{"id":67765,"date":"2025-10-28T15:47:20","date_gmt":"2025-10-28T15:47:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=67765"},"modified":"2026-03-26T14:19:38","modified_gmt":"2026-03-26T14:19:38","slug":"westfriedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/westfriedhof\/","title":{"rendered":"Western cemetery"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Westfriedhof<\/h2>\n<p>Fritz-Pregl-Stra\u00dfe \/ Sch\u00f6pfstra\u00dfe<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;67685,67703,67676,67686,67701,67682,67700,67699,67702,67698,67695,67697,67696,67693,67692,67687,67691,67690,67689,67688,67694,67681,67680,67679,67678,67677,67675,67674,67673,67672,67671,67670,67669,67668&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Westfriedhof&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67786&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Westfriedhof &#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;67768&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Es ist ein Merkmal st\u00e4dtischer Erweiterung und Entwicklung, dass Infrastruktur sich nicht nur technisch ver\u00e4ndert, sondern auch was die Positionierung innerhalb der Gemeinde angeht. Friedh\u00f6fe und Krankenh\u00e4user wachsen nicht nur, sondern verlagern sich h\u00e4ufig in Richtung der neuen Randgebiete. Als Innsbruck von der kleinen Gemeinde an der Br\u00fccke zu einer Stadt wurde, verlegte man den Friedhof von der Pfarrkirche innerhalb der Stadtmauern neben das Stadtspital an den heutigen Adolf-Pichler-Platz. Die sich ausdehnende Hofburg unter Kaiser Maximilian ben\u00f6tigte den Platz des alten Gottesackers. \u00a0Im 19. Jahrhundert, als um die Spitalskirche und den Gottesacker mehr und mehr Geb\u00e4ude in die H\u00f6he wuchsen, wanderten beide Institutionen nach Westen. Der Tiroler Kunsthistoriker Heinrich Hammer (1873 \u2013 1953) beschrieb die Umsiedlung 1923 in seinem Buch <em>Kunstgeschichtlicher F\u00fchrer durch die Bauwerke und Denkm\u00e4ler<\/em> folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eDer \u00e4lteste Friedhof der Stadt lag um die St. Jakobs-Pfarrkirche; offenbar wegen der sich ausdehnenden Hofburg Maximilians I. wurde er 1510 au\u00dferhalb der Stadt verlegt, zur Hl. Geist-Spitalskirche, wo schon 1510\u201316 eine gotische Doppelkapelle (unten zu Ehren der Heiligen Michael und Veit, oben Hl. Anna) und (1571, 1591) Bogeng\u00e4nge entstanden. Nachdem dieser \u201ealte\u201c Friedhof mehrmals (1849) vergr\u00f6\u00dfert worden war, beschloss die Stadt 1855, einen neuen Gottesacker im Westen der Stadt anzulegen, er\u00f6ffnete 1856 bereits einen Teil desselben und stellte im selben Zeitpunkt die Beerdigungen auf dem alten Friedhof ein, dessen Kapelle und Gr\u00e4ber dann 1869 unter barbarischer Zerst\u00f6rung des gr\u00f6\u00dften Teiles der alten Grabsteine abgebrochen wurden; seinen Platz nimmt jetzt die 1869 erbaute Staatsoberrealschule und der 1896 abgesteckte Karl Ludwig-Platz ein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Umsiedlung war nicht nur dem Platzmangel geschuldet, auch die Hygienevorstellungen der Menschen gingen nicht mehr konform mit einem Friedhof mitten im Zentrum. Der aufgekl\u00e4rte Kaiser Josef II. scheiterte zwar mit seinem Wunsch nach mehr Rationalit\u00e4t beim Thema Tod und Sterben, der in der Einf\u00fchrung von wiederverwertbaren Klapps\u00e4rgen gipfelte, in der Zeit nach 1848 brachen aber auch im katholischen Tirol neue Zeiten an. Die Stadt Innsbruck schrieb 1855 einen Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Friedhofs aus. Die Vorgaben waren ein rechteckiger Grundriss und die Gestaltung der Anlage nach dem Vorbild eines italienischen <em>Campo Santo<\/em>. Carl M\u00fcller konnte sich mit seinem zeitgen\u00f6ssisch modernen Entwurf mit mehreren Eing\u00e4ngen und kunstvoll gestalteten Arkaden, die die heute n\u00f6rdlich von der Einsegnungshalle gelegenen Gr\u00e4berfelder umfasste, durchsetzen. Der neue Friedhof wurde im Sommer 1856 auf den unbebauten Wiltener Feldern s\u00fcdlich des Innrain gebaut. Der Arkadengang wurde von Franz Plattner, August von W\u00f6rndle, Mathias Schmid und Georg Mader, einem der Mitbegr\u00fcnder der Tiroler Glasmalerei, in einem sp\u00e4ten Wurf des damals modernen, romantischen Nazarenerstils gestaltet. 1859 schaffte der Brunecker K\u00fcnstler Josef Gr\u00f6bmer (1815 \u2013 1882) die Statue des Auferstandenen \u00fcber dem damaligen Hauptportal am Nordeingang<\/p>\n<p>Ein Spaziergang durch die gepflegte Anlage mit ihren alten B\u00e4umen ist wie ein Museumsbesuch und eine Reise in die Vergangenheit. Die Denkm\u00e4ler und Grabst\u00e4tten zeigen nicht nur die verschiedensten Kunstrichtungen, sondern geben auch viel \u00fcber die Begrabenen und die Umst\u00e4nde der jeweiligen Zeit preis. Viele der Grabst\u00e4tten, wie das Monument der Familie Unterberger und die neogotische Gruft des Innsbrucker Komponisten Josef Pembaur, sind wie die Arkaden mit Malereien im Nazarenerstil versehen und deuten auf die tiefe Fr\u00f6mmigkeit der Beerdigten hin. Der Grabstein des sozialdemokratischen Innsbrucker Politikerehepaares Maria und Martin Rapoldi wurde hingegen als Mosaik im typisch sachlich-republikanischen Stil der Zwischenkriegszeit gestaltet. Die androgyn wirkende Figur tr\u00e4gt Palmzweig und Krone, darunter prangt stolz das Stadtwappen Innsbrucks als s\u00e4kulares Symbol. Auch das sparsam gehaltene, b\u00fcrgerliche Ehrengrab Josef Kiebachs tr\u00e4gt das Stadtwappen. Das Grabmal des letzten Landeshauptmanns der k.k. Monarchie Josef Schraffl (1855 \u2013 1922) verspr\u00fcht mit einem barock-leidenden Gekreuzigten und steinernem Adler die allgemeine Stimmungslage des frisch nach dem Ersten Weltkrieg am Brenner geteilten Landes Tirol. Unter Arkade 96 befindet sich die Grablege des gro\u00dfdeutsch-nationalen B\u00fcrgermeisters Wilhelm Greils, der einer aus der Antike entsprungenen, verh\u00fcllten Frau deutsches Eichenlaub in die Hand gibt. Der Trentiner Bildhauer Andrea Malfatti gestaltete Die Oberer\u00b4sche Grabst\u00e4tte in Arkade 48 mit der <em>Verkl\u00e4rung Christi<\/em> und die Lodron\u00b4sche Grabst\u00e4tte <em>Trauernde M\u00e4dchengestalt<\/em> in Arkade 52 im italienisch-naturalistischen Stil. 1909 lie\u00df der Innsbrucker Baumeister Josef Retter zentral im neueren, s\u00fcdlichen Teil des Friedhofs eine neogotische Kapelle, die mittlerweile dank ihres romantischen Efeubewuchses als Filmkulisse dienen k\u00f6nnte, als Familiengrablege errichten. Die massive Holzt\u00fcr wird von einem Mosaik umrahmt, das dem Jugendstil nahesteht.<\/p>\n<p>Einige der aufw\u00e4ndig gestalteten Denkm\u00e4ler, Ehrengr\u00e4ber und Familiengrablegen bedeutender Innsbrucker sind durchaus umstritten. Eine B\u00fcste erinnert an Pr\u00e4lat Anton M\u00fcllner, der als kriegstreibender Dichter unter dem Synonym Bruder Willram w\u00fcste Machwerke fabrizierte. Besonders \u201epatriotisch\u201c pr\u00e4sentiert sich das Gefallenendenkmal der schlagenden Burschenschaft <em>Suevia<\/em>. Ihren Wahlspruch \u201e<em>Freiheit, Ehre, Vaterland<\/em>\u201c, den sie sich mit anderen deutschnationalen schlagenden akademischen Verbindungen wie der Libertas in Wien teilen, wird von einer martialischen Figur gekr\u00f6nt. Der erste B\u00fcrgermeister der Nachkriegszeit Anton Melzer (1898 \u2013 1951), der nach 1938 aus dem Stadtrat entfernt wurde und lange Zeit im Lager Reichenau in Haft war, hat sein kunstvoll gestaltetes Ehrengrab in unmittelbarer N\u00e4he zur letzten Ruhest\u00e4tte von Egon Denz, der w\u00e4hrend der NS-Zeit B\u00fcrgermeister in Innsbruck war.