne, eine Art modernes Feudalsystem, das bereits im St\u00e4ndestaat Dollfu\u00df\u00b4 zur Anwendung geplant war. Seine politischen Ansichten teilte er mit Landeshauptmann Eduard Walln\u00f6fer und B\u00fcrgermeister Alois Lugger, die gemeinsam mit dem Bischof die <em>Heilige Dreifaltigkeit<\/em> des konservativen Tirols der Zeit des Wirtschaftswunders bildeten. Dazu kombinierte Rusch einen latenten, in Tirol auch nach 1945 weit verbreiteten katholischen Antisemitismus, der dank Verirrungen wie der Verehrung des <em>Anderle von Rinn <\/em>lange als Tradition halten konnte.<\/p>\n<p>Ein besonderes Anliegen war dem streitbaren Jesuiten Erziehung und Bildung. Die gesellschaftliche Formung quer durch alle Klassen durch die Soldaten Christi konnte in Innsbruck auf eine lange Tradition zur\u00fcckblicken. Der Jesuitenpater und vormalige Gef\u00e4ngnisseelsorger Alois Mathiowitz (1853 \u2013 1922) gr\u00fcndete 1909 in Pradl den <em>Peter-Mayr-Bund<\/em>. Sein Ansatz war es, Jugendliche \u00fcber Freizeitgestaltung und Sport und Erwachsene aus dem Arbeitermilieu durch Vortr\u00e4ge und Volksbildung auf den rechten Weg zu bringen. Das unter seiner \u00c4gide errichtete Arbeiterjugendheim in der Reichenauerstra\u00dfe dient bis heute als Jugendzentrum und Kindergarten. Auch Rusch hatte Erfahrung mit Jugendlichen. 1936 war er in Vorarlberg zum Landesfeldmeister der Pfadfinder gew\u00e4hlt worden. Trotz eines Sprachfehlers war er ein charismatischer Typ, und bei seinen jungen Kollegen und Jugendlichen \u00fcberaus beliebt. Nur eine fundierte Erziehung unter den Fittichen der Kirche nach christlichem Modell konnte seiner Meinung nach das Seelenheil der Jugend retten. Um jungen Menschen eine Perspektive zu geben und sie in geordnete Bahnen mit Heim und Familie zu lenken, wurde das <em>Jugendbausparen<\/em> gest\u00e4rkt. In den Pfarren wurden Kinderg\u00e4rten, Jugendheime und Bildungseinrichtungen wie das <em>Haus der Begegnung<\/em> am Rennweg errichtet, um von Anfang an die Erziehung in kirchlicher Hand zu haben. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil des sozialen Lebens der Stadtjugend spielte sich nicht in verruchten Spelunken ab. Den meisten Jugendlichen fehlte schlicht und ergreifend das Geld, um regelm\u00e4\u00dfig in Lokalen zu verkehren. Viele fanden ihren Platz in den halbwegs geordneten Bahnen der katholischen Jugendorganisationen. Neben dem ultrakonservativen Bischof Rusch wuchs eine Generation liberaler Kleriker heran, die sich in die Jugendarbeit einbrachten. In den 1960er und 70er Jahren agierten in Innsbruck zwei kirchliche Jugendbewegungen mit gro\u00dfem Einfluss. Verantwortlich daf\u00fcr waren Sigmund Kripp und Meinrad Schumacher, die mit neuen Ans\u00e4tzen in der P\u00e4dagogik und einem offeneren Umgang mit heiklen Themen wie Sexualit\u00e4t und Rauschmitteln Teenager und junge Erwachsene f\u00fcr sich gewinnen konnten. F\u00fcr die Erziehung der Eliten im Sinne des Jesuitenordens sorgte in Innsbruck seit 1578 die <em>Marianische Kongregation<\/em>. Diese Jugendorganisation, bis heute als MK bekannt, nahm sich den Gymnasialsch\u00fclern an. Die MK war streng hierarchisch strukturiert, um den jungen <em>Soldaten Christi<\/em> von Anfang an Gehorsam beizubringen. 1959 \u00fcbernahm Pater Sigmund Kripp die Leitung der Organisation. Die Jugendlichen errichteten unter seiner F\u00fchrung mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch Kirche, Staat, Eltern und mit viel Eigenleistung Projekte wie die <em>Mittergrath\u00fctte<\/em> samt eigener Materialseilbahn im K\u00fchtai und das legend\u00e4re Jugendheim <em>Kennedyhaus<\/em> in der Sillgasse. Bei der Grundsteinlegung dieses Jugendzentrums, das mit knapp 1500 Mitgliedern zum gr\u00f6\u00dften seiner Art in Europa werden sollte, waren Bundeskanzler Klaus und Mitglieder der amerikanischen Botschaft anwesend, war der Bau doch dem ersten katholischen, erst k\u00fcrzlich ermordeten Pr\u00e4sidenten der USA gewidmet.