{"id":68554,"date":"2025-11-28T08:43:59","date_gmt":"2025-11-28T08:43:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/?p=68554"},"modified":"2026-08-18T14:18:25","modified_gmt":"2026-08-18T14:18:25","slug":"adolf-pichler-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/adolf-pichler-platz\/","title":{"rendered":"Adolf-Pichler-Platz"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; specialty=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.24.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; specialty_columns=&#8220;2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_row_inner _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column_inner saved_specialty_column_type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;Titel und Adresse&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font=&#8220;|on|||&#8220; header_text_align=&#8220;center&#8220; header_text_color=&#8220;#e09900&#8243; header_font_size=&#8220;42px&#8220; header_line_height=&#8220;1.3em&#8220; header_2_text_color=&#8220;#e09900&#8243; background_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.8)&#8220; background_layout=&#8220;dark&#8220; custom_padding=&#8220;20px|20px|20px|20px|true|true&#8220; header_font_size_last_edited=&#8220;off|desktop&#8220; border_radii=&#8220;on|10px|10px|10px|10px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2>Adolf-Pichler-Platz<\/h2>\n<p>Adolf-Pichler-Platz<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery gallery_ids=&#8220;58358,67563,69352,64443&#8243; fullwidth=&#8220;on&#8220; admin_label=&#8220;Galerie Adolf-Pichler-Platz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; pagination_text_color=&#8220;#E09900&#8243; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68556&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_gallery][\/et_pb_column_inner][\/et_pb_row_inner][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;1_2&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_toggle title=&#8220;Wissenswert&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Adolf-Pichler-Platz&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68566&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Der Adolf-Pichler-Platz ist heute ein wilder Mix aus Geb\u00e4uden verschiedener Epochen und Stile. Im Norden und Westen begrenzen Gr\u00fcnderzeith\u00e4user den kleinen Park mit B\u00e4umen, Spielger\u00e4ten und dem <em>Adolf-Pichler-Denkmal<\/em>. Im Osten schlie\u00dfen die modernen Rathausgalerien mit ihren Glasfronten an das Bundesrealgymnasiums an. Ein schmaler Fahrradstreifen verl\u00e4uft neben der heillos \u00fcberfrequentierten Stra\u00dfe und den immer vollen Parkpl\u00e4tzen. Es ist kaum vorstellbar, dass sich bis in die 1860er Jahre hier mitten in der Innenstadt ein Friedhof befand. Seit dem 14. Jahrhundert wurde die freie Fl\u00e4che au\u00dferhalb der Stadtmauern hinter dem ehemaligen Stadtspital und der Spitalskirche als Gottesacker samt Arkaden und Kreuzgang genutzt wurde. Erst mit der Er\u00f6ffnung des Westfriedhofs wurden die teils pomp\u00f6sen Ehrengr\u00e4ber nach und nach samt den Monumenten und Denkm\u00e4lern aus der Neustadt hinaus auf die <em>Wiltener Felder<\/em> transferiert. Als das Stadtspital 20 Jahre sp\u00e4ter ebenfalls Richtung Westen an den Stadtrand wanderte, erweiterte sich der Innsbrucker Markt auf die freie Fl\u00e4che und gab dem Platz den Namen <em>Neuer Markt<\/em>. Im Jahr 1878 mussten die Marktst\u00e4nde weichen, als der Bau der sch\u00f6nen H\u00e4userzeile am Nordende des Platzes begann. Angefacht vom Wirtschaftswachstum entstanden hier in einer der fr\u00fchesten Wellen der Stadterweiterung einige der sch\u00f6nsten Geb\u00e4ude im Stil des Historismus. An der Ecke zur Stainerstra\u00dfe erstrahlt ein sch\u00f6nes Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus in zartem Rosa. Das anschlie\u00dfende Geb\u00e4ude hat eine neoromanische Fassade, \u00fcber dessen Eingangsportal der f\u00fcr diesen Baustil typische L\u00f6we prangt. Besonders sehenswert ist das Haus im f\u00fcr Innsbruck seltenen Backsteinstil. Der Erker ist mit klassizistischen Statuen, S\u00e4ulen und \u00fcberbordenden Ornamenten geschm\u00fcckt, Kapitelle kr\u00f6nen die Fenster. 1890 \u00fcbersiedelte das Bundesrealgymnasium vom heutigen Boznerplatz in die frei gewordenen R\u00e4umlichkeiten des ehemaligen Krankenhauses. Gegr\u00fcndet knapp 40 Jahre zuvor stellte es den als naturwissenschaftlich und mathematisch orientierten Gegenpol zum humanistisch orientierten Akademischen Gymnasium der Jesuiten in der Innsbrucker Bildungslandschaft dar. Anstelle der alten Sprachen traten nun praktische, st\u00e4rker auf die moderne Berufswelt gerichtete Unterrichtsf\u00e4cher.<\/p>\n<p>Das <em>Adolf-Pichler-Denkmal<\/em> im Zentrum des Platzes entstand unter B\u00fcrgermeister Wilhelm Greil. Der Platz trug seit geraumer Zeit den Namen <em>Karl-Ludwig-Platz<\/em>, benannt nach dem habsburgischen Erzherzog und Statthalter in Innsbruck von 1855 bis 1861. Bereits ein Jahr nach dem Dahinscheiden Adolf Pichlers (1819 \u2013 1900) wurde in der typischen Manier der sp\u00e4ten Monarchie ein Komitee ins Leben gerufen, um den verdienten \u201edeutschen\u201c Mitb\u00fcrger im \u00f6ffentlichen Raum in Erinnerung zu halten. Das Rathaus war mittlerweile von der Altstadt in die Maria-Theresienstra\u00dfe gewandert. Adolf Pichler bot dem Gemeinderat die ideale Projektionsfl\u00e4che, um den <em>Zeitgeist<\/em> innerhalb des Innsbrucker Patriziats auf dem Platz zur R\u00fcckseite des neuen Rathauses zu manifestieren. Der Innsbrucker Intellektuelle verk\u00f6rperte f\u00fcr die Gemeinder\u00e4te das soeben abgelaufene 19. Jahrhundert in seiner Idealform: der Aufsteiger aus der b\u00fcrgerlichen Mitte mit einer liberalen und deutschnationalen Gesinnung bildete das Gegenst\u00fcck zum Habsburger Karl Ludwig. Zum Zug bei der Gestaltung des <em>Adolf-Pichler-Denkmals<\/em> kam der in Wien lebende Tiroler Bildhauer Edmund Klotz, der 20 Jahre zuvor bereits die Grablege der Familie Greil am Westfriedhof gestaltet hatte. Er stellt Pichler im damals typischen Wanderer- und Bergsteiger-Outfit dar mit Hut, Wanderstock und Geologenhammer quasi als Krone und Insignien. 1909 wurde das Denkmal mit Pomp und Musik feierlich eingeweiht. Die Umbenennung in <em>Adolf-Pichler-Platz<\/em> erfolgte auf Beschluss des Gemeinderats erst 1930.<\/p>\n<p>Die Wirren der Jahrzehnte nach der Denkmalenth\u00fcllung machten auch vor dem innerst\u00e4dtischen Platz nicht Halt. W\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs wurden die R\u00e4umlichkeiten des Bundesrealgymnasiums wie viele Schulen und \u00f6ffentliche Einrichtungen in ein Lazarett umfunktioniert. Beim Luftangriff im Dezember 1944 kamen einige Geb\u00e4ude zu Schaden. Der Platz wurde, wie das Tivoli und der Rapoldipark, von den Anrainern als Gem\u00fcsebeet zur Selbstversorgung verwendet. In der Zeit nach den 1960ern eroberte der Verkehr die Verbindung zwischen Altstadt, Innrain und Anichstra\u00dfe. Erst mit der Umgestaltung und dem neuen Spielplatz 1994 gewann der <em>Adolf-Pichler-Platz<\/em> wieder an Attraktivit\u00e4t. Wenige Jahre sp\u00e4ter erfolgte die wohl umfassendste Renovierung. Die triste Fassade des Rathauses auf der Westseite und der als Parkplatz genutzte Innenhof, wiederaufgebaut in den sp\u00e4ten 1940er Jahren, nachdem das Geb\u00e4ude bei Luftangriffen teils zerst\u00f6rt worden war, wurde um einen modernen Teil erweitert. Der franz\u00f6sische Architekt Dominique Perrault konnte sich in einem Wettbewerb mit seiner Idee, die Amtsr\u00e4ume durch die Beimengung von Lokalen und Gesch\u00e4ften zum \u00f6ffentlichen Raum zu machen, durchsetzen. Die Glas\u00fcberdachung der Rathauspassage stammt von Daniel Buren, die Glasfassade des Turms von Peter Kogler. Die Bauarbeiten gingen zwischen 2000 und 2002 nur schleppend vor sich, immer wieder traten \u00dcberreste aus der Vergangenheit des Ortes zu Tage, als hier noch der Friedhof zu finden war. Das neue Rathaus samt integriertem Shoppingcenter und das angeschlossene Hotel ver\u00e4nderten den Platz komplett. Die Rathausgalerien waren rund um die Jahrtausendwende neben der neuen <em>Berg-Isel-Sprungschanze<\/em> und der geplanten neuen Nordkettenbahn ein weiterer Baustein am Weg Innsbrucks zur selbsternannten \u201eWeltstadt\u201c durch moderne Architektur. Den Gr\u00fcnderzeith\u00e4usern stehen seit den Nullerjahren Glasfassaden gegen\u00fcber. Heute kann man am ehemaligen Friedhof gem\u00fctlich im Park unter dem strengen Blick Adolf Pichlers verweilen oder zu sp\u00e4terer Stunde in einer der Bars abh\u00e4ngen. Dem Paten des Komitees zur Errichtung des Denkmals Wilhelm Greil, selbst Kaufmann und Stadtmodernisierer, h\u00e4tte diese Entwicklung wohl gefallen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Adolf Pichler: vom Vorm\u00e4rz zum Mainstream&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Adolf Pichler: vom Vorm\u00e4rz zum Mainstream&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;68592&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Das 19. Jahrhundert ver\u00e4nderte Innsbruck in vielerlei Hinsicht. Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Macht- und Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse \u00e4nderten sich zwischen der ersten H\u00e4lfte, die noch stark von den Kriegsjahren bis 1815 gepr\u00e4gt waren, und der zweiten H\u00e4lfte, die als b\u00fcrgerliches Zeitalter in die Geschichte Europas einging. Neue Berufs- und Lebenswelten entstanden. Mit Flei\u00df, Geschick, Klugheit und Gl\u00fcck konnte man es dank dem staatlichen Schul- und Bildungswesen weiter bringen als je zuvor. Liberale Vordenker, die im System Metternichs unter dem Verdacht der Radikalit\u00e4t standen und deren Schriften oft genug der Zensur anheimfielen, konnten sich nach 1848 nach und nach zumindest etwas freier \u00e4u\u00dfern. Die 1860er Jahre brachten einen formalen Parlamentarismus, neue Gemeindestatuten, den Ausgleich mit Ungarn innerhalb der neuen k.u.k. Monarchie und das Ausscheiden \u00d6sterreichs aus dem Deutschen Bund. Der ehemals in den deutschen Staaten als Avantgarde einiger Liberaler und \u201eRadikaler\u201c geltende Nationalismus wurde zur Politik der Mitte. Das Leben Adolf Pichlers kann stellvertretend f\u00fcr diese Entwicklungen gelesen werden. Mit 12 Jahren kam der Sohn eines Zollbeamten von Erl bei Kufstein nach Innsbruck, um am Gymnasium seine akademische Karriere zu starten. Unter den Fittichen der Jesuiten, denen er sp\u00e4ter mit wenig Begeisterung begegnen sollte, startete er im Geiste des klassischen Humanismus seine akademische Karriere. Pichler lernte in dieser Zeit vor allem die antiken Schriftsteller und ihre Philosophien kennen. Bereits als Teenager gr\u00fcndete er mit jugendlichem Eifer den Verein \u201e<em>Eiche und Buche<\/em>\u201c und gab eine literarische Wochenschrift heraus. W\u00e4hrend seinen Philosophie-, Jus- und Medizinstudien in Innsbruck und Wien lernte las er die Werke damals moderner, teils aber unter Zensur stehender Denker wie Feuerbach, Hegel und Fichte. Er bediente sich aus der geheimen Bibliothek, liebevoll <em>Giftbude<\/em> tituliert, von Johann Schuler, dem Redakteur des <em>Tiroler Boten<\/em>. Er lernte die liberalen deutschen Vork\u00e4mpfer Anastasius Gr\u00fcn und Heinrich Heine kennen. Sie vertraten den Gedanken einer geeinten deutschen Nation anstelle der Kleinstaatlichkeit des Deutschen Bundes. Unter der Beimengung des englischen Literaturexzentrikers Lord Byron und des mittelalterlichen Minnes\u00e4ngers Walther von der Vogelweide entstand sein Blick auf die Welt, der sich innerhalb der liberalen Schicht Innsbrucks gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchsetzen sollte. Tirol sollte ein Teil der deutschen Kulturnation sein. Sein 1841 gegr\u00fcndeter literarischer Zirkel <em>Die Nibelungen<\/em> diente nicht nur dem Austausch von B\u00fcchern, sondern war ein Vorg\u00e4nger der Studentenverbindungen, die im Polizeistaat Metternichs verboten waren. Vier Jahre sp\u00e4ter geriet Pichler endg\u00fcltig ins Visier der geheimen Staatspolizei. Gemeinsam mit anderen \u201eRadicalen\u201c, allen voran Hermann von Gilm, gab er den Lyrikband <em>Fr\u00fchlingslieder aus Tirol<\/em> heraus, der der Zensur anheimfiel. Pichler war durch die Sammlung der aus heutiger Sicht harmlos-pathetischen Gedichte als eine Art geistiger Vater zum Gr\u00fcnder der <em>Jungtiroler<\/em> geworden, ohne selbst inhaltlich bemerkenswert beizutragen. Der junge Mann wurde nicht nur ein Teil der subversiven, national-liberalen Tiroler Literaturszene, sondern tauschte sich in Briefen und Zeitungsartikeln auch mit ausl\u00e4ndischen Autoren und Intellektuellen aus. Sein Kollegen- und Freundeskreis reichte von den Tirolern Adolf Flir, Johann Senn und Beda Weber \u00fcber Grillparzer und Stifter bis hin zu Alexander von Humboldt.