Südtirolersiedlung Wilten West
Speckbacherstraße / Egger-Lienz-Straße
Wissenswert
1939 errichtete der Bauträger Neue Heimat (Anm.: die heutige Neue Heimat Tirol) in Wilten, Pradl, der Reichenau und dem Saggen Wohnanlagen, die bis heute als Südtirolersiedlungen bekannt sind. Die imposanteste dieser Siedlungen entstand unter Leitung und Umsetzung Theodor Prachenskys und Jakob Alberts zwischen der Egger-Lienz-Straße und der Franz-Fischer-Straße. Die Architektur mag auf den ersten Blick eintönig und wenig spektakulär wirken, aus der städtebaulichen Sicht der 1930er und 40er Jahre, entstand hier nicht nur eine Wohnanlage, sondern ein ganzer Stadtteil. Um zu verstehen, welchen Kontrast Prachensky erzeugte, muss man sich in das Wilten der späten 1930er zurückdenken. Im Osten und Norden grenzten die bürgerlichen Gründerzeithäuser an die Südtirolersiedlung, im Süden war der Südring noch nicht gebaut und auch nach Westen hin zur Zollerstraße war das Gelände noch mehr oder minder unbesiedelt und leer. Am besten erkennt man Dimension und Ausmaße der Südtirolersiedlung von oben, zum Beispiel von der Ferrarikurve an der Brenner-Bundesstraße aus. Die zwei- bis dreistöckigen Gebäude, seit der letzten Sanierung in kräftigem Rot und Gelb anstelle des originalen Grau, gruppieren sich um großzügige, untereinander verbundene Innenhöfe. Die einzelnen Grünflächen werden von niedrigen, steinernen Mauern begrenzt, die dem gesamten Ensemble den Charakter einer innerstädtischen Festung verleihen. Der Eingang in die Siedlung von der Stafflerstraße zur Speckbacherstraße stellt mit den neoromanischen Säulen ein Stadttor dar, durch das man die Siedlung betritt. Wie beim Pembaurblock wollte Prachensky wohl auch hier mit dem darüberliegenden Erker auf der Ostseite eine Verbindung zur Innsbrucker Geschichte darstellen, erinnert die Komposition doch sehr an das Goldene Dachl in der Altstadt. Als Baumaterial für den Durchgang wurde mit der Höttinger Breccie ebenfalls eine Innsbrucker Besonderheit verwendet.
Die Entstehung der Südtirolersiedlung spiegelt die Tiroler Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das historische Land Tirol an der Brennergrenze geteilt. Die deutschsprachige Bevölkerung Südtirols erfuhr unter dem faschistischen Regime Mussolinis mehr und mehr Repressalien. Das führte zu Uneinigkeiten zwischen Benito Mussolini und Adolf Hitler. Mussolini wollte die deutschsprachigen Südtiroler italianisieren, Hitler hingegen hatte das Versprechen gegeben alle deutschsprachigen Volksgruppen zu vereinigen. 1939 kamen die beiden Diktatoren überein, der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols die Möglichkeit einer Umsiedlung von Italien ins Deutsche Reich zu geben. Die deutsche Propaganda, die für die Umsiedlung unter dem Motto „Heim ins Reich“ gemacht wurde, zeigte Wirkung.
„Südtiroler, bekennt euch! Eine schwere, aber stolze Stunde ruft euch auf zum Bekenntnis für Blut und Volk zur Entscheidung, ob ihr für euch und eure Nachkommen endgültig auf euer deutsches Volkstum verzichten oder ob ihr euch stolz und frei als Deutsche bekennen wollt. Ihr wählt nicht zwischen Heimat und Galizien sondern ihr wählt zwischen einem uns fremd gewordenen Südtirol und zwischen dem Lande, das uns der Führer im deutschen Reichskörper zuweisen wird. Schwer ist die Entscheidung, doch keinen Augenblick zweifelhaft, denn wir wissen, was wir dem Rufe unseres deutschen Blutes des deutschen Volkes und unseres Führers schulden. Die Scholle opfern wir dem großen Ziele, dem großen, heiligen deutschen Reich.“
Ein Großteil der deutschsprachigen Südtiroler wählte die Auswanderung Richtung Norden. Innsbruck sollte als Hauptstadt des Reichsgaus viele der sogenannten Optanten aufnehmen. Es wurde mit 20.000-50.000 neuen Bürgern gerechnet. In vielen Randgebieten des damaligen Stadtgebietes wurde in vorauseilendem Gehorsam bereits im August 1939 mit dem Bau der Siedlungen begonnen. Um die Rücksiedler möglichst schnell „nach Hause“ holen zu können, wurden trotz des Krieges alle Hebel innerhalb des immense Mittel freigemacht. Die DAF, die Deutsche Arbeitsfront, übernahm die Organisation und gründete dafür die Wohnbaugesellschaft Neue Heimat. In einer ersten Bauphase der Sondermaßnahme Südtirol projektierte die Stadt Innsbruck 1000 Wohnungen, knapp 2000 weitere sollten bis 1944 errichtet werden. Neben Wohnungen sollten Geschäfte, Gaststätten, Schulen, Kindergärten und Amtsräumlichkeiten entstehen. Mit Fortdauer des Krieges wurden Geld, Baumaterial und Arbeitskraft rar, trotzdem konnten über die Stadt verteilt etwas mehr als 2100 Wohnungen fertiggestellt werden. Als die Blöcke zwischen Egger-Lienz-Straße und Franz-Fischer-Straße 1942 bezugsbereit waren, stellte sich die Situation vollkommen anders dar als zum Zeitpunkt der Volksbefragung wenige Jahre zuvor. Das Kriegsglück hatte sich gewandt und damit auch die Begeisterung für die Heim-ins-Reich-Bewegung. Nun hatte man zu viele Wohnungen für zu wenige „Heimkehrer“, die den Schritt von der italienischen Heimat nach Norden wagten. Über 40% der Wohnungen wurden deshalb nicht an Südtiroler, sondern an „verdiente“ Untertanen des NS-Systems vergeben.
