Innbrücke

Gegenüber Innstraße 5 / Innrain 1

Innbrücke

Der Name der Stadt Innsbruck bedeutet nichts anderes als Brücke über den Inn. Die Innbrücke war lange Zeit die einzige Brücke, die die Innsbrucker Innenstadt mit den älteren Stadtteilen St. Nikolaus und Mariahilf verband. Die Innbrücke war es auch, die der Stadt erst ihre Bedeutung und ihren Wohlstand verschaffte. Man könnte sagen, die Innbrücke war die Geburtshelferin Innsbrucks. Erstmals urkundlich erwähnt findet sich eine Marktsiedlung am nördlichen Innufer im Jahr 1180. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass diese Transitstrecke zwischen Nord und Süd, Brenner und Scharnitz, schon vorher eine gewisse Bedeutung hatte. Die Grafen von Andechs waren es, die diese Bedeutung erkannten und an dieser Stelle eine Brücke über den Inn bauen ließen, um den Verkehr zu erleichtern. Das hatte seinen Preis für die Händler. An der Innbrücke wurde Zoll auf Waren eingehoben, die nach Innsbruck kamen. Die Stadt und ihre Bürger wurden dadurch wohlhabend, für die Händler bedeutete die sichere Passage bessere Planungsmöglichkeiten und höhere Gewinne. 1871 wurde die regelmäßig von Hochwasser zerstörte Holzbrücke durch eine von nur zwei Betonpfeilern getragene, 83 m lange Eisenfachwerkbrücke ersetzt. Damals hatte Innsbruck auf Grund der Eisenbahn und der Neuerungen im Transportwesen seine Bedeutung als Umschlagplatz verloren, der zunehmende innerstädtische Verkehr machte die Renovierung aber dringend notwendig. Auch der Innsteg, der eingerichtet wurde, um die damals durchaus noch übliche Fahrt mit der Fähre über den Inn endgültig zu ersetzen, wurde im selben Jahr gebaut. Bis dahin waren noch Floße mit Waren, vor allem Holz aus dem Tiroler Oberland, am Inn unterwegs, die in St. Nikolaus anlegten. Der Waltherpark, früher Innpark, vor dem Turnusvereinshaus wurde nach Abriss des Floßabladeplatzes errichtet. 1982 wurde die Innbrücke in ihre aktuelle Form gebracht. Zuletzt wurde die Innbrücke 2023 renoviert und verbreitert. Ein besonderes Schmankerl Innsbrucker Kulturgeschichte und Tiroler Konservativismus befindet sich mittig auf dem westlichen Gehweg. Das Kruzifix des Thaurer Künstlers Rudi Wach, das Christus nackt und ohne Wunden zeigt, sollte 1986 aufgestellt werden. Unter dem Druck einer Unterschriftenkampagne besonders frommer Tiroler musste dieses „Skandalwerk“ bis 2007 im Volkskunstmuseum ausharren, bis Innsbrucks erste Bürgermeisterin Hilde Zach es doch noch aufstellen ließ, um dem Himmlischen für die Verschonung der Stadt vor dem Hochwasser von 2005 zu danken.