<\/p>\n<p>Die andere kirchliche Jugendorganisation Innsbrucks war das Z6. Stadtjugendseelsorger Kaplan Meinrad Schumacher k\u00fcmmerte sich im Rahmen der <em>Aktion 4-5-6<\/em> um alle Jugendlichen, die in der MK oder der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft<\/em> keinen Platz hatten. Arbeiterkinder und Lehrlinge trafen sich in verschiedenen Jugendheimen wie Pradl oder der Reichenau, bevor 1971 das neue, ebenfalls von den Mitgliedern selbst errichtete Zentrum in der namensgebenden Zollerstra\u00dfe 6 er\u00f6ffnet wurde. Die Leitung \u00fcbernahm Josef Windischer. Das Z6 hatte schon mehr mit dem zu tun, was auf der Leinwand von Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Motorr\u00e4dern in <em>Easy Rider<\/em> vorgezeigt wurde. Hier ging es rauer zu als in der MK. Rockerbanden wie die Santanas, Kleinkriminelle und Drogenabh\u00e4ngige verbrachten ihre Freizeit ebenfalls im Z6. W\u00e4hrend Schumacher mit den \u201ebraven\u201c Jugendlichen oben sein Programm abspulte, bev\u00f6lkerte Windischer mit den <em>Outsiders<\/em> das Untergescho\u00df, um auch den verirrten Sch\u00e4fchen so gut als m\u00f6glich beizustehen.<\/p>\n<p>Ende der 1960er Jahre beschlossen sowohl die MK wie auch das Z6 sich auch f\u00fcr Nichtmitglieder zu \u00f6ffnen. M\u00e4dchen und Bubengruppen wurden teilweise zusammengelegt und auch Nicht-Mitglieder wurden eingelassen. Die beiden Jugendzentren hatten zwar unterschiedliche Zielgruppen, das Konzept aber war gleich. Theologisches Wissen und christliche Moral wurden in spielerischem, altersgerechtem Umfeld vermittelt. Sektionen wie Schach, Fu\u00dfball, Hockey, Basketball, Musik, Kinofilme und ein Partykeller holten die Bed\u00fcrfnisse der Jugendlichen nach Spiel, Sport und der Enttabuisierung der ersten sexuellen Erfahrungen ab. Die Jugendzentren boten einen Raum, in dem sich Jugendliche beider Geschlechter begegnen konnten. Besonders die MK blieb aber eine Institution, die nichts mit dem wilden Leben der 68er, wie es in Filmen gerne transportiert wird, zu tun hatte. So fanden zum Beispiel Tanzkurse nicht im Advent, Fasching oder an Samstagen statt, f\u00fcr unter 17j\u00e4hrige waren sie \u00fcberhaupt verbotene Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Trotzdem gingen die Jugendzentren zu weit f\u00fcr Bischof Rusch. Die kritischen Beitr\u00e4ge in der MK-Zeitung <em>Wir diskutieren<\/em>, die immerhin eine Auflage von \u00fcber 2000 St\u00fcck erreichte, fanden immer seltener sein Gefallen. Solidarit\u00e4t mit Vietnam war das eine, aber Kritik an Sch\u00fctzen und Bundesheer konnten nicht geduldet werden. Nach jahrelangen Streitigkeiten zwischen Bischof und Jugendzentrum kam es 1973 zum Showdown. Als Pater Kripp sein Buch <em>Abschied von morgen<\/em> ver\u00f6ffentlichte, in dem er von seinem p\u00e4dagogischen Konzept und der Arbeit in der MK berichtete, kam es zu einem nicht \u00f6ffentlichen Verfahren innerhalb der Di\u00f6zese und des Jesuitenordens gegen den Leiter des Jugendzentrums. Trotz massiver Proteste von Eltern und Mitgliedern wurde Kripp entfernt. Weder die innerkirchliche Intervention durch den bedeutenden Theologen Karl Rahner noch eine vom K\u00fcnstler Paul Flora ins Leben gerufene Unterschriftenaktion oder regionale und \u00fcberregionale Emp\u00f6rung in der Presse konnte den allzu liberalen Pater vor dem Zorn Ruschs retten, der sich f\u00fcr die Amtsenthebung sogar den p\u00e4pstlichen Segen aus Rom zusichern lie\u00df.