Während alliierter Luftangriffe zwischen Dezember 1943 und Dezember 1944 wurden einige der Häuser in der Speckbacherstraße getroffen. Abgerissen musste keines davon werden, die Bausubstanz blieb im Grunde erhalten. In den 1960er Jahren wurden die Häuser um 2 Stockwerke erhöht, später folgten Renovierungen und eine Umfärbung von tristem Grau in unterschiedliche lebendigere Farben. Zwischen den Blöcken liegt der Verkehrspark, wo Innsbrucker Kinder unter dem wachsamen Auge der Polizei den Fahrradführerschein machen. An der Ecke Speckbacherstraße zur Franz-Fischer-Straße überlebte ein stummes Zeugnis des Baus der Südtirolersiedlung. Auf der Höhe des ersten Stockwerkes befindet sich eine Steinfigur. Sie stammt vom Südtiroler Bildhauer Alexander Lanner, der in Innsbruck auch die Führerbüste im Trausaal im Goldenen Dachl und die Prinzessin mit Froschkönig im Brunnen im Hofgarten anfertigte. Der stramm und entschlossen Richtung Norden ins Altreich blickende Mann soll einen typischen Südtiroler in Meraner Tracht darstellen, ein Symbol für die Optanten, die sich zur Blut- und Bodenideologie des deutschen Volkes bekannten und dafür ihre Heimat verließen.
Wie auch in den anderen Südtirolersiedlungen Innsbrucks, folgte nach Nationalsozialismus und den Kriegsjahren die Reconquista der katholischen Kirche. Zwischen Wohnblöcken und dem Westfriedhof entstand mit 50 Jahren Verspätung nach einer ersten Planungsphase um die Jahrhundertwende die Pfarre zur Heiligen Familie, um dem Stadtwachstum auch seelsorgerisch nachzukommen. Jahrzehntelang mussten die Wiltener, die nicht zur Pfarrgemeinde Herz Jesu in der Maximilianstraße oder der Basilika gehörten, Gottesdiente in diversen Notkirchen feiern. 1957 konnte Bischof Paulus Rusch die erste Kirche in wirklich moderner Architektur einweihen.
Theodor Prachensky: Beamter zwischen Kaiser und Republik
Innsbruck besitzt viele bekannte Sehenswürdigkeiten, Denkmäler und spektakuläre Bauwerke. Das Goldene Dachl und die Berg Isel Sprungschanze ziehen alljährlich Zehntausende Besucher an. Weniger imposant, wohl aber wichtiger für die Stadtentwicklung in der turbulenten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren jedoch andere Gebäude. Ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wurden große Projekte umgesetzt, um die größte Not vieler Innsbrucker, die in Baracken oder bei Verwandten auf engstem Raum wohnten, zu lindern. Ganze Stadtviertel entstanden neu mit Kindergärten, Schulen, Parks und Freizeitanlagen. Einer der Baumeister, die Innsbruck in dieser Zeit nachhaltig veränderten, war Theodor Prachensky (1888 – 1970). Seine Biografie liest sich über seine 40 Jahre andauernde Tätigkeit in den Diensten der Stadt Innsbruck wie ein Abriss der österreichischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Prachensky war als Architekt und Beamter unter fünf unterschiedlichen Staatsmodellen tätig. Der K.u.K. Monarchie folgte die Erste Republik, die vom autoritären Ständestaat abgelöst wurde. 1938 kam es zum Anschluss an Nazideutschland. 1945 wurde mit Kriegsende die Zweite Republik ausgerufen. Den Grundstein zu seiner Karriere legte er wie viele andere Künstler, Architekten und Baumeister in der heutigen HTL. 1908 schloss Prachensky die baugewerbliche Abteilung der k.k. Staatsgewerbeschule Innsbruck ab. Nur ein Jahr später zog es ihn nach Meran, um beim renommierten Architekturbüro Musch & Lun erste Erfahrungen mit großen Bauprojekten zu sammeln. 