Die Innsbrucker Hofkirche ist eines der wenigen Gotteshäuser, das den Furor der barocken Stadterneuerung des 17. und 18. Jahrhunderts überstand. Das gotische Gebäude besitzt Form und Merkmale der späten Innsbrucker Renaissance. Der Eingangsbereich ist bescheiden, Säulen und unauffällige Ornamente schmücken das Portal unter dem Gewölbe. Die schmucklose Fassade geht neben der prunkvollen Hofburg fast unter. Trotz ihres bescheiden anmutenden Äußeren zählt die Kirche zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Geplant als Maximilians letzte Ruhestätte ist sie das größte kaiserliche Grabmal Westeuropas. Im 19. Jahrhundert galt sie als das wichtigste, manch boshaftem Reisenden gar als einzige Sehenswürdigkeit Innsbrucks, wie ein Reisebericht aus dem Jahr 1846 wiedergibt:
„Das meiste Kunstinteresse erregt die Hof- oder Franziskaner-, eigentlich heil. Kreuzkirche, die mehr Museum der Erzbildnerei als Kirche ist. Im Mittelschiff ist das Grabmal Kaiser Marimilian's I. angebracht, von einem unförmlichen Eisengitter umschlossen. Auf der Decke des Sargs ist der Kaiser lebensgroß, knieend, die Hände zum Gebet gefaltet, zu schauen. Diesen Erzguß verfertigte der Sicilianer Ludwig del Duca, und die an den vier Ecken der Decke angebrachten Statuetten, die Tugenden der Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigkeit vorstellend… Die Seitenflächen des Sarges, in 24 Felder getheilt, enthalten auf eben so vielen Marmortafeln die merkwürdigsten Kriegs- und Friedensthaten dieses Herrschers in erhabener Arbeit.“
Es ist wohl wahr, kein Bauwerk zeigt die Sicht Maximilians I. auf sich selbst und seine Welt so gut wie die Innsbrucker Hofkirche. Der „letzte Ritter und erste Kanonier“ stellte seine öffentliche Person in den Mittelpunkt einer langen Ahnenreihe, die bis zum englischen Sagenkönig Artus zurückreicht. Dabei hätte man noch weiter ausholen können, hatte doch der Hofgenealoge Maximilians den Bibelvater Noah und den antiken trojanischen Helden Hector als Stammväter der Habsburger ausgemacht. Überlebensgroße Bronzefiguren dieser Vorgänger Maximilians sollten die ewige Ruhe des Kaisers bewachen. Von den geplanten 40 Schwarzen Mandern, auch wenn nicht alle männlich sind, wurden schlussendlich nur 28 realisiert, um eine gebührende Ehrengarde zu bilden. Im Zentrum des Ensembles kniet Maximilian selbst. Bei der Gestaltung des zentral in der Kirche thronenden Kenotaphs war Albrecht Dürer (1471 – 1528), involviert. Dürer war mit seiner Arbeit der Vertreter des frühneuzeitlichen Kapitalismus der Kunstszene. Seine Kupferstiche waren schon zu seinen Lebzeiten in den deutschen Ländern weit verbreitete Massenware und machten ihn zu einem gefragten Promi. Maximilian war ein eifriger Förderer des geschäftstüchtigen Nürnbergers, der wie der Kaiser mit seinen populären Darstellungen und Werken für eine möglichst breite Öffentlichkeit sichtbar sein wollte. Das Grabmal stellt den Kaiser im Tod so dar, wie er schon zu Lebzeiten wahrgenommen werden wollte, als Symbol für das tugendhafte und fromme Leben. Das Oratorium am Sarg von Hans Waldner ist ein Beispiel für die hoch entwickelte Tischlereikunst der Renaissance im deutschsprachigen Raum. Die Reliefs an den Seiten markieren wichtige Stationen aus dem Leben Maximilians, jedes für sich ist ein kleines Kunstwerk. Beginnend mit der Vermählung mit Maria von Burgund über verschiedene kriegerische Stationen zeigen die 24 Tafeln die Glanztaten des eitlen Habsburgers. Die Fertigstellung seines Grabmals erlebte der Kaiser nicht mehr. 1519, als er das Ende seiner Tage kommen fühlte, sollen ihm der Legende nach die Innsbrucker Wirtsleute die Schulden präsentiert haben, die sein Hofstaat über die Jahre hinweg bei ihnen angehäuft hatte. Erzürnt über diese Anmaßung kehrte