<\/p>\n<p>Im Juli 1974 war es vor\u00fcbergehend auch mit dem Z6 vorbei. Artikel \u00fcber die Antibaby-Pille und Kritik der Z6-Zeitung an der katholischen Kirche waren zu viel f\u00fcr den strengen Bischof. Rusch lie\u00df kurzerhand die Schl\u00fcssel des Jugendzentrums austauschen, eine Methode, die er auch bei der <em>Katholischen Hochsch\u00fclerschaft <\/em>angewendet hatte, als diese sich zu nahe an eine linke Aktionsgruppe ann\u00e4herte. Die Tiroler Tageszeitung vermerkte am 1. August 1974 in einem kleinen Artikel dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eIn den letzten Wochen war es zwischen den Erziehern und dem Bischof zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen \u00fcber Grundsatzprobleme gekommen. Nach den Worten des Bischofs h\u00e4tten die im \u201eZ 6\u201c vertretenen Auffassungen \u201emit der kirchlichen Lehre nicht mehr \u00fcbereingestimmt\u201c. So seien den Jugendlichen von der Leitung des Zentrums absolute Gewissensfreiheit ohne gleichzeitige Anerkennung objektiver Normen zugebilligt und auch geschlechtliche Beziehungen vor der Ehe erlaubt worden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sein Festhalten an konservativen Werten und seine Sturheit waren es, die Ruschs Ansehen in seinen letzten 20 Lebensjahren besch\u00e4digten. Als er 1964 zum ersten Bischof der neu gegr\u00fcndeten Di\u00f6zese Innsbruck geweiht wurde, \u00e4nderten sich die Zeiten. Der progressive mit praktischer Lebenserfahrung von einst wurde vom modernen Leben einer neuen Generation und den Bed\u00fcrfnissen der sich etablierenden Konsumgesellschaft \u00fcberholt. Die st\u00e4ndige Kritik des Bischofs am Lebensstil seiner Sch\u00e4fchen und das sture Festhalten an seinen allzu konservativen Werten gepaart mit teils skurrilen Aussagen machten aus dem Mitbegr\u00fcnder der Entwicklungshilfe <em>Bruder in Not<\/em>, dem jungen, anpackenden Bischof des Wiederaufbaus, ab den sp\u00e4ten 1960er Jahren einen Grund f\u00fcr den Kirchenaustritt. Sein Konzept von Umkehr und Bu\u00dfe trieb skurrile Bl\u00fcten. So forderte er von den Tirolern Schuld und S\u00fchne f\u00fcr ihre Verfehlungen w\u00e4hrend der NS-Zeit, bezeichnete aber gleichzeitig die Entnazifizierungsgesetze als zu weitgreifend und streng. Auf die neuen sexuellen Gepflogenheiten und die Abtreibungsgesetze unter Bundeskanzler Kreisky erwiderte er, dass M\u00e4dchen und junge Frauen, die verfr\u00fcht geschlechtlichen Umgang haben, bis zu zw\u00f6lfmal h\u00e4ufiger von Krebserkrankungen der Mutterorgane betroffen seien. Hamburg bezeichnete Rusch als S\u00fcndenbabel und er vermutete, dass die schlichten Gem\u00fcter der Tiroler Bev\u00f6lkerung Ph\u00e4nomenen wie Tourismus und Nachtlokalen nicht gewachsen seien und sie zu unmoralischem Verhalten verf\u00fchrten. Er f\u00fcrchtete, dass Technologie und Fortschritt den Menschen allzu unabh\u00e4ngig von Gott machen. Er war streng gegen die neue Sitte des Doppelverdienstes. Der Mensch sollte mit einem spirituellen Einfamilienhaus mit Gem\u00fcsegarten zufrieden sein und nicht nach mehr streben, Frauen sollten sich auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>1973 wurde Bischof Rusch nach 35 Jahren an der Spitze der Kirchengemeinde Tirols und Innsbrucks zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt. 1981 trat er von seinem Amt zur\u00fcck. 1986 fand Innsbrucks erster Bischof seine letzte Ruhe im Dom St. Jakob. Das <em>Bischof-Paulus-Studentenheim<\/em> bei der unter ihm errichteten Kirche Petrus Canisius in der H\u00f6ttinger Au erinnert an ihn.<\/p>\n<p>Das Jugendzentrum Z6 \u00fcbersiedelte nach seiner Schlie\u00dfung 1974 in die Andreas-Hofer-Stra\u00dfe 11, bevor es seine bis heute bestehende Heimst\u00e4tte in der Dreiheiligenstra\u00dfe fand, mitten im Arbeiterviertel der Fr\u00fchen Neuzeit gegen\u00fcber der Pestkirche. Jussuf Windischer blieb nach seiner Mitarbeit in Sozialprojekten in Brasilien in Innsbruck. Der Vater von vier Kindern arbeitete weiterhin mit sozialen Randgruppen, war Dozent an der Sozialakademie, Gef\u00e4ngnisseelsorger und Leiter des Caritas Integrationshauses in Innsbruck.