1913 kehrte er nach Innsbruck zurück. Im selben Jahr heiratete er Maria, die Schwester seines Freundes Franz Baumann, bezog das selbst geplante Haus Prachensky am Berg Isel Weg 20 und trat als junger Familienvater seinen Dienst beim Stadtmagistrat Innsbruck unter Oberbaurat von Jakob Albert an. Diese Entscheidung für den öffentlichen Dienst sollte sich in der wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Krieg als Glücksfall erweisen, auch wenn er dafür seine Kreativität zurücknehmen musste. Zuerst wartete aber die Front auf ihn. Obwohl Prachensky Kriegsgegner war, meldete er sich 1915 als Einjährig-Freiwilliger bei den Tiroler Kaiserjägern zum Kriegsdienst. Ob es die Erwartungen an ihn als Beamten oder die allgemeine Begeisterung waren, die ihn zu diesem Schritt bewogen, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Nach dem Krieg kehrte er ins wirtschaftlich schwer angeschlagene Innsbruck zurück. Seine wegweisenden, wohl auch vom sozialdemokratischen Gedankengut seines Vaters Josef beeinflussten Projekte konnten erst nach den ersten und schwierigsten Nachkriegsjahren begonnen werden. Den Anfang machte der Schlachthausblock im Saggen zwischen 1922 und 1925. Es folgten der Mandelsbergerblock, der Pembaurblock sowie Kindergarten und Hauptschule in der Pembaurstraße, die ebenfalls für die wachsende Arbeiterschaft gedacht waren. Auch das 1931 entworfene Arbeitsamt war eine wichtige Neuerung im Sozialwesen. Seit der Republikgründung 1918 half das Arbeitsamt bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden und Arbeitgebern und der Eindämmung der Arbeitslosigkeit.
Die nächste Zäsur nach dem Ersten Weltkrieg und der Wirtschaftskrise stellten die vielen Wechsel der Regierungsformen Österreichs dar. Trotz der Machtergreifung Dollfuß` samt Verbot der Sozialdemokratischen Partei 1933 und dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 konnte Prachensky als leitender Beamter im öffentlichen Dienst bleiben und übte weiterhin Einfluss auf das Stadtbild Innsbrucks aus. Gemeinsam mit Jakob Albert setzte er ab 1939 die als Südtiroler Siedlungen bekannt gewordenen Wohnblöcke unter den Nationalsozialisten um. Er selbst war, anders als mehrere Mitglieder seiner Familie, niemals Mitglied der NSDAP. Zu groß war bei ihm der väterliche sozialdemokratische Einfluss, der sich in seiner Architektur widerspiegelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er acht weitere Jahre als Oberbaurat der Stadt Innsbruck tätig. Neben seiner Tätigkeit als Bauplaner und Architekt war Prachensky begeisterter Maler. Er starb mit 82 Jahren in Innsbruck.
Die von Prachensky umgesetzten Projekte sind nicht so spektakulär wie die Bergstationen seines Schwagers Franz Baumann oder Lois Welzenbachers Hochhaus. Seine Bauten, die die Zeit überdauerten, wirken vielfach nüchtern und rein funktionell und ziehen einen erst auf den zweiten Blick in ihren Bann. Vor allem die Symbolik, die Prachensky immer wieder einfließen ließ, ist bemerkenswert. Sieht man sich seine Zeichnungen im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck an, erkennt man, dass er ebenso sehr Künstler wie Techniker war. Viele seiner Entwürfe wie das Sozialdemokratische Volkshaus in der Salurnerstraße, sein Kaiserschützendenkmal oder die Friedens- und Heldenkirche wurden nicht umgesetzt. Innsbruck beherbergt mit den großen Wohnanlagen der 1920er und 30er Jahre, der Krieger-Gedächtniskapelle am Pradler Friedhof und dem alten Arbeitsamt (Anm.: heute eine Außenstelle Universität Innsbruck hinter dem aktuellen AMS-Gebäude in Wilten) viele Gebäude Prachenskys, die die Zeitgeschichte der Zwischenkriegszeit und die wechselhaften politischen und staatlichen Einflüsse, unter denen er selbst als Person stand, dokumentieren. Die Kriegergedächtnis-Kapelle am Pradler Friedhof und die gemeinsam mit Clemens Holzmeister entworfene Kaiserschützenkapelle am Tummelplatz sowie seine nicht umgesetzten Entwürfe für ein Kaiserjäger Denkmal und die Friedens- und Heldenkirche Innsbruck reflektieren seine eigenen Kriegserfahrungen und den Wunsch nach Frieden, den viele seiner Mitbürger hegten. Seine Söhne, Enkel und Urenkel führten sein kreatives Erbe als Architekten, Designer, Fotografen und Maler in verschiedenen Disziplinen fort. 2017 wurden Teile des generationenübergreifenden Werks der Künstlerfamilie Prachensky in der ehemaligen Bierbrauerei Adambräu mit einer Ausstellung gewürdigt.