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten Ehrengr\u00e4ber wurden wie auch das Kruzifix im Zentrum des Nordteils der Anlage 1858 vom alten st\u00e4dtischen Friedhof auf den neuen Zentralfriedhof \u00fcbertragen, zum Beispiel die Grabst\u00e4tte des Hofbildhauers unter Ferdinand I. Alexander Colin (1527 \u2013 1612), der sich sein Denkmal mit der <em>Erweckung des Lazarus<\/em> zu Lebzeiten selbst schuf, oder des Vertreters der fr\u00fchen Aufkl\u00e4rung in \u00d6sterreich und Kanzlers von Tirol Josef von Hormayr (1705 \u2013 1779). Ein besonders gruseliges Denkmal am Nordeingang erinnert an diese \u00dcbersiedlung. Josef fertigte das Ensemble 1775 f\u00fcr die Grabst\u00e4tte der Grafen Wolkenstein-Trostburg an, einem der \u00e4ltesten Adelsgeschlechter Tirols. 1873 wurde das neogotische Denkmal von der Stadt direkt vor dem Haupteingang aufgestellt. Im selben Jahr erw\u00e4hnten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> das Denkmal lobend in einem Bericht rund um den Friedhof zu Allerseelen:<\/p>\n<p><em>\u201eDen Friedhof nach dieser kurzen Rundschau verlassend, begegnen wir in demselben, theilweise etwas hinter Cypressen versteckt, heuer einem bekannten Denkmale aus dem alten Friedhofe. Das dort gestandene ehemals Wolkenstein&#8217;sche Monument hat die Stadtvertretung vom Bildhauer Grissemann restauriren und in sinniger Weise zur Erinnerung an alle aus dem alten Friedhofe \u00fcbertragenen Ueberreste hier aufstellen lassen. Dieses bedeutende Marmorwerk aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts bildet mit seinem etwas geckenhaft die Sanduhr \u00fcber den hohen Sarg haltenden Alten, dem Gevatter Tod, und der sch\u00f6nen ihm gegen\u00fcberstehenden weiblichen Figur, die sich mit Grauen von ihm abwendet, eine Zierde unseres Friedhofes, der nachgerade eine St\u00e4tte tirolischer Kunst geworden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Denkmal zeigt Saturn, das r\u00f6mische \u00c4quivalent zum griechischen Gott Chronos. Die kunstvoll gestalteten Figuren im Stil der klassischen Antike erstaunlich gut in die 1870er Jahre, die vom beginnenden Historismus gepr\u00e4gt waren. Saturn war der r\u00f6mische Schutzpatron der Zeit, des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Der Legende nach verschlang der Himmelsvater seine eigenen Kinder, um zu verhindern, dass er von ihnen als Herrscher entmachtet wird. Sein Sohn Jupiter, der griechische Zeus, wurde aber gerettet und konnte ihn st\u00fcrzen. Das Denkmal zeigt Saturn in Gestalt eines Todesengels, der einer trauernden Frau \u00fcber einen Totenkopf gebeugt unbarmherzig eine abgelaufene Sanduhr vorh\u00e4lt, w\u00e4hrend ein Kind am Fu\u00dfe des Sarkophags sein Gesicht mit einem Schleier verh\u00fcllt.<\/p>\n<p>Drei Jahre nach der Einweihung des neuen st\u00e4dtischen Friedhofs er\u00f6ffnete die Stadt s\u00fcdlich der Hauptanlage den evangelischen Teil, nat\u00fcrlich baulich getrennt, um die katholische Ordnung im Land Tirol aufrecht zu erhalten. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter folgte der j\u00fcdische Teil, ebenfalls eigens eingefriedet. Der ehemalige j\u00fcdische Friedhof am Judenb\u00fchel in St. Nikolaus musste verlegt werden, nachdem die Gr\u00e4ber mehrmals verw\u00fcstet worden waren. 1961 sollte sich diese traurige Geschichte w\u00e4hrend der Eichmann-Prozesse wiederholen, als der j\u00fcdische Teil am Westfriedhof erneut von Unbekannten gesch\u00e4ndet wurde. 1889 wuchs der Friedhof auf seine doppelte Fl\u00e4che an, nachdem die Anlage innerhalb von etwas mehr als 30 Jahren zu klein geworden war. Der ehemalige Abschluss mit der Friedhofskapelle wurde zum Verbindungsteil, der Haupteingang wurde ans Ostende verlegt. Im kurzen Wirtschaftsaufschwung der Zwischenkriegszeit wurde die nach der Er\u00f6ffnung des Pradler Friedhofs <em>Westfriedhof<\/em> genannte Anlage erneut erweitert und modernisiert. Die Kapelle in der Mitte der Anlage 1927 wurde nach Pl\u00e4nen des st\u00e4dtischen Baubeamten Franz Wiesenberg im kubischen Stil mit Pyramidendach erneuert. Das steinerne Ensemble \u00fcber dem Eingang in die neue Einsegnungshalle mit Gott Vater, Sohn und dem Heiligen Geist ist im sachlichen Stil der Zwischenkriegszeit gestaltet. Gottlieb Schuller und Rudolf Jettmar gestalteten die Gem\u00e4lde, Franz Santifaller die Holzfiguren, die Glaube, Liebe und Hoffnung symbolisieren.\u00a0 Im Inneren schm\u00fccken Mosaike der Tiroler Glasmalerei die W\u00e4nde. Die alte Vorhalle mit den Fresken <em>Untergang der Welt<\/em>, <em>J\u00fcngstes Gericht<\/em> und <em>Himmlisches Jerusalem<\/em> Franz Plattners blieb zum Gl\u00fcck erhalten. Der Friedhof erhielt gem\u00e4\u00df den modernen Vorstellungen der Zeit der Ersten Republik einen kleinen Urnenhain. Die Umstellung des Beerdigungsritus vom pomp\u00f6sen orthodoxen Ritus zur b\u00fcrgerlichen Verbrennung war eine der ersten Ma\u00dfnahmen in der revolution\u00e4ren Sowjetunion der 1920er Jahre, um die Abkehr vom monarchistischen System des Zarismus zu manifestieren. Die in Innsbruck starke Sozialdemokratie konnte mit dem Urnenhain nur einen Teilerfolg landen landen. Das geplante Krematorium war dann doch zu viel des Guten und zerschellte, wie schon der wiederverwertbare Sarg Josefs II. an den Protesten des katholischen Teils Tirols.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Glaube, Kirche, Obrigkeit und Herrschaft&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53360&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die F\u00fclle an Kirchen, Kapellen, Kruzifixen und Wandmalereien im \u00f6ffentlichen Raum wirkt auf viele Besucher Innsbrucks aus anderen L\u00e4ndern eigenartig. Nicht nur Gottesh\u00e4user, auch viele Privath\u00e4user sind mit Darstellungen der Heiligen Familie oder biblischen Szenen geschm\u00fcckt. Der christliche Glaube und seine Institutionen waren in ganz Europa \u00fcber Jahrhunderte alltagsbestimmend. Innsbruck als Residenzstadt der streng katholischen Habsburger und Hauptstadt des selbsternannten <em>Heiligen Landes Tirol<\/em> wurde bei der Ausstattung mit kirchlichen Bauwerkern besonders begl\u00fcckt. Allein die Dimension der Kirchen umgelegt auf die Verh\u00e4ltnisse vergangener Zeiten sind gigantisch. Die Stadt mit ihren knapp 5000 Einwohnern besa\u00df im 16. Jahrhundert mehrere Kirchen, die in Pracht und Gr\u00f6\u00dfe jedes andere Geb\u00e4ude \u00fcberstrahlte, auch die Pal\u00e4ste der Aristokratie. Das Kloster Wilten war ein Riesenkomplex inmitten eines kleinen Bauerndorfes, das sich darum gruppierte. Die r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe der Gottesh\u00e4user spiegelt die Bedeutung im politischen und sozialen Gef\u00fcge wider.