<\/p>\n<p>Auch die MK besteht bis heute, auch wenn es das Kennedyhaus, das direkt nach dem Abschied Kripps von den Mitgliedern in <em>Sigmund-Kripp-Haus<\/em> umbenannt wurde, nicht mehr gibt. Kripp wurde 2005 von seinem ehemaligen Sodalen und sp\u00e4teren Vizeb\u00fcrgermeister wie vor ihm Bischof Rusch zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck ernannt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbruck und der Nationalsozialismus&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53649&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe der NSDAP in Innsbruck wurde bereits 1923 gegr\u00fcndet. Mit \u201e<em>Der Nationalsozialist \u2013 Kampfblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>\u201c erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem R\u00fcckenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der B\u00fcrger und theatralisch inszenierte Fackelz\u00fcge durch die Stadt samt hakenkreuzf\u00f6rmiger Bergfeuer auf der Nordkette im Wahlkampf verhalfen der Partei zu einem gro\u00dfen Zugewinn. \u00dcber 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der B\u00fcrgerstra\u00dfe 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Neun Mandatare, darunter der sp\u00e4tere B\u00fcrgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in \u00d6sterreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Wie \u00fcberall waren es auch in Innsbruck vor allem junge Menschen, die sich f\u00fcr den Nationalsozialismus begeisterten. Das Neue, das Aufr\u00e4umen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den gro\u00dfdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt.<\/p>\n<p>Als der Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland im M\u00e4rz 1938 erfolgte, kam es zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufm\u00e4rschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Macht\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten \u201e<em>Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich<\/em>\u201c am 11. M\u00e4rz 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei des St\u00e4ndestaates war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegen\u00fcber. Landhaus und Maria-Theresien-Stra\u00dfe wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrst\u00e4nden gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. \u201e<em>Ein Volk \u2013 ein Reich \u2013 ein F\u00fchrer<\/em>\u201c hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Milit\u00e4rs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bev\u00f6lkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstra\u00dfe, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus <em>Alt-Innsprugg<\/em>, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst.<\/p>\n<p>Am 12. M\u00e4rz empfingen die Innsbrucker das deutsche Milit\u00e4r frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegen\u00fcber den Nationalsozialisten sicherzustellen, lie\u00df B\u00fcrgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler pers\u00f6nlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des F\u00fchrers, des Heilsversprechers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entz\u00fcndet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von \u00fcber 99% zum Anschluss \u00d6sterreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfu\u00df und Schuschnigg m\u00fcde und wollten Ver\u00e4nderung. Welche Art von Ver\u00e4nderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Ver\u00e4nderung