Operation Greenup - Innsbrooklyns Wiedergeburt
Nach kleineren Gefechten im Außerfern und an der Porta Claudia in Scharnitz bei Seefeld stand die Cactus-Division der US-Streitkräfte am 3. Mai 1945 in Zirl vor den Toren der Gauhauptstadt Innsbrucks. Einige Widerstandskämpfer der Gruppe O5 um Fritz Molden und den späteren Tiroler Landeshauptmann Karl Gruber hatten in Innsbruck Kasernen und offizielle Einrichtungen besetzt, nachdem Gauleitung, Gestapo und SS sich aus dem Staub gemacht hatten. Trotzdem wussten die amerikanischen Truppen nicht, was sie in Innsbruck erwarten würde, hatte doch Adolf Hitler Tirol zum Teil der Alpenfestung erklärt, dem Rückzugsort, der bis zum letzten Mann verteidigt werden sollte. Wäre Innsbruck zum Gefechtsort geworden, wie es in vielen Städten der Fall gewesen war, hätte das die Zerstörung der Stadt zur Folge gehabt. Dass es nicht so weit kam und Innsbruck kampflos übergeben wurde verdanken wir einer Handvoll mutiger Frauen und Männer, die im Rahmen der US-Spionageaktion Operation Greenup die Weichen für die friedliche Kapitulation legten. Die Hauptdarsteller dieses filmreifen Coups waren Friedrich „Fred“ Mayer (1921 – 2016), Hans Wijnberg (1922 – 2011), Franz Weber (1920 – 2001) und Anna Niederkircher (1895 – 1968). Mayer und Wijnberg waren mit ihren Familien als Juden auf der Flucht aus Europa vor dem Nationalsozialismus in New York gelandet. Sie hatten sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und waren dank ihres europäischen Hintergrundes und ihrer Sprachkenntnisse beim OSS, dem militärischen US-Geheimdienst, gelandet. Weber war als Deserteur der Wehrmacht in einem Gefangenenlager in Süditalien gestrandet. Der überzeugte Katholik wollte nach seinen Kriegserfahrungen dabei helfen, das Nazi-Regime in seiner Tiroler Heimat zu stürzen. Dort wurde auch er vom OSS angeheuert. Gemeinsam sollten sie von Innsbruck aus die Versorgungslinie über den Brenner sowie kriegsrelevante Infrastruktur und Industrie wie die Messeschmitt-Werke in Kematen ausspionieren.
Am 26. Februar sprangen die drei Männer samt Ausrüstung mit Fallschirmen aus einem Flugzeug über den hochwinterlichen Ötztaler Alpen ab. Per Schlitten und öffentlichen Verkehrsmitteln schlugen sie sich mitten im Feindesland nach Oberperfuß, dem Heimatdorf Franz Webers, durch. Im katholischen und regimekritisch eingestellten Dorf fanden sie Unterstützung. Webers Schwestern Eva, Margarete und Luise, seine Nachbarin Maria Hörtnagl, vor allem aber seine Verlobte Anni Niederkircher und deren Mutter Anna, die Wirtin des Gasthofs zur Krone, übernahmen bei Versorgung, Tarnung und Unterkunft Rollen von unschätzbarem Wert. Franz Weber war der Local Guide der Gruppe. Fred Mayer mischte sich in Oberperfuß, Innsbruck und Kematen unter verschiedenen Identitäten unter die Bevölkerung. Seine Coups, sich als Wehrmachtssoldate ins Offizierskasino oder als französischer Zwangsarbeiter in die Messerschmittwerke zu schleichen, wirken wie Zutaten eines Agentenfilms. Er knüpfte Verbindungen mit anderen Widerstandsgruppen und sammelte Informationen. Webers Schwestern in Innsbruck beherbergten ihn und versorgten ihn mit allem Möglichem wie gefälschten Papieren oder einer gestohlenen Wehrmachtsuniform. Anni Niederkircher war das Verbindungselement zwischen Oberperfuß und Innsbruck. Hans Wijnberg hielt als Funker die Kommunikation mit dem Stützpunkt der US-Streitkräfte in Bari aufrecht. Alle Beteiligten wussten, würde ihre riskante Operation auffliegen, wären sie dem Tod geweiht. Im April, wenige Tage vor dem Kriegsende, trat dieses Worst Case Scenario ein. Robert Moser, der Radiohändler und Widerständler, der Fred Mayer in seinem Geschäft als Tarnung angestellt hatte, flog auf. Im Gestapo-Hauptquartier in der Innsbrucker Herrengasse wurde er verhört, gefoltert und schließlich zu Tode gepeitscht und geprügelt. Am 20. April wurde auch Fred Mayer festgenommen. Er hielt aber trotz Prügel und Folter stand, mehr noch: Nachdem er sich als Angehöriger des US-Geheimdienstes zu erkennen gegeben hatte, konnte er in Verhandlungen mit Gauleiter Hofer erwirken, dass Innsbruck kampflos als freie Stadt übergeben wird. Gegen die Versicherung Mayers, als Kriegsgefangener behandelt zu werden, gab Hofer am 2. Mai in einer Radioansprache an die Bevölkerung Order, von jeglicher Kampfhandlung abzusehen. Am 3. Mai um 14 Uhr erreichte der von der Behandlung durch die Gestapo noch gezeichnete Fred Mayer die US-Truppen bei Zirl mit dieser Meldung. Wenige Stunden später trat der Waffenstillstand in Kraft. Die Fahrzeuge und Soldaten konnten ohne weiteres Blutvergießen und Zerstörung in die Stadt einrücken.