<\/p>\n<p>Die Kirche war f\u00fcr viele Innsbrucker nicht nur moralische Instanz, sondern auch weltlicher Grundherr. Der Bischof von Brixen war formal hierarchisch dem Landesf\u00fcrsten gleichgestellt. Die Bauern arbeiteten auf den Landg\u00fctern des Bischofs wie sie auf den Landg\u00fctern eines weltlichen F\u00fcrsten f\u00fcr diesen arbeiteten. Damit hatte sie die Steuer- und Rechtshoheit \u00fcber viele Menschen. Die kirchlichen Grundbesitzer galten dabei nicht als weniger streng, sondern sogar als besonders fordernd gegen\u00fcber ihren Untertanen. Gleichzeitig war es auch in Innsbruck der Klerus, der sich in gro\u00dfen Teilen um das Sozialwesen, Krankenpflege, Armen- und Waisenversorgung, Speisungen und Bildung sorgte. Der Einfluss der Kirche reichte in die materielle Welt \u00e4hnlich wie es heute der Staat mit Finanzamt, Polizei, Schulwesen und Arbeitsamt tut. Was uns heute Demokratie, Parlament und Marktwirtschaft sind, waren den Menschen vergangener Jahrhunderte Bibel und Pfarrer: Eine Realit\u00e4t, die die Ordnung aufrecht h\u00e4lt. Zu glauben, alle Kirchenm\u00e4nner w\u00e4ren zynische Machtmenschen gewesen, die ihre ungebildeten Untertanen ausn\u00fctzten, ist nicht richtig. Der Gro\u00dfteil sowohl des Klerus wie auch der Adeligen war fromm und gottergeben, wenn auch auf eine aus heutiger Sicht nur schwer verst\u00e4ndliche Art und Weise. Verletzungen der Religion und Sitten wurden in der sp\u00e4ten Neuzeit vor weltlichen Gerichten verhandelt und streng geahndet. Die Anklage bei Verfehlungen lautete H\u00e4resie, worunter eine Vielzahl an Vergehen zusammengefasst wurde. Sodomie, also jede sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung diente, Zauberei, Hexerei, Gottesl\u00e4sterung \u2013 kurz jede Abwendung vom rechten Gottesglauben, konnte mit Verbrennung geahndet werden. Das Verbrennen sollte die Verurteilten gleichzeitig reinigen und sie samt ihrem s\u00fcndigen Treiben endg\u00fcltig vernichten, um das B\u00f6se aus der Gemeinschaft zu tilgen. Bis in die Angelegenheiten des t\u00e4glichen Lebens regelte die Kirche lange Zeit das allt\u00e4gliche Sozialgef\u00fcge der Menschen. Kirchenglocken bestimmten den Zeitplan der Menschen. Ihr Klang rief zur Arbeit, zum Gottesdienst oder informierte als Totengel\u00e4ut \u00fcber das Dahinscheiden eines Mitglieds der Gemeinde. Menschen konnten einzelne Glockenkl\u00e4nge und ihre Bedeutung voneinander unterscheiden. Sonn- und Feiertage strukturierten die Zeit. Fastentage regelten den Speiseplan. Familienleben, Sexualit\u00e4t und individuelles Verhalten hatten sich an den von der Kirche vorgegebenen Moral zu orientieren. Das Seelenheil im n\u00e4chsten Leben war f\u00fcr viele Menschen wichtiger als das Lebensgl\u00fcck auf Erden, war dies doch ohnehin vom determinierten Zeitgeschehen und g\u00f6ttlichen Willen vorherbestimmt. Fegefeuer, letztes Gericht und H\u00f6llenqualen waren Realit\u00e4t und verschreckten und disziplinierten auch Erwachsene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Innsbrucker B\u00fcrgertum von den Ideen der Aufkl\u00e4rung nach den Napoleonischen Kriegen zumindest sanft wachgek\u00fcsst wurde, blieb der Gro\u00dfteil der Menschen weiterhin der Mischung aus konservativem Katholizismus und abergl\u00e4ubischer Volksfr\u00f6mmigkeit verbunden. Religiosit\u00e4t war nicht unbedingt eine Frage von Herkunft und Stand, wie die gesellschaftlichen, medialen und politischen Auseinandersetzungen entlang der Bruchlinie zwischen Liberalen und Konservativ immer wieder aufzeigten. Seit der <em>Dezemberverfassung<\/em> von 1867 war die freie Religionsaus\u00fcbung zwar gesetzlich verankert, Staat und Religion blieben aber eng verkn\u00fcpft. Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen f\u00fcr den Einfluss, den die Kirche bis in die 1970er Jahre hin aus\u00fcbte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nahm diese politische Krise, die die gesamte Monarchie erfassen sollte in Innsbruck ihren Anfang. Ludwig Wahrmund (1861 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sahen Reformkatholiken den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Seit 1848 hatten sich die Gr\u00e4ben zwischen liberal-nationalen, sozialistischen, konservativen und reformorientiert-katholischen Interessensgruppen und Parteien vertieft. Eine der heftigsten Bruchlinien verlief durch das Bildungs- und Hochschulwesen entlang der Frage, wie sich das \u00fcbernat\u00fcrliche Gebaren und die Ansichten der Kirche, die noch immer ma\u00dfgeblich die Universit\u00e4ten besetzten, mit der modernen Wissenschaft vereinbaren lie\u00dfen. Liberale und katholische Studenten verachteten sich gegenseitig und krachten immer aneinander. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte, bevor er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em> wurde, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Angeheizt von den Medien fand der Kulturkampf zwischen liberalen Deutschnationalisten, Konservativen, Christlichsozialen und Sozialdemokraten in der Person Ludwig Wahrmunds eine ideale Projektionsfl\u00e4che. Was folgte waren Ausschreitungen, Streiks, Schl\u00e4gereien zwischen Studentenverbindungen verschiedener Couleur und Ausrichtung und gegenseitige Diffamierungen unter Politikern. Die <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) krachte auf der B\u00fchne der Universit\u00e4t Innsbruck auf den politischen Katholizismus der Christlichsozialen. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten sowie von B\u00fcrgermeister Greil, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung ein. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freissinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er Gott, die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Unibetrieb eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Auch in der Ersten Republik war die Verbindung zwischen Kirche und Staat stark. Der christlichsoziale, als <em>Eiserner Pr\u00e4lat<\/em> in die Geschichte eingegangen Ignaz Seipel schaffte es in den 1920er Jahren bis ins h\u00f6chste Amt des Staates. Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df sah seinen St\u00e4ndestaat als Konstrukt auf katholischer Basis als Bollwerk gegen den Sozialismus. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren Kirche und Politik in Person von Bischof Rusch und Kanzler Walln\u00f6fer ein Gespann. Erst dann begann eine ernsthafte Trennung. Glaube und Kirche haben noch immer ihren fixen Platz im Alltag der Innsbrucker, wenn auch oft unbemerkt. Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte haben der offiziellen Mitgliederzahl zwar eine Delle versetzt und Freizeitevents werden besser besucht als Sonntagsmessen. Die r\u00f6misch-katholische Kirche besitzt aber noch immer viel Grund in und rund um Innsbruck, auch au\u00dferhalb der Mauern der jeweiligen Kl\u00f6ster und Ausbildungsst\u00e4tten. Etliche Schulen in und rund um Innsbruck stehen ebenfalls unter dem Einfluss konservativer Kr\u00e4fte und der Kirche. Und wer immer einen freien Feiertag genie\u00dft, ein Osterei ans andere peckt oder eine Kerze am Christbaum anz\u00fcndet, muss nicht Christ sein, um als Tradition getarnt im Namen Jesu zu handeln.