<\/p>\n<p>1848, Pichler hatte gerade sein Medizinstudium in Wien abgeschlossen, beteiligte er sich an den K\u00e4mpfen an den Tiroler Landesgrenzen in den Italienischen Unabh\u00e4ngigkeitskriegen. Pichler stellte ein eigenes Corps, die <em>Akademische Legion<\/em> auf. Obwohl die Studenten und Professoren gemeinsam mit den habsburgischen Truppen den Grenzschutz wahrnahmen, be\u00e4ugte die Obrigkeit das Treiben Pichlers und seiner Truppe argw\u00f6hnisch. Der Umgang mit subversiven Elementen und seine politisch motivierten Artikel, Gedichte und St\u00fccke verhinderten in der Donaumonarchie nach den Wirren von 1848 die akademische Karriere Pichlers. An der Universit\u00e4t abgelehnt musste er sich mit einem Posten am Gymnasium in Innsbruck zufriedengeben. Nebenbei verfolgte er seinen Weg als Literaturhistoriker weiter. Er schrieb \u00fcber die Geschichte der Tiroler Literatur, lie\u00df sich von seinen Sch\u00fclern Theaterst\u00fccke aus deren jeweiliger Heimatregionen zusammentragen, um diese <em>Tirolensien<\/em> zu sammeln. Pichler war im Geiste von 1848 ein eifriger Archivar Tiroler Traditionen und \u00dcberlieferungen, um die Vergangenheit und Althergebrachtes zu einem nationalen, germanisch gef\u00e4rbten Narrativ zu b\u00fcndeln. Seine eigenen, von nationalem Pathos triefenden literarischen Gehversuche bestehend waren nur von \u00fcberschaubarem Erfolg gekr\u00f6nt. Pichlers Dramen schafften es mit Ausnahme des St\u00fcckes <em>Rodrigo<\/em>, ein im Innsbrucker Stadttheater aufgef\u00fchrter Historienschinken nicht an die breite \u00d6ffentlichkeit. Die Handlung spielt zur Zeit des Untergangs des Westgotenreichs in Spanien im 8. Jahrhundert und ist eine Anspielung auf die politische Situation in \u00d6sterreich der Zeit nach dem Ausscheiden der Monarchie aus dem Deutschen Bund. Rodrigo verschwindet der nach einer Niederlage in der Entscheidungsschlacht am spanischen Rio Guadalete, dem \u00c4quivalent zu K\u00f6niggr\u00e4tz, aus der Geschichte.<\/p>\n<p>Wohl ein wenig desillusioniert nach der in Tirol wenig revolution\u00e4ren <em>M\u00e4rzrevolution<\/em> und dem Ausscheiden \u00d6sterreichs aus dem deutschen Bund 1866, wandte sich der vom offen Aufs\u00e4ssigen zum stillen Widerspenstigen mutierten Intellektuellen der Geologie zu. Auf langen Wanderungen durch die Alpen sammelte er Erkenntnisse \u00fcber die geliebte Heimat und konnte so zumindest ein wenig in die Fu\u00dfstapfen Alexanders von Humboldt treten. 1867 wurde er zum Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Geologie in Innsbruck berufen und konnte so seine akademische Karriere im Alter von knapp 50 Jahren doch noch kr\u00f6nen, ohne selbst je ein naturwissenschaftliches Studium absolviert zu haben. Den Posten als Rektor lehnte der unangepasste Pichler ab, zu hoch w\u00e4re wohl der Preis daf\u00fcr gewesen. Liest man heute die Artikel und Gedichte Pichlers, f\u00fchlt man sich in Ausdruck und Thematik rund um Deutschtum, Wahrheit, Kampfeslust und Heldenverehrung stark an die Diktion der v\u00f6lkischen Presse der fr\u00fchen Nationalsozialisten erinnert. Als Intellektueller, Kritiker und Kommentator des Zeitgeschehens beeinflusste Pichler den Zeitgeist der Innsbrucker Politik merklich. Viel ist in seinen Schriften die Rede von deutschen Helden, Walhalla, Wotan, Aufopferung und Erl\u00f6sung. Bis an sein Lebensende verfasste er Gedichte, Theaterst\u00fccke und schmalzige Hymnen wie seinen sp\u00e4ten <em>Dietrich von Bern<\/em> aus dem Jahr 1898.<\/p>\n<p><em>Kennt den Dietrich Ihr den Berner?<br \/>Den man einst in Fesseln schloss \u2013<br \/>Flammen atmet er im Zorne \u2013<br \/>dass wie Wachs das Eisen floss,<br \/>folgt dem Beispiel Eures Helden \u2013<br \/>duldet nie ein fremdes Joch \u2013<br \/>duldet nie als Herrn den Sklaven \u2013<br \/>der am Boden vor Euch kroch.<\/em><\/p>\n<p>Sein Hausblatt war der zwischen 1899 und 1906 erscheinenden, bissige politische, antiklerikale <em>Scherer<\/em>. Das Logo des selbsternannten Satireblattes war ein l\u00e4chelnder \u00e4lterer Tiroler, der dem Betrachter einen toten Maulwurf, dem Symbol f\u00fcr den oft als Sch\u00e4dling bezeichneten Klerus entgegenstreckt. Auch in \u00fcberregionalen Magazinen und Zeitungen wie <em>Presse, Wiener Zeitung, Augsburger Allgemeine, Gartenlaube, Odin <\/em>und <em>Germania <\/em>schrieb der stramm deutschnationale Pichler gegen Klerus und Obrigkeit an. Der volkst\u00fcmlich schwelende Antisemitismus hingegen war ihm fremd und zuwider. Anders als sp\u00e4ter den Faschisten und Nationalsozialisten sprach sich Pichler auch gegen jegliche Form des Imperialismus aus, sei es britischer, franz\u00f6sischer oder deutscher. Alle V\u00f6lker und Nationen sollten sich selbst verwalten, Kultur und Traditionen sollten geachtet werden.<\/p>\n<p>Als der ehemals als \u201eRadicaler\u201c angesehene <em>Public Intellectual<\/em> 1900 seine Augen f\u00fcr immer schloss, war aus ihm ein geachteter B\u00fcrger geworden. Seine politischen Ansichten waren dieselben geblieben, entsprachen mittlerweile aber dem Mainstream und wurden nicht mehr zensuriert, sondern ganz besonders im Innsbrucker Gemeinderat unter Wilhelm Greil hochgesch\u00e4tzt. Die liberale Presse \u00fcberschlug sich in Lobeshymnen und Wehklagen. Karl Habermann, Herausgeber des <em>Scherer<\/em>, verbrannte bei einem Fackelzug zu Ehren des hochverehrten Adolf Pichlers einen gegen seine Zeitung gerichteten offenen Brief des F\u00fcrstbischofs von Brixen, wof\u00fcr er sich vor Gericht verantworten musste im <em>Hirtenbriefproce\u00df<\/em> verantworten musste. In einer eigenen Heftnummer voll mit Gedichten und Artikel literarischer Weggef\u00e4hrten und Bewunderer konnte man im Scherer einen letzten, von Pichler selbst verfassten <em>Abschied<\/em>, in dem er seine Schreibfeder mit dem Schwerte K\u00f6nig Arthurs verglich, lesen. In einem Nachruf ehrte man den \u201e<em>Alten<\/em>\u201c mit den Worten:<\/p>\n<p><em>\u201eTirol, das schwarze Pfaffenland, es ward durch Pichler zum neuen Flammenherde geistiger Emp\u00f6rung, von dem sich tausende von Volksgenossen in allen deutschen Gauen die Brandfackel holen, um auch in ihrem Heim die heilige Flamme zu entz\u00fcnden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch in anderen einschl\u00e4gigen Magazinen wie <em>Odin \u2013 ein Kampfblatt f\u00fcr die alldeutsche Bewegung auf unbedingt v\u00f6lkischem Standpunkte<\/em> und der <em>Ostdeutschen Rundschau<\/em>, dem \u201e<em>nationalen Kampfblatt der Deutschen in \u00d6sterreich<\/em>\u201c lie\u00df man den Tiroler Heros hochleben. Schriftsteller wie Franz Kranewitter (1860 \u2013 1938), Rudolf Greinz (1866 &#8211; 1942), Heinrich von Schullern (1865 \u2013 1955) und Arthur von Wallpach (1866 \u2013 1946) trugen die literarische Flamme Pichlers als <em>Jung-Tirol<\/em> weiter, zuerst im Scherer und sp\u00e4ter in Der F\u00f6hn. Sie alle einte die Erfahrung des Ausscheidens \u00d6sterreichs aus dem Deutschen Bund, der Machtverlust der K.u.K. Monarchie sowie der Verlust der s\u00fcdlichen Landesteile des historischen Tirols. Ihre Form des teils antiklerikalen, teils kriegsverherrlichenden Liberalismus bei gleichzeitiger Lobpreisung der Heimatverbundenheit und des Tiroler Volksgeistes erfreuten sich sowohl nach dem ersten Weltkrieg wie auch w\u00e4hrend des Nationalsozialismus gro\u00dfer Beliebtheit. St\u00fccke wie der <em>Andreas Hofer<\/em> Kranewitters und die Gedichtb\u00e4nde Arthur Wallpachs mit klingenden Namen wie <em>Tiroler Blut<\/em> oder <em>Wir brechen durch den Tod! \u2013 Gedichte aus dem Felde<\/em> erm\u00f6glichten es fast jeder politischen Richtung ihr Programm darin auf die eine oder andere Weise wiederzufinden. Bereits ein Jahr nach Adolf Pichlers Tod wurde ein Komitee ins Leben gerufen, um ihm ein Denkmal zu errichten. Den Vorstand \u00fcbernahm B\u00fcrgermeister Greil, der seinen <em>Spiritus Rector<\/em> nur zu gerne im \u00f6ffentlichen Raum platzieren lie\u00df. Seit 1930 ist der Adolf-Pichler-Platz, auf dem die Bronzestatue steht, nach ihm benannt. Auch seinen nachfolgenden Jung-Tirolern Greinz, Schullern, Kranewitter und Renk wurden in Amras und Pradl Stra\u00dfen gewidmet. Pichlers Wohnhaus in der M\u00fcllerstra\u00dfe schm\u00fcckt eine Erinnerungstafel mit Tiroler Adler, Lorbeerkranz und Eichellaub: <em>\u201eDEM DEUTSCHEN DICHTER ADOLF PICHLER \u2013 DAS LAND TIROL\u201c. <\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Innsbrucker Kulturkampf&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Innsbrucker Kulturkampf&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;71026&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Medien und Politiker werden nicht m\u00fcde auf die gesellschaftliche Spaltung und Polarisierung hinzuweisen, die das 21. Jahrhundert charakterisieren. Meist wird auch gleich der Schuldige daf\u00fcr mitgeliefert: Social Media. Wie lange uns Spaltung und Polarisierung schon vor der Erfindung von Facebook, Twitter und Co begleitet haben, zeigt ein Blick ins sp\u00e4te 19. Jahrhundert. Das Parlament der sp\u00e4ten K.u.K. Monarchie war, vereinfacht gesagt, gepr\u00e4gt von Christlich-Sozialen, Sozialdemokraten und liberal-nationalistischen Parteien der einzelnen Volksgruppen des Vielv\u00f6lkerreichs. Sozialdemokraten, Christlichsoziale und Deutschnationale waren die Vorg\u00e4nger der heutigen Parlamentsparteien SP\u00d6, \u00d6VP und FP\u00d6. Im Tiroler Landtag spielten die Sozialdemokraten keine Rolle, die katholisch-konservative Partei hatte schon an Einfluss verloren, bildete aber mit den reformkatholischen