Maximilian „seinem“ Innsbruck den Rücken und machte sich auf den Weg zu seiner Stammburg nach Wiener Neustadt, seiner alternativen letzten Ruhestätte. Auf halbem Weg dorthin verstarb er in Linz. So egozentrisch Maximilian im Leben und dessen Darstellung war, so bescheiden wollte er seinen letzten Weg antreten. Er soll verfügt haben, ihn nach der letzten Ölung nicht mehr mit seinen Titeln anzusprechen, seinem Leichnam die Zähne zu ziehen, den Schädel zu rasieren und ihn in einen Leichensack einzunähen, auf dass er als armer Büßer vor den Herrn im Himmel treten könnte. Glaube war für ihn ein Instrument, um seine Macht zu legitimieren. Er war aber kein Zyniker, sondern tatsächlich wie die allermeisten seiner Standesgenossen auf den europäischen Königsthronen ein frommer Mensch. Glaube als Ordnungssystem funktioniert nur, wenn man wirklich glaubt, Gebäude wie die Hofkirche zeigen das heute noch eindrucksvoll. Da die Figuren für sein Ersatzgrab in der Burg in Wiener Neustadt zu schwer waren, beschloss Maximilians Enkel Kaiser Ferdinand I. Jahrzehnte später das Grabmal in Innsbruck auch ohne die sterblichen Überreste erbauen zu lassen. Im Gusswerk in Mühlau waren die Bronzefiguren bereits gegossen worden. Der Bau an der Kirche wurde 1563 nach 10 Jahren beendet. Der Leichnam Maximilians wurde nicht mehr überführt, der kaiserliche Leib liegt in Wiener Neustadt begraben. Sein Herz wurde, wie bei Monarchen üblich, getrennt vom Körper bestattet. Es liegt bei seiner ersten Ehefrau Maria von Burgund in Brügge. Die Schwarzmanderkirche ist auch ohne den Leichnam im prächtigen Sarkophag ein eindrucksvoller Coup des PR-Profis Maximilian.
Was dem Kaiser nicht gelang, schaffte der Tiroler Widerstandskämpfer Andreas Hofer. Seine sterblichen Überreste liegen in der Hofkirche in einem Ehrengrab. Der Weg dorthin war allerdings lang. Hofer wurde 1810 in Mantua hingerichtet und beerdigt. 13 Jahre später, machte sich eine inoffizielle Delegation der Tiroler Schützen auf, um seinen Leichnam auszugraben und nach Innsbruck zu überstellen. Nach anfänglichen Widerständen des offiziellen Staates unter Metternich wurde er schlussendlich doch in der Hofkirche beerdigt. Das Marmordenkmal zeigt Hofer in Tiroler Tracht mit Fahne beim Treueschwur „Für Gott, Kaiser und Vaterland“, gemäß den Vorstellungen der habsburgischen Obrigkeit.
Neben den Bronzefiguren und den Grabmälern beinhaltet die Schwarzmanderkirche eine noch immer spielbare Renaissanceorgel. Instrumente in Kirchen dienen heute noch für Konzerte, scheinen im 21. Jahrhundert kaum noch als spektakulär. Bis ins 20. Jahrhundert war der Messebesuch für viele Menschen die einzige Möglichkeit überhaupt Musik zu konsumieren und stellte ein Highlight des Wochenablaufs dar. Bei einem Konzert kann man sich noch heute vom raumfüllenden Klang überzeugen.
Auch in der an die Hofkirche anschließenden Silbernen Kapelle kann eine sehenswerte Orgel besichtigt werden. In diesem Andachtsraum suchte Landesfürst Ferdinand II. Ruhe und Zurückgezogenheit, vielleicht, um im Zwiegespräch mit dem Allmächtigen Ablass für sein wildes Treiben während seiner legendären Feste auf Schloss Ambras zu erbitten. Ihren Namen erhielt die Kapelle von den pompös verzierten Reliefs, die den Altar aus Elfenbein, Ebenholz und Silber schmücken. Hofbaumeister Giovanni Lucchese und der niederländische Hofbildhauer Alexander Colin, der auch an den Schwarzen Mandern einen Stock tiefer mitgearbeitet hatte, gestalteten das gotische Kleinod im Sinne des Renaissancemenschen Ferdinand, der sich auf seinem Grabmal wie Maximilian als weltlich mächtiger, zugleich aber frommer und demütiger Herrscher darstellen ließ. Neben ihm ruhen unter dem gotischen Gewölbe seine erste Gattin Philippine Welser und die gemeinsamen Kinder.