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Eine Republik entsteht&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Eine Erste Republik entsteht&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;62863&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Kaum eine Epoche ist schwerer zu fassen als die Zwischenkriegszeit. Die <em>Roaring Twenties<\/em>, Jazz und Automobile kommen einem ebenso in den Sinn wie Inflation und Wirtschaftskrise. In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin geb\u00e4rdeten sich junge Damen als <em>Flappers<\/em> mit Bubikopf, Zigarette und kurzen R\u00f6cken zu den neuen Kl\u00e4ngen lasziv, Innsbrucks Bev\u00f6lkerung geh\u00f6rte als Teil der jungen Republik \u00d6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil zur Fraktion Armut, Wirtschaftskrise und politischer Polarisierung. Schon die Ausrufung der Republik am Parlament in Wien vor \u00fcber 100.000 mehr oder minder begeisterten, vor allem aber verunsicherten Menschen verlief mit Tumulten, Schie\u00dfereien, zwei Toten und 40 Verletzten alles andere als reibungsfrei. Wie es nach dem Ende der Monarchie und dem Wegfall eines gro\u00dfen Teils des Staatsterritoriums weitergehen sollte, wusste niemand. Das neue \u00d6sterreich erschien zu klein und nicht lebensf\u00e4hig. Der Beamtenstaat des k.u.k. Reiches setzte sich nahtlos unter neuer Fahne und Namen durch. Die Bundesl\u00e4nder als Nachfolger der alten Kronl\u00e4nder erhielten in der Verfassung im Rahmen des F\u00f6deralismus viel Spielraum in Gesetzgebung und Verwaltung. Die Begeisterung f\u00fcr den neuen Staat hielt sich aber in der Bev\u00f6lkerung in Grenzen. Nicht nur, dass die Versorgungslage nach dem Wegfall des allergr\u00f6\u00dften Teils des ehemaligen Riesenreiches der Habsburger miserabel war, die Menschen misstrauten dem Grundgedanken der Republik. Die Monarchie war nicht perfekt gewesen, mit dem Gedanken von Demokratie konnten aber nur die allerwenigsten etwas anfangen. Anstatt Untertan des Kaisers war man nun zwar B\u00fcrger, allerdings nur B\u00fcrger eines Zwergstaates mit \u00fcberdimensionierter und in den Bundesl\u00e4ndern wenig geliebter Hauptstadt anstatt eines gro\u00dfen Reiches. In den ehemaligen Kronl\u00e4ndern, die zum gro\u00dfen Teil christlich-sozial regiert wurden, sprach man gerne vom <em>Wiener Wasserkopf<\/em>, der sich mit den Ertr\u00e4gen der flei\u00dfigen Landbev\u00f6lkerung durchf\u00fcttern lie\u00df.<\/p>\n<p>Auch andere Bundesl\u00e4nder spielten mit dem Gedanken, sich von der Republik abzukoppeln, nachdem der von allen Parteien unterst\u00fctzte Plan sich Deutschland anzuschlie\u00dfen von den Siegerm\u00e4chten des Ersten Weltkriegs untersagt worden war. Die Tiroler Pl\u00e4ne allerdings waren besonders spektakul\u00e4r. Von einem neutralen Alpenstaat mit anderen Bundesl\u00e4ndern, einem Freistaat bestehend aus Tirol und Bayern oder von Kufstein bis Salurn, einem Anschluss an die Schweiz bis hin zu einem katholischen Kirchenstaat unter p\u00e4pstlicher F\u00fchrung gab es viele \u00dcberlegungen. Besonders popul\u00e4r war die naheliegendste L\u00f6sung. In Tirol war es nicht neu, sich als Deutscher zu f\u00fchlen. Warum sich also nicht auch politisch an den gro\u00dfen Bruder im Norden anh\u00e4ngen? Besonders unter st\u00e4dtischen Eliten und Studenten war dieser Wunsch sehr ausgepr\u00e4gt. Der Anschluss an Deutschland erhielt in Tirol bei einer Abstimmung in Tirol einen Zuspruch von 98%, kam aber nie zustande.<\/p>\n<p>Anstatt ein Teil Deutschlands zu werden, unterstand man den ungeliebten <em>Wallschen<\/em>. Knapp zwei Jahre lang besetzten italienische Truppen nach Kriegsende Innsbruck. Bei den Friedensverhandlungen in Paris war wurde der Brenner zur neuen Grenze erkl\u00e4rt. Das historische Tirol war zweigeteilt. Am Brenner stand Milit\u00e4r, um eine Grenze zu sichern, die es vorher nie gab und als unnat\u00fcrlich und ungerecht empfunden wurde. 1924 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat, Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen rund um den Hauptbahnhof nach S\u00fcdtiroler St\u00e4dten zu benennen. Der Bozner Platz sowie die Brixner- und die Salurnerstra\u00dfe tragen ihre Namen bis heute. Viele Menschen zu beiden Seiten des Brenners f\u00fchlten sich verraten. Man hatte den Krieg zwar bei Weitem nicht gewonnen, als Verlierer gegen\u00fcber Italien sah man sich aber nicht. Der Hass auf Italiener erreichte in der Zwischenkriegszeit seinen H\u00f6hepunkt, auch wenn die Besatzungstruppen sich betont milde gab. Eine Passage aus dem Erz\u00e4hlband \u201e<em>Die Front \u00fcber den Gipfeln<\/em>\u201c des nationalsozialistischen Autors Karl Springenschmid aus den 1930ern spiegelt die allgemeine Stimmung wider:<\/p>\n<p><em>\u201e`Walsch (Anm.:Italienisch) werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste!` sagt die Junge. <\/em><\/p>\n<p><em>Da nickt der alte Tappeiner blo\u00df und schimpft: `Wei\u00df wohl selber und wir wissen es alle: Walsch werden, das w\u00e4r das \u00c4rgste.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ungemach drohte auch in der Innenpolitik. Die Revolution in Russland und der darauffolgende B\u00fcrgerkrieg mit Millionen von Todesopfern, Enteignung und kompletter Systemumkehr warf ihren langen Schatten bis nach \u00d6sterreich. Die Aussicht auf <em>sowjetische Zust\u00e4nde<\/em> machte den Menschen Angst. \u00d6sterreich war tief gespalten. Hauptstadt und Bundesl\u00e4nder, Stadt und Land, B\u00fcrger, Arbeiter und Bauern \u2013 im Vakuum der ersten Nachkriegsjahre wollte jede Gruppe die Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Kulturk\u00e4mpfe der sp\u00e4ten Monarchie zwischen Konservativen, Liberalen und Sozialisten setzte sich nahtlos fort. Die Kluft bestand nicht nur auf politischer Ebene. Moral, Familie, Freizeitgestaltung, Erziehung, Glaube, Rechtsverst\u00e4ndnis \u2013 jeder Lebensbereich war betroffen. Wer sollte regieren? Wie sollten Verm\u00f6gen, Rechte und Pflichten verteilt werden. Ein kommunistischer Umsturz war besonders in Tirol keine reale Gefahr, lie\u00df sich aber medial gut als Bedrohung instrumentalisieren, um die Sozialdemokratie in Verruf zu bringen. 1919 hatte sich in Innsbruck zwar ein <em>Arbeiter-, Bauer- und Soldatenrat <\/em>nach sowjetischem Vorbild ausgerufen, sein Einfluss blieb aber gering und wurde von keiner Partei unterst\u00fctzt. Ab 1920 bildeten sich offiziell sogenannten Soldatenr\u00e4te, die aber christlich-sozial dominiert waren. Das b\u00e4uerliche und b\u00fcrgerliche Lager rechts der Mitte militarisierte sich mit der <em>Tiroler Heimatwehr<\/em> professioneller und konnte sich \u00fcber st\u00e4rkeren Zulauf freuen als linke Gruppen, auch dank kirchlicher Unterst\u00fctzung. Die Sozialdemokratie wurde von den Kirchkanzeln herab und in konservativen Medien als <em>Judenpartei<\/em> und heimatlose Vaterlandsverr\u00e4ter bezeichnet. Allzu gerne gab man ihnen die Schuld am verlorenen Krieg und den Folgen gab. Der Tiroler Anzeiger brachte die Volks\u00e4ngste auf den Punkt: <em>\u201cWehe dem christlichen Volke, wenn bei den Wahlen die Juden=Sozi siegen!\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der Innsbrucker Gemeinderat umfasste mit der neuen Gemeinderatsordnung, die das allgemeine Wahlrecht aller Erwachsenen vorsah, von 1919 40 Mitglieder. Von 24.644 zur Wahlurne gerufenen B\u00fcrgern machten unglaubliche 24.060 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bereits im ersten Gemeinderat mit freien Wahlen waren drei Frauen vertreten. W\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen Bezirken die <em>Tiroler Volkspartei<\/em> als Zusammenschluss aus <em>Bauernbund<\/em>, <em>Volksverein<\/em> und <em>Katholischer Arbeiterschaft<\/em> dominierte, konnte die Sozialdemokratie unter der F\u00fchrung von Martin Rapoldi trotz des starken Gegenwindes in Innsbruck bei den ersten Wahlen 1919 stets zwischen 30 und 50% der Stimmen erringen. Dass es mit dem B\u00fcrgermeistersessel f\u00fcr die Sozialdemokraten nicht klappte, lag an den Mehrheiten im Gemeinderat durch B\u00fcndnisse der anderen Parteien. Liberale und <em>Tiroler Volkspartei<\/em> stand der Sozialdemokratie gegen\u00fcber mindestens so ablehnend gegen\u00fcber wie der Bundeshauptstadt Wien und den italienischen Besatzern.