Die Erinnerung an die Operation Greenup und das heldenhafte Handeln aller Beteiligten unter höchster Gefahr blieb lange Zeit zu Gunsten der Erzählung der Selbstbefreiung durch die tapfere Tiroler Bevölkerung ohne Erinnerung. Erst 2010 wurde Fred Mayer, der mit dem Purple Heart den höchsten Tapferkeitsorden des US-Militärs erhalten hatte, mit fast 90 Jahren vom Land Tirol spät, aber doch geehrt. Hans Wijnberg erhielt zehn Jahre nach seinem Tod eine Verdienstmedaille der Stadt Innsbruck. Franz Weber, der nach dem Krieg in Land- und Nationalrat als Abgeordneter tätig war, erhielt das Ehrenzeichen des Landes Tirol und das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich. An den zu Tode gefolterten Robert Moser erinnert eine schwer auffindbare Bronzetafel am ehemaligen Hauptquartier der Gestapo in der Herrengasse. Am Haus Anichstraße 19, in dem Mayer während seines Aufenthalts in Innsbruck untergekommen war, befindet sich eine kleine Infotafel. Erst mit dem Erscheinen des packenden Buches „Codename Brooklyn“ von Peter Pirker, das viel internationale Aufmerksamkeit erhielt, wurde diese vielleicht beeindruckendste Episode der Innsbrucker Geschichte einem breiten Publikum bekannt. Ein Vermächtnis verdankt Innsbruck aber vielleicht den Funksprüchen Wijnbergs: Sein Codename für die Stadt lautete nach dem New Yorker Stadtteil, in dem Mayer und er sich lange aufhielten, Brooklyn. Innsbruck war nach dem Nationalsozialismus als Innsbrooklyn wiedergeboren.
Innsbruck und der Nationalsozialismus
In den 1920er und 30er wuchs und gedieh die NSDAP auch in Tirol. Die erste Ortsgruppe Innsbrucks wurde bereits 1923 gegründet. Mit „Der Nationalsozialist – Kampfblatt für Tirol und Vorarlberg“ erschien ein eigenes Wochenblatt. 1933 erlebte die NSDAP mit dem Rückenwind aus Deutschland auch in Innsbruck einen kometenhaften Aufstieg. Die Modernität der Partei mit ihrem demonstrativ-revolutionären Antiklerikalismus und die Aufstiegsmöglichkeiten, die sie bot, sprach vor allem junge Menschen an. Das Neue, das Aufräumen mit alten Hierarchien und Strukturen wie der katholischen Kirche, der Umbruch und der noch nie dagewesene Stil zogen sie an. Besonders unter den großdeutsch gesinnten Burschen der Studentenverbindungen und vielfach auch unter Professoren war der Nationalsozialismus beliebt. Wer bereits oben war, sehnte sich nach den Zeiten vor dem allgemeinen Wahlrecht zurück, als Sozialdemokraten noch nichts zu melden hatten. Die demokratische Republik war konservativen Eliten ein Gräuel. Wer nach oben wollte, den Sozialdemokraten aber nichts abgewinnen konnte, konnte der sperrigen Demokratie ebenfalls nur wenig abgewinnen. Die allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der Bürger kombiniert mit theatralisch inszenierten Fackelzügen durch die Stadt samt hakenkreuzförmiger Bergfeuer auf der Nordkette und einem regen Vereinsleben verhalfen der NSDAP schnell zu Popularität. Über 1800 Innsbrucker waren Mitglied der SA, die ihr Quartier in der Bürgerstraße 10 hatte. Konnten die Nationalsozialisten bei ihrem ersten Antreten bei einer Gemeinderatswahl 1921 nur 2,8% der Stimmen erringen, waren es bei den Wahlen 1933 bereits 41%. Nicht nur die Wahl Hitlers zum Reichskanzler in Deutschland, auch Kampagnen und Manifestationen in Innsbruck verhalfen der ab 1934 in Österreich verbotenen Partei zu diesem Ergebnis. Neun Mandatare, darunter der spätere Innsbrucker Bürgermeister Egon Denz und der Gauleiter Tirols Franz Hofer, zogen in den Gemeinderat ein.