Wer mehr über Kultur und Alltag vergangener Zeiten in Tirol und die Geschichte der Hofkirche erfahren möchte, ist im Volkskunstmuseum direkt neben der Hofkirche gut aufgehoben. Anders als das Ferdinandeum beschäftigt sich dieses Museum aber nicht mit der Hochkultur, sondern dem Alltag der breiten Bevölkerung und volkstümlichen Traditionen. In bürgerlich-intellektuellen Kreisen hatte sich bereits im 19. Jahrhundert ein reges Interesse am speziellen Charakter des Tiroler Volksgeistes und der Landesgeschichte geregt. Sagen, Märchen, Lieder, Bräuche, Kleidung, Handwerk – alles, was die Volksseele ausmachte, wurde interessant. Das Aufkommen des Tourismus hatte zur Folge, dass Alltagsgegenstände, „Altertümer“ und Kunstgegenstände, die in diesem Sinn als patriotische Kulturgüter verstanden wurden, von gut betuchten Reisenden als Andenken und Kuriositäten aus dem exotischen Land im Gebirge mit nach Hause genommen wurden. Gleichzeitig ersetzten Waren aus Industriebetrieben mehr und mehr Erzeugnisse aus bäuerlichem Handwerk, das für lange Zeit vor allem im Winter eine Einnahmequelle in der Landwirtschaft darstellte. 1889 beschloss der knapp 10 Jahre zuvor gegründete Tiroler Gewerbeverein ein Museum zu gründen, das sich mit der Sammlung kunsthandwerklicher Güter aus Tirol im weitesten Sinn beschäftigte. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie bekam diese Unternehmung neues Gewicht. Die Gründung der Republik Deutsch-Österreich war eine holprige Angelegenheit. Österreich als Staatswesen hatte keine Tradition, das Kronland Tirol hingegen konnte auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Die Tiroler Identität aus Sicht seiner großdeutsch-liberalen Gründerväter aus der Handelskammer sollte im Volkskunstmuseum für eine neue Öffentlichkeit sichtbar dargestellt werden. Aus dem Tiroler Alltag vergangener Jahrhunderte wurde eine Meistererzählung, die die Zusammengehörigkeit der beiden seit 1920 am Brenner getrennten Landesteile in erlebbare Form brachte. 1926 übernahm das Land Tirol die umfangreiche Sammlung, drei Jahre später wurde das ehemalige Franziskanerstift von Bundespräsident Miklas feierlich als Tiroler Volkskunstmuseum eingeweiht. Das von Andrea Crivelli und Niclas Türing im 16. Jahrhundert als Kloster entworfene und später umgebaute Gebäude wurde quasi zur Heimat des Tiroler Volksgeistes. Wie wichtig die museale Deutungshoheit über die Identität des Landes für die Politik in dieser Zeit war, zeigt die Tatsache, dass der Leiter des Museums Josef Ringler 1938 bereits wenige Tage nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich von seinem Posten entfernt und linientreu ersetzt wurde. Heute zeigt das Volkskunstmuseum Bauernstuben, Möbel, Kleidung, Krippen, Masken und andere Gegenstände, die Tiroler Traditionen seit dem Mittelalter darstellen. Augenmerk wird dabei nicht nur auf die Kultur Nordtirols gelegt, sondern im Sinne der Europaregion werden auch Südtirol und das Trentino mit in die Betrachtung einbezogen. Besonders beliebt ist die alljährliche Krippenausstellung zu Weihnachten, die die Geburt des Heilands ins Heilige Land Tirol verlegt. Wie wichtig die nationale Identität noch immer ist, zeigen Diskussionen rund um Trachten, Dirndl, Schützen und Traditionen bis heute.