<\/p>\n<p>Die hohe Politik war aber nur der Rahmen des eigentlichen Elends. Die als <em>Spanische Grippe<\/em> in die Geschichte eingegangene Epidemie forderte in den Jahren nach dem Krieg auch in Innsbruck ihren Tribut. Genaue Zahlen wurden nicht erfasst, weltweit sch\u00e4tzt man die Zahl der Todesopfer auf 27 \u2013 50 Millionen. In Innsbruck sollen es in der Bl\u00fctezeit der Spanischen Grippe um die 100 Opfer t\u00e4glich gewesen sein, die der Krankheit zum Opfer fielen. Viele Innsbrucker waren von den Schlachtfeldern nicht nach Hause zur\u00fcckgekehrt und fehlten als V\u00e4ter, Ehem\u00e4nner und Arbeitskr\u00e4fte. Viele von denen, die es zur\u00fcckgeschafft hatten, waren verwundet und von den Kriegsgr\u00e4ueln gezeichnet. Noch im Februar 1920 veranstaltete der \u201e<em>Tiroler Ausschuss der Sibirier\u201c<\/em> im <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> <em>\u201e\u2026zu Gunsten des Fondes zur Heimbef\u00f6rderung unserer Kriegsgefangenen\u2026<\/em>\u201c einen Benefizabend. Noch lange nach dem Krieg bedurfte das Land Tirol Hilfe von ausw\u00e4rts, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Unter der \u00dcberschrift \u201e<em>Erhebliche Ausdehnung der amerikanischen Kinderhilfsaktion in Tirol<\/em>\u201c stand am 9. April 1921 in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> zu lesen: \u201e<em>Den Bed\u00fcrfnissen des Landes Tirol Rechnung tragend, haben die amerikanischen Vertreter f\u00fcr Oesterreich in hochherzigster Weise die t\u00e4gliche Mahlzeitenanzahl auf 18.000 Portionen erh\u00f6ht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kam die Arbeitslosigkeit. Vor allem Beamte und Mitarbeiter im \u00f6ffentlichen Dienst, hatten ihre Arbeit verloren, nachdem der V\u00f6lkerbund seine Anleihe an herbe Sparma\u00dfnahmen gekn\u00fcpft hatte. Die Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst wurden gek\u00fcrzt. Es kam immer wieder zu Streiks. Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor war ob der Probleme in den umliegenden, vom Krieg ebenfalls gebeutelten L\u00e4ndern inexistent. Die vor dem Krieg boomende Baubranche brach komplett ein. Innsbrucks gr\u00f6\u00dfte Firme <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> hatte 1913 \u00fcber 700 Mitarbeiter, am H\u00f6hepunkt der Wirtschaftskrise 1933 waren es nur noch 18. Der Mittelstand brach zu einem guten Teil zusammen. Der durchschnittliche Innsbrucker war mittellos und mangelern\u00e4hrt. Oft konnten nicht mehr als 800 Kalorien pro Tag zusammengekratzt werden. Die Kriminalit\u00e4tsrate war in diesem Klima der Armut h\u00f6her als je zuvor. Viele Menschen verloren ihre Bleibe. 1922 waren in Innsbruck 3000 Familien auf Wohnungssuche trotz eines st\u00e4dtischen Notwohnungsprogrammes, das bereits mehrere Jahre in Kraft war. In alle verf\u00fcgbaren Objekte wurden Wohnungen gebaut. Am 11. Februar 1921 fand sich in einer langen Liste in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die einzelnen Projekte, die betrieben wurden unter anderem dieser Posten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das st\u00e4dtische Krankenhaus hat die Seuchenbaracke in Pradl aufgelassen und der Stadtgemeinde zur Herstellung von Notwohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt. Zur Errichtung von 7 Notwohnungen wurde der erforderliche Kredit von 295 K (Anm.: Kronen) bewilligt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In den ersten Jahren passierte nur sehr wenig. Dann erwachte die Politik aus ihrer Lethargie. Die Krone, ein Relikt aus der Monarchie, wurde 1m 1. Januar 1925 vom Schilling als offizielle W\u00e4hrung \u00d6sterreichs abgel\u00f6st. Die alte W\u00e4hrung hatte gegen\u00fcber dem Dollar zwischen 1918 und 1922 mehr als 95% ihres Wertes respektive dem Wechselkurses vor dem Krieg verloren. Innsbruck begann, wie viele andere \u00f6sterreichische Gemeinden, eigenes Geld zu drucken. Die Menge des Geldes, das im Umlauf war, stieg zwischen 1920 und 1922 von 12 Milliarden Kronen auf \u00fcber 3 Billionen Kronen an. Eine epochale Inflation war die Folge davon.<\/p>\n<p>Mit der W\u00e4hrungssanierung nach der V\u00f6lkerbundanleihe unter Kanzler Ignaz Seipel rappelten sich aber nicht nur Banken und B\u00fcrger auf, auch die Bauauftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand nahmen wieder zu. Innsbruck modernisierte sich. Es trat das ein, was Wirtschaftswissenschaftler eine Scheinbl\u00fcte nennen. Diese kurzzeitige, wirtschaftliche Erholung war eine <em>Bubble,<\/em> bescherte der Stadt Innsbruck aber gro\u00dfe Projekte wie das Tivoli, das St\u00e4dtische Hallenbad, die H\u00f6henstra\u00dfe auf die Hungerburg, die Bergbahnen auf den Berg Isel und die Nordkette, neue Schulen und Wohnbl\u00f6cke. Die Stadt kaufte den Achensee und errichtete als Hauptaktion\u00e4r der TIWAG das Kraftwerk in Jenbach. In der Reichenau entstand 1925 der erste Flughafen, der Innsbruck 65 Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Bahnlinie auch in den Luftverkehr involvierte. 1930 verband die Universit\u00e4tsbr\u00fccke die Klinik in Wilten und die H\u00f6ttinger Au. An der Sill entstanden die Pembaurbr\u00fccke und die Prinz-Eugen-Br\u00fccke. Die Handschrift der neuen, gro\u00dfen Massenparteien in der Gestaltung dieser Projekte ist dabei nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die erste Republik war eine schwere Geburt aus den \u00dcberbleibseln der einstigen Monarchie und sie sollte nicht lange halten. Trotz der Nachkriegsprobleme passierte in der Ersten Republik aber auch viel Positives. Aus Untertanen wurden B\u00fcrger. Was in der Zeit Maria Theresias begann, wurde nun unter neuen Vorzeichen weitergef\u00fchrt. Der Wechsel vom Untertanen zum B\u00fcrger zeichnete sich nicht nur durch ein neues Wahlrecht, sondern vor allem durch die verst\u00e4rkte Obsorge des Staates aus. Staatliche Regelungen, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Arbeits\u00e4mter, Krankenh\u00e4user und st\u00e4dtische Wohnanlagen traten an die Stelle des Wohlwollens des Grundherrn, Landesf\u00fcrsten, wohlhabender B\u00fcrger, der Monarchie und der Kirche.<\/p>\n<p>Bis heute basiert vieles im \u00f6sterreichischen Staatswesen sowie im Innsbrucker Stadtbild und der Infrastruktur auf dem, was nach dem Zusammenbruch der Monarchie entstanden war. In Innsbruck gibt es keine bewussten Erinnerungsorte an die Entstehung der Ersten Republik in \u00d6sterreich. Die denkmalgesch\u00fctzten Wohnanlagen wie der <em>Schlachthofblock<\/em>, der <em>Pembaurblock<\/em> oder der <em>Mandelsbergerblock<\/em> oder die <em>Pembaurschule<\/em> sind Stein gewordene Zeitzeugen. Der Weltspartag erinnert seit 1925 allj\u00e4hrlich an die Einf\u00fchrung des Schillings. Kinder und Erwachsene sollten zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erzogen werden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Das Jahr 1848 und seine Folgen&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53607&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europ\u00e4ischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den gro\u00dfen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im <em>Heiligen Land<\/em> hinterlie\u00df das Revolutionsjahr aber kr\u00e4ftige Spuren.