Christlich-Sozialen in Tirol einen Block. Der Innsbrucker Gemeinderat hingegen war dank des Zensuswahlrechts gro\u00dfdeutsch-liberal beherrscht. Der Konkurrenzkampf zwischen Liberalen, Konservativen und den durch das Wahlrecht benachteiligten Sozialdemokraten f\u00fchrte in Innsbruck zu einer hochexplosiven Stimmung. Wie in anderen St\u00e4dten der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich blieb es bei diesem <em>Kulturkampf<\/em> allzu oft nicht bei verbalen Schlagabtauschen. Besonders erbittert wurde von Politikern, Intellektuellen und Journalisten um die Vorherrschaft an den Universit\u00e4ten gestritten, wurden hier doch die Eliten von morgen ausgebildet. Der Streit stoppte aber nicht an den Hochschulen. Nach den Reformen im Pressewesen von 1867 erreichten Zeitungen neue Dimensionen in der Reichweite. Konservative, Katholiken, Gro\u00dfdeutsche, Liberale und Sozialdemokraten hatten jeweils ihre Hauszeitungen. Die Leser dieser Bl\u00e4tter lebten in ihren eigenen Meinungsblasen. Die polemischen Artikel trafen auf ein Publikum, das gewillt war, der eigenen Meinung mit Gewalt Nachdruck zu verleihen. Das Duellwesen war per Gesetz zwar verboten, wurde im Sinne des milit\u00e4rischen und aristokratischen Ehrbegriffs als Mittel der Satisfaktion aber bis ins 20. Jahrhundert geduldet und war g\u00e4ngige Praxis. Schlagende Burschenschaften \u00fcbernahmen das Duell und f\u00fchren diese Tradition als Ehrenduell, Mensur, bis heute fort. Auch sonst hatten die Verbindungen ihren Ursprung im Milit\u00e4r. An deutschen Hochschulen entstanden als Keimzellen des Nationalgedanken nach den Napoleonischen Kriegen erste Korps. W\u00e4hrend sich konservative Untertanen bei den Sch\u00fctzen zu paramilit\u00e4rischen Verb\u00e4nden zusammenschloss, erfreuten sich diese Verbindungen unter Akademikern gro\u00dfer Beliebtheit. Wie andere Vereine bezogen auch sie immer st\u00e4rker politisch Stellung. Dabei kristallisierten sich die beiden Gegens\u00e4tze katholisch, konservativ, kaisertreu und liberal, gro\u00dfdeutsch, national heraus. Was heute als Widerspruch erscheint, liberal und national, war im 19. Jahrhundert ein politisch \u00fcbliches Gedankenpaar. Der <em>Pangermanismus<\/em> war keine politische Besonderheit einer rechtsradikalen Minderheit. Wer als modern gelten wollte, betrachtete sich nicht als Untertan des althergebrachten Vielv\u00f6lkerstaats der Habsburgermonarchie, sondern strebte nach der alldeutschen <em>Nation<\/em>. Ein milit\u00e4risch und wirtschaftlich starker, nicht zwingend demokratischer, ethnisch m\u00f6glichst uniformer Staat, der alle deutschsprachigen L\u00e4nder nach preu\u00dfischem Vorbild vereinte. In Innsbruck schlossen sich Studenten 1859 zu einem Korps zusammen, um Grenzdienst im Italienischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg zu leisten. Das Corps <em>Rhaetia<\/em>, die <em>Chinisia<\/em> und die <em>Athesia<\/em> waren die ersten Verbindungen an der Universit\u00e4t, die \u00f6ffentlich auftraten. Wenig sp\u00e4ter fanden sich die katholischen Studenten unter der bis heute bestehenden akademischen Verbindung <em>Austria<\/em> zusammen. Ein Drittel der Studenten an der Innsbrucker Universit\u00e4t war um die Jahrhundertwende in einer Verbindung, einem Korps oder einer Burschenschaft. Anders als heute war es nicht ungew\u00f6hnlich, dass sie sich in voller <em>Wichs<\/em> in ihren Farben, der Uniform samt S\u00e4bel, Barett und Band in der \u00d6ffentlichkeit zeigten. Nicht selten waren sie auch mit Stock, Schlagring und Revolver bewaffnet. Die H\u00e4lfte der Verbindungen war deutschnational orientiert und trug vielsagende Namen wie <em>Suevia<\/em> oder <em>Germania<\/em>. Sie bezogen ihre Ideologie von der <em>Los-von-Rom Bewegung<\/em> des Deutschradikalen Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921), der selbst einige Male bei Veranstaltungen in Innsbruck zu Gast war. An den weltlichen Fakult\u00e4ten war die Mehrheit der Professoren deutschnational orientiert. Auf die Gesamtbev\u00f6lkerung der Stadt gesehen, die 1910 noch immer zu 96% katholisch war, handelte es sich dabei um eine Minderheit, dank ihres gesellschaftlichen Einflusses aber um eine sehr einflussreiche. In den 1880er Jahren, sp\u00e4ter als an anderen \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten, machte sich in diesem Klima der rassistische Antisemitismus auch in Innsbruck breit, obwohl es kaum j\u00fcdische Studenten oder Professoren an der Leopold-Franzens-Universit\u00e4t gab. Mit dem Erstarken der radikalen Ablehnung von Monarchie und Klerus an der Universit\u00e4t eskalierte die Situation ab den 1890er Jahren endg\u00fcltig. Provokationen und Meinungsverschiedenheiten unter Professoren schafften es in die Schlagzeilen und ins Parlament, Konflikte zwischen katholischen und deutschnationalen Studenten endeten nicht selten in Schl\u00e4gereien.<\/p>\n<p>Die <em>Wahrmund-Aff\u00e4re<\/em>, die sich im fr\u00fchen 20. Jahrhundert ausgehend von der Universit\u00e4t Innsbruck \u00fcber die gesamte K.u.K. Monarchie ausbreitete, war nur eines von vielen Beispielen. Ludwig Wahrmund (1860 \u2013 1932) war Ordinarius f\u00fcr Kirchenrecht an der Juridischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck. Wahrmund, vom Tiroler Landeshauptmann eigentlich daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt, um den Katholizismus an der als zu liberal eingestuften Innsbrucker Universit\u00e4t zu st\u00e4rken, war Anh\u00e4nger einer aufgekl\u00e4rten Theologie. Im Gegensatz zu den konservativen Vertretern in Klerus und Politik sah er als Reformkatholik den Papst nur als spirituelles Oberhaupt, nicht aber als weltlich Instanz, an. Studenten sollten nach Wahrmunds Auffassung die L\u00fccke und die Gegens\u00e4tze zwischen Kirche und moderner Welt verringern, anstatt sie einzuzementieren. Bis 1906 war Wahrmund Teil der <em>Leo-Gesellschaft<\/em>, die die F\u00f6rderung der Wissenschaft auf katholischer Basis zum Ziel hatte. In einer Wandlung vom gem\u00e4\u00dfigten Saulus zum liberalen Saulus wurde er zum Obmann der Innsbrucker Ortsgruppe des Vereins <em>Freie Schule<\/em>, der f\u00fcr eine komplette Entklerikalisierung des gesamten Bildungswesens eintrat. Vom Reformkatholiken wurde er zu einem Verfechter der kompletten Trennung von Kirche und Staat. Seine Vorlesungen, verst\u00e4rkt durch die Medien, erregten immer wieder die Aufmerksamkeit der Obrigkeit. Konservative Politiker und Medien tobten ob seiner Anzweiflung der Unaufl\u00f6slichkeit der Ehe, w\u00e4hrend ihm Liberale und seine Anh\u00e4nger unter den Professoren und Studenten applaudierten. Die deutschnationalen Akademiker erhielten Unterst\u00fctzung von B\u00fcrgermeister Greil und den ebenfalls antiklerikalen Sozialdemokraten, auf konservativer Seite sprang die Tiroler Landesregierung in die Bresche. Die <em>Wahrmund Aff\u00e4re<\/em> schaffte es als <em>Kulturkampfdebatte<\/em> bis in den Reichsrat. F\u00fcr Christlichsoziale war es ein \u201e<em>Kampf des freisinnigen Judentums gegen das Christentum<\/em>\u201c in dem sich \u201e<em>Zionisten, deutsche Kulturk\u00e4mpfer, tschechische und ruthenische Radikale<\/em>\u201c in einer \u201e<em>internationalen Koalition<\/em>\u201c als \u201e<em>freisinniger Ring des j\u00fcdischen Radikalismus und des radikalen Slawentums<\/em>\u201c pr\u00e4sentierten. Wahrmund hingegen bezeichnete in der allgemein aufgeheizten Stimmung katholische Studenten als \u201e<em>Verr\u00e4ter und Parasiten<\/em>\u201c. Als Wahrmund 1908 eine seiner Reden, in der er die christliche Moral und die katholische Heiligenverehrung anzweifelte, in Druck bringen lie\u00df, erhielt er eine Anzeige wegen Gottesl\u00e4sterung. Nach weiteren teils gewaltt\u00e4tigen Versammlungen sowohl auf konservativer und antiklerikaler Seite, studentischen Ausschreitungen und Streiks musste kurzzeitig sogar der Universit\u00e4tsbetrieb komplett eingestellt werden. Wahrmund wurde zuerst beurlaubt, sp\u00e4ter an die deutsche Universit\u00e4t Prag versetzt.<\/p>\n<p>Im Februar 1910 spielten sich in Innsbruck b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Szenen ab, die als <em>Brein\u00f6\u00dflschlacht<\/em> Eingang in die Stadtgeschichte fanden. Die katholischen Verbindungen <em>Tirolia<\/em>, <em>Raeto Bavaria<\/em> und <em>Leopoldina <\/em>hatten ihr Vereinslokal im <em>Gasthof<\/em> Brein\u00f6\u00dfl in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe. Mitglieder des rivalisierenden Corps Gothia attackierten einige Studenten der <em>Tirolia<\/em> im Gasthof. Der Wirt Franz Hofer, Vater des sp\u00e4teren Gauleiters und selbst wohl deutschnational orientiert, rief die Polizei, um die katholischen Studenten aus seinem Lokal werfen zu lassen. Tags darauf kam es erneut zu Provokationen unter den Verbindungen, die in einer Massenschl\u00e4gerei mit mehr als 100 Kombattanten. Studenten untereinander und herbeigerufene Polizisten lieferten sich eine Stra\u00dfenschlacht, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Die Innenr\u00e4ume des Gasthof Brein\u00f6\u00dfl wurden verw\u00fcstet. Am n\u00e4chsten Tag fand die Gewaltorgie mit einer Schl\u00e4gerei mit 250 Beteiligten und der Zerst\u00f6rung des Cafe Zentral und des benachbarten Akademikerhauses der katholischen Verbindung ein Ende. Der traurige H\u00f6hepunkt des <em>Innsbrucker Kulturkampfes<\/em> endete zwei Jahre sp\u00e4ter t\u00f6dlich. Studenten der Verbindungen <em>Raeto Bavaria<\/em> und <em>Austria<\/em> waren in der Nacht des 4. November am Heimweg von einem Tanzabend, als sie von deutschnationalen Burschen angegriffen wurden. Bei der darauffolgenden Schl\u00e4gerei vor dem <em>Gasthof Brein\u00f6\u00dfl<\/em> in der Maria-Theresienstra\u00dfe erlitt der Medizinstudent Max Ghezze (1889 \u2013 1912) einen Schlag auf den Hinterkopf. Die Polizisten brachten den Bewusstlosen in die Ausn\u00fcchterungszelle, wo er Stunden sp\u00e4ter von seinen Kommilitonen gefunden wurde. Ghezze verstarb wenig sp\u00e4ter in der Innsbrucker Klinik, wohl auch wegen der Behandlung durch die Polizei. Die der Tat verd\u00e4chtigten Mitglieder der <em>Gothia<\/em> wurden mangels Beweise wieder freigelassen. Proteste aus Cortina an die Statthalterei kritisierten die Stadtregierung und die Polizei und forderten sogar das reichsweit allgemeine Wahlrecht auch auf Gemeindeebene, das die Alleinregierung der <em>Deutschen Volkspartei<\/em> und die damit einhergehende Einflussnahme auf die Exekutive Wilhelm Greils im Stadtrat wohl beendet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg brachte eine Verschnaufpause im Kampf um die ideologische Vormachtstellung an der Universit\u00e4t. Die Politik der 1920er und 30er Jahre mit den b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Spannungen zwischen Christlich-Sozialen, Sozialdemokraten und Deutschnationalen, die zuerst im katholischen St\u00e4ndestaat und dann im Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland endeten, hatte ihre Wurzeln im <em>Kulturkampf<\/em>. Aus den inkorporierten Studenten von einst waren Professoren, Anw\u00e4lte, Historiker, Lehrer und \u00c4rzte geworden. Ihrem jugendlichen politischen Extremismus hatten sie die Erfahrungen eines Weltkrieges, der Inflation und mehreren wirtschaftlichen