Als der Anschluss Österreichs an Deutschland im März 1938 erfolgte, kam es in Innsbruck zu bürgerkriegsähnlichen Szenen. Bereits im Vorfeld des Einmarsches war es immer wieder zu Aufmärschen und Kundgebungen der Nationalsozialisten gekommen, nachdem das Verbot der Partei aufgehoben worden war. Noch bevor Bundeskanzler Schuschnigg seine letzte Rede an das Volk vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten mit den Worten „Gott schütze Österreich“ am 11. März 1938 geschlossen hatte, rotteten sich bereits die Nationalsozialisten in der Innenstadt zusammen um den Einmarsch der deutschen Truppen vorzufeiern. Die Polizei war dem Aufruhr der organisierten Manifestationen teils gewogen, teils stand sie dem Treiben machtlos gegenüber. Landhaus und Maria-Theresien-Straße wurden zwar abgeriegelt und mit Maschinengewehrständen gesichert, an ein Durchgreifen seitens der Exekutive war aber nicht zu denken. „Ein Volk – ein Reich – ein Führer“ hallte durch die Stadt. Die Bedrohung des deutschen Militärs und der Aufmarsch von SA-Truppen beseitigten die letzten Zweifel. Mehr und mehr schloss sich die begeisterte Bevölkerung an. Am Tiroler Landhaus, damals noch in der Maria-Theresienstraße, sowie im provisorischen Hauptquartier der Nationalsozialisten im Gasthaus Alt-Innsprugg, wurde die Hakenkreuzfahne gehisst. Am 12. März empfing ein großer Teil der Innsbrucker das deutsche Militär frenetisch. Um die Gastfreundschaft gegenüber den Nationalsozialisten sicherzustellen, ließ Bürgermeister Egon Denz jedem Arbeiter einen Wochenlohn auszahlen. Am 5. April besuchte Adolf Hitler persönlich Innsbruck, um sich von der Menge feiern zu lassen. Archivbilder zeigen eine euphorische Menschenmenge in Erwartung des heilsversprechenden Führers. Auf der Nordkette wurden Bergfeuer in Hakenkreuzform entzündet. Die Volksbefragung am 10. April ergab eine Zustimmung von über 99% zum Anschluss Österreichs an Deutschland. Die Menschen waren nach der wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit, der Wirtschaftskrise und den Regierungen unter Dollfuß und Schuschnigg müde und wollten Veränderung. Welche Art von Veränderung, war im ersten Moment weniger wichtig als die Veränderung an und für sich. „Es denen da oben zu zeigen“, das war Hitlers Versprechen. Wehrmacht und Industrie boten jungen Menschen eine Perspektive, auch denen, die mit der Ideologie des Nationalsozialismus an und für sich wenig anfangen konnten. Der nostalgisch gehegte großdeutsche Traum hatte lange Tradition in Tirol. Das Versprechen, die deutschsprachigen Südtiroler Heim ins Reich zu holen und damit das Unrecht der Brennergrenze auszumerzen wurde ebenfalls gerne gehört. Dass es immer wieder zu Gewaltausbrüchen kam, war für die Zwischenkriegszeit in Österreich ohnehin nicht unüblich. Anders als heute war Demokratie nichts, woran sich jemand in der kurzen, von politischen Extremen geprägten Zeit zwischen der Monarchie 1918 bis zur Ausschaltung des Parlaments unter Dollfuß 1933 hätte gewöhnen können. Was faktisch nicht in den Köpfen der Bevölkerung existiert, muss man nicht abschaffen.