\u00a0 Im Gegensatz zum b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgekl\u00e4rtes Bildungsb\u00fcrgertum entwickelt. Aufgekl\u00e4rte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesf\u00fcrsten mehr sein, sondern B\u00fcrger mit Rechten und Pflichten gegen\u00fcber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und B\u00fcrgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen. Besonders radikale Liberale und Nationalisten stellten sogar die Allmacht der Kirche in Frage.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1848 entlud sich in vielen St\u00e4dten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufst\u00e4nden. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Gro\u00dfen und Ganzen ging die Revolution im gem\u00e4chlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen w\u00e4re verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. M\u00e4rz verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder \u00dcbergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der H\u00f6hepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterst\u00fctzten das Stadtmagistrat sogar dabei, die \u00f6ffentliche Ordnung zu \u00fcberwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit f\u00fcr die neu gew\u00e4hrten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr b\u00fcrgerliche Revolution wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgel\u00f6st. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne w\u00e4hrend eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche <em>Tricolore<\/em> gehisst. W\u00e4hrend sich Studenten, Arbeiter, liberal-nationalistisch gesinnte B\u00fcrger, Republikaner, Anh\u00e4nger einer konstitutionellen Monarchie und katholische Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung, die von Piemont und Mailand ausgehend Norditalien erfasst hatte. Innsbrucker Studenten und Sch\u00fctzen zogen mit Unterst\u00fctzung der k.k. Armeef\u00fchrung ins Trentino, um die Unruhen und Aufst\u00e4nde im Keim zu ersticken. Bekannte Mitglieder dieses Korps waren der bereits in die Jahre gekommene Pater Haspinger, der bereits mit Andreas Hofer 1809 zu Felde zog, und Adolf Pichler. Johann Nepomuk Mahl-Schedl, verm\u00f6gender Besitzer von Schloss B\u00fcchsenhausen, stattete sogar eine eigene Kompanie aus, mit der er zur Grenzsicherung \u00fcber den Brenner zog.<\/p>\n<p>Auch die Stadt Innsbruck als politisches und wirtschaftliches Zentrum des multinationalen Kronlandes Tirol und Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalit\u00e4tenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gef\u00fchle in Innsbruck mehr Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung als die nach b\u00fcrgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner schaukelte sich derma\u00dfen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegen\u00fcber den zahlreichen Betrieben und Gastst\u00e4tten von italienischsprachigen Tirolern gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die relative Beschaulichkeit Innsbrucks kam dem unter Druck stehenden Kaiserhaus recht. Als es in Wien auch nach dem M\u00e4rz nicht aufh\u00f6rte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er von der Bev\u00f6lkerung begeistert empfangen.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Wie hei\u00dft das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genie\u00dft in dieser verh\u00e4ngni\u00dfvollen Zeit? St\u00fctzt sich die Ruhe und Sicherheit hier blo\u00df auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bl\u00e4st, und der Sturm nicht ersch\u00fcttert? Dieses Alipenland hei\u00dft Tirol, gef\u00e4llts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bew\u00e4hrt in der Mitte des aufgew\u00fchlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft f\u00fcr sein angestammtes Regentenhaus, w\u00e4hrend ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, h\u00e4ufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein h\u00e4lt fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, w\u00e4hrend anderw\u00e4rts die Frechheit und L\u00fcge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und w\u00e4hrend im gro\u00dfen Kaiserreiche sich die Bande \u00fcberall lockern, oder gar zu l\u00f6sen drohen; wo die Willk\u00fchr, von den Begierden getrieben, Gesetze umst\u00fcrzt, offenen Aufruhr predigt, t\u00e4glich mit neuen Forderungen losgeht; eigenm\u00e4chtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; w\u00e4hrend Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und g\u00e4ngeln l\u00e4\u00dft, und die R\u00e4the des Reichs auf eine schm\u00e4hliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anma\u00dfung, \u00fcber alle Provinzen verf\u00fcgend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; w\u00e4hrend jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalit\u00e4tsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen V\u00f6lkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, f\u00fcr den Kaiser und das Vaterland.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Im Juni stieg auch ein junger Franz Josef, damals noch nicht Kaiser, am R\u00fcckweg von den Schlachtfeldern Norditaliens in der Hofburg ab, anstatt direkt nach Wien zu reisen. Innsbruck war wieder Residenzstadt, wenn auch nur f\u00fcr einen Sommer. W\u00e4hrend in Wien, Mailand und Budapest Blut floss, genoss die kaiserliche Familie das Tiroler Landleben. Ferdinand, Franz Karl, seine Frau Sophie und Franz Josef empfingen G\u00e4ste von ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstenh\u00f6fen und lie\u00dfen sich im Viersp\u00e4nner zu den Ausflugszielen der Region wie der Weiherburg, zur Stefansbr\u00fccke, nach Kranebitten und hoch hinauf bis Heiligwasser chauffieren. Wenig sp\u00e4ter war es allerdings vorbei mit der Gem\u00fctlichkeit. Der als nicht mehr amtstauglich geltende Ferdinand \u00fcbergab unter sanftem Druck die Fackel der Regentenw\u00fcrde an Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den St\u00e4dten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein B\u00fcrgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angeh\u00f6rigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder au\u00dferordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den m\u00e4nnlichen Vollj\u00e4hrigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.<\/p>\n<p>Innerhalb der Stadtregierung setzte sich dank des Mehrheitswahlrechtes nach Zensus die gro\u00dfdeutsch-liberale Fraktion durch, in der H\u00e4ndler, Gewerbetreibende, Industrielle und Gastwirte den Ton angaben. Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und gro\u00dfdeutsch gesinnten <em>Innsbrucker Zeitung<\/em>, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Konservative hingegen lasen das <em>Volksblatt f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Gem\u00e4\u00dfigte Leser, die eine konstitutionelle Monarchie bef\u00fcrworteten, konsumierten bevorzugt den <em>Bothen f\u00fcr Tirol und Vorarlberg<\/em>. Mit der Pressefreiheit war es aber schnell wieder vorbei. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingef\u00fchrt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losrei\u00dfung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande&#8230; des Kaiserthums \u00d6sterreich bewirkt&#8230; oder der allgemeine \u00f6ster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronl\u00e4nder&#8230; gewaltt\u00e4tig st\u00f6rt&#8230; wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Innsbruck 1849 Meran auch offiziell als Landeshauptstadt abgel\u00f6ste hatte und somit auch endg\u00fcltig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und gro\u00dfdeutsch orientierte Partei den B\u00fcrgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufh\u00e4user, Theater, Caf\u00e9s und Tanzlokale verdr\u00e4ngten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen b\u00fcrgerlichen Freiheiten aber eine andere.<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Gesetzes\u00e4nderung war das <em>Grundentlastungspatent<\/em>. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen gro\u00dfen Teil des b\u00e4uerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848\/49 wurden in \u00d6sterreich Grundherrschaft und Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnis aufgehoben. Abgel\u00f6st wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer L\u00e4ndereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Abl\u00f6se mussten die Bauern selbst \u00fcbernehmen. Sie konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen sind bis heute zu sp\u00fcren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genie\u00dfen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Fr\u00fcchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe f\u00fcr Wohnbau, Pachten und Abl\u00f6sen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Die grundbesitzenden Adeligen von einst mussten sich mit der Schmach abfinden, b\u00fcrgerlicher Arbeit nachzugehen. Der \u00dcbergang vom Geburtsrecht zum privilegierten Status innerhalb der Gesellschaft dank finanzieller Mittel, Netzwerken und Ausbildung gelang h\u00e4ufig. Viele Innsbrucker Akademikerdynastien nahmen ihren Ausgang in den Jahrzehnten nach 1848.<\/p>\n<p>Das bis dato unbekannte Ph\u00e4nomen der Freizeit kam, wenn auch f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil nur sp\u00e4rlich, auf und beg\u00fcnstigte gemeinsam mit frei verf\u00fcgbarem Einkommen einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Menschen Hobbies. Zivile Organisationen und Vereine, vom Lesezirkel \u00fcber S\u00e4ngerb\u00fcnde, Feuerwehren und Sportvereine, gr\u00fcndeten sich. Auch im Stadtbild manifestierte sich das Revolutionsjahr. Parks wie der Englische Garten beim Schloss Ambras oder der Hofgarten waren nicht mehr exklusiv der Aristokratie vorbehalten, sondern dienten den B\u00fcrgern als Naherholungsgebiete vom beengten Dasein. In St. Nikolaus entstand der <em>Waltherpark<\/em> als kleine Ruheoase. Einen Stock h\u00f6her er\u00f6ffnete im Schloss B\u00fcchsenhausen Tirols erste Schwimm- und Badeanstalt, wenig sp\u00e4ter folgte ein weiteres Bad in Dreiheiligen. Ausflugsgasth\u00f6fe rund um Innsbruck florierten. Neben den gehobenen Restaurants und Hotels entstand eine Szene aus Gastwirtschaften, in denen sich auch Arbeiter und Angestellte gem\u00fctliche Abende bei Theater, Musik und Tanz leisten konnten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1923). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Es war die Zeit des Wachstums, der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wirtschaftswachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Die Ansammlung an Menschen auf engstem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen brachte gleichzeitig aber auch Probleme mit sich. Besonders die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht.<\/p>\n<p>Die Innsbrucker Stadtpolitik, in der Greil sich bewegte, war vom Kampf liberaler und konservativer Kr\u00e4fte gepr\u00e4gt. Greil geh\u00f6rte der &#8222;<em>Deutschen Volkspartei<\/em>&#8220; an, einer liberalen und national-gro\u00dfdeutschen Partei. Was heute als Widerspruch erscheint, liberal und national, war im 19. Jahrhundert ein politisch \u00fcbliches und gut funktionierendes Gedankenpaar. Der <em>Pangermanismus<\/em> war keine politische Besonderheit einer rechtsradikalen Minderheit, sondern besonders in deutschsprachigen St\u00e4dten des Reiches eine Str\u00f6mung der Mitte, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg durch fast alle Parteien hindurch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung Bedeutung hatte. Innsbrucker, die auf sich hielten, bezeichneten sich nicht als \u00d6sterreicher, sondern als Deutsche. Wer Ausgaben der liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> der Zeit rund um die Jahrhundertwende unter die Lupe nimmt, findet unz\u00e4hlige Artikel, in denen das Gemeinsame zwischen dem Deutschen Reich und den deutschsprachigen L\u00e4ndern zum Thema des Tages gemacht wurde, w\u00e4hrend man sich von anderen Volksgruppen innerhalb des multinationalen Habsburgerreiches distanzierte. Greil war ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen seiner Zeit bewegte. Er wusste sich um die traditionellen Kr\u00e4fte, die Monarchie und den Klerus geschickt zu man\u00f6vrieren und sich mit ihnen zu arrangieren.<\/p>\n<p>Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der gesamten Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. Greil wohne passenderweise \u00e4hnlich wie ein Renaissancef\u00fcrst. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Upper Class. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die Homebase der Familie zu gr\u00fcnden. Massenparteien wie die Sozialdemokratie konnten sich bis zur Wahlrechtsreform der Ersten Republik nicht durchsetzen. Konservative hatten es in Innsbruck auf Grund der Bev\u00f6lkerungszusammensetzung, besonders bis zur Eingemeindung von Wilten und Pradl, ebenfalls schwer. B\u00fcrgermeister Greil konnte auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung, angeheizt von privaten Investitionen, erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten entstanden in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aber viele unauff\u00e4llige Revolutionen. Vieles, was in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts vorangetrieben wurde, geh\u00f6rt heute zum Alltag. F\u00fcr die Menschen dieser Zeit waren diese Dinge aber eine echte Sensation und lebensver\u00e4ndernd. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren.<\/p>\n<p>Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung fort. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte auch das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Zeit nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete Greil Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als italienische Truppen nach dem Ersten Weltkrieg die Stadt besetzten und Tirol am Brenner geteilt wurde. Das Ende der Monarchie und des Zensuswahlrechts bedeuteten auch den Niedergang der Liberalen in Innsbruck, auch wenn Greil das in seiner aktiven Karriere nur teilweise miterlebte. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zwar zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen, dank der Mehrheiten im Gemeinderat blieb Greil aber B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Die Rapoldis: Wasserkraft und Widerstand&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Die Rapoldis: Kommunalpolitik und Widerstand&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;65307&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das Ehepaar Martin (1880 \u2013 1926) und Maria Rapoldi (1884 \u2013 1975) z\u00e4hlten vom Ende der Monarchie bis in die Nachkriegszeit zu den beeindruckendsten Pers\u00f6nlichkeiten der Innsbrucker Stadtpolitik. Martin Rapoldi war \u00fcber K\u00e4rnten, Wien und B\u00f6hmen nach Innsbruck gekommen. W\u00e4hrend seiner Tischlerlehre kam er erstmals mit sozialkritischen Ideen in Ber\u00fchrung. Gemeinsam mit anderen Lehrlingen gr\u00fcndete er in Klagenfurt mit jugendlichem Eifer eine Art anarchistischer Gewerkschaft. In der Hauptstadt der Donaumonarchie und in Zatek in der heutigen Tschechei, engagierte er sich in Gewerkschaft und der kurz zuvor offiziell gegr\u00fcndeten <em>Sozialdemokratischen Partei<\/em>. 1904 \u00fcbersiedelte er nach Innsbruck, wo der Mitzwanziger bald als ambitionierter Organisator und mitrei\u00dfender Redner auffiel. Im Jahr darauf heiratete er seine Frau Maria, die ebenfalls politisch aktiv war. Dank seiner sprachlichen Begabung \u00fcbernahm er in den folgenden Jahren die <em>Volkszeitung<\/em>, das Pressorgan der Tiroler Sozialdemokratie. Trotz anf\u00e4nglicher Euphorie f\u00fcr den Kriegseintritt auch auf Seiten der Sozialdemokratie setzte sich der als antiklerikaler <em>Pfaffenfresser<\/em> bekannte Rapoldi bald f\u00fcr den Frieden und die Einf\u00fchrung des allgemeinen Wahlrechts auch auf Kommunalebene ein. Ganz auf Parteilinie war er nach 1918 Anh\u00e4nger eines Zusammenschlusses mit dem Deutschen Reich.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Jahren der Ersten Republik legte er eine kurze, aber steile Karriere hin. Er wurde zum Landtagsabgeordneten in Tirol und Mitglied des ersten Nationalrates in Wien erkoren. In Innsbruck schaffte er es die Sozialdemokraten zur st\u00e4rksten Partei im Gemeinderat zu machen.\u00a0 Auf Grund der antisozialistischen Haltung der anderen Fraktionen im Gemeinderat konnte er aber den B\u00fcrgermeisterposten nie besetzen. Ein besonderes Anliegen waren ihm der Wohnungsbau und die st\u00e4dtische Energieversorgung. W\u00e4hrend Rapoldis Zeit im Gemeinderat entstanden in Dreiheiligen und Pradl die Gro\u00dfprojekte Schlachthofblock, Pembaurblock sowie der Schule und Kindergarten in der heutigen Pembaurstra\u00dfe. Er war ma\u00dfgeblich am Aufbau der Innsbrucker Lichtwerke, den heutigen <em>Innsbrucker Kommunalbetrieben<\/em>, beteiligt. Sein gr\u00f6\u00dfter Verdienst war aber der Erwerb des Achensees. Bereits 1911 verhandelte die Stadt Innsbruck unter Wilhelm Greil mit dem bayerischen Stift Fiecht, um den See f\u00fcr ein Kraftwerk f\u00fcr das Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Innsbruck zu erstehen. Der Krieg unterbrach das Vorhaben. 1919 begannen die Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und dem Kloster \u00fcber den Kauf des Achensees von Neuem. Der Kaufpreise wurde schlie\u00dflich auf 1,2 Millionen Kronen plus den Eigenbedarf an Strom des Stiftes festgesetzt. Die Finanzierung gestaltete sich in der klammen Nachkriegszeit schwierig. Bis 1924 gab es von Seite des Bundes eine Steuererleichterung f\u00fcr Gemeinden f\u00fcr Wasserkraftwerksbauten. In letzter Minute konnte die TIWAG, die Tiroler Wasserkraft AG, mit der Stadt Innsbruck als Mehrheitseigent\u00fcmer gegr\u00fcndet und der Kauf vollzogen werden. Die Legende will es, dass man wegen der Inflation zwischen 1919 und 1924 f\u00fcr den Wert des Kaufpreises zum Zeitpunkt der Zahlung keinen See, sondern nur noch einen Herrenanzug erstehen konnte. Als die Stadt den See 60 Jahre sp\u00e4ter an die TIWAG verkaufte, lukrierte man fast eine Milliarde Schilling, genug, um die Schulden der Stadt zu tilgen. Sowohl bei der Errichtung der Achenseebahn, des Achenseekraftwerks und der Gr\u00fcndung der Tiroler Wasserkraft TIWAG war Martin Rapoldi die treibende Kraft. 1926 verstarb der umtriebige <em>Rote Tischlergeselle<\/em> mit jungen 46 Jahren an den Folgen einer Nierenentz\u00fcndung.<\/p>\n<p>Nicht weniger eindrucksvoll ist die Vita seiner Frau Maria. Im elterlichen Haushalt in W\u00f6rgl kam sie fr\u00fch mit sozialdemokratischen Ideen in Kontakt. Die gelernte Buchhalterin \u00fcbersiedelte nach Innsbruck. Wahrscheinlich bei ihrer Arbeit f\u00fcr die Krankenkasse lernte sie ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann kennen. Trotz ihrer beiden kleinen T\u00f6chter engagierte sich Maria bereits 1912 auf der Landesfrauenkonferenz der Sozialdemokratinnen. Nach dem Tod ihres Mannes blieb sie weiterhin in der Sozialdemokratie aktiv. Als Mitarbeiterin der <em>Volkszeitung<\/em> kam sie in den Jahren des Austrofaschismus immer wieder ins Visier der <em>Vaterl\u00e4ndischen Front<\/em>. Nachdem die Volkszeitung im Rahmen der Zensur durch das Regime verboten wurde, musste sie sich als erwerbslose Witwe durchschlagen. Sie er\u00f6ffnete ein Stempelgesch\u00e4ft in der Altstadt. Gleichzeitig war sie im Untergrund an der <em>Roten Hilfe<\/em>, der Unterst\u00fctzung von Familien inhaftierter Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie f\u00fcr kurze Zeit inhaftiert. Nach dem Krieg trat sie auch in offizieller Funktion aus dem Schatten ihres jung verstorbenen Gatten Martin. Von 1946 \u2013 1959 war sie Mitglied des Innsbrucker Gemeinderats. Sie setzte sich f\u00fcr soziale Agenden wie Altersheime, Kinderheime, die Verbesserung der Lebensmittel- und Krankenversorgung in der Nachkriegszeit ein. Als Mitglied des Tiroler Hilfswerks, des Stadtschulrats des Kuratoriums des Waisenheimes Sieberer und des Verwaltungsausschusses des Innsbrucker Realgymnasiums f\u00fcr M\u00e4dchen<\/p>\n<p>Martin und Maria Rapoldi sind in einem sehenswerten Ehrengrab am Westfriedhof beigesetzt. Der 1927 er\u00f6ffnete Park in Pradl tr\u00e4gt ebenfalls den Namen der beiden erinnerungsw\u00fcrdigen Stadtpolitiker. In Kranebitten errichtete die Sozialdemokratische Partei nach Martins fr\u00fchem Tod ein Denkmal f\u00fcr ihn, das 1934 von Mitgliedern der Heimatwehr zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz-Pregl-Stra\u00dfe<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":67685,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[159,153,32,54,87],"tags":[],"class_list":["post-67765","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-rapoldis","category-eine-erste-republik-entsteht","category-glaube-kirche-obrigkeit-und-herrschaft","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks","category-wilten-sieglanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67765","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67765"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/67765\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67765"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67765"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67765"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}