und politischen Krisen hinzugef\u00fcgt. Was blieb waren die autorit\u00e4re Obrigkeitsh\u00f6rigkeit, Gewaltbereitschaft und Antisemitismus, die an die n\u00e4chste Generation junger M\u00e4nner weitergegeben wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Klingler, Huter, Retter &#038; Co: Baumeister der Erweiterung&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53750&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gingen als <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em> in die \u00f6sterreichische Geschichte ein. Nach der Wirtschaftskrise von 1873 erholte sich die finanzielle Lage und ein beispielloser Bauboom begann. Auch in Innsbruck etablierte sich ein modernes Banksystem. Die Kreditinstitute wie die 1821 gegr\u00fcndete Sparkasse oder die Kreditanstalt, deren 1910 errichtetes Geb\u00e4ude noch heute wie ein kleiner Palast in der Maria-Theresien-Stra\u00dfe thront, erm\u00f6glichten die Aufnahme von Krediten, ohne die Unternehmertum und Wirtschaft, wie wir es heute kennen, nicht m\u00f6glich war. Die Finanzinstitute agierten teils auch selbst als Bauherren. Von 1880 bis 1900 wuchs Innsbrucks Bev\u00f6lkerung von 20.000 auf 26.000 Einwohner an, das 1904 eingemeindete Wilten verdreifachte sich gar von 4000 auf 12.000. Die Anzahl an Geb\u00e4uden stieg von 600 auf \u00fcber 900 Geb\u00e4ude an. Die meisten davon waren, anders als gewohnt, mehrst\u00f6ckige Zinsh\u00e4user. Auch die Infrastruktur modernisierte sich. Gas, flie\u00dfendes Wasser und Elektrizit\u00e4t wurden Teil des Alltags von immer mehr Menschen. Diese Bauten repr\u00e4sentierten die neue Gesellschaft. Unternehmer, Freiberufler, Angestellte und Arbeiter hatten andere Bed\u00fcrfnisse als die rechtlosen Untertanen vergangener Zeiten. Der Lifestyle der St\u00e4dter verlangte nach Mehrzimmerwohnungen und freien Fl\u00e4chen zur Erholung nach der Arbeitszeit. Die Mietzinsh\u00e4user erm\u00f6glichten auch Nicht-Wohnungseigent\u00fcmern ein modernes Leben. Anders als im l\u00e4ndlichen Bereich Tirols, wo Bauernfamilien samt Knechten und M\u00e4gden in Bauernh\u00e4usern im Verbund einer Sippschaft lebten, kam das Leben in der Stadt unserem heutigen Verst\u00e4ndnis von Familienleben recht nahe. Das gehobene B\u00fcrgertum hatte den Adel zwar noch nicht \u00fcberholt, den Abstand aber verringert und konnte \u00fcber die neue Stellung im Gemeinderat nicht nur private Bauprojekte beauftragen, sondern auch \u00fcber \u00f6ffentliche Bauten entschieden. Das alte Stadtspital mitten in der Stadt wich dem modernen Krankenhaus im Westen, im Saggen entstanden das Waisenhaus und das Greisenasyl Sieberers und rund um den Bahnhof etablierte sich ein neues Zentrum.<\/p>\n<p>Die 40 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren f\u00fcr das Baugewerbe eine Goldgr\u00e4berzeit. Die Architektur der Geb\u00e4ude spiegelten die Weltanschauung ihrer Bauherren wider. Baumeister vereinten dabei mehrere Rollen und ersetzten oft den Architekten. Die meisten Kunden hatten sehr klare Vorstellungen, was sie wollten. Es sollten keine atemberaubenden Neukreationen sein, sondern Kopien und Anlehnungen an bestehende Geb\u00e4ude. Ganz im Geist der Zeit entwarfen die Innsbrucker Baumeister nach dem Wunsch der finanziell potenten Auftraggeber die Geb\u00e4ude in den Stilen des Historismus und des Klassizismus sowie des Tiroler Heimatstils. Der Stil, der beim Bau des Eigenheimes zur Anwendung kam, war oft nicht nur optisches, sondern auch ideologisches Statement des Bauherrn. Liberale bevorzugten meist den Klassizismus, Konservative waren dem Tiroler Heimatstil zugetan. W\u00e4hrend der Heimatstil sich neobarock und mit vielen Malereien zeigte, waren klare Formen, Statuen und S\u00e4ulen stilpr\u00e4gende Elemente bei der Anlage neuer Geb\u00e4ude des Klassizismus. In einem teils w\u00fcsten Stilmix wurden die Vorstellungen, die Menschen vom klassischen Griechenland und dem antiken Rom hatten, verwirklicht. Nicht nur Bahnh\u00f6fe und \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, auch gro\u00dfe Mietsh\u00e4user und ganze Stra\u00dfenz\u00fcge, sogar Kirchen und Friedh\u00f6fe entstanden entlang der alten Flurwege in diesem Design. Akademiker und die, die als solche wirken wollten, zeigten ihr Faible f\u00fcr die Antike mit neoklassizistischen Fassaden. Katholische Traditionalisten lie\u00dfen Heiligenbilder und Darstellungen der Landesgeschichte Tirols in Wandmalereien auf ihren Heimatstilh\u00e4usern anfertigen. W\u00e4hrend im Saggen und Wilten der Neoklassizismus dominiert, finden sich in Pradl Gro\u00dfteils Geb\u00e4ude im konservativen Heimatstil. Viele Bauexperten r\u00fcmpften lange Zeit die Nase \u00fcber den Geschmack der Empork\u00f6mmlinge und Neureichen. Heinrich Hammer schrieb in seinem Standardwerk \u201e<em>Kunstgeschichte der Stadt Innsbruck<\/em>\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eSchon diese erste rasche Erweiterung der Stadt fiel nun freilich in jene bauk\u00fcnstlerisch unfruchtbare Epoche, in der die Architektur, statt eine selbstst\u00e4ndige, zeiteigene Bauweise auszudenken, der Reihe nach die Baustile der Vergangenheit wiederholte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Zeit der gro\u00dfen Villen, die die Adelsansitze vergangener Tage mit b\u00fcrgerlicher Note nachahmten, kam mangels Platzgr\u00fcnden nach einigen wilden Jahrzehnten an ihr Ende. Eine weitere Bebauung des Stadtgebietes mit Einzelh\u00e4usern war nicht mehr m\u00f6glich, zu eng war der Platz geworden. Der Bereich Falkstra\u00dfe \/ G\u00e4nsbachstra\u00dfe \/ Bienerstra\u00dfe gilt bis heute als <em>Villensaggen<\/em>, die Gebiete \u00f6stlich als <em>Blocksaggen<\/em>. In Wilten und Pradl kam es zu dieser Art der Bebauung gar nicht erst gar nicht. Trotzdem versiegelten Baumeister im Goldrausch immer mehr Boden. Albert Gruber hielt zu diesem Wachstum 1907 eine mahnende Rede, in der er vor Wildwuchs in der Stadtplanung und Bodenspekulation warnte.<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist die schwierigste und verantwortungsvollste Aufgabe, welche unsere Stadtv\u00e4ter trifft. Bis zu den 80er Jahren (Anm.: 1880), sagen wir im Hinblick auf unsere Verh\u00e4ltnisse, ist noch ein gewisses langsames Tempo in der Stadterweiterung eingehalten worden. Seit den letzten 10 Jahren jedoch, kann man sagen, erweitern sich die St\u00e4dtebilder ungeheuer rasch. Es werden alte H\u00e4user niedergerissen und neue an ihrer Stelle gesetzt. Nat\u00fcrlich, wenn dieses Niederrei\u00dfen und Aufbauen planlos, ohne jede \u00dcberlegung, nur zum Vorteil des einzelnen Individuums getrieben wird, dann entstehen zumeist Ungl\u00fccke, sogenannte architektonische Verbrechen. Um solche planlose, der Allgemeinheit nicht zum Frommen und Nutzen gereichende Bauten zu verh\u00fcten, mu\u00df jede Stadt daf\u00fcr sorgen, da\u00df nicht der Einzelne machen kann, was er will: es mu\u00df die Stadt dem schrankenlosen Spekulantentum auf dem Gebiete der Stadterweiterung eine Grenze setzen. Hierher geh\u00f6rt vor allem die Bodenspekulation.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Handvoll Baumeister und das Bauamt Innsbruck begleiteten diese Entwicklung in Innsbruck. Bezeichnet man Wilhelm Greil als B\u00fcrgermeister der Erweiterung, verdient der geb\u00fcrtige Wiener Eduard Klingler (1861 \u2013 1916) wohl den Titel als deren Architekt. Klingler pr\u00e4gte das Stadtbild Innsbrucks in seiner Funktion als Beamter und Baumeister wesentlich mit. 1883 begann er f\u00fcr das Land Tirol zu arbeiten. 1889 trat er zum st\u00e4dtischen Bauamt \u00fcber, das er ab 1902 leitete.\u00a0 In Innsbruck gehen unter anderem die Handelsakademie, die Leitgebschule, der Friedhof Pradl, die Dermatologische Klinik im Klinikareal, der St\u00e4dtische Kindergarten in der Michael-Gaismair-Stra\u00dfe, die <em>Trainkaserne<\/em> (Anm.: heute ein Wohnhaus), die Markthalle und das Tiroler Landeskonservatorium auf Klinglers Konto als Leiter des Bauamtes. Ein sehenswertes Geb\u00e4ude im Heimatstil nach seinem Entwurf ist das Ulrichhaus am Berg Isel, das heute den Alt-Kaiserj\u00e4ger-Club beheimatet.<\/p>\n<p>Das bedeutendste Innsbrucker Baub\u00fcro war <em>Johann Huter &amp; S\u00f6hne<\/em>. Johann Huter \u00fcbernahm die Ziegelei seines Vaters. 1856 erwarb er das erste Firmengel\u00e4nde, die <em>Hutergr\u00fcnde<\/em>, am Innrain. Drei Jahre sp\u00e4ter entstand in der Meranerstra\u00dfe der erste Gesch\u00e4ftssitz. Die Firmeneintragung gemeinsam mit seinen S\u00f6hnen Josef und Peter stellte 1860 den offiziellen Startschuss des bis heute existierenden Unternehmens dar. <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> verstand sich wie viele seiner Konkurrenten als kompletter Dienstleister. Eine eigene Ziegelei, eine Zementfabrik, eine Tischlerei und eine Schlosserei geh\u00f6rten ebenso zum Unternehmen wie das Planungsb\u00fcro und die eigentliche Baufirma. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs waren mehr als 700 Personen besch\u00e4ftigt. 1906\/07 errichteten die Huters ihr Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe 15 im typischen Stil der letzten Vorkriegsjahre. Das herrschaftliche Haus vereint den Tiroler Heimatstil umgeben von Garten und Natur mit neogotischen und neoromanischen Elementen. Bekannte von <em>Huter &amp; S\u00f6hne<\/em> errichtete Geb\u00e4ude in Innsbruck sind das Kloster der Ewigen Anbetung, die Pfarrkirche St. Nikolaus, das erste Geb\u00e4ude der neuen Klinik und mehrere Geb\u00e4ude am Claudiaplatz.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Player war Josef Retter (1872 \u2013 1954). Der geb\u00fcrtige Nieder\u00f6sterreicher mit Tiroler Wurzeln absolvierte eine Maurerlehre bevor er die <em>k.k. Staatsgewerbeschule<\/em> in Wien und die Werkmeisterschule der baugewerblichen Abteilung besuchte. Nach Berufserfahrungen \u00fcber das Gebiet der Donaumonarchie verteilt in Wien, Kroatien und Bozen konnte er dank der Mitgift seiner Ehefrau im Alter von 29 Jahren seine eigene Baufirma mit Sitz in Innsbruck er\u00f6ffnen. Wie Huter beinhaltete auch sein Unternehmen ein S\u00e4gewerk, ein Sand- und Schotterwerk und eine Werkstatt f\u00fcr Steinmetzarbeiten. 1904 baute er sein Wohn- und B\u00fcrogeb\u00e4ude. Der neugotische, dunkle Retterhaus in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe 23 a mit dem markanten Erker mit S\u00e4ulen und einem T\u00fcrmchen wird von einem sehenswerten Mosaik, die eine Allegorie der Architektur darstellt, geschm\u00fcckt. Das Giebelrelief zeigt die Verbindung von Kunst und Handwerk, einem Symbol f\u00fcr den Werdegang Retters. Retters Geb\u00e4ude pr\u00e4gen vor allem Wilten und den Saggen. Mit einem Neubau des Akademischen Gymnasiums, dem burg\u00e4hnlichen Schulhaus f\u00fcr die Handelsakademie, der Evangelischen Christuskirche im Saggen, dem <em>Zelgerhaus<\/em> in der Anichstra\u00dfe, der Sonnenburg in Wilten und dem neugotischen Schloss Mentlberg am Sieglanger realisierte er viele der bedeutendsten Geb\u00e4ude dieser Epoche in Innsbruck.