Tirol und Vorarlberg wurden in einem Reichsgau zusammengefasst mit Innsbruck als Hauptstadt. Auch wenn der Nationalsozialismus von einem guten Teil der Bevölkerung skeptisch gesehen wurde, gab es kaum organisierten oder gar bewaffneten Widerstand, dazu waren der katholische Widerstand OE5 und die Linke in Tirol nicht stark genug. Unorganisiertes subversives Verhalten der Bevölkerung, vor allem in den Landgemeinden rund um Innsbruck gab es vereinzelt. Zu allumfassend dominierte der Machtapparat den Alltag der Menschen. Viele Arbeitsstellen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens waren an eine zumindest äußerlich parteitreue Gesinnung gebunden. Eine Inhaftierung blieb dem größten Teil der Bevölkerung zwar erspart, die Angst davor war aber allgegenwärtig. Das Regime unter Hofer und Gestapochef Werner Hilliges leistete ganze Arbeit bei der Unterdrückung. Regimegegner Nummer eins war der Klerus, die katholische Kirche wurde deshalb auf allen Ebenen bekämpft. Katholische Schulen wurden umfunktioniert, Jugendorganisationen und Vereine verboten, Klöster geschlossen, der Religionsunterricht abgeschafft und eine Kirchensteuer eingeführt. Besonders hartnäckige Pfarrer wie Otto Neururer wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch Lokalpolitiker wie die späteren Innsbrucker Bürgermeister Franz Greiter und Anton Melzer, der im Ersten Weltkrieg für Gott, Kaiser und Vaterland einen Arm verloren hatte, mussten flüchten oder wurden verhaftet. Gewalt und die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung, dem Klerus, politisch Verdächtigen, Zivilpersonen und Kriegsgefangenen auch nur überblicksmäßig zusammenzufassen würde den Rahmen sprengen. In der Klinik Innsbruck wurden Behinderte und vom System als nicht genehm empfundene Menschen wie Homosexuelle zwangssterilisiert. 1941 wurde in der Rossau in der Nähe des Bauhofs Innsbruck das Arbeitslager Reichenau errichtet. Etwa 120 Personen fanden in diesem Barackenlager den Tod durch Krankheit, die schlechten Bedingungen, Arbeitsunfälle oder Hinrichtungen. Die meist jüdischen, russischen oder italienischen Zwangsarbeiter wurden in den Messerschmitt Werken in Kematen und auf den vielen Baustellen wie der Errichtung der Südtiroler Siedlungen oder der Stollen zum Schutz vor den Luftangriffen im Süden Innsbrucks eingesetzt. Die Erinnerungsorte an die Zeit des Nationalsozialismus sind rar gesät. Das auffälligste Denkmal ist wohl das Tiroler Landhaus mit dem Befreiungsdenkmal. An der Alten Universität in der Herrengasse prangt eine Bronzetafel, die daran erinnert, dass die Gestapo hier einst ihr Hauptquartier hatte, wo Verdächtige unter Folter verhört, schwer misshandelt und teils mit Fäusten zu Tode geprügelt wurden. Der Vorplatz der Universität und eine kleine Säule am südlichen Eingang der Klinik wurden ebenfalls im Gedenken an das wohl dunkelste Kapitel Österreichs Geschichte gestaltet. In der Rossau wurde ein Gedenkort an das Arbeitslager Reichenau errichtet.
Luftangriffe auf Innsbruck
Das Aussehen einer Stadt unterliegt einem steten Wandel. Einige Epochen hinterließen besonders gut sichtbare Veränderungen im Stadtbild Innsbrucks. Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen ab dem 15. Jahrhundert sowie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spiegeln sich auch in Bauwerken und Denkmälern wider. Das einschneidendste Ereignis mit den größten Auswirkungen auf das Stadtbild waren aber wohl die Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg, als aus der „Heimatfront“ ein tatsächlicher Kriegsschauplatz wurde. Die Lage am Fuße des Brenners war über Jahrhunderte ein Segen für die Stadt gewesen, nun wurde sie ihr zum Verhängnis. Innsbruck war ein wichtiger Versorgungsbahnhof für den Nachschub an der Italienfront. In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1943 erfolgte der erste alliierte Luftangriff auf die schlecht vorbereitete Stadt. 269 Menschen fielen den Bomben zum Opfer, 500 wurden verletzt und mehr als 1500 obdachlos. Über 300 Gebäude, vor allem in Wilten und der Innenstadt, wurden zerstört und beschädigt. Am Montag, den 18. Dezember fanden sich in den Innsbrucker Nachrichten, dem Vorgänger der Tiroler Tageszeitung, auf der Titelseite allerhand propagandistische Meldungen vom erfolgreichen und heroischen Abwehrkampf der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten gegenüber dem Bündnis aus Anglo-Amerikanern und dem Russen, nicht aber vom Bombenangriff auf Innsbruck.
Bombenterror über Innsbruck
Der 16. Dezember wird in der Geschichte Innsbrucks als der Tag vermerkt bleiben, an dem der Luftterror der Anglo-Amerikaner die Gauhauptstadt mit der ganzen Schwere dieser gemeinen und brutalen Kampfweise, die man nicht mehr Kriegführung nennen kann, getroffen hat. In mehreren Wellen flogen feindliche Kampfverbände die Stadt an und richteten ihre Angriffe mit zahlreichen Spreng- und Brandbomben gegen die Wohngebiete. Schwerste Schäden an Wohngebäuden, an Krankenhäusern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen waren das traurige, alle bisherigen Schäden übersteigende Ergebnis dieses verbrecherischen Überfalles, der über zahlreiche Familien unserer Stadt schwerste Leiden und empfindliche Belastung der Lebensführung, das bittere Los der Vernichtung liebgewordenen Besitzes, der Zerstörung von Heim und Herd und der Heimatlosigkeit gebracht hat. Grenzenloser Haß und das glühende Verlangen diese unmenschliche Untat mit schonungsloser Schärfe zu vergelten, sind die einzige Empfindung, die außer der Auseinandersetzung mit den eigenen und den Gemeinschaftssorgen alle Gemüter bewegt. Wir alle blicken voll Vertrauen auf unsere Soldaten und erwarten mit Zuversicht den Tag, an dem der Führer den Befehl geben wird, ihre geballte Kraft mit neuen Waffen gegen den Feind im Westen einzusetzen, der durch seinen Mord- und Brandterror gegen Wehrlose neuerdings bewiesen hat, daß er sich von den asiatischen Bestien im Osten durch nichts unterscheidet – es wäre denn durch größere Feigheit. Die Luftschutzeinrichtungen der Stadt haben sich ebenso bewährt, wie die Luftschutzdisziplin der Bevölkerung. Bis zur Stunde sind 26 Gefallene gemeldet, deren Zahl sich aller Voraussicht nach nicht wesentlich erhöhen dürfte. Die Hilfsmaßnahmen haben unter Führung der Partei und tatkräftigen Mitarbeit der Wehrmacht sofort und wirkungsvoll eingesetzt.
Diese fantasievoll gestaltete Nachricht schaffte es gerade mal auf Seite 3. Prominenter wollte man die schlechte Vorbereitung der Stadt auf das absehbare Bombardement wohl nicht präsentieren, zu groß waren die Schäden an der Stadt und die persönlichen, tragischen Verluste in der Bevölkerung. Dass die sterblichen Überreste der Opfer des Luftangriffes vom 15. Dezember 1943 am heutigen Landhausplatz vor dem neu errichteten Gauhaus, dem Symbol nationalsozialistischer Macht, aufgebahrt wurden, zeugt von trauriger Ironie des Schicksals. Im Jänner 1944 begann man mit der Errichtung von Luftschutzstollen und andere Schutzmaßnahmen. Die Arbeiten wurden zu einem großen Teil von Gefangenen des Konzentrationslagers Reichenau durchgeführt.
Insgesamt wurde Innsbruck zwischen 1943 und 1945 zweiundzwanzig Mal angegriffen. Dabei wurden knapp 3833, also knapp 50%, der Gebäude in der Stadt beschädigt und 504 Menschen starben. In den letzten Kriegsmonaten war an Normalität nicht mehr zu denken. Die Bevölkerung lebte in dauerhafter Angst. Die Schulen wurden bereits vormittags geschlossen. An einen geregelten Alltag war nicht mehr zu denken. Die Stadt wurde zum Glück nur Opfer gezielter Angriffe. Deutsche Städte wie Hamburg oder Dresden wurden von den Alliierten mit Feuerstürmen mit Zehntausenden Toten innerhalb weniger Stunden komplett dem Erdboden gleichgemacht. Trotzdem war die Bilanz verheerend. Viele Gebäude wie die Jesuitenkirche, das Stift Wilten, die Servitenkirche, das Hallenbad in der Amraserstraße wurden getroffen. Der Angriff am 16. Dezember 1944, ein Jahr nach dem ersten Luftschlag, verheerte den Dom und das Rathaus. Besondere Sorgfalt und Schutz erfuhren in Innsbruck historische Gebäude und Denkmäler. Das Goldene Dachl wurde mit einer speziellen Konstruktion ebenso geschützt wie der Sarkophag Maximilians in der Hofkirche. Die Figuren der Hofkirche, die Schwarzen Mannder, wurden nach Kundl gebracht. Das Bild der Gnadenmutter Lucas Cranachs aus dem Innsbrucker Dom wurde während des Krieges ins Ötztal überführt.
Viele Jahre nach dem Krieg war die Stadt von den Trümmern und Schäden der Luftangriffe charakterisiert, heute erinnert nur noch wenig an diese für viele Innsbrucker traumatischen Ereignisse. Der Luftschutzstollen südlich von Innsbruck an der Brennerstraße und die Kennzeichnungen von Häusern mit Luftschutzkellern mit ihren schwarzen Vierecken und den weißen Kreisen und Pfeilen kann man heute noch begutachten. Zwei der Stellungen der Flugabwehrgeschütze, mittlerweile nur noch zugewachsene Mauerreste, können am Lanser Köpfl oberhalb von Innsbruck besichtigt werden. In Pradl, wo neben Wilten die meisten Gebäude beschädigt wurden, weisen an den betroffenen Häusern Bronzetafeln auf den Wiederaufbau nach dem Krieg hin. Am alten Innsbrucker Rathaus erinnert eine Wandmalerei an den Bombentreffer im Dezember 1944.