Die Grafen von Andechs und die Gründung Innsbrucks

Das offizielle Gründungsdatum Innsbrucks wurde irgendwann auf 1239 gelegt. Bereits einige Jahre zuvor entstand aber die Siedlung, aus der die Stadt hervorgehen sollte. Das 12. Jahrhundert war in vielen Teilen Europas von einem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und sozialen Aufschwung gekennzeichnet und gilt als eine Art früher Renaissance im Mittelalter. Über die Kreuzzüge kam es zum verstärkten Austausch mit den Kulturen des Nahen Ostens. Arabische Gelehrte brachten über Südspanien und Italien Übersetzungen griechischer Denker wie Aristoteles nach Europa. Universitäten wie Bologna und Prag entwickelten sich zu Horten des Wissens. Das römische Recht wurde wiederentdeckt. Die Wirtschaft begünstigte die Entstehung von Städten und größeren Siedlungen. Eine davon war ein kleiner Markt südlich des Klosters Wilten zwischen dem Inn und der Nordkette. Die Entstehung Innsbrucks ist eng mit dem Herzogtum Bayern verbunden. Bajuwaren hatten die Kontrolle über das Inntal nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches im frühen Mittelalter nach und nach übernommen. Dabei stützten sie sich in der Verwaltung des Gebietes auf die bestehenden Strukturen des Klerus wie das Stift Wilten und das Bistum Brixen. Mit dem Reschen- und dem Brennerpass verfügte Tirol über zwei niedrige Alpenübergänge, die für die kaiserliche Verbindung zwischen den deutschen Ländern im Norden nach Reichsitalien mit den reichen Städten sehr wichtig waren. Um diese beiden Übergänge weg von den mächtigen bayrischen Herzögen und unter die Kontrolle der Kirche, die dem Kaiser stets nahe war, zu bringen, wurde das Territorium Tirols 1027 den beiden Bischöfen von Brixen und Trient zugesprochen. Die Grafen von Andechs waren Vögte des Bischofs von Brixen. Sie stammten aus der Gegen des bayerischen Ammersees. Für die Bischöfe verwalteten sie den mittleren Teil des Inntals, das Wipptal und das Eisacktal. Die Kirche hatte das Problem, dass sie nur die niedere Gerichtsbarkeit ausüben durfte, nicht aber Blutsgerichtsbarkeit. Sie brauchten Vertreter, die das Weltliche für sie regelten. Das war die Rolle der Vögte. Diese niedrigen Adligen wurden von der Kirche eingesetzt, um deren Besitztümer zu verwalten und zu kontrollieren. In weiten Teilen Tirols übernahmen die Andechser diese Aufgabe. Zur militärischen Kontrolle des mittleren Inntals erbauten die Andechser im heutigen Innsbrucker Stadtteil Amras im Osten Innsbrucks eine Burg, das heutige Schloss Ambras, das im Rahmen einer Fehde mit dem bayerischen Herzog 1133 geplündert und zerstört wurde. 1133 gründeten die Andechser dort, wo sich heute die beiden Stadtteile Mariahilf und St. Nikolaus befinden, einen Markt und verbanden das nördliche und das südliche Innufer über eine Brücke miteinander. Diese Brücke erleichterte den Warenverkehr in den Ostalpen ungemein. Die Zolleinnahmen des Handels zwischen den deutschen und italienischen Städten, die daraus erwirtschaftet wurden, ließen die Siedlung prosperieren. Anbruggen wuchs schnell, der Platz aber zwischen Nordkette und Inn war knapp bemessen. 1180 erwarb Berchtold V. von Andechs deshalb vom Kloster Wilten ein Stück Land auf der Südseite des Inns. Innsbruck war geboren, auch wenn die Siedlung noch kein Stadtrecht hatte. Zudem hatte sich das Stift Wilten im Tauschvertrag gewisse Rechte wie die Hoheit über die Kirche der neuen Marktgemeinde vorbehalten. Die Grafen von Andechs ließen im Zuge der Errichtung der Stadtmauer die Andechser Burg bauen und verlegten ihren Stammsitz von Meran nach Innsbruck. Auch diese Siedlung wuchs rasch und irgendwann zwischen 1187 und 1204 konnten sich die Innsbrucker über das Stadtrecht freuen, das 1239 vom letzten Grafen von Andechs Otto VIII. in einer Urkunde bestätigt wurde. Das erste noch erhalten Wappen Innsbrucks stammt aus dem Jahr 1267 und zeigt die Innbrücke auf den damals zur Sicherung verwendeten Steinkästen. Das Wappen durchlief mehrere Veränderungen durch die Jahrhunderte, blieb aber der Brücke treu. Innsbruck war zu dieser Zeit bereits die Münzprägestätte der Andechser und wäre wohl zur Hauptstadt in deren Fürstentum geworden. Es kam aber anders. Otto VIII. starb im Jahr 1248. Die Grafen von Tirol, die ihre Stammburg in der Nähe von Meran hatten, übernahmen die Kontrolle über das Inntal und die Stadt Innsbruck. Bis 1849 sollte Meran offiziell Landeshauptstadt bleiben, auch wenn Innsbruck als Residenzstadt und Wirtschaftsstandort für Tirol auf der Überholspur war.