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tberufen aber mit einem \u00e4hnlich praxisorientieren Hintergrund, der typisch f\u00fcr die Baumeister des 19. Jahrhunderts war, startete Anton Fritz 1888 sein Baub\u00fcro. Er wuchs abgelegen in Graun im Vinschgau auf. Nach Stationen als Polier, Stuckateur und Maurer beschloss er mit 36 Jahren die Gewerbeschule in Innsbruck zu besuchen. Talent und Gl\u00fcck bescherten ihm mit der Villa im Landhausstil in der Karmelitergasse 12 seinen Durchbruch als Planer. Seine Baufirma besch\u00e4ftigte zur Bl\u00fctezeit 150 Personen. 1912, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem damit einhergehenden Einbruch der Baubranche, \u00fcbergab er sein Unternehmen an seinen Sohn Adalbert. Das eigene Wohnhaus in der M\u00fcllerstra\u00dfe 4, das Haus Mader in der Glasmalereistra\u00dfe sowie H\u00e4user am Claudiaplatz und dem Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den Hinterlassenschaften von Anton Fritz.<\/p>\n<p>Mit Carl Kohnle, Carl Albert, Karl Lubomirski und Simon Tommasi hatte Innsbruck weitere Baumeister, die sich mit typischen Geb\u00e4uden des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts im Stadtbild verewigten. Sie alle lie\u00dfen Innsbrucks neue Stra\u00dfenz\u00fcge im architektonisch vorherrschenden Zeitgeist der letzten 30 Jahre der Donaumonarchie erstrahlen. Wohnh\u00e4user, Bahnh\u00f6fe, Amtsgeb\u00e4ude und Kirchen im Riesenreich zwischen der Ukraine und Tirol schauten sich fl\u00e4chendeckend \u00e4hnlich. Nur z\u00f6gerlich kamen neue Str\u00f6mungen wie der Jugendstil auf. In Innsbruck war es der M\u00fcnchner Architekt Josef Bachmann, der mit der Neugestaltung der Fassade des Winklerhauses einen neuen Akzent in der b\u00fcrgerlichen Gestaltung setzte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges setzte die Baut\u00e4tigkeit aus. Nach dem Krieg war die Zeit des neoklassizistischen Historismus und Heimatstils endg\u00fcltig Geschichte. Die Zeiten waren karger und die Anforderungen an Wohnbau hatte sich ge\u00e4ndert. Wichtiger als eine repr\u00e4sentative Fassade und gro\u00dfe, herrschaftliche R\u00e4ume wurden in der Zeit der Wohnungsnot der kargen, jungen Republik Deutsch\u00f6sterreich leistbarer Wohnraum und moderne Ausstattung mit sanit\u00e4ren Anlagen. Auch die professionellere Ausbildung der Baumeister und Architekten an der k.k. Staatsgewerbeschule trug ihren Teil zu einem neuen Verst\u00e4ndnis des Bauwesens bei als sie die oftmals autodidaktischen Veteranen der Goldgr\u00e4berzeit des Klassizismus hatten. Spazierg\u00e4nge im Saggen und in Teilen von Wilten und Pradl versetzen bis heute zur\u00fcck in die <em>Gr\u00fcnderzeit<\/em>. Der Claudiaplatz und der Sonnenburgplatz z\u00e4hlen zu den eindr\u00fccklichsten Beispielen. Die Baufirma <em>Huter und S\u00f6hne<\/em> existiert bis heute. Das Unternehmen ist mittlerweile im Sieglanger in der Josef-Franz-Huter-Stra\u00dfe, benannt nach dem Firmengr\u00fcnder. Das Wohnhaus in der Kaiser-Josef-Stra\u00dfe tr\u00e4gt zwar nicht mehr den Schriftzug der Firma, ist aber in seiner Opulenz noch immer ein sehenswertes Relikt dieser Zeit, die Innsbrucks \u00c4u\u00dferes f\u00fcr immer ver\u00e4nderte. Neben seinem Wohnhaus in der Sch\u00f6pfstra\u00dfe beherbergt Wilten ein zweites Geb\u00e4ude der Familie Retter. Am Innrain gegen\u00fcber der Uni befindet sich die <em>Villa Retter<\/em>. Josef Retters \u00e4lteste Tochter Maria Josefa, die selbst bei der Reformp\u00e4dagogin Maria Montessori erzogen wurde, er\u00f6ffnete 1932 das erst \u201e<em>Haus des Kindes<\/em>\u201c Innsbrucks. \u00dcber dem Eingang zeigt ein Portrait den M\u00e4zen Josef Retter, die S\u00fcdfassade schm\u00fcckt ein Mosaik im typischen Stil der 1930er Jahre, das auf den urspr\u00fcnglichen Zweck des Geb\u00e4udes hinweist. Ein l\u00e4chelndes, blondes M\u00e4dchen umarmt seine Mutter, die ein Buch in der Hand hat, und seinen Vater, der einen Hammer tr\u00e4gt. Auch die Familiengruft am Westfriedhof ist eine sehenswerte Hinterlassenschaft.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Wilhelm Greil: DER B\u00fcrgermeister Innsbrucks&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53535&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Akteure der Innsbrucker Stadtgeschichte war Wilhelm Greil (1850 \u2013 1928). Von 1896 bis 1923 bekleidete der Unternehmer das Amt des B\u00fcrgermeisters, nachdem er vorher bereits als Vizeb\u00fcrgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet hatte. Sein Wirken war nicht nur lange, sondern fand auch in einer besonders dynamischen Zeit statt. Die vier Jahrzehnte zwischen der Wirtschaftskrise 1873 und dem Ersten Weltkrieg von einem nie dagewesenen Wachstum und einer rasenden Modernisierung gekennzeichnet. Es war die Zeit der Eingemeindung ganzer Stadtviertel, technischer Innovationen und neuer Medien. Private Investitionen in Infrastruktur wie Eisenbahn, Energie und Strom waren vom Staat gew\u00fcnscht und wurden steuerlich beg\u00fcnstigt, um die L\u00e4nder und St\u00e4dte der kr\u00e4nkelnden Donaumonarchie in die Moderne zu f\u00fchren. Die Wirtschaft der Stadt boomte. Betriebe in den neuen Stadtteilen Pradl und Wilten entstanden und lockten Arbeitskr\u00e4fte an. Auch der Tourismus brachte frisches Kapital in die Stadt. Innsbrucks Gemeinderat war von der liberalen und gro\u00dfdeutsch-nationalen \u201e<em>Deutschen Volkspartei<\/em>\u201c gepr\u00e4gt, der auch Greil angeh\u00f6rte. Erst mit der Eingemeindung von Wilten und Pradl 1904 konnten die Konservativen Boden gutmachen, jedoch nicht ganz aufholen. Die Sozialdemokratie spielte bis 1918 kaum eine Rolle. Bedingt durch eine Wahlordnung, die auf das Stimmrecht \u00fcber Verm\u00f6gensklassen aufgebaut war, konnten nur etwa 10% der Innsbrucker Bev\u00f6lkerung zur Wahlurne schreiten. Frauen waren prinzipiell ausgeschlossen. Dabei galt das relative Wahlrecht innerhalb der drei Wahlk\u00f6rper, was so viel hei\u00dft wie: <em>The winner takes it all<\/em>. B\u00fcrgermeister Greil wohnte passenderweise \u00e4hnlich einem Renaissancef\u00fcrsten. Er entstammte der gro\u00dfb\u00fcrgerlichen <em>Upper Class<\/em>. Sein Vater konnte es sich leisten, im Palais Lodron in der Maria-Theresienstra\u00dfe die <em>Homebase<\/em> der Familie zu gr\u00fcnden. Dank dieses Wahlstatuts konnte B\u00fcrgermeister Greil bis in die Zeit der Ersten Republik auf 100% R\u00fcckhalt im Gemeinderat bauen, was die Entscheidungsfindung und Lenkung nat\u00fcrlich erheblich vereinfachte. Bei aller Effizienz, die Innsbrucker B\u00fcrgermeister bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung an den Tag legten, sollte man nicht vergessen, dass das nur m\u00f6glich war, weil sie als Teil einer Elite aus Unternehmern, Handelstreibenden und Freiberuflern ohne nennenswerte Opposition und R\u00fccksichtnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen wie Arbeitern, Handwerkern und Angestellten in einer Art gew\u00e4hlten Diktatur durchregierten. Das Reichsgemeindegesetz von 1862 verlieh St\u00e4dten wie Innsbruck und damit den B\u00fcrgermeistern gr\u00f6\u00dfere Befugnisse. Es verwundert kaum, dass die Amtskette, die Greil zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen im Gemeinderat verliehen bekam, den Ordensketten des alten Adels erstaunlich \u00e4hnelte.\u00a0Greil war aber auch ein geschickter Politiker, der sich innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen und Medienlandschaft seiner Zeit gekonnt bewegte. Artikel 17 des \u00f6sterreichischen Staatsgrundgesetzes von 1867, bekannt als Dezemberverfassung, sicherte zum ersten Mal eine freie Meinungs\u00e4u\u00dferung in der Presse ohne vorherige Zensur, ausgenommen strafbarer Inhalte wie Gottesl\u00e4sterung oder Beleidung der Obrigkeit selbstverst\u00e4ndlich. In der Folge etablierte sich eine Vielzahl an Zeitungen wie der konservativen Neuen <em>Tiroler Stimme<\/em>, der sozialdemokratischen <em>Volkszeitung<\/em> oder den liberalen <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em>, die ein Weltbild nach dem Gusto der Herausgeber f\u00fcr ihr Publikum gestalteten. Dank der Reichweite der Innsbrucker Nachrichten konnte Wilhelm Greil seine Sicht der Trotz seiner teils heftigen, an die Programmatik der Gr\u00fcnderfigur der <em>Deutschnationalen<\/em> Georg Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 \u2013 1921) angelehnten Reden schaffte er es sich mit den konservativen Kr\u00e4ften im Land zu arrangieren, auch wenn es nicht nur medial h\u00e4ufig ordentlich krachte. Steuern, Gesellschaftspolitik, Bildungswesen, Wohnbau und die Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes wurden mit Leidenschaft und Eifer diskutiert, oft genug auch mit Gewalt als letztg\u00fcltigem Argument.<\/p>\n<p>Unter Greils \u00c4gide und dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung erweiterte sich Innsbruck im Eiltempo. Der Gemeinderat kaufte ganz im Stil eines Kaufmanns vorausschauend Grund an, um der Stadt Neuerungen zu erm\u00f6glichen. Der Politiker Greil konnte sich bei den gro\u00dfen Bauprojekten der Zeit auf die Beamten und Stadtplaner Eduard Klingler, Jakob Albert und Theodor Prachensky st\u00fctzen. Infrastrukturprojekte wie das neue Rathaus in der Maria-Theresienstra\u00dfe 1897, die Er\u00f6ffnung der Mittelgebirgsbahn, die Hungerburgbahn und die <em>Karwendelbahn<\/em> wurden w\u00e4hrend seiner Regierungszeit umgesetzt. Weitere gut sichtbare Meilensteine waren die Erneuerung des Marktplatzes und der Bau der Markthalle.\u00a0Neben den prestigetr\u00e4chtigen Gro\u00dfprojekten revolutionierte vor allem Unsichtbares in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Leben vieler Innsbrucker. Bereits Greils Vorg\u00e4nger B\u00fcrgermeister Heinrich Falk (1840 \u2013 1917) hatte erheblich zur Modernisierung der Stadt und zur Besiedelung des Saggen beigetragen. Seit 1859 war die Beleuchtung der Stadt mit Gasrohrleitungen stetig vorangeschritten. Mit dem Wachstum der Stadt und der Modernisierung wurden die Senkgruben, die in Hinterh\u00f6fen der H\u00e4user als Abort dienten und nach Entleerung an umliegende Landwirte als D\u00fcnger verkauft wurden, zu einer Unzumutbarkeit f\u00fcr immer mehr Menschen. 1880 wurde das <em>Raggeln<\/em>, so der Name im Volksmund f\u00fcr die Entleerung der Aborte, in den Verantwortungsbereich der Stadt \u00fcbertragen. Zwei pneumatische Maschinen sollten den Vorgang zumindest etwas hygienischer gestalten. Zwischen 1887 und 1891 wurde Innsbruck mit einer modernen Hochdruckwasserleitung ausgestattet, \u00fcber die auch Wohnungen in h\u00f6her gelegenen Stockwerken mit frischem Wasser versorgt werden konnten. Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, hatte damit erstmals die Gelegenheit eine Sp\u00fcltoilette im Eigenheim zu installieren. Greil setzte diesen Feldzug der Modernisierung mit einer Vielzahl an Infrastrukturprojekten fort. Die Ansammlung an Menschen auf enger werdendem Raum unter teils prek\u00e4ren Hygieneverh\u00e4ltnissen hatte viele Probleme mit sich. Die Randbezirke der Stadt und die umliegenden D\u00f6rfer wurden regelm\u00e4\u00dfig von Typhus heimgesucht. Nach jahrzehntelangen Diskussionen wurde 1903 mit dem Bau einer modernen Schwemmkanalisation begonnen. Ausgehend von der Innenstadt wurden immer mehr Stadtteile an diesen heute allt\u00e4glichen Luxus angeschlossen. 