Für eine Kirche und Schule auf dem Hungerburg-Plateau

Erschienen: Tiroler Anzeiger /  22. Jänner 1927

Über diesen Text...

In der kurzen Boomphase zwischen der Währungsreform 1925 und der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre entstanden in Innsbruck eine große Anzahl von Bauwerken. Eines davon war die Theresienkirche auf der Hungerburg.

Der Artikel

Der heuer bevorstehende Bau unserer Oberinnbrucker, des politisch zur Gemeinde Mühlau gehörigen Hungerburgsiedlung zum Stadtteile erhebt gegenwärtig mit den Zeitforderungen, sie bald mit den sozialen Einrichtungen auszustatten, deren sie zu entbehren sich jetzt schon als nachteilig erweist.

Eine einmal reichbebaut erscheinende Terrasse über der ehemaligen rühmlich bekannten Kinderfriedhofswiese, aus dem Norden durch romantische Waldpartien gegen die Hungerburgstraße abgegrenzt, soll nun ganzjährig und vor allem für lange Wintermonate eine glückliche Insel für Erholungssuchende und für Kinder — aber ebenso auch für Arbeiter — werden.

In diesem Jahre dann sollen eine Kirche, sowie Schule und Kindergarten der Hungerburgsiedlung errichtet werden.

Um diese vom Gebiete Mühlaus durch steile Wald-, Fels- und Straßenlinien eigentümlich isolierte Siedlung mit der Mutterkirche und den Mutterhausgemeinden immer mehr zu verbinden, mit denen sie einst die beiderseitigen grundlegenden kirchlichen und politischen Aufgaben erfüllen soll, sind feste kirchliche und schulische Einrichtungen unentbehrlich.

Denn selbst die vollständige Hochkultur allein könnte nicht genug ersetzen, was die seitherigen Gottesdienste im städtischen Gebiete den Bewohnern der Hungerburg nicht zu bieten vermochten. Die seitherigen Erfahrungen lassen daher den Wunsch, dort religiöse und weltliche Unterrichts- und Kulturstätten zu schaffen, dringender denn je erscheinen.

Die neue Siedlung bringt eine Kirche und Schule notwendig mit sich.

Es ist in dieser Hinsicht schon eifrig am Werke; die vorbereitenden Arbeiten sind bereits im Gange. Die Stadtgemeinde Innsbruck wird die hoch anerkannte und wohltätige Tätigkeit ihres Bürgermeisters Dr. Schumacher gewiss dankbar anerkennen, wenn er dieses große Unternehmen, das im Interesse einer weit verzweigten Bevölkerung steht, zu fördern hilft.

Die katholische Bevölkerung Innsbrucks wird es begrüßen, wenn sie den ersehnten Plan durch Opfer unterstützen kann, wie sie es auch früher stets bei ähnlichen Gelegenheiten getan hat.

Von einer kirchlichen Stelle wurde erklärt, sie wolle mitarbeiten und freue sich, wenn die Arbeiten bald gefördert werden könnten.

Es fehlt jedoch noch die Hilfe aller Innsbrucker Katholiken, dass der notwendig gewordene Bau einer Kirche auf der Hungerburg ohne größeren Aufschub verwirklicht werden kann.
Um dieses Ziel zu erreichen, wendet sich der „Innsbrucker Anzeiger“ heute in seinem nächsten Sonntagsblatt mit einem dringenden Aufruf an alle Gutgesinnten und Opferwilligen. Dieser Aufruf wird hoffentlich alles erreichen, was dieses Unternehmen fordert.