an und f\u00fcr sich. \u201e<em>Es denen da oben zu zeigen<\/em>\u201c, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und f\u00fcr sich wenig anfangen konnten. Dass es immer wieder zu Gewaltausbr\u00fcchen kam, war f\u00fcr die Zwischenkriegszeit in \u00d6sterreich ohnehin nicht un\u00fcblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen gepr\u00e4gten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfu\u00df 1933 h\u00e4tte gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Was faktisch nicht in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung existiert, muss man nicht abschaffen.<\/p>\n<p>Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bev\u00f6lkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bev\u00f6lkerung, vor allem in den erzkatholischen Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest \u00e4u\u00dferlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete auch ganze Arbeit bei der Unterdr\u00fcckung. InTirol war die Kirche das gr\u00f6\u00dfte Hindernis. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus wurde die katholische Kirche systematisch bek\u00e4mpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Kl\u00f6ster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingef\u00fchrt. Besonders hartn\u00e4ckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die sp\u00e4teren Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer und Franz Greiter mussten fl\u00fcchten oder worden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung, dem Klerus, politisch Verd\u00e4chtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur \u00fcberblicksm\u00e4\u00dfig zusammenzufassen w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Das Hauptquartier der Gestapo befand sich in der Herrengasse 1. Hier wurden Verd\u00e4chtige schwer misshandelt und teils mit F\u00e4usten zu Tode gepr\u00fcgelt. 1941 wurde in der Rossau in der N\u00e4he des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Verd\u00e4chtige Personen aller Art wurden hier zu Zwangsarbeiten in sch\u00e4bigen Baracken verwahrt. \u00dcber 130 Personen fanden in diesem Lager bestehend aus 20 Baracken den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunf\u00e4lle oder Hinrichtungen. Auch im 10 km von Innsbruck entfernten Dorf Kematen kamen im Messerschmitt Werk Gefangene zum Zwangseinsatz. Darunter waren politische H\u00e4ftlinge, russische Kriegsgefangene und Juden. Zu den Zwangsarbeiten geh\u00f6rten unter anderem die Errichtung der <em>S\u00fcdtiroler Siedlungen<\/em> in der Endphase oder die Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im S\u00fcden Innsbrucks. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert.<\/p>\n<p>Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar ges\u00e4t. Das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal und das Geb\u00e4ude der Alten Universit\u00e4t sind die beiden auff\u00e4lligsten Denkm\u00e4ler. Der Vorplatz der Universit\u00e4t und eine kleine S\u00e4ule am s\u00fcdlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel \u00d6sterreichs Geschichte gestaltet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gumppstrasse 67<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":67268,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[82,154,148,67],"tags":[],"class_list":["post-67351","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-amras-pradl","category-auferstanden-aus-ruinen-die-nachkriegszeit-in-innsbruck","category-der-rote-bischof-und-innsbrucks-sittenverfall","category-innsbruck-und-der-nationalsozialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67351"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67351\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}