1908 waren nur die <em>Koatlackler<\/em> Mariahilf und St. Nikolaus nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Auch der neue Schlachthof im Saggen erh\u00f6hte Hygiene und Sauberkeit in der Stadt. Schlecht kontrollierte Hofschlachtungen geh\u00f6rten mit wenigen Ausnahmen der Vergangenheit an. Das Vieh kam im Zug am Sillspitz an und wurde in der modernen Anlage fachgerecht geschlachtet. Greil \u00fcberf\u00fchrte das Gaswerk in Pradl und das Elektrizit\u00e4tswerk in M\u00fchlau in st\u00e4dtischen Besitz. Die Stra\u00dfenbeleuchtung wurde im 20. Jahrhundert von den Gaslaternen auf elektrisches Licht umgestellt. 1888 \u00fcbersiedelte das Krankenhaus von der Maria-Theresienstra\u00dfe an seinen heutigen Standort.\u00a0B\u00fcrgermeister und Gemeinderat konnten sich bei dieser<em> Innsbrucker Renaissance <\/em>neben der wachsenden Wirtschaftskraft in der Vorkriegszeit auch auf M\u00e4zen aus dem B\u00fcrgertum st\u00fctzen. Waren technische Neuerungen und Infrastruktur Sache der Liberalen, verblieb die F\u00fcrsorge der \u00c4rmsten weiterhin bei klerikal gesinnten Kr\u00e4ften, wenn auch nicht mehr bei der Kirche selbst. Freiherr Johann von Sieberer stiftete das Greisenasyl und das Waisenhaus im Saggen. Leonhard Lang stiftete das Geb\u00e4ude in der Maria-Theresienstra\u00dfe, in der sich bis heute das Rathaus befindet gegen das Versprechen der Stadt ein Lehrlingsheim zu bauen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur boomenden Vorkriegs\u00e4ra war die Greil\u00b4sche \u00c4gide nach 1914 vom Krisenmanagement gepr\u00e4gt. In seinen letzten Amtsjahren begleitete er als B\u00fcrgermeister Innsbruck am \u00dcbergang von der Habsburgermonarchie zur Republik durch Jahre, die vor allem durch Hunger, Elend, Mittelknappheit und Unsicherheit gepr\u00e4gt waren. Er war 68 Jahre alt, als Tirol nach dem Krieg am Brenner geteilt wurde. Greil hatte w\u00e4hrend seiner politischen Karriere oft die allgemeine Feindseligkeit gegen\u00fcber den <em>Wallschen<\/em> in \u00e4hnlich populistischer Manier f\u00fcr sich genutzt, wie es sein christlich-sozialer Wiener Amtskollege Karl Lueger in Wien mit antisemitischer Stimmungsmache tat. Am Ende seiner Laufbahn musste er tats\u00e4chlich eine italienische Besetzung Innsbrucks miterleben. Mit der Einf\u00fchrung der Republik fiel auch das Zensuswahlrecht, was den Anfang vom Ende der Dominanz der Liberalen im Gemeinderat bedeutete. 1919 konnten die Sozialdemokraten in Innsbruck zum ersten Mal den Wahlsieg davontragen. Nur dank der Mehrheiten im Gemeinderat und einer Koalition der gro\u00dfdeutsch-liberalen und konservativ-klerikalen Politikern blieb Greil B\u00fcrgermeister. 1928 verstarb er als Ehrenb\u00fcrger der Stadt Innsbruck im Alter von 78 Jahren. Die Wilhelm-Greil-Stra\u00dfe war noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Der Erste Weltkrieg &#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;53606&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Beinahe h\u00e4tte nicht Gavrilo Princip, sondern ein Innsbrucker Student die Geschicke der Welt ver\u00e4ndert. Der junge Mann prahlte 1913 vor einer Kellnerin mit seinen Pl\u00e4nen, den Thronfolger zu erschie\u00dfen, wurde aber festgenommen vor er sie in die Tat umsetzen konnte. Erst als es ein Jahr sp\u00e4ter tats\u00e4chlich zu den die Welt ver\u00e4ndernden Sch\u00fcssen in Sarajevo kam, erschien am 30. Juni ein Artikel in den <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> \u00fcber die Ereignisse. Welche Auswirkungen der daraufhin ausgebrochene Erste Weltkrieg auf die Welt und den Alltag der Menschen haben sollte, war nach dem Attentat auf Franz Ferdinand am 28. Juni nicht absehbar. Zwei Tage nach der Ermordung des Habsburgers in Sarajewo lasen Innsbrucker in der Zeitung aber bereits prophetisches: \u201e<em>Wir sind an einem Wendepunkte \u2013 vielleicht an dem Wendepunkte\u201c \u2013 der Geschicke dieses Reiches angelangt<\/em>\u201c. Auch in Innsbruck war die Begeisterung f\u00fcr den Krieg 1914 gro\u00df. Vom Wahlspruch der Zeit \u201e<em>Gott, Kaiser und Vaterland<\/em>\u201c angetrieben, begr\u00fc\u00dften die Menschen den Angriff auf Serbien zum allergr\u00f6\u00dften Teil einhellig. Politiker, Klerus und Presse heizten den allgemeinen Jubel an. Besonders \u201everdient\u201c machten sich bei der Kriegstreiberei die beiden Theologen Joseph Seeber (1856 \u2013 1919) und Anton M\u00fcllner alias <em>Bruder Willram<\/em> (1870 \u2013 1919), die mit ihren Predigten und Schriften wie \u201e<em>Das blutige Jahr<\/em>\u201c den Krieg zu einem Kreuzzug gegen Frankreich und Italien erhoben. Neben dem kaiserlichen Appell \u201e<em>An meine V\u00f6lker<\/em>\u201c, der in allen Medien des Reiches erschien, druckten die <em>Innsbrucker Nachrichten<\/em> am 29. Juli, dem Tag nach der Kriegserkl\u00e4rung \u00d6sterreich-Ungarns an Serbien, einen Artikel rund um die Einnahme Belgrads durch Prinz Eugen im Jahr 1717. Der Ton in den Medien war feierlich, wenn auch nicht ganz ohne b\u00f6se Vorahnung auf das, was kommen sollte.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Appell des Kaisers an seine V\u00f6lker wird tief ergreifen. Der innere Hader ist verstummt und die Spekulationen unserer Feinde aus Unruhen und \u00e4hnliche Dinge sind j\u00e4mmerlich zu Schanden geworden. In alter und vielbew\u00e4hrter Treue stehen vor allem auch diesmal die Deutschen zu Kaiser und Reich: auch diesmal bereit, mit ihrem Blute f\u00fcr Dynastie und Vaterland einzustehen. Wir gehen schweren Tagen entgegen; niemand kann auch nur ahnen, was uns das Schicksal bescheiden wird, was es Europa, was es der Welt bescheiden wird. Wir k\u00f6nnen nur mit unserem alten Kaiser auf unsere Kraft und auf Gott vertrauen und die Zuversicht hegen, da\u00df, wenn wir einig find und zusammenhalten, uns der Sieg beschieden sein mu\u00df, denn wir wollten den Krieg nicht und unsere Sache ist die der Gerechtigkeit!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Viele Innsbrucker meldeten sich freiwillig f\u00fcr den Feldzug gegen Serbien, von dem man dachte, er w\u00e4re eine Angelegenheit weniger Wochen oder Monate. Von au\u00dferhalb der Stadt kam eine so gro\u00dfe Anzahl an Freiwilligen zu den Stellungskommissionen, dass Innsbruck beinahe aus allen N\u00e4hten platzte. Wie anders es kommen sollte, konnte keiner ahnen. Schon nach den ersten Schlachten im fernen Galizien war klar, dass es keine Sache von Monaten werden w\u00fcrde. Kaiserj\u00e4ger und andere Tiroler Truppen wurden regelrecht verheizt. Schlechte Ausr\u00fcstung, mangelnder Nachschub und die katastrophale des Oberkommandos unter Konrad von H\u00f6tzendorf brachten Tausenden den Tod oder in Kriegsgefangenschaft, wo Hunger, Misshandlung und Zwangsarbeit warteten. 1915 trat 0 Italien an der Seite Frankreichs und Englands in den Krieg ein. Im ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Geheimvertrag von London wurden dem jungen K\u00f6nigreich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung im Kampf gegen die Mittelm\u00e4chte Deutschland und \u00d6sterreich von Seiten der Entente gro\u00dfz\u00fcgige Gebietsgewinne versprochen. Am 23. Mai erkl\u00e4rte der ehemalige Verb\u00fcndete dem Habsburgerreich den Krieg. Bis zur Verlegung der regul\u00e4ren Truppen von der Ostfront hing die Landesverteidigung an den Standsch\u00fctzen, einer Truppe, die aus M\u00e4nnern unter 21, \u00fcber 42 oder mit Untauglichkeitsattest f\u00fcr den regul\u00e4ren Milit\u00e4rdienst bestand. Die Opferzahlen waren dementsprechend hoch. Vom Ortler im Westen \u00fcber den n\u00f6rdlichen Gardasee bis zu den Sextener Dolomiten fanden die Gefechte des Gebirgskriegs statt. Innsbruck war nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffen. Zumindest h\u00f6ren konnte man das Kriegsgeschehen aber bis in die Landeshauptstadt, wie in der Zeitung vom 7. Juli 1915 zu lesen war:<\/p>\n<p><em>\u201eBald nach Beginn der Feindseligkeiten der Italiener konnte man in der Gegend der Serlesspitze deutlich Kanonendonner wahrnehmen, der von einem der Kampfpl\u00e4tze im S\u00fcden Tirols kam, wahrscheinlich von der Vielgereuter Hochebene. In den letzten Tagen ist nun in Innsbruck selbst und im Nordosten der Stadt unzweifelhaft der Schall von Gesch\u00fctzdonner festgestellt worden, einzelne starke Schl\u00e4ge, die dumpf, nicht rollend und t\u00f6nend \u00fcber den Brenner her\u00fcberklangen. Eine T\u00e4uschung ist ausgeschlossen. In Innsbruck selbst ist der Donner der Kanonen schwerer festzustellen, weil hier der L\u00e4rm zu gro\u00df ist, es wurde aber doch einmal abends ungef\u00e4hr um 9 Uhr, als einigerma\u00dfen Ruhe herrschte, dieser unzweifelhafte von unseren M\u00f6rsern herr\u00fchrender Donner geh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Front war zwar weit von Innsbruck entfernt, der Krieg drang aber auch ins zivile Leben ein. Diese totale Einbeziehung der gesamten Gesellschaft ins Geschehen war ein neues Ph\u00e4nomen. Durch die Massenmobilmachung eines gro\u00dfen Teils der arbeitenden m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung kamen viele Betriebe zum vollkommenen Stillstand. Regale in Gesch\u00e4ften blieben leer, der \u00f6ffentliche Verkehr kam zum Erliegen, Handwerker und Arbeiter waren zum Milit\u00e4rdienst verpflichtet. Unternehmen, die noch produzieren konnten, wurden der Kriegswirtschaft untergeordnet. Im <em>Hungerwinter<\/em> 1917 war die Innsbrucker Wirtschaft beinahe g\u00e4nzlich zusammengebrochen. Lebensmittel, Kohle und Brennholz fehlten, Hunger und K\u00e4lte wurden in der Stadt zu erbitterten Feinden von Frauen, Kindern, Verwundeten und nicht Kriegstauglichen. Die Versorgung erfolgte in den letzten Kriegsjahren \u00fcber Bezugsscheine. 500 g Fleisch, 60 g Butter und 2 kg Kartoffel waren die Basiskost pro Person \u2013 pro Woche, wohlgemerkt. Auf Archivbildern kann man die langen Schlangen verzweifelter und hungriger Menschen vor den Lebensmittell\u00e4den sehen. Immer wieder kam es zu Protesten und Streiks. Politiker, Gewerkschafter, Arbeiter und Kriegsheimkehrer sahen ihre Chance auf Umbruch gekommen. Unter dem Motto <em>Friede, Brot und Wahlrecht <\/em>vereinten sich unterschiedlichste Parteien im Widerstand gegen den Krieg. Auch das Stadtbild ver\u00e4nderte sich. In der H\u00f6ttinger Au wurden Baracken zur Unterbringung von Kriegsgefangenen errichtet. Verwundetentransporte brachten eine so gro\u00dfe Zahl Verletzter, dass viele eigentlich zivile Geb\u00e4ude wie die sich gerade im Bau befindliche Universit\u00e4tsbibliothek oder Schloss Ambras in Milit\u00e4rspit\u00e4ler umfunktioniert wurden. Ein Vorg\u00e4nger der Stra\u00dfenbahnlinie 3 wurde eingerichtet, um die Verwundeten vom Bahnhof ins neue Garnisonsspital, die heutige Conradkaserne in Pradl, bringen zu k\u00f6nnen. Um der gro\u00dfen Zahl an Gefallenen Herr zu werden, wurde der Milit\u00e4rfriedhof Pradl angelegt.