Tummelplatz

Wo ist das?

Tummelplatzweg, Innsbruck

 

Wissenswertes

Der Tummelplatz ist einer der bemerkenswertesten Plätze Innsbrucks. Mitten im Wald liegt diese friedliche und überaus sehenswerte Begräbnis- und Gedenkstätte, die an gefallene Soldaten von den napoleonischen Kriegen bis zum Zweiten Weltkrieg erinnert.

Über einen kurzen Spaziergang vom Schloss Ambras aus kann der Tummelplatz bequem erreicht werden. Die unterschiedlich alten und teils kunstvoll gestalteten Kreuze und Grabsteine erzählen dem Besucher Schicksale und Geschichten von Soldaten verschiedener Ären. Zu Weihnachten und anderen Feiertagen finden Veranstaltungen statt, um der Gefallenen zu gedenken. Darüber hinaus bietet der Tummelplatz dank seiner erhobenen Lage einen fantastischen Ausblick über Innsbruck mit der Nordkette im Hintergrund.

Die Kapellen am Tummelplatz

Insgesamt befinden sich am Tummelplatz sechs sehr unterschiedlich gestaltete Kapellen aus verschiedenen Perioden. Am östlichen Eingang des Tummelplatzes steht die vom international bekannten Clemens Holzmeister entworfene Kaiserschützenkapelle. Der Tiroler Künstler Alfons Walde gestaltete die Wandmalerei, die großflächig zwei Kaiserschützen zeigt. Die Lichtung wird dominiert von der Kreuzkapelle, die 1897 durch Spenden finanziert wurde. So sahen die Innsbrucker Nachrichten das Ereignis in ihrer Ausgabe vom 11. Oktober 1897: „Auf der dem Tummelplatz zugekehrten Stirnseite ist der Eingang der Kapelle in gothischem Spitzbogen. Eine über dem Portale angebrachten Marmortafel verkündet die Widmung der Kapelle zur frommen Erinnerung an die in den Freiheitskämpfen von 1797 und 1809 gefallenen und hier begrabenen Krieger. Den oberen Teil des Giebels schmückt ein Rundfenster in Form eines Dreipasses. Überkrönt ist die ganze Stirnseite von einem als Thürmchen für 2 hellklingende Glöcklein verwendeten Dachreiter, der einen stilgerechten Abschluss bildet. … Im Schiffe der Kapelle ist an der Wand der Westseite neben dem Fenster eine Votivtafel aus Marmor in die Mauer eingelassen, deren Inschrift an das furchtbare Schicksal erinnert, welches beim Brande eines Wohltätigkeitsbazarss in Paris am 4. Mai 1897 die Herzogin Charlotte Augusta von Alencon ereilte.“

Die Fassade wurde während des Ersten Weltkriegs 1917 von Toni Kirchner gestaltet und zeigt Soldaten der Italienfront, die einen Holzsarg ziehen. Darunter findet sich ein Gedicht von Anton Müller. Bei der Renovierung der Kapelle 1969 kam das Gemälde „Der auferstandene Heiland überwindet den Tod“ Anton Plattners im Innenraum hinzu.

Geschichte des Tummelplatz

Den Namen trägt die Waldlichtung südlich von Innsbruck von den Pferden des Schloss Ambras, die hier vor den Toren der Anlage zugeritten wurden, sich also „tummelten“. Als von 1797 bis 1815 der Krieg Österreichs gegen die französische Armee unter Napoleon wütete, wurde das leerstehende Schloss Ambras zu einem Lazarett umgewandelt. Um den Platz als Grabesstätte zu kennzeichnen, wurde ein großes Kreuz angebracht. In der Innsbrucker Bevölkerung machten allerhand unheimliche Geschichten rund um den Soldatenfriedhof die Runde. Nach einer Marienerscheinung wurde der Tummelplatz zu einem Wallfahrtsort. Auch in den Kriegen 1848, 1859 und 1866 diente Schloss Ambras als Spital für die Verwundeten. Soldaten und auch fünf Krankenpflegerinnen, die in Schloss Ambras starben, wurden am Tummelplatz bestattet. Heute befinden sich am Tummelplatz nicht nur die Grabstätten von gefallenen Kriegern aus den napoleonischen Kriegen und der Erhebung unter Andreas Hofer, sondern auch viele Gedenkkreuze, die für gefallene Soldaten der beiden Weltkriege errichtet wurden. Die am Tummelplatz bestatteten Soldatenstammten nicht nur aus Tirol, sondern aus allen Kronländern des Habsburgerreichs. Besonders für Angehörige von Kriegsopfern, die fern der Heimat begraben wurden, stellt der Tummelplatz eine wichtige Gedenkstätte dar. Er ist mehr als eine Landesgedenkstätte, vielmehr dient er als internationaler Gedenkplatz für Kriegsopfer und als Mahnmal zur Erhaltung des Friedens.

Kriegsgeschehen 1797 - 1866

In den Jahren 1796-1815 tobten in Europa die napoleonischen Kriege. Tiroler Soldaten waren dabei nicht nur bei den Erhebungen unter Andreas Hofer am Kampfgeschehen beteiligt, sondern verteidigten die Landesgrenzen auch im heutigen Italien gegen die einrückenden Franzosen. Tirol war damals nach Süden hin bis ins heutige Trentino ein geeintes Fürstentum. Der Herz-Jesu-Kult, wonach Tiroler Schützen einen Bund mit dem Herzen Jesu in aussichtsloser Lage geschlossen hatten und trotz Unterzahl siegreich aus einer Schlacht gingen, geht auf diese Jahre zurück.

In den Kriegsjahren 1848 und 1859 kam es in Italien zu den italienischen Befreiungs- und Einigungskriegen, in denen Österreich probierte die Reichsteile Lombardei und Venetien gegen das sich formende Königreich Italien zu verteidigen. 1866 kam es im deutsch-österreichischen „Bruderkrieg“ mit Preußen sowohl zur berühmten Schlacht von Königgrätz wie auch zu erneuten Kampfhandlungen in Italien. Die Habsburger verloren die Mehrzahl ihrer italienischen Besitzungen und schieden auch aus dem Deutschen Bund aus.

Diese Kriege wurden teils sehr brutal geführt. In der Nähe des Gardasees kam es 1859 zur Schlacht von Solferino, bei der Österreich gegen das Königreich Piemont-Sardinien und Frankreich ins Feld zog. Auf Grund des hohen Blutzolls entschloss sich der Augenzeuge der Schlacht Henry Durant das Rote Kreuz zu gründen. In weiterer Folge kam es 1863 zur Genfer Konvention, in der eine Art Kriegsrecht begründet wurde.