<\/p>\n<p>Mit dem Kriegsende r\u00fcckte auch die Front n\u00e4her. Im Februar 1918 schaffte es die italienische Luftwaffe, drei Bomben auf Innsbruck abzuwerfen. In der Neuen Freien Presse wurde erstmals \u00fcber den Geheimvertrag von London berichtet, was die Nervosit\u00e4t der Tiroler ob der drohenden Gebietsverluste s\u00fcdlich des Brenners anstachelte. Zu dieser Zeit war den meisten Menschen schon klar, dass der Krieg verloren war, und welches Schicksal Tirol erwarten w\u00fcrde, wie dieser Artikel vom 6. Oktober 1918 zeigt:<\/p>\n<p>\u00a0\u201e<em>Aeu\u00dfere und innere Feinde w\u00fcrfeln heute um das Land Andreas Hofers. Der letzte Wurf ist noch grausamer; sch\u00e4ndlicher ist noch nie ein freies Land geschachert worden. Das Blut unserer V\u00e4ter, S\u00f6hne und Br\u00fcder ist umsonst geflossen, wenn dieser sch\u00e4ndliche Plan Wirklichkeit werden soll. Der letzte Wurf ist noch nicht getan. Darum auf Tiroler, zum Tiroler Volkstag in Brixen am 13. Oktober 1918 (n\u00e4chsten Sonntag). Deutscher Boden mu\u00df deutsch bleiben, Tiroler Boden mu\u00df tirolisch bleiben. Tiroler entscheidet selbst \u00fcber Eure Zukunft!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Am 4. November vereinbarten \u00d6sterreich-Ungarn und das K\u00f6nigreich Italien schlie\u00dflich einen Waffenstillstand. Das Recht, Gebiete der Monarchie zu besetzen, war ein Teil des Abkommens. Bei den Verb\u00fcndeten im Deutschen Reich schrillten die Alarmglocken. Bereits am n\u00e4chsten Tag r\u00fcckten bayerische Truppen in Innsbruck ein. Deutschland befand sich noch im Krieg mit Italien und hatte Angst, die Front k\u00f6nnte nach Nordtirol und damit n\u00e4her an das eigene Territorium verlegt werden. Zum gro\u00dfen Gl\u00fcck f\u00fcr Innsbruck und die Umgebung kapitulierte aber auch Deutschland eine Woche sp\u00e4ter am 11. November. So blieben die gro\u00dfen Kampfhandlungen zwischen regul\u00e4ren Armeen au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Trotzdem war Innsbruck in Gefahr. Gewaltige Kolonnen an milit\u00e4rischen Kraftfahrzeugen, Z\u00fcge voller Soldaten und tausende ausgezehrte Soldaten, die sich zu Fu\u00df auf den Heimweg von der Front machten, passierten die Stadt. Wer konnte, sprang auf einen der \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcge oder auf ein Auto, um die Front hinter sich zu lassen und nach Hause zu kommen. Im November 1918 kamen mehr als 270 Soldaten bei diesen waghalsigen Man\u00f6vern ums Leben oder mussten in eines der Lazarette der Stadt eingeliefert werden. Die Stadt musste nicht nur die eigenen B\u00fcrger in Zaum halten, die Verpflegung garantieren, sondern sich auch vor Pl\u00fcnderungen sch\u00fctzen. Um die \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, bildete der Tiroler Nationalrat am 5. November eine Volkswehr aus Sch\u00fclern, Studenten, Arbeitern und B\u00fcrgern. Am 23. November 1918 besetzten italienische Truppen die Stadt und das Umland. In Tirol waren \u00fcber 80.000 italienische Soldaten stationiert, etwa 5000 mussten Unterschlupf in der ausgehungerten und elenden Stadt finden. Schulen wurden zu Kasernen. Der beschwichtigende Aufruf an die Innsbrucker von B\u00fcrgermeister Greil, die Stadt ohne Aufruhr zu \u00fcbergeben, hatte Erfolg. Es kam zwar zu vereinzelten Ausschreitungen, Hungerkrawallen und Pl\u00fcnderungen, bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen oder gar eine bolschewistische Revolution wie in M\u00fcnchen gab es aber nicht.<\/p>\n<p>Die Bilanz des ersten Weltkriegs war verheerend f\u00fcr die Innsbrucker Bev\u00f6lkerung. Mehr als 1200 verloren auf den Schlachtfeldern und in Lazaretten ihr Leben, etwa 600 wurden verwundet. Erinnerungsorte an den Ersten Weltkrieg und seine Opfer finden sich in Innsbruck vor allem an Kirchen und Friedh\u00f6fen. Das Kaiserj\u00e4germuseum am Berg Isel zeigt Uniformen, Waffen und Bilder des Schlachtgeschehens. Den beiden Theologen Anton M\u00fcllner und Josef Seeber sind in Innsbruck Stra\u00dfennamen gewidmet. Auch nach dem Oberbefehlshaber der k.u.k Armee an der S\u00fcdfront, Erzherzog Eugen, wurde eine Stra\u00dfe benannt. Vor dem Hofgarten befindet sich ein Denkmal f\u00fcr den erfolglosen Feldherren. An die italienische Besatzung erinnert der \u00f6stliche Teil des Amraser Milit\u00e4rfriedhofs.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][et_pb_toggle title=&#8220;Auferstanden aus Ruinen&#8220; open=&#8220;on&#8220; open_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; open_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; closed_toggle_text_color=&#8220;#e09900&#8243; closed_toggle_background_color=&#8220;#ffffff&#8220; icon_color=&#8220;#e09900&#8243; open_icon_color=&#8220;#e09900&#8243; admin_label=&#8220;Auferstanden aus Ruinen die Nachkriegszeit in Innsbruck&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text_color=&#8220;#e09900&#8243; title_font_size=&#8220;18px&#8220; border_radii=&#8220;on|5px|5px|5px|5px&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; global_module=&#8220;63476&#8243; saved_tabs=&#8220;all&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Nach Kriegsende kontrollierten ab Mai 1945 US-Truppen f\u00fcr zwei Monate Tirol, bevor die Verwaltung des besetzten Gebietes an Frankreich \u00fcberging. Mit dem Ende des Krieges waren zwar die Luftangriffe vorbei und auch die Gefahr eines zerst\u00f6rerischen letzten Gefechts in den Stra\u00dfen Innsbrucks war gebannt, Not und \u00c4ngste bestanden aber fort. In den ersten drei Nachkriegsjahren war der Hunger der gr\u00f6\u00dfte Feind. Fiorello La Guardia, der Vorsitzende der <em>UNRRA<\/em> <em>(United Nations Relief and Rehabilitation Administration<\/em>), die Kriegsgebiete mit dem N\u00f6tigsten versorgte, z\u00e4hlte \u00d6sterreich \u201e\u2026<em>zu jenen V\u00f6lkern der Welt, die dem Hungertod am n\u00e4chsten sind\u2026<\/em>\u201c. Der Mai 1945 war weniger Wonnemonat als viel mehr eiskalt mit Schnee bis in die T\u00e4ler. Der Winter 1946\/47 ging als besonders kalt und lang in die Tiroler Klimageschichte ein, der Sommer als besonders hei\u00df und trocken. Es kam zu Ernteausf\u00e4llen von bis zu 50%. Die Versorgungslage war vor allem in der Stadt katastrophal. Die t\u00e4gliche Nahrungsmittelbeschaffung wurde zur lebensgef\u00e4hrdenden Sorge im Alltag der Innsbrucker. Neben den eigenen B\u00fcrgern mussten auch tausende von <em>Displaced Persons<\/em>, freigekommene Zwangsarbeiter und Besatzungssoldaten, ern\u00e4hrt werden. Milch, Brot, Eier, Zucker, Mehl, Fett \u2013 von allem war zu wenig da. Die Tiroler Landesregierung und franz\u00f6sische Besatzung konnten den Bedarf an ben\u00f6tigten Kilokalorien pro Kopf nicht abdecken. Um die Logistik f\u00fcr die Versorgung von au\u00dferhalb zu verbessern, legten die Franzosen bereits 1946 den Grundstein f\u00fcr den neuen Flughafen auf der <em>Ulfiswiese<\/em> in der H\u00f6ttinger Au, der den 20 Jahre zuvor er\u00f6ffneten Flugplatz in der Reichenau nach zwei Jahren Bauzeit ersetzte. Zeitzeugen erinnern sich mit Grauen an die eingeflogenen Konservendosen und ihren wenig wohlschmeckenden Inhalt wie Walfischfleisch, die sie zugeteilt bekamen. Die Lebensmittelversorgung erfolgte \u00fcber Lebensmittelkarten. Erwachsene mussten eine Best\u00e4tigung des Arbeitsamtes vorlegen, um an diese Karten zu kommen. Die Rationen unterschieden sich je nach Kategorie der Arbeiter. Schwerstarbeiter, Schwangere und stillende M\u00fctter erhielten Lebensmittel im \u201eWert\u201c von 2700 Kalorien. Handwerker mit leichten Berufen, Beamte und Freiberufler erhielten 1850 Kilokalorien, Angestellte 1450 Kalorien. Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c bezogen 1200 Kalorien. Ausl\u00e4ndische Hilfsorganisation betrieben karitative Initiativen wie Volksk\u00fcchen und Ausspeisungen f\u00fcr Schulkinder. Die amerikanische Wohlfahrtsorganisation <em>Cooperative for American Remittances to Europe<\/em> schickte Care-Pakete. Viele Kinder wurden im Sommer zu Pflegehaushalten in die Schweiz verschickt, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen und ein paar zus\u00e4tzliche Kilo auf die Rippen zu bekommen. F\u00fcr alle reichten diese Ma\u00dfnahmen aaber nicht aus. Vor allem Hausfrauen und andere \u201eNormalverbraucher\u201c litten unter den geringen Zuteilungen. Viele Innsbrucker machten sich trotz der Gefahr, festgenommen zu werden, auf den Weg in die umliegenden D\u00f6rfer, um zu hamstern. Wer Geld hatte, bezahlte teils utopische Preise bei den Bauern. Wer keins hatte, musste um Nahrungsmittel betteln. Frauen, deren M\u00e4nner gefallen, in Gefangenschaft oder vermisst waren, sahen in Extremf\u00e4llen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren. Besonders die Frauen die dabei schwanger wurden, mussten \u00fcbelste Beschimpfungen \u00fcber sich und ihren Nachwuchs ergehen lassen. Vom straffreien Schwangerschaftsabbruch war man in \u00d6sterreich noch 30 Jahre entfernt. Die Politik stand dem zu einem gro\u00dfen Teil machtlos gegen\u00fcber. Alle Interessen zu befrieden, war schon in normalen Zeiten unm\u00f6glich. Viele Entscheidung zwischen dem Parlament in Wien, dem Tiroler Landtag und dem Innsbrucker Rathaus waren f\u00fcr die Menschen nicht nachvollziehbar. Amtsgeb\u00e4ude und Gewerbebetriebe bekamen vom Elektrizit\u00e4tswerk Innsbruck freie Hand, w\u00e4hrend den Privathaushalten ab Oktober 1945 der Zugang zum Strom immer wieder eingeschr\u00e4nkt wurde. Diese Benachteiligung der Haushalte gegen\u00fcber der Wirtschaft galt auch f\u00fcr die Versorgung mit Kohle. W\u00e4hrend Kinder unter der Mangelern\u00e4hrung litten, wurde von manch gesch\u00e4ftst\u00fcchtigem Bauern legal gewinnbringender Schnaps aus Obst gebrannt. Die alten Gr\u00e4ben zwischen Stadt und Land wurden gr\u00f6\u00dfer und hasserf\u00fcllter. Innsbrucker warfen der Umlandbev\u00f6lkerung vor, bewusst Lebensmittel f\u00fcr den Schwarzmarkt zur\u00fcckzuhalten. Es kam zu \u00dcberf\u00e4llen, Diebst\u00e4hlen und Holzschl\u00e4gerungen. Transporte am Bahnhof wurden von bewaffneten Einheiten bewacht. Sich Lebensmittel aus einem Lager anzueignen war illegal und Alltag zu gleich. Kinder und Jugendliche streunten hungrig durch die Stadt und nahmen jede Gelegenheit sich etwas zu Essen oder Brennmaterial zu besorgen wahr. Der erste Tiroler Landeshauptmann Karl Gruber, w\u00e4hrend des Krieges selbst illegal im Widerstand, hatte zwar Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation der Menschen, die sich gegen das System auflehnten, konnte aber nichts daran \u00e4ndern. Auch dem Innsbrucker B\u00fcrgermeister Anton Melzer waren die H\u00e4nde gebunden. Es war nicht nur schwierig, die Bed\u00fcrfnisse aller Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen. Immer wieder kam es unter der Beamtenschaft zu F\u00e4llen von Korruption und Gef\u00e4lligkeiten gegen\u00fcber Verwandten und Bekannten. Grubers Nachfolger am Landeshauptmannsessel Alfons Wei\u00dfgatterer musste gleich mehrere kleine Aufst\u00e4nde \u00fcberstehen, als sich der Volkszorn Luft machte und Steine Richtung Landhaus flogen Die Antwort der Landesregierung erfolgte \u00fcber die <em>Tiroler Tageszeitung<\/em>.<\/p>\n<p>\u201e<em>Sind etwa die zerbrochenen Fensterscheiben, die gestern vom Landhaus auf die Stra\u00dfe klirrten, geeignete Argumente, um unseren Willen zum Wiederaufbau zu beweisen? Sollten wir uns nicht daran erinnern, dass noch niemals in irgendeinem Lande wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Demonstrationen und Kundgebungen beseitigt worden sind?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Zeitung war 1945 unter der Verwaltung der US-Streitkr\u00e4fte zur Demokratisierung und Entnazifizierung gegr\u00fcndet worden. Der erste Chefredakteur Anton Klotz (1889 \u2013 1961) hatte beim konservativen <em>Allgemeinen Tiroler Anzeiger<\/em> gearbeitet, bevor er von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Buchenwald verfrachtet worden war. Bereits nach einem Jahr ging die Tageszeitung an die <em>Schl\u00fcssel GmbH<\/em> unter Leitung des \u00d6VP-Politikers Joseph Moser. In den ersten Monaten nach dem Krieg war sie auf Grund von Papiermangel die einzige verf\u00fcgbare Zeitung \u00fcberhaupt. Das zweite Blatt, das ab Ende 1945 erschien, die <em>Tiroler Nachrichten<\/em>, stand unter direkter Verwaltung der \u00d6VP. Dank der hohen Auflage und ihrem fast unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt konnte die Tiroler Landesregierung so die \u00f6ffentliche Stimmung lenken. An Fakten wie der prek\u00e4ren Wohnsituation wie der Menschen \u00e4nderte diese Meinungshoheit aber nichts. Gesch\u00e4tzte 30.000 Innsbrucker waren obdachlos, lebten auf engstem Raum bei Verwandten oder in Barackensiedlungen wie dem ehemaligen Arbeitslager in der Reichenau, in der vom Volksmund \u201e<em>Ausl\u00e4nderlager<\/em>\u201c genannten Barackensiedlung f\u00fcr Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Europas oder der <em>Bocksiedlung<\/em>. Die Maria-Theresien-Stra\u00dfe, die Museumstra\u00dfe, das Bahnhofsviertel, Wilten oder die Pradlerstra\u00dfe w\u00e4ren wohl um einiges ansehnlicher, h\u00e4tte man nicht die L\u00f6cher im Stra\u00dfenbild schnell stopfen m\u00fcssen, um so schnell als m\u00f6glich Wohnraum f\u00fcr die vielen Obdachlosen und R\u00fcckkehrer zu schaffen. \u00c4sthetik aber war ein Luxus, den man sich in dieser Situation nicht leisten konnte. Zehntausende B\u00fcrger halfen mit, Schutt und Tr\u00fcmmer von den Stra\u00dfen zu schaffen, den die Luftangriffe hinterlassen hatten. Die ausgezehrte Bev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte neuen Wohnraum, um den gesundheitssch\u00e4dlichen Lebensbedingungen, in denen Gro\u00dffamilien teils in Einraumwohnungen einquartiert waren, zu entfliehen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Notlage gef\u00e4hrdet die Behaglichkeit des Heims. Sie zehrt an den Wurzeln der Lebensfreude. Niemand leidet mehr darunter als die Frau, deren Gl\u00fcck es bildet, einen zufriedenen, trauten Familienkreis, um sich zu sehen. Welche Anspannung der seelischen Kraft erfordern der t\u00e4glich zerm\u00fcrbende Kampf um ein bisschen Einkauf, die M\u00fchsal des Schlangestehens, die Entt\u00e4uschungen der Absagen und Abweisungen und der Blick in den unmutigen Gesichtern der von Entbehrungen gepeinigten Lieben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was in der <em>Tiroler Tageszeitung<\/em> zu lesen stand, war nur ein Teil der harten Alltagsrealit\u00e4t. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Spanische Grippe viele Opfer forderte, kam es auch 1945 zu einem Anstieg gef\u00e4hrlicher Infektionen. Impfstoffe gegen Tuberkulose konnten im ersten Winter nicht geliefert werden. Krankenhausbetten waren Mangelware.<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Situation nach 1947 entspannte, blieben die Lebensumst\u00e4nde in Tirol prek\u00e4r. Bis es zu merklichen Verbesserungen kam, dauerte es Jahre. Die Lebensmittelrationierungen wurde am 1. Juli 1953 eingestellt. Im selben Jahr konnte B\u00fcrgermeister Greiter verk\u00fcnden, dass alle w\u00e4hrend der Luftangriffe zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder in Stand gesetzt worden waren. Zu verdanken war dies auch den Besatzern. Die franz\u00f6sischen Truppen unter Emile Bethouart verhielten sich sehr milde und kooperativ gegen\u00fcber dem ehemaligen Feind und begegneten der Tiroler Kultur und Bev\u00f6lkerung freundlich und aufgeschlossen. Stand man der Besatzungsmacht anfangs feindlich gesinnt gegen\u00fcber &#8211; schon wieder war ein Krieg verloren gegangen &#8211; wich die Skepsis der Innsbrucker mit der Zeit. Manch ein Tiroler sah dank der Uniformierten <em>der 4. Marokkanischen Gebirgsdivision<\/em> zum ersten Mal \u00fcberhaupt dunkelh\u00e4utige Menschen. Die Soldaten waren vor allem bei den Kindern beliebt wegen der Schokoladen und S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie verteilten. Viele Menschen erhielten innerhalb der franz\u00f6sischen Verwaltung eine Arbeitsstelle. Das Franzosendenkmal am Landhausplatz erinnert an die franz\u00f6sische Besatzungszeit. Am <em>Emile-Bethouart-Steg<\/em>, der St. Nikolaus und die Innenstadt \u00fcber den Inn verbindet, befindet sich eine Gedenktafel, die die Beziehung zwischen Besatzung und Bev\u00f6lkerung gut zum Ausdruck bringt:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Sieger gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Besch\u00fctzer geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Freund in die Heimat zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Neben den materiellen N\u00f6ten bestimmte das kollektive Kriegstrauma die Gesellschaft. Die Erwachsenen der 1950er Jahre waren Produkte der Erziehung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus. M\u00e4nner, die an der Front gek\u00e4mpft hatten, konnten als Kriegsverlierer nur in bestimmten Kreisen von ihren grauenhaften Erlebnissen sprechen, Frauen hatten meist gar kein Forum zur Verarbeitung ihrer \u00c4ngste und Sorgen. H\u00e4usliche Gewalt und Alkoholismus waren weit verbreitet. Lehrer, Polizisten, Politiker und Beamte kamen vielfach aus der nationalsozialistischen Anh\u00e4ngerschaft, die nicht einfach mit dem Ende des Krieges verschwand, sondern lediglich \u00f6ffentlich totgeschwiegen wurde. Am <em>Innsbrucker Volksgerichtshof<\/em> kam es unter der Regie der Siegerm\u00e4chte zwar zu einer gro\u00dfen Anzahl an Verfahren gegen Nationalsozialisten, die Anzahl an Verurteilungen spiegelte aber nicht das Ausma\u00df des Geschehens wider. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten kam frei. Besonders belastete Vertreter des Systems kamen f\u00fcr einige Zeit ins Gef\u00e4ngnis oder verloren ihre Anstellung im \u00f6ffentlichen Dienst, konnten aber nach Verb\u00fc\u00dfung der Haft relativ unbehelligt an ihr altes Leben ankn\u00fcpfen, zumindest im Beruflichen. Nicht nur wollte man einen Schlussstrich unter die letzten Jahrzehnte ziehen, man ben\u00f6tigte die T\u00e4ter von gestern, um die Gesellschaft von heute am Laufen zu halten. Sp\u00e4testens mit den wachsenden Spannungen zwischen den Superm\u00e4chten und der UdSSR wurden die Altnazis als geringeres \u00dcbel im Vergleich zu Sozialisten und Kommunisten gesehen. Das Problem an dieser Strategie des Verdr\u00e4ngens war, dass niemand die Verantwortung f\u00fcr das Geschehene \u00fcbernahm, auch wenn vor allem zu Beginn die Begeisterung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Nationalsozialismus gro\u00df war. Es gab kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Mitglied mit einer wenig r\u00fchmlichen Geschichte zwischen 1933 und 1945 hatte. Scham \u00fcber das, was seit 1938 und in den Jahren in der Politik \u00d6sterreichs geschehen war mischte sich zur Angst davor, von den Besatzungsm\u00e4chten USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die UDSSR als Kriegsschuldiger \u00e4hnlich wie 1918 behandelt zu werden. Es entstand ein Klima, in dem niemand, weder die daran beteiligte noch die nachfolgende Generation \u00fcber das Geschehene sprach. Diese Haltung verhinderte lange die Aufarbeitung dessen, was seit 1933 geschehen war. Der Mythos von \u00d6sterreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, der erst mit der Aff\u00e4re Waldheim in den 1980er Jahren langsam zu br\u00f6ckeln begann, war geboren. Polizisten, Lehrer, Richter \u2013 sie alle wurden trotz ihrer politischen Gesinnung an ihrem Platz gelassen. Die Gesellschaft brauchte sie, um am Laufen zu bleiben. Ein Beispiel f\u00fcr den gro\u00dfz\u00fcgig ausgebreiteten Mantel des Vergessens mit gro\u00dfem Bezug zu Innsbruck ist die Vita des Arztes Burghard Breitner (1884-1956). Breitner wuchs in einem wohlbetuchten b\u00fcrgerlichen Haushalt auf. Die <em>Villa Breitner<\/em> am Mattsee war Sitz eines Museums \u00fcber den vom Vater verehrten deutschnationalen Dichter Josef Viktor Scheffel. Nach der Matura entschied sich Breitner gegen eine Karriere in der Literatur und f\u00fcr ein Medizinstudium. Anschlie\u00dfend beschloss er seinen Milit\u00e4rdienst und begann seine Karriere als Arzt. 1912\/13 diente er als Milit\u00e4rarzt im Balkankrieg. 1914 verschlug es ihn an die Ostfront, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Als Arzt k\u00fcmmerte er sich im Gefangenenlager aufopferungsvoll um seine Kameraden. Erst 1920 sollte er als Held und \u201e<em>Engel von Sibirien<\/em>\u201c aus dem Gefangenenlager wieder nach \u00d6sterreich zur\u00fcckkehren. 1932 begann seine Laufbahn an der Universit\u00e4t Innsbruck. 1938 stand Breitner vor dem Problem, dass er auf Grund des j\u00fcdischen Hintergrundes seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits den \u201e<em>Gro\u00dfen Ariernachweis<\/em>\u201c nicht erbringen konnte. Auf Grund seines guten Verh\u00e4ltnisses zum Rektor der Uni Innsbruck und zu wichtigen Nationalsozialisten konnte er aber schlussendlich an der Universit\u00e4tsklinik weiterarbeiten. W\u00e4hrend des NS-Regimes war Breitner als Vorstand der Klinik Innsbruck f\u00fcr Zwangssterilisierungen und \u201e<em>freiwillige Entmannungen<\/em>\u201c verantwortlich, auch wenn er wohl keine der Operationen pers\u00f6nlich durchf\u00fchrte. Nach dem Krieg schaffte es der \u201eEngel von Sibirien\u201c mit einigen M\u00fchen sich durch das Entnazifizierungsverfahren zu winden. 1951 wurde er als Kandidat des <em>VDU<\/em>, einem politischen Sammelbecken \u00fcberzeugter Nationalsozialisten, als Kandidat f\u00fcr die Bundespr\u00e4sidentschaftswahl aufgestellt. 1952 wurde Breitner Rektor der Universit\u00e4t Innsbruck. Nach seinem Tod widmete ihm die Stadt Innsbruck ein Ehrengrab am Westfriedhof Innsbruck. In der Reichenau ist ihm in unmittelbarer N\u00e4he des Standortes des ehemaligen Konzentrationslagers eine Stra\u00dfe gewidmet.<\/p>\n<p>[\/et_pb_toggle][\/et_pb_column][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf-Pichler-Platz<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":58358,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[170,154,62,81,15,173,54],"tags":[],"class_list":["post-68554","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-adolf-pichler-vom-vormarz-zum-mainstream","category-auferstanden-aus-ruinen-die-nachkriegszeit-in-innsbruck","category-der-erste-weltkrieg-und-die-zeit-danach","category-eduard-klingler-der-baumeister-der-erweiterung","category-innenstadt-2","category-innsbrucker-kulturkampf","category-wilhelm-greil-der-buergermeister-innsbrucks"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68554"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71030,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68554\/revisions\/71